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Zahn- und Kieferfehlstellungen

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    Überblick

    Ist das Gebiss deutlich anders geformt als bei den meisten anderen, spricht man von Zahn- oder Kieferfehlstellungen. Um sie zu korrigieren, werden oft herausnehmbare oder festsitzende Zahnspangen eingesetzt. Vor allem Jugendliche tragen sie, da sich ihr Gebiss im Wachstum noch formen lässt.

    Einleitung

    Das Gebiss sieht bei jedem Menschen etwas unterschiedlich aus. Ist es aber deutlich anders geformt als bei den meisten anderen, spricht man von Zahn- oder Kieferfehlstellungen. Manchmal geht es dabei nur um einen einzelnen Zahn, manchmal um mehrere Zähne oder die Stellung der Kieferknochen.

    Stark ausgeprägte Fehlstellungen können zu Beschwerden beim Kauen, Sprechen und Atmen führen, aber auch psychisch belasten. Außerdem können sie Zahnfleischentzündungen und Karies begünstigen.

    Um eine Zahn- und Kieferfehlstellung zu korrigieren, werden oft herausnehmbare oder festsitzende Zahnspangen eingesetzt. Sie werden vor allem von Jugendlichen getragen, weil sich das Gebiss im Wachstum noch formen lässt.

    Symptome

    Zahn- oder Kieferfehlstellungen können ganz unterschiedliche Beschwerden auslösen – oder auch gar keine. Dies hängt von der Art der Fehlstellung ab und davon, wie stark sie ausgeprägt ist.

    Starke Fehlstellungen können zum Beispiel beim Essen, Trinken oder Sprechen stören oder zu Problemen beim Atmen führen. Manchmal drücken Zähne bei geschlossenem Mund in das gegenüberliegende Zahnfleisch oder in die Lippen und verursachen Schmerzen. Die Zähne können sich lockern, es kann zu Karies kommen und die Zähne können zum Beispiel bei einem Unfall leichter beschädigt werden. Mit der Zeit können auch die Kiefergelenke schmerzen und sich die Kiefermuskulatur verspannen.

    Zahn- und Kieferfehlstellungen belasten oft auch psychisch – besonders, wenn Kinder und Jugendliche deshalb gehänselt werden. Viele fühlen sich wegen einer Fehlstellung des Gebisses unsicher oder weniger attraktiv – besonders, wenn damit ein Sprachfehler verbunden ist – und scheuen den Kontakt zu anderen. Die psychische Belastung hängt aber nicht nur damit zusammen, wie ausgeprägt die Fehlstellung ist. Auch wie man persönlich damit umgeht, spielt eine Rolle.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Ursachen für Zahn- und Kieferfehlstellungen können eine gestörte Entwicklung und Lage einzelner Zähne oder der Kieferknochen sein – aber auch die der Zunge, Lippen, Wangen und des Muskelgewebes. Dabei spielt die Vererbung eine Rolle. Auch Zahnausfall, ein vorzeitiger Verlust der Milchzähne, eine Verletzung oder Erkrankungen des Knochens können dazu führen, dass sich Zähne verschieben oder sich das Gebiss nicht normal entwickelt.

    Bestimmte Angewohnheiten gelten als Risikofaktoren: Dass Babys und Kleinkinder an einem Schnuller, dem Daumen oder einem Finger lutschen, ist normal. Wenn Kinder mit etwa drei Jahren nicht damit aufhören, kann das Nuckeln jedoch das Risiko für Zahn- und Kieferfehlstellungen erhöhen. Ein weiterer Risikofaktor ist, wenn Kinder nur durch den Mund atmen – zum Beispiel, weil eine vergrößerte Rachenmandel die Nasenatmung behindert.

    Häufigkeit und Verlauf

    Zahn- und Kieferfehlstellungen sind häufig. Schätzungsweise wird mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland deswegen behandelt.

    Die Milchzähne werden bei älteren Kindern durch die bleibenden Zähne ersetzt, und die Kieferknochen können bis zum Ende der Pubertät noch wachsen. Deshalb kann sich eine Zahn- und Kieferfehlstellung noch bessern, aber auch verstärken, bis das Wachstum abgeschlossen ist. Doch auch bei Erwachsenen kann sich die Zahnstellung noch verändern, etwa durch Zähneknirschen oder den Verlust von Zähnen.

    Folgen

    Vor allem bei stark vorstehenden oberen Schneidezähnen besteht ein erhöhtes Risiko, dass die Zähne beschädigt werden, etwa bei einem Unfall. Bei anderen Fehlstellungen können die Kiefergelenke schmerzen, knacken oder nur eingeschränkt beweglich (blockiert) sein, sodass sich der Mund zum Beispiel nicht mehr weit öffnen lässt.

    Durch Ausgleichsbewegungen und Zähneknirschen können sich die Zähne gegenseitig abschleifen. Weil sich bei manchen Fehlstellungen einzelne oder mehrere Zähne nur schwer putzen lassen, gelten auch Karies und Zahnfleischentzündungen als mögliche Folgen.

    Diagnose

    Eltern fällt häufig selber auf, dass ihr Kind eine Zahn- oder Kieferfehlstellung hat. Manchmal ergibt sich aber auch bei einer ärztlichen oder zahnärztlichen Untersuchung ein Verdacht. Um festzustellen, ob eine Zahn- und Kieferfehlstellung behandlungsbedürftig ist, wird das Kind meist an eine Kieferorthopädin oder einen Kieferorthopäden überwiesen. Sie oder er schaut sich die Zähne und den Mund an und untersucht auch den Rest des Kopfes. Dabei fragt sie oder er nach möglichen Ursachen und achtet auf Auffälligkeiten beim Öffnen und Schließen des Mundes.

    Als weitere Schritte werden in der Regel Röntgenaufnahmen gemacht und Abdrücke genommen. Dazu muss das Kind nacheinander auf zwei mit weicher Kunststoffmasse gefüllte Schälchen beißen. Das kann unangenehm sein und einen Würgereiz auslösen. Die Masse erstarrt aber nach etwa einer halben Minute und kann anschließend aus dem Mund genommen werden. Aus den Abdrücken wird ein Modell des Gebisses hergestellt, das zur Planung der Behandlung genutzt werden kann. Inzwischen wird manchmal auch ein Abdruck per Computer angeboten. Dafür werden die Zähne gescannt und anschließend das Gebissmodell digital hergestellt.

    Manchmal sind auch Besuche bei anderen Fachleuten nötig: Wenn zum Beispiel zusätzlich die Atemwege verengt sind, ist eine ärztliche Untersuchung in einer Praxis für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde sinnvoll.

    Vorbeugung

    Kleineren Kindern kann man versuchen, ungünstige Angewohnheiten abzugewöhnen: Manche Kinder lutschen zum Beispiel seltener am Daumen, wenn auf ihm ein Gesicht aufgemalt oder eine schlecht schmeckende Tinktur aufgetragen ist. Ein Schnuller kann nach zahnärztlicher Untersuchung und Beratung durch eine sogenannte Mundvorhofplatte ersetzt werden. Unter Umständen werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen. Die Mundhofvorhofplatte ähnelt außen einem Schnuller, liegt aber innen wie eine Blende nur zwischen Zähnen und Lippen. Außerdem ist die Pflege der Milchzähne wichtig, damit sie lange genug als Platzhalter im Gebiss bleiben.

    Behandlung

    In der Regel werden Fehlstellungen mit einer kieferorthopädischen Behandlung korrigiert. Dazu gehört vor allem das Tragen einer festsitzenden oder herausnehmbaren Zahnspange. Manchmal werden auch beide Spangenarten miteinander kombiniert: Dann trägt man zum Beispiel zunächst eine herausnehmbare Spange und danach eine festsitzende. Die Behandlung soll die Stellung der Zähne korrigieren und den Ober- und Unterkiefer in ein harmonischeres Verhältnis bringen.

    Normalerweise wird zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr behandelt. Die Milchzähne sind dann bereits bleibenden Zähnen gewichen, die Kieferknochen aber noch formbar. Manchmal werden auch Kinder im Alter von 6 bis 8 Jahren behandelt (sogenannte Frühbehandlung).

    Das Tragen einer festsitzenden oder herausnehmbaren Spange wird als „aktive Behandlungsphase“ bezeichnet. Sie dauert etwa zwei Jahre. An die aktive Behandlungsphase schließt sich eine Erhaltungsphase (Retention) an, um zu verhindern, dass die Zähne „zurückwandern“. Dafür werden sogenannte Retainer (englisch to retain = halten, sichern) eingesetzt,  zum Beispiel ein kleiner Draht, der hinter den Schneidezähnen befestigt wird. Meist dauern aktive Behandlungsphase und Erhaltungsphase zusammen etwa 3 bis 4 Jahre. Ob eine längere Erhaltungsphase empfohlen wird, hängt von der vorherigen Fehlstellung ab.

    Eine kieferorthopädische Behandlung wird in erster Linie durchgeführt, wenn die Fehlstellungen ein gewisses Maß überschreiten – zum Beispiel, wenn die oberen Schneidezähne die unteren um mehr als 3 Millimeter überragen oder wenn seitliche Zähne aneinander vorbeibeißen. Aber auch, wenn die Fehlstellungen weniger ausgeprägt sind, kann eine Behandlung aus kosmetischen Gründen erwünscht sein. Ob kieferorthopädische Behandlungen so häufig nötig sind, wie sie heute empfohlen werden, ist unklar. Es fehlen Studien, die zum Beispiel genau zeigen, wen sie vor späteren Zahnproblemen und anderen gesundheitlichen Beschwerden schützen und bei wem sie einfach das Aussehen verbessern.

