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Bandscheibenvorfall

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    Überblick

    Bei Bandscheibenvorfall denkt fast jeder an plötzlich einsetzende, heftige Rückenschmerzen. Doch die meisten Bandscheibenvorfälle bleiben unbemerkt und müssen nicht behandelt werden. Was passiert bei einem schmerzhaften Vorfall und woran erkennt man, ob ein Arztbesuch sinnvoll ist?

    Einleitung

    Viele Menschen haben immer wieder einmal Rückenschmerzen. Meist lässt sich ihre Ursache nicht genau bestimmen. Wenn die Schmerzen jedoch über das Bein bis in den Fuß ausstrahlen, kann das auf einen Bandscheibenvorfall hinweisen.

    Die Bandscheiben befinden sich zwischen den Wirbelkörpern der Rückenwirbel. Sie bestehen aus einer elastischen Hülle aus Knorpelfaser und einem gelartigen Kern (Gallertkern). Bei einem Bandscheibenvorfall tritt Bandscheibengewebe zwischen den Wirbelkörpern hervor. „Vorgefallenes“ Gewebe kann auf die Nerven der Wirbelsäule drücken und sie reizen.

    Ein Bandscheibenvorfall kann sehr unangenehm sein. Die Beschwerden lassen aber bei den meisten Menschen innerhalb von sechs Wochen von selbst nach. Auch führt längst nicht jeder Bandscheibenvorfall zu Beschwerden.

    Symptome

    Ein Bandscheibenvorfall kann ganz plötzlich einen heftigen „einschießenden“ Schmerz auslösen. Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule sind die Hauptursache für Ischialgien (umgangssprachlich „Ischias“). Als Ischialgie werden Schmerzen bezeichnet, die über eines der Beine bis in den Fuß ausstrahlen. Neben den typischen ausstrahlenden Schmerzen kann sich ein Bandscheibenvorfall auch durch Schmerzen im unteren Rücken bemerkbar machen.

    Selten kommt es neben den Schmerzen und der Bewegungseinschränkung auch zu Gefühlsstörungen im Gesäßbereich oder Lähmungserscheinungen. Diese Symptome weisen auf ein ernsthaftes Problem wie eine Nervenschädigung hin. Sind auch die Blasen- oder Darmfunktion gestört, ist eine sofortige Behandlung nötig. Dieses sogenannte Kauda-Syndrom ist ein medizinischer Notfall.

    Nicht jeder Bandscheibenvorfall ist mit Beschwerden verbunden. Das zeigen Studien, in denen Erwachsene ohne Rückenschmerzen mittels Kernspintomografie untersucht wurden. Es zeigte sich, dass mehr als 50 von 100 Untersuchten eine vorgewölbte Bandscheibe hatten. Bei etwa 20 von 100 Untersuchten hatte der Bandscheibenkern bereits einige Schichten seiner Hülle durchbrochen oder war sogar in das umliegende Gewebe gelangt, ohne Beschwerden auszulösen.

    Ursachen

    Bei den meisten Menschen sind Bandscheibenvorfälle die Folge von Verschleißerscheinungen. Mit den Jahren nimmt die Elastizität der Bandscheiben ab: Sie verlieren Flüssigkeit, werden spröde und rissig. Solche Veränderungen sind Teil des normalen Alterungsprozesses, der bereits in der Jugend beginnt. Allerdings altern die Bandscheiben nicht bei allen Menschen gleich schnell. Sehr selten kann auch ein Unfall oder eine schwere Verletzung die Bandscheibe schädigen und in der Folge zu einem Gewebevorfall führen.

    Die Bandscheiben wirken wie Stoßdämpfer zwischen den einzelnen Wirbeln der Wirbelsäule. Wenn eine Bandscheibe Belastungen nicht mehr so gut abfedern kann, kann es zu einem Bandscheibenvorfall kommen. Die Schmerzen entstehen vermutlich deshalb, weil Bandscheibengewebe auf einen Nerv im Bereich des Rückenmarks drückt.

     

    Grafik: Gesunde Bandscheibe und Bandscheibenvorfall (Querschnitt durch die Lendenwirbelsäule - Ansicht von oben) Gesunde Bandscheibe und Bandscheibenvorfall (Querschnitt durch die Lendenwirbelsäule - Ansicht von oben)

     

    Wenn vorgewölbtes oder ausgetretenes Gewebe eine Nervenwurzel im Bereich der Lendenwirbelsäule reizt, führt das häufig zu den typischen Ischiasschmerzen. Die Nerven, die im Wirbelkanal verlaufen (Spinalnerven), verbinden sich im Becken zum Ischiasnerv, der die Beine versorgt. Ein gereizter Ischiasnerv kann neben Schmerzen auch Kribbeln und Taubheitsgefühle auslösen.

     

    Illustration: Verlauf der Spinal- und der Ischiasnerven Verlauf der Spinal- und der Ischiasnerven

     

    Fachleute unterscheiden folgende Schweregrade:

    • Die Bandscheibenvorwölbung (Protrusion): Dabei wölbt sich die Bandscheibe zwischen den Wirbelkörpern hervor. Ihre äußerste Hülle ist aber noch intakt.
    • Die Extrusion: Bei einer Extrusion ist die äußerste Hülle der Bandscheibe gerissen, sodass Bandscheibengewebe austreten kann. Das ausgetretene Gewebe ist jedoch noch mit der Bandscheibe verbunden.
    • Der sequestrierte Bandscheibenvorfall (Sequester): Bandscheibengewebe, das in den Wirbelkanal ausgetreten ist und keinen direkten Kontakt mehr zur Bandscheibe hat, wird als Sequester bezeichnet.

    Diese Einteilung sagt wenig darüber aus, welche Beschwerden auftreten und wie stark sie sind. Allerdings kann die Art des Bandscheibenvorfalls für die Wahl der Behandlung und den Krankheitsverlauf von Bedeutung sein.

    Häufigkeit

    Schätzungsweise 1 bis 5 % aller Menschen bekommen in ihrem Leben irgendwann einmal Kreuzschmerzen, die von einem Bandscheibenvorfall herrühren. In der Altersgruppe über 30 Jahre treten Bandscheibenprobleme häufiger auf, bei Männern sind sie ungefähr doppelt so häufig wie bei Frauen.

    Verlauf

    Schmerzen und Bewegungseinschränkungen infolge eines Bandscheibenvorfalls lassen bei etwa 90 von 100 Menschen innerhalb von sechs Wochen von selbst nach. Man vermutet, dass der Körper mit der Zeit einen Teil des verlagerten oder ausgetretenen Gewebes beseitigt oder es sich so verschiebt, dass die Nerven nicht mehr gereizt werden.

    Ein schmerzhafter Bandscheibenvorfall kann sehr unterschiedlich verlaufen: Die Schmerzen können plötzlich einsetzen und rasch von selbst wieder verschwinden. Manche Menschen haben über längere Zeit Schmerzen, andere immer wieder.

