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Aneurysma der Bauchschlagader (Bauchaortenaneurysma)

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    Überblick

    Wenn sich die Bauchschlagader an einer Stelle dehnt und ausbuchtet, spricht man von einem Aneurysma der Bauchschlagader. Dazu kann es kommen, wenn die Elastizität der Gefäßwand nachlässt – etwa durch den normalen Alterungsprozess, Rauchen oder Bluthochdruck. Bei Männern entwickelt es sich häufiger als bei Frauen. Die meisten Aneurysmen bleiben harmlos.

    Einleitung

    Durch die Hauptschlagader gelangt das sauerstoffreiche Blut aus dem Herzen in den Körper. Den Teil der Hauptschlagader, der in der Bauchhöhle verläuft, nennt man Bauchschlagader (Bauchaorta). Sie hat normalerweise einen Durchmesser von etwa 2 cm.

    Wenn sich die Bauchschlagader an einer Stelle ausdehnt und eine Ausbuchtung mit einem Durchmesser von mehr als 3 cm bildet, spricht man von einem Aneurysma der Bauchschlagader (Bauchaortenaneurysma).

    Wer solch ein Aneurysma hat, merkt dies normalerweise nicht. Der Grund: Es verursacht in der Regel keine Beschwerden. Die meisten Aneurysmen bleiben harmlos.

    Wenn sich ein Aneurysma jedoch weiter ausdehnt, besteht die Gefahr, dass die Bauchschlagader unerwartet reißt. Dies ist ein Notfall und lebensbedrohlich.

    Symptome

    Die meisten Aneurysmen der Bauchschlagader verursachen keine Beschwerden und bleiben deshalb oft unerkannt.

    Größere Aneurysmen können sich durch Rücken- oder Bauchschmerzen bemerkbar machen oder durch Schmerzen in der Seite. Dann kann es auf der Suche nach der Ursache der Schmerzen entdeckt werden.

    Wenn die Bauchschlagader reißt, tritt ein plötzlicher Schmerz im Rücken auf, der in die Seite oder in die Leiste ausstrahlt. Durch den Riss kommt es zu einem großen Blutverlust, der zu Schwindel, Bewusstlosigkeit und schließlich zu einem Kreislaufzusammenbruch führt.

    Ursachen

    Ein Aneurysma der Bauchschlagader kann entstehen, wenn die Elastizität der Gefäßwand nachlässt, zum Beispiel durch den normalen Alterungsprozess, durch Rauchen oder weil das Gefäß stark beansprucht wird, etwa aufgrund von Bluthochdruck. Wenn sich an einer Stelle der Gefäßwand erst einmal eine Ausbuchtung gebildet hat, neigt die Gefäßwand dazu, sich weiter zu dehnen, sodass sich das Aneurysma vergrößert.

     

    Grafik: Bauchschlagader und ausgebuchtete Gefäßwand (Aneurysma) - wie im Text beschrieben Bauchschlagader und ausgebuchtete Gefäßwand (Aneurysma)

    Risikofaktoren

    Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko für ein Aneurysma der Bauchschlagader erhöhen:

    • Geschlecht: Männer entwickeln häufiger ein Aneurysma der Bauchschlagader als Frauen.
    • Alter: Das Risiko nimmt mit dem Alter zu. Die meisten Menschen mit einem Aneurysma der Bauchschlagader sind über 65 Jahre alt.
    • Rauchen: Rauchen ist der bedeutendste Risikofaktor, den man selbst beeinflussen kann.
    • Bluthochdruck: Wer Bluthochdruck hat, entwickelt häufiger ein Aneurysma.
    • Blutfette: Erhöhte Blutfette machen ein Aneurysma wahrscheinlicher.
    • genetische Veranlagung: Wer nahe Verwandte mit einem Aneurysma der Bauchschlagader hat oder eine weiße Hautfarbe, hat ebenfalls ein höheres Risiko.

    Häufigkeit

    Etwa 2 % aller Männer zwischen 65 und 75 Jahren haben ein Aneurysma der Bauchschlagader. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Frauen entwickeln deutlich seltener ein Aneurysma der Bauchschlagader.

    Verlauf

    Aneurysmen dehnen sich normalerweise langsam weiter aus. Die meisten Aneurysmen machen aber nie Beschwerden und bleiben lebenslang harmlos.

