Gesundheitslexikon

Scheidensenkung und Gebärmuttersenkung

Überblick Mehr Wissen

    Überblick

    Bei Frauen kann es aus verschiedenen Gründen zu einer Schwächung des Bindegewebes im Beckenboden kommen. Dann können die Gebärmutter, die Harnblase oder der Mastdarm absinken. Am häufigsten ist die Blasensenkung. Als Behandlungen kommen vor allem ein Beckenbodentraining, Pessare oder eine Operation infrage.

    Einleitung

    Die Organe im Inneren des Körpers sind durch Bindegewebe und Muskeln normalerweise so fest miteinander verbunden, dass sie an ihrem Platz bleiben. Bei Frauen kann es aus ganz unterschiedlichen Gründen aber zu einer Schwächung des Bindegewebes im Beckenboden kommen. Dann können die Gebärmutter, die Harnblase oder der Mastdarm absinken. Manchmal sinken die Organe soweit ab, dass sich die Scheide durch die Scheidenöffnung stülpt oder die Gebärmutter aus der Scheide austritt. Fachleute sprechen dann von einem Scheiden- oder Gebärmuttervorfall (Genitalprolaps).

    Am häufigsten ist die Blasensenkung. Dabei drückt die Blase nach unten und gegen die Scheidenwand. Da die Organe miteinander verbunden sind, sinken sie jedoch oft zusammen ab. Eine Senkung kann vor allem durch ein Beckenbodentraining, Silikonstützen (Pessare) oder eine Operation behandelt werden.

    Symptome

    Eine leichte Beckenbodensenkung verursacht oft gar keine Beschwerden. Sinken die Organe aber stärker ab, kann es zu folgenden Problemen kommen:

    • das Gefühl, dass etwas nach unten drückt
    • Fremdkörpergefühl im Unterleib
    • Blasenschwäche, häufiger Harndrang oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen
    • ziehende Unterbauchschmerzen
    • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
    • Probleme beim Stuhlgang
    • Rücken- und Kreuzschmerzen
    • Druckgeschwüre und Blutungen in der Scheide

    Schmerzen, Druck- und Fremdkörpergefühl treten vor allem beim Laufen, im Stehen oder beim Stuhlgang auf, im Liegen lassen sie oft nach. Wenn Scheide und Gebärmutter aus der Scheidenöffnung austreten und von außen als Ausstülpung sichtbar werden, ist das meist eine besonders schwere Belastung. Dann ist auch das Sexualleben stark beeinträchtigt. Eine starke Senkung ist für viele Frauen zudem mit Schamgefühlen verbunden und psychisch sehr belastend.

     

    rafik. Oben: normale Lage der Organe im Beckenraum; unten: links Blasensenkung, Mitte Gebärmuttervorfall, rechts Mastdarmsenkung Oben: normale Lage der Organe im Beckenraum; unten: links Blasensenkung, Mitte Gebärmuttervorfall, rechts Mastdarmsenkung

    Ursachen und Risikofaktoren

    Die Organe sinken ab, wenn Muskeln und Bindegewebe im Beckenboden nicht mehr fest genug sind. Dies wird als Beckenbodenschwäche (Beckenbodeninsuffizienz) bezeichnet. Manche Frauen haben erblich bedingt ein schwächeres Bindegewebe. Andere Einflüsse sind:

    • Geburten: Sie können den Beckenboden schädigen und schwächen.
    • das Alter: Mit den Jahren werden Muskeln und Bindegewebe schwächer. Dadurch können die Haltestrukturen im Beckenboden ihre Stabilität verlieren.
    • das Gewicht: Frauen mit starkem Übergewicht haben häufiger eine Scheiden- oder Gebärmuttersenkung.

