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Skoliose im Jugendalter

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    Bei Jugendlichen mit Skoliose verkrümmt und verdreht sich die Wirbelsäule. Die Ursache ist unklar. Oft bleibt es bei einer leichten Krümmung, die regelmäßig kontrolliert werden muss. Bei einer mittelstarken und sehr starken Skoliose sind allerdings bestimmte Behandlungen nötig.

    Einleitung

    Bei Jugendlichen mit Skoliose verkrümmt sich die Wirbelsäule und ist auch in sich verdreht. Die Skoliose im Jugendalter hat meist keine bekannte Ursache und wird dann „idiopathisch“ genannt. Sie entwickelt sich fast nur während des Wachstums.

    Oft bleibt es bei einer leichten Krümmung. Eine Behandlung ist dann nicht nötig. Wichtig ist aber, die Wirbelsäule alle paar Monate kontrollieren zu lassen, bis ihr Wachstum abgeschlossen ist. Dadurch lässt sich frühzeitig erkennen, ob die Krümmung zunimmt und eine Behandlung sinnvoll ist.

    Mittelstarke Krümmungen und fortschreitende Skoliosen werden oft mit einem orthopädischen Korsett behandelt. Dadurch kann die Krümmung der Wirbelsäule aufgehalten werden.

    Bei sehr starken Krümmungen kann eine Operation nötig werden. Dabei werden mehrere Wirbelkörper miteinander verbunden, um die Wirbelsäule wieder aufzurichten.

    Symptome

    Eine Skoliose löst nur selten Beschwerden aus. Manche Jugendliche berichten über Rückenschmerzen oder Verspannungen im Schulterbereich. Ob dies an der Skoliose liegt, ist aber oft unklar, da die meisten Menschen ohnehin ab und zu Rückenschmerzen haben.

    Die Skoliose zeigt sich vor allem durch sichtbare Veränderungen des Oberkörpers: Rücken, Schulter, Brust und Hüfte können unsymmetrisch sein oder schief stehen. Die Verkrümmung fällt vor allem auf, wenn man sich nach vorne beugt: Dann bilden die Rippen auf einer Seite einen sichtbaren Buckel.

    Die Wirbelsäule kann unterschiedlich stark verkrümmt sein. Der Grad der Verkrümmung – der sogenannte Cobb-Winkel – wird mit einem Röntgenbild bestimmt.

    Bei etwa 80 % der Jugendlichen mit Skoliose verkrümmt sich die Brustwirbelsäule nach rechts (siehe Grafik). Krümmungen im Bereich der Lendenwirbelsäule sind seltener. Manchmal krümmt sich die Wirbelsäule sowohl im Brust- als auch im Lendenbereich. Dies ist ebenfalls eher selten.

     

    Grafik: Skoliose: Beim Vorbeugetest sichtbare Verkrümmungen der Wirbelsäule Skoliose: Beim Vorbeugetest sichtbare Verkrümmungen der Wirbelsäule

    Ursachen und Risikofaktoren

    Die Ursachen von Skoliose im Jugendalter konnten bisher noch nicht geklärt werden. In der Medizin spricht man daher von einer „adoleszenten, idiopathischen Skoliose“ (adoleszent = im Jugendalter auftretend, idiopathisch = unbekannter Ursache). Mit „Jugendalter“ ist die Zeit zwischen dem 10. Geburtstag und dem Abschluss des Wirbelsäulenwachstums gemeint.

    Eine Skoliose hat nichts mit „schlechter Haltung“ zu tun: Niemand kann etwas dafür, wenn ein Kind oder Jugendlicher Skoliose entwickelt. Es sind auch keine Möglichkeiten bekannt, dem vorzubeugen.

    Der einzige bekannte Risikofaktor ist eine familiäre Veranlagung: Bei schätzungsweise 10 % der Jugendlichen mit Skoliose hatten auch die Mutter oder der Vater damit zu tun.

    Häufigkeit

    Schätzungsweise 2 % aller Jugendlichen zwischen 10 und 16 Jahre haben eine Skoliose. Bei den meisten von ihnen ist die Wirbelsäule aber nur leicht verkrümmt:

    • 75 % haben eine leichte Skoliose (Cobb-Winkel zwischen 10 und 20 Grad),
    • 15 % eine mittlere Skoliose (20 bis 30 Grad),
    • 5 % eine starke Skoliose (30 bis 40 Grad) und
    • 5 % eine sehr starke Skoliose (über 40 Grad).

    Mädchen haben häufiger eine Skoliose als Jungen, und sie haben sehr viel häufiger eine ausgeprägte Form.

    Verlauf

    Ob sich die Wirbelsäule weiter verkrümmt oder nicht, lässt sich nicht sicher vorhersagen. Wie eine Skoliose verläuft, lässt sich anhand des Krümmungsgrads (Cobb-Winkel) und der Skelettreife zumindest abschätzen: Je stärker die Krümmung und je unreifer die Knochen, desto eher schreitet die Skoliose fort.

    Die Skelettreife wird mit einem Röntgenbild vom Beckenkamm bestimmt. Je mehr der Beckenkamm verknöchert ist, desto ausgereifter sind die Knochen. Diese Entwicklung wird in Stadien von 0 bis 5 eingeteilt, auch Risser-Stadien genannt. Ein Risser-Stadium von 0 bedeutet, dass das Knochenwachstum noch in vollem Gange ist, ein Risser-Stadium von 5, dass es vollständig abgeschlossen ist.

    Wenn das Knochenwachstum abgeschlossen ist, verformt sich die Wirbelsäule nicht mehr weiter – außer bei sehr starken Skoliosen mit einem Winkel über 50 Grad.

    Die folgende Tabelle gibt für unterschiedliche Krümmungswinkel und Reifestadien an, wie wahrscheinlich es ist, dass die Skoliose zunimmt.

     

    Verkrümmung (Cobb-Winkel) Skelettreife (Risser-Stadium) Wahrscheinlichkeit, dass die Skoliose zunimmt
    11 bis 19 Grad 0 bis 1 20 %
    2 bis 4 2 %
    20 bis 29 Grad 0 bis 1 68 %
    2 bis 4 23 %

    Skoliosen mit einem Cobb-Winkel unter 10 Grad bewegen sich im Rahmen normaler Abweichungen und sind nicht behandlungsbedürftig.

    Wie Skoliosen von über 30 Grad verlaufen, ist kaum bekannt. Das liegt auch daran, dass starke Skoliosen spätestens dann behandelt werden, wenn sie fortschreiten. Was man weiß ist, dass sehr starke Skoliosen mit einem Winkel über 50 Grad im Laufe des Lebens fast immer zunehmen, wenn sie nicht behandelt werden.

