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Zahnfleischentzündung und Parodontitis

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    Meist ist eine Zahnfleischentzündung harmlos und schnell wieder vorbei. Es kann aber passieren, dass sich eine Entzündung ausweitet und den Zahnhalteapparat schädigt. Dann spricht man von Parodontitis. Lesen Sie, wie sich ihr Fortschreiten aufhalten lässt und was die vorbeugende Mundhygiene ausmacht.

    Einleitung

    Bei vielen Menschen entzündet sich ab und an das Zahnfleisch. Meist macht eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) zunächst keine großen Probleme. Es kann jedoch passieren, dass die Entzündung auf andere Teile des Zahnhalteapparats übergreift und ihn schädigt. Dann spricht man von einer Parodontitis (umgangssprachlich „Parodontose“). Eine Parodontitis kann mit der Zeit dazu führen, dass sich Zähne lockern.

    Eine sorgfältige Zahnpflege hilft, Zahnfleischentzündungen vorzubeugen. Sie ist auch Voraussetzung dafür, dass eine zahnärztliche Behandlung das Fortschreiten einer Parodontitis aufhalten oder zumindest verlangsamen kann. Auch nach der Behandlung bleibt eine sorgfältige Zahnpflege sehr wichtig, um ein Fortschreiten der Parodontitis zu verhindern.

    Symptome

    Eine Zahnfleischentzündung macht sich durch gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch und Zahnfleischbluten bemerkbar. Es blutet beim Zähneputzen, selten aber auch ohne äußeren Anlass. Meist verursacht eine Zahnfleischentzündung keine Schmerzen oder andere Beschwerden und bleibt deshalb lange unbemerkt.

    Auch eine Parodontitis verursacht oft erst Beschwerden, wenn sie fortgeschritten ist. Außer gerötetem Zahnfleisch und Zahnfleischbluten können empfindliche und zunehmend sichtbare Zahnhälse („lange Zähne“), schmerzendes Zahnfleisch oder auch Mundgeruch Anzeichen für eine Parodontitis sein. Durch die Entzündung löst sich das Zahnfleisch vom Zahnhals und es entstehen Spalten zwischen Zahn und Zahnfleisch, sogenannte Zahnfleischtaschen. Bei einer fortgeschrittenen Parodontitis können sich die Zähne verschieben, anfangen zu wackeln oder beim Kauen wehtun.

     

    Grafik: gesunder Zahn, Zahnfleischentzündung und Parodontitis

    Ursachen

    Die häufigste Ursache für entzündetes Zahnfleisch sind bakterielle Zahnbeläge (Plaque). Zahnbelag ist ein dünner, zunächst kaum sichtbarer Film, der zum Großteil aus Bakterien besteht. Er findet sich vor allem am Übergang zwischen Zahn und Zahnfleisch und kann sich mit der Zunge pelzig anfühlen. Durch die Stoffwechselprodukte der Bakterien im Zahnbelag kann sich das Zahnfleisch entzünden und anschwellen. Zahnbelag lässt sich durch richtiges Zähneputzen beseitigen. Das bedeutet: Das Risiko für Zahnfleischentzündungen und Parodontitis kann sich durch eine gute Mundhygiene verringern.

    Zahnfleischentzündungen und Parodontitis können zudem durch verschiedene Umstände begünstigt werden, zum Beispiel durch

    • Rauchen,
    • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und
    • hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft.

    Außerdem sind einige Menschen anfälliger als andere. Möglich ist auch, dass bestimmte Medikamente zu einem übermäßigen Wachstum des Zahnfleischs führen, was die Mundhygiene erschwert und Zahnfleischentzündungen fördert. Dies gilt zum Beispiel für Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken (sogenannte Immunsuppressiva) oder Medikamente zur Behandlung von Gefäß- und Herzkrankheiten.

    Verlauf

    Eine Zahnfleischentzündung kann zurückgehen. Sie kann aber auch andauern, sich ausweiten und zu einer Parodontitis werden.

    Hält die Zahnfleischentzündung an, können die Zahnfleischtaschen zwischen Zahn und Zahnfleisch mehrere Millimeter tief werden, manchmal sogar mehr als 1 Zentimeter. In den Zahnfleischtaschen sammeln sich Bakterien an, die mit der Zahnbürste nicht mehr erreichbar sind. Es bilden sich bakterielle Beläge an der Zahnwurzel und am Zahnhals, die sich verfestigen können und nur noch in der Zahnarztpraxis entfernt werden können. Verfestigte Ablagerungen unterhalb des Zahnfleischs werden als Konkremente bezeichnet – im Gegensatz zu verfestigten Belägen oberhalb des Zahnfleischs, die Zahnstein genannt werden. Je tiefer eine Tasche ist, desto weiter dringen die Bakterienbeläge in Richtung Zahnwurzelspitze vor.

