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Akne

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    Überblick

    Fast alle Jugendlichen entdecken irgendwann ihre ersten Pickel. Wenn eine Akne stärker ist, kann das sehr belastend sein. Doch es gibt einige Mittel und Methoden, die helfen können – auch wenn meist etwas Geduld nötig ist, bis sich eine Wirkung zeigt.

    Einleitung

    Fast alle Jugendlichen entdecken irgendwann ihre ersten Pickel. Manche haben nur vereinzelt kleine Pickel, die bald wieder verschwinden. Andere entwickeln eine ausgeprägte, hartnäckige und deutlich sichtbare Akne. Das kann sehr belastend sein, vor allem in der Pubertät.

    Doch es gibt einiges, was man gegen Akne tun kann – auch wenn jede Behandlung Geduld erfordert. Dieses Thema informiert über Akne bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen – der „gewöhnlichen“ Akne oder Akne vulgaris.

    Symptome

    Akne kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. In der Medizin wird zwischen leichter, mittelschwerer und schwerer Akne unterschieden. Zudem gibt es entzündliche und nicht entzündliche Akne. Die nicht entzündliche Akne ist eine leichte Form, bei der die meisten Menschen nicht von „Akne“, sondern lediglich von „Pickeln“ oder „Mitessern“ sprechen.

    Im Unterschied zu normalen Pickeln entwickeln sich Aknepickel über eine längere Zeit und bleiben hartnäckig bestehen. Mitunter hinterlassen sie kleine rote Flecken oder Narben. „Normale“ Pickel entstehen meist schnell und verschwinden auch nach kurzer Zeit wieder.

    • Leichte Akne: Bei der leichten Akne treten Mitesser (Komedonen) auf, verstopfte Talgdrüsen der Haut. Es gibt Mitesser mit schwarzem Kopf und solche mit weißem. Die schwarze Verfärbung hat nichts mit Schmutz zu tun: Sie entsteht, weil diese Mitesser „offen“ sind und sich der Hautfarbstoff Melanin mit dem Sauerstoff der Luft verbindet. Die weißlichen Mitesser sind geschlossen. Je mehr Talg sich in den Mitessern ansammelt, desto eher vermehren sich Bakterien und entstehen entzündliche Aknepickel. Von „leichter Akne“ spricht man auch, wenn jemand nur wenige oder kleine Aknepickel hat.
    • Mittelschwere Akne: Bei der mittelschweren Akne sind deutlich mehr Aknepickel zu sehen. Stärker entzündete Pickel werden als „Papeln“ (kleine Knötchen) oder als „Pusteln“ (mit Eiteransammlung) bezeichnet.
    • Schwere Akne: Bei schweren Formen bilden sich sehr viele Papeln und Pusteln, zusätzlich entstehen Knoten in der Haut. Die Knoten sind oft rötlich verfärbt und schmerzen. Es können später Aknenarben zurückbleiben.

    Ursachen

    Während der Pubertät entwickelt sich der Körper zu dem eines Erwachsenen. Diese Veränderung wird von Hormonen wie den Androgenen gesteuert. Androgene sind männliche Geschlechtshormone, die allerdings in der Pubertät auch vom weiblichen Körper verstärkt gebildet werden. Sie regen unter anderem die Haut an, mehr Fett zu produzieren.

    Schema der gesunden Haut, mit Talgdrüsen

     

    Das Hautfett wird als Talg bezeichnet und von den Talgdrüsen hergestellt. Der Talg hält die Haut geschmeidig und schützt sie. Wenn sich am Ausgang einer Talgdrüse jedoch eine Hornschicht bildet, kann der Talg nicht abfließen. Er sammelt sich dann in der Talgdrüse an und es entsteht ein Mitesser. Wenn er sich entzündet, bildet sich ein Aknepickel. Akne entsteht vor allem dort, wo es besonders viele Talgdrüsen gibt: im Gesicht, auf Brust, Rücken und Schultern.

    Bei Jugendlichen entsteht Akne hauptsächlich, weil der Körper während der Pubertät mehr Androgene produziert. Hat sich der Hormonhaushalt mit Anfang 20 eingependelt, verschwinden die Pickel bei den meisten wieder. Doch nicht alle Heranwachsenden bekommen Akne. Es wird daher vermutet, dass auch genetische Faktoren und das Immunsystem eine Rolle spielen.

     Entstehung eines Akne-Pickels, Erläuterung im Text

    Risikofaktoren

    Es gibt viele Theorien darüber, was Akne fördern könnte. Für manche gibt es wissenschaftliche Belege, für viele jedoch nicht. So wird manchmal behauptet, mangelhafte Hygiene sei ein Auslöser für Akne oder könne sie verstärken. Dafür gibt es keine Belege. Solche Vermutungen sorgen aber dafür, dass manche Jugendliche ein schlechtes Gewissen bekommen und sich selbst die Schuld an den Hautveränderungen geben.

    Manche Menschen haben den Eindruck, dass bestimmte Lebensmittel wie Schokolade, Fleisch oder Milchprodukte ihren Hautzustand verschlechtern. Zur Frage, ob die Ernährung Akne beeinflusst, gibt es einige wissenschaftliche Untersuchungen. Sie zeigen jedoch keinen Zusammenhang zwischen einer bestimmten Art der Ernährung und der Entstehung von Akne.

    Bestimmte Hautpflegemittel wie Fettcremes oder Öle, die die Hautporen verschließen, können Akne verstärken. Starkes Reiben der Haut oder das Ausdrücken von Mitessern können eine Akne ebenfalls verstärken.

    Manche Menschen berichten, dass Stress ihre Haut verschlechtert. Darauf deuten auch einige Untersuchungen hin. Unklar ist, ob zwischen Rauchen und Akne ein Zusammenhang besteht.

    Hormone werden nicht nur vom Körper selbst produziert, sondern manchmal auch durch Medikamente oder andere Mittel aufgenommen. Zum Beispiel können bestimmte Hormonbehandlungen Akne hervorrufen und verstärken. Dies gilt etwa für Anabolika (Mittel zum Muskelaufbau) und Medikamente wie Kortison. Auch bestimmte Mittel gegen Epilepsie können Akne fördern.

    Häufigkeit

    Akne ist bei Jugendlichen die häufigste Hautkrankheit. Die meisten bekommen irgendwann in der Pubertät eine mehr oder weniger starke Akne. Etwa 15 bis 20 von 100 Jugendlichen haben eine mittelschwere bis schwere Akne. Jungen sind wesentlich häufiger betroffen als Mädchen.

    Verlauf

    Häufig verschwindet die Akne mit etwa 20 Jahren von selbst. Einige Menschen haben aber noch mit über 30 Akne. Bei manchen bleiben rote, bei dunkler Haut auch bräunliche, Flecken oder Narben zurück.