    Kleine Kinder und Erwachsene werden selten behandelt. Wenn doch, dann meist wegen einer schweren Fehlstellung, zum Beispiel angeborenen Fehlbildungen wie einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Dann ist in der Regel ein operativer Eingriff nötig, manchmal auch in Kombination mit einer Zahnspange. Auf solche schweren Fehlstellungen wird hier nicht eingegangen.

    Weitere Informationen

    Eine Zahnspange kann helfen, eine Fehlstellung und damit verbundene Beschwerden in den Griff zu bekommen. Aber die Behandlung kann auch belasten: Zu Beginn kann das Tragen einer Spange mit Schmerzen verbunden sein, da sie an den Zähnen zieht. Kinder und Jugendliche mit festsitzenden Zahnspangen müssen außerdem beim Essen achtsam sein: Einen Apfel schneidet man zum Beispiel besser in kleine Stücke, da sich beim Biss in einen ganzen Apfel die auf die Zähne geklebten Metallteile (Brackets) lösen können. Wer eine festsitzende Zahnspange trägt, verzichtet außerdem besser auf stark klebende Bonbons. Und auch wenn heute Zahnspangen mitunter als „cool“ gelten: Manchen Kindern und Jugendlichen sind sie peinlich, vor allem beim Essen – oder sie sorgen sich, die Spange dabei zu beschädigen.

    Die Therapie setzt voraus, dass Kinder und Jugendliche mitmachen – das bedeutet, die Zähne und die Zahnspange zu pflegen und herausnehmbare Zahnspangen konsequent zu tragen. Wenn einem Kind bei den Kontrollterminen gezeigt wird, wie sehr sich sein Gebiss schon verbessert hat, kann es das motivieren, weiter am Ball zu bleiben.

    Wenn Fehlstellungen ein bestimmtes Ausmaß erreichen, werden in Deutschland die Kosten bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren von den Krankenkassen übernommen. Man muss jedoch zunächst einen Eigenanteil übernehmen, der vollständig erstattet wird, wenn die Therapie wie geplant zu Ende geführt wurde. Eine Behandlung kann aber durch Kosten für Zusatzleistungen finanziell belasten, etwa für unauffälligere Zahnspangen-Drähte oder Zahnspangen aus buntem oder glitzerndem Kunststoff. Die Therapie einer gering ausgeprägten Fehlstellung gilt als kosmetische Korrektur und muss vollständig selbst bezahlt werden.

    Viele Menschen gehen außer wegen akuter Schmerzen auch regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen zur Zahnärztin oder zum Zahnarzt. Wir informieren darüber, wie man die richtige Zahnarztpraxis findet, wie sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig.

    Quellen

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    Watkinson S, Harrison JE, Furness S, Worthington HV. Orthodontic treatment for prominent lower front teeth (Class III malocclusion) in children. Cochrane Database Syst Rev 2013; (9): CD003451.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

    Mehr Wissen: Wie sehen Zahn- und Kieferfehlstellungen aus?

    Bei einer Zahn- oder Kieferfehlstellung ist das Gebiss eines Menschen anders geformt als bei den meisten anderen. Solche Fehlstellungen können dazu führen, dass das Gebiss schlechter funktioniert oder anfälliger für Schäden ist.

    In der Werbung, im Film oder in den sozialen Medien wird viel Wert auf ein makelloses Aussehen gelegt. Dabei spielen nicht zuletzt die Zähne eine Rolle: Sie sollen strahlend weiß und ebenmäßig sein und das „perfekte Lächeln“ formen. Nur die wenigsten Menschen haben solche Zähne. Ein ganz normales Gebiss entspricht diesem Schönheitsideal also meistens nicht, ist aber trotzdem gesund und funktioniert einwandfrei.

    Das Gebiss sieht zwar bei jedem Menschen etwas anders aus – bei manchen weicht es jedoch stärker von einem normalen Gebiss ab. Dabei kann ein einzelner Zahn betroffen sein, manchmal auch mehrere Zähne, oder Ober- und Unterkiefer passen nicht richtig zusammen. Man fasst diese Abweichungen als Zahn- und Kieferfehlstellungen zusammen.

    Solche Fehlstellungen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Manche sehen nur ungewöhnlich aus und können dazu führen, dass sich ein Mensch schämt und seine Zähne nur ungern zeigt. Schwerere Formen können beim Essen, Sprechen oder Atmen stören und das Risiko für Schäden an Zähnen, Zahnfleisch oder Kiefergelenken erhöhen.

    Bei einer Zahn- oder Kieferfehlstellung ist das Gebiss eines Menschen anders geformt als bei den meisten anderen. Solche Fehlstellungen können dazu führen, dass das Gebiss schlechter funktioniert oder anfälliger für Schäden ist.

    In der Werbung, im Film oder in den sozialen Medien wird viel Wert auf ein makelloses Aussehen gelegt. Dabei spielen nicht zuletzt die Zähne eine Rolle: Sie sollen strahlend weiß und ebenmäßig sein und das „perfekte Lächeln“ formen. Nur die wenigsten Menschen haben solche Zähne. Ein ganz normales Gebiss entspricht diesem Schönheitsideal also meistens nicht, ist aber trotzdem gesund und funktioniert einwandfrei.

    Das Gebiss sieht zwar bei jedem Menschen etwas anders aus – bei manchen weicht es jedoch stärker von einem normalen Gebiss ab. Dabei kann ein einzelner Zahn betroffen sein, manchmal auch mehrere Zähne, oder Ober- und Unterkiefer passen nicht richtig zusammen. Man fasst diese Abweichungen als Zahn- und Kieferfehlstellungen zusammen.

    Solche Fehlstellungen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Manche sehen nur ungewöhnlich aus und können dazu führen, dass sich ein Mensch schämt und seine Zähne nur ungern zeigt. Schwerere Formen können beim Essen, Sprechen oder Atmen stören und das Risiko für Schäden an Zähnen, Zahnfleisch oder Kiefergelenken erhöhen.

    Wie sieht ein normales Gebiss aus?

    Die Zähne sind in kleinen Mulden in den Kieferknochen, den Zahnfächern (Alveolen), fest verankert. Sie sind im Halbkreis angeordnet, sodass die Zähne im Ober- und Unterkiefer jeweils einen Bogen bilden.

    Schließt man den Mund, legen sich die beiden Zahnbögen passend aufeinander – sie „verzahnen“ buchstäblich: Die Backenzähne haben breite Kauflächen mit erhabenen Höckern und kleinen Vertiefungen. Beim Zusammenbeißen legen sich die Höcker der oberen Zähne in Vertiefungen der unteren – und umgekehrt.

    Im vorderen Gebiss haben die Zähne keine Kauflächen: Die Eckzähne enden spitz, die Schneidezähne haben eine schmale Kante. Beim Zubeißen schieben sich die unteren Schneidezähne an die Rückseiten der oberen Schneidezähne. Diese normale Zahnstellung beim Zubeißen bezeichnen Fachleute als Neutralbiss.

    Grafik: Beim normalen Gebiss greifen die Zähne leicht versetzt ineinander Beim normalen Gebiss greifen die Zähne leicht versetzt ineinander

    Welche Zahn- und Kieferfehlstellungen gibt es?

    Eine Fehlstellung kann einen einzelnen Zahn oder den gesamten Kiefer betreffen.

    Ein einzelner Zahn kann zum Beispiel

    • schräg stehen,
    • zur Wange oder Zunge hin gekippt sein,
    • außerhalb der Zahnreihe stehen,
    • im Knochen verbleiben (sogenannte Verlagerung oder Retention) oder
    • ganz fehlen.

    Solche Fehlstellungen können auch an mehreren Stellen im Gebiss auftreten. Mehrere Zähne können verschoben oder schief sein, wenn im Kiefer zu wenig Platz ist – zum Beispiel, weil zu viele Zähne angelegt sind oder der Kieferknochen zu klein ist. Bei zu viel Platz – etwa, weil Zähne fehlen – können die Abstände zwischen den Zähnen zu groß sein, sodass Zahnlücken entstehen.

    Oft weichen auch die Stellung und die Größenverhältnisse von Ober- zu Unterkiefer vom normalen Gebiss ab. Häufige Beispiele sind:

    • Überbiss (Distalbiss)
    • Unterbiss (auch Vorbiss oder Mesialbiss)
    • offener Biss
    • Kreuzbiss

    Außerdem können die beiden Kieferknochen gegeneinander verdreht oder seitlich verschoben sein (Laterognathie).  Zahn- und Kieferfehlstellungen kommen auch bei schweren Fehlbildungen vor, etwa bei der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte.

    Wie sieht ein Überbiss aus?

    Dass die oberen Schneidezähne die unteren leicht überragen, ist normal. Man spricht meist erst von einem Überbiss oder Distalbiss, wenn die oberen und unteren Schneidezähne mehr als drei Millimeter voneinander abstehen. Dies fällt auf, wenn man die Zähne von der Seite betrachtet. Der Oberkiefer reicht dann zu weit nach vorne oder – was häufiger vorkommt – der Unterkiefer liegt zu weit hinten.

    Die oberen Schneidezähne können bei einem Überbiss schräg nach vorne stehen und manchmal über die Unterlippe hinausragen. Sie können aber auch gerade gewachsen sein, oder leicht nach hinten in Richtung Gaumen zeigen. Von vorn betrachtet überdecken sie die unteren Schneidezähne dann oft komplett – diese Sonderform des Überbisses wird als „Deckbiss“ bezeichnet. Bei einem „Tiefbiss“ reichen sie so weit nach unten, dass sie das Zahnfleisch am Unterkiefer erreichen.

    Ein Überbiss beschränkt sich nicht nur auf die vorderen Zähne. Auch die oberen Backenzähne treffen beim Zubeißen etwas weiter vorne auf die unteren Backenzähne. Die Zahnhöcker fügen sich dann in weiter vorn liegende Vertiefungen. Es kann auch vorkommen, dass die Höcker des oberen und des unteren Zahnbogens genau aufeinanderstoßen. Dann spricht man von einem „Kopfbiss“ im Bereich der Backenzähne.

