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Alkohol

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    Ab und an etwas Alkohol zu trinken, ist unbedenklich. Größere Mengen können dagegen schnell zum Problem werden. Wir informieren, wie viel Alkohol zu viel ist und was helfen kann, weniger zu trinken. Mit einem Selbsttest lässt sich ein riskanter Alkoholkonsum erkennen.

    Einleitung

    Ein Glas Wein zum Essen, ein Feierabendbier beim Fernsehen oder mit Freunden, ein Gläschen Sekt zum Anstoßen: Alkohol gehört für viele Menschen zum täglichen Leben dazu. Da ist es nicht verwunderlich, dass in Deutschland etwa 20 % der Erwachsenen mehr Alkohol trinken als empfohlen wird. Dies gilt unabhängig von Alter, Bildung und Geschlecht.

    Ab und an etwas Alkohol zu trinken, ist unbedenklich. Größere Mengen können aber zu Problemen führen. Viele Menschen nehmen sich deshalb vor, ihre Trinkgewohnheiten zu ändern – zum Beispiel, weil

    • sie für sich feststellt haben, dass ihnen Alkohol nicht guttut.
    • sie Medikamente nehmen müssen, die sich nicht mit Alkohol vertragen.
    • sie gemerkt haben, dass sie Alkohol trinken, um Stress abzubauen oder Probleme zu vergessen.
    • sie unter Alkoholeinfluss etwas getan haben, was sie danach bereut haben oder ihnen peinlich war.
    • der Alkohol zu Konflikten in der Familie, im Umfeld oder bei der Arbeit geführt hat.
    • es zu gesundheitlichen Problemen gekommen ist, etwa mit der Bauchspeicheldrüse, dem Magen, der Leber, dem Herz oder den Gelenken.

    Trinkgewohnheiten zu ändern, ist nicht immer einfach. Es gibt jedoch viele Strategien und Unterstützungsangebote, die helfen können, weniger zu trinken. Zum Beispiel kann man sich kostenlos und anonym beraten lassen – persönlich, telefonisch oder über das Internet.

    Wie viel Alkohol ist zu viel?

    Die meisten Länder haben Empfehlungen für einen „risikoarmen“ Alkoholkonsum. Damit sind Mengen gemeint, die keine oder nur sehr geringe gesundheitliche Auswirkungen haben.

    Wichtig ist: Diese Empfehlungen sind als Orientierung für gesunde Erwachsene ohne Alkoholproblem gedacht.

    Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen empfiehlt,

    • dass Frauen höchstens 12 Gramm Alkohol pro Tag trinken: zum Beispiel ein kleines Bier (0,3 Liter) oder ein kleines Glas Wein (0,125 Liter).
    • dass Männer höchstens 24 Gramm Alkohol pro Tag trinken: zum Beispiel zwei kleine Bier (0,6 Liter) oder ein großes Glas Wein (0,25 Liter).
    • an mindestens zwei Tagen in der Woche keinen Alkohol zu trinken.

    An mindestens zwei Tagen in der Woche auf Alkohol zu verzichten, ist ratsam, damit das Trinken nicht zur Gewohnheit wird. Denn zwei Dinge sind unbestritten:

    • Gesundheitliche Vorteile hat Alkohol nicht.
    • Und: Je mehr Alkohol man trinkt, desto schädlicher ist er.

     

    Grafik: Alkoholgehalt unterschiedlicher Getränke Alkoholgehalt unterschiedlicher Getränke

     

    Die empfohlenen Grenzwerte gelegentlich etwas zu überschreiten, bedeutet nicht, dass man ein Alkoholproblem hat. Die meisten Menschen trinken zudem nicht jeden Tag gleich viel: Sie trinken zum Beispiel unter der Woche weniger und am Wochenende etwas mehr. Solange man sich keinen Rausch antrinkt, kann man sich daher auch an wöchentlichen Höchstgrenzen orientieren: Studien zeigen, dass es der Gesundheit nicht oder kaum schadet, wenn man im Durchschnitt weniger als 100 Gramm Alkohol pro Woche trinkt.

    Was ist Rauschtrinken und warum ist es problematisch?

    Von Rauschtrinken spricht man, wenn jemand große Mengen Alkohol auf einmal trinkt. Damit sind sechs oder mehr alkoholische Getränke zu einer Gelegenheit gemeint. Dies entspricht mehr als 60 Gramm Reinalkohol, zum Beispiel 1,5 Liter Bier oder 0,6 Liter Wein.

    Rauschtrinken ist problematisch, weil man bei Trunkenheit dazu neigt, größere Risiken einzugehen und weniger Hemmungen hat als sonst. Dann kommt es leicht zu Unfällen – oder zu Handlungen, die man später bereuen könnte. Nicht zuletzt können sehr große Trinkmengen zu einer Alkoholvergiftung führen.

    Rauschtrinken ist in Deutschland weit verbreitet. Etwa 40 % der Männer und 25 % der Frauen haben mindestens einmal im Monat einen Alkoholrausch.

    Habe ich ein Problem mit Alkohol?

    Alkoholprobleme haben viele Gesichter. So gibt es Menschen, die sich mit Alkohol schaden, weil sie täglich moderate Mengen trinken – ohne jemals betrunken zu sein („Spiegel- oder Pegeltrinken“). Sie haben sich meist schon an den Alkohol gewöhnt und brauchen ein Mindestmaß an Alkohol im Blut, damit sie keine Entzugserscheinungen wie zum Beispiel Zittern bekommen. Andere Menschen trinken dagegen nur selten, können dann aber nicht mehr aufhören und werden so betrunken, dass sie in Schwierigkeiten geraten („Quartalstrinken“).

    Ob Sie ein Problem mit Alkohol haben, hängt neben der getrunkenen Menge vor allem von Ihren Trinkgewohnheiten ab und davon, welche Rolle der Alkohol in Ihrem Leben spielt:

    • Trinken Sie häufig, um Sorgen wegzuschieben oder im Alltag zu „funktionieren“?
    • Neigen Sie zum Rauschtrinken? Verlieren Sie die Kontrolle darüber, wie viel Sie trinken?
    • Ist Alkohol in Ihrem Leben ein häufiger Begleiter, um den oft auch Ihre Gedanken kreisen? Haben Sie ein schlechtes Gewissen wegen Ihres Alkoholkonsums?
    • Hat der Alkohol bei Ihnen bereits zu Schwierigkeiten geführt? Streiten Sie zum Beispiel mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner über Ihre Trinkgewohnheiten? Kommen Sie zu spät zur Arbeit, weil Sie einen Kater haben?
    • Haben Sie schon einmal versucht, Ihre Trinkgewohnheiten zu verändern, es aber nicht geschafft?

    Wenn Sie eine oder mehrere dieser Fragen mit „ja“ beantworten, kann dies ein Hinweis auf ein problematisches Trinkverhalten sein. Bei psychischen Erkrankungen wie Angsterkrankungen oder Depression ist es besonders wichtig, sich Hilfe zu holen – und die Probleme nicht noch durch Alkohol zu vergrößern.

    Aber auch wenn Sie alle Fragen mit nein beantworten, kann es sein, dass Sie sich mit Alkohol schaden. Um ein mögliches Alkoholproblem zu erkennen, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Fragebogen-Tests entwickelt. Bei diesen Tests geht es darum, riskanten Alkoholkonsum frühzeitig zu erkennen, um schädlichen Folgen vorzubeugen.

    Ein solcher Test ist zum Beispiel der von Fachleuten empfohlene AUDIT-Fragebogen. Sie können ihn hier ausfüllen, um Ihr eigenes Trinkverhalten zu überprüfen:

     

    Einstiegsseite AUDIT-FragebogenAUDIT-Fragebogen

    Wenn die Testergebnisse auf ein Alkoholproblem hinweisen, ist es sinnvoll, etwas zu verändern. Eine erste Möglichkeit sind Selbsthilfe-Programme im Internet, zum Beispiel das Angebot www.selbsthilfealkohol.de. Sie können sich auch anonym an eine Suchtberatungsstelle wenden. Wenn ein vertrauensvolles Verhältnis zur Hausärztin oder zum Hausarzt besteht, können Sie auch mit der hausärztlichen Praxis einen Beratungstermin vereinbaren.

     

    Wann ist es besser, auf Alkohol zu verzichten?