    Nur ein Teil aller Aneurysmen wird so groß, dass ein höheres Risiko für einen plötzlichen Riss besteht. Bei einem Riss tritt viel Blut in den Bauchraum – das ist ein Notfall und lebensbedrohlich. Das Risiko für einen Riss ist höher, wenn das Aneurysma schnell wächst oder mindestens 5,5 cm groß ist. Nach groben Schätzungen reißt ein Aneurysma der Bauchschlagader mit einer Größe von über 5,5 cm bei etwa 3 bis 6 von 100 Männern innerhalb eines Jahres.

    Diagnose

    Aneurysmen der Bauchschlagader lassen sich durch eine Ultraschalluntersuchung des Bauches erkennen. Dabei wird der Durchmesser der Bauchschlagader bestimmt. Ab einer Ausbuchtung von 3 cm spricht man von einem Aneurysma.

    Früherkennung

    Durch eine Ultraschalluntersuchung können große Aneurysmen früh erkannt werden. Diese können dann operiert werden, bevor sie reißen. Werden kleinere Ausbuchtungen gefunden, kann regelmäßig kontrolliert werden, ob und wie schnell sie sich ausdehnen.

    Es ist belegt, dass die Früherkennungsuntersuchung bei Männern ab 65 Jahren das Risiko verringert, dass ein Aneurysma reißt und sie sterben. Die Früherkennung hat jedoch auch Nachteile: Es werden Aneurysmen entdeckt und eventuell operiert, die nie gesundheitliche Probleme bereitet hätten. Solche Befunde nennt man Überdiagnosen. Außerdem kann der operative Eingriff selbst schwere Komplikationen verursachen. Das Wissen, ein Aneurysma zu haben, kann zudem sehr belastend sein.

    Für Frauen gibt es nur eine gute Studie zur Früherkennungsuntersuchung von Aneurysmen. Sie zeigt für Frauen keine Vorteile.

    Behandlung

    Ob und welche Behandlung sinnvoll ist, hängt vor allem von der Größe eines Aneurysmas, seiner Entwicklung und dem allgemeinen Gesundheitszustand einer Person ab. Kleinere Aneurysmen der Bauchschlagader mit einem Durchmesser von weniger als 5,5 cm werden gewöhnlich regelmäßig beobachtet. Rauchern wird außerdem empfohlen, mit dem Rauchen aufzuhören, weil es das Wachstum des Aneurysmas fördert. Bei Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder erhöhten Blutfetten wird dazu geraten, diese behandeln zu lassen. Ob Medikamente das Wachsen eines Aneurysmas bremsen und das Risiko für einen Riss tatsächlich verringern können, ist jedoch nicht geklärt.

    Wenn ein hohes Risiko besteht, dass ein Aneurysma reißt, ist ein operativer Eingriff die einzige Möglichkeit der Vorbeugung. Es gibt zwei Verfahren, um ein großes Aneurysma zu operieren:

    • offene Operation über einen Bauchschnitt: Dabei wird das Aneurysma geöffnet und durch ein künstliches Gefäßstück ersetzt.
    • endovaskulärer Eingriff über einen kleinen Schnitt in der Leiste: Durch den Schnitt wird ein Röhrchen (Stent-Prothese) in eine Arterie eingeführt, bis in das Aneurysma vorgeschoben und in die Ausbuchtung eingesetzt.

    Beide Verfahren bringen Risiken mit sich. Ob ein operativer Eingriff sinnvoll ist, ist eine individuelle Abwägung: Auf der einen Seite stehen die Risiken, auf der anderen Seite die Gefahr, dass ein Aneurysma reißt.

    Rehabilitation

    Eine offene Operation an der Bauchschlagader ist ein großer Eingriff. Daher schließt sich an diese Behandlung häufig eine Rehabilitation an. Ziel ist es, die Folgen des Eingriffs zu vermindern und die Lebensqualität zu verbessern. Eine Rehabilitation gibt einem die Möglichkeit, Alltagsaktivitäten langsam wieder aufzunehmen und so leichter in sein gewohntes Leben zurückzufinden.

