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Akute Bronchitis

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    Bei einer akuten Bronchitis sind die unteren Atemwege (Bronchien) vorübergehend entzündet. Zu Beginn der Infektion ist der Husten meist trocken. Später kann sich Schleim aus den Atemwegen lösen. Spätestens nach einigen Wochen verschwinden die Beschwerden von selbst. Medikamente sind meist nicht nötig.

    Einleitung

    Bei einer akuten Bronchitis sind die unteren Atemwege (Bronchien) vorübergehend entzündet. Die Erkrankung wird meist durch Erkältungsviren verursacht und tritt daher oft zusammen mit oder nach einer Erkältung auf.

    Eine akute Bronchitis führt zu Husten, der auch nach Abklingen der Erkältung noch längere Zeit anhalten kann. Sie kann unangenehm und hartnäckig sein, ist aber bei ansonsten gesunden Menschen in aller Regel nichts Ernstes: Die Beschwerden verschwinden spätestens nach einigen Wochen von selbst. Eine Behandlung mit Medikamenten ist meist nicht nötig. Sie können allenfalls helfen, die Beschwerden etwas zu lindern.

    Symptome

    Husten ist das typische Symptom einer akuten Bronchitis. Zu Beginn handelt es sich meistens um einen trockenen Reizhusten. Später kann sich Schleim aus den Atemwegen lösen, der abgehustet wird. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann von „Husten mit Auswurf“ oder „produktivem Husten“. Die Farbe des Auswurfs kann sich im Verlauf der Erkrankung ändern, zum Beispiel von weißlich bis gelb-grünlich.

    Der Husten tritt häufig nachts auf und stört dann den Schlaf. Wenn die akute Bronchitis zusammen mit einer Erkältung auftritt, haben viele Erkrankte weitere Beschwerden wie leichtes Fieber, Schnupfen, Halsschmerzen und Heiserkeit. Starker Husten kann zudem Schmerzen hinter dem Brustbein auslösen, manchmal ist auch das Atmen erschwert.

    Wenn sich aus einem Kratzen im Hals oder einer laufenden Nase ein hartnäckiger Husten entwickelt, suchen viele Menschen Rat bei ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt. Die meisten können die Praxis ohne Rezept wieder verlassen. Die Ärztin oder der Arzt stellt Berufstätigen aber unter Umständen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus, damit sie die akute Bronchitis zu Hause mit der nötigen Ruhe auskurieren können.

    Wenn Kinder fiebern und husten, stehen die Eltern oft vor der Frage „Müssen wir zum Arzt oder nicht?“ Wie bei Erwachsenen gilt auch bei Kindern: Eine akute Bronchitis erfordert meist keine medikamentöse Therapie. Wer erst einmal zu Hause abwartet, macht also nichts falsch. Es gibt aber einige Warnzeichen, die einen Arztbesuch nötig machen:

    • Der Husten dauert länger als acht Wochen.
    • Das Fieber ist sehr hoch oder steigt nach einer fieberfreien Phase wieder an.
    • Ein starkes Krankheitsgefühl, Schüttelfrost und nächtliches Schwitzen begleiten die Erkrankung.
    • Im abgehusteten Schleim ist Blut zu sehen.
    • Es kommt vermehrt zu Atemnot und auffälligen, pfeifenden Geräuschen beim Atmen.

    Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder einer chronischen Erkrankung von Herz oder Lunge kann es sinnvoll sein, schon bei leichteren Beschwerden zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen.

    Ursachen

    In der Regel ist eine Virusinfektion die Ursache für eine akute Bronchitis. Als Erreger kommen viele verschiedene Viren infrage, die Atemwegsinfektionen wie Erkältung, Grippe oder Nasennebenhöhlenentzündung auslösen können. Seltener sind Bakterien oder eingeatmete Schadstoffe (zum Beispiel schwefel- oder schwermetallhaltiger Feinstaub) für eine akute Bronchitis verantwortlich. Nur in Ausnahmen können Pilze die Ursache sein.

