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Zahn- und Kieferfehlstellungen

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    Ist das Gebiss deutlich anders geformt als bei den meisten anderen, spricht man von Zahn- oder Kieferfehlstellungen. Um sie zu korrigieren, werden oft herausnehmbare oder festsitzende Zahnspangen eingesetzt. Vor allem Jugendliche tragen sie, da sich ihr Gebiss im Wachstum noch formen lässt.

    Einleitung

    Das Gebiss sieht bei jedem Menschen etwas unterschiedlich aus. Ist es aber deutlich anders geformt als bei den meisten anderen, spricht man von Zahn- oder Kieferfehlstellungen. Manchmal geht es dabei nur um einen einzelnen Zahn, manchmal um mehrere Zähne oder die Stellung der Kieferknochen.

    Stark ausgeprägte Fehlstellungen können zu Beschwerden beim Kauen, Sprechen und Atmen führen, aber auch psychisch belasten. Außerdem können sie Zahnfleischentzündungen und Karies begünstigen.

    Um eine Zahn- und Kieferfehlstellung zu korrigieren, werden oft herausnehmbare oder festsitzende Zahnspangen eingesetzt. Sie werden vor allem von Jugendlichen getragen, weil sich das Gebiss im Wachstum noch formen lässt.

    Symptome

    Zahn- oder Kieferfehlstellungen können ganz unterschiedliche Beschwerden auslösen – oder auch gar keine. Dies hängt von der Art der Fehlstellung ab und davon, wie stark sie ausgeprägt ist.

    Starke Fehlstellungen können zum Beispiel beim Essen, Trinken oder Sprechen stören oder zu Problemen beim Atmen führen. Manchmal drücken Zähne bei geschlossenem Mund in das gegenüberliegende Zahnfleisch oder in die Lippen und verursachen Schmerzen. Die Zähne können sich lockern, es kann zu Karies kommen und die Zähne können zum Beispiel bei einem Unfall leichter beschädigt werden. Mit der Zeit können auch die Kiefergelenke schmerzen und sich die Kiefermuskulatur verspannen.

    Zahn- und Kieferfehlstellungen belasten oft auch psychisch – besonders, wenn Kinder und Jugendliche deshalb gehänselt werden. Viele fühlen sich wegen einer Fehlstellung des Gebisses unsicher oder weniger attraktiv – besonders, wenn damit ein Sprachfehler verbunden ist – und scheuen den Kontakt zu anderen. Die psychische Belastung hängt aber nicht nur damit zusammen, wie ausgeprägt die Fehlstellung ist. Auch wie man persönlich damit umgeht, spielt eine Rolle.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Ursachen für Zahn- und Kieferfehlstellungen können eine gestörte Entwicklung und Lage einzelner Zähne oder der Kieferknochen sein – aber auch die der Zunge, Lippen, Wangen und des Muskelgewebes. Dabei spielt die Vererbung eine Rolle. Auch Zahnausfall, ein vorzeitiger Verlust der Milchzähne, eine Verletzung oder Erkrankungen des Knochens können dazu führen, dass sich Zähne verschieben oder sich das Gebiss nicht normal entwickelt.

    Bestimmte Angewohnheiten gelten als Risikofaktoren: Dass Babys und Kleinkinder an einem Schnuller, dem Daumen oder einem Finger lutschen, ist normal. Wenn Kinder mit etwa drei Jahren nicht damit aufhören, kann das Nuckeln jedoch das Risiko für Zahn- und Kieferfehlstellungen erhöhen. Ein weiterer Risikofaktor ist, wenn Kinder nur durch den Mund atmen – zum Beispiel, weil eine vergrößerte Rachenmandel die Nasenatmung behindert.

    Häufigkeit und Verlauf

    Zahn- und Kieferfehlstellungen sind häufig. Schätzungsweise wird mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland deswegen behandelt.

    Die Milchzähne werden bei älteren Kindern durch die bleibenden Zähne ersetzt, und die Kieferknochen können bis zum Ende der Pubertät noch wachsen. Deshalb kann sich eine Zahn- und Kieferfehlstellung noch bessern, aber auch verstärken, bis das Wachstum abgeschlossen ist. Doch auch bei Erwachsenen kann sich die Zahnstellung noch verändern, etwa durch Zähneknirschen oder den Verlust von Zähnen.

    Folgen

    Vor allem bei stark vorstehenden oberen Schneidezähnen besteht ein erhöhtes Risiko, dass die Zähne beschädigt werden, etwa bei einem Unfall. Bei anderen Fehlstellungen können die Kiefergelenke schmerzen, knacken oder nur eingeschränkt beweglich (blockiert) sein, sodass sich der Mund zum Beispiel nicht mehr weit öffnen lässt.

    Durch Ausgleichsbewegungen und Zähneknirschen können sich die Zähne gegenseitig abschleifen. Weil sich bei manchen Fehlstellungen einzelne oder mehrere Zähne nur schwer putzen lassen, gelten auch Karies und Zahnfleischentzündungen als mögliche Folgen.

    Diagnose

    Eltern fällt häufig selber auf, dass ihr Kind eine Zahn- oder Kieferfehlstellung hat. Manchmal ergibt sich aber auch bei einer ärztlichen oder zahnärztlichen Untersuchung ein Verdacht. Um festzustellen, ob eine Zahn- und Kieferfehlstellung behandlungsbedürftig ist, wird das Kind meist an eine Kieferorthopädin oder einen Kieferorthopäden überwiesen. Sie oder er schaut sich die Zähne und den Mund an und untersucht auch den Rest des Kopfes. Dabei fragt sie oder er nach möglichen Ursachen und achtet auf Auffälligkeiten beim Öffnen und Schließen des Mundes.