    Wenn die Beschwerden länger als sechs Wochen anhalten, wird es zunehmend unwahrscheinlich, dass sie von allein oder durch eine nicht operative Behandlung wieder verschwinden.

    Diagnose

    Zur Abklärung von akuten Rückenschmerzen reichen eine Befragung und eine körperliche Untersuchung normalerweise aus. Röntgenaufnahmen sind zur Diagnose eines Bandscheibenvorfalls nur wenig geeignet. Weitere Untersuchungen mit anderen bildgebenden Verfahren wie einer Kernspintomografie sind nur selten nötig, nämlich wenn

    • an einem oder beiden Beinen Lähmungserscheinungen auftreten,
    • die Blasen- oder Darmfunktion gestört ist,
    • die Schmerzen trotz Behandlung kaum erträglich sind,
    • starke Beschwerden trotz Behandlung über Wochen anhalten oder
    • der Verdacht besteht, dass eine andere Erkrankung die Schmerzen verursacht, etwa ein Tumor.

    Die Ärztin oder der Arzt hat also wahrscheinlich gute Gründe, bei Untersuchungen zunächst zurückhaltend zu sein: Bildgebende Untersuchungen können eine vermeintliche Ursache für die Kreuzschmerzen zeigen, die tatsächlich nichts mit den Beschwerden zu tun hat. Eine solche Fehldiagnose kann wiederum eine überflüssige Behandlung nach sich ziehen, die vielleicht sogar schadet.

    Behandlung

    Selbst heftige Ischiasbeschwerden können mit der Zeit von selbst wieder abklingen. Bis dahin können verschiedene schmerzlindernde Behandlungen helfen, mit den Beschwerden zurechtzukommen. Bisher ist allerdings nicht belegt, dass bestimmte Behandlungen die Genesung deutlich beschleunigen. Die Hauptarbeit leistet der Körper in der Regel selbst.

    Wenn starke Ischiasbeschwerden länger als sechs Wochen andauern und die Diagnose eindeutig einen Bandscheibenvorfall als Ursache ausgemacht hat, kann eine Operation infrage kommen, um den betroffenen Nerv zu entlasten. Eine Operation wird außerdem immer dann durchgeführt, wenn die Nerven so stark beeinträchtigt sind, dass die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktionieren oder bestimmte Muskeln sehr geschwächt sind. Das kommt jedoch nur selten vor.

    Rehabilitation

    Ziel einer Rehabilitation ist es, Beschwerden und Beeinträchtigungen infolge eines Bandscheibenvorfalls zu verringern, die Rumpfmuskulatur zu stärken und so die Stabilität der Wirbelsäule zu verbessern.

    Eine Rehabilitation kann Rückenschule, Dehn- und Entspannungsübungen, Krafttraining und andere Maßnahmen beinhalten. Sie kommt für Menschen infrage, die durch ihre Rückenschmerzen stark beeinträchtigt sind und nicht arbeiten oder anderen Verpflichtungen nachgehen können. Auch nach einer Operation kann eine sogenannte Anschlussheilbehandlung sinnvoll sein.

    Quellen

    Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz – Langfassung, 2. Auflage, Version 1. 2017.

    Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e.V. (DGOOC). S2k-Leitlinie zur konservativen und rehabilitativen Versorgung bei Bandscheibenvorfällen mit radikulärer Symptomatik. 07.2014. (AWMF-Leitlinien; Band 033 - 048).

    Jordan J, Konstantinou K, O’Dowd J. Herniated lumbar disc. Clin Evid 2011.

    Lewis R, Williams N, Matar HE, Din N et al. The clinical effectiveness and cost-effectiveness of management strategies for sciatica: systematic review and economic model. Health Technol Assess 2011; 15(39): 1-578.

    Oosterhuis T, Costa LO, Maher CG, de Vet HC, van Tulder MW, Ostelo RW. Rehabilitation after lumbar disc surgery. Cochrane Database Syst Rev 2014; (3): CD003007.

    Pinto RZ, Maher CG, Ferreira ML, Ferreira PH et al. Drugs for relief of pain in patients with sciatica: systematic review and meta-analysis. BMJ 2012; 344: e497.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Kann eine Rehabilitation nach einer Bandscheiben-OP helfen?

    Rehabilitationsprogramme mit Bewegungsübungen, die vier bis sechs Wochen nach der Operation eines Bandscheibenvorfalls beginnen, können die Genesung beschleunigen. Ob es Vor- oder Nachteile hat, die Rehabilitation unmittelbar nach der Operation zu beginnen, ist unklar.

    Ein Bandscheibenvorfall im unteren Teil der Wirbelsäule ist eine häufige Ursache von Kreuzschmerzen. Er kann auch zu Ischiasbeschwerden führen, bei denen die Schmerzen bis ins Bein ziehen. Meistens erholt man sich von solchen Beschwerden innerhalb von etwa sechs Wochen. Bis dahin reicht es oft aus, die Schmerzen zu lindern und so gut es geht aktiv zu bleiben. Häufig wird auch physiotherapeutisch behandelt.

    Eine Operation kommt infrage, wenn ein Bandscheibenvorfall zu einem akuten Notfall wird oder wenn starke Schmerzen trotz aller Behandlungsversuche über längere Zeit bestehen bleiben. In Deutschland werden jährlich mehr als 140.000 Bandscheiben-Operationen durchgeführt. Manche Menschen lassen sich auch mehrfach operieren.

    Nach einer Operation wird eine Vielzahl unterschiedlicher Rehabilitationsprogramme angeboten. Manche Ärztinnen und Ärzte empfehlen, die Rehabilitation unter physiotherapeutischer Anleitung unmittelbar nach der Operation zu beginnen. Andere empfehlen, erst einmal abzuwarten. Es gibt auch unterschiedliche Empfehlungen dazu, wie intensiv das Rehabilitationstraining sein soll.

    Studien zur Rehabilitation

    Eine Wissenschaftlergruppe des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration hat nach Studien gesucht, in denen Rehabilitationsprogramme im Anschluss an eine Bandscheiben-Operation untersucht wurden. Am aussagekräftigsten sind sogenannte randomisierte kontrollierte Studien. Die Wissenschaftlergruppe fand 22 solcher Studien. Daran nahmen insgesamt 2500 Personen teil, die an einer Bandscheibe im Lendenwirbelbereich operiert wurden.

    In den meisten Studien begann die Rehabilitation vier bis sechs Wochen nach der Operation. Das Training im Rahmen der Rehabilitation unterschied sich von Studie zu Studie deutlich: Es umfasste unter anderem Ausdauertraining, Rückenschulungen, Dehnübungen und Krafttraining für Rücken und Bauch. Das Training fand ein- bis dreimal pro Woche statt und dauerte 30 bis 90 Minuten. Die meisten Rehabilitationsprogramme liefen bis zu zwölf Wochen. Die meisten Studien untersuchten, ob eine Rehabilitation die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit wieder verbessern kann.

