Patientenakte im Chip-Format

Nordwest Zeitung

Krankenkasse BKK Melitta Plus beginnt mit Verteilung der neuen Gesundheitskarten

Manche Kunden haben noch Sicherheitsbedenken. Aber die sind aus Sicht der Krankenkasse nicht begründet.

von Norbert Hartfil

Holger Kuhlmann, Pressesprecher der BKK Melitta Plus, mit einer alten und einer neuen Versichertenkarte BILD: Hartfil (Nordwest Zeitung)Nordenham - Dass sie kommen soll, hat die Bundesregierung schon vor sieben Jahren beschlossen. Aber die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte erwies sich als ein äußerst mühsames und zeitraubendes Unterfangen. Nach einem zähen Ringen um eine Vielzahl von Datenschutzanforderungen ist die Wunderkarte, mit denen das Schummeln bei Versicherungsdienstleistungen verhindert und die medizinische Versorgung verbessert werden soll, jetzt endlich startbereit. Die Betriebskrankenkasse Melitta Plus mit rund 12 000 Versicherten in Nordenham beginnt in diesem Monat mit der Verteilung der ersten 5000 Exemplare.

Datenschützer stimmt zu

Holger Kuhlmann, Pressesprecher der BKK Melitta Plus, macht kein Geheimnis daraus, dass manche Kunden der neuen Versichertenkarte immer noch skeptisch gegenüber stehen. "Es gibt Bedenken wegen der Sicherheit der persönlichen Daten", sagt er, "aber diese Bedenken sind unbegründet." Holger Kuhlmann verweist darauf, dass der Bundesdatenschutzbeauftragte grünes Licht für die Chip-Karte erteilt hat. Außerdem seien mehrere Schutzfunktionen eingebaut, die eine ungewollte Preisgabe der gespeicherten Daten verhindern.

Viele Versicherte haben zudem bei der BKK nachgefragt, ob das angeforderte Lichtbild denn wirklich sein müsse. "Das ist vom Gesetzgeber vorgeschrieben", betont Holger Kuhlmann, "das Foto dient der Absicherung." Denn mit dem Inhaber-Portrait auf der Plastikkarte lasse sich verhindern, dass Unbefugte sich der Dienstleistungen bedienen. Den jährlichen Schaden, der durch den Missbrauch der alten Gesundheitskarten anfällt, schätzen die Krankenversicherer in Deutschland auf 1 Milliarde Euro.

Die BKK Melitta Plus, deren Hauptsitz sich in Minden befindet, hat bereits alle ihre 46 000 Versicherten angeschrieben und um die Zusendung eines Fotos gebeten. "Bisher liegt der Rücklauf bei etwa 50 Prozent", berichtet Holger Kuhlmann.

Die Bundesregierung hat die gesetzlichen Krankenkassen dazu verpflichtet, bis Ende dieses Jahres mindestens an 10 Prozent der Versicherten die elektronischen Karten auszuhändigen. Die BKK Melitta Plus will bis Mitte 2012 ihre gesamte Kundschaft mit den Karten ausstatten. 

Die Einsatzmöglichkeiten des Plastikstreifens halten sich allerdings noch in Grenzen. Zunächst werden nur einige Basisdaten darauf abgespeichert. Medizinische Daten folgen erst später, zumal die Arztpraxen und Apotheken zunächst die erforderlichen Lesegeräte anschaffen müssen. "Bis auf weiteres kann daher die alte Versichertenkarte wie gewohnt eingesetzt werden", sagt Holger Kuhlmann.

Zugriff per Geheimnummer

Eines Tages soll das elektronische Gesundheitsticket allen Heilberuflern einen verschlüsselten Einblick in die digitale Patientenakte bieten, die auf dem Chip abgelegt ist. Die Bandbreite der Informationen reicht dann von Arztbriefen und Rezepten bis zu Laborbefunden und Röntgenbildern. So werden unnötige Doppeluntersuchungen unterbunden. Ein Zugang zu den Daten ist nur möglich, wenn der Versicherte seine persönliche Geheimnummer eingibt. Einzige Ausnahme sind die Notfalldaten – wie Angaben zur Blutgruppe –, auf die Ärzte oder Sanitäter bei einem Unfall auch ohne Versicherten-PIN zugreifen können. "Von einem gläsernen Patienten kann also nicht die Rede sein", betont BKK-Vorstandsmitglied Wilfried Furche.

Copyright: Nordwest Zeitung, 06.10.2011

 
 
 
 

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