    Bakterien und Konkremente in den Taschen können zu weiteren Entzündungen führen. Bei einer Parodontitis greift die Entzündung den Zahnhalteapparat an. Schreitet sie fort, wird auch der Kieferknochen um die Zähne herum angegriffen und abgebaut. Dadurch können Teile der Zahnwurzel freiliegen. Die Zähne können sich mit der Zeit lockern und das Kauen erschweren oder beim Kauen schmerzen. Dann kann es passieren, dass sie nicht mehr erhalten werden können und entfernt werden müssen.

    Eine Parodontitis verläuft in Schüben. Das heißt, dass sich kurze Phasen, in denen Gewebe zerstört wird, mit längeren Phasen abwechseln, in denen die Erkrankung nicht weiter fortschreitet oder sich das Gewebe teilweise sogar etwas erholt. Eine Parodontitis heilt aber nicht von allein wieder aus.

    Diagnose

    Eine Möglichkeit, Zahnfleischentzündungen zu erkennen, sind zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen. Wer gesetzlich krankenversichert ist, hat zweimal pro Jahr Anspruch auf eine allgemeine zahnärztliche Vorsorgeuntersuchung, bei der Zähne und Zahnfleisch kontrolliert werden.

    Alle zwei Jahre haben gesetzlich Krankenversicherte außerdem Anspruch auf eine spezielle Parodontitis-Untersuchung, auch Parodontaler Screening Index (PSI) genannt. Bei dieser Untersuchung wird das gesamte Gebiss Zahn für Zahn mithilfe eines speziellen Instruments (Parodontalsonde) auf Zahnfleischtaschen überprüft. Dabei wird unter anderem nach Anzeichen für Zahnfleischblutungen, Zahnstein, Zahnfleischrückgang und gelockerten Zähnen geschaut.

    Wird eine Parodontitis vermutet, sind weitere Untersuchungen erforderlich – etwa Röntgenaufnahmen, um zu ermitteln, ob bereits Knochen abgebaut worden ist.

    Vorbeugung

    Wenn Zahnbelag nicht entfernt wird, kann sich bereits innerhalb weniger Tage das Zahnfleisch entzünden. Außerdem kann der Zahnbelag zu Zahnstein aushärten.

    Zahnbelag bildet sich zwar sehr schnell, kann aber durch gründliche Mundhygiene entfernt werden: durch regelmäßiges Zähneputzen und die Anwendung von Zahnzwischenraum-Bürstchen, aber auch Zahnseide. Kinder und Jugendliche können sich in der Zahnarztpraxis zeigen lassen, wie sie ihre Zähne am besten reinigen. Diese Schulung ist bis zum 18. Geburtstag eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.

    Zahnstein kann nur in einer Zahnarztpraxis entfernt werden – routinemäßig zum Beispiel bei einer zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchung. Die Kosten dafür werden einmal pro Jahr von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Pflegebedürftige Menschen und Menschen mit Behinderungen können zweimal pro Jahr kostenlos Zahnstein entfernen lassen. Außerdem haben sie zweimal pro Jahr Anspruch auf eine Schulung zur Pflege von Zähnen und Zahnersatz.

    In der Zahnarztpraxis wird häufig eine professionelle Zahnreinigung vorgeschlagen, bei der harte und weiche Zahnbeläge entfernt werden. Dieses Angebot muss aber in der Regel selbst gezahlt werden.

    Behandlung

    Eine gute Mundhygiene ist wichtig und eine Voraussetzung dafür, dass eine Parodontitis erfolgreich behandelt werden kann. Wer eine Zahnfleischentzündung oder Parodontitis hat, wird in der Zahnarztpraxis zur richtigen Zahnpflege angeleitet. Erwachsene müssen diese Mundhygieneschulung in der Regel selbst zahlen. Häufig wird vor Beginn der eigentlichen Parodontitis-Behandlung eine professionelle Zahnreinigung empfohlen, die ebenfalls selbst bezahlt werden muss.

    Bei der Behandlung einer Zahnfleischentzündung werden Zahnstein und – falls erforderlich – überstehende Füllungs- und Kronenränder entfernt. Dies wird gemacht, weil sich dahinterliegenden bakterielle Beläge schwerer entfernen lassen.

    Liegt eine Parodontitis vor, werden bakterielle Beläge und feste Ablagerungen beseitigt, auch solche unterhalb des Zahnfleischrands (Konkremente). Wenn diese Behandlung nicht ausreichend geholfen hat, wird manchmal auch ein operativer Eingriff empfohlen, um die Oberfläche der Zahnwurzel zu reinigen.

    Je eher eine Parodontitis erkannt wird, desto einfacher lässt sie sich in den Griff bekommen. Eine Parodontitis-Behandlung soll das Fortschreiten der Erkrankung so weit wie möglich aufhalten, um weitere Schäden und den Verlust von Zähnen zu verhindern.

    Weitere Informationen

    Viele Menschen gehen außer wegen akuter Schmerzen auch regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen zur Zahnärztin oder zum Zahnarzt. Wir informieren darüber, wie man die richtige Zahnarztpraxis findet, wie sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO), Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). Häusliches mechanisches Biofilmmanagement in der Prävention und Therapie der Gingivitis (S3-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 083-022. 11.2018.

    Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses für eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche vertragszahnärztliche Versorgung (Behandlungsrichtlinie). 01.03.2006.

    Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über Maßnahmen zur Verhütung von Zahnerkrankungen bei Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen (Richtlinie nach § 22a SGB V). 01.07.2018.

    Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Richtlinien des Bundesausschusses der Zahnärzte und Krankenkassen über Maßnahmen zur Verhütung von Zahnerkrankungen (Individualprophylaxe). 04.06.2003.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Systematische Behandlung von Parodontopathien; Auftrag N15-01. 05.03.2018. (IQWiG-Berichte; Band 602).

    Pihlstrom BL, Michalowicz BS, Johnson NW. Periodontal diseases. Lancet 2005; 366(9499): 1809-1820.

    Torpy JM, Burke AE, Glass RM. Periodontal Disease. JAMA 2008; 299(5): 598.

    Zitzmann NU, Ramseier CA, Weiger R, Walter C. Parodontitis. Schweiz Med Forum 2013; 13(9): 183-186.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Welche Vor- und Nachteile hat die professionelle Zahnreinigung?

    Viele Zahnärztinnen und -ärzte bieten eine professionelle Zahnreinigung (PZR) an, um Karies oder einer Zahnfleischentzündung vorzubeugen. Nach einer Parodontitis-Behandlung soll sie verhindern, dass die Entzündung zurückkehrt. Bisher ist aber nicht nachgewiesen, dass die PZR diese Erwartungen besser erfüllt als die üblichen Maßnahmen zur Zahnvorsorge und -behandlung.

    Die Zähne gründlich zu reinigen bedeutet, sie rundum von bakteriellem Zahnbelag (Plaque) zu befreien. Die Bakterien und ihre Stoffwechselprodukte können die Zähne und das Zahnfleisch angreifen und Karies oder Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) verursachen. Aus einer Zahnfleischentzündung kann langfristig eine Parodontitis entstehen. Bei einer Parodontitis hat sich die Entzündung auf das Zahnbett und den Knochen ausgeweitet.

    Zahnbelag lässt sich manchmal mit der Zunge spüren: Die Zahnoberfläche kann sich pelzig oder rau anfühlen. Der Belag lässt sich durch regelmäßiges und gründliches Zähneputzen und Säubern der Zahnzwischenräume entfernen. Wird der Zahnbelag nicht vollständig entfernt, kann er zu Zahnstein verhärten. Zahnstein kann nur in einer Zahnarztpraxis entfernt werden, zum Beispiel während eines Vorsorgetermins. Die Kosten einer Zahnsteinentfernung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen einmal pro Jahr, bei pflegebedürftigen Menschen und Menschen mit Behinderungen zweimal pro Jahr.

    Zahnärztinnen und -ärzte bieten zusätzlich zur Zahnsteinentfernung eine professionelle Zahnreinigung (PZR) an. Dabei sind unterschiedliche Zielrichtungen möglich:

    1. Menschen mit einer guten Mundgesundheit soll die PZR helfen, Karies und Zahnfleischentzündungen vorzubeugen.
    2. Bei Menschen mit Parodontitis soll eine PZR die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung schaffen. Außerdem soll sie helfen, einer erneuten Erkrankung vorzubeugen.

    Bei einer professionellen Zahnreinigung werden weiche und harte Beläge entfernt, aber auch Zahnverfärbungen, die durch Kaffee, schwarzen Tee oder Rauchen entstanden sind. Allerdings sind die Vorteile der professionellen Zahnreinigung nicht durch belastbare Studien belegt. Die professionelle Zahnreinigung ist keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen, sondern muss normalerweise selbst bezahlt werden.

    Viele Zahnärztinnen und -ärzte bieten eine professionelle Zahnreinigung (PZR) an, um Karies oder einer Zahnfleischentzündung vorzubeugen. Nach einer Parodontitis-Behandlung soll sie verhindern, dass die Entzündung zurückkehrt. Bisher ist aber nicht nachgewiesen, dass die PZR diese Erwartungen besser erfüllt als die üblichen Maßnahmen zur Zahnvorsorge und -behandlung.

    Die Zähne gründlich zu reinigen bedeutet, sie rundum von bakteriellem Zahnbelag (Plaque) zu befreien. Die Bakterien und ihre Stoffwechselprodukte können die Zähne und das Zahnfleisch angreifen und Karies oder Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) verursachen. Aus einer Zahnfleischentzündung kann langfristig eine Parodontitis entstehen. Bei einer Parodontitis hat sich die Entzündung auf das Zahnbett und den Knochen ausgeweitet.

    Zahnbelag lässt sich manchmal mit der Zunge spüren: Die Zahnoberfläche kann sich pelzig oder rau anfühlen. Der Belag lässt sich durch regelmäßiges und gründliches Zähneputzen und Säubern der Zahnzwischenräume entfernen. Wird der Zahnbelag nicht vollständig entfernt, kann er zu Zahnstein verhärten. Zahnstein kann nur in einer Zahnarztpraxis entfernt werden, zum Beispiel während eines Vorsorgetermins. Die Kosten einer Zahnsteinentfernung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen einmal pro Jahr, bei pflegebedürftigen Menschen und Menschen mit Behinderungen zweimal pro Jahr.