    Als weitere Schritte werden in der Regel Röntgenaufnahmen gemacht und Abdrücke genommen. Dazu muss das Kind nacheinander auf zwei mit weicher Kunststoffmasse gefüllte Schälchen beißen. Das kann unangenehm sein und einen Würgereiz auslösen. Die Masse erstarrt aber nach etwa einer halben Minute und kann anschließend aus dem Mund genommen werden. Aus den Abdrücken wird ein Modell des Gebisses hergestellt, das zur Planung der Behandlung genutzt werden kann. Inzwischen wird manchmal auch ein Abdruck per Computer angeboten. Dafür werden die Zähne gescannt und anschließend das Gebissmodell digital hergestellt.

    Manchmal sind auch Besuche bei anderen Fachleuten nötig: Wenn zum Beispiel zusätzlich die Atemwege verengt sind, ist eine ärztliche Untersuchung in einer Praxis für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde sinnvoll.

    Vorbeugung

    Kleineren Kindern kann man versuchen, ungünstige Angewohnheiten abzugewöhnen: Manche Kinder lutschen zum Beispiel seltener am Daumen, wenn auf ihm ein Gesicht aufgemalt oder eine schlecht schmeckende Tinktur aufgetragen ist. Ein Schnuller kann nach zahnärztlicher Untersuchung und Beratung durch eine sogenannte Mundvorhofplatte ersetzt werden. Unter Umständen werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen. Die Mundhofvorhofplatte ähnelt außen einem Schnuller, liegt aber innen wie eine Blende nur zwischen Zähnen und Lippen. Außerdem ist die Pflege der Milchzähne wichtig, damit sie lange genug als Platzhalter im Gebiss bleiben.

    Behandlung

    In der Regel werden Fehlstellungen mit einer kieferorthopädischen Behandlung korrigiert. Dazu gehört vor allem das Tragen einer festsitzenden oder herausnehmbaren Zahnspange. Manchmal werden auch beide Spangenarten miteinander kombiniert: Dann trägt man zum Beispiel zunächst eine herausnehmbare Spange und danach eine festsitzende. Die Behandlung soll die Stellung der Zähne korrigieren und den Ober- und Unterkiefer in ein harmonischeres Verhältnis bringen.

    Normalerweise wird zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr behandelt. Die Milchzähne sind dann bereits bleibenden Zähnen gewichen, die Kieferknochen aber noch formbar. Manchmal werden auch Kinder im Alter von 6 bis 8 Jahren behandelt (sogenannte Frühbehandlung).

    Das Tragen einer festsitzenden oder herausnehmbaren Spange wird als „aktive Behandlungsphase“ bezeichnet. Sie dauert etwa zwei Jahre. An die aktive Behandlungsphase schließt sich eine Erhaltungsphase (Retention) an, um zu verhindern, dass die Zähne „zurückwandern“. Dafür werden sogenannte Retainer (englisch to retain = halten, sichern) eingesetzt,  zum Beispiel ein kleiner Draht, der hinter den Schneidezähnen befestigt wird. Meist dauern aktive Behandlungsphase und Erhaltungsphase zusammen etwa 3 bis 4 Jahre. Ob eine längere Erhaltungsphase empfohlen wird, hängt von der vorherigen Fehlstellung ab.

    Eine kieferorthopädische Behandlung wird in erster Linie durchgeführt, wenn die Fehlstellungen ein gewisses Maß überschreiten – zum Beispiel, wenn die oberen Schneidezähne die unteren um mehr als 3 Millimeter überragen oder wenn seitliche Zähne aneinander vorbeibeißen. Aber auch, wenn die Fehlstellungen weniger ausgeprägt sind, kann eine Behandlung aus kosmetischen Gründen erwünscht sein. Ob kieferorthopädische Behandlungen so häufig nötig sind, wie sie heute empfohlen werden, ist unklar. Es fehlen Studien, die zum Beispiel genau zeigen, wen sie vor späteren Zahnproblemen und anderen gesundheitlichen Beschwerden schützen und bei wem sie einfach das Aussehen verbessern.

    Kleine Kinder und Erwachsene werden selten behandelt. Wenn doch, dann meist wegen einer schweren Fehlstellung, zum Beispiel angeborenen Fehlbildungen wie einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Dann ist in der Regel ein operativer Eingriff nötig, manchmal auch in Kombination mit einer Zahnspange. Auf solche schweren Fehlstellungen wird hier nicht eingegangen.

    Weitere Informationen

    Eine Zahnspange kann helfen, eine Fehlstellung und damit verbundene Beschwerden in den Griff zu bekommen. Aber die Behandlung kann auch belasten: Zu Beginn kann das Tragen einer Spange mit Schmerzen verbunden sein, da sie an den Zähnen zieht. Kinder und Jugendliche mit festsitzenden Zahnspangen müssen außerdem beim Essen achtsam sein: Einen Apfel schneidet man zum Beispiel besser in kleine Stücke, da sich beim Biss in einen ganzen Apfel die auf die Zähne geklebten Metallteile (Brackets) lösen können. Wer eine festsitzende Zahnspange trägt, verzichtet außerdem besser auf stark klebende Bonbons. Und auch wenn heute Zahnspangen mitunter als „cool“ gelten: Manchen Kindern und Jugendlichen sind sie peinlich, vor allem beim Essen – oder sie sorgen sich, die Spange dabei zu beschädigen.

