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Insektengiftallergie

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    Jeder wird ab und an von Insekten gestochen – was meist nur eine kleine juckende Rötung an der Einstichstelle hinterlässt. Bei einer Insektengiftallergie kann ein Stich heftige Reaktionen hervorrufen, die selten auch lebensgefährlich werden können. Lesen Sie, wie man mit einem Insektenstich umgeht und vorbeugen kann.

    Einleitung

    Jeder wird hin und wieder von Insekten gestochen – was meist nur eine kleine juckende Rötung und leichte Schwellung rund um die Einstichstelle hinterlässt. Bei Menschen mit einer Insektengiftallergie kann ein Stich dagegen heftige Reaktionen hervorrufen, die selten auch lebensgefährlich werden können.

    Bei der Insektengiftallergie wehrt sich das Immunsystem gegen bestimmte Eiweißbestandteile eines Gifts. Einige Menschen sind grundsätzlich anfälliger gegenüber Allergien. Warum aber manche eine Insektengiftallergie bekommen und andere nicht, lässt sich bislang nicht sagen. Die Allergie entsteht auch nicht nach dem ersten Stich: So kann jemand über Jahre immer wieder gestochen werden, ohne dass es zu besonderen Reaktionen kommt. Im Laufe der Zeit entwickelt der Körper jedoch eine Anfälligkeit (Sensibilisierung) gegenüber einem Gift und reagiert plötzlich allergisch.

    Symptome

    Bei einer Insektengiftallergie kommt es zu einer starken Schwellung an der Einstichstelle. Sie hat häufig einen Durchmesser von mehr als 10 cm und hält länger als 24 Stunden an. Sie ist meist schmerzhaft, juckt heftig oder brennt.

    Bei einem Stich im Mund und Rachen kann die Schwellung die Atemwege verengen und das Atmen erschweren. Menschen mit einer Allergie sind besonders gefährdet. Die Schwellung ist aber nur selten so stark, dass Erstickungsgefahr besteht.

    Die Beschwerden können aber auch den gesamten Körper betreffen. Man spricht dann von einer anaphylaktischen Reaktion. Sie kann leichte bis lebensbedrohliche Beschwerden auslösen. Leichtere Reaktionen sind Quaddelbildung (Nesselsucht), Juckreiz am ganzen Körper, Schwindel, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden. Darüber hinaus kann es zu Schluckbeschwerden, allgemeiner Schwäche und Schwellungen im Gesicht oder an den Händen kommen. Bei einem schweren Verlauf kommt es zu Atemnot, Blutdruckabfall, Bewusstlosigkeit oder sogar Herz-Kreislauf-Stillstand.

    Meist treten die allergischen Reaktionen unmittelbar nach dem Stich auf, selten erst Stunden später. Es kann aber sein, dass eine anaphylaktische Reaktion zunächst abklingt und innerhalb von acht Stunden erneut auftritt.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Am häufigsten löst das Gift von Bienen oder Wespen allergische Reaktionen aus. Stiche von Bienen führen eher zu schweren Reaktionen als die von Wespen. Deutlich seltener sind Reaktionen auf Hornissengift (meist bei Menschen mit Wespengiftallergie) oder Hummelgift (meist bei Bienengiftallergie). Durch Mücken-, Bremsen- oder Ameisengifte kommt es außer direkt an der Stich- oder Bissstelle hierzulande fast nie zu allergischen Reaktionen.

    Die Unterschiede im Verhalten von Bienen und Wespen zu kennen, kann helfen, ihnen auszuweichen und bei einem Stich richtig zu reagieren. Zudem kann es für die Diagnose wichtig sein zu wissen, von welchem Insekt man gestochen wurde:

    Bienen Wespen
    • verhalten sich eher friedlich – es sei denn, sie fühlen sich bedroht
    • fliegen von Frühjahr bis Spätsommer
    • verlieren beim Stechen ihren Stachel; er bleibt meist in der Haut stecken
    • fliegen meist in der Nähe von Bienenstöcken und Blüten
    • verhalten sich schneller aggressiv – sie fühlen sich durch Bewegungen und Wegpusten eher bedroht
    • fliegen vorwiegend von Sommer bis Spätherbst
    • behalten ihren Stachel nach dem Stich
    • umschwirren oft Speisen und Abfall

    Häufigkeit

    Etwa 2 % der Bevölkerung reagieren auf Insektenstiche mit Beschwerden, die über die Einstichstelle hinausgehen.