    Zahnärztinnen und -ärzte bieten zusätzlich zur Zahnsteinentfernung eine professionelle Zahnreinigung (PZR) an. Dabei sind unterschiedliche Zielrichtungen möglich:

    1. Menschen mit einer guten Mundgesundheit soll die PZR helfen, Karies und Zahnfleischentzündungen vorzubeugen.
    2. Bei Menschen mit Parodontitis soll eine PZR die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung schaffen. Außerdem soll sie helfen, einer erneuten Erkrankung vorzubeugen.

    Bei einer professionellen Zahnreinigung werden weiche und harte Beläge entfernt, aber auch Zahnverfärbungen, die durch Kaffee, schwarzen Tee oder Rauchen entstanden sind. Allerdings sind die Vorteile der professionellen Zahnreinigung nicht durch belastbare Studien belegt. Die professionelle Zahnreinigung ist keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen, sondern muss normalerweise selbst bezahlt werden.

    Ist eine professionelle Zahnreinigung zur Vorbeugung sinnvoll?

    Für gesetzlich Versicherte ist eine Zahnsteinentfernung kostenlos. Für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Geburtstag sowie Menschen, die pflegebedürftig sind oder eine Behinderung haben, ist auch die Anleitung zu einer guten Mundhygiene eine Kassenleistung.

    Ob eine professionelle Zahnreinigung besser vor Karies, Zahnfleischentzündungen und Parodontitis schützt als die von den Kassen bezahlte Zahnsteinentfernung, lässt sich derzeit nicht beurteilen. Geeignete Studien zu dieser Fragestellung fehlen.

    Welche Rolle spielt eine professionelle Zahnreinigung bei einer Parodontitis?

    Für die Behandlung einer Parodontitis muss vorhandener Zahnstein entfernt und eine gute Mundhygiene eingehalten werden. Vor der eigentlichen Behandlung soll eine Kombination aus professioneller Zahnreinigung und Mundhygieneschulung für eine ausreichende Mundhygiene sorgen und besonders starke Entzündungen etwas eindämmen. Nach der Behandlung soll sie verhindern, dass die Erkrankung zurückkehrt.

    Allerdings gibt es für den Nutzen der professionellen Zahnreinigung im Rahmen einer Parodontitis-Behandlung keine geeigneten Studien. Es lässt sich deshalb nicht sagen, ob eine PZR in Kombination mit einer Mundhygieneschulung vor oder nach der Behandlung ein Fortschreiten der Parodontitis besser aufhalten kann als eine Zahnsteinentfernung.

    Gibt es andere Vorteile einer professionellen Zahnreinigung?

    Manch einer verspricht sich von einer PZR hellere Zähne und saubere Zahnhälse. Wer jedoch nach einer Zahnreinigung weiter raucht, Kaffee oder schwarzen Tee trinkt, hat oft innerhalb einiger Wochen erneut verfärbte Zähne.

    Die professionelle Zahnreinigung wird gelegentlich auch damit beworben, Mundgeruch zu verringern. Die wenigen Studien über den Zusammenhang von PZR und Mundgeruch sind aber durchweg mangelhaft. Ihre Ergebnisse können also nicht zeigen, dass eine PZR vor Mundgeruch schützt.

    Kann eine professionelle Zahnreinigung auch Nachteile haben?

    Langfristige unerwünschte Wirkungen einer professionellen Zahnreinigung sind nicht untersucht. So bleibt beispielsweise unklar, ob eine PZR die Zähne mit der Zeit empfindlicher macht oder der Zahnoberfläche oder dem Zahnfleisch schadet.

    Eine PZR kann – wie die Zahnsteinentfernung – unangenehm sein, vor allem wenn die Zahnhälse freiliegen. Ist das Zahnfleisch bereits gereizt oder entzündet, kommt es während der Reinigung leicht zu Zahnfleischbluten. Vor einer Behandlung ist es deshalb für die Zahnärztin oder den Zahnarzt wichtig zu wissen, ob Blutverdünner wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS) eingenommen werden.

    Was wird bei einer professionellen Zahnreinigung gemacht?

    Eine PZR kann mehrere Schritte umfassen: reinigen, polieren und fluoridieren. Auch eine Schulung, wie man schonend die Zähne selbst reinigt, wird häufig zusammen mit einer professionellen Zahnreinigung angeboten.

    Im ersten Schritt werden weiche und harte Zahnbeläge entfernt. Auch schwer zugängliche Stellen zwischen den Zähnen und am Zahnfleischrand werden gereinigt. Dazu kommen zum Beispiel Ultraschall- und Handinstrumente (sogenannte Scaler oder Küretten) zum Einsatz, zum Säubern der Zwischenräume auch Zahnseide, Schleifpapier oder kleine Bürstchen. Einige Praxen setzen zusätzlich Pulver-Wasserstrahl-Geräte ein, die auch Verfärbungen entfernen können. Sie reinigen mit einem Strahl aus einem Wasser-Pulvergemisch.