    Folgen

    Vor allem bei einer schweren Akne können Narben zurückbleiben. Sie können entstehen, wenn eine Wunde abheilt. Bei Akne bilden sich Wunden in den unteren Hautschichten. Sie heilen sehr unterschiedlich: Sie können als kleine flache, kaum wahrnehmbare Narben zurückbleiben oder sich zu deutlich sichtbaren Grübchen im Gesicht entwickeln. Man unterscheidet verschiedene Formen von Aknenarben:

    • atrophe Narben: Wenn die Wunde nicht richtig abheilt, entwickelt sich zu wenig Bindegewebe. Die Narbe bildet sich dann unterhalb des umliegenden Gewebes und es entsteht eine Vertiefung (Grübchen). Wenn man Pickel ausdrückt, steigt das Risiko für solche Narben.
    • hypertrophe Narben: An Brust, Rücken oder Schulter können vor allem bei der schweren Akne auch erhabene Narben auftreten. Sie entstehen, wenn sich bei der Wundheilung zu viel Bindegewebe bildet. Als Spätfolge von Akne sind sie jedoch eher selten.
    • Keloide: Auch bei Keloiden bildet sich zu viel Bindegewebe. Im Gegensatz zu hypertrophen Narben gehen sie über das ursprünglich entzündete Gebiet hinaus. Sie sind eine sehr seltene Spätfolge von Akne.

    Häufiges Ausdrücken von Mitessern und Pusteln kann die Narbenbildung begünstigen.

    Behandlung

    Wer Akne hat, probiert häufig verschiedene Mittel und Methoden aus, um das Hautbild zu verbessern. Ob Gesichtswasser, Sonnenlicht oder eine bestimmte Ernährung – es gibt zahlreiche Empfehlungen, was bei Akne helfen soll.

    Außerdem gibt es zahlreiche Medikamente gegen Akne – zum Auftragen auf die Haut, aber auch zum Einnehmen. Da diese Mittel nicht verschreibungspflichtig sind, wird oft Werbung für sie gemacht. Die Werbung vermittelt allerdings oft unrealistische Vorstellungen über mögliche Behandlungserfolge. Für einige Verfahren und Medikamente ist belegt, dass sie Akne wirksam lindern, für andere nicht.

    Leider gibt es nur wenige gute Studien, die die verschiedenen Therapien miteinander verglichen haben. Daher lässt sich nicht gut beurteilen, ob bestimmte Mittel wirksamer sind als andere. Die meisten müssen über einen längeren Zeitraum angewendet werden, damit sie zu Hautverbesserungen führen. Manche von ihnen haben starke Nebenwirkungen.

    Leben und Alltag

    Die Pubertät ist ein schwieriger Lebensabschnitt. Viele Jugendliche sind in dieser Zeit unsicher und sehr kritisch mit sich und ihrem Aussehen. Das gilt umso mehr für Jugendliche mit Akne, die sich häufig als unattraktiv empfinden oder sich sogar für ihr Aussehen schämen. Bemerkungen von anderen über das Hautbild können sehr belasten, ebenso wie Schwierigkeiten bei der Suche nach einer Freundin oder einem Freund. Andererseits gehören Unsicherheit und Stimmungsschwankungen zur Pubertät dazu – auch bei Jugendlichen, die keine Akne haben. Es wäre also falsch, alle Pubertätsprobleme mit der Akne in Verbindung zu bringen.

    Wie belastend Akne für jemanden ist, hängt nicht immer davon ab, wie auffällig sie ist: Eine mittelschwere Akne kann ebenso belastend sein wie eine schwere.

    Akne wird ganz unterschiedlich erlebt. Manche Jugendliche stören sich weniger daran oder gehen selbstbewusst damit um, andere empfinden sie als starke Belastung. Allgemein ist Akne häufiger mit Ängsten, depressiven Gedanken und geringerem Selbstbewusstsein verbunden. Jugendliche mit Akne ziehen sich öfter zurück und haben auch häufiger Konflikte mit ihren Angehörigen.

    Wenn Jugendliche mit Akne im Umgang mit anderen Menschen wenig selbstbewusst sind, kann die Unterstützung von Freunden und Familie besonders hilfreich sein. Im Alltag können Hilfsmittel wie Make-up den Umgang mit Akne erleichtern und helfen, sich in der Öffentlichkeit sicherer zu fühlen.

    Weitere Informationen

    Quellen

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Welche Antibabypille kann bei Akne die Haut verbessern?

    Wenn Mädchen und Frauen mit Akne mit der Antibabypille verhüten, kann sich dadurch ihr Hautbild verbessern. Bestimmte Präparate wirken möglicherweise etwas besser gegen Akne als andere. Die Unterschiede sind aber gering.

    Akne ist die häufigste Hauterkrankung bei Jugendlichen. Die meisten Jungen und Mädchen haben irgendwann in der Pubertät eine mehr oder weniger starke Akne. Eine deutlich sichtbare, hartnäckige Akne kann Jugendliche sehr belasten und ihr Selbstwertgefühl beeinträchtigen. Deshalb probieren viele Jungen und Mädchen alles Mögliche aus, um die Pickel loszuwerden.

    Die Antibabypille bei Akne

    Akne entsteht vor allem, weil der Körper in der Pubertät vermehrt das männliche Geschlechtshormon Androgen produziert. Dies ist auch bei Mädchen so. Bei Mädchen und Frauen, die mit der Antibabypille verhüten, kann sich entzündliche und nicht entzündliche Akne bessern. Pillen, die bei Akne helfen, enthalten die Hormone Östrogen und Gestagen. Speziell zur Behandlung von Akne sind die meisten Antibabypillen allerdings nicht zugelassen. Außerdem gibt es auch nicht hormonelle Behandlungen, die bei Akne helfen können und zum Teil weniger Nebenwirkungen haben.

    Wie häufig und ausgeprägt die Nebenwirkungen einer Antibabypille sind, hängt unter anderem von der enthaltenen Hormondosis ab. Mit welchen Nebenwirkungen zu rechnen ist, kann bei der Entscheidung für ein bestimmtes Mittel aber weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Es ist daher gut zu wissen, ob bestimmte Präparate besser gegen Akne wirken als andere und welche Nebenwirkungen sie haben.

    Forschung zeigt nur leichte Unterschiede in der Wirksamkeit

    Eine Forschergruppe des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration hat den Nutzen von Antibabypillen zur Behandlung von Akne überprüft. Sie suchte nach Studien, in denen die Pille mit einem Scheinmedikament (Placebo) oder einem nicht hormonellen Akne-Medikament verglichen wurde. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werteten 31 Studien mit insgesamt rund 12.500 Teilnehmerinnen aus. Die meisten Studien verglichen verschiedene Antibabypillen miteinander oder die Pille mit einem Scheinmedikament. Vergleiche mit anderen Akne-Medikamenten gab es kaum.