    Es wird zudem vermutet, dass Druck auf den Beckenboden durch Belastungen wie schweres Heben und Tragen, chronischen Husten oder häufige Verstopfung den Beckenboden schwächen können. Zu dieser Frage gibt es bisher aber nur wenige Studien – deshalb ist unklar, welche Rolle solche Belastungen spielen. Es ist auch noch nicht geklärt, ob eine Gebärmutterentfernung das Senkungsrisiko erhöht. Man nimmt an, dass Blase und Darm nach einer Gebärmutterentfernung weniger Halt haben und eher absinken.

    Häufigkeit

    Bei rund der Hälfte der Frauen kommt es im Laufe des Lebens zu einer leichten Schwächung des Beckenbodens. Nach Schätzungen haben etwa 3 % aller Frauen eine Senkung, die zu Beschwerden führt.

    Verlauf

    Je nachdem wie tief Harnblase, Gebärmutter oder Darm abgesunken sind, werden vier Stufen der Senkung unterschieden:

    • Grad 1: Die Organe sinken nur leicht ab.
    • Grad 2: Die Organe sind bis zum Scheidenausgang abgesunken.
    • Grad 3: Scheide oder Gebärmutter treten bis zu 1 cm aus der Scheidenöffnung aus.
    • Grad 4: Scheide oder Gebärmutter treten zu einem großen Teil aus der Scheidenöffnung heraus.

    Bei den meisten Frauen bleibt es bei einer leichten Absenkung – die sich sogar nach ein paar Monaten oder Jahren wieder zurückbilden kann. Die Senkung kann aber auch langsam fortschreiten.

    Etwa jede zweite Frau mit leichter Beckenbodensenkung (Grad 1 oder 2) hat zusätzlich eine Blasenschwäche. Sie wird auch Stress- oder Belastungsinkontinenz genannt, weil die Blase dem Druck etwa durch Niesen, Husten oder Sport nicht mehr standhalten kann und ungewollt etwas Urin abgeht. Frauen mit einer Senkung Grad 3 und 4 haben dagegen eher Probleme, die Blase zu entleeren, weil durch Absinken der Organe die Harnröhre abknicken kann.

    Diagnose

    Oft sind allgemeine Unterleibsbeschwerden oder Blasenprobleme der Grund, bei einer Senkung zu einer Ärztin oder einem Arzt zu gehen. Eine starke Senkung fällt bereits durch eine Untersuchung der Scheide auf. Um auch eine leichte Senkung feststellen zu können, tastet die Ärztin oder der Arzt die Organe im Becken von außen und über die Scheide ab und untersucht die Scheide mit einem Spiegelinstrument (Spekulum). Durch eine Tastuntersuchung des Darms durch den After kann die Lage der Organe im hinteren Teil des Beckens beurteilt werden. Meist genügen diese Untersuchungen, um eine Senkung zu erkennen und den Schweregrad zu bestimmen.

    Mit dem sogenannten Husten-Stresstest kann eine Belastungsinkontinenz festgestellt werden. Dabei wird geprüft, ob Urin abgeht, wenn man kräftig hustet.

    Bei Beschwerden mit dem Wasserlassen kann eine Restharnbestimmung Hinweise auf die Ursache geben. Dabei geht man zunächst zur Toilette, um die Blase soweit wie möglich zu leeren. Anschließend wird meist mit einem Ultraschallgerät geprüft, ob noch Urin in der Blase verblieben ist.

    Vorbeugung

    Regelmäßiges Beckenbodentraining kann helfen, die Muskeln des Beckens zu kräftigen und den Beckenboden zu festigen. Nach einer Geburt kann Rückbildungsgymnastik den Beckenboden wieder stärken. Manchmal wird empfohlen, das Heben und Tragen schwerer Dinge zu meiden, um den Beckenboden zu entlasten. Auch die Behandlung von chronischem Husten und Verstopfung soll den Druck auf den Beckenboden verringern. Ob sich durch diese Maßnahmen oder auch eine Gewichtsabnahme eine Senkung wirklich verhindern lässt, ist aber nicht gut untersucht.

