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Sprunggelenkverstauchung

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    Überblick

    Knöchelverstauchungen gehören zu den häufigsten Verletzungen. Beim Umknicken werden die Bänder überdehnt; im schlimmsten Fall können sie reißen. Da kleine Blutgefäße ebenfalls reißen, schwillt der Knöchel an. Wir informieren über Sofortmaßnahmen, mögliche Behandlungen und was helfen kann, das Gelenk wieder zu stabilisieren.

    Einleitung

    Wenn man mit dem Fuß umknickt, kann das Sprunggelenk anschwellen und schmerzen. Meist ist das Gelenk dann verstaucht, das heißt, ein oder mehrere Bänder des Sprunggelenks und das umgebende Gewebe sind verletzt. Knöchelverstauchungen gehören zu den häufigsten Verletzungen.

    Bänder sind robuste und elastische Bindegewebsstränge, die die Knochen im Gelenk miteinander verbinden. Da das Sprunggelenk aus vielen Knochen besteht, finden sich dort auch mehrere Bänder, die es stabilisieren.

    Symptome

    Beim Umknicken werden die Bänder überdehnt; im schlimmsten Fall können sie reißen. Da kleine Blutgefäße ebenfalls reißen, schwillt der Knöchel an und tut weh.

    Bei einer Verstauchung unterscheidet man folgende Grade:

    • leichte Verstauchung (Grad 1): Dies ist die häufigste und harmloseste Form. Dabei sind die Bänder überdehnt, aber nicht gerissen. Das Fußgelenk ist noch stabil.
    • mittelschwere Verstauchung (Grad 2): Diese Verletzung ist schwerer und schmerzhafter; ein oder mehrere Bänder sind angerissen. Das Gelenk ist etwas instabil, die Beweglichkeit ist eingeschränkt.
    • schwere Verstauchung (Grad 3): Ein oder mehrere Bänder sind gerissen und das Sprunggelenk ist instabil. Der Fuß lässt sich kaum noch bewegen.

    Wenn man direkt nach dem Umknicken noch auftreten und laufen kann, ist höchstwahrscheinlich nichts gebrochen. Sind die Bänder nur leicht gedehnt, kann man den Fuß nach ein paar Tagen meist wieder normal bewegen. Aber auch eine leichte Verstauchung kann schmerzhaft sein.

    Grafik: Fußknochen (Ansicht von der Außenseite) mit Verstauchungen 1., 2. und 3. Grades - wie im Text beschrieben Fußknochen (Ansicht von der Außenseite) mit Verstauchungen 1., 2. und 3. Grades

    Ursachen

    Das Sprunggelenk sorgt dafür, dass man den Fuß auf, ab und seitwärts bewegen kann. Da sich die Füße leichter nach innen als nach außen drehen, knickt der Fuß meist auch nach innen um, wenn man zum Beispiel nach einem Sprung ungünstig aufkommt. Dabei können die Bänder an der Außenseite des Knöchels verletzt werden. Sie werden als Außenbänder bezeichnet. Die Bänder an der Innenseite des Knöchels (Innenbänder) überdehnen beim Umknicken seltener.

    Einige Menschen haben sehr schwache Bänder und neigen deshalb eher zu Verstauchungen als andere. Dies gilt auch für Menschen mit Hohlfuß oder Muskelschwäche. Sportlerinnen und Sportler haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko: Außenbandrisse am Knöchel machen ein Viertel aller Sportverletzungen aus. Häufig trifft es zum Beispiel Menschen, die Volleyball, Basketball oder Fußball spielen.

    Verlauf

    Die meisten Verstauchungen ohne Bänderriss sind nach zwei Wochen größtenteils überstanden: Auch wenn der Fuß noch nicht wieder voll belastet werden kann, schmerzt er meist kaum noch.

    Sind die Bänder angerissen oder gerissen, kann es Wochen dauern, bis das Sprunggelenk keine Probleme mehr macht. Bei manchen Menschen kann es nach einer ernsteren Verletzung der Bänder zwei bis drei Jahre dauern, bis das Sprunggelenk wieder so belastbar und beweglich ist wie zuvor.

