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Schlaganfall

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    Ein Schlaganfall kann sich durch plötzlich auftretende starke Kopfschmerzen, Lähmungen oder Sprachstörungen bemerkbar machen. Sie entstehen dadurch, dass ein Teil des Gehirns nicht mehr ausreichend durchblutet wird. Zu welchen Symptomen es kommt, hängt vor allem davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist.

    Einleitung

    Ein Schlaganfall kann sich durch plötzlich auftretende starke Kopfschmerzen, Lähmungen oder Sprachstörungen bemerkbar machen. Sie entstehen dadurch, dass ein Teil des Gehirns nicht mehr ausreichend durchblutet wird.

    Zu welchen Symptomen es kommt, hängt vor allem davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist.

    Ein Schlaganfall ist ein Notfall, der sofort behandelt werden muss. Er wird oft auch Hirnschlag genannt, die medizinische Bezeichnung ist Apoplex.

    Symptome

    Häufige Anzeichen eines Schlaganfalls sind plötzlich auftretende Schwäche, Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen, Gesichtsfeldausfall, Schwindel und Gangunsicherheit sowie starke Kopfschmerzen. Meist ist nur eine Körperseite betroffen, sodass sich zum Beispiel der rechte Arm und / oder das rechte Bein nicht mehr richtig bewegen lassen. Auch Übelkeit und Erbrechen sind möglich.

    Ursachen

    Meist werden Schlaganfälle durch ein Blutgerinnsel ausgelöst, das ein Gefäß im Gehirn verstopft. Diese Gerinnsel können im Gehirn selbst entstehen, zum Beispiel durch entzündliche Veränderungen in der Wand einer Arterie. Häufiger stammen sie jedoch aus einem anderen Teil des Körpers und werden über den Blutkreislauf ins Gehirn geschwemmt, wo sie dann ein Gefäß blockieren. Ein Schlaganfall, der durch ein verstopftes Blutgefäß entsteht, wird als ischämischer Schlaganfall bezeichnet.

    Die zweite, seltenere Ursache sind Blutungen im Gehirn, zum Beispiel weil ein Blutgefäß reißt und Blut ins Hirngewebe austritt.

    Beide Ursachen führen dazu, dass ein Bereich des Gehirns nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Je schneller behandelt und die Sauerstoffversorgung wiederhergestellt werden kann, desto größer sind die Chancen, dass der Schaden im Gehirn möglichst klein bleibt.

    Risikofaktoren

    Bei Gesunden bilden sich nur sehr selten Gerinnsel in den Blutgefäßen. Bestimmte Erkrankungen und erbliche Veranlagungen können aber das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen. Dazu gehören zum Beispiel Bluthochdruck und anhaltendes Vorhofflimmern.

    Wenn typische Schlaganfall-Symptome auftreten, die nach einigen Stunden von selbst wieder verschwinden, kann es sich um eine transitorische ischämische Attacke handeln (TIA). Dabei bildet sich ein Blutgerinnsel, das sich aber von allein wieder auflöst, bevor das Gehirn stärker geschädigt wurde. Eine transitorische ischämische Attacke weist auf ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko hin.

    Häufigkeit und Verlauf

    Ungefähr einer von 1000 Menschen bekommt in seinem Leben einen Schlaganfall. Das Risiko steigt mit dem Alter: Von 1000 Menschen über 85 Jahre sind etwa 20 betroffen.

    Die meisten Menschen überleben einen Schlaganfall. Er kann jedoch zu Lähmungen oder zu Problemen bei verschiedenen körperlichen Funktionen führen, beispielsweise beim Sprechen.

    Oft bessern sich Beschwerden wie zum Beispiel Lähmungen im Laufe der Zeit wieder, sie können aber auch dauerhaft bestehen bleiben. Psychische Folgen wie Depressionen sind deshalb nicht selten.

    Nach einem Schlaganfall ist außerdem das Risiko für einen weiteren Schlaganfall erhöht. So bekommen etwa 40 von 100 Menschen, die einen Schlaganfall überstanden haben, innerhalb von zehn Jahren einen weiteren Schlaganfall.

    Innerhalb der ersten sechs Monate ist das Risiko besonders hoch. Aber auch andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte treten häufiger auf, wenn jemand bereits einen Schlaganfall hatte.

    Diagnose

    Ein Schlaganfall ist ein Notfall. Bei jedem Verdacht ist es wichtig, sofort einen Notarzt zu rufen (Notruf 112) – und nicht darauf zu warten, dass die Beschwerden wieder verschwinden!

    Nach ersten Untersuchungen durch die Notärztin oder den Notarzt werden Betroffene möglichst in ein auf Schlaganfälle spezialisiertes Krankenhaus gebracht – sofern das schnell genug erreichbar ist. Dort finden sofort umfassende Untersuchungen statt, um die Ursache der Beschwerden festzustellen und rasch mit der Behandlung beginnen zu können. Oft gehört dazu eine Computer- oder Magnetresonanztomografie.

    Vorbeugung

    Ob und welche besondere Vorbeugung gegen einen Schlaganfall sinnvoll ist, hängt davon ab, welche weiteren Erkrankungen und Risikofaktoren jemand hat.

    Menschen, die bereits eine transitorische ischämische Attacke oder gar einen Schlaganfall hatten, schlägt die Ärztin oder der Arzt nach einer genauen Untersuchung normalerweise Maßnahmen zur Vorbeugung vor.

    Bei hohem Blutdruck lässt sich das Schlaganfallrisiko durch Blutdruck senkende Medikamente verringern. Besteht ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln, zum Beispiel bei Vorhofflimmern, kommen gerinnungshemmende Medikamente infrage.