    Es gibt Situationen und Tätigkeiten, in denen Alkohol dazu führen kann, dass man sich und andere Menschen gefährdet oder sich strafbar macht. Nüchtern zu sein, ist besonders wichtig

    • im Straßenverkehr,
    • bei der Arbeit und
    • beim Sport.

    Auch schwangere Frauen sollten keinen Alkohol trinken, um dem Kind nicht zu schaden. Für Menschen, die wegen einer Alkoholabhängigkeit behandelt wurden und keinen Alkohol mehr trinken, ist es ebenfalls wichtig, abstinent zu bleiben. Das Risiko für einen Rückfall ist sonst sehr hoch. Auch Menschen mit einer Drogenabhängigkeit trinken besser keinen Alkohol: Denn zum einen sind sie oft auch für eine Alkoholabhängigkeit anfällig, zum anderen senkt Alkohol die Hemmschwelle und kann deshalb erneut zum Drogenkonsum verleiten.

    Bei bestimmten Erkrankungen kann Alkohol ebenfalls zu Problemen führen. Das gilt auch für die Einnahme mancher Medikamente wie zum Beispiel Schlafmittel und bestimmte Schmerzmittel. Der Grund: Alkohol kann die Wirkung bestimmter Medikamente verstärken oder abschwächen – und dadurch manchmal ernsthafte Komplikationen begünstigen.

    Was kann ich ausprobieren, um weniger Alkohol zu trinken?

    Auch wenn man sich das Ziel gesetzt hat, weniger oder gar keinen Alkohol mehr zu trinken, ist es gar nicht so einfach, dies in die Tat umzusetzen – so wie es auch nicht einfach ist, eine strenge Diät einzuhalten. Weil Alkohol die Hemmschwelle senkt, fällt es manchen Menschen zudem mit jedem alkoholischen Getränk schwerer, aufzuhören.

    Ein risikoarmer Alkoholkonsum setzt voraus, seine Trinkmengen und -gewohnheiten zu kennen. Weil man sich dabei leicht verschätzt, ist es hilfreich, für einige Wochen zu notieren, wie viele und welche alkoholischen Getränke man zu sich nimmt. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen hat eine App entwickelt, mit der sich die Trinkgewohnheiten einfach festhalten lassen: www.trinktagebuch.org. Ein Trinktagebuch können Sie natürlich auch schriftlich führen, etwa mithilfe eines Vordrucks.

    Darüber hinaus gibt es verschiedene hilfreiche Strategien für ein risikoarmes Trinkverhalten. Sie können zum Beispiel Situationen meiden, in denen Sie leicht zum Trinken verleitet werden. Wenn Sie auf einer Feier sind, lassen Sie sich erst nachschenken, wenn Sie ausgetrunken haben. So behalten Sie leichter den Überblick. Sich vorzunehmen, nur ein alkoholisches Getränk zu trinken, kann ebenfalls helfen. Eine Liste mit vielen weiteren hilfreichen Tipps finden Sie hier:

    Was ist eine Alkoholabhängigkeit?

    Eine Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit. Sie entwickelt sich oft schleichend und äußert sich dadurch, dass jemand

    • ein starkes Verlangen nach Alkohol verspürt,
    • immer mehr Alkohol benötigt, um eine Wirkung zu spüren,
    • ohne Alkohol Entzugserscheinungen wie Zittern oder Angst hat,
    • weiter trinkt, obwohl dies bereits zu Problemen geführt hat (zum Beispiel Fehlzeiten, Abmahnungen, Unfällen oder Konflikten),
    • durch das Trinken das Interesse an anderen Dingen verloren hat oder seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommt,
    • die Kontrolle über sein Trinkverhalten verloren hat (also nicht mehr entscheiden kann, wann, wie viel, wie oft und wo er oder sie Alkohol trinkt).

    Treffen mindestens drei dieser Kriterien zu, ist die medizinische Diagnose für eine Alkoholabhängigkeit erfüllt.

    Zu den kurzfristigen Entzugserscheinungen gehören auch Schlafstörungen, Unruhe, Übelkeit, Reizbarkeit und Schweißausbrüche. Nach Stunden und Tagen des Verzichts können Symptome wie Herzrasen, Krämpfe und manchmal auch Halluzinationen hinzukommen.

    Wie wird eine Alkoholabhängigkeit behandelt?

    Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit benötigen Hilfe, denn die allermeisten schaffen es nicht mehr von allein, ihre Trinkgewohnheiten zu ändern. Eine Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit, die behandelt werden kann – so wie man auch einen Herzinfarkt oder eine Arthrose behandelt.

    Wichtig ist: Bei Alkoholabhängigkeit kann ein „kalter“ Entzug, also ein plötzlicher Alkoholverzicht ohne ärztliche Begleitung, ernsthafte Komplikationen wie starke Krampfanfälle auslösen. Um solchen Problemen vorzubeugen, ist eine ärztliche Beratung notwendig.

    Nach einem rein körperlichen Entzug ist die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall sehr hoch.  Deswegen hat man die sogenannte qualifizierte Entzugsbehandlung entwickelt. Sie umfasst mehrere Elemente:

    • Eine körperliche Entzugsbehandlung, bei der der Körper vom Alkohol entgiftet wird – bei Bedarf mithilfe von Medikamenten.
    • Die Behandlung von psychischen und körperlichen Begleit- und Folgeerkrankungen sowie Unterstützung bei sozialen Problemen. Hier sind vor allem psychotherapeutische Angebote wichtig, um Strategien zu erlernen, im Alltag ohne Alkohol zurechtzukommen.
    • Die Planung einer Langzeittherapie.

    Eine Langzeittherapie im Anschluss an die qualifizierte Entzugsbehandlung ist sehr wichtig, um Rückfällen vorzubeugen. Dazu gehört zum Beispiel regelmäßiger Kontakt mit einer Beratungsstelle und die Behandlung möglicher körperlicher und seelischer Begleiterkrankungen. Vielen hilft zudem der Besuch einer Selbsthilfegruppe, in der man sich mit anderen Betroffenen austauschen und gegenseitig motivieren kann.

    Ist es nach einer Entwöhnung nötig, ganz auf Alkohol zu verzichten?

    Viele alkoholabhängige Menschen fragen sich, ob es auch möglich ist, den Alkoholkonsum auf risikoarme Mengen umzustellen anstatt ganz aufzuhören. Es gibt aber keine verlässlichen Forschungsergebnisse, die zeigen, dass „reduziertes“ oder „kontrolliertes“ Trinken für Menschen mit Alkoholabhängigkeit möglich ist.

    Erfahrungsgemäß ist das Rückfallrisiko schon bei einem „kleinen Gläschen“ sehr hoch. Nach einer Entwöhnung ist es daher wichtig, gar keinen Alkohol mehr zu trinken.

    Auch auf alkoholhaltige Speisen wie zum Beispiel bestimmte Saucen, Pralinen oder Nachspeisen sollte man verzichten. Sie können im Gehirn ein starkes Verlangen nach Alkohol auslösen und dadurch das Risiko für Rückfälle erhöhen.

    An wen kann ich mich bei Alkoholproblemen wenden?

    Wenn Sie Ihre Trinkgewohnheiten ändern möchten, können Sie sich im Internet an einem Selbsthilfeprogramm wie www.selbsthilfealkohol.de beteiligen oder anonym an verschiedene Beratungsstellen wenden. Das heißt, Sie müssen weder Ihren Namen noch Ihre Adresse oder Krankenkassendaten angeben. Auch wenn Sie sich um den Alkoholkonsum eines Angehörigen sorgen, finden Sie hier Rat und Unterstützung.

    Viele Betroffene versuchen eine Zeitlang, ihre Alkoholprobleme ohne Hilfe in den Griff zu bekommen – bis sie merken, dass sie Unterstützung benötigen. Scham und Schuldgefühle spielen oft eine große Rolle. Für Alkoholprobleme gibt es aber viele Ursachen, die nichts mit Schuld oder persönlicher Schwäche zu tun haben. Wer es schafft, sie anzugehen und sich Unterstützung zu holen, zeigt Mut und Verantwortungsbewusstsein. Oft braucht es mehrere Anläufe, um Trinkgewohnheiten zu verändern. Davon sollte man sich aber nicht entmutigen lassen.