    Folgen

    Wer sich den Knöchel verstaucht, ist in den nächsten Jahren anfälliger für erneute Fußverletzungen. Das Risiko ist vor allem erhöht, wenn die Gelenke stark belastet werden – zum Beispiel beim Fußball- oder Basketballspielen.

    Ungefähr bei einem bis 2 von 10 Menschen mit einer schweren Verstauchung bleibt das Sprunggelenk dauerhaft (chronisch) instabil. Das bedeutet, dass das Gelenk auch sechs Monate nach der Verstauchung immer noch zu leicht nachgibt. Wer ein chronisch instabiles Sprunggelenk hat, knickt leichter erneut um und verstaucht sich dann wieder den Knöchel.

    Eine chronische Instabilität des Sprunggelenks, häufiges Umknicken und Verstauchen können außerdem dazu führen, dass sich der Knorpel im Sprunggelenk stärker abnutzt. Knorpel ist ein glattes Gewebe, das schützend die Gelenke überzieht. Wenn der Knorpel zu stark geschädigt und rissig wird, kann eine Arthrose die Folge sein.

    Diagnose

    Zunächst fragt die Ärztin oder der Arzt nach dem Unfallhergang und den Beschwerden. Sie oder er untersucht dann den Fuß und prüft, wie stark die Verletzung ist. Um einen Knöchelbruch auszuschließen, kann der Fuß danach geröntgt werden.

    Wenn sich die Beschwerden bei einer Knöchelverstauchung nach einigen Tagen nicht deutlich bessern, ist vielleicht ein Band gerissen. Möglicherweise wird dann eine Magnetresonanztomografie (MRT, auch Kernspintomografie genannt) durchgeführt, da die Bänder und das umgebende Gewebe mit diesem Verfahren oft besser beurteilt werden können als mit einer Röntgenaufnahme.

    Vorbeugung

    Manche Menschen bandagieren oder schienen ihre Sprunggelenke vor dem Sport, um das Sprunggelenk zu stabilisieren und vor erneuten Verletzungen zu schützen.

    Um einer chronischen Instabilität vorzubeugen, eignen sich vor allem Kräftigungs- und Koordinationsübungen. Damit die Gelenkstrukturen wieder fester werden, ist es allerdings meist nötig, über Wochen und Monate zu trainieren. Häufig werden Übungen auf einem Balancebrett gemacht, zum Beispiel: Stehen mit einem Bein auf einem Brett, das schon bei leichten Bewegungen zur Seite kippt. Diesem Kippen versucht man entgegenzusteuern und dabei nicht die Balance zu verlieren. Der Fuß muss dabei verschiedene Belastungen und Bewegungen ausgleichen, was die Muskulatur stärkt und ihn stabiler macht.

    Behandlung

    Ein verstauchter Knöchel schwillt schnell an und fängt ebenso rasch an zu schmerzen. Als Sofortmaßnahme gegen den Schmerz und die Schwellung lagert man den Fuß am besten hoch, kühlt ihn und legt eine Kompressionsbandage an, die einen leichten Druck auf den Knöchel ausübt. Bei einer leichten Knöchelverletzung reichen diese lindernden Maßnahmen meist aus.

    Falls nötig, kann nach einigen Tagen eine Schiene, Orthese oder ein fester Verband angelegt werden, um den Fuß zu stabilisieren. Bei einer starken Schwellung kann für kurze Zeit auch ein Gips sinnvoll sein.

    Es spricht viel dafür, so früh wie möglich mit angepasster Bewegung zu beginnen und den Fuß nicht zu lange ruhigzustellen. Auch bei einer Verstauchung mit Bänderriss ist nur selten eine Operation notwendig.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    De Vries JS, Krips R, Sierevelt IN, Blankevoort L, van Dijk CN. Interventions for treating chronic ankle instability. Cochrane Database Syst Rev 2011; (8): CD004124.

    Kerkhoffs GM, Handoll HH, de Bie R, Rowe BH, Struijs PA. Surgical versus conservative treatment for acute injuries of the lateral ligament complex of the ankle in adults. Cochrane Database Syst Rev 2007; (2): CD000380.

