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Medikamentenallergie

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    Medikamente können verschiedene Nebenwirkungen verursachen. Dazu zählen auch allergische Reaktionen. Menschen mit einer Medikamentenallergie ist oft unklar, welche Mittel sie noch einnehmen können und welche nicht. Für ein benötigtes Medikament Alternativen zu finden, ist zudem nicht immer leicht.

    Einleitung

    Medikamente können verschiedene Nebenwirkungen haben. Dazu gehören auch allergische Reaktionen. Bei einer allergischen Reaktion sieht das Immunsystem Bestandteile des Arzneimittels als Fremdstoff an und wehrt sich dagegen. Eine Unverträglichkeit ist etwas anderes: Dabei kann der Stoffwechsel ein Medikament nicht richtig verarbeiten.

    Menschen mit einer Medikamentenallergie ist oft unklar, welche Mittel sie noch einnehmen können und welche nicht. Für ein benötigtes Medikament Alternativen zu finden, ist zudem nicht immer leicht. Durch eine Medikamentenallergie kann es deshalb nicht nur zu akuten Beschwerden, sondern auch zu verzögerten Behandlungen kommen. Manche Menschen müssen auf weniger wirksame Medikamente ausweichen.

    Symptome

    Zu allergischen Reaktionen kommt es meist innerhalb der ersten Stunde nach Medikamenteneinnahme. Es gibt jedoch auch Spätreaktionen, die erst nach Stunden, Tagen oder sogar Wochen auftreten.

    Mögliche Beschwerden bei einer Sofortreaktion sind:

    • Rötung und Überwärmung der Haut
    • Hautausschlag mit Flecken
    • Quaddelbildung (Nesselsucht)
    • Juckreiz
    • Schwellungen der Schleimhäute
    • Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme).

    Bei einer schweren Reaktion (anaphylaktischer Schock) kann es auch zu Atemnot, Bewusstseinsstörungen oder sogar Kreislaufstillstand kommen.

    Spätreaktionen treten meist innerhalb weniger Tage auf, selten mit bis zu zwei Wochen Verzögerung. Sie können mit Hautausschlag und Fieber einhergehen. Selten kommt es zu schweren Reaktionen, bei denen Organe geschädigt werden können, sich die Haut großflächig ablöst oder das Gesicht stark anschwillt.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Zu den häufigsten Auslösern von Medikamentenallergien zählen:

    • Antibiotika (oft Penicillin)
    • Schmerz- und Rheumamittel (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen
    • Röntgen-Kontrastmittel
    • Mittel zur örtlichen Betäubung (Lokalanästhetika)
    • Narkosemittel
    • Medikamente zur Krebstherapie (Chemotherapie)
    • Medikamente gegen Epilepsie
    • Psychopharmaka (Antidepressiva oder Neuroleptika)
    • ACE-Hemmer zur Blutdrucksenkung
    • Zusatzstoffe in Medikamenten

    Medikamente, die über Infusionen, Spritzen oder über die Haut aufgenommen werden, lösen eher allergische Reaktionen aus als solche, die als Tabletten oder Saft geschluckt werden. Zu schweren Reaktionen kommt es am ehesten nach Infusionen über die Vene.

    Medikamentenallergien treten meist bei Erwachsenen im jungen und mittleren Alter auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Bestimmte genetische Veränderungen oder Viruserkrankungen wie HIV erhöhen die Anfälligkeit.

    Diagnose

    Allein aufgrund der Beschwerden lässt sich meist nicht sicher sagen, ob eine Medikamentenallergie vorliegt. Oft ähneln die Symptome denen anderer Nebenwirkungen. Auch viele Erkrankungen oder andere Allergien gehen mit Hautausschläge einher.

