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Bettnässen

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    Überblick

    Bettnässen kommt bei Kindern und Jugendlichen häufiger vor, als viele Menschen denken. Regelmäßige nächtliche „Unfälle“ können für die ganze Familie sehr belastend sein. Meist erledigt sich das Problem mit der Zeit aber von selbst. Bis dahin gibt es einige Möglichkeiten, dem Kind zu helfen.

    Einleitung

    Dass Kinder und auch Jugendliche gelegentlich ins Bett machen, ist nicht ungewöhnlich – es redet nur kaum einer darüber. Ab einem Alter von ungefähr fünf Jahren schlafen die meisten Kinder nachts durch oder werden wach, wenn die Blase drückt. Diese Routine kann sich aber auch erst später entwickeln: Über 15 % der Kinder im Alter von fünf Jahren merken manchmal zu spät, dass ihre Blase voll ist. Wenn sie dann wach werden, ist das Bett bereits nass.

    Vor allem wenn es häufiger vorkommt, dass ein Kind nicht trocken durch die Nacht kommt, kann dies für die Familie sehr belastend sein. Von Bettnässen (Fachbegriff: Enuresis nocturna) spricht man, wenn Kinder über fünf Jahre nachts immer wieder ins Bett machen, ohne dass es eine körperliche Ursache dafür gibt.

    Normalerweise erledigt sich das Problem mit der Zeit von selbst. Bis ein Kind trocken ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, ihm zu helfen und sich als Eltern den Alltag zu erleichtern. Wecksysteme sind auf Dauer die wirksamste Methode gegen Bettnässen, kurzfristig können aber auch Medikamente helfen. Alle Methoden haben Vor- und Nachteile – und bei manchen ist Geduld nötig. Wichtig ist es, das Kind zu unterstützen, es also nicht auszuschimpfen oder gar zu bestrafen.

    Ursachen

    Die Hauptursache von Bettnässen bei Kindern und Jugendlichen ist, dass sie nicht aufwachen, wenn ihre Blase voll ist. Stattdessen entspannt sich ihr Blasenschließmuskel und die Blase entleert sich im Schlaf. Kinder, die bettnässen, tun dies nicht mit Absicht. Sie merken einfach nicht, dass ihre Blase voll ist – denn die Reifungsprozesse, die zur Kontrolle über die Blase nötig sind, sind bei ihnen noch nicht abgeschlossen. Zur Reifung gehört, dass

    • das Gehirn lernt, die Nervensignale der Blase zu erkennen und zu verarbeiten, damit das Kind wach wird, wenn die Blase voll ist. Auch die Kontrolle über den Schließmuskel der Blase muss sich erst entwickeln.
    • der Körper in der Nacht ausreichend antidiuretisches Hormon (ADH) produziert. Dieses Hormon wird auch Vasopressin genannt und sorgt dafür, dass die Nieren nachts weniger Urin erzeugen.
    • die Blase groß genug ist, um den während der Nacht produzierten Urin zu speichern.

    Der Zeitpunkt, zu dem Kinder trocken werden, wird offenbar auch von Erbanlagen mitbestimmt. Vergleiche zwischen Familien zeigen, dass bei mehr als der Hälfte der bettnässenden Kinder auch andere Familienmitglieder betroffen waren.

    Häufigkeit und Verlauf

    Viele Kinder machen nur ein- oder zweimal pro Monat ins Bett, anderen passiert es mehrmals in der Woche. Bei Jungen ist Bettnässen häufiger als bei Mädchen. Das Problem löst sich mit der Zeit fast immer von selbst. Die folgende Tabelle zeigt, wie viele Kinder in einem bestimmten Alter (noch) betroffen sind:

    Alter in Jahren Häufigkeit
    5 16 %
    6 13 %
    7 10 %
    8 7 %
    10 5 %
    12 bis 14 2 bis 3 %
    15 oder älter etwa 1 %

    Es kommt vor, dass ein Kind bereits für mehr als sechs Monate trocken war und plötzlich von Neuem anfängt, ins Bett zu machen. In diesem Fall spricht man von „sekundärer Enuresis“. Sie kann ein Zeichen dafür sein, dass das Kind unter psychischem Stress steht – zum Beispiel wegen familiärer Veränderungen wie der Geburt eines Geschwisterkindes oder weil es Probleme in der Familie gibt. Sekundäres Bettnässen kann aber auch eine körperliche Ursache haben, wie zum Beispiel eine Nieren- oder Blaseninfektion oder eine Zuckerkrankheit.

    Diagnose

    Von Bettnässen sprechen Ärztinnen und Ärzte, wenn ein Kind älter als fünf Jahre alt ist und über mindestens drei Monate mehr als einmal in der Woche ins Bett macht.

    Bettnässen ist nur selten ein Anzeichen für eine andere Erkrankung. Eine Ärztin oder ein Arzt kann andere mögliche Ursachen abklären. Dazu gehören zum Beispiel Harnwegsentzündungen, Störungen des Harntrakts, ein beginnender Diabetes mellitus oder eine Schilddrüsenüberfunktion. Auch Atemaussetzer während des Schlafs (Schlafapnoe) können dazu führen, dass die Blasenkontrolle kurzzeitig verlorengeht.

    Um solche Probleme auszuschließen, spricht die Ärztin oder der Arzt mit dem Kind und seinen Eltern und macht eine körperliche Untersuchung. Sie oder er fragt nach Hinweisen auf andere mögliche Erkrankungen – unter anderem, ob das Kind

    • sehr selten (weniger als dreimal täglich) oder sehr oft (mehr als achtmal täglich) wasserlässt,
    • sich auch tagsüber einnässt oder „tröpfelt“,
    • Probleme beim Urinieren hat (zum Beispiel damit zu beginnen oder ohne Unterbrechungen zu beenden),
    • einen schwachen Harnstrahl hat,
    • Schmerzen beim Urinieren hat oder
    • das Gefühl hat, dass die Blase danach nicht leer ist.

