Gesundheitslexikon

Gallensteine

Überblick Mehr Wissen

    Überblick

    Bauchschmerzen und Verdauungsprobleme hat jeder ab und an. Meist sind sie harmlos. Wenn jedoch krampfartige Oberbauchschmerzen in Wellen auftreten, können Gallensteine die Ursache sein. Gallensteine lösen aber nicht immer Koliken aus: Viele Menschen haben Gallensteine, ohne sie zu bemerken.

    Einleitung

    Eingriffe an der Gallenblase zählen zu den häufigsten Operationen in Deutschland. Pro Jahr werden etwa 175.000 Frauen und Männer operiert. Der Grund ist meist, dass Gallensteine Beschwerden oder Folgeerkrankungen verursacht haben. Oft sind sie aber harmlos; viele Menschen haben Gallensteine, ohne etwas davon zu merken. Treten Beschwerden auf, stehen sie vor der Frage, ob sie nur die Symptome behandeln oder sich operieren lassen sollen.

    Gallensteine entstehen aus verdickter Gallenflüssigkeit. Täglich wird in der Leber bis zu ein Liter Gallenflüssigkeit gebildet. Sie ist für die Verdauung von Fetten im Darm wichtig. Der größte Teil der Gallenflüssigkeit fließt nach Nahrungsaufnahme direkt über die Gallenwege in den Dünndarm. Der Rest wird zwischen den Mahlzeiten in der Gallenblase gespeichert und eingedickt. Die Gallenblase, ein kleines birnenförmiges Hohlorgan, liegt auf der rechten Bauchseite unterhalb der Leber.

     

    Grafik: Lage der Gallenblase - wie im Text beschrieben

    Symptome

    Viele Menschen bemerken ihre Gallensteine nicht, weil sie keine oder kaum Beschwerden haben. Studien zeigen, dass etwa 2 bis 4 von 100 Menschen mit Gallensteinen innerhalb eines Jahres spürbare Beschwerden bekommen. Etwa 70 von 100 Menschen, die schon einmal Beschwerden wie Koliken hatten, bekommen sie innerhalb von zwei Jahren erneut. Ob und welche Symptome auftreten, hängt davon ab, wo sich die Steine gebildet haben, wie groß sie sind und ob sie Komplikationen verursachen. Bei Beschwerden, die auf Gallensteine hindeuten, ist eine genaue Diagnose wichtig, um andere Ursachen auszuschließen.

    Das typische Anzeichen für Gallenblasensteine sind sehr unangenehme, krampfartige Oberbauchschmerzen (Koliken). Diese entstehen, wenn sich die Gallenblase zusammenzieht, um Galle in den Darm zu pressen, und die Gallensteine zugleich den Ausgang blockieren. Diese Schmerzen treten in Wellen auf. Meist klingen sie nach spätestens einer Stunde ab und verschwinden einige Stunden später ganz. Sie können in den Rücken und die rechte Schulter ausstrahlen. Gallenblasensteine können daneben noch andere Beschwerden verursachen wie Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen und Aufstoßen.

    Auch Gallengangssteine können krampfartige Schmerzen im Oberbauch hervorrufen. Zusätzlich kann es zu einer Gelbsucht (Ikterus) kommen, erkennbar an einer gelblichen Verfärbung der Haut und des Augenweiß (Lederhaut der Augen). Eine Gelbsucht entsteht, wenn die Steine im Gallengang den Abfluss von Gallenflüssigkeit blockieren. Die Leber kann dann den Gallenfarbstoff nicht mehr abbauen, die Menge an gelbem Bilirubin im Blut steigt und bewirkt die Verfärbungen. Zusätzlich kann der Urin dunkel und der Stuhl hell verfärbt sein.