    Zunächst fragt die Ärztin oder der Arzt nach Art und Umständen der Beschwerden und danach, welche Medikamente wann und in welcher Dosierung eingenommen wurden. Manche Menschen nehmen sehr viele Medikamente ein. Dann ist es besonders wichtig, die Einnahme der einzelnen Mittel gut nachzuvollziehen, zum Beispiel anhand der Patientenakte oder dem Entlassungsbrief nach einem Klinikaufenthalt.

    Grundsätzlich ist es wichtig, der Ärztin oder dem Arzt alle Mittel zu nennen, die man einnimmt – auch pflanzliche Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel. Sie werden manchmal gar nicht als Medikamente wahrgenommen, können aber ebenfalls allergische Reaktionen hervorrufen.

    Zudem gibt es verschiedene Allergietests:

    • Prick-Test: Dabei wird untersucht, ob das Immunsystem auf bestimmte Auslöser übermäßig reagiert. Dazu wird eine Lösung mit dem möglichen Allergen auf den Unterarm aufgetragen. Anschließend wird die Haut an dieser Stelle leicht eingeritzt, damit die Substanz in die Haut gelangt. Dann wird beobachtet, ob sie sich rötet oder juckende Quaddeln entstehen.
    • Epikutan- oder Pflastertest: Der vermutete Auslöser wird mithilfe eines Pflasters auf die Haut aufgebracht und nach 1 bis 2 Tagen geprüft, ob die Haut an dieser Stelle reagiert.
    • Blutuntersuchung: Hiermit wird überprüft, ob der Körper Antikörper gegen ein Medikament gebildet hat.
    • Provokationstest: Dabei erhält man eine kleine Menge des verdächtigen Wirkstoffs, die anschließend gesteigert wird. Unter ärztlicher Beobachtung wird geschaut, ob sich eine Reaktion zeigt. Da bei einem Provokationstest auch schwere Reaktionen möglich sind, findet er meist im Krankenhaus statt und kann einige Tage dauern. Bei manchen Arzneistoffen und wenn bestimmte, unter Umständen auch lebensbedrohliche Reaktionen auftreten könnten, ist ein Provokationstest allerdings nicht möglich.

    Trotz verschiedener Tests kann es manchmal schwierig sein, die Ursache der Beschwerden sicher festzustellen.

    Behandlung

    Oft können die auslösenden Medikamente einfach vermieden oder durch andere Arzneistoffe ersetzt werden. Langfristig abschwächen lässt sich eine Medikamentenallergie aber nicht: Eine Behandlung durch eine Hyposensibilisierung ist bei dieser Allergie nicht möglich.

    Die Beschwerden bei einer Sofortreaktion können mit Kortison oder Medikamenten gegen allergische Reaktionen (Antihistaminika) behandelt werden. Stärkere Reaktionen werden mit Adrenalin-Spritzen und Kortison behandelt.

    Wenn eine Allergie gegen ein Medikament bekannt ist, kann mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden, welche Alternativen infrage kommen. Zudem muss berücksichtigt werden, dass es Kreuzreaktionen geben kann. Das heißt, dass man auch auf andere Wirkstoffe reagiert, die ähnlich aufgebaut sind.

    Ein Medikament zu meiden ist dann problemlos, wenn das Mittel nicht unbedingt notwendig ist oder andere, ebenso wirksame Mittel zur Verfügung stehen. Letzteres ist zum Beispiel bei Antibiotika oder Schmerzmitteln meist der Fall. Schwieriger wird es, wenn man auf ein bestimmtes Medikament angewiesen ist und keine geeigneten Alternativen zur Verfügung stehen – oder wenn die möglichen Alternativen wiederum andere Risiken haben. Dann muss gut abgewogen werden, ob der Verzicht auf das Medikament mehr Nachteile hat als dessen Einnahme.

    Es ist wichtig, in einem Allergiepass zu vermerken, gegen welche Medikamente eine Allergie besteht. Wenn der Pass in der Brieftasche mitgeführt wird, können Ärztinnen und Ärzte im Notfall auf die enthaltenen Informationen zurückgreifen.