    Es kann hilfreich sein, für einige Tage aufzuschreiben, was und wie viel das Kind isst und trinkt und wann und wie oft es wasserlässt.

    Mit einem Urin-Schnelltest lassen sich zum Beispiel eine Harnwegsinfektion oder ein Diabetes ausschließen. Weitere Untersuchungen sind normalerweise nur nötig, wenn es Hinweise gibt, dass eine Erkrankung für das Bettnässen verantwortlich sein könnte.

    Behandlung

    Ratschläge, was man gegen Bettnässen tun könnte, gibt es viele – die meisten sind aber wenig hilfreich. Wichtig ist vor allem, dem Kind die Sorgen zu nehmen und ihm klar zu machen, dass es keine „Schuld“ am Bettnässen hat.

    Man kann versuchen, die Trinkmenge in den beiden Stunden vor dem Schlafengehen und in der Nacht zu beschränken und auf koffein- oder zuckerhaltige Getränke wie etwa Cola am Abend zu verzichten. Wenn ein Kind Verstopfung hat, kann auf eine ballaststoffreichere Ernährung geachtet werden.

    In Studien haben sich elektronische Wecksysteme wie Klingelhöschen oder -matten als sehr hilfreich erwiesen. Sie registrieren Nässe und lösen einen Alarm aus, der das Kind bei den ersten Tropfen aufweckt.

    Medikamente sind nur begrenzt wirksam und werden für Kinder unter sieben Jahren in der Regel nicht empfohlen. Sie wirken recht schnell, allerdings nur so lange, wie sie eingenommen werden. Sie können aber helfen, wenn ein Kind vorübergehend trocken sein muss – beispielsweise wenn es nicht zu Hause schläft. Üblicherweise wird der Wirkstoff Desmopressin eingesetzt, der dem körpereigenen antidiuretischen Hormon Vasopressin ähnelt. Bei manchen Kindern funktionieren Wecksysteme nicht, weil sie einen sehr tiefen Schlaf haben. Auch dann ist eine Behandlung mit Desmopressin eine Alternative.

    Leben und Alltag

    Vielen Eltern und Kindern hilft es bereits, zu wissen, dass Bettnässen nichts Ungewöhnliches ist, viele Familien damit zu tun haben und sich das Problem mit allergrößter Wahrscheinlichkeit von selbst erledigen wird.

    Sich gut auf nächtliche Unfälle vorzubereiten, erleichtert den Alltag – etwa, die Matratze des Kindes durch Gummimatten oder Überzüge zu schützen und frische Bettwäsche griffbereit zu haben. Dann können sich alle möglichst schnell wieder schlafen legen. Manche Familien benutzen auch Windeln oder Windelhöschen.

    Um Uringeruch zu vermeiden, ist es wichtig, das Kind morgens zu duschen und auf frische Kleidung zu achten. So lässt sich verhindern, dass ein Kind im Freundeskreis oder in der Schule ablehnende Reaktionen erlebt. Um den Uringeruch im Bettzeug und in der Kleidung loszuwerden, kann man bei der Wäsche zum Beispiel Soda (Natron) oder Eukalyptusöl verwenden.

    Weitere Informationen

    Die Haus- oder Kinderarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Caldwell PH, Deshpande AV, Von Gontard A. Management of nocturnal enuresis. BMJ 2013; 347: f6259.

    Caldwell PH, Nankivell G, Sureshkumar P. Simple behavioural interventions for nocturnal enuresis in children. Cochrane Database Syst Rev 2013; (7): CD003637.

    Deshpande AV, Caldwell PH, Sureshkumar P. Drugs for nocturnal enuresis in children (other than desmopressin and tricyclics). Cochrane Database Syst Rev 2012; (12): CD002238.

    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP), Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Enuresis und nicht-organische (funktionelle) Harninkontinenz bei Kindern und Jugendlichen (S2k-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 028/026. 02.12.2015.

    Von Gontard A, Schaumburg H, Hollmann E, Eiberg H, Rittig S. The genetics of enuresis: a review. J Urol 2001; 166(6): 2438-2443.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Wie lässt sich Bettnässen behandeln?

    Bettnässen kommt bei Kindern und Jugendlichen häufiger vor, als viele Menschen denken. Die nächtlichen „Unfälle“ können für die ganze Familie sehr belastend sein. Meist erledigt sich das Problem mit der Zeit von selbst. Bis dahin gibt es einige Möglichkeiten, dem Kind zu helfen. Wichtig ist vor allem Geduld.

    In Studien haben sich vor allem elektronische Wecksysteme wie Klingelhöschen und Klingelmatten als nützlich erwiesen. Auch bestimmte Medikamente können zumindest einem Teil der Kinder helfen.

    Da fast alle Kinder früher oder später von selbst trocken durch die Nacht kommen, ist es aber schwierig zu beurteilen, ob ein Mittel tatsächlich geholfen hat oder ob die Blasenkontrolle während der Anwendung von ganz allein ausgereift ist.

    Wichtig ist vor allem, das Kind nicht auszuschimpfen oder gar mit Strafen unter Druck zu setzen. Für die Blasenkontrolle ist ein Zusammenspiel von verschiedensten Körpervorgängen erforderlich und ein Kind kann nichts dafür, wenn es bei ihm länger dauert, bis sie ausgereift sind. Dies ist nichts Ungewöhnliches. Auch die Eltern trifft keine Schuld.