    Rehabilitation kann Genesung etwas beschleunigen

    Insgesamt deuten die Studien darauf hin, dass eine Rehabilitation kurzfristig die Schmerzen lindern kann und die Beweglichkeit verbessert. Ob diese Wirkung auch längerfristig anhält, ist weniger gut untersucht.

    Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden zudem eine gut gemachte Studie, die untersucht hatte, ob eine Rehabilitation die Zeit bis zur Rückkehr in den Beruf verkürzen kann. Das untersuchte Programm wurde von einer gesetzlichen Krankenkasse in Belgien angeboten. Die Teilnehmenden wurden während der Rehabilitation von Ärztinnen und Ärzten begleitet, die sie einmal im Monat persönlich berieten, anleiteten und bei Bedarf zum Beispiel zur Physiotherapie überwiesen. Das Ergebnis der Studie:

    • Ohne Rehabilitation waren nach einem Jahr 82 von 100 Teilnehmenden an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt.
    • Mit Rehabilitation hatten zu diesem Zeitpunkt 90 von 100 Teilnehmenden ihre Arbeit wieder aufgenommen.

    Aus der Studie ergaben sich keine Hinweise darauf, dass eine Rehabilitation das Risiko für Verletzungen oder eine erneute Operation erhöht.

    Es gibt Hinweise, dass eine Rehabilitation, die bereits innerhalb der ersten vier Wochen nach der Operation beginnt, Rückenschmerzen eher lindert als eine spätere Rehabilitation oder keine, ohne dass sich das Risiko für unerwünschte Folgen erhöht. Die Vor- und Nachteile einer Rehabilitation, die unmittelbar nach einer Bandscheiben-Operation beginnt, wurden bislang aber kaum in Studien untersucht. Sie lassen sich daher derzeit nicht sicher abschätzen.

    Quellen

    Oosterhuis T, Costa LO, Maher CG, de Vet HC, van Tulder MW, Ostelo RW. Rehabilitation after lumbar disc surgery. Cochrane Database Syst Rev 2014; (3): CD003007.

    Snowdon M, Peiris CL. Physiotherapy Commenced Within the First Four Weeks Post-Spinal Surgery Is Safe and Effective: A Systematic Review and Meta-Analysis. Arch Phys Med Rehabil 2016; 97(2): 292-301.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Nicht operative Behandlungsmöglichkeiten

    Die meisten Menschen mit einem Bandscheibenvorfall werden „konservativ“ behandelt, das heißt ohne Operation. Dazu gehören vor allem Bewegung, Entspannung und Entlastung, schmerzstillende oder lokal betäubende Medikamente sowie manuelle und physikalische Therapien.

    Ein Bandscheibenvorfall kann unbemerkt bleiben, aber auch zu heftigen Rückenschmerzen führen. Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbel kann auf den Ischiasnerv drücken und Schmerzen auslösen, die häufig über ein Bein bis in den Fuß ausstrahlen. Bei den meisten Menschen heilt ein Bandscheibenvorfall innerhalb von sechs Wochen von allein aus. Bis dahin stehen viele Behandlungen zur Verfügung, die dabei helfen sollen, die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern.

    Die meisten Menschen mit einem Bandscheibenvorfall werden „konservativ“ behandelt, das heißt ohne Operation. Dazu gehören vor allem Bewegung, Entspannung und Entlastung, schmerzstillende oder lokal betäubende Medikamente sowie manuelle und physikalische Therapien.

    Ein Bandscheibenvorfall kann unbemerkt bleiben, aber auch zu heftigen Rückenschmerzen führen. Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbel kann auf den Ischiasnerv drücken und Schmerzen auslösen, die häufig über ein Bein bis in den Fuß ausstrahlen. Bei den meisten Menschen heilt ein Bandscheibenvorfall innerhalb von sechs Wochen von allein aus. Bis dahin stehen viele Behandlungen zur Verfügung, die dabei helfen sollen, die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern.

    Bewegung, Entspannung und Entlastungshaltung

    Früher war es üblich, Menschen mit einem Bandscheibenvorfall ein bis zwei Wochen Bettruhe zu verordnen. Heute wird im Gegenteil oft nachdrücklich dazu geraten, aktiv zu bleiben. Denn durch längeres Liegen werden Muskeln und Knochen schwächer, was zu weiteren Problemen führen kann.

    Studien zeigen, dass es für die Beweglichkeit besser ist, aktiv zu bleiben statt Bettruhe einzuhalten. Auf die Rückenschmerzen selbst hatte es in Studien hingegen keinen Einfluss, ob man aktiv bleibt oder sich schont. Soweit die Schmerzen es erlauben, ist es also sinnvoll, weiter den normalen Tätigkeiten nachzugehen. Zudem ist nachgewiesen, dass ein Bewegungstraining erneuten Beschwerden wirksam vorbeugen kann.

    Auch Entspannungsübungen können bei Rückenschmerzen einen Versuch wert sein. Denn wie jemand Schmerzen empfindet und wie gut es einem Menschen gelingt, mit Schmerzen zurechtzukommen, kann von der Psyche beeinflusst werden.

    Bei starken Schmerzen bleibt allerdings manchmal keine andere Möglichkeit, als sich erst einmal in einer möglichst entlastenden Haltung hinzulegen. Viele Menschen empfinden die Stufenlagerung als angenehm: Dabei werden die Unterschenkel auf eine Ablage gelegt, die etwa so hoch ist, dass Unter- und Oberschenkel einen 90-Grad-Winkel bilden. Wichtig ist aber, nicht zu lange inaktiv zu bleiben. 

    Illustration: Stufenlagerung Stufenlagerung

    Medikamente gegen Beschwerden

    Um Ischiasbeschwerden (Ischialgie) nach einem Bandscheibenvorfall zu lindern, können verschiedene Medikamente eingesetzt werden. Dazu gehören vor allem Schmerzmittel, aber auch entkrampfende und entzündungshemmende Wirkstoffe. Am häufigsten werden die folgenden, in niedriger Dosierung rezeptfrei erhältlichen Medikamente verwendet:

    • Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR): Diese Schmerzmittel gehören zur selben Gruppe von Medikamenten wie die Acetylsalicylsäure (ASS, wie in „Aspirin“). Zu den NSAR, die bei einer Ischialgie infrage kommen, gehören zum Beispiel Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Sie wirken schmerzstillend und entzündungshemmend. Da NSAR die Blutgerinnung teilweise hemmen, können die Medikamente zu Blutungen führen. Diese können leicht sein, wie zum Beispiel Nasen- oder Zahnfleischbluten, manchmal können aber auch schwerwiegendere Blutungen auftreten, etwa im Magen-Darm-Trakt. In einigen Fällen können NSAR auch Magengeschwüre verursachen. Außerdem können NSAR die Funktion der Nieren beeinträchtigen. Wer Asthma, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder ein Magengeschwür hat, fragt vor dem Einsatz von NSAR am besten zunächst die Ärztin oder den Arzt. Die Mittel können auch in einen Muskel gespritzt werden. Das wird jedoch heute in der Regel nicht mehr gemacht. Denn eine solche Spritze hat vermutlich keine Vorteile gegenüber der Behandlung mit Tablette oder Zäpfchen, sie kann jedoch Nervenverletzungen, Blutungen oder Entzündungen im Bereich der Einstichstelle verursachen.
    • Paracetamol: Auch Paracetamol ist ein Schmerzmittel, gehört aber nicht zur Gruppe der NSAR. Paracetamol gilt als gut verträglich und kann eine Alternative zu NSAR sein – insbesondere für Menschen, die Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR nicht vertragen, etwa weil sie Magenprobleme oder Asthma haben. Allerdings kann Paracetamol in höherer Dosierung Leber und Nieren schädigen. Daher sollen Erwachsene laut Beipackzettel eine Höchstmenge von 4 Gramm (4000 Milligramm) pro Tag nicht überschreiten. Dies entspricht zum Beispiel 8 Tabletten mit je 500 Milligramm Paracetamol. Neben der korrekten Dosierung ist bei der Anwendung zudem ein zeitlicher Mindestabstand zur vorhergehenden Einnahme einzuhalten.

    Zu den verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, die nur auf Rezept erhältlich sind, gehören:

    • Opioide: starke Schmerzmittel, die nur unter ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden dürfen. Opioide unterscheiden sich in ihrer Stärke, manche werden auch als Pflaster angeboten. Morphin ist zum Beispiel ein sehr starkes Mittel, Tramadol ein schwächeres Opioid. Diese Medikamente können eine Reihe von zum Teil schwerwiegenden Nebenwirkungen haben. Diese reichen von Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung bis hin zu Schwindel, Atemproblemen und Blutdruckschwankungen. Eine längere Einnahme kann zu Gewöhnung und körperlicher Abhängigkeit führen.
    • Kortikoide: entzündungshemmende Mittel, die bei verschiedenen Erkrankungen systemisch, das heißt als Tabletten, Infusionen oder Spritzen in den Muskel, eingesetzt werden können. Dabei verteilen sich die Wirkstoffe im gesamten Körper und können Entzündungen dämpfen und damit Schmerzen lindern. Systemisch wirksame Kortikoid-Präparate können unter anderem das Risiko für Magengeschwüre, Osteoporose, Infektionen, Hautprobleme, Grünen Star (Glaukom) und Störungen des Zuckerstoffwechsels erhöhen.
    • Muskelrelaxantien: Beruhigungsmittel, die auch die Muskeln entspannen. Wie andere Psychopharmaka können sie zu Müdigkeit und Benommenheit führen und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Außerdem können Muskelrelaxantien die Leberfunktion stören und zu Magen-Darm-Komplikationen führen. Mittel aus der Gruppe der sogenannten Benzodiazepine, zum Beispiel Tetrazepam, können abhängig machen, wenn sie länger als zwei Wochen eingenommen werden.
    • Antikonvulsiva: Diese Mittel werden normalerweise bei Epilepsie angewendet, einige sind aber auch zur Behandlung von Nervenschmerzen (Neuralgien) zugelassen. Zu ihren Nebenwirkungen gehören Benommenheit und Müdigkeit. Dadurch können die Medikamente die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.
    • Antidepressiva: Sie werden normalerweise gegen Depressionen eingenommen. Einige dieser Mittel sind auch zur Behandlung von Schmerzen zugelassen. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen Übelkeit, Mundtrockenheit, niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen und Müdigkeit.

    Antikonvulsiva und Antidepressiva werden in der Regel erst bei länger andauernden Beschwerden und unzureichender Wirkung der Schmerzmedikamente eingesetzt.

    Manuelle und physikalische Therapien

    Bei der Behandlung von Ischiasbeschwerden nach einem Bandscheibenvorfall werden auch manuelle und physikalische Therapien angewendet. Zu den manuellen Behandlungen gehören Massagen und bestimmte Handgriffe, mit denen verspannte Muskeln oder blockierte Gelenke gelockert werden sollen. Physikalische Therapien nutzen Wärme und Kälte, um Schmerzen zu lindern. Diese Behandlungen werden auch als passive Therapien bezeichnet, da die Patientinnen und Patienten dabei nicht aktiv mitarbeiten. Häufig eingesetzte Behandlungen sind:

    • Massagen: Verschiedene Massagetechniken werden genutzt, um die Muskeln zu lockern und Verspannungen zu lösen.
    • Wärme- und Kälteanwendungen: Hierzu gehören zum Beispiel Wärmepflaster oder -packungen, ein heißes Bad, ein Saunagang oder eine Infrarot-Bestrahlung. Wärme kann bei verspannten Muskeln gut tun. Bei Nervenreizungen werden auch Kältepackungen eingesetzt, wie kalte Umschläge oder Gelkissen.
    • Ultraschalltherapie: Hierbei wird der untere Rücken mit Schallwellen behandelt, die durch feine Vibrationen Wärme erzeugen und so das Gewebe lockern sollen.

    Insgesamt ist bislang nicht belegt, dass passive Behandlungen die Genesung nach einem Bandscheibenvorfall beschleunigen oder die Schmerzen besonders gut lindern können. Viele Menschen empfinden eine Massage oder Wärmeanwendung jedoch als angenehm und wohltuend.

    Fernöstliche Therapierichtungen

    Beispiele für Behandlungstechniken aus fernöstlichen Therapierichtungen sind:

    • Akupunktur: Bei der Akupunktur sticht die Therapeutin oder der Therapeut feine Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers. Das soll Schmerzen lindern.
    • Reiki: Reiki ist eine aus Japan stammende Behandlung, bei der Schmerzen durch Handauflegen gelindert werden sollen.
    • Moxibustion: Bei dieser Methode werden bestimmte Körperstellen (sogenannte Therapiepunkte) gezielt erwärmt, zum Beispiel indem glimmende Stangen aus getrocknetem Beifuß („Moxa“) oder erhitzte Nadeln nah an die Therapiepunkte gebracht werden.

    Zu diesen Techniken gibt es nur sehr wenige aussagekräftige Studien. Lediglich für die Akupunktur gibt es Hinweise, dass sie Schmerzen lindern könnte – allerdings unabhängig davon, an welchen Körperstellen die Nadeln gesetzt wurden.

    Wirbelsäulennahe Spritzen

    Bei dieser sogenannten Injektionsbehandlung werden meist örtliche Betäubungsmittel und / oder entzündungshemmende Medikamente wie Kortikoide in die unmittelbare Umgebung der gereizten Nervenwurzel gespritzt. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten:

    • Bei der lumbalen Spinalnervenanalgesie (LSPA), auch Wurzelblockade genannt, wird das Medikament direkt an die Austrittsstelle der Nervenwurzel aus dem Wirbelkanal gespritzt. Dadurch wird die Nervenwurzel betäubt.
    • Bei der lumbalen Periduralanalgesie werden die Medikamente in den sogenannten Periduralraum gespritzt („peridurale Injektion“). Der Periduralraum umgibt das Rückenmark und die Rückenmarksflüssigkeit im Wirbelkanal. Hier liegen unter anderem auch die Nervenwurzeln. Während dieser Behandlung stellt eine begleitende Computertomografie oder Röntgendurchleuchtung der Wirbelsäule sicher, dass die Spritze an der richtigen Stelle gesetzt wird.