    Nach der Reinigung werden die Zähne poliert. Dazu wird Polierpaste auf einen rotierenden Gummi oder eine kleine rotierende Bürste aufgetragen. Das Polieren glättet die Zahnoberfläche, wodurch Bakterien weniger gut anhaften sollen.

    Zum Abschluss werden die Zähne normalerweise noch mit einem fluoridhaltigen Gel oder Lack bestrichen, um den Zahnschmelz zu schützen und zu härten.

    Eine professionelle Zahnreinigung kann etwa 45 bis 60 Minuten dauern. Sie wird von einer Zahnärztin, einem Zahnarzt oder einer speziell fortgebildeten Fachkraft (zahnmedizinische Fachassistenz) übernommen. Fachkräfte dürfen sichtbare und gut erreichbare Zahnbeläge entfernen. Bei besonders empfindlichen Zähnen kann vor einer PZR eine Betäubungsspritze gegeben werden.

    Was kostet eine professionelle Zahnreinigung?

    Die PZR ist keine regelhafte Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Meist kostet sie etwa 80 bis 120 Euro.

    Einige gesetzliche Krankenkassen bieten jedoch Zuschüsse an, und einzelne Kassen übernehmen die Kosten ganz. Auch die meisten Zahnzusatzversicherungen für gesetzlich Versicherte übernehmen die Kosten teilweise oder vollständig.

    Quellen

    Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). Patienteninformation: Professionelle Zahnreinigung (PZR). 02.2013.

    Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses für eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche vertragszahnärztliche Versorgung (Behandlungsrichtlinie). 01.03.2006.

    Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Früherkennungsuntersuchungen auf Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten (zahnärztliche Früherkennung gemäß § 26 Absatz 1 Satz 5 und Absatz 2 Satz 5 SGB V) (FU-RL). 17.01.2019.

    Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über Maßnahmen zur Verhütung von Zahnerkrankungen bei Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen (Richtlinie nach § 22a SGB V). 01.07.2018.

    Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Richtlinien des Bundesausschusses der Zahnärzte und Krankenkassen über Maßnahmen zur Verhütung von Zahnerkrankungen (Individualprophylaxe). 04.06.2003.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Systematische Behandlung von Parodontopathien; Auftrag N15-01. 05.03.2018. (IQWiG-Berichte; Band 602).

    Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV). Mundgeruch.

    Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV). Professionelle Zahnreinigung.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Parodontitis-Behandlung: Reinigen und pflegen

    Eine fortgeschrittene Parodontitis kann dazu führen, dass sich Zähne lockern. Mit einer systematischen Behandlung lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung oft zumindest verlangsamen. Voraussetzung für den Erfolg ist jedoch eine gute Mundhygiene.

    Es gibt verschiedene zahnärztliche Möglichkeiten, eine Parodontitis zu behandeln. Als behandlungsbedürftig gilt eine Parodontitis, wenn bei einer Sondierung mindestens 3,5 Millimeter tiefe Zahnfleischtaschen festgestellt wurden.

    Eine systematische Parodontitis-Behandlung besteht aus mehreren Schritten:

    • Verbesserung der Mundhygiene durch Anleitung zur richtigen Zahnpflege und Entfernung von Belägen und Ablagerungen (Zahnstein) auf den Zähnen
    • Entfernung von Belägen und Ablagerungen unterhalb des Zahnfleischrands („geschlossene“ Behandlung)
    • Wenn notwendig, zusätzliche Einnahme von Antibiotika
    • Überprüfung des Behandlungserfolgs
    • Es kann auch ein operativer Eingriff unter örtlicher Betäubung infrage kommen („offene“ chirurgische Behandlung)
    • Strukturierte Nachsorge zur Sicherung des Behandlungserfolgs (unterstützende Parodontitis-Therapie)

    Die Kosten einer systematischen Parodontitis-Behandlung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen teilweise, wenn der Zustand des Zahnhalteapparates behandlungsbedürftig ist. Zusätzlich müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden – so muss zum Beispiel die Patientin oder der Patient für eine ausreichende Mundhygiene sorgen, möglichst mit dem Rauchen aufhören und eine bestehende Diabetes-Erkrankung sollte optimal behandelt werden. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt stellt bei der Krankenkasse vor Beginn der systematischen Parodontitis-Behandlung einen Antrag auf Kostenübernahme, über den die Krankenkasse entscheidet.

    Oft bieten Zahnärztinnen und Zahnärzte weitere Leistungen an, die in der Regel selbst bezahlt werden müssen. So wird zum Beispiel vor Beginn der eigentlichen Parodontitis-Behandlung häufig eine professionelle Zahnreinigung (PZR) empfohlen. Zu den weiteren Leistungen gehören auch Behandlungen, die den Wiederaufbau des Zahnhalteapparates fördern sollen und Technologien wie Laserverfahren und die sogenannte fotodynamische Therapie. Bei einer fotodynamischen Therapie wird ein lichtempfindlicher Farbstoff auf die betroffenen Bereiche aufgetragen und anschließend mit Laser belichtet. Der dabei entstehende aggressive Sauerstoff soll die Bakterien abtöten.