    Manche Menschen werden häufiger von Insekten gestochen als andere und erkranken entsprechend öfter. Dazu zählen Imkerinnen, Imker und deren Angehörige. Ein höheres Risiko haben auch Menschen, die in Bäckereien arbeiten, Obst verkaufen oder in der Landwirtschaft tätig sind.

    Folgen

    Zu bleibenden Schäden führt eine allergische Reaktion auf einen Insektenstich in aller Regel nicht.

    Pro Jahr werden in Deutschland etwa 20 Todesfälle durch allergische Reaktionen auf Bienen-, Wespen- und Hornissenstiche gemeldet. Die tatsächliche Zahl liegt wahrscheinlich etwas höher, da allergische Reaktionen als Todesursache nicht immer erkannt werden.

    Diagnose

    Vor der körperlichen Untersuchung fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den genauen Beschwerden. Da sich Wespen- und Bienenstiche nicht immer klar unterscheiden lassen, ist auch wichtig, an welchem Ort das Insekt zugestochen und wie es sich verhalten hat. Zudem geben Betroffene zwar meist an, von einer Wespe oder Biene gestochen worden zu sein, verwechseln diese jedoch häufiger.

    Haut- und Bluttests werden nur dann gemacht, wenn die Beschwerden über Reaktionen an der Einstichstelle hinausgehen. Bei diesen Tests wird untersucht, ob das Immunsystem auf bestimmte Auslöser übermäßig reagiert.

    Beim Hauttest wird eine Lösung mit Insektengift auf die leicht angeritzte Haut gegeben und beobachtet, ob sie sich rötet oder juckende Quaddeln entstehen. Bei der Blutuntersuchung prüft die Ärztin oder der Arzt, ob der Körper Antikörper gegen ein Insektengift gebildet hat.

    Im Gegensatz zu anderen Allergien wird bei einem Verdacht auf eine Insektengiftallergie in der Regel auf einen Provokationstest verzichtet. Bei einem Provokationstest werden dem Körper nach und nach höhere Dosen des vermuteten Auslösers zugeführt und die Reaktion geprüft. Weil dieser Test bei einer Insektengiftallergie schwere Reaktionen hervorrufen kann, wird er nur in Ausnahmefällen und in spezialisierten Zentren durchgeführt.

    Vorbeugung

    Um Beschwerden vorzubeugen, ist es vor allem wichtig, Insektenstiche zu vermeiden. Folgende Verhaltensweisen werden empfohlen, um das Risiko zu senken:

    • Beim Essen im Freien achtgeben und danach gleich den Tisch abräumen. Auf Essen im Freien verzichten, wenn gerade viele Insekten in der Luft sind.
    • Sich nicht in der Nähe von Abfall aufhalten.
    • Trinkgläser abdecken und einen Strohhalm benutzen.
    • Nach dem Essen Mund und Hände säubern.
    • Nicht nach Wespen und Bienen schlagen – die meisten Insekten stechen, um sich zu verteidigen. Sich ruhig verhalten und langsam bewegen.
    • Die Haut durch Kleidung schützen.
    • Wohnungsfenster tagsüber schließen.
    • Die Nähe von Bienenstöcken und Wespennestern meiden.

    Behandlung

    Wie man mit einem Insektenstich umgeht, hängt vor allem davon ab, welche Beschwerden auftreten und ob jemand hyposensibilisiert ist. Als erstes wird eine Antihistaminikum-Tablette eingenommen und je nach Stärke der Hautreaktion zusätzlich ein Kortisonpräparat. Bei stärkeren Beschwerden wie Atemnot, Übelkeit, Kreislaufproblemen oder Schwellungen im Mund und Rachen ist es wichtig, rasch Adrenalin zu spritzen.

    Bei stärkeren Reaktionen ist eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) sinnvoll. Diese führt meist dazu, dass die Reaktion auf einen Insektenstich deutlich schwächer ausfällt oder sogar ausbleibt.