    Beim Einatmen gelangen Viren oder Bakterien bis in die Bronchien. Dort können sie sich in der Schleimhaut festsetzen und sich vermehren. Um die Eindringlinge abzuwehren, reagiert der Körper mit einer Entzündung: Die befallene Schleimhaut wird stärker durchblutet und schwillt an. Abwehrzellen wandern in den entzündeten Bereich ein, um die Erreger zu bekämpfen. Die Schleimhaut bildet mehr Flüssigkeit und Schleim, damit Viren, Bakterien und abgestorbene Zellen leichter gelöst und abgehustet werden können.

    Beim Abhusten werden auch Tröpfchen des Schleims zusammen mit Erregern in der Luft verteilt. Sie können für andere ansteckend sein. Man nennt diesen Übertragungsweg deshalb „Tröpfcheninfektion“.

    Häufigkeit und Verlauf

    Husten zählt zu den häufigsten Gründen, eine Hausarztpraxis aufzusuchen. Etwa 5 von 100 Menschen pro Jahr suchen wegen einer akuten Bronchitis die Arztpraxis auf. Die meisten erkranken im Herbst und Winter.

    Normalerweise verschwindet eine akute Bronchitis von selbst und bleibt folgenlos – es sei denn, die Lunge ist vorgeschädigt. Erkältungsbeschwerden wie Schnupfen oder Fieber bessern sich meist schon innerhalb weniger Tage deutlich. Bis der Husten abgeklungen ist, können bei einer akuten Bronchitis jedoch mehrere Wochen vergehen.

    Bleibt der Husten länger als acht Wochen bestehen, ist es sinnvoll, ihn von der Ärztin oder dem Arzt abklären zu lassen. Es kann dann sein, dass die Beschwerden durch eine andere Erkrankung verursacht werden, etwa durch eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD).

    Folgen

    Selten kann sich bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder einer chronischen Erkrankung von Herz oder Lunge aus einer akuten Bronchitis eine Lungenentzündung (Pneumonie) entwickeln. Die Entzündung breitet sich dann von der Schleimhaut der Bronchien auf das Lungengewebe aus. Bei einer bestehenden COPD kann eine akute Bronchitis einen Krankheitsschub (Exazerbation) auslösen.

    Diagnose

    Bei einem hartnäckigen Husten stellt die Hausärztin oder der Hausarzt zuerst meist folgende Fragen:

    • Wie lange besteht der Husten?
    • Hat sich der Husten verändert?
    • Ist der Husten trocken oder wird Schleim abgehustet? Wie sieht der Auswurf aus?
    • Gab oder gibt es weitere Beschwerden, zum Beispiel Fieber oder Kreislaufprobleme?
    • Wie krank fühlen Sie sich?
    • Sind andere, möglicherweise chronische Erkrankungen bekannt?

    Oft lässt sich schon anhand der Antworten beurteilen, ob es sich um eine akute Bronchitis handelt oder eine andere Erkrankung wahrscheinlicher ist.

    Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung tastet die Ärztin oder der Arzt in der Regel die Lymphknoten am Hals ab, schaut in den Rachen und die Ohren, klopft die Nasennebenhöhlen ab und hört mit dem Stethoskop die Lunge und das Herz ab. Manchmal werden auch Fieber, Puls und Blutdruck gemessen.

    Die Diagnose „akute Bronchitis“ steht fest, wenn das Gespräch und die körperliche Untersuchung die typischen Symptome bestätigt haben und nichts auf eine andere Erkrankung hinweist.

    Weitere Untersuchungen (wie Röntgen des Brustkorbs oder Blutkontrollen) sind nur dann nötig, wenn zum Beispiel der Verdacht auf eine Lungenentzündung besteht.