    Grafik: Überbiss mit vorstehenden oberen Schneidezähnen Überbiss mit vorstehenden oberen Schneidezähnen

    Was ist ein Unter- oder Vorbiss?

    Den Unter- oder Vorbiss, auch Mesialbiss genannt, kann man sich als Gegenteil vom Überbiss vorstellen: Die unteren Schneidezähne stehen zu weit vorn. Wenn man den Mund schließt, stoßen ihre Kanten auf die Kanten der oberen Schneidezähne (Kopfbiss im Bereich der Schneidezähne). Bei stark ausgeprägtem Unterbiss können sich die unteren Schneidezähne beim Zubeißen sogar vor die oberen schieben.

    Meist ist ein vorstehender Unterkiefer die Ursache. Ein Unterbiss kann aber auch dadurch entstehen, dass die oberen Schneidezähne stark zum Gaumen hin geneigt sind oder die unteren Schneidezähne schräg nach vorne abstehen.

    Wie beim Überbiss ist auch die Position der Backenzähne wichtig: Beim Unterbiss treffen die oberen Backenzähne beim Zubeißen etwas weiter hinten auf die unteren Backenzähne. Die Zahnhöcker fügen sich dann in weiter hinten liegende Vertiefungen ein oder treffen – bei einem zusätzlichen Kopfbiss – genau aufeinander.

    Grafik: Unterbiss mit vorstehenden unteren Schneidezähnen Unterbiss mit vorstehenden unteren Schneidezähnen

    Was bedeutet „offener Biss“?

    Wenn man zubeißt, verschließen die beiden Zahnbögen normalerweise die Mundhöhle. Beim offenen Biss bleibt jedoch etwas Platz zwischen den oberen und unteren Zähnen. Die offene Stelle befindet sich oft im Bereich der Schneidezähne (vorderer oder anterior offener Biss). Sie kann aber auch im seitlichen oder hinteren Bereich des Gebisses liegen (hinterer oder posterior offener Biss). Ein offener Biss kann die Folge von häufigem Daumenlutschen sein. Auch Fehlbildungen des Kieferknochens oder die Größe und Lage der Zunge kommen als Ursachen infrage.

    Grafik: Vorderer offener Biss Vorderer offener Biss

    Was ist ein Kreuzbiss?

    Beim Kreuzbiss sind ein oder mehrere obere Seitenzähne nach innen – also in Richtung Zunge – versetzt.

    Wenn beim Zubeißen dadurch die oberen auf die unteren Zahnhöcker stoßen, spricht man von einem Kopfbiss. Wenn die Zähne noch stärker von der normalen Position abweichen, beißen sie ganz aneinander vorbei. Solch ein Kreuzbiss ist einseitig oder beidseitig möglich. Ursachen können Fehlstellungen einzelner Zähne sein, oder die Kieferknochen passen in Form und Größe nicht richtig zusammen.

    Grafik: Beidseitiger Kreuzbiss – die hinteren Zähne beißen aneinander vorbei Beidseitiger Kreuzbiss – die hinteren Zähne beißen aneinander vorbei

    Quellen

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Behandlung mit festsitzender Zahnspange

    Zahnspangen sollen die Stellung einzelner Zähne und des Ober- und Unterkiefers zueinander verbessern. Eine festsitzende Zahnspange bleibt bis zum Behandlungsende ständig im Mund. Eine gute Zahnpflege ist dann besonders wichtig.

    Schätzungsweise mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland wird wegen einer Zahn- und Kieferfehlstellung behandelt. Ihr Gebiss wird in der Regel entweder mithilfe einer festsitzenden oder einer herausnehmbaren Zahnspange korrigiert. Festsitzende Zahnspangen werden meist als „feste“ Zahnspangen bezeichnet, herausnehmbare Zahnspangen häufig als „lose“ Zahnspangen. Manchmal werden auch beide Spangenformen kombiniert – dann wird zum Beispiel zuerst eine herausnehmbare und danach noch einige Zeit eine festsitzende Zahnspange getragen.

    An die aktive Behandlungsphase mit einer Zahnspange schließt sich eine Erhaltungsphase (Retention) an, um zu verhindern, dass die Zähne in ihre alte Position zurückwandern.

    Zahnspangen sollen die Stellung einzelner Zähne und des Ober- und Unterkiefers zueinander verbessern. Eine festsitzende Zahnspange bleibt bis zum Behandlungsende ständig im Mund. Eine gute Zahnpflege ist dann besonders wichtig.

    Schätzungsweise mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland wird wegen einer Zahn- und Kieferfehlstellung behandelt. Ihr Gebiss wird in der Regel entweder mithilfe einer festsitzenden oder einer herausnehmbaren Zahnspange korrigiert. Festsitzende Zahnspangen werden meist als „feste“ Zahnspangen bezeichnet, herausnehmbare Zahnspangen häufig als „lose“ Zahnspangen. Manchmal werden auch beide Spangenformen kombiniert – dann wird zum Beispiel zuerst eine herausnehmbare und danach noch einige Zeit eine festsitzende Zahnspange getragen.

    An die aktive Behandlungsphase mit einer Zahnspange schließt sich eine Erhaltungsphase (Retention) an, um zu verhindern, dass die Zähne in ihre alte Position zurückwandern.

    Wie funktionieren festsitzende Zahnspangen?

    Meist besteht eine festsitzende Zahnspange aus Bändern und Ösen aus Metall – den sogenannten Brackets – und einem Drahtbogen. Der Drahtbogen umläuft die Zahnreihe wie ein Geländer. Er wird von den Brackets gehalten, die von außen auf die Zähne geklebt sind. Seitlich kann er jeweils mit einem Metallband an einem oder mehreren Backenzähnen fixiert sein. Es gibt auch unauffälligere Spangenvarianten – zum Beispiel mit Keramik-Brackets.

    Der Drahtbogen zieht oder drückt die Zähne in die gewünschte Richtung. Dadurch passen sich die Kieferknochen und der Zahnhalteapparat allmählich an. Die Kieferorthopädin oder der Kieferorthopäde spannt den Draht in regelmäßigen Kontrollterminen nach oder tauscht ihn gegen einen neuen aus. So lässt sich zum Beispiel ein schiefer Zahn mit der Zeit begradigen.

    Der Zug oder Druck lässt sich verstärken, zum Beispiel durch zusätzliche Gummizüge. Gummizüge können sinnvoll sein, um einen nach hinten geneigten Zahn aufzurichten – oder um den Unterkiefer etwas nach vorne zu bringen. Die Gummizüge können die Kinder und Jugendlichen auch selbst zwischen zwei Brackets ein- und aushängen. Dabei können auch Brackets der oberen Zahnreihe mit den Brackets im Unterkiefer verbunden werden.

     

    Grafik: Eine festsitzende Zahnspange mit aufgeklebten Brackets Eine festsitzende Zahnspange mit aufgeklebten Brackets

    Was sind die Vorteile?

    Die Druck- und Zugkraft einer festsitzenden Zahnspange kann die Zähne gut in unterschiedliche Richtungen bewegen. Dadurch lässt sich das gesamte Gebiss verändern.

    Wer eine festsitzende Zahnspange hat, muss sich keine Gedanken darüber machen, ob und wie oft die Spange getragen werden sollte: Sie bleibt bis zum Ende der Behandlung im Mund. Sie kann auch nicht im Schlaf oder bei körperlicher Bewegung aus dem Mund rutschen.

    Was sind die Nachteile?

    Dass man die Spange nicht rausnehmen kann, kann manchmal auch ein Nachteil sein. Sie ist beim Lächeln immer sichtbar und lässt sich nicht für einen besonderen Anlass oder zum Beispiel für ein Foto kurz entfernen.

    Wenn die Spange neu eingesetzt wird oder die Drähte nachgespannt werden, kann das unangenehm oder schmerzhaft sein. Die Schmerzen lassen meist nach 24 Stunden oder spätestens nach einigen Tagen nach. Bei Bedarf kann man für kurze Zeit ein niedrig dosiertes Schmerzmittel einnehmen, um die Beschwerden lindern. Welches Schmerzmittel dafür geeignet ist, bespricht man am besten mit der Kieferorthopädin oder dem Kieferorthopäden.

    Wer eine festsitzende Zahnspange trägt, muss beim Essen aufpassen: Sehr harte Lebensmittel schneidet man besser in kleine Stücke, weil sie sonst die Spange beschädigen könnten. Speisereste können sich leichter in den Drähten festsetzen, vor allem zähe und klebrige Nahrungsmittel wie Karamell können schwer zu entfernen sein. Das erschwert die Zahnpflege, die bei einer festsitzenden Spange ohnehin aufwendig, aber sehr wichtig ist, damit sich das Risiko für Karies und Zahnfleischentzündungen nicht erhöht.

    Neben gründlichem Zähneputzen mit einer normalen oder elektrischen Zahnbürste sollten unbedingt auch die Zahnzwischenräume gereinigt werden, zum Beispiel mit sogenannten Interdentalbürsten oder spezieller Zahnseide. Darüber hinaus ist es wichtig, Kontrolltermine wahrzunehmen und bei der Behandlung mitzuarbeiten, etwa beim Einhängen von Gummizügen.

    Welche Besonderheiten sind möglich?

    Es gibt verschiedene Spezial-Modelle, die sich stärker von den üblichen festsitzenden Spangen unterscheiden: Bei manchen ist die Spange der oberen Zähne seitlich über ein Metallscharnier mit dem Unterkiefer verbunden. Damit kann man den Mund immer noch normal öffnen und schließen. Das Scharnier bringt aber einen zu weit zurückliegenden Unterkiefer allmählich nach vorne. Wenn der Oberkiefer insgesamt zu schmal ist, kann zwischen den Metallbändern ein Bogen am Gaumendach entlanglaufen, um den Oberkiefer zu erweitern.