     

    Grafik: Darstellung von Gallensteinen - wie im Text beschrieben

    Ursachen

    Die Gallenflüssigkeit besteht aus Wasser und verschiedenen Stoffen, die zum Teil nicht wasserlöslich sind. Wenn diese Stoffe verklumpen, entstehen Gallensteine. Man nimmt an, dass es dazu kommt, wenn die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit ins Ungleichgewicht gerät. Häufig enthält sie zum Beispiel mehr Cholesterin als normal. Was genau die Steinbildung auslöst, ist jedoch unklar. Die meisten Gallensteine entstehen aus Cholesterin. Seltener sind die sogenannten Pigmentsteine. Sie bestehen aus Kalzium und Bilirubin, einem gelblichen Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs.

    Gallensteine können sich in der Gallenblase bilden, seltener auch direkt in den Gallenwegen. Die meisten Gallengangssteine sind in der Gallenblase entstanden und dann erst in den Hauptgallengang (Ductus choledochus) gewandert. Steine in der Gallenblase werden als Cholezystolithiasis bezeichnet, Steine in den Gallenwegen als Choledocholithiasis.

    Risikofaktoren

    Bekannt ist, dass folgende Faktoren das Risiko für Gallensteine erhöhen:

    • Alter: Vor allem ab 40 Jahren steigt das Risiko für Gallensteine an.
    • Veranlagung: wenn in der Familie Gallensteine aufgetreten sind.
    • Geschlecht: Frauen bekommen häufiger Gallensteine als Männer. Man vermutet, dass das weibliche Geschlechtshormon Östrogen das Risiko für Gallensteine erhöht.
    • Schwangerschaft.
    • Einnahme der Verhütungspille oder von Östrogentabletten in den Wechseljahren (Hormontherapie).
    • Funktionsstörung der Gallenblase: Das Organ kann sich nicht richtig zusammenziehen.
    • Kurzdarm-Syndrom: eine Folgeerkrankung, die nach chirurgischer Entfernung eines großen Teils des Dünndarms auftreten kann.
    • Diabetes mellitus.
    • Leberzirrhose: eine schwere Erkrankung der Leber, die durch Stoffwechselkrankheiten oder hohen Alkoholkonsum verursacht wird.
    • starkes Übergewicht.
    • starker Gewichtsverlust in kurzer Zeit: häufig zum Beispiel bei stark Übergewichtigen, deren Magen operativ verkleinert wurde.
    • spezielle, kalorienreiche Sonden- und Trinknahrung.
    • Erkrankung, bei der es zum erhöhten Abbau von roten Blutkörperchen kommt (Hämolyse).

    Häufigkeit

    Es wird geschätzt, dass ab dem Alter von 40 Jahren mehr als 20 % der Frauen und 10 % der Männer Gallensteine haben. Die meisten haben keinerlei Beschwerden.

    Folgen

    Wenn typische Beschwerden auftreten, ist das Risiko für Komplikationen durch Gallensteine erhöht, zum Beispiel für einen Darmverschluss, eine Entzündung der Gallenblase oder der Bauchspeicheldrüse. Pro Jahr kommt es bei etwa 1 % der Menschen mit Gallensteinen zu Komplikationen.

    Diagnose

    Gallensteine werden manchmal zufällig entdeckt, zum Beispiel während einer Ultraschalluntersuchung des Bauchraums aus anderen Gründen. Oft wird aber gezielt untersucht, weil Beschwerden aufgetreten sind, die auf Gallensteine hindeuten. Vor jeder Untersuchung ist es wichtig, der Ärztin oder dem Arzt alle Beschwerden genau zu beschreiben.

    Gallenblasensteine festzustellen, ist in der Regel nicht sehr aufwendig. An das Untersuchungsgespräch schließen sich eine körperliche Untersuchung und ein Ultraschall des Bauchraums an. Dies reicht für eine Diagnose meist aus. Weitere Untersuchungen können nötig sein um auszuschließen, dass die Beschwerden durch andere Erkrankungen verursacht werden.