    Behandlung

    Die Behandlung richtet sich vor allem danach, ob Beschwerden auftreten – und weniger danach, wie ausgeprägt die Senkung ist. Welche Behandlung sich eignet, hängt unter anderem davon ab,

    • welche Beschwerden sich bessern sollen und wie belastend sie sind,
    • wie alt man ist,
    • ob man noch Kinder bekommen möchte,
    • ob es einem wichtig ist, die Gebärmutter zu behalten,
    • welches Organ sich abgesenkt hat und wie stark,
    • wie gut nicht operative Behandlungen helfen und
    • ob eine Blasenschwäche oder weitere Erkrankungen bestehen.

    Es gibt folgende Behandlungsmöglichkeiten:

    • Beckenbodentraining zur Stärkung der Muskeln.
    • Pessare: kleine Schalen, Würfel oder Ringe aus Gummi oder Silikon. Ein Pessar wird in die Scheide eingeführt und soll die Organe im Becken stützen. Pessare gibt es in unterschiedlichen Größen.
    • Operation: Dabei werden die Organe im Becken angehoben und stabilisiert. Manchmal wird auch eine Entfernung der Gebärmutter angeboten.

    Einige Frauen können ihre Beschwerden durch Beckenbodentraining oder durch das Tragen eines Pessars ausreichend lindern. Wenn beides nicht hilft, sich die Beschwerden weiter verstärken oder die Gebärmutter weit aus der Scheide ausgetreten ist, kann eine Operation unter Umständen eine Alternative sein. Die Gebärmutter lässt sich dabei meist erhalten.

    Um zu klären, ob eine Operation infrage kommt, kann eine Entscheidungshilfe verwendet werden. Sie fasst die wichtigsten Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zusammen.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Barber MD. Pelvic organ prolapse. BMJ 2016; 354: i3853.

    Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Indikation und Methodik der Hysterektomie bei benignen Erkrankungen. AWMF-Registernr.: 015-070. 04.2015. (AWMF-Leitlinien).

    Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG), Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG). Diagnostik und Therapie des weiblichen Descensus genitalis (S2e-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 015-006. 04.2016. (AWMF Leitlinien).

    Maher C, Feiner B, Baessler K, Schmid C. Surgical management of pelvic organ prolapse in women. Cochrane Database Syst Rev 2013; (4): CD004014.

    Vergeldt TF, Weemhoff M, IntHout J, Kluivers KB. Risk factors for pelvic organ prolapse and its recurrence: a systematic review. Int Urogynecol J 2015; 26(11): 1559-1573.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Beckenbodentraining und Pessare

    Regelmäßiges Beckenbodentraining kann die Beschwerden einer Scheiden- und Gebärmuttersenkung lindern. Ein Pessar kann ebenfalls helfen, eignet sich aber nicht für jede Frau.

    Bei einer leichten oder mittleren Senkung (Grad 1 bis 3) lässt sich eine Operation oft vermeiden. Manchmal bildet sich eine Senkung auch von selbst wieder zurück oder schreitet zumindest nicht fort. Viele Frauen können sich ausreichend selbst helfen, wenn sie ihren Beckenboden trainieren und / oder ein Pessar verwenden.

    Die Behandlungen garantieren jedoch keine Beschwerdefreiheit. Vor allem das Beckenbodentraining kommt an seine Grenzen, wenn die Organe stark abgesunken sind. In Studien zum Beckenbodentraining entschieden sich zwischen 3 und 10 von 100 Frauen nach einiger Zeit doch für eine Operation.

    Um zu klären, ob eine Operation infrage kommt, kann eine Entscheidungshilfe verwendet werden. Sie fasst die wichtigsten Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zusammen.

    Regelmäßiges Beckenbodentraining kann die Beschwerden einer Scheiden- und Gebärmuttersenkung lindern. Ein Pessar kann ebenfalls helfen, eignet sich aber nicht für jede Frau.

