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Grüner Star (Glaukom)

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    Überblick

    Mit zunehmendem Alter können Augenerkrankungen auftreten, die das Sehen erschweren und manchmal ernsthafte Folgen haben. Der Grüne Star (Glaukom) zählt dazu. Wird er rechtzeitig erkannt und behandelt, lässt sich der Verlust des Sehvermögens aber aufhalten.

    Einleitung

    Mit dem Alter lässt bei vielen Menschen das Sehvermögen nach. Neben dieser normalen Entwicklung können jedoch auch Augenerkrankungen auftreten, die das Sehen erschweren und sogar eine Erblindung zur Folge haben können. Eine häufige Augenerkrankung ist der Grüne Star (Glaukom). Nach Schätzungen haben rund 2 von 100 Menschen über 40 Jahre in den Industrienationen ein Glaukom.

    Der Begriff Glaukom fasst verschiedene Augenerkrankungen zusammen, bei denen der Sehnerv geschädigt wird. Dies führt dazu, dass das Gesichtsfeld zunächst meist unbemerkt immer größere Lücken aufweist. Das Gesichtsfeld ist der Sehbereich, den man wahrnehmen kann, ohne die Augen zu bewegen. In den fortgeschrittenen Stadien nimmt auch die Sehschärfe ab.

    Die mit über 90 Prozent häufigste Form des Glaukoms ist das Offenwinkelglaukom (Weitwinkelglaukom). Es schreitet langsam voran, und die Schäden am Sehnerv führen erst nach vielen Jahren zu Sehstörungen. Meist wird es mit Augentropfen oder einem operativen Eingriff behandelt. Seltener ist das Engwinkelglaukom (Winkelblockglaukom): Diese Form kann länger unbemerkt bleiben, aber sehr plötzlich zu starken Beschwerden und Sehschäden führen.

    Symptome

    Menschen mit einem Glaukom können bestimmte Sehbereiche nicht mehr oder nur noch eingeschränkt wahrnehmen. Es entstehen „blinde Flecken“, meist neben der Stelle des schärfsten Sehens (Makula) und bis zu den Rändern des Gesichtsfelds. Da das zentrale Sehen zunächst nicht beeinträchtigt ist, fallen die Einschränkungen des Gesichtsfelds häufig nicht gleich auf.

    Die blinden Stellen können es im Laufe der Jahre aber zunehmend erschweren, sich im Alltag zu orientieren. Beim Geradeaussehen, etwa beim Autofahren, kann man zwar die Straße vor sich klar erkennen, die Personen und Dinge rechts und links auf den Gehwegen jedoch nicht. Auch die Anpassung an unterschiedliche Lichtverhältnisse kann schwierig sein, zum Beispiel, wenn man von draußen in einen dunklen Hausflur eintritt. Oft fällt es auch schwerer, Hindernisse wie Stufen oder Bordsteine richtig einzuschätzen. Dies erhöht das Sturzrisiko.

    Ein Engwinkelglaukom kann zu einem sogenannten Glaukomanfall führen. Dabei kommt es zu einer raschen und starken Erhöhung des Augeninnendrucks. Typische Beschwerden sind akute Sehstörungen, Augenrötungen, heftige Kopf- und Augenschmerzen oder Übelkeit.

    Ursachen

    Die Ursache für ein Glaukom ist häufig ein zu hoher Augeninnendruck. Der Augeninnendruck entsteht in den Augenkammern zwischen Hornhaut und Linse. In ihnen befindet sich eine Flüssigkeit, das sogenannte Kammerwasser, das im Auge selbst gebildet wird. Es fließt kontinuierlich von der hinteren in die vordere Augenkammer und von dort durch ein sehr feines Kanälchen (Schlemmscher Kanal) wieder heraus. Dieser Kreislauf sorgt für einen konstanten Druck im gesunden Auge. Außerdem versorgt das Kammerwasser die Hornhaut, die Regenbogenhaut (Iris) und die Linse mit Nährstoffen.

     

    Grafik: GlaukomGlaukom  

    Wenn der Abfluss des Kammerwassers behindert ist, staut es sich auf, und der Druck im Auge erhöht sich. Dies belastet den Sehnerv und es besteht die Gefahr, dass Nervenzellen absterben. Ob ein erhöhter Augeninnendruck Schäden verursacht, hängt unter anderem davon ab, wie widerstandsfähig der Sehnerv ist: Nur bei einem Teil der Menschen mit erhöhtem Augeninnendruck ist er so anfällig, dass er Schaden nimmt. Beim Engwinkelglaukom kann der Abfluss des Kammerwassers völlig blockiert sein. Dann fließt gar kein Kammerwasser mehr ab und der Augeninnendruck steigt plötzlich stark an.

    Der Augeninnendruck wird in mmHg (Millimeter-Quecksilbersäule) gemessen, der gleichen Messeinheit wie bei der Blutdruckmessung. Als normal werden Werte zwischen 10 und 21 mmHg angesehen. Allerdings liegt der Augeninnendruck bei einem Glaukom nicht immer oberhalb der Normalwerte. So hat fast die Hälfte der erkrankten Menschen zwar Schäden am Sehnerv, aber keinen erhöhten Augeninnendruck. Möglicherweise ist für diese Menschen bereits der normale Druck zu hoch. Diese Glaukomform wird deshalb auch „Normaldruckglaukom“ genannt.

    Als weitere Ursache wird eine schlechte Durchblutung des Sehnervs diskutiert. In diesem Fall werden die Nervenzellen nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Ein Glaukom kann auch eine Folge von Entzündungen, Verletzungen und Gefäßerkrankungen sein. Dann spricht man von einem sekundären Glaukom. Sehr selten ist ein Glaukom angeboren.

    Da noch nicht alle Ursachen der Erkrankung bekannt sind, kann der Auslöser für ein Glaukom nicht immer gefunden werden. Wahrscheinlich beeinflussen sich die verschiedenen Faktoren außerdem gegenseitig.

    Risikofaktoren

    Etwa 4 von 100 Menschen über 40 Jahre haben einen erhöhten Augeninnendruck. Aber nur wenige von ihnen entwickeln ein Glaukom: Bei etwa 10 von 100 Menschen mit einem erhöhten Augeninnendruck kommt es innerhalb von fünf Jahren zu Sehverlusten. Das Risiko dafür hängt unter anderem von der Hornhautdicke und der Höhe des Augeninnendrucks ab: Menschen mit einem sehr hohen Augeninnendruck haben ein deutlich höheres Risiko als Menschen mit einem leicht erhöhten Augeninnendruck.

    Zudem erhöhen ein höheres Lebensalter, eine familiäre Vorbelastung, starke Kurzsichtigkeit sowie Diabetes das Risiko. Auch Menschen mit schwarzer Hautfarbe erkranken häufiger an einem Glaukom.

    Verlauf

    Ein Offenwinkelglaukom entsteht meist langsam und zunächst unbemerkt. Die blinden Stellen können sich mit der Zeit immer mehr ausdehnen, bis nur noch das Sehen im ganz zentralen Bereich möglich ist. Bis dahin vergehen jedoch häufig viele Jahre bis Jahrzehnte. Das bedeutet, dass viele Menschen beispielsweise auch 20 Jahre nach der Diagnose noch ausreichend sehen können – vor allem, wenn das Glaukom gut behandelt wird. Allerdings bilden sich bereits vorhandene Sehschäden durch eine Behandlung nicht wieder zurück.

    Nur wenige Menschen mit einem Glaukom (alle Formen) werden im Laufe der Zeit vollständig blind – Schätzungen zufolge sind es in Deutschland jährlich rund 1100 Menschen.

    Auch ein Engwinkelglaukom kann längere Zeit unbemerkt bleiben. Zu einem Glaukomanfall kommt es aber ganz plötzlich. Er ist ein Notfall, weil er innerhalb weniger Stunden bis Tage zu bleibenden Sehschäden führen kann.

     

    Grafik: Darstellung möglicher Einschränkungen des GesichtsfeldsSehstörungen bei Glaukom  

    Diagnose

    Auch bevor sich die ersten Symptome bemerkbar machen, können Augenärztinnen und -ärzte ein Glaukom feststellen. Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst nach Symptomen und untersucht das Auge. Mit einem speziellen Instrument, dem Ophthalmoskop, kann sie oder er das Augeninnere prüfen und dabei mögliche Schäden am Sehnerv entdecken. Außerdem wird auch der Augeninnendruck gemessen, meist mit der sogenannten Applanations-Tonometrie. Bei dieser Untersuchung wird das Auge mit einem Tropfen Flüssigkeit betäubt und anschließend ein kleiner Messkolben auf die Hornhaut aufgesetzt.