    Die Diagnose von Steinen im Gallengang kann komplizierter sein. Bei Verdacht auf Gallengangssteine wird ebenfalls ein Ultraschall gemacht. Da sie auf dem Ultraschallbild aber schwieriger zu erkennen sind, schließt sich manchmal eine spezielle Röntgenuntersuchung an, die sogenannte endoskopisch-retrograde Cholangiografie (ERC). Dabei schiebt die oder der Untersuchende ein Endoskop über die Speiseröhre, den Magen und den Anfang des Zwölffingerdarms bis zur Mündung des Gallengangs vor. Hier wird dann ein Kontrastmittel in den Gang gespritzt, um Steine auf dem Röntgenbild sichtbar zu machen. Im Rahmen der Untersuchung können die Steine auch mithilfe des Endoskops gleich entfernt werden.

    Alternativen sind die Magnetresonanz-Cholangiografie (MRC) und die endoskopische Ultraschalluntersuchung (Endosonografie). Bei der MRC werden Schichtbilder des Gallengangsystems erstellt. MRC und Endosonografie sind nicht mit Strahlenbelastung verbunden. Bei der MRC ist keine Endoskopie nötig. Daher ist es im Gegensatz zur ERC nicht möglich, entdeckte Steine gleich während der Untersuchung zu entfernen. Dies erfordert einen eigenen Eingriff.

    Behandlung

    Wenn Gallensteine keine Beschwerden verursachen, gibt es in der Regel auch keinen Anlass, sie zu behandeln. Viele Menschen mit Gallensteinen bekommen auch über einen längeren Zeitraum keine Beschwerden. Zudem kann jede Behandlung Nebenwirkungen haben, und Operationen sind immer mit einem gewissen Risiko verbunden.

    Menschen mit sehr großen Gallensteinen oder mit bestimmten Formen einer Porzellangallenblase (dabei ist die Wand der Gallenblase verkalkt) haben ein erhöhtes Risiko für Gallenblasenkrebs. Bei ihnen kann eine Entfernung der Gallenblase auch dann infrage kommen, wenn sie keine Beschwerden haben.

    Zur Linderung von schmerzhaften Koliken stehen verschiedene Schmerzmittel und krampflösende Medikamente zur Verfügung. Auch Symptome wie Völlegefühl oder Übelkeit lassen sich medikamentös behandeln. Nur selten wird mit Medikamenten behandelt, die Gallensteine auflösen können.

    Eine Entfernung der Gallenblase ist die einzige Möglichkeit, schmerzhaften Koliken dauerhaft vorzubeugen. Ob und wann man sich zu diesem Schritt entschließt, hängt unter anderem von der Stärke der Beschwerden und dem Komplikationsrisiko ab.

    Quellen

    Afdhal NH, Chopra S, Grover S. Epidemiology of and risk factors for gallstones. UpToDate. 28.11.2016.

    Afdhal NH, Chopra S, Grover S. Approach to the patient with incidental gallstones. UpToDate. 28.11.2016.

    AQUA-Institut. 12/1 - Cholezystektomie. Qualitätsindikatoren. Bundesauswertung 2015.

    Barthelsson C, Lützén K, Anderberg B, Nordström G. Patients' experiences of laparoscopic cholecystectomy in day surgery. J Clin Nurs 2003; 12(2): 253-259.

    Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS), Deutsche Gesellschaft für Viszeralchirurgie (DGVC). Diagnostik und Therapie von Gallensteinen. S3-Leitlinie. 07.2007. (AWMF-Leitlinien; Band 021 - 008).

    Garg P, Thakur JD, Garg M, Menon GR. Single-incision laparoscopic cholecystectomy vs. conventional laparoscopic cholecystectomy: a meta-analysis of randomized controlled trials. J Gastrointest Surg 2012; 16(8): 1618-1628.