    Die Therapie setzt voraus, dass Kinder und Jugendliche mitmachen – das bedeutet, die Zähne und die Zahnspange zu pflegen und herausnehmbare Zahnspangen konsequent zu tragen. Wenn einem Kind bei den Kontrollterminen gezeigt wird, wie sehr sich sein Gebiss schon verbessert hat, kann es das motivieren, weiter am Ball zu bleiben.

    Wenn Fehlstellungen ein bestimmtes Ausmaß erreichen, werden in Deutschland die Kosten bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren von den Krankenkassen übernommen. Man muss jedoch zunächst einen Eigenanteil übernehmen, der vollständig erstattet wird, wenn die Therapie wie geplant zu Ende geführt wurde. Eine Behandlung kann aber durch Kosten für Zusatzleistungen finanziell belasten, etwa für unauffälligere Zahnspangen-Drähte oder Zahnspangen aus buntem oder glitzerndem Kunststoff. Die Therapie einer gering ausgeprägten Fehlstellung gilt als kosmetische Korrektur und muss vollständig selbst bezahlt werden.

    Viele Menschen gehen außer wegen akuter Schmerzen auch regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen zur Zahnärztin oder zum Zahnarzt. Wir informieren darüber, wie man die richtige Zahnarztpraxis findet, wie sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig.

    Quellen

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Wie sehen Zahn- und Kieferfehlstellungen aus?

    Bei einer Zahn- oder Kieferfehlstellung ist das Gebiss eines Menschen anders geformt als bei den meisten anderen. Solche Fehlstellungen können dazu führen, dass das Gebiss schlechter funktioniert oder anfälliger für Schäden ist.

    In der Werbung, im Film oder in den sozialen Medien wird viel Wert auf ein makelloses Aussehen gelegt. Dabei spielen nicht zuletzt die Zähne eine Rolle: Sie sollen strahlend weiß und ebenmäßig sein und das „perfekte Lächeln“ formen. Nur die wenigsten Menschen haben solche Zähne. Ein ganz normales Gebiss entspricht diesem Schönheitsideal also meistens nicht, ist aber trotzdem gesund und funktioniert einwandfrei.

    Das Gebiss sieht zwar bei jedem Menschen etwas anders aus – bei manchen weicht es jedoch stärker von einem normalen Gebiss ab. Dabei kann ein einzelner Zahn betroffen sein, manchmal auch mehrere Zähne, oder Ober- und Unterkiefer passen nicht richtig zusammen. Man fasst diese Abweichungen als Zahn- und Kieferfehlstellungen zusammen.

    Solche Fehlstellungen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Manche sehen nur ungewöhnlich aus und können dazu führen, dass sich ein Mensch schämt und seine Zähne nur ungern zeigt. Schwerere Formen können beim Essen, Sprechen oder Atmen stören und das Risiko für Schäden an Zähnen, Zahnfleisch oder Kiefergelenken erhöhen.

    Bei einer Zahn- oder Kieferfehlstellung ist das Gebiss eines Menschen anders geformt als bei den meisten anderen. Solche Fehlstellungen können dazu führen, dass das Gebiss schlechter funktioniert oder anfälliger für Schäden ist.

    In der Werbung, im Film oder in den sozialen Medien wird viel Wert auf ein makelloses Aussehen gelegt. Dabei spielen nicht zuletzt die Zähne eine Rolle: Sie sollen strahlend weiß und ebenmäßig sein und das „perfekte Lächeln“ formen. Nur die wenigsten Menschen haben solche Zähne. Ein ganz normales Gebiss entspricht diesem Schönheitsideal also meistens nicht, ist aber trotzdem gesund und funktioniert einwandfrei.

    Das Gebiss sieht zwar bei jedem Menschen etwas anders aus – bei manchen weicht es jedoch stärker von einem normalen Gebiss ab. Dabei kann ein einzelner Zahn betroffen sein, manchmal auch mehrere Zähne, oder Ober- und Unterkiefer passen nicht richtig zusammen. Man fasst diese Abweichungen als Zahn- und Kieferfehlstellungen zusammen.

    Solche Fehlstellungen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Manche sehen nur ungewöhnlich aus und können dazu führen, dass sich ein Mensch schämt und seine Zähne nur ungern zeigt. Schwerere Formen können beim Essen, Sprechen oder Atmen stören und das Risiko für Schäden an Zähnen, Zahnfleisch oder Kiefergelenken erhöhen.

    Wie sieht ein normales Gebiss aus?

    Die Zähne sind in kleinen Mulden in den Kieferknochen, den Zahnfächern (Alveolen), fest verankert. Sie sind im Halbkreis angeordnet, sodass die Zähne im Ober- und Unterkiefer jeweils einen Bogen bilden.

    Schließt man den Mund, legen sich die beiden Zahnbögen passend aufeinander – sie „verzahnen“ buchstäblich: Die Backenzähne haben breite Kauflächen mit erhabenen Höckern und kleinen Vertiefungen. Beim Zusammenbeißen legen sich die Höcker der oberen Zähne in Vertiefungen der unteren – und umgekehrt.