    Manchmal ist ein allergieauslösendes Medikament zur Behandlung unverzichtbar und alternativlos – zum Beispiel in der Krebsbehandlung oder bei schweren Infektionen. Dann gibt es folgende Möglichkeit: Der Wirkstoff wird unter ärztlicher Aufsicht zunächst in niedrigen Dosierungen eingenommen, die Dosis dann langsam gesteigert und beobachtet, wie der Körper das Medikament verträgt. Dieses Vorgehen soll eine vorübergehende Toleranz gegenüber einem Medikament erreichen. Es ist allerdings nicht ganz risikolos.

    Leben und Alltag

    Studien zeigen, dass manche Menschen zu Unrecht glauben, sie hätten eine Medikamentenallergie. Sie schreiben Nebenwirkungen vorschnell einer Allergie zu – etwa bei der Einnahme von Antibiotika, die öfter einen Hautausschlag auslösen. Ein Ausschlag bedeutet aber nicht automatisch, dass es sich um eine allergische Reaktion handelt.

    Viele Menschen glauben zum Beispiel, sie oder ihre Kinder hätten eine Penicillin-Allergie. Wenn sie einen Allergietest machen, stellt sich jedoch meist heraus, dass dies nicht der Fall ist. Tatsächlich sind Penicillin-Allergien seltener als oft angenommen.

    Ein falscher Verdacht kann Nachteile mit sich bringen, wenn wirksame Medikamente vermieden werden. Werden zum Beispiel statt Penicillin Breitbandantibiotika eingesetzt, die gegen verschiedene Erreger wirken, steigt die Gefahr, dass sich resistente Keime bilden. Deshalb ist es wichtig zu wissen, gegen welche Medikamente man tatsächlich allergisch ist und gegen welche nicht.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Bamanikar A. A review of drug allergies: diagnosis and management. EMJ Allergy Immunol 2016; 1: 52-57.

    Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). Leitlinie Allergologische Diagnostik von Überempfindlichkeitsreaktionen auf Arzneimittel (S2k-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 061-021. 31.12.2014.

    National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Drug allergy: diagnosis and management. 03.09.2014. (NICE Clinical Guidelines; Band CG183).

    Warrington R, Silviu-Dan F. Drug allergy. Allergy Asthma Clin Immunol 2011; 7 Suppl 1: S10.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

    Mehr Wissen: Anaphylaktische Reaktion (Anaphylaxie)

    Eine anaphylaktische Reaktion ist eine starke allergische Reaktion, die sich normalerweise durch eine sofortige Behandlung eindämmen lässt. Für Betroffene wie für Angehörige ist es wichtig zu wissen, was im Notfall zu tun ist. Für manche Menschen oder in bestimmten Situationen ist es zudem sinnvoll, ein Notfallset dabei zu haben.

    Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Substanzen (Allergene). Häufig treten die Beschwerden nur an den Körperstellen auf, die Kontakt mit der Substanz hatten – beispielsweise an den Atemwegen nach dem Einatmen von Pollen oder Hausstaub. Bei einer anaphylaktischen Reaktion (Anaphylaxie) dagegen kommt es plötzlich zu teils starken Beschwerden in mehreren Körperbereichen, im Extremfall auch im ganzen Körper. Normalerweise verläuft eine Anaphylaxie jedoch weniger dramatisch; wichtig ist eine rechtzeitige Behandlung.

    Es wird geschätzt, dass pro Jahr etwa einer von 10.000 Menschen eine anaphylaktische Reaktion hat. Umgangssprachlich ist der Begriff „allergischer Schock“ geläufig. Er bezeichnet jedoch nur eine besonders starke Form der anaphylaktischen Reaktion, die selten auch tödlich verlaufen kann: Pro Jahr sterben in Deutschland etwa 200 Menschen daran.