    Alle untersuchten Antibabypillen konnten Akne lindern. Die Mittel wirkten gegen entzündliche wie gegen nicht entzündliche Akne. Bis sich das Hautbild besserte, mussten die Mittel oft mehrere Wochen bis Monate eingenommen werden. Pillen, die Akne lindern konnten, enthielten folgende Wirkstoffe, jeweils in Kombination mit Ethinylestradiol: Levonorgestrel, Norethindron, Norgestimat, Drospirenon, Cyproteronacetat, Chlormadinonacetat, Dienogest und Desogestrel.

    Der Vergleich zeigte, dass die meisten Pillen ähnlich gut gegen Akne wirken. Einzelne Mittel sind anscheinend jedoch etwas wirksamer als andere: Durch Pillen, die Cyproteronacetat oder Chlormadinonacetat enthalten, ging die Akne in jeweils einer Studie etwas stärker zurück als durch Mittel mit Levonorgestrel. Cyproteronacetat ist in Deutschland zwar nicht zur Verhütung zugelassen, kann aber zur Behandlung von Akne verschrieben werden. In allen anderen Studien war kein Mittel einem anderen über- oder unterlegen. Wenn eine bestimmte Pille also mit dem Hinweis beworben wird, sie mache viel schönere Haut als andere Pillen, ist Skepsis angebracht.

    Risiko für Thrombosen hängt vom Wirkstoff ab

    Antibabypillen können Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Spannungsgefühle in den Brüsten oder Übelkeit hervorrufen. Deshalb setzen manche Frauen die Pille wieder ab. Ob solche Nebenwirkungen bei bestimmten Präparaten häufiger sind als bei anderen, ist bisher nicht ausreichend untersucht.

    Hormonelle Verhütungsmittel erhöhen zudem das Risiko für Blutgerinnsel in den Beinen (Venenthrombosen), auch wenn das Risiko insgesamt niedrig ist. Präparate der 3. und 4. Pillengeneration wie Desogestrel, Dienogest, Gestoden und Drospirenon erhöhen das Risiko für Venenthrombosen offenbar stärker als die älteren Hormone der 1. und 2. Generation wie zum Beispiel Levonorgestrel und Norgestimat. Schätzungen gehen davon aus, dass bei der regelmäßigen Einnahme

    • von Desogestrel, Gestoden oder Drospirenon etwa 9 bis 12 von 10.000 Frauen innerhalb eines Jahres eine Venenthrombose bekommen.
    • von Levonorgestrel und Norgestimat etwa 5 bis 7 von 10.000 Frauen innerhalb eines Jahres eine Venenthrombose bekommen.

    Ohne Pille treten bei etwa 2 von 10.000 Frauen Venenthrombosen auf.

    Venenthrombosen können zu Spannungsgefühlen, Schwellungen und Schmerzen in den Beinen bis hin zu Hautschädigungen führen. Sehr selten lösen sie einen lebensbedrohlichen Verschluss der Lungenarterie (Lungenembolie) aus.

    Quellen

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    Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Rote-Hand-Brief zu kombinierten hormonalen Kontrazeptiva, einschließlich Informationsmaterialien: Risiko von venösen Thromboembolien. 03.02.2014.

    European Medicines Agency (EMA). Ethinylestradiol + drospirenone-containing oral contraceptives (YASMIN, YASMINELLE and other products) – Risk of venous thromboembolism. 26.05.2011.

    European Medicines Agency (EMA). Dienogest / ethinylestradiol-containing medicinal products indicated in acne. 27.01.2017.

    Lawrie TA, Helmerhorst FM, Maitra NK, Kulier R, Bloemenkamp K, Gülmezoglu AM. Types of progestogens in combined oral contraception: effectiveness and side-effects. Cochrane Database Syst Rev 2011; (5): CD004861.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Hautpflege bei Akne

    Pickel ausdrücken, das Gesicht intensiv pflegen und Make-up auftragen – so versuchen viele Menschen, ihre Akne zu lindern. Auch von einer bestimmten Ernährung oder Sonnenlicht versprechen sich manche Besserung. Aber was davon ist hilfreich, was schadet eher?

    In Geschäften und im Internet werden unzählige Seifen, Gesichtswasser, Lotionen und Cremes für die Gesichtspflege bei Akne angeboten. Sie verkaufen sich gut, denn viele Menschen mit Akne investieren sehr viel Geld und Zeit in die Hautpflege. Dabei wäre weniger hier oft mehr: Wird die Haut zu stark bearbeitet und immer neuen „pflegenden“ Substanzen ausgesetzt, kann sich die Akne verstärken.

    Pickel ausdrücken, das Gesicht intensiv pflegen und Make-up auftragen – so versuchen viele Menschen, ihre Akne zu lindern. Auch von einer bestimmten Ernährung oder Sonnenlicht versprechen sich manche Besserung. Aber was davon ist hilfreich, was schadet eher?

    In Geschäften und im Internet werden unzählige Seifen, Gesichtswasser, Lotionen und Cremes für die Gesichtspflege bei Akne angeboten. Sie verkaufen sich gut, denn viele Menschen mit Akne investieren sehr viel Geld und Zeit in die Hautpflege. Dabei wäre weniger hier oft mehr: Wird die Haut zu stark bearbeitet und immer neuen „pflegenden“ Substanzen ausgesetzt, kann sich die Akne verstärken.

    Welche Gesichtspflege eignet sich?

    Normale Seifen haben einen hohen pH-Wert (8 bis 10) und können die Haut reizen. Daher sind seifenfreie Reinigungsmittel, die dem pH-Wert der Haut (5,5) angepasst sind, bei Akne besser geeignet. Antibakterielle Waschlotionen können den Hautzustand bei leichter Akne verbessern, empfindliche Haut aber auch reizen. Übermäßiges Waschen – zum Beispiel mehrmals täglich – kann die Haut austrocknen und Irritationen verstärken.

    Zur Hautpflege werden leichte Öl-in-Wasser-Emulsionen oder feuchtigkeitsspeichernde Gele (Hydrogele) empfohlen, da fettende Mittel die Poren zusätzlich verstopfen können.

    Pickel: Ausdrücken oder besser in Ruhe lassen?

    Jeder, der Akne hat, hat schon einmal einen Pickel ausgedrückt. Es ist verständlich, dass man sichtbare Eiteransammlungen entfernen möchte. Das Ausdrücken von Pickeln oder Pusteln lässt die Haut zunächst besser aussehen. Der Eiter kann durch den Druck aber noch tiefer in die Haut gelangen, wodurch sie sich stärker entzündet. Vereinzeltes Ausdrücken führt zwar nicht gleich zu Narben. Wenn man es mit dem Ausdrücken jedoch übertreibt und auch von tiefer liegenden Pickeln nicht ablässt, kann dies die Beschwerden verstärken und langfristig die Narbenbildung fördern.