    Bei gesicherter Insektengiftallergie ist es wichtig, sich von einer Ärztin oder einem Arzt einen Allergiepass ausstellen zu lassen und diesen immer bei sich zu tragen.

    Quellen

    Boyle RJ, Elremeli M, Hockenhull J, Cherry MG, Bulsara MK, Daniels M et al. Venom immunotherapy for preventing allergic reactions to insect stings. Cochrane Database Syst Rev 2012; (10): CD008838.

    Casale TB, Burks AW. Clinical practice. Hymenoptera-sting hypersensitivity. N Engl J Med 2014; 370(15): 1432-1439.

    Pryzbilla B, Rueff F, Walker A, Räwer H-C, Aberer W, Bauer CP et al. Bienen- und Wespengiftallergie, Diagnose und Therapie: AWMF-Register-Nr.: 061 - 020. Allergo J 2011; 20: 318-339.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Anaphylaktische Reaktion (Anaphylaxie)

    Eine anaphylaktische Reaktion ist eine starke allergische Reaktion, die sich normalerweise durch eine sofortige Behandlung eindämmen lässt. Wichtig ist, zu wissen, was im Notfall zu tun ist. Für manche Menschen oder in bestimmten Situationen ist es zudem sinnvoll, ein Notfallset dabei zu haben.

    Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Substanzen (Allergene). Häufig treten die Beschwerden nur an den Körperstellen auf, die Kontakt mit der Substanz hatten – beispielsweise an den Atemwegen nach dem Einatmen von Pollen oder Hausstaub. Bei einer anaphylaktischen Reaktion (Anaphylaxie) dagegen kommt es plötzlich zu teils starken Beschwerden in mehreren Körperbereichen, im Extremfall auch im ganzen Körper. Normalerweise verläuft eine Anaphylaxie jedoch weniger dramatisch; wichtig ist eine rechtzeitige Behandlung.

    Es wird geschätzt, dass pro Jahr etwa einer von 10.000 Menschen eine anaphylaktische Reaktion hat. Umgangssprachlich ist der Begriff „allergischer Schock“ geläufig. Er bezeichnet jedoch nur eine besonders starke Form der anaphylaktischen Reaktion, die selten auch tödlich verlaufen kann: Pro Jahr sterben in Deutschland etwa 200 Menschen daran.

    Eine anaphylaktische Reaktion ist eine starke allergische Reaktion, die sich normalerweise durch eine sofortige Behandlung eindämmen lässt. Wichtig ist, zu wissen, was im Notfall zu tun ist. Für manche Menschen oder in bestimmten Situationen ist es zudem sinnvoll, ein Notfallset dabei zu haben.

    Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Substanzen (Allergene). Häufig treten die Beschwerden nur an den Körperstellen auf, die Kontakt mit der Substanz hatten – beispielsweise an den Atemwegen nach dem Einatmen von Pollen oder Hausstaub. Bei einer anaphylaktischen Reaktion (Anaphylaxie) dagegen kommt es plötzlich zu teils starken Beschwerden in mehreren Körperbereichen, im Extremfall auch im ganzen Körper. Normalerweise verläuft eine Anaphylaxie jedoch weniger dramatisch; wichtig ist eine rechtzeitige Behandlung.

    Es wird geschätzt, dass pro Jahr etwa einer von 10.000 Menschen eine anaphylaktische Reaktion hat. Umgangssprachlich ist der Begriff „allergischer Schock“ geläufig. Er bezeichnet jedoch nur eine besonders starke Form der anaphylaktischen Reaktion, die selten auch tödlich verlaufen kann: Pro Jahr sterben in Deutschland etwa 200 Menschen daran.

    Wie zeigt sich eine anaphylaktische Reaktion?