    Eine fortgeschrittene Parodontitis kann dazu führen, dass sich Zähne lockern. Mit einer systematischen Behandlung lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung oft zumindest verlangsamen. Voraussetzung für den Erfolg ist jedoch eine gute Mundhygiene.

    Es gibt verschiedene zahnärztliche Möglichkeiten, eine Parodontitis zu behandeln. Als behandlungsbedürftig gilt eine Parodontitis, wenn bei einer Sondierung mindestens 3,5 Millimeter tiefe Zahnfleischtaschen festgestellt wurden.

    Eine systematische Parodontitis-Behandlung besteht aus mehreren Schritten:

    • Verbesserung der Mundhygiene durch Anleitung zur richtigen Zahnpflege und Entfernung von Belägen und Ablagerungen (Zahnstein) auf den Zähnen
    • Entfernung von Belägen und Ablagerungen unterhalb des Zahnfleischrands („geschlossene“ Behandlung)
    • Wenn notwendig, zusätzliche Einnahme von Antibiotika
    • Überprüfung des Behandlungserfolgs
    • Es kann auch ein operativer Eingriff unter örtlicher Betäubung infrage kommen („offene“ chirurgische Behandlung)
    • Strukturierte Nachsorge zur Sicherung des Behandlungserfolgs (unterstützende Parodontitis-Therapie)

    Die Kosten einer systematischen Parodontitis-Behandlung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen teilweise, wenn der Zustand des Zahnhalteapparates behandlungsbedürftig ist. Zusätzlich müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden – so muss zum Beispiel die Patientin oder der Patient für eine ausreichende Mundhygiene sorgen, möglichst mit dem Rauchen aufhören und eine bestehende Diabetes-Erkrankung sollte optimal behandelt werden. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt stellt bei der Krankenkasse vor Beginn der systematischen Parodontitis-Behandlung einen Antrag auf Kostenübernahme, über den die Krankenkasse entscheidet.

    Oft bieten Zahnärztinnen und Zahnärzte weitere Leistungen an, die in der Regel selbst bezahlt werden müssen. So wird zum Beispiel vor Beginn der eigentlichen Parodontitis-Behandlung häufig eine professionelle Zahnreinigung (PZR) empfohlen. Zu den weiteren Leistungen gehören auch Behandlungen, die den Wiederaufbau des Zahnhalteapparates fördern sollen und Technologien wie Laserverfahren und die sogenannte fotodynamische Therapie. Bei einer fotodynamischen Therapie wird ein lichtempfindlicher Farbstoff auf die betroffenen Bereiche aufgetragen und anschließend mit Laser belichtet. Der dabei entstehende aggressive Sauerstoff soll die Bakterien abtöten.

    Verbesserung der Mundhygiene

    Für den Erfolg einer Parodontitis-Behandlung ist eine gute Mundhygiene entscheidend. Das bedeutet, konsequent und regelmäßig die Zähne und Zahnzwischenräume zu säubern und das Zahnfleisch zu pflegen. Selbst wenn schon Knochensubstanz oder Zähne verlorengegangen sind, kann eine regelmäßige gründliche Mundpflege helfen, die restlichen Zähne zu erhalten. Dies ist auch wichtig, wenn Zahnersatz benötigt wird, damit er an Zähnen mit möglichst gesundem Zahnhalteapparat befestigt werden kann.

    Um die Mundhygiene zu verbessern, wird zu Beginn der Behandlung erst einmal der richtige Einsatz von (elektrischer) Zahnbürste, Zahnzwischenraum-Bürstchen aber auch Zahnseide vermittelt. Hierzu färbt die Zahnärztin, der Zahnarzt oder eine speziell fortgebildete Fachkraft den vorhandenen Zahnbelag an, um ihn sichtbar machen und die Pflege besser erklären zu können. Auch praktische Übungen gehören zu einer solchen Mundhygieneschulung, die in der Regel selbst bezahlt werden muss.

    Zusätzlich wird Zahnstein entfernt. Das geschieht mithilfe spezieller Handinstrumente (sogenannte Scaler oder Küretten), mit Ultraschallgeräten oder rotierenden Instrumenten. Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Zahnsteinentfernung einmal pro Jahr. Auch überstehende Füllungs- und Kronenränder werden geglättet, wenn dies erforderlich ist.

    Außerdem kann die Zahnarztpraxis eine professionelle Zahnreinigung anbieten, die privat gezahlt werden muss. Dabei werden harte und weiche Beläge entfernt. Normalerweise werden die gereinigten Zähne auch noch mit einem fluoridhaltigen Gel oder Lack behandelt.