    Gurusamy K, Samraj K, Gluud C, Wilson E, Davidson BR. Meta-analysis of randomized controlled trials on the safety and effectiveness of early versus delayed laparoscopic cholecystectomy for acute cholecystitis. Br J Surg 2010; 97(2): 141-150.

    Gurusamy KS, Davidson BR. Gallstones. BMJ 2014; 348: g2669.

    Halpin V. Acute cholecystitis. BMJ Clin Evid 2014.

    Keus F, de Vries J, Gooszen HG, van Laarhoven CJ. Assessing factors influencing return back to work after cholecystectomy: a qualitative research. BMC Gastroenterol 2010; 10: 12.

    Keus F, Gooszen HG, van Laarhoven CJ. Open, small-incision, or laparoscopic cholecystectomy for patients with symptomatic cholecystolithiasis. An overview of Cochrane Hepato-Biliary Group reviews. Cochrane Database Syst Rev 2010; (1): CD008318.

    McKneally MF, Ignagni E, Martin DK, D'Cruz J. The leap to trust: perspective of cholecystectomy patients on informed decision making and consent. J Am Coll Surg 2004; 199(1): 51-57.

    Robert Koch-Institut (RKI), Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID). Krebs in Deutschland 2011/2012. Berlin: RKI; 2015.

    Sanders G, Kingsnorth AN. Gallstones. BMJ 2007; 335(7614): 295-299.

    Zakko SF, Chopra S, Grover S. Uncomplicated gallstone disease in adults. UpToDate. 24.10.2016.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Komplikationen durch Gallensteine

    Viele Menschen über 40 Jahre haben Gallensteine. Die meisten merken aber nichts davon, weil die Steine keine Beschwerden verursachen. Eine Behandlung von Gallensteinen ist meist auch nur bei Beschwerden sinnvoll, weil dann das Risiko für Komplikationen und Folgeerkrankungen erhöht ist.

    Mögliche Komplikationen durch Gallensteine sind Entzündungen der Gallenblase, des Gallengangs oder der Bauchspeicheldrüse sowie ein Darmverschluss. Sehr große Steine können das Risiko für Gallenblasenkrebs und Gallengangskrebs erhöhen. Pro Jahr kommt es bei etwa einem von 100 Menschen mit typischen Beschwerden wie zum Beispiel Gallenkoliken zu Komplikationen.

    Viele Menschen über 40 Jahre haben Gallensteine. Die meisten merken aber nichts davon, weil die Steine keine Beschwerden verursachen. Eine Behandlung von Gallensteinen ist meist auch nur bei Beschwerden sinnvoll, weil dann das Risiko für Komplikationen und Folgeerkrankungen erhöht ist.

    Mögliche Komplikationen durch Gallensteine sind Entzündungen der Gallenblase, des Gallengangs oder der Bauchspeicheldrüse sowie ein Darmverschluss. Sehr große Steine können das Risiko für Gallenblasenkrebs und Gallengangskrebs erhöhen. Pro Jahr kommt es bei etwa einem von 100 Menschen mit typischen Beschwerden wie zum Beispiel Gallenkoliken zu Komplikationen.

    Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis)

    Die Gallenblase kann sich entzünden, wenn ein Stein den Abfluss der Gallenflüssigkeit verhindert. Durch die aufgestaute Flüssigkeit wird die Gallenblasenwand überdehnt und die Schleimhaut gereizt. Auf der gereizten, entzündeten Schleimhaut können sich leicht Bakterien ansiedeln. Eine akute Entzündung macht sich durch starke, anhaltende Schmerzen im rechten Oberbauch, Fieber und Schüttelfrost bemerkbar. Der rechte Oberbauch schmerzt bei Berührung und ist gespannt. Die Schmerzen strahlen in die rechte Schultergegend aus. Eine Cholezystitis kann akut oder chronisch verlaufen, von selbst wieder abklingen und erneut auftreten.