    Je nach Verlauf betreffen anaphylaktische Reaktionen meist die Haut, den Magen-Darm-Trakt, die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System. Die Reaktionen werden anhand des schwersten Symptoms in vier Schweregrade eingeteilt:

    Grad Haut und allgemeine Beschwerden Magen-Darm-Trakt Atemwege Herz-Kreislauf-System
    1 Juckreiz, Hautausschlag, Quaddeln, Hautschwellung      
    2 Juckreiz, Hautausschlag, Quaddeln, Hautschwellung Übelkeit, Krämpfe, Erbrechen laufende Nase, Heiserkeit, Atemnot hoher Puls, niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen
    3 Juckreiz, Hautausschlag, Quaddeln, Hautschwellung Erbrechen, Durchfall, Blähungen, Stuhldrang Kehlkopfschwellung, Atemkrämpfe, blaugefärbte Haut und Schleimhäute Schock: Minderdurchblutung der Organe, Kreislaufversagen, Bewusstlosigkeit
    4 Juckreiz, Hautausschlag, Quaddeln, Hautschwellung Erbrechen, Durchfall, Blähungen, Stuhldrang Atemstillstand Kreislaufstillstand

    Anaphylaktische Reaktionen können sich ganz unterschiedlich entwickeln. Die Beschwerden können innerhalb weniger Minuten stärker werden. Sie bleiben dann oft auf einem Schweregrad stehen und bilden sich spontan wieder zurück. Die verschiedenen Beschwerden können einzeln, nacheinander oder gemeinsam auftreten. Nach bis zu einem Tag können sie erneut einsetzen, selbst wenn sie behandelt wurden.

    Eine Anaphylaxie kann sich durch folgende Symptome ankündigen:

    • metallischer Geschmack,
    • Brennen an den Handinnenflächen und Fußsohlen,
    • Brennen, Kribbeln oder Juckreiz an Zunge oder Gaumen,
    • Angstgefühle,
    • Kopfschmerzen oder
    • Desorientierung.

    Wodurch kann eine Anaphylaxie ausgelöst werden?

    Die häufigsten Auslöser von schweren Anaphylaxien bei Kindern sind Nahrungsmittel (meist Erd-, Wal- und Haselnüsse, Fisch, Hühnereier, Kuhmilch), gefolgt von Insektengiften und Medikamenten. Bei Erwachsenen sind Insektengifte die häufigsten Auslöser, gefolgt von Medikamenten und Nahrungsmitteln.

    Bestimmte Umstände können eine Anaphylaxie begünstigen. Dazu zählen körperliche Anstrengung, Alkohol und Infekte. Schwere Anaphylaxien treten häufiger bei älteren Menschen auf, außerdem bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem nicht optimal behandeltem Asthma.

    Eine anaphylaktische Reaktion kann zudem als Nebenwirkung einer Hyposensibilisierung auftreten.

    Wie geht man mit einer anaphylaktischen Reaktion um?

    Zunächst ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und

    • bei ersten leichteren Beschwerden einer anaphylaktischen Reaktion die Notfallnummer 112 zu wählen und mitzuteilen, dass es sich vermutlich um eine Anaphylaxie handelt.
    • andere Menschen in der Nähe zu informieren, damit sie bei Bedarf helfen können.
    • falls man ein Notfallset mit Medikamenten bei sich hat, es wie vorgegeben zu verwenden.
    • sich je nach Art der Beschwerden flach hinzulegen oder zu setzen.

    Bei einer schweren Reaktion (beispielsweise bei Atembeschwerden oder Bewusstlosigkeit) ist es wichtig, wenn möglich rasch das Adrenalin zu spritzen und dann die Notfallnummer zu wählen.

    Die möglichen Auslöser aufzubewahren, kann die Diagnose erleichtern.

    Körperliche Anstrengung sollte vermieden werden. Welche Art der Lagerung sinnvoll ist, hängt von den Beschwerden ab. Meist bietet sich flaches Liegen an, bei Atemnot eine (halb) sitzende Position. Ist das Bewusstsein eingeschränkt, ist die stabile Seitenlage am sichersten. Bei einem Schock lässt sich durch Hochlagern der Beine die Durchblutung verbessern. Bei Kindern kann die Lagerung schwierig sein, da sie häufig Angst haben und unruhig sind. Am besten hält man sie dann auf dem Arm.

    Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand ist kein Puls mehr zu spüren. Dann muss sofort mit einer Herzdruckmassage begonnen werden. Das heißt: Das Brustbein wird mit ausgestrecktem Arm etwa 100 bis 120 Mal pro Minute rasch hintereinander gedrückt. Geübte Ersthelferinnen oder -helfer sollten die Herzdruckmassage mit einer Beatmung nach dem Schema 30 zu 2 kombinieren. Das heißt: Nach jeweils 30 Druckbewegungen wird die bewusstlose Person zweimal über den Mund oder die Nase beatmet. Dabei sollte die Beatmung die Herzdruckmassage insgesamt nicht länger als zehn Sekunden unterbrechen. Die Wiederbelebung wird solange fortgesetzt, bis der Kreislauf wieder einsetzt oder der Notarzt eingetroffen ist.

    Wie wird eine anaphylaktische Reaktion behandelt?

    Das wichtigste Medikament zur Behandlung einer anaphylaktischen Reaktion ist Adrenalin. Es verbessert die Durchblutung, erleichtert die Atmung und lässt Hautschwellungen abklingen. Adrenalin wirkt innerhalb weniger Minuten. Meist wird es in den Oberschenkelmuskel gespritzt. Zeigt es keine ausreichende Wirkung, kann nach fünf bis zehn Minuten noch einmal gespritzt werden.

    Zusätzlich wird empfohlen, rasch ein Antihistaminikum und je nach Situation ein Kortisonpräparat einzunehmen. Beide Medikamente wirken langsamer als das Adrenalin, sollen die allergische Reaktion aber zusätzlich hemmen.

    Droht ein Kreislaufstillstand, wird Adrenalin in die Vene gespritzt oder als Infusion verabreicht. Wenn der Kehlkopf anschwillt und die Atemwege verengt sind, wird Adrenalin zusätzlich über eine Atemmaske zusammen mit Sauerstoff gegeben.

    Wenn die Atmung und das Herz-Kreislauf-System stark geschwächt sind, wird Sauerstoff über eine Atemmaske gegeben. Nur selten muss zur Beatmung ein Schlauch in die Luftröhre eingeführt werden. Bei einem Schock wird dem Körper über Infusionen rasch viel Flüssigkeit zugeführt, um den Kreislauf zu stabilisieren.

    Was ist im Notfallset enthalten?

    Mithilfe eines Notfallsets lässt sich eine anaphylaktische Reaktion rasch selbst oder durch umstehende Personen behandeln. Das Notfallset enthält:

    • Adrenalinspritze mit Injektionshilfe (Autoinjektor)
    • Antihistaminikum als Flüssigkeit oder Tablette
    • Kortisonpräparat als Zäpfchen, Flüssigkeit oder Tablette
    • bei Menschen mit Asthma: ein atemwegserweiterndes Spray
    • bei Menschen, die zu Atemnot neigen: ein Adrenalin-Spray zum Einatmen
    • Anleitung zum Umgang mit einer Anaphylaxie
    • Anaphylaxie-Pass, in dem die Personalien vermerkt sind, die bekannten Allergieauslöser und in welcher Dosierung die Medikamente verwendet werden sollen

    Wer kann ein Notfallset erhalten?

    Ein Notfallset kann ärztlich verschrieben werden für Menschen:

    • die schon einmal eine Anaphylaxie durchgemacht haben, außer der Auslöser ist sicher vermeidbar (wie bei den meisten Arzneimitteln).
    • bei denen eine Mastozytose bekannt ist. Bei dieser seltenen Erkrankung kommt es zu einer starken Vermehrung bestimmter Abwehrzellen im Gewebe. Eine Mastozytose kann in verschiedenen Organen auftreten und zu Beschwerden wie Bauchschmerzen, Juckreiz, Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen führen.
    • die bereits allergisch auf Erdnüsse, Walnüsse oder Sesam reagiert haben. Diese Lebensmittel lösen besonders häufig eine Anaphylaxie aus.
    • die sehr sensibel auf bereits kleine Mengen eines Allergens reagieren.

    Die Kosten werden unter diesen Voraussetzungen in der Regel von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

    Es gibt Schulungsprogramme, in denen der Umgang mit einer Anaphylaxie und dem Notfallset vermittelt wird. Wichtig ist auch, Angehörige, Freunde oder Kollegen mit dem Gebrauch des Notfallsets vertraut zu machen.