    Bettnässen kommt bei Kindern und Jugendlichen häufiger vor, als viele Menschen denken. Die nächtlichen „Unfälle“ können für die ganze Familie sehr belastend sein. Meist erledigt sich das Problem mit der Zeit von selbst. Bis dahin gibt es einige Möglichkeiten, dem Kind zu helfen. Wichtig ist vor allem Geduld.

    In Studien haben sich vor allem elektronische Wecksysteme wie Klingelhöschen und Klingelmatten als nützlich erwiesen. Auch bestimmte Medikamente können zumindest einem Teil der Kinder helfen.

    Da fast alle Kinder früher oder später von selbst trocken durch die Nacht kommen, ist es aber schwierig zu beurteilen, ob ein Mittel tatsächlich geholfen hat oder ob die Blasenkontrolle während der Anwendung von ganz allein ausgereift ist.

    Wichtig ist vor allem, das Kind nicht auszuschimpfen oder gar mit Strafen unter Druck zu setzen. Für die Blasenkontrolle ist ein Zusammenspiel von verschiedensten Körpervorgängen erforderlich und ein Kind kann nichts dafür, wenn es bei ihm länger dauert, bis sie ausgereift sind. Dies ist nichts Ungewöhnliches. Auch die Eltern trifft keine Schuld.

    Wann ist es sinnvoll, über eine Behandlung nachzudenken?

    Viele Kinder, die mit fünf Jahren noch einnässen, werden mit der Zeit von allein trocken. Drängender werden die Probleme oft erst, wenn die Kinder eingeschult werden. Abgesehen vom Alter des Kindes sind bei der Abwägung für oder gegen eine Behandlung noch andere Faktoren wichtig: Wie belastend ist das Bettnässen für Kind und Eltern? Übernachtet es öfter zum Beispiel bei Freunden? Hat das Kind von sich aus den Wunsch, trocken zu werden und ist es bereit, eine Behandlung auszuprobieren?

    Wenn das Kind spürbar unter dem Bettnässen leidet, kann eine Behandlung selbst dann sinnvoll sein, wenn es nur selten ins Bett macht. Anders herum nützt eine Behandlung wenig, wenn das Kind sie nicht will oder dafür noch nicht reif genug ist.

    Was kann man selbst tun?

    Ein einfaches Verhaltenstraining ist häufig das Erste, was Eltern und Kinder bei Bettnässen versuchen. Es gibt verschiedene Ansätze, zum Beispiel:

    • Belohnungssysteme: Dabei belohnt man das Kind, wenn es sich an gemeinsame Ziele hält – zum Beispiel, dass es vor dem Zubettgehen regelmäßig zur Toilette geht oder dabei hilft, die Bettlaken neu zu beziehen, wenn es ins Bett gemacht hat. Dazu legt man gemeinsam mit dem Kind fest, wofür und wie es belohnt wird. Eine Möglichkeit sind Sticker oder Klebe-Tattoos. Für erreichte Ziele darf sich das Kind einen Sticker in den Kalender kleben, wenn es eine Woche lang durchgehalten hat, bekommt es ein Tattoo oder ein anderes kleines Geschenk. Belohnungssysteme eignen sich vor allem bei jüngeren Kindern.
    • geplante Toilettengänge in der Nacht: Der Toilettengang kurz vor dem Zubettgehen ist für die meisten selbstverständlich. Zusätzlich kann man das schlafende Kind aus dem Bett holen und zur Toilette bringen oder es planmäßig aufwecken, damit es selbst gehen kann. Dies wirkt sich nicht direkt auf das Bettnässen aus, kann aber helfen, wenn ein Kind in einer bestimmten Nacht möglichst trocken bleiben soll. Ältere Kinder können einen Wecker benutzen, der sie nachts aufweckt, um selbstständig zur Toilette zu gehen.
    • Flüssigkeitszufuhr begrenzen: Manche Eltern versuchen, Bettnässen vorzubeugen, indem sie darauf achten, dass das Kind abends nichts oder nur noch wenig trinkt. Wenn ein Kind durstig ist, sollte es aber trinken dürfen. Von harntreibenden, zucker- und koffeinhaltigen Getränken wie Cola wird aber abgeraten.

    Zum Nutzen von einfachem Verhaltenstraining bei Bettnässen gibt es nur wenig Forschung. Belohnungssysteme und vorbeugende Toilettengänge sind aber eine einfache Möglichkeit, das Kind zu unterstützen.

    Nicht regelhaft empfohlen wird das sogenannte Blasentraining. Dabei übt das Kind tagsüber, das Wasserlassen hinauszuzögern. Dadurch soll es sein Blasenvolumen vergrößern und lernen, wie sich eine volle Blase anfühlt. Es ist aber nicht durch Studien belegt, dass Blasentraining das Bettnässen beeinflussen kann. In Studien, in denen das Training mit anderen Behandlungen verglichen wurde, war es weniger wirksam.

    Wie funktionieren elektronische Wecksysteme?

    Elektronische Wecksysteme registrieren Nässe und lösen einen Alarm aus, wenn die Blase des Kindes beginnt, sich zu leeren. Der Alarm soll das Kind möglichst bei den ersten Tropfen aufwecken, damit es die Blasenentleerung stoppen und zur Toilette gehen kann – allein oder mit Hilfe der Eltern. Mit der Zeit soll es lernen, schon vor dem Alarm aufzuwachen, wenn die Blase voll ist.