    Folgen

    Wirbel und Bandscheiben können sich bei einer Skoliose stärker abnutzen. Dann kann es im Erwachsenenalter zu Rückenschmerzen kommen – vor allem, wenn die Skoliose im Bereich der Lendenwirbelsäule auftritt. Weil Rückenschmerzen aber ohnehin weit verbreitet sind, ist es oft schwer zu sagen, ob sie tatsächlich durch die Skoliose ausgelöst werden. Studien zum Zusammenhang zwischen Rückenschmerzen und Skoliose zeigen widersprüchliche Ergebnisse.

    Bei extremen Verkrümmungen kann es passieren, dass die Rippen auf Herz und Lunge drücken. Dies kann mit zunehmendem Alter zu Kurzatmigkeit führen und die Pumpleistung des Herzens beeinträchtigen. Solche Komplikationen sind aber sehr selten.

    Für Frauen mit Skoliose gibt es keine medizinischen Gründe, die gegen eine Schwangerschaft sprechen: In Studien verlief die Schwangerschaft bei den meisten Frauen mit Skoliose so wie bei Frauen ohne Skoliose. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass eine Schwangerschaft die Skoliose verstärkt.

    Diagnose

    Bei der Diagnose werden zunächst andere mögliche Formen und Ursachen für die Verkrümmung ausgeschlossen, wie zum Beispiel unterschiedlich lange Beine. Dazu fragt die Ärztin oder der Arzt

    • nach aktuellen Beschwerden,
    • Erkrankungen in der Vergangenheit,
    • Skoliose-Erkrankungen in der Familie,
    • wann die Verkrümmung erstmals bemerkt wurde und
    • wie sie seitdem verlaufen ist.

    Anschließend untersucht die Ärztin oder der Arzt die Körperhaltung und Anatomie. Für die körperliche Untersuchung muss man in Unterwäsche sein, damit Fehlstellungen richtig erkannt werden können. Dabei wird geprüft,

    • ob Schultern, Brust und Taille richtig zueinander stehen,
    • wie die Wirbelsäule verläuft,
    • ob die Beine unterschiedlich lang sind,
    • ob sich die Rippen bei vorgebeugtem Oberkörper auf einer Seite zu einem Buckel hervorwölben (Vorbeugetest).

    Beim Vorbeugetest beugt man den Oberkörper im Stand und bei durchgestreckten Knien nach vorne, lässt die Arme hängen und legt die Handflächen aufeinander.

    Um beurteilen zu können, wie ausgeprägt die Skoliose ist und ihren Verlauf abzuschätzen, sind weitere Untersuchungen nötig:

    • Röntgenbild der Wirbelsäule im Stehen: Das Röntgenbild zeigt die Stärke der Krümmung und dient dazu, den Cobb-Winkel zu ermitteln. Dazu werden auf dem Röntgenbild zunächst die beiden Wirbelkörper am oberen und unteren Ende der Krümmung markiert. Sie neigen sich am stärksten zur Seite. Von diesen Wirbelkörpern ausgehend werden zwei Linien eingezeichnet, die parallel zu den äußeren Flächen der Wirbelkörper verlaufen. Dort, wo sich die beiden Linien schneiden, bilden sie den Cobb-Winkel (s. Grafik).
    • Bestimmung des Wachstumsstadiums: Dazu wird zunächst die Körpergröße gemessen und gefragt, ob es bereits einen Wachstumsschub gab. Bei Mädchen spielt zudem eine Rolle, ob sie bereits ihre erste Regelblutung hatten. Diese Informationen helfen, das weitere Wachstum der Wirbelsäule einzuschätzen. Normalerweise ist die Wirbelsäule etwa zwei Jahre nach Einsetzen der Regelblutung weitestgehend ausgewachsen.
    • Bestimmung der Skelettreife: Wenn genaue Informationen über die Skelettreife benötigt werden, macht man ein Röntgenbild vom Beckenkamm und bestimmt das Risser-Stadium. Alternativ kann die Skelettreife auch anhand eines Röntgenbilds der linken Hand bestimmt werden.

    Grafik: Ermittlung des Cobb-Winkels Ermittlung des Cobb-Winkels

    Behandlung

    Zur Behandlung von Skoliose gibt es verschiedene Möglichkeiten:

    • Aktives Beobachten: Damit ist gemeint, dass die Wirbelsäule alle 3 bis 6 Monate kontrolliert wird. Falls die Krümmung zunimmt, beginnt man mit einer Behandlung. Dabei ist es wichtig, die regelmäßigen Kontrolltermine einzuhalten.
    • Physiotherapie: Speziell für Skoliose entwickelte Physiotherapien wie die Schroth-Therapie beinhalten bestimmte Streck-, Haltungs-, Atem- und Kräftigungsübungen. Sie sollen helfen, die Wirbelsäule zu begradigen. Bislang gibt es allerdings nur wenige gute Studien zu ihrer Wirksamkeit. Um die Muskulatur zu stärken oder mögliche Beschwerden zu lindern, kommen auch andere physiotherapeutische Behandlungen infrage.
    • Korsett-Behandlung (Orthesen): Orthopädische Korsetts üben auf bestimmte Punkte an der Wirbelsäule Druck aus und verhindern dadurch, dass die Krümmung zunimmt. Sie werden getragen, bis das Wachstum der Wirbelsäule abgeschlossen ist.
    • Operation: Bei einer Operation werden die gekrümmten Wirbel mit kleinen Stangen, Drähten, Haken und / oder Schrauben begradigt. Dieser Eingriff kommt nur bei sehr ausgeprägter Skoliose infrage. Der Grund ist, dass sehr starke Skoliosen meist auch dann noch zunehmen, wenn das Skelettwachstum bereits abgeschlossen ist.

    Welche Behandlung sich eignet, hängt außer vom Grad der Krümmung und der Skelettreife auch von den eigenen Wünschen und Vorstellungen ab.

    Sport und Bewegung können eine Skoliose nicht aufhalten, sind aber als begleitende Behandlung sinnvoll. Sie können das allgemeine Wohlbefinden und die Fitness verbessern, die Rückenmuskulatur stärken und helfen, Rückenschmerzen vorzubeugen. Gerade wenn man ein Korsett trägt, ist es wichtig, die Rückenmuskulatur zu trainieren.

