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Asthma

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    Überblick

    Bei Asthma können die Atemwege kurzzeitig oder auch dauerhaft so verengt sein, dass man schlecht Luft bekommt. Doch wenn das Asthma gut behandelt wird, ist es meistens möglich, ein weitgehend beschwerdefreies Leben zu führen.

    Einleitung

    Bei Asthma bronchiale sind die Atemwege kurzzeitig oder auch dauerhaft so verengt, dass man schlecht Luft bekommt. Typisch für Asthma sind Anfälle mit „pfeifendem“ Atem, Husten und Atemnot. Wenn Asthma nicht angemessen behandelt wird, kann es mit der Zeit dazu führen, dass die Lunge schlechter Sauerstoff aufnimmt und die körperliche Belastbarkeit nachlässt.

    Asthma verschlechtert sich aber nicht automatisch. Mit Medikamenten und unterstützenden Maßnahmen wie regelmäßiger Bewegung lässt sich Asthma heute gut behandeln. Den meisten Menschen mit Asthma ist es deshalb möglich, ihre Erkrankung unter Kontrolle zu bekommen und ein weitgehend beschwerdefreies Leben zu führen. Dazu ist es wichtig zu verstehen, was man selbst tun kann und herauszufinden, welche Behandlung für einen persönlich am besten geeignet ist.

    Symptome

    Bei Kindern macht sich Asthma in der Regel durch Husten und eine leicht pfeifende oder brummende Atmung bemerkbar. Andere typische Krankheitszeichen zeigen sich meist noch nicht. Bei Jugendlichen und Erwachsenen äußert sich Asthma durch folgende Beschwerden:

    • Atemnot (oft anfallsartig)
    • Kurzatmigkeit bei Belastung
    • geräuschvolle (Aus-)Atmung (Giemen, Pfeifen, Brummen)
    • Engegefühl in der Brust
    • Husten und / oder Hustenreiz

    Die Beschwerden treten meist anfallsartig auf, häufig auch nachts. Dies ist einer der Gründe, warum sich manche Menschen mit dieser chronischen Erkrankung oft müde und abgeschlagen fühlen. Bei einem Asthma-Anfall kann sich eine zunächst nur leicht erschwerte Atmung bis zu ernsthafter Atemnot steigern.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Asthma tritt in einigen Familien häufiger auf als in anderen, was auf ein gewisses familiäres Risiko schließen lässt. Weitere Risikofaktoren an Asthma zu erkranken, sind zum Beispiel andere allergische Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Neurodermitis in der Familie oder beim Kind selbst sowie ein unterdurchschnittliches Geburtsgewicht. Jungen erkranken häufiger an Asthma als Mädchen. Außerdem gibt es einen wichtigen Risikofaktor, der vermeidbar ist: das Rauchen der Eltern.

    Asthmatische Beschwerden treten auf, wenn zwei Dinge zusammenkommen: Bei Menschen mit Asthma neigt das Immunsystem dauerhaft zu einer übersteigerten Abwehrreaktion. Dieser Hang zum „Übereifer“ macht sich aber erst bemerkbar, wenn die Schleimhäute, die die Bronchien von innen auskleiden, Kontakt zu bestimmten Reizen haben. Diese werden als Auslöser (englisch: trigger) bezeichnet.

    Je nach Auslöser unterscheiden Fachleute zwischen allergischem und nicht allergischem Asthma.

    • Allergisches Asthma wird auch „extrinsisch“ genannt, weil die Auslöser von außen kommen und mit der Luft eingeatmet werden. Verschiedene Menschen können auf ganz unterschiedliche Reize reagieren. Dazu zählen zum Beispiel Tabakrauch (aktives und passives Rauchen), Pflanzenpollen, Tierhaare, Exkremente von Hausstaubmilben, Nahrungsbestandteile, aber auch kalte Luft, Parfüms, Abgase und bestimmte Chemikalien.
    • Nicht allergisches Asthma (auch „intrinsisch“ genannt) wird durch Reize ausgelöst, die aus dem Körper selbst kommen. Dazu zählen vor allem bakterielle und virale Entzündungen der Atemwege. Eine spezielle Form ist das Analgetika-Asthma. Es wird durch die Einnahme bestimmter Schmerzmittel (Analgetika) ausgelöst. Dazu gehören Acetylsalicylsäure (ASS) und andere Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR). Bei manchen Menschen lösen körperliche oder seelische Belastungen, die den Atem beschleunigen, asthmatische Beschwerden aus.

    Bei vielen Menschen spielen auch innere und äußere Faktoren zusammen, sodass eine klare Abgrenzung zwischen allergischem und nicht allergischem Asthma nicht immer möglich ist. Die Folgen für die Lunge und Atmung sind ohnehin sehr ähnlich:

    • Zellen des Abwehrsystems (Immunsystems) in der Bronchialschleimhaut werden aktiviert,
    • die Muskulatur um die Atemwege verkrampft sich,
    • die Schleimhäute der Atemwege entzünden sich und schwellen an,
    • es bildet sich häufig besonders zäher Schleim.

    Durch die Verkrampfung der Muskulatur, die Schleimhautschwellung und die Schleimbildung verengen sich die Atemwege mehr und mehr, bis schließlich ein Asthma-Anfall auftreten kann.

     

    Grafik: Aufbau der Lungen-Atemwege; gesunde und durch Asthma verengte Bronchien - wie im Text beschrieben Aufbau der Lungen-Atemwege; gesunde und durch Asthma verengte Bronchien

     

    Häufigkeit und Verlauf

    Etwa 10 % der Kinder und 5 % der Erwachsenen in Deutschland haben Asthma. Bei Kindern ist Asthma die häufigste chronische Erkrankung.

    Asthma verläuft sehr unterschiedlich und führt nicht automatisch zu immer stärkeren Beschwerden. Manche Kinder oder Jugendliche haben später als Erwachsene kaum noch oder gar keine Beschwerden mehr. Bei anderen dagegen bleiben sie bestehen oder verstärken sich. Viel hängt davon ab, wie gut sich der auslösende Reiz vermeiden lässt, wie gut das Asthma behandelt wird und wie man selbst mit der Erkrankung umgeht. Bestimmte Medikamente und unterstützende Maßnahmen wie Atemtechniken können helfen, ein nahezu normales Leben zu führen.

    Asthma kann in jedem Lebensalter erstmals auftreten. Häufig fällt Asthma aber zuerst im Kindes- oder Jugendalter auf. Menschen mit Asthma haben oft schon zuvor mit Allergien Probleme: etwa mit Heuschnupfen, allergischer Bindehautentzündung oder Neurodermitis. Ihre Beschwerden können sich daher je nach Jahreszeit oder anderen äußeren Einflüssen verändern oder auch für einige Zeit oder sogar ganz verschwinden. Manchmal treten dann andere allergische Beschwerden wieder in den Vordergrund und es kommt erst nach einiger Zeit wieder zu Asthma-Beschwerden.

    Diagnose

    Ob Asthma oder eine andere Erkrankung für Atembeschwerden verantwortlich ist, können Ärztinnen und Ärzte erst feststellen, wenn sie die Symptombeschreibungen und die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen zusammen betrachten. Die wichtigsten Diagnosemethoden bei Verdacht auf Asthma sind:

    • ausführliches Gespräch (Anamnese): Darin geht es unter anderem um die Art der Beschwerden, die Krankheitsgeschichte und das Lebensumfeld.
    • körperliche Untersuchung: Neben dem allgemeinen gesundheitlichen Zustand wird die Funktion von Lunge, Herz und Kreislauf überprüft.

    Mithilfe von Lungenfunktionstests (Peak-Flow-Messung und / oder Spirometrie) lässt sich feststellen, wie leistungsfähig die Lunge ist. Das Peak-Flow-Meter misst die Geschwindigkeit des Luftstroms beim Ausatmen. Bei der Spirometrie werden die Geschwindigkeit des Luftstroms bei der Ausatmung und die Menge der ausgeatmeten Luft gemessen.

    Weitere Untersuchungen der Atemwege oder Allergietests können nötig werden, um die Diagnose zu sichern.

    Behandlung

    Erstes Ziel der Behandlung von Asthma ist es, die Häufigkeit und Stärke der Beschwerden so gering wie möglich zu halten. Darüber hinaus soll eine Asthma-Behandlung helfen, den Alltag möglichst normal zu gestalten. Es ist wichtig zu wissen, dass die medikamentöse Therapie nur wenige Nebenwirkungen mit sich bringt. Das gilt auch für schwangere Frauen mit Asthma. Welche Medikamente geeignet sind, wird mit der Ärztin oder dem Arzt abgestimmt.

    Zur Asthma-Behandlung werden zwei Hauptgruppen von Medikamenten eingesetzt:

    • schnell wirksame Bedarfsmedikamente (Reliever) und
    • lang wirksame Dauermedikamente (Controller).

    Bedarfsmedikamente können bei leichtem Asthma ausreichen: So nehmen manche Menschen mit Asthma nur dann Medikamente ein, wenn sie Beschwerden haben.

    Ein stärkeres Asthma lässt sich aber meist nur mit Dauermedikamenten kontrollieren. Sie beruhigen unter anderem die ständig entzündeten Atemwege und beugen dadurch Asthma-Anfällen vor. Üblicherweise werden sie regelmäßig jeden Tag angewendet. Die Behandlung richtet sich immer nach der Stärke der Beschwerden. Nur eine regelmäßige Anwendung der Medikamente kann ausreichend vor Asthma-Anfällen schützen.

    Zudem kann es helfen, den Kontakt zu Asthma-Auslösern so gut es geht zu vermeiden. Das ist im Alltag aber nicht leicht, manchmal auch unmöglich. Es kann zwar helfen herauszufinden, ob man zum Beispiel auf Tierhaare, Hausstaub oder kalte Luft empfindlich reagiert. Das Vermeiden von Auslösern schützt allerdings nicht immer und überall vor Beschwerden. Die meisten Menschen mit Asthma müssen sich aber weniger Gedanken um Auslöser machen, wenn sie ihre Medikamente richtig anwenden.

    Sport und Bewegung sowie bestimmte Atemtechniken können ebenfalls helfen, die Beschwerden unter Kontrolle zu halten. Medikamente lassen sich dadurch zwar meist nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen.

    Leben und Alltag

    Wie die meisten chronischen Erkrankungen betrifft Asthma nicht nur ein einzelnes Organ – in diesem Fall die Lunge –, sondern den ganzen Menschen. Wer zum Beispiel nachts Asthma-Anfälle hat und dadurch schlecht schläft, ist tagsüber müde und unkonzentriert. Auch die körperliche Fitness kann leiden.

    Oft dauert es eine Zeit, sich auf das Leben mit einer chronischen Erkrankung einzustellen. Das gilt manchmal auch für Angehörige. Ausreichende Informationen über Asthma können Kinder und Erwachsene im Umgang mit ihrer Erkrankung stärken und selbstständiger machen. Wer gut informiert ist, kommt oft besser mit kritischen Situationen wie einem akuten Asthma-Anfall zurecht. Notfälle und Klinikeinweisungen lassen sich dann oft vermeiden. Selbsthilfegruppen können beim Umgang mit der Erkrankung eine wichtige Unterstützung sein.

    Weitere Informationen

    Zum Krankheitsmanagement gehört auch, zu wissen, wo man die geeignete Unterstützung, Beratung und die bestmögliche Behandlung bekommt. Ärztlicher Rat, eine gute Asthma-Schulung oder die Mitarbeit in einer Selbsthilfegruppe können dabei helfen, selbst Expertin oder Experte im Umgang mit dem Asthma zu werden. Asthma-Schulungen werden unter anderem von Lungenfachärztinnen und -ärzten sowie von Rehakliniken angeboten. Eine Asthma-Schulung sollte vermitteln,

    • wie Asthma entsteht und wie es behandelt werden kann,
    • woran man frühe Symptome eines Asthma-Anfalls erkennt,
    • wie sich Auslöser vermeiden lassen und
    • wie sich Erkrankte und Angehörige im Notfall verhalten sollen.

    Asthma-Selbsthilfegruppen sind selbst organisierte Zusammenschlüsse von Menschen, die Asthma haben oder deren Angehörige an Asthma erkrankt sind. Sie bieten die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Dies kann bei der Bewältigung des Lebens mit Asthma helfen und zur Aufklärung über die Erkrankung beitragen.

    Quellen

    Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlich Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie: Asthma. AWMF-Registernr.: nvl-002. 21.09.2018.

    Dennis RJ, Solarte I, Rodrigo G. Asthma in adults. BMJ Clin Evid 2011.

    Global Initiative for Asthma (GINA). Global Strategy for Asthma Management and Prevention (2017 update). 2017.

    Turner SW, Friend AJ, Okpapi A. Asthma and other recurrent wheezing disorders in children (chronic). BMJ Clin Evid 2012.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Beschwerden und Diagnose

    Bei Menschen mit Asthma sind die Atemwege übermäßig empfindlich. Typisches Symptom der chronischen Erkrankung sind Anfälle mit „pfeifendem“ Atem, Husten und Atemnot. Ähnliche Beschwerden können aber auch Anzeichen für andere Krankheiten sein. Vor einer Behandlung ist es deshalb wichtig, die genaue Ursache für die Atemprobleme zu klären.

    Bei chronischem Asthma ist die Schleimhaut der Atemwege in einer ständigen Entzündungsbereitschaft. Das bedeutet, dass sie auf bestimmte Reize sehr schnell und sehr stark reagieren kann. Die Schleimhaut ist gerötet, stark durchblutet und geschwollen, ihre Zellen bilden zähen Schleim. Wenn dann ein Auslöser hinzukommt, verkrampft zusätzlich die Muskulatur in der Wand der Atemwege (Bronchialmuskulatur). Alles zusammen führt dazu, dass die Bronchien enger werden und die Atemluft nicht mehr so leicht aus- und einströmen kann. Die Folge ist Atemnot.

    Ein starker Asthma-Anfall ist vergleichbar mit dem Versuch, einige Minuten durch einen Strohhalm zu atmen: Auch kräftiges Einsaugen und Hineinpusten hilft nicht, ausreichend Luft ein- und wieder auszuatmen.

    Bei Menschen mit Asthma sind die Atemwege übermäßig empfindlich. Typisches Symptom der chronischen Erkrankung sind Anfälle mit „pfeifendem“ Atem, Husten und Atemnot. Ähnliche Beschwerden können aber auch Anzeichen für andere Krankheiten sein. Vor einer Behandlung ist es deshalb wichtig, die genaue Ursache für die Atemprobleme zu klären.

    Bei chronischem Asthma ist die Schleimhaut der Atemwege in einer ständigen Entzündungsbereitschaft. Das bedeutet, dass sie auf bestimmte Reize sehr schnell und sehr stark reagieren kann. Die Schleimhaut ist gerötet, stark durchblutet und geschwollen, ihre Zellen bilden zähen Schleim. Wenn dann ein Auslöser hinzukommt, verkrampft zusätzlich die Muskulatur in der Wand der Atemwege (Bronchialmuskulatur). Alles zusammen führt dazu, dass die Bronchien enger werden und die Atemluft nicht mehr so leicht aus- und einströmen kann. Die Folge ist Atemnot.

    Ein starker Asthma-Anfall ist vergleichbar mit dem Versuch, einige Minuten durch einen Strohhalm zu atmen: Auch kräftiges Einsaugen und Hineinpusten hilft nicht, ausreichend Luft ein- und wieder auszuatmen.

    Welche Beschwerden sind typisch für Asthma?

    Bei einem Asthma-Anfall fällt meist das Ausatmen schwerer als das Einatmen: Das Ausatmen kann bei der Verschlechterung eines Asthmas pfeifend oder rasselnd klingen. Die Medizin nennt dies „Giemen“. Außerdem kann es von Hustenreiz oder von Husten begleitet sein.

    Bei einem Asthma-Anfall kann sich eine zunächst nur leicht erschwerte Atmung, Husten oder Giemen bis zu ernsthafter Atemnot steigern. Weil das Ausatmen immer schwerer fällt, wird auch das Luftholen zum Problem. Häufig ist die zunehmende Luftnot mit einem bedrückenden Engegefühl in der Brust verbunden. Es ist leicht zu verstehen, dass das Angst machen kann.