    Um ein Hirngefäß dauerhaft offen zu halten, wird manchmal das Einsetzen einer Gefäßstütze (Stent) aus Drahtgeflecht vorgeschlagen. Studien zeigen jedoch, dass es durch den Eingriff häufiger zu Hirnblutungen und dadurch ausgelöste weitere Schlaganfälle kommt als ohne Stent.

    Behandlung

    Die Akutbehandlung hat zum Ziel, das Leben eines Betroffenen zu retten und die Folgen des Schlaganfalls so klein wie möglich zu halten. Wie behandelt wird, hängt vor allem davon ab, ob der Schlaganfall durch ein Gerinnsel oder eine Hirnblutung ausgelöst wurde.

    Bei einem Gerinnsel wird meist versucht, es so schnell wie möglich durch Medikamente oder einen Kathetereingriff aufzulösen. Bei einer Blutung kommt es darauf an, sie rasch zu stoppen, eventuell durch eine Operation.

    Die weitere Behandlung und Überwachung hängt dann von der Schwere des Schlaganfalls, der Art seiner Folgen und den Ergebnissen weiterer Untersuchungen ab.

    Rehabilitation

    Nach einem Schlaganfall ist es für die meisten Menschen besonders wichtig, ihre Bewegungsfähigkeit, Muskelkraft und Sprache sowie ihre Selbstständigkeit wiederzuerlangen. Wichtig ist auch, das emotionale Gleichgewicht wiederzufinden.

    Dazu gibt es verschiedene Rehabilitationsprogramme mit teils unterschiedlichen Inhalten. Die wichtigsten Elemente der Rehabilitation sind je nach Bedarf eine Sprachheilbehandlung sowie Krankengymnastik und Fitnesstraining, um körperliche Folgen wenn möglich zu mindern und mit ihnen umgehen zu lernen. In einer Ergotherapie wird vermittelt, wie es trotz der Einschränkungen gelingen kann, so selbstständig wie möglich im Alltag zurechtzukommen.

    Leben und Alltag

    Trauer und Niedergeschlagenheit sind nach einem Schlaganfall normal. Je nachdem, wie schwer ein Schlaganfall war, kann er einen enormen Einschnitt in das Leben eines Menschen bedeuten.

    Wer vor der Erkrankung selbstständig gelebt hat und nun auf Hilfe angewiesen ist, muss zunächst mit den Folgen des Schlaganfalls zurechtkommen – sowohl psychisch als auch, was die praktischen Dinge ihres Alltags betrifft.

    Die Therapie nach einem Schlaganfall kann helfen, einen Teil der Unabhängigkeit zurückzugewinnen. Die meisten Betroffenen und ihre Familien schaffen es mit der Zeit, ihr Leben den Veränderungen durch die Erkrankung so gut es geht anzupassen.

    Manche Personen entwickeln als Folge des Schlaganfalls jedoch eine behandlungsbedürftige Depression. Hält sie über längere Zeit an, kann sie den Gesundheitszustand verschlechtern. Oft werden solche Depressionen nicht erkannt, oder eine schlechte seelische Verfassung wird als normale Reaktion angesehen und nichts dagegen unternommen.

    Es ist nach einem Schlaganfall manchmal schwer, tiefe Traurigkeit von einer Depression zu unterscheiden. Wichtig ist, dass Betroffene und ihre Familien nach einem Schlaganfall die Unterstützung erhalten, die sie benötigen, um eine depressive Erkrankung zu vermeiden – oder Hilfe bekommen, wenn sich bereits eine Depression entwickelt hat.

    Weitere Informationen

    Für Menschen nach einem Schlaganfall und ihre Angehörigen gibt es eine Vielzahl von Angeboten zur Unterstützung. Dazu gehören Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, die Erkrankten und ihren Angehörigen Hilfestellungen bei verschiedensten pflegerischen, finanziellen oder psychosozialen Anliegen geben können.

    Viele Städte und Gemeinden unterhalten beispielsweise Pflegeberatungsstellen, deren Angebot kostenlos ist.

    Angehörige können zudem Pflegekurse besuchen, in denen unter anderem Grundkenntnisse über Pflegetechniken vermittelt werden.

    All diese Angebote sind vor Ort oft unterschiedlich organisiert und nicht immer direkt zu finden. Wir haben deshalb eine allgemeine Liste von Anlaufstellen zusammengestellt, die helfen, Angebote vor Ort zu finden und zu nutzen.

    Quellen

    Brereton L, Carroll C, Barnston S. Interventions for adult family carers of people who have had a stroke: a systematic review. Clin Rehabil 2007; 21(10): 867-84.

    Forster A, Brown L, Smith J, House A, Knapp P et al. Information provision for stroke patients and their caregivers. Cochrane Database Syst Rev 2012; (11): CD001919

    Hackett M, L., Yang M, Anderson Craig S, Horrocks Judith A, House A. Pharmaceutical interventions for emotionalism after stroke. Cochrane Database Syst Rev 2010; (2): CD003690.

    Hackett ML, Yapa C, Parag V, Anderson CS. Frequency of depression after stroke. A systematic review of observational studies. Stroke 2005; 36(6); 1330-40.

    McPherson K, Kersten P, Turner-Stokes L. Background to neurorehabilitation. In Candelise L et al (eds). Evidence-based neurology. London: BMJ Books. 2007.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.

    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Können Hirngefäß-Stents weitere Schlaganfälle verhindern?