    Es ist nicht belegt, dass andere Behandlungen wie zum Beispiel Chiropraktik oder elektrische Stimulationsbehandlungen eine Skoliose beeinflussen können.

    Rehabilitation

    Oft kann eine Skoliose ambulant behandelt werden. Wenn sie zu starken Beschwerden führt, ambulante Behandlungen nicht ausreichen oder die Lebensqualität stark beeinträchtigt ist, kann auch eine Rehabilitation infrage kommen. In Deutschland bieten verschiedene spezialisierte Rehabilitationszentren eine stationäre Skoliosebehandlung an, die etwa drei bis sechs Wochen dauert. Sie kann unter anderem Physiotherapie, Schulungen – unter anderem zum Umgang mit dem Korsett – und auch Unterstützung bei psychischen Belastungen infolge einer Skoliose beinhalten.

    Leben und Alltag

    Jugendliche machen sich oft Sorgen, wenn sie die Diagnose Skoliose bekommen – denn gerade in diesem Alter möchte man dazugehören und nicht „anders sein“. Die oft langwierige Behandlung, zum Beispiel mit einem orthopädischen Korsett, wirft zudem viele Fragen auf: Komme ich mit dem Korsett zurecht? Was kann ich jetzt noch anziehen? Wie werden andere darauf reagieren?

    Die gute Nachricht ist, dass sich die Einschränkungen durch die Erkrankung meist viel weniger auf Freundschaften, Hobbies und Freizeitaktivitäten auswirken als man zuerst glaubt.

    Zeit und Geduld brauchen vor allem die Umstellungen im Alltag. Oft dauert es einige Wochen, bis man sich zum Beispiel an das Tragen des Korsetts gewöhnt hat und die nötige Routine im Umgang damit bekommt – oder bis es gelingt, die Physiotherapie in den Tagesablauf einzubauen.

    Bei all den Herausforderungen, die eine Skoliose mit sich bringt, ist es wichtig, sich klar zu machen, dass sie eine gut behandelbare Erkrankung ist und die Therapie ein absehbares Ende hat. Auch in schwierigen Phasen ist es oft hilfreich, an die positiven Dinge im eigenen Leben zu denken und optimistisch zu bleiben: Die meisten Jugendlichen mit Skoliose haben ein ganz normales Leben vor sich.

    Auch der Austausch mit gleichaltrigen Betroffenen kann helfen, mit der Skoliose zurechtzukommen – zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe vor Ort oder im Internet.

    Für Eltern ist es wichtig, die Sorgen ihrer Kinder ernst zu nehmen und sie in Fragen rund um die Behandlung einzubeziehen. Denn wenn sie ihre Erkrankung und Behandlung verstehen und wissen, was auf sie zukommt, fällt es ihnen meist leichter, damit umzugehen. Eltern können ihre Kinder auch dazu ermutigen, der Ärztin oder dem Arzt ihre Fragen zu stellen. Dabei hilft es, sich die Fragen vorher zu notieren, um sie nicht zu vergessen.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Für Jugendliche mit Skoliose gibt es in Deutschland zahlreiche Angebote zur Unterstützung. Dazu gehören Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Viele dieser Einrichtungen sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, passende Angebote zu finden und zu nutzen.

    Quellen

    Altaf F, Gibson A, Dannawi Z, Noordeen H. Adolescent idiopathic scoliosis. BMJ 2013; 346: f2508.

    Di Felice F, Zaina F, Donzelli S, Negrini S. The Natural History of Idiopathic Scoliosis During Growth: A Meta-Analysis. Am J Phys Med Rehabil 2018; 97(5): 346-356.

    Dunn J, Henrikson NB, Morrison CC, Nguyen M, Blasi PR, Lin JS. Screening for Adolescent Idiopathic Scoliosis: A Systematic Evidence Review for the U.S. Preventive Services Task Force. (AHRQ Evidence Syntheses; Band 156).

    Hresko MT. Clinical practice. Idiopathic scoliosis in adolescents. N Engl J Med 2013; 368(9): 834-841.

    Negrini S, Donzelli S, Aulisa AG, Czaprowski D, Schreiber S, de Mauroy JC et al. 2016 SOSORT guidelines: orthopaedic and rehabilitation treatment of idiopathic scoliosis during growth. Scoliosis Spinal Disord 2018; 13: 3.

    Niethard FU, Pfeil J, Biberthaler P. Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie. Stuttgart: Thieme; 2014.

    Theroux J, Stomski N, Hodgetts CJ, Ballard A, Khadra C, Le May S et al. Prevalence of low back pain in adolescents with idiopathic scoliosis: a systematic review. Chiropr Man Therap 2017; 25: 10.

    Trobisch P, Suess O, Schwab F. Idiopathic scoliosis. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(49): 875-883; quiz 884.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Kontrolluntersuchungen bei Skoliose

    Eine Skoliose kann bis zum Ende des Knochenwachstums fortschreiten. Deshalb sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig, bis das Wachstum abgeschlossen ist. Dabei ist es sinnvoll, Röntgenaufnahmen auf das Nötigste zu beschränken.

    Bei den Kontrolluntersuchungen wird geprüft,

    • ob die Krümmung der Wirbelsäule zugenommen hat,
    • ob Behandlungen wie etwa ein Korsett den gewünschten Erfolg zeigen,
    • ob es notwendig ist, die Behandlung anzupassen.

    Die Kontrolluntersuchungen sind auch eine gute Gelegenheit, Probleme mit der Erkrankung oder der Behandlung anzusprechen.

    Eine Skoliose kann bis zum Ende des Knochenwachstums fortschreiten. Deshalb sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig, bis das Wachstum abgeschlossen ist. Dabei ist es sinnvoll, Röntgenaufnahmen auf das Nötigste zu beschränken.

    Bei den Kontrolluntersuchungen wird geprüft,

    • ob die Krümmung der Wirbelsäule zugenommen hat,
    • ob Behandlungen wie etwa ein Korsett den gewünschten Erfolg zeigen,
    • ob es notwendig ist, die Behandlung anzupassen.

    Die Kontrolluntersuchungen sind auch eine gute Gelegenheit, Probleme mit der Erkrankung oder der Behandlung anzusprechen.

    Wie oft sind Kontrolluntersuchungen sinnvoll?

    In welchen Abständen Kontrolluntersuchungen sinnvoll sind, hängt vom Schweregrad der Skoliose und der Knochenreife ab. Medizinische Fachgesellschaften empfehlen einen Abstand von drei bis sechs Monaten.