    Quellen

    Dhami S, Panesar SS, Roberts G, Muraro A, Worm M, Bilo MB et al. Management of anaphylaxis: a systematic review. Allergy 2014; 69(2): 168-175.

    Perkins GD, Handley AJ, Koster RW, Castren M, Smyth MA, Olasveengen T et al. European Resuscitation Council Guidelines for Resuscitation 2015: Section 2. Adult basic life support and automated external defibrillation. Resuscitation 2015; 95: 81-99.

    Ring J, Beyer K, Biedermann T, Bircher A, Duda D, Fischer J et al. Guideline for acute therapy and management of anaphylaxis. Allergo J Int 2014; 23(3): 96-112.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Insektengiftallergie: Kurz- und langfristige Behandlung

    Bienen- und Wespenstiche sind die häufigsten Auslöser von Insektengiftallergien. Stärkere allergische Reaktionen können schnell mit einem Notfallset behandelt werden. Bei einer Allergie gegen Insektengift ist eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) oft erfolgreich: Diese Behandlung kann schweren Reaktionen vorbeugen.

    Für Menschen mit einer Insektengiftallergie kann ein Stich unangenehme Folgen haben: Es kann sehr schnell zu Beschwerden wie Schwellung an der Einstichstelle, Übelkeit, Schwindel, Hautausschlägen oder Atemnot, selten auch zu einem lebensbedrohlichen Kreislauf-Stillstand kommen.

    Dieses Risiko kann Angst machen. Wurde man gestochen, ist es dennoch wichtig, Ruhe zu bewahren. Schwere Folgen sind die Ausnahme, wenn die Medikamente im Notfallset rechtzeitig angewendet werden.

    Im Gegensatz zu vielen anderen Allergien kann eine Insektengiftallergie aber mit einer Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) behandelt werden. Dabei wird das Immunsystem langsam an das Insektengift gewöhnt. Danach sind die meisten für längere Zeit vor bedrohlichen Reaktionen geschützt.

    Bienen- und Wespenstiche sind die häufigsten Auslöser von Insektengiftallergien. Stärkere allergische Reaktionen können schnell mit einem Notfallset behandelt werden. Bei einer Allergie gegen Insektengift ist eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) oft erfolgreich: Diese Behandlung kann schweren Reaktionen vorbeugen.

    Für Menschen mit einer Insektengiftallergie kann ein Stich unangenehme Folgen haben: Es kann sehr schnell zu Beschwerden wie Schwellung an der Einstichstelle, Übelkeit, Schwindel, Hautausschlägen oder Atemnot, selten auch zu einem lebensbedrohlichen Kreislauf-Stillstand kommen.

    Dieses Risiko kann Angst machen. Wurde man gestochen, ist es dennoch wichtig, Ruhe zu bewahren. Schwere Folgen sind die Ausnahme, wenn die Medikamente im Notfallset rechtzeitig angewendet werden.

    Im Gegensatz zu vielen anderen Allergien kann eine Insektengiftallergie aber mit einer Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) behandelt werden. Dabei wird das Immunsystem langsam an das Insektengift gewöhnt. Danach sind die meisten für längere Zeit vor bedrohlichen Reaktionen geschützt.

    Wie geht man mit einem Insektenstich um?

    Zunächst ist es wichtig, auf eine anaphylaktische Reaktion vorbereitet zu sein – das heißt, immer ein Notfallset bei sich zu haben, wenn das Risiko für einen Insektenstich besteht. Das Set enthält eine Adrenalinspritze, eine kortisonhaltige Tablette oder einen kortisonhaltigen Saft sowie ein Antihistaminikum. Damit lassen sich die Beschwerden schnell und wirksam selbst behandeln.

    Nach einem Stich ist es wichtig, sofort zu reagieren:

    • Bei leichteren Beschwerden ohne Atemnot oder Kreislaufprobleme zunächst die Antihistaminikum-Tablette einnehmen,
    • je nach Stärke der Hautreaktion an der Einstichstelle zusätzlich auch das Kortisonpräparat.
    • Menschen in der Nähe informieren, damit sie helfen können, wenn stärkere Beschwerden auftreten.
    • Bei stärkeren Beschwerden wie Atemnot, Übelkeit, Kreislaufproblemen oder Schwellungen im Mund und Rachen ist es wichtig, möglichst rasch das Adrenalin in den Oberschenkelmuskel zu spritzen.
    • Bei einem Bienenstich den Stachel innerhalb von 20 bis 30 Sekunden nach dem Stich entfernen, um zu verhindern, dass das gesamte Gift in den Körper eindringt. Dabei den Stachelapparat nicht zusammendrücken, sondern mit dem Fingernagel wegkratzen, damit sich der Giftsack des Stachels nicht in die Haut entleert.