    Schlaganfälle können durch verengte oder verstopfte Blutgefäße im Gehirn ausgelöst werden. Wer aus diesem Grund bereits einen Schlaganfall hatte, nimmt zur Vorbeugung weiterer Schlaganfälle meist Medikamente ein. Um ein Gefäß dauerhaft offen zu halten, kann zudem ein Hirngefäß-Stent eingesetzt werden. Studien zeigen jedoch, dass beim Einsetzen solcher Stents häufig Hirnblutungen auftreten, die selbst zu Schlaganfällen führen.

    Zu einem Schlaganfall kommt es, wenn die Durchblutung in einem Teil des Gehirns stark vermindert oder unterbrochen wird. Dies kann unterschiedliche Ursachen haben. Etwa 10 % aller Schlaganfälle werden durch Gefäßverengungen (Stenosen) ausgelöst, die durch Ablagerungen an den Wänden der Hirngefäße entstehen. Man unterscheidet dabei zwischen Gefäßen, die sich im Schädel befinden (intrakranielle Gefäße) und solchen, die sich außerhalb des Schädels befinden (extrakranielle Gefäße), wie zum Beispiel die Halsschlagadern.

    Nach einem überstandenen Schlaganfall ist das Risiko für weitere Schlaganfälle deutlich höher. Medikamente aus der Gruppe der Thrombozyten-Aggregationshemmer können einer erneuten Gefäßverengung oder einem erneuten Gefäßverschluss vorbeugen: Sie verhindern, dass die Blutplättchen verklumpen und sich an den Gefäßwänden ablagern. Zur Vorbeugung von Schlaganfällen sind in Deutschland zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS) und Clopidogrel zugelassen.

    Stents sollen Hirngefäße dauerhaft offen halten

    Thrombozyten-Aggregationshemmer können das Risiko für einen erneuten Gefäßverschluss zwar senken, ihn aber nicht immer verhindern. Bei 12 bis 14 % der Betroffenen tritt trotz Behandlung innerhalb von zwei Jahren ein weiterer Schlaganfall auf.

    Zum besseren Schutz vor Schlaganfällen sucht die Wissenschaft nach Möglichkeiten, betroffene Hirngefäße dauerhaft offen zu halten. Seit einigen Jahren gibt es spezielle Gefäßstützen (Stents) aus Drahtgeflecht, die verhindern sollen, dass sich ein Hirngefäß erneut verengt oder verschließt. Um einen Hirngefäß-Stent einzusetzen, wird zunächst ein Katheter in eine Arterie der Leiste eingeführt und bis zum betroffenen Gefäßabschnitt vorgeschoben. Die Spitze des Katheters ist von einem kleinen Ballon umgeben, der dann mit Kontrastmittel gefüllt wird, um das verengte Hirngefäß zu weiten. Während oder im Anschluss an die Gefäßweitung kann ein Stent eingesetzt werden, der sich ebenfalls am Katheter befindet.

    Da beim Einsetzen von Stents in Hirngefäße Komplikationen wie Hirnblutungen auftreten können, ist es wichtig, ihre Vor- und Nachteile gut zu untersuchen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) haben Studien zu Stents ausgewertet, die in Gefäße innerhalb des Schädels eingesetzt wurden. Sie wollten vor allem wissen, ob das Einsetzen solcher Hirngefäß-Stents sicher ist und ob es Vorteile gegenüber einer rein medikamentösen Vorbeugung von Schlaganfällen hat.

    Aktuelle Studien zu Hirngefäß-Stents

    Die Wissenschaftlergruppe des IQWiG fand vier randomisierte kontrollierte Studien, in denen Hirngefäß-Stents untersucht wurden. Am aussagekräftigsten war die sogenannte SAMMPRIS-Studie. Sie hatte mit Abstand die größte Teilnehmerzahl und untersuchte wichtige Fragen wie die Auswirkungen der Stents auf die Lebenserwartung und die Häufigkeit weiterer Schlaganfälle. Außerdem prüfte sie mögliche Nebenwirkungen der Stent-Behandlung.

    An der SAMMPRIS-Studie nahmen 451 Menschen teil, die in den letzten 30 Tagen einen Schlaganfall hatten. Bei allen war das betroffene Hirngefäß um mindestens 70 % verengt. Menschen, deren Schlaganfall innerhalb der letzten 24 Stunden aufgetreten war, nahmen nicht an der Studie teil.

    Die Teilnehmenden wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Beide Gruppen erhielten verschiedene Behandlungen zur Kontrolle von Risikofaktoren für Schlaganfälle sowie ASS und Clopidogrel. Den Teilnehmern einer der beiden Gruppen wurde zusätzlich ein Stent in das betroffene Hirngefäß eingesetzt. In der SAMMPRIS-Studie wurde ein sogenannter Wingspan-Stent verwendet.

    Mehr Schlaganfälle nach Einsetzen von Hirngefäß-Stents

    Das Ergebnis der SAMMPRIS-Studie war ernüchternd: Teilnehmerinnen und Teilnehmer, denen zusätzlich ein Hirngefäß-Stent eingesetzt worden war, hatten nach dem Eingriff häufiger Schlaganfälle als Personen, die keinen Stent erhielten. In Zahlen ausgedrückt, zeigte sich:

    • Ohne Hirngefäß-Stent trat bei 5 von 100 Personen innerhalb von 30 Tagen ein weiterer Schlaganfall auf.
    • Mit Hirngefäß-Stent hatten 15 von 100 Personen innerhalb von 30 Tagen einen weiteren Schlaganfall.

