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Neurodermitis

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    Hautausschlag und starkes Jucken sind die typischen Anzeichen einer Neurodermitis. Die entzündliche Hauterkrankung tritt häufig bei Kindern auf. Akute Beschwerden können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Oft klingt eine Neurodermitis im Laufe der Jahre ab oder verschwindet sogar ganz.

    Einleitung

    Neurodermitis ist eine verbreitete, chronische und nicht ansteckende Erkrankung der Haut. Typische Anzeichen sind Hautausschlag und starkes Jucken. Die entzündliche Hauterkrankung tritt häufig bei Kindern auf. Oft bessert sie sich mit den Jahren und verschwindet zeitweise oder sogar ganz.

    Akute Beschwerden können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Vor allem der Juckreiz kann belastend sein, den Schlaf und die Konzentrationsfähigkeit stören. Manche Betroffene schämen sich, wenn sie sichtbare Ausschläge haben. Eine gute Hautpflege, Medikamente und das Vermeiden von Reizstoffen und anderen Auslösern können die Beschwerden meistens aber soweit lindern, dass ein weitgehend normales Leben möglich ist.

    Andere medizinische Namen für Neurodermitis sind „atopische Dermatitis“ oder „atopisches Ekzem“.

    Symptome

    Bei akuten Neurodermitis-Beschwerden ist die Haut gerötet, juckt und bildet manchmal Bläschen, die leicht aufgehen und dann nässen. Längerfristig kann die Haut trocken und rissig werden und sich verdicken. Zudem kann sich ihre Struktur verändern und gröber werden. Das Hauptsymptom ist der oft quälende Juckreiz.

    Die Erkrankung verläuft normalerweise in Schüben. Das bedeutet, dass die Beschwerden mal stärker, mal weniger stark sind. Zeitweise können sie auch völlig verschwinden. Nur selten ist die Haut dauerhaft entzündet.

    Welche Hautpartien typischerweise betroffen und wie ausgeprägt die Beschwerden sind, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt zudem vom Alter ab. Bei Säuglingen tritt Neurodermitis vor allem auf den Wangen sowie den Außenseiten der Arme und Beine auf – seltener auch auf Rücken, Bauch und Brust. Bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sind vor allem die Kniekehlen, die Ellenbeugen und der Nacken betroffen. Auch an den Handflächen und Fußsohlen kann der juckende Hautausschlag auftreten, eher selten zeigt er sich im Gesicht. 

     

    Grafik: Neurodermitis bei Kindern und Erwachsenen: alterstypische Hautstellen - wie im Text beschrieben Neurodermitis bei Kindern und Erwachsenen: alterstypische Hautstellen

    Ursachen

    Die Haut ist aus drei Schichten aufgebaut: der Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Dermis) und Unterhaut (Subkutis). Die Oberhaut besteht aus der Basalschicht, der Stachelzellschicht und der Hornschicht (in der Grafik vergrößert dargestellt). Die Hornschicht – der sichtbare Teil der Haut – schützt den Körper vor Krankheitserregern. Sie erneuert sich ständig, indem aus der Basalschicht neue Zellen nachwachsen.

     

    Grafik: Gesunde Haut und Haut mit Neurodermitis - wie im Text beschriebenGesunde Haut und Haut mit Neurodermitis  

     

    Bei Menschen mit Neurodermitis erfüllt die Hornschicht ihre Schutzfunktion nicht richtig, weil sie durch Entzündungsreaktionen in der Haut geschädigt ist. Eine mögliche weitere Ursache ist ein verändertes Gen, das die Produktion von Filaggrin hemmt. Filaggrin ist ein Eiweiß, das bei der Bildung der Oberhaut eine wichtige Rolle spielt. Wegen des Filaggrin-Mangels ist die Zusammensetzung der Hautfette verändert und die Haut verliert viel Feuchtigkeit. Zudem bietet die geschädigte Haut weniger Schutz vor Reizstoffen, allergieauslösenden Stoffen (Allergenen) und Keimen, die zu Entzündungen führen können.

    Etwa 30 bis 40 % aller Menschen mit Neurodermitis haben eine allergische Form der Erkrankung. Sie haben häufig stärkere Hautbeschwerden und öfter auch Heuschnupfen oder allergisches Asthma. Bei ihnen reagiert das Immunsystem auf Allergene, indem es Antikörper bildet, die Entzündungen auslösen. Diese Antikörper lassen sich im Blut nachweisen. Allergene, die bei Neurodermitis eine Rolle spielen können, sind zum Beispiel Hausstaubmilben, Pollen und Nahrungsmittel wie Milch, Eier, Nüsse oder Fisch.

    Stoffe, die keine Allergene sind, sowie Umwelteinflüsse können die Haut ebenfalls reizen. Dazu gehören zum Beispiel raue Textilien auf der Haut wie grobe Wolle, Zigarettenrauch und starke Hitze oder Kälte.

    Risikofaktoren

    Das Risiko für Neurodermitis wird durch eine familiäre Veranlagung deutlich erhöht. Es gibt aber noch andere Faktoren, die zur Entstehung einer Neurodermitis beitragen. Die Erkrankung ist in den letzten Jahren häufiger geworden, was sich allein durch Vererbung nur schwer erklären lässt. Daher wird vermutet, dass auch Umweltverschmutzung oder die immer bessere Hygiene eine Rolle spielen. Die Hygiene-Theorie beruht auf der Beobachtung, dass Neurodermitis seltener bei Kindern auftritt, die viele Geschwister haben, bereits im Säuglingsalter in einer Kindertagesstätte betreut wurden oder mit einem Hund in einem Haushalt leben. Man geht davon aus, dass diese Kinder bereits früh Keimen ausgesetzt waren und daher ein besser trainiertes Immunsystem haben.

    Manchmal werden Impfungen mit der Entwicklung von Neurodermitis bei Kindern in Verbindung gebracht. Mehrere Auswertungen von Studien zu dieser Frage ergaben jedoch keinen solchen Zusammenhang: Impfungen lösen nach heutigem Wissen keine Neurodermitis aus. Ein Kind mit Neurodermitis zu impfen ist sogar sinnvoll, da Erkrankungen wie zum Beispiel die Windpocken bei Neurodermitis schwerer verlaufen können.

    Häufigkeit und Verlauf

    Etwa 15 % aller Kinder haben mit Neurodermitis zu tun, aber nur 2 bis 4 % der Erwachsenen. Erwachsene mit Neurodermitis haben häufiger eine schwerere Form der Erkrankung.

    Meist beginnt eine Neurodermitis in den ersten beiden Lebensjahren, typischerweise zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat. Manche Kinder erkranken auch später. Dass sich eine Neurodermitis erst nach dem fünften Lebensjahr entwickelt, ist eher selten.

    Ein Ausschlag auf der behaarten Kopfhaut des Babys kann ein Anzeichen für eine beginnende Neurodermitis sein. Dies wird umgangssprachlich als Milchschorf bezeichnet, weil die verkrustete Haut an angebrannte Milch in einem Topf erinnert. Es entwickelt sich aber nicht aus jedem Milchschorf zwangsläufig eine Neurodermitis.

    Wie eine Neurodermitis verläuft, hängt unter anderem vom Alter ab, in dem ein Kind erkrankt. Bei Kindern, die im ersten Lebensjahr eine Neurodermitis entwickeln, wächst sich die Erkrankung oft relativ schnell aus: Nach drei Jahren hat nur noch die Hälfte damit zu tun.

    Bei Kindern, die im Alter von zwei bis fünf Jahren eine Neurodermitis bekommen, dauert sie oft länger an. Schätzungen zufolge ist sie bei über 80 % aller Kinder aber zehn Jahre nach dem ersten Auftreten überstanden, nach 20 Jahren sogar bei bis zu 95 %.

    Bei manchen Menschen tritt die Neurodermitis im Erwachsenenalter erneut auf, vor allem an den Händen. Eine Ersterkrankung im Erwachsenenalter ist selten. Im Erwachsenenalter verläuft die Neurodermitis dann meistens chronisch und in Phasen mit stärkeren und schwächeren Symptomen.

    Folgen

    Manchmal führt eine bestimmte Bakterienart namens Staphylococcus aureus an den betroffenen Hautstellen zu einer Infektion. Diese Bakterien können auch bei Menschen ohne Neurodermitis auf der Haut vorkommen und sind normalerweise ungefährlich. Wenn sie eine Infektion auslösen, können sie die Neurodermitis jedoch verstärken. Eine bakterielle Infektion äußert sich darin, dass die Haut stark gerötet ist, nässt und / oder gelbliche Krusten bildet. Wenn sich die Infektion ausbreitet, ist in der Regel eine Behandlung mit Antibiotika erforderlich.

    Auf der veränderten, entzündeten Haut können sich auch Herpes-Viren leichter ausbreiten. Eine Herpes-Infektion tritt dabei in der Regel im Gesicht auf. Es bilden sich kleine Bläschen, die mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt sind und nach kurzer Zeit aufgehen. Dadurch können kleine punktförmige Krusten entstehen. Die Haut kann sehr wund sein und es kann zu Beschwerden wie Fieber und Abgeschlagenheit kommen. Wenn sich die Herpes-Infektion auf weitere Hautstellen ausbreitet, ist schnelle ärztliche Hilfe wichtig.

    Kratzen ist eine natürliche Reaktion auf Juckreiz, kann aber Komplikationen begünstigen und den Juckreiz verstärken. Die meisten Menschen mit Neurodermitis wissen, dass sie sich besser zurückhalten sollten, da sich oberflächliche Kratzwunden entzünden können. Dies ist aber leichter gesagt als getan. Man braucht also nicht jedes Mal ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man sich doch einmal kratzt. Bei Kindern kann es hilfreich sein, die Nägel kurz zu schneiden.

    Eine allergisch bedingte Neurodermitis kann mit Heuschnupfen und Asthma verbunden sein. Etwa ein Drittel der Kinder mit Neurodermitis bekommen bis zum sechsten Lebensjahr zusätzlich Asthma oder Heuschnupfen. Allerdings sind die genauen Zusammenhänge noch nicht geklärt.

    Diagnose

    Neurodermitis wird durch eine körperliche Untersuchung festgestellt. Die Diagnose Neurodermitis wird gestellt, wenn an den alterstypischen Körperstellen über mehrere Monate ein stark juckender Ausschlag besteht oder immer wiederkehrt. Gleichzeitig werden andere mögliche Erkrankungen wie etwa eine Schuppenflechte ausgeschlossen. Gerade bei Säuglingen wird die Neurodermitis manchmal mit einer seborrhoischen Dermatitis (Gneis) verwechselt, die aber kaum juckt und nach einigen Wochen bis Monaten von selbst wieder verschwindet.

    Wenn der Verdacht besteht, dass es sich um eine allergische Form von Neurodermitis handelt, wird unter Umständen ein Allergietest gemacht – entweder durch eine Blutuntersuchung oder einen sogenannten Prick-Test. Dabei wird geprüft, ob sich bestimmte Antikörper im Blut befinden, die der Körper als Reaktion auf Allergene produziert.

    Wenn der Test unauffällig bleibt, liegt mit ziemlicher Sicherheit keine Allergie vor. Ein auffälliges Testergebnis ist schwieriger zu beurteilen: Es deutet zwar eine Überempfindlichkeit an, sagt aber nichts darüber aus, ob diese Reaktion oder die Stärke der Beschwerden mit der Neurodermitis zu tun haben. Daher ist es wichtig, zum Beispiel mit einem sogenannten Provokationstest zu überprüfen, ob die Haut tatsächlich auf ein Allergen reagiert. Dabei nimmt man unter ärztlicher Aufsicht ein möglicherweise allergieauslösendes Nahrungsmittel zu sich, um herauszufinden, wie der Körper darauf reagiert.

    Weil Allergietests nur begrenzt aussagekräftig sind, ist es nicht sinnvoll, ohne konkreten Verdacht auf alle möglichen Substanzen zu testen.

    Vorbeugung

    Das Risiko, an Neurodermitis zu erkranken, ist überwiegend erblich bedingt. Vorbeugende Maßnahmen, für die in Studien nachgewiesen wäre, dass sie vor Neurodermitis schützen können, gibt es bisher nicht. Hinweise auf eine vorbeugende Wirkung gibt es lediglich für Nahrungszusätze mit probiotischen Bakterien.

    Möglicherweise ist das Risiko für Neurodermitis etwas geringer, wenn Säuglinge gestillt werden. Die Forschungsergebnisse zu dieser Frage sind aber nicht eindeutig. Weshalb ein Kind Neurodermitis bekommt, lässt sich nie genau sagen, weil dabei viele verschiedene Faktoren zusammenspielen. Zudem sind die Ursachen der Erkrankung nicht abschließend geklärt.

    Unabhängig davon empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Müttern, in den ersten sechs Monaten nach der Geburt möglichst voll zu stillen und dem Kind danach neben fester Nahrung auch noch die Brust zu geben. Denn das Stillen stärkt die Mutter-Kind-Beziehung und hat andere gesundheitliche Vorteile für Babys: Es senkt zum Beispiel das Risiko für einige Infektionskrankheiten.

    Behandlung

    Neurodermitis ist eine chronische Erkrankung. Eine Behandlung kann sie zwar nicht heilen, eine regelmäßige Hautpflege und Medikamente können aber helfen, das Jucken und den Hautausschlag in den Griff zu bekommen. Zu den wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten gehören:

    • Basistherapie: Rückfettende und feuchtigkeitsbindende Pflegemittel (Emollentien) werden mindestens zweimal am Tag großzügig aufgetragen, um die Haut vor dem Austrocknen zu bewahren. Dadurch sollen Symptome wie Juckreiz gelindert und die Haut vor Keimen und Reizstoffen geschützt werden.
    • spezielle Seifen, Waschlotionen und Shampoos: Normale Seife und Produkte wie Shampoo oder Duschgel enthalten verschiedene Stoffe, die die Haut austrocknen können. Um dies zu vermeiden, gibt es spezielle Reinigungsprodukte ohne diese Inhaltsstoffe. Meist kann die Basistherapie mit Emollentien den Feuchtigkeitsverlust durch normale Seifen aber wieder ausgleichen.
    • Kortisonsalben: Neurodermitis-Schübe werden meist mit Kortisonsalben (Kortikosteroiden) behandelt, da sie den Juckreiz und die Entzündung lindern können. Normalerweise kommen sie nur bei akuten Beschwerden zum Einsatz. Um Schüben vorzubeugen, werden sie manchmal in größeren Abständen zusätzlich zur Basistherapie eingesetzt – etwa in Form einer „Wochenendbehandlung“, bei der an ein oder zwei Tagen eine Kortisonsalbe aufgetragen wird. Dies wird auch proaktive Behandlung oder Intervalltherapie genannt.
    • Pimecrolimus und Tacrolimus: Pimecrolimus und Tacrolimus sind zwei weitere Medikamente gegen Neurodermitis. Für Kinder unter zwei Jahren sind sie allerdings nicht zugelassen. Die Mittel werden als Creme oder Salbe auf die Haut aufgetragen und können eingesetzt werden, wenn Kortisonpräparate nicht infrage kommen. Das heißt: wenn Kortison nicht vertragen wird, wenn eine Kortisonbehandlung zu keiner Besserung führt oder zur längerfristigen Behandlung der empfindlichen Haut im Gesichts- und Halsbereich. Auch diese Medikamente kommen unter Umständen für eine proaktive Behandlung infrage.

    Weitere mögliche Neurodermitis-Behandlungen sind feuchte Umschläge, Bestrahlung mit UV-Licht und Medikamente, die bestimmte Reaktionen im Immunsystem unterdrücken. Tabletten mit solchen Wirkstoffen werden eingesetzt, wenn andere Behandlungen nicht helfen, sowie bei sehr schwerer oder großflächig auftretender Neurodermitis. Sie wirken im ganzen Körper und können deshalb weitreichendere Nebenwirkungen haben als äußerliche Behandlungen.

    Häufig werden auch Allergiemedikamente (Antihistaminika) eingesetzt. Sie sollen den Juckreiz lindern. Aus Studien weiß man inzwischen aber, dass sie sich nicht zur Behandlung einer Neurodermitis eignen – weder als Tablette noch als Creme.

    Viele Menschen probieren pflanzliche Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel aus, wie Nachtkerzenöl, Gurkenkraut-Öl (Borretsch-Öl), Vitamin B6, Vitamin E und Zink. Auch solche Produkte haben sich in Studien nicht als wirksam erwiesen.

    Viele andere Behandlungen wie zum Beispiel Lasertherapien oder eine Hyposensibilisierung sind bislang nicht ausreichend in Studien untersucht. Von ärztlichen Fachgesellschaften werden sie daher nicht empfohlen.

    Leben und Alltag

    Oft wird unterschätzt, wie sehr Neurodermitis das Leben erschweren kann – auch von Ärztinnen und Ärzten. Mit den Herausforderungen im Alltag umzugehen und die richtige Behandlung für sich selbst zu finden, erfordert Geduld. Dennoch gelingt es vielen Menschen, die Neurodermitis gut in den Griff zu bekommen.

    Auch für ein Kind kann Neurodermitis eine große Belastung sein, und an manchen Tagen ist der Alltag für Kind und Eltern nur schwer zu meistern. Doch auf Phasen mit starken Beschwerden folgen meist auch wieder leichtere. Und die Chancen stehen gut, dass die Neurodermitis im Laufe des Heranwachsens ganz von selbst besser wird oder sogar völlig verschwindet.

    Eltern eines Kindes mit Neurodermitis können sich von Zeit zu Zeit überfordert und ratlos fühlen. Die Sorgen um das Kind, die Hautpflege, die vielen Arztbesuche und schlaflosen Nächte können eine große Belastung sein. Um Eltern, Kinder und Jugendliche zu unterstützen, wurden spezielle Neurodermitis-Schulungen entwickelt. Dort wird über Möglichkeiten zur Behandlung und zum Vermeiden von Reizstoffen informiert. Außerdem werden Tipps zum Umgang mit der Erkrankung im Alltag gegeben. Die Schulungen umfassen sechs wöchentliche Termine im Umfang von zwei Stunden und werden von vielen Krankenkassen bezahlt.

    Für viele Kinder und Eltern ist es auch bedrückend, wie andere Menschen auf die Krankheit reagieren. Manche sind mit dem Krankheitsbild nicht vertraut, sodass schnell Missverständnisse entstehen können: zum Beispiel, dass es sich um eine ansteckende Krankheit handelt oder dass sich die Eltern nicht richtig um ihr Kind kümmern. Einige Eltern meiden solche Situationen, indem sie zum Beispiel nicht mehr so viel mit dem Kind unternehmen. Manche empfinden es als hilfreicher, mögliche Missverständnisse und Vorurteile anzusprechen und anderen die Erkrankung und ihre Folgen zu erklären. Selbsthilfegruppen sind eine Möglichkeit, Erfahrungen mit anderen Eltern auszutauschen, denen es ähnlich geht.

    Weitere Informationen

    Für Menschen mit Neurodermitis gibt es in Deutschland zahlreiche Angebote zur Unterstützung. Dazu gehören Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Viele dieser Einrichtungen sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, passende Angebote zu finden und zu nutzen.

    Quellen

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    Evans I, Thornton H, Chalmers I, Glasziou P. Wo ist der Beweis? Plädoyer für eine evidenzbasierte Medizin. Hans Huber: Bern; 2013.

    Fegert JM, Probst M, Vierlböck S. Das an Neurodermitis erkrankte Kind in der Familie – Eine qualitative Untersuchung zu Auswirkungen und zur Bewältigung der Erkrankung. Prax Kinderpsychol Kinderpsychiatr 1999; 48(9): 677-693.

    Kim JP, Chao LX, Simpson EL, Silverberg JI. Persistence of atopic dermatitis (AD): A systematic review and meta-analysis. J Am Acad Dermatol 2016; 75(4): 681-687.

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    Thomas K, Charman C, Nankervis H, Ravenscroft J, Williams HC. Atopic Eczema. In: Williams HC (Ed). Evidence-Based Dermatology. Chichester: Wiley Blackwell; 2014. S. 136-168.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Was Studien sagen: Kann es bei Neurodermitis helfen, bestimmte Lebensmittel wegzulassen?

    Ob das ungezielte Weglassen von Nahrungsmitteln Neurodermitis-Beschwerden bei Kindern ohne nachgewiesene Lebensmittelallergie lindert, ist nicht belegt. Zu Auslassdiäten bei Erwachsenen mit Neurodermitis gibt es kaum gute Studien.

    Viele Menschen versuchen, Neurodermitis-Symptome zu lindern, indem sie auf bestimmte Lebensmittel verzichten. Dies nennt man Auslass- oder Eliminationsdiät. Lebensmittel, die oft mit Neurodermitis in Verbindung gebracht werden, sind Eier, Kuhmilch, Fisch und Erdnüsse. Zucker und glutenhaltige Lebensmittel spielen bei Neurodermitis dagegen keine Rolle. Manchmal werden dabei auch mehr als ein oder zwei Lebensmittel weggelassen. Auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten ist aber nur sinnvoll, wenn eine Allergie gegen diese Lebensmittel nachgewiesen wurde (gezielte Auslassdiät).

    Meistens fällt es zudem schwer, eine ungezielte Diät strikt einzuhalten. Für Kinder ist es oft besonders hart, wenn sie zum Beispiel auf Kuchen oder andere Leckereien verzichten sollen. Kleine Kinder können zudem kaum verstehen, was der Grund dafür ist, wenn andere Kinder etwas essen dürfen, das ihnen verboten ist. Bei einer Auslassdiät ist es außerdem wichtig, darauf zu achten, dass trotz der Diät noch ausreichend Nährstoffe, Mineralien und Vitamine aufgenommen werden.

    Es ist schwierig, herauszufinden, ob eine bestimmte Substanz Neurodermitis auslöst, da die Symptome ohnehin mal mehr und mal weniger stark ausgeprägt sind. Man kann also schnell den Eindruck bekommen, dass ein Lebensmittel einen Schub ausgelöst hat, obwohl sich die Beschwerden ohnehin verschlechtert hätten. Deshalb werden Neurodermitis-Schübe häufig irrtümlich mit bestimmten Lebensmitteln in Zusammenhang gebracht.

    Untersuchungen auf Lebensmittelallergien

    Um herauszufinden, ob jemand eine allergiebedingte Neurodermitis hat, können verschiedene Tests gemacht werden. In der Regel werden dazu ein Allergietest an der Haut (Prick-Test) und eine Blutuntersuchung auf IgE-Antikörper gemacht.

    Die Aussagekraft der Testergebnisse ist allerdings begrenzt. Bei einem unauffälligen Testergebnis ist ziemlich sicher, dass keine Allergie besteht. Ein auffälliges Testergebnis ist aber schwieriger zu interpretieren. Zwar zeigt es, dass der Körper sensibel auf das Lebensmittel reagiert. Ob es jedoch die Neurodermitis auslöst oder die Beschwerden verstärkt, lässt sich aus den Tests nicht ableiten. Außerdem reagieren viele Menschen bei solchen Tests auf bestimmte Stoffe. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie ihnen auch im Alltag Probleme bereiten.

    Weil Allergietests nur eine begrenzte Aussagekraft haben, empfiehlt die dermatologische Fachgesellschaft in Deutschland sie nur, wenn ein konkreter Allergieverdacht besteht. Außerdem sollten die Testergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden: Ein auffälliger Test allein ist noch kein Grund, auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten. Anders ist es, wenn mit einem sogenannten Provokationstest bestätigt wurde, dass die Haut tatsächlich auf ein bestimmtes Nahrungsmittel reagiert.

    Forschung zu Auslassdiäten bei Neurodermitis

    Um die Frage beantworten zu können, ob eine Auslassdiät bei Neurodermitis helfen kann oder nicht, werden gute wissenschaftliche Studien benötigt. In solchen Studien wird geprüft, was passiert, wenn Menschen mit Neurodermitis auf bestimmte Lebensmittel verzichten. Dazu werden Freiwillige nach dem Zufallsprinzip in zwei Teilnehmergruppen eingeteilt. Anschließend wird eine Gruppe gebeten, sich wie gewohnt zu ernähren und die andere Teilnehmergruppe, sich an eine bestimmte Diät zu halten.

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration haben neun geeignete Studien ausgewertet, die untersucht hatten, ob Auslassdiäten einen Einfluss auf Neurodermitis-Beschwerden haben. In sechs dieser Studien wurde eine ei- und milchfreie Diät getestet. Zwei Studien prüften die Wirkung einer auf wenige Nährstoffe reduzierten flüssigen Babynahrung ohne Allergene. Eine Studie prüfte eine Diät, die aus nur wenigen Lebensmitteln bestand. Nur in einer dieser Studien wurden die Teilnehmenden daraufhin untersucht, ob sie eine Lebensmittelallergie hatten.

    An den meisten Studien nahmen Säuglinge und Kinder teil, an einer Studie ausschließlich Erwachsene. Die Studien waren relativ klein, ihre Teilnehmerzahl lag zwischen 11 und 85. Außerdem hatten alle Studien Mängel: So hatten sich die Teilnehmenden einiger Studien nicht strikt an die strenge Diät gehalten. Nur zwei Untersuchungen beobachteten die Teilnehmenden länger als sechs Monate. In der Hälfte der Studien, die eine milchfreie Diät untersuchten, wurde Milchersatz auf Sojabasis verwendet. Dies könnte ihre Aussagekraft mindern, denn andere Forschung hat ergeben, dass Sojamilch selbst manchmal eine Allergie auslösen kann.

    Auslassdiäten helfen vermutlich nur bei nachgewiesener Lebensmittelallergie

    In 8 der 9 Studien zeigte sich kein eindeutiger Unterschied zwischen den Teilnehmergruppen, die eine spezielle Diät machten, und den Vergleichsgruppen. Allerdings wurden die meisten Teilnehmenden in diesen Studien nicht daraufhin untersucht, ob sie überhaupt eine Lebensmittelallergie hatten. Der generelle Verzicht auf bestimmte Lebensmittel, gegen die kein Allergieverdacht besteht, hilft also vermutlich nicht.

    Ein etwas anderes Bild zeigte eine Studie mit Säuglingen, bei denen vor Beginn der Studie durch einen Bluttest festgestellt worden war, dass sie allergisch auf Eier reagieren. In dieser Studie erhielt eine Gruppe der Babys über vier Wochen eine eifreie Kost, während die andere Gruppe normal gefüttert wurde. Dabei zeigte sich, dass die eifreie Kost den Ausschlag der Säuglinge verringern konnte. Allerdings umfasste die Studie nur 62 Babys.

    Quellen

    Bath-Hextall F, Delamere FM, Williams HC. Dietary exclusions for established atopic eczema. Cochrane Database Syst Rev 2008; (1): CD005203.

    Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG). Neurodermitis. S2k-Leitlinie. 03.2015 (AWMF-Leitlinien; Band 013 - 027).

    Sidbury R, Tom WL, Bergman JN, Cooper KD, Silverman RA, Berger TG et al. Guidelines of care for the management of atopic dermatitis: Section 4. Prevention of disease flares and use of adjunctive therapies and approaches. J Am Acad Dermatol 2014; 71(6): 1218-1233.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Was Studien sagen: Helfen Pro- oder Präbiotika, Kinder vor Neurodermitis zu schützen?

    Studien liefern schwache Hinweise darauf, dass probiotische Nahrungszusätze Kinder mit einem familiären Risiko für Neurodermitis davor schützen können, daran zu erkranken. Zu präbiotischen Nahrungsergänzungsmitteln gibt es bislang kaum Forschung.

    Viele Kinder entwickeln in den ersten Lebensjahren juckende Hautausschläge (Neurodermitis): Bis zu 15 % aller Kinder haben zeitweise damit zu tun. Meist entwickelt sich eine Neurodermitis in den ersten beiden Lebensjahren.

    Das Risiko für Neurodermitis ist überwiegend erblich bedingt. Viele Eltern fragen sich dennoch, ob sie etwas tun können, um zu verhindern, dass ihr Kind eine Neurodermitis bekommt. Manchmal wird ihnen geraten, in den letzten Schwangerschaftswochen und / oder während der Stillzeit pro- oder präbiotische Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Außerdem wird Säuglingsnahrung mit pro- oder präbiotischen Zusätzen angeboten.

    Wie wirken Pro- und Präbiotika?

    Probiotika enthalten lebende Keime wie etwa Milchsäurebakterien. Sie sollen die Darmflora günstig beeinflussen und so vor einer späteren Entwicklung allergischer Erkrankungen schützen. Präbiotika sind meist unverdauliche Kohlenhydrate wie zum Beispiel Oligosaccharide (bestimmte Mehrfachzucker), die die Bildung von gesundheitsförderlichen Bakterien im Verdauungssystem anregen. Pro- und präbiotische Mittel sind als Tabletten oder Getränk erhältlich und manchmal auch in Milchprodukten wie Joghurt enthalten.

    Eine internationale Wissenschaftlergruppe hat im Auftrag der Welt-Allergie-Organisation (WAO) Studien zur vorbeugenden Wirkung von Pro- und Präbiotika auf Allergien und Neurodermitis ausgewertet. Die WAO ist ein weltweiter Dachverband von fast 90 nationalen medizinischen Fachgesellschaften, die sich mit allergischen Erkrankungen beschäftigen.

    Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollten herausfinden, ob das Neurodermitis- oder Allergierisiko eines Kindes sinkt, wenn

    • eine Frau in der Schwangerschaft Pro- oder Präbiotika nimmt,
    • eine Frau während der Stillzeit Pro- oder Präbiotika nimmt und
    • das Kind nach der Geburt Säuglingsnahrung mit Pro- oder Präbiotika bekommt.

    Forschungsergebnisse zu Probiotika

    Die Wissenschaftlergruppe wertete insgesamt 29 Studien aus, die die Wirkung von Probiotika auf Neurodermitis und allergische Erkrankungen untersucht haben. Es war allerdings nicht möglich, die oben genannten Fragen getrennt zu beantworten, da die Probiotika in den meisten Studien in Kombination eingesetzt wurden: Das heißt, die Mütter nahmen sie entweder in der Schwangerschaft und in der Stillzeit, oder die Mütter und ihre Säuglinge bekamen Probiotika.

    Die Studien, in denen Probiotika wie beschrieben eingesetzt wurden, deuten darauf hin, dass sie vor Neurodermitis schützen können. Durch die Anwendung probiotischer Nahrungsergänzungsmittel erkrankten etwa 6 bis 14 von 100 Kindern weniger an Neurodermitis.

    Die Studien ließen allerdings einige Fragen offen: So wurden verschiedene Bakterienstämme einzeln oder in Kombination untersucht, unter anderem Lactobacillus rhamnosus und verschiedene Arten von Bifidobakterien. Die Daten reichten jedoch nicht aus, um sagen zu können, ob die Bakterienarten unterschiedlich wirken und wie sie am besten dosiert werden.

    Außerdem nahmen an den Studien vor allem schwangere Frauen, Mütter und Säuglinge mit einem familiären Risiko für eine allergische Erkrankung teil. Ob Probiotika auch bei niedrigem familiärem Allergierisiko schützen, ist kaum untersucht.

    Die Wissenschaftlergruppe bewertete auch mögliche Nebenwirkungen von Probiotika wie Übelkeit, Verstopfung, Durchfall und Ausschlag. Es zeigte sich kein erhöhtes Risiko für solche Nebenwirkungen. Allerdings waren die in den Studien berichteten Informationen zu Nebenwirkungen unvollständig.

    Empfehlungen der Welt-Allergie-Organisation zu Probiotika

    Auf Basis der Studiendaten hat die WAO Empfehlungen herausgebracht: Sie spricht sich bedingt für eine Probiotika-Einnahme von schwangeren Frauen im letzten Schwangerschaftsdrittel, stillenden Frauen und Säuglingen aus. Die Empfehlung gilt für die Vorbeugung bei Kindern mit einer familiären Veranlagung für Neurodermitis. Eine Veranlagung besteht, wenn mindestens ein Eltern- oder Geschwisterteil eine allergische Erkrankung wie Heuschnupfen, Neurodermitis, Asthma oder eine Lebensmittelallergie hat.

    Das Risiko für Nebenwirkungen von Probiotika ist laut WAO wahrscheinlich niedrig. Bei Frauen mit einem chronisch geschwächten Immunsystem könnte es aber höher sein, insbesondere für Infektionen, die durch die Probiotika-Bakterien ausgelöst werden könnten.

    Für Mütter ist es letztlich eine persönliche Entscheidung, ob sie Probiotika nehmen oder sie ihrem Baby geben. Dabei kann zum Beispiel die Frage eine Rolle spielen, ob der Aufwand und die Kosten der Mittel ihren möglichen Nutzen aufwiegen. Oft hängt die Entscheidung auch davon ab, ob eine Frau selbst Neurodermitis hatte und ob sie bereits erkrankte Kinder hat.

    Forschungsergebnisse zu Präbiotika

    Zu der Frage, ob präbiotische Nahrungsergänzungsmittel in der Schwangerschaft oder Stillzeit einen Nutzen haben, fand die Wissenschaftlergruppe keine aussagekräftigen Studien. Die Einnahme von Präbiotika in der Schwangerschaft oder Stillzeit wird daher nicht von der WAO empfohlen.

    Zum Einsatz von Präbiotika bei Säuglingen fanden die Wissenschaftler 18 Studien. Daran nahmen ausschließlich Säuglinge und Kleinkinder bis zum Alter von drei Jahren teil, die nicht gestillt wurden. An manchen Studien nahmen Kinder mit erhöhtem familiärem Allergierisiko teil, an anderen Studien Kinder ohne erhöhtes Risiko. Die Präbiotika waren in den meisten Studien als Zusatzstoff in der Säuglingsnahrung enthalten.

    In den Studien zeigte sich keine eindeutige Schutzwirkung vor Neurodermitis. Die Kinder, die Präbiotika bekamen, hatten lediglich ein geringeres Asthma-Risiko. Wegen methodischer Schwächen und kleiner Teilnehmerzahlen schätzte die Wissenschaftlergruppe die Aussagekraft der Studien jedoch als sehr niedrig ein. Für zuverlässige Aussagen zu den Vor- und Nachteilen von präbiotischer Säuglingsnahrung ist mehr Forschung nötig. Die WAO spricht daher nur eine sehr schwache Empfehlung für die Verwendung von Präbiotika bei Säuglingen aus, die nicht gestillt werden.

    Quellen

    Cuello-Garcia CA, Brożek JL, Fiocchi A, Pawankar R, Yepes-Nuñez JJ, Terracciano L et al. Probiotics for the prevention of allergy: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. J Allergy Clin Immunol 2015; 136(4): 952-961.

    Cuello-Garcia CA, Fiocchi A, Pawankar R, Yepes-Nuñez JJ, Morgano GP, Zhang Y et al. World Allergy Organization-McMaster University Guidelines for Allergic Disease Prevention (GLAD-P): Prebiotics. World Allergy Organ J 2016; 9: 10.

    Fiocchi A, Pawankar R, Cuello-Garcia C, Ahn K, Al-Hammadi S, Agarwal A et al. World Allergy Organization-McMaster University Guidelines for Allergic Disease Prevention (GLAD-P): Probiotics. World Allergy Organ J 2015; 8(1): 4.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Was Studien sagen: Beeinflusst die Ernährung in Schwangerschaft oder Stillzeit das Neurodermitis-Risiko des Kindes?

    Es gibt keine Hinweise, dass der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel der Mutter in Schwangerschaft oder Stillzeit das Risiko für Neurodermitis beim Kind beeinflusst. Deshalb gibt es keinen Grund, vorsorglich auf Nahrungsmittel wie Eier oder Kuhmilch zu verzichten.

    Ob ein Kind Neurodermitis bekommt, ist zum größten Teil erblich bedingt. Man geht aber davon aus, dass auch andere Faktoren dazu beitragen. Denn allein durch Vererbung lässt sich nur schwer erklären, dass Neurodermitis in den letzten Jahrzehnten häufiger geworden ist.

    Manche Mütter fragen sich, ob sie ihr Kind vor Neurodermitis schützen können, wenn sie während der Schwangerschaft und Stillzeit auf bestimmte Nahrungsmittel verzichten. Denn allergieauslösende Stoffe (Antigene) können über die Nabelschnur und später über die Muttermilch in den Körper des Kindes gelangen. Allerdings bleiben solche Antigene offenbar nur für kurze Zeit im Kreislauf des Kindes.

    Um herauszufinden, ob die Ernährung schwangerer oder stillender Frauen das Neurodermitis-Risiko ihrer Kinder beeinflusst, werden vergleichende Studien benötigt. Wenn manche Studienteilnehmerinnen auf möglicherweise Neurodermitis auslösende Lebensmittel verzichten und andere nicht, lässt sich überprüfen, ob Kinder von den Müttern, die verzichtet haben, seltener an Neurodermitis erkranken.

    Studien zum Verzicht auf Lebensmittel

    Eine Wissenschaftlergruppe der Cochrane Collaboration hat zu dieser Frage Studien analysiert. Sie werteten fünf geeignete Studien mit insgesamt etwa 950 Teilnehmerinnen aus. An zwei Studien nahmen Frauen im letzten Schwangerschaftsdrittel teil, an drei Studien stillende Mütter. Alle teilnehmenden Frauen und Kinder hatten ein erhöhtes familiäres Risiko für Neurodermitis oder für eine allergische Erkrankung. In einer der beiden Studien mit stillenden Müttern waren die Säuglinge bereits an Neurodermitis erkrankt.

    Die Ernährungsvorgaben in den Studien beinhalteten einen Verzicht oder nur sehr geringen Konsum von Kuhmilch und Eiern. In den Studien, an denen stillende Mütter teilnahmen, wurden auch andere Lebensmittel wie etwa Nüsse und Fisch weggelassen.

    Studienergebnisse und Empfehlungen

    Die beiden Studien mit schwangeren Frauen zeigten keinen Einfluss der Ernährung auf das spätere Neurodermitis-Risiko ihrer Babys. Die Kinder wurden bis zum 18. Lebensmonat nachuntersucht. Auch der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel während der Stillzeit beeinflusste das Neurodermitis-Risiko oder die Beschwerden nicht.

    Diese Ergebnisse sind allerdings nicht verlässlich genug, da es sich insgesamt nur um fünf Studien mit teilweise nur wenigen Teilnehmerinnen handelte. Für sichere Aussagen zur Frage, ob sich das Neurodermitis-Risiko des Kindes durch das Vermeiden bestimmter Lebensmittel verringern lässt, sind mehr und bessere Studien nötig.

    Auf Basis der bisherigen Forschungsergebnisse sehen die wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland keinen Grund, die Ernährung in der Schwangerschaft oder Stillzeit einzuschränken. Sie empfehlen schwangeren und stillenden Frauen eine ausgewogene Ernährung, die ihren Bedarf an Nährstoffen ausreichend deckt.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V. (DGAKI) und Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ). Allergieprävention. S3-Leitlinie. 07.2014 (AWMF-Leitlinien; Band 061 - 016).

    Kramer MS, Kakuma R. Maternal dietary antigen avoidance during pregnancy or lactation, or both, for preventing or treating atopic disease in the child. Cochrane Database Syst Rev 2012; (9): CD000133.

    Sidbury R, Tom WL, Bergman JN, Cooper KD, Silverman RA, Berger TG et al. Guidelines of care for the management of atopic dermatitis: Section 4. Prevention of disease flares and use of adjunctive therapies and approaches. J Am Acad Dermatol 2014; 71(6): 1218-1233.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Hautpflege bei Neurodermitis

    Bei einer Neurodermitis trocknet die Haut aus und wird rissig. Das begünstigt Juckreiz und beeinträchtigt die Schutzfunktion der Haut. Die grundlegende Behandlung einer Neurodermitis ist deshalb eine tägliche Hautpflege.

    Bei einer Neurodermitis ist es sehr wichtig, die Haut vor dem Austrocknen zu bewahren. Dies hilft gegen Juckreiz, schützt vor Entzündungen und beugt einer Verdickung der Haut vor. Studien weisen außerdem darauf hin, dass eine gute Hautpflege den Bedarf an Kortisonpräparaten senken kann.

    Eine leichte Neurodermitis äußert sich vor allem durch trockene Haut. Sie gut zu pflegen, reicht häufig schon aus. Akute Hautausschläge werden zusätzlich mit entzündungshemmenden Salben behandelt, die zum Beispiel Kortison enthalten.

    Da es sich bei rückfettenden und feuchtigkeitsbindenden Mitteln (Emollentien) meist nicht um Arzneimittel handelt, können Ärztinnen und Ärzte sie in der Regel nicht zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnen. Das heißt, sie müssen selbst bezahlt werden – mit wenigen Ausnahmen: Bestimmte Präparate, die es nur in der Apotheke gibt, können für Kinder bis zum 12. Geburtstag ärztlich verordnet werden.

    Bei einer Neurodermitis trocknet die Haut aus und wird rissig. Das begünstigt Juckreiz und beeinträchtigt die Schutzfunktion der Haut. Die grundlegende Behandlung einer Neurodermitis ist deshalb eine tägliche Hautpflege.

    Bei einer Neurodermitis ist es sehr wichtig, die Haut vor dem Austrocknen zu bewahren. Dies hilft gegen Juckreiz, schützt vor Entzündungen und beugt einer Verdickung der Haut vor. Studien weisen außerdem darauf hin, dass eine gute Hautpflege den Bedarf an Kortisonpräparaten senken kann.

    Eine leichte Neurodermitis äußert sich vor allem durch trockene Haut. Sie gut zu pflegen, reicht häufig schon aus. Akute Hautausschläge werden zusätzlich mit entzündungshemmenden Salben behandelt, die zum Beispiel Kortison enthalten.

    Da es sich bei rückfettenden und feuchtigkeitsbindenden Mitteln (Emollentien) meist nicht um Arzneimittel handelt, können Ärztinnen und Ärzte sie in der Regel nicht zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnen. Das heißt, sie müssen selbst bezahlt werden – mit wenigen Ausnahmen: Bestimmte Präparate, die es nur in der Apotheke gibt, können für Kinder bis zum 12. Geburtstag ärztlich verordnet werden.

    Wie unterscheiden sich Salben, Cremes und Lotionen?

    Emollentien bestehen hauptsächlich aus Fetten und Wasser. Wie dickflüssig ein Produkt ist, hängt davon ab, wie viel Fett es im Verhältnis zu anderen Inhaltsstoffen enthält und welche Fette verwendet werden:

    • Salben: Salben bilden einen dicken Schutzfilm und verhindern dadurch, dass sie austrocknet.
    • Cremes: Cremes enthalten mehr Wasser als Salben. Sie haben eine weniger feste Konsistenz und lassen sich deshalb leichter und angenehmer auftragen.
    • Lotionen: Lotionen enthalten von allen Pflegeprodukten am meisten Wasser. Dies verdunstet leicht, was einen kühlenden und eher austrocknenden Effekt hat.

    Manche Produkte enthalten zusätzlich wasserbindende Substanzen wie Harnstoff (Urea). Vor allem bei Kindern und Säuglingen können harnstoffhaltige Mittel die Haut reizen und leichtes Brennen auslösen.

    Wie werden Pflegemittel angewendet?

    Je höher der Fettanteil eines Pflegeprodukts ist, desto besser schützt es die Haut vor dem Austrocknen. Bei Neurodermitis wird deshalb oft zu einem fetthaltigen Mittel geraten. Salben haben aber den Nachteil, dass sie sich schlechter auftragen lassen, was die Haut wiederum reizen kann. Außerdem sind sie im Alltag weniger praktisch, weil sie nicht so schnell einziehen. Das Auftragen von flüssigeren Cremes ist angenehmer und einfacher. Lotionen eignen sich wegen ihres sehr hohen Wasseranteils bei sehr trockener Haut weniger gut. Wegen ihrer kühlenden und austrocknenden Wirkung werden sie vor allem bei nässender Haut eingesetzt.

    Manche Menschen wählen die Mittel nach ihrem aktuellen Hautzustand und äußeren Einflüssen wie trockener oder feuchter Luft, Hitze oder Kälte aus: Zum Beispiel benutzen sie im Winter ein fetthaltigeres Produkt als im Sommer. Die Wahl der geeigneten Pflegeprodukte ist aber auch eine Frage der persönlichen Vorlieben. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass bestimmte Präparate besser sind als andere.

    Wichtig ist: Viele Produkte enthalten Stoffe, auf die manche Menschen allergisch reagieren (Kontaktallergene). Es ist daher sinnvoll, bei der Wahl eines Mittels auf die Inhaltsstoffe zu schauen, um bekannte Reizstoffe zu meiden. Spezielle, zum Beispiel parfümfreie Produkte sind allerdings oft teurer. Hier hilft nur ausprobieren: Wer auch mit preisgünstigen Mitteln zurechtkommt, kann sie guten Gewissens benutzen.

    Fachleute empfehlen, Emollentien zwei- bis dreimal am Tag anzuwenden und dabei darauf zu achten, eine ausreichende Menge auf die Haut aufzutragen.

    Baden oder Duschen: Was ist besser für die Haut?

    Beim Baden gelangt viel Feuchtigkeit in die Haut, außerdem werden dabei Hautschuppen und Reizstoffe an der Hautoberfläche gelöst und weggeschwemmt. Baden gilt deshalb bei Neurodermitis grundsätzlich als günstig. Es gibt jedoch keine Studien, die untersucht haben, ob Kinder und Erwachsene mit Neurodermitis besser baden oder duschen.

    Sowohl beim Duschen als auch beim Baden wird empfohlen, warmes, aber nicht zu heißes Wasser zu verwenden und die Dauer auf 5 bis 10 Minuten zu beschränken. Zu heißes Wasser kann Juckreiz begünstigen und die Haut reizen. Das wichtigste ist, die Haut im Anschluss an das Bad oder die Dusche einzucremen oder einzuölen, damit die aufgenommene Feuchtigkeit nicht wieder verdunstet.

    Oft wird empfohlen, Reinigungsprodukte zu verwenden, die einen niedrigen pH-Wert haben und keine Reiz- oder Duftstoffe enthalten. Seifenhaltige Produkte mit einem hohen pH-Wert können die Haut reizen und austrocknen. Allerdings gibt es zum Vergleich verschiedener Reinigungsprodukte bislang ebenfalls keine aussagekräftige Forschung.

    Für Menschen mit Neurodermitis werden auch spezielle Badezusätze verkauft. Sie enthalten Öle oder andere Substanzen, die die Haut schützen und geschmeidig halten sollen. Es ist aber nicht nachgewiesen, dass solche Produkte einen Nutzen haben, wenn die Haut nach dem Baden ohnehin mit Emollentien eingecremt wird. Dermatologische Fachgesellschaften empfehlen diese Badezusätze daher nicht routinemäßig. Dies gilt auch für Produkte, die das Wasser weicher machen sollen.

    Wenn die Haut akut entzündet ist, trägt man am besten direkt im Anschluss an das Bad oder die Dusche eine entzündungshemmende Creme auf (zum Beispiel mit Kortison). Die betroffenen Hautstellen sollten dann nicht oder nur vorsichtig mit einem Handtuch getrocknet werden, um sie nicht zusätzlich zu reizen.

    Können feuchte Umschläge helfen?

    Feuchte Umschläge werden vor allem bei Kindern und Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis eingesetzt. Dazu schneidet man zunächst zwei Stücke Wundverband in der richtigen Größe zu. Anschließend wird eine fettreiche Creme auf die Haut aufgetragen. Dann wird ein Verband mit lauwarmem Wasser angefeuchtet (überschüssiges Wasser auswringen) und auf die betroffene Hautstelle gelegt. Der zweite, trockene Verband wird auf den feuchten gelegt oder darum gewickelt.

    Die Umschläge lindern den Juckreiz, indem sie die Haut feucht halten und kühlen. Außerdem schützen sie die Haut vor Schäden durch Kratzen. Es gibt keine zuverlässigen Studien, die die Vor- und Nachteile von feuchten Umschlägen untersucht haben. Viele Menschen empfinden sie aber als angenehm und machen die Erfahrung, dass sie damit zum Beispiel besser schlafen können.

    Hilft spezielle Kleidung?

    Raue Textilien wie Wolle oder grobes Leinen können die Haut reizen. Fein gewebte Bekleidung aus Baumwolle oder Seide ist bei empfindlicher Haut deshalb meist die bessere Wahl. Außerdem ist locker sitzende Kleidung oft angenehmer zu tragen als eng anliegende.

    Es werden auch spezielle Stoffe aus Seide sowie Kleidung mit einer Silberbeschichtung verkauft, die die Vermehrung von Bakterien auf der Haut hemmen sollen. Bisherige Studien zeigen jedoch nicht, dass diese Produkte bei Neurodermitis helfen. Daher werden sie bislang auch nicht von dermatologischen Fachgesellschaften empfohlen.

    Quellen

    Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG). Neurodermitis. S2k-Leitlinie. 03.2015 (AWMF-Leitlinien; Band 013 - 027).

    Eichenfield LF, Tom WL, Berger TG, Krol A, Paller AS, Schwarzenberger K et al. Guidelines of care for the management of atopic dermatitis: section 2. Management and treatment of atopic dermatitis with topical therapies. J Am Acad Dermatol 2014; 71(1): 116-132.

    Nankervis H, Thomas KS, Delamere FM, Barbarot S, Rogers NK, Williams HC. Scoping systematic review of treatments for eczema. Southampton (UK): NIHR, 05.2016.

    Schmitt J, Apfelbacher CJ, Flohr C. Eczema. Clin Evid 2011.

    Sidbury R, Tom WL, Bergman JN, Cooper KD, Silverman RA, Berger TG et al. Guidelines of care for the management of atopic dermatitis: Section 4. Prevention of disease flares and use of adjunctive therapies and approaches. J Am Acad Dermatol 2014; 71(6): 1218-1233.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Kortison und andere Medikamente zum Auftragen

    Viele Menschen sind misstrauisch gegenüber Kortisonpräparaten. Bei sachgemäßer Anwendung kommt es aber nur selten zu Nebenwirkungen. Kortisonsalben werden zudem nicht dauerhaft, sondern nur zur Behandlung von Krankheitsschüben angewendet. Bei häufigen Schüben besteht die Möglichkeit einer vorbeugenden Intervalltherapie.

    Bei leichter Neurodermitis kann eine gute Basispflege ausreichen, um die Erkrankung in den Griff zu bekommen. Wenn die Haut entzündet ist und juckt, wird der Ausschlag zusätzlich mit Kortisonsalben oder -cremes behandelt. Kortison kann das Jucken und die Entzündung wirksam lindern. Es wird aufgetragen, bis die Beschwerden abgeklungen sind. Wenn es Gründe gegen die Verwendung von kortisonhaltigen Mitteln gibt, kommen die Medikamente Pimecrolimus oder Tacrolimus zur Behandlung infrage (sogenannte Calcineurin-Antagonisten). Sie werden zum Beispiel eingesetzt, wenn empfindliche Stellen wie das Gesicht oder die Genitalien betroffen sind.

    Viele Menschen sind misstrauisch gegenüber Kortisonpräparaten. Bei sachgemäßer Anwendung kommt es aber nur selten zu Nebenwirkungen. Kortisonsalben werden zudem nicht dauerhaft, sondern nur zur Behandlung von Krankheitsschüben angewendet. Bei häufigen Schüben besteht die Möglichkeit einer vorbeugenden Intervalltherapie.

    Bei leichter Neurodermitis kann eine gute Basispflege ausreichen, um die Erkrankung in den Griff zu bekommen. Wenn die Haut entzündet ist und juckt, wird der Ausschlag zusätzlich mit Kortisonsalben oder -cremes behandelt. Kortison kann das Jucken und die Entzündung wirksam lindern. Es wird aufgetragen, bis die Beschwerden abgeklungen sind. Wenn es Gründe gegen die Verwendung von kortisonhaltigen Mitteln gibt, kommen die Medikamente Pimecrolimus oder Tacrolimus zur Behandlung infrage (sogenannte Calcineurin-Antagonisten). Sie werden zum Beispiel eingesetzt, wenn empfindliche Stellen wie das Gesicht oder die Genitalien betroffen sind.

    Wie unterscheiden sich Kortisonpräparate?

    Es gibt über 30 verschiedene Kortisonpräparate zur örtlichen Behandlung. Die Wirkstoffe unterscheiden sich deutlich in ihrer Stärke und werden grob in vier Klassen unterteilt:

    • schwache Kortikosteroide, zum Beispiel Hydrokortison und Prednisolon
    • mittelstarke Kortikosteroide, etwa Prednicarbat, Methylprednisolon und Triamcinolon
    • starke Kortikosteroide, wie Betamethason und Mometason
    • sehr starke Kortikosteroide wie Clobetasol

    Wie stark ein Kortisonpräparat wirkt, hängt außer vom enthaltenen Wirkstoff noch von verschiedenen anderen Faktoren ab:

    • der Dosierung des Präparats
    • der Hautstelle, auf die es aufgetragen wird: Dünnere Haut nimmt mehr Kortison auf als dickere Haut. So dringt an den Handflächen und Fußsohlen relativ wenig Kortison in die Haut ein, während die Gesichts- und Kopfhaut deutlich mehr Wirkstoff aufnimmt. Besonders empfindlich ist die Haut an den Geschlechtsorganen und Augenlidern.
    • der Trägersubstanz: Kortison wirkt in Salben stärker als in Cremes oder Lotionen, da es dann von der Haut besser aufgenommen werden kann.
    • der Anwendung: Wenn ein Kortisonpräparat auf feuchte Haut aufgetragen wird, zum Beispiel nach dem Baden, wirkt es besser als auf trockener Haut. Die Wirkung verstärkt sich besonders, wenn das Kortison mit einem Verband oder feuchten Umschlag abgedeckt wird. Die Haut nimmt dann ein Vielfaches an Kortison auf.

    Kortisonpräparate sind rezeptpflichtig. Eine Ausnahme ist schwach dosiertes Hydrokortison. Salben oder Cremes mit diesem Wirkstoff sind auch ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Welches Präparat wie angewendet wird, bespricht man am besten gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt.

    Welches Kortisonpräparat ist geeignet?

    Welches Mittel eingesetzt wird, hängt vom Alter eines Menschen, der Stärke der Neurodermitis und der betroffenen Körperregion ab. Meistens lässt sich Neurodermitis mit schwachen oder mittelstarken Kortisonpräparaten gut behandeln. Allgemein gilt:

    • Für empfindliche, dünne Haut wie im Gesicht und in den Gelenkbeugen, zum Beispiel in den Kniekehlen, an den Innenseiten der Ellbogen, in den Leisten und unter den Achseln, eignen sich vor allem schwache bis mittelstarke Präparate.
    • Starke und sehr starke Kortikosteroide kommen zur Behandlung von ausgeprägten Ekzemen an Händen und Füßen oder zur Behandlung stark verdickter Hautstellen infrage.
    • Bei großflächigen Ausschlägen sollten starke und sehr starke Mittel dagegen vermieden werden.
    • Sehr empfindliche Stellen wie der Hals oder die Geschlechtsorgane sollten nur mit schwachen Präparaten behandelt werden.

    Möglich ist auch, zwischen Präparaten verschiedener Stärke zu wechseln. So bevorzugen es manche Ärztinnen und Ärzte, die Behandlung mit einem stärkeren Mittel zu beginnen, um den Schub möglichst schnell in den Griff zu bekommen und dann nach wenigen Tagen auf ein schwächeres Mittel zu wechseln. Andere fangen lieber mit einem schwachen Mittel an und wechseln erst auf ein stärkeres, wenn das erste Mittel nicht ausreichend wirkt. Am besten man bespricht die Strategie, die man selbst bevorzugt, gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt.

    Wie wird Kortison angewendet?

    Kortisonsalbe oder -creme wird ein- oder zweimal täglich auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Viele Menschen machen dies morgens und / oder abends. Die Haut wird solange behandelt, bis die Entzündung abgeheilt ist. Wie lange dies dauert, lässt sich nicht genau vorhersagen. Die Behandlung kann zwischen einigen Tagen und sechs Wochen dauern. Dies hängt von der Stärke des Präparats und den betroffenen Hautstellen ab. Auf empfindliche Körperbereiche sollte Kortison in der Regel nicht länger als einige Tage aufgetragen werden.

    Wichtig ist, die Haut auch während der Kortisonbehandlung weiter mit feuchtigkeitsspendenden Mitteln zu pflegen. Zwischen dem Auftragen des Kortisonpräparats und des Pflegeprodukts wird eine Pause von etwa 15 Minuten empfohlen, damit das Kortison richtig wirken kann. In welcher Reihenfolge die Mittel aufgetragen werden, spielt nach aktuellem Wissen keine Rolle.

    Bei starker Neurodermitis kann die Haut erst mit Kortison behandelt und dann mit einem feuchten Umschlag abgedeckt werden, um die Wirkung zu verstärken. Die Vor- und Nachteile dieser Anwendung sind allerdings nicht gut untersucht. Einige Studien zeigen, dass sie ein höheres Risiko für Nebenwirkungen birgt. So kann es zu Entzündungen der Haarwurzeln und Hautinfektionen kommen. Bei dieser Art der Anwendung können außerdem größere Mengen Kortison in den Kreislauf gelangen. Daher ist es wichtig, vorher mit einer Ärztin oder einem Arzt zu besprechen, ob dieses Vorgehen infrage kommt.

    Die richtige Menge

    Wie viel Kortisonsalbe oder -creme eingesetzt werden soll, hängt von der Größe der betroffenen Hautfläche ab. Zur Orientierung wird die sogenannte Fingerspitzeneinheit (FTU) verwendet. Sie entspricht der Menge Salbe, die mit der Tube auf das letzte Fingerglied eines Erwachsenen gedrückt wird (s. Grafik) – oder etwa 0,5 Gramm. 

    Grafik: 1 Fingerspitzeneinheit (FTU) - wie im Text beschrieben 1 Fingerspitzeneinheit (FTU)

     

    Je nach Hautpartie wird das Auftragen folgender Mengen (FTU) empfohlen:

     Grafik: Empfohlene Salbenmenge für Kinder nach Alter und Körperfläche

     

    Grafik: Empfohlene Salbenmenge für Erwachsene nach Körperfläche

    Nebenwirkungen vermeiden

    Viele Menschen sind misstrauisch gegenüber Kortisonpräparaten, weil sie viel Negatives über Nebenwirkungen gehört haben. Tatsächlich hatten früher viele Menschen, die mit Kortison behandelt wurden, mit Nebenwirkungen zu tun. Der Grund dafür ist, dass Kortisonpräparate oft zu lange, zu häufig und in zu hoher Stärke eingesetzt wurden.

    Die größte Sorge der meisten Betroffenen oder Eltern von Kindern mit Neurodermitis ist, dass die Haut durch das Kortison dünner werden könnte. Vergleichende Studien liefern aber keine Hinweise darauf, dass die Haut dauerhaft dünner wird, wenn man Kortisonpräparate nur zur Behandlung von Schüben und mit Bedacht einsetzt. Auch bei einer kurzzeitigen Anwendung kann die Haut dünner werden, sie erholt sich dann aber wieder.

    Andere mögliche Nebenwirkungen sind leichte Pigmentstörungen der Haut (weiße Flecken) und die vorübergehende Bildung von Pickelchen. Es können auch sogenannte Teleangiektasien entstehen. Dies ist die medizinische Bezeichnung für kleine erweiterte Äderchen, die auf der Haut spinnennetzartig sichtbar werden. Außerdem kann eine Kortisonbehandlung Hautinfektionen begünstigen, da das Kortison die Abwehrfunktion der Haut hemmt.

    Um Nebenwirkungen so weit wie möglich zu vermeiden, ist es wichtig, ein Präparat zu wählen, das dem Schweregrad der Neurodermitis angepasst ist und sich für die betroffene Hautstelle eignet. Bei längerer Anwendungsdauer sollte ein Mittel verwendet werden, das so stark wie nötig und so schwach wie möglich ist. Oft reicht es auch, das Mittel nur einmal täglich dünn aufzutragen. Nach dem aktuellen Forschungsstand sind zumindest stärkere Kortisonpräparate nicht wirksamer, wenn man sie zweimal täglich anwendet.

    Wichtig ist zudem, die Haut während eines Schubs lange genug mit Kortison zu behandeln: Nämlich bis sie nicht mehr juckt und die Entzündung abgeheilt ist. Wenn die Behandlung zu früh beendet wird, kann der Ausschlag zurückkommen, was dazu führen kann, dass man am Ende mehr Kortison anwendet, als wenn man gleich ausreichend lange behandelt hätte.

    Manche Menschen haben Angst vor schweren Nebenwirkungen, die den gesamten Körper betreffen. Wenn Kortison als Salbe oder Creme auf die Haut aufgetragen wird, gelangt aber viel weniger Wirkstoff in den Körper als wenn Kortison als Tablette eingenommen wird. Bei richtiger Anwendung ist das Risiko für schwere Nebenwirkungen daher sehr gering.

    Ist Kortison in der Schwangerschaft sicher?

    Eine Wissenschaftlergruppe hat Studien zur Sicherheit von Kortisoncremes und -salben in der Schwangerschaft untersucht. Sie wertete die Daten von mehr als einer Million Frauen und ihrer Babys aus und fand keinen Zusammenhang zwischen der Anwendung von schwachen oder mittelstarken Kortisonpräparaten und Schwangerschaftskomplikationen. Untersucht wurden unter anderem angeborene Fehlbildungen, das Geburtsgewicht und der Geburtszeitpunkt der Kinder. Wenn starke bis sehr starke Kortisonpräparate verwendet wurden, gab es Hinweise auf ein geringeres Geburtsgewicht – vor allem, wenn größere Mengen eingesetzt wurden. Ein Zusammenhang mit anderen Komplikationen wurde aber nicht gefunden.

    Schüben vorbeugen

    Bei Menschen mit mittelschwerer oder schwerer Neurodermitis, die regelmäßig Krankheitsschübe haben, kann eine sogenannte Intervalltherapie helfen, auch proaktive Therapie genannt. Dabei wird zusätzlich zur Basis-Hautpflege an zwei Tagen in der Woche eine Kortisonsalbe auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Die Häufigkeit von Schüben lässt sich dadurch deutlich verringern. Die Kortisonsalbe kann entweder an zwei aufeinanderfolgenden Tagen oder mit einer Pause angewendet werden, etwa montags und donnerstags.

    Eine Neurodermitis kann sich mit der Zeit bessern. Daher ist es sinnvoll, eine Intervalltherapie nach einer Weile zu unterbrechen, um herauszufinden, ob sie überhaupt noch nötig ist.

    Pimecrolimus und Tacrolimus

    Zur Behandlung von Neurodermitis sind noch zwei weitere Medikamente zugelassen: Pimecrolimus (Handelsname Elidel) und Tacrolimus (Handelsname Protopic). Dabei handelt es sich um Medikamente aus der Gruppe der sogenannten Calcineurin-Antagonisten. Sie werden auch als Immunmodulatoren bezeichnet und hemmen bestimmte Substanzen, die bei Entzündungsprozessen eine Rolle spielen.

    Pimecrolimus und Tacrolimus werden zweimal täglich dünn auf die entzündeten Hautstellen aufgetragen. Pimecrolimus ist als 1 %-Creme zugelassen. Tacrolimus gibt es in zwei Dosierungen: als 0,03 %-Salbe und als 0,1 %-Salbe.

    Wann kommen Pimecrolimus oder Tacrolimus infrage?

    Pimecrolimus ist zur Behandlung leichter bis mittelschwerer Neurodermitis zugelassen, Tacrolimus zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis. Ihre Anwendung ist auf bestimmte Situationen beschränkt. Die Mittel können zum Beispiel verschrieben werden:

    • wenn Kortison die Beschwerden nicht ausreichend lindern kann.
    • zur Behandlung besonders empfindlicher Stellen wie dem Genitalbereich oder dem Gesicht, insbesondere an den Augenlidern.
    • wenn Kortison nicht vertragen wird.

    Die Zulassung für Pimecrolimus und Tacrolimus 0,03 % gilt für Kinder ab zwei Jahren sowie für Jugendliche und Erwachsene. Tacrolimus 0,1 % darf erst ab einem Alter von 16 Jahren verordnet werden.

    Wenn die Behandlung erfolgreich war, können Calcineurin-Antagonisten auch als proaktive Behandlung zur Vorbeugung weiterer Schübe eingesetzt werden. Das Mittel wird dann an zwei Tagen pro Woche jeweils einmal auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Zwischen den beiden Anwendungen sollen ein paar Tage Pause liegen. Pimecrolimus oder Tacrolimus könnte also zum Beispiel einmal am Montag und einmal am Donnerstag aufgetragen werden.

    Wie wirksam sind Pimecrolimus und Tacrolimus und welche Nebenwirkungen können auftreten?

    In Studien zeigte sich, dass Pimecrolimus und Tacrolimus Neurodermitis-Schübe lindern können. Sie sind aber nicht wirksamer als Kortisonpräparate in vergleichbarer Stärke. Beide Mittel können ebenfalls Nebenwirkungen haben. Vor allem in den ersten Tagen der Behandlung kann es zu Reizungen der Haut wie Brennen, Rötungen und Juckreiz kommen.

    Wenn die Haut infiziert ist, sollte die Anwendung von Pimecrolimus und Tacrolimus nicht fortgesetzt werden.

    Quellen

    Ashcroft DM, Chen LC, Garside R, Stein K, Williams HC. Topical pimecrolimus for eczema. Cochrane Database Syst Rev 2007; (4): CD005500.

    Chi CC, Wang SH, Wojnarowska F, Kirtschig G, Davies E, Bennett C. Safety of topical corticosteroids in pregnancy. Cochrane Database Syst Rev 2015; (10): CD007346.

    Cury Martins J, Martins C, Aoki V, Gois AF, Ishii HA, da Silva EM. Topical tacrolimus for atopic dermatitis. Cochrane Database Syst Rev 2015; (7): CD009864.

    Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG). Neurodermitis. S2k-Leitlinie. 03.2015 (AWMF-Leitlinien; Band 013 - 027).

    Eichenfield LF, Tom WL, Berger TG, Krol A, Paller AS, Schwarzenberger K et al. Guidelines of care for the management of atopic dermatitis: section 2. Management and treatment of atopic dermatitis with topical therapies. J Am Acad Dermatol 2014; 71(1): 116-132.

    Green C, Colquitt JL, Kirby J, Davidson P, Payne E. Clinical and cost-effectiveness of once-daily versus more frequent use of same potency topical corticosteroids for atopic eczema: a systematic review and economic evaluation. Health Technol Assess 2004; 8(47): 1-120.

    National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Atopic eczema in under 12s: diagnosis and management. 12.2007. (NICE Guidelines; Band 57).

    Schmitt J, Apfelbacher CJ, Flohr C. Eczema. Clin Evid 2011.

    Schmitt J, von Kobyletzki L, Svensson A, Apfelbacher C. Efficacy and tolerability of proactive treatment with topical corticosteroids and calcineurin inhibitors for atopic eczema: systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Br J Dermatol 2011; 164(2): 415-428.

    Thomas K, Charman C, Nankervis H, Ravenscroft J, Williams HC. Atopic Eczema. In: Williams HC (Ed). Evidence-Based Dermatology. Chichester: Wiley Blackwell; 2014. S. 136-168.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Lichttherapie und Medikamente zum Einnehmen

    Meist lässt sich Neurodermitis durch eine gute Hautpflege, entzündungshemmende Salben oder Cremes und das Vermeiden von Reizfaktoren gut in den Griff bekommen. Wenn dies nicht ausreicht, kommt eine Lichttherapie mit UV-Strahlen oder die Behandlung mit Tabletten infrage.

    Manche Menschen haben so starke Neurodermitis-Schübe, dass eine Behandlung mit entzündungshemmenden Mitteln zum Auftragen nicht genügt, um die Beschwerden in den Griff zu bekommen. In solchen akuten Phasen kommt zusätzlich eine Behandlung mit UV-Licht infrage. Verschafft auch sie keine ausreichende Linderung, sind Tabletten, die das Immunsystem hemmen, eine weitere Behandlungsmöglichkeit.

    Meist lässt sich Neurodermitis durch eine gute Hautpflege, entzündungshemmende Salben oder Cremes und das Vermeiden von Reizfaktoren gut in den Griff bekommen. Wenn dies nicht ausreicht, kommt eine Lichttherapie mit UV-Strahlen oder die Behandlung mit Tabletten infrage.

    Manche Menschen haben so starke Neurodermitis-Schübe, dass eine Behandlung mit entzündungshemmenden Mitteln zum Auftragen nicht genügt, um die Beschwerden in den Griff zu bekommen. In solchen akuten Phasen kommt zusätzlich eine Behandlung mit UV-Licht infrage. Verschafft auch sie keine ausreichende Linderung, sind Tabletten, die das Immunsystem hemmen, eine weitere Behandlungsmöglichkeit.

    Lichttherapie

    Bei einer Lichttherapie werden die betroffenen Hautstellen mit ultraviolettem Licht (UV-Licht) bestrahlt. Das UV-Licht hemmt die Entzündungsreaktionen in der Haut und beeinflusst auch die Zellteilung. Zur Behandlung werden spezielle Kabinen mit Leuchtstoffröhren verwendet, die Licht mit einer bestimmten Wellenlänge aussenden. Außerdem gibt es sogenannte Teilbestrahlungsgeräte zur Behandlung einzelner Körperteile wie dem Kopf, den Händen oder Füßen. Sonnenbänke zur Bräunung sind dazu nicht geeignet.

    Üblicherweise wird die Haut zwei- bis sechsmal pro Woche in einer spezialisierten hautärztlichen Praxis oder im Krankenhaus bestrahlt. Die Behandlungsdauer reicht von vier Wochen bis zu drei Monaten. Damit sich die Haut allmählich an die Strahlung gewöhnen kann, wird die Strahlendosis dem individuellen Hauttyp angepasst und nach und nach erhöht. Die Sitzungen dauern anfangs in der Regel weniger als eine Minute, und zum Ende der Behandlung bis hin zu mehreren Minuten.