    Wenn die Kräfte einer normalen Spange nicht ausreichen, kann Zugkraft von außen auf die Backenzähne übertragen werden. Dazu wird für mehrere Stunden täglich ein Gesichtsbogen (Headgear) aus Draht an den Metallbändern eingehängt, die an den Backenzähnen festgemacht sind. Er zieht von außen über die Wangen zum Hinterkopf oder Nacken und ist dort mit Gurten fixiert. Es gibt noch andere Geräte, die die Kieferstellung von außen beeinflussen, etwa die Kopf-Kinn-Kappe oder eine Gesichtsmaske.

    Manchmal sind auch operative Eingriffe nötig, zum Beispiel, wenn der Kiefer sehr eng ist. Dann werden zum Beispiel einzelne Zähne gezogen, um Platz zu schaffen. Die restlichen Zähne können sich dann mithilfe der Zahnspange harmonisch im Kiefer verteilen. Selten werden Spangen auch mit kleinen Schrauben (Implantaten) in den Kieferknochen verankert. Nach der Behandlung werden Spange und Schrauben wieder entfernt.

    Was ist eine Erhaltungsphase (Retentionsphase)?

    Wenn eine Fehlstellung korrigiert wurde, folgt im Anschluss eine Erhaltungsphase (Retentionsphase): Sogenannte Retainer sollen das erzielte Ergebnis nach der aktiven Behandlungsphase erhalten und verhindern, dass sich die Zähne in ihre ursprüngliche Position zurückbewegen. Dies würde ohne Erhaltungsphase wahrscheinlich geschehen. Im Gegensatz zu Zahnspangen üben Retainer keine Kraft auf die Zähne aus: Sie sollen die Zähne lediglich in ihrer Position halten.

    Als festsitzende Retainer werden meist Drähte verwendet, die mit Kunststoff auf der Rückseite der Zähne befestigt werden und mehrere Jahre im Mund bleiben. Es gibt Modelle nur für die Schneidezähne und solche, die auch die Backenzähne einbeziehen. Als herausnehmbare Retainer können zum Beispiel Platten-Retainer verwendet werden, die wie eine herausnehmbare Zahnspange aussehen und nachts getragen werden.

    Wie lange eine Erhaltungstherapie sinnvoll ist und welcher Retainer sich eignet, bespricht man am besten mit seiner Kieferorthopädin oder seinem Kieferorthopäden. Dies gilt auch für die Frage, ob eher ein festsitzender oder herausnehmbarer Retainer infrage kommt.

    Quellen

    Agostino P, Ugolini A, Signori A, Silvestrini-Biavati A, Harrison JE, Riley P. Orthodontic treatment for posterior crossbites. Cochrane Database Syst Rev 2014; (8): CD000979.

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    Benson PE, Parkin N, Dyer F, Millett DT, Furness S, Germain P. Fluorides for the prevention of early tooth decay (demineralised white lesions) during fixed brace treatment. Cochrane Database Syst Rev 2013; (12): CD003809.

    Carter LA, Geldenhuys M, Moynihan PJ, Slater DR, Exley CE, Rolland SL. The impact of orthodontic appliances on eating - young people's views and experiences. J Orthod 2015; 42(2): 114-122.

    Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKFO). Wissenschaftliche Stellungnahme zur Verankerung mit Gaumenimplantaten und Kortikalisschrauben in der Kieferorthopädie. 04.2017.

    Fleming PS, Strydom H, Katsaros C, MacDonald L, Curatolo M, Fudalej P et al. Non-pharmacological interventions for alleviating pain during orthodontic treatment. Cochrane Database Syst Rev 2016; (12): CD010263.

    Frank W, Pfaller K, Konta B. Mundgesundheit nach kieferorthopädischer Behandlung mit festsitzenden Apparaten. 2008. (Schriftenreihe Health Technology Assessment [HTA]; Band 66).

    Ishaq RA, AlHammadi MS, Fayed MM, El-Ezz AA, Mostafa Y. Fixed functional appliances with multibracket appliances have no skeletal effect on the mandible: A systematic review and meta-analysis. Am J Orthod Dentofacial Orthop 2016; 149(5): 612-624.

    Jambi S, Thiruvenkatachari B, O'Brien KD, Walsh T. Orthodontic treatment for distalising upper first molars in children and adolescents. Cochrane Database Syst Rev 2013; (10): CD008375.

    Lentini-Oliveira DA, Carvalho FR, Rodrigues CG, Ye Q, Prado LB, Prado GF et al. Orthodontic and orthopaedic treatment for anterior open bite in children. Cochrane Database Syst Rev 2014; (9): CD005515.

    Littlewood SJ, Millett DT, Doubleday B, Bearn DR, Worthington HV. Retention procedures for stabilising tooth position after treatment with orthodontic braces. Cochrane Database Syst Rev 2016; (1): CD002283.

    Millett DT, Cunningham SJ, O'Brien KD, Benson PE, de Oliveira CM. Orthodontic treatment for deep bite and retroclined upper front teeth in children. Cochrane Database Syst Rev 2018; (2): CD005972.

    Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch. Berlin: De Gruyter; 2017.

    Sander FG, Schwenzer N, Ehrenfeld M (Ed). Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde: Kieferorthopädie. Stuttgart: Thieme; 2011.

    Watkinson S, Harrison JE, Furness S, Worthington HV. Orthodontic treatment for prominent lower front teeth (Class III malocclusion) in children. Cochrane Database Syst Rev 2013; (9): CD003451.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Behandlung mit herausnehmbarer Zahnspange

    Zahn- und Kieferfehlstellungen können bei Kindern und Jugendlichen mit einer Zahnspange korrigiert werden. Herausnehmbare Zahnspangen hat man im Gegensatz zu festsitzenden Spangen nicht dauerhaft im Mund. Wichtig ist aber, die Spange ausreichend lange zu tragen.

    Wenn zum Beispiel Zähne schräg stehen oder Ober- und Unterkiefer nicht zueinander passen, kann das Gebiss korrigiert werden. Dazu beraten Kieferorthopädinnen oder -orthopäden. Ist eine Behandlung nötig oder aus optischen Gründen erwünscht, kommen in der Regel herausnehmbare oder festsitzende Zahnspangen infrage. Festsitzende Zahnspangen werden meist als „feste“ Zahnspangen bezeichnet, herausnehmbare Zahnspangen häufig als „lose“ Zahnspangen. Manche Kinder und Jugendliche tragen auch beide Spangenformen nacheinander.

    Damit die Spangen Zähne und Kiefer allmählich in die gewünschte Stellung bewegen können, üben die meisten Modelle Kraft auf das Gebiss aus: Sie drücken oder ziehen die Zähne in die gewünschte Richtung oder beeinflussen das Kieferwachstum.

    An die aktive Behandlungsphase mit einer Zahnspange schließt sich eine Erhaltungsphase (Retention) an, um zu verhindern, dass die Zähne in ihre alte Position zurückwandern.

    Zahn- und Kieferfehlstellungen können bei Kindern und Jugendlichen mit einer Zahnspange korrigiert werden. Herausnehmbare Zahnspangen hat man im Gegensatz zu festsitzenden Spangen nicht dauerhaft im Mund. Wichtig ist aber, die Spange ausreichend lange zu tragen.

    Wenn zum Beispiel Zähne schräg stehen oder Ober- und Unterkiefer nicht zueinander passen, kann das Gebiss korrigiert werden. Dazu beraten Kieferorthopädinnen oder -orthopäden. Ist eine Behandlung nötig oder aus optischen Gründen erwünscht, kommen in der Regel herausnehmbare oder festsitzende Zahnspangen infrage. Festsitzende Zahnspangen werden meist als „feste“ Zahnspangen bezeichnet, herausnehmbare Zahnspangen häufig als „lose“ Zahnspangen. Manche Kinder und Jugendliche tragen auch beide Spangenformen nacheinander.

    Damit die Spangen Zähne und Kiefer allmählich in die gewünschte Stellung bewegen können, üben die meisten Modelle Kraft auf das Gebiss aus: Sie drücken oder ziehen die Zähne in die gewünschte Richtung oder beeinflussen das Kieferwachstum.

    An die aktive Behandlungsphase mit einer Zahnspange schließt sich eine Erhaltungsphase (Retention) an, um zu verhindern, dass die Zähne in ihre alte Position zurückwandern.

    Wie funktionieren herausnehmbare Zahnspangen?

    Herausnehmbare Zahnspangen bestehen meist aus zwei Kunststoffplatten: einer eher schalenförmigen für den Oberkiefer und einer eher bogenförmigen für den Unterkiefer. Jede Zahnspange ist ein Einzelstück, das nur dem Menschen passt, für den es angefertigt wurde. Herausnehmbare Zahnspangen werden in den Mund eingesetzt und nachts sowie mehrere Stunden am Tag getragen. Zu den Mahlzeiten oder beim Sport kann man sie herausnehmen und in eine Aufbewahrungsbox legen. In die Kunststoffplatten sind schlaufen- oder bogenförmige Drähte eingelassen. Die Drähte werden über die Zähne geschoben und halten die Spange am Gebiss. Zusätzlich drücken sie an den Stellen auf die Zähne, an denen ihre Stellung korrigiert werden soll.