    Leben und Alltag

    Die Diagnose „Aneurysma der Bauchschlagader“ kann unterschiedliche und auch widersprüchliche Gefühle auslösen. Manche Menschen sind froh, dass ihr Aneurysma erkannt wurde – die Kontrolluntersuchungen geben ihnen ein Gefühl der Sicherheit.

    Andere hätten im Nachhinein lieber nicht von dem Aneurysma erfahren. Denn dieses Wissen kann Angst auslösen und verunsichern.

    Viele leben fortan in dem Bewusstsein, dass ihr Leben gefährdet ist. Beschwerden wie Bauchschmerzen können beängstigend sein: Sie werden dann häufig mit dem Aneurysma in Verbindung gebracht, auch wenn kein Zusammenhang besteht. Außerdem schränken viele Menschen aus Sorge vor einem Riss ihren Alltag ein. Sie werden vorsichtiger und meiden körperliche Belastungen.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Ultraschall-Screening auf Bauchaortenaneurysmen: Abschlussbericht; Auftrag S13-04. 02.04.2015. (IQWiG-Berichte; Band 294).

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Versicherteninformation zum Ultraschall-Screening auf Bauchaortenaneurysmen – Addendum zum Auftrag S13 04: Auftrag P16-01. 13.10.2016. (IQWiG-Berichte; Band 449).

    Paravastu SC, Jayarajasingam R, Cottam R, Palfreyman SJ, Michaels JA, Thomas SM. Endovascular repair of abdominal aortic aneurysm. Cochrane Database Syst Rev 2014; (1): CD004178.

    Parkinson F, Ferguson S, Lewis P, Williams IM, Twine CP, South East Wales Vascular Network. Rupture rates of untreated large abdominal aortic aneurysms in patients unfit for elective repair. J Vasc Surg 2015; 61(6): 1606-1612.

    Robertson L, Atallah E, Stansby G. Pharmacological treatment of vascular risk factors for reducing mortality and cardiovascular events in patients with abdominal aortic aneurysm. Cochrane Database Syst Rev 2017; (1): CD010447.

    Rughani G, Robertson L, Clarke M. Medical treatment for small abdominal aortic aneurysms. Cochrane Database Syst Rev 2012; (9): CD009536.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Warum wird Männern eine Früherkennungsuntersuchung der Bauchaorta angeboten?

    Männer über 65 Jahre entwickeln häufiger ein Aneurysma der Bauchaorta als andere Menschen. Daher wird ihnen eine Früherkennungsuntersuchung der Bauchaorta angeboten. Sie verringert das Risiko, dass ein Aneurysma reißt und man stirbt. Die Behandlung kann aber schwerwiegende Komplikationen mit sich bringen.

    Ein Aneurysma der Bauchschlagader reißt zwar nur selten. Wenn dies passiert, ist es aber ein Notfall und lebensbedrohlich. Für Männer ab 65 Jahren kann eine Früherkennungsuntersuchung auf Bauchaortenaneurysmen sinnvoll sein. Sie dient dazu, große Aneurysmen zu entdecken, sodass sie vorbeugend operiert werden können. So soll ein Riss verhindert werden. Bei kleineren Ausbuchtungen wird regelmäßig kontrolliert, ob sie wachsen.

    Allerdings hat die frühe Erkennung auch Nachteile: Es werden auch Aneurysmen entdeckt, die nie gesundheitliche Probleme bereitet hätten. Wenn ein Mann weiß, dass er ein Aneurysma hat, kann das für ihn sehr belastend sein.

    Männer über 65 Jahre entwickeln häufiger ein Aneurysma der Bauchaorta als andere Menschen. Daher wird ihnen eine Früherkennungsuntersuchung der Bauchaorta angeboten. Sie verringert das Risiko, dass ein Aneurysma reißt und man stirbt. Die Behandlung kann aber schwerwiegende Komplikationen mit sich bringen.

    Ein Aneurysma der Bauchschlagader reißt zwar nur selten. Wenn dies passiert, ist es aber ein Notfall und lebensbedrohlich. Für Männer ab 65 Jahren kann eine Früherkennungsuntersuchung auf Bauchaortenaneurysmen sinnvoll sein. Sie dient dazu, große Aneurysmen zu entdecken, sodass sie vorbeugend operiert werden können. So soll ein Riss verhindert werden. Bei kleineren Ausbuchtungen wird regelmäßig kontrolliert, ob sie wachsen.