    Varianten der Lichttherapie

    Man unterscheidet Licht nach seiner Wellenlänge in UVA- und UVB-Strahlung. Zur Behandlung von Neurodermitis setzt man heute meist eine sogenannte Schmalband-UVB-Phototherapie ein. Dabei wird die Haut nur mit UVB-Licht mit einer Wellenlänge von 311 bis 313 Nanometer bestrahlt. Die Begrenzung des Lichtspektrums verringert das Risiko für Nebenwirkungen.

    Eine andere Möglichkeit ist die „Psoralen UVA-Therapie“ (PUVA). Dabei nimmt man zuerst das Medikament Psoralen ein, das die Haut lichtempfindlicher macht. Etwa zwei Stunden danach wird die Haut mit UVA-Strahlung behandelt. Psoralen kann alternativ auch als Creme oder Gel auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden.

    Bei einer Lichttherapie muss neben der Auswahl der Wellenlänge noch die Dosierung und Dauer der Anwendung bestimmt werden. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: der Hauttyp, die Art und Anzahl der Vorbehandlungen, Vorerkrankungen wie zum Beispiel Hautkrebs und die Einnahme von Medikamenten wie etwa manche NSAR oder Antibiotika, die die Haut lichtempfindlicher machen. Daher ist es wichtig, sich von einer Ärztin oder einem Arzt behandeln zu lassen, die oder der sich gut mit der Lichttherapie auskennt.

    Es gibt noch weitere Varianten der Lichttherapie, zum Beispiel die selektive UVA1-Therapie und die Licht-Bade-Therapie (Balneophototherapie). Bei der Balneophototherapie wird die Lichttherapie mit einem Bad kombiniert. Mit UV-Licht kann während des Bades (synchrone Balneophototherapie) oder im Anschluss daran (asynchrone Balneophototherapie) bestrahlt werden.

    UVA1-Therapie und Balneophototherapie werden bei Neurodermitis jedoch in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet.

    Vor- und Nachteile der Lichttherapie

    Studien zeigen, dass eine Lichttherapie die Entzündung wirksam lindern kann und auch gegen andere Beschwerden wie Juckreiz hilft. Die Haut kann durch eine Lichttherapie für eine Weile abheilen. Eine dauerhafte Heilung der Neurodermitis ist dadurch allerdings nicht möglich.

    Zwei Studien deuten außerdem darauf hin, dass es Vorteile hat, die Lichttherapie mit einer Badebehandlung zu kombinieren: Verglichen mit einer Lichttherapie ohne Bad kann eine synchrone Balneophototherapie den Hautzustand verbessern und vermutlich auch Juckreiz und Schlaflosigkeit mindern.

    Eine Therapie mit UV-Licht ist relativ aufwendig, da mehrere Arztbesuche pro Woche nötig sind. Durch die Anfahrt zur Arztpraxis, Wartezeit und die im Anschluss erforderliche Hautpflege nehmen die Behandlungen zudem viel Zeit in Anspruch nehmen. Daher ist es für manche Menschen schwer, diese Behandlung mit Beruf und Familie zu vereinbaren.

    UV-Strahlen können zudem verschiedene Nebenwirkungen haben. Die Bestrahlung kann die Haut austrocknen. Deshalb ist es wichtig, sie im Anschluss an die Behandlung gut einzucremen. Außerdem kann es zu sonnenbrandartigen Hautreizungen kommen. Vor allem bei Menschen, die zu Lippenherpes neigen, kann die Lichttherapie das Auftreten begünstigen. Um dem vorzubeugen, kann man die Lippen vor der Behandlung mit Sonnencreme schützen. Andere, seltenere Nebenwirkungen sind zum Beispiel erhabene rote Hautflecken, die wieder verschwinden und Haarwurzelentzündungen. Häufige UV-Bestrahlungen können zudem zu vorzeitiger Hautalterung führen und erhöhen das Risiko für Hautkrebs. Die Einnahme von Psoralen im Rahmen einer PUVA kann Übelkeit und Erbrechen verursachen.

    Um Nebenwirkungen möglichst zu vermeiden, ist es wichtig, am Tag der Behandlung Sonnenlicht zu meiden oder sich durch entsprechende Kleidung, eine Sonnenbrille und Sonnenschutzmittel vor natürlicher UV-Strahlung zu schützen. Für Menschen, die Psoralen eingenommen haben, ist es besonders wichtig, sich für den Rest des Tages keiner weiteren Sonnenstrahlung auszusetzen.

    Ein UV-Pass kann helfen, die Zahl der erhaltenen UV-Behandlungen im Blick zu behalten. In diesen Pass werden Informationen über die Anzahl und Dosis der Behandlungen eingetragen.

    Behandlung mit Tabletten

    Wenn andere Behandlungsversuche die Neurodermitis nicht ausreichend lindern oder infrage kommen, ist eine Behandlung mit Tabletten möglich. Dazu gehören unter anderem:

    • Azathioprin
    • Ciclosporin
    • Kortison
    • Methotrexat (MTX)
    • Mycophenolat

    All diese Medikamente unterdrücken das Immunsystem und können daher schwerwiegende Nebenwirkungen haben – vor allem, wenn sie über längere Zeit eingenommen werden. Bei den meisten Medikamenten sind ernsthafte Nebenwirkungen jedoch selten.

    Ciclosporin

    Ciclosporin ist schon lange zur Behandlung von Neurodermitis zugelassen und das bislang am besten untersuchte Medikament. Mehrere Studien zeigen, dass es Neurodermitis lindern kann. Wenn eine Behandlung mit Tabletten nötig ist, wird daher häufig zuerst Ciclosporin eingesetzt.

    Ciclosporin wird morgens und abends eingenommen, möglichst immer zur gleichen Tageszeit. Die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht und wird verringert, sobald sich eine Besserung zeigt. Die Behandlungsdauer hängt davon ab, wie gut das Medikament wirkt. Sie kann einige Wochen oder bis zu sechs Monate dauern. Mehr als sechs Monate wird wegen der möglichen Nebenwirkungen nur in Ausnahmen behandelt.

    Da das Medikament das Immunsystem hemmt, kann es Infektionen begünstigen. Andere mögliche Nebenwirkungen sind Schwellungen des Zahnfleischs, Magen-Darm-Beschwerden und Zittern. Außerdem kann Ciclosporin die Nieren belasten und den Blutdruck erhöhen.

    Während der Behandlung werden daher regelmäßige Kontrollen der Nieren- und Blutdruckwerte empfohlen.

    Ciclosporin sollte nicht mit einer Lichttherapie kombiniert werden, da es dann das Risiko für weißen Hautkrebs erhöht. Das Gleiche gilt für Menschen, die bereits viele Jahre mit Lichttherapien behandelt wurden.

    Da Ciclosporin Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben kann, ist es wichtig, die Ärztin oder den Arzt vor einer Behandlung über die Einnahme anderer Medikamente zu informieren. Dies gilt auch für pflanzliche Mittel: So kann Johanniskraut die Wirkung von Ciclosporin schwächen.

    Azathioprin

    Wenn eine Behandlung mit Ciclosporin nicht infrage kommt oder nicht wirkt, kann das Medikament Azathioprin eine Alternative sein. Dieser Wirkstoff ist bislang nicht zur Behandlung von Neurodermitis zugelassen und kann deshalb nur in begründeten Ausnahmefällen verschrieben werden (Off-Label-Use).

    Einzelne Studien liefern Hinweise, dass Azathioprin bei Neurodermitis helfen kann. Die Wirksamkeit ist aber noch nicht gut genug untersucht. Das Medikament führt häufig zu Magen-Darm-Problemen, kann das Knochenmark beeinträchtigen und die Leber belasten.

    Kortisontabletten

    Manche Hautärztinnen und -ärzte verschreiben vor allem Erwachsenen mit schwerer Neurodermitis oft noch Kortisontabletten. Sie werden bei Neurodermitis aber nicht mehr empfohlen und sollten aus verschiedenen Gründen nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden: Zum einen kehrt die Neurodermitis häufig wieder zurück, wenn die Tabletten abgesetzt werden – und ist dann oft sogar noch ausgeprägter (Rebound-Effekt). Zum anderen können Kortisontabletten bei längerer Einnahme schwere Nebenwirkungen haben. Wenn sie eingenommen werden, dann möglichst nur wenige Tage bis maximal zwei oder drei Wochen.

    Weitere Medikamente

    Die Wirksamkeit anderer Medikamente zum Einnehmen wie zum Beispiel Methotrexat ist bislang kaum untersucht. Es ist sinnvoll, die Entscheidung für oder gegen eine Neurodermitis-Behandlung mit Medikamenten, die im ganzen Körper wirken, ausführlich mit einer Ärztin oder einem Arzt zu besprechen.

    Allergiemedikamente (Antihistaminika)

    Manchmal wird Neurodermitis mit Allergiemedikamenten behandelt, sogenannten Antihistaminika. Diese Medikamente hemmen die Wirkung des Gewebehormons Histamin. Histamin wird vom Immunsystem als Reaktion auf Fremdstoffe hergestellt, die in den Körper eindringen. Es sorgt dafür, dass sich die Gefäße weiten und mehr Blut in das Gewebe fließt. Außerdem löst Histamin durch Reizung der Nerven Juckreiz aus.

    Antihistaminika sollen den Juckreiz bei Neurodermitis lindern. In Studien haben diese Mittel bei Neurodermitis jedoch keine Wirkung gezeigt. Manche Antihistaminika machen müde und können daher gegen Schlaflosigkeit infolge von Juckreiz helfen. Da sie Neurodermitis-Beschwerden nicht lindern, werden sie aber normalerweise nicht zur Behandlung empfohlen. Bei Menschen, die gleichzeitig mit allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen zu tun haben, können Antihistaminika jedoch sinnvoll sein.

    Quellen

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    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Synchrone Balneofototherapie bei atopischem Ekzem: Rapid Report; Auftrag N18-01. 25.10.2018. (IQWiG-Berichte; Band 676).

    National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Atopic eczema in under 12s: diagnosis and management. 12.2007. (NICE Guidelines; Band 57).

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    Schmitt J, Apfelbacher CJ, Flohr C. Eczema. Clin Evid 2011.

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    Thomas K, Charman C, Nankervis H, Ravenscroft J, Williams HC. Atopic Eczema. In: Williams HC (Ed). Evidence-Based Dermatology. Chichester: Wiley Blackwell; 2014. S. 136-168.

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