    Wirbelsäulennahe Spritzen können Nebenwirkungen wie Nachblutungen, Infektionen und Nervenverletzungen haben. Eine längerfristige Behandlung mit wiederholten Spritzen kann zudem zu einer Muskelschwächung führen und geht mit einer Strahlenbelastung einher. Daher darf in einem bestimmten Zeitraum nur eine begrenzte Zahl von Spritzen gegeben werden. Es ist wichtig, die mehrfache Behandlung sorgsam abzuwägen.

    Eine Auswertung der Studien zu den genannten Injektionsverfahren zeigt, dass sie eine Ischialgie für einige Wochen lindern können. Die in den Studien behandelten Personen waren dadurch auch im Alltag weniger eingeschränkt.

    Schmerzen behandeln, aktiv bleiben

    Akute Kreuzschmerzen haben meist keine bestimmte Ursache und verschwinden in der Regel innerhalb einiger Tage von selbst. Aber auch wenn ein Bandscheibenvorfall dahinter steckt, bekommt der Körper das Problem normalerweise innerhalb von sechs Wochen allein in den Griff. Die meisten Behandlungen können die Genesung kaum beschleunigen. Vielleicht können Wärmepackungen oder Massagen helfen, das Wohlbefinden etwas zu verbessern. Bei starken Schmerzen können Entspannung in Entlastungshaltung und entzündungshemmende oder lokal betäubende Medikamente die Beschwerden kurzfristig lindern. Die Hauptarbeit leistet der Körper aber in der Regel selbst.

    Wenn die Beschwerden bei einem Bandscheibenvorfall länger andauern, kann eine Operation infrage kommen, um den betroffenen Nerv zu entlasten. Dennoch werden in Deutschland nach Auffassung der meisten Fachleute wesentlich mehr Bandscheiben-Operationen durchgeführt als nötig. Es kann daher sinnvoll sein, sich eine zweite Meinung einzuholen, wenn die Ärztin oder der Arzt zu einer Operation rät und man unsicher ist, ob dies die richtige Behandlung ist.

    Wichtig ist vor allem, trotz der Beschwerden möglichst aktiv zu bleiben. Bewegung hält nicht nur den Körper auf Trab, sie wirkt sich meist auch auf das Gemüt positiv aus. Damit Kreuzschmerzen nicht chronisch werden, ist es wichtig, sich ausreichend zu bewegen. Die vorbeugende Wirkung körperlicher Aktivität ist wissenschaftlich nachgewiesen – und vielleicht das Wichtigste, was man für sich selbst tun kann.

    Quellen

    Bhatia A, Flamer D, Shah PS, Cohen SP. Transforaminal Epidural Steroid Injections for Treating Lumbosacral Radicular Pain from Herniated Intervertebral Discs: A Systematic Review and Meta-Analysis. Anesth Analg 2016; 122(3): 857-870.

    Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz – Langfassung, 2. Auflage, Version 1. 2017.

    Jordan J, Konstantinou K, O’Dowd J. Herniated lumbar disc. Clin Evid 2011.

    Lewis R, Williams N, Matar HE, Din N, Fitzsimmons D, Philips C et al. The clinical effectiveness and cost-effectiveness of management strategies for sciatica: systematic review and economic model. Health Technol Assess 2011; 15(39): 1-578.

    Li X, Han Y, Cui J, Yuan P, Di Z, Li L. Efficacy of Warm Needle Moxibustion on Lumbar Disc Herniation: A Meta-Analysis. J Evid Based Complementary Altern Med 2016; 21(4): 311-319.

    Pinto RZ, Maher CG, Ferreira ML, Ferreira PH, Hancock M, Oliveira VC et al. Drugs for relief of pain in patients with sciatica: systematic review and meta-analysis. BMJ 2012; 344: e497.

    Qin Z, Liu X, Wu J, Zhai Y, Liu Z. Effectiveness of Acupuncture for Treating Sciatica: A Systematic Review and Meta-Analysis. Evid Based Complement Alternat Med 2015; 2015: 425108.

    Rasmussen-Barr E, Held U, Grooten WJ, Roelofs PD, Koes BW, van Tulder MW et al. Non-steroidal anti-inflammatory drugs for sciatica. Cochrane Database Syst Rev 2016; (10). CD012382.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Bandscheiben-Operationen

    Nach einem Bandscheibenvorfall kommt unter bestimmten Voraussetzungen eine operative Behandlung infrage. Dabei wird meist Bandscheibengewebe entfernt, um gereizte Nerven zu entlasten. Eine Operation kann die Beschwerden oft längerfristig lindern, hat aber auch Risiken.

    Operiert wird immer dann, wenn ein Bandscheibenvorfall zum Notfall wird: Zum Beispiel wenn vorgefallenes Bandscheibengewebe die Nerven so stark beeinträchtigt, dass die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktionieren oder bestimmte Muskeln sehr geschwächt sind. Dies passiert aber nur selten.

    Der weit häufigere Grund für eine Operation ist, dass sich starke Schmerzen über längere Zeit mit anderen Behandlungsmethoden nicht ausreichend lindern lassen. Die Frage, ob operiert werden soll oder nicht, ist jedoch oft schwierig zu beantworten. Voraussetzung für einen Eingriff ist, dass bildgebende Untersuchungen und die vorhandenen Symptome klare Hinweise dafür liefern, dass ein Bandscheibenvorfall für die Beschwerden verantwortlich ist. Vor der Entscheidung für eine Operation ist es wichtig, das Für und Wider gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt sorgfältig abzuwägen. Dabei wird auch die persönliche Situation angesprochen, denn sie spielt für den Behandlungserfolg ebenfalls eine Rolle.

    Nach einem Bandscheibenvorfall kommt unter bestimmten Voraussetzungen eine operative Behandlung infrage. Dabei wird meist Bandscheibengewebe entfernt, um gereizte Nerven zu entlasten. Eine Operation kann die Beschwerden oft längerfristig lindern, hat aber auch Risiken.

    Operiert wird immer dann, wenn ein Bandscheibenvorfall zum Notfall wird: Zum Beispiel wenn vorgefallenes Bandscheibengewebe die Nerven so stark beeinträchtigt, dass die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktionieren oder bestimmte Muskeln sehr geschwächt sind. Dies passiert aber nur selten.