    Quellen

    Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). S3-Leitlinie: Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen. AWMF-Registernr.: 076-001. 28.02.2016.

    Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Wie sollten Menschen mit Alkohol umgehen, um Gesundheitsrisiken zu verringern? Stellungnahme der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. 04.06.2019.

    John U, Seitz HK. Alkoholumgang: Konsum bedeutet immer Risiko. Dtsch Arztebl International 2018; 115(14): 640-644.

    Lange C, Manz K, Kuntz B. Alkoholkonsum bei Erwachsenen in Deutschland: Rauschtrinken. 14.06.2017.

    Muckle W, Muckle J, Welch V, Tugwell P. Managed alcohol as a harm reduction intervention for alcohol addiction in populations at high risk for substance abuse. Cochrane Database Syst Rev 2012; (12): CD006747.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Ab wann ist Alkohol schädlich?

    Viele Menschen fragen sich, in welchen Mengen Alkohol schadet. In Deutschland werden Männern und Frauen unterschiedliche Höchstmengen empfohlen, die als risikoarm gelten. Aktuelle Studien ergeben etwas andere Werte.

    Die gesundheitlichen Auswirkungen von Alkohol genau zu untersuchen, ist nicht einfach, weil sich Alkohol auf viele verschiedene Organe und Lebensbereiche ungünstig auswirken kann. International gibt es unterschiedliche Empfehlungen für risikoarmes Trinken. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen empfiehlt,

    • an mindestens zwei Tagen pro Woche keinen Alkohol zu trinken.
    • dass Frauen nicht mehr als 12 Gramm Alkohol pro Tag trinken, also nicht mehr als ein kleines Glas Wein (0,125 Liter). Dies entspricht über eine Woche verteilt bei zwei alkoholfreien Tagen 60 Gramm.
    • dass Männer nicht mehr als 24 Gramm Alkohol pro Tag trinken, also zwei kleine Gläser Bier (0,6 Liter). Dies entspricht über eine Woche verteilt bei zwei alkoholfreien Tagen 120 Gramm.

    Zwei große internationale Forschungsgruppen haben die Auswirkungen von Alkohol auf die Gesundheit untersucht. Ihr Fazit lautet:

    Wer im Durchschnitt weniger als 100 Gramm Alkohol pro Woche trinkt, schadet seiner Gesundheit nicht oder kaum. 100 bis 200 Gramm Alkohol pro Woche verkürzen die Lebenserwartung im Durchschnitt um ein halbes Jahr, 200 bis 350 Gramm um zwei Jahre und mehr als 350 Gramm um fünf Jahre. Dabei zeigte sich kein Unterschied zwischen Männern und Frauen.

    Wichtig ist: Die Studienergebnisse gelten für gesunde Erwachsene. Für Menschen, die wegen einer Alkoholabhängigkeit behandelt wurden und keinen Alkohol mehr trinken, ist es wichtig, abstinent zu bleiben. Das Risiko für einen Rückfall ist sonst sehr hoch. Auch für Menschen mit anderen Suchterkrankungen ist es ratsam, keinen Alkohol zu trinken, da sie anfällig für eine Alkoholsucht sein können.

    Was wurde untersucht?

    Eine der beiden Wissenschaftlergruppen untersuchte, wie sich Alkohol auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Lebenserwartung auswirkt. Sie wertete die Ergebnisse von über 80 Studien mit rund 600.000 Erwachsenen aus.

    Die andere Gruppe untersuchte die Auswirkungen von Alkohol auf 23 Krankheiten. Darunter waren neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschiedene Krebsarten und Erkrankungen der Verdauungsorgane, aber auch Verletzungen infolge von alkoholbedingten Verkehrs- und anderen Unfällen. Insgesamt wertete diese Wissenschaftlergruppe die Ergebnisse von fast 600 Studien mit 28 Millionen Erwachsenen aus.

    Welche Ergebnisse hatten die beiden Studien?

    In Bezug auf die Lebenserwartung zeigten die Studien: Alkohol verkürzt das Leben – und zwar umso deutlicher, je mehr man trinkt. Die Tabelle fasst die Ergebnisse in Zahlen zusammen. Sie zeigt, wie unterschiedliche Trinkmengen die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen im Alter von 40 Jahren beeinflussen.

    Alkoholmenge pro Woche Einfluss auf die Lebenserwartung
    weniger als 100 Gramm (zum Beispiel 2,5 Liter Bier oder 1 Liter Wein pro Woche) nicht oder nur leicht verringert
    100 bis 200 Gramm (zum Beispiel 2,5 bis 5 Liter Bier oder 1 bis 2 Liter Wein pro Woche) Um sechs Monate verringert
    200 bis 350 Gramm (zum Beispiel 5 Liter bis 9 Liter Bier oder 2 bis 3,5 Liter Wein pro Woche) Um zwei Jahre verringert
    Mehr als 350 Gramm (über 9 Liter Bier oder 3,5 Liter Wein pro Woche) Um fünf Jahre verringert

    Alkohol erhöht das Risiko für die untersuchten Erkrankungen und Unfallfolgen fast durchgängig. Auch hier gilt: Je mehr man trinkt, desto höher das Risiko. In Zahlen ausgedrückt, zeigen die Studien:

    Durchschnittliche Alkoholmenge pro Tag Anzahl der Menschen, die aufgrund des Alkohols innerhalb von 10 Jahren erkranken oder verunglücken
    kein Alkohol
    10 Gramm 4 von 10.000
    20 Gramm 63 von 10.000
    50 Gramm 338 von 10.000

    Anders ausgedrückt: Wer im Durchschnitt höchstens 10 Gramm Alkohol am Tag trinkt, schadet seiner Gesundheit kaum. Bei 10 bis 20 Gramm Alkohol am Tag nimmt das Erkrankungs- und Unfallrisiko bereits etwas zu. Wer deutlich mehr trinkt als 20 Gramm pro Tag, schadet seiner Gesundheit erheblich.

    Wichtig ist zudem: Diese Zahlen sind Schätzungen über einen Zeitraum von zehn Jahren. Betrachtet man einen längeren Zeitraum von 30 oder 40 Jahren, sind die Erkrankungsrisiken höher.

    Welche Fragen bleiben offen?

    In beiden Studien wurde kaum betrachtet, welche psychischen und sozialen Probleme Alkohol verursachen kann. So kann ein hoher Alkoholkonsum zu Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen führen – und zu Konflikten in der Beziehung, Familie oder auch bei der Arbeit.

    Unklar ist zudem, welche Rolle die Verteilung der Trinkmenge spielt. Beispielsweise könnte es von Bedeutung sein, ob jemand an zwei Tagen in der Woche jeweils 40 bis 50 Gramm trinkt oder aber jeden Tag, dafür aber höchstens 10 bis 20 Gramm. Dies lässt sich aus den wissenschaftlichen Analysen nicht ableiten.

    Quellen

    Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). S3-Leitlinie: Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen. AWMF-Registernr.: 076-001. 28.02.2016.

    GBD Alcohol Collaborators. Alcohol use and burden for 195 countries and territories, 1990-2016: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2016. Lancet 2018; 392(10152): 1015-1035.

    Wood AM, Kaptoge S, Butterworth AS, Willeit P, Warnakula S, Bolton T et al. Risk thresholds for alcohol consumption: combined analysis of individual-participant data for 599 912 current drinkers in 83 prospective studies. Lancet 2018; 391(10129): 1513-1523.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Acht überraschende Fakten über Alkohol

    Kein anderes Rauschmittel ist hierzulande so weit verbreitet wie Alkohol. Kein Wunder, dass jeder eine Meinung dazu hat – und auch Vorurteile und Irrtümer verbreitet sind.

    Wir haben acht Fakten zum Thema Alkohol zusammengestellt, die Sie überraschen könnten.

    Kein anderes Rauschmittel ist hierzulande so weit verbreitet wie Alkohol. Kein Wunder, dass jeder eine Meinung dazu hat – und auch Vorurteile und Irrtümer verbreitet sind.

    Wir haben acht Fakten zum Thema Alkohol zusammengestellt, die Sie überraschen könnten.