    Im vorderen Gebiss haben die Zähne keine Kauflächen: Die Eckzähne enden spitz, die Schneidezähne haben eine schmale Kante. Beim Zubeißen schieben sich die unteren Schneidezähne an die Rückseiten der oberen Schneidezähne. Diese normale Zahnstellung beim Zubeißen bezeichnen Fachleute als Neutralbiss.

    Grafik: Beim normalen Gebiss greifen die Zähne leicht versetzt ineinander Beim normalen Gebiss greifen die Zähne leicht versetzt ineinander

    Welche Zahn- und Kieferfehlstellungen gibt es?

    Eine Fehlstellung kann einen einzelnen Zahn oder den gesamten Kiefer betreffen.

    Ein einzelner Zahn kann zum Beispiel

    • schräg stehen,
    • zur Wange oder Zunge hin gekippt sein,
    • außerhalb der Zahnreihe stehen,
    • im Knochen verbleiben (sogenannte Verlagerung oder Retention) oder
    • ganz fehlen.

    Solche Fehlstellungen können auch an mehreren Stellen im Gebiss auftreten. Mehrere Zähne können verschoben oder schief sein, wenn im Kiefer zu wenig Platz ist – zum Beispiel, weil zu viele Zähne angelegt sind oder der Kieferknochen zu klein ist. Bei zu viel Platz – etwa, weil Zähne fehlen – können die Abstände zwischen den Zähnen zu groß sein, sodass Zahnlücken entstehen.

    Oft weichen auch die Stellung und die Größenverhältnisse von Ober- zu Unterkiefer vom normalen Gebiss ab. Häufige Beispiele sind:

    • Überbiss (Distalbiss)
    • Unterbiss (auch Vorbiss oder Mesialbiss)
    • offener Biss
    • Kreuzbiss

    Außerdem können die beiden Kieferknochen gegeneinander verdreht oder seitlich verschoben sein (Laterognathie).  Zahn- und Kieferfehlstellungen kommen auch bei schweren Fehlbildungen vor, etwa bei der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte.

    Wie sieht ein Überbiss aus?

    Dass die oberen Schneidezähne die unteren leicht überragen, ist normal. Man spricht meist erst von einem Überbiss oder Distalbiss, wenn die oberen und unteren Schneidezähne mehr als drei Millimeter voneinander abstehen. Dies fällt auf, wenn man die Zähne von der Seite betrachtet. Der Oberkiefer reicht dann zu weit nach vorne oder – was häufiger vorkommt – der Unterkiefer liegt zu weit hinten.

    Die oberen Schneidezähne können bei einem Überbiss schräg nach vorne stehen und manchmal über die Unterlippe hinausragen. Sie können aber auch gerade gewachsen sein, oder leicht nach hinten in Richtung Gaumen zeigen. Von vorn betrachtet überdecken sie die unteren Schneidezähne dann oft komplett – diese Sonderform des Überbisses wird als „Deckbiss“ bezeichnet. Bei einem „Tiefbiss“ reichen sie so weit nach unten, dass sie das Zahnfleisch am Unterkiefer erreichen.

    Ein Überbiss beschränkt sich nicht nur auf die vorderen Zähne. Auch die oberen Backenzähne treffen beim Zubeißen etwas weiter vorne auf die unteren Backenzähne. Die Zahnhöcker fügen sich dann in weiter vorn liegende Vertiefungen. Es kann auch vorkommen, dass die Höcker des oberen und des unteren Zahnbogens genau aufeinanderstoßen. Dann spricht man von einem „Kopfbiss“ im Bereich der Backenzähne.

    Grafik: Überbiss mit vorstehenden oberen Schneidezähnen Überbiss mit vorstehenden oberen Schneidezähnen

    Was ist ein Unter- oder Vorbiss?

    Den Unter- oder Vorbiss, auch Mesialbiss genannt, kann man sich als Gegenteil vom Überbiss vorstellen: Die unteren Schneidezähne stehen zu weit vorn. Wenn man den Mund schließt, stoßen ihre Kanten auf die Kanten der oberen Schneidezähne (Kopfbiss im Bereich der Schneidezähne). Bei stark ausgeprägtem Unterbiss können sich die unteren Schneidezähne beim Zubeißen sogar vor die oberen schieben.

    Meist ist ein vorstehender Unterkiefer die Ursache. Ein Unterbiss kann aber auch dadurch entstehen, dass die oberen Schneidezähne stark zum Gaumen hin geneigt sind oder die unteren Schneidezähne schräg nach vorne abstehen.

    Wie beim Überbiss ist auch die Position der Backenzähne wichtig: Beim Unterbiss treffen die oberen Backenzähne beim Zubeißen etwas weiter hinten auf die unteren Backenzähne. Die Zahnhöcker fügen sich dann in weiter hinten liegende Vertiefungen ein oder treffen – bei einem zusätzlichen Kopfbiss – genau aufeinander.

    Grafik: Unterbiss mit vorstehenden unteren Schneidezähnen Unterbiss mit vorstehenden unteren Schneidezähnen

    Was bedeutet „offener Biss“?