    Die Knochenreife wird in Stadien von 0 bis 5 eingeteilt, auch Risser-Stadien genannt. Ein Risser-Stadium von 0 bis 2 bedeutet, dass das Knochenwachstum noch in vollem Gange ist. Wenn Mädchen das Risser-Stadium 4 und Jungen das Risser-Stadium 5 erreicht haben, ist ihr Knochenwachstum abgeschlossen. Dann sind in der Regel keine weiteren Kontrolluntersuchungen mehr nötig.

    Allerdings empfehlen manche Fachleute bei einem „Cobb-Winkel“ zwischen 20 und 40 Grad eine einmalige Nachuntersuchung etwa zwei bis vier Jahre nach dem Ende des Wachstums. Der Cobb-Winkel zeigt den Grad der Wirbelsäulen-Verkrümmung an: Die Diagnose Skoliose wird ab einem Winkel von 10 Grad gestellt. Ab einer Verkrümmung von 50 Grad wird meist eine Operation empfohlen.

    Bei sehr ausgeprägten Skoliosen (Cobb-Winkel zwischen 40 und 50) wird manchmal empfohlen, die Wirbelsäule auch nach Abschluss des Knochenwachstums alle ein bis zwei Jahre kontrollieren zu lassen.

     

    Grafik: Ermittlung des Cobb-Winkels Ermittlung des Cobb-Winkels

    Wann werden Röntgenuntersuchungen benötigt?

    Röntgenbilder der Wirbelsäule sind manchmal unverzichtbar, aber nicht bei jeder Kontrolluntersuchung. Sie werden benötigt,

    • um bei einem Verdacht auf Skoliose eine genaue Diagnose zu stellen.
    • um das Ausmaß der Krümmung zu bestimmen und die Behandlung zu planen.
    • um den korrekten Sitz eines Korsetts zu überprüfen (dazu wird geröntgt, während man das Korsett trägt).
    • um zu prüfen, ob die Skoliose fortschreitet.
    • um die Knochenreife festzustellen.
    • um eine Operation zu planen und anschließend das Ergebnis zu kontrollieren.

    Wie hoch ist die Strahlenbelastung?

    Jede Röntgenuntersuchung ist mit einer geringen Strahlenbelastung verbunden. Eine Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule entspricht etwa der natürlichen Strahlendosis, die ein Mensch in einem Monat erhält. Diese zusätzliche Dosis lässt das Krebsrisiko nur geringfügig ansteigen.

    Trotz des niedrigen Risikos ist es natürlich sinnvoll, jede unnötige Strahlenbelastung zu vermeiden und die Zahl der Röntgenuntersuchungen auf das Nötigste zu beschränken.

    Wie lässt sich die Strahlenbelastung möglichst niedrig halten?

    Um die Krümmung der Wirbelsäule zu kontrollieren, ist es nicht nötig, bei jeder Kontrolluntersuchung ein Röntgenbild zu machen. Oft reichen eine körperliche Untersuchung und eine Messung mit einer speziellen Wasserwaage (dem Skoliometer) aus. Wenn sich dabei Hinweise auf eine Veränderung zeigen, kann eine Röntgenuntersuchung sinnvoll sein.

    Bei einer stabilen Skoliose empfiehlt die internationale Skoliose-Gesellschaft, nur alle 12 bis 18 Monate zu röntgen.

    Es ist auch nicht nötig, die Wirbelsäule bei jeder Untersuchung von allen Seiten zu röntgen. Um die Krümmung ausreichend zu beurteilen, reicht eine Aufnahme von hinten aus. Sie erfordern zudem eine geringere Strahlendosis als Aufnahmen von vorne oder von der Seite.

    Ein Röntgenpass kann helfen, Doppeluntersuchungen zu vermeiden. In den Pass werden alle Röntgenuntersuchungen eingetragen. Er ist beim Bundesamt für Strahlenschutz und auch bei vielen Krankenkassen erhältlich.

    Computertomografien sind bei Skoliose nicht nötig und sollten vermieden werden, da die Strahlenbelastung deutlich höher ist als bei einer einfachen Röntgenaufnahme.

    Gibt es Alternativen zum Röntgen?

    Eine strahlungsfreie Alternative zur Röntgenuntersuchung ist die sogenannte Videoraster-Stereographie. Dabei wird mit einem Projektor ein Linienraster auf den Rücken projiziert und von einer Kamera aufgezeichnet. Am Computer wird aus den Linien ein Abbild des Rückens erzeugt.

    Ob die Videoraster-Stereographie zumindest einen Teil der Röntgenuntersuchungen ersetzen kann, ist nicht ausreichend untersucht. Die Videoraster-Stereographie wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht komplett erstattet.

    Quellen

    Buchberger B, Krabbe L. Idiopathische Skoliose. Kann eine Videorasterstereographie eine radiologische Untersuchung in der Nachsorge ersetzen? Health Technology Assessment im Auftrag des IQWiG: HT17-04. 24.10.2019. (IQWiG-Berichte; Band 828).

    Knott P, Pappo E, Cameron M, Demauroy J, Rivard C, Kotwicki T et al. SOSORT 2012 consensus paper: reducing x-ray exposure in pediatric patients with scoliosis. Scoliosis 2014; 9: 4.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Abwarten, Korsett oder Physiotherapie?

    Manchmal kann man bei einer Skoliose im Jugendalter abwarten, ohne zu behandeln. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind aber wichtig, um die Entwicklung der Krümmung zu beobachten. Wenn sie zunimmt, kann eine Korsett-Behandlung nötig sein – ebenso wie bei einer stärkeren Skoliose.

    Etwa 2 % aller Jugendlichen haben eine Krümmung in der Wirbelsäule (Skoliose). Die Ursachen dafür sind meist unbekannt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Krümmung zunimmt, hängt vom Ausmaß der Krümmung und von der Skelettreife ab: Stärkere Krümmungen nehmen eher zu. Befinden sich die Knochen noch im Wachstum, ist es wahrscheinlicher, dass die Skoliose weiter zunimmt.

    Manchmal kann man bei einer Skoliose im Jugendalter abwarten, ohne zu behandeln. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind aber wichtig, um die Entwicklung der Krümmung zu beobachten. Wenn sie zunimmt, kann eine Korsett-Behandlung nötig sein – ebenso wie bei einer stärkeren Skoliose.