    Außerdem enthalten die Spangen oft Schrauben, mit denen sie sich in kleinen Stufen verbreitern lassen, wenn sich das Gebiss schon etwas verändert hat. Dadurch bleibt ihre Krafteinwirkung erhalten. Auf diese Weise können auch die Kieferknochen geformt und zum Beispiel ein zu enger Oberkiefer allmählich aufgedehnt werden. Die Schrauben können die Kinder und Jugendlichen oder ihre Eltern selbst zu Hause weiterdrehen. Dazu erhalten sie von der Ärztin oder dem Arzt die nötigen Hinweise. Manchmal wird die Spange aber auch bei den Kontrollterminen in der kieferorthopädischen Praxis nachgestellt.

    Grafik: Herausnehmbare Zahnspangen für den Ober- und Unterkiefer Herausnehmbare Zahnspangen für den Ober- und Unterkiefer

    Was sind Vorteile?

    Die Spange auch mal herausnehmen zu können, ist angenehm. Beim Essen ist dann alles wie immer und man muss nicht auf bestimmte Lebensmittel verzichten. Auch zum Zähneputzen wird die Spange herausgenommen – das heißt, die Zähne können wie gewohnt gereinigt werden. Allerdings muss auch die Spange täglich gründlich mit einer Zahnbürste geputzt werden. Zusätzlich kann man einen Zahnspangenreiniger verwenden. Es gibt ihn zum Beispiel als Pulver oder Brausetabletten, die man mit der Spange in eine Reinigungsbox oder in ein Glas geben kann.

    Was sind Nachteile?

    Auch herausnehmbare Zahnspangen können zu Beginn der Behandlung und nach dem Nachziehen der Schrauben Schmerzen verursachen. Sie schmerzen aber in der Regel weniger als festsitzende Spangen.

    Mit einer herausnehmbaren Spange zu sprechen, kann zunächst schwierig sein. Deshalb nehmen viele die Spange aus dem Mund, wenn sie viel reden müssen. Auch bei manchen Sportarten ist es besser, die Spange herauszunehmen. Ob dies notwendig ist, kann man mit der Kieferorthopädin oder dem Kieferorthopäden besprechen. Dass man die Spange rausnehmen kann, hat aber auch Tücken: Die Jugendlichen müssen selbst darauf achten, die Spange auch wirklich für die vorgeschriebene Zeit zu tragen. Klappt das nicht, kann sie das Gebiss nicht wie gewünscht korrigieren.

    Was sind funktionskieferorthopädische Spangen?

    Es gibt auch herausnehmbare Geräte, die keine direkte Kraft auf das Gebiss ausüben. Typische Beispiele sind der Bionator, der Aktivator oder der Fränkel-Funktionsregler. Sie werden als „funktionskieferorthopädische Geräte“ bezeichnet und bestehen aus einem Stück. Man kann sie sich ungefähr wie zwei zusammengeklebte herausnehmbare Zahnspangen vorstellen. Das Gerät liegt locker im Mund. Es ist aber so geformt, dass es beim Schließen des Mundes die Kieferbewegungen beeinflusst. Dadurch wird die Gesichts-, Kau- und Zungenmuskulatur trainiert oder aktiviert. Manche Geräte haben auch kleine Plättchen, mit denen die Lippen und Wangen von den Zähnen abgehalten werden. Die aktivierte Muskulatur und der veränderte Einfluss des weichen Gewebes auf das Gebiss sollen die Fehlstellung korrigieren. Sie werden zum Beispiel eingesetzt, um den Unterkiefer weiter nach vorn zu bringen.

    Grafik: Ein Bionator besteht aus einem Stück Ein Bionator besteht aus einem Stück

    Welche Sonderformen gibt es?

    Zahnfehlstellungen können auch mithilfe durchsichtiger Zahnschienen behandelt werden, sogenannten Alignern oder Responderschienen. Dafür werden auf einigen Zähnen sogenannte Attachments aufgeklebt. Auch Zahnschienen drücken die Zähne in die gewünschte Richtung. Da sich die Schienen nicht an die erreichten Veränderungen anpassen lassen, müssen sie bis zum Ende der Behandlung öfter ausgetauscht werden.

    Die Kosten für kieferorthopädische Behandlungen mit diesen Zahnschienen werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen und müssen deshalb selbst bezahlt werden.

    Was ist eine Erhaltungsphase (Retentionsphase)?

    Wenn eine Fehlstellung korrigiert wurde, folgt im Anschluss eine Erhaltungsphase (Retentionsphase): Sogenannte Retainer sollen das erzielte Ergebnis nach der aktiven Behandlung erhalten und verhindern, dass sich die Zähne in ihre ursprüngliche Position zurückbewegen. Dies würde ohne Erhaltungsphase wahrscheinlich geschehen. Im Gegensatz zu Zahnspangen üben Retainer keine Kraft auf die Zähne aus: Sie sollen die Zähne lediglich in ihrer Position halten.

    Als festsitzende Retainer werden meist Drähte verwendet, die mit Kunststoff auf der Rückseite der Zähne befestigt werden und mehrere Jahre im Mund bleiben. Es gibt Modelle nur für die Schneidezähne und solche, die auch die Backenzähne einbeziehen. Als herausnehmbare Retainer können zum Beispiel Platten-Retainer verwendet werden, die wie eine herausnehmbare Zahnspange aussehen und nachts getragen werden.

    Wie lange eine Erhaltungstherapie sinnvoll ist und welcher Retainer sich eignet, bespricht man am besten mit seiner Kieferorthopädin oder seinem Kieferorthopäden. Dies gilt auch für die Frage, ob eher ein festsitzender oder herausnehmbarer Retainer infrage kommt. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für festsitzende Retainer nur im Unterkiefer, wenn die Zähne dort sehr eng zueinander stehen.

    Quellen

    Agostino P, Ugolini A, Signori A, Silvestrini-Biavati A, Harrison JE, Riley P. Orthodontic treatment for posterior crossbites. Cochrane Database Syst Rev 2014; (8): CD000979.

    Cirgic E, Kjellberg H, Hansen K, Lepp M. Adolescents' experiences of using removable functional appliances. Orthod Craniofac Res 2015; 18(3): 165-174.

    Fleming PS, Strydom H, Katsaros C, MacDonald L, Curatolo M, Fudalej P et al. Non-pharmacological interventions for alleviating pain during orthodontic treatment. Cochrane Database Syst Rev 2016; (12): CD010263.

    Göz G. Stellungnahme der DGKFO zur Behandlung von Alignern 01.2010.

    Lentini-Oliveira DA, Carvalho FR, Rodrigues CG, Ye Q, Prado LB, Prado GF et al. Orthodontic and orthopaedic treatment for anterior open bite in children. Cochrane Database Syst Rev 2014; (9): CD005515.

    Littlewood SJ, Millett DT, Doubleday B, Bearn DR, Worthington HV. Retention procedures for stabilising tooth position after treatment with orthodontic braces. Cochrane Database Syst Rev 2016; (1): CD002283.

    Millett DT, Cunningham SJ, O'Brien KD, Benson PE, de Oliveira CM. Orthodontic treatment for deep bite and retroclined upper front teeth in children. Cochrane Database Syst Rev 2018; (2): CD005972.

    Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch. Berlin: De Gruyter; 2017.

    Sander FG, Schwenzer N, Ehrenfeld M (Ed). Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde: Kieferorthopädie. Stuttgart: Thieme; 2011.

    Santamaria-Villegas A, Manrique-Hernandez R, Alvarez-Varela E, Restrepo-Serna C. Effect of removable functional appliances on mandibular length in patients with class II with retrognathism: systematic review and meta-analysis. BMC Oral Health 2017; 17(1): 52.

     

     

     

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

    Zahn- und Kieferfehlstellungen - Erfahrungsbericht - Emeli

    „Mit herausnehmbaren Schienen ist es viel einfacher, die Zähne zu pflegen als mit den festsitzenden Brackets und den Drähten auf den Zähnen. Aber das hat seinen Preis: man muss viel privat zuzahlen.“

    Emeli, 55 Jahre

    „Mit herausnehmbaren Schienen ist es viel einfacher, die Zähne zu pflegen als mit den festsitzenden Brackets und den Drähten auf den Zähnen. Aber das hat seinen Preis: man muss viel privat zuzahlen.“

    Als Leyla acht Jahre alt war, hat die Zahnärztin bei den Kontrollen schon früh den Überbiss festgestellt und uns vorgewarnt, dass sie eine Zahnspange brauchen würde, wenn die Milchzähne raus und die festen Zähne vorhanden sind. Mit zehn Jahren ist sie dann in die Kieferorthopädiepraxis überwiesen worden.

    Uns war die Zahnpflege sehr wichtig

    Der Kieferorthopäde hat uns zu herausnehmbaren Schienen geraten und wir haben uns dann auch dafür entschieden, da wir dies als die pragmatischste, sauberste und ästhetischste Lösung empfanden.

    Ich finde, es ist auch für das Kind einfacher, die Zähne zu pflegen als mit den festsitzenden Brackets und den Drähten auf den Zähnen. Da ist das Risiko größer, dass das Essen hängen bleibt. Und es sieht auch eindeutig schöner aus.

    Mir war aber wichtig, dass die Schienen genauso gut wirken wie bei einer festsitzenden Spange, sonst hätten wir es nicht gemacht.

    Die Vorteile haben ihren Preis

    Allerdings haben diese Vorteile auch ihren Preis. Die Kosten werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen und es ist schon insgesamt eine sehr teure Angelegenheit: Der Kieferorthopäde hat geschätzt, dass es insgesamt 4000 bis 5000 Euro kosten wird. Wir sind aber jetzt schon bei über 6000 Euro und noch nicht durch. Das werde ich auch beim nächsten Kontrolltermin noch mal ansprechen.

    Das Problem war, dass Leyla die Schienen zwischendurch nicht regelmäßig getragen hat. Und deswegen passten die nachfolgenden nicht. Es mussten neue Exemplare in Amerika bestellt werden. Aber ich bin schon überrascht, weil uns am Anfang gesagt wurde, dass sich das nicht in den Kosten niederschlägt.

