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Umschriebene Entwicklungsstörungen in der Kindheit und Jugend

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    Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell: Manche lernen zum Beispiel früher laufen, dafür fangen sie später an zu sprechen als andere. Das ist ganz normal und gleicht sich später wieder an. Manche Kinder haben jedoch auffällige Entwicklungsprobleme in bestimmten Bereichen. Dann kann eine gezielte Förderung helfen.

    Einleitung

    Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell. Manche lernen beispielsweise früher laufen, dafür fangen sie später an zu sprechen als andere – oder umgekehrt. Die meisten Kinder, die sich zeitweise in einem Bereich langsamer entwickeln, holen bald wieder auf und haben als Jugendliche und Erwachsene keine Schwierigkeiten mehr.

    Bei manchen Kindern zeigen sich jedoch auffällige Entwicklungsprobleme, die für sie und die Familie sehr belastend sein können. Dann ist es wichtig, Fachleute zurate zu ziehen und das Kind gezielt zu fördern.

    In diesem Thema geht es um „umschriebene“ Entwicklungsstörungen (früher auch „Teilleistungsstörungen“ oder „Teilleistungsschwächen“ genannt). Das heißt, ein Kind entwickelt sich im Großen und Ganzen normal, hat aber Probleme in einzelnen Bereichen wie Sprache, Motorik oder Rechnen.

    Entwicklungsprobleme, die durch Krankheiten, Hirnschädigungen oder Behinderungen wie etwa Autismus verursacht sind, werden in diesem Thema nicht behandelt.

    Symptome

    Umschriebene Entwicklungsstörungen können in drei Bereichen auftreten:

    • Sprache
    • Motorik
    • Schulische Fertigkeiten (Lesen, Rechtschreiben, Rechnen)

    Ein Kind kann auch in mehreren dieser Bereiche Probleme haben.

    Kinder mit umschriebenen Entwicklungsstörungen sind genauso intelligent wie andere Kinder auch. Sie sind meist nur in einem Bereich beeinträchtigt – zum Beispiel nur beim Rechnen.

    Ursachen

    Umschriebene Entwicklungsstörungen hängen vor allem mit gestörten Reifungsprozessen in bestimmten Regionen des Gehirns zusammen. Bei der Entwicklung des Nervensystems spielt die genetische Veranlagung eine wichtige Rolle. Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen (zum Beispiel eine zu frühe Geburt) können Entwicklungsstörungen manchmal begünstigen, sind aber eher selten bedeutend.

    Eine umschriebene Entwicklungsstörung ist keine geistige Behinderung – und auch kein Zeichen einer psychischen Erkrankung oder Krankheit des Nervensystems. Sie lässt sich auch nicht durch Umwelteinflüsse wie fehlende häusliche Förderung oder schlechten Schulunterricht erklären. Allerdings können die Familie, der Kindergarten und die Schule beeinflussen, wie eine Entwicklungsstörung verläuft und wie belastend das Kind seine Einschränkungen erlebt.

    Schwierige soziale und familiäre Umstände führen ebenfalls nicht zu einer umschriebenen Entwicklungsstörung: Auch bei Kindern, die in einem stabilen Umfeld aufwachsen, kann es dazu kommen. Dass sie überhaupt auftreten, ist also kein Zeichen dafür, dass Eltern in der Erziehung grundsätzlich etwas falsch gemacht haben.

    Häufigkeit

    Es wird geschätzt, dass etwa 5 bis 8 von 100 Kindern eine umschriebene Entwicklungsstörung haben. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.

    Verlauf

    Umschriebene Entwicklungsstörungen beginnen meist ab dem zweiten Lebensjahr. Wann sie auffallen, hängt von der Art der Entwicklungsstörung ab. Sprachprobleme zeigen sich häufig im zweiten und dritten Lebensjahr. Erste Anzeichen für motorische Probleme können im Alter von drei bis fünf Jahren auftreten – eine Diagnose sollte aber nicht vor dem fünften Lebensjahr gestellt werden. Lese-, Rechen- und Rechtschreibprobleme zeigen sich meist in den ersten Schulmonaten. Diagnostiziert werden sie dann häufig in der zweiten Klasse.

    Bei Kleinkindern legen sich Entwicklungsprobleme häufig wieder, denn manche Kinder entwickeln sich einfach etwas langsamer. Bleiben Sprachstörungen über das dritte Lebensjahr und motorische Probleme über das fünfte Lebensjahr hinaus bestehen, halten sie wahrscheinlich länger an. Manche Schwächen können trotz Behandlung noch im Erwachsenenalter den Alltag erschweren. Durch eine gezielte Unterstützung können sich die Probleme im Kindes- und Jugendalter aber verringern.

    Folgen

    Wie sich eine umschriebene Entwicklungsstörung auswirkt, hängt sehr von ihrer Art und Stärke ab. So hat zum Beispiel eine leichte motorische Störung deutlich weniger Folgen als eine ausgeprägte Lese- und Rechtschreibschwäche.

    Entwicklungsstörungen können das Selbstwertgefühl eines Kindes schwächen. Es spürt, dass es bestimmte Dinge nicht so gut kann wie andere und manchmal überfordert ist. Auch andere Kinder oder die eigenen Eltern können ihm das Gefühl geben, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Die Eltern fühlen sich ebenfalls oft überfordert.

    Manche Kinder mit Entwicklungsstörungen sind reizbarer und unruhiger als andere und können sich schlechter konzentrieren. Sie sind oft auch impulsiver und haben häufiger Verhaltensprobleme. Zudem geben sie schneller auf oder vermeiden Tätigkeiten, die für sie schwierig sind. Manchen fällt es schwer, Freundschaften mit anderen Kindern zu schließen und zu pflegen – vor allem, wenn sie Hänseleien erleben oder von bestimmten Aktivitäten ausgeschlossen werden. Entwicklungsstörungen können auch psychische Probleme wie Angststörungen oder Depressionen begünstigen.

    Manche Jugendliche haben Probleme, ihren Schulabschluss zu machen oder später im Beruf zurechtzukommen. Ihre berufliche Qualifikation entspricht nicht immer ihrer eigentlichen Begabung.

    Diagnose

    Ob die Entwicklung eines Kindes tatsächlich beeinträchtigt ist, oder ob es sich in bestimmten Dingen einfach etwas langsamer oder eigenwilliger entwickelt als andere Kinder, ist manchmal schwer zu beurteilen.

    Auf der anderen Seite sollten wirkliche Probleme aber auch erkannt und ernstgenommen werden. Bei einem Verdacht auf eine Entwicklungsstörung ist deshalb eine gründliche Untersuchung wichtig. Diese ist möglich in:

    • einer spezialisierten kinder- und jugendärztlichen Praxis,
    • einer speziellen Praxis für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen (phoniatrisch-pädaudiologische Praxis); zusätzlich auch in einer logopädischen Praxis,
    • einer kinder- und jugendpsychiatrischen oder psychotherapeutischen Praxis,
    • einem sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ).