    Eine anaphylaktische Reaktion ist eine starke allergische Reaktion, die sich normalerweise durch eine sofortige Behandlung eindämmen lässt. Für Betroffene wie für Angehörige ist es wichtig zu wissen, was im Notfall zu tun ist. Für manche Menschen oder in bestimmten Situationen ist es zudem sinnvoll, ein Notfallset dabei zu haben.

    Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Substanzen (Allergene). Häufig treten die Beschwerden nur an den Körperstellen auf, die Kontakt mit der Substanz hatten – beispielsweise an den Atemwegen nach dem Einatmen von Pollen oder Hausstaub. Bei einer anaphylaktischen Reaktion (Anaphylaxie) dagegen kommt es plötzlich zu teils starken Beschwerden in mehreren Körperbereichen, im Extremfall auch im ganzen Körper. Normalerweise verläuft eine Anaphylaxie jedoch weniger dramatisch; wichtig ist eine rechtzeitige Behandlung.

    Es wird geschätzt, dass pro Jahr etwa einer von 10.000 Menschen eine anaphylaktische Reaktion hat. Umgangssprachlich ist der Begriff „allergischer Schock“ geläufig. Er bezeichnet jedoch nur eine besonders starke Form der anaphylaktischen Reaktion, die selten auch tödlich verlaufen kann: Pro Jahr sterben in Deutschland etwa 200 Menschen daran.

    Wie zeigt sich eine anaphylaktische Reaktion?

    Je nach Verlauf betreffen anaphylaktische Reaktionen meist die Haut, den Magen-Darm-Trakt, die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System. Die Reaktionen werden in vier Schweregrade eingeteilt:

    Grad Haut und allgemeine Beschwerden Magen-Darm-Trakt Atemwege Herz-Kreislauf-System
    1 Juckreiz, Hautausschlag, Quaddeln, Hautschwellung      
    2 Juckreiz, Hautausschlag, Quaddeln, Hautschwellung Übelkeit, Krämpfe, Erbrechen laufende Nase, Heiserkeit, Atemnot hoher Puls, niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen
    3 Juckreiz, Hautausschlag, Quaddeln, Hautschwellung Erbrechen, Durchfall, Blähungen, Stuhldrang Kehlkopfschwellung, Atemkrämpfe, blaugefärbte Haut und Schleimhäute Schock: Minderdurchblutung der Organe, Kreislaufversagen, Bewusstlosigkeit
    4 Juckreiz, Hautausschlag, Quaddeln, Hautschwellung Erbrechen, Durchfall, Blähungen, Stuhldrang Atemstillstand Kreislaufstillstand

    Anaphylaktische Reaktionen können sich ganz unterschiedlich entwickeln. Die Beschwerden können innerhalb weniger Minuten stärker werden. Sie bleiben dann oft auf einem Schweregrad stehen und bilden sich spontan wieder zurück. Die verschiedenen Beschwerden können einzeln, nacheinander oder gemeinsam auftreten. Nach bis zu einem Tag können sie auch erneut einsetzen, selbst wenn sie behandelt wurden.

    Eine Anaphylaxie kann sich durch folgende Symptome ankündigen:

    • metallischer Geschmack im Mund,
    • Brennen an den Handinnenflächen und Fußsohlen,
    • Brennen, Kribbeln oder Juckreiz an Zunge oder Gaumen,
    • Angstgefühle,
    • Kopfschmerzen oder
    • Desorientierung.

    Wodurch kann eine Anaphylaxie ausgelöst werden?

    Die häufigsten Auslöser von schweren Anaphylaxien bei Kindern sind Nahrungsmittel (meist Erdnüsse, Wal- und Haselnüsse, Fisch, Hühnereier, Kuhmilch), gefolgt von Insektengiften und Medikamenten. Bei Erwachsenen sind Insektengifte die häufigsten Auslöser, gefolgt von Medikamenten und Nahrungsmitteln.

    Bestimmte Umstände können eine Anaphylaxie begünstigen. Dazu zählen körperliche Anstrengung, Alkohol und Infekte. Schwere Anaphylaxien treten häufiger bei älteren Menschen auf, außerdem bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem nicht optimal behandelten Asthma.