    Das Tragen der Schienen war immer wieder Thema

    Es gab schon Phasen, wo sie die Schienen nicht regelmäßig getragen hat trotz mehrfachen Erinnerns. Und die Schienen haben zwischenzeitlich auch weh getan, vor allem beim Einschlafen und in der Nacht. Außerdem waren die Schleimhäute überempfindlich, mit Zahnfleischbluten, Reizungen und wunden Stellen. Insgesamt ist es trotzdem eine recht schmerzlose Behandlung.

    Ich bin aber mit dem Ergebnis sehr zufrieden: Man sieht jetzt schon, dass es deutlich besser ist. Der Überbiss ist noch erkennbar, aber der Abstand ist schon deutlich kleiner.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Zahn- und Kieferfehlstellungen - Erfahrungsbericht - Leyla

    „Das Tolle an den Kunststoffschienen: Man kann sie zum Essen und Zähneputzen rausnehmen. Aber man braucht schon mehr Disziplin. Ständig hatte ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich sie nicht getragen habe. Das wäre bei einer festen Spange so  nicht passiert.“

    Leyla, 13 Jahre

    „Das Tolle an den Kunststoffschienen: Man kann sie zum Essen und Zähneputzen rausnehmen. Aber man braucht schon mehr Disziplin. Ständig hatte ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich sie nicht getragen habe. Das wäre bei einer festen Spange so nicht passiert.“

    Am Ende der fünften Klasse habe ich erfahren, dass ich eine feste Zahnspange bekommen soll, also vor ungefähr zweieinhalb Jahren. Weil ich einen Überbiss habe, das heißt, meine Backenzähne passen nicht richtig aufeinander.

    Mein normaler Zahnarzt hat mir schon viel früher gesagt, dass ich mal eine feste Zahnspange brauchen werde. Irgendwann war ich dann beim Kieferorthopäden und der hat sofort gesagt: „Oh ja, da müssen wir dringend etwas machen.“

    Richtig gefreut habe ich mich nicht, eine Spange zu bekommen

    Ich dachte gleich: „Na super, ich freu mich nicht gerade.“ Viele aus meiner Klasse tragen schon seit der Grundschule eine Zahnspange, manche auch eine feste Spange. Und die meisten von ihnen berichten, dass diese festen Zahnspangen mit Brackets am Anfang ziemlich wehtun und auch nerven beim Essen.

    Ich hatte sofort Angst und dachte mir „Ich will aber keine feste Zahnspange.“ Aber es hat sich ja alles zum Guten entwickelt. Erst bekam ich eine Zeitlang eine lose Spange, da konnte ich mir die Farbe auch aussuchen. Und danach dann durchsichtige Kunststoffschienen statt einer festen Spange, jeweils eine für oben und eine für unten.

    Ich habe durchsichtige Kunststoffschienen und bin sehr froh darüber

    Von diesen Kunststoffschienen bekommt man bei jedem Termin zehn verschiedene. Die muss ich dann wechseln: Jede Woche ist die nächste dran, die die Zähne wieder ein bisschen mehr verschiebt. Und nach zehn Wochen gehe ich zum Kieferorthopäden und der gibt mir dann die nächsten.

    Das Beste: Dadurch, dass ich die Schienen rausnehmen kann, kann ich essen, was ich will. Aber andererseits war es schon so, dass ich mich immer dazu überwinden musste, die Schienen auch wirklich anzuziehen. Da braucht man schon Disziplin, und manchmal hatte ich ein schlechtes Gewissen. Wenn ich eine feste Spange gehabt hätte, hätte ich mich nicht immer gefragt, ob ich jetzt die Zahnspange reintue oder nicht.

    Man braucht schon mehr Disziplin

    Am Anfang hatte ich schon Probleme mit der Disziplin. Die lose Spange am Anfang habe ich auch nicht viel getragen. Da wurde dann gesagt, das geht nicht, wir brauchen eine andere Lösung. Und dann kamen die Kunststoffschienen.

    Ich war oft unmotiviert und habe immer gedacht: „Habe ich sie schon genug Stunden getragen? Kann ich sie jetzt wieder rausnehmen?“ Eigentlich muss ich sie 22 Stunden am Tag tragen, beim Essen und beim Zähneputzen kann ich sie rausnehmen. Als Ausgleich habe ich immer versucht, sie wenigstens nachts zu tragen. Aber mit der Zeit wurde es besser.

    Bei jeder neuen Schiene tun die Zähne zwei Tage lang weh

    Wenn ich am Anfang einer Woche eine neue Zahnschiene anziehe, merke ich schon, dass es die ersten zwei Tage richtig zieht, das ist schon eine Umstellung. Außerdem passt die neue Schiene oft noch nicht richtig zu den Zähnen, ich habe ja einen Überbiss und hinten sind kleine, abstehende Flügel aus Plastik, die aber nicht richtig auf den Zähnen aufliegen.

    Da stehe ich schon vor dem Spiegel und bin genervt. Das renkt sich erst nach ein paar Tagen ein. Manchmal haben die Zähne auch gewackelt, aber das war nicht so schlimm. Also nicht so stark, dass ich dachte, „Mein Zahn fällt gleich raus“, es war eher unangenehm.

    Unangenehm finde ich, dass bei der Kontrolle neue Knöpfe auf den Zähnen aufgeklebt werden, auf denen die Schienen andocken, damit sie festsitzen. Und vorher wird der Kleber der alten Knöpfe mit so einer Maschine etwas abgerieben und die macht ein unangenehmes Geräusch, das ist komisch.

    Was ich öfter hatte als vorher, ist Zahnfleischbluten. Und auch an der Innenseite der Wangen mehr Aphthen, wunde offene Stellen. Das ist unangenehm gewesen. Aber insgesamt konnte man das gut ertragen.

    Beim Sprechen habe ich auch gemerkt, dass die Zahnschienen stören. Ich lispele mehr als früher. Und noch etwas: Man spuckt mehr beim Reden, meine Freundinnen haben mich darauf aufmerksam gemacht.

    Ich hatte oft Streit mit meiner Mutter wegen des Tragens

    Wir hatten viele Diskussionen, gerade am Anfang. Meine Mutter hat mich erinnert: „Du musst jetzt mal deine Zahnspange tragen“ – und ich habe immer gemeckert, weil es ja weh getan hat. Aber ich habe es selbst gemerkt, dass das nicht gut ist. Ich habe nämlich gelernt, dass es bei neuen Schienen doppelt wehtut, wenn ich die Schienen in der Woche vorher nicht viel getragen habe. Weil sich dann die Zähne ja wieder verformen.

    Vor allem passt die Zahnspange nicht mehr richtig, weil die Versionen aufeinander abgestimmt sind. Dann musste ich manchmal statt in einer Woche die zehnte Schiene zu tragen, wieder zur achten zurückspringen und habe also zwei Wochen verloren.

    Einmal musste ich sogar eine Zahnspangenreihe neu bestellen, weil ich die zu wenig getragen hatte. Die Behandlung dauert dann länger und ist teurer. Das habe ich dann eingesehen, weil ich darauf auch keine Lust habe. Ich will irgendwann fertig werden. Ich bin jetzt seit zwei Jahren dabei, bald bin ich durch: bei der 36. Schiene hört es auf.

    Ich musste mir einen festen Platz für die Schienen überlegen

    Vieles im Alltag musste ich mir erstmal angewöhnen – zum Beispiel, mir einen festen Platz für die Schienen zu überlegen. Gerade wenn ich unterwegs bin und etwas essen will und sie rausnehme. Ich habe sie mal einfach in ein Taschentuch einwickelt und in die Tasche gepackt. Und dann aus Versehen in den Müll geschmissen. Jetzt habe ich einen festen Platz im Bad und im Schulranzen.

    Tragen, auch wenn es nervt – sonst dauert es länger!

    Was mir sehr geholfen hat, dran zu bleiben, sind diese Aufkleber auf den Zahnschienen, die sich verfärben. Wenn man sie lange trägt, werden sie immer heller, vorher sind sie blau. Diese Kontrolle hatte ich am Anfang nicht, jetzt hilft es mir sehr. Das Blöde ist nur, dass die manchmal von den Zähnen abgehen. Da bin ich schon mal mitten in der Nacht aufgewacht und hatte ein Stück Plastik im Mund.

    Was ich allen raten würde: tragen, auch wenn es nervt. Sonst tut es nur weh, wenn eine neue Schiene eingesetzt wird. Und es dauert länger. Meine Freundin hat dieselben Schienen wie ich und hat sie nicht getragen. Sie hat die Schienen immer noch, obwohl sie seit zwei Jahren schon fertig sein könnte. Außerdem ist Reinigen wichtig.

    Trotz allem bereue ich es nicht. Meine Zähne sehen jetzt wesentlich schöner aus, und wenn der Überbiss weg ist, hat sich doch alles gelohnt.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

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    Zahn- und Kieferfehlstellungen - Erfahrungsbericht - Markus

    „Dass mein Sohn eine Zahnspange braucht, haben wir gar nicht infrage gestellt oder geprüft. Bei meinem Kind will ich schließlich nichts verpassen oder versäumen.“

    Markus, 60 Jahre

    „Dass mein Sohn eine Zahnspange braucht, haben wir gar nicht infrage gestellt oder geprüft. Bei meinem Kind will ich schließlich nichts verpassen oder versäumen.“

    Diese inflationäre Verschreibung von Zahnspangen finde ich schon auffällig im Freundeskreis meiner Kinder. Ich frage mich, ob das wirklich notwendig ist. Das Kind muss ja alle sechs Wochen zur Kontrolle, am Anfang mit Eltern. Auch das ist ein Zusatztermin für die Familie.