    Vorbeugung

    Wer sich vor Erkältungen schützt, beugt damit auch einer akuten Bronchitis vor. Wie bei allen Atemwegsinfektionen spielt die Hygiene eine wichtige Rolle: Sich regelmäßig die Hände zu waschen und möglichst nicht mit den Fingern ins Gesicht zu fassen, senkt das Risiko, sich mit Erkältungsviren anzustecken.

    Um andere vor Ansteckung zu schützen,

    • hustet oder niest man nicht in die Hand, sondern in die Armbeuge,
    • entsorgt benutzte Taschentücher direkt,
    • verzichtet auf Händedruck, Umarmungen oder Küsse und
    • kuriert man die Erkrankung möglichst zu Hause aus.

    Einige Studien haben geprüft, ob beispielsweise Vitaminpräparate, Probiotika, pflanzliche Arzneimittel oder regelmäßiger Sport vor Atemwegsinfektionen schützen. Sie kamen jedoch zu keinem eindeutigen Ergebnis. Die Frage, ob diese Maßnahmen das Risiko für eine akute Bronchitis verringern können, bleibt daher offen.

    Behandlung

    Eine akute Bronchitis heilt auch ohne Behandlung von selbst wieder aus. Wer sich schlapp und krank fühlt, schont sich am besten ein paar Tage. Dazu gehört auch, auf Sport und andere anstrengende körperliche Aktivitäten zu verzichten. Heißer Tee oder Brühe werden meist als wohltuend empfunden. Ob es jedoch hilft, viel mehr als normalerweise zu trinken, ist wissenschaftlich nicht geklärt.

    Medikamente sind bei einer akuten Bronchitis nicht nötig. Mittel wie Paracetamol oder Ibuprofen können manchmal jedoch sinnvoll sein, um Erkältungsbeschwerden wie Fieber und Schmerzen zu lindern.

    Die Wirkungen von Medikamenten, die den Hustenreiz unterdrücken (Hustenstiller) oder die das Abhusten des Schleimes erleichtern (Hustenlöser), sind bislang nicht ausreichend untersucht. Da der Hustenreiz die wichtige Funktion hat, Schleim und Fremdkörper abzuhusten, sollen Hustenstiller nur kurzzeitig und nur bei trockenem, quälendem Reizhusten, der einen nicht schlafen lässt, eingesetzt werden. Möglicherweise können pflanzliche Arzneimittel den Husten etwas lindern.

    Da die Beschwerden meistens durch Viren verursacht werden, helfen Antibiotika bei einer akuten Bronchitis kaum. Sie können aber Nebenwirkungen haben und zu Resistenzen führen. Deshalb werden sie nicht empfohlen.

    Quellen

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Behandlung bei akuter Bronchitis

    Eine akute Bronchitis verschwindet meist von allein. Bis die Infektion abgeklungen ist, können einige Mittel Husten und Erkältungsbeschwerden etwas lindern. Antibiotika helfen bei akuter Bronchitis in der Regel nicht und werden deshalb nicht empfohlen.

    Besonders im Herbst und Winter erwischt es viele Menschen: Erst plagen einen Schnupfen, Kopf- und Halsschmerzen. Später kommt ein hartnäckiger Husten dazu, der über Wochen anhalten kann. Dann heißt es „abwarten und Tee trinken“, bis die akute Bronchitis von selbst wieder abklingt. Die Einnahme von Medikamenten ist nicht nötig. Antibiotika sind in der Regel wirkungslos, da eine akute Bronchitis meist durch Viren ausgelöst wird.

    Gegen Husten und Erkältungsbeschwerden stehen verschiedene Arzneimittel zur Verfügung – doch nur wenige können den Krankheitsverlauf spürbar beeinflussen. Die meisten Mittel müssen selbst bezahlt werden.

    Eine akute Bronchitis verschwindet meist von allein. Bis die Infektion abgeklungen ist, können einige Mittel Husten und Erkältungsbeschwerden etwas lindern. Antibiotika helfen bei akuter Bronchitis in der Regel nicht und werden deshalb nicht empfohlen.