    Fakt #1: Alkohol schadet der Gesundheit – auch dem Herzen

    Der Irrglaube, dass ein Glas Rotwein am Tag gut für das Herz sei, ist weit verbreitet. Inzwischen ist der Einfluss von Alkohol auf die Gesundheit jedoch gut untersucht. Klar ist: Wer aus Genuss gelegentlich ein Glas Rotwein trinkt, muss sich zwar keine Sorgen um die Gesundheit machen. Etwas Gutes tut man ihr damit aber nicht.

    Zusammenfassende Auswertungen von Studien mit vielen Millionen Menschen zeigen: Menschen, die etwas Alkohol trinken, bekommen tatsächlich etwas seltener einen Herzinfarkt. Für alle anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zum Beispiel Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen, trifft aber das Gegenteil zu: Auch ein moderater Alkoholkonsum erhöht das Risiko hierfür.

    Entscheidend ist, dass Alkohol sehr viele andere Erkrankungen begünstigt, darunter verschiedene Krebserkrankungen. Auch Unfälle werden durch Alkohol häufiger. In der Gesamtschau zeigt sich: Je mehr Alkohol, desto schädlicher.

    Fakt #2: Alkoholprobleme gibt es in allen Gesellschaftsschichten

    Es ist ein Vorurteil, dass vor allem Menschen mit wenig Geld und Bildung zu viel Alkohol trinken. Bei Frauen ist sogar das Gegenteil der Fall: Untersuchungen des Robert Koch-Instituts zeigen, dass Akademikerinnen fast doppelt so häufig riskante Alkoholmengen trinken wie Frauen mit einem Hauptschulabschluss. Bei Männern zeigt sich ein ähnlicher Zusammenhang, die Unterschiede zwischen verschiedenen Bildungsgruppen sind bei ihnen aber kleiner.

    Ähnliches gilt übrigens für die Altersverteilung: Das Trinkverhalten von Erwachsenen unterscheidet sich nur wenig – unabhängig davon, ob sie 20, 40 oder 60 Jahre alt sind.

    Auch Alkoholabhängigkeit kommt in allen Bevölkerungsschichten und Bildungsgruppen vor.

    Fakt #3: Bier und Wein sind genauso schädlich wie Schnaps

    Manche Menschen gehen davon aus, dass Getränke mit geringerem Alkoholgehalt weniger schädlich sind. Dies spiegelt sich auch im Sprachgebrauch wider, wenn Spirituosen als „harter Alkohol“ bezeichnet werden. Fachleute sind sich aber einig: Entscheidend ist die Gesamtmenge des konsumierten Alkohols – und nicht, in welcher Form man ihn zu sich nimmt.

    Anders ausgedrückt: Ob man 300 ml Bier trinkt, 125 ml Wein oder 40 ml Whisky, spielt keine Rolle – in allen drei Getränken ist die gleiche Menge Reinalkohol enthalten.

    Fakt #4: Rauschtrinken ist auch bei Erwachsenen verbreitet

    Starker Alkoholkonsum wird manchmal vor allem als Problem von Jugendlichen betrachtet. Untersuchungen des Robert Koch-Instituts zeigen jedoch, dass Rauschtrinken in allen Altersgruppen vorkommt.

    Von Rauschtrinken spricht man, wenn jemand sechs oder mehr alkoholische Getränke zu einer Gelegenheit wie einer Feier oder einem Kneipenabend trinkt. Dies entspricht mindestens 60 Gramm Reinalkohol. So viel ist zum Beispiel in drei großen Flaschen Bier (insgesamt 1,5 Liter) oder drei großen Gläsern Wein (insgesamt 0,6 Liter) enthalten.

    In Umfragen gaben 25 % der Frauen und über 40 % der Männer in Deutschland an, mindestens einmal im Monat so viel Alkohol zu trinken.

    Fakt #5: Alkohol stört den Schlaf

    Weil Alkohol müde machen kann, ist der Glaube verbreitet, dass Alkohol bei Schlafproblemen hilft. Dem ist nicht so – im Gegenteil: Wer vor dem Schlafengehen größere Alkoholmengen trinkt, schläft zwar oft schneller ein, nimmt dem Körper aber die Nachtruhe. Statt im Schlaf Erholung zu finden, ist der Organismus damit beschäftigt, den Alkohol abzubauen. Dadurch verkürzen sich die Tiefschlafphasen, man schläft unruhig und wacht häufig auf. Zudem kann Alkohol Schnarchen begünstigen – was für die Partnerin oder den Partner störend ist.

    Wichtig ist: Wenn man nur mit Alkohol einschlafen kann, deutet dies auf ein Alkoholproblem hin. Dies ist ein guter Grund, die eigenen Trinkgewohnheiten zu überdenken.

    Fakt #6: Man kann ein Alkoholproblem haben, ohne betrunken zu sein

    Nicht jeder Mensch mit einem Alkoholproblem betrinkt sich. Manche trinken täglich moderate Mengen, schaffen es aber nicht, einen Tag ohne Alkohol auszukommen. Sie brauchen eine bestimmte Menge Alkohol im Blut, um Entzugserscheinungen zu vermeiden. Dies wird auch als Spiegel- oder Pegeltrinken bezeichnet.

    Ein Alkoholproblem kann sich sehr unterschiedlich äußern. Entscheidend ist unter anderem, ob jemand die Kontrolle über das eigene Trinkverhalten verloren hat oder den Alkohol nutzt, um zum Beispiel Probleme zu verdrängen oder im Alltag zu funktionieren.

    Fakt #7: Oft wird Alkohol aus anderen Gründen als zum Genuss getrunken

    Alkohol ist zwar ein Genussmittel, dessen Geschmack und anregende Wirkung viele Menschen mögen. Oft verleiten aber ganz andere Gründe zum Trinken, zum Beispiel,

    • weil andere es tun und man nicht auffallen möchte – zum Beispiel, wenn bei einer Feier auf etwas angestoßen wird. Bei Männern kann außer sozialem Druck auch das Selbstbild eine Rolle spielen – etwa die Sorge, als unmännlich zu gelten, wenn man nicht trinkt. Zudem ist es nicht immer einfach, abzulehnen: Alkohol ist in der Gesellschaft so verbreitet, dass es mürbe machen kann, immer wieder nein zu sagen oder erklären zu müssen, warum man nichts trinkt.
    • um Probleme zu vergessen: Nicht wenige Menschen trinken Alkohol, um private oder berufliche Probleme für eine Weile zu vergessen. Manche versuchen, sich damit zu beruhigen, um im Alltag weiter zu funktionieren. Die Probleme verschwinden dadurch natürlich nicht – und Alkohol kann zum zusätzlichen Problem werden. Nicht zuletzt verstärkt Alkohol nicht nur positive, sondern auch negative Gefühle.

    Fakt #8: Alkohol ist für Säuglinge gefährlich

    Die meisten wissen, dass Alkohol in der Schwangerschaft für das Ungeborene schädlich ist. Aber auch Eltern von Säuglingen und stillenden Frauen wird aus verschiedenen Gründen empfohlen, auf Alkohol zu verzichten. Der wichtigste ist, dass das Baby den Alkohol über die Muttermilch aufnehmen kann. Weil Säuglinge Alkohol kaum abbauen können, ist er für sie besonders gefährlich.

    Aus Studien weiß man zudem, dass der Konsum größerer Alkoholmengen (mehr als zwei alkoholische Getränke täglich) das Risiko für einen plötzlichen Kindstod erhöht – zum Beispiel, wenn man zusammen mit dem Kind auf dem Sofa einschläft.

    Wenn Eltern nicht ganz auf Alkohol verzichten möchten, ist es für sie sinnvoll, ein paar Regeln einzuhalten:

    • Am besten nur an ein oder zwei Tagen in der Woche Alkohol zu trinken und sich dabei auf 10 Gramm Alkohol zu beschränken (zum Beispiel 0,1 Liter Wein).
    • Nach Alkoholkonsum ausreichend Abstand zum Stillen einzuhalten, damit der Alkohol in der Muttermilch wieder abgebaut werden kann: Wenn eine Mutter 0,1 Liter Wein getrunken hat, sollte sie zum Beispiel zwei bis drei Stunden warten, bis sie wieder stillt oder Milch abpumpt. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Muttermilch noch Alkohol enthält.
    • Das Kind in die Obhut einer nüchternen Vertrauensperson zu geben, wenn man mal etwas mehr Alkohol trinkt – zum Beispiel den Großeltern oder dem Partner.