    Es gibt verschiedenste Wecksysteme wie zum Beispiel Klingelhöschen, Klingelmatten oder Mini-Wecksysteme, die an der Unterhose oder am Schlafanzug angebracht werden. Manche Systeme arbeiten mit Lichtsignal oder Vibrationsalarm, andere funktionieren über Funk. In Deutschland werden die Kosten für bestimmte Weckgeräte in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, wenn sie als Hilfsmittel anerkannt sind und ärztlich verschrieben werden. Elektronische Wecksysteme sind für den Einsatz über mehrere Wochen gedacht.

    Eltern und Kind müssen Willen und Geduld mitbringen, wenn sie ein Wecksystem einsetzen, werden aber oft mit einem langfristigen Erfolg belohnt. Der Nachteil: Während der Behandlung wird der Schlaf gestört und das Kind kann tagsüber müde sein – sowie manchmal auch der Rest der Familie.

    Wie wirksam sind elektronische Wecksysteme?

    Wecksysteme wie Klingelhöschen und -matten sind in vielen Studien erprobt worden. Eine zusammenfassende Auswertung zeigt, dass nach einigen Wochen Anwendung

    • ohne Wecksystem nur 3 von 100 Kindern mindestens 14 Tage hintereinander trocken waren,
    • mit Wecksystem 62 von 100 Kindern mindestens 14 Tage hintereinander trocken waren.

    Einige Kinder hatten erneut Probleme, wenn sie aufhörten, das Wecksystem zu benutzen. Die meisten waren aber auch einige Wochen oder Monate nach dem Einsatz des Wecksystems noch trocken.

    Es wird empfohlen, das Wecksystem so lange zu benutzen, bis das Kind über zwei bis vier Wochen nachts trocken geblieben ist. Eine einheitliche Empfehlung hierzu gibt es aber nicht. Wie lange es dauert, bis sich ein Erfolg einstellt, ist unterschiedlich und schwankt von wenigen Wochen bis zu sechs Monaten.

    Ein Grund dafür, warum Wecksysteme nicht allen Kindern helfen, ist, dass manche Kinder sehr tief schlafen und auch durch den Alarm des Wecksystems nicht aufwachen.

    Das Risiko für einen Rückfall lässt sich verringern, wenn sich an eine erfolgreiche Behandlung mit Wecksystemen eine zweite Lernphase anschließt. Dabei gibt man dem nun trockenen Kind in der Stunde vor dem Schlafengehen mehr als sonst zu trinken (etwa 0,2 Liter zusätzlich). So kann es lernen, auch bei besonders voller Blase schnell genug aufzuwachen.

    Welche Medikamente gibt es und wann kommen sie infrage?

    Bettnässen kann auch mit Medikamenten behandelt werden. Für zwei Mittel ist nachgewiesen, dass sie Bettnässen bei manchen Kindern vorübergehend stoppen können: für das hormonähnliche Medikament Desmopressin und das Antidepressivum Imipramin. Beide müssen von einer Ärztin oder einem Arzt verordnet werden.

    Wenn man Bettnässen mit Medikamenten behandeln möchte, wird in der Regel der Wirkstoff Desmopressin eingesetzt. Er wirkt relativ schnell und kann bereits nach der ersten Einnahme helfen.

    Der Einsatz von Desmopressin bietet sich zum Beispiel an, wenn das Kind bei Freunden übernachtet und es in dieser Zeit möglichst trocken bleiben soll. Um zu testen, ob das Mittel ausreichend wirkt und richtig dosiert ist, probiert man es am besten schon mal vorher aus.

    Medikamente kommen auch infrage, wenn Wecksysteme ungeeignet sind – zum Beispiel, weil ihr Alarm das Kind nicht aufwecken kann.

    Medikamente haben den Nachteil, dass sie meist nur solange wirken, wie sie eingenommen werden. Nach dem Absetzen kehrt das Bettnässen bei vielen Kindern zurück.

    Wenn ein Medikament längerfristig eingesetzt wird, ist es wichtig, die Behandlung in Abständen von ungefähr drei Monaten für etwa eine Woche zu unterbrechen. Dann zeigt sich, ob überhaupt noch Bedarf für eine Behandlung besteht – oder ob das Kind inzwischen trocken geworden ist.

    Wie wirksam sind Medikamente?

    Desmopressin wirkt ähnlich wie das körpereigene Hormon Vasopressin, das nachts vom Gehirn ausgeschieden wird, um die Urinproduktion zu verringern.

    Studien haben gezeigt:

    • Ohne Desmopressin bleiben 3 von 100 Kindern über mindestens 14 Tage trocken.
    • Mit Desmopressin bleiben 19 von 100 Kindern über mindestens 14 Tage trocken.

    Bei etwa 5 von 100 Kindern, die Desmopressin-Tabletten einnehmen, treten Nebenwirkungen wie Kopf- oder Bauchschmerzen auf. Sie entstehen meist, weil die Kinder zu viel Wasser im Körper behalten. Um Nebenwirkungen zu vermeiden, sollen Kinder und Jugendliche in der Stunde, bevor sie das Medikament einnehmen, nichts mehr trinken. Auch danach sollten sie in den nächsten acht Stunden nicht mehr als ein Glas Flüssigkeit trinken. Dies ist auch wichtig, um eine zwar seltene, aber schwere Nebenwirkung zu vermeiden, die sogenannte Wasservergiftung. Dazu kommt es, wenn der Körper zu viel Wasser speichert. Erste Anzeichen können Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Gewichtszunahme sein.

    Wenn eine Behandlung mit Desmopressin beendet werden soll, kann es sinnvoll sein, die Dosis über einige Wochen nach und nach zu verringern. Dadurch lässt sich das Risiko für einen Rückfall senken.