    Wenn man zubeißt, verschließen die beiden Zahnbögen normalerweise die Mundhöhle. Beim offenen Biss bleibt jedoch etwas Platz zwischen den oberen und unteren Zähnen. Die offene Stelle befindet sich oft im Bereich der Schneidezähne (vorderer oder anterior offener Biss). Sie kann aber auch im seitlichen oder hinteren Bereich des Gebisses liegen (hinterer oder posterior offener Biss). Ein offener Biss kann die Folge von häufigem Daumenlutschen sein. Auch Fehlbildungen des Kieferknochens oder die Größe und Lage der Zunge kommen als Ursachen infrage.

    Grafik: Vorderer offener Biss Vorderer offener Biss

    Was ist ein Kreuzbiss?

    Beim Kreuzbiss sind ein oder mehrere obere Seitenzähne nach innen – also in Richtung Zunge – versetzt.

    Wenn beim Zubeißen dadurch die oberen auf die unteren Zahnhöcker stoßen, spricht man von einem Kopfbiss. Wenn die Zähne noch stärker von der normalen Position abweichen, beißen sie ganz aneinander vorbei. Solch ein Kreuzbiss ist einseitig oder beidseitig möglich. Ursachen können Fehlstellungen einzelner Zähne sein, oder die Kieferknochen passen in Form und Größe nicht richtig zusammen.

    Grafik: Beidseitiger Kreuzbiss – die hinteren Zähne beißen aneinander vorbei Beidseitiger Kreuzbiss – die hinteren Zähne beißen aneinander vorbei

    Quellen

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Behandlung mit festsitzender Zahnspange

    Zahnspangen sollen die Stellung einzelner Zähne und des Ober- und Unterkiefers zueinander verbessern. Eine festsitzende Zahnspange bleibt bis zum Behandlungsende ständig im Mund. Eine gute Zahnpflege ist dann besonders wichtig.

    Schätzungsweise mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland wird wegen einer Zahn- und Kieferfehlstellung behandelt. Ihr Gebiss wird in der Regel entweder mithilfe einer festsitzenden oder einer herausnehmbaren Zahnspange korrigiert. Festsitzende Zahnspangen werden meist als „feste“ Zahnspangen bezeichnet, herausnehmbare Zahnspangen häufig als „lose“ Zahnspangen. Manchmal werden auch beide Spangenformen kombiniert – dann wird zum Beispiel zuerst eine herausnehmbare und danach noch einige Zeit eine festsitzende Zahnspange getragen.

    An die aktive Behandlungsphase mit einer Zahnspange schließt sich eine Erhaltungsphase (Retention) an, um zu verhindern, dass die Zähne in ihre alte Position zurückwandern.

    Zahnspangen sollen die Stellung einzelner Zähne und des Ober- und Unterkiefers zueinander verbessern. Eine festsitzende Zahnspange bleibt bis zum Behandlungsende ständig im Mund. Eine gute Zahnpflege ist dann besonders wichtig.

    Schätzungsweise mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland wird wegen einer Zahn- und Kieferfehlstellung behandelt. Ihr Gebiss wird in der Regel entweder mithilfe einer festsitzenden oder einer herausnehmbaren Zahnspange korrigiert. Festsitzende Zahnspangen werden meist als „feste“ Zahnspangen bezeichnet, herausnehmbare Zahnspangen häufig als „lose“ Zahnspangen. Manchmal werden auch beide Spangenformen kombiniert – dann wird zum Beispiel zuerst eine herausnehmbare und danach noch einige Zeit eine festsitzende Zahnspange getragen.

    An die aktive Behandlungsphase mit einer Zahnspange schließt sich eine Erhaltungsphase (Retention) an, um zu verhindern, dass die Zähne in ihre alte Position zurückwandern.

    Wie funktionieren festsitzende Zahnspangen?

    Meist besteht eine festsitzende Zahnspange aus Bändern und Ösen aus Metall – den sogenannten Brackets – und einem Drahtbogen. Der Drahtbogen umläuft die Zahnreihe wie ein Geländer. Er wird von den Brackets gehalten, die von außen auf die Zähne geklebt sind. Seitlich kann er jeweils mit einem Metallband an einem oder mehreren Backenzähnen fixiert sein. Es gibt auch unauffälligere Spangenvarianten – zum Beispiel mit Keramik-Brackets.

    Der Drahtbogen zieht oder drückt die Zähne in die gewünschte Richtung. Dadurch passen sich die Kieferknochen und der Zahnhalteapparat allmählich an. Die Kieferorthopädin oder der Kieferorthopäde spannt den Draht in regelmäßigen Kontrollterminen nach oder tauscht ihn gegen einen neuen aus. So lässt sich zum Beispiel ein schiefer Zahn mit der Zeit begradigen.

    Der Zug oder Druck lässt sich verstärken, zum Beispiel durch zusätzliche Gummizüge. Gummizüge können sinnvoll sein, um einen nach hinten geneigten Zahn aufzurichten – oder um den Unterkiefer etwas nach vorne zu bringen. Die Gummizüge können die Kinder und Jugendlichen auch selbst zwischen zwei Brackets ein- und aushängen. Dabei können auch Brackets der oberen Zahnreihe mit den Brackets im Unterkiefer verbunden werden.

     

    Grafik: Eine festsitzende Zahnspange mit aufgeklebten Brackets Eine festsitzende Zahnspange mit aufgeklebten Brackets

    Was sind die Vorteile?

    Die Druck- und Zugkraft einer festsitzenden Zahnspange kann die Zähne gut in unterschiedliche Richtungen bewegen. Dadurch lässt sich das gesamte Gebiss verändern.