    Zunehmende Angst kann die Beschwerden noch verstärken. Auch für Eltern und Angehörige ist es oft äußerst beunruhigend und nur schwer erträglich, wenn ihr Kind, ihre Partnerin oder ihr Partner nach Luft ringt.

    Wirklich bedrohlich wird ein Asthma-Anfall allerdings erst, wenn die erschwerte und erschöpfende Atmung zu einem Sauerstoffmangel führt. Mit gut wirksamen Medikamenten lässt sich dies aber meistens verhindern.

    Wie ausgeprägt ist das Asthma?

    Asthma-Beschwerden können vom leichten, gelegentlichen Hustenreiz bis zu schwerer Luftnot beim Asthma-Anfall auftreten. Früher hat man bei Asthma unter anderem je nach Ausmaß und Häufigkeit der Beschwerden vier Schweregrade unterschieden. Heute werden Asthma-Beschwerden eher danach beurteilt, wie gut sie kontrolliert sind. Dabei unterscheiden Fachleute drei Schweregrade: kontrolliertes, teilweise kontrolliertes und unkontrolliertes Asthma.

    Zur Beurteilung wird unter anderem geschaut,

    • wie häufig pro Woche tagsüber Beschwerden auftreten,
    • ob das Asthma die alltäglichen Aktivitäten einschränkt,
    • ob auch nachts Beschwerden auftreten und
    • in welchem Maße die Lungenfunktion eingeschränkt ist.

    Auch die Häufigkeit von akuten Krankheitsschüben (Exazerbationen) mit Atemnot, pfeifendem Atem, Husten und Brustenge fließt in die Beurteilung ein.

    Wie wird Asthma festgestellt?

    Asthma oder die Neigung zu Asthma-Anfällen zeigt sich oft schon im Kindes- oder Jugendalter. Bei kleinen Kindern ist eine Diagnose jedoch schwierig. Viele Kleinkinder haben Erkältungskrankheiten oder eine Bronchitis, die kaum von einer beginnenden Asthma-Erkrankung zu unterscheiden sind. Sie können alle mit Husten und leicht pfeifender oder brummender Atmung einhergehen. Asthmaähnliche Beschwerden bei einer Bronchitis werden mit zunehmendem Alter aber immer seltener. Bleibendes Asthma bei Kindern ist häufig mit einer Allergie verbunden. Andere typische Krankheitszeichen zeigen sich meist noch nicht.

    Oft dauert es eine Zeit, bevor Menschen mit Asthma oder die Eltern eines asthmakranken Kindes zu einer Ärztin oder einem Arzt gehen. Meist haben sie sich dann schon länger Sorgen gemacht. Wenn die Ursache für die Atemprobleme geklärt ist, ist es jedoch möglich, eine Behandlung zu beginnen. Bei Asthma bedeutet dies, nicht nur die Beschwerden lindern, sondern Anfällen auch vorbeugen zu können.

    Die wichtigsten Diagnosemethoden bei Verdacht auf Asthma sind ein ausführliches Gespräch (Anamnese), eine körperliche Untersuchung und das Messen der Lungenfunktion (Peak-Flow-Messung und / oder Spirometrie). Weitere Untersuchungen können nötig werden, um die Diagnose zu sichern.

    Wie laufen Anamnese und körperliche Untersuchung ab?

    Die Anamnese und die anschließende körperliche Untersuchung sind die Grundlage für eine Diagnose. Beschwerden, wie sie beim Asthma auftreten, können auch Anzeichen für andere Gesundheitsprobleme sein. Deshalb ist es wichtig, der (Kinder-) Ärztin oder dem Arzt alle Beobachtungen und Erfahrungen im Zusammenhang mit den Beschwerden zu schildern. Dazu gehören auch Sorgen und alltägliche Probleme. Jeder Hinweis kann wichtig sein, um der Ursache auf die Spur zu kommen.

    Um sich ein genaues Bild machen zu können, wird die Ärztin oder der Arzt viele Fragen stellen, zum Beispiel:

    • welche Beschwerden wann auftreten,
    • unter welchen Bedingungen sie wieder abklingen,
    • ob andere Erkrankungen bestehen, insbesondere Allergien,
    • ob als Kind häufig Husten oder pfeifende Atmung auftraten,
    • ob bei Familienangehörigen eine Asthma-Erkrankung oder Allergien bekannt sind,
    • ob und falls ja, welche Medikamente angewendet werden,
    • ob man im häuslichen oder beruflichen Umfeld bestimmten Reizstoffen (Dämpfen, Rauch, Sprays) ausgesetzt ist, und
    • ob es besondere körperliche oder seelische Belastungen gibt.

    Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung prüft die Ärztin oder der Arzt neben dem allgemeinen gesundheitlichen Zustand auch die Funktion von Lunge, Herz und Kreislauf. Dies ist auch deshalb nötig, um andere Erkrankungen auszuschließen.

    Wie wird die Lungenfunktion geprüft?

    Mithilfe von Lungenfunktionstests lässt sich feststellen, was die Lunge leisten kann. Bei Menschen mit Asthma ist es wichtig zu messen, ob die Atemluft frei und ungehindert durch die Bronchien strömen kann oder ob enge Bronchien den Atemfluss stören. Um dies festzustellen, reichen die sogenannte Peak-Flow-Messung und die Spirometrie normalerweise aus.

    Die Peak-Flow-Messung (Messung des „Spitzenflusses“) ist eine wichtige Untersuchung, die man selbst zu Hause durchführen kann. Das Messinstrument, das „Peak-Flow-Meter“, ist ein handliches Gerät, in das nach tiefem Luftholen mit aller Kraft hineingepustet wird. Es misst die Geschwindigkeit des Luftstroms beim Ausatmen. Am Peak-Flow-Wert lässt sich ablesen, ob die Bronchien verengt sind.

    Bei der Spirometrie (Atmungsmessung) wird zum einen die Geschwindigkeit des Luftstroms bei der Ausatmung und zum anderen die Menge der ausgeatmeten Luft gemessen. Dazu atmet man kräftig durch das Mundstück des Messgeräts, des Spirometers. Interessant ist hierbei unter anderem die Menge an Luft, die mit aller Kraft in einer Sekunde ausgeatmet werden kann, die sogenannte Ein-Sekunden-Kapazität oder Sekundenluft (FEV1). Die Messung kann in der Regel bei der Hausärztin oder beim Hausarzt durchgeführt werden und eignet sich auch zur Kontrolle des Krankheitsverlaufs: Der Vergleich mit früheren Werten kann zeigen, ob sich die Lungenfunktion verbessert oder verschlechtert hat.

    Warum können weitere Untersuchungen nötig sein?

    Asthma-Beschwerden können sehr variabel sein. Auch wenn jemand an Asthma erkrankt ist, ist es möglich, dass die Ärztin oder der Arzt bei der ersten Lungenfunktionsprüfung gar keine krankhaften Befunde feststellt. Fast alle Untersuchungen zielen darauf ab, den Grad der Verengung der Bronchien zu messen. Wenn man jedoch gerade beschwerdefrei ist, sind auch die Bronchien fast normal weit. Zudem können für Asthma typische Beschwerden wie zum Beispiel Kurzatmigkeit durch Rauchen, Übergewicht und eine allgemein schlechte körperliche Kondition mitbedingt sein. Um sicherzugehen, kann deshalb nach der ersten Messung:

    • eine Substanz verabreicht werden, die bei Asthma zu einer kurzzeitigen Verengung der Atemwege führt (Provokationstest).
    • die Belastung auf einem Trainingsfahrrad oder Laufband getestet werden. Dies verschlechtert bei Asthma oft die Werte der zweiten Messung (Belastungstest).
    • ein Asthma-Spray gegeben werden, das die Atemwege erweitert. Ergibt eine zweite Messung danach bessere Werte, weist dies auf Asthma hin (Lysetest).

    Eine Röntgenuntersuchung der Lunge oder eine Blutuntersuchung sind bei der Erstuntersuchung normalerweise nur dann sinnvoll, wenn die Beschwerden und Untersuchungsbefunde nicht für Asthma typisch sind und die Ärztin oder der Arzt eine andere Erkrankung ausschließen möchte. Denn die Ursache für Atembeschwerden können auch andere Erkrankungen wie etwa eine Lungenentzündung oder eine chronisch obstruktive Bronchitis sein.

    Wann ist ein Allergietest sinnvoll?

    Asthma wird anhand der beschriebenen Diagnoseverfahren und -tests festgestellt. Um herauszufinden, ob das Asthma eine Reaktion auf allergieauslösende Substanzen (Allergene) ist, kommen weitere Untersuchungen zum Einsatz, wie Bluttests oder Provokationstests. Beim Provokationstest wird in der Arztpraxis geprüft, ob ein bestimmtes Allergen Asthma-Anfälle auslöst.

    Allergene sind oft, aber nicht immer Asthma-Auslöser. Es gilt also zunächst festzustellen, ob überhaupt eine Neigung zu Allergien besteht. Erst dann kann die Suche nach einzelnen Allergieauslösern beginnen, zum Beispiel mit speziellen Hauttests. Allerdings beweist ein positiver Hauttest allein noch kein Asthma.

    Deshalb ist es wichtig, der Ärztin oder dem Arzt die eigenen Beobachtungen mitzuteilen: Wann oder wodurch sind die Beschwerden aufgetreten: an sonnigen Frühsommertagen, in kalter Winterluft, morgens oder abends zu Hause oder während der Arbeit, nach dem Genuss bestimmter Lebensmittel, durch den Kontakt mit Haustieren, beim Wohnungsputz? All dies kann auf mögliche Allergene hinweisen, die Asthmabeschwerden auslösen können.

    Quellen

    Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlich Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie: Asthma. AWMF-Registernr.: nvl-002. 21.09.2018.

    Global Initiative for Asthma (GINA). Global Strategy for Asthma Management and Prevention (2017 update). 2017.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Anstrengungsasthma

    Beim Sport plötzlich kurzatmig zu werden oder kaum noch Luft zu bekommen, kann Angst machen. Doch Sport ist auch für Menschen mit Anstrengungsasthma wichtig. Entscheidend ist, das richtige Maß zu finden: zu viel kann Asthma-Anfälle auslösen – zu wenig kann die Leistungsfähigkeit der Lunge verringern.

    Manche Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Asthma vermeiden körperliche Belastungen, weil sie die unangenehme Erfahrung gemacht haben, dabei nur schwer Luft zu bekommen. Doch wer Asthma hat, kann trotzdem ohne Gefahr Sport treiben. Wichtig ist, zu wissen, wie man mit den Symptomen umgehen und einen Asthma-Anfall lindern kann. Medikamente können dabei helfen, das Risiko für Asthma-Anfälle zu verringern.

    Wenn ein Kind oder Erwachsener sein Asthma unter Kontrolle hat und auf besondere Anstrengungen vorbereitet ist, steht körperlichen Aktivitäten nichts im Wege. Bewegung und Sport können nicht nur helfen, belastbarer und fitter zu werden, sondern auch entspannen und schlicht Spaß machen. Asthma sollte kein Hindernis für ein aktives Leben sein.

    Beim Sport plötzlich kurzatmig zu werden oder kaum noch Luft zu bekommen, kann Angst machen. Doch Sport ist auch für Menschen mit Anstrengungsasthma wichtig. Entscheidend ist, das richtige Maß zu finden: zu viel kann Asthma-Anfälle auslösen – zu wenig kann die Leistungsfähigkeit der Lunge verringern.

    Manche Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Asthma vermeiden körperliche Belastungen, weil sie die unangenehme Erfahrung gemacht haben, dabei nur schwer Luft zu bekommen. Doch wer Asthma hat, kann trotzdem ohne Gefahr Sport treiben. Wichtig ist, zu wissen, wie man mit den Symptomen umgehen und einen Asthma-Anfall lindern kann. Medikamente können dabei helfen, das Risiko für Asthma-Anfälle zu verringern.

    Wenn ein Kind oder Erwachsener sein Asthma unter Kontrolle hat und auf besondere Anstrengungen vorbereitet ist, steht körperlichen Aktivitäten nichts im Wege. Bewegung und Sport können nicht nur helfen, belastbarer und fitter zu werden, sondern auch entspannen und schlicht Spaß machen. Asthma sollte kein Hindernis für ein aktives Leben sein.

    Wie entsteht Anstrengungsasthma?

    Viele Menschen mit Asthma hatten nach dem Sport schon einmal starke Atemprobleme. Von Anstrengungs- oder Belastungsasthma spricht man, wenn körperliche Belastung typische Beschwerden wie Luftnot oder Kurzatmigkeit hervorruft. Rund 70 bis 90 von 100 Menschen mit Asthma müssen damit rechnen.

    Beim Atmen reinigt die Nase die Luft, erwärmt sie und feuchtet sie an. Beim Sport atmet man jedoch schneller, tiefer und mehr durch den Mund. Dadurch ist die Luft, die in die Lungen strömt, nicht so warm und feucht wie sonst. Dies kann dazu führen, dass die Schleimhäute in den Bronchien anschwellen. Sie sind bei Menschen mit Asthma ohnehin empfindlich und neigen zur Überreaktion. Kalte und trockene Luft kann das verstärken. Daher tritt Anstrengungsasthma häufiger bei sportlichen Aktivitäten im Winter auf.

    Wie schwer ein Asthma-Anfall durch Anstrengung ausfallen kann, hängt zum Beispiel ab von der Stärke und dem Zeitpunkt der Belastung, der Lufttemperatur und -feuchtigkeit sowie von zusätzlichen Auslösern wie Pollen in der Luft. Ein solcher Asthma-Anfall beginnt meist 5 bis 10 Minuten nach dem Ende einer körperlichen Aktivität, seltener während der Aktivität selbst. Nach rund 30 bis 45 Minuten verschwinden die Beschwerden in der Regel wieder.

    Wie stellt man Anstrengungsasthma fest?

    Anstrengungsasthma beginnt häufig im Kindes- und Jugendalter. Da sich Kinder und Jugendliche allgemein viel bewegen, kann sich eine Anfälligkeit schon früh durch Atemnot bemerkbar machen. Dann ist es sinnvoll, ärztlich abklären zu lassen, ob es sich um Asthma handelt.

    Um herauszufinden, ob körperliche Anstrengung das Asthma auslöst, wird oft ein Belastungstest gemacht. Dabei läuft man zum Beispiel einige Minuten auf einem Laufband oder fährt auf einem Fahrrad-Heimtrainer. Vor und nach der Belastung zeigen andere Tests, wie stark die körperliche Betätigung die Atmung beeinflusst.

    Eine häufig eingesetzte Methode, um die Lungenfunktion zu prüfen, ist die sogenannte Spirometrie. Spirometer sind elektronische oder mechanische Geräte, die das Atem- und Lungenvolumen messen. Bei der Untersuchung atmet man über ein Rohr in das Spirometer ein und aus. Eine andere Messmethode setzt das sogenannte Peak-Flow-Meter ein. In dieses Gerät atmet man mit aller Kraft rasch aus. Das Gerät misst, wie schnell die Luft aus den Atemwegen strömt. Anhand dieser Messwerte lässt sich ermitteln, wie stark die Bronchien verengt sind.

    Ist Sport bei Asthma eher hilfreich oder schädlich?

    Körperliche Aktivität hat auch für Menschen mit Asthma wichtige gesundheitliche Vorteile. Wer einmal gelernt hat, wie man mit Asthma-Anfällen umgeht und Medikamente richtig einsetzt, damit die Beschwerden nicht stärker werden, kann mit Asthma Sport treiben. Voraussetzung ist aber, die eigenen Grenzen zu kennen.

    Studien deuten darauf hin, dass Asthma-Beschwerden durch Sport und Bewegung auf Dauer abnehmen. Es ist aber wichtig, die Aktivitäten an die eigene Fitness anzupassen. Das kann zum Beispiel bedeuten, bei Anzeichen für Atembeschwerden eine Pause zu machen oder es ruhiger angehen zu lassen. Sich vor dem Sport aufzuwärmen und die Belastung schrittweise zu steigern, ist ebenfalls hilfreich. Es gibt auch Hinweise, dass ein Intervalltraining Anstrengungsasthma vorbeugen kann. Beim Intervalltraining wechseln sich Belastungs- und Erholungsphasen ab.