    Es gibt die Möglichkeit, sich in medizinischen Kosmetikstudios oder in Hautarztpraxen die Pickel öffnen zu lassen. Dort können sie von Fachkräften unter hygienischen Bedingungen entfernt werden. In der Regel wird die Gesichtshaut zunächst mit warmem Wasser oder einem Dampfbad vorbereitet, um die Poren zu weiten. Dann werden die Pickel geöffnet und ausgedrückt, häufig mit einem speziellen kleinen Instrument (Komedonenquetscher). Bei einer schweren Akne wird diese Behandlung unter Umständen von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

    Wie lassen sich Pickel abdecken?

    Mädchen und Frauen verwenden häufig Make-up, um Aknepickel zu verdecken. Viele fühlen sich dadurch wohler, wenn sie aus dem Haus gehen. Unauffälliges Make-up, Puder und Abdeckstifte werden aber auch von jungen Männern benutzt.

    Für Kosmetik- und Pflegeprodukte gilt allgemein: Sehr fetthaltige Mittel können die Poren verstopfen. Es lässt sich nicht vorhersagen, wie welches Produkt bei Akne auf die Haut wirkt. Wer Make-up oder Abdeckstifte verwenden möchte, muss daher selbst herausfinden, welche Mittel die eigene Haut am besten verträgt. Hier kann eine Beratung in einer Hautarztpraxis oder in einem medizinischen Kosmetikstudio weiterhelfen.

    Nass oder trocken rasieren?

    Viele junge Männer mit Akne sind unsicher, wie sie sich rasieren sollen. Ob es bei Akne besser ist, sich nass oder trocken zu rasieren, ist nicht gut untersucht. Klar ist nur, dass es Entzündungen fördert, das Hautbild verschlechtert und zur Entstehung von Narben beitragen kann, wenn die Haut zu stark bearbeitet wird. Deshalb ist die Wahl zwischen „nass oder trocken“ vermutlich gar nicht entscheidend. Wichtig ist vor allem, beim Rasieren vorsichtig zu sein und die Haut möglichst wenig zu verletzen.

    Können Sonnenlicht und UV-Bestrahlung Akne lindern?

    Es gibt sehr unterschiedliche Vermutungen, wie Sonnenlicht und künstliche UV-Strahlung auf Akne wirken. Manche glauben, dass sich die Akne durch Sonnenlicht bessert, andere vermuten, dass sie sich dadurch verschlechtert. Leider fehlen gute wissenschaftliche Untersuchungen zu dieser Frage. Zu lange in der Sonne oder unter einer UV-Lampe zu bleiben, kann der Haut aber schaden.

    Solarien oder Sonnenstudios dürfen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Deutschland nicht benutzen, da ihre Haut empfindlicher auf starke UV-Strahlung reagiert als die Erwachsener.

    Spielt die Ernährung eine Rolle?

    Verschiedene Nahrungsmittel werden immer wieder mit Akne in Zusammenhang gebracht. Deshalb verändern manche Betroffene ihre Ernährung in der Hoffnung, dass sich ihre Akne dadurch bessert.

    Einige Menschen berichten, dass der Verzicht auf zum Beispiel Fleisch, Milch oder Schokolade ihr Hautbild verbessert hätte. Manche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler führen die Entstehung von Akne auf die stark zuckerhaltige Ernährung in den westlichen Ländern zurück und halten eine Ernährungsumstellung für nützlich. Studien zeigen jedoch keinen Zusammenhang zwischen einer bestimmten Ernährungsform wie etwa einer zuckerarmen Diät und dem Entstehen oder Abklingen von Akne.

    Wie komme ich im Alltag mit Akne zurecht?

    Auch wenn die Akne sehr belastet, ist es wichtig, sich nicht unterkriegen zu lassen. Akne kann behandelt werden. Dies ist aber nur möglich, wenn man sich überwindet, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen. Eine erfolgreiche Behandlung kann das Wohlbefinden steigern und – rechtzeitig begonnen – vielleicht auch verhindern, dass Narben zurückbleiben. Hilfe und Unterstützung bieten auch psychosoziale Beratungsstellen oder Angebote wie die Telefonseelsorge, an die man sich kostenlos und anonym wenden kann.

    Manche Menschen mit Akne berichten, dass ihre Belastung abgenommen hat, als sie eine feste Freundin oder einen Freund gefunden hatten. Stabile Freundschaften helfen, selbstbewusster mit Akne umzugehen.

    Es kann wichtig sein, die Behandlung selbst in der Hand zu haben. Dabei können beispielsweise frei verkäufliche Mittel helfen. Der Wunsch, selbst aktiv zu werden, kann aber auch dazu führen, alles Mögliche auszuprobieren: Einige Jugendliche benutzen zu viele Pflegeprodukte, andere testen jede neue Behandlung, die angeboten wird. Hier ist weniger aber oft mehr.

    Das gilt auch für die Gesichtspflege. Wer Akne hat, muss sein Gesicht nicht häufiger waschen – im Gegenteil: Zu häufiges Waschen kann die Haut reizen, besonders wenn Seife verwendet wird. Stark fettende Salben können die Poren verstopfen.

    Wichtig ist vor allem, sich klarzumachen: Akne ist nicht selbst verschuldet. Die Ursache für Akne ist weder eine falsche Ernährung noch schlechte Hygiene. Es sind vor allem die Hormone, die in der Pubertät besonders aktiv sind.

    Quellen

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Akne: Helfen Salben, Tabletten oder Lichtbehandlung?

    Es gibt zahleiche Mittel gegen Akne – zum Auftragen auf die Haut oder zum Einnehmen, frei verkäuflich oder nur auf Rezept erhältlich. Was ist für wen geeignet? Und können Verfahren wie die Phototherapie das Hautbild verbessern?

    Welche Behandlungen bei Akne infrage kommen, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem,

    • von der Schwere der Akne,
    • vom Hauttyp (trocken, fettig oder Mischhaut),
    • von der psychischen Belastung durch die Akne,
    • von möglichen anderen gesundheitlichen Problemen,
    • vom Geschlecht,
    • davon, ob jemand zu Aknenarben neigt,
    • welche Behandlungen mit welchem Ergebnis bereits ausprobiert wurden und
    • wie die erwünschten und unerwünschten Wirkungen der verschiedenen Mittel eingeschätzt werden.

    Für fast alle Behandlungen gilt: Man braucht Geduld, bis sie wirken. Diese Geduld aufzubringen, kann sich aber lohnen und ist besser, als ständig die Behandlung zu wechseln. Denn sonst kann leicht das Gefühl entstehen, dass einem gar nichts hilft.