    Bei den Untersuchungen werden nicht nur die konkreten Beschwerden, sondern auch die gesamte körperliche und psychische Entwicklung des Kindes berücksichtigt. Gezielte Sprach-, Motorik- oder Lese- und Rechtschreibtests können die bestehenden Probleme eingrenzen. Um auszuschließen, dass körperliche oder psychische Krankheiten die Entwicklung verzögern, werden außerdem verschiedene neurologische und psychologische Untersuchungen sowie ein Seh- und Hörtest gemacht.

    In die Untersuchung werden die Eltern einbezogen, manchmal auch Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte oder andere Bezugspersonen. Eine wichtige Rolle spielt zudem, wie sehr die Schwierigkeiten des Kindes seinen Alltag und das Familienleben beeinträchtigen – und nicht zuletzt, wie stark es selbst darunter leidet.

    Leistungstests und psychologische Untersuchungen sind nie ganz genau: Gerade bei Kindern können die Ergebnisse von ihrer Tagesform abhängen oder davon, wie gut sie die Tests mitmachen und ob sie sich unter Druck gesetzt fühlen. Umso wichtiger ist es, dass sie von erfahrenen Fachleuten in einer geeigneten Umgebung untersucht werden: Dann ist dies meist kein großes Problem.

    Grundsätzlich gilt: Die Diagnose „umschriebene Entwicklungsstörung“ sollte nur gestellt werden, wenn bestimmte Fähigkeiten des Kindes deutlich geringer sind, als es für sein Alter zu erwarten ist, und sie sich nicht durch etwas mehr Unterstützung schnell beheben lassen. Außerdem sollten die Einschränkungen bereits länger bestehen.

    Früherkennung

    Bei den U-Untersuchungen in der kinder- oder hausärztlichen Praxis können schon früh Hinweise auf Entwicklungsstörungen und deren Folgen erkannt werden. Die Termine dienen außerdem dazu, die weitere Entwicklung des Kindes zu beobachten. Für Kinder bis sechs Jahre werden die U1 bis U9, für Jugendliche zwischen 12 und 14 Jahren die J1-Untersuchung angeboten. Einige Krankenkassen übernehmen auch die Kosten für die J2, für Jugendliche zwischen 16 und 17 Jahren.

    Um auch anhaltende Probleme bei schulischen Fertigkeiten erkennen zu können, bieten viele Kinderärzte zusätzliche U-Untersuchungen für Kinder zwischen 7 und 10 Jahren an (U10 und U11). Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür, manchmal müssen sie jedoch selbst bezahlt werden.

    Auch bei der Schuleingangsuntersuchung können Entwicklungsstörungen auffallen.

    Wenn zu Hause, im Kindergarten oder in der Schule Entwicklungsprobleme auffallen, ist es sinnvoll, die Kinderärztin oder den Kinderarzt anzusprechen oder sich in der Kita oder Schule beraten zu lassen.

    Behandlung

    Welche Form der Unterstützung sinnvoll ist, hängt davon ab, welche Schwierigkeiten ein Kind genau hat, wie stark sie sind und wie sehr sich das Kind dadurch beeinträchtigt fühlt. Wenn es sich um leichte Einschränkungen handelt, reicht die Unterstützung durch die Eltern oft aus. Sie können beispielsweise mit dem Kind Sport machen oder es mit geeigneten Spielen, mit Basteln oder Vorlesen fördern.

    Wenn die Probleme aber anhalten und das Kind stark belasten, ist eine umfangreichere Unterstützung nötig. Wichtig ist eine ausführliche Beratung: Wie lässt sich ein gutes familiäres Klima schaffen? Wie können Eltern das Kind im Alltag fördern? Wie können sie und andere Bezugspersonen das Selbstwertgefühl des Kindes stärken? Was können sie vom Kind erwarten und einfordern?

    Kinder mit motorischen, sprachlichen oder schulischen Entwicklungsstörungen können durch folgende Maßnahmen gefördert oder behandelt werden:

    • Logopädie (Sprachtherapie)
    • Ergotherapie
    • Physiotherapie
    • Heilpädagogik
    • Psychologische / psychotherapeutische Hilfen
    • Motopädie
    • Feinmotorische Übungen (Graphomotorik)
    • Lese-, Rechtschreib- und Rechenförderung

    Wichtig ist, dass die Behandlung realistische Ziele hat und das Kind nicht überfordert. Sie sollte das Kind gezielt und dosiert fördern und zusätzlichen Stress vermeiden. Zu hohe Erwartungen können zu Enttäuschungen und Konflikten führen.

    Eine Behandlung dauert oft Monate oder mehrere Jahre. Sie ist zwar keine Garantie dafür, dass alle Probleme verschwinden. Sie kann aber die Chancen verbessern, die Schwächen auszugleichen oder zumindest abzumildern.

    Weitere Informationen

    Einige Behandlungen und Unterstützungsmaßnahmen werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, manche müssen selbst bezahlt werden. Bestimmte Leistungen wie etwa eine Lerntherapie kann das Jugendamt übernehmen.

    In der Schule ist ein sogenannter Nachteilsausgleich möglich, bei dem zum Beispiel Einschränkungen bei der Notengebung oder in Prüfungssituationen berücksichtigt werden. Weitere Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten bietet die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

    Die Haus- oder Kinderarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen (BAG-Selbsthilfe), Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) et al. Diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen (SES), unter Berücksichtigung umschriebener Sprachentwicklungsstörungen (USES). Interdisziplinäre S2k-Leitlinie. AWMF-Registern.: 049-006. 16.12.2011.

    Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP). Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und / oder Rechtschreibstörung (S3-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 028-044. 23.04.2015.

    Neuropädiatrische Gesellschaft der deutschsprachigen Länder (GNP). Definition, Diagnose, Untersuchung und Behandlung bei umschriebenen Entwicklungsstörungen motorischer Funktionen (UEMF). Deutsch-Schweizerische Versorgungsleitlinie (S3). AWMF-Registernr.: 022-017. 11.07.2011.

    Schlack HG, Esser G. Umschriebene Entwicklungsstörungen. In: Schlack HG, Kries R (Ed). Sozialpädiatrie. Berlin: Springer 2009. S. 157-187.