    Besteht ein Verdacht auf ein Glaukom, wird die Ärztin oder der Arzt zusätzlich das Gesichtsfeld messen. Dabei lässt sich feststellen, ob bestimmte Sehbereiche eingeschränkt und bereits blinde Stellen entstanden sind.

    Früherkennung

    Um einen erhöhten Augeninnendruck oder ein Glaukom frühzeitig zu erkennen, bieten viele Augenärztinnen und -ärzte eine Früherkennungsuntersuchung an, die man privat bezahlen muss. Sie besteht aus der Untersuchung des Sehnervs, der Messung des Augeninnendrucks und der Untersuchung des Auges mit dem Spaltlampenmikroskop. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Untersuchungen nur bei einem begründeten Verdacht auf ein Glaukom oder bei bestimmten Risiken, zum Beispiel bei Augenschäden durch Diabetes.

    Ob eine allgemeine Früherkennungsuntersuchung (Screening) ab einem bestimmten Alter oder für bestimmte Risikogruppen sinnvoll ist, wurde bisher noch nicht ausreichend untersucht.

    Behandlung

    Den Augeninnendruck zu senken, kann helfen, den schleichenden Sehverlust zu verzögern oder aufzuhalten. Heilen lässt sich ein Glaukom jedoch nicht, da bereits entstandene Schäden am Sehnerv nicht mehr rückgängig zu machen sind. Meist wird der Augeninnendruck bei einem Glaukom mithilfe von Augentropfen behandelt. Je nach Präparat wendet man sie einmal oder mehrmals täglich an. Wichtig sind auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen in der Augenarztpraxis. Diese werden etwa ein- bis dreimal pro Jahr angeboten, je nachdem, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist.

    Wenn die Medikamente nicht (mehr) ausreichen oder schlecht vertragen werden, kommt auch eine Operation oder ein Lasereingriff infrage.

    Ein Glaukomanfall muss schnell behandelt werden, um Schäden am Sehnerv zu vermeiden. Deshalb ist es wichtig, bei den typischen Beschwerden wie akuten Sehstörungen und Augenschmerzen sofort eine Arztpraxis oder ein Krankenhaus aufzusuchen. Dort kann zum Beispiel eine Laserbehandlung dafür sorgen, dass das aufgestaute Kammerwasser wieder abfließt.

    Leben und Alltag

    Wenn bei einer Untersuchung ein erhöhter Augeninnendruck gemessen wird, kann das eine bleibende Verunsicherung auslösen, auch wenn das Sehvermögen noch völlig in Ordnung ist. Allein das Wissen, einen hohen Augeninnendruck und somit ein erhöhtes Risiko für ein Glaukom zu haben, kann dazu führen, dass man sich schon bei kleinen Sehproblemen Sorgen macht, obwohl sie nichts mit einem Glaukom zu tun haben müssen.

    Menschen mit einem Glaukom haben oft große Angst davor, irgendwann zu erblinden. Viele wünschen sich gerade zu Anfang ausführliche Informationen über die Behandlung und darüber, was die Diagnose für das eigene Leben bedeuten kann.

    Bei einem deutlichen Sehverlust muss der Alltag an die neuen Bedingungen angepasst werden. So kann etwa die Wohnung so umgestaltet werden, dass die Orientierung leichter fällt – zum Beispiel durch zusätzliche Lichtquellen. Das Entfernen von Stolperfallen ist wichtig, um Stürze zu vermeiden. Möglich sind meist auch Anpassungen am Arbeitsplatz und bei Alltagsaktivitäten wie Sport, Einkaufen oder Lesen. Sich Unterstützung zu holen und über Hilfsmittel zu informieren – zum Beispiel in der Arztpraxis oder bei der Krankenversicherung – kann den Alltag erleichtern. Vielen Menschen, die an einem Glaukom erkrankt sind, hilft es zudem, sich gut über die Krankheit und die Möglichkeiten, mit ihren Folgen umzugehen, zu informieren oder sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, etwa in einer Selbsthilfegruppe oder einem Internetforum.

    Es kann schwerfallen, den Zeitpunkt zu erkennen, ab dem die Krankheit das Autofahren nicht mehr zulässt. Viele Erkrankte ändern zunächst oft ihre Fahrweise und fahren nicht mehr nachts oder nur noch in gewohnter Umgebung. Es ist wichtig, hier aufmerksam zu sein und darauf zu achten, wann die Einschränkungen zu stark werden und man sich selbst und andere Personen möglicherweise gefährdet. Ab einer bestimmten Einschränkung des Gesichtsfelds ist das Autofahren gesetzlich nicht mehr erlaubt. Konkrete Informationen und Beratung dazu geben Augenärztinnen und Augenärzte.

    Es ist nicht leicht, damit umzugehen, wenn man im Laufe der Zeit durch die Sehprobleme verstärkt auf die Hilfe anderer angewiesen ist. In mancher Hinsicht die Kontrolle abzugeben, wird aber möglicherweise nötig sein. Andere Menschen können dann dabei helfen, gewohnte Aktivitäten so gut es geht beizubehalten und soziale Kontakte zu pflegen.

    Sorgen und Ängste mit Angehörigen und Freunden frühzeitig zu besprechen, kann entlastend sein. Gemeinsam lassen sich Strategien entwickeln, mit dem Fortschreiten der Erkrankung umzugehen. Menschen um sich herum zu haben, die einen verstehen und unterstützen, ist in allen Lebenslagen eine große Erleichterung – vor allem, wenn es darum geht, mit einer belastenden Erkrankung umzugehen und weiterhin so aktiv wie möglich zu bleiben.

    Weitere Informationen

    Für Menschen mit Grünem Star gibt es in Deutschland zahlreiche Angebote zur Unterstützung. Dazu gehören Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Viele dieser Einrichtungen sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, passende Angebote zu finden und zu nutzen.

    Quellen

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    Glen FC, Crabb DP. Living with glaucoma: a qualitative study of functional implications and patients' coping behaviours. BMC Ophthalmol 2015; 15: 128.

    Green J, Siddall H, Murdoch I. Learning to live with glaucoma: a qualitative study of diagnosis and the impact of sight loss. Soc Sci Med 2002; 55(2): 257-267.

    Kapetanakis VV, Chan MP, Foster PJ, Cook DG, Owen CG, Rudnicka AR. Global variations and time trends in the prevalence of primary open angle glaucoma (POAG): a systematic review and meta-analysis. Br J Ophthalmol 2016; 100(1): 86-93.

    King A, Azuara-Blanco A, Tuulonen A. Glaucoma. BMJ 2013; 346: f3518.

    Lacey J, Cate H, Broadway DC. Barriers to adherence with glaucoma medications: a qualitative research study. Eye (Lond) 2009; 23(4): 924-932.

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Glaukom: Was kann eine Früherkennung leisten?

    Viele Augenarztpraxen bieten eine Untersuchung zur Früherkennung eines Glaukoms (Grüner Star) an. Besteht kein erhöhtes Risiko und kein Krankheitsverdacht, muss die Untersuchung selbst gezahlt werden. Ob eine bevölkerungsweite Früherkennung sinnvoll ist, ist bisher nicht gut untersucht.

    Das Glaukom ist eine Augenkrankheit, die mit einer stetigen Verschlechterung des Sehvermögens einhergeht. Sie schreitet in der Regel langsam voran und führt erst nach einiger Zeit zu Sehstörungen. Wenn man die Krankheit bemerkt, sind die Schäden am Auge meist schon weit fortgeschritten und nicht mehr rückgängig zu machen. Daher ist es grundsätzlich wünschenswert, die Erkrankung möglichst früh zu erkennen und zu behandeln. Allerdings ist umstritten, ob eine bevölkerungsweite Früherkennungsuntersuchung (auch Screening genannt) der richtige Weg ist.

    Viele Augenarztpraxen bieten eine Untersuchung zur Früherkennung eines Glaukoms (Grüner Star) an. Besteht kein erhöhtes Risiko und kein Krankheitsverdacht, muss die Untersuchung selbst gezahlt werden. Ob eine bevölkerungsweite Früherkennung sinnvoll ist, ist bisher nicht gut untersucht.