    Wichtig ist, beim Sport die Bedarfsmedikamente dabei zu haben, um schnell reagieren zu können, wenn es doch einmal zu einem Asthma-Anfall kommt. Manchmal kann es außerdem hilfreich sein, vor einer körperlichen Anstrengung Bedarfsmedikamente einzusetzen. Dazu berät die Ärztin oder der Arzt.

    Eignen sich bestimmte Sportarten besser als andere?

    Ob sich bestimmte Sportarten bei Asthma besser eignen als andere, lässt sich schwer sagen: Zu dieser Frage gibt es bisher zu wenig wissenschaftliche Untersuchungen. Bei Outdoor-Aktivitäten ist es wichtig zu beachten, dass Anstrengungsasthma eher bei kalter und trockener Luft auftritt. Dies ist ein wesentlicher Grund, warum Asthma-Anfälle beispielsweise eher beim Wintersport als beim Schwimmen in temperiertem Wasser auftreten.

    Ganz gleich bei welcher Sportart: Es ist sinnvoll, die Belastung schrittweise zu steigern. Wer also Asthma hat, sprintet besser nicht gleich los oder stemmt schwere Gewichte. Sinnvoll ist, langsam zu beginnen und sich vor größerer Belastung gut aufzuwärmen. Wer nur wenig trainiert ist, kann beispielsweise mit einem Ausdauersport wie Walken, Schwimmen oder Wandern anfangen. Wichtig ist, dass die Bewegung Spaß macht und guttut.

    Es gibt zudem spezielle Lungen- oder Asthma-Sportgruppen, in denen man zusammen trainieren und sich austauschen kann.

    Welche Medikamente können Anstrengungsasthma vorbeugen?

    Wenn die Asthma-Medikamente gut an die eigene Situation angepasst sind und die Erkrankung wirksam kontrollieren, ist die Wahrscheinlichkeit deutlich geringer, dass es beim Sport plötzlich zu Atemnot kommt. Die Ärztin oder der Arzt hilft dabei, die medikamentöse Therapie optimal auf die sportlichen Aktivitäten abzustimmen.

    Es gibt zwei Hauptgruppen von Asthma-Medikamenten: Dauer- und Bedarfsmedikamente. Die Dauermedikamente (auch Controller genannt) werden langfristig eingesetzt, um das Asthma zu kontrollieren, und entfalten ihre Wirkung nur langsam. Die Bedarfsmedikamente (auch Reliever genannt) wirken kurzfristig und können vor einer körperlichen Belastung, aber auch bei einem akuten Asthma-Anfall verwendet werden. Aus Sicherheitsgründen ist es dennoch wichtig, mit einer Ärztin oder einem Arzt darüber zu sprechen, wie oft sie an einem Tag angewendet werden können.

    Folgende Medikamente können vor Belastungen eingesetzt werden, um Anstrengungsasthma vorzubeugen:

    • Kurzwirksame Beta-2-Mimetika werden als Spray inhaliert und wirken rasch. Sie sorgen dafür, dass sich die Atemwege erweitern und das Atmen leichter fällt. Kurz vor körperlicher Anstrengung angewendet, können sie einem Asthma-Anfall vorbeugen. Die Wirkung der Medikamente ist rund 30 Minuten nach Anwendung am stärksten und hält etwa 3 bis 5 Stunden an. Kurzwirksame Beta-2-Mimetika können auch bei einem akuten Asthma-Anfall eingesetzt werden: Sie fangen nach wenigen Minuten an zu wirken und können helfen, wieder besser Luft zu bekommen.
    • Leukotrienantagonisten: Diese Medikamente werden als Tabletten eingenommen und blockieren die Leukotriene – Botenstoffe, die bei der Entzündungsreaktion der Atemwege eine Rolle spielen. In Deutschland sind aus dieser Medikamentengruppe derzeit die Wirkstoffe Montelukast und Zafirlukast zugelassen. Sie können direkt vor Belastungen eingenommen werden, um Anstrengungsasthma vorzubeugen.
    • Mastzellenstabilisatoren (Cromone) werden als Spray inhaliert und mindern allergische und entzündliche Reaktionen, indem sie den Austritt von Histamin aus Körperzellen verhindern. Der Botenstoff Histamin spielt bei allergischen Reaktionen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Cromone beugen Anstrengungsasthma allerdings nicht so gut vor wie Beta-2-Mimetika. Auch zusammen mit kurzwirksamen Beta-2-Mimetika eingesetzt, wirken sie nicht besser als Beta-2-Mimetika allein.
    • Anticholinergika beeinflussen das Nervensystem und führen dazu, dass sich die Bronchien erweitern. Sie werden als Spray inhaliert und können auch bei Belastungsasthma helfen, beugen Atembeschwerden durch körperliche Belastung jedoch weniger gut vor als Beta-2-Mimetika und Mastzellenstabilisatoren.

    Oft ist es nicht leicht herauszufinden, welche Medikamente Anstrengungsasthma am besten vorbeugen. Es kann sein, dass man erst verschiedene Arzneien ausprobieren muss, bevor klar wird, welche am besten helfen.

    Ist Sport für Kinder mit Asthma gefährlich?

    Wenn ein Kind Asthma hat, sind Eltern und Lehrkräfte manchmal sehr vorsichtig. Manche zögern sogar, das Kind am Schulsport teilnehmen zu lassen – aus Sorge, dass es dabei einen Asthma-Anfall bekommen könnte. Solche Vorsicht ist jedoch meist übertrieben und kann negative Folgen haben.

    Auf der anderen Seite besteht natürlich ein Risiko, dass ein Kind mit Asthma beim Sport einen Atemnot-Anfall bekommt. Deshalb ist es wichtig, dass es die sportlichen Aktivitäten an seine Situation anpasst. Wichtig ist auch, zum Beispiel die Trainerin oder den Trainer über die Erkrankung des Kindes zu informieren – und darüber, was sie in einem Notfall tun können. Eltern können ihrem Kind helfen, seine Medikamente wie vorgesehen anzuwenden, und mit darauf achten, dass es die Bedarfsmedikamente immer bei sich hat. Gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt können sie mit ihrem Kind besprechen, welche Sportarten vielleicht eher infrage kommen als andere. Wichtig ist aber, dass das Kind eine Sportart findet, die ihm Spaß macht.

    Quellen

    Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlich Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie: Asthma. AWMF-Registernr.: nvl-002. 21.09.2018.

    Carson KV, Chandratilleke MG, Picot J, Brinn MP, Esterman AJ, Smith BJ. Physical training for asthma. Cochrane Database Syst Rev 2013; (9): CD001116.

    Dryden DM, Spooner CH, Stickland MK, Vandermeer B, Tjosvold L, Bialy L et al. Exercise-induced bronchoconstriction and asthma. Evid Rep Technol Assess (Full Rep) 2010; (189): 1-154, v-vi.

    Global Initiative for Asthma (GINA). Global Strategy for Asthma Management and Prevention (2017 update). 2017.

    Stickland MK, Rowe BH, Spooner CH, Vandermeer B, Dryden DM. Effect of warm-up exercise on exercise-induced bronchoconstriction. Med Sci Sports Exerc 2012; 44(3): 383-391.

    Williams B, Powell A, Hoskins G, Neville R. Exploring and explaining low participation in physical activity among children and young people with asthma: a review. BMC Fam Pract 2008; 9: 40.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Hyposensibilisierung bei allergischem Asthma

    Bei vielen Menschen ist Asthma eng mit einer Allergie verbunden. Bei ihnen sind vor allem allergieauslösende Stoffe wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare für einen Asthma-Anfall verantwortlich. Für sie kann eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) infrage kommen.

    Das Ziel einer Hyposensibilisierung ist es, die Allergiesymptome mittel- und langfristig zu verringern und Asthma-Anfällen vorzubeugen. Sie muss regelmäßig wiederholt werden und hilft erst nach längerer Zeit. Der Begriff Hyposensibilisierung beschreibt das Ziel der Behandlung: Sie soll weniger empfindlich machen. Denn wenn ein Mensch gegen etwas allergisch ist, reagiert sein Körper überempfindlich auf ein Allergen – die Substanz, die die allergische Reaktion bei ihm auslöst. Sein Organismus produziert Antikörper, um sich vor dem Allergen zu schützen, obwohl die Substanz harmlos ist. Die Antikörper sind Teil einer Kettenreaktion, die zu den allergischen Beschwerden führt.

    Bei der Hyposensibilisierung werden Allergenextrakte verabreicht. Dadurch versucht man, dem Körper beizubringen, anders zu reagieren: Es ist in etwa so, als würde man gegen die eigene Allergie „geimpft“. Die Allergenextrakte können gespritzt oder als Tablette oder Tropfen eingenommen werden.

    Bei vielen Menschen ist Asthma eng mit einer Allergie verbunden. Bei ihnen sind vor allem allergieauslösende Stoffe wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare für einen Asthma-Anfall verantwortlich. Für sie kann eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) infrage kommen.

    Das Ziel einer Hyposensibilisierung ist es, die Allergiesymptome mittel- und langfristig zu verringern und Asthma-Anfällen vorzubeugen. Sie muss regelmäßig wiederholt werden und hilft erst nach längerer Zeit. Der Begriff Hyposensibilisierung beschreibt das Ziel der Behandlung: Sie soll weniger empfindlich machen. Denn wenn ein Mensch gegen etwas allergisch ist, reagiert sein Körper überempfindlich auf ein Allergen – die Substanz, die die allergische Reaktion bei ihm auslöst. Sein Organismus produziert Antikörper, um sich vor dem Allergen zu schützen, obwohl die Substanz harmlos ist. Die Antikörper sind Teil einer Kettenreaktion, die zu den allergischen Beschwerden führt.

    Bei der Hyposensibilisierung werden Allergenextrakte verabreicht. Dadurch versucht man, dem Körper beizubringen, anders zu reagieren: Es ist in etwa so, als würde man gegen die eigene Allergie „geimpft“. Die Allergenextrakte können gespritzt oder als Tablette oder Tropfen eingenommen werden.

    Bei welchen Allergien ist eine Hyposensibilisierung möglich?

    Die Hyposensibilisierung eignet sich nicht für jede Allergie. Sie wird medizinisch „spezifische Immuntherapie (SIT)“ genannt, weil der Allergenextrakt individuell auf die allergische Reaktion einer Person angepasst werden muss. Diese Therapie-Allergene gibt es nicht für alle Allergieauslöser. Zugelassen sind derzeit Therapie-Allergene für

    • Gräser-, Getreide- und Kräuterpollen,
    • Baumpollen,
    • Hausstaubmilben sowie
    • Wespen- und Bienengift.

    Eine Hyposensibilisierung ist aber auch mit Therapie-Allergenen möglich, die nicht zugelassen sind – etwa bei einer Allergie gegen Katzen oder Schimmel. Anders als bei den zugelassenen Therapie-Allergenen kann aber nicht garantiert werden, dass hierbei immer mit ausreichend wirksamen Zusammensetzungen behandelt wird.

    Woraus besteht die Behandlung?

    Bei einer Hyposensibilisierung wird einem Menschen wiederholt eine winzige Menge des Allergens verabreicht. Um dem Körper zu helfen, sich an das Allergen zu gewöhnen, ist die zugeführte Menge des Extrakts zunächst sehr klein. Die Dosis wird schrittweise erhöht, bis eine persönliche Höchstdosis erreicht ist, die dann in regelmäßigen Abständen gegeben wird. Sie sollte so hoch wie möglich sein, ohne eine zu starke allergische Reaktion auszulösen. Das bedeutet, sowohl die behandelte Person als auch die Ärztin oder der Arzt müssen sehr aufmerksam auf die Reaktionen achten.

    Es gibt zwei Formen der Hyposensibilisierung:

    • die subkutane Immuntherapie (SCIT): Die Allergene werden unter die Haut gespritzt.
    • die sublinguale Immuntherapie (SLIT): Die Allergene werden als Tropfen oder Tablette unter die Zunge (sublingual) gegeben, dort ein bis zwei Minuten gehalten und dann geschluckt.

    Für eine Hyposensibilisierung mithilfe von Spritzen sind regelmäßige Arztbesuche nötig. Das Allergen wird dem Körper zunächst wöchentlich oder alle zwei Wochen zugeführt, später dann in größeren Abständen von meist vier Wochen. Bei einer sublingualen Immuntherapie werden die Tropfen oder Tabletten in der Regel täglich eingenommen.

    Wie gut kann eine Hyposensibilisierung helfen?

    Studien zeigen, dass Menschen mit Asthma von einer spezifischen Immuntherapie profitieren können. Sowohl die Gabe der Lösung unter die Zunge als auch das Spritzen können helfen, die Beschwerden zu lindern und Asthma-Anfällen vorzubeugen. Untersuchungen zur subkutanen Immuntherapie zeigen:

    • Ohne Immuntherapie: Bei etwa 60 von 100 Personen verschlechterten sich die Asthma-Beschwerden innerhalb weniger Jahre.
    • Mit Immuntherapie: Bei etwa 30 von 100 Personen verschlechterten sich die Beschwerden.

    Die spezifische Immuntherapie konnte also 30 von 100 Personen vor einer Verschlechterung ihres Asthmas bewahren.

    Die Behandlung hatte noch einen anderen Effekt: Etwa 20 von 100 Teilnehmenden, die eine spezifische Immuntherapie machten, benötigten insgesamt weniger Asthma-Medikamente.

    Die Wirkung einer spezifischen Immuntherapie kann über einige Jahre anhalten. Bei manchen Menschen lässt sie dann wieder nach.

    Auch bei einem allergischen Schnupfen kann eine Hyposensibilisierung helfen.

    Welche Nebenwirkungen können auftreten?

    Leichtere und vorübergehende Nebenwirkungen treten bei einer Hyposensibilisierung sehr häufig auf. Dies ist zu erwarten, wenn dem Körper eine Substanz zugeführt wird, auf die er normalerweise allergisch reagiert. Das Risiko für Nebenwirkungen hängt unter anderem davon ab,

    • wie empfindlich jemand reagiert,
    • wie hoch die Dosis ist und
    • welcher Wirkstoff gegeben wird.

    Etwa 10 bis 60 von 100 Behandelten müssen mit leichtem Ausschlag an der Einstichstelle rechnen. Bei einer Einnahme von Allergenen kommt es häufig zu Juckreiz und Schwellungen im Mund. Bei bis zu 50 von 100 Behandelten kommt es mindestens einmal zu allergischen Reaktionen wie Niesen, tränenden Augen oder asthmatischen Beschwerden. Auch Müdigkeit und Kopfschmerzen können auftreten. Meist sind diese Nebenwirkungen leicht und vorübergehend, nur selten ist eine Behandlung nötig.

    Falls starke Nebenwirkungen auftreten, wird die Dosis verringert. Dann ist es sinnvoll, auch andere mögliche Ursachen abzuklären. Kann eine andere Ursache für die Beschwerden gefunden und beseitigt werden, lässt sich die Dosis möglicherweise wieder steigern.

    Wie häufig kommt es zu einer anaphylaktischen Reaktion?

    Die größte Befürchtung bei einer Hyposensibilisierung ist, dass sie eine heftige allergische Reaktion auslöst – die anaphylaktische Reaktion. Dabei kann es unter anderem zu starkem Juckreiz, Übelkeit sowie Atem- und Kreislaufbeschwerden bis hin zum Schock kommen. Im schlimmsten Fall ist eine anaphylaktische Reaktion lebensbedrohlich. Stärkere Reaktionen müssen sofort ärztlich behandelt werden. Dann wird der Wirkstoff Adrenalin gespritzt, der die gefährliche Überreaktion des Körpers schnell eindämmen kann.

    Eine anaphylaktische Reaktion ist bei ansonsten gesunden Menschen sehr selten. Das Risiko dafür lässt sich nur grob abschätzen. In Studien trat nach weniger als 1 von 1000 Spritzen eine Reaktion auf, die mit Adrenalin behandelt werden musste. Dieses geringe Risiko ist der Grund für eine Vorsichtsmaßnahme: Wer mit einem Allergen-Extrakt behandelt wird, muss danach mindestens 30 Minuten in der Arztpraxis bleiben. Außerdem ist es wichtig, dass die Ärztin oder der Arzt die Symptome einer anaphylaktischen Reaktion genau erklärt und Angehörige mit einbezieht. Falls sie zu einem späteren Zeitpunkt auftritt, können sie dann sofort ärztliche Hilfe holen.