    Etwa 2 % aller Jugendlichen haben eine Krümmung in der Wirbelsäule (Skoliose). Die Ursachen dafür sind meist unbekannt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Krümmung zunimmt, hängt vom Ausmaß der Krümmung und von der Skelettreife ab: Stärkere Krümmungen nehmen eher zu. Befinden sich die Knochen noch im Wachstum, ist es wahrscheinlicher, dass die Skoliose weiter zunimmt.

    Wann reichen regelmäßige Kontrollen aus?

    Das Risiko, dass eine Skoliose zunimmt, ist gering, wenn

    • der Grad der Verkrümmung („Cobb-Winkel“) zwischen 10 und 20 liegt.
    • der Cobb-Winkel zwischen 20 und 30 Grad liegt und das Knochenwachstum bald abgeschlossen ist: „Risser-Stadium“ 3 oder höher (die Knochenreife wird in sogenannte Risser-Stadien von 0 bis 5 eingeteilt).

    Dann können regelmäßige Kontrolluntersuchungen ausreichen. Wichtig ist, die Kontrolltermine im Abstand von drei bis sechs Monaten einzuhalten.

    Zur Kontrolle macht die Orthopädin oder der Orthopäde einen Vorbeugetest und hält eine spezielle Wasserwaage (Skoliometer) an die Wirbelsäule. Wenn diese Untersuchungen auf eine Zunahme der Krümmung hinweisen, wird in der Regel ein Röntgenbild gemacht und der Cobb-Winkel erneut bestimmt. Hat sich der Winkel vergrößert, kann man immer noch eine Behandlung beginnen.

     

    Grafik: Ermittlung des Cobb-Winkels Ermittlung des Cobb-Winkels

    Wann wird ein Korsett empfohlen?

    Eine Behandlung mit einem Korsett wird empfohlen, wenn

    • der Cobb-Winkel zwischen 20 und 30 Grad liegt und sich zwischen zwei Kontrolluntersuchungen um mehr als 5 Grad vergrößert hat oder
    • der Cobb-Winkel zwischen 30 und 45 Grad beträgt.

    Unterschiedliche Empfehlungen gibt es für Jugendliche, bei denen

    • der Cobb-Winkel zwischen 20 und 30 Grad liegt,
    • noch keine Zunahme der Skoliose beobachtet wurde und
    • deren Knochen noch unreif sind (Risser-Stadium 0 bis 2).

    Dann empfehlen manche Fachleute eine Korsett-Behandlung. Andere sprechen sich für regelmäßige Kontrolluntersuchungen und eine Korsett-Behandlung nur bei zunehmender Krümmung aus.

    Die meisten orthopädischen Korsetts werden aus Kunststoff individuell angefertigt. Ein orthopädisches Korsett kann das Fortschreiten einer Krümmung aufhalten, indem es an bestimmten Stellen Druck auf die Wirbelsäule ausübt. An diesen Stellen ist es von innen gepolstert.

    Grafik: Orthopädisches Korsett zur Skoliosebehandlung Orthopädisches Korsett zur Skoliosebehandlung

    Kann eine Physiotherapie helfen?

    Manchmal wird zur Behandlung eine Physiotherapie empfohlen. Speziell für Skoliose entwickelte Behandlungen wie die sogenannte Schroth-Therapie beinhalten Übungen, die die Wirbelsäule begradigen sollen. Dazu gehören Haltungs- und Streckübungen, Übungen für bestimmte Muskelgruppen sowie spezielle Atemübungen.

    Die genaue Auswahl der Übungen hängt von der Stärke und Form der Skoliose ab. Die Übungen werden unter physiotherapeutischer Anleitung erlernt und dann regelmäßig zu Hause gemacht – zur besseren Kontrolle am besten vor einem Spiegel.

    Die Schroth-Therapie wird ambulant von physiotherapeutischen Praxen und spezialisierten Reha-Zentren angeboten, meist im Rahmen einer langfristigen Behandlung.

    Es gibt kaum aussagekräftige Studien zur Wirkung von Physiotherapien speziell bei Skoliose. Einzelne Studien deuten an, dass die Übungen die Verkrümmung etwas beeinflussen können. Ob dies zum Beispiel ausreicht, um eine Korsett-Behandlung zu vermeiden oder Rückenschmerzen vorzubeugen, ist aber unklar.

    Wenn eine Korsett-Behandlung nötig ist, können Physiotherapie und Bewegung sie nicht ersetzen, aber unterstützen. Weil ein Korsett eine passive Behandlung ist und die Muskulatur durch das Tragen des Korsetts mehr gestützt als gefordert wird, ist es trotzdem sinnvoll, aktiv zu bleiben und Sport zu treiben.

    Quellen

    Dunn J, Henrikson NB, Morrison CC, Nguyen M, Blasi PR, Lin JS. Screening for Adolescent Idiopathic Scoliosis: A Systematic Evidence Review for the U.S. Preventive Services Task Force. (AHRQ Evidence Syntheses; Band 156).

    Negrini S, Minozzi S, Bettany-Saltikov J, Chockalingam N, Grivas TB, Kotwicki T et al. Braces for idiopathic scoliosis in adolescents. Cochrane Database Syst Rev 2015; (6): CD006850.

    Thompson JY, Williamson EM, Williams MA, Heine PJ, Lamb SE. Effectiveness of scoliosis-specific exercises for adolescent idiopathic scoliosis compared with other non-surgical interventions: a systematic review and meta-analysis. Physiotherapy 2019; 105(2): 214-234.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Fragen und Antworten rund ums Korsett

    Ein orthopädisches Korsett kann das Fortschreiten einer Skoliose aufhalten. Auch wenn man sich erst an das Korsett gewöhnen muss: Es gibt einige Möglichkeiten, den Umgang damit zu erleichtern.

    Der Gedanke, ein Korsett zu tragen, kann erstmal ziemlich abschreckend sein. Es dauert meist auch eine Weile, bis Kopf und Körper sich darauf eingestellt haben. Das ist ganz normal. Mit etwas Übung lernt man aber schnell, das Korsett richtig an- und auszuziehen, entwickelt Routine im Umgang damit und gewöhnt sich auch daran, es den ganzen Tag zu tragen.

    Ein orthopädisches Korsett kann das Fortschreiten einer Skoliose aufhalten. Auch wenn man sich erst an das Korsett gewöhnen muss: Es gibt einige Möglichkeiten, den Umgang damit zu erleichtern.

    Der Gedanke, ein Korsett zu tragen, kann erstmal ziemlich abschreckend sein. Es dauert meist auch eine Weile, bis Kopf und Körper sich darauf eingestellt haben. Das ist ganz normal. Mit etwas Übung lernt man aber schnell, das Korsett richtig an- und auszuziehen, entwickelt Routine im Umgang damit und gewöhnt sich auch daran, es den ganzen Tag zu tragen.