    Nach dem Einsetzen des Stents kam es also bei zusätzlich 10 von 100 Personen zu einem Schlaganfall.

    Die Ursache war meist eine Hirnblutung, die infolge des Eingriffs auftrat. Zu einer solchen Blutung kann es zum Beispiel kommen, wenn das Gefäß beim Führen des Katheters verletzt wird. Zudem steigt der Druck im Gefäß an, wenn die Engstelle beseitigt wird. Hält das Gefäß diesem Druck nicht stand, kann es ebenfalls zu einer Blutung kommen. Nicht zuletzt können sich bei der Gefäßweitung Ablagerungen lösen und weggeschwemmt werden. Wenn sie an anderer Stelle im Gehirn ein Gefäß verstopfen, können sie einen weiteren Schlaganfall verursachen. Beim Vorschieben des Katheters von der Leiste zum Gehirn können auch an anderer Stelle im Blutkreislauf Ablagerungen gelöst werden und zu einer Embolie führen.

    Die bisherigen Forschungsergebnisse zeigen, dass das Einsetzen von Hirngefäß-Stents erhebliche Risiken hat. Eine Behandlung mit einem Hirngefäß-Stent kommt daher allenfalls infrage, wenn jemand eine deutliche Gefäßverengung hat und trotz anderer Behandlungen weiterhin Beschwerden bestehen. Vor einem solchen Eingriff sollten Betroffene gründlich abwägen, ob der mögliche Nutzen oder Schaden überwiegt. Ob das Einsetzen von Stents in Hirngefäße Menschen in einer solchen Situation helfen kann, ist bisher nicht in guten Studien untersucht worden.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stents zur Behandlung intrakranieller arterieller Stenosen: Rapid Report; Auftrag N14-01. 10.09.2014 (IQWiG-Berichte; Band 243).

    Die vorliegende Gesundheitsinformation gibt die Inhalte des wissenschaftlichen Gutachtens des IQWiG wieder und ist keine leistungsrechtliche Bewertung der Behandlungsmethode, aus der Rückschlüsse auf die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung zulässig wären. Die Entscheidung über die Kostenübernahme diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist per Gesetz dem Gemeinsamen Bundesausschuss vorbehalten. Der Gemeinsame Bundesausschuss bezieht die Gutachten des IQWiG in seine Beschlussfassung ein. Informationen zu den Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses erhalten Sie auf dessen Website unter www.g-ba.de.

    Was Studien sagen: Nach einem Schlaganfall: Verbessert Fitnesstraining die Gesundheit und Mobilität?

    Fitnesstraining als Teil der Rehabilitation nach einem Schlaganfall kann die körperliche Fitness und die Belastbarkeit steigern sowie wieder mobiler machen.

    Ein Schlaganfall, auch Hirnschlag genannt, schädigt das Gehirn, weil er dessen Blutversorgung unterbricht. Die meisten Menschen überleben einen Schlaganfall. Er kann jedoch Lähmungen in bestimmten Körperbereichen verursachen oder zu Problemen bei verschiedenen Funktionen führen, beispielsweise beim Sprechen. Psychische Folgen wie Depressionen sind ebenfalls möglich.

    Nach einem Schlaganfall ist es oft von besonderer Bedeutung, die Mobilität und Sprache wiederzuerlangen sowie Einschränkungen der Unabhängigkeit möglichst rückgängig zu machen. Auch die emotionale Stabilität wiederzugewinnen, ist sehr wichtig.

    Körperlich fit zu bleiben, mag auf den ersten Blick vergleichsweise unwichtig erscheinen. Doch wer weniger fit ist, dem fällt es womöglich auch schwerer, Übungen zu machen, die die Genesung unterstützen und die Unabhängigkeit erhalten. So könnte ein Teufelskreis entstehen: Wenn man weniger fit ist, ist man auch nicht so aktiv, und dadurch lässt die Fitness noch weiter nach.

    Darüber hinaus spielt die Fitness eine wichtige Rolle, wenn es zum Beispiel um die Herzgesundheit, die Senkung von Bluthochdruck (Hypertonie) und nicht zuletzt darum geht, einen weiteren Schlaganfall zu verhüten.

    Forschung zu Fitnesstraining nach einem Schlaganfall

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration haben nach aussagekräftigen Studien gesucht, die den Nutzen von Fitnesstraining nach einem Schlaganfall untersucht haben. Sie fanden 58 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt knapp 2800 Frauen und Männern, die einen Schlaganfall hatten. Die Teilnehmenden waren im Durchschnitt etwa 62 Jahre alt.

    In den Studien wurden folgende drei Trainingsarten untersucht:

    • Sogenannte Herz-Kreislauf-Programme für die Fitness von Herz und Lunge (28 Studien)
    • Krafttraining (13 Studien)
    • Programme, die Herz-Kreislauf-Training und Krafttraining kombinierten (17 Studien)

    Die häufigste Form des Herz-Kreislauf-Trainings waren Walking-Programme (Gehtraining mit dem Ziel, die Gehzeit und die Gehgeschwindigkeit zu erhöhen). Außerdem gab es Programme, die die Selbstständigkeit beim Laufen (ohne Gehhilfen oder sonstige Unterstützung) fördern sollten. Ein Fitnessprogramm bestand beispielsweise aus etwa 20-minütigem Gehtraining dreimal pro Woche. Bei einigen Programmen kamen auch Laufbänder oder Fahrradergometer zum Einsatz. Manche Programme begannen innerhalb weniger Wochen nach dem Schlaganfall während der Rehabilitation, andere setzten nach Abschluss der normalen Rehabilitation ein.