    Bei einer leichten oder mittleren Senkung (Grad 1 bis 3) lässt sich eine Operation oft vermeiden. Manchmal bildet sich eine Senkung auch von selbst wieder zurück oder schreitet zumindest nicht fort. Viele Frauen können sich ausreichend selbst helfen, wenn sie ihren Beckenboden trainieren und / oder ein Pessar verwenden.

    Die Behandlungen garantieren jedoch keine Beschwerdefreiheit. Vor allem das Beckenbodentraining kommt an seine Grenzen, wenn die Organe stark abgesunken sind. In Studien zum Beckenbodentraining entschieden sich zwischen 3 und 10 von 100 Frauen nach einiger Zeit doch für eine Operation.

    Um zu klären, ob eine Operation infrage kommt, kann eine Entscheidungshilfe verwendet werden. Sie fasst die wichtigsten Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zusammen.

    Was ist Beckenbodentraining?

    Ein Beckenbodentraining stärkt die Muskeln im unteren Bereich des Beckens. Es ist vor allem bei einer leichten Blasenschwäche (Belastungsinkontinenz) und Druckgefühlen im Unterleib sinnvoll. Bei den Übungen lernt man, die Muskeln im Beckenboden aktiv anzuspannen. Ein Training umfasst verschiedene kurze Übungen, die ohne großen Aufwand zum Beispiel dreimal täglich wiederholt werden. Am besten erlernt man die Beckenbodenübungen bei einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten, um genau das Programm anwenden zu können, das zu den eigenen Beschwerden passt. Dies wird von den Krankenkassen erstattet.

    Wie gut hilft Beckenbodentraining?

    Ein Beckenbodentraining kann die Beschwerden bei leichteren und mittleren Senkungen (Grad 1 bis 3) lindern und manchmal auch davor schützen, dass die Organe stärker absinken. Die Wirkung des Trainings kann schon nach ein paar Wochen zu spüren sein. Aber nicht bei allen Frauen ist es erfolgreich. Einige haben trotz der Übungen weiter Beschwerden. Damit die Übungen wirken, ist es wichtig, nach vorheriger Anleitung und vor allem regelmäßig zu trainieren. Damit die Beschwerden nicht wiederkommen, müssen die Übungen dauerhaft fortgeführt werden – am besten baut man sie deshalb fest in den Tagesablauf ein. Sie haben normalerweise keine unerwünschten Folgen.

    Die Übungen wirken vor allem bei Senkungen im vorderen Becken, in dem die Harnblase und die Harnröhre liegen. Zusätzlich zu einer Operation hilft ein Beckenbodentraining aber vermutlich nicht mehr viel – zumindest in den ersten Jahren nach dem Eingriff nicht. In den bisherigen Studien konnten die Übungen die Beschwerden nicht mehr beeinflussen, wenn die Frauen eine Senkungsoperation hinter sich hatten. Es ist aber nicht geklärt, ob die Übungen langfristig vor einem Rückfall schützen können.

    Was ist ein therapeutisches Pessar?

    Pessare zur Behandlung – nicht zu verwechseln mit Pessaren zur Verhütung – sind kleine Schalen, Würfel oder Ringe aus Gummi oder Silikon. Ein Pessar wird in die Scheide eingeführt und soll den Organen Halt geben. Pessare beheben so zwar nicht die Ursache der Senkung, sie können die Organe im Becken aber abstützen und in ihrer natürlichen Position halten. Fachleute vermuten zudem, dass das Tragen eines Pessars zur Kräftigung der Beckenboden-Muskulatur beitragen kann.

    Pessare gibt es in unterschiedlichen Formen und Größen. Oft müssen mehrere Pessare ausprobiert werden, um ein passendes zu finden. Wenn möglich, werden meist Würfelpessare verwendet, die selbst eingesetzt, entfernt und gereinigt werden können. Bei anderen Modellen wird dies durch die Ärztin oder den Arzt gemacht – in der Regel etwa alle 6 bis 8 Wochen. 