    Worauf sollte ich achten, wenn mir ein Korsett verschrieben wird?

    Ein Korsett muss individuell an die Form der Wirbelsäule angepasst werden, damit es gut sitzt und an den richtigen Stellen Druck auf die Wirbelsäule ausübt. Dazu ist es wichtig, dass sich die Orthopädin oder der Orthopäde gut mit der Behandlung von Skoliose auskennt und der Orthopädietechniker Erfahrung im Bau von orthopädischen Korsetts hat. In der Praxis oder Werkstatt wird einem auch gezeigt, wie man das Korsett richtig anzieht. Bei der Suche nach einer Arztpraxis oder einem Korsettbauer helfen zum Beispiel auch Selbsthilfegruppen.

    Grafik: Ein orthopädisches Korsett wird individuell angepasst Ein orthopädisches Korsett wird individuell angepasst

    Wie viele Stunden täglich wird ein Korsett getragen?

    Die ärztliche Empfehlung für die Tragedauer ist individuell: Sie richtet sich nach der Ausprägung der Skoliose und danach, wie lange die Knochen noch wachsen.

    Viele Ärztinnen und Ärzte empfehlen eine Tragedauer von rund 18 Stunden pro Tag. Das heißt, dass das Korsett in der Regel auch nachts getragen wird. Studien deuten darauf hin, dass die Tragedauer auf keinen Fall kürzer sein sollte als 13 Stunden.

    Wie lange dauert eine Korsett-Behandlung?

    Ein Korsett wird getragen, bis das Knochenwachstum abgeschlossen ist. Bei Mädchen sind die Knochen in der Regel zwei Jahre nach Einsetzen der Regelblutung ausgereift. Mithilfe eines Röntgenbilds vom Beckenknochen oder der linken Hand kann die Skelettreife (die aktuelle Phase des Knochenwachstums) genau bestimmt werden.

    Wie lange man ein Korsett benötigt, hängt also unter anderem davon ab, in welchem Alter die Skoliose beginnt. Die meisten Jugendlichen tragen es ungefähr zwei bis mehrere Jahre.

    Was hilft gegen Druck- und Scheuerstellen?

    Orthopädische Korsetts müssen eng anliegen und auf bestimmte Stellen Druck ausüben, um die Krümmung der Wirbelsäule beeinflussen zu können. Dies führt manchmal zu Hautreizungen, Scheuer- oder Druckstellen. Zur Vorbeugung trägt man unter dem Korsett am besten ein spezielles nahtfreies Shirt („Korsetthemd“). Allgemein sollte man darauf achten, dass es keine Falten bildet, wo das Korsett aufliegt.

    Um Scheuerstellen zu vermeiden, kann man die betreffenden Hautstellen auch mit Pflegecremes oder Lotionen behandeln. Manche Jugendliche kommen gut mit Produkten zurecht, die auch zur Vermeidung von Druckgeschwüren (Dekubitus) eingesetzt werden. Falls größere Hautprobleme wie etwa ein Ausschlag auftreten, kann man die Hausärztin, den Hausarzt oder in einer dermatologischen Praxis um Rat fragen.

    Wenn man ein Korsett bekommt, kann eine Eingewöhnungsphase helfen: In dieser Zeit trägt man das Korsett nur für einige Stunden täglich und steigert die Tragedauer dann über mehrere Tage.

    Was zieht man am besten an?

    Auch wenn man sich für das Tragen eines Korsetts überhaupt nicht schämen muss, fühlen sich viele Jugendliche wohler, wenn sie es unter der Kleidung verbergen können. Durch längere und locker sitzende Oberteile lässt sich das Korsett oft gut abdecken.

    Im Sommer kann es unter dem Korsett aus Kunststoff sehr warm werden, da es keine Luft an die Haut lässt. Dann ist es praktisch, unterwegs ein oder zwei Korsetthemden zum Wechseln dabei zu haben, falls man viel schwitzt.

    Kann ich Sport treiben?

    Ja! Das ist sogar sehr sinnvoll, denn Sport verbessert die allgemeine Fitness und das Wohlbefinden – und nicht zuletzt stärkt ein regelmäßiges Training die Rückenmuskulatur.

    Manche Sportarten sind auch mit einem Korsett möglich. Oft ist es aber einfacher, das Korsett zum Sport auszuziehen.

    Normalerweise gibt es keine Einschränkungen beim Sport, solange dabei keine Schmerzen oder Beschwerden auftreten. Im Zweifel ist es sinnvoll, die Ärztin oder den Arzt zu fragen, ob es Gründe gibt, die gegen eine bestimmte Sportart sprechen.

    Wie reinigt man ein Korsett?

    Da man das Korsett andauernd trägt und darunter schwitzt, ist es sinnvoll, es mindestens einmal in der Woche zu reinigen. Vor allem an den Innenseiten, wo sich die Druckpolster befinden, kann sich etwas Schmutz ansammeln.

    Orthopädische Korsetts sind aus unempfindlichem Kunststoff gefertigt. Sie lassen sich einfach mit einem in Reinigungsalkohol (Isopropanol) getunkten Wattebausch oder Tuch abwischen. Viele Jugendliche reinigen ihr Korsett samt Polstern unter der Dusche mit Waschlotion und lassen es hinterher an der Luft trocknen.

    Was hilft mir, wenn das Korsett mal lästig ist?

    Ein Korsett kann sehr lästig sein: Weil es so eng sitzt, kann es den Schlaf stören, nach dem Essen zu Bauchschmerzen führen und einfache Dinge wie das Schuhe schnüren zu einer Herausforderung machen. Oft fühlt man sich darin auch einfach eingezwängt. Es ist ganz normal, dass man es manchmal leid ist, ein Korsett tragen zu müssen.

    Vielen hilft es dann,

    • sich mit anderen auszutauschen: Andere Jugendliche, die auch ein Korsett tragen müssen, verstehen die Probleme damit oft besser. Nicht zuletzt kann man sich auch gegenseitig darin bestärken, durchzuhalten.
    • sich zu belohnen: Es kann motivierend sein, sich für das Korsett-Tragen gelegentlich mit Kleinigkeiten zu belohnen. Dabei kann es helfen, sich aufzuschreiben, wann und wie lange man das Korsett getragen hat, um den Erfolg zu überprüfen.
    • sich eine positive Einstellung zu bewahren: Dies ist gerade in schwierigen Phasen wichtig. Hilfreich ist auch, sich daran zu erinnern, warum man das Korsett trägt und dass diese Zeit auch irgendwann vorüber ist.