    Das Glaukom ist eine Augenkrankheit, die mit einer stetigen Verschlechterung des Sehvermögens einhergeht. Sie schreitet in der Regel langsam voran und führt erst nach einiger Zeit zu Sehstörungen. Wenn man die Krankheit bemerkt, sind die Schäden am Auge meist schon weit fortgeschritten und nicht mehr rückgängig zu machen. Daher ist es grundsätzlich wünschenswert, die Erkrankung möglichst früh zu erkennen und zu behandeln. Allerdings ist umstritten, ob eine bevölkerungsweite Früherkennungsuntersuchung (auch Screening genannt) der richtige Weg ist.

    Wie läuft die Früherkennung ab?

    Zur Früherkennung eines Glaukoms werden Untersuchungen kombiniert, die auch zur Diagnose verwendet werden:

    • Bei der Augenspiegelung (Ophthalmoskopie) schauen Ärztin oder Arzt mit einem speziellen Instrument, dem Ophtalmoskop, von außen in das Auge hinein. Auf diese Weise können sie Schäden am Sehnerv entdecken.
    • Bei der Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie) wird das Auge mit einem Tropfen Flüssigkeit betäubt. Anschließend setzt die Ärztin oder der Arzt einen kleinen Messkolben auf die Hornhaut auf und misst damit den Druck im Auge.
    • Mit dem Spaltlampenmikroskop wird der vordere Augenabschnitt untersucht. Damit soll unter anderem festgestellt werden, ob der Abfluss des Kammerwassers behindert ist.

    Diese Untersuchungen gehen recht schnell, sind risikoarm und schmerzfrei. Besteht ein Verdacht auf ein Glaukom, kann die Ärztin oder der Arzt zusätzlich das Gesichtsfeld ausmessen. Dabei lässt sich feststellen, ob bestimmte Sehbereiche eingeschränkt und bereits blinde Stellen entstanden sind.

    Wann werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen?

    Die Kosten der Untersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen nur aus folgenden Gründen übernommen:

    • dauerhafte Anwendung von Steroiden (zum Beispiel Kortison) im Rahmen einer Behandlung
    • Veränderungen im vorderen Auge, die den Abfluss des Kammerwassers behindern
    • typische Symptome eines Glaukoms wie eingeschränktes Gesichtsfeld und Sehstörungen
    • Augenschäden durch einen Diabetes
    • Augenverletzungen, die es erforderlich machen, ein Glaukom auszuschließen
    • eine geplante Augenoperation, bei der zuvor oder danach ein Glaukom ausgeschlossen werden muss
    • ein veränderter Augenhintergrund und / oder ein erhöhter Augeninnendruck

    Liegt keiner dieser Gründe vor, muss die Glaukom-Früherkennungsuntersuchung in der Regel als „individuelle Gesundheitsleistung“ (IGeL) selbst bezahlt werden. Die Untersuchung wird von Augenärztinnen und -ärzten zu Preisen zwischen 15 und 40 Euro angeboten.

    Vor- und Nachteile der Früherkennungsuntersuchung

    Verschiedene Wissenschaftlergruppen haben in den letzten Jahren untersucht, ob es von Nutzen ist, allen Menschen ab einem bestimmten Alter eine Früherkennungsuntersuchung anzubieten. Dazu suchten sie nach Studien, die geprüft haben, ob sich durch eine Früherkennung dem Verlust des Sehvermögens vorbeugen lässt. Zudem wollten sie herausfinden, wie zuverlässig die Untersuchungsmethoden kranke von gesunden Menschen unterscheiden können.

    Das Ergebnis der wissenschaftlichen Untersuchungen war jedoch mager: Es gibt bisher keine Studien, die den Nutzen einer allgemeinen Früherkennung des Glaukoms untersucht haben. Es lässt sich daher nicht beurteilen, welche Vor- und Nachteile es hat, wenn Menschen ohne Beschwerden oder besonderes Risiko eine solche Untersuchung machen lassen. Vielmehr bleiben wichtige Fragen offen:

    • Wer profitiert von einer Früherkennung?
    • Ab welchem Alter könnte sie sinnvoll sein?
    • Werden infolge der Früherkennung Menschen unnötig behandelt?
    • Welche Testverfahren sind zur Früherkennung am besten geeignet?
    • In welchen Abständen sollte untersucht werden?

    Trotz dieser offenen Fragen zählt die Glaukom-Früherkennung mittlerweile zu den häufigsten IGe-Leistungen, die Ärztinnen und Ärzte anbieten.

    Grundsätzlich können Früherkennungsuntersuchungen, egal für welche Erkrankung, neben Vorteilen auch Nachteile haben. So kann eine Untersuchung falsche Ergebnisse liefern: wenn zum Beispiel bei der Glaukom-Früherkennungsuntersuchung die Diagnose Grüner Star gestellt wird, obwohl das Auge gesund ist. Dies nennt man „falsch positiver Befund“. Er kann zur Folge haben, dass Menschen unnötigerweise Medikamente einnehmen und psychisch belastet werden. Da keine Studien vorliegen, lassen sich die Nachteile der Früherkennung aber schlecht beurteilen.

    Was ist wichtig, wenn man sich untersuchen lässt?

    Manchmal wird nur eine Messung des Augeninnendrucks zur Früherkennung angeboten. Davon ist aber abzuraten. Denn eine Untersuchung des Augeninnendrucks allein reicht nicht aus, um ein Glaukom oder ein erhöhtes Risiko dafür festzustellen. Manche Menschen entwickeln einen Grünen Star, obwohl sie keinen erhöhten Augeninnendruck haben. Andere haben wiederum einen erhöhten Augeninnendruck, bekommen aber kein Glaukom.

    Ob jemand ein Glaukom hat oder ein erhöhtes Risiko dafür, lässt sich daher nur in Verbindung mit weiteren Untersuchungen abschätzen. Dazu gehören insbesondere die Untersuchung des Sehnervs, aber auch der Nervenfasern der Netzhaut und gegebenenfalls die Messung des Gesichtsfelds. Möglicherweise werden weitere Untersuchungen nötig, wenn sich ein Verdacht ergeben hat. Zu einer gründlichen Untersuchung gehört nicht zuletzt, dass Ärztinnen und Ärzte nach der Krankheitsgeschichte, den Lebensumständen und den Beschwerden fragen.

    Ob Vor- oder Nachteile überwiegen, ist unsicher

    Warum wird das Screening nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, wenn es Möglichkeiten gibt, die Krankheit zu behandeln, wenn sie rechtzeitig erkannt wird? Die Antwort ist: Nur weil eine Krankheit behandelt werden kann, ist es nicht automatisch sinnvoll, alle Menschen darauf zu testen. Um beurteilen zu können, ob eine Früherkennung sinnvoll ist, muss man wissen, ob vermutete Vorteile auch tatsächlich nachweisbar sind. Und man muss mögliche Nachteile kennen.

    Erfahrungen aus anderen Früherkennungsprogrammen zeigen, dass mit Fehldiagnosen zu rechnen ist. Dadurch können Menschen zu Patienten werden, obwohl sie gar nicht erkrankt sind. Sie erhalten dann weitere Untersuchungen, die unnötig oder unangenehm sein können. Oder sie werden behandelt, obwohl sie davon keinen Vorteil haben und möglicherweise Nebenwirkungen auftreten. Es besteht also die Gefahr der „Überdiagnose“ und „Überbehandlung“.

    Diese grundsätzlichen Bedenken müssen nicht auf die Glaukom-Früherkennung zutreffen. Genau das ist aber das Problem: Die tatsächlichen Vor- und Nachteile eines Glaukom-Screenings lassen sich derzeit nicht sicher beurteilen, weil aussagekräftige Studien fehlen.

    Quellen

    Ervin AM, Boland MV, Myrowitz EH, Prince J, Hawkins B, Vollenweider D et al. Screening for Glaucoma: Comparative Effectiveness. 04.2012. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; Band 59).

    Hatt S, Wormald R, Burr J. Screening for prevention of optic nerve damage due to chronic open angle glaucoma. Cochrane Database Syst Rev 2006; (4): CD006129.

    Schnell-Inderst P, Hunger T, Hintringer K, Schwarzer R. Individuelle Gesundheitsleistungen. 2011. (DAHTA Schriftenreihe Health Technology Assessment; Band 113).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Wie wird ein Glaukom behandelt?

