Kostensprung ist schwer nachvollziehbar

Mindener Tageblatt

Reaktionen auf einheitlichen Beitragssatz von 15,5 Prozent / BKK Melitta und BKK Drabert verhandeln über Fusion

Von Anja Peper

Gesundheit wird teurer. Viele Kassenpatienten können den Kostensprung zum 1. Januar, welcher von der Politik per Gesetz angeordnet wird, kaum nachvollziehen.Minden (mt). Gesundheit wird teurer: Vom 1. Januar an beträgt der Beitragssatz für alle gesetzlichen Krankenkassen einheitlich 15,5 Prozent. Kassenpatienten im Kreis reagieren teils frustriert, teils mit Unverständnis auf die Kosten des neuen Gesundheitsfonds.

„Für unsere Versicherten ist ein derartiger Kostensprung, welcher von der Politik per Gesetz angeordnet wird, schwer nachvollziehbar“, sagt Jörg Lewe, Sprecher der AOK Herford/Minden-Lübbecke. Deren Satz liegt bisher bei 13,8 Prozent. Die AOK betreut im Kreis Minden-Lübbecke (inklusive Bad Oeynhausen) etwa 90 000 Versicherte. Den neuen einheitlichen Beitragssatz hält er unter verschiedenen Aspekten für kritisch. Jörg Lewe: „Wir haben den Gesundheitsfonds nicht gewollt und halten ihn angesichts der sehr stabilen Haushaltslage der AOK in Herford und Minden-Lübbecke nicht für notwendig.“

Der Gesundheitsfonds bedeute einen Paradigmenwechsel in der gesetzlichen Krankenversicherung, da der Beitragssatz künftig nicht mehr von der Krankenkasse, sondern bundesweit von der Politik festgelegt wird. „Lokale Gegebenheiten bleiben so unberücksichtigt. Und die sind in Ostwestfalen halt anders als beispielsweise in den Stadtstaaten Hamburg oder Bremen“, argumentiert Jörg Lewe.

Die AOK meldet auch Zweifel an, ob eine nachhaltige Finanzierung des Gesundheitswesens mit dem Einheitssatz erreicht wird. „2009 wird sich alles um die Frage drehen, ob die Einnahmen des Gesundheitsfonds dann die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung decken werden.“ Angesichts der aktuell vom Gesundheitsministerium versprochenen Honorarsteigerungen für die Ärzte und Krankenhäuser sei dieses Ziel „ehrgeizig“.

Den Frust der Versicherten über die stetig steigende „Fieberkurve“ der gesetzlichen Krankenversicherung – das kennt auch Reinhard Cunardt, Vorstandsvorsitzender der heimischen BKK Melitta (41 300 Versicherte). Die bietet bisher den günstigen Beitragssatz von 12,8 Prozent.

Sonderbeitrag müssen Versicherte allein tragen

Cunardt: „Hinzu kommt noch der Sonderbeitrag von 0,9 Prozent, der vom Versicherten alleine getragen muss. Es wird häufig übersehen, dass der neue Beitragssatz von 15,5 Prozent den Sonderbeitrag von 0,9 Prozent beinhaltet.“ Das scheint für die Versicherten indes nur ein schwacher Trost zu sein: „Manche fragen, ob etwas gegen den Einheitsbeitragssatz getan werden kann. Die meisten Anrufer reagieren mit Unverständnis und wollen die Hintergründe erfahren.“

Zum 1. Januar 2009 könnte sich bei der örtlichen Kasse noch etwas Entscheidendes ändern: Derzeit verhandeln die Vorstände der BKK Melitta und die kleinere BKK Drabert (etwa 3000 Versicherte) über eine Fusion, die nach MT-Informationen als sehr wahrscheinlich gilt. Der Vorteil eines Zusammenschlusses sei „eine größere Macht gegenüber den Vertragspartnern“, so Reinhard Cunardt. Die Arbeitsplätze sollen demnach erhalten bleiben: Die BKK Melitta beschäftigt derzeit 54 Mitarbeiter (davon zwölf in Nordenham), die BKK Drabert acht Mitarbeiter, darunter zwei Teilzeitkräfte.

Keine Abwanderung zu anderen Kassen befürchtet

Eine Abwanderung zu anderen Krankenkassen wegen des höheren Beitragssatzes befürchtet Cunardt nicht: Die regionale Ausrichtung und die örtliche Präsenz seien für viele BKK-Versicherte ein wichtiges Argument. Er meint: „Ein günstiger Beitragssatz allein reicht nicht aus, um Versicherte für eine bestimmte Krankenkasse zu begeistern.“

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt die Krankenversicherten indes davor, vor Einführung des Gesundheitsfonds Anfang 2009 voreilig die Kasse zu wechseln. Gesetzlich Versicherte sollten sich erst im ersten Quartal 2009 neu orientieren, empfahlen die Verbraucherschützer. Derzeit sei noch keine verlässliche Prognose möglich, wie sich die Situation der gesetzlichen Krankenkassen mit dem komplizierten Verteilungsschlüssel des Fonds entwickeln werde. Wer die Kasse wechsle, binde sich für 18 Monate und müsse am Ende möglicherweise draufzahlen, wenn die Kasse mit dem zugeteilten Geld nicht auskomme und deswegen einen Zusatzbeitrag erhebe.

Copyright: Mindener Tageblatt, 15.10.2008

 
 
 
 

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