    Allerdings hat die frühe Erkennung auch Nachteile: Es werden auch Aneurysmen entdeckt, die nie gesundheitliche Probleme bereitet hätten. Wenn ein Mann weiß, dass er ein Aneurysma hat, kann das für ihn sehr belastend sein.

    Welche Ergebnisse liefert die Untersuchung?

    Bei der Früherkennung wird der Durchmesser der Bauchschlagader mit einem Ultraschallgerät gemessen. Vom Ergebnis dieser Untersuchung hängt das weitere Vorgehen ab.

    Wenn sich 1000 Männer ab 65 Jahren untersuchen lassen, ist mit folgenden Ergebnissen zu rechnen:

    • Etwa 980 von 1000 Männern haben kein Aneurysma: Der Durchmesser ihrer Bauchschlagader ist kleiner als 3 cm. Dieses Ergebnis ist unauffällig.
    • Etwa 18 von 1000 Männern haben ein kleines bis mittleres Aneurysma: Bei einem Durchmesser zwischen 3 und 5,4 cm empfehlen Fachleute, die Bauchschlagader regelmäßig per Ultraschall zu kontrollieren. Wenn sie sich weiter dehnt, kann später ein operativer Eingriff sinnvoll sein.
    • Etwa 2 von 1000 Männern haben ein großes Aneurysma: Bei einem Durchmesser ab 5,5 cm ist das Risiko für einen Riss vergleichsweise hoch. Dann wird meist ein operativer Eingriff empfohlen.

    Die folgende Grafik zeigt die Ergebnisse der Untersuchung noch einmal.

    Grafik: Was passiert, wenn 1000 Männer ab 65 Jahren zur Früherkennung gehen? Auf einen Blick: Was passiert, wenn 1000 Männer ab 65 Jahren zur Früherkennung gehen?

    Aber:

    • Auch bei einem unauffälligen Ergebnis kann sich später noch ein Aneurysma entwickeln.
    • Auf der anderen Seite hätte nicht jedes Aneurysma, das gefunden wird, jemals gesundheitliche Probleme bereitet.

    Welche Vorteile hat die Untersuchung?

    Vor allem bei einem großen Aneurysma besteht die Gefahr, dass es in den nächsten Jahren unerwartet reißt. Das kann tödlich sein.

    Studien haben untersucht, wie viele Risse und Tode langfristig vermieden werden können, wenn man ein Aneurysma frühzeitig entdeckt. Die folgende Schätzung zeigt, was man in den 13 Jahren nach der Ultraschalluntersuchung ungefähr erwarten kann:

    Von 1000 Männern ab 65 Jahren ...
      ... reißt ein Aneurysma ... sterben an einem Aneurysma
    Ohne Früherkennung bei etwa 7 etwa 6
    Mit Früherkennung bei etwa 4 etwa 3
    Das heißt: Von 1000 Männern werden… … etwa 3 vor einem Riss bewahrt … etwa 3 vor dem Tod durch ein Aneurysma bewahrt

    Welche Nachteile hat die Untersuchung?

    Ein Teil der Aneurysmen, die bei der Untersuchung gefunden werden, wäre ohne Früherkennung niemals aufgefallen. Sie wären nicht gerissen, Kontrolluntersuchungen oder operative Eingriffe wären nicht erforderlich gewesen. Leider lassen sich solche harmlosen Aneurysmen nicht sicher von gefährlichen unterscheiden.

    Nach Schätzungen bleibt etwa die Hälfte der entdeckten Aneurysmen harmlos. Es sind vor allem kleine Aneurysmen, die niemals aufgefallen wären. Das bedeutet:

    Etwa 20 von 1000 Männer, die an der Untersuchung teilnehmen, erfahren von einem Aneurysma. Bei etwa 10 von ihnen hätte das Aneurysma aber keine Probleme bereitet.

    Was ändert sich, wenn man von einem Aneurysma weiß?

    Die Diagnose kann unterschiedliche und auch widersprüchliche Gefühle auslösen. Manche Männer sind froh, dass ihr Aneurysma erkannt wurde – die Kontrolluntersuchungen geben ihnen ein Gefühl der Sicherheit.