    Die Akzeptanz der Fitnessprogramme war recht hoch. In den Studien nahmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Durchschnitt etwa 65 bis 100 % der Trainingstermine wahr. Die Herz-Kreislauf-Übungen brachten einige Vorteile: Es gab Anzeichen, dass die Fitness von Herz und Lunge zunahm. Zudem waren die Teilnehmenden nach dem Training mobiler, sie konnten schneller laufen und waren belastbarer als vorher. Dadurch nahmen die körperlichen Einschränkungen durch den Schlaganfall ab. Auch Programme, die Herz-Kreislauf- und Krafttraining kombinierten, verbesserten die Mobilität. Krafttraining allein hatte keinen Einfluss auf die Mobilität. Wie sich alleiniges Krafttraining darüber hinaus auswirken könnte, ist bisher nicht ausreichend untersucht.

    Es ist möglich, dass Fitnesstraining auch unerwünschte Wirkungen hat – zum Beispiel Muskelverletzungen, Stürze oder Herzprobleme. In den untersuchten Programmen wurden allerdings während des Fitnesstrainings keine Stürze, Knochenbrüche oder Verletzungen beobachtet, und es gab auch nicht mehr Herzinfarkte.

    Kraft und Fitness nach einem Schlaganfall wiederzuerlangen, kann sehr viel Mühe und Motivation erfordern. Selbst kleine Verbesserungen können aber einen spürbaren Fortschritt bedeuten.

    Quellen

    Saunders DH, Sanderson M, Hayes S, Kilrane M, Greig CA, Brazzelli M et al. Physical fitness training for stroke patients. Cochrane Datebase Syst Rev 2016; (3). CD003316.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.

    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Anzeichen eines Schlaganfalls

    Ein Schlaganfall ist ein Notfall. Bei jedem Verdacht ist es das Wichtigste, umgehend die Notrufnummer 112 anzurufen. Je früher behandelt werden kann, desto eher lassen sich dauerhafte Folgen vermeiden.

    Im Notfall kann schnelles Handeln Leben retten! Bei einem Schlaganfall kann ein möglichst früher Beginn der Behandlung Gehirnzellen vor dem Absterben bewahren und schwere Folgen verhindern.

    Wichtig ist, die typischen Anzeichen eines Schlaganfalls zu kennen:

    • plötzlich auftretende Schwäche, Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen: Bei einem Schlaganfall lassen sich oft Arm, Hand, und / oder Bein nicht mehr richtig bewegen. Neben dem Gefühl der Kraftlosigkeit haben manche Menschen Empfindungsstörungen wie Kribbeln oder ein Taubheitsgefühl. Es kann sich so anfühlen, als sei zum Beispiel der Arm oder der Fuß eingeschlafen. Charakteristisch ist auch ein herunterhängender Mundwinkel. Die Störungen treten meist nur auf einer Körperseite auf, selten beidseitig.
    • Sprachstörungen: Viele Menschen haben auf einmal Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden, ihre Sätze sind abgehackt. Auch wenn jemand plötzlich nuschelt und verwaschen oder lallend spricht, kann dies auf einen Schlaganfall hinweisen. Manchmal kommt es zu Verständnisstörungen: Die oder der Betroffene kann andere zwar hören, versteht aber den Sinn des Gesagten nicht mehr.
    • Gesichtsfeldausfall: Ein Schlaganfall kann das Sehen beeinträchtigen. Die Dinge auf der betroffenen Körperseite werden nicht mehr wahrgenommen, das Gesichtsfeld ist auf die linke oder rechte Seite beschränkt. Viele sehen alles doppelt. Wenn sie etwas greifen wollen, zum Beispiel eine Tasse, fassen sie meist daneben.
    • Schwindel und Gangunsicherheit: Es kann Probleme bereiten, das Gleichgewicht zu halten. Es entsteht entweder das Gefühl, dass sich alles dreht wie in einem Karussell, oder dass es wie auf unruhiger See schwankt.
    • starke Kopfschmerzen: Auch plötzliche, ungewohnt heftige Kopfschmerzen können auf einen Schlaganfall hinweisen. Ursache sind die akuten Durchblutungsstörungen im Gehirn oder eine Einblutung in das Gehirn durch ein gerissenes oder geplatztes Gefäß. Die Kopfschmerzen können zunächst allein auftreten, etwas zeitverzögert kommen dann andere Symptome wie Lähmungen und Bewusstseinsstörungen hinzu. Auch Übelkeit und Erbrechen sind möglich.

    Ein Schlaganfall ist ein Notfall. Bei jedem Verdacht ist es das Wichtigste, umgehend die Notrufnummer 112 anzurufen. Je früher behandelt werden kann, desto eher lassen sich dauerhafte Folgen vermeiden.

    Im Notfall kann schnelles Handeln Leben retten! Bei einem Schlaganfall kann ein möglichst früher Beginn der Behandlung Gehirnzellen vor dem Absterben bewahren und schwere Folgen verhindern.