    Wer eine festsitzende Zahnspange hat, muss sich keine Gedanken darüber machen, ob und wie oft die Spange getragen werden sollte: Sie bleibt bis zum Ende der Behandlung im Mund. Sie kann auch nicht im Schlaf oder bei körperlicher Bewegung aus dem Mund rutschen.

    Was sind die Nachteile?

    Dass man die Spange nicht rausnehmen kann, kann manchmal auch ein Nachteil sein. Sie ist beim Lächeln immer sichtbar und lässt sich nicht für einen besonderen Anlass oder zum Beispiel für ein Foto kurz entfernen.

    Wenn die Spange neu eingesetzt wird oder die Drähte nachgespannt werden, kann das unangenehm oder schmerzhaft sein. Die Schmerzen lassen meist nach 24 Stunden oder spätestens nach einigen Tagen nach. Bei Bedarf kann man für kurze Zeit ein niedrig dosiertes Schmerzmittel einnehmen, um die Beschwerden lindern. Welches Schmerzmittel dafür geeignet ist, bespricht man am besten mit der Kieferorthopädin oder dem Kieferorthopäden.

    Wer eine festsitzende Zahnspange trägt, muss beim Essen aufpassen: Sehr harte Lebensmittel schneidet man besser in kleine Stücke, weil sie sonst die Spange beschädigen könnten. Speisereste können sich leichter in den Drähten festsetzen, vor allem zähe und klebrige Nahrungsmittel wie Karamell können schwer zu entfernen sein. Das erschwert die Zahnpflege, die bei einer festsitzenden Spange ohnehin aufwendig, aber sehr wichtig ist, damit sich das Risiko für Karies und Zahnfleischentzündungen nicht erhöht.

    Neben gründlichem Zähneputzen mit einer normalen oder elektrischen Zahnbürste sollten unbedingt auch die Zahnzwischenräume gereinigt werden, zum Beispiel mit sogenannten Interdentalbürsten oder spezieller Zahnseide. Darüber hinaus ist es wichtig, Kontrolltermine wahrzunehmen und bei der Behandlung mitzuarbeiten, etwa beim Einhängen von Gummizügen.

    Welche Besonderheiten sind möglich?

    Es gibt verschiedene Spezial-Modelle, die sich stärker von den üblichen festsitzenden Spangen unterscheiden: Bei manchen ist die Spange der oberen Zähne seitlich über ein Metallscharnier mit dem Unterkiefer verbunden. Damit kann man den Mund immer noch normal öffnen und schließen. Das Scharnier bringt aber einen zu weit zurückliegenden Unterkiefer allmählich nach vorne. Wenn der Oberkiefer insgesamt zu schmal ist, kann zwischen den Metallbändern ein Bogen am Gaumendach entlanglaufen, um den Oberkiefer zu erweitern.

    Wenn die Kräfte einer normalen Spange nicht ausreichen, kann Zugkraft von außen auf die Backenzähne übertragen werden. Dazu wird für mehrere Stunden täglich ein Gesichtsbogen (Headgear) aus Draht an den Metallbändern eingehängt, die an den Backenzähnen festgemacht sind. Er zieht von außen über die Wangen zum Hinterkopf oder Nacken und ist dort mit Gurten fixiert. Es gibt noch andere Geräte, die die Kieferstellung von außen beeinflussen, etwa die Kopf-Kinn-Kappe oder eine Gesichtsmaske.

    Manchmal sind auch operative Eingriffe nötig, zum Beispiel, wenn der Kiefer sehr eng ist. Dann werden zum Beispiel einzelne Zähne gezogen, um Platz zu schaffen. Die restlichen Zähne können sich dann mithilfe der Zahnspange harmonisch im Kiefer verteilen. Selten werden Spangen auch mit kleinen Schrauben (Implantaten) in den Kieferknochen verankert. Nach der Behandlung werden Spange und Schrauben wieder entfernt.

    Was ist eine Erhaltungsphase (Retentionsphase)?

    Wenn eine Fehlstellung korrigiert wurde, folgt im Anschluss eine Erhaltungsphase (Retentionsphase): Sogenannte Retainer sollen das erzielte Ergebnis nach der aktiven Behandlungsphase erhalten und verhindern, dass sich die Zähne in ihre ursprüngliche Position zurückbewegen. Dies würde ohne Erhaltungsphase wahrscheinlich geschehen. Im Gegensatz zu Zahnspangen üben Retainer keine Kraft auf die Zähne aus: Sie sollen die Zähne lediglich in ihrer Position halten.

    Als festsitzende Retainer werden meist Drähte verwendet, die mit Kunststoff auf der Rückseite der Zähne befestigt werden und mehrere Jahre im Mund bleiben. Es gibt Modelle nur für die Schneidezähne und solche, die auch die Backenzähne einbeziehen. Als herausnehmbare Retainer können zum Beispiel Platten-Retainer verwendet werden, die wie eine herausnehmbare Zahnspange aussehen und nachts getragen werden.

    Wie lange eine Erhaltungstherapie sinnvoll ist und welcher Retainer sich eignet, bespricht man am besten mit seiner Kieferorthopädin oder seinem Kieferorthopäden. Dies gilt auch für die Frage, ob eher ein festsitzender oder herausnehmbarer Retainer infrage kommt.