    Als ich an beiden Knien operiert werden sollte, habe ich recherchiert, ob das nötig ist und wie die Erfolgsraten sind. Aber da ging es auch um mich.

    Bei meiner jüngeren Tochter würde ich es anders machen. Wenn jetzt der nächste Zahnarzt sagen würde: „Die Sinja braucht eine feste Spange“, würde ich woanders hingehen und mir eine zweite Meinung anhören.

    Ich frage mich, ob wirklich so viele Kinder eine Zahnspange brauchen

    Manche festen Zahnspangen sind ja auch mit Zusatzkosten verbunden, die man privat übernehmen muss. Wir müssen das Gott sei Dank nicht, da die Kinder über meine Frau privat versichert sind. Aber für andere Familien ist das schon eine finanzielle Belastung.

    Die durchsichtigen Zahnschienen, die man komplett selbst zahlen muss, waren bei uns gar nicht im Gespräch, die wurden uns nicht angeboten. Und wir wollten sie auch nicht, da mein Sohn gar kein Problem damit hatte, Metall-Brackets zu tragen.

    Eine feste Zahnspange ist für die meisten Jugendlichen kein Problem

    Er hat mit zehn Jahren erfahren, dass er erst eine lose und dann eine feste Spange bekommen wird. Alle seine Freunde fanden das eher spannend und interessant. Und bei meiner Tochter ist es ganz verrückt: Sie ist total scharf darauf, eine Spange zu bekommen. Sie hat einer Freundin erzählt, wie sehr sie sich freuen würde, wenn sie eine Zahnspange bekäme. Ich verstehe das nicht, das ist doch nichts Tolles: Da wird etwas über Jahre auf die Zähne geklebt und du musst ständig zum Zahnarzt laufen. Aber für die Mädchen ist das fast so ein Ritterschlag. Vielleicht fühlen sie sich dann erwachsen oder es hat eine Art Beauty-Effekt, weil es in ist und cool.

    In der Pubertät müssen die Eltern beim Zähneputzen vertrauen und auf die Zahnärzte setzen

    Nach der losen Zahnspange kamen irgendwann die Brackets, die mit dem Draht fest montiert wurden. Da fingen die Probleme mit dem Zähneputzen an, genau zu Beginn der Pubertät. Entweder stellst du dich daneben und kontrollierst. Das nervt alle und dein Kind will es doch selbst machen. Oder du stellst dich nicht daneben und musst damit rechnen, dass der Zahnarzt bei der nächsten Kontrolle meckert. So war das auch bei uns.

    Mir war das dann schon peinlich, aber die Kinder oder Jugendlichen müssen es selbst von den Ärzten hören, dann wirkt es erst. Die Eltern sind da ein bisschen hilflos. Unsere Kieferorthopädin hat das aber ganz toll gemacht. Sie hat die Stellen mit Zahnbelag mit einem speziellen Wirkstoff angefärbt und unserem Sohn freundlich die Stellen gezeigt, die ungeputzt waren. Dann hat sie ihn vor Ort die Zähne nochmal putzen lassen und ihm die Technik gezeigt. Und noch mal kontrolliert und gelobt, wo es schon gut war. Das fand ich total klasse.

    Das wirkt viel mehr als die Kontrolle durch uns Eltern. Irgendwann muss man den Kindern das überlassen und zutrauen.

    In den ersten zwei Tagen nach Einsetzen der Spange haben die Zähne weh getan

    Insgesamt hatte Slavik selten Schmerzen oder Beschwerden durch die Zahnspange. Einmal ist ein Bracket abgegangen und der Draht hat irgendwo in die Wange gedrückt und weh getan. Das wurde aber schnell behoben. Und ganz am Anfang die ersten zwei Tage nach Einsetzen der festen Spangen waren die Schmerzen stärker, aber Slavik hat sich unglaublich schnell daran gewöhnt. Einschränkungen beim Essen gab es fast gar nicht, wir haben beim Kochen jetzt nicht speziell darauf geachtet.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Zahn- und Kieferfehlstellungen - Erfahrungsbericht - Mona

    „Meine Tochter war immer konsequent beim Tragen der Spange und bei der Zahnpflege. Deswegen war sie nach einem Jahr auch schon durch damit.“

    Mona, 41 Jahre

    „Meine Tochter war immer konsequent beim Tragen der Spange und bei der Zahnpflege. Deswegen war sie nach einem Jahr auch schon durch damit.“

    Als die Milchzähne draußen waren und die bleibenden Zähne kamen, wurde Olivia vom Zahnarzt zur Kieferorthopädin überwiesen. Dass die Zahnspange notwendig war, wussten wir schon länger vorher. Das haben wir auch gar nicht angezweifelt, wir haben unserem Zahnarzt vertraut. Der hatte uns in der Vergangenheit gut beraten und nie Behandlungen gemacht, wenn es nicht nötig war. Einen zweiten Kieferorthopäden haben wir gar nicht befragt, auch nicht bei der Krankenkasse nachgefragt, ob das notwendig ist. Für uns war das klar.

    Meine Tochter war vorbildlich beim Tragen und Pflegen der Spange

    Olivia hat immer alles super gepflegt, das war ein Traum. Ich musste mich selbst gar nicht darum kümmern. Sowohl die Zähne als auch die Spange selbst. Diese Gummis waren ein bisschen anstrengend mit der Fummelei beim Einsetzen. Aber auch das hat sie immer alles allein hinbekommen. Und weil sie immer alles so konsequent und vorbildlich gemacht hat, war sie nach einem Jahr auch schon durch mit der Spange.

    Da hatten wir echt Glück, sie hat das alles super gemacht. Und auch alles sehr selbständig und verantwortungsvoll. Wenn sie zum Beispiel ihre lose Zahnspange mal vergessen hat bei einer Übernachtung, mussten wir abends um elf da noch hinfahren.

    Ich denke, bei meinem Sohn wird das anders laufen. Da kann ich mir auch vorstellen, dass wir die eine oder andere Zusatzleistung wie Zahnreinigung dazu buchen werden.

    Den Eigenanteil bekommt man am Ende von der Krankenkasse zurück

    Wir mussten einen kleinen Anteil übernehmen, also jedes Quartal so 20 % selbst zahlen. Das war aber nicht so viel. Und nach abgeschlossener Behandlung mussten wir dann einfach die Rechnungen einreichen und haben alles wieder zurückbekommen.

    Zusätzlich wurden uns private Zusatzleistungen angeboten, die hätten wir komplett übernehmen müssen. Die genauen Leistungen haben wir uns aber erstmal genauer angeschaut.

    Zahnreinigung und Lingualbogen mussten wir privat bezahlen

    Privat zu zahlen war zum Beispiel alle sechs Wochen eine spezielle Zahnreinigung, damit sich der Zahn nicht verfärbt. Und dann war da der Lingualbogen, da lagen die Kosten bei 150 Euro.

    Wir haben uns für diesen Lingualbogen entschieden, weil wir ihn sehr sinnvoll fanden. Der bleibt noch für mehrere Jahre drin und verhindert, dass sich die Zähne wieder verschieben. Ich hatte als Kind eine lose Spange, aber nach Ende der Zeit hat sich mein Unterkiefer wieder ein bisschen verschoben. Das war schade.

    Zusatzleistungen würde ich immer genau prüfen

    Mit der Zahnreinigung wollten wir warten, weil wir wussten, dass unsere Tochter die Zähne gut pflegt. Wenn es nötig gewesen wäre, hätten wir das eher später noch dazu gebucht. Und dann gab es die Möglichkeit, dass man Brackets häufiger austauscht, das haben wir aber nicht genommen.

    Ich würde immer ein bisschen drauf achten, dass man sich von den Ärzten nicht alles aufschwatzen lässt. Bei unserem hatte ich das Vertrauen, dass wir nur das nehmen können, was wir für sinnvoll halten.

    Das Aussehen mit Spange war gar kein Problem

    Diese unsichtbaren Zahnschienen, die teuer sind, wurden uns gar nicht angeboten. Da lagen zwar im Wartezimmer Prospekte – hätten wir nachgefragt, hätten wir sie nehmen können. Aber wir mussten nicht.

    Mittlerweile gibt es ja auch viele schöne Zusatzsachen für die Jugendlichen. Auch wenn Olivia auffällige Brackets aus Metall hatte, konnte sie sich bei jeder Kontrolle eine andere Farbe für die Gummis aussuchen, die waren mal türkis, mal lila. Das war ganz nett.

    Spezielles Wachs schützt die Wangenschleimhaut

    Am Anfang war es mit den Drähten natürlich ein bisschen doof, die haben gedrückt. Olivia hätte auch Schmerzmittel nehmen können, aber sie wollte nicht. Gut war so ein spezielles Wachs, mit dem sie die harten Stellen polstern konnte, damit die Drähte nicht die Wangen innen aufscheuern. Das war praktisch.

    Die Gummis waren kompliziert einzusetzen und haben stark gespannt

    Was ein bisschen kompliziert war, dass sie die Gummis je nach Phase unterschiedlich einsetzen musste. Also entweder hinten über Kreuz, oder eine Zeitlang vorne über Kreuz. Das war ein bisschen tricky. Da habe ich sie auch oft fluchen gehört aus dem Badezimmer. Aber irgendwie hat es dann doch immer geklappt.

    Olivia konnte teilweise den Mund auch gar nicht mehr richtig öffnen, die Gummis haben nachts den Mund so stark zusammengezogen, dass sie morgens nicht richtig sprechen konnte, weil der Mund nicht aufging.