    Es gibt zahleiche Mittel gegen Akne – zum Auftragen auf die Haut oder zum Einnehmen, frei verkäuflich oder nur auf Rezept erhältlich. Was ist für wen geeignet? Und können Verfahren wie die Phototherapie das Hautbild verbessern?

    Welche Behandlungen bei Akne infrage kommen, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem,

    • von der Schwere der Akne,
    • vom Hauttyp (trocken, fettig oder Mischhaut),
    • von der psychischen Belastung durch die Akne,
    • von möglichen anderen gesundheitlichen Problemen,
    • vom Geschlecht,
    • davon, ob jemand zu Aknenarben neigt,
    • welche Behandlungen mit welchem Ergebnis bereits ausprobiert wurden und
    • wie die erwünschten und unerwünschten Wirkungen der verschiedenen Mittel eingeschätzt werden.

    Für fast alle Behandlungen gilt: Man braucht Geduld, bis sie wirken. Diese Geduld aufzubringen, kann sich aber lohnen und ist besser, als ständig die Behandlung zu wechseln. Denn sonst kann leicht das Gefühl entstehen, dass einem gar nichts hilft.

    Medikamente zum Auftragen auf die Haut

    Zur äußeren Behandlung stehen Cremes, Lotionen und Gele mit verschiedenen Wirkstoffen zur Verfügung. Alle Mittel müssen einige Wochen bis Monate angewendet werden, um wirken zu können. Sie werden nicht nur auf die vorhandenen Pickel, sondern auch auf die umliegende Haut aufgetragen, um die Neubildung von Aknepickeln zu verhindern.

    Manche Mittel können Hautirritationen wie Rötungen und Juckreiz auslösen. Dieses Risiko lässt sich senken, wenn man zunächst eine niedrige Dosierung wählt und diese dann schrittweise steigert. Bei Hautirritationen kann es hilfreich sein, die Dosierung zu verringern. Bleiben die Hautreizungen bestehen oder zeigt sich auch nach einiger Zeit keine Wirkung, kann man ein anderes Medikament ausprobieren.

    Benzoylperoxid

    Benzoylperoxid ist ein frei verkäufliches Präparat, das als Gel, Lotion und Creme angeboten wird. Benzoylperoxid fördert die Abstoßung der obersten Hornschichten der Haut. Dadurch soll der Talg besser abfließen, damit die Talgdrüsen nicht so leicht verstopfen. Außerdem wirkt das Mittel antibakteriell. Anders als bei Antibiotika besteht nicht die Gefahr, dass sich die Bakterien durch zu häufige Anwendung an die Substanz gewöhnen (Resistenzbildung).

    Benzoylperoxid kann bei leichter bis mittelschwerer Akne helfen, das Hautbild innerhalb einiger Wochen zu bessern. Allerdings kann es bei der Anwendung zu Hautirritationen wie Rötungen und Juckreiz kommen. Da das Mittel die Haare und die Kleidung bleichen kann, ist eine vorsichtige Anwendung ratsam. In welcher Form Benzoylperoxid benutzt wird, spielt für die Wirksamkeit keine Rolle. Das Mittel wird in verschiedenen Konzentrationen angeboten: 2,5 %, 5 % und 10 %. Die höher konzentrierten Produkte wirken nicht besser, die 10 %-Präparate führen aber häufiger zu Nebenwirkungen.

    Antibiotika

    Bei der entzündlichen Akne siedeln sich Bakterien in der Haut an. Antibiotika, die auf die Haut aufgetragen werden, können entzündliche Akne bessern. Bei nicht entzündlicher Akne sind sie nicht wirksam.

    Äußerlich anzuwendende Antibiotika sind rezeptpflichtig. Eine Therapie dauert mindestens drei Wochen, oft bringen aber erst Anwendungen über drei bis sechs Monate sichtbare Erfolge. Bei Antibiotika besteht immer die Gefahr, dass sich Resistenzen bilden. Das bedeutet, dass die Bakterien nach häufig wiederholter Anwendung gegen den Wirkstoff unempfindlich werden. Die Mittel wirken dann nicht mehr so gut oder gar nicht mehr. Deshalb sind Antibiotika nicht für die wiederholte Langzeittherapie geeignet.

    Retinoide

    Retinoide sind Abkömmlinge des Vitamin A. Zu den Retinoiden, die bei Akne für eine äußere Anwendung infrage kommen, gehören die Wirkstoffe Adapalen, Isotretinoin und Tretinoin. Diese Medikamente sind rezeptpflichtig und werden als Creme, Gel oder Lösung angewendet. Sie können bei entzündlicher und nicht entzündlicher Akne helfen: Der Hautzustand kann sich innerhalb einiger Wochen sichtbar bessern.

    Retinoide können Nebenwirkungen wie Hautrötungen, Brennen und Juckreiz haben. Für schwangere und stillende Frauen sind Retinoide nicht zugelassen.

    Weitere Mittel zur äußeren Anwendung

    Azelainsäure wird gegen die Verhornung der Talgdrüsen eingesetzt und kann Akne lindern. Es wirkt antibakteriell und gegen Entzündungen. Als Nebenwirkung können Hautirritationen wie Jucken und Brennen auftreten.

    Salicylsäure findet sich in vielen kosmetischen Akne-Produkten wie Gesichtswassern oder Cremes. Sie soll die Hornschicht auf den verstopften Hautporen lösen. Ob Mittel mit Salicylsäure bei Akne helfen, ist unklar. Zudem kann Salicylsäure Nebenwirkungen wie Hautrötung, Austrocknen und Abschälen der Haut haben.

    Medikamente zum Einnehmen

    Medikamente zum Einnehmen kommen in der Regel bei mittelschwerer oder schwerer Akne in Betracht, oder wenn die äußerliche Behandlung keine ausreichende Besserung gebracht hat.

    Antibiotika

    Antibiotika-Tabletten können entzündliche Akne reduzieren, wenn sie über mehrere Wochen bis Monate eingenommen werden.

    Antibiotika zum Einnehmen können Nebenwirkungen wie Schwindel, Verdauungsstörungen und allergische Reaktionen wie beispielsweise Hautausschläge auslösen. Antibiotika mit dem Wirkstoff Tetracyclin oder Minocyclin sind nicht für Mädchen und Frauen geeignet, die schwanger sind oder stillen. Ist eine Behandlung mit Minocyclin für mehr als drei Wochen geplant, müssen vor und dann regelmäßig während der Anwendung Blutwerte kontrolliert werden, um eine Störung der Leber- oder Nierenfunktion und der Blutbildung frühzeitig zu erkennen.

    Auch bei Antibiotika zum Einnehmen besteht bei wiederholter Anwendung die Gefahr, dass sich Resistenzen bilden und die Medikamente nicht mehr wirken.