    Der weit häufigere Grund für eine Operation ist, dass sich starke Schmerzen über längere Zeit mit anderen Behandlungsmethoden nicht ausreichend lindern lassen. Die Frage, ob operiert werden soll oder nicht, ist jedoch oft schwierig zu beantworten. Voraussetzung für einen Eingriff ist, dass bildgebende Untersuchungen und die vorhandenen Symptome klare Hinweise dafür liefern, dass ein Bandscheibenvorfall für die Beschwerden verantwortlich ist. Vor der Entscheidung für eine Operation ist es wichtig, das Für und Wider gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt sorgfältig abzuwägen. Dabei wird auch die persönliche Situation angesprochen, denn sie spielt für den Behandlungserfolg ebenfalls eine Rolle.

    Operationstechniken

    Ziel einer Operation ist es, das Bandscheibengewebe zu entfernen, das den bedrängten Nerv reizt. Der Nerv soll wieder mehr Raum bekommen, damit die Entzündung abklingen kann und die Beschwerden verschwinden. Bei einem Bandscheibenvorfall kommen verschiedene Operationstechniken infrage:

    • offene Operation (mikrochirurgische Standarddiskektomie): Die „offene“ Bandscheiben-Operation wird am häufigsten durchgeführt. Dabei wird der beschädigte Teil der Bandscheibe „unter Sicht“ entfernt – das bedeutet, die Chirurgin oder der Chirurg kann die Operationsstelle direkt mithilfe eines Mikroskops überblicken. Die mikrochirurgische Operation erfordert eine Vollnarkose und einen Krankenhausaufenthalt von einigen Tagen. Zu den Risiken des Eingriffs gehören Blutungen, Verletzungen von Nerven und Infektionen. Eine Vollnarkose kann zu Komplikationen wie Atem- oder Kreislaufstörungen führen.
    • endoskopische Operationen: Bei endoskopischen Operationen – auch Schlüssellochchirurgie genannt – werden besonders kleine Instrumente verwendet, sodass der Eingriff durch einen kleinen Schnitt in der Haut erfolgen kann. Dadurch soll eine schnelle Genesung erreicht und verhindert werden, dass sich Operationsnarben bilden, die ihrerseits Beschwerden verursachen können. Bei solchen Operationen wird durch einen kleinen Schnitt ein Endoskop bis zur Bandscheibe vorgeschoben. Über diesen Zugang werden die Instrumente unter Röntgenkontrolle zur Bandscheibe geführt. Zu den Risiken des Eingriffs gehören Blutungen, Nervenverletzungen und Entzündungen.
    • Eingriffe am Bandscheibenkern: Bei diesen sogenannten indirekten Verfahren wird der gelartige Kern der Bandscheibe entfernt, um die Bandscheibe zu verkleinern und so den eingeengten Nerv zu entlasten. Bei allen Verfahren wird zunächst ein Instrument in die Bandscheibe eingeführt, um an den Bandscheibenkern zu gelangen. Der Bandscheibenkern kann abgesaugt werden, was als perkutane Nukleotomie bezeichnet wird. Oder er wird mittels Laserstrahlen durch Hitze verdampft (Laserdiskektomie). Dabei kann es zu Nebenwirkungen kommen wie hitzebedingten Gewebeschäden. Diese Verfahren kommen nur infrage, wenn der äußere Ring der Bandscheibe noch intakt ist.

    Eine Operation kann helfen, garantiert aber keine Beschwerdefreiheit

    Die beschriebenen Operationstechniken wurden in einer Reihe von Studien untersucht und teilweise auch direkt miteinander verglichen. In den meisten Studien wurden Patientinnen und Patienten operiert, bei denen die Schmerzen trotz Behandlung über Wochen andauerten. An einer der größeren Studien nahmen vor allem Menschen mit starken Ischiasbeschwerden teil. Das Ergebnis: Wenn die Voraussetzungen für eine Operation gegeben sind, kann sie Schmerzen und andere Beschwerden wie Einschränkungen der Beweglichkeit längerfristig lindern. Die Schmerzen klangen bei den operierten Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern nach dem Eingriff schnell ab, während sich ihre Beweglichkeit erst nach einigen Wochen verbesserte.

    Eine Operation garantiert aber keine Beschwerdefreiheit – die Beschwerden können auch nach einer OP anhalten oder sich verstärken.

    Studien zeigen, dass eine Rehabilitation im Anschluss an eine Bandscheiben-Operation (Anschlussheilbehandlung oder AHB) die Genesung beschleunigen und die Beweglichkeit verbessern kann.

    Andere Operationsverfahren

    Selten werden nach einem Bandscheibenvorfall auch größere Eingriffe vorgenommen – vor allem dann, wenn außer der Bandscheibe auch die Wirbelknochen durch Verschleiß geschädigt sind und die Wirbelsäule nicht mehr stabil ist.

    Während der sogenannten Versteifungsoperation verschraubt die Chirurgin oder der Chirurg die Wirbelkörper ober- und unterhalb der betroffenen Bandscheibe so miteinander, dass sie fest in ihrer Position bleiben. Die Bandscheibe wird bei diesem Eingriff entfernt und der freie Spalt mit Knochen oder Titan-Implantaten ausgefüllt.

    Eine weitere Möglichkeit ist das Einsetzen einer künstlichen Bandscheibe (Implantat), ohne dass die Wirbel dabei fest miteinander verbunden werden. Dies soll die Schmerzen beheben und zugleich Bewegungseinschränkungen wie bei der Wirbelsäulenversteifung vermeiden.

    Beide Verfahren können erhebliche Nebenwirkungen haben. Bisher gibt es nicht ausreichend aussagekräftige Studien, um die Frage zu beantworten, welchen Nutzen sie bei Bandscheibenvorfällen haben und ob er die Risiken überwiegt.

    Quellen

    Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz – Langfassung, 2. Auflage, Version 1. 2017.

    Cong L, Zhu Y, Tu G. A meta-analysis of endoscopic discectomy versus open discectomy for symptomatic lumbar disk herniation. Eur Spine J 2016; 25(1): 134-143.

    Evaniew N, Khan M, Drew B, Kwok D, Bhandari M, Ghert M. Minimally invasive versus open surgery for cervical and lumbar discectomy: a systematic review and meta-analysis. CMAJ Open 2014; 2(4): E295-305.

    Jacobs W, Van der Gaag NA, Tuschel A, de Kleuver M, Peul W, Verbout AJ et al. Total disc replacement for chronic back pain in the presence of disc degeneration. Cochrane Database Syst Rev 2012; (9): CD008326.

    Jordan J, Konstantinou K, O’Dowd J. Herniated lumbar disc. Clin Evid 2011.

    Lewis R, Williams N, Matar HE, Din N, Fitzsimmons D, Phillips C et al. The clinical effectiveness and cost-effectiveness of management strategies for sciatica: systematic review and economic model. Health Technol Assess 2011; 15(39): 1-578.

    Nie H, Chen G, Wang X, Zeng J. Comparison of Total Disc Replacement with lumbar fusion: a meta-analysis of randomized controlled trials. J Coll Physicians Surg Pak 2015; 25(1): 60-67.