    Der Einstich kann mit einem kühlen, feuchten Umschlag abgedeckt werden. Dieser wird etwa 20 Minuten belassen und die Kühlung bei Bedarf nach einigen Stunden wiederholt. Die Schwellung an der Einstichstelle kann auch mit einer Kortisonsalbe behandelt werden. Sie wird über mehrere Tage regelmäßig aufgetragen.

    Bei stärkeren Beschwerden ist es sinnvoll, sich ärztlich behandeln zu lassen.

    Wer bereits eine erfolgreiche Hyposensibilisierung hinter sich hat, muss zunächst keine Medikamente einnehmen oder spritzen. Das Immunsystem ist nach der Behandlung deutlich besser gegen eine allergische Reaktion geschützt. Falls die Beschwerden dennoch über eine Hautreaktion hinausgehen, werden die Notfall-Medikamente angewendet.

    Es gibt Schulungsprogramme, in denen Betroffene den Umgang mit dem Risiko und die Notfallbehandlung erlernen.

    Wie können Insektengiftallergien langfristig behandelt werden?

    Zur langfristigen Behandlung kann eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie, SIT) sinnvoll sein. Dabei wird in regelmäßigen Abständen eine geringe Dosis des Insektengifts unter die Haut gespritzt. Ähnlich wie bei einer Impfung gewöhnt sich das Immunsystem schrittweise an das Allergen. Dadurch reagiert der Körper nach einiger Zeit nicht mehr so stark auf das Insektengift.

    Die Hyposensibilisierung dauert drei bis fünf Jahre. Selten empfehlen Ärztinnen und Ärzte sogar eine lebenslange Immuntherapie.

    Für wen kommt eine Hyposensibilisierung infrage?

    Eine Hyposensibilisierung eignet sich für Menschen, die anaphylaktische Reaktionen haben. Sie kommt vor allem für diejenigen infrage, die besonders stark auf Insektengift reagieren und zum Beispiel schon einmal einen Herzstillstand hatten. Auch eine Mastzellerkrankung (Mastozytose) ist ein Grund für eine dauerhafte Immuntherapie. Bei dieser seltenen Erkrankung kommt es zu einer starken Vermehrung bestimmter Abwehrzellen im Gewebe. Eine Mastozytose kann in verschiedenen Organen auftreten und zu Beschwerden wie Bauchschmerzen, Juckreiz, Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen führen.

    Menschen, bei denen bislang nur die Haut stärker auf das Allergen reagiert, benötigen in der Regel keine Hyposensibilisierung. Bei den meisten von ihnen entwickeln sich auch später keine bedrohlichen allergischen Reaktionen.

    Eine Hyposensibilisierung ist ab dem Alter von zwei Jahren möglich. Eine bereits begonnene Behandlung kann während einer Schwangerschaft fortgesetzt werden. Erst in der Schwangerschaft damit zu beginnen, ist aber nicht ratsam. Weil eine mögliche starke allergische Reaktion der Mutter auch Folgen für das Ungeborene haben kann, ist es sinnvoll, rechtzeitig vor einer geplanten Schwangerschaft über eine Hyposensibilisierung nachzudenken.

    Bestimmte Medikamente dürfen während einer Hyposensibilisierung gegen Insektengift nicht eingenommen werden, weil sie das Risiko für eine schwere Reaktion erhöhen. Dazu zählen Betablocker und ACE-Hemmer.

    Bei der Entscheidung für oder gegen eine Hyposensibilisierung spielt eine Rolle,

    • wie stark man auf einen Stich reagiert,
    • wie wahrscheinlich es ist, ob man gestochen wird, und
    • wie hoch das Risiko für Nebenwirkungen der Behandlung ist.