    Selten kann eine anaphylaktische Reaktion als Nebenwirkung einer Hyposensibilisierung auftreten.

    Wie geht man mit einer anaphylaktischen Reaktion um?

    Für Betroffene und Helfer ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und

    • bei ersten leichteren Beschwerden einer anaphylaktischen Reaktion die Notfallnummer 112 zu wählen und mitzuteilen, dass es sich vermutlich um eine Anaphylaxie handelt.
    • andere Menschen in der Nähe zu informieren, damit sie bei Bedarf helfen können.
    • falls man ein Notfallset mit Medikamenten bei sich hat, es wie vorgegeben zu verwenden.
    • sich je nach Art der Beschwerden flach hinzulegen oder zu setzen.

    Bei einer schweren Reaktion (beispielsweise bei Atembeschwerden oder Bewusstlosigkeit) ist es wichtig, wenn möglich rasch das Adrenalin zu spritzen und dann die Notfallnummer zu wählen.

    Die möglichen Auslöser aufzubewahren, kann die Diagnose erleichtern.

    Körperliche Anstrengung sollte vermieden werden. Welche Art der Lagerung sinnvoll ist, hängt von den Beschwerden ab. Meist bietet sich flaches Liegen an, bei Atemnot eine (halb) sitzende Position. Ist das Bewusstsein eingeschränkt, ist die stabile Seitenlage am sichersten. Bei einem Schock lässt sich durch Hochlagern der Beine die Durchblutung verbessern. Bei Kindern kann die Lagerung schwierig sein, da sie häufig Angst haben und unruhig sind. Am besten hält man sie dann auf dem Arm.

    Was ist bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zu tun?

    Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand ist kein Puls mehr zu spüren. Dann muss sofort mit einer Herzdruckmassage begonnen werden. Das heißt:

    • Das Brustbein wird mit ausgestrecktem Arm etwa 100 bis 120 Mal pro Minute rasch hintereinander gedrückt.
    • Geübte Ersthelferinnen oder -helfer sollten die Herzdruckmassage mit einer Beatmung nach dem Schema 30 zu 2 kombinieren. Das heißt: Nach jeweils 30 Druckbewegungen wird die bewusstlose Person zweimal über den Mund oder die Nase beatmet.
    • Die Beatmung sollte die Herzdruckmassage nicht länger als zehn Sekunden unterbrechen.

     

    Grafik: Erste Schritte bei der Wiederbelebung: a) Bewusstsein prüfen, b) Atmung prüfen, c) Notruf 112 wählen Erste Schritte bei der Wiederbelebung: a) Bewusstsein prüfen, b) Atmung prüfen, c) Notruf 112 wählen

    Die Wiederbelebung wird solange fortgesetzt, bis der Puls wieder einsetzt oder der Notarzt eingetroffen ist.

    Wie wird eine anaphylaktische Reaktion behandelt?

    Das wichtigste Medikament zur Behandlung einer anaphylaktischen Reaktion ist Adrenalin. Es verbessert die Durchblutung, erleichtert die Atmung und lässt Hautschwellungen abklingen. Adrenalin wirkt innerhalb weniger Minuten. Meist wird es in den Oberschenkelmuskel gespritzt. Zeigt es keine ausreichende Wirkung, kann nach 5 bis 10 Minuten noch einmal gespritzt werden.

    Zusätzlich wird empfohlen, rasch ein Antihistaminikum und je nach Situation ein Kortisonpräparat einzunehmen. Beide Medikamente wirken langsamer als das Adrenalin, sollen die allergische Reaktion aber zusätzlich hemmen.

    Droht ein Kreislaufstillstand, wird Adrenalin in die Vene gespritzt oder als Infusion verabreicht. Wenn der Kehlkopf anschwillt und die Atemwege verengt sind, wird Adrenalin zusätzlich über eine Atemmaske zusammen mit Sauerstoff gegeben.