    Quellen

    GBD Alcohol Collaborators. Alcohol use and burden for 195 countries and territories, 1990-2016: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2016. Lancet 2018; 392(10152): 1015-1035.

    Jacobi F, Höfler M, Siegert J, Mack S, Gerschler A, Scholl L et al. Twelve-month prevalence, comorbidity and correlates of mental disorders in Germany: the Mental Health Module of the German Health Interview and Examination Survey for Adults (DEGS1-MH). Int J Methods Psychiatr Res 2014; 23(3): 304-319.

    Lange C, Manz K, Kuntz B. Alkoholkonsum bei Erwachsenen in Deutschland: Riskante Trinkmengen. Journal of Health Monitoring 2017; 2(2): 66-72.

    Lange C, Manz K, Kuntz B. Alkoholkonsum bei Erwachsenen in Deutschland: Rauschtrinken. 14.06.2017.

    Task force on sudden infant death syndrome. SIDS and Other Sleep-Related Infant Deaths: Updated 2016 Recommendations for a Safe Infant Sleeping Environment. Pediatrics 2016; 138(5): pii: e20162938.

    Wood AM, Kaptoge S, Butterworth AS, Willeit P, Warnakula S, Bolton T et al. Risk thresholds for alcohol consumption: combined analysis of individual-participant data for 599 912 current drinkers in 83 prospective studies. Lancet 2018; 391(10129): 1513-1523.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Wie schaffe ich es, weniger zu trinken?

    Es gibt viele Strategien, die helfen können, weniger Alkohol zu trinken. Wichtig ist aber auch, sich darüber klar zu werden, warum man in bestimmten Situationen zu Alkohol greift. Denn oft geht es dabei gar nicht um Genuss.

    Es gibt viele gute Gründe, weniger Alkohol zu trinken. Das ist aber gar nicht so einfach: Alkohol ist in unserer Gesellschaft weitgehend akzeptiert und fast immer verfügbar. Manchmal wird sogar erwartet, dass man Alkohol trinkt. Wenn Sie sich entschieden haben, achtsamer mit Alkohol umzugehen, haben Sie aber schon einen wichtigen ersten Schritt getan.

    Es gibt viele Strategien, die helfen können, weniger Alkohol zu trinken. Wichtig ist aber auch, sich darüber klar zu werden, warum man in bestimmten Situationen zu Alkohol greift. Denn oft geht es dabei gar nicht um Genuss.

    Es gibt viele gute Gründe, weniger Alkohol zu trinken. Das ist aber gar nicht so einfach: Alkohol ist in unserer Gesellschaft weitgehend akzeptiert und fast immer verfügbar. Manchmal wird sogar erwartet, dass man Alkohol trinkt. Wenn Sie sich entschieden haben, achtsamer mit Alkohol umzugehen, haben Sie aber schon einen wichtigen ersten Schritt getan.

    Warum trinke ich Alkohol?

    Alkohol hat zwei Seiten. Einerseits ist er ein Genussmittel mit einer anregenden Wirkung, die viele Menschen angenehm finden. Andererseits ist er ein Suchtmittel, das der Gesundheit und in vielen Lebensbereichen schaden kann.

    Vor allem Menschen, die viel Alkohol trinken, tun dies häufig nicht zum Genuss, sondern aus anderen Gründen – zum Beispiel, um

    • Schamgefühle, Hemmungen oder Ängste zu überwinden,
    • Stress abzubauen,
    • Probleme zu vergessen,
    • Gefühle wie Sorgen, Trauer, Wut oder Einsamkeit zu verdrängen oder
    • nicht außen vor zu bleiben oder negativ aufzufallen, zum Beispiel bei einer Geburtstagsfeier oder einem Geschäftsessen.

    Sich zu fragen, wann, warum und in welchen Situationen man Alkohol trinkt, kann sehr aufschlussreich sein. Dabei hilft es, die Vorzüge und Nachteile schriftlich aufzulisten, die man mit Alkohol verbindet – etwa mithilfe eines Formblatts.

    Grafik: Abbildung Formblatt Formblatt (Vorlage)

    Und: Bevor man zum Glas greift, um Probleme wegzuschieben, ist es gut, sich klarzumachen, dass die Probleme am nächsten Tag immer noch da sein werden – und Alkohol sie noch verstärken kann.

    Wie viel trinke ich eigentlich?

    Wer sich vornimmt, weniger zu trinken, schafft dies eher mit einem konkreten Ziel vor Augen. Um den Entschluss in die Tat umzusetzen, ist es sinnvoll, sich zunächst einen Überblick über die eigenen Trinkgewohnheiten zu verschaffen:

    • Wie viel Alkohol trinke ich eigentlich?
    • Wann und warum trinke ich? Welche Situationen sind typisch?
    • In welchen Situationen möchte ich in Zukunft weniger trinken?

    Ihre Antworten auf diese Fragen können Ihnen helfen, Wege zu finden, die gesteckten Ziele zu erreichen.

    Wenn es Ihnen schwerfällt, Ihren Alkoholkonsum einzuschätzen, können Sie eine Zeitlang notieren, wie viele und welche alkoholischen Getränke Sie konsumieren – zum Beispiel

    • mit einem schriftlichen Trinktagebuch. Eine Vorlage können Sie hier als PDF herunterladen.

     Grafik: Abbildung Trinktagebuch-VorlageTrinktagebuch-Vorlage

    • mit einer App der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. In dem Programm können Sie nicht nur dokumentieren, wie viel Sie trinken, sondern auch Ziele festlegen und überprüfen, ob Sie sie erreicht haben. Weitere Informationen dazu und einen Link zum Herunterladen finden Sie hier: www.trinktagebuch.org.

    Was kann ich tun, wenn mein Trinken zur Gewohnheit geworden ist?

    Wenn Sie merken, dass Sie häufig aus Gewohnheit trinken, könnten folgende Strategien hilfreich sein:

    • Gewohnheiten ändern: Bevor Sie Alkohol bestellen oder eine Flasche öffnen, fragen Sie sich, ob Sie dies vor allem aus Gewohnheit tun. Wenn ja, entscheiden Sie sich bewusst dagegen. Greifen Sie zum Beispiel nicht aus Gewohnheit zum „Feierabendbier“. Überlegen Sie, was Sie stattdessen tun können, um sich zu entspannen – und ob sich daraus vielleicht eine andere Gewohnheit machen lässt. Als Durstlöscher eignet sich zum Beispiel auch alkoholfreies Bier.
    • Situationen vermeiden, in denen viel Alkohol getrunken wird.
    • Bewusst Freizeitaktivitäten nachgehen, bei denen kein Alkohol getrunken wird.
    • „Nein“ sagen lernen: Wenn Sie nichts trinken möchten, müssen Sie das nicht erklären. In manchen Situationen kann es aber leichter sein, Alkohol abzulehnen, wenn man einen Grund nennt, zum Beispiel „Mir geht es heute nicht so gut“, „Ich nehme gerade Medikamente“ oder „Ich möchte morgen früh fit sein“.
    • Plan B überlegen: Überlegen Sie sich eine Ersatzstrategie für Situationen, in denen Sie leicht zum Trinken verleitet werden. Sie können dann zum Beispiel jemanden anrufen, um sich abzulenken. Oder Sie rufen sich bewusst in Erinnerung, warum Sie sich vorgenommen haben, weniger zu trinken („Ich möchte meinen Kindern ein gutes Vorbild sein“ oder „Ich möchte erholsam schlafen“).
    • Kontakt zu Menschen suchen, die nicht oder wenig trinken: Mehr Zeit mit Freunden und Angehörigen zu verbringen, die keinen oder nur wenig Alkohol trinken kann helfen, nicht in Versuchung zu geraten.
    • Zu Hause keinen Alkoholvorrat anlegen: Wenn man zu Hause Alkohol vorrätig hat, ist man auch eher dazu geneigt, ihn zu trinken.
    • Morgens und tagsüber keinen Alkohol trinken: Zum Beispiel kann man sich vornehmen, vor 18 Uhr grundsätzlich nichts zu trinken.

    Was kann mir helfen, in Gesellschaft nicht mehr zu trinken, als ich mir vorgenommen habe?