    Imipramin

    Imipramin gehört zur Gruppe der trizyklischen Antidepressiva. Es wird vor allem zur Behandlung von Depressionen eingesetzt, ist aber auch bei Bettnässen zugelassen. Das Mittel verkürzt die Traumphasen (REM-Phasen) des Schlafs, regt die Vasopressin-Produktion an und beeinflusst die Blasenmuskulatur.

    Imipramin ist ähnlich wirksam wie Desmopressin, führt allerdings häufig zu Nebenwirkungen. In Studien hatten etwa 17 von 100 Kindern, die das Mittel einnahmen, mit Nebenwirkungen zu tun. Dazu gehören ein niedriger Blutdruck, Herzrasen, Mundtrockenheit, Verstopfung, Schwitzen, Übelkeit, Müdigkeit und Schlafstörungen. Wenn Imipramin angewendet wird, ist es wichtig, das Mittel außerhalb der Reichweite von Kindern aufzubewahren, da eine Überdosierung für sie lebensgefährlich sein kann.

    Andere Arzneimittel und Therapien

    Für andere Arzneimittel und Behandlungen ist nicht belegt, dass sie gegen Bettnässen helfen. Auch für Therapien der komplementären oder alternativen Medizin, wie zum Beispiel Heilkräuter, Chiropraktik, Homöopathie, Hypnose und Akupunktur ist ein Nutzen bei Bettnässen nicht belegt. Viele dieser Therapien wurden bislang nur in Studien mit geringer Aussagekraft untersucht.

    Quellen

    Caldwell PH, Nankivell G, Sureshkumar P. Simple behavioural interventions for nocturnal enuresis in children. Cochrane Database Syst Rev 2013; (7): CD003637.

    Caldwell PH, Sureshkumar P, Wong WC. Tricyclic and related drugs for nocturnal enuresis in children. Cochrane Database Syst Rev 2016; (1): CD002117.

    Chua ME, Silangcruz JM, Chang SJ, Williams K, Saunders M, Lopes RI et al. Desmopressin Withdrawal Strategy for Pediatric Enuresis: A Meta-analysis. Pediatrics 2016; 138(1).

    Deshpande AV, Caldwell PH, Sureshkumar P. Drugs for nocturnal enuresis in children (other than desmopressin and tricyclics). Cochrane Database Syst Rev 2012; (12): CD002238.

    Glazener CM, Evans JH. Desmopressin for nocturnal enuresis in children. Cochrane Database Syst Rev 2002; (3): CD002112.

    Glazener CM, Evans JH, Peto RE. Alarm interventions for nocturnal enuresis in children. Cochrane Database Syst Rev 2005; (2): CD002911.

    Huang T, Shu X, Huang YS, Cheuk DK. Complementary and miscellaneous interventions for nocturnal enuresis in children. Cochrane Database Syst Rev 2011; (12): CD005230.

    Müller D, Roehr CC, Eggert P. Comparative tolerability of drug treatment for nocturnal enuresis in children. Drug Saf 2004; 27(10): 717-727.

    National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Nocturnal Enuresis: The Management of Bedwetting in Children and Young People. 2010. (NICE Clinical Guidelines; Band 111).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Was kann den Alltag erleichtern?

    Manche Eltern fragen sich, ob sie etwas falsch gemacht haben, wenn ihr Kind nicht trocken durch die Nacht kommt. An Bettnässen ist aber normalerweise niemand „schuld“. Das zu wissen, ist auch für das Kind tröstlich. Etwas Gelassenheit und praktische Maßnahmen können helfen, mit den nächtlichen Störungen umzugehen.

    Wenn das Bettnässen den Familienalltag empfindlich stört oder zu einer emotionalen Belastung wird, ist eine Behandlung sinnvoll. Außerdem kann man Verschiedenes tun, um allen Beteiligten den Umgang damit zu erleichtern.

    Praktisch sind zum Beispiel ein Nachtlicht und / oder leicht zugängliche Lichtschalter im Flur, Bad oder WC. Sie helfen dem Kind, möglichst rasch die Toilette zu erreichen. Ist der Weg dorthin zu lang oder die Eile groß, ist vielleicht auch ein Nachttöpfchen in Bettnähe eine Möglichkeit. Wenn das Zimmer des Kindes eher weit vom WC entfernt ist, kann – sofern möglich – auch ein Zimmertausch eine Überlegung wert sein. Zudem gibt es Windeln und Windelhöschen auch für ältere Kinder. Manchen Kindern geben sie Sicherheit, andere lehnen sie ab.

    Manche Eltern fragen sich, ob sie etwas falsch gemacht haben, wenn ihr Kind nicht trocken durch die Nacht kommt. An Bettnässen ist aber normalerweise niemand „schuld“. Das zu wissen, ist auch für das Kind tröstlich. Etwas Gelassenheit und praktische Maßnahmen können helfen, mit den nächtlichen Störungen umzugehen.

    Wenn das Bettnässen den Familienalltag empfindlich stört oder zu einer emotionalen Belastung wird, ist eine Behandlung sinnvoll. Außerdem kann man Verschiedenes tun, um allen Beteiligten den Umgang damit zu erleichtern.

    Praktisch sind zum Beispiel ein Nachtlicht und / oder leicht zugängliche Lichtschalter im Flur, Bad oder WC. Sie helfen dem Kind, möglichst rasch die Toilette zu erreichen. Ist der Weg dorthin zu lang oder die Eile groß, ist vielleicht auch ein Nachttöpfchen in Bettnähe eine Möglichkeit. Wenn das Zimmer des Kindes eher weit vom WC entfernt ist, kann – sofern möglich – auch ein Zimmertausch eine Überlegung wert sein. Zudem gibt es Windeln und Windelhöschen auch für ältere Kinder. Manchen Kindern geben sie Sicherheit, andere lehnen sie ab.