    Eine akute Gallenblasen-Entzündung kann, vor allem wenn sie unbehandelt bleibt, zu weiteren Komplikationen führen. So kann sich etwa in der Gallenblase Eiter bilden, das Organ kann absterben oder die Entzündung auf Nachbarorgane übergreifen. Breitet sich die Entzündung über das Blut auf den gesamten Körper aus, spricht man von einer Blutvergiftung (Sepsis). Eine Sepsis muss sofort behandelt werden.

    Sehr selten entsteht infolge einer chronischen Entzündung der Gallenblase eine sogenannte Porzellangallenblase mit verdickter, verkalkter Gallenblasenwand. Die Gallenblase kann sich dann nicht mehr richtig zusammenziehen. Eine bestimmte Form der Porzellangallenblase mit fleckförmigen Verkalkungen erhöht das Risiko, an Gallenblasenkrebs zu erkranken: Nach Schätzungen bekommen etwa 7 von 100 Menschen mit dieser Form der Porzellangallenblase Gallenblasenkrebs.

    Akute Entzündung des Gallengangs (Cholangitis)

    Wenn sich der Gallengang entzündet, kommt es ebenfalls zu starken Oberbauchschmerzen, Fieber und Schüttelfrost, manchmal auch zu einer Gelbsucht. Die Entzündung kann wie bei der Gallenblasen-Entzündung auch auf Nachbarorgane übergreifen und zu teils schweren Komplikationen führen.

    Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)

    Eine Pankreatitis ist eine sehr seltene schwere Erkrankung. Sie führt zu heftigen Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Fieber. Gallengangssteine sind die häufigste Ursache einer Bauchspeicheldrüsen-Entzündung. Ein Stein im Hauptgallengang kann den gemeinsamen Ausgang von Gallenblase und Bauchspeicheldrüse blockieren. Dadurch stauen sich die von der Bauchspeicheldrüse gebildeten Verdauungssäfte und greifen die Bauchspeicheldrüse an. Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse kann lebensbedrohlich werden, vor allem wenn sie zu spät oder nicht ausreichend behandelt wird. Bei erfolgreicher Behandlung heilt sie aber meist vollständig ab.

    Gallenblasen- und Gallengangskrebs

    Gallensteine erhöhen das Risiko für Gallenblasenkrebs und Gallengangskrebs. Diese Krebsarten sind jedoch selten: Schätzungsweise 5 von 1000 Menschen mit Gallensteinen bekommen Gallenblasenkrebs. Menschen mit sehr großen Gallensteinen und einer Porzellangallenblase haben ein höheres Risiko als andere Menschen mit Gallensteinen. Insgesamt erkranken in Deutschland pro Jahr etwa 5000 Menschen an Gallenblasen- oder Gallengangskrebs.

    Quellen

    Afdhal NH, Chopra S, Grover S. Approach to the patient with incidental gallstones. UpToDate. 28.11.2016.

    Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS), Deutsche Gesellschaft für Viszeralchirurgie (DGVC). Diagnostik und Therapie von Gallensteinen. S3-Leitlinie. 07.2007. (AWMF-Leitlinien; Band 021 - 008).

    Gurusamy KS, Davidson BR. Gallstones. BMJ 2014; 348: g2669.

    Halpin V. Acute cholecystitis. BMJ Clin Evid 2014.

    Robert Koch-Institut (RKI), Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID). Krebs in Deutschland 2011/2012. Berlin: RKI; 2015.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Wie Gallensteine behandelt werden können

    V iele Menschen haben Gallensteine, ohne sie zu bemerken. Wenn jedoch Beschwerden auftreten, stehen viele vor der Frage, was sie tun sollen: Zunächst abwarten und die Symptome behandeln? Oder sich operieren lassen? Wir geben einen Überblick über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.

    Wenn Gallensteine keine Beschwerden verursachen, gibt es in der Regel auch keinen Anlass, sie zu behandeln. Viele Menschen mit Gallensteinen bekommen auch über einen längeren Zeitraum keine Beschwerden. Zudem kann jede Behandlung Nebenwirkungen haben, und Operationen sind immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Gallenblasensteine werden anders behandelt als Steine im Gallengang.