    Weniger zu trinken, ist für viele Menschen besonders schwierig, wenn sie zum Beispiel mit Freunden oder Kollegen feiern. Es kann helfen, vorher darüber nachzudenken, wie sich der eigene Alkoholkonsum begrenzen lässt. Weniger zu trinken, gelingt oft leichter, wenn Sie

    • sich nicht oder erst dann nachschenken lassen, wenn Sie schon ausgetrunken haben – so behalten Sie auch den Überblick über die getrunkene Menge.
    • immer auch ausreichend nicht alkoholische Getränke zu sich zu nehmen.
    • Getränke mit einem niedrigen Alkoholgehalt auswählen (zum Beispiel Leichtbier oder Radler statt normales Bier, Weinschorle statt Wein).
    • alkoholische Getränke langsam und bewusst trinken – zum Beispiel, indem Sie kleine Schlucke trinken, das Glas dazwischen immer absetzen und großen Durst mit nichtalkoholischen Getränken löschen.
    • auf nicht alkoholische Getränke umsteigen, sobald Sie die Wirkung des Alkohols spüren.
    • nicht trinken, weil andere trinken oder Sie das Gefühl haben, dass dies von Ihnen erwartet wird.
    • keine „Runden“ bestellen, wenn Sie ausgehen, um nicht in die Verlegenheit zu kommen, mehr zu trinken als Sie möchten.
    • sich bewusst dafür entscheiden, es bei einem alkoholischen Getränk zu belassen,
    • Ihren Freunden oder Kollegen ankündigen, dass Sie nicht oder weniger als zuvor trinken wollen,
    • eine Aufgabe übernehmen, für die Sie nüchtern sein müssen – zum Beispiel, sich als Fahrer zur Verfügung zu stellen.

    Außerdem ist es hilfreich, den Alkoholgehalt unterschiedlicher Getränke zu kennen. Die folgende Grafik gibt einen Überblick.

    Grafik: Alkoholgehalt unterschiedlicher Getränke Alkoholgehalt unterschiedlicher Getränke

    Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen empfiehlt, dass Frauen höchstens 12 Gramm Alkohol pro Tag trinken und Männer höchstens 24 Gramm Alkohol pro Tag. Sie empfiehlt, an mindestens zwei Tagen pro Woche keinen Alkohol zu trinken.

    Quellen

    Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). S3-Leitlinie: Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen. AWMF-Registernr.: 076-001. 28.02.2016.

    Kingston AH, Jorm AF, Kitchener BA, Hides L, Kelly CM, Morgan AJ et al. Helping someone with problem drinking: mental health first aid guidelines - a Delphi expert consensus study. BMC Psychiatry 2009; 9: 79.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Wo bekomme ich Rat und Hilfe?

    Wer sich über seinen Alkoholkonsum Gedanken macht, findet im Internet Selbsthilfeprogramme und kann sich kostenlos und anonym an eine Beratungsstelle wenden. Auf den Internetseiten verschiedener Dachverbände finden Sie Suchmaschinen, mit denen Sie eine Beratungsstelle in der Nähe finden können. Solche Stellen bieten oft auch eine Beratung am Telefon oder über das Internet an.

    Viele Menschen mit einem Alkoholproblem schämen sich dafür oder geben sich selbst die Schuld daran. Alkoholprobleme sind jedoch weit verbreitet und haben nichts mit Schuld oder persönlicher Schwäche zu tun. Wer es schafft, sich sein Alkoholproblem einzugestehen und Unterstützung zu holen, zeigt Mut und Verantwortungsbewusstsein. Im Nachhinein wünschen sich viele Betroffene, sie hätten es früher geschafft, Hilfe anzunehmen.

    Die eigenen Trinkgewohnheiten zu ändern, erfordert Motivation und Engagement. Eine erste Möglichkeit sind kostenlose Selbsthilfeprogramme im Internet, zum Beispiel www.selbsthilfealkohol.de. Außerdem gibt es in Deutschland viele Beratungsstellen, die dabei unterstützen können. Sie helfen auch dabei, festzustellen, ob man ein Alkoholproblem hat – denn es ist nicht leicht, dies selbst einzuschätzen. Vielleicht stellt man bei einer Beratung fest, dass bereits ein paar einfache Veränderungen helfen könnten, die Probleme in den Griff zu bekommen. Professionelle Unterstützung ist besonders für Menschen sinnvoll, die bereits von Alkohol abhängig sind.

    Es kostet häufig Überwindung, über den eigenen Alkoholkonsum zu sprechen. Es hilft vielleicht, zu wissen, dass die Unterstützungsangebote in Deutschland anonym und kostenlos in Anspruch genommen werden können. Niemand muss seinen Namen nennen oder andere Daten preisgeben.

    Beratungsangebote gibt es in vielen Städten – im Internet, telefonisch und über die Selbsthilfe. Wer sich persönlich beraten lassen möchte, aber Angst hat, auf dem Weg in eine Beratungsstelle erkannt zu werden, kann auch eine Beratungsstelle in einem anderen Ort aufsuchen. Für andere ist es leichter, ihre Probleme am Telefon zu schildern und sich auf diesem Weg unterstützen zu lassen.

    Wer sich über seinen Alkoholkonsum Gedanken macht, findet im Internet Selbsthilfeprogramme und kann sich kostenlos und anonym an eine Beratungsstelle wenden. Auf den Internetseiten verschiedener Dachverbände finden Sie Suchmaschinen, mit denen Sie eine Beratungsstelle in der Nähe finden können. Solche Stellen bieten oft auch eine Beratung am Telefon oder über das Internet an.

    Viele Menschen mit einem Alkoholproblem schämen sich dafür oder geben sich selbst die Schuld daran. Alkoholprobleme sind jedoch weit verbreitet und haben nichts mit Schuld oder persönlicher Schwäche zu tun. Wer es schafft, sich sein Alkoholproblem einzugestehen und Unterstützung zu holen, zeigt Mut und Verantwortungsbewusstsein. Im Nachhinein wünschen sich viele Betroffene, sie hätten es früher geschafft, Hilfe anzunehmen.

    Die eigenen Trinkgewohnheiten zu ändern, erfordert Motivation und Engagement. Eine erste Möglichkeit sind kostenlose Selbsthilfeprogramme im Internet, zum Beispiel www.selbsthilfealkohol.de. Außerdem gibt es in Deutschland viele Beratungsstellen, die dabei unterstützen können. Sie helfen auch dabei, festzustellen, ob man ein Alkoholproblem hat – denn es ist nicht leicht, dies selbst einzuschätzen. Vielleicht stellt man bei einer Beratung fest, dass bereits ein paar einfache Veränderungen helfen könnten, die Probleme in den Griff zu bekommen. Professionelle Unterstützung ist besonders für Menschen sinnvoll, die bereits von Alkohol abhängig sind.

    Es kostet häufig Überwindung, über den eigenen Alkoholkonsum zu sprechen. Es hilft vielleicht, zu wissen, dass die Unterstützungsangebote in Deutschland anonym und kostenlos in Anspruch genommen werden können. Niemand muss seinen Namen nennen oder andere Daten preisgeben.

    Beratungsangebote gibt es in vielen Städten – im Internet, telefonisch und über die Selbsthilfe. Wer sich persönlich beraten lassen möchte, aber Angst hat, auf dem Weg in eine Beratungsstelle erkannt zu werden, kann auch eine Beratungsstelle in einem anderen Ort aufsuchen. Für andere ist es leichter, ihre Probleme am Telefon zu schildern und sich auf diesem Weg unterstützen zu lassen.

    Wie finde ich eine Beratungsstelle?

    Als erste Anlaufstelle für Menschen, die ihr Trinkverhalten ändern möchten, bieten sich Suchtberatungsstellen an. Sie helfen bei der Einordnung des Alkoholproblems und bei Bedarf bei der Wahl geeigneter Therapieangebote. Sie vermitteln Entzugsbehandlungen, bereiten darauf vor und bieten ambulante Nachbehandlungen an. Außerdem helfen sie bei der Suche nach Selbsthilfegruppen. Manche Beratungsstellen bieten selbst ambulante Entwöhnungstherapien an oder begleiten sie mit Gruppentreffen.

    Es gibt zum Beispiel städtische und kirchliche Suchtberatungsstellen sowie Beratungsstellen, die an Kliniken oder Gesundheitsämtern angegliedert sind. Eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden Sie über diese Internetangebote:

    • Suchthilfeverzeichnis der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS)
    • Suche des Blauen Kreuzes in Deutschland
    • Suche der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die BZgA betreibt zudem eine Telefonhotline, die Beratungsstellen vermittelt.