    Was tun, wenn das Bett nass wird?

    Mit einer guten Vorbereitung ist das Bett schnell wieder frisch bezogen, und alle können sich wieder schlafen legen. Hilfreich ist,

    • die Matratze des Kindes mit wasserdichten Auflagen oder Betttüchern vor Nässe zu schützen. Auch für Bettdecke und Kissen sind spezielle waschbare Schutzbezüge erhältlich.
    • einen sauberen Schlafanzug, frische Bettwäsche und Laken bereitzulegen – oder eine zweite, schon fertig bezogene Bettgarnitur.
    • morgens genügend Zeit einzuplanen, damit das Kind duschen und man sich um die Wäsche kümmern kann.

    Je nach Alter kann das Kind mithelfen oder lernen, sein Bett selbst zu beziehen.

    Manchmal riechen Schutzbezüge, Bettwäsche oder Kleidungsstücke nach dem Waschen noch immer. Dagegen hilft Spülen mit warmem Wasser, das vorher mit Soda oder einigen Tropfen Eukalyptusöl versetzt wurde. Handelsübliches Soda (Natron) gibt es in Drogerien oder Apotheken.

    Körperpflege und Hygiene

    Im Kindergarten, in der Schule oder im Freundeskreis kann ein Kind ausgegrenzt werden, wenn es nach Urin riecht. Auch deshalb ist gründliches Duschen gegen den Uringeruch sehr wichtig, wenn ein Kind ins Bett genässt hat. Ausgiebiges Lüften hilft, den Geruch im Kinderzimmer zu vertreiben. Zusätzlich können Duftöle oder -sprays eingesetzt werden.

    Morgendliches Duschen und Eincremen sind auch wichtig, um Hautausschläge zu vermeiden. Dazu kann es kommen, wenn die Haut über Stunden Kontakt mit Urin hatte. Falls es zu einem Hautausschlag kommt, kann eine Ärztin oder ein Arzt zum Beispiel Wundschutzsalbe oder -creme mit Zinkoxid oder Dexpanthenol verschreiben. Ein Ausschlag entwickelt sich eher bei Kindern, die nachts eine Windel oder ein wasserdichtes Höschen tragen, weil die Haut dem Urin dann längere Zeit ausgesetzt ist. Auch bei Kindern mit Neurodermitis oder anderen Hauterkrankungen sind Probleme wahrscheinlicher.

    Dem Kind das Bettnässen erklären

    Weil auch die Gene beeinflussen, wie schnell sich die Kontrolle über die Blase entwickelt, kann Bettnässen in verschiedenen Generationen einer Familie immer wieder vorkommen. Für ein Kind kann es tröstlich sein zu erfahren, dass auch andere Angehörige früher dieses Problem hatten. Es weiß dann, dass Bettnässen nichts Ungewöhnliches ist und früher oder später von selbst aufhört. Dem Kind zu erklären, dass andere Kinder in der Schule vielleicht dasselbe Problem haben, auch wenn sie nie darüber sprechen, kann ebenfalls helfen.

    Wichtig ist, dass ein Kind versteht, dass es keineswegs ein „Nachzügler“ ist, nur weil es etwas länger braucht, bis es nachts trocken ist. Vielleicht ist es in anderen Dingen genauso gut wie andere Kinder oder ihnen sogar etwas voraus? Darauf hinzuweisen, kann das Selbstbewusstsein des Kindes stärken und ihm den Umgang mit dem Bettnässen erleichtern.

    Wie kann sich Bettnässen emotional auswirken?

    Schon lange wird darüber diskutiert, welche Rolle psychische Auslöser für das Bettnässen spielen könnten. Allerdings sind Kummer und emotionale Probleme eher die Folge oder Begleiterscheinung des Bettnässens und nicht deren Ursache: So haben betroffene Kinder häufiger mit Scham- und Schuldgefühlen und geringem Selbstbewusstsein zu kämpfen. Den meisten Kindern ist die fehlende Kontrolle über ihre Blase sehr peinlich. Falls im Freundeskreis oder in der Klasse jemand davon erfährt, gerät ein Kind weiter unter Druck.

    Emotionale Probleme als Ursache für Bettnässen spielen eher eine Rolle, wenn ein zuvor bereits trockenes Kind wieder anfängt, ins Bett zu machen. Man spricht dann von einer sekundären Enuresis.

    Viele Eltern und Familien versuchen, geduldig mit dem Thema umzugehen. Sie helfen dem Kind so gut es ihnen möglich ist und warten ab, bis es „da herauswächst“. Aber nicht immer fällt es leicht, sich mitten in der Nacht gelassen oder gar aufmunternd zu zeigen. Vor allem wenn ein Kind nur wenig motiviert scheint, trocken zu werden, kann es auch passieren, dass man ungeduldig und ärgerlich reagiert. Den Ärger oder die Erschöpfung seiner Eltern zu spüren, belastet ein Kind aber zusätzlich.

    Auch wenn Behandlungen wiederholt fehlschlagen, kann das Selbstwertgefühl eines Kindes leiden. Wichtig ist, ihm Halt zu geben und dafür zu sorgen, dass es nicht von seinen Geschwistern gehänselt wird. Normalerweise werden Kinder wieder selbstbewusster, wenn das Bettnässen aufhört.

    Wie lässt sich die Scham überwinden?