    Falls Beschwerden wie krampfartige Schmerzen auftreten, können sie mit Medikamenten gelindert werden. Dauerhaft verhindern lassen sich derartige Beschwerden aber nur durch eine Entfernung der Gallenblase. Eine Entfernung kommt auch für Menschen ohne Beschwerden, aber mit sehr großen Gallensteinen oder bestimmten Formen einer Porzellangallenblase (dabei ist die Wand der Gallenblase verkalkt) infrage. Denn sie haben ein erhöhtes Risiko für Gallenblasenkrebs.

    V iele Menschen haben Gallensteine, ohne sie zu bemerken. Wenn jedoch Beschwerden auftreten, stehen viele vor der Frage, was sie tun sollen: Zunächst abwarten und die Symptome behandeln? Oder sich operieren lassen? Wir geben einen Überblick über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.

    Wenn Gallensteine keine Beschwerden verursachen, gibt es in der Regel auch keinen Anlass, sie zu behandeln. Viele Menschen mit Gallensteinen bekommen auch über einen längeren Zeitraum keine Beschwerden. Zudem kann jede Behandlung Nebenwirkungen haben, und Operationen sind immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Gallenblasensteine werden anders behandelt als Steine im Gallengang.

    Falls Beschwerden wie krampfartige Schmerzen auftreten, können sie mit Medikamenten gelindert werden. Dauerhaft verhindern lassen sich derartige Beschwerden aber nur durch eine Entfernung der Gallenblase. Eine Entfernung kommt auch für Menschen ohne Beschwerden, aber mit sehr großen Gallensteinen oder bestimmten Formen einer Porzellangallenblase (dabei ist die Wand der Gallenblase verkalkt) infrage. Denn sie haben ein erhöhtes Risiko für Gallenblasenkrebs.

    Welche Medikamente können helfen?

    Zur Linderung von schmerzhaften Koliken stehen verschiedene Schmerzmittel und krampflösende Medikamente zur Verfügung. Auch Symptome wie Völlegefühl oder Übelkeit lassen sich medikamentös behandeln.

    Eine Behandlung mit Medikamenten hat eher selten das Ziel, die Gallensteine zu entfernen. Eine solche Behandlung ist möglich, wenn es sich um kleine Cholesterinsteine in der Gallenblase handelt. Um Gallensteine aufzulösen, werden Tabletten mit dem Wirkstoff Ursodeoxycholsäure (UDCA) eingesetzt. Sie müssen über längere Zeit (teils über zwei Jahre) eingenommen werden und wirken oft nicht. Zudem bilden sich häufig neue Steine. Diese Behandlung wird daher nur wenigen Menschen mit leichten Beschwerden und / oder seltenen Koliken vorgeschlagen.

    Welche Vor- und welche Nachteile hat eine Operation?

    Eine Entfernung der Gallenblase ist bei Gallenblasensteinen die einzige Möglichkeit, schmerzhaften Koliken dauerhaft vorzubeugen. Bei der Abwägung, ob und wann man sich zu diesem Schritt entschließt, spielen verschiedene Aspekte eine Rolle:

    • Wie wahrscheinlich ist es, dass erneut Beschwerden auftreten? Manche Menschen haben sehr oft Beschwerden, andere selten oder nur einmalig.
    • Wie belastend sind sie auf Dauer? Handelt es sich um starke Oberbauchschmerzen und Koliken, oder um leichte Beschwerden?
    • Wie sicher ist es, dass Gallensteine die Beschwerden auslösen? Bei Oberbauchschmerzen und Koliken ist dies sehr wahrscheinlich. Probleme wie Verdauungsbeschwerden haben oft andere Ursachen.
    • Wie hoch ist das Risiko, dass es zu Komplikationen wie Entzündungen der Gallenblase kommen kann?
    • Was sind die Vor- und Nachteile einer Operation? Einige Menschen haben zum Beispiel wegen ihres Alters oder weiterer Erkrankungen ein höheres Risiko für Komplikationen durch eine Operation als andere.