    Andere Männer hätten im Nachhinein lieber nicht von dem Aneurysma erfahren. Denn dieses Wissen kann Angst auslösen und verunsichern.

    Viele Männer leben fortan in dem Bewusstsein, dass ihr Leben gefährdet ist. Beschwerden wie Bauchschmerzen können beängstigend sein. Außerdem schränken viele Männer aus Sorge vor einem Riss ihren Alltag ein. Sie werden vorsichtiger und meiden körperliche Belastungen.

    Was geschieht bei einem operativen Eingriff?

    Bei einer vorbeugenden Operation gibt es zwei Möglichkeiten:

    • Das Aneurysma wird geöffnet und durch ein künstliches Gefäßstück ersetzt. Für diese Operation ist ein Bauchschnitt erforderlich.
    • In das Aneurysma wird ein Röhrchen eingesetzt. Für diesen Eingriff ist ein kleiner Schnitt in der Leiste erforderlich. Über diesen Schnitt wird das Röhrchen mit einem Katheter eingeführt und bis zum Aneurysma vorgeschoben.

    Beide Eingriffe können Leben retten. Sie können aber auch zu schwerwiegenden Komplikationen führen, beispielsweise einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder einer Lungenentzündung.

    Deshalb muss individuell beurteilt werden, ob die Gefahr, die von einem Aneurysma ausgeht, einen operativen Eingriff rechtfertigt. Die Entscheidung dafür oder dagegen hängt auch von dem Gesundheitszustand eines Mannes ab und davon, wie er selbst die Vor- und Nachteile eines Eingriffs einschätzt.

    Überwiegen die Vorteile oder Nachteile der Früherkennung?

    Verschiedene Männer bewerten die Vor- und Nachteile der Früherkennungsuntersuchung unterschiedlich. Manche möchten die Früherkennung nutzen, da für sie die Vorteile überwiegen. Andere entscheiden sich dagegen, weil die Nachteile für sie schwerer wiegen. Wer überlegt, ob eine Früherkennungsuntersuchung der Bauchaorta für ihn infrage kommt, kann versuchen, sich mit einer Entscheidungshilfe einen Überblick zu verschaffen. Die Entscheidungshilfe kann dabei helfen herauszufinden, was einem wichtig ist und zu welchen Fragen noch Informationen fehlen. Sie lässt sich außerdem nutzen, um ein Gepräch mit der Ärztin oder dem Arzt vorzubereiten. Diese Broschüre kann man auch beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) herunterladen.

     

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Ultraschall-Screening auf Bauchaortenaneurysmen: Abschlussbericht; Auftrag S13-04. 02.04.2015. (IQWiG-Berichte; Band 294).

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Versicherteninformation zum Ultraschall-Screening auf Bauchaortenaneurysmen – Addendum zum Auftrag S13-04: Auftrag P16-01. 13.10.2016. (IQWiG-Berichte; Band 449).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Wann ist bei einem Bauchaortenaneurysma ein vorbeugender Eingriff sinnvoll?

    Bei einem großen Aneurysma der Bauchschlagader besteht die Gefahr, dass es unerwartet reißt. Ein operativer Eingriff kann dem vorbeugen, er hat aber selbst Risiken. Die Entscheidung sollte deshalb sorgfältig abgewogen werden.

    Je größer ein Aneurysma ist, desto größer ist das Risiko für einen Riss. Nach groben Schätzungen reißt ein Aneurysma der Bauchschlagader mit einer Größe von über 5,5 cm bei etwa 3 bis 6 von 100 Männern innerhalb eines Jahres. Deshalb wird häufig zu einem operativen Eingriff geraten. Es kann aber auch gute Gründe geben, darauf zu verzichten.

    Bei einem großen Aneurysma der Bauchschlagader besteht die Gefahr, dass es unerwartet reißt. Ein operativer Eingriff kann dem vorbeugen, er hat aber selbst Risiken. Die Entscheidung sollte deshalb sorgfältig abgewogen werden.

    Je größer ein Aneurysma ist, desto größer ist das Risiko für einen Riss. Nach groben Schätzungen reißt ein Aneurysma der Bauchschlagader mit einer Größe von über 5,5 cm bei etwa 3 bis 6 von 100 Männern innerhalb eines Jahres. Deshalb wird häufig zu einem operativen Eingriff geraten. Es kann aber auch gute Gründe geben, darauf zu verzichten.