    Was kann ich von einer Selbsthilfegruppe erwarten?

    In Selbsthilfegruppen können Sie Kontakte zu Menschen knüpfen, die den Alkohol hinter sich gelassen haben oder daran arbeiten. Sie können Tipps und Erfahrungen mit ihnen austauschen und Themen besprechen, über die Sie mit anderen Menschen nur schwer reden können. Betroffene verstehen die Herausforderungen, die mit dem Verzicht auf Alkohol verbunden sind sowie das Auf und Ab, das damit einhergehen kann. Das kann eine große Entlastung und Unterstützung sein. Zudem entwickeln viele in der Selbsthilfegruppe ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das sie dazu motiviert, am Ball zu bleiben.

    Eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe finden Sie über folgende Internetangebote:

    • Anonyme Alkoholiker
    • Freundeskreise für Suchtkranke
    • Guttempler
    • Kreuzbund

    Weitere allgemeine Informationen zur Selbsthilfe finden Sie hier.

    An wen kann ich mich sonst noch wenden?

    Die hausärztliche Praxis ist ebenfalls eine gute erste Anlaufstelle für Menschen, die sich mit ihren Trinkgewohnheiten auseinandersetzen – vor allem, wenn eine vertrauensvolle Beziehung zur Hausärztin oder zum Hausarzt besteht. Bei Bedarf können dort auch weiterführende Hilfen vermittelt werden, wie zum Beispiel die Überweisung an einen ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten.

    Andere Stellen, an die man sich wenden kann, sind zum Beispiel die Telefonseelsorge, Gesundheitsämter und Betriebsärzte oder betriebliche Suchthilfen. Wie jede Ärztin und jeder Arzt unterliegen Betriebsärzte und betriebliche Suchtberater der Schweigepflicht.

    Quellen

    Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). S3-Leitlinie: Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen. AWMF-Registernr.: 076-001. 28.02.2016.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Was kann ich als Angehöriger tun?

    Alkoholprobleme sind ein Tabuthema. Deshalb ist Fingerspitzengefühl gefragt, wenn man jemanden auf seine Trinkgewohnheiten ansprechen möchte. Verschiedene Tipps können dabei helfen, ins Gespräch zu kommen. Wichtig ist aber auch, an sich selbst zu denken.

    Wenn Sie einen Angehörigen mit Alkoholproblemen haben, ist eines besonders wichtig: Achten Sie auf sich selbst. Seien Sie realistisch, was Sie leisten und an Unterstützung anbieten können. Achten Sie auch auf Ihre eigene Gesundheit und Ihr eigenes Wohlbefinden. Wenn Sie merken, dass Ihnen alles zu viel wird, nehmen Sie auch mal Abstand oder gönnen Sie sich eine Auszeit.

    Mit jemandem zusammenzuleben, der ein Alkoholproblem hat, kann auf Dauer sehr belastend sein. Zu den Problemen des Alltags kommt die Sorge um Ihren Angehörigen hinzu. Es kostet viel Energie, ihr oder ihm zu helfen und durch den Alkohol entstandene Probleme aufzufangen oder zu lösen. Wenn noch Kinder im Haushalt leben, kann das ganze Familienleben beeinträchtigt sein.

    Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen die Situation über den Kopf wächst, holen Sie sich am besten selbst Beratung und Unterstützung. Als Angehöriger können Sie sich an dieselben Beratungsstellen wenden, die auch für Betroffene da sind. Diese Angebote sind kostenlos und auf Wunsch anonym. Scheuen Sie sich nicht, sie in Anspruch zu nehmen. Beratungsstellen können Ihnen nicht nur Möglichkeiten zeigen, wie Sie mit Ihrem Angehörigen umgehen. Es kann auch für Sie selbst sehr entlastend sein, mit einer neutralen Person offen über die Probleme zu sprechen.

    Eine weitere Möglichkeit sind Selbsthilfegruppen für Angehörige, in denen Sie sich mit Menschen austauschen können, die das Gleiche erlebt haben oder gerade durchmachen wie Sie. Selbsthilfegruppen für Angehörige findet man unter anderem über die Dachverbände der Selbsthilfe, zum Beispiel den Kreuzbund oder die Guttempler.

    Alkoholprobleme sind ein Tabuthema. Deshalb ist Fingerspitzengefühl gefragt, wenn man jemanden auf seine Trinkgewohnheiten ansprechen möchte. Verschiedene Tipps können dabei helfen, ins Gespräch zu kommen. Wichtig ist aber auch, an sich selbst zu denken.

    Wenn Sie einen Angehörigen mit Alkoholproblemen haben, ist eines besonders wichtig: Achten Sie auf sich selbst. Seien Sie realistisch, was Sie leisten und an Unterstützung anbieten können. Achten Sie auch auf Ihre eigene Gesundheit und Ihr eigenes Wohlbefinden. Wenn Sie merken, dass Ihnen alles zu viel wird, nehmen Sie auch mal Abstand oder gönnen Sie sich eine Auszeit.

    Mit jemandem zusammenzuleben, der ein Alkoholproblem hat, kann auf Dauer sehr belastend sein. Zu den Problemen des Alltags kommt die Sorge um Ihren Angehörigen hinzu. Es kostet viel Energie, ihr oder ihm zu helfen und durch den Alkohol entstandene Probleme aufzufangen oder zu lösen. Wenn noch Kinder im Haushalt leben, kann das ganze Familienleben beeinträchtigt sein.

    Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen die Situation über den Kopf wächst, holen Sie sich am besten selbst Beratung und Unterstützung. Als Angehöriger können Sie sich an dieselben Beratungsstellen wenden, die auch für Betroffene da sind. Diese Angebote sind kostenlos und auf Wunsch anonym. Scheuen Sie sich nicht, sie in Anspruch zu nehmen. Beratungsstellen können Ihnen nicht nur Möglichkeiten zeigen, wie Sie mit Ihrem Angehörigen umgehen. Es kann auch für Sie selbst sehr entlastend sein, mit einer neutralen Person offen über die Probleme zu sprechen.

    Eine weitere Möglichkeit sind Selbsthilfegruppen für Angehörige, in denen Sie sich mit Menschen austauschen können, die das Gleiche erlebt haben oder gerade durchmachen wie Sie. Selbsthilfegruppen für Angehörige findet man unter anderem über die Dachverbände der Selbsthilfe, zum Beispiel den Kreuzbund oder die Guttempler.

    Wie kann ein Gespräch verlaufen?

    Wenn Sie sich wegen seines Alkoholkonsums um einen nahestehenden Menschen sorgen, fragen Sie sich wahrscheinlich, wie Sie ihn am besten darauf ansprechen können. Vielleicht haben Sie auch schon mal versucht, auf sie oder ihn zuzugehen, und wurden zurückgewiesen. Eine verärgerte Reaktion ist ganz normal – niemand wird gern mit einem unangenehmen Thema konfrontiert. Häufig braucht es zudem Zeit, bis jemand bereit ist, sich ein Alkoholproblem einzugestehen.

    Je nach Situation kann es sinnvoll sein, eine dritte Person einzubeziehen und sich vorher gut mit ihr abzusprechen. So können Sie auch verhindern, dass Sie beim gemeinsamen Gespräch zu dritt gegeneinander ausgespielt werden. Sich Unterstützung zu holen, ist zudem wichtig, wenn Sie befürchten, dass es zu einer Auseinandersetzung kommen könnte.

    Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Sie zunächst auf Ablehnung stoßen. Auf Ihr Engagement können Sie stolz sein – achten Sie aber auch auf sich selbst und überfordern Sie sich nicht. Wichtig ist außerdem, sich immer wieder klarzumachen: Sie sind nicht für das Verhalten einer anderen Person verantwortlich und tragen auch nicht die Verantwortung dafür, welche Entscheidungen sie trifft.

    Wie komme ich ins Gespräch?

    Bevor Sie das Gespräch suchen, ist es sinnvoll, sich gedanklich darauf vorzubereiten und eine passende Gelegenheit für das Gespräch zu finden.