    Wichtig ist, die typischen Anzeichen eines Schlaganfalls zu kennen:

    • plötzlich auftretende Schwäche, Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen: Bei einem Schlaganfall lassen sich oft Arm, Hand, und / oder Bein nicht mehr richtig bewegen. Neben dem Gefühl der Kraftlosigkeit haben manche Menschen Empfindungsstörungen wie Kribbeln oder ein Taubheitsgefühl. Es kann sich so anfühlen, als sei zum Beispiel der Arm oder der Fuß eingeschlafen. Charakteristisch ist auch ein herunterhängender Mundwinkel. Die Störungen treten meist nur auf einer Körperseite auf, selten beidseitig.
    • Sprachstörungen: Viele Menschen haben auf einmal Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden, ihre Sätze sind abgehackt. Auch wenn jemand plötzlich nuschelt und verwaschen oder lallend spricht, kann dies auf einen Schlaganfall hinweisen. Manchmal kommt es zu Verständnisstörungen: Die oder der Betroffene kann andere zwar hören, versteht aber den Sinn des Gesagten nicht mehr.
    • Gesichtsfeldausfall: Ein Schlaganfall kann das Sehen beeinträchtigen. Die Dinge auf der betroffenen Körperseite werden nicht mehr wahrgenommen, das Gesichtsfeld ist auf die linke oder rechte Seite beschränkt. Viele sehen alles doppelt. Wenn sie etwas greifen wollen, zum Beispiel eine Tasse, fassen sie meist daneben.
    • Schwindel und Gangunsicherheit: Es kann Probleme bereiten, das Gleichgewicht zu halten. Es entsteht entweder das Gefühl, dass sich alles dreht wie in einem Karussell, oder dass es wie auf unruhiger See schwankt.
    • starke Kopfschmerzen: Auch plötzliche, ungewohnt heftige Kopfschmerzen können auf einen Schlaganfall hinweisen. Ursache sind die akuten Durchblutungsstörungen im Gehirn oder eine Einblutung in das Gehirn durch ein gerissenes oder geplatztes Gefäß. Die Kopfschmerzen können zunächst allein auftreten, etwas zeitverzögert kommen dann andere Symptome wie Lähmungen und Bewusstseinsstörungen hinzu. Auch Übelkeit und Erbrechen sind möglich.

    Welche Informationen braucht der Notarzt?

    Wer einen Schlaganfall hat, kann sich oft nicht oder nur noch eingeschränkt mitteilen. Wenn Sie den Notarzt gerufen haben, ist es deshalb wichtig, dass Sie die Symptome und näheren Umstände möglichst genau beschreiben. Für die Ärztin oder den Arzt sind vor allem folgende Informationen von Bedeutung:

    • Wann sind die Symptome aufgetreten?
    • Was hat die oder der Betroffene gerade gemacht? Hat er sich zum Beispiel sehr angestrengt?
    • Welche Anzeichen sind aufgetreten und wie haben sie sich weiterentwickelt?
    • Welche Medikamente werden zurzeit eingenommen?
    • Sind Herzrhythmusstörungen, insbesondere ein Vorhofflimmern bekannt?
    • Hatte die oder der Betroffene früher schon einmal ähnliche Beschwerden oder wurde bereits wegen eines Schlaganfalls behandelt?

    Denken Sie daran: Ein Schlaganfall ist ein Notfall. Haben Sie keine Angst davor, den Notruf zu wählen. Warten Sie nicht ab, ob die Symptome wieder von selbst verschwinden – dadurch geht kostbare Zeit verloren!

    Nur im Krankenhaus ist eine angemessene Untersuchung und Behandlung möglich. Und niemand wird Ihnen einen Vorwurf machen, wenn sich das Ganze als „blinder Alarm“ herausstellt.

    Quellen

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.

    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Depression nach einem Schlaganfall

    Manche Menschen entwickeln nach einem Schlaganfall eine Depression. Es ist wichtig, diese zu erkennen und zu behandeln. Entscheidend sind eine gute medizinische und pflegerische Versorgung und die Unterstützung durch Angehörige und Freunde.

    Trauer und Niedergeschlagenheit sind kurz nach einem Schlaganfall normal. Etwa ein Drittel der Erkrankten entwickeln als Folge jedoch eine behandlungsbedürftige Depression. Frauen haben möglicherweise ein etwas höheres Risiko als Männer, nach einem Schlaganfall eine Depression zu bekommen.

    Nicht immer werden Depressionen nach einem Schlaganfall erkannt und ausreichend behandelt. Die Erkrankung wird auch „PSD“ genannt (Abkürzung der englischen Bezeichnung „Post-Stroke-Depression“).

    Manche Menschen entwickeln nach einem Schlaganfall eine Depression. Es ist wichtig, diese zu erkennen und zu behandeln. Entscheidend sind eine gute medizinische und pflegerische Versorgung und die Unterstützung durch Angehörige und Freunde.

    Trauer und Niedergeschlagenheit sind kurz nach einem Schlaganfall normal. Etwa ein Drittel der Erkrankten entwickeln als Folge jedoch eine behandlungsbedürftige Depression. Frauen haben möglicherweise ein etwas höheres Risiko als Männer, nach einem Schlaganfall eine Depression zu bekommen.

    Nicht immer werden Depressionen nach einem Schlaganfall erkannt und ausreichend behandelt. Die Erkrankung wird auch „PSD“ genannt (Abkürzung der englischen Bezeichnung „Post-Stroke-Depression“).

    Weshalb kann sich nach einem Schlaganfall eine Depression entwickeln?

    Man weiß nicht genau, ob Depressionen nach einem Schlaganfall vorwiegend körperliche oder psychische Ursachen haben. Denn bei einem Schlaganfall wird das Gehirn geschädigt, und diese Gehirnschäden können auch das Gefühlsleben verändern. Eine Depression kann aber auch eine Reaktion auf die körperlichen und geistigen Einschränkungen und den plötzlichen Verlust der Selbstständigkeit sein. Dies wird reaktive Depression genannt.