    Hartes zu essen, war schwierig

    Beim Essen mussten wir uns ein bisschen anpassen. Die Äpfel wurden ganz klein geschnitten am Anfang. Und rohe Möhren essen ging gar nicht mehr. Ansonsten konnte Olivia aber alles essen.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Zahn- und Kieferfehlstellungen - Erfahrungsbericht - Olivia

    „Mein Tipp ist, vor dem Einsetzen der Spange noch gut zu essen. Ich konnte zwei Tage danach nur Suppen und andere flüssige Sachen zu mir nehmen.“

    Olivia, 14 Jahre

    „Mein Tipp ist, vor dem Einsetzen der Spange noch gut zu essen. Ich konnte zwei Tage danach nur Suppen und andere flüssige Sachen zu mir nehmen.“

    Vor zwei Jahren habe ich eine Zahnspange bekommen, da war ich zwölf. Insgesamt hatte ich die Spange nur ein Jahr. Seit fünf Monaten ist sie raus und ich trage nur noch einmal in der Woche eine lose Spange, damit die Zähne dort bleiben, wo sie sind.

    Ich hatte vorher einen leichten Überbiss, deswegen standen meine Zähne so weit auseinander, dass der Zahnschmelz beim Beißen und Kauen abgerieben wurde. Aber ich hatte keine Beschwerden oder Schmerzen. Festgestellt hat das mein Zahnarzt, der hat bei einer normalen Kontrolluntersuchung gefragt, ob ich schon bei einem Kieferorthopäden gewesen wäre.

    Ich war die erste in meiner Klasse mit einer festen Zahnspange

    Für mich war die festsitzende Spange gar kein Problem. Ich hatte ja schon vorher eine herausnehmbare für eineinhalb Jahre und wusste, dass ich irgendwann eine feste Spange bekomme. Ich war von Anfang an ganz locker damit und habe mir jetzt nicht so die Sorgen gemacht.

    Ich war die erste in meiner Klasse, die eine feste Zahnspange bekommen hat, die anderen haben alle nachgezogen. Am Anfang war es komisch, weil ich die einzige war. Aber es war nicht schlimm, niemand hat mich geärgert oder so. Sie waren eher neugierig, alle sagten: „Zeig mal deine neue Zahnspange, wie sieht die denn aus.“ Und das war es auch, danach wurde gar nicht mehr darüber geredet.

    Beim Essen musste ich anfangs aufpassen, später ging sogar Kaugummi kauen

    Ein bisschen musste ich beim Essen aufpassen. Oft hingen Essensreste noch in der Zahnspange drin, da musste ich hinterher noch mal kontrollieren, damit ich nicht mit Resten zwischen den Zähnen rausgehe. Das sieht irgendwie nicht so lecker aus.

    Ich konnte auch fast alles essen, nur harte Sachen musste ich in kleine Scheiben schneiden. Aber ich war schon vorsichtiger. Später habe ich mich dann wieder getraut, sogar Kaugummi zu kauen. Das geht, man darf ihn nur nicht zwischen Wange und Zähne schieben. Aber wenn man in der Mitte kaut, klappt das super.

    Durch die Spange habe ich das Zahnfleisch nicht mehr so gründlich geputzt

    Zähne putzen war eigentlich völlig ok, ich hatte auch nicht das Gefühl, dass ich länger brauche. Ich habe aber gemerkt, dass ich durch die Spange das Zahnfleisch nicht mehr so gründlich putze wie ohne. Und wenn ich dann beim Zahnarzt war, hat es mehr geblutet.

    Nach jeder Kontrolluntersuchung hatte ich kurz auch Schmerzen, wenn die Spange verstellt wurde. Da bekam ich dickere Drähte und der Kiefer wurde mehr zusammengezogen. Aber irgendwann verging das auch wieder.

    Bevor die Spange eingesetzt wird: Auf jeden Fall noch mal richtig gut essen!

    Einer Freundin, die eine neue feste Spange eingesetzt bekommen soll, würde ich auf jeden Fall den Tipp geben, vor dem Termin noch etwas zu essen. Ich konnte nämlich in den ersten Stunden nicht kauen und zwei Tage danach nur Suppen und andere flüssige Sachen essen. Harte Sachen wie ein Apfel oder normales Essen taten noch sehr weh. Bei meiner Freundin war der Termin morgens, da hat sie noch keinen Hunger. Deswegen hatte sie nicht gefrühstückt und war zwei Tage lang hungrig.

    Eine herausnehmbare Schiene finde ich umständlich

    Es gibt verschiedene Zahnspangen und ich finde, es kommt darauf an, welche Zahnspange zu welchem Typ passt. Manche wollen ja keine feste Zahnspange und entscheiden sich für diese komischen Zahnschienen, die unsichtbar oder durchsichtig sind und wo man immer wieder neue bekommt jede Woche. Die müssen aber auch viel getragen werden, da braucht man schon Disziplin.

    Mir war eine feste Spange von Anfang an lieber. Ich wollte nicht immer beim Essen die Schienen ausziehen und dann wieder anziehen. Das fand ich blöd und umständlich.

    Damit die Zahnspange nicht komisch riecht, habe ich einen Teebeutel in die Dose gelegt

    Welchen Tipp ich wirklich klasse fand: In die Zahnspangendose kann man so einen Teebeutel reinlegen, ich hatte einen Früchtetee-Beutel genommen und zwischen die Zahnspangen gelegt. Dann riechen die Spangen nicht so eklig nach Zahnarzt oder muffig, sondern ganz leicht nach Tee und Früchten.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Zahn- und Kieferfehlstellungen - Erfahrungsbericht - Slavik

    „Als ich hörte, dass ich eine feste Zahnspange bekommen sollte, habe ich mich gefreut, weil ich das schon immer toll fand. In der ersten Woche war es blöd, weil ich nicht so gut essen konnte und es ziemlich weh getan hat. Aber ich habe mich schnell daran gewöhnt.“

    Slavik, 14 Jahre

    „Als ich hörte, dass ich eine feste Zahnspange bekommen sollte, habe ich mich gefreut, weil ich das schon immer toll fand. In der ersten Woche war es blöd, weil ich nicht so gut essen konnte und es ziemlich weh getan hat. Aber ich habe mich schnell daran gewöhnt.“

    Vor vier Jahren habe ich erst eine lose Zahnspange und dann eine festsitzende bekommen, weil ich einen Überbiss hatte. Wie lange die drinbleiben sollte, wurde mir aber nie richtig gesagt. Eigentlich sollte sie schon letztes Jahr rauskommen, aber es fehlten noch ein paar kleine Korrekturen.

    Als ich hörte, dass ich eine feste Zahnspange bekommen sollte, habe ich mich gefreut, weil ich das schon immer toll fand. Ich finde, dass Zahnspangen ziemlich cool aussehen. Ich wurde gefragt, ob es mir wichtig ist, welche Spange ich bekomme, ob eine aus Metall, die man sieht oder nicht. Mir war das aber ziemlich egal.

    In meiner Klasse war eine Zahnspange gar nichts Besonderes

    Nach dem Einsetzen fand ich die Spange zwar wieder blöd, weil ich nicht so gut essen konnte und sie mir ziemlich weh getan hat. Aber ich habe mich schnell daran gewöhnt.

    Ich hatte auch gar keine Bedenken, dass andere es komisch finden. Es hatten schon relativ viele meiner Freunde in der Klasse eine Zahnspange. Das war fast normal.

    Einen Freund von mir haben wir ein bisschen aufgezogen, weil er in den letzten Monaten der Behandlung nur noch vier Brackets hatte: Zwei oben auf den Schneidezähnen, zwei unten genau darunter. Das sah wie ein Kleinkind aus, das gerade seine ersten vier Zähne hat. Wie Bugs Bunny. Aber er hat es mit Humor genommen und war cool damit.

    Bei Bonbons und harten Möhren oder Äpfeln muss man aufpassen

    Beim Essen ging es. Man muss nur aufpassen, dass man nicht zu klebrige Sachen isst wie Karamell-Bonbons, sonst bleibt alles hängen. Und keine zu harten Sachen: Mir ist öfter ein Bracket abgebrochen, nachdem ich in eine Möhre oder einen Apfel gebissen habe. Harte Nüsse sind auch schlecht. Mir ist mal etwas Lustiges passiert: Ein Bracket hatte sich gelöst und sich im Mund einmal komplett gedreht, ohne dass ich es gemerkt habe. Innen war dann außen und außen war innen. Das sah ziemlich witzig aus. Ich war aber froh, dass ich es nicht verschluckt habe.

    Das Zähneputzen und die Gummis haben genervt

    Nervig war, dass das Zähneputzen länger dauerte. Außerdem musste ich die Zahnbürste anders halten. Und spezielle Bürsten benutzen für die Lücken zwischen den Zähnen und zwischen Spange und Zahn.

    Was mich auch genervt hat, waren die Gummis, die in die Häkchen eingespannt werden. Ich musste sie zum Essen immer raus machen, gerade in der Schule wusste ich dann nie wohin damit.

    Am Ende der Behandlung sollte ich die Gummis auch beim Essen und Kauen drin lassen. Das habe ich aber nicht gemacht, das geht doch gar nicht. Ich konnte nicht richtig essen, weil der Mund nicht weit genug aufgeht und das Kauen auch schwierig ist.

    Anstrengend ist es auch, weil man die Gummis überall liegen lässt. Ich habe sie oft gewechselt wegen der Sauberkeit, aber dann häufig vergessen, wieder ein neues Gummi einzusetzen.

    Nach jeder Kontrolle tut es ein paar Tage wieder mehr weh, aber es ist auszuhalten

    Ab und zu hatte ich auch Druckstellen und Entzündungen. Wenn ich zum Beispiel bei einer Kontrolluntersuchung festere Drähte bekommen habe, hat es ganz hinten gedrückt. Das fühlte sich fast wie in den ersten Tagen mit Spange an. Die Schmerzen haben aber nur ein oder zwei Tage angehalten. Man sollte schon wissen, dass es in der ersten Woche nach der Kontrolle ziemlich wehtut, aber es dauert nicht lange.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)