    Straßburg HM, Dacheneder W, Kreß W. Entwicklungsstörungen bei Kindern. Praxisleitfaden für die interdisziplinäre Betreuung. München: Urban und Fischer; 2018.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

    Mehr Wissen: Entwicklungsstörungen der Sprache

    Entwicklungsstörungen der Sprache zeigen sich meist schon in den ersten Lebensjahren. Die Kinder können im Alltag gezielt gefördert werden und eine Sprachtherapie erhalten. Mit der Zeit bessern sich die Sprachprobleme dann oft.

    Etwa 5 bis 8 % aller Kinder haben eine Entwicklungsstörung der Sprache. Jungen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Mädchen. Einige dieser Kinder entwickeln zusätzlich eine Lese- und Rechtschreibschwäche.

    Sprachprobleme deuten sich oft im Alter von zwei bis drei Jahren an. In diesem Alter ist es aber nicht immer leicht zu unterscheiden, ob ein Kind eine Sprachentwicklungsstörung hat oder nur etwas langsamer ist. Gerade in dieser Zeit gibt es große Unterschiede unter gleichaltrigen Kindern. Sogenannte „Late Talkers“ (späte Sprecher) sprechen zwar mit 24 Monaten weniger Wörter als die meisten anderen gleichaltrigen Kinder – allerdings holt etwa die Hälfte dieser Kinder bis zum 3. Geburtstag wieder auf. Die anderen entwickeln eine Sprachentwicklungsstörung.

    Entwicklungsstörungen der Sprache zeigen sich meist schon in den ersten Lebensjahren. Die Kinder können im Alltag gezielt gefördert werden und eine Sprachtherapie erhalten. Mit der Zeit bessern sich die Sprachprobleme dann oft.

    Etwa 5 bis 8 % aller Kinder haben eine Entwicklungsstörung der Sprache. Jungen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Mädchen. Einige dieser Kinder entwickeln zusätzlich eine Lese- und Rechtschreibschwäche.

    Sprachprobleme deuten sich oft im Alter von zwei bis drei Jahren an. In diesem Alter ist es aber nicht immer leicht zu unterscheiden, ob ein Kind eine Sprachentwicklungsstörung hat oder nur etwas langsamer ist. Gerade in dieser Zeit gibt es große Unterschiede unter gleichaltrigen Kindern. Sogenannte „Late Talkers“ (späte Sprecher) sprechen zwar mit 24 Monaten weniger Wörter als die meisten anderen gleichaltrigen Kinder – allerdings holt etwa die Hälfte dieser Kinder bis zum 3. Geburtstag wieder auf. Die anderen entwickeln eine Sprachentwicklungsstörung.

    Wie äußert sich eine Sprachentwicklungsstörung?

    Ein Kind mit einer Sprachentwicklungsstörung hat Schwierigkeiten, sich auszudrücken oder andere zu verstehen. Man unterscheidet

    • Probleme beim Sprachausdruck (expressive Sprachstörung): Das Kind lernt deutlich später sprechen als andere oder hat nur einen geringen Wortschatz. Es lässt Wörter aus oder ersetzt sie durch falsche Begriffe. Vielleicht spricht es grammatikalisch auffällig falsch (vertauscht beispielsweise ständig Satzteile) oder hat Schwierigkeiten, Inhalte auszudrücken. Viele haben auch Probleme, einzelne Laute zu bilden.
    • Probleme beim Sprachverständnis (rezeptive Sprachstörung): Den Kindern fällt es schwer zu verstehen, was andere ihnen sagen. Das führt zum Beispiel dazu, dass sie einfachen Aufforderungen nicht folgen oder unangemessen reagieren.

    Bei einer Sprachentwicklungsstörung liegen diese Fähigkeiten deutlich unter dem Niveau, das für das Alter des Kindes zu erwarten wäre.

    Welche Folgen hat die Entwicklungsstörung?

    Mit den Jahren können sich die Sprachprobleme bessern oder ganz legen. Dies gilt vor allem für Probleme mit der Aussprache. Sprachprobleme, die bis ins Erwachsenenalter anhalten, können dauerhaft beeinträchtigen. Dies gilt besonders für Probleme beim Sprachverständnis.

    Manche Kinder sind aufgrund ihrer Sprachprobleme wenig selbstbewusst und ängstlich. Vielleicht sind sie auch Hänseleien ausgesetzt und psychisch belastet.

    Eine Sprachentwicklungsstörung kann das Risiko für eine Lese- und Rechtschreibstörung erhöhen. Zudem fällt Kindern, die sprachlich vermittelte Informationen nur schlecht verstehen, das Lernen insgesamt schwerer. Das kann nicht nur sprachliche, sondern auch andere Fächer wie Mathematik betreffen: zum Beispiel, wenn ein Kind Aufgaben nicht lösen kann, weil es ihren Text nicht versteht. Probleme beim Lernen können einen schlechteren Schulabschluss zur Folge haben und die Berufswahl einschränken.

    Wie wird eine Sprachentwicklungsstörung festgestellt?

    Erste Hinweise können die U-Untersuchungen in der kinder- oder hausärztlichen Praxis geben. Dabei werden zunächst die Eltern zur sprachlichen Entwicklung ihres Kindes befragt. Danach folgen gezielte Sprachtests und ergänzende Untersuchungen des Kindes.

    Ein auffälliger Sprachtest allein sagt aber nur wenig aus: Es kann sein, dass ein Kind einfach etwas langsamer sprechen lernt als Gleichaltrige – oder es hat beim Sprachtest nicht gut mitgemacht, weil es aufgeregt war. Auch Kinder mit Migrationshintergrund schneiden bei Sprachtests, die nicht in ihrer Muttersprache abgefasst sind, im Schnitt schlechter ab.

    Eine Sprachentwicklungsstörung kann erst nach weitergehenden Untersuchungen festgestellt werden. Diese werden in erster Linie durch Fachärztinnen und -ärzte für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen (Phoniatrie und Pädaudiologie) durchgeführt, ergänzend auch in einer logopädischen oder anderen Facharztpraxis.

    Neben der Sprachentwicklung wird auch die psychische und emotionale Entwicklung des Kindes beurteilt. Zudem wird das Gehör untersucht, da Sprachprobleme manchmal aufgrund unerkannter Hörprobleme entstehen.

    Eine zuverlässige Diagnose einer Sprachentwicklungsstörung ist meist erst ab einem Alter von drei Jahren möglich.