    Depressionen treten meist in den ersten Wochen nach einem Schlaganfall auf. In dieser Zeit müssen Betroffene die Erfahrung verarbeiten, dass ihr Leben bedroht war, und sich von der körperlichen Belastung erholen. Mittel- und langfristig müssen manche Menschen lernen, mit Behinderungen und ihren Folgen für den Alltag und den Kontakten zu Familie und Freunden umzugehen. Dies kann einige Zeit dauern, und einige Menschen entwickeln vielleicht erst dann eine Depression.

    Nach schweren Schlaganfällen entwickeln sich häufiger Depressionen als nach leichteren; ebenso bei Menschen, die schon einmal eine Depression durchgemacht haben. Das Ausmaß der Depression hängt oft davon ab, wie stark die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit eines Menschen eingeschränkt ist. Es gibt Hinweise aus Studien, dass auch die soziale Situation, die Wohnverhältnisse und die Unterstützung, die jemand bekommt, die Entstehung einer Depression beeinflussen können. Wenn Betroffene und ihre Angehörigen eine gute therapeutische und soziale Unterstützung bekommen, könnte dies das Risiko senken, depressiv zu werden.

    Bei manchen Menschen verschwindet eine Depression nach einiger Zeit auch ohne Behandlung von selbst. Die meisten Menschen benötigen allerdings Hilfe, um die Erkrankung zu überwinden.

    Woran erkennt man eine Depression nach einem Schlaganfall?

    Es ist wichtig, den Unterschied zwischen einer Depression und einer durch die Erkrankung ausgelösten Niedergeschlagenheit zu erkennen. Oft ist eine Körperseite gelähmt, dadurch sind die Beweglichkeit und die Selbstständigkeit stark eingeschränkt. Alltagstätigkeiten wie die Körperpflege und das Essen fallen schwer und sind häufig nur mit fremder Hilfe möglich. Die Lähmung stört zudem das Körpergefühl, da die gelähmte Seite schlecht bis gar nicht mehr wahrgenommen wird. Sprach- und Verständnisstörungen bedeuten eine zusätzliche Belastung: Es kann sehr deprimierend sein, sich nicht mehr oder nur eingeschränkt verständlich machen zu können. Manche Menschen wirken vielleicht auch nur deprimiert, weil sie ihre Gefühle nicht mehr so gut äußern können wie vor dem Schlaganfall. Eine Depression nach einem Schlaganfall zu erkennen, ist also keine leichte Aufgabe.

    Eine Depression lässt sich genau wie eine „normale“ Depression an folgenden Anzeichen erkennen:

    • tiefe Traurigkeit
    • Interessenverlust
    • Antriebslosigkeit
    • Konzentrationsstörungen
    • geringes Selbstwertgefühl
    • Schlafstörungen

    Wenn mehrere dieser Symptome mehr als zwei Wochen andauern, kann das ein Zeichen für eine Depression sein. Es ist wichtig, sich ärztlich beraten zu lassen, wenn man glaubt, dass es sich um eine Depression handeln könnte. Denn Menschen mit einer Depression werden oft nicht selbst auf ihr Befinden hinweisen. Es kann auch sein, dass sie sich aufgrund von Sprachstörungen nicht deutlich genug mitteilen können. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Personen um sie herum auf Anzeichen dafür achten – also ärztliches und pflegerisches Personal, aber auch Angehörige und Freunde.

    Manchmal ist die Depression auch mit einer erhöhten Gefühlsbetontheit verbunden. Nach dem Schlaganfall haben manche Menschen weniger Kontrolle über den Ausdruck ihrer Gefühle: Es kann sein, dass sie plötzlich „grundlos“ anfangen zu weinen, manchmal auch zu lachen. Oder sie sind allgemein unbeständiger und launischer und reagieren sehr emotional.

    Was sind die Folgen einer Depression für Patienten und Angehörige?

    Eine Depression kann die Genesung nach einem Schlaganfall verzögern. Ob sich die krankheitsbedingten Einschränkungen bessern, hängt auch von der aktiven Mitarbeit bei der Therapie ab. So können beispielsweise körperliche Übungen helfen, die Lähmungen auf der betroffenen Körperseite zu mindern. Oft dauert die Genesung jedoch sehr lange und erfordert viel Geduld und Motivation. Für depressive Menschen ist es schwieriger, sich zu motivieren. Sie sind vielleicht gar nicht in der Lage, so intensiv an der Wiederherstellung ihrer Fähigkeiten zu arbeiten wie nicht depressive Menschen. All dies kann ihre Gesundung verzögern oder ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sogar vermindern.

    Eine Depression kann auch bei pflegenden Angehörigen auftreten – vor allem dann, wenn sie sich von der Pflege überfordert fühlen. Wer deprimiert ist, dem fällt es schwerer, einen Menschen nach einem Schlaganfall gut zu unterstützen. Für die oder den Betroffenen kann dies eine zusätzliche Belastung sein. Auf das Wohl der Helfenden zu achten, ist deshalb nicht nur für diese selbst und andere Familienangehörige wichtig, sondern auch für den Menschen, der den Schlaganfall hatte.

    Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

    Depressionen werden oft mit Medikamenten (Antidepressiva) und / oder psychologischen Maßnahmen behandelt wie psychologischen Beratungen oder psychotherapeutischen Verfahren. Die Möglichkeiten zur Behandlung von Depressionen umfassen Unterstützung, das Erkennen eigener Denkmuster und das Erlernen von Methoden, mit Stress umzugehen oder sich zu entspannen. Manche Menschen wenden auch andere Behandlungen an, zum Beispiel Massagen oder pflanzliche Mittel mit Inhaltsstoffen wie Johanniskraut (Hypericum). Studien deuten darauf hin, dass ein gezieltes Bewegungsprogramm depressive Symptome verringern kann, zum Beispiel ein regelmäßiges Kraft- oder Ausdauertraining.