    Eine Möglichkeit, mit gleichaltrigen Betroffenen in Kontakt zu kommen, sind zum Beispiel Selbsthilfegruppen vor Ort oder im Internet.

    Soll ich anderen sagen, dass ich ein Korsett trage – und wenn ja, wie?

    Manche versuchen, möglichst wenig über das Korsett nachzudenken, kein Thema daraus zu machen und es eher zu verdecken. Andere gehen lieber offen damit um. Für einen offenen Umgang spricht,

    • dass es auf Dauer anstrengend ist und ohnehin nicht funktioniert, das Korsett vor anderen zu verbergen.
    • dass es erleichternd sein kann, wenn man es einmal erklärt hat und das Thema dann abhaken kann.
    • dass man andere um Hilfe bitten und Verständnis erwarten kann, wenn sie Bescheid wissen.
    • dass es dann möglich ist, falschen Vorstellungen und Mythen bei anderen vorzugreifen.

    Oft reicht schon eine einfache Erklärung, zum Beispiel „Das ist ein orthopädisches Korsett. Ich muss das tragen, weil meine Wirbelsäule etwas schief steht.“ oder „Das hilft mir, meine Wirbelsäule zu korrigieren. So wie eine Zahnspange, nur für den Rücken.“

    Eine Möglichkeit ist auch, im Schulunterricht ein Referat über das Thema zu halten, in dem man erklärt, was eine Skoliose ist und wie sie behandelt wird.

    Wichtig ist, sich nicht zu viele Gedanken über andere zu machen. So wie man sich mit der Zeit selbst an das Korsett gewöhnt, tun dies die meisten Menschen um einen herum auch. Irgendwann ist es normal und gehört dazu.

    Quellen

    Die KorsiSisters. BACKBRACE FAQ - Korsett im Alltag? [YouTube-Video]. 05.12.2015.

    Negrini S, Minozzi S, Bettany-Saltikov J, Chockalingam N, Grivas TB, Kotwicki T et al. Braces for idiopathic scoliosis in adolescents. Cochrane Database Syst Rev 2015; (6): CD006850.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Operation

    Bei einer sehr stark gekrümmten Wirbelsäule kann eine Operation infrage kommen. Dabei werden mehrere Wirbelkörper entlang der Krümmung miteinander verbunden, um die Wirbelsäule zu begradigen.

    Normalerweise nimmt eine Skoliose nach Abschluss des Knochenwachstums (der Skelettreife) nicht mehr zu. Dies gilt jedoch nicht für sehr starke Krümmungen: Studien zeigen, dass Skoliosen mit einem Cobb-Winkel über 50 Grad im Laufe des Lebens häufig fortschreiten. So starke Krümmungen werden daher üblicherweise operiert. Durch die Operation wird die Wirbelsäule versteift. Dadurch kann die Krümmung der Wirbelsäule weitgehend korrigiert und das Fortschreiten der Skoliose aufgehalten werden.

    Manchmal wird auch bei Winkeln zwischen 45 und 50 Grad eine Operation erwogen – zum Beispiel, wenn die Knochen noch sehr unausgereift sind.

    Bei der Entscheidung für eine Operation spielen verschiedene Aspekte eine Rolle:

    • die genaue Ausprägung der Skoliose
    • die Abwägung der Vor- und Nachteile
    • der Einfluss der Skoliose auf die Lebensqualität
    • mögliche Begleiterkrankungen

    Es gibt keine Studien, die zeigen, dass sich Rückenbeschwerden durch eine Operation lindern lassen. Eine Operation führt oft selbst vorübergehend zu Rückenschmerzen.

    Eine Skoliose schreitet nur langsam fort. Deshalb ist es normalerweise nicht nötig, sich sofort für eine Operation zu entscheiden. Es kann auch hilfreich sein, eine zweite Meinung einzuholen.

    Bei einer sehr stark gekrümmten Wirbelsäule kann eine Operation infrage kommen. Dabei werden mehrere Wirbelkörper entlang der Krümmung miteinander verbunden, um die Wirbelsäule zu begradigen.

    Normalerweise nimmt eine Skoliose nach Abschluss des Knochenwachstums (der Skelettreife) nicht mehr zu. Dies gilt jedoch nicht für sehr starke Krümmungen: Studien zeigen, dass Skoliosen mit einem Cobb-Winkel über 50 Grad im Laufe des Lebens häufig fortschreiten. So starke Krümmungen werden daher üblicherweise operiert. Durch die Operation wird die Wirbelsäule versteift. Dadurch kann die Krümmung der Wirbelsäule weitgehend korrigiert und das Fortschreiten der Skoliose aufgehalten werden.

    Manchmal wird auch bei Winkeln zwischen 45 und 50 Grad eine Operation erwogen – zum Beispiel, wenn die Knochen noch sehr unausgereift sind.

    Bei der Entscheidung für eine Operation spielen verschiedene Aspekte eine Rolle:

    • die genaue Ausprägung der Skoliose
    • die Abwägung der Vor- und Nachteile
    • der Einfluss der Skoliose auf die Lebensqualität
    • mögliche Begleiterkrankungen

    Es gibt keine Studien, die zeigen, dass sich Rückenbeschwerden durch eine Operation lindern lassen. Eine Operation führt oft selbst vorübergehend zu Rückenschmerzen.

    Eine Skoliose schreitet nur langsam fort. Deshalb ist es normalerweise nicht nötig, sich sofort für eine Operation zu entscheiden. Es kann auch hilfreich sein, eine zweite Meinung einzuholen.

    Was wird bei einer Operation gemacht?

    Eine Skoliose wird in der Regel mit einer sogenannten Wirbelkörperfusion operiert. Die Operation wird auch als Versteifungsoperation, Wirbelkörperversteifung oder Spondylodese bezeichnet.

    Durch diesen Eingriff werden die Wirbel im Bereich der Krümmung begradigt und miteinander verbunden. Mit dieser Methode lässt sich die Wirbelsäule weitestgehend wiederaufrichten.

    Bei der Operation wird meist von der Rückenseite aus operiert, üblicherweise durch einen längeren Schnitt entlang der Wirbelsäule. Zunächst werden spezielle Schrauben mit Halterungen in die Wirbelkörper geschraubt. Durch die Halterungen werden Metallstäbe geführt, die die Wirbelsäule aufrichten sollen.