    Welche Förder- und Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

    Bei einer Sprachentwicklungsstörung gibt es folgende Unterstützungsmöglichkeiten:

    • Sprachförderung, etwa in der Familie und im Kindergarten: Um die Sprachentwicklung anzuregen, eignen sich zum Beispiel häufige Gespräche mit dem Kind, Vorlesen oder Singen. Manche Kindergärten bieten auch spezielle Programme zur Sprachförderung an. Zudem kann es sinnvoll sein, weniger Filme zu schauen oder Computerspiele zu machen, wenn ein Kind sehr viel Zeit damit verbringt.
    • Sprachtherapie, meist bei einer Logopädin oder einem Logopäden: Im Rahmen einer Sprachtherapie werden meist ein- bis zweimal wöchentlich gezielte, aber kindgerechte Übungen gemacht, um zum Beispiel die Aussprache, Atmung oder Stimmbildung zu trainieren, den Wortschatz zu erweitern und die Satzbildung und Grammatik zu verbessern. Auch die Sprachwahrnehmung wird trainiert, also zum Beispiel die Fähigkeit, bestimmte Laute zu unterscheiden.

    Auch als Eltern ist es wichtig, sich beraten zu lassen, wie man am besten mit den Einschränkungen des Kindes umgehen und es unterstützen kann. Vielleicht benötigt das Kind auch eine psychologische oder psychotherapeutische Unterstützung, um mit Problemen im Kindergarten oder in der Schule zurechtzukommen. Solche Hilfe ist vor allem auch dann sinnvoll, wenn zugleich Verhaltensprobleme oder psychische Schwierigkeiten bestehen.

    Quellen

    Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen (BAG-Selbsthilfe), Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) et al. Diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen (SES), unter Berücksichtigung umschriebener Sprachentwicklungsstörungen (USES). Interdisziplinäre S2k-Leitlinie. AWMF-Registern.: 049-006. 16.12.2011.

    Schlack HG, Esser G. Umschriebene Entwicklungsstörungen. In: Schlack HG, Kries R (Ed). Sozialpädiatrie. Berlin: Springer 2009. S. 157-187.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Entwicklungsstörungen der Motorik

    Manche Kinder wirken besonders ungeschickt und grob in ihren Bewegungen. Oft ist dies nur vorübergehend. Manchmal steckt jedoch eine motorische Entwicklungsstörung dahinter.

    Etwa 5 % der Kinder haben eine Entwicklungsstörung der Motorik (Bewegungsfertigkeit). Bei Jungen ist sie häufiger als bei Mädchen. Dabei können große Bewegungen wie etwa das Gehen (Grobmotorik) und kleine feine Bewegungen wie etwa beim Schreiben (Feinmotorik) gestört sein. Meist ist auch die Koordination beeinträchtigt.

    Manche Kinder wirken besonders ungeschickt und grob in ihren Bewegungen. Oft ist dies nur vorübergehend. Manchmal steckt jedoch eine motorische Entwicklungsstörung dahinter.

    Etwa 5 % der Kinder haben eine Entwicklungsstörung der Motorik (Bewegungsfertigkeit). Bei Jungen ist sie häufiger als bei Mädchen. Dabei können große Bewegungen wie etwa das Gehen (Grobmotorik) und kleine feine Bewegungen wie etwa beim Schreiben (Feinmotorik) gestört sein. Meist ist auch die Koordination beeinträchtigt.

    Wie äußert sich eine motorische Entwicklungsstörung?

    Manche Kinder haben vor allem grobmotorische Probleme: Sie lernen zum Beispiel deutlich später laufen, bewegen sich unsicherer als Gleichaltrige oder wirken tollpatschig. Sie können ihr Gleichgewicht schlecht halten, stolpern viel oder lassen häufig Gegenstände fallen. Es fällt ihnen auch schwer, Bälle zu fangen oder auf einem Bein zu hüpfen.

    Feinmotorische Probleme zeigen sich beispielsweise bei Tätigkeiten wie Schreiben, Basteln oder Malen: Dabei sind die Kinder weniger geschickt und brauchen mehr Zeit. Ihre Handschrift kann schwerer zu lesen sein oder sie haben Probleme beim Ausschneiden und Zusammenfalten von Papier. Manche können einfache Gegenstände oder Figuren nur sehr ungenau malen.

    Wie verläuft die Entwicklungsstörung?

    Erste Anzeichen für motorische Probleme fallen meist im Alter zwischen drei und fünf Jahren auf. Leichte Schwierigkeiten wachsen sich mit der Zeit oft aus, denn manche Kinder entwickeln sich einfach etwas langsamer oder eigenwilliger als andere.

    Bei einer Entwicklungsstörung bleiben die Schwierigkeiten dagegen meist bis zur Pubertät bestehen. Etwa die Hälfte von ihnen haben auch als Erwachsene noch motorische Probleme.

    Durch die körperliche Reifung werden motorische Probleme meist geringer. Ein Grund, dass sie später nicht so ins Gewicht fallen: Für Kinder spielt die Motorik in ihrer Entwicklung – zum Beispiel beim Laufen, Schwimmen oder Schreiben lernen – eine größere Rolle als für Jugendliche. Viele Kinder lernen auch, besser mit ihren motorischen Defiziten umzugehen, wenn sie älter werden. Für andere bleiben sie jedoch eine dauerhafte Belastung.

    Welche Folgen kann sie haben?

    Meist sind Kinder mit motorischen Entwicklungsstörungen körperlich weniger aktiv als andere, haben schlechtere Noten im Schulsport und meiden Mannschaftssport.

    Feinmotorische Schwächen können Schwierigkeiten bei Schreibarbeiten, im Kunst-, Musik- oder Werkunterricht bereiten. Auf die meisten Schulfächer wirken sich motorische Probleme aber nicht direkt aus. Trotzdem kann das Selbstwertgefühl geschwächt sein – zum Beispiel durch wiederholte Misserfolgserlebnisse oder durch Hänseleien. Dies kann psychisch belasten und auch das Verhältnis zu Freunden und Mitschülern beeinflussen.

    Alltagsaktivitäten wie Anziehen, Essen oder Spielen können ebenfalls beeinträchtigt sein. Motorische Einschränkungen können zudem die Berufsausbildung und spätere Berufstätigkeit erschweren.

    Wie wird eine motorische Entwicklungsstörung festgestellt?

    Erste Hinweise können die U-Untersuchungen in der kinder- oder hausärztlichen Praxis geben. Eine Diagnose wird aber erst nach weitergehenden Untersuchungen in einer spezialisierten kinderärztlichen Praxis oder in einem sozialpädiatrischen Zentrum gestellt.

    Mit Bewegungstests werden dabei die Koordination, die Wahrnehmung und die Motorik des Kindes geprüft. Eine gründliche körperliche Untersuchung dient auch dazu, andere Erkrankungen auszuschließen, die zu motorischen Problemen führen können. Dazu gehören vor allem Erkrankungen des Nervensystems. Als Eltern wird man in die Untersuchungen einbezogen – zum Beispiel durch Gespräche und das Ausfüllen von Fragebogen, die helfen sollen, die Entwicklung des Kindes einzuschätzen.