    Das Risiko einer anaphylaktischen Reaktion ist für manche Menschen allerdings höher: So können bestimmte Herzprobleme das Risiko erhöhen und Betablocker die Behandlung möglicher Nebenwirkungen erschweren. Eine Hyposensibilisierung ist bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen daher normalerweise nur möglich, wenn Betablocker durch andere Medikamente ersetzt werden können. Für Menschen mit schwerem Asthma kommt eine Hyposensibilisierung infrage, wenn das Asthma gut kontrolliert und stabil ist. Wer schon einmal allergisch auf irgendeine Spritze reagiert hat, sollte die Ärztin oder den Arzt vor Beginn einer Hyposensibilisierung darüber informieren.

    Was hilft besser: Spritzen oder Einnehmen?

    Die Frage, ob die beiden Formen der spezifischen Immuntherapie unterschiedlich gut wirken, lässt sich noch nicht abschließend beantworten. Es gibt aber einige Studien, die die beiden Behandlungen miteinander verglichen haben. Sie deuten darauf hin, dass die Behandlung mit Spritzen die Beschwerden etwas besser lindern könnte als die Gabe des Wirkstoffs als Tablette oder Tropfen unter die Zunge. Da die Behandlungen aber zumindest ähnlich gut wirken, ist es bei der Wahl der Therapieform möglich, nach persönlichen Vorlieben oder Abneigungen zu entscheiden.

    Quellen

    Abramson MJ, Puy RM, Weiner JM. Injection allergen immunotherapy for asthma. Cochrane Database Syst Rev 2010; (8): CD001186.

    Calderon MA, Alves B, Jacobson M, Hurwitz B, Sheikh A, Durham S. Allergen injection immunotherapy for seasonal allergic rhinitis. Cochrane Database Syst Rev 2007; (1): CD001936.

    Lin SY, Erekosima N, Suarez-Cuervo C, Ramanathan M, Kim JM, Ward D et al. Allergen-Specific Immunotherapy for the Treatment of Allergic Rhinoconjunctivitis and/or Asthma: Comparative Effectiveness Review. 03.2013. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; Band 111).

    Normansell R, Kew KM, Bridgman AL. Sublingual immunotherapy for asthma. Cochrane Database Syst Rev 2015; (8): CD011293.

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    Mehr Wissen: Medikamente für Menschen mit Asthma

    Zur Behandlung von Asthma werden zwei Arten von Medikamenten eingesetzt: sogenannte Bedarfs- und Dauermedikamente. Bedarfsmedikamente wirken rasch und werden gegen akute Beschwerden eingesetzt. Dauermedikamente wirken anhaltender, werden regelmäßig eingenommen und sollen das Asthma unter Kontrolle halten.

    Luftnot, pfeifende Atemgeräusche, Husten, Engegefühl in der Brust: Mit diesen typischen Beschwerden haben die meisten Menschen mit chronischem Asthma immer wieder zu tun. Aber auch wenn sie keine Beschwerden haben, ist die Krankheit aktiv und eine Therapie wichtig: Wenn Asthma nicht gut behandelt wird, können die Asthma-Anfälle häufiger werden, die körperliche Fitness und die Lebensqualität nehmen ab.

    Mithilfe bestimmter Medikamente und unterstützender Maßnahmen wie regelmäßiger Bewegung ist es meistens möglich, auch schweres Asthma gut zu kontrollieren. Eine Voraussetzung dafür ist, die eigene Erkrankung und deren Behandlung gut zu verstehen.

    Zur Behandlung von Asthma werden zwei Arten von Medikamenten eingesetzt: sogenannte Bedarfs- und Dauermedikamente. Bedarfsmedikamente wirken rasch und werden gegen akute Beschwerden eingesetzt. Dauermedikamente wirken anhaltender, werden regelmäßig eingenommen und sollen das Asthma unter Kontrolle halten.

    Luftnot, pfeifende Atemgeräusche, Husten, Engegefühl in der Brust: Mit diesen typischen Beschwerden haben die meisten Menschen mit chronischem Asthma immer wieder zu tun. Aber auch wenn sie keine Beschwerden haben, ist die Krankheit aktiv und eine Therapie wichtig: Wenn Asthma nicht gut behandelt wird, können die Asthma-Anfälle häufiger werden, die körperliche Fitness und die Lebensqualität nehmen ab.

    Mithilfe bestimmter Medikamente und unterstützender Maßnahmen wie regelmäßiger Bewegung ist es meistens möglich, auch schweres Asthma gut zu kontrollieren. Eine Voraussetzung dafür ist, die eigene Erkrankung und deren Behandlung gut zu verstehen.

    Welche Medikamente gibt es gegen Asthma?

    Zur Behandlung von Asthma stehen zwei Medikamentengruppen zur Verfügung:

    • Bedarfsmedikamente (Reliever): Diese Arzneimittel erweitern die Atemwege rasch und lindern akute Beschwerden. Sie helfen bei einem akuten Asthma-Anfall, können aber zum Beispiel auch vor körperlicher Anstrengung vorbeugend eingesetzt werden. Bei leichtem Asthma kann diese Behandlung zunächst ausreichen.
    • Dauermedikamente (Controller): Diese Medikamente mindern die Entzündungsbereitschaft der Bronchien und beugen Asthma-Beschwerden langfristig vor. Dauermedikamente enthalten meist Kortison und werden regelmäßig jeden Tag angewendet – auch wenn keine akuten Beschwerden bestehen.

    Um langfristig gut mit der Erkrankung zu leben, reicht es meist nicht aus, nur die Asthma-Anfälle zu behandeln. Deshalb wenden Menschen mit stärkerem Asthma unabhängig von den Beschwerden regelmäßig Dauermedikamente an.

    Wie die Medikamente dosiert und angewendet werden, hängt vor allem von der Häufigkeit und Stärke der Symptome ab. Das Spektrum reicht von zeitweise auftretenden leichten Beschwerden, bei denen Bedarfsmedikamente ausreichen, bis zu schwerem anhaltendem Asthma, das eine dauerhafte medikamentöse Therapie erfordert. Mögliche Formen der Therapie sind Sprays, Pulverinhalationen, Tabletten und bei schweren Anfällen auch Spritzen.

    Je nach Stärke der Beschwerden werden Medikamente auch kombiniert. Manche Präparate werden in einer festen Dosierung verordnet, bei anderen kann und soll die Dosis an den eigenen Bedarf angepasst werden.

    Damit die Wirkstoffe bis in die kleinen Bronchien gelangen können, ist es wichtig, das richtige Einatmen (Inhalieren) eines Medikaments zu erlernen. Vor allem Kindern fällt das manchmal schwer. Deshalb gibt es eine Reihe von Inhalationssystemen, die die Aufnahme des Medikaments tief in die Atemwege erleichtern sollen.

    Wann werden Bedarfsmedikamente eingesetzt?

    Die kurzwirksamen Bedarfs- oder Notfallmedikamente können das Atmen rasch erleichtern. Deshalb werden sie auch „Reliever“ genannt (vom englischen „relieve“, erleichtern). Häufig eingesetzte Mittel dieser Gruppe enthalten sogenannte kurz wirkende Beta-2-Mimetika als Wirkstoffe. Sie entspannen die verkrampfte Atemwegsmuskulatur und weiten die Atemwege.

    Solche Notfallmedikamente werden meist als Spray eingesetzt. Bei schweren Asthma-Anfällen ist es wegen der akuten Verengung der Atemwege und vermehrten Schleimbildung aber schwierig, ausreichende Mengen der Mittel einzuatmen. Deshalb müssen in Notfallsituationen Medikamente direkt über Spritzen oder Infusionen gegeben werden.

    Wenn es nötig ist, mehrmals pro Woche zu einem Bedarfsmedikament zu greifen, lässt dies auf eine schlechte Kontrolle des Asthmas schließen. Dann können dauerhaft einzunehmende Medikamente helfen, die zugrunde liegende Entzündung der Atemwege zu behandeln.

    Welche Dauermedikamente kommen infrage?

    Zu den Dauermedikamenten gehören:

    • Kortikoide (Glukokortikoide): Kortisonhaltige Spays sind die wichtigsten Dauermedikamente. Sie können die chronische Entzündung abschwächen und so der Verengung der Atemwege und Luftnot vorbeugen. Ist das Asthma trotz der Inhalation von Kortison nicht gut kontrolliert, kann die Dosis erhöht werden. Möglich ist auch, verschiedene Medikamente zu kombinieren.
    • Beta-2-Mimetika: Wenn Kortison nicht ausreicht, kann ein Beta-2-Mimetikum ergänzt werden. Dies erweitert die Atemwege. Beta-2-Mimetika müssen jedoch mit Kortison kombiniert werden, weil sie die Beschwerden verschlechtern und sogar schwere Asthma-Anfälle auslösen können, wenn sie allein eingenommen werden. Beta-2-Mimetikum und Kortikoid können getrennt inhaliert werden oder zusammen. Es gibt Inhalatoren, mit denen sich die zwei Medikamente gleichzeitig inhalieren lassen. Diese Form wird als Fixkombination bezeichnet.
    • Leukotrienantagonisten: Diese Medikamente blockieren Botenstoffe, die eine Rolle bei der Entzündungsreaktion der Atemwege spielen. Leukotrienantagonisten helfen nicht so gut wie Kortison. Ein Kombination aus Leukotrienantagonist und einem Kortison beugt Asthma-Anfällen schlechter vor als die Kombination von Beta-2-Mimetikum und Kortison.

    In den unterschiedlichen Medikamentengruppen stehen jeweils verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung. Nach dem derzeitigen Wissen wirken die verschiedenen Mittel aus einer Wirkstoffgruppe aber vergleichbar gut.

    Welche Nebenwirkungen können auftreten?

    Die Nebenwirkungen der Behandlung hängen von den Wirkstoffen, der Art der Anwendung und der Dosierung ab. Ausführliche Informationen finden sich in der Packungsbeilage des jeweiligen Medikaments.

    Werden Asthma-Medikamente inhaliert, verursachen sie in der Regel weniger Nebenwirkungen als bei der Einnahme als Tablette. Bei leichtem Asthma sind die Nebenwirkungen einiger Medikamente manchmal stärker als der mögliche Nutzen. In diesem Fall kann ein Verzicht sinnvoll sein. Bei mittlerem und schwerem Asthma wiegen die Folgen der Erkrankung jedoch deutlich schwerer als die langfristigen Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie.

    Kortikoide

    Viele Menschen befürchten langfristige Nebenwirkungen durch Kortison. Bei sachgemäßer Auswahl und Anwendung hat eine Dauerbehandlung aber meist keine negativen Effekte.

    Bei Kindern besteht die Sorge, dass eine langfristige Kortisonbehandlung das Wachstum beeinträchtigen könnte. Dies tun sie jedoch kaum und wenn, dann nur vorübergehend. Studien zeigen zwar, dass Kinder im ersten Jahr der Behandlung etwas weniger schnell wachsen. In den darauffolgenden Jahren entwickeln sie sich jedoch normal. Dies spricht dafür, dass sie im Erwachsenenalter genauso groß werden wie Kinder mit Asthma, die keine Kortikoide inhalieren. Dennoch werden diese Medikamente bei Heranwachsenden vorsichtshalber in möglichst geringen Mengen und nach Möglichkeit nur zur Inhalation eingesetzt.

    Kortikoide können Husten und Heiserkeit auslösen sowie das Risiko für Pilzinfektionen im Mund erhöhen. Deshalb wird empfohlen, den Mund nach der Inhalation auszuspülen. Bei älteren Menschen kann Kortison das Risiko für die Entwicklung eines Grauen Stars (Katarakt) etwas erhöhen. Es steigt mit der Höhe der Dosis und der Dauer der Anwendung.

    Beta-2-Mimetika

    Langwirksame Beta-2-Mimetika sollen stets nur in Kombination mit Kortikosteroiden eingenommen werden. Es gibt Hinweise, dass eine alleinige Dauertherapie mit langwirksamen Beta-2-Mimetika zu lebensbedrohlichen Asthma-Anfällen führen kann.

    Leukotrienantagonisten

    Diese Mittel werden meist gut vertragen. Mögliche Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Probleme oder Schlafstörungen.

    Quellen

    Adams NP, Bestall JC, Lasserson TJ, Jones P, Cates CJ. Fluticasone versus placebo for chronic asthma in adults and children. Cochrane Database Syst Rev 2008; (4): CD003135.

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    Mehr Wissen: Nicht medikamentöse Maßnahmen bei Asthma

    Medikamente sind wichtig, um Asthma-Anfällen vorzubeugen und die Erkrankung unter Kontrolle zu halten. Viele Menschen möchten zusätzlich aber noch selbst etwas tun. Einige unterstützende Maßnahmen können helfen, für andere fehlen jedoch wissenschaftliche Belege.

    Um mit Asthma-Anfällen besser umgehen zu können, wenden viele Menschen spezielle Atemtechniken an. Wer auf bestimmte Asthma-Auslöser reagiert, kann versuchen, sie so gut es geht zu meiden. Regelmäßige Bewegung und angepasster Sport halten fit und können helfen, Asthma-Beschwerden vorzubeugen. Eine der wichtigsten unterstützenden Maßnahmen ist, mit dem Rauchen aufzuhören – oder gar nicht erst damit anzufangen.

    Viele Menschen mit Asthma probieren auch „alternative“ Behandlungsmethoden wie pflanzliche Heilmittel oder Akupunktur aus. Doch ob und wie solche Methoden tatsächlich gegen Asthma wirken und welche Nebenwirkungen sie haben können, ist häufig unklar.

    Medikamente sind wichtig, um Asthma-Anfällen vorzubeugen und die Erkrankung unter Kontrolle zu halten. Viele Menschen möchten zusätzlich aber noch selbst etwas tun. Einige unterstützende Maßnahmen können helfen, für andere fehlen jedoch wissenschaftliche Belege.

    Um mit Asthma-Anfällen besser umgehen zu können, wenden viele Menschen spezielle Atemtechniken an. Wer auf bestimmte Asthma-Auslöser reagiert, kann versuchen, sie so gut es geht zu meiden. Regelmäßige Bewegung und angepasster Sport halten fit und können helfen, Asthma-Beschwerden vorzubeugen. Eine der wichtigsten unterstützenden Maßnahmen ist, mit dem Rauchen aufzuhören – oder gar nicht erst damit anzufangen.

    Viele Menschen mit Asthma probieren auch „alternative“ Behandlungsmethoden wie pflanzliche Heilmittel oder Akupunktur aus. Doch ob und wie solche Methoden tatsächlich gegen Asthma wirken und welche Nebenwirkungen sie haben können, ist häufig unklar.

    Welche Atemtechniken können bei Asthma helfen?

    Für Menschen mit Asthma wird eine Vielzahl unterschiedlicher Atemübungen und -techniken angeboten. Sie sollen zum einen entspannend und beruhigend wirken, zum anderen im Notfall eine ruhige, kontrollierte Atmung unterstützen.

    Entspannungs- und Atemübungen zum Beispiel aus dem Yoga könnten dabei helfen, Asthma-Beschwerden vorzubeugen und das Wohlbefinden zu verbessern. Es gibt allerdings nur wenige und zudem nicht besonders gut gemachte Studien, die ihre Wirkung untersucht haben. Deren Ergebnisse deuten auf einen möglichen Nutzen hin, sind aber mit Zurückhaltung zu bewerten.

    Es gibt bestimmte Übungen, die im Notfall das Atmen erleichtern sollen. Dazu gehören Techniken zum ruhigen und kontrollierten Atmen im (beginnenden) Asthma-Anfall. Bedingt durch Unruhe und Angst kann es in solchen Situationen zu einer zu schnellen und oberflächlichen Atmung (Hyperventilation) kommen. Selbst bei einem stärkeren Asthma-Anfall gelingt den meisten Betroffenen das Einatmen noch relativ gut, das Ausatmen kann jedoch sehr mühsam werden. In Asthma-Schulungen können Atemtechniken wie die „Lippenbremse“ erlernt werden, bei der man die Lippen aufeinanderpresst und durch einen kleinen Spalt langsam ausatmet.