    Wer sich für eine Operation entschieden hat, kann in der Weissen Liste nach einem Krankenhaus suchen und sich darüber informieren, wie häufig solche Eingriffe dort durchgeführt werden.

    Bauchspiegelung oder Bauchschnitt?

    Gallenblasen werden heute meist im Rahmen einer Bauchspiegelung entfernt, der sogenannten Laparoskopie. Bei dem Eingriff werden unter Vollnarkose drei bis vier kleine Einschnitte in die Bauchdecke gemacht. Durch diese Einschnitte führt die Chirurgin oder der Chirurg dünne Röhrchen ein, durch die sehr feine Operationsinstrumente bis zur Gallenblase vorgeschoben werden. In den letzten Jahren wurden weitere Varianten der laparoskopischen Operation entwickelt. Dabei werden die Röhrchen und Instrumente durch die Scheide, den Magen oder durch den Bauchnabel in die Bauchhöhle eingeführt.

    Wenn keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, kann der Eingriff ambulant durchgeführt werden – das heißt, man kann noch am selben Tag wieder nach Hause gehen. Dort erholt man sich ähnlich gut wie im Krankenhaus, und auch das Risiko für Komplikationen ist vergleichbar.

    Um die Gallenblase zu entfernen, ist nur selten ein großer Bauchschnitt mit anschließendem Klinkaufenthalt nötig, zum Beispiel bei Komplikationen oder Verwachsungen im Bauchraum. Nach diesem Eingriff erholt man sich langsamer als nach einer Bauchspiegelung. Dass eine Bauchspiegelung weniger Komplikationen nach sich zieht, ist jedoch nicht belegt.

    Welche Risiken hat eine Operation?

    In Deutschland müssen Krankenhäuser erfassen, wie häufig es nach bestimmten Eingriffen zu Komplikationen kommt. Etwa 1200 Krankenhäuser melden diese Daten für die Entfernung der Gallenblase. Die Daten werden jährlich ausgewertet, die Ergebnisse aus dem Jahr 2014 für die Bauchspiegelung sind folgende:

    Tabelle: Risiken einer Operation
    Art der (behandlungsbedürftigen) Komplikation Komplikationen je 1000 Operationen (Laparoskopien)
    Blutung 7
    Verletzung der Gallengänge
    sonstige Komplikationen 14

    Quelle: AQUA Institut 2015 (Daten aus 2014)

    Eine Verletzung der Gallengänge kann unter anderem zu akuten Entzündungen im Bauchraum führen. Wenn sich Narben bilden, können sie den Gallengang verengen. Dadurch kann eine dauerhafte Behandlung nötig werden.

    Wie werden Gallengangssteine entfernt?

    Im Gallengang selbst bilden sich nur selten Steine. Die meisten Gallengangssteine sind aus der Gallenblase in den Gallengang gewandert. Steine im Gallengang führen jedoch häufiger zu Entzündungen der Gallenblase und der Bauchspeicheldrüse als Gallenblasensteine. Dennoch kann man auch bei Gallengangssteinen zunächst abwarten: Oft gehen sie von allein ab und führen nicht zu Beschwerden.

    Gallengangssteine können im Rahmen einer Bauchspiegelung oder einer offenen Operation entfernt werden – oder bei der sogenannten endoskopisch-retrograden Cholangiografie (ERC). Wenn die Gallenblase noch weitere Steine enthält, kann sie später operativ entfernt werden, um Komplikationen vorzubeugen. Eine ERC führt bei etwa 5 bis 10 von 100 Menschen zu Komplikationen wie Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, Verletzungen des Gallengangs und Magen-Darm-Trakts.

