Weltweiter Händehygienetag mit Schwerpunkt auf multiresistenten Erregern

Weltweiter Händehygienetag mit Schwerpunkt auf multiresistenten Erregern

Die Weltgesundheitsorganisation WHO ruft jedes Jahr am 5.Mai zum „SAVE LIVES: Clean Your Hands“-Aktionstag auf.  In diesem Jahr steht die Problematik multiresistenter Erreger im Mittelpunkt.

In Deutschland treten laut Bundesgesundheitsministerium jährlich zwischen 400.000-600.000 behandlungsassoziierte Infektionen mit 10.000-15.000 Todesfällen auf.

Fast immer sind mit multiresistenten Erregern Bakterien gemeint. Wenn ein Bakterium resistent ist, bedeutet das, dass die normalerweise dagegen verwendeten Antibiotika nicht mehr wirken. Sind mehrere Antibiotika gegen die Bakterien nicht mehr wirksam, spricht man von „Multiresistenten Erregern (MRE)“. MRE können unseren Körper besiedeln, ohne Probleme zu verursachen, jedoch sind die  von solchen Erregern verursachten Erkrankungen  nur noch schwer zu behandeln.

Als Ursachen für die Resistenzentwicklung gelten in erster Linie mangelnde Hygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens und die zu häufige und unsachgemäße Verschreibung von Antibiotika (z.B. bei viralen Erkrankungen).So hält auch Bettina Braedikow, Apothekerin bei der BKK Melitta Plus, den adäquaten Antibiotika-Einsatz und Händehygiene für wichtige Maßnahmen im Kampf gegen multiresistente Erreger.

Des Weiteren trägt der internationale Reiseverkehr, bei dem Fernreisende nach Heimkehr aus Risikogebieten  Erreger mit nach Hause bringen, zu einem schnellen Austausch von resistenten Krankheitserregern bei. Ein weiteres Problem stellt der häufige Einsatz von Antibiotika in der Veterinärmedizin und der Landwirtschaft dar.

Wirksame Antibiotika gegen Multiresistente Keime sind Mangelware, da die Bakterien erfindungsreich und anpassungsfähig gegenüber Antibiotika sind. Für die Pharmaindustrie scheint es derzeit nicht attraktiv, neue Antibiotika zu entwickeln, weil sie im Gegensatz zu Arzneimitteln für chronische Erkrankungen nur einmalig und kurzzeitig angewendet werden.

Da die bisherigen Maßnahmen, wie die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART), die Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes und der Erlass von Hygieneverordnungen bisher noch nicht zufriedenstellenden Erfolg gebracht haben, hat der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe einen 10-Punkte-Plan zur Vermeidung behandlungsassoziierter Infektionen und Antibiotika-Resistenzen vorgelegt: Er verpflichtet alle Krankenhäuser, Risikopatienten bei Aufnahme auf multiresistente Erreger zu untersuchen und bis zum Ausschluss einer Besiedlung zu isolieren, wofür die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) gelten. Ebenso werden Krankenhäuser derzeit mit einem Hygiene-Förderprogramm in Höhe von 365 Millionen Euro dabei unterstützt, bis 2016 notwendiges Hygienepersonal einzustellen und medizinisches Fachpersonal weiterzubilden.

Die Krankenhäuser sollen verpflichtet werden, ihre Qualitätsberichte durch einen Zusatzteil mit verständlichen Patienteninformationen zu den Hygienestandards im Krankenhaus zu ergänzen. Aus einer Studie über den Umgang mit MRE in Krankenhäusern in Ostwestfalen-Lippe, an der auch die BKK Melitta Plus bei der Erstellung beteiligt war, geht hervor, dass die Patienten mit der Aufklärung zum Thema MRE im Krankenhaus in unterschiedlicher Ausprägung unzufrieden sind. Der Vorstandsvorsitzende der BKK Melitta Plus, Rolf Kauke, merkt dazu an, dass „sich leider auch die Experten in vielen Fragen bislang uneins waren, was zum Beispiel Umfang und Intensität der Eingangs-Screening bei der Krankenhausaufnahme betrifft. Darum ist es gut, dass die Politik nun unter anderem die Meldepflichten zur Früherkennung resistenter Erreger verschärfen will.“

Neben der Verschärfung der Meldepflichten sieht der 10-Punkte Plan des Gesundheitsministers auch vor, Forschungsvorhaben zu den Themen nosokomiale Infektionen und Antibiotika-Resistenzen verstärkt zu fördern. Die Zusammenarbeit der Akteure der Human- und Tiermedizin sowie der Landwirtschaft muss nach Ansicht des Gesundheitsministeriums ebenfalls verbessert werden. Im Rahmen des Pharmadialogs der Bundesregierung sollen Hindernisse in Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika identifiziert werden. Zur internationalen Bekämpfung resistenter Erreger wurde die WHO von der Staatengemeinschaft bereits damit beauftragt, bis Mai 2015 einen Globalen Aktionsplan zur Bekämpfung  von Antibiotika-Resistenzen auszuarbeiten.

Einen Weg zur Entschärfung des Resistenzproblems sieht die Apothekerin der BKK Melitta Plus im alternativen Einsatz von effektiven Pflanzeninhaltsstoffen wie den Senfölen (Isothiocyanaten) aus Kapuzinerkresse und Meerrettich. Der Einsatz solcher Phytotherapeutika bei unkomplizierten Atem- und Harnwegsinfekten ist eine gute Option, um die Ausbreitung resistenter Keime zu bremsen. Auch bei der Behandlung mit effektiven alternativen Arzneimitteln gibt es Unterstützung von Krankenkassenseite: So erstattet die BKK Melitta Plus die Kosten für apothekenpflichtige Arzneimittel der Phytotherapie, Homöopathie und Anthroposophie nach ärztlicher Verordnung bis zu einem Betrag von 100 Euro pro Jahr.

Minden/Nordenham, 30.04.2015

 
 
 
 
 

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