    Antidepressiva

    Studien zeigen, dass Antidepressiva Menschen helfen können, die nach einem Schlaganfall eine Depression entwickelt haben. Möglicherweise wirken sie sich auch auf die körperliche Genesung positiv aus. Am besten untersucht sind zwei Gruppen von Antidepressiva: Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Trizyklische Antidepressiva. Sie gehören zu den bei Depressionen am häufigsten eingenommenen Wirkstoffen.

    Die Wirkung der Medikamente setzt nicht sofort ein. Innerhalb der ersten 6 bis 8 Wochen verringern sich die Beschwerden jedoch oft. Manchen Menschen geht es allerdings auch ohne die Einnahme von Antidepressiva mit der Zeit wieder besser. Generell gilt: Je ausgeprägter die Depression, desto größer ist der Nutzen der Medikamente. Einen Therapieerfolg können sie jedoch nicht garantieren. Manchmal bleibt die Depression trotz Medikamenten länger bestehen oder kehrt wieder.

    Antidepressiva können auch Nebenwirkungen haben: unter anderem Benommenheit, Krampfanfälle, Blutungen und Verdauungsprobleme. Es ist aber noch nicht ausreichend untersucht, wie häufig solche Nebenwirkungen bei Menschen nach einem Schlaganfall auftreten. Da nach einem Schlaganfall das Laufen schwer fallen oder nur mit Unterstützung möglich sein kann, ist es besonders wichtig, auf Nebenwirkungen zu achten, die die Koordination beeinflussen. Schwindel und Benommenheit können zum Beispiel das Sturzrisiko erhöhen. Noch nicht ausreichend untersucht ist, wie sich Antidepressiva bei Erkrankten mit speziellen Problemen wie beispielsweise Sprach- und Verständnisstörungen auswirken.

    Antidepressiva können zudem Wechselwirkungen haben – das heißt, die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen. Aus diesen und anderen Gründen überwachen Ärztinnen und Ärzte Menschen nach einem Schlaganfall, die Antidepressiva einnehmen, sorgfältig. Denn es könnte notwendig sein, die Mittel wieder abzusetzen oder das Medikament zu wechseln.

    Psychologische und psychotherapeutische Hilfen

    Die Begleitung durch Fachleute ist ein wichtiger Baustein bei der Behandlung von Depressionen und könnte auch nach einem Schlaganfall sinnvoll sein. Psychiater, Psychologen oder geschulten Beratungskräften im Krankenhaus oder der Rehaklinik können dabei unterstützen, mit der Erkrankung und der veränderten Lebenssituation umzugehen. Aussagekräftige Studien zu diesem Thema fehlen aber noch. Außerhalb von Kliniken kann man sich zum Beispiel an psychosoziale Beratungsstellen wenden.

    Medikamente und psychologische Maßnahmen sind nicht die einzigen Möglichkeiten, um Depressionen vorzubeugen und zu behandeln. So kann die ganz alltägliche Unterstützung durch Angehörige oder Pflegekräfte eine wichtige Rolle im Genesungsprozess oder im Umgang mit den bleibenden Einschränkungen spielen. Je besser die Erkrankten begleitet werden, desto erfolgreicher ist vermutlich die Rehabilitation nach einem Schlaganfall. Eine gute körperliche Genesung kann sich wiederum positiv auf die psychische Gesundheit auswirken.

    Wie kann man Menschen mit einer Depression unterstützen?

    Die Genesung nach einem Schlaganfall gelingt besser, wenn alle Beteiligten die Behandlung intensiv unterstützen. Studien konnten zeigen, dass eine besonders gut organisierte Behandlung, an der Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte, Physiotherapeuten und Angehörige beteiligt sind, die Bewältigung der Erkrankung langfristig fördern kann. Es ist auch erwiesen, dass Ergotherapie helfen kann, bestimmte Körperfunktionen wiederzuerlangen. Dabei werden alltägliche Verrichtungen wie Waschen, Anziehen oder Haushaltstätigkeiten geübt. Eine erfolgreiche Rehabilitation setzt eine hohe Motivation voraus, kann aber den entscheidenden Unterschied im Leben der Menschen nach einem Schlaganfall ausmachen.

    Menschen mit Depressionen lassen sich meist nicht mit einfachen Ermunterungsversuchen oder Ratschlägen motivieren. Mit ihrer Erkrankung umzugehen, erfordert viel Einfühlsamkeit und Geduld. Hinzu kommt, dass der Gemütszustand bei einer Depression stark schwanken kann. Außerdem kann eine Depression sehr unterschiedlich verlaufen. Ältere Menschen klagen dann zum Beispiel häufiger über Schmerzen als jüngere.

    Einen Angehörigen nach einem Schlaganfall zu betreuen, kann eine große Herausforderung bedeuten, aber es gibt viele Unterstützungsmöglichkeiten. Zum Beispiel Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, die Erkrankten und ihren Angehörigen Hilfestellungen bei verschiedensten pflegerischen, finanziellen oder psychosozialen Anliegen geben können. Viele Städte und Gemeinden unterhalten auch Pflegeberatungsstellen, deren Angebot kostenlos ist. Angehörige können zudem Pflegekurse besuchen, in denen unter anderem Grundkenntnisse über Pflegetechniken vermittelt werden.

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