    Sind Bewegung und Sport trotz Asthma möglich?

    Sport und körperliche Aktivität sind für die meisten Menschen mit Asthma wichtig. Regelmäßige körperliche Aktivität trägt zu einer erhöhten Leistungsfähigkeit von Herz und Lunge bei. Sie verbessert die Sauerstoffaufnahme und vergrößert zudem die Luftmenge, die bei einem Atemzug ausgeatmet wird.

    Weil körperliche Anstrengung bei vielen Menschen zu den Asthma-Auslösern gehört (Belastungsasthma), denken viele Betroffene, sie müssten auf Sport verzichten. Eine gezielte Asthma-Therapie kann aber Beschwerden beim Sport vorbeugen. Studien deuten darauf hin, dass Sport und Bewegung selbst Asthma-Beschwerden auf Dauer verringern können. Es gibt zudem Hinweise, dass ein Intervalltraining einem Anstrengungsasthma vorbeugen kann. Beim Intervalltraining wechseln sich Belastungs- und Erholungsphasen ab.

    Wichtig ist aber, die körperlichen Aktivitäten an die eigene Fitness anzupassen. Das kann zum Beispiel bedeuten, bei Anzeichen für Atembeschwerden eine Pause zu machen oder es ruhiger angehen zu lassen. Sich vor dem Sport aufzuwärmen und die Belastung schrittweise zu steigern, ist ebenfalls hilfreich. Wichtig ist außerdem, die Bedarfsmedikamente dabei zu haben, um schnell reagieren zu können, wenn es doch einmal zu einem Asthma-Anfall kommt. Manchmal ist es auch hilfreich, vor einer körperlichen Anstrengung Bedarfsmedikamente einzusetzen.

    Wie lassen sich Allergie-Auslöser meiden?

    Allgemein können Menschen mit allergischem Asthma Beschwerden vorbeugen, indem sie Allergieauslösern aus dem Weg gehen. Dies ist jedoch nicht immer möglich. So lassen sich Tierhaare oder bestimmte Nahrungsmittel eher meiden als beispielsweise Pollen. Hausstauballergiker können möglicherweise vorbeugen, wenn sie mehrere Maßnahmen kombinieren. Dazu zählen: den Boden feucht wischen, einen milbendichten Matratzenbezug verwenden, die Bettwäsche regelmäßig bei mehr als 55° C waschen und Staubfänger wie alte Polstermöbel oder Teppiche aus der Wohnung entfernen.

    Dass einzelne Maßnahmen wie das Benutzen spezieller, undurchlässiger Matratzenüberzüge oder Anti-Milben-Sprays asthmatischen Beschwerden vorbeugen, ist aber durch Studien nicht belegt. Es ist auch nicht ausreichend untersucht, ob die Wahl der Bettdecken (mit Feder- oder anderer Füllung) einen Unterschied ausmacht. Ob Maßnahmen wie Luftfiltersysteme die Belastung durch Tierallergene verringern können, ist ebenfalls unbekannt.

    Welche Rolle spielt Tabakrauch?

    Das Rauchen von Tabak, egal in welcher Form, kann eine Vielzahl von Erkrankungen auslösen oder verstärken. Wenn die Atemwege wie bei Asthma überempfindlich sind, ist es besonders wichtig, mit dem Rauchen aufzuhören oder gar nicht erst damit anzufangen. Beim Rauchen gelangen neben Nikotin und Teer mit jedem Zug viele weitere, zum Teil giftige Substanzen wie Schwermetalle und Pestizide direkt in die Atemwege. So wie andere Auslöser können auch die Inhaltsstoffe des Zigarettenrauchs die Entzündung der Atemwegs-Schleimhaut verstärken und zu einer weiteren Verengung führen.

    Nicht zuletzt kann Tabakrauch über lange Zeit eine chronische Bronchitis auslösen – selbst bei Passivrauchern. Oft sind es Kinder, die zu Hause ungeschützt Tabakrauch ausgesetzt sind. Eltern zu haben, die rauchen, ist für Kinder einer der Haupt-Risikofaktoren für Asthma. Jugendliche mit Asthma verstärken meist ihre Beschwerden, wenn sie anfangen zu rauchen.

    Raucherinnen und Raucher wissen, wie schwer es ist, rauchfrei zu werden. Es gibt verschiedene Therapien, die die Entwöhnung etwas erleichtern können.

    Beeinflusst das Körpergewicht die Stärke der Beschwerden?

    Starkes Übergewicht (ein Body-Mass-Index höher als 30) kann asthmatische Beschwerden manchmal verstärken. Wie sich eine Gewichtsabnahme auf die Beschwerden auswirkt, haben bislang aber nur wenige Studien untersucht. Ihre Ergebnisse deuten an, dass eine deutliche Gewichtsabnahme helfen kann, das Asthma unter Kontrolle zu halten.

    In den Studien, die auf eine positive Wirkung hindeuten, hielten die Teilnehmenden eine von Fachleuten begleitete kalorienarme Diät ein. Andere Studien untersuchten zusätzlich Bewegungsprogramme oder appetitzügelnde Medikamente. Die Teilnehmer hatten im Durchschnitt mindestens um die zehn Kilo abgenommen. Leider haben die Studien einige Qualitätsmängel und sie haben Nebenwirkungen nicht ausreichend untersucht. Deshalb lassen sich die Vor- und Nachteile sowie die Nachhaltigkeit dieser Maßnahmen bislang nicht gut beurteilen.

    Nützen komplementäre Verfahren?

    Alternative oder komplementäre Behandlungsmethoden werden von vielen Menschen mit Asthma angewendet. Häufig eingesetzte Methoden sind etwa Homöopathie, pflanzliche Arzneimittel oder Verfahren aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wie die Akupunktur. Belege für einen Nutzen komplementärer Verfahren fehlen jedoch.

    Quellen

    Adeniyi FB, Young T. Weight loss interventions for chronic asthma. Cochrane Database Syst Rev 2012; (7): CD009339.

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Asthma in der Schwangerschaft

    Viele schwangere Frauen mit Asthma sind wegen ihrer Medikamente verunsichert und fragen sich, ob sie dem Kind schaden könnten. Doch die meisten Asthma-Medikamente gelten auch während der Schwangerschaft als sicher. Ein unbehandeltes Asthma kann dagegen ernsthafte Folgen haben.

    Nach Schätzungen hat etwa eine von fünf schwangeren Frauen mit Asthma behandlungsbedürftige Asthma-Anfälle. Diesen Anfällen lässt sich jedoch durch eine gute Asthma-Kontrolle vorbeugen, vor allem durch die regelmäßige Anwendung von Kortison zum Einatmen. Außerdem kann man einiges tun, um mögliche Auslöser für Asthma-Anfälle zu vermeiden.

    Bei vielen Frauen mit Asthma hat eine Schwangerschaft keinen Einfluss auf die Beschwerden, oder sie bessern sich anfangs sogar. Bei etwa einer von drei Frauen verschlechtert sich ihr Asthma jedoch durch die körperlichen Veränderungen, die eine Schwangerschaft mit sich bringt. Gegen Ende der Schwangerschaft fällt es vielen Frauen zunehmend schwer, aktiv zu sein. Das zusätzliche Gewicht kann auch Frauen ohne Asthma kurzatmig werden lassen. Viele können nicht mehr gut schlafen, fühlen sich müde und erschöpft.

    Viele schwangere Frauen mit Asthma sind wegen ihrer Medikamente verunsichert und fragen sich, ob sie dem Kind schaden könnten. Doch die meisten Asthma-Medikamente gelten auch während der Schwangerschaft als sicher. Ein unbehandeltes Asthma kann dagegen ernsthafte Folgen haben.

    Nach Schätzungen hat etwa eine von fünf schwangeren Frauen mit Asthma behandlungsbedürftige Asthma-Anfälle. Diesen Anfällen lässt sich jedoch durch eine gute Asthma-Kontrolle vorbeugen, vor allem durch die regelmäßige Anwendung von Kortison zum Einatmen. Außerdem kann man einiges tun, um mögliche Auslöser für Asthma-Anfälle zu vermeiden.

    Bei vielen Frauen mit Asthma hat eine Schwangerschaft keinen Einfluss auf die Beschwerden, oder sie bessern sich anfangs sogar. Bei etwa einer von drei Frauen verschlechtert sich ihr Asthma jedoch durch die körperlichen Veränderungen, die eine Schwangerschaft mit sich bringt. Gegen Ende der Schwangerschaft fällt es vielen Frauen zunehmend schwer, aktiv zu sein. Das zusätzliche Gewicht kann auch Frauen ohne Asthma kurzatmig werden lassen. Viele können nicht mehr gut schlafen, fühlen sich müde und erschöpft.

    Wie wirkt sich Asthma auf das Ungeborene aus?

    Ein mildes oder gut kontrolliertes Asthma führt normalerweise weder bei Schwangeren noch bei Ungeborenen zu größeren Gesundheitsproblemen. Ein nur schlecht kontrolliertes Asthma kann aber ernste Folgen haben – für die Frau und häufiger noch für das Kind. So braucht das Ungeborene eine zuverlässige Versorgung mit Sauerstoff. Wenn die Mutter bei einem Asthma-Anfall selbst Probleme hat, genug Luft zu bekommen, kann dies auch für das Kind einen Sauerstoffmangel bedeuten. Es atmet im Mutterleib zwar nicht, das Blut der Mutter muss jedoch ausreichend Sauerstoff erhalten, damit es gesund bleibt und sich gut entwickeln kann.

    Wenn eine Schwangere mit moderatem oder schwerem Asthma ihre Erkrankung nicht mit vorbeugenden Medikamenten kontrolliert, hat sie ein erhöhtes Risiko für starke Asthma-Anfälle. Dies ist in der Schwangerschaft riskanter als sonst: Die hormonellen Veränderungen und die zusätzliche körperliche Belastung erschweren es, mit einem stärkeren Asthma-Anfall fertigzuwerden. Schlecht kontrolliertes Asthma erhöht das Risiko für

    • eine Frühgeburt: wenn das Baby zu früh und dann häufig unreif geboren wird.
    • eine Präeklampsie: diese Erkrankung kann während der Schwangerschaft auftreten und für Mutter und Kind lebensbedrohlich werden. Bei einer Präeklampsie steigt der Blutdruck stark an und der Urin enthält erhöhte Mengen Eiweiß (Proteinurie). Sie erhöht auch das Risiko für Krampfanfälle.
    • vermindertes Wachstum und niedriges Geburtsgewicht: Sauerstoffmangel kann dazu führen, dass sich das Kind nicht richtig entwickelt und zu klein geboren wird, auch wenn es volle neun Monate ausgetragen wurde.

    Sind Medikamente zur Asthma-Kontrolle während der Schwangerschaft sicher?

    Die negativen Folgen eines unbehandelten Asthmas wiegen schwerer als die möglichen Nebenwirkungen der gewohnten Medikamente. Deshalb können sie meistens auch weiterhin angewendet werden. Die meisten Asthma-Medikamente sind zwar nicht speziell daraufhin überprüft worden, ob sie zur Anwendung in der Schwangerschaft sicher sind. Es bestehen aber auch keine größeren Sicherheitsbedenken. Am besten untersucht sind inhalative Kortikoide (Kortison). Auch gegen langwirksame Beta-2-Mimetika gibt es keine Bedenken – allerdings dürfen sie grundsätzlich nur in Kombination mit einem Kortison-Spray angewendet werden. Langwirksame Beta-2-Mimetika allein können selbst zu starken Asthma-Anfällen führen.

    Kortison-Sprays gelten zur Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit als geeignet und sicher. Beim regelmäßigen Einsatz von Kortison-Tabletten sind mögliche unerwünschte Wirkungen auf das Baby in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten jedoch nicht auszuschließen. Kortison-Sprays wirken weniger auf den ganzen Körper als Tabletten, weil der Wirkstoff direkt in die Lungen gelangt. Nur kleine Mengen verteilen sich im Körper der Frau und erreichen das Kind. Auch in der Muttermilch ist dann nur wenig Wirkstoff zu finden.

    Die Ärztin oder der Arzt wird in jedem Fall versuchen, die niedrigste Medikamentendosis zu finden, mit der sich das Asthma gut unter Kontrolle halten lässt. Wichtig ist zudem, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen. Einen selbstständigen Umgang mit der Erkrankung (Selbstmanagement) zu erlernen hilft, die Asthma-Beschwerden unter Kontrolle zu bekommen. Für Schwangere mit Asthma ist es neben einer guten Asthma-Kontrolle wichtig, den eigenen Gesundheitszustand und den des Kindes regelmäßig überwachen zu lassen.

    Wie sicher ist eine spezifische Immuntherapie?

    Viele Frauen mit Allergien, die sich ein Kind wünschen, nehmen eine spezifische Immuntherapie (Desensibilisierung) in Anspruch. Diese Behandlung soll gegenüber den Allergenen unempfindlich machen, die die Beschwerden auslösen. Normalerweise dauert eine Immuntherapie drei Jahre oder länger.

    Manche Frauen überlegen vielleicht, während der Schwangerschaft mit einer solchen Behandlung zu beginnen. Dies wird jedoch nicht empfohlen, da über ihren Nutzen und ihre Risiken in der Schwangerschaft bisher nur wenig bekannt ist. Es gibt zudem ein kleines Risiko für ernsthafte Nebenwirkungen, die sogar lebensbedrohlich werden können. Wurde schon vor der Schwangerschaft mit der Therapie begonnen, wird in der Regel geraten, sie nur fortzusetzen, wenn sie gut vertragen wird. Dabei sollte die Dosis während der Schwangerschaft nicht erhöht werden.

    Was lässt sich noch tun, um Asthma-Anfällen vorzubeugen?

    Wichtige Möglichkeiten, Asthma-Anfällen vorzubeugen und damit das Risiko zu senken, dass ein Baby zu klein auf die Welt kommt, sind:

    • Orte meiden, an denen geraucht wird, denn Tabakrauch kann das Risiko für einen Asthma-Anfall erhöhen. Falls eine Frau mit Asthma selbst noch raucht, ist eine (geplante) Schwangerschaft ein guter Anlass, damit aufzuhören – um die Erkrankung besser kontrollieren zu können und das Ungeborene zu schützen. Die Giftstoffe im Tabak können unter anderem das Wachstum des Babys behindern und zu Gesundheitsproblemen nach der Geburt führen.
    • Andere Auslöser für Asthma-Anfälle so gut es geht vermeiden, je nach Allergie zum Beispiel Tierhaare, Pollen, kalte Luft oder Hausstaubmilben.
    • Sodbrennen vorbeugen. Sodbrennen wird durch den Rückfluss von Magensäure (Reflux) in die Speiseröhre verursacht und ist ein häufiges Problem während der Schwangerschaft. Starkes Sodbrennen kann Asthma-Attacken auslösen. Viele Frauen versuchen, Sodbrennen vorzubeugen oder es zu mildern, indem sie ihren Kopf höher lagern, wenn sie sich hinlegen. Eine weitere Möglichkeit ist, mehrere kleine Mahlzeiten am Tag zu essen, damit der Magen nicht zu voll wird.

    Wie kann man Asthma oder Allergien beim Baby vorbeugen?

    Für die werdende Mutter wie für den Vater gilt: Wenn beide mit dem Rauchen aufhören, können sie das Risiko verringern, dass ihr Kind später Asthma entwickelt. Dagegen ist es nicht belegt, dass eine spezielle Schwangerschaftsdiät das Baby vor Asthma oder Allergien schützt. Das bedeutet: Für Schwangere mit Asthma ist es zwar wichtig, Nahrungsmittel zu vermeiden, die Asthma-Anfälle auslösen können. Es gibt aber keinen Grund, die Ernährung zu ändern, um das Kind vor späteren Allergien zu schützen.

    Allgemein ist es wichtig, während der Schwangerschaft auf die eigene Gesundheit zu achten. Für Frauen mit Asthma heißt das auch, die Kontrolle ihrer Erkrankung ernst zu nehmen. Es hilft aber nicht, sich ständig Sorgen um Asthma-Auslöser, Ernährung und sonstiges zu machen. Bei einem ausreichend kontrollierten Asthma spricht alles dafür, dass die Schwangerschaft für Mutter und Kind ganz normal verlaufen wird.