    Die Diagnose „motorische Entwicklungsstörung“ sollte normalerweise nicht bei Kindern unter fünf Jahren gestellt werden. Der Grund: Bei jüngeren Kindern lässt sich nur schwer beurteilen, ob sie sich motorisch nur langsamer entwickeln als Gleichaltrige oder ob sie tatsächlich eine Entwicklungsstörung haben. Zudem können die Testergebnisse unzuverlässig sein, wenn die Kinder bei den Bewegungstests nicht durchgehend mitmachen.

    Welche Förder- und Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

    Oft wird Eltern empfohlen, ihr Kind zu mehr Aktivität, Sport und Bewegung anzuregen. Dabei sollten aber vor allem Aktivitäten gewählt werden, die dem Kind Spaß machen und es nicht überfordern. Zu schwierige Bewegungsabläufe und Übungen führen meist nur zu Misserfolgserlebnissen und dazu, dass sich das Kind verweigert. Wichtig ist vor allem, die Koordination, Wahrnehmung und Steuerung von Bewegungsabläufen zu fördern. Ärzte und Physiotherapeuten können beraten, welche Aktivitäten sich dazu eignen.

    Darüber hinaus gibt es folgende Behandlungsmöglichkeiten:

    • Ergotherapie: Bei einer Ergotherapie werden alltägliche Aufgaben und Bewegungsabläufe wie An- und Ausziehen, Malen und Schreiben unter Anleitung trainiert. Die Therapie umfasst Übungen zur Grob- und Feinmotorik. Dabei wird auch das Wahrnehmen und richtige Einordnen äußerer Sinnesreize wie Laute, Gerüche, Berührungen oder optische Eindrücke geübt, um die Koordination zu verbessern.
    • Physiotherapie: Verschiedene krankengymnastische Übungen trainieren auf spielerische Art Bewegungsabläufe, Koordination und Geschicklichkeit. Zusätzlich können die Wahrnehmung und die emotionalen Reaktionen des Kindes geschult werden – dieser Ansatz wird als „Psychomotorik“ oder auch „Motopädie“ bezeichnet.

    Bei der Entscheidung, welche Art von Unterstützung nötig ist, spielen folgende Fragen eine Rolle: Wie groß sind die motorischen Probleme? Wie sehr beeinträchtigen sie das Kind? Reicht es aus, wenn es sich im Alltag mehr bewegt und vielleicht in einen Sportverein geht? Oder ist eine gezieltere Förderung und Behandlung nötig?

    Neben der Verbesserung der Motorik geht es bei einer Behandlung auch darum, das Selbstvertrauen des Kindes zu stärken und es zu ermuntern, selbst aktiv zu werden. Dies soll auch helfen, die Beziehungen zu anderen Kindern zu verbessern.

    Was können Eltern tun?

    Eine Behandlung ist auf Dauer nur erfolgreich, wenn das Kind die Erfahrungen aus der Therapie auch im Alltag umsetzt. Deshalb ist es wichtig, sich beraten zu lassen, wie man sein Kind dabei fördern und unterstützen kann. Möglichkeiten sind zum Beispiel:

    • Das Kind zu Bewegung ermuntern.
    • Beobachten, welche Aktivitäten dem Kind Spaß machen und diese regelmäßig ermöglichen.
    • Therapeutische Übungen zu Hause umsetzen.
    • Selbst ein gutes Vorbild sein und sich mehr bewegen – zum Beispiel im Alltag: mehr zu Fuß gehen oder Radfahren, Rolltreppen meiden.
    • Dem Kind etwas zutrauen: Zum Beispiel, dass es selbstständig klettert oder sich allein anzieht. Das Kind im Haushalt mithelfen lassen.
    • Mit dem Kind spielen, rennen oder Ball spielen, gemeinsame Aktivitäten vorschlagen und viel rausgehen.
    • Geduldig sein, dem Kind Zeit lassen.

    Quellen

    Neuropädiatrische Gesellschaft der deutschsprachigen Länder (GNP). Definition, Diagnose, Untersuchung und Behandlung bei umschriebenen Entwicklungsstörungen motorischer Funktionen (UEMF). Deutsch-Schweizerische Versorgungsleitlinie (S3). AWMF-Registernr.: 022-017. 11.07.2011.

    Schlack HG, Esser G. Umschriebene Entwicklungsstörungen. In: Schlack HG, Kries R (Ed). Sozialpädiatrie. Berlin: Springer 2009. S. 157-187.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Entwicklungsstörung der schulischen Fertigkeiten

    Einige Kinder haben starke Schwierigkeiten beim Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen. Dies kann zu Problemen in der Schule und später in der beruflichen Entwicklung führen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Kinder zu fördern.

    Etwa 3 bis 8 % aller Kinder haben eine umschriebene Entwicklungsstörung der schulischen Fertigkeiten. Manche Kinder haben nur beim Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen Schwierigkeiten – andere in zwei oder allen drei dieser Bereiche. Probleme beim Lesen und Rechtschreiben treten häufig kombiniert auf, oft auch zusammen mit einer Sprachentwicklungsstörung: Dann hat das Kind später sprechen gelernt, einen geringen Wortschatz oder kann Sprache nicht gut verstehen.

    Jungen haben häufiger eine Rechtschreibstörung, Mädchen eher Probleme beim Rechnen. Eine Lesestörung kommt bei Jungen und Mädchen gleich häufig vor.

    Einige Kinder haben starke Schwierigkeiten beim Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen. Dies kann zu Problemen in der Schule und später in der beruflichen Entwicklung führen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Kinder zu fördern.

    Etwa 3 bis 8 % aller Kinder haben eine umschriebene Entwicklungsstörung der schulischen Fertigkeiten. Manche Kinder haben nur beim Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen Schwierigkeiten – andere in zwei oder allen drei dieser Bereiche. Probleme beim Lesen und Rechtschreiben treten häufig kombiniert auf, oft auch zusammen mit einer Sprachentwicklungsstörung: Dann hat das Kind später sprechen gelernt, einen geringen Wortschatz oder kann Sprache nicht gut verstehen.

    Jungen haben häufiger eine Rechtschreibstörung, Mädchen eher Probleme beim Rechnen. Eine Lesestörung kommt bei Jungen und Mädchen gleich häufig vor.

    Wie äußert sich eine Entwicklungsstörung der schulischen Fertigkeiten?

    Eine Lesestörung kann folgende Anzeichen haben: Ein Kind

    • liest sehr langsam oder macht dabei viele Fehler.
    • zögert sehr lange, bevor es mit dem Vorlesen beginnt.
    • nennt den ersten Buchstaben und rät dann das Wort.
    • hat Schwierigkeiten zu verstehen, was es gelesen hat.
    • lässt Buchstaben aus, fügt welche hinzu oder vertauscht Wortteile.

    Es kann sich um eine Rechtschreibstörung handeln, wenn ein Kind

    • Wörter längere Zeit noch deutlich falsch schreibt.
    • Buchstaben schreibt, die ganz anders klingen als das zu schreibende Wort.
    • Buchstaben auslässt, vertauscht oder welche hinzufügt.
    • Rechtschreibregeln wie die Groß- und Kleinschreibung nicht umsetzen kann.
    • eine unleserliche Handschrift hat.

    Eine Rechenstörung (Dyskalkulie) kann auffallen, wenn ein Kind zum Beispiel

    • schon bei einfachen Rechenaufgaben wie zusammenzählen oder abziehen Probleme hat.
    • ungewöhnlich lange die Finger zum Zählen zu Hilfe nimmt.
    • die Grundrechenarten nur mühsam oder gar nicht erlernt.
    • Zahlen verwechselt oder sie falsch zuordnet.
    • Schwierigkeiten hat, sich räumliche und bildliche Informationen für kurze Zeit zu merken.
    • Mühe hat, Größen und Mengen korrekt zu erfassen.
    • Schwierigkeiten hat, Strategien zur Lösung einer Rechenaufgabe zu entwickeln.

    Wie verläuft die Entwicklungsstörung?

    Probleme beim Lesen, Schreiben oder Rechnen fallen naturgemäß meist erst nach der Einschulung auf. Eine ausgeprägte Störung bereitet schon in den ersten Schulmonaten große Schwierigkeiten. Es kann aber auch im Vorschulalter erste Hinweise geben – zum Beispiel, wenn es einem Kind schwerfällt, Laute zu unterscheiden oder es beim einfachen Zählen Schwierigkeiten hat.

    Oft bessert sich die Lesefähigkeit schneller als die Rechtschreibung oder Probleme beim Rechnen. Manche haben als Erwachsene noch Probleme bei einfachen Rechenaufgaben. Von allein legen sich die Probleme meist nicht – gezielte Unterstützung ist wichtig. Etwa eins von 100 Kindern hat eine so starke Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie), dass es kaum lesen und schreiben lernt.

    Welche Folgen kann die Entwicklungsstörung haben?

    Betroffene Kinder haben im Schnitt schlechtere Noten in einzelnen Fächern. Manche Kinder haben durch die Störung auch ganz grundsätzliche Lernschwierigkeiten. Oft zeigen sie wenig bis kein Interesse am Lesen und Schreiben. Damit verbundene Aufgaben empfinden sie als stark belastend. Nicht selten fühlen sich die Kinder überfordert. Dies kann dazu führen, dass sie Angst vor der Schule haben, sich weigern zur Schule zu gehen oder morgens über Bauch- oder Kopfschmerzen klagen. In den Schulferien verschwinden diese Probleme meist wieder.

    Die Situation kann für die ganze Familie belastend sein. Die Eltern sorgen sich oft um die weitere Entwicklung ihres Kindes. Sie bringen viel Zeit und teilweise auch finanzielle Mittel auf, um das Kind zu unterstützen.

    Lese-, Rechtschreib- und Rechenstörungen können die Schul- und Berufslaufbahn beeinträchtigen. Sie erschweren es, einen der Begabung entsprechenden Schulabschluss zu machen und den gewünschten Beruf zu ergreifen.

    Kinder und Jugendliche mit schulischen Schwächen haben oft weitere Probleme wie Verhaltensauffälligkeiten.

    Wie wird eine Entwicklungsstörung der schulischen Fertigkeiten festgestellt?

    Wenn die Probleme auffallen, ist es zunächst sinnvoll, sich mit den Lehrerinnen und Lehrern und vielleicht auch dem schulpsychologischen Dienst zu beraten. Ob es sich um eine Entwicklungsstörung handelt, kann von Fachärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder von Kinderärzten mit der Zusatzausbildung Sozialpädiatrie und Kinderpsychologie festgestellt werden. Die Untersuchungen können in einer ärztlichen Praxis oder in einem sozialpädiatrischen Zentrum stattfinden.

    Es werden unter anderem Intelligenztests und spezielle Lese-, Rechtschreib- und Rechentests gemacht. Körperliche Untersuchungen wie Augen- und Hörtests können wichtig sein, um andere Ursachen auszuschließen.

    Welche Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten gibt es?

    Welche Art der Unterstützung sinnvoll ist, hängt unter anderem davon ab, wie ausgeprägt die Entwicklungsstörung ist. Es gibt folgende Möglichkeiten, ein Kind zu fördern oder zu behandeln:

    • Gezielte Förderung in der Schule: Eltern können gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern beraten, wie das Kind am besten unterstützt werden kann. Auch Schulpsychologinnen und -psychologen können Ansprechpartner sein. Zudem gibt es die Möglichkeit eines Nachteilsausgleichs. Das bedeutet, dass die Einschränkungen des Kindes bei der Leistungsbeurteilung oder in Prüfungssituationen berücksichtigt werden können.
    • Integrative Lerntherapie mit Lese-, Rechtschreib- und Rechenübungen in Kleingruppen oder als Einzeltraining – entweder computergestützt oder mit Papier und Stift. Wie oft und wie lange ein Kind an einer Lerntherapie teilnimmt, hängt davon ab, wie stark die Entwicklungsstörung ist und welche Fortschritte es macht. Es gibt spezialisierte lerntherapeutische Praxen. Die Lerntherapie wird aber auch von ergotherapeutischen und heilpädagogischen Praxen angeboten.
    • Elternberatung: Wie kann man das Kind zu Hause unterstützen? Wie lässt sich das Familienklima bessern?

    Für die Unterstützungen gibt es auch finanzielle Fördermöglichkeiten. So kann das Jugendamt beispielsweise die Kosten für eine integrative Lerntherapie übernehmen.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP). Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und / oder Rechtschreibstörung (S3-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 028-044. 23.04.2015.

    Schlack HG, Esser G. Umschriebene Entwicklungsstörungen. In: Schlack HG, Kries R (Ed). Sozialpädiatrie. Berlin: Springer 2009. S. 157-187.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: U-Untersuchungen

    Die regelmäßigen U-Untersuchungen sollen helfen, Krankheiten und Entwicklungsprobleme frühzeitig zu erkennen. Bei Bedarf können außerdem Fördermöglichkeiten oder Behandlungen empfohlen werden.

    Bei allen U-Untersuchungen wird das Kind gemessen, gewogen und gründlich körperlich untersucht. Zu verschiedenen U-Untersuchungen gehören auch Seh- und Hörtests. Außerdem werden die Eltern gefragt, ob es bestimmte Auffälligkeiten gibt oder ob die Familie besonderen Belastungen ausgesetzt ist. Es wird auch immer geschaut, welchen Eindruck die Beziehung zwischen Kind und Eltern macht.

    Wo die ersten beiden U-Untersuchungen stattfinden, hängt vom Geburtsort ab. Meist ist es die Geburtsklinik. Für die weiteren müssen Termine in einer kinder- oder hausärztlichen Praxis vereinbart werden. Bei der U1 kann auch eine Hebamme das Kind untersuchen.

    Je nach Alter des Kindes wird zu Themen beraten wie:

    • Stillen und Ernährung,
    • Verhütung von Unfällen und plötzlichem Kindstod,
    • Impfungen,
    • Vitamin D (zur Vorbeugung von Knochenerkrankungen),
    • Fluorid (zur Vorbeugung von Karies), Zahnpflege und zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen,
    • psychische Gesundheit und Sprachentwicklung sowie
    • Mediennutzung.

    Nicht zuletzt bietet jede Untersuchung die Gelegenheit, sich bei Fragen und Problemen beraten zu lassen und Informationen zu regionalen Angeboten wie Eltern-Kind-Kursen, Beratungsstellen oder Familienhebammen zu erhalten.

    Die Ergebnisse der U-Untersuchungen werden im sogenannten gelben Heft dokumentiert. Die meisten Krankenkassen bieten auch zwei ergänzende Untersuchungen an (U10 und U11) und stellen ihren Mitgliedern eigene Hefte dafür zur Verfügung.

    Wenn das Kind vor einer U-Untersuchung ängstlich ist, kann man es vorbereiten und versuchen, ihm die Angst zu nehmen – zum Beispiel erklären, welche Tests gemacht werden oder es spielerisch vorbereiten, indem man es etwa vor einem Hörtest Kopfhörer ausprobieren lässt.

    Die regelmäßigen U-Untersuchungen sollen helfen, Krankheiten und Entwicklungsprobleme frühzeitig zu erkennen. Bei Bedarf können außerdem Fördermöglichkeiten oder Behandlungen empfohlen werden.

    Bei allen U-Untersuchungen wird das Kind gemessen, gewogen und gründlich körperlich untersucht. Zu verschiedenen U-Untersuchungen gehören auch Seh- und Hörtests. Außerdem werden die Eltern gefragt, ob es bestimmte Auffälligkeiten gibt oder ob die Familie besonderen Belastungen ausgesetzt ist. Es wird auch immer geschaut, welchen Eindruck die Beziehung zwischen Kind und Eltern macht.

    Wo die ersten beiden U-Untersuchungen stattfinden, hängt vom Geburtsort ab. Meist ist es die Geburtsklinik. Für die weiteren müssen Termine in einer kinder- oder hausärztlichen Praxis vereinbart werden. Bei der U1 kann auch eine Hebamme das Kind untersuchen.

    Je nach Alter des Kindes wird zu Themen beraten wie:

    • Stillen und Ernährung,
    • Verhütung von Unfällen und plötzlichem Kindstod,
    • Impfungen,
    • Vitamin D (zur Vorbeugung von Knochenerkrankungen),
    • Fluorid (zur Vorbeugung von Karies), Zahnpflege und zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen,
    • psychische Gesundheit und Sprachentwicklung sowie
    • Mediennutzung.

    Nicht zuletzt bietet jede Untersuchung die Gelegenheit, sich bei Fragen und Problemen beraten zu lassen und Informationen zu regionalen Angeboten wie Eltern-Kind-Kursen, Beratungsstellen oder Familienhebammen zu erhalten.

    Die Ergebnisse der U-Untersuchungen werden im sogenannten gelben Heft dokumentiert. Die meisten Krankenkassen bieten auch zwei ergänzende Untersuchungen an (U10 und U11) und stellen ihren Mitgliedern eigene Hefte dafür zur Verfügung.

    Wenn das Kind vor einer U-Untersuchung ängstlich ist, kann man es vorbereiten und versuchen, ihm die Angst zu nehmen – zum Beispiel erklären, welche Tests gemacht werden oder es spielerisch vorbereiten, indem man es etwa vor einem Hörtest Kopfhörer ausprobieren lässt.

    U1

    unmittelbar nach der Geburt:

    • Untersucht werden Herzschlag, Hautfarbe, Reflexe, Muskelspannung und die Atmung.
    • Es wird nach äußerlichen Fehlbildungen oder Geburtsverletzungen geschaut.
    • Aus der Nabelschnur wird Blut entnommen. Um zu prüfen, ob es genug Sauerstoff enthält, wird der pH-Wert des Blutes bestimmt.
    • Das Kind erhält nach Rücksprache mit den Eltern Vitamin K, um Blutungen vorzubeugen.

    U2

    zwischen dem 3. und 10. Lebenstag:

    • Bei der körperlichen Untersuchung sollen vor allem angeborene Erkrankungen und Fehlbildungen erkannt werden.
    • Das Kind erhält nach Rücksprache mit den Eltern nochmals Vitamin K.
    • Sein Blut wird auf verschiedene Stoffwechselerkrankungen hin untersucht.
    • Es wird das sogenannte Neugeborenen-Hörscreening angeboten, um Probleme beim Hören früh zu entdecken.
    • Mithilfe der Pulsoxymetrie können bestimmte angeborene Herzfehler erkannt werden, die vorher noch nicht aufgefallen sind.

    U3

    in der 4. bis 5. Lebenswoche:

    • Körperliche Untersuchung.
    • Das Kind erhält nach Rücksprache mit den Eltern nochmals Vitamin K.
    • Die Grob- und Feinmotorik wird geprüft: Kann das Kind seinen Kopf in Bauchlage kurz halten? Öffnet es die Hand spontan?
    • Die Wahrnehmung wird untersucht: Folgt das Kind mit den Augen einem Gegenstand? Schaut es vertraute Personen an, wenn sie ihr Gesicht nähern?
    • Lässt sich das Kind durch Wiegen, Singen oder Ansprache beruhigen? Reagiert es angemessen auf laute Geräusche, helles Licht und Berührung?
    • Die Hüftgelenke des Kindes werden mit einem Ultraschallgerät auf Fehlstellungen untersucht.
    • Es wird erstmals zu Impfungen beraten.

    U4

    im 3. bis 4. Lebensmonat:

    • Körperliche Untersuchung.
    • Die Entwicklung des Babys wird beurteilt: Kann es beide Arme und Beine beugen und strecken? Hält es den Kopf im Sitzen mindestens 30 Sekunden aufrecht? Folgt es Gesichtern mit seinen Blicken? Dreht es bei einem Geräusch den Kopf, um zu sehen, woher es kommt? Kann es die Hände spontan zur Körpermitte bewegen? Freut sich das Kind über Zuwendung? Reagiert es auf Ansprache?
    • Es wird geschaut, ob das Kind ausgeglichen wirkt, es Blickkontakt mit den Eltern sucht und ob es sich durch Zuwendung beruhigen lässt. Außerdem wird auf die Mimik und Gestik der Eltern geachtet, und wie das Kind darauf reagiert.
    • Es wird nach Problemen beim Stillen oder Trinken mit der Flasche gefragt und danach, ob das Kind sehr unruhig ist oder auffällig viel schreit.

    U5

    im 6. bis 7. Lebensmonat:

    • Körperliche Untersuchung.
    • Beurteilung der Entwicklung: Stützt sich das Kind mit gestreckten Armen auf den Handflächen ab? Greift es nach Spielzeugen? Spricht es einfache Silbenketten und reagiert es angemessen auf Zuwendung?
    • Wirkt das Baby ausgeglichen und zugewandt? Wie reagiert es auf Ansprache: Lächelt es und sucht Blickkontakt? Lässt es sich durch Wiegen oder Sprechen beruhigen? Reagiert es angemessen auf Reize wie laute Geräusche oder Berührung?
    • Schreit das Kind besonders viel? Ist es sehr unruhig?

    U6

    im 10. bis 12. Lebensmonat (kurz vor dem 1. Geburtstag):

    • Körperliche Untersuchung.
    • Beurteilung der Entwicklung: Kann das Kind sitzen und sich selbstständig von der Rücken- in die Bauchlage drehen und wieder zurück? Gibt es den Eltern nach Aufforderung einen Gegenstand? Versteht es einfache Wörter und Aufforderungen? Spricht es Doppelsilben wie „da-da“ und längere Silbenketten? Ahmt es Laute nach? Kann es selbst aus einer Flasche trinken?
    • Wirkt das Kind ausgeglichen und zugewandt? Sucht es Blick- und Körperkontakt zur Bezugsperson? Geht das Kind auf Spiele mit Mutter oder Vater ein (zum Beispiel mit Bauklötzen)? Kann es Gefühle altersgemäß regulieren (zum Beispiel mit leichten Enttäuschungen umgehen)? 

    U7

    im 21. bis 24. Lebensmonat (kurz vor dem 2. Geburtstag):

    • Körperliche Untersuchung.
    • Beurteilung der Entwicklung: Kann das Kind sicher gehen? Kann es kleine Gegenstände auspacken? Kann es einzelne Worte sprechen und einfachen Aufforderungen nachkommen? Kann es im Bilderbuch auf bekannte Gegenstände zeigen? Kann das Kind kurze Zeit allein spielen?
    • Schläft es gut oder hat es Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen?

    U7a

    im 34. bis 36. Lebensmonat (kurz vor dem 3. Geburtstag):

    • Körperliche Untersuchung.
    • Beurteilung der Entwicklung: Kann das Kind von der untersten Treppenstufe sicher springen und das Gleichgewicht halten? Fasst es mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger zu? Spricht es mindestens Drei-Wort-Sätze? Kennt es seinen Namen? Kann es zuhören und konzentriert spielen? Kann es sich gut für einige Stunden von den Eltern trennen? Spielt es mit anderen Kindern? Hat es Spaß beim Spielen?
    • Sucht es von sich aus den Kontakt mit anderen und stellt Blickkontakt her?

    U8

    im 46. bis 48. Lebensmonat (kurz vor dem 4. Geburtstag):

    • Körperliche Untersuchung.
    • Hörtest.
    • Beurteilung der Entwicklung: Kann sich das Kind sicher mit einem Laufrad bewegen? Kann es einen Stift richtig zwischen den ersten drei Fingern halten? Spricht es Sechs-Wort-Sätze? Stellt es Fragen wie „warum, wie, wo, wieso und woher“? Kann es sich selbst an- und ausziehen? Spielt es mit gleichaltrigen Kindern?
    • Es wird auch nach der emotionalen Entwicklung gefragt: Kann das Kind mit leichten Enttäuschungen umgehen? Wirkt es fröhlich, oder ist es oft traurig, weint viel oder hat Wutanfälle? Kann es mit Trennungen umgehen oder reagiert es sehr ängstlich?

    U9

    im 60. bis 64. Lebensmonat (meist kurz nach dem 5. Geburtstag):

    • Körperliche Untersuchung.
    • Beurteilung der Entwicklung: Kann das Kind auf einem Bein hüpfen? Kann es einen größeren Ball fangen? Malt es Kreise oder Quadrate nach? Spricht es die meisten Wörter fehlerfrei? Kann es mindestens drei Farben benennen? Wechselt es sich mit anderen Kindern im Spiel ab? Macht es Rollenspiele mit anderen Kindern?
    • Emotionale Entwicklung: Wirkt das Kind ausgeglichen oder hat es bestimmte Ängste? Ist es besonders impulsiv und hat oft Wutanfälle?

    Zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen

    Die U1 bis U9 werden von allen Krankenkassen erstattet. Die U10- und U11-Untersuchungen dagegen sind nicht Bestandteil des gelben Heftes. Die meisten Krankenkassen bezahlen sie dennoch und stellen ihren Mitgliedern eigene Hefte zur Verfügung, die diese Untersuchungen enthalten.

    Bei der U10 im Alter von 7 bis 8 Jahren geht es vor allem darum, schulische Entwicklungsstörungen zu erkennen. Es wird aber auch auf motorische Probleme, die emotionale Entwicklung und auf Verhaltensauffälligkeiten (wie zum Beispiel ADHS) geachtet.

    Die U11 im Alter von 9 bis 10 Jahren soll Schulschwierigkeiten und Probleme im Sozialverhalten oder seelische Probleme erkennen. Zudem werden die Zähne des Kindes untersucht und mögliche Probleme mit der Ernährung, bei körperlicher Bewegung oder mit Medienkonsum erfragt.

    Im Jugendalter wird die J1 (Jugendgesundheitsuntersuchung) von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Die J1 findet im Alter von 12 bis 14 Jahren statt. Sie umfasst eine körperliche Untersuchung, Fragen zur Entwicklung sowie zu körperlichen und psychischen Beschwerden. Zudem wird geschaut, welche Impfungen das Kind bislang erhalten hat.

    Einige Krankenkassen übernehmen auch die Kosten für die J2, die im Alter zwischen 16 und 17 Jahren stattfindet. Neben der körperlichen Untersuchung liegen Schwerpunkte auf Fragen zu Pubertät, Sexualität, möglichen psychischen Problemen und zum Umgang mit Nikotin, Alkohol oder Drogen. Zudem werden Themen wie Berufswahl, Freundschaften und Ernährung angesprochen. Bei Bedarf werden Auffrischimpfungen angeboten. 

    Quellen

    Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Kinderuntersuchungsheft. 05.2017.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)