    Ein Glaukom kann mit Medikamenten (Augentropfen), durch einen Lasereingriff oder eine Operation behandelt werden. Ziel ist es, den Augeninnendruck zu senken und dadurch das Risiko für Sehschäden und Erblindung zu verringern.

    Der Begriff Glaukom (Grüner Star) fasst verschiedene Augenerkrankungen zusammen, bei denen der Sehnerv geschädigt wird. Dies führt dazu, dass das Gesichtsfeld immer größere Lücken aufweist. Das Gesichtsfeld ist der Sehbereich, den man wahrnehmen kann, ohne die Augen zu bewegen. In fortgeschrittenen Stadien nimmt auch die Sehschärfe ab. Eine häufige Ursache ist ein zu hoher Augeninnendruck.

    Den Augeninnendruck zu senken, kann helfen, den schleichenden Sehverlust zu verzögern oder aufzuhalten. Heilen lässt sich ein Glaukom jedoch nicht, da bereits entstandene Schäden am Sehnerv nicht mehr rückgängig zu machen sind.

    Dieser Text informiert über die Behandlung des mit Abstand häufigsten Glaukoms, des sogenannten primären Offenwinkel- oder Weitwinkelglaukoms. Einige der genannten Medikamente und Eingriffe eignen sich aber auch bei einem Engwinkelglaukom.

    Ein Glaukom kann mit Medikamenten (Augentropfen), durch einen Lasereingriff oder eine Operation behandelt werden. Ziel ist es, den Augeninnendruck zu senken und dadurch das Risiko für Sehschäden und Erblindung zu verringern.

    Der Begriff Glaukom (Grüner Star) fasst verschiedene Augenerkrankungen zusammen, bei denen der Sehnerv geschädigt wird. Dies führt dazu, dass das Gesichtsfeld immer größere Lücken aufweist. Das Gesichtsfeld ist der Sehbereich, den man wahrnehmen kann, ohne die Augen zu bewegen. In fortgeschrittenen Stadien nimmt auch die Sehschärfe ab. Eine häufige Ursache ist ein zu hoher Augeninnendruck.

    Den Augeninnendruck zu senken, kann helfen, den schleichenden Sehverlust zu verzögern oder aufzuhalten. Heilen lässt sich ein Glaukom jedoch nicht, da bereits entstandene Schäden am Sehnerv nicht mehr rückgängig zu machen sind.

    Dieser Text informiert über die Behandlung des mit Abstand häufigsten Glaukoms, des sogenannten primären Offenwinkel- oder Weitwinkelglaukoms. Einige der genannten Medikamente und Eingriffe eignen sich aber auch bei einem Engwinkelglaukom.

    Welche Medikamente werden eingesetzt?

    Zur Behandlung eines Glaukoms können folgende Medikamente als Augentropfen angewendet werden:

    • Betablocker: Sie verringern die Produktion des Kammerwassers und werden häufig als erstes Mittel verschrieben.
    • Prostaglandine: Sie erhöhen den Abfluss des Kammerwassers und werden wie Betablocker häufig als erstes Mittel verschrieben.
    • Alpha-Agonisten: Sie verringern die Produktion des Kammerwassers und erhöhen gleichzeitig dessen Abfluss.
    • Karboanhydrasehemmer: Sie verringern die Produktion des Kammerwassers.
    • Cholinergika: Sie erhöhen den Abfluss des Kammerwassers.

    Welche Mittel sich bei einem Menschen eignen, hängt von verschiedenen Faktoren ab – unter anderem von seinem Alter, dem Ausmaß der Sehnervschädigung, der Höhe des Augeninnendrucks und von möglichen Nebenwirkungen der Medikamente. Wenn der Augeninnendruck durch ein Mittel nicht ausreichend gesenkt werden kann oder unerwünschte Wirkungen auftreten, lässt sich das Medikament wechseln. Die Medikamente können auch kombiniert werden.

    Nebenwirkungen

    Die Augentropfen können unterschiedliche Nebenwirkungen haben. Jedes Mittel kann das Auge reizen und beispielsweise Juckreiz und Rötungen hervorrufen. Manche Wirkstoffe – etwa Betablocker – können das Herz-Kreislauf-System und die Atmung belasten. Um die Wahrscheinlichkeit für Nebenwirkungen zu senken, wird empfohlen, die Augen nach dem Eintröpfeln für drei Minuten zu schließen. Man kann auch mit dem Finger den inneren Augenwinkel leicht zudrücken. Beides soll dafür sorgen, dass die Tropfen im Auge wirken und nicht in den Nasen-Rachen-Raum fließen, wo sie über die Schleimhaut in den Körper aufgenommen werden. Wenn anhaltende Nebenwirkungen auftreten, ist es sinnvoll, mit der Ärztin oder dem Arzt darüber zu sprechen. Die Mittel sollten aber möglichst bis zum nächsten Untersuchungstermin weiter angewendet und nicht eigenständig abgesetzt werden.

    Was kann helfen, an die Augentropfen zu denken?

    Es kann schwerfallen, über Jahre ein- oder mehrmals täglich Augentropfen zu verwenden. Manchen Menschen ist es unangenehm, am Arbeitsplatz oder unterwegs einen ruhigen Platz suchen zu müssen, an dem sie die Tropfen nehmen können. Andere vergessen häufig, die Mittel anzuwenden oder haben das Gefühl, die Medikamente bringen nichts und wenden die Tropfen nicht konsequent an. Dies wird dadurch begünstigt, dass sich keine sofortige Verschlechterung zeigt, wenn man das Medikament einmal vergisst. Auch der Nutzen zeigt sich erst über einen langen Zeitraum, ist also nicht gleich spürbar. Es kann aber motivierend sein zu wissen, dass die Medikamente langfristig helfen, das Sehvermögen zu erhalten.

    Regelmäßige Kontrolltermine bei der Augenärztin oder dem Augenarzt können motivieren, die Behandlung fortzuführen. Möglicherweise lässt sich die Anwendung so planen, dass zum Beispiel nur einmal statt dreimal täglich getropft werden muss. Hilfreich sind auch feste Tageszeiten, zu denen man die Medikamente anwendet (zum Beispiel vor dem Frühstück, Abendessen oder Schlafengehen). Auch Erinnerungshilfen – ob Handy-Apps oder Zettel am Badezimmerspiegel – können unterstützen.

    Manche Menschen kommen vor allem zu Anfang mit der Anwendung nicht gut zurecht. Wenn man noch nie Augentropfen genommen hat, ist die Handhabung der Mittel nicht immer einfach. Ältere Menschen haben zudem oft Probleme, sich die Augentropfen eigenständig zu verabreichen. Bei Unsicherheiten ist es sinnvoll, sich in der Arztpraxis genau und in Ruhe erklären zu lassen, was zu tun ist. Auch Angehörige oder Selbsthilfegruppen können unterstützen. Letztere bieten beispielsweise Tropfschulungen an.

    Können eine Operation oder eine Laserbehandlung helfen?

    Ein Glaukom kann auch mit einem Lasereingriff oder einer Operation behandelt werden. Beides kommt meist dann infrage, wenn es nicht gelingt, den Augeninnendruck durch Medikamente allein zu kontrollieren oder die Tropfen nicht gut vertragen werden.

    Operation: Trabekulektomie

    Eine Operation des Glaukoms zielt darauf ab, den Augeninnendruck dauerhaft auf niedrige Werte zu senken. Die gängigste Operation ist die Trabekulektomie. Dabei wird ein kleines Stück der Lederhaut und der Iris herausgeschnitten, um den Abfluss des Kammerwassers zu verbessern und so den Druck im Auge zu verringern. Mögliche unerwünschte Folgen einer Operation sind anfängliche Sehstörungen, Vernarbungen und langfristig die Entwicklung eines Grauen Stars.

    Laserbehandlung

    Der Augeninnendruck kann zudem durch einen Lasereingriff gesenkt werden, wenn auch meist nicht so stark wie durch eine Operation. Bei den meisten Laserverfahren wird der Abfluss des Kammerwassers verbessert. Es gibt auch Laserverfahren, die dafür sorgen, dass weniger Kammerwasser produziert wird. Eine Laserbehandlung ist zudem als Ergänzung zur Therapie mit Augentropfen möglich. Eine Laserbehandlung kann kurzfristig Rötungen, ein trockenes Auge und unscharfes Sehen zur Folge haben.