    Geschlossene Behandlung

    Bei einer geschlossenen Behandlung werden – in der Regel unter örtlicher Betäubung –  bakterielle Beläge und feste Ablagerungen (Konkremente) entfernt, die sich unterhalb des Zahnfleischrands, an den Oberflächen der Zahnhälse und den freiliegenden Zahnwurzeln gebildet haben. Dies wird auch subgingivale Instrumentierung genannt. Behandelt wird mit speziell geformten Instrumenten oder beispielsweise Ultraschall.

    Studien weisen darauf hin, dass diese Behandlung Zahnfleischbluten verringert und vor Zahnverlust schützen kann.

    Es gibt erste Anhaltspunkte, dass auch die Behandlung mit bestimmten Laserverfahren erfolgversprechend sein könnte: Möglicherweise hat es Vorteile, bakterielle Beläge und feste Ablagerungen mit einem Laser zu entfernen oder die geschlossene Behandlung mit einer Lasertherapie zu kombinieren. Erste Ergebnisse sprechen auch für einen möglichen Vorteil bestimmter fotodynamischer Verfahren. Verlässliche Ergebnisse zur Wirksamkeit dieser Verfahren gibt es aber noch nicht.

    Manchmal bieten Zahnarztpraxen zusätzlich folgende Leistungen an, bei denen aber noch unklar ist, ob sie einen Vorteil mit sich bringen:

    • das Einbringen eines Gels aus Schmelz-Matrix-Proteinen. Schmelz-Matrix-Proteine sind spezielle Eiweiße, die den Wiederaufbau der Knochen des Zahnhalteapparats fördern sollen.
    • das Einbringen von antiseptischen Substanzen (meist Chlorhexidin), die verhindern sollen, dass sich erneut Bakterien ansiedeln.
    • eine hyperbare Sauerstofftherapie. Dabei wird in einer Druckkammer reiner Sauerstoff eingeatmet. Mehr Sauerstoff im Blut und Gewebe soll die Knochenheilung unterstützen.

    Antibiotika-Behandlung

    Bei besonders schweren Formen der Parodontitis kann eine ergänzende Einnahme von Antibiotika infrage kommen, zum Beispiel Antibiotika-Tabletten. Sie reicht bei einer Parodontitis aber zur alleinigen Behandlung nicht aus. Eine Behandlung mit Antibiotika muss gut begründet sein.

    Studien weisen darauf hin, dass Antibiotika-Tabletten gegen eine schwere Parodontitis langfristig zum Zahnerhalt beitragen, wenn sie ergänzend zur geschlossenen Behandlung eingenommen werden. Zudem lindern sie ersten Schätzungen zufolge die Zahnfleischentzündung. Bei örtlich angewendeten Antibiotika ist unklar, ob sie hilfreich sind.

    Offene chirurgische Behandlung

    Bei einer offenen Behandlung wird das Zahnfleisch an den entzündeten Stellen von den Zähnen abgelöst und zurückgeklappt. Dadurch wird die Zahnwurzel erreichbar und einsehbar, sodass sie gründlich gereinigt werden kann. Anschließend wird das Zahnfleisch so vernäht, dass es wieder eng am Zahn anliegt. Für den Eingriff ist eine örtliche Betäubung nötig.

    In der Regel dauert es ungefähr eine Woche, bis die Wunde verheilt ist und die Fäden gezogen werden können. Das Zahnfleisch kann nach der Operation dauerhaft etwas zurückgehen, sodass die Zähne etwas „länger“ wirken. Dieser Eindruck entsteht zum Teil deshalb, weil die Entzündung und damit die Schwellung des Zahnfleischs abklingen.

    Bisherige Studien konnten nicht zeigen, dass eine offene chirurgische Behandlung wirksamer ist als eine geschlossene Behandlung. Um verlässliche Aussagen zu den Vor- und Nachteilen der offenen chirurgischen Behandlung treffen zu können, sind aber weitere Studien nötig.

    Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen eine offene Behandlung unter Umständen bei einer schweren Parodontitis, wenn eine geschlossene Behandlung und verbesserte Zahnpflege keinen ausreichenden Erfolg gebracht haben.

    Der Eingriff kann mit weiteren, selbst zu zahlenden Behandlungen kombiniert werden. Für eine Kombination aus offener Behandlung und einer der drei unten genannten Behandlungen haben Studien bisher aber entweder keine Vorteile gegenüber einer geschlossenen Behandlung ergeben, oder es fehlen aussagekräftige Studien:

    • Osteoplastik: Durch Parodontitis geschädigte Knochen haben manchmal eine unebene Oberfläche mit kraterförmigen Einbrüchen. Sie kann während einer offenen chirurgischen Behandlung geglättet werden.
    • Barrieremembran: Während des Eingriffs kann die Zahnärztin oder der Zahnarzt zusätzlich eine vom Körper abbaubare Folie zwischen Zahnfleisch und Zahn legen. Dies soll den Wiederaufbau von Knochenmasse unterstützen. Die Folie soll zudem verhindern, dass sich das Zahnfleisch an die Zahnwurzel anheftet, bevor sich der Zahnhalteapparat erholen konnte. Dieses Verfahren wird auch „Guided Tissue Regeneration“ (GTR) genannt.
    • Schmelz-Matrix-Proteine: Diese „Wachstums-Eiweiße“ werden in den geschädigten Knochen eingebracht, um den Wiederaufbau der Knochen zu fördern.