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    Rammelt S, Richter M, Walther M, Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). Frische Außenbandruptur am oberen Sprunggelenk (S1-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 012-022. 08.08.2017.

    Struijs PA, Kerkhoffs GM. Ankle sprain. BMJ Clin Evid 2010.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Was hilft bei einem chronisch instabilen Sprunggelenk?

    Kraft- und Koordinationstraining ist bei der Behandlung eines chronisch instabilen Fußgelenks hilfreich. Aber auch eine Operation kann sinnvoll sein. Wer schon zwei bis drei Wochen nach einer Operation mit Rehabilitationsübungen beginnt, ist wahrscheinlich früher wieder aktiv als Menschen, die erst später anfangen zu üben.

    Aus einer Verstauchung des Sprunggelenks kann sich eine dauerhafte (chronische) Instabilität des Gelenks entwickeln. Ein Sprunggelenk (auch Fußgelenk genannt) gilt dann als chronisch instabil, wenn das Gelenk sechs Monate nach einer Verstauchung immer noch zu leicht nachgibt oder es zu wiederholten Verstauchungen gekommen ist. Ein instabiles Gelenk kann leichter wieder umknicken. Bei etwa 10 bis 20 von 100 Menschen bleibt das Sprunggelenk nach einer schweren Verstauchung instabil.

    Eine Instabilität kann entstehen, wenn die Bänder des Sprunggelenks überdehnt wurden, oder gerissen und zu locker zusammengewachsen sind. Dies wird als „mechanische Instabilität“ bezeichnet.

    Möglicherweise ist aber auch das Zusammenspiel von Gelenkknöchel, Bändern und Muskeln gestört. Der Körper verfügt über eine sogenannte Tiefenwahrnehmung (Propriozeption). Sie koordiniert auch die Bewegungen der Gelenke, hält sie durch Reflexe stabil und den Körper im Gleichgewicht. Wenn sich ein Fußgelenk dauerhaft instabil anfühlt, liegt das also vielleicht nicht nur an überdehnten Bändern, sondern auch an einer Störung der Tiefenwahrnehmung und dadurch bedingten Störung der Muskelkoordination.

    Kraft- und Koordinationstraining ist bei der Behandlung eines chronisch instabilen Fußgelenks hilfreich. Aber auch eine Operation kann sinnvoll sein. Wer schon zwei bis drei Wochen nach einer Operation mit Rehabilitationsübungen beginnt, ist wahrscheinlich früher wieder aktiv als Menschen, die erst später anfangen zu üben.

    Aus einer Verstauchung des Sprunggelenks kann sich eine dauerhafte (chronische) Instabilität des Gelenks entwickeln. Ein Sprunggelenk (auch Fußgelenk genannt) gilt dann als chronisch instabil, wenn das Gelenk sechs Monate nach einer Verstauchung immer noch zu leicht nachgibt oder es zu wiederholten Verstauchungen gekommen ist. Ein instabiles Gelenk kann leichter wieder umknicken. Bei etwa 10 bis 20 von 100 Menschen bleibt das Sprunggelenk nach einer schweren Verstauchung instabil.

    Eine Instabilität kann entstehen, wenn die Bänder des Sprunggelenks überdehnt wurden, oder gerissen und zu locker zusammengewachsen sind. Dies wird als „mechanische Instabilität“ bezeichnet.

    Möglicherweise ist aber auch das Zusammenspiel von Gelenkknöchel, Bändern und Muskeln gestört. Der Körper verfügt über eine sogenannte Tiefenwahrnehmung (Propriozeption). Sie koordiniert auch die Bewegungen der Gelenke, hält sie durch Reflexe stabil und den Körper im Gleichgewicht. Wenn sich ein Fußgelenk dauerhaft instabil anfühlt, liegt das also vielleicht nicht nur an überdehnten Bändern, sondern auch an einer Störung der Tiefenwahrnehmung und dadurch bedingten Störung der Muskelkoordination.

    Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

    Zur Behandlung einer anhaltenden Instabilität gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zuerst wird versucht, sie konservativ zu behandeln – das heißt, mit Physiotherapie zur Kräftigung und vielleicht dem Tragen einer Schiene zur Stabilisierung des Gelenks.

    Gängig ist bei einer Physiotherapie das sogenannte neuromuskuläre Training. Es soll die Kraft, Stabilität und Koordination des Sprunggelenks verbessern. Studien zeigen, dass das Fußgelenk durch das Training in den ersten Wochen tatsächlich stabiler und beweglicher werden kann. Wie die Behandlung langfristig wirkt, ist allerdings noch nicht ausreichend untersucht.

    Bleibt das Gelenk trotz Training instabil, weil die Bänder zu locker sind, kommt eine Operation infrage. Eine Möglichkeit ist, die Bänder im Sprunggelenk zu kürzen und zu straffen. Alternativ kann auch eine Sehne aus dem Unterschenkel entnommen und als Außenband in das Sprunggelenk eingenäht werden. Sehnen bestehen aus ähnlichem Gewebe wie Bänder.

    Wie wird man nach einer Operation wieder fit?

    Durch die Instabilität kommt es häufig zu Störungen der Muskelkoordination. Deshalb sind Beweglichkeitsübungen nach einer Operation immer ein wichtiger Teil der Rehabilitation. Während dieser Zeit ist es auch hilfreich, eine Schiene zu tragen. Sie gibt dem Gelenk äußeren Halt. Der Druck auf das Gelenk kann außerdem helfen, wieder ein Gefühl für die richtige Muskelkoordination zu entwickeln.

    Nach einer Operation ist es wahrscheinlich von Vorteil, nach spätestens zwei bis drei Wochen mit Bewegungs-, Kraft- und Koordinierungsübungen zu beginnen. Studien weisen darauf hin, dass man dadurch schneller wieder aktiv wird, als wenn man sechs Wochen eine Schiene trägt und keine Übungen macht. Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer, die früher mit Bewegungs- und Kräftigungsübungen begonnen hatten, konnten etwa ein bis zwei Wochen früher ihre Arbeit wieder aufnehmen. Zudem waren sie rund drei Wochen früher wieder sportlich aktiv. Nach rund zwei Jahren zeigten sich jedoch keine Vorteile mehr: In beiden Gruppen waren die Sprunggelenke der Teilnehmenden gleich stabil und beweglich. Viele dieser Studien hatten jedoch nur wenige Teilnehmer und waren nicht gut gemacht. Daher sind ihre Ergebnisse mit Zurückhaltung zu interpretieren.

    Was ist besser: Physiotherapie oder Operation?

    Es gibt keine Studien, in denen eine Operationsmethode direkt mit Physiotherapie oder anderen Behandlungen verglichen wurde. Daher lässt sich nicht sicher sagen, für wen eine Operation am sinnvollsten sein könnte und wie nützlich sie im Vergleich zur konservativen Behandlung ist.

    Unklar ist auch, wie gut verschiedene Operationsmethoden im Vergleich zueinander abschneiden. Dazu gibt es nur wenige kleine und nicht sehr aussagekräftige Studien. In einer Studie wurde ein Operationsverfahren mit dem Namen „Chrisman-Snook“ untersucht, bei dem die Bänder mit einer Sehne aus dem Fuß oder Unterschenkel gestärkt wurden. Es führte jedoch zu mehr Komplikationen, einschließlich Nervenschädigungen als andere Operationsverfahren.

    Insgesamt ist bislang unklar, ob eine Operation zu einer schnelleren Heilung führt als Kraft- und Koordinationstraining. Wenn die Instabilität bestehen bleibt und die Ursache dafür zu lockere Bänder sind, kann aber eine Operation infrage kommen. Welche Behandlung auch gewählt wird: Bei den meisten Menschen wird das Sprunggelenk mit etwas Geduld wieder stabil.

    Quellen

    De Vries JS, Krips R, Sierevelt IN, Blankevoort L, van Dijk CN. Interventions for treating chronic ankle instability. Cochrane Database Syst Rev 2011; (8): CD004124.