    Viele Menschen schämen sich für ihren Alkoholkonsum. Ein geschützter Rahmen, in dem keiner mithören kann, ist daher eine wichtige Voraussetzung für ein Gespräch. Nehmen Sie sich Zeit und sorgen Sie dafür, dass Sie möglichst nicht unterbrochen werden. Dies ist zu Hause oft am einfachsten – vielleicht fällt es aber auch leichter, sich außerhalb der Wohnung zu unterhalten, etwa bei einem Spaziergang im Park.

    Ihr Gesprächspartner sollte nüchtern und Sie beide in einem entspannten Gemütszustand sein. Damit das Gespräch ruhig und konstruktiv verlaufen kann, ist es zudem wichtig, die eigenen Gefühle möglichst zurückzuhalten – auch wenn dies schwerfällt.

    Folgende Tipps können für ein Gespräch hilfreich sein:

    • Äußern Sie Ihre Beobachtungen und Sorgen der letzten Zeit, zum Beispiel: „Ich habe festgestellt, dass wir kaum noch etwas unternehmen.“
    • Sie können Ihr Gegenüber fragen, wie es ihm oder ihr mit dem Alkoholkonsum geht oder ob sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht hat.
    • Verwenden Sie „Ich-Botschaften“, um Ihr Anliegen vorzubringen, zum Beispiel: „Ich mache mir Sorgen darüber, wie viel Du in letzter Zeit trinkst“.
    • Hören Sie gut zu und unterbrechen Sie den anderen nicht.
    • Versuchen Sie, sich in Ihr Gegenüber hineinzuversetzen und seine Sicht zu verstehen.
    • Vermeiden Sie den Begriff „Alkoholiker“, und seien Sie zurückhaltend mit Worten wie Abhängigkeit und Sucht.
    • Urteilen Sie nicht über Ihren Gesprächspartner oder seine Trinkgewohnheiten.
    • Achten Sie darauf, Ihr Gegenüber nicht zu belehren oder zu erziehen und keine Vorwürfe zu machen – dies führt oft zu Abwehrreaktionen.
    • Sprechen Sie ihr oder sein Verhalten offen und ehrlich an (zum Beispiel: „Ich habe den Eindruck, dass Du Dich öfter mit X streitest, wenn Du trinkst“), aber kritisieren Sie nicht die Person selbst.
    • Bieten Sie Unterstützung an, zum Beispiel bei der Suche nach einer Beratungsstelle oder dem Gang dorthin.

    Bedenken Sie immer, dass sie oder er vielleicht noch nicht bereit ist, sich ein Alkoholproblem einzugestehen. Diese Einsicht können Sie nicht erzwingen, aber Unterstützung und Hilfe anbieten. Die Entscheidung, Hilfe anzunehmen und etwas zu ändern, muss jeder selbst treffen.

    Welche konkreten Hilfen kann ich anbieten?

    Sie können Ihrem Angehörigen, Freund oder Kollegen zuhören, für ihn da sein und konkrete Unterstützung geben. Dazu ist es hilfreich, die verschiedenen Anlaufstellen für Menschen mit Alkoholproblemen zu kennen – zum Beispiel Selbsthilfegruppen, Online-Programme, anonyme Beratungsstellen oder Beratungstelefone.

    Zuzugeben und anzunehmen, dass der eigene Alkoholkonsum problematisch ist, kann leichter sein, wenn diese Einschätzung von einer unabhängigen Stelle kommt als vom Partner, engen Freund oder Verwandten. Möglicherweise kann auch der Hinweis auf einen Selbsttest oder ein Trinktagebuch dabei helfen, das Trinkverhalten einzuschätzen.

    Wenn Ihr Gegenüber versuchen möchte, das Problem selbst in den Griff zu bekommen, können Sie Tipps geben, wie sich der Alkoholkonsum besser kontrollieren lässt. Denken Sie aber daran, dass dieses Ziel nicht realistisch ist, wenn jemand bereits alkoholabhängig ist. Dann ist professionelle Unterstützung unerlässlich.

    Was kann ich erwarten – und was nicht?

    Wer ein Alkoholproblem hat, muss die Entscheidung, weniger zu trinken oder sich Hilfe zu holen, selbst treffen. Dies setzt voraus, sich das Alkoholproblem einzugestehen. Das fällt meist schwer und braucht oft Zeit. Als Angehöriger ist es deshalb wichtig, Geduld mitzubringen. Oft braucht es mehrere Anläufe, um das Trinkverhalten dauerhaft zu verändern. Das ist ganz normal und kein Grund, jemandem Vorwürfe zu machen.

    Für eine Verhaltensänderung reicht Willenskraft allein zudem nicht immer aus. Das hat auch damit zu tun, dass das Trinken oft eine Funktion hat – zum Beispiel, zu beruhigen und Probleme in den Hintergrund treten zu lassen. Eine Veränderung des Trinkverhaltens setzt voraus, dass diese Probleme nicht mehr verdrängt, sondern aktiv angegangen werden. Nicht zuletzt ist so eine Veränderung zunächst viel anstrengender, als einfach alles beim Alten zu lassen.

    Bei Menschen, die aus Gewohnheit viel Alkohol trinken – etwa zum Entspannen oder zur „Belohnung“ nach Feierabend –, können Alternativen zum Alkohol hilfreich sein, wie zum Beispiel ein Hobby, das Freude bereitet und entspannt. Vielleicht gelingt es Ihnen gemeinsam, etwas Neues auszuprobieren.

    Es kann passieren, dass andere Freunde oder Familienangehörige die Entscheidung, weniger oder keinen Alkohol mehr zu trinken, nicht unterstützen oder infrage stellen. Wenn sie selbst viel Alkohol trinken oder ein problematisches Trinkverhalten haben, kann ihnen das Verständnis fehlen. Als Angehöriger können Sie dann helfen, den Kontakt zu Menschen herzustellen, die die Entscheidung unterstützen oder selbst keinen Alkohol trinken – zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe.

    Nicht zuletzt ist es wichtig zu wissen, wann die eigenen Bemühungen nicht mehr ausreichen: Große Mengen Alkohol können körperlich abhängig machen. Eine Sucht ist eine Erkrankung – keine Willensfrage und auch keine moralische Schwäche. Wenn jemand bereits eine Abhängigkeit entwickelt hat, geht es nicht ohne professionelle Unterstützung. Jeder Betroffene ist aber selbst dafür verantwortlich, diese Unterstützung anzunehmen und zu nutzen – auch wenn Sie als Angehöriger ihm oder ihr die Entscheidung auch noch so gerne abnehmen würden.

    Was sollte ich vermeiden?

    Als Angehöriger kann es einem passieren, dass man das Problem verdrängt oder das Trinkverhalten des Betroffenen unabsichtlich unterstützt – zum Beispiel, um ihn zu schützen, um Problemen im Alltag aus dem Weg zu gehen oder indem man ihm seine Pflichten abnimmt. Um dies zu vermeiden, können Sie auf Folgendes achten:

    • Verleiten Sie die Person nicht zum Trinken.
    • Trinken Sie nicht mit ihr zusammen oder in ihrer Gegenwart.
    • Übernehmen Sie keine Aufgaben, für die sie selbst verantwortlich ist (außer sie bringt sich oder andere dadurch in Gefahr).
    • Kaufen Sie keinen Alkohol für sie.
    • Helfen Sie der Person nicht, ihr Trinkverhalten zu verheimlichen.
    • Suchen Sie keine Ausreden für sie.
    • Setzen Sie klare Grenzen.

    Sie können einen Menschen unterstützen, ihm Hilfe anbieten und ihn ermutigen, professionelle Hilfe anzunehmen. Den entscheidenden Schritt muss er jedoch selbst tun. Wenn dies (noch) nicht gelingt, müssen Sie das akzeptieren. Es ist jedoch Ihr gutes Recht, klarzustellen, welches Verhalten Sie akzeptieren und welches nicht. Wenn Sie einen Freund einladen, müssen Sie zum Beispiel nicht hinnehmen, dass er in Ihrer Wohnung trinkt. Wichtig ist, Grenzen zu setzen, auf ihre Einhaltung zu achten und die angekündigten Konsequenzen auch umzusetzen.

    Quellen

    Kingston AH, Jorm AF, Kitchener BA, Hides L, Kelly CM, Morgan AJ et al. Helping someone with problem drinking: mental health first aid guidelines - a Delphi expert consensus study. BMC Psychiatry 2009; 9: 79.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.