    Nachsorge

    Nach der Parodontitis-Behandlung ist eine gute Mundhygiene eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Sie soll zudem verhindern, dass die Erkrankung zurückkehrt. Denn einer erneuten Parodontitis lässt sich nur dadurch vorbeugen, dass Zähne und Zahnfleisch auch zu Hause gut gepflegt werden. Das bedeutet: Mindestens zweimal täglich die Zähne putzen und die Zahnzwischenräume mit Zahnzwischenraum-Bürstchen oder auch mit Zahnseide reinigen.

    Drei bis sechs Monate nach der geschlossenen Behandlung werden Zähne und Zahnfleisch erneut untersucht, um den Behandlungserfolg zu prüfen. Diese Untersuchung wird nicht immer von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Wenn sich die Taschentiefe nicht ausreichend verringert hat, werden die betroffenen Zähne erneut unterhalb des Zahnfleischs gereinigt oder es wird eine „offene“ Behandlung vorgeschlagen.

    Oft raten Zahnärztinnen und Zahnärzte darüber hinaus zu einer strukturierten Nachsorge, die auch „unterstützende Parodontitistherapie“ (UPT) genannt wird: Zum Beispiel wird man dann zweimal pro Jahr eingeladen, um den bisherigen Behandlungserfolg zu überprüfen. Dabei wird die Mundhygiene kontrolliert und getestet, ob das Zahnfleisch leicht blutet. Außerdem wird Patientinnen und Patienten gezeigt, wie sie eine gute Mundhygiene aufrechterhalten und verbessern können. Auch eine Reinigung der Zähne ist Teil der UPT. Bei der Reinigung werden Zahnbeläge entfernt, die sich oberhalb und unterhalb des Zahnfleischrands neu gebildet haben. Diese Elemente einer strukturierten Nachsorge werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.

    Bisher gibt es keine verlässlichen Studien, die zeigen, ob diese Form der Nachsorge von Vorteil ist.

    Was hilft im Umgang mit Parodontitis?

    Manche Menschen mit Zahnfleischproblemen haben ein schlechtes Gewissen, weil sie nicht genug auf ihre Zahnpflege achten oder weil sie weiter rauchen, obwohl sie wissen, dass dies für die Mundgesundheit nicht gut ist. Bei einer Parodontitis kommen Ängste hinzu, Zähne zu verlieren.

    Verständnisvolle Zahnärztinnen und -ärzte können dabei unterstützen und ermuntern, gute Vorsätze zur Mundhygiene auch umzusetzen. Gut informiert zu sein und mit der Ärztin oder dem Arzt regelmäßig über den Stand der Erkrankung zu sprechen, ist ebenfalls hilfreich. Dazu gehört auch, gemeinsam zu besprechen, was gut funktioniert und wo sich die Zahnpflege vielleicht noch verbessern lässt.

    Eine gute Mundhygiene ist die wichtigste Voraussetzung, um eine Parodontitis nach der Behandlung in den Griff zu bekommen und den Zahnhalteapparat möglichst lange stabil zu erhalten. Regelmäßig die Zähne zu putzen, an die richtige Putztechnik zu denken,  Zahnzwischenraum-Bürstchen und Zahnseide nicht zu vergessen, kann lästig sein und ist manchmal schwierig durchzuhalten. Oft hilft es, bei der Zahnpflege tägliche Routinen einzuführen und an ihnen festzuhalten. Vielen Menschen fällt die Zahnpflege mit der Zeit leichter, wenn sie merken, dass sich ihre Zahngesundheit dadurch verbessert.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO), Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). Adjuvante systemische Antibiotikagabe bei subgingivaler Instrumentierung im Rahmen der systematischen Parodontitistherapie (S3-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 083-029. 11.2018.

    Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO), Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). Subgingivale Instrumentierung (S3-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 083-030. 10.2019.

    Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses für eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche vertragszahnärztliche Versorgung (Behandlungsrichtlinie). 01.03.2006.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Systematische Behandlung von Parodontopathien; Auftrag N15-01. 05.03.2018. (IQWiG-Berichte; Band 602).

    Karlsson E, Lymer UB, Hakeberg M. Periodontitis from the patient's perspective, a qualitative study. Int J Dent Hyg 2009; 7(1): 23-30.

    Pihlstrom BL, Michalowicz BS, Johnson NW. Periodontal diseases. Lancet 2005; 366(9499): 1809-1820.

    Stenman J, Hallberg U, Wennström JL, Abrahamsson KH. Patients' attitudes towards oral health and experiences of periodontal treatment: a qualitative interview study. Oral Health Prev Dent 2009; 7(4): 393-401.

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