    Hormone

    Eine Hauptursache von Akne ist die gesteigerte Produktion des Hormons Androgen oder eine erhöhte Empfindlichkeit dafür. Bestimmte Hormonpräparate können die Bildung und Wirkung des Androgens hemmen und so den Hautzustand verbessern.

    Es gibt Hormonpräparate, die speziell zur Behandlung von Akne verschrieben werden können. Diese Hormonpräparate wirken auch verhütend. In Deutschland sind für Mädchen und Frauen drei Wirkstoffkombinationen zur Behandlung von Akne zugelassen:

    • Ethinylestradiol / Cyproteronacetat
    • Ethinylestradiol / Chlormadinonacetat
    • Ethinylestradiol / Dienogest

    Bei mittelschwerer und schwerer Akne werden sie häufig mit einem Mittel zum Auftragen auf die Haut kombiniert, damit die Behandlung ausreichend wirkt. Dabei gilt die Kombination Ethinylestradiol / Dienogest als Mittel der zweiten Wahl – das heißt: Solche Präparate sollten nur Mädchen und Frauen nehmen, die ohnehin mit der Antibabypille verhüten möchten und denen Cremes und Tabletten nicht genug helfen.

    Hormonpräparate wie die Antibabypille sind dagegen zur Verhütung gedacht und meist nicht zur Behandlung von Akne zugelassen. Wenn Mädchen und Frauen mit Akne sowieso mit der Pille verhüten, kann sich ihre Haut aber auch dadurch bessern. Dies gilt allerdings nur, wenn sie eine Pille nehmen, die die Hormone Östrogen und Gestagen enthält.

    Hormonpräparate können Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Übelkeit haben. Zudem erhöhen sie das Risiko für Venenthrombosen; manche Präparate mehr als andere.

    Retinoide

    Retinoid-Tabletten sind die wirksamsten Akne-Medikamente, aber auch die Mittel mit den meisten Nebenwirkungen. Deshalb werden sie in der Regel erst angewendet, wenn andere Mittel nicht geholfen haben. Durch Retinoid-Tabletten kann sich Akne deutlich bessern oder ganz abheilen. Bei einem Teil der Betroffenen tritt die Akne einige Zeit nach der Behandlung jedoch erneut auf.

    Da Retinoide die Talgproduktion der Haut hemmen, können die Lippen und die Haut austrocknen, trockene Augen sind ebenfalls möglich. Auch Kopf-, Gelenk- und Rückenschmerzen treten auf. Je höher die Dosierung des Mittels, desto wahrscheinlicher sind solche Nebenwirkungen. Schwangere und stillende Frauen dürfen keine Retinoide einnehmen.

    Für sexuell aktive Mädchen und Frauen sind Retinoide nur dann eine Behandlungsmöglichkeit, wenn sie mindestens eine, vorzugsweise zwei Verhütungsmethoden gleichzeitig anwenden, zum Beispiel die Pille einnehmen und zur Sicherheit noch Kondome anwenden. Die Verhütung muss nach Ende der Therapie mindestens vier Wochen fortgesetzt werden. Der Grund: Durch die Einnahme von Retinoiden kann es zu Fehlbildungen beim Ungeborenen kommen.

    Vor einigen Jahren häuften sich Berichte, dass die Einnahme des Wirkstoffs Isotretinoin zu einer Zunahme von Selbsttötungen führt. Dieser Zusammenhang wurde in wissenschaftlichen Studien nicht nachgewiesen. Dennoch ist es wichtig, während der Anwendung von Retinoiden besonders auf ungewöhnliche Stimmungsschwankungen zu achten und die Ärztin oder den Arzt darüber zu informieren. Unabhängig davon ist ärztlicher Rat und / oder psychologische Unterstützung aber immer sinnvoll, wenn die Akne einem sehr zu schaffen macht oder sie zu psychischen Problemen führt.

    Behandlung mit Licht

    Neben Salben und Medikamenten zur Einnahme werden auch verschiedene Formen der Bestrahlung als Behandlungsmöglichkeit erprobt. Generell sind diese Verfahren aber noch nicht gut untersucht.

    Lasertherapie und Blitzlicht

    Es gibt Hinweise darauf, dass Laser und Blitzlichtlampen eine entzündliche Akne kurzfristig bessern können. Gute Studien zum längerfristigen Nutzen dieser Verfahren fehlen. Ob sie eine Alternative zu den anderen wirksamen Therapien darstellen, ist daher unklar.

    Phototherapie

    Etwas besser untersucht ist die Phototherapie. Bei dieser Behandlung wird die Haut gezielt und unter ärztlicher Aufsicht mit UV-Licht bestrahlt, was ebenfalls gegen Akne-Bakterien wirken soll. Studien deuten darauf hin, dass sich die Akne dadurch zumindest kurzfristig bessern kann. Eine Phototherapie kann nicht mit einem Besuch im Sonnenstudio gleichgesetzt werden.

    Andere Behandlungsmethoden

    Zur Behandlung der Akne werden auch unterschiedliche sogenannte alternativ- oder komplementärmedizinische Methoden angewendet. Verschiedene pflanzliche und homöopathische Mittel, Teebaumöl oder gereinigtes Bienengift sollen helfen, das Hautbild zu verbessern. Auch Akupunktur, Schröpfen und spezielle Massagen werden angeboten. Es gibt bisher aber für keines dieser Präparate und Methoden einen überzeugenden Beweis, dass sie wirken.

    Quellen

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Charlotte: Das Schlimmste war, wenn meine Mutter mich morgens auf meine Pickel angesprochen hat

    Charlotte, 26

    „Irgendwann habe ich strikt damit angefangen, nicht mehr an die Entzündungen zu gehen. Das hat mir geholfen.“

    Bei mir hat es mit etwa 14 Jahren schleichend angefangen. Irgendwann verschlimmerten sich die Hautveränderungen aber plötzlich relativ stark. Es entwickelten sich Entzündungen im Gesicht. Am restlichen Körper hatte ich keine Probleme.

    Am schlimmsten war es immer am Morgen. Eigentlich wollte ich gar nicht aufstehen und zur Schule gehen. Ich habe mich nicht getraut, in den Spiegel zu schauen. Früher bin ich immer sehr zeitig aufgestanden, weil ich mit Kosmetik und Abdeckstiften versucht habe, die Entzündungen zu überdecken. Ich glaube, das sah teilweise noch schlechter aus als vorher.

    Es war für mich sehr schwer, damit umzugehen

    Wenn ich ganz besonders furchtbar aussah, dann hat meine Mutter gesagt: „Kind, Du siehst wieder aus!“ Das war das Schlimmste für mich. Besonders, wenn ich vorher Stunden damit verbracht habe alles abzudecken und gedacht habe, man sieht es vielleicht doch nicht so sehr. Das fegte irgendwie alles über den Haufen. Dann wäre ich am liebsten gleich wieder ins Bett gegangen. Auch meine Geschwister haben mich oft geärgert.