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Informationen für Eltern

    Asthma betrifft viele Kinder und Jugendliche: Ungefähr 5 bis 10 von 100 Heranwachsenden haben asthmatische Beschwerden. Es ist normal, dass Eltern sich dann Sorgen machen. Asthma lässt sich jedoch mit Medikamenten und unterstützenden Maßnahmen gut in den Griff bekommen.

    Es ist nicht nötig, wegen der Erkrankung den gesamten Familienalltag umzustellen. Wichtig ist, dass ein Kind lernt, wie es selbstständig mit seiner Erkrankung umgehen kann. Als Eltern können Sie helfen, die Krankheit durch eine gute Behandlung in den Griff zu bekommen. Und Sie können Ihr Kind darin unterstützen, die Krankheit anzunehmen und ein möglichst normales Leben zu führen.

    Asthma betrifft viele Kinder und Jugendliche: Ungefähr 5 bis 10 von 100 Heranwachsenden haben asthmatische Beschwerden. Es ist normal, dass Eltern sich dann Sorgen machen. Asthma lässt sich jedoch mit Medikamenten und unterstützenden Maßnahmen gut in den Griff bekommen.

    Es ist nicht nötig, wegen der Erkrankung den gesamten Familienalltag umzustellen. Wichtig ist, dass ein Kind lernt, wie es selbstständig mit seiner Erkrankung umgehen kann. Als Eltern können Sie helfen, die Krankheit durch eine gute Behandlung in den Griff zu bekommen. Und Sie können Ihr Kind darin unterstützen, die Krankheit anzunehmen und ein möglichst normales Leben zu führen.

    Woran kann ich erkennen, ob mein Kind Asthma hat?

    Asthma lässt sich bei kleinen Kindern nur schwer feststellen. Viele Kleinkinder haben häufig Erkältungskrankheiten oder eine Bronchitis. Dies sind durch Viren ausgelöste Erkrankungen der Atemwege, die mit Husten und leicht pfeifender oder brummender Atmung einhergehen können. Eine Entzündung in den Bronchien (Bronchitis) ist bei kleinen Kindern oft kaum von einer beginnenden Asthma-Erkrankung zu unterscheiden. Asthmaähnliche Beschwerden bei einer Bronchitis werden mit zunehmendem Alter aber immer seltener.

    Um feststellen zu können, ob Ihr Kind tatsächlich an Asthma erkrankt ist, macht die Ärztin oder der Arzt bestimmte Atemtests mit ihm. Lungenfunktionstests wie die Peak-Flow-Messung und die Spirometrie können Aufschluss darüber geben, ob die Lunge Ihres Kindes normal arbeitet und die Atemluft frei und ungestört durch die Bronchien strömen kann. Diese Tests setzen eine Mitwirkung des Kindes voraus und eignen sich deshalb meist erst für etwas größere Kinder.

    Kann sich Asthma „auswachsen“?

    Asthma ist für viele Menschen eine chronische, das heißt dauerhafte Erkrankung. Doch nicht alle Kinder mit Asthma haben auch später als Erwachsene Beschwerden. Warum dies so ist, weiß man nicht. Es ist auch nicht bekannt, ob eine bestimmte Behandlung dazu führt, dass manche Kinder aus der Erkrankung „herauswachsen“.

    Asthma verläuft in Phasen. Es kann also immer wieder lange Zeiträume geben, in denen es einem Kind gut geht. Manchmal treten nach der Pubertät gar keine Beschwerden mehr auf. Die Bereitschaft der Atemwege, auf bestimmte Reize mit Verengung und entsprechenden Beschwerden zu reagieren, besteht meist jedoch auch dann weiter.

    Asthma ist also keine Erkrankung, die sich mit der Zeit automatisch verschlechtert – vor allem dann nicht, wenn es gut behandelt wird. Asthma kann auch in sehr leichter oder mittelschwerer Form auftreten. Schweres Asthma ist im Kindesalter eher selten.

    Mein Kind hat Asthma – worauf muss ich achten?

    Wenn ein Kind mittelschweres oder schweres Asthma hat, kann dies eine Familie stark belasten. Atemnot-Anfälle des Kindes machen Sorge oder sogar Angst. Auch die Behandlung durchzuhalten, ist manchmal anstrengend. Kleine Kinder können oft noch nicht verstehen, warum sie regelmäßig Medikamente nehmen müssen. Mit einer chronischen Erkrankung umzugehen, fordert Kindern viel ab und kann ihnen die Unbeschwertheit nehmen.

    Als Eltern oder Betreuer eines Kindes mit Asthma können Sie einiges tun, um Ihrem Kind den Umgang mit seiner Erkrankung zu erleichtern. Ziel ist, dass es keine oder möglichst wenig Beschwerden hat und weitgehend ungestört heranwachsen kann. Dazu gehört, dem Kind bei der Einnahme der Medikamente zu helfen. Wichtig ist zudem darauf zu achten, dass es sich weitgehend „normal“ in Familie, Freundeskreis, Nachbarschaft und Schule bewegen kann. Viele Kinder sind zunächst sehr unsicher im Umgang mit Asthma. Sie schämen sich vielleicht sogar dafür und wollen sie vor anderen verheimlichen. Auch die Angst vor Asthma-Anfällen ist bei vielen Kindern ständiger Begleiter. Die Unterstützung der Eltern spielt für sie eine wichtige Rolle.

    Wenn Sie dafür sorgen, dass Ihr Kind in einer rauchfreien Umgebung aufwächst, schützen Sie es vor einem entscheidenden Asthma-Auslöser. Zigarettenrauch schädigt die Lungen Ihres Kindes und verstärkt seine Beschwerden. Es gibt verschiedene Therapien, die Ihnen oder anderen Familienmitgliedern die Entwöhnung etwas erleichtern können.

    Es gibt Asthma-Schulungen, in denen Eltern und Kinder lernen können, mit Asthma zurechtzukommen. Die Schulungen werden entsprechend der Entwicklung der Kinder in einzelnen Altersstufen angeboten.

    Wie können Asthma-Medikamente meinem Kind helfen?

    Zur Behandlung von Asthma stehen zwei Medikamentengruppen zur Verfügung:

    • Dauermedikamente (Controller): Dies sind Medikamente, die die Entzündungsbereitschaft der Bronchien mindern und deshalb Asthma-Beschwerden langfristig vorbeugen. Sie enthalten meist Kortison und werden regelmäßig jeden Tag angewendet, auch wenn das Kind keine Beschwerden hat.
    • Bedarfsmedikamente (Reliever): Dies sind Arzneimittel, die die Atemwege rasch erweitern und akute Beschwerden lindern. Sie helfen Ihrem Kind bei einem akuten Asthma-Anfall, können aber zum Beispiel auch vor körperlicher Anstrengung vorbeugend eingesetzt werden.

    Welche Medikamente infrage kommen, hängt davon ab, wie gut die Beschwerden kontrolliert werden können. Bei leichten Beschwerden reicht es meist aus, nur bei Bedarf ein Medikament zu nehmen. Stärkere Beschwerden lassen sich meist nur durch die tägliche Einnahme von einem oder mehreren Medikamenten in den Griff bekommen.

    Bei allergischem Asthma kann auch eine spezifische Immuntherapie die Beschwerden lindern. Diese Behandlung dauert einige Jahre und kann unempfindlicher gegenüber allergiebedingten Asthma-Auslösern machen.

    Können Asthma-Medikamente meinem Kind schaden?

    Viele Eltern machen sich Sorgen über mögliche Nebenwirkungen, wenn die Ärztin oder der Arzt ihrem Kind Kortikoide empfiehlt. Bei schwerem Asthma bedeuten Asthma-Anfälle jedoch ein viel größeres Risiko als die Nebenwirkungen der Dauermedikamente. Die meisten Asthma-Medikamente, auch die Kortikoide, können inhaliert werden. Als Spray oder Pulverinhalation haben die Mittel weit weniger Nebenwirkungen als in Form von Tabletten oder Spritzen.

    Bei Kindern besteht die Sorge, dass eine langfristige Kortisonbehandlung das Wachstum beeinträchtigen könnte. Einen bleibenden Einfluss auf die Körpergröße bei Kindern haben Kortison-Sprays jedoch sehr wahrscheinlich nicht. Bisherige Studien zeigen zwar, dass Kinder im ersten Jahr der Behandlung etwas weniger schnell wachsen. In den darauffolgenden Jahren entwickeln sie sich jedoch normal. Dies spricht dafür, dass sie im Erwachsenenalter genauso groß werden wie Kinder mit Asthma, die keine Kortikoide inhalieren. Dennoch werden diese Medikamente bei Heranwachsenden vorsichtshalber in möglichst geringen Mengen und nach Möglichkeit nur zur Inhalation eingesetzt.

    Wie kann ich mein Kind vor Asthma-Auslösern schützen?

    Asthma-Auslöser können einerseits Bestandteile der Atemluft sein, die auch bei anderen Menschen die Atemwege reizen, wie zum Beispiel Duftstoffe, Rauch und andere Schadstoffe. Bei Menschen mit Asthma können sie ernsthafte Beschwerden auslösen. Andererseits reizen auch normalerweise harmlose Substanzen und Umgebungsbedingungen wie Hausstaub, Pflanzenpollen, Tierhaare oder Temperaturschwankungen die empfindlichen Atemwege eines Menschen mit Asthma zu einer überschießenden Reaktion.

    Um ein Kind schützen zu können, muss man zuerst die Auslöser seines Asthmas kennen. Dabei hilft zu beobachten, wann oder wodurch die Beschwerden des Kindes auftreten oder verstärkt werden. Hier gilt es aber, Augenmaß zu behalten. Etwas fälschlicherweise für einen Auslöser zu halten, kann das Kind unnötig einschränken. Auch Vorsichtsmaßnahmen, die Ihr Kind möglicherweise schützen, es aber behindern, sich mit Freunden zu treffen, seinen Interessen nachzugehen und in den Kindergarten oder die Schule zu gehen, können mehr schaden als nutzen.

    Tierhaare können eine Allergie auslösen. Wenn Ihr Kind auf ein lieb gewonnenes Haustier allergisch reagiert, können Sie versuchen, die Lebensbereiche zu trennen oder das Tier häufig zu waschen. Nur wenn das nicht hilft, muss es abgegeben werden. Besondere Maßnahmen sind aber nur sinnvoll, wenn ein Kind beim Kontakt mit Tieren Asthma-Beschwerden bekommt. Dass der Verzicht auf Haustiere der Neigung zu Asthma vorbeugt, ist nicht belegt.

    Asthma ist eine komplexe Erkrankung. Es kann sein, dass der Versuch, Auslöser zu vermeiden, die Mühe und den Verzicht, den manche Maßnahmen für ein Kind bedeuten, nicht lohnt. So ist es zum Beispiel so gut wie unmöglich, Hausstaubmilben komplett zu beseitigen. Dabei bringen einzelne Maßnahmen kaum etwas. Die Belastung lässt sich vielleicht verringern, wenn Sie mehrere Maßnahmen kombinieren: den Boden feucht wischen, einen milbendichten Matratzenbezug verwenden, die Bettwäsche regelmäßig bei mehr als 55° C waschen und Staubfänger wie alte Polstermöbel oder Teppiche entfernen.

    Für die meisten Kinder mit Asthma gilt: Wenn sie ihre Dauermedikamente richtig einnehmen, verlieren Auslöser in der Regel ihre Bedeutung.

    Was ist beim Sport zu beachten?

    Wenn Ihr Kind an Asthma erkrankt ist, bedeutet das nicht, dass es auf das Herumtollen mit Freunden oder auf Schul- und Vereinssport verzichten muss. Für viele Kinder und Jugendliche mit Asthma ist Sport ein wesentlicher Bestandteil ihres täglichen Lebens.

    Für die körperliche Entwicklung von Kindern ist viel Bewegung wichtig. Für Kinder mit Asthma können Bewegung und Sport einen zusätzlichen Nutzen haben. Sie können die Lunge leistungsfähiger machen und die allgemeine Fitness verbessern. Auch Asthma-Anfälle können durch Bewegung und Sport seltener werden. Asthma sollte so behandelt (man sagt auch: eingestellt) sein, dass einem Kind spontanes Spielen und Sporttreiben möglich ist. Sie können mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen, ob es sinnvoll ist, wenn Ihr Kind bei Bedarf Medikamente anwendet, um Asthma-Beschwerden durch körperliche Anstrengung (sogenanntes Belastungsasthma) vorzubeugen.

    Ob bestimmte Sportarten bei Asthma besonders günstig sind, lässt sich nicht sicher sagen. Wahrscheinlich löst zum Beispiel Schwimmen seltener Belastungsasthma aus als beispielsweise Wintersport. Dies liegt vor allem daran, dass kalte, trockene Luft eher zu Asthma-Anfällen führt. Im Hallenbad dagegen ist die Luft warm und feucht. Wichtig ist, dass die Sportart dem Kind Spaß macht.

    Übrigens gibt es zahlreiche Spitzensportler, die Asthma haben. Vielleicht hilft es Ihrem Kind, wenn es solche Sportler kennt.

    Kann mein Kind an Klassenfahrten teilnehmen?

    Auch ein Kind mit Asthma will alles mitmachen, was die anderen tun, also zum Beispiel an Klassenfahrten oder Kinderfreizeiten teilnehmen. Wichtig ist, dass die Betreuer, Lehrer, Freunde und nicht zuletzt Ihr Kind selber gut über die Erkrankung und die notwendigen vorbeugenden sowie Notfall-Maßnahmen informiert sind. Dies ist eine gute Voraussetzung, damit Ihr Kind auch schwierige Situationen meistern kann, wenn Sie nicht dabei sind.

    Wenn Ihr Kind ein allergisches Asthma hat, ist es auf einer Klassenfahrt kaum zu vermeiden, dass es Auslösern ausgesetzt ist, die Beschwerden auslösen können. Besprechen Sie mit der Ärztin oder dem Arzt, ob zum Beispiel eine vorbeugende Kortisonbehandlung für diesen Zeitraum sinnvoll sein könnte. Wendet Ihr Kind bereits regelmäßig Dauermedikamente an, kann es auf einer Klassenfahrt schon mal eher die Einnahme vergessen. Da hilft es, wenn Begleitpersonen informiert sind, das Kind erinnern und – falls Beschwerden auftreten – nachfragen, ob das Kind seine Medikamente regelmäßig genommen hat.

    Wenn Ihr Kind seinen Behandlungs- und Notfallplan mit Informationen über die Erkrankung und die notwendigen Medikamente immer dabei hat, erleichtert dies im Notfall medizinischen Helfern, richtig zu reagieren.

    Wie kann ich meinem Kind in der Pubertät zur Seite stehen?

    Die Pubertät kann für alle Eltern und Kinder eine konfliktreiche Zeit sein. Für Jugendliche mit Asthma ist es dann oft schwierig, die besonderen Regeln und Anforderungen einzuhalten, die die Behandlung ihrer chronischen Erkrankung erfordern.

    Generell scheinen Jugendliche mit Asthma ihre Beschwerden harmloser einzuschätzen als ihre Eltern. Umgekehrt ist es mit der Lebensqualität: Häufig unterschätzen Eltern, wie sehr sich ihre heranwachsenden Kinder durch die Asthma-Behandlung in ihren Möglichkeiten eingeschränkt sehen.

    Ein besonderes Thema kann das Rauchen werden. Wenn die Freunde rauchen, passen sich auch selbstbewusste Jugendliche häufig an. Dann kann es schwierig sein, einem Jugendlichen deutlich zu machen, dass das Rauchen für Menschen mit Asthma eine besonders starke Belastung bedeutet.

    Allgemein ist die Pubertät eine Zeit, in der Heranwachsende vieles ausprobieren, auch Dinge, von denen sie eigentlich wissen, dass sie ihnen nicht guttun. Forscher nennen dies „alterstypisches Risikoverhalten“. Es gibt Hinweise, dass es bei Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen besonders ausgeprägt ist. Jugendliche mit Asthma könnten also eher in Versuchung sein zu rauchen als ihre Altersgenossen, auch wenn es ihnen mehr schadet. Die Familie kann jedoch dazu beitragen, dass ein Teenager nicht mit dem Rauchen anfängt.