     

    Grafik: von oben nach unten: Schalen-, Ring- und Würfelpessar Von oben nach unten: Schalen-, Ring- und Würfelpessar

    Wie gut hilft ein Pessar?

    Ein gut passendes Pessar kann die Organe im Becken so stützen, dass Blasen- und Darmbeschwerden abnehmen oder ganz verschwinden. Die Senkung selbst kann es nicht beheben. Allerdings finden nicht alle Frauen ein geeignetes Pessar, das ihnen ausreichend hilft.

    Ein Pessar kommt beispielsweise infrage, wenn eine Operation vermieden oder hinausgezögert werden soll. Etwa die Hälfte der Frauen, die ein Pessar benutzen, kommen so gut damit zurecht, dass sie es mindestens einige Jahre oder länger tragen. Pessare können auch sinnvoll sein, wenn ein Beckenbodentraining allein nicht hilft.

    Haben Pessare Nachteile?

    Ein Pessar muss regelmäßig kontrolliert und der Vaginalbereich ärztlich untersucht werden.

    Durch den Druck auf die Scheidenschleimhaut können Schleimhautveränderungen bis hin zu Geschwüren entstehen, die sich durch Schmerzen und Blutungen bemerkbar machen. Ein Pessar kann auch die Darmbewegungen behindern. Mit manchen Pessaren ist Geschlechtsverkehr nicht möglich – mit anderen schon, auch wenn sie dann stören können. Würfelpessare lassen sich aber vor dem Geschlechtsverkehr entfernen.

    Um Nebenwirkungen zu vermeiden, ist es wichtig, dass das Pessar gut sitzt, regelmäßig gewechselt und gereinigt wird. Eine Gleitcreme erleichtert das Einführen. Nach den Wechseljahren wird empfohlen, die Schleimhaut der Scheide mit einer Hormoncreme zu schützen – es sei denn, eine Frau hatte bereits Brustkrebs oder einen Krebs im Bereich der Geschlechtsorgane.

    Quellen

    Barber MD. Pelvic organ prolapse. BMJ 2016; 354: i3853.

    Bugge C, Adams EJ, Gopinath D, Reid F. Pessaries (mechanical devices) for pelvic organ prolapse in women. Cochrane Database Syst Rev 2013; (2): CD004010.

    Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG), Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG). Diagnostik und Therapie des weiblichen Descensus genitalis (S2e-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 015-006. 04.2016. (AWMF Leitlinien).

    Li C, Gong Y, Wang B. The efficacy of pelvic floor muscle training for pelvic organ prolapse: a systematic review and meta-analysis. Int Urogynecol J 2016; 27(7): 981-992.

    Zhang FW, Wei F, Wang HL, Pan YQ, Zhen JY, Zhang JX et al. Does pelvic floor muscle training augment the effect of surgery in women with pelvic organ prolapse? A systematic review of randomized controlled trials. Neurourol Urodyn 2016; 35(6): 666-674.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Operationen bei Scheiden- und Gebärmuttersenkung

    Wenn eine Senkung sehr ausgeprägt ist oder andere Behandlungen nicht ausreichend helfen, kommt eine Operation infrage. Sie kann Beschwerden lindern, hat aber auch gewisse Risiken. Eine Entfernung der Gebärmutter ist meist nicht nötig, da Gebärmutter erhaltende Verfahren zur Verfügung stehen.

    Oft lässt sich eine Senkung auch ohne Operation wirksam behandeln, etwa mit einem Beckenbodentraining oder einem stützenden Pessar. Reicht dies nicht aus, überlegen viele Frauen, sich operieren zu lassen. Es gibt verschiedene Operationsverfahren, die jeweils Vor- und Nachteile haben. Sich ausführlich über die verschiedenen Eingriffe zu informieren hilft, eine gute Entscheidung zu treffen. Eine zweite ärztliche Meinung einzuholen, kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein.