    Quellen

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    Mehr Wissen: Behandlung mit herausnehmbarer Zahnspange

    Zahn- und Kieferfehlstellungen können bei Kindern und Jugendlichen mit einer Zahnspange korrigiert werden. Herausnehmbare Zahnspangen hat man im Gegensatz zu festsitzenden Spangen nicht dauerhaft im Mund. Wichtig ist aber, die Spange ausreichend lange zu tragen.

    Wenn zum Beispiel Zähne schräg stehen oder Ober- und Unterkiefer nicht zueinander passen, kann das Gebiss korrigiert werden. Dazu beraten Kieferorthopädinnen oder -orthopäden. Ist eine Behandlung nötig oder aus optischen Gründen erwünscht, kommen in der Regel herausnehmbare oder festsitzende Zahnspangen infrage. Festsitzende Zahnspangen werden meist als „feste“ Zahnspangen bezeichnet, herausnehmbare Zahnspangen häufig als „lose“ Zahnspangen. Manche Kinder und Jugendliche tragen auch beide Spangenformen nacheinander.

    Damit die Spangen Zähne und Kiefer allmählich in die gewünschte Stellung bewegen können, üben die meisten Modelle Kraft auf das Gebiss aus: Sie drücken oder ziehen die Zähne in die gewünschte Richtung oder beeinflussen das Kieferwachstum.

    An die aktive Behandlungsphase mit einer Zahnspange schließt sich eine Erhaltungsphase (Retention) an, um zu verhindern, dass die Zähne in ihre alte Position zurückwandern.

    Zahn- und Kieferfehlstellungen können bei Kindern und Jugendlichen mit einer Zahnspange korrigiert werden. Herausnehmbare Zahnspangen hat man im Gegensatz zu festsitzenden Spangen nicht dauerhaft im Mund. Wichtig ist aber, die Spange ausreichend lange zu tragen.

    Wenn zum Beispiel Zähne schräg stehen oder Ober- und Unterkiefer nicht zueinander passen, kann das Gebiss korrigiert werden. Dazu beraten Kieferorthopädinnen oder -orthopäden. Ist eine Behandlung nötig oder aus optischen Gründen erwünscht, kommen in der Regel herausnehmbare oder festsitzende Zahnspangen infrage. Festsitzende Zahnspangen werden meist als „feste“ Zahnspangen bezeichnet, herausnehmbare Zahnspangen häufig als „lose“ Zahnspangen. Manche Kinder und Jugendliche tragen auch beide Spangenformen nacheinander.

    Damit die Spangen Zähne und Kiefer allmählich in die gewünschte Stellung bewegen können, üben die meisten Modelle Kraft auf das Gebiss aus: Sie drücken oder ziehen die Zähne in die gewünschte Richtung oder beeinflussen das Kieferwachstum.

    An die aktive Behandlungsphase mit einer Zahnspange schließt sich eine Erhaltungsphase (Retention) an, um zu verhindern, dass die Zähne in ihre alte Position zurückwandern.

    Wie funktionieren herausnehmbare Zahnspangen?

    Herausnehmbare Zahnspangen bestehen meist aus zwei Kunststoffplatten: einer eher schalenförmigen für den Oberkiefer und einer eher bogenförmigen für den Unterkiefer. Jede Zahnspange ist ein Einzelstück, das nur dem Menschen passt, für den es angefertigt wurde. Herausnehmbare Zahnspangen werden in den Mund eingesetzt und nachts sowie mehrere Stunden am Tag getragen. Zu den Mahlzeiten oder beim Sport kann man sie herausnehmen und in eine Aufbewahrungsbox legen. In die Kunststoffplatten sind schlaufen- oder bogenförmige Drähte eingelassen. Die Drähte werden über die Zähne geschoben und halten die Spange am Gebiss. Zusätzlich drücken sie an den Stellen auf die Zähne, an denen ihre Stellung korrigiert werden soll.

    Außerdem enthalten die Spangen oft Schrauben, mit denen sie sich in kleinen Stufen verbreitern lassen, wenn sich das Gebiss schon etwas verändert hat. Dadurch bleibt ihre Krafteinwirkung erhalten. Auf diese Weise können auch die Kieferknochen geformt und zum Beispiel ein zu enger Oberkiefer allmählich aufgedehnt werden. Die Schrauben können die Kinder und Jugendlichen oder ihre Eltern selbst zu Hause weiterdrehen. Dazu erhalten sie von der Ärztin oder dem Arzt die nötigen Hinweise. Manchmal wird die Spange aber auch bei den Kontrollterminen in der kieferorthopädischen Praxis nachgestellt.

    Grafik: Herausnehmbare Zahnspangen für den Ober- und Unterkiefer Herausnehmbare Zahnspangen für den Ober- und Unterkiefer

    Was sind Vorteile?

    Die Spange auch mal herausnehmen zu können, ist angenehm. Beim Essen ist dann alles wie immer und man muss nicht auf bestimmte Lebensmittel verzichten. Auch zum Zähneputzen wird die Spange herausgenommen – das heißt, die Zähne können wie gewohnt gereinigt werden. Allerdings muss auch die Spange täglich gründlich mit einer Zahnbürste geputzt werden. Zusätzlich kann man einen Zahnspangenreiniger verwenden. Es gibt ihn zum Beispiel als Pulver oder Brausetabletten, die man mit der Spange in eine Reinigungsbox oder in ein Glas geben kann.

    Was sind Nachteile?