    Sie können Ihr Kind nicht vor allen Gefahren schützen, denen es sich aussetzt. Wenn Sie es aber schaffen, mit ihm und vielleicht auch mit seinen Freunden im Gespräch zu bleiben, kann das für Ihr Kind eine wichtige Unterstützung und Sicherheit bedeuten.

    Quellen

    Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlich Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie: Asthma. AWMF-Registernr.: nvl-002. 21.09.2018.

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    Asthma - Erfahrungsbericht - Daniel

    „Ich bin zum Glück sehr gut geschult. Wenn meine Peak-Flow-Werte plötzlich ganz stark fallen, weiß ich, welche Medikamente ich nehmen muss. Ich muss dann nicht jedes Mal den Notarzt rufen.“

    Daniel, 34 Jahre

    „Ich bin zum Glück sehr gut geschult. Wenn meine Peak-Flow-Werte plötzlich ganz stark fallen, weiß ich, welche Medikamente ich nehmen muss. Ich muss dann nicht jedes Mal den Notarzt rufen.“

    Ich bin mit Asthma aufgewachsen. Ich kannte es einfach nicht anders, das Leben mit Asthma-Anfällen und Einschränkungen. Ich war als Kind in einer Außenseiterposition. Damals war es ja noch so, dass Kinder mit Asthma keinen Sport treiben durften. Aber ich war ein sehr lebendiger Junge und wurde immer wieder zurückgepfiffen: bloß nicht anstrengen.

    Ab meinem 16. Lebensjahr wurden die Symptome schlimmer. Anfangs hatte ich damit ganz schön zu kämpfen, weil die Einschränkungen immer stärker wurden. Ich konnte nicht auf Partys gehen wegen dem Zigarettenrauch, musste große Menschenansammlungen meiden, konnte mich körperlich nicht belasten und keine großen Reisen unternehmen.

    Etwa mit 19 Jahren bin ich auf einen Lungenfacharzt gestoßen, bei dem ich mich sehr aufgehoben gefühlt habe. Er hat mich das erste Mal über Asthma aufgeklärt und mich medikamentös richtig eingestellt.

    Meinen Beruf musste ich aufgeben

    Nach Abschluss der Schule habe ich eine Ausbildung in der chemischen Industrie gemacht. Ich bin im Rahmen der Ausbildung mit Stoffen in Kontakt geraten, die meine Atemwege ziemlich gereizt haben, so dass ich diesen Beruf aufgeben musste. Eigentlich hätte man das vor der Ausbildung absehen können. Ich habe dann eine Umschulung gemacht und einige Jahre im Dienstleistungsbereich gearbeitet. Bis sich das Krankheitsbild so verändert hat, dass die Asthma-Anfälle nicht mehr vorhersehbar waren. Heute bin ich erwerbsunfähig. Das war ganz schön schwierig für mich. Ich habe meinen Beruf immer sehr gerne ausgeübt. Besonders problematisch ist es, wenn es mir gut geht. Dann denke ich mir, dass es doch eigentlich ganz gut geht und ich arbeiten könnte. Aber am Ende meiner Berufstätigkeit hatte ich etwa drei Anfälle in der Woche, auch während der Arbeitszeit. Das ging dann nicht mehr.

    Früher, als Kind, hatte ich allergisches Asthma. Das hat sich mit der Zeit verändert. Jetzt habe ich ein gemischtes Asthma. Die meisten Anfälle können keinem konkreten Auslöser zugeordnet werden. Was ich weiß, ist, dass ich auf Zigarettenrauch reagiere, auch auf bestimmte Duftstoffe und bei Anstrengungen. Ich reagiere auch stark auf Wetterwechsel, zum Beispiel bei Nebel. Viele Anfälle sind aber einfach nicht erklärbar.

    Die Asthma-Anfälle können bei mir zu jeder Tages- und Nachtzeit auftreten. Ein Asthma-Anfall beginnt bei mir in der Regel mit einem Engegefühl in der Brust. Dann geht es relativ schnell und die Atmung fängt an zu pfeifen und es entsteht so ein brodelndes Geräusch. Das Ausatmen fällt schwer. Ich vergleiche das immer damit, durch einen halb zugedrückten Strohhalm auszuatmen. So kann man es sich vorstellen.

    Ich habe einen Notfallplan

    Ich bin zum Glück sehr gut geschult. Wenn meine Peak-Flow-Werte plötzlich ganz stark fallen, weiß ich, welche Medikamente ich nehmen muss. Ich muss dann nicht jedes Mal den Notarzt rufen. Ich versuche es selbst unter Kontrolle zu bringen. Dafür habe ich einen Notfallplan. Mittlerweile bleibe ich in solchen Situationen eher ruhig.

    Es gibt Phasen, in denen es mir sehr gut geht. Aber das kann sich innerhalb weniger Minuten ändern und ich bekomme starke Atemnot. Das habe ich auch immer im Hinterkopf, wenn ich mal ausgehen möchte. Ich habe aber mit der Zeit gelernt, ruhig zu bleiben. Ich habe mein Asthma trotz der Stärke der Ausprägung ganz gut im Griff.

    Ängste sind für mich nicht mehr das Thema. Es gab schon mal eine Phase, da hatte ich ziemliche Probleme. Damals konnte oder wollte ich nicht akzeptieren, dass es so ist, wie es ist. Mittlerweile weiß ich damit umzugehen. Ich empfinde keine Angst mehr. Es hat ein bisschen gedauert, bis es Klick gemacht hat.

    Ich nehme dreimal am Tag Medikamente: morgens, mittags und abends sowie bei Bedarf. Ich nehme Kortison in Tablettenform seit etwa sieben Jahren. Mittlerweile komme ich damit ganz gut zurecht. Es geht ja nicht anders. Am Anfang war es schwierig. Ich habe mich immer dagegen gewehrt, Kortison zu nehmen. Ich habe immer gedacht, dass es aufgrund der Nebenwirkungen gefährlich ist. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es mir besser geht, wenn ich es nehme. Es gibt Momente, da mache ich mir Sorgen wegen der Nebenwirkungen, obwohl ich momentan keine spüre.

    Heute kann man mit Asthma ganz gut leben

    Ich versuche das Leben zu genießen, so wie es am besten geht. Ich liebe die Natur und die Tiere. Wenn es mir mal nicht so gut geht, dann suche ich einen Ort auf, wo ich mich entspannen kann. Ich bin ein Mensch, der sehr viel Ruhe braucht. Ich glaube, dass meine Familie und mein Freundeskreis mehr Angst hat als ich selber. Es ist sicher für die Familie und Freunde nicht schön zu sehen, wenn man in der Klinik an diverse Apparate angeschlossen ist. Als meine Freundin mich so zum ersten Mal gesehen hat, das hat sie schon als schlimm empfunden. Sie litt ziemlich darunter.

    Wichtig ist es nach meiner Meinung, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und sie zu akzeptieren sowie sich so viele Informationen zu holen wie möglich. Ich empfinde es auch als sehr wichtig, sich eine zweite ärztliche Meinung einzuholen. Nach meiner Meinung kann man heute mit Asthma und den Beschwerden ganz gut leben.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Asthma - Erfahrungsbericht - Familie Meier

    „Wenn es mir schlecht geht, dann drückt das so auf der Brust. Aber dann nehme ich Medikamente und es wird nach und nach besser. Sonst merke ich das Asthma gar nicht.“

    Familie Meier mit Sohn Lennard, 9 Jahre

    „Wenn es mir schlecht geht, dann drückt das so auf der Brust. Aber dann nehme ich Medikamente und es wird nach und nach besser. Sonst merke ich das Asthma gar nicht.“

    Vater:

    Lennard hat allergisches Asthma. Bei der Diagnose war er vier Jahre alt. Es tritt nicht ständig auf, sondern nur zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Situationen.

    Er hatte als kleines Kind häufig spastischen Husten. Unser Kinderarzt hat dann allergisches Asthma diagnostiziert. Die Diagnose war eine Überraschung für uns. Wir haben uns zuerst viele Gedanken gemacht. Es gibt da ja sehr viele Empfehlungen, wie beispielsweise keinen Teppichboden, keine Haustiere, kein Federbett, Ledercouch. Wir haben uns viel informiert und uns Gedanken gemacht, wahrscheinlich mehr als wir hätten machen müssen.

    Mutter:

    Wichtig ist, dass man einen Arzt hat, zu dem man Vertrauen hat. Bei uns ist das ideal. Der Kinderarzt hat sich zusätzlich auf Lungenerkrankungen spezialisiert. Und dann ist es auch noch wichtig, Ruhe zu bewahren, sich in aller Ruhe zu informieren. Bei uns war das ein wenig hektisch, aber das Kind fällt ja von heut auf morgen nicht einfach um. Aber das hängt natürlich von der Schwere der Erkrankung ab. Bei uns ist das ja sehr unkompliziert.

    Vater:

    Am Anfang haben wir sehr oft Staub gesaugt, aber das hat sich mit der Zeit wieder normalisiert. Lennard reagiert ja vorwiegend auf Tierhaare allergisch. Das müssen wir vermeiden. Problematisch wird es dann, wenn verschiedene Faktoren zusammenkommen. Beispielsweise wenn es draußen extrem kalt ist, wenn er sich einen Schnupfen einfängt und dann vielleicht noch bei einem Freund gewesen ist, der ein Haustier hat. Dann können die Lungenfunktionswerte drastisch in den Keller gehen.

    Mutter:

    Wir versuchen jetzt seit etwa zwei Jahren, dass er mehr Verantwortung für sich und seine Krankheit übernimmt. Er soll lernen, daran selber zu denken und ein Bewusstsein zu entwickeln. Es ist ja seine Gesundheit. Und wenn er nicht aufpasst und dann doch mal mit einer Katze spielt oder mit Tieren Kontakt hat, dann hat das hoffentlich einen Lerneffekt. So dass er sich dann beim nächsten Mal ein wenig zurückhält.

    Vater:

    Mit der Messung der Lungenfunktionswerte ist es oft nicht so einfach. Wenn es ihm nicht gut geht, dann merkt er das ja und dann nimmt er auch von sich aus den Peak-Flow-Meter und misst. Ansonsten müssen wir ihn dazu ein wenig anstoßen und auffordern. Er misst immer zweimal täglich, morgens und abends. Wenn es ihm schlechter geht, auch noch zusätzlich mittags. Er schreibt sich dann die Werte, die er mit dem Peak-Flow-Meter misst, auch selber auf. Wenn es ihm schlechter geht, hören wir das an der Atmung. Dann wird auf jeden Fall gepustet.

    Lennard:

    Ich nehme die Medikamente nicht regelmäßig, nur wenn es mir schlecht geht. Wenn es mir schlecht geht, dann drückt das so auf der Brust. Aber dann nehme ich Medikamente und es wird nach und nach besser. Sonst merke ich das Asthma gar nicht.

    Mutter:

    Seine Medikamente nimmt er schon, aber nicht immer regelmäßig. Da müssen wir ein wenig hinterher sein. Besonders, wenn es ihm gut geht. Dann fehlt ihm ein wenig der Zusammenhang. Er versteht es noch nicht, warum er die Medikamente auch nehmen soll, wenn es ihm gut geht. Wenn die Werte schlecht sind, dann geben wir auch zusätzlich Medikamente. Wir haben da so ein Notfallpaket an Medikamenten. Das ist alles mit dem Arzt abgesprochen. Meistens ist es dann nach ein paar Tagen wieder in Ordnung. Bisher war es noch nicht so schlimm, dass wir zusätzliche Hilfe oder den Notarzt gebraucht haben.

    Wir haben immer noch die Hoffnung, dass das Asthma irgendwann weg ist oder dass es durch eine gute Therapie so weit reguliert werden kann, dass es ihn nicht mehr belastet, wenn er erwachsen ist. Von daher denken wir, ist die Diagnose nicht so sehr schlimm, wie wir am Anfang gedacht haben. Manchmal haben wir jedoch auch Angst, dass er chronisches Asthma bekommt, wenn er erwachsen ist. Man kann es ihm nicht so richtig verständlich machen, dass es für die Zukunft wichtig ist, dass er seine Medikamente nimmt.

    Ein bisschen schade ist, dass wir keine Haustiere halten können.

    Lennard ist nicht öfter krank als seine Klassenkameraden. Die Medikamente scheinen so entzündungshemmend zu sein, dass er eher weniger krank ist als seine Freunde. Er macht auch Sport, das ist alles kein Problem. Mit seinem Zustand hat er keine wesentlichen Einschränkungen. Es ist alles ganz normal. Mit dem Asthma-Spray, da ist er regelrecht cool unter den anderen. Er ist dann was Besonderes.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

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    Asthma - Erfahrungsbericht - Georg

    „Es war lange Zeit schwierig für mich, mit Asthma zu leben. Es hat mich gestört, manchmal auch genervt. Heute habe ich mit meiner Erkrankung Frieden geschlossen.“

    Georg, 70 Jahre

    „Es war lange Zeit schwierig für mich, mit Asthma zu leben. Es hat mich gestört, manchmal auch genervt. Heute habe ich mit meiner Erkrankung Frieden geschlossen.“

    Ich habe Asthma seit meinem fünften Lebensjahr, also seit 65 Jahren. Die Ursachen sind nicht genau bekannt. Vielleicht spielten damals die Bedingungen auf der Flucht eine Rolle: Eisige Kälte und eine Lungenentzündung. Eine andere Rolle spielt möglicherweise die Vererbung, denn meine Mutter hatte auch Asthma.

    Als Kind war ich das Asthma manchmal leid. Ich war oft ausgeschlossen, zum Beispiel wenn die anderen Kinder Ausflüge machten oder Sport trieben. Denn damals war es noch so, dass Kinder mit Asthma keinen Sport treiben und sich nicht belasten sollten.

    Als Jugendlicher hatte ich eine relativ unbeschwerte Zeit. Ich war zwar ein wenig für Erkältungen anfällig, aber im Großen und Ganzen spielte Asthma in meiner Jugend keine große Rolle.

    Trotz der Asthma-Schübe habe ich nicht mit dem Sport aufgehört

    Als ich dann älter wurde, so als junger Erwachsener, wurde es mit dem Asthma wieder etwas schwieriger. Ich hatte relativ oft Infekte. Es gab zwar Medikamente, die jedoch nur eine relativ kurze Zeit wirkten. Früher war die Situation für Asthmatiker noch ziemlich schlecht. Es gab keine Langzeitmedikamente. Ich bekam damals Tabletten, die zwar die Bronchien frei machten. Als Nebenwirkung habe ich aber am ganzen Körper gezittert. Ich hatte in dieser Zeit auch Asthma-Anfälle. Aber es gab auch längere Phasen, wo es mir relativ gut ging.

    Bei einer Kur 1982 wurde dann einiges völlig anders. Es gab ein Umdenken: Es hieß nun, dass ich Sport treiben könnte und mich nicht wegen meines Asthmas schonen muss. Ein Jahr später habe ich mich entschlossen, mich der Lauftreff-Bewegung anzuschließen. Weitere zwei Jahre später bin ich meinen ersten Marathon gelaufen.

    Ich war dann eine ganze Zeit beschwerdefrei. Nach einem Marathon habe ich jedoch eine Erkältung bekommen, die ich nicht ausheilen konnte. Die asthmatischen Beschwerden haben wieder zugenommen. Trotz der Asthma-Schübe, die ab und an wieder auftraten, habe ich dennoch in dieser Zeit nie mit dem Sport aufgehört. Noch heute mache ich so vier bis fünfmal in der Woche Sport.

    Ich bekam ein anderes Krankheitsbewusstsein

    Ende der 90er Jahre war ich wieder zu einer Rehabilitationsmaßnahme. Das war für mich ein Schlüsselerlebnis. Es gab dort nicht nur eine therapeutische Behandlung, sondern auch sogenannte Patienten-Schulungen. Ich bekam vermittelt, wie ich meine Krankheit und mich selber besser kennen lernen konnte. Ich bekam ein anderes Krankheitsbewusstsein. Für mich wurde dort klar, dass Asthma Teil meines Lebens ist und ich mit der Erkrankung leben muss. Es war lange Zeit schwierig für mich, mit Asthma zu leben. Es hat mich gestört, manchmal auch genervt. Heute habe ich mit meiner Erkrankung Frieden geschlossen.