    Operieren lassen: ja oder nein?

    Ob und wann ein Eingriff sinnvoll ist, hängt von zwei Fragen ab:

    • Wie groß ist das Risiko, dass das Aneurysma in den nächsten Jahren plötzlich reißt?
    • Wie groß ist das Risiko eines vorbeugenden operativen Eingriffs?

    Risiko für einen plötzlichen Riss

    Ein Riss ist ein lebensbedrohlicher Notfall und muss sofort im Krankenhaus operiert werden. Etwa die Hälfte der Männer stirbt, kurz nachdem ihr Aneurysma gerissen ist. Vor allem folgende Faktoren machen einen Riss wahrscheinlicher:

    • Das Aneurysma ist größer als 5,5 cm.
    • Das Aneurysma ist schnell gewachsen (mehr als 0,5 cm in einem halben Jahr oder mehr als 1 cm in einem Jahr).
    • Das Aneurysma verursacht Beschwerden wie Rücken- oder Bauchschmerzen oder Schmerzen in der Seite.

    Risiken eines vorbeugenden operativen Eingriffs

    Ein operativer Eingriff an einem Aneurysma birgt das Risiko für schwere Komplikationen, vor allem Lungenkomplikationen und Herzschäden. Man kann auch infolge des Eingriffs sterben, beispielsweise an einem Herz-Kreislauf-Versagen. Ob es zu Komplikationen kommt, hängt unter anderem vom gesundheitlichen Zustand ab. Herz-Kreislauf-Erkrankungen beispielsweise erhöhen das operative Risiko. Es kann außerdem vorkommen, dass kurz nach der Behandlung oder zu einem späteren Zeitpunkt ein weiterer Eingriff erforderlich ist.

    Ärztinnen und Ärzte schätzen deshalb das Risiko für Komplikationen ab. Dabei sprechen folgende Faktoren gegen einen vorbeugenden operativen Eingriff:

    • Die Person hat weitere schwerwiegende Erkrankungen, zum Beispiel eine Herzkrankheit.
    • Der allgemeine Gesundheitszustand ist so schlecht, dass ein Eingriff zu risikoreich erscheint, zum Beispiel aufgrund des fortgeschrittenen Alters und der damit verbundenen Beschwerden.

    Ein operativer Eingriff kommt infrage, wenn das Risiko, dass das Aneurysma in den nächsten Jahren unerwartet reißt, größer erscheint als die Risiken einer Operation.

    Welche Operationstechniken gibt es?

    Es gibt zwei Techniken, um ein Aneurysma zu operieren:

    • offene Operation über einen Bauchschnitt
    • endovaskulärer Eingriff über einen kleinen Schnitt in der Leiste

     

    Grafik: Operationstechniken bei Bauchaortenaneurysma Operationstechniken bei Bauchaortenaneurysma

    In Deutschland werden etwa 20 von 100 Patienten offen und 80 von 100 endovaskulär operiert.

    Offene Operation

    Bei der offenen Operation wird das Aneurysma beseitigt und durch ein künstliches Gefäßstück (Gefäß-Prothese aus Kunststoff) ersetzt.

    Für die offene Operation ist eine Vollnarkose erforderlich. Zunächst wird die Bauchdecke über einen Bauchschnitt geöffnet. Dann unterbrechen die Ärztinnen oder Ärzte den Blutstrom der Bauchschlagader, indem sie diese oberhalb und unterhalb des Aneurysmas abklemmen. Sie schneiden das Aneurysma auf und setzen dort eine Gefäß-Prothese ein. Die Prothese wird eingenäht. Im Anschluss legen die Ärzte die Gefäßwand des aufgeschnittenen Aneurysmas um die Prothese und nähen sie fest. Dann wird der Blutstrom wieder freigegeben.

    Grafik: offene Operation: Aneurysma wird durch künstliches Gefäßstück ersetzt offene Operation: Aneurysma wird durch künstliches Gefäßstück ersetzt

    Der Eingriff dauert etwa drei Stunden. Im Anschluss an die Operation wird man auf die Intensivstation gebracht und bleibt für 11 bis 14 Tage im Krankenhaus. Es kann jedoch mehrere Wochen bis Monate dauern, bis es wieder möglich ist, seinem normalen Alltag nachzugehen.