    Wenn eine Senkung sehr ausgeprägt ist oder andere Behandlungen nicht ausreichend helfen, kommt eine Operation infrage. Sie kann Beschwerden lindern, hat aber auch gewisse Risiken. Eine Entfernung der Gebärmutter ist meist nicht nötig, da Gebärmutter erhaltende Verfahren zur Verfügung stehen.

    Oft lässt sich eine Senkung auch ohne Operation wirksam behandeln, etwa mit einem Beckenbodentraining oder einem stützenden Pessar. Reicht dies nicht aus, überlegen viele Frauen, sich operieren zu lassen. Es gibt verschiedene Operationsverfahren, die jeweils Vor- und Nachteile haben. Sich ausführlich über die verschiedenen Eingriffe zu informieren hilft, eine gute Entscheidung zu treffen. Eine zweite ärztliche Meinung einzuholen, kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein.

    Welche Operationsverfahren gibt es?

    Bei allen Eingriffen werden die abgesunkenen Organe wieder angehoben und zusätzlich befestigt. Die gängigsten Verfahren sind:

    • Vordere Scheidenplastik: Sie kommt bei einer Blasensenkung infrage. Um die Blase anzuheben, wird das Bindegewebe zwischen Harnblase und Scheide gestrafft.
    • Hintere Scheidenplastik: Sie kommt bei einer Mastdarmsenkung infrage. Um den Mastdarm anzuheben, wird das Bindegewebe zwischen Scheide und Mastdarm gestrafft.
    • Sakrokolpopexie (Sakropexie): Sie kommt bei einer Senkung im mittleren Bereich (Kompartiment) des Beckenbodens infrage, wenn beispielsweise die Gebärmutter tiefer liegt. Das Scheidenende oder der Gebärmutterhals werden mithilfe eines Kunststoffnetzes am Kreuz- oder Steißbein befestigt. Die Gebärmutter muss dabei nicht entfernt werden.
    • Sakrospinale Fixation: Sie ist eine Alternative bei einer Senkung im mittleren Bereich des Beckenbodens. Um die Scheide anzuheben, wird sie an Sehnen im Becken befestigt.

    Daneben gibt es noch weitere Verfahren, die jedoch nicht so gut untersucht sind und seltener durchgeführt werden.

    Führt die Senkung zu einer Blasenschwäche (Belastungsinkontinenz), kann die Harnröhre mithilfe einer Kunststoffschlinge stabilisiert werden. Dies ist auch während einer Senkungsoperation möglich.

    Der Beckenboden wird meist mit Binde- und Muskelgewebe des Beckenbodens (Eigengewebe) stabilisiert. Bei den verschiedenen Eingriffen kann alternativ jedoch auch ein Kunststoffnetz zwischen Scheide und Harnblase eingesetzt werden. Es stützt die Organe ähnlich wie eine straff gespannte Hängematte. Beides hat Vor- und Nachteile.

    Welcher Eingriff sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, welche Organe betroffen sind. Sind mehrere Organe oder Bereiche des Beckenbodens abgesunken, werden verschiedene Verfahren kombiniert. Zudem sind mehrere „Zugangswege“ möglich: So kann meist durch kleine Einschnitte in der Bauchdecke (Laparoskopie) oder durch die Scheide operiert werden. Diese Eingriffe sind schonender als ein großer Bauchschnitt, der nur selten nötig ist. Die Entscheidung, ob durch die Scheide oder die Bauchdecke operiert wird, hängt unter anderem vom Alter und Gewicht sowie von möglichen anderen Erkrankungen einer Frau ab.

    Wie gut hilft eine Scheidenplastik?

    Eine Scheidenplastik kann die Organe stabilisieren. Dadurch können Blasen- und Darmbeschwerden, Druckgefühle und Schmerzen abnehmen. Etwa 80 bis 90 von 100 Frauen sind nach der Operation zumindest vorübergehend frei von Beschwerden wie Blasenschwäche oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Wie gut die Operation im Vergleich zu Beckenbodentraining und Pessaren hilft, wurde bislang jedoch nicht in Studien untersucht.