    Manchmal empfinden auch Eltern das Bettnässen ihres Kindes als peinlich, oder sie schämen sich für ihr Kind. Sie sorgen sich, was andere von ihm denken oder dass sie über ihr Kind reden.

    Vielen Kindern geht es wahrscheinlich ähnlich: Sie vergleichen sich mit Gleichaltrigen und haben Angst davor, dass andere etwas herausbekommen und sich dann über sie lustig machen. Deshalb trinken viele Kinder weniger oder meiden nach Möglichkeit Situationen, in denen sie sich nicht sicher fühlen, wie Klassenfahrten oder Übernachtungen bei Freunden. Manche Kinder weigern sich auch, eine Freundin oder einen Freund nach Hause einzuladen, aus Sorge, dass sie Anzeichen für ihr Problem entdecken könnten wie die Plastikplane im Bett oder einen Uringeruch.

    Wenn das Kind es möchte, kann es aber einen Versuch wert sein, es eine Nacht bei verständnisvollen Freundinnen oder Freunden schlafen zu lassen. Manche Kinder bleiben in einer anderen Schlafumgebung leichter trocken. Vielleicht liegt es daran, dass sie in einem fremden Bett weniger tief schlafen als im eigenen. Kleidungsstücke zum Wechseln oder ein unauffälliges Schutzhöschen verringern die Unannehmlichkeiten, wenn es doch zu einem Missgeschick kommen sollte.

    Manche Eltern trauen sich nicht, das Bettnässen außerhalb der Familie anzusprechen, also zum Beispiel mit befreundeten Müttern und Vätern. Die Sorgen mit anderen Menschen zu teilen, kann aber durchaus hilfreich sein.

    Quellen

    Caldwell PH, Deshpande AV, Von Gontard A. Management of nocturnal enuresis. BMJ 2013; 347: f6259.

    Cederblad M, Neveus T, Ahman A, Osterlund Efraimsson E, Sarkadi A. "Nobody Asked Us if We Needed Help": Swedish parents experiences of enuresis. J Pediatr Urol 2014; 10(1): 74-79.

    McKillop A, MacKay B, Scobie N. A programme for children with nocturnal enuresis. Nurs Stand 2003; 17(43): 33-38.

    Sanders C. Choosing continence products for children. Nurs Stand 2002; 16(32): 39-43.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Bettnässen - Erfahrungsbericht - Katrin

    „Mein Sohn war sehr schüchtern. Ich hab gemerkt, dass ihm das Einnässen sehr unangenehm war. Ansonsten war in seinem Leben alles in Ordnung. Als er älter wurde und zur Schule ging, hat er dann immer von „meiner Krankheit“ gesprochen.“

    Katrin (5 Kinder, jüngster Sohn nässt nachts ein)

    „Mein Sohn war sehr schüchtern. Ich hab gemerkt, dass ihm das Einnässen sehr unangenehm war. Ansonsten war in seinem Leben alles in Ordnung. Als er älter wurde und zur Schule ging, hat er dann immer von „meiner Krankheit“ gesprochen.“

    Mein Sohn war in diesem Sinn nie trocken. Wenn, dann nur ein oder zwei Nächte. Wenn er eine Nacht trocken war, dann habe ich ihn gelobt und er hat etwas Besonderes bekommen. Wenn er dann wieder eingenässt hat, habe ich Zweifel bekommen, ob es denn überhaupt klappen wird. Ich habe mir dann gesagt, dass ich ruhig bleiben muss. Er sollte nicht merken, wie traurig ich war. Das hat mich sehr belastet.

    Es gab keinen Rhythmus. Ich hätte nicht sagen können, ob es in den Ferien oder am Wochenende, im Sommer oder im Winter besser oder schlechter war. Es war sehr unterschiedlich.

    Bettnässen bei Kindern ist ein Tabuthema. Die Ärzte und die Psychologen helfen nicht. Ich habe nicht gewusst, wen ich fragen soll und wer mir helfen kann. In den Zeitschriften kann man nichts darüber lesen. Es ist, als ob es dieses Thema auf dieser Welt nicht gäbe. Man kann nicht erfahren, was die Ursachen sind und was man dagegen machen kann. Das ist sehr traurig.

    Körperlich war alles in Ordnung

    Zuerst war ich mit meinem Sohn beim Urologen. Ich wollte wissen, ob körperlich alles in Ordnung ist. Ich hatte keine Vorstellung, wodurch das kam. Der Urologe hat meinen Sohn untersucht und sagte, dass körperlich alles in Ordnung sei. Danach stand ich erst mal da und wusste nicht weiter. Ich bin dann zu einem anderen Urologen gegangen. Aber er sagte auch, dass körperlich alles in Ordnung ist.

    Ich habe überlegt, was die Ursache sein kann, und habe über die Familie nachgedacht. Der Bruder von meinem Mann hat als Erwachsener noch das Bett eingenässt. Das war Zufall, dass ich das von meiner Schwiegermutter erfahren habe. Ein Cousin von mir und ein Cousin meines Vaters haben auch ins Bett genässt. Deshalb habe ich gedacht, dass es vielleicht in der Familie liegen kann.

    Ich habe verschiedene Möglichkeiten ausprobiert

    Ich habe dann verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, damit das Einnässen aufhört. Ich hab versucht, meinen Sohn zu wecken. Mein Sohn schläft sehr fest. Nachdem er schlafen gegangen war, wollte ich ihn eine Stunde später wecken. Aber es war schon zu spät.