    Wie läuft eine Hyposensibilisierung ab?

    Eine Hyposensibilisierung ist bei einer Insektengiftallergie derzeit nur mit Spritzen möglich. Dabei wird eine verdünnte Lösung mit dem Allergen in das Fettgewebe des Oberarms gespritzt. Eine Behandlung mit Tropfen oder Tabletten wie bei anderen Allergien steht bislang nicht zur Verfügung.

    In den ersten Wochen wird meist einmal wöchentlich gespritzt, danach nur noch alle vier bis acht Wochen. Es ist auch eine schnelle Dosissteigerung möglich, bei der in einer Klinik über zwei Tage mehrmals täglich Spritzen verabreicht werden. Dabei ist jedoch das Risiko für Nebenwirkungen höher. Die Behandlung erfordert Geduld: Erst nach drei bis fünf Jahren ist sie komplett abgeschlossen.

    Durch die Hyposensibilisierung werden das Immunsystem und der Stoffwechsel gefordert. Es wird empfohlen, am Tag der Behandlung starke körperliche Belastung, Sport und Saunagänge zu vermeiden.

    Wie wirksam ist eine Hyposensibilisierung?

    Durch eine Hyposensibilisierung sollen anaphylaktische Reaktionen ausbleiben oder weniger stark ausfallen. Studien zeigen, dass eine Hyposensibilisierung gegen Insektengift sehr wirksam ist. In den ersten Jahren nach der Behandlung sind etwa 90 % der Betroffenen vor einer anaphylaktischen Reaktion durch einen Insektenstich geschützt.

    Die Behandlung wirkt vermutlich nicht ein Leben lang. Bei manchen Menschen verliert sich der Schutz nach einigen Jahren. Dann kann man gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt überlegen, ob eine erneute Hyposensibilisierung sinnvoll ist.

    Welche Nebenwirkungen hat die Hyposensibilisierung?

    Bei den meisten Menschen entwickeln sich Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle. Diese Reaktion wird aber im Laufe der Behandlung geringer. Die Beschwerden können mit kortisonhaltigen Cremes oder Gels behandelt werden.

    Es kann auch zu leichteren anaphylaktischen Reaktionen kommen, die sich durch Müdigkeit und Kopfschmerzen äußern. Sehr schwere Reaktionen mit Herz-Kreislauf- oder Atemproblemen sind nach einer Immuntherapie aber sehr selten. Wenn sie auftreten, dann häufig innerhalb von 30 Minuten nach der Behandlung. Deshalb ist es wichtig, nach der Spritze noch mindestens eine halbe Stunde in der Arztpraxis zu bleiben. Bei der Behandlung mit Bienengift sind anaphylaktische Reaktionen häufiger: Sie treten bei etwa 14 von 100 Behandelten auf, bei Wespengift sind es etwa 3 von 100.

    Menschen mit bestimmten Herz- und Immunerkrankungen (zum Beispiel Koronare Herzkrankheit, Multiple Sklerose) haben ein erhöhtes Risiko für schwere Reaktionen auf die Behandlung.

    Quellen

    Boyle RJ, Elremeli M, Hockenhull J, Cherry MG, Bulsara MK, Daniels M et al. Venom immunotherapy for preventing allergic reactions to insect stings. Cochrane Database Syst Rev 2012; (10): CD008838.

    Casale TB, Burks AW. Clinical practice. Hymenoptera-sting hypersensitivity. N Engl J Med 2014; 370(15): 1432-1439.

    Dhami S, Panesar SS, Roberts G, Muraro A, Worm M, Bilo MB et al. Management of anaphylaxis: a systematic review. Allergy 2014; 69(2): 168-175.

    Park JH, Yim BK, Lee J-H, Lee S, Kim T-H. Risk associated with bee venom therapy: a systematic review and meta-analysis. PLoS ONE 2015; 10(5): e0126971.

    Pryzbilla B, Rueff F, Walker A, Räwer H-C, Aberer W, Bauer CP et al. Bienen- und Wespengiftallergie, Diagnose und Therapie: AWMF-Register-Nr.: 061 - 020. Allergo J 2011; 20: 318-339.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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