    Eine offene Operation ist für Menschen mit schweren Begleiterkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Atemwege oder der Niere häufig nicht geeignet, weil diese Operation für sie zu risikoreich ist. Nach der Operation sind Kontrolluntersuchungen vorgesehen.

    Endovaskulärer Eingriff

    Bei dem endovaskulären Eingriff wird mit einem kleinen Schnitt in der Leiste ein dünner Katheter in die Oberschenkelarterie eingeführt. Über diese Arterie wird der Katheter bis in das Aneurysma vorgeschoben, um dort die Stent-Prothese einzusetzen. Die Stent-Prothese besteht aus Drahtgeflecht und ist mit Kunststoff ummantelt. Ist das Aneurysma erreicht, wird die Stent-Prothese mithilfe eines Ballons an der Spitze des Katheters entfaltet und in der Bauchschlagader (Aorta) fixiert. Der Katheter wird anschließend zurückgezogen. Das Blut strömt dann durch den Stent. Dadurch wird die Gefäßwand weniger belastet, sodass die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass das Aneurysma weiter wächst oder reißt.

     

    Grafik: endovaskulärer Eingriff mit Stent-Prothese endovaskulärer Eingriff mit Stent-Prothese

    Es kann unter Vollnarkose, Teilnarkose oder örtlicher Betäubung operiert werden. Im Durchschnitt ist danach ein 6- bis 8-tägiger Krankenhausaufenthalt nötig. Die vollständige Genesung kann einige Wochen dauern.

    Nach dem Eingriff wird geprüft, ob die Stent-Prothese richtig liegt, dicht hält und nicht geknickt ist. Es werden lebenslang Kontrolluntersuchungen empfohlen: die erste einen Monat nach dem Eingriff, dann alle 3 bis 6 Monate und ab dem zweiten Jahr alle 12 Monate. Kontrolluntersuchungen gehen häufig mit einer Strahlenbelastung einher, da die Stent-Prothese oft mithilfe einer Computertomografie überprüft wird.

    Ein endovaskulärer Eingriff ist nicht immer möglich. Dies hängt davon ab, wie die Bauchschlagader beschaffen ist und wo genau andere Gefäße abgehen. Außerdem muss es eine passende Stent-Prothese geben. Der endovaskuläre Eingriff ist schonender als eine offene Operation. Langfristig bietet er aber keine besseren Überlebenschancen. Außerdem erfordert er häufiger als eine offene Operation einen weiteren Eingriff und mehr Kontrolluntersuchungen. Welcher Eingriff infrage kommt, hängt deshalb auch davon ab, wie man selbst die Vor- und Nachteile der beiden Techniken einschätzt.

    Endovaskulärer Eingriff bei schlechtem Gesundheitszustand

    Endovaskuläre Eingriffe kommen vor allem für ältere Menschen infrage, für die eine offene Operation zu risikoreich ist, etwa aufgrund einer schweren Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankung. Für diese Personen kann aber auch ein endovaskulärer Eingriff eine unnötige Belastung sein. Eine Studie mit Männern, deren Gesundheitszustand keine offene Operation zuließ, deutet darauf hin, dass der endovaskuläre Eingriff keine Vorteile hat. Es starben innerhalb von vier Jahren gleich viele Männer, unabhängig davon, ob sie endovaskulär operiert wurden oder ganz auf einen Eingriff verzichteten.

    Welche Komplikationen können auftreten?

    Sowohl eine offene Operation als auch ein endovaskulärer Eingriff können zu schweren Komplikationen führen. Man kann auch infolge des operativen Eingriffs sterben. Das Risiko, in den ersten 30 Tagen nach einem Eingriff zu sterben, ist bei einer offenen Operation höher als bei einem endovaskulären Eingriff. Dieser Unterschied besteht vier Jahre nach dem operativen Eingriff jedoch nicht mehr.

    Ein operativer Eingriff kann außerdem weitere Komplikationen hervorrufen, beispielsweise einen Schlaganfall oder Lungenkomplikationen. Er kann den Herzmuskel schädigen oder die Funktion der Niere einschränken. Nach dem operativen Eingriff kann die Sexualität vorübergehend beeinträchtigt sein.