    Minimalinvasive Operation

    Seit einigen Jahren werden zunehmend minimalinvasive Glaukom-Operationen angeboten. Dabei werden kleine Implantate (Stents) in den Abflusskanal eingesetzt, die das Kammerwasser ableiten und so den Augeninnendruck senken. Dieser Eingriff wird Menschen mit einem leichten oder mittelstarken Glaukom angeboten. Die Krankenkassen zahlen minimalinvasive Eingriffe meist nicht, wenn sie ambulant durchgeführt werden.

    Sind ergänzende Behandlungen sinnvoll?

    Akupunktur wird manchmal zur ergänzenden Behandlung von Glaukomen eingesetzt – ob sie hilft, ist jedoch unklar. Dabei werden die Nadeln nicht ins Auge gesetzt, sondern zum Beispiel zwischen die Brauen oder an andere Körperstellen. Es gibt keine Studien, die belegen, dass dies das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen könnte. Auch Nahrungsergänzungsmittel werden manchmal empfohlen. Ihr Nutzen ist ebenfalls nicht nachgewiesen.

    Welchen Nutzen hat die Vorbeugung?

    Wenn ein hoher Augeninnendruck besteht, aber noch keine Schäden am Sehnerv und Einschränkungen des Gesichtsfelds aufgetreten sind, kann man die Medikamente vorbeugend anwenden. Studien zeigen, dass Menschen, die einen erhöhten Augeninnendruck, aber noch kein Glaukom hatten, seltener Gesichtsfeldeinschränkungen entwickelten, wenn sie Augentropfen nahmen:

    • Nach rund fünf Jahren konnten 12 von 100 Menschen schlechter sehen, die Augentropfen anwendeten.
    • Demgegenüber verschlechterte sich das Sehen bei 17 von 100 Menschen, die keine Augentropfen oder ein Scheinmedikament anwendeten.

    Ob eine vorbeugende Behandlung sinnvoll ist, hängt auch von den möglichen Risikofaktoren ab. Für Menschen, deren Augeninnendruck schon stark erhöht ist und die nahe Verwandte mit einem Glaukom haben, ist die Chance deutlich größer, von einer vorbeugenden Behandlung zu profitieren.

    Welchen Nutzen hat eine Behandlung?

    Bei einem Glaukom ist es wichtig, den Augeninnendruck mit Medikamenten niedrig zu halten, um den Sehverlust möglichst zu begrenzen. Die Medikamente werden auch bei Menschen mit Glaukom eingesetzt, die keinen erhöhten Augeninnendruck haben. Unter Umständen kann ein operativer Eingriff helfen, den Augeninnendruck zu senken.

    In einer Studie wurde untersucht, wie sich ein neu entdecktes Glaukom entwickelt, wenn man es behandelt oder nicht. Dazu wurden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe erhielt eine Laserbehandlung des Auges und wendete Betablocker-Augentropfen an. Die andere erhielt keine Behandlung. Nach zwei Jahren zeigte sich:

    • Ohne Behandlung: Bei 49 von 100 Personen schritt das Glaukom fort.
    • Mit Behandlung: Bei 30 von 100 Personen schritt das Glaukom fort.

    In anderen Worten: Die Behandlung konnte über zwei Jahre bei 19 von 100 Teilnehmenden ein Fortschreiten des Glaukoms verhindern.

    Quellen

    Boland MV, Ervin AM, Friedman D, Jampel H, Hawkins B, Volenweider D et al. Treatment for Glaucoma: Comparative Effectiveness. 04.2012. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; Band 60).

    Eldaly MA, Bunce C, Elsheikha OZ, Wormald R. Non-penetrating filtration surgery versus trabeculectomy for open-angle glaucoma. Cochrane Database Syst Rev 2014; (2): CD007059.

    King A, Azuara-Blanco A, Tuulonen A. Glaucoma. BMJ 2013; 346: f3518.

    Lacey J, Cate H, Broadway DC. Barriers to adherence with glaucoma medications: a qualitative research study. Eye (Lond) 2009; 23(4): 924-932.

    Lavia C, Dallorto L, Maule M, Ceccarelli M, Fea AM. Minimally-invasive glaucoma surgeries (MIGS) for open angle glaucoma: A systematic review and meta-analysis. PLoS One 2017; 12(8): e0183142.

    Law SK, Li T. Acupuncture for glaucoma. Cochrane Database Syst Rev 2013; (5): CD006030.

    Rolim de Moura CR, Paranhos A, Wormald R. Laser trabeculoplasty for open angle glaucoma. Cochrane Database Syst Rev 2007; (4): CD003919.

    Vass C, Hirn C, Sycha T, Findl O, Bauer P, Schmetterer L. Medical interventions for primary open angle glaucoma and ocular hypertension. Cochrane Database Syst Rev 2007; (4): CD003167.

    Waterman H, Evans JR, Gray TA, Henson D, Harper R. Interventions for improving adherence to ocular hypotensive therapy. Cochrane Database Syst Rev 2013; (4): CD006132.

    Weinreb RN, Aung T, Medeiros FA. The pathophysiology and treatment of glaucoma: a review. JAMA 2014; 311(18): 1901-1911.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Glaukom - Erfahrungsbericht - Elisabeth

    „Am Anfang hatte ich Angst vor einem Glaukomanfall. Ich habe immer alles ganz genau beobachtet und bei jeder kleinen Veränderung gedacht: Hm, ist jetzt etwas mit dem Auge? Mit der Zeit hat sich das etwas gegeben.“

    Elisabeth, 61 Jahre

    „Am Anfang hatte ich Angst vor einem Glaukomanfall. Ich habe immer alles ganz genau beobachtet und bei jeder kleinen Veränderung gedacht: Hm, ist jetzt etwas mit dem Auge? Mit der Zeit hat sich das etwas gegeben.“

    Vor einigen Jahren war ich bei einem Augenoptiker, um eine Brille zu bestellen. Dort wurde mir gesagt, dass meine Sehkraft eingeschränkt ist. Der Optiker hat mir empfohlen, zu einem Augenarzt zu gehen und meine Augen überprüfen zu lassen.

    Die Augenärztin hat mir dann mitgeteilt, dass meine Augenlinse verdickt ist. Sie meinte, dass dadurch das Kammerwasser im Auge nur noch schlecht abfließen kann. Ich habe mir darüber zuerst keine weiteren Gedanken gemacht. Sie wollte einen Bericht schreiben und mich an eine Augenklinik überweisen.

    Irgendwann habe ich dann ihren Bericht bekommen. Aber der war für mich aufgrund der vielen Fachbegriffe völlig unverständlich. Ich konnte damit gar nichts anfangen und war dann doch beunruhigt. Um eine zweite Meinung einzuholen, bin ich zu einem anderen Augenarzt gegangen. Der hat mich nochmal untersucht und bestätigt, dass die Linse verdickt ist und ich einen engen Kammerwinkel habe. Wenn dieser Kammerwinkel immer enger wird und sich irgendwann verschließt, dann kann das Kammerwasser nicht mehr abfließen, wurde mir erklärt. Wenn dies passiert, dann kann der Augendruck schnell steigen und ein sogenannter Glaukomanfall auftreten. Dieser kann im schlimmsten Fall zu einer Erblindung führen. Der Arzt sagte mir, dass man als Symptome für einen solchen Glaukomanfall zum Beispiel plötzlich Ringe und Regenbogenfarben sehen und sehr starke Kopfschmerzen bekommen kann. Wenn das eintritt, sollte man sofort ein Krankenhaus aufsuchen. Meine Sehnerven sind jedoch nicht geschädigt und ich habe auch keinen Gesichtsfeldausfall oder sonstige Beeinträchtigungen beim Sehen.

    Kontakt zu Selbsthilfegruppe

    Mir wurde eine Operation empfohlen, nach der das Kammerwasser besser abfließen sollte. Ich hatte jedoch Angst vor den möglichen Nebenwirkungen und habe die Operation abgelehnt. Ich beobachte mich und meinen Körper sehr genau und wenn Symptome wie Ringe vor den Augen oder starke Kopfschmerzen auftreten sollten, würde ich gleich den Arzt oder das Krankenhaus aufsuchen. Aber das ist bisher nicht eingetreten.

    Ich habe mich nach der Diagnose im Internet ein wenig schlau gemacht und gesehen, dass es in meiner Stadt eine Selbsthilfegruppe zu diesem Thema gibt. Ich habe mich bei der Gruppe gemeldet und sie haben mich sehr nett aufgenommen. Der Austausch mit den anderen in der Gruppe war und ist für mich immer noch wichtig und ich fühle mich dort sehr gut aufgehoben.

    Diagnose „Grüner Star“ war ein großer Einschnitt

    Ich bin regelmäßig in Behandlung und lasse meine Augen etwa alle drei Monate kontrollieren. Bei diesen Untersuchungen wird der Augendruck gemessen, der Sehnerv geprüft und das Gesichtsfeld und der Kammerwinkel gemessen. Für mich war es wichtig, verschiedene Ärzte zu konsultieren und mir unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen einzuholen, um dann den richtigen Weg für mich zu finden. Für mich ist eine gute Atmosphäre beim Arzt wichtig, und dass ich mit meinen Problemen angehört und ernst genommen werde.

    Ich war in meinem Leben immer zielstrebig und wollte alles perfekt machen. Als ich dann die Diagnose „Glaukom“ erhalten habe, war das ein großer Einschnitt für mich. Ich habe das als einen Hinweis für mich aufgefasst, etwas an meinem Leben zu ändern. Ich habe immer viel gearbeitet und es hat mir auch viel Spaß gemacht. Aber eigentlich bin ich nie richtig zur Ruhe gekommen. Das war dann der Zeitpunkt, an dem ich mir gesagt habe: 'So, jetzt kümmere dich mal darum, das ist ein Hinweis'. Für mich war und ist es wichtig, darauf zu achten, dass ich zur Ruhe komme und mich entspanne. Zum Beispiel habe ich angefangen zu meditieren und mache auch Qigong und Yoga. Das tut mir gut. Aber anfangs ist mir das schon schwer gefallen, mehr Entspannung und mehr Zeit für mich zu nehmen. Das klappt natürlich nicht immer und es ist auch nicht immer alles entspannt, aber ich versuche, mein Leben anders zu gestalten.

    Am Anfang hatte ich Angst vor so einem Anfall. Ich habe immer alles ganz genau beobachtet und bei jeder kleinen Veränderung gedacht: 'Hm, ist jetzt etwas mit dem Auge?' Mit der Zeit hat sich das etwas gegeben. Ich habe mich irgendwie daran gewöhnt.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

     

    Glaukom - Erfahrungsbericht - Helga

    „Die Diagnose war ein großer Schock für mich: Ich habe gedacht, dass ich vielleicht in einem Jahr blind sein könnte.“

    Helga, 54 Jahre

    „Die Diagnose war ein großer Schock für mich: Ich habe gedacht, dass ich vielleicht in einem Jahr blind sein könnte.“

    Vor etwa zehn Jahren habe ich nach langer Zeit wieder mal einen Augenarzt aufgesucht, da ich am Auge ein Gerstenkorn hatte. Ich hatte in dieser Zeit aber auch bei Blitzlicht oder bei Autos mit Rundumleuchten stechende Schmerzen in den Augen bekommen. Das Gerstenkorn wurde behandelt und ich bin erst ein Jahr später wieder zum Arzt für eine Nachuntersuchung gegangen. Ich hatte die Nachsorge aus verschiedenen Gründen schleifen lassen. Bei dieser Nachuntersuchung wurde festgestellt, dass ich ein Glaukom habe. Die Ärztin meinte, dass mein Sehnerv angegriffen ist. Wir haben dann mit einem Test das Gesichtsfeld gemessen und es zeigte sich, dass auf dem rechten Auge etwa die Hälfte der Sehzellen bereits zerstört und der Sehbereich dementsprechend eingeengt war.

    Bei Blitzlicht hatte ich Schmerzen im Auge

    Ich war wie vom Donner gerührt. Bei Rundumleuchten von Rettungswagen, Blitzlicht oder Ähnlichem hatte ich zwar Schmerzen im Auge und auch tränende Augen. Aber ich hätte nie gedacht, dass das ein Hinweis auf eine Krankheit sein kann und hatte es auf den Stress geschoben. Ich hatte keine Ahnung, was ein Glaukom ist.

    Die Ärztin hatte damals keine Zeit, mit mir über diese Diagnose zu sprechen. Das hat mich sehr belastet. Zu Hause wurde ich dann regelrecht panisch und bin in die Notaufnahme in einem Krankenhaus gegangen.

    In der Ambulanz des Krankenhauses waren sie total geschockt von meinem Gesichtsfeld: Die obere Hälfte war zum Teil schwarz und das Glaukom schon ziemlich weit fortgeschritten. Ich muss das Glaukom zu diesem Zeitpunkt schon Jahre gehabt haben.

    In der Krankenhausambulanz wurde ein sogenanntes Tagesprofil erstellt. Das bedeutet, dass den ganzen Tag über der Augendruck gemessen wurde. Und es wurden weitere verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Mit diesen Untersuchungen wurde die Art und Schwere des Glaukoms festgestellt. Ich habe ein Offenwinkelglaukom und mir wurden Tropfen verordnet.

    Die Diagnose war ein großer Schock für mich: Ich habe gedacht, dass ich vielleicht in einem Jahr blind sein könnte. Wie lange das bis zu einer eventuellen Blindheit dauern könnte, konnte niemand sagen. Das bedeutete eine große Unsicherheit für mich.

    Zehn Jahre ist die Diagnose jetzt her

    Für mich war es schwierig, frühzeitig festzustellen, dass ich schlecht sehen kann. Denn das Problem ist ja, dass man nicht selber überprüft, wie gut man mit dem einen und dem anderen Auge sieht. Sondern man schaut immer mit beiden Augen. Hätte ich früher mal probiert, nur mit einem Auge zu schauen und hätte das andere Auge abgedeckt, dann hätte ich schon viel früher gemerkt, dass ich nicht mehr so gut sehen kann.

    Die Diagnose ist jetzt zehn Jahre her und mit der Zeit habe ich mehr Erfahrungen gesammelt. Ich habe meinen Körper besser kennengelernt und gelernt, wie ich bestimmte Wahrnehmungen einstufen kann. Ich habe ein Gefühl dafür bekommen, wann der Augendruck vermutlich hoch und wann der Augendruck vermutlich niedrig ist. Am Anfang war ich sehr besorgt und bin öfters ins Krankenhaus gegangen, weil ich Angst hatte.

    Ich hatte lange Zeit Augentropfen, die ich sehr gut vertragen habe. Leider wurde die Produktion irgendwann eingestellt und ich musste auf neue Tropfen umgestellt werden. Die habe ich leider nicht so gut vertragen. Es ist zwar ein Medikament mit dem gleichen Wirkstoff wie das alte, aber ich habe seit der Umstellung immer Augenschmerzen. Bei einem anderen Medikament, welches ich ausprobiert habe, hatte ich das Gefühl, dass ich beim Treppensteigen keine Luft mehr bekomme und dass ich erschöpft bin. Ich habe diese Nebenwirkungen immer dem Arzt berichtet und dann wurde ein neues Medikament ausprobiert. Das finde ich ganz wichtig, dass man diese Dinge mit dem Arzt bespricht. Wenn man kein Vertrauen zum Arzt hat, dann sollte man den Arzt wechseln. Diese Zusammenarbeit ist für mich sehr wichtig.

    Die richtige Anwendung der Tropfen ist nicht so einfach. Viele Patienten tropfen daneben oder tropfen das Medikament gar nicht richtig in das Auge. Das muss man erst mal üben. Viele ältere Menschen lassen sich vom Partner tropfen. Wenn der Partner dann stirbt oder nicht daheim ist, dann hängt die Anwendung der Tropfen davon ab. Ich finde es wichtig, dass man selber lernt, richtig zu tropfen. Ich habe das Tropfen mit künstlichen Tränen (Anm. d. Red.: Tränenersatzmittel) gelernt. Ich habe auch in Broschüren nachgelesen, wie man das macht.

    Ich hatte auch schon eine Operation an beiden Augen. Sie hat leider keine Verbesserung für mich gebracht. Aber ich kenne auch Leute, bei denen eine Operation zu einer Verbesserung geführt hat. Eine Entscheidung für eine solche Operation ist immer eine sehr individuelle Entscheidung, die jeder für sich selber treffen muss, mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen.