    Oosterhuis T, Costa LO, Maher CG, de Vet HC, van Tulder MW, Ostelo RW. Rehabilitation after lumbar disc surgery. Cochrane Database Syst Rev 2014; (3): CD003007.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Bandscheibenvorfall - Erfahrungsbericht - Arne

    „Die Schmerzen hatte ich rechts hinten am Rücken, etwa im Bereich des dritten Lendenwirbels. Sie zogen ins rechte Bein bis zu den Zehen. Dann bekam ich ein taubes Gefühl im Bein und die Zehen haben sich pelzig angefühlt.“

    Arne, 48 Jahre

    „Die Schmerzen hatte ich rechts hinten am Rücken, etwa im Bereich des dritten Lendenwirbels. Sie zogen ins rechte Bein bis zu den Zehen. Dann bekam ich ein taubes Gefühl im Bein und die Zehen haben sich pelzig angefühlt.“

    Vor neun Jahren habe ich mit Freunden Fußball gespielt. Ich weiß noch, dass der Boden sehr trocken war und ich die falschen Schuhe anhatte. Ich habe eine abrupte Bewegung gemacht und zuerst gedacht, dass der Wirbel blockiert ist oder etwas in dieser Art. Aber es wurde mit der Zeit nicht besser, sondern im Laufe des nächsten Tages eher immer schlechter.

    Die Schmerzen hatte ich rechts hinten am Rücken, etwa im Bereich des dritten Lendenwirbels. Sie zogen ins rechte Bein bis zu den Zehen. Dann bekam ich ein taubes Gefühl im Bein und die Zehen haben sich pelzig angefühlt. Und dann konnte ich den Fuß nicht mehr richtig bewegen. Ich konnte nicht mehr auf den Zehenspitzen und auch nicht mehr auf den Hacken stehen.

    Daraufhin bin ich zum Arzt gegangen. Der hat einen Bandscheibenvorfall festgestellt und mich in ein Krankenhaus mit einer orthopädischen und einer neurologischen Abteilung überwiesen. Dort wurde dann eine Computertomografie gemacht und gemessen, wie weit der Fuß noch von den Nerven versorgt wird. Dabei wurde festgestellt, dass die Nervenleitung nicht mehr optimal ist.

    Entscheidung gegen eine Operation

    Die Ärzte waren sich einig, mich erst mal konservativ zu behandeln. Das wurde dann auch so gemacht. Das Thema Operation wurde damals auch besprochen. Ich hatte mich anschließend erkundigt und herausgefunden, dass Operationen nicht immer Abhilfe schaffen. Die Ärzte haben die Entscheidung mir überlassen. Daraufhin habe ich mich entschieden, es erst mal auf die konservative Art zu probieren. Die Operation wäre für mich eher die Notlösung gewesen, wenn die Schmerzen mit der Physiotherapie und mit der Zeit nicht weniger geworden wären.

    Ich wurde mit Schmerzmitteln behandelt und habe einige Wochen nicht gearbeitet. Ich bekam eine physiotherapeutische Behandlung, die vorwiegend aus Bewegungsübungen, Krafttraining und Balancetraining bestand. Und ich habe auch zu Hause verschiedene Übungen gemacht. Beispielsweise habe ich mit Hilfe eines Würfels die Beine hochgelegt, etwa im rechten Winkel. Die Beschwerden sind dann langsam wieder zurückgegangen und ich war wieder einsatzfähig. Damals war ich etwa acht Wochen krankgeschrieben.

    Wie gut ich Treppen steigen konnte, war für mich ein Zeichen für meinen Zustand. Solange die Kraft im Fuß noch nicht ausreichte, habe ich das Bein auf der Treppe immer nachgezogen. Am Anfang konnte ich das Bein gar nicht auf die nächst höhere Stufe stellen, dafür war keine Kraft da. Aber heute geht das wieder ganz normal. Das war aber schon schwierig für mich: Etwas, das man das ganze Leben so nebenbei macht, geht plötzlich nicht mehr.

    Sitzende Tätigkeit und wenig Bewegung

    Ich arbeite vorwiegend im Büro und sitze viel. Das ist für meinen Rücken nicht besonders gut. Ich habe seit diesem Ereignis immer mal wieder Beschwerden über ein paar Tage. Aber es wurde bisher nicht mehr so schlimm.

    Ich finde die Art der Sitzgelegenheit am Arbeitsplatz sehr wichtig. Wir haben vor Kurzem neue Bürostühle bekommen und meine Beschwerden haben sich wesentlich gebessert.

    Leider treibe ich derzeit nicht regelmäßig Sport, das liegt unter anderem auch an meinen Arbeitszeiten, die ständig wechseln. Ich hoffe, das ändert sich bald wieder und ich kann mich wieder regelmäßiger bewegen. Besonders Schwimmen finde ich gut und entlastend.

    Beschwerden nach dem Bandscheibenvorfall

    Momentan ist es mit den Schmerzen ganz unterschiedlich bei mir: Es gibt Phasen, in denen habe ich sieben, acht Monate überhaupt nichts, aber dann kann es auch innerhalb von drei Monaten zweimal passieren. Aber so im Schnitt habe ich derzeit etwa einmal im Jahr Beschwerden. Manchmal zieht sich der Schmerz immer noch runter bis in den unteren Bereich des Beins und manchmal bis in die Zehen. Aber ich habe nicht mehr dieses Taubheitsgefühl. Die Schmerzen sind oft so, als wenn man mit einem kleinen Messer in den Rücken sticht.

    Wenn ich Beschwerden habe, nehme ich schmerzlindernde Tabletten, aber nur, wenn die Schmerzen mich beeinträchtigen. Ich möchte diese Tabletten nicht regelmäßig nehmen, aber manchmal sind sie hilfreich. Sonst nutze ich bei Schmerzen auch diesen Würfel, um meine Beine hoch zu legen. Das tut mir dann ganz gut. Diese Art des Liegens ist entlastend für mich.

    In diesen Schmerzphasen bin ich in der Regel krankgeschrieben. Ich habe dann zwei Möglichkeiten: den Schmerz auszuhalten oder Schmerzmittel zu nehmen. Beides ist für die Konzentrationsfähigkeit am Arbeitsplatz nicht gut. Ich bin dann nicht mehr im Vollbesitz meiner Kräfte und es besteht die Gefahr, dass ich Fehler mache. Und in diesen Phasen kann ich nicht lange sitzen. Dann ist Gehen, Stehen oder Liegen viel besser für mich als das Sitzen.

    Schmerzen aus heiterem Himmel

    Manchmal habe ich diese Schmerzen bei ganz unspektakulären Bewegungen, wie wenn ich mich über die Badewanne beuge und dann aufrichten will, dann kracht es und der Schmerz schießt ins Bein. Selten passiert mir das bei Bewegungen, wo ich damit rechnen würde, also wenn ich mich verdrehe oder so, sondern eher bei ganz normalen Bewegungen. Manchmal passiert es auch, wenn ich eine ungünstige Schlafhaltung gehabt habe und morgens aufstehe. Dann ist es für mich wie aus heiterem Himmel.

    Bei mir ist es eine Mischung aus dem Stress auf der Arbeit und der Belastung durch das lange Sitzen, die bei mir Beschwerden auslöst. Ich denke schon, dass das eine Rolle spielt.

    Ich bin sehr froh, dass es für mich noch so glimpflich ausgegangen ist. Ich habe auch von Leuten gehört, die sich nach einem Bandscheibenvorfall überhaupt nicht mehr richtig bewegen konnten und regelrecht nur auf allen Vieren kriechen konnten. Das war bei mir zum Glück nicht der Fall. Aber mir wurde damals schon klar, dass in meinem Rücken jetzt etwas geschädigt ist und ich wohl immer wieder mal Schmerzen haben werde.

    Momentan bin ich zufrieden und es sieht ja ganz gut aus. Fußball spiele ich nicht mehr, da man dabei zum Teil Bewegungen macht, die man nicht so gut kontrollieren kann. Da habe ich Sorge, dass etwas passieren kann und meide das lieber. Ich möchte in Zukunft vielmehr lieber wieder schwimmen. Das tut mir gut und entlastet meine Gelenke.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Bandscheibenvorfall - Erfahrungsbericht - Werner

    „Es war viele Jahre überhaupt nicht klar, was ich eigentlich habe. Irgendwann haben mir auch keine Medikamente mehr geholfen.“

    Werner, 62 Jahre

    „Es war viele Jahre überhaupt nicht klar, was ich eigentlich habe. Irgendwann haben mir auch keine Medikamente mehr geholfen.“

    Ich habe als Lastkraftwagenfahrer gearbeitet, habe Waren ab- und aufgeladen. Hin und wieder hatte ich durch diese Arbeit einen Hexenschuss. Das war aber nie wirklich schlimm und ging immer wieder weg. Später habe ich Radlader, Muldenkipper, Müllwagen und Streufahrzeige gefahren. Auch dabei musste ich viele Dinge auf- und abladen.

    Etwa seit 1975 habe ich Rückenschmerzen. Am Anfang war das immer phasenweise durch die Hexenschüsse, später wurde es immer schlimmer. Es war viele Jahre überhaupt nicht klar, was ich eigentlich habe. Irgendwann haben mir auch keine Medikamente mehr geholfen.

    1987 und 1988 war ich wegen meiner Rückenschmerzen in einer Rehaklinik. Die Schmerzen sind aber nicht ganz weggegangen. 1993 wurde ich dann erneut zur Kur geschickt.

    Das Schlafen ging damals ganz gut – mit recht starken Medikamenten. Damit habe ich den Schmerz betäubt. Die Tabletten sind mir aber irgendwann auf den Magen geschlagen und ich habe Sodbrennen bekommen. Dagegen hat mir mein Arzt ein Mittel gegeben, dass das besser wurde. Das hat ganz gut funktioniert.

    Ich habe meine Beschwerden immer auf die Arbeit geschoben

    1996 hatte ich sehr starke Beschwerden bis hin zu Lähmungserscheinungen in einem Bein. Ich habe meine Beschwerden immer auf die Arbeit geschoben. Ich musste ja öfter schwere Dinge tragen. Erst mit den Lähmungserscheinungen habe ich gedacht, dass das nicht mehr normal sein kann. Daraufhin wurde bei mir eine Kernspintomografie gemacht. Dabei wurde festgestellt, dass eine Bandscheibe verletzt ist und ich wurde an der Bandscheibe operiert.

    Nach der Operation war erst mal alles prima. Einige Jahre später habe ich jedoch wieder starke Schmerzen bekommen. Es wurde mit der Zeit immer schlimmer. Erst hatte ich Lähmungserscheinungen in einem Bein, dann in beiden und ich konnte nicht mehr laufen und musste in die Notaufnahme. Im Krankenhaus haben sie dann festgestellt, dass ich einen schweren Bandscheibenvorfall habe. Ich wurde sofort operiert, weil die Gefahr bestand, dass ich gelähmt werde. Das war für mich schon sehr belastend mit der Operation. Ich habe ja Frau und Kinder daheim und damals auch die Arbeit. Nach der Operation war ich sehr erleichtert. Die Verbesserung war gleich zu spüren. Das war ein tolles Gefühl.

    Die Ärzte haben mir damals gesagt, dass das alles mit dem LKW-fahren zusammenhängen könnte. Mein Arbeitgeber hat das aber nicht so gesehen. Ich wurde dann in eine andere Abteilung versetzt und musste nicht mehr schwere Dinge heben oder tragen. Dennoch sind die Schmerzen geblieben. Drei Jahre nach der Operation bin ich in Altersteilzeit gegangen und nun seit drei Jahren in Rente.

    Beide Operationen waren große Eingriffe für mich. Ich hatte schon Angst davor. Aber beide liefen ja gut und ich hatte keine Schwierigkeiten.

    Ich darf nicht für längere Zeit in einer Position bleiben

    Momentan habe ich schon noch Schmerzen. Aber ich komme in der Regel ohne Medikamente klar. Also wenn ich irgendwo länger sitzen muss, beispielsweise im Kino, dann kann es sein, dass ich zwischendurch mal aufstehen muss. Das Beste für mich ist, abwechselnd zu laufen, zu sitzen, zu liegen und zu stehen. In der Mischung funktioniert das gut, aber ich darf für längere Zeit nicht in einer Position bleiben.

    Ich gehe jetzt seit vier Jahren einmal in der Woche zur Rückengymnastik. Das tut mir sehr gut. Und mit meiner Frau mache ich Nordic Walking. Das mache ich sehr gerne.

    Als ich noch gearbeitet habe, war es schwierig, etwas für meinen Rücken zu tun. Da war gar keine Zeit zu. Ich war ja mit dem LKW viel unterwegs, einen Tag hier übernachtet und den anderen Tag dort.

    Die Physiotherapie hat mir sehr geholfen. Ich habe dort gelernt, welche Bewegungen und Übungen ich machen kann, um Verspannungen zu lösen und mich zu entspannen. Das habe ich dann versucht zu Hause umzusetzen. Mir wurde gezeigt, wie ich mit Geräten in einem Kraftraum oder Fitnessstudio üben kann. Durch die Bewegung und den Sport fühle ich mich körperlich stabiler.

    Mit der Zeit habe ich gelernt, mit den Schmerzen umzugehen. Ich weiß mittlerweile genau, was ich dagegen machen muss. Bewegung, Sport und Ablenkung helfen mir enorm.

    Was mir auch sehr hilft, ist die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe. Wir treffen uns einmal im Monat und an der Gruppe nehmen Menschen teil, die chronische Schmerzen haben. Der Austausch ist für mich sehr hilfreich.

    Ich habe noch Angst, die Schmerzen könnten wieder stärker werden. Daher habe ich immer Medikamente zu Hause. Zum Glück brauche ich sie aber nicht mehr so oft.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.