    Für die Bewältigung meiner Erkrankung habe ich sehr viel Kraft aus der Selbsthilfe geschöpft. Der gegenseitige Austausch mit anderen Betroffenen war besonders wichtig für mich. Weil im derzeitigen medizinischen Versorgungssystem oft Wartezeiten entstehen, hat die Selbsthilfe meiner Meinung nach eine besonders wichtige Rolle. Sie kann durch Informationen und den Austausch von Erfahrungen eine Orientierung geben und gewissermaßen eine Versorgungslücke schließen.

    Ich lasse es nicht mehr zu Atemnotanfällen kommen

    Früher habe ich auch geraucht – so ab dem Alter von 18 Jahren etwa sechs Jahre lang. Ich habe damit aufgehört, als ich wegen eines Atemnotanfalls ins Krankenhaus musste. Dann war mir klar, dass ich damit aufhören muss.

    Einerseits sind bei mir Pollen Auslöser von Beschwerden, insbesondere blühende Bäume, Gräser, Roggen. Zum anderen weiß ich manchmal nicht, woran es liegt, dass ich asthmatische Beschwerden bekomme. Manchmal wache ich nachts auf und bekomme keine Luft mehr und weiß nicht warum. Bei einem Asthma-Anfall ist es nicht so, dass ich überhaupt keine Luft mehr bekomme. Es ist so ein merkwürdiges Gefühl im Brustbereich: Es wird so eng. Ich habe Schwierigkeiten beim Atmen und es ist so ein ganz bestimmtes Unwohlsein. Für Notfälle habe ich einen Notfallplan. Früher hatte ich hin und wieder Atemnotanfälle – seitdem ich jedoch mein Krankheitsmanagement durchführe, lasse ich es nicht mehr so weit kommen.

    Peak-Flow-Wert messen gehört wie das Zähneputzen dazu

    Ich habe Asthma vom Schweregrad drei oder vier. Ich nehme regelmäßig täglich Medikamente. Es gab Zeiten, da habe ich das mit der regelmäßigen Medikamenteneinnahme nicht so genau genommen – und hatte dann wieder asthmatische Beschwerden. Ohne die täglichen Medikamente geht es nicht. Es wäre tödlich für mich.

    Im Frühjahr und im Frühsommer habe ich eher asthmatische Beschwerden. Im Herbst und Winter geht es mir relativ gut. Ich achte sehr genau auf die Medikamenteneinnahme. Ich lasse keine Medikamente weg, auch nicht, wenn es mir gut geht und ich beschwerdefrei bin.

    Heute sehe ich mich als Manager meiner Krankheit. Ich brauche zwar den Arzt, der mir die Medikamente verschreibt, aber die Dosierung passe ich oft selber an. Jeden Morgen messe ich meinen Peak-Flow-Wert. Das gehört wie das Zähneputzen dazu.

    Ich bin ein sehr aktiver Mensch. Dank der Medikamente erlebe ich durch die Erkrankung keine Einschränkung meiner Lebensqualität. Heut gibt es wirklich hervorragende Medikamente und ich kann aktiv selber etwas für mich tun.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Asthma - Erfahrungsbericht - Helena

    „Am Anfang stand die Krankheit im Zentrum meines Lebens. Jetzt bin ich froh, dass ich sie als einen Teil von mir akzeptiert habe.“

    Helena, 31 Jahre

    „Am Anfang stand die Krankheit im Zentrum meines Lebens. Jetzt bin ich froh, dass ich sie als einen Teil von mir akzeptiert habe.“

    Ich denke, dass ich schon seit meiner Kindheit Asthma habe. Die Diagnose wurde jedoch erst in meinem 25. Lebensjahr gestellt. Die Anzeichen in meiner Kindheit wurden nie wirklich ernst genommen. Ich hatte es immer ein wenig verdrängt. Wenn ich Atemnot hatte, habe ich schon mal zu meinen Freunden gesagt: „Gott sei Dank, ich hab kein Asthma.“

    Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als das Asthma diagnostiziert wurde: Ich hatte Beklemmungen im Brustkorb und konnte nur noch zu meinen Nachbarn die Treppen regelrecht hochkriechen, habe gerade noch den Klingelknopf erreicht und dann bin ich fast zusammengebrochen. Die Nachbarn haben mich dann zum Lungenfacharzt gebracht.

    Beim Lungenfacharzt hat man Asthma festgestellt. Ich habe dann sofort Sauerstoff und Infusionen bekommen. Ich musste aber nicht ins Krankenhaus. Ich konnte lange Zeit nur gebeugt gehen, langsam laufen, habe die Schultern hochgezogen und immer nur sehr schlecht Luft bekommen.

    Ich war manchmal schon sehr frustriert

    Nach der Diagnose habe ich versucht, mein Leben dementsprechend einzurichten. Das Leben war ja am Anfang von der Krankheit bestimmt. Asthma war der Mittelpunkt meines Lebens. Es musste ja erst alles eingestellt werden. Das hat mich schon zum Teil sehr genervt. Obwohl das Asthma ja schon vorher da war und auch einiges in meinem Leben eingeschränkt hatte. Aber es war nicht in meinem Bewusstsein vorhanden. Es war manchmal schon sehr belastend, jeden Tag die Medikamente zu nehmen, das Inhalieren.

    Als das Asthma diagnostiziert wurde, stand ich mitten im Studium. Ich konnte noch nie so körperlich aktiv sein wie viele andere. Es gab immer Einschränkungen. Ich war manchmal schon sehr frustriert. Ich habe immer gedacht, dass ich mit anderen mithalten muss, habe mich immer an anderen gemessen. Das war ein Fehler. Ich habe nicht nach meinen Qualitäten, was ich selbst kann, gesucht.

    Beim Singen habe ich keine Hustenattacke bekommen

    Jetzt habe ich wieder ein großes Stück an Lebensqualität zurückgewonnen. Ich habe für mich sehr viele andere Bereiche eröffnet. Zum Beispiel mache ich regelmäßig Qi-Gong und Stimmübungen. Ich bin sehr froh, dass ich zu meiner Stimme gefunden habe. Man sagte mir früher, dass ich nicht singen könne. Erst vor zwei Jahren, in einem Kurs, habe ich festgestellt, dass meine Stimme ja gar nicht so schlecht ist.

    Als ich eine Lungenentzündung hatte, hatte ich sogar zeitweise unter 50 Prozent Lungenvolumen und ich habe trotzdem gesungen. Beim Singen, im Gegensatz zum Sprechen, habe ich keine Hustenattacke bekommen. Das Singen macht mir unheimlich viel Spaß. Ich singe mittlerweile auch in zwei Chören.

    Qi-Gong habe ich vor fünf Jahren in einer Rehabilitationsklinik kennengelernt. Ich habe dort so viele Anstöße bekommen. Zu Hause habe ich das dann weitergeführt und umgesetzt. Wenn ich die Qi-Gong-Übungen mache, dann fühle ich mich danach richtig gestärkt und energiegeladen. Mir geht es dann einfach gut.

    Das Spray bietet so eine Art Sicherheitsleine

    Jetzt habe ich eine positivere Lebenseinstellung. Als ich meine erste Lungenentzündung hatte, da war ich lange deprimiert und traurig und habe mit mir selber gehadert: Da hatte ich fast schon meinen Mut verloren. Jetzt sage ich mir, dass mir der Körper zeigt, wann er wieder eine Auszeit braucht und die nehme ich mir. Das ist in Ordnung. Na klar gibt es hin und wieder einen Tag, an dem ich ein wenig deprimiert bin, aber das gehört auch mal dazu.

    Im Alltag habe ich das Spray und die anderen Notfallmedikamente immer dabei. Es bietet so eine Art Sicherheitsleine. Ich habe alles in meinem Rucksack und das Spray nehme ich immer mit. Das gehört einfach schon automatisch dazu.

    Ich habe mit der Zeit festgestellt, mit wie wenig Luft ein Mensch auskommt, wenn man nicht in Panik gerät. Wenn ich mich schlechter fühle, mache ich meine Atemübungen. Das hilft mir. Ich hatte schon Peak-Flow-Werte von unter 10 % und bin dabei ruhig geblieben. Bei so niedrigen Werten benutze ich natürlich das Spray, das ist klar. Wenn die Werte so tief runtergehen, dann fange ich nicht erst mit den Atemübungen an, sondern nehme das Spray.

    Mittlerweile kenne ich meinen Körper so gut, dass ich die Medikamenteneinnahme selber manage, natürlich in Absprache mit meiner Ärztin. Kortison nehme ich nicht mehr regelmäßig. Aber jeder Mensch ist anders und braucht eine andere Behandlung. Es gibt ganz sicher Menschen mit Asthma, für die ist eine regelmäßige Kortisoneinnahme sehr wichtig.

    Im Asthma-Tagebuch benutze ich das Ampelsystem

    So ein Asthma-Anfall kann lebensgefährlich sein, also damit ist jedenfalls nicht zu spaßen. Momentan muss ich durch meine Lungenentzündung auch wieder regelmäßig inhalieren. Ich inhaliere zuerst mit einem Bronchien-Erweiterungsspray, damit die Bronchien schön weit werden. Dann warte ich so fünf Minuten und sprühe Kortison. Ich messe meine Werte vor und nach dem Inhalieren und trage sie in ein Tagebuch ein. Es gibt dann eine Kurve vor der Inhalation und eine Kurve jeweils nachdem ich inhaliert habe. Da sieht man dann schon einen Unterschied.

    Das Tagebuch nehme ich zu meinem Arzt mit. Ich benutze für mich das Ampelsystem: In meinem Tagebuch markiere ich mir die verschiedenen Wertebereiche. Den kritischen Wertebereich markiere ich rot, dann gibt es einen Wertebereich, bei dem ich aufpassen muss, den markiere ich gelb und dann gibt es den grünen Wertebereich, dort sind die Werte in Ordnung. Wenn ich dann mit dem Peak-Flow-Meter meine Werte messe und in das Tagebuch eintrage, sehe ich gleich, ob der Wert im grünen, gelben oder roten Bereich liegt. Wenn der Wert im roten Bereich liegt, dann heißt das für mich: „Achtung: sofort Arzt aufsuchen.“ Wenn die Werte im gelben Bereich liegen, dann muss ich aufpassen und wenn sie im grünen Bereich liegen, dann ist alles in Ordnung.

    Am Anfang stand die Krankheit im Zentrum meines Lebens. Jetzt bin ich froh, dass ich sie als einen Teil von mir akzeptiert habe.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Asthma - Erfahrungsbericht - Lena

    „Meine Ärztin hat einen Lungenfunktionstest bei mir durchgeführt und ich habe ihr meine Vorgeschichte erzählt. Es stellte sich heraus, dass ich wahrscheinlich schon lange Asthma hatte, ohne dass ich es wusste.“

    Lena, 59 Jahre

    „Meine Ärztin hat einen Lungenfunktionstest bei mir durchgeführt und ich habe ihr meine Vorgeschichte erzählt. Es stellte sich heraus, dass ich wahrscheinlich schon lange Asthma hatte, ohne dass ich es wusste.“

    Seit meinen Kindheitstagen habe ich so einen seltsamen, leichten Husten. Morgens musste ich mich immer sehr lange und oft räuspern. Manchmal hatte ich auch Tage, an denen ich nur sehr schwer atmen konnte. Wenn ich bergauf gehen musste, war ich immer sehr schnell erschöpft. Ich habe gedacht, dass wäre normal für mich.

    Wenn ich im Winter vom Warmen ins Kalte raus gehe, muss ich sofort husten. Oder wenn ich Eis esse, muss ich manchmal husten. Früher habe ich mich immer gewundert, woher das kommt. Der Arzt meinte, dass ich empfindliche Bronchien habe. An einen Lungenspezialisten hat er mich nie überwiesen.

    Ich habe schon etwa seit meinem vierten Schuljahr Heuschnupfen. Einmal musste ich als junge Frau aus dem Turnverein eher nach Hause gehen: Ich hatte so einen eigenartigen Husten. Als ich dann zu Hause war, bekam ich ganz dicke Augenlider. Das bekam ich dann noch öfter, immer so um Frühjahr.

    Ich wusste jetzt, woher meine Beschwerden kamen

    So vor etwa drei Jahren wurde mir ein Medikament verordnet und ich sollte bei einer Allergologin testen lassen, ob ich es vertrage. Sie hat einen Lungenfunktionstest bei mir durchgeführt und ich habe ihr meine Vorgeschichte erzählt. Es stellte sich heraus, dass ich wahrscheinlich schon lange Asthma hatte, ohne dass ich es wusste.

    Zuerst war ich von der Diagnose überrascht. Aber als ich darüber nachdachte, war das dann in Ordnung. Ich habe mir gedacht, dass ich es ja schon ziemlich lange habe und bis dahin gut damit leben konnte. Ich wusste jetzt, woher meine Beschwerden kamen. Das war eigentlich schon fast wie eine Beruhigung für mich. Ich brauche nicht mehr nach den Gründen und Ursachen zu suchen.

    Mit den Medikamenten musste man bei mir Gott sei Dank nicht so viel ausprobieren. Ich nehme ein kortisonhaltiges Medikament. Am Anfang habe ich es nur einmal am Tag genommen. Dann musste ich mich mit der Zeit wieder öfters räuspern. Seitdem nehme ich es regelmäßig zweimal am Tag – jeden Morgen und Abend. Da bin ich sehr konsequent. Mit den Medikamenten komme ich wunderbar klar.

    Bisher hatte ich nur einmal Atemnot nach einer aufregenden Situation. Meine Ärztin hat mir für solche Situationen einen Asthma-Spray verschrieben. Den habe ich dann benutzt. Ich habe eigentlich keine Angst davor, eine Atemnot zu bekommen.

    Ich muss noch lernen, meine Kräfte einzuteilen

    Die Ärztin hat mir damals empfohlen, eine Lungensportgruppe zu besuchen. Jetzt gehe ich regelmäßig einmal in der Woche dorthin. Ich bin kein sportlicher Typ, aber im Sportverein habe ich das Nordic Walking gelernt und ab und zu fahre ich Fahrrad. Für mich ist es besonders wichtig, dass eine Ärztin bei den Treffen dabei ist, ab und an einen Vortrag hält und ich ihr jederzeit Fragen stellen kann. Wir bekommen immer wieder Hinweise, wie man richtig atmet. Das halte ich für ziemlich wichtig.

    Ich muss noch lernen, meine Kräfte einzuteilen. Wenn es so ganz leicht bergan geht und ich einen strammen Schritt gehe, dann bekomme ich schon Probleme. Aber so im flachen Gelände ist das überhaupt kein Problem. Es hat schon was bewirkt, dass ich mich so viel bewege. Meine Ausdauer ist ganz gut und die Ärzte sagen, dass ich erstaunlich viel Luft habe.

    Früher habe ich auch geraucht. Ich glaube, deswegen bin ich jetzt besonders empfindlich. Wenn wir essen gehen, dann haben wir es uns angewöhnt, sehr zeitig in das Restaurant zu gehen. Dann sind nicht viele Leute da und es raucht vielleicht keiner. Ansonsten fange ich irgendwann an zu husten. Ich würde mich freuen, wenn in den Gaststätten nicht mehr geraucht werden darf.

    Früher habe ich mich auch gewundert, dass wenn ich bei Feierlichkeiten Sekt oder Wein getrunken habe und dazu Lachs oder Räucherfisch gegessen habe, dann wieder diesen seltsamen Husten bekam. Ich kann das schlecht beschreiben, aber er kam so vom Magen her. Mittlerweile weiß ich, dass ich zu viele Mengen an Histamin nicht vertrage und dass es Sekt gibt, den ich vertrage und welchen, den ich nicht vertrage.

    Einmal im Jahr gehe ich zu meiner Lungenfachärztin zur Kontrolle und bespreche mit ihr, wie es mir geht. Wenn es mir nicht gut gehen würde oder ich merken würde, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist, dann würde ich sofort zu ihr gehen.

     

    Danksagung

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    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.