    Nach einer Scheidenplastik kann es zu einem Rückfall kommen – das heißt, die Organe können erneut absinken. Studien zeigen, dass es bei einer Operation mit Eigengewebe bei etwa 38 von 100 Frauen innerhalb von drei Jahren zu einer erneuten Senkung kommt. Wird ein Kunststoffnetz eingesetzt, ist das Risiko geringer.

    Welche Nebenwirkungen hat die Scheidenplastik?

    Bei weniger als einer von 100 Frauen wird bei der vorderen Scheidenplastik die Blase oder der Darm verletzt. Auch Wundinfektionen sind möglich. Zudem kann es wie bei allen Operationen im Bauchraum zu Verwachsungen kommen, die Schmerzen oder Verdauungsbeschwerden nach sich ziehen können. Der Einsatz eines Kunststoffnetzes hat gewisse Risiken (siehe unten).

    Wie gut helfen Operationen bei Gebärmuttersenkung?

    Wenn eine Gebärmuttersenkung durch eine Sakrokolpopexie behoben wurde, sind etwa 90 von 100 Frauen zumindest vorübergehend frei von Beschwerden wie Blasenschwäche oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

    Auch nach dieser Operation besteht ein Rückfallrisiko: Innerhalb der ersten zwei Jahre nach dem Eingriff sinkt die Gebärmutter bei etwa 23 von 100 Frauen erneut ab oder tritt aus der Scheide aus.

    Bei der Sakrokolpopexie wird über den Bauch operiert und es wird immer ein Kunststoffnetz eingesetzt. Daneben gibt es verschiedene andere Verfahren, bei denen über die Scheide operiert wird – zum Beispiel die sakrospinale Fixation. Bei ihnen kann vermutlich auf den Einsatz eines Kunststoffnetzes verzichtet werden, da es nicht besser vor einem Rückfall schützt als eine Operation mit Eigengewebe. Bei Eingriffen durch die Scheide besteht jedoch insgesamt ein höheres Rückfallrisiko als bei der Sakrokolpopexie.

    Welche Nebenwirkungen haben Operationen bei Gebärmuttersenkung?

    Bei etwa 2 von 100 Frauen kommt es bei einer Sakrokolpopexie zu Blasen- oder Darmverletzungen. Auch Wundinfektionen sind möglich. Zudem kann es wie bei allen Operationen im Bauchraum zu Verwachsungen und als Folge zu Schmerzen oder Verdauungsbeschwerden kommen. Die Einlage eines Kunststoffnetzes hat gewisse Risiken.

    Welche Vor- und Nachteile haben Kunststoffnetze?

    Bei manchen Operationen können Kunststoffnetze im Bauchraum vernäht werden. Sie sollen die Organe besser stabilisieren als Eigengewebe. Allerdings bergen sie das Risiko für bestimmte Komplikationen. So können sich die Netze lösen, was erneute Operationen nach sich ziehen kann. In der Vergangenheit kam es auch häufiger zu Blasenverletzungen, Blasenschwäche und Schmerzen in der Scheide. Bestimmte Netze wurden sogar vom Markt genommen, da sie recht häufig Probleme bereitet haben.

    Mittlerweile gibt es neuere Kunststoffnetze, die weniger Komplikationen verursachen sollen. Diese Netze sind bislang allerdings nicht gut untersucht. Deshalb lässt sich noch nicht sagen, welche Vor- und Nachteile sie im Vergleich zu Operationen mit Eigengewebe haben. Ärztliche Fachgesellschaften empfehlen derzeit, mit Kunststoffnetzen zurückhaltend zu sein und sie eher Frauen anzubieten, die ein hohes Risiko für einen Rückfall haben oder bereits einen Rückfall hatten.

    Ist eine Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) nötig?