    Es war besonders schwierig für mich, dass die Hautveränderungen in einer Lebensphase auftraten, in der das Äußere für mich total wichtig war. Ich fand mich hässlich und unausstehlich. Es war für mich sehr schwer, damit umzugehen.

    Zur schlechten Haut kommt noch, dass man die Entzündungen und Pickel die ganze Zeit spürt. Man fühlt diese Stellen und dadurch kann man es auch gar nicht vergessen. Ich hatte Entzündungen unter der Haut, die wurden ganz dick und hart, die konnte ich gar nicht ausdrücken. Die haben Spannungen der Haut erzeugt. Es war kein starker Schmerz, aber es lässt einen nicht los, weil man es die ganze Zeit spürt.

    Ich konnte die Entzündungen nicht in Ruhe lassen

    So etwas wie Schwimmen war für mich fatal. Ich hatte mir ja so viel Mühe gegeben, die Pickel abzudecken. In meiner Welt konnte ich das gar nicht machen, mit meiner Schicht aus Schminke. Oder später, wenn ich bei Freunden übernachten wollte und wenn Jungs dabei waren, dann musste ich mich immer in das Bad schleichen, damit mich niemand sieht. Ich musste es irgendwie hinbekommen, dass ich das Gefühl hatte, dass es nicht mehr so schlimm aussieht.

    Ein großes Problem war für mich, dass ich die Entzündungen nicht in Ruhe lassen konnte, sondern immer daran drücken musste. Ich konnte nicht davon lassen und das hat das Ganze noch verstärkt. Ich habe das zeitweise richtig exzessiv gemacht und konnte gar nicht mehr aufhören. Ich wusste, dass es dadurch schlimmer wird, aber ich konnte mich nicht bremsen. Es war irgendwie wie ein Teufelskreis. Meistens habe ich am Abend die Pickel ausgedrückt. Am Morgen danach war es dann noch schlechter, weil es sich in der Nacht weiter entzündet hat. Bei mir klingt die Entzündung so nach zwei Tagen ab, wenn ich drücke, dann nach vier Tagen. Es sind auch Erfahrungen, die man sammelt.

    Ich habe mir verschiedene Sachen besorgt, mit denen ich die Entzündungen selber behandelt habe. Zum Beispiel mit Heilerde. Ich hatte das Gefühl, dass sie schon geholfen hat, aber nicht langfristig. Ich habe auch Alkohol darauf getan, denn ich wollte, dass es sich nicht entzündet. Zuerst hat es schon geholfen, aber es wurde dann noch mehr rot und die Haut wurde richtig dünn. Ich hätte damals lieber zu einem Arzt gehen sollen. Ich hätte mich beraten lassen sollen, was man selber tun kann beziehungsweise besser nicht tun sollte.

    Ich habe einen Makel an mir verspürt

    Ich hatte einfach Glück, dass ich viele gute Freundinnen hatte und einen sehr starken Freundeskreis. Meine gut aussehenden Freundinnen haben dann natürlich die Jungs abbekommen. Ich habe mich auch nicht besonders selbstbewusst verhalten. Ich konnte mich nicht so richtig frei wie die anderen bewegen, weil ich so einen gewissen Makel an mir verspürt habe. Meine Freundinnen haben mir aber sehr viel Halt in dieser Zeit gegeben. Mein Selbstbewusstsein habe ich durch meine Freundinnen bekommen. Ich war wichtig für sie und war immer so eine Art Kummerkasten. Sie sind zu mir gekommen, wenn sie Probleme hatten.

    Ich bin trotz der Entzündungen nicht zum Arzt gegangen. Ich selber bin auch nicht auf die Idee gekommen. Ich wollte darüber gar nicht sprechen und eigentlich auch nicht zum Arzt gehen, dann hätte ich ja offen damit umgehen müssen und das konnte ich nicht.

    Irgendwann habe ich strikt damit angefangen, nicht mehr an die Entzündungen zu gehen. Das hat mir geholfen, denn die Entzündungen klangen ab. Ich habe versucht, bewusst damit umzugehen. Ich habe mir gesagt, dass ich mir zumindest vorher die Hände wasche, mir ein sauberes Handtuch hinlege und alles ein wenig steuere und nicht so gedankenlos damit umgehe. Oft sieht man etwas im Spiegel und zack, hängt man davor … Ich fand diese Art von Ritualen im Umgang mit dem Quetschen der Pickel für mich sehr wichtig. Sich vorzunehmen, dass man es gar nicht mehr macht, finde ich unrealistisch. Wichtig finde ich, es nicht jeden Tag zu tun, sondern vielleicht nur einmal in der Woche und nicht an entzündeten Stellen zu drücken.

    Es gab auch Phasen, da war es besser, zum Beispiel im Sommer. Sonne und Salzwasser – da waren die Entzündungen nach etwa einer Woche fast weg. Dann war ich sehr glücklich und sprühte vor Selbstbewusstsein.

    Andere Dinge im Leben wurden für mich wichtiger

    Die Entzündungen wurden so etwa ab meinem 20. Lebensjahr weniger. Heute kann ich mich mit dem Ausdrücken von Pickeln bremsen, weil ich weiß, dass ich am nächsten Morgen nicht schlimm aussehen möchte. Ganz aufgehört hat es aber durch meinen Sohn, da ich dann gar keine Zeit mehr hatte, stundenlang vor dem Spiegel zu stehen. Andere Dinge im Leben wurden für mich wichtiger.

    Wenn ich die Entzündungen nicht gehabt hätte, hätte ich vermutlich schneller selbstbewusster im Leben gestanden. Aber so eine Krise, die macht einen auch irgendwie stärker. Ich glaube auch, dass mich Probleme und Krisen dadurch heute nicht mehr so sehr belasten.

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Julia: Ich war sehr verzweifelt und habe viele Salben, Cremes und Peelings ausprobiert.

    Julia, 22

    „Momentan habe ich vereinzelt noch Pickel. Man sieht vielleicht noch die Narben, aber man muss dann schon genau hinsehen.“

    Bei mir fing die Akne an, als ich zwölf Jahre alt war. Kurz vor der Pubertät traten bei mir die ersten Pickelchen an der Stirn auf. Ich habe mir zuerst weiter keine Gedanken gemacht, denn es betraf ja nur die Stirn. Mit der Zeit waren aber die Wangen, die Nase und das Kinn komplett mit Pickeln übersät. Nicht nur äußerlich waren die Pickel sehr unangenehm, sie lösten zudem ein schmerzhaftes Druckgefühl aus.