    Wie werden Entzündungen behandelt?

    Eine Gallenblasen-Entzündung wird meist durch Gallensteine verursacht. Sie wird in der Klinik behandelt, zunächst mit Antibiotika und Schmerzmitteln. Bis die akute Entzündung nach ein bis zwei Tagen abgeklungen ist, darf man gar nicht oder nur eingeschränkt essen und trinken. Damit der Körper genügend Flüssigkeit bekommt, wird eine Infusion gelegt.

    Nach dieser Akutbehandlung wird in der Regel empfohlen, die Gallenblase operativ entfernen zu lassen, um erneute Beschwerden oder Komplikationen zu vermeiden. Menschen mit einer leichten Entzündung können unter Umständen auf einen Eingriff verzichten. Welche Folgen ein Verzicht langfristig hat, ist aber noch nicht ausreichend untersucht. Man weiß beispielsweise noch nicht, wie hoch das Risiko für schwerwiegende Folgen ist, wenn man auf einen Eingriff verzichtet.

    Wenn ein Eingriff ansteht, hat es Vorteile, innerhalb der ersten Tage nach der Diagnose zu operieren. Früher hat man öfter einige Wochen gewartet, bis die Entzündung abgeheilt ist. Wird aber erst nach mehreren Wochen operiert, kommt es häufiger zu Notfalloperationen und längeren Krankenhausaufenthalten. Andere Risiken hat das Abwarten jedoch nicht.

    Bei einer Entzündung der Gallengänge besteht die Gefahr, dass sich auch die Bauchspeicheldrüse entzündet. Deshalb werden die Gallensteine so rasch wie möglich mittels ERC entfernt.

    Wie komme ich ohne Gallenblase zurecht?

    Vor einer Operation fragen sich viele Menschen, was es bedeutet, ohne Gallenblase zu leben. In der Regel hat der Verlust des Organs aber keine größeren Nachteile. Fehlt die Gallenblase, fließt die gesamte in der Leber produzierte Gallenflüssigkeit ohne Zwischenspeicherung direkt über den Gallengang in den Dünndarm. Manche Menschen haben deshalb etwas häufiger Stuhlgang als vorher und weicheren Stuhl. Dies ist aber oft nur vorübergehend.

    Eine Operation führt zwar meist dazu, dass keine Koliken mehr auftreten – sie ist aber keine Garantie dafür, dass die Beschwerden ganz verschwinden. So können etwa Völlegefühl und Blähungen bestehen bleiben. Auch können sich in den Gallengängen weiter Gallensteine bilden und Probleme verursachen.

    Nach einer Operation ist es nicht unbedingt nötig, sich anders zu ernähren oder gar eine spezielle Diät einzuhalten. Viele Menschen vertragen ihre gewohnten Speisen nach der Operation genauso gut wie vorher.

    Falls bestimmte Lebensmittel nach dem Eingriff nicht mehr vertragen werden und Verdauungsprobleme auftreten, kann es sinnvoll sein, die Ernährung etwas umzustellen. Dabei kann die Ärztin oder der Arzt unterstützen. Häufig wird empfohlen, sich fettärmer und ballaststoffreicher zu ernähren. Was einem gut bekommt und was weniger, lässt sich am besten durch Ausprobieren herausfinden.

    Quellen

    AQUA-Institut. 12/1 - Cholezystektomie. Qualitätsindikatoren. Bundesauswertung 2015.

    Barthelsson C, Lützén K, Anderberg B, Nordström G. Patients' experiences of laparoscopic cholecystectomy in day surgery. J Clin Nurs 2003; 12(2): 253-259.

    Brazzelli M, Cruickshank M, Kilonzo M, Ahmed I, Stewart F, McNamee, P. Clinical effectiveness and cost-effectiveness of cholecystectomy compared with observation/conservative management for preventing recurrent symptoms and complications in adults presenