Gesundheitslexikon

Karies

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    Überblick

    Zähne vor Karies zu schützen, ist im Grunde kinderleicht: Eine gesunde Ernährung, Süßes nur in Maßen und eine gründliche Zahnpflege sind das A und O. Wir informieren über die wichtigsten Zahnpflegemittel und darüber, wann Fluoridtabletten oder eine Versiegelung der Backenzähne sinnvoll sein können.

    Einleitung

    Karies ist eine Erkrankung der Zähne, die durch Bakterien im Zahnbelag, süße Lebensmittel und mangelnde Mundhygiene entsteht.

    Karies schädigt die Zähne, kann schmerzhaft sein und bis zum Zahnverlust führen.

    Die früher auch „Zahnfäule“ genannte Erkrankung ist heute deutlich seltener als noch vor Jahrzehnten. Das liegt vor allem an einer besseren Mundhygiene und daran, dass mehr Menschen Zahnpasta mit Fluorid verwenden als früher. Dies zeigt, dass man einiges für seine Zahngesundheit tun und Karies wirksam vorbeugen kann.

    Symptome

    Karies zeigt sich zunächst durch weißliche oder bräunliche Flecken auf den Zähnen. Wenn die Erkrankung fortschreitet, bekommen die Zähne an der Oberfläche Löcher. Werden die tieferen Zahnschichten angegriffen, schädigt Karies auch die Zahnnerven und die Zahnwurzeln. Die Zähne werden empfindlich und schmerzen – besonders, wenn man kalte oder süße Nahrungsmittel oder Getränke zu sich nimmt. Karies kann Zähne so stark schädigen, dass sie entfernt und ersetzt werden müssen, zum Beispiel durch eine Brücke.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Meist entsteht Karies, wenn drei Faktoren zusammenkommen: Zahnbelag, schlechte Mundhygiene und häufiger Zuckerkonsum. Zahnbelag überzieht die Zähne wie ein Film und kann sich pelzig anfühlen. Er bildet sich aus Bakterien, Speichel und Nahrungsresten. Wenn die Bakterien die Essensreste und den darin enthaltenen Zucker auf der Zahnoberfläche zersetzen, entsteht Säure. Sie greift den Zahnschmelz an und zerstört den Zahn allmählich, wenn er nicht gereinigt oder behandelt wird. Kariesbakterien sind über den Speichel übertragbar.

    Kinder sind besonders anfällig für Karies, denn bei Milchzähnen ist der Zahnschmelz empfindlicher als bei bleibenden Zähnen. Die Milchzähne sind in Gefahr, wenn ein Kind viel Süßes isst oder trinkt. Zudem kann gerade bei Kleinkindern die Mundhygiene eine Herausforderung sein. Das Risiko für Karies erhöht sich auch dann, wenn Kleinkinder sehr oft an einer Nuckelflasche mit gezuckertem Tee oder Saft saugen.

    Auch die bleibenden Zähne sind anfangs empfindlich: Wenn sie durchbrechen, ist ihr Zahnschmelz noch nicht vollständig ausgehärtet und deshalb kariesanfällig.

    Häufigkeit

    Bei vielen Kindern und Jugendlichen sind die bleibenden Zähne gesund: In Deutschland haben etwa 8 von 10 zwölfjährigen Kindern keine Karies. Bei den übrigen Kindern dieser Altersgruppe sind ein Zahn oder mehrere Zähne von Karies betroffen.

    Von den sechs- bis siebenjährigen Kindern mit Milchzähnen hatte etwa die Hälfte schon einmal Karies.

    Bei Erwachsenen ist Karies häufiger: Im Alter zwischen 35 und 44 Jahren sind durchschnittlich etwa elf Zähne von Karies befallen, haben eine Füllung, sind überkront oder fehlen.

    Diagnose

    Um Karies festzustellen, reicht der Zahnärztin oder dem Zahnarzt meist ein genauer Blick auf die Zähne. Zusätzlich kann ein Röntgenbild gemacht werden, um zu beurteilen, wie weit die Karies fortgeschritten ist – und ob sie beispielsweise zwischen den Zähnen oder unter Füllungen sitzt.

    Vorbeugung

    Kinder und Erwachsene können ihr Risiko für Karies verringern, wenn sie ihre Zähne regelmäßig mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen. Fluorid ist eine Substanz, die den Zahnschmelz stärkt und ihn so vor Karies schützt. Das Putzen entfernt den bakterien- und säurehaltigen Belag von den Zähnen. Es wird empfohlen, die Zähne mindestens zweimal täglich nach den Mahlzeiten zu putzen.

    Zahnärztinnen und -ärzte raten, schon ab Durchbruch des ersten Milchzahns fluoridhaltige Zahnpasta zu benutzen. Dagegen empfehlen Kinderärztinnen und -ärzte häufig, Kleinkindern zunächst täglich Fluorid als Tablette oder Tropfen zu geben und die Zähne nur mit etwas fluoridfreier Zahnpasta zu putzen. Da Fluorid Nebenwirkungen haben kann, dürfen Kinder aber nicht zu viel davon aufnehmen.

    Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle: Wer den Verzehr von zuckerhaltigen Lebensmitteln begrenzt, verringert das Kariesrisiko. Viel Zucker enthalten zum Beispiel Limonaden und Süßigkeiten, aber auch Fruchtsäfte und Ketchup.

    Regelmäßige zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen schützen ebenfalls, denn dabei kann ein Kariesbefall schon früh entdeckt und behandelt werden. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt kann zur Mundhygiene beraten und Fluoridlack oder -gel auf die Zähne auftragen. Zudem können die Furchen oder Grübchen der großen Backenzähne mit einem speziellen Kunststoff versiegelt werden (Fissurenversiegelung).

    Behandlung

    Bei beginnender Karies (weißen oder braunen Flecken auf den Zähnen) kann es ausreichen, die Zähne regelmäßig mit fluoridhaltiger Zahnpasta zu putzen und sich in der Zahnarztpraxis Fluorid auf die Zähne auftragen zu lassen.

    Karieslöcher werden ausgebohrt und mit Füllungen aus Kunststoff (Komposit), Amalgam, Keramik oder Edelmetall versorgt. Ist der Zahn stärker beschädigt, kann eine Teilkrone oder Krone den Zahn erhalten. Sind die Zahnnerven betroffen, wird meist eine Wurzelkanalbehandlung vorgeschlagen. Manchmal muss ein Zahn auch entfernt werden. Er kann später durch eine Brücke ersetzt werden oder durch festsitzenden Zahnersatz, der von einem Implantat getragen wird.

    Neben den herkömmlichen Methoden, kariöse Zähne zu versorgen, gibt es verschiedene neuartige Verfahren, bei denen zum Teil kein Bohrer mehr verwendet wird. Dazu zählt die sogenannte Kariesinfiltration bei beginnender Karies. Dabei wird der Zahn mit Kunststoff gehärtet.

    Weitere Informationen

    Viele Menschen gehen außer wegen akuter Schmerzen auch regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen zur Zahnärztin oder zum Zahnarzt. Wir informieren darüber, wie man die richtige Zahnarztpraxis findet, wie sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig.

    Quellen

    Ahovuo-Saloranta A, Forss H, Walsh T, Nordblad A, Makela M, Worthington HV. Pit and fissure sealants for preventing dental decay in permanent teeth. Cochrane Database Syst Rev 2017; (7): CD001830.

    Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin (DGPZM). Neue Empfehlungen für Kinderzahnpasten mit Fluorid. 27.09.2018.

    Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ), Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). S2k-Leitlinie: Kariesprophylaxe bei bleibenden Zähnen - grundlegende Empfehlungen. AWMF-Registernr.: 083-021. 06.2016.

    Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Beschluss des G-BA über die Richtlinien des Bundesausschusses der Zahnärzte und Krankenkassen über die Früherkennungsuntersuchungen auf Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten (zahnärztliche Früherkennung gemäß § 26 Absatz 1 Satz 2 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch – SGB V): Neufassung. 17.01.2019.

    Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Richtlinie über Maßnahmen zur Verhütung von Zahnerkrankungen bei Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen. 19.10.2017.

    Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Richtlinien des Bundesausschusses der Zahnärzte und Krankenkassen über Maßnahmen zur Verhütung von Zahnerkrankungen (Individualprophylaxe). 04.06.2003.

    Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ), Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBZ). Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) - Kurzfassung. 08.2016.

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    Neusser S, Krauth C, Hussein R, Bitzer EM. Molarenversiegelung als Kariesprophylaxe bei Kindern und Jugendlichen mit hohem Kariesrisiko. 2014. (HTA-Berichte; Band 132).

    Worthington HV, MacDonald L, Poklepovic PT, Sambunjak D, Johnson TM, Imai P et al. Home use of interdental cleaning devices, in addition to toothbrushing, for preventing and controlling periodontal diseases and dental caries. Cochrane Database Syst Rev 2019; (4): CD012018.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Kariesprophylaxe bei Kindern und Jugendlichen

    Bei Kindern ist Karies das häufigste Zahnproblem. Durch Karies entstehen Löcher in den Zähnen, die schmerzen können. Zahnlöcher müssen meist ausgebohrt und gefüllt werden, um die Karies zu stoppen. Konsequente Vorbeugung kann dazu beitragen, dass eine Behandlung gar nicht erst nötig wird.

    Die wirksamste Vorbeugung (Prophylaxe) gegen Karies besteht darin, die Zähne regelmäßig gründlich zu putzen und mit Fluorid zu stärken. Auf eine gesunde Ernährung zu achten und nicht zu häufig Süßes zu essen oder zu trinken, ist genauso wichtig. Nicht zuletzt helfen zahnärztliche Kontrolluntersuchungen, Karies möglichst früh zu erkennen und zu behandeln. Ob sich Karies bei kleinen Kindern eher mit Fluoridtabletten oder fuoridhaltiger Zahnpasta verhindern lässt, ist hingegen umstritten: Während in der Kinderarztpraxis eher Tabletten empfohlen werden, wird in den meisten Zahnarztpraxen zu fluoridhaltiger Zahnpasta geraten.

    Bei Kindern ist Karies das häufigste Zahnproblem. Durch Karies entstehen Löcher in den Zähnen, die schmerzen können. Zahnlöcher müssen meist ausgebohrt und gefüllt werden, um die Karies zu stoppen. Konsequente Vorbeugung kann dazu beitragen, dass eine Behandlung gar nicht erst nötig wird.

    Die wirksamste Vorbeugung (Prophylaxe) gegen Karies besteht darin, die Zähne regelmäßig gründlich zu putzen und mit Fluorid zu stärken. Auf eine gesunde Ernährung zu achten und nicht zu häufig Süßes zu essen oder zu trinken, ist genauso wichtig. Nicht zuletzt helfen zahnärztliche Kontrolluntersuchungen, Karies möglichst früh zu erkennen und zu behandeln. Ob sich Karies bei kleinen Kindern eher mit Fluoridtabletten oder fuoridhaltiger Zahnpasta verhindern lässt, ist hingegen umstritten: Während in der Kinderarztpraxis eher Tabletten empfohlen werden, wird in den meisten Zahnarztpraxen zu fluoridhaltiger Zahnpasta geraten.

    Worauf kommt es bei der Ernährung an?

    Bakterien im Zahnbelag und häufiger Zuckerkonsum sind die Hauptursache für schadhafte Zähne. Wer den Verzehr von gezuckerten Lebensmitteln, Getränken, Bonbons und anderen Süßigkeiten in Grenzen hält, kann deshalb Karies vorbeugen. Ab und zu süße Sachen zu essen, ist aber kein Problem, solange die Zähne gut gepflegt werden.

    Problematisch wird es, wenn die Zähne häufig Süßem ausgesetzt sind. So können Babys und Kleinkinder schneller Karies bekommen, wenn ihr Nuckelfläschchen oft zuckerhaltige Getränke oder Fruchtsäfte enthält. Eine gute Alternative sind zum Beispiel ungesüßte Früchtetees oder Wasser. Wichtig ist auch, das Fläschchen nur zum Trinken und nicht zum Dauernuckeln zu geben.

    Eine Möglichkeit, die Zähne zusätzlich zu stärken, ist die Aufnahme von Fluorid etwa über fluoridhaltiges Speisesalz.

    Was ist beim Zähneputzen wichtig?

    Zähneputzen verringert den Zahnbelag und sorgt dafür, dass die Zähne sauber aussehen und sich auch so anfühlen. Vor allem fluoridhaltige Zahnpasta hilft, Karies vorzubeugen: Beim Putzen nehmen die Zähne das Fluorid aus der Zahnpasta auf und werden dadurch widerstandsfähiger.

    Es ist nachgewiesen, dass tägliches Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta Kinder und Jugendliche vor Karies schützen kann. Kinder brauchen beim Zähneputzen Anleitung durch Erwachsene, kleinere Kinder auch praktische Unterstützung. Auch wenn Kindergartenkinder sich schon selbst die Zähne putzen, ist es meist noch nötig, dass ein Erwachsener nachputzt. Wer hierbei unsicher ist, kann sich in der Zahnarztpraxis praktische Hilfe holen. Ganz allein kommen Kinder mit dem Zähneputzen in der Regel erst im Grundschulalter zurecht, wenn sie flüssig schreiben können. Wichtig ist, die Zähne gründlich und zugleich so vorsichtig zu putzen, dass das Zahnfleisch unversehrt bleibt.

    Zahnpasta

    Wenn der erste Milchzahn durchbricht, wird es Zeit, mit dem Zähneputzen zu beginnen. Die folgenden Empfehlungen zur Anwendung von fluoridhaltiger Zahnpasta gelten für Kinder, die keine Fluoridtabletten nehmen. Denn Kinder sollten nur eines von beidem machen: entweder Fluoridtabletten einnehmen oder mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen. Wer seinem Kind Fluoridtabletten gibt, sollte die Zähne mit fluoridfreier Zahnpasta putzen.

    Je nach Alter des Kindes werden unterschiedliche Dosierungen empfohlen: Viele Zahnärztinnen und Zahnärzte raten zu Zahnpasta, die 0,1 % Fluorid enthält. Auf der Packung ist diese Menge oft auch mit „1000 ppm“ (parts per million) angegeben. Für Kleinkinder kommt auch Zahnpasta mit 500 ppm Fluorid infrage (0,05 %), von der dann eine etwas größere Menge verwendet wird. Es gelten folgende Empfehlungen für die Anwendung von Kinderzahnpasta (zweimal täglich):

     

    Alter des Kindes Fluoridgehalt der Zahnpasta Menge
    Ab Durchbruch des ersten Milchzahns bis zum 2. Geburtstag 500 ppm erbsengroß
    alternativ
    1000 ppm reiskorngroß
    Vom 2. bis zum 6. Geburtstag 1000 ppm erbsengroß

    Ältere Kinder und Jugendliche können die Zähne wie Erwachsene putzen.

    Der Grund für die unterschiedliche Dosierung sind die möglichen Nebenwirkungen: Zu viel Fluorid kann dazu führen, dass sich bei der Entwicklung der Zähne auf den Zähnen weißliche Flecken oder Streifen bilden. Meist hat dies keine weiteren Folgen. Selten beeinträchtigt zu viel Fluorid jedoch die Entwicklung des Zahnschmelzes und macht ihn anfälliger für Karies. Weißliche Flecken können aber auch ein erster Hinweis auf Karies sein.

    Besonders bei kleinen Kindern ist es wichtig, das Fluorid richtig zu dosieren. Kleinkinder verschlucken häufig Zahnpasta. Deshalb ist es ratsam, auf zusätzliche Fluoridtabletten zu verzichten, wenn mit fluoridhaltiger Zahnpasta geputzt und im Haushalt fluoridhaltiges Speisesalz verwendet wird.