    Dann habe ich versucht, dass er weniger trinkt. Nachmittags habe ich ihm kaum noch etwas zu trinken gegeben. Im Sommer war das sehr schwer für ihn und es tut mir jetzt sehr leid. Am Abend habe ich die Trinkmenge soweit reduziert, dass er dann fast nichts mehr getrunken hat. Ich habe gedacht, wenn er weniger Flüssigkeit aufnimmt, dann scheidet er auch weniger aus. Aber irgendwie hat er noch mehr Flüssigkeit ausgeschieden.

    Wir sind auch zum Kinderpsychologen gegangen. Mein Sohn war sehr verunsichert und hat sich in den Gesprächen nicht wohl gefühlt. Es war ihm unangenehm. Es hat auch keine Veränderungen gebracht und wir sind dann nicht mehr hingegangen.

    Vom Arzt habe ich erfahren, dass es eine Klingelhose für die Behandlung von Bettnässen gibt. Ich habe es ausprobiert. Es hat ziemlich laut geklingelt. Jeder in der Wohnung hat es gehört und alle waren hellwach. Wir haben alle sehr schlecht geschlafen, da das Gerät bei dem ersten Tropfen anschlägt. Nur mein Sohn hat weitergeschlafen. Er schlief ja immer sehr fest. Es war sogar sehr schwer meinen Sohn aufzuwecken. Er hat das gar nicht bemerkt. Am nächsten Tag konnte er sich auch an nichts erinnern.

    Wenn er bei Freunden geschlafen hat, ist nie etwas passiert

    Mein Sohn war sehr schüchtern. Ich hab gemerkt, dass ihm das Einnässen sehr unangenehm war. Ansonsten war in seinem Leben alles in Ordnung. Als er älter wurde und zur Schule ging, hat er dann immer von „meiner Krankheit“ gesprochen.

    Er hat oft in den Ferien bei Freunden geschlafen. Es ist nie etwas passiert. Ich konnte dann meistens nicht schlafen. Ich habe mir Gedanken gemacht, was passiert, wenn er dort einnässt. Ich hatte Angst, was das für Folgen für seine Freundschaften haben könnte. Ich glaube, er hat sich darüber gar keine Gedanken gemacht.

    Mittlerweile sprechen wir nicht mehr darüber. Wir verständigen uns über Augenkontakt und über Gesten. Wenn er manchmal am Morgen in die Küche kommt, dann wartet er, bis seine Geschwister nach draußen gegangen sind. Dann sagt er: „Wenn du mal Zeit hast, wäschst du meine Steppdecke mit und mein Kopfkissen?“ Und ich sage: „Ja, mach ich schon.“ Es wird nicht groß drüber geredet.

    Es war schwierig, aber es hat sich alles eingespielt

    Manchmal war es schwierig. Wenn ich nach der Arbeit nach Hause kam, war ich manchmal sehr müde. Aus Erfahrung hatte ich immer eine Reserve an Bettwäsche, vor allem im Winter, wenn es schlechter trocknet. Die Steppdecke und das Bettzeug habe ich nicht jeden Tag gekocht. Ich habe es jeden Tag gleich nach dem Nasswerden gewaschen. Es kostet eine Menge Strom und Wasser. Die Matratze hab ich manchmal mit dem Fön und nachher mit dem Dampfreiniger getrocknet. Der Dampfreiniger ist das beste Mittel, um die Matratze geruchsfrei zu bekommen. Mit der Zeit hat sich das alles eingespielt.

    In den letzten Jahren brauchten nur ein paar Tropfen an der Bettdecke zu sein ... mein Sohn war dann vom Geruch schon so genervt. Er wollte, dass alles gewaschen wird. Als er klein war, hat ihn das nicht so gestört. Jetzt möchte er mit dem Geruch nichts zu tun haben. Es muss alles sehr sauber sein.

    Ich habe mich oft gefragt, was ich falsch mache. Es ist mein fünftes Kind und alle anderen Kinder sind trocken geworden. Vier Kinder werden trocken und beim fünften Kind schaffe ich es nicht.

    Meine Kinderärztin hat mir dann gesagt, dass ich nichts falsch machen würde. Aber ich habe mir trotzdem gesagt, dass ich das schaffen muss. Ich hatte das Gefühl, dass ich ihm und auch mir helfen muss. Vor allem bei der Bewältigung der Wäsche. Das ist für mich als Mutter das Problem. Mit den vielen Kindern gibt es immer viel Wäsche.

    Eltern sollten auf keinen Fall ihre Kinder bestrafen

    Manchmal war ich sehr müde und konnte körperlich und seelisch nicht mehr. Aber ich habe dann meine anderen Kinder gesehen und das hat mir geholfen. Es hat mir geholfen, dass ich meine Kinder liebe und dass meine Kinder mich lieben. Das hat uns gegenseitig Kraft gegeben. Wir waren und sind füreinander da, und der Zusammenhalt, der hat uns geholfen.

    Mir hat damals auch das Gespräch mit anderen Müttern geholfen. Das war sehr erleichternd. Vielleicht hilft ein Gesprächspartner auch anderen betroffenen Eltern.

    Eltern sollten auf keinen Fall ihre Kinder bestrafen. In keiner Weise. Ich denke, dass es am besten ist, das Kind zu lieben und zu beschützen. Der Alltag fällt manchmal schwer. Es kostet Nerven. Man sollte trotzdem versuchen, noch mehr für das Kind da zu sein. Damit das Kind merkt, dass es trotzdem gemocht wird und etwas Besonderes ist.

    Der Vater meines Sohnes war der Meinung, dass es nur an ihm liegt und er bestraft werden muss. Ich bin der Meinung, dass Gewalt und Strafen nicht helfen.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.