    Der Augendruck hat sich stabilisiert

    Im Moment gehe ich etwa viermal im Jahr zur ärztlichen Kontrolle und komme damit sehr gut klar. Die Sehkraft kann mit der Zeit schlechter werden, aber mein Augendruck hat sich stabilisiert. Manchmal habe ich schon Schmerzen, ein Brennen, Jucken oder Stechen in den Augen oder auch trockene Augen durch die ganzen Medikamente, die man ständig in das Auge träufelt. Mir hilft vor allem auch häufiges Blinzeln und Gähnen, meine Augen zu befeuchten. 

    Ich lasse mir von jedem Augenarzt eine Kopie vom Arztbericht geben, damit ich etwas in der Hand habe. Ich habe eine eigene Akte für mich angelegt, die ich sorgfältig pflege, damit ich alle Informationen zusammen habe. Wenn man die richtigen ärztlichen Ansprechpartner für sich gefunden hat und immer an der gleichen Stelle die Kontrollen machen lässt, ist ein Abgleich mit den Werten der vergangenen Untersuchungen möglich.

    Bei jeder Untersuchung habe ich dennoch immer wieder Angst, dass meine Sehkraft schlechter geworden sein könnte. Manchmal kann ich es ahnen und ich sage dem Arzt, dass ich auf dem linken Auge einen größeren Gesichtsfeldausfall als vorher habe. Besonders in der Zeit vor der Untersuchung mache ich mir Sorgen. Vor allem darum, wie lange ich noch sehen kann, wie lange ich noch Auto fahren oder einige andere Dinge tun kann.

    Bei mir geht das noch mit dem Autofahren, aber ich fahre nur im Sommer und wenn es mir gut geht. Ich fahre nicht, wenn es dunkel ist. Das kann ich nicht mehr. Ich habe mich auch dazu entschlossen, mein Auto im nächsten Jahr zu verkaufen. Ich brauche es nicht und fahre gern mit der Bahn.

    Entspannung tut mir gut

    Ich habe die Diagnose „Glaukom“ im Alter von 45 Jahren bekommen und werde bis zu meinem Lebensende damit zu tun haben. Es gibt ja ganz viele verschiedene Arten von Glaukomen. Wichtig war für mich, dass man sich selber nicht zu sehr verrückt macht – sich Informationen einholt, damit man innerlich ruhiger wird. Mir hat es auch geholfen, durch die regelmäßigen Tests des Gesichtsfeldes eine Verlaufskontrolle über die Erkrankung zu haben.

    Ich hatte für mich das Gefühl, dass Stress einen großen Einfluss auf mich und auch auf meine Augen hatte. Ich habe nach der Diagnose versucht, eine andere Einstellung zu meiner Arbeit zu bekommen und meine Ansprüche an mich ein wenig herunterzuschrauben. Ich habe versucht, ein wenig mehr Ruhe in den Arbeitsalltag zu bekommen. Das war für mich eine große persönliche Entwicklung. Ich habe aktiv versucht, etwas für die Entspannung zu tun. Zum Beispiel mit Reiki, Jin Shin Jitsu und Gymnastik. Ich mache auch viele Ausgleichsübungen, zum Beispiel Atemübungen, am Arbeitsplatz. Es hat sich vieles verbessert, unter anderem, dass ich mir zwischendurch Zeit für Pausen nehme. Obwohl es sehr schwierig ist, solche Dinge grundlegend zu verändern.

    Ich finde auch ganz wichtig ist, dass sich Menschen mit einem Glaukom aussprechen können. Dies Erkrankung kann eine große psychische Belastung sein, das wird oft unterschätzt. Da hilft es, wenn man mal jemandem etwas erzählen kann, einfach jemanden hat, der einem zuhört.

    Mir hat es auch geholfen, mich gut über das Thema zu informieren. Im Internet gibt es viele Möglichkeiten und es gibt auch viele Organisationen und Selbsthilfegruppen, die einen unterstützen können. Und der Arzt kann nicht alles übernehmen, man muss selber mitarbeiten und Verantwortung für sich übernehmen.

    Am Anfang bei der Diagnose finde ich es wichtig, sich nicht allzu viele Sorgen zu machen, sondern möglichst locker und gelassen damit umzugehen. Abhängig von der Art des Glaukoms kann die Erkrankung über viele Jahre verlaufen. Bei einem Engwinkelglaukom, bzw. einem hohen Augendruck, sollte allerdings möglichst schnell gehandelt werden, da sonst Folgeschäden auftreten können.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

     

    Glaukom - Erfahrungsbericht - Johann

    „Ich hatte eine Art Nebel vor den Augen, und um Straßenlaternen oder Autoscheinwerfer habe ich eine Art Strahlenkranz gesehen.“

    Johann, 68 Jahre

    „Ich hatte eine Art Nebel vor den Augen, und um Straßenlaternen oder Autoscheinwerfer habe ich eine Art Strahlenkranz gesehen.“

    Die ersten Symptome habe ich vor etwa sieben Jahren gespürt. Ich hatte eine Art Nebel vor den Augen, und um Straßenlaternen oder Autoscheinwerfer habe ich eine Art Strahlenkranz gesehen. Daraufhin bin ich irgendwann zum Augenarzt gegangen. Dieser konnte jedoch nichts finden. Aber die Symptome wurden mit der Zeit schlimmer. Irgendwann bin ich dann einfach in eine Augenklinik gefahren und dort wurde relativ schnell die Diagnose eines Glaukoms gestellt. Mein Augeninnendruck war zu diesem Zeitpunkt in einem Auge besonders hoch. Mir wurde daraufhin eine Operation an diesem Auge angeboten. Dies habe ich dann auch machen lassen.

    Nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, habe ich mir einen neuen Augenarzt gesucht. Ich habe dann Augentropfen für das Auge verschrieben bekommen, welches nicht operiert wurde. Ich hatte ja Beschwerden auf beiden Augen, nur war der Augeninnendruck zwischen den Augen unterschiedlich. Aber nach einer Weile musste ich dann doch beide Augen tropfen.

    Das ging noch so ein paar Jahre weiter und dann wurde ich wegen einer anderen Augenerkrankung operiert. Das hat alles prima geklappt und ich brauchte danach auch keine Tropfen mehr gegen den Augeninnendruck zu nehmen, bis heute nicht. Die Operation hatte natürlich keinen Einfluss auf das Glaukom selber, denn die Schädigung des Sehnervs ist nicht rückgängig zu machen. Das wird dadurch nicht wieder besser.

    Behandlung mit Tropfen

    Zur Behandlung eines Grünen Stars werden oft Tropfen verordnet, die den Augeninnendruck senken sollen. Aber die Ärzte haben oft keine Zeit, den Patienten genau zu erklären, wie sie das mit den Tropfen machen sollen. Viele stellen sich zu Hause vor den Spiegel und kippen sich die Tropfen irgendwie ins Auge. Schwierig finde ich auch, dass das jeweils von Tropfen zu Tropfen und von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich ist. Beispielsweise muss man bei manchen Flaschen sehr stark drücken, damit etwas herauskommt. Wenn man dann nicht aufpasst, hat man einen ganzen Schwall im Auge. Und die Flaschen sind oft auch ganz klein und sehr schnell leer, wenn das einem mehrfach passiert.

    Wenn man merkt, das klappt nicht so richtig mit dem Tröpfeln, dann kann man noch mal den Arzt fragen oder sich bei einer Selbsthilfegruppe erkundigen. Es gibt da ja so eine Menge Tricks: beispielsweise dass man sich nach dem Tröpfeln den Augenwinkel mit dem Finger eine Weile leicht zudrückt.

    Das Nebelsehen, was ich am Anfang immer hatte, hängt mit dem hohen Augendruck zusammen. Dies kann verschwinden, wenn der Augendruck durch Medikamente oder durch eine Operation gesenkt werden kann. Die Symptome können dadurch behandelt werden, aber der Sehnerv wird dadurch nicht wieder geheilt.

    Durch den verletzten Sehnerv habe ich ein eingeschränktes Gesichtsfeld. Das äußert sich bei jedem anders. Der eine sieht links etwas nicht, der andere rechts, oben oder unten. Und je mehr von dem Sehnerv fehlt, desto schlechter kann man allgemein sehen.