    Eine offene Operation ist in der Regel mit einem größeren Blutverlust verbunden als ein endovaskulärer Eingriff. Außerdem hinterlässt eine offene Operation eine größere Narbe. Manchmal kommt es im Bereich der Operationsnarbe auch zu einem Narbenbruch, der operiert werden muss. Ein weiterer Eingriff kann auch aus anderen Gründen erforderlich werden – meist ein kleinerer Eingriff mit einem Katheter. Zum Beispiel kann sich nach einer offenen Operation die Gefäß-Prothese verschließen.

    Nach einem endovaskulären Eingriff kann die Stent-Prothese verrutschen oder sie hält nicht dicht. Auch wenn die Stent-Prothese nicht richtig eingesetzt werden konnte, kann ein weiterer Eingriff nötig sein. Außerdem kann es bei dem Eingriff zu Verletzungen der Oberschenkelarterie kommen, über die der Katheter vorgeschoben wird. Nach einem endovaskulären Eingriff ist häufiger eine weitere operative Behandlung erforderlich als nach einer offenen Operation.

    Bei Männern entwickelt sich häufiger ein Aneurysma der Bauchschlagader als bei Frauen. Daher wurden in den meisten Studien fast ausschließlich Männer behandelt. Die  Informationen in der folgenden Tabelle gelten deshalb für Männer mit insgesamt gutem Gesundheitszustand. Die Tabelle gibt einen Überblick über Unterschiede zwischen den beiden Verfahren. Sie zeigt, wie häufig mögliche Komplikationen sind.

    Tabelle: Vergleich von offener Operation und endovaskulärem Eingriff bei Männern mit einem Bauchaortenaneurysma
      offene Operation  endovaskulärer Eingriff 
    Für wen kommt der Eingriff infrage? 
    • Personen mit einem relativ guten Gesundheitszustand
    • Personen mit einer geeigneten Beschaffenheit der Bauchschlagader
    • passende Stent-Prothese muss verfügbar sein

    30 Tage nach dem Eingriff:

    Wie viele Männer sind gestorben?

     etwa 4 von 100  etwa 1 von 100

    4 Jahre nach dem Eingriff:

     

     

    Wie viele Männer sind gestorben?

    4 Jahre nach dem Eingriff besteht kein Unterschied mehr. In beiden Gruppen sind dann etwa 10 von 100 Männern gestorben.

    Wie viele Männer hatten einen weiteren operativen Eingriff?

    etwa 7 von 100 etwa 16 von 100

    Einige Jahre nach dem Eingriff:

     

     

    Wie viele Männer hatten eine Lungenkomplikation?

    etwa 8 von 100 etwa 3 von 100

    Wie viele Männer hatten eine Nierenkomplikation?

    etwa 1 von 100 etwa 1 von 100

    Wie viele Männer hatten einen nicht tödlichen Schlaganfall?

    etwa 3 von 100 etwa 3 von 100

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie (vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie) (DGG). Leitlinien zum Bauchaorteaneurysma und Beckenarterienaneurysma. 2008.

    Filardo G, Powell JT, Martinez MA, Ballard DJ. Surgery for small asymptomatic abdominal aortic aneurysms. Cochrane Database Syst Rev 2015; (2): CD001835.

    Kent KC. Clinical practice. Abdominal aortic aneurysms. N Engl J Med 2014; 371(22): 2101-2218.

    Paravastu SC, Jayarajasingam R, Cottam R, Palfreyman SJ, Michaels JA, Thomas SM. Endovascular repair of abdominal aortic aneurysm. Cochrane Database Syst Rev 2014; (1): CD004178.

    Parkinson F, Ferguson S, Lewis P, Williams IM, Twine CP, South East Wales Vascular Network. Rupture rates of untreated large abdominal aortic aneurysms in patients unfit for elective repair. J Vasc Surg 2015; 61(6): 1606-1612.

    Schmitz-Rixen T, Steffen M, Grundmann RT. Versorgung des abdominellen Aortenaneurysmas (AAA) 2015. Registerbericht des DIGG der DGG. Gefäßchirurgie 24.02.2017 [E-pub ahead of print].

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