    Powden CJ, Hoch JM, Hoch MC. Rehabilitation and Improvement of Health-Related Quality-of-Life Detriments in Individuals with Chronic Ankle Instability: A Meta-Analysis. J Athl Train 2017; 52(8): 753-765.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Wie wird ein verstauchter Knöchel behandelt?

    Ein verstauchter Knöchel wird zunächst für eine Weile mit einer Schiene oder einem Verband ruhiggestellt. Meist kann man aber frühzeitig mit Bewegungsübungen anfangen. Schmerzmittel können die Schmerzen lindern. Eine Operation ist nur selten notwendig.

    Wenn man mit dem Fuß umknickt, kommt es leicht zu einer Verstauchung des Knöchels. Dabei können die Bänder am Sprunggelenk überdehnt werden oder reißen. Als Folge einer stärkeren Verstauchung kann das Gelenk dauerhaft instabil werden.

    Ein verstauchter Knöchel wird zunächst für eine Weile mit einer Schiene oder einem Verband ruhiggestellt. Meist kann man aber frühzeitig mit Bewegungsübungen anfangen. Schmerzmittel können die Schmerzen lindern. Eine Operation ist nur selten notwendig.

    Wenn man mit dem Fuß umknickt, kommt es leicht zu einer Verstauchung des Knöchels. Dabei können die Bänder am Sprunggelenk überdehnt werden oder reißen. Als Folge einer stärkeren Verstauchung kann das Gelenk dauerhaft instabil werden.

    Der Knöchel ist verstaucht: Was tun?

    Nach einer Sprunggelenkverletzung wird meist empfohlen, den Fuß in den ersten Tagen ruhigzustellen, hochzulagern, zu kühlen und einen Kompressionsverband anzulegen. Den Fuß zunächst zu schonen, ist sinnvoll, damit die Schwellung und die Schmerzen zurückgehen. Es spricht jedoch manches dafür, bei leichten und mittelschweren Verstauchungen schon sehr frühzeitig mit angepassten Bewegungen zu beginnen.

    Kühlen mit Eis kann die Schmerzen möglicherweise etwas lindern. Wie hilfreich Kühlen ist, wurde wissenschaftlich bislang nicht gut untersucht. Wenn das Kühlen eine Besserung bewirkt, spricht aber wenig dagegen. Allerdings sollten Eis oder Kühlpacks nicht direkt auf die Haut gelegt werden, da dies zu Erfrierungen führen kann.

    Kompressionsverbände können Studien zufolge die Heilung unterstützen. Ein Kompressionsverband besteht aus einer elastischen Binde, die unter leichtem Zug von den Zehenspitzen bis über den Knöchel gewickelt wird. Da der Verband weder zu locker noch zu eng sein darf, wird er am besten von einer medizinischen Fachkraft angelegt.

    Wann ist der Fuß wieder belastbar?

    Sind die Bänder bei einer Verstauchung nur überdehnt, klingen die Beschwerden meist schon nach einigen Tagen ab: Ein Verband oder eine Schiene zur Ruhigstellung und die Entlastung des Fußes reichen dann aus. Der Fuß kann schon bald wieder vorsichtig belastet werden. Bei einer leichten Verstauchung kann man nach ungefähr einer Woche wieder normal gehen.

    Sind die Bänder angerissen oder gerissen, kann es Wochen dauern, bis der Fuß wieder voll belastbar ist. Dann ist es meistens für mindestens fünf Wochen nötig, eine Schiene oder Orthese zu tragen, die die Bewegung des Sprunggelenks begrenzt. Dies soll die Bänder schonen, damit sie wieder zusammenwachsen können. Bei einer starken Schwellung können auch ein Gips und Unterarmgehstöcke zur Entlastung nötig sein. Ist die Mobilität stark oder länger eingeschränkt, können Anti-Thrombose-Spritzen sinnvoll sein.

    Ist eine Physiotherapie hilfreich?