    Auch herausnehmbare Zahnspangen können zu Beginn der Behandlung und nach dem Nachziehen der Schrauben Schmerzen verursachen. Sie schmerzen aber in der Regel weniger als festsitzende Spangen.

    Mit einer herausnehmbaren Spange zu sprechen, kann zunächst schwierig sein. Deshalb nehmen viele die Spange aus dem Mund, wenn sie viel reden müssen. Auch bei manchen Sportarten ist es besser, die Spange herauszunehmen. Ob dies notwendig ist, kann man mit der Kieferorthopädin oder dem Kieferorthopäden besprechen. Dass man die Spange rausnehmen kann, hat aber auch Tücken: Die Jugendlichen müssen selbst darauf achten, die Spange auch wirklich für die vorgeschriebene Zeit zu tragen. Klappt das nicht, kann sie das Gebiss nicht wie gewünscht korrigieren.

    Was sind funktionskieferorthopädische Spangen?

    Es gibt auch herausnehmbare Geräte, die keine direkte Kraft auf das Gebiss ausüben. Typische Beispiele sind der Bionator, der Aktivator oder der Fränkel-Funktionsregler. Sie werden als „funktionskieferorthopädische Geräte“ bezeichnet und bestehen aus einem Stück. Man kann sie sich ungefähr wie zwei zusammengeklebte herausnehmbare Zahnspangen vorstellen. Das Gerät liegt locker im Mund. Es ist aber so geformt, dass es beim Schließen des Mundes die Kieferbewegungen beeinflusst. Dadurch wird die Gesichts-, Kau- und Zungenmuskulatur trainiert oder aktiviert. Manche Geräte haben auch kleine Plättchen, mit denen die Lippen und Wangen von den Zähnen abgehalten werden. Die aktivierte Muskulatur und der veränderte Einfluss des weichen Gewebes auf das Gebiss sollen die Fehlstellung korrigieren. Sie werden zum Beispiel eingesetzt, um den Unterkiefer weiter nach vorn zu bringen.

    Grafik: Ein Bionator besteht aus einem Stück Ein Bionator besteht aus einem Stück

    Welche Sonderformen gibt es?

    Zahnfehlstellungen können auch mithilfe durchsichtiger Zahnschienen behandelt werden, sogenannten Alignern oder Responderschienen. Dafür werden auf einigen Zähnen sogenannte Attachments aufgeklebt. Auch Zahnschienen drücken die Zähne in die gewünschte Richtung. Da sich die Schienen nicht an die erreichten Veränderungen anpassen lassen, müssen sie bis zum Ende der Behandlung öfter ausgetauscht werden.

    Die Kosten für kieferorthopädische Behandlungen mit diesen Zahnschienen werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen und müssen deshalb selbst bezahlt werden.

    Was ist eine Erhaltungsphase (Retentionsphase)?

    Wenn eine Fehlstellung korrigiert wurde, folgt im Anschluss eine Erhaltungsphase (Retentionsphase): Sogenannte Retainer sollen das erzielte Ergebnis nach der aktiven Behandlung erhalten und verhindern, dass sich die Zähne in ihre ursprüngliche Position zurückbewegen. Dies würde ohne Erhaltungsphase wahrscheinlich geschehen. Im Gegensatz zu Zahnspangen üben Retainer keine Kraft auf die Zähne aus: Sie sollen die Zähne lediglich in ihrer Position halten.

    Als festsitzende Retainer werden meist Drähte verwendet, die mit Kunststoff auf der Rückseite der Zähne befestigt werden und mehrere Jahre im Mund bleiben. Es gibt Modelle nur für die Schneidezähne und solche, die auch die Backenzähne einbeziehen. Als herausnehmbare Retainer können zum Beispiel Platten-Retainer verwendet werden, die wie eine herausnehmbare Zahnspange aussehen und nachts getragen werden.

    Wie lange eine Erhaltungstherapie sinnvoll ist und welcher Retainer sich eignet, bespricht man am besten mit seiner Kieferorthopädin oder seinem Kieferorthopäden. Dies gilt auch für die Frage, ob eher ein festsitzender oder herausnehmbarer Retainer infrage kommt. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für festsitzende Retainer nur im Unterkiefer, wenn die Zähne dort sehr eng zueinander stehen.

    Quellen

    Agostino P, Ugolini A, Signori A, Silvestrini-Biavati A, Harrison JE, Riley P. Orthodontic treatment for posterior crossbites. Cochrane Database Syst Rev 2014; (8): CD000979.

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    Fleming PS, Strydom H, Katsaros C, MacDonald L, Curatolo M, Fudalej P et al. Non-pharmacological interventions for alleviating pain during orthodontic treatment. Cochrane Database Syst Rev 2016; (12): CD010263.

    Göz G. Stellungnahme der DGKFO zur Behandlung von Alignern 01.2010.

    Lentini-Oliveira DA, Carvalho FR, Rodrigues CG, Ye Q, Prado LB, Prado GF et al. Orthodontic and orthopaedic treatment for anterior open bite in children. Cochrane Database Syst Rev 2014; (9): CD005515.

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    Santamaria-Villegas A, Manrique-Hernandez R, Alvarez-Varela E, Restrepo-Serna C. Effect of removable functional appliances on mandibular length in patients with class II with retrognathism: systematic review and meta-analysis. BMC Oral Health 2017; 17(1): 52.

     

     

     

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