    Damit die Wirbelkörper nach der Operation besser miteinander verwachsen, werden zudem kleine Knochenstückchen (Knochentransplantate) entlang der Wirbelkörper platziert. Sie können aus dem Beckenkamm des eigenen Körpers entnommen oder als Knochenspende von einer Knochenbank bezogen werden.

     

    Grafik: Röntgenbild der Wirbelsäule nach einer Versteifungsoperation Röntgenbild der Wirbelsäule nach einer Versteifungsoperation

    Welche Risiken hat eine Operation?

    Zu den ernsthaften Komplikationen einer Operation gehören Nervenverletzungen im Bereich des Rückenmarks. Während eine Quetschung der Nerven nur zu vorübergehender Taubheit führt, kann eine Verletzung oder Überdehnung des Rückenmarks zu einer Querschnittslähmung führen. Es kommt bei etwa 1 % der Eingriffe vor, dass das Rückenmark verletzt oder überdehnt wird. Langfristige Schäden infolge dessen sind aber seltener.

    Andere Risiken einer Operation sind Infektionen und ein größerer Blutverlust, der eine Bluttransfusion erfordern kann. Außerdem besteht ein geringes Risiko, dass die Operation nicht gelingt oder sich später Schrauben lösen und ein weiterer Eingriff notwendig wird. Insgesamt kommt es bei etwa 5 % der Eingriffe zu einer Komplikation.

    Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Operation?

    Der beste Operationszeitpunkt hängt von der individuellen Situation ab. Wichtig ist, gut abzuwägen: Wird die Skoliose zu früh – also noch vor dem Wachstumsschub – operiert, besteht das Risiko, dass nachoperiert werden muss, wenn sich die Wirbelsäule weiter verkrümmt. Wird sie zu spät operiert, kann der Eingriff aufwendiger werden, wenn die Krümmung dann schon stärker ist.

    In der Regel strebt man eine Operation nach dem Wachstumsschub, aber vor dem vollständigen Abschluss des Wachstums an.

    Wie lange dauert die Genesung?

    Wie lange es dauert, bis man sich von einer Skoliose-Operation erholt hat, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von der Anzahl der verbundenen Wirbelkörper. Die folgenden Angaben können deshalb nur als grobe Orientierung dienen.

    In der Regel bleibt man nach der Operation für 4 bis 10 Tage im Krankenhaus. In den Tagen nach der Operation kommt es infolge der Narkose oft zu Übelkeit und Appetitlosigkeit. Der Rücken fühlt sich zunächst ungewohnt an, und das Aufstehen und Gehen ist meist anstrengend. Nach einigen Tagen fällt es aber oft schon wieder leichter, kleinere Strecken zu gehen.

    Nach etwa vier Wochen sind die meisten Alltagsaktivitäten wieder möglich, und man kann in der Regel auch wieder zur Schule gehen. Schmerzen sind in den ersten Wochen nach der Operation normal. Sie können stark sein, lassen sich aber mit entsprechenden Medikamenten gut behandeln.

    Nach der Operation kann es nötig sein, für kurze Zeit ein starkes Schmerzmittel einzunehmen. Eine ausreichende Schmerzbehandlung nach der Operation ist wichtig, um die Heilung zu unterstützen und schnell wieder beweglich zu werden. Sobald die Schmerzen nachlassen, werden schwächere Medikamente eingesetzt.

    Nach der Operation dauert es etwa 4 bis 6 Monate, bis man wieder mit risikoarmen Sportarten wie etwa Laufen beginnen kann. Da es etwa zwölf Monate dauert, bis die Wirbelkörper vollständig zusammengewachsen sind, sollte man in dieser Zeit auf Sportarten mit viel Körperkontakt und hohem Verletzungsrisiko wie Fußball verzichten. Es kann sein, dass die Ärztin oder der Arzt auch empfiehlt, bestimmte risikoreiche Sportarten ganz zu meiden.

    Welche Folgen hat die Operation?

    Durch die Wirbelkörperfusion wird der Rücken steifer. Dies erschwert Sportarten, die viel Beweglichkeit erfordern, wie Tanzen oder Gymnastik. Im Alltag fühlen sich viele Menschen aber nicht sehr beeinträchtigt, da zum Beispiel beim Bücken ein Großteil der Beweglichkeit aus der Hüfte kommt.

    Die Operation kann eine große Narbe auf dem Rücken hinterlassen. Ärztinnen und Ärzte beraten, was man tun kann, damit das Gewebe gut heilt und die Narbe später möglichst unauffällig bleibt. Dazu gehört zum Beispiel, die Narbe vorsichtig zu massieren und gut zu pflegen – aber auch, sie in den ersten Monaten vor Sonne zu schützen.

    Gibt es Alternativen zur Wirbelsäulenversteifung?

    Bei der sogenannten Dynamischen Skoliosekorrektur (englisch: Vertebral Body Tethering) werden ebenfalls Schrauben in die Wirbelkörper eingebracht. Anders als bei der Versteifungsoperation werden sie anschließend mit einem Seil aus medizinischem Kunststoff verbunden. Dies soll einerseits die Krümmung beheben, andererseits die Wirbelsäule etwas beweglicher erhalten. Als Vorteil verspricht man sich zudem eine schnellere Genesung.

    Mögliche Komplikationen dieser Technik sind, dass das Seil reißen kann. Außerdem kann die Krümmung dabei auch überkorrigiert werden. In einzelnen, kleinen Studien musste etwa die Hälfte der Jugendlichen nach einer Dynamischen Skoliosekorrektur nachoperiert werden.

    Insgesamt gibt es bislang kaum Erfahrung mit dieser Technik und nur sehr wenige Kliniken, die sie anbieten. Es fehlen aussagekräftige Studien zum Vergleich mit einer Wirbelkörperfusion über mehrere Jahre. Daher lässt sich noch nicht abschätzen, was Menschen mit Skoliose von diesem Verfahren erwarten können.

    Quellen

    Altaf F, Gibson A, Dannawi Z, Noordeen H. Adolescent idiopathic scoliosis. BMJ 2013; 346: f2508.

    Rullander AC, Isberg S, Karling M, Jonsson H, Lindh V. Adolescents' experience with scoliosis surgery: a qualitative study. Pain Manag Nurs 2013; 14(1): 50-59.

    Rullander AC, Jonsson H, Lundström M, Lindh V. Young people's experiences with scoliosis surgery: a survey of pain, nausea, and global satisfaction. Orthop Nurs 2013; 32(6): 327-333; quiz 334-335.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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