    Bei einem Bänderriss oder -anriss können Kräftigungsübungen helfen, den Fuß zu stabilisieren, bevor man wieder mit dem Laufen beginnt. Viele Übungen zielen darauf, die Muskulatur zu stärken und die Koordination zu verbessern. Dabei wird beispielsweise der Fuß in verschiedene Richtungen gestreckt und gebeugt. Wann mit einer Physiotherapie begonnen werden kann, hängt vom Einzelfall ab. Häufig ist dies aber nach rund zwei oder drei Wochen möglich.

    Solche gezielten Mobilisationsübungen helfen, schneller wieder auf die Beine zu kommen, als wenn man den Fuß über längere Zeit in einer Schiene ruhigstellt. Man kann auch früher wieder mit Sport beginnen. Vermutlich hat ein früher Übungsbeginn aber keinen Einfluss auf die langfristige Stabilität des Sprunggelenks.

    Manchmal bieten Physiotherapie- oder Arztpraxen zusätzlich eine Ultraschall- oder Elektrotherapie an. Die Schallwellen oder elektrischen Reize sollen die Heilung beschleunigen. In Studien zeigte sich jedoch kein zusätzlicher Vorteil für solche ergänzenden Therapien.

    Was hilft gegen die Schmerzen?

    Zunächst hilft es, den Fuß für einige Tage zu entlasten und – je nach Schwere der Verletzung – nur vorsichtig oder gar nicht aufzutreten. Reicht Schonung nicht aus, können Schmerzmedikamente helfen. Dazu gehören unter anderem die sogenannten nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie beispielsweise ASS, Ibuprofen und Diclofenac. Einige Wirkstoffe können als Salbe aufgetragen oder als Tablette eingenommen werden. Beide Formen können kurzfristig die Schmerzen und auch die Schwellung lindern.

    Salben haben den Vorteil, dass sie den Magen nicht belasten. Schmerzmittel als Tabletten können die Magenschleimhaut schädigen. Dieses Risiko steigt, je länger man die Tabletten einnimmt und je höher die Dosis ist. Bei einer Verstauchung sind Schmerzmittel jedoch meist nur für eine kurze Zeit nötig.

    Zur Schmerzlinderung werden auch Salben mit pflanzlichen Inhaltsstoffen angeboten. Es ist jedoch nicht nachgewiesen, dass diese Salben helfen.

    Welche Vor- oder Nachteile hat eine Operation?

    Gerissene Bänder können genäht werden. Allerdings bringt eine solche Operation die meisten Menschen nicht schneller wieder auf die Beine als frühzeitige Mobilisationsübungen. Zudem ist sie mit bestimmten Risiken verbunden. So können etwa Nerven geschädigt werden und wie bei jeder Operation kann es zu Entzündungen, Nachblutungen und Wundheilungsstörungen kommen.

    Leistungssportlerinnen und -sportler entscheiden sich manchmal für eine Operation in der Hoffnung, danach schneller wieder voll belastbar zu sein. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Beweise, dass dies tatsächlich der Fall ist. Studien lassen eher darauf schließen, dass man mit Physiotherapie und Kräftigungsübungen schneller wieder Sport treiben kann.

    Bei besonders schweren Sprunggelenkverletzungen kann eine Operation jedoch unter Umständen sinnvoll sein. Auch wenn das Sprunggelenk sechs Monate nach der Verstauchung immer noch instabil ist, wird die Ärztin oder der Arzt möglicherweise eine Operation vorschlagen. Dabei werden die Bänder verkürzt, um das Sprunggelenk zu stabilisieren. Vermutlich sind aus diesem Anlass operierte Bänder auf lange Sicht stabiler.

    Auch nach einer Operation eines instabilen Knöchels ist es sinnvoll, frühzeitig mit Bewegungs- und Koordinationsübungen zu beginnen. Sie können wahrscheinlich helfen, seine normalen Aktivitäten schneller wieder aufzunehmen, als wenn der Fuß länger geschient und ruhiggestellt wird.

    Quellen

    Bleakley CM, McDonough SM, MacAuley DC. Some conservative strategies are effective when added to controlled mobilisation with external support after acute ankle sprain: a systematic review. Aust J Physiother 2008; 54(1): 7-20.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.