    Wenn die Atmung und das Herz-Kreislauf-System stark geschwächt sind, wird Sauerstoff über eine Atemmaske gegeben. Nur selten muss zur Beatmung ein Schlauch in die Luftröhre eingeführt werden. Bei einem Schock wird dem Körper über Infusionen rasch viel Flüssigkeit zugeführt, um den Kreislauf zu stabilisieren.

    Was ist im Notfallset enthalten?

    Mithilfe eines Notfallsets lässt sich eine anaphylaktische Reaktion rasch selbst oder durch umstehende Personen behandeln. Das Notfallset enthält:

    • Adrenalinspritze mit Injektionshilfe (Autoinjektor)
    • Antihistaminikum als Flüssigkeit oder Tablette
    • Kortisonpräparat als Zäpfchen, Flüssigkeit oder Tablette
    • bei Menschen mit Asthma: ein atemwegserweiterndes Spray
    • bei Menschen, die zu Atemnot neigen: ein Adrenalin-Spray zum Einatmen
    • Anleitung zum Umgang mit einer Anaphylaxie
    • Anaphylaxie-Pass, in dem die Personalien vermerkt sind, die bekannten Allergieauslöser und die nötige Dosierung der Medikamente

    Wer kann ein Notfallset erhalten?

    Ein Notfallset kann ärztlich verschrieben werden für Menschen,

    • die schon einmal eine Anaphylaxie durchgemacht haben, außer der Auslöser ist sicher vermeidbar (wie bei den meisten Arzneimitteln).
    • bei denen eine Mastozytose bekannt ist. Bei dieser seltenen Erkrankung kommt es zu einer starken Vermehrung bestimmter Abwehrzellen im Gewebe. Eine Mastozytose kann in verschiedenen Organen auftreten und zu Beschwerden wie Bauchschmerzen, Juckreiz, Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen führen.
    • die bereits allergisch auf Erdnüsse, Walnüsse oder Sesam reagiert haben. Diese Lebensmittel lösen besonders häufig eine Anaphylaxie aus.
    • die sehr sensibel auf bereits kleine Mengen eines Allergens reagieren.

    Die Kosten werden unter diesen Voraussetzungen in der Regel von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

    Es gibt Schulungsprogramme, in denen der Umgang mit einer Anaphylaxie und dem Notfallset vermittelt wird. Wichtig ist auch, Angehörige, Freunde oder Kollegen mit dem Gebrauch des Notfallsets vertraut zu machen.

    Quellen

    Dhami S, Panesar SS, Roberts G, Muraro A, Worm M, Bilo MB et al. Management of anaphylaxis: a systematic review. Allergy 2014; 69(2): 168-175.

    Perkins GD, Handley AJ, Koster RW, Castren M, Smyth MA, Olasveengen T et al. European Resuscitation Council Guidelines for Resuscitation 2015: Section 2. Adult basic life support and automated external defibrillation. Resuscitation 2015; 95: 81-99.

    Ring J, Beyer K, Biedermann T, Bircher A, Duda D, Fischer J et al. Guideline for acute therapy and management of anaphylaxis: S2 Guideline of the German Society for Allergology and Clinical Immunology (DGAKI), the Association of German Allergologists (AeDA), the Society of Pediatric Allergy and Environmental Medicine (GPA), the German Academy of Allergology and Environmental Medicine (DAAU), the German Professional Association of Pediatricians (BVKJ), the Austrian Society for Allergology and Immunology (OGAI), the Swiss Society for Allergy and Immunology (SGAI), the German Society of Anaesthesiology and Intensive Care Medicine (DGAI), the German Society of Pharmacology (DGP), the German Society for Psychosomatic Medicine (DGPM), the German Working Group of Anaphylaxis Training and Education (AGATE) and the patient organization German Allergy and Asthma Association (DAAB). Allergo J Int 2014; 23(3): 96-112.

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    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
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