    Zahnseide, Zahnzwischenraum-Bürstchen und Mundspülung

    Um Zahnfleischentzündungen vorzubeugen, kann es sinnvoll sein, Ablagerungen zwischen den Zähnen mit Zahnseide, einem Zahnzwischenraum-Bürstchen (Interdentalbürstchen), Zahnhölzern oder -sticks zu entfernen. Ob dies auch Karies vorbeugen kann, ist nicht erwiesen. Wichtig ist, die Ablagerungen vorsichtig zu entfernen, da man mit Zahnseide, Bürstchen und Sticks leicht das Zahnfleisch verletzen kann.

    Andere weit verbreitete Zahnpflegeprodukte sind Mundspülungen. Manche Produkte enthalten Fluorid. Auch regelmäßiges Spülen mit fluoridhaltigem Mundspülungen kann vorbeugend wirken.

    Zahnzwischenraum-Bürstchen, Mundspülungen und Zahnsticks kommen allerdings erst für ältere Kinder und Jugendliche infrage. Für kleinere Kinder ist ihre Anwendung noch zu schwierig und sie könnten Mundspülungen verschlucken.

    Fluorid für Kleinkinder: In welcher Form?

    In Deutschland gibt es unterschiedliche Empfehlungen zur Kariesprophylaxe bei Kleinkindern:

    • Zahnärztinnen und -ärzte raten, den Kleinen schon ab Durchbruch des ersten Milchzahns die Zähne mit fluoridhaltiger Zahnpasta zu putzen. Wer dabei nur die empfohlene Menge Zahnpasta verwendet, muss sich keine Sorgen machen, wenn das Kind die Zahnpasta hin und wieder verschluckt.
    • Kinderärztinnen und -ärzte empfehlen, Kleinkindern zunächst täglich Fluorid als Tablette oder Tropfen zu geben und die Zähne nur mit etwas fluoridfreier Zahnpasta zu putzen.

    Fluoridtabletten für Kleinkinder enthalten eine feste Dosis Fluorid (0,25 mg). Kinderärztinnen und Kinderärzte vertreten die Meinung, dass Fluorid-Tabletten gegenüber Zahnpasta im Kleinkindalter den Vorteil haben, dass sich die tägliche Fluorid-Dosis besser steuern lässt. Die Tablette wird am besten gelutscht, damit das Fluorid auch an der Zahnoberfläche einwirken kann.

    Sobald die Kleinen sich gut die Zähne putzen lassen und die Zahnpasta ausspucken, kann womöglich auf die Tabletten verzichtet und auf fluoridhaltige Zahnpasta umgestiegen werden. Meist gelingt dies im Alter zwischen 2 und 4 Jahren.

    Was kann man von Fluoridlack und Fluoridgel erwarten?

    Um Karies vorzubeugen, kann Fluorid auch als Lack oder Gel direkt auf die Zähne aufgetragen werden. Fluoridgel kann man rezeptfrei in der Apotheke kaufen und zu Hause auftragen. Die meisten Fluoridgele werden einmal wöchentlich angewendet – wie genau und ab welchem Alter sie geeignet sind, lässt sich der Packungsbeilage entnehmen. Sie sollen ein paar Minuten einwirken und werden dann wieder ausgespuckt. Fluoridlack enthält höher konzentriertes Fluorid. Er wird von einer Zahnärztin, einem Zahnarzt oder durch eine Fachkraft aufgetragen und härtet durch den Kontakt mit dem Speichel sofort aus. Dies ist besonders für Kleinkinder von Vorteil, weil sie den Lack nicht ausspucken müssen. Lacke oder Gele ersetzen allerdings weder das Zähneputzen noch eine zahnfreundliche Ernährung.

    Studien weisen darauf hin, dass Fluoridlack die Milchzähne vor Karies schützen kann im Vergleich zu einer üblichen Versorgung ohne spezielle Fluoridierung. Auch die bleibenden Zähne können von einer Fluoridierung mit Lack oder Gel profitieren.

    Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Fluoridierung mit Lack

    • vom 6. Lebensmonat bis zum 6. Geburtstag viermal pro Jahr und
    • vom 6. bis zum 18. Geburtstag zweimal pro Jahr, bei hohem Kariesrisiko weiterhin viermal pro Jahr.

    Bis zu einem Alter von 12 Jahren können Kinder im Kindergarten und in der Schule an einer Gruppenprophylaxe teilnehmen: Dazu kommt etwa zweimal pro Jahr eine Zahnärztin oder ein Zahnarzt, kontrolliert die Zähne, die Mundhöhle und die Gebissentwicklung der Kinder und bietet die Härtung des Zahnschmelzes mit Fluoridlack an. Für die Fluoridierung müssen die Eltern zustimmen. Die Behandlung ist kostenlos. Wenn ein Kind bereits beim Zahnarzt oder einer Zahnärztin regelmäßig mit Fluoridlack behandelt wird, ist dies im Rahmen einer Gruppenprophylaxe eventuell nicht nötig. Dies gilt auch umgekehrt.

    Was ist eine Fissurenversiegelung und wann kommt sie infrage?

    Karies bedroht bei Kindern vor allem die Backenzähne. Bakterien können sich in den Vertiefungen, den Furchen oder Grübchen der Zähne festsetzen. Bei Kindern, die anfällige Zähne haben, kann die Zahnärztin oder der Zahnarzt die großen Backenzähne mit Kunststoff versiegeln, damit sich dort keine Bakterien ansiedeln. Diese Versiegelung ist schmerzlos, dauert nur wenige Minuten und kann das Kariesrisiko senken. Versiegelungen halten meist mehrere Jahre. Bei Kontrolluntersuchungen wird überprüft, ob sie noch intakt sind. Wenn bei 6- bis 17-jährigen Kindern und Jugendlichen bleibende große Backenzähne (Molaren) behandelt werden, übernehmen die Krankenkassen die Kosten.

    Wie oft zur zahnärztlichen Kontrolluntersuchung?

    Gesetzlich krankenversicherte Kinder haben von klein an einen Anspruch auf zahnärztliche Kontrolluntersuchungen. In der Zeit vom 6. Lebensmonat bis zum 6. Geburtstag werden insgesamt sechs zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen angeboten. Auch danach ist es sinnvoll, die Zähne eines Kindes alle sechs Monate kontrollieren zu lassen.

    Falls bei den Kinderuntersuchungen U5, U6 und U7 Auffälligkeiten an den Zähnen oder der Mundschleimhaut entdeckt werden, können auch diese mit einer Zahnärztin oder einem Zahnarzt abgeklärt werden.

    Manche Experten gehen davon aus, dass durch regelmäßige zahnärztliche Untersuchungen Zahnprobleme früher erkannt und behandelt werden können. Sie sollen zudem Kindern und Jugendlichen dabei helfen, besser auf ihre Zähne und ihr Zahnfleisch zu achten. Bisher hat aber keine Studie gezeigt, dass es für die Zahngesundheit allgemein besser ist, alle sechs Monate zur Untersuchung zu gehen.

    Quellen

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    Ahovuo-Saloranta A, Forss H, Walsh T, Nordblad A, Mäkelä M, Worthington HV. Pit and fissure sealants for preventing dental decay in permanent teeth. Cochrane Database Syst Rev 2017; (7): CD001830.

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    Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). S2k-Leitlinie: Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe. AWMF-Registernr.: 083-001.

    Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ), Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). S2k-Leitlinie: Kariesprophylaxe bei bleibenden Zähnen - grundlegende Empfehlungen. AWMF-Registernr.: 083-021. 06.2016.

    Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Beschluss des G-BA über die Richtlinien des Bundesausschusses der Zahnärzte und Krankenkassen über die Früherkennungsuntersuchungen auf Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten (zahnärztliche Früherkennung gemäß § 26 Absatz 1 Satz 2 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch – SGB V): Neufassung. 17.01.2019.

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