    Viele Frauen möchten ihre Gebärmutter behalten, auch wenn sie keinen Kinderwunsch mehr haben. Normalerweise ist dies bei Senkungsoperationen auch möglich: Es gibt keine Belege dafür, dass es bei einer Gebärmuttersenkung Vorteile hat, die Gebärmutter zu entfernen. Das Risiko für einen Rückfall – das heißt, dem erneuten Absinken eines oder mehrerer Organe – wird dadurch vermutlich nicht kleiner. Allerdings gibt es zu dieser Frage bislang nur wenige gute Studien. Zudem kann es Situationen geben, in denen eine Gebärmutter erhaltende Operation schwieriger ist. Dies kann beispielsweise bei Verwachsungen oder einer vergrößerten Gebärmutter der Fall sein.

    Nach einer Gebärmutter erhaltenden Operation ist es zwar noch möglich, Kinder zu bekommen. Dennoch wird empfohlen, den Eingriff wenn möglich aufzuschieben, bis die Familienplanung abgeschlossen ist. Der Grund: Eine Schwangerschaft kann das Risiko für einen Rückfall erhöhen.

    Im Zweifel kann eine zweite ärztliche Meinung helfen

    Wenn eine Ärztin oder ein Arzt zur Behandlung einer Senkung eine Operation empfiehlt, ist es sinnvoll, sich über Alternativen zu informieren – vor allem dann, wenn zu einer Gebärmutterentfernung geraten wird. Entscheidend ist, sich darüber im Klaren zu sein, warum die Gebärmutter entfernt werden soll: Hat dies mit der Senkung zu tun, oder gibt es andere Gründe? Welche Vor- und Nachteile hätte die Entfernung? Und wie wichtig ist es einem, die Gebärmutter zu behalten?

    Im Zweifel ist es sinnvoll, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen – das heißt, sich in einer anderen Praxis oder Klinik beraten zu lassen. Zur Unterstützung kann eine Entscheidungshilfe verwendet werden, die die wichtigsten Vor- und Nachteile der Behandlungsmöglichkeiten kurz zusammenfasst.

    Grafik: Abbildung Entscheidungshilfe-Vorlage Entscheidungshilfe-Vorlage

    Quellen

    Barber MD. Pelvic organ prolapse. BMJ 2016; 354: i3853.

    Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG), Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG). Diagnostik und Therapie des weiblichen Descensus genitalis (S2e-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 015-006. 04.2016. (AWMF Leitlinien).

    Maher C, Feiner B, Baessler K, Christmann-Schmid C, Haya N, Brown J. Surgery for women with anterior compartment prolapse. Cochrane Database Syst Rev 2016; (11): CD004014.

    Maher C, Feiner B, Baessler K, Christmann-Schmid C, Haya N, Brown J. Surgery for women with apical vaginal prolapse. Cochrane Database Syst Rev 2016; (10): CD012376.

    Maher C, Feiner B, Baessler K, Christmann-Schmid C, Haya N, Marjoribanks J. Transvaginal mesh or grafts compared with native tissue repair for vaginal prolapse. Cochrane Database Syst Rev 2016; (2): CD012079.

    Matsuoka PK, Pacetta AM, Baracat EC, Haddad JM. Should prophylactic anti-incontinence procedures be performed at the time of prolapse repair? Systematic review. Int Urogynecol J 2015; 26(2): 187-193.

    Schimpf MO, Abed H, Sanses T, White AB, Lowenstein L, Ward RM et al. Graft and Mesh Use in Transvaginal Prolapse Repair: A Systematic Review. Obstet Gynecol 2016; 128(1): 81-91.

    Van der Ploeg JM, van der Steen A, Zwolsman S, van der Vaart CH, Roovers J. Prolapse surgery with or without incontinence procedure: a systematic review and meta-analysis. BJOG 2018; 125(3): 289-297.

    Vergeldt TF, Weemhoff M, IntHout J, Kluivers KB. Risk factors for pelvic organ prolapse and its recurrence: a systematic review. Int Urogynecol J 2015; 26(11): 1559-1573.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.