    Daraufhin bin ich zu einer Kosmetikerin gegangen. Sie hat die Pickel geöffnet und diverse Cremes, Peelings und Masken auf die Gesichtshaut aufgetragen. Das war im Ganzen eine sehr teure Angelegenheit und hat letztlich nur ein wenig geholfen. Man kann die teuersten Salben und Cremes benutzen, aber dennoch ist es eine sehr individuelle Sache. Der eine reagiert darauf, der andere nicht. Erlöst hat es mich nicht.

    Ich war verzweifelt und habe vieles ausprobiert

    Ich bin dann schließlich zu einer Hautärztin gegangen. Sie hat mir eine Salbe mit Vitamin-A-Säure verschrieben. Das führte dazu, dass ich sehr starke Hautrötungen bekommen habe und die Haut sehr stark gespannt hat. Diese Behandlung musste ich aus diesen Gründen abbrechen. Dann habe ich eine Tinktur zum Auftragen bekommen. Das hat aber nur am Anfang geholfen. Mit der Zeit trocknete die Haut stark aus. Das war dann auch kein sehr schönes Hautbild, wenn man trockene und gerötete Haut hat. Ich war auch im Solarium. Das hat nichts gebracht, weil ich eine sehr empfindliche Haut habe und Sonnenbrand bekommen habe.

    Ich war sehr verzweifelt und habe selbstständig viele Salben, Cremes und Peelings ausprobiert. Das hatte zur Folge, dass eine Dermatitis in meinem Gesicht auftrat. Das bedeutete, dass der Hautschutzmantel aufgrund der intensiven Anwendung von Kosmetika zerstört war. Dies veranlasste mich, einen neuen Dermatologen aufzusuchen. Dieser sagte, dass ich gegen die Dermatitis am besten gar nichts machen soll. Im ersten Moment war das schon komisch, wenn ein Hautarzt sagt, dass man erstmal gar nichts drauf machen sollte. Dennoch bekam ich von ihm ein Antibiotikum verschrieben. Die Wirkung war für mich positiv, denn die Haut hat sich deutlich verbessert. Die Pickel wurden dann für ein halbes bis ein Jahr weniger. Bis heute habe ich einen Restbestand an Antibiotika in einer Schublade, falls es wieder mal so schlimm wird. Das ist eine Sicherheit für mich. Ich habe schon Angst, dass das wieder auftritt.

    Ich hatte auch versucht, weniger Süßigkeiten zu essen. Aber wahrscheinlich habe ich das nicht lange genug reduziert. Es hat nichts gebracht und ich war dann sehr schnell frustriert. Ich esse nicht so gerne Fleisch und meine Lebensqualität hat darunter schon gelitten. Man greift ja jeden Strohhalm, man probiert alles aus, bis die Haut kaputt ist und hat dadurch auch finanzielle Einbußen.

    Akne wird bei Männern eher akzeptiert als bei Frauen

    Ich habe oft abweisende und negative Reaktionen von Männern erfahren. Mir wurde mitunter dadurch deutlich, wie entstellt man als Frau ist, wenn man von Akne betroffen ist. Mein persönliches Resümee ist, dass Akne bei Männern in der Gesellschaft eher akzeptiert wird als bei Frauen. Einmal sagte beispielsweise ein fremder Mann auf der Straße zu mir: „Nimm doch mal eine Salbe.“ Oder ein anderer: „Wie siehst Du denn aus? Kannst Du denn da nichts machen?“

    Für mich war es psychisch nicht einfach. Besonders in der Zeit der Pubertät. Wenn man ausgeht, wird einem ja zuerst in das Gesicht geschaut, dann fallen schon die ersten Entscheidungen. Mein Selbstwertgefühl hat sehr stark gelitten. Ich bin in meiner Lebensweise schon ein wenig eingeschränkt gewesen. Zum Beispiel, dass ich mich immer schminken musste, wenn ich rausgehen wollte. Das war für mich ein echtes Problem.

    Insgesamt habe ich etwa zehn Jahre mit Akne gekämpft und habe auch ein entsprechendes Narbenbild. Aber wenn ich Make-up auftrage, sieht man es nicht sehr deutlich.

    Die Narben habe ich nicht umsonst. Ich habe die Pickel schon gespürt, bevor man sie sehen konnte. Dabei hatte ich das Gefühl: Es ruft regelrecht danach, dass man es bearbeiten muss. Und dann entzündet es sich noch schlimmer. Es ist wie ein innerer Drang, den ich nicht beherrschen kann. Ich hatte immer das Gefühl, wenn es so drückt, dass es raus muss und dann Ruhe gibt.

    Familie und Freundin haben mir sehr geholfen

    Meine Familie stand immer hinter mir. Es hat mich nie jemand auf mein Hautbild angesprochen oder mich gehänselt. Besonders, wenn ich wieder mal traurig war, wenn ich am Abend weg gehen wollte und aussah wie ein Streuselkuchen. Sie haben mich zur Kosmetikerin gefahren und mir auch geholfen, das zu finanzieren. Sie haben immer mit Wort und Tat hinter mir gestanden.

    Meine Freundin hat mir in dieser Zeit sehr geholfen. Mit ihr habe ich sehr viel Zeit verbracht. Sie war sehr feinfühlig mir gegenüber und konnte mich auch sehr gut ablenken. Es waren immer andere Sachen Thema, so dass ich dann überhaupt nicht darüber nachgedacht habe und einfach leben konnte, wie jeder andere Mensch auch. Das war auch die Zeit, in der ich Männer kennengelernt habe, die auch mit Frauen zusammen sein konnten, die Akne haben. Diese Erfahrung war sehr wichtig für mich.

    Wichtig finde ich es, sich ein gutes Selbstbewusstsein zu erarbeiten

    In meinem damaligen Freundeskreis habe ich neben meiner Freundin überhaupt keine Unterstützung erhalten. Aber ich glaube, dass ich das zum Teil auch mir selber zuschreiben muss, denn ich habe mich auch selber isoliert. Ich hatte einfach Angst. Wenn ich mit Klassenkameradinnen weggegangen bin, dann wurden alle Mädels von den Männern umgarnt und ich stand dann allein da. Da hatte ich nicht jede Woche Lust darauf.

    Momentan habe ich vereinzelt noch Pickel. Man sieht vielleicht noch die Narben, aber man muss dann schon genau hinsehen. Ich versuche zu vermeiden, ohne Make-up aus dem Haus zu gehen. Es ist wie ein Schutz, wie eine Maske, die mich schützt.

    Wichtig finde ich es, sich ein gutes Selbstbewusstsein zu erarbeiten. Und dass es noch so viele schöne Dinge im Leben gibt, die wichtig sind. Zum Beispiel meine Tochter, oder wenn man sich an einem schönen Sommerabend ins Grüne setzt und sich einfach nur der Natur hingibt.

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.