    Bei mir ist der gesamte äußere Sehbereich und der seitliche Sehbereich eingeschränkt. Die Einschränkung beim Sehen fängt äußerlich an und geht langsam Richtung Mitte: also wenn rechts neben mir jemand vorbei kommt, sehe ich ihn erst, wenn er direkt an mir vorbeigeht. Aus dem Augenwinkel kann ich ihn vorher nicht sehen. Das ist natürlich ganz schlecht für das Autofahren.

    Durch die Einschränkungen beim Sehen laufe ich unsicherer. Ich bin auch empfindlicher bei hellem Licht, bin schnell geblendet und Kontraste kann ich schlecht sehen. Beispielweise sehe ich auf Bürgersteigen nur eine graue Fläche. Unebenheiten auf Gehwegen kann ich schlecht erkennen und bemerke sie oft erst, wenn ich hineintrete. Das ist manchmal schon gefährlich.

    Ich mache auch ein wenig Nordic Walking, um mein Gleichgewicht ein wenig zu trainieren. Joggen ist nicht mehr möglich, aber durch die Stöcke beim Nordic Walking habe ich Halt und das geht ganz gut.

    Unsicher beim Autofahren

    Die Sicherheit beim Autofahren ist mit der Zeit immer schlechter geworden. Eines Tages wollte ich losfahren und habe lange an einer Kreuzung gestanden und geschaut und ständig kamen Autos und ich bin einfach nicht losgekommen. Ich konnte die Straße einfach nicht richtig einsehen. Mir war in diesem Moment klar, dass ich mit viel Glück noch bis zur nächsten Kreuzung komme und spätestens dann baue ich einen Unfall. Dann habe ich ganz spontan entschieden, dass ich sofort wieder zurück in die Garage fahre und dass es das jetzt mit dem Autofahren war. Seitdem bin ich nicht mehr mit dem Auto gefahren.

    Mit einer hohen Bildschirmauflösung kann ich noch gut am Computer arbeiten. Das ist mir sehr wichtig, daran habe ich Spaß. Ich habe mir auch einen Scanner besorgt. Beispielsweise kann ich oft Beipackzettel nicht mehr lesen, da sie so klein bedruckt sind. Dann scanne ich mir die ein und mit einer hohen Auflösung kann ich die dann ganz gut am Bildschirm lesen. Manche Dinge kann ich noch mit der Lesebrille entziffern, aber das ist sehr anstrengend und mir schmerzen schnell die Augen.

    Bei Anbruch der Dunkelheit kann ich kaum noch etwas sehen. Daraufhin habe ich mal ein Training für das Gehen mit einem Blindenstock gemacht. Meine Motivation dafür war, dass ich immer schlechter sehe und dass ich mich darauf vorbereite, falls ich irgendwann gar nicht mehr sehen kann. Das ist gar nicht so einfach mit einem Blindenstock. Den Umgang damit muss man lernen.

    Die Augenärzte können ja leider nichts tun, der Sehnerv ist kaputt. Aber ich versuche, das Beste aus der Situation zu machen und damit komme ich einigermaßen klar.

    Ich finde es wichtig, dass man sich von den Ärzten die Unterlagen geben lässt, zumindest eine Kopie davon. Wenn man sich von einem Arzt nicht gut beraten fühlt, dann kann man sich auch eine Zweitmeinung einholen. Selbsthilfegruppen sind gute Ansprechpartner, wenn es einem psychisch nicht so gut geht. Manchmal spricht es sich dort leichter als beim Augenarzt.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

     

    Glaukom - Erfahrungsbericht - Peter

    „Aktiv zu bleiben, hat mir geholfen, die Angst vor einer Erblindung und einem Fortschreiten der Erkrankung ein wenig zu lindern.“

    Peter, 64 Jahre

    „Aktiv zu bleiben, hat mir geholfen, die Angst vor einer Erblindung und einem Fortschreiten der Erkrankung ein wenig zu lindern.“

    Erste Veränderungen an meinen Augen habe ich bei schwerer Gartenarbeit festgestellt: Dann bekam ich das sogenannte Nebelsehen. Auch sonst ging es mir allgemein nicht gut. Daraufhin bin ich zum Arzt gegangen. Der erste Augenarzt, bei dem ich in Behandlung war, hat das Glaukom nicht erkannt. Festgestellt wurde es schließlich 1988 durch einen anderen Arzt.

    Durch die regelmäßige Anwendung von Augentropfen konnte der Augeninnendruck gesenkt werden und das Nebelsehen hörte auf. Die Augentropfen nehme ich ständig. Am Anfang war das eine Problem: Vor 20 Jahren gab es noch nicht so viele Tropfen und die wenigen, die es damals gab, waren oft schwer verträglich. Das hat sich glücklicherweise im Laufe der etwa letzten 10 Jahre geändert. Ich komme momentan mit meinen Tropfen gut klar. Durch die Tropfen konnte mein Augendruck gesenkt werden, so dass bisher keine Operation notwendig war.

    Die Tropfen nehme ich mehrmals täglich. Die Anwendung habe ich mit der Zeit in meinen Tagesablauf eingebaut. Wichtig ist die regelmäßige Anwendung und dass man sie nicht vergisst. Aber wenn die Tropfen einen festen Platz im Tagesablauf haben, dann geht es auch und ich denke fast immer daran. Wichtig ist, dass man sie auch unterwegs oder im Urlaub dabei hat. Da ist es gut, sich vorher ein Rezept für alle Fälle ausstellen zu lassen und mitzunehmen.

    Die Diagnose hat mich sehr bedrückt und mir Angst gemacht, da ja die Gefahr einer Erblindung besteht. Bei mir wurde der Grüne Star erst sehr spät festgestellt. Das Gesichtsfeld war bei der Diagnose schon stark eingeengt. Im Laufe der Jahre hat sich das Gesichtsfeld zwar weiter verengt, aber ich glaube durch die Behandlung verlief das nicht mehr so schnell. Mein Sehen war sozusagen die letzten Jahre recht stabil. Dass es in der letzten Zeit doch schlechter geworden ist, liegt nicht am Glaukom, sondern daran, dass ich zusätzlich einen Grauen Star bekommen habe.

    Schwerpunkte haben sich verschoben

    Meine Familie hat mit weniger Verständnis auf die Diagnose reagiert als ich gehofft hatte. Das liegt vielleicht daran, dass man bei einer Augenerkrankung nichts von außen sehen und nachvollziehen kann, wie zum Beispiel bei einem gebrochenen Bein. Nach meinem Gefühl liegen Welten zwischen demjenigen, der eine Augenerkrankung hat und demjenigen, der das nur theoretisch kennt.

    Nach der Diagnose haben sich die Schwerpunkte in meinem Leben verschoben. Vorher war das Berufsleben sehr wichtig für mich und ich habe sehr viel gearbeitet. Durch die Diagnose habe ich anders über mich und die Gestaltung meines Lebens nachgedacht.

    Früher habe ich in der Freizeit Tennis gespielt und bin gejoggt. Das war dann mit meiner Erkrankung nicht mehr so günstig. Ich habe stattdessen mit anderen Bewegungsarten begonnen. So habe ich mit Nordic Walking und Krafttraining in sanfterer Form angefangen. Aktiv und in Bewegung zu bleiben war für mich ganz wichtig! Ich habe später auch angefangen, viel zur Entspannung zu tun: Yoga, Meditation, Atemtherapie und so weiter. Das tut mir gut.

    Möglichst gelassen bleiben

    Ein wichtiges Thema für Menschen mit einem Glaukom ist das Autofahren. Das geht bei mir noch ganz gut. Aber ich nutze auch gerne öffentliche Verkehrsmittel und weitere Strecken fahre ich sowieso mit dem Zug.

    Menschen, die die Diagnose Glaukom bekommen, würde ich mit auf den Weg geben, möglichst gelassen zu bleiben. Die heutige Medizin bietet Einiges. Wenn ein Glaukom frühzeitig erkannt wird, gibt es oft gute Möglichkeiten, das Gesichtsfeld stabil zu halten und eine Erblindung zu vermeiden. Für mich war es neben der Behandlung auch wichtig, dass ich geschaut habe, was ich mir sonst noch Gutes tun kann, beispielsweise bei der Freizeitgestaltung, Entspannung und Ernährung. Aktiv zu bleiben, hat mir geholfen, die Angst vor einer Erblindung und einem Fortschreiten der Erkrankung ein wenig zu lindern.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.