    Besonders im Herbst und Winter erwischt es viele Menschen: Erst plagen einen Schnupfen, Kopf- und Halsschmerzen. Später kommt ein hartnäckiger Husten dazu, der über Wochen anhalten kann. Dann heißt es „abwarten und Tee trinken“, bis die akute Bronchitis von selbst wieder abklingt. Die Einnahme von Medikamenten ist nicht nötig. Antibiotika sind in der Regel wirkungslos, da eine akute Bronchitis meist durch Viren ausgelöst wird.

    Gegen Husten und Erkältungsbeschwerden stehen verschiedene Arzneimittel zur Verfügung – doch nur wenige können den Krankheitsverlauf spürbar beeinflussen. Die meisten Mittel müssen selbst bezahlt werden.

    Sind Hustenlöser (Expektorantien) sinnvoll?

    Unter dem Begriff Hustenlöser (Expektorantien) werden Medikamente zusammengefasst, die

    • die Schleimbildung in den Bronchien fördern (Sekretolytika) oder
    • zähen Bronchialschleim verflüssigen.

    Auf diese Weise sollen sie helfen, den Schleim besser abzuhusten und den Husten zu lindern. Ob diese Mittel tatsächlich bei akuter Bronchitis helfen, lassen die bisherigen Studien offen. Hustenlöser sollten, wenn überhaupt nur eingenommen werden, wenn der gebildete Schleim auch abgehustet werden kann.

    Was bewirken Hustenstiller (Antitussiva)?

    Hustenstiller (Antitussiva) wirken nicht auf die entzündete Schleimhaut in den Bronchien, sie sollen vielmehr den Hustenreiz unterdrücken. Deshalb kommen sie bei einer akuten Bronchitis nur selten infrage. Typische hustenstillende Wirkstoffe sind Codein und Dextromethorphan.

    Antitussiva dürfen nur bei starkem, trockenem Reizhusten und über höchstens zwei Wochen angewendet werden. Bei Husten mit Auswurf sind sie dagegen nicht sinnvoll: Wenn der Hustenreiz fehlt, kann der Schleim nicht abgehustet werden.

    Es gibt zudem keine Studien, die die Vor- und Nachteile von Antitussiva bei akuter Bronchitis untersucht haben. Die wenigen bisherigen Studien haben ihre Wirkung lediglich bei einfachen Erkältungen, Rachen- oder Nasennebenhöhlenentzündungen geprüft. Diese Studien zeigten:

    • Codein wirkt weder bei Erwachsenen noch bei Kindern und Jugendlichen gegen akuten Husten bei Erkältungen. Kindern unter zwölf Jahren dürfen Codein oder codeinhaltige Medikamente generell nicht verschrieben werden. Dasselbe gilt für stillende Mütter.
    • Dextromethorphan kann bei Infekten der oberen Atemwege den Husten lediglich bei Erwachsenen etwas lindern, zumindest für kurze Zeit nach der Einnahme. Dextromethorphan darf nicht bei Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD eingenommen werden. Mögliche Nebenwirkungen sind Schwindel und Magen-Darm-Beschwerden.

    Codein ist verschreibungspflichtig, Mittel mit Dextromethorphan sind auch ohne Rezept in Apotheken erhältlich.

    Was bringen pflanzliche Arzneimittel?

    Gegen akute Bronchitis werden verschiedene pflanzliche Präparate angeboten, zum Teil auch als Wirkstoffkombinationen: zum Beispiel bestimmte Extrakte aus Pelargonienwurzel, Primelwurzel, Thymian, Eukalyptus oder Efeublättern. Die bisherigen Studien zu solchen Mitteln deuten darauf hin, dass sie bei einer akuten Bronchitis den Husten etwas lindern und das Abhusten unterstützen können. Als Nebenwirkungen können zum Beispiel Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Die Kosten für diese Präparate werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

    Andere pflanzliche Mittel – zum Beispiel aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) – wurden bisher kaum in guten Studien untersucht. Ob sie helfen können, ist daher nicht bekannt. Auch sie können jedoch Nebenwirkungen haben.

    Helfen atemwegserweiternde Mittel?

    Atemwegserweiternde Medikamente werden meist als Inhalationsspray bei Erkrankungen wie Asthma oder COPD eingesetzt, die die Bronchien verengen. Bei einer akuten Bronchitis ohne verengte Atemwege sollten sie nicht angewendet werden, zumal sie dann auch nicht helfen.

    Welche Mittel helfen gegen Begleitbeschwerden?

    Besonders zu Beginn einer akuten Bronchitis kann es durch eine begleitende Erkältung oder Grippe zu Kopf-, Hals-, Ohren- oder Gliederschmerzen kommen. Schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel wie Paracetamol oder nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) können dann Erleichterung verschaffen.

    Paracetamol und NSAR – dazu gehören unter anderem Ibuprofen und Acetylsalicylsäure (ASS) – werden rezeptfrei in der Apotheke angeboten. Die Medikamente sind als Tabletten, Zäpfchen oder Säfte erhältlich. Für Kinder unter zwölf Jahren mit fieberhaften Virusinfektionen ist ASS nicht geeignet, da der Wirkstoff bei ihnen – wenn auch selten – zu einer schweren Hirn- und Leberschädigung (Reye-Syndrom) führen kann.

    Was kann man zusätzlich tun?

    Wichtig ist, sich besonders in den ersten Tagen der Erkrankung die nötige Ruhe zu gönnen, körperliche Anstrengung zu vermeiden und auf Sport zu verzichten. Oft wird geraten, viel zu trinken, damit sich der Schleim in den Bronchien besser löst. Es gibt bislang jedoch keine geeigneten Studien, die geprüft haben, ob „viel trinken“ besser hilft als „normal trinken“ oder möglicherweise eher schadet.

    Ein hustenstillendes Hausmittel kann Honig sein – pur oder in warmem Tee gelöst. Studien mit Kindern deuten darauf hin, dass Honig bei Infekten der oberen Atemwege den Husten lindern kann. Für Kinder unter einem Jahr ist Honig jedoch nicht geeignet, da Säuglinge empfindlich auf bestimmte Bakterien im Honig reagieren können.

    Raucherinnen und Raucher mit akuter Bronchitis können ihre Atemwege schonen, wenn sie möglichst nicht oder deutlich seltener zur Zigarette greifen.

    Warum wird von Antibiotika abgeraten?

    Antibiotika sind Medikamente, die Bakterien abtöten oder ihre Vermehrung hemmen. Eine akute Bronchitis wird aber meist durch Viren verursacht, gegen die Antibiotika nicht wirken.

    Viele Studien haben gezeigt, dass Antibiotika den Krankheitsverlauf kaum beeinflussen. Bei den Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern konnten Antibiotika die Dauer des Hustens im Durchschnitt um einen halben Tag verkürzen. Auf der anderen Seite lösten sie bei etwa 3 von 100 Menschen Nebenwirkungen wie Durchfälle, Übelkeit oder Hautausschläge aus.

    Häufige Verschreibungen von Antibiotika bei Atemwegsinfekten können außerdem dazu führen, dass sich Resistenzen bilden. Dies kann zur Folge haben, dass die Mittel gegen bestimmte Bakterien nicht mehr wirken. Deshalb wird bei einer akuten Bronchitis davon abgeraten, Antibiotika einzunehmen.

    Manche Menschen haben aufgrund einer Immunschwäche, einer schweren Lungen- oder Herzerkrankung oder ihres hohen Alters ein erhöhtes Risiko für Komplikationen, wie eine Lungenentzündung. Für sie kann eine Antibiotikatherapie sinnvoll sein, um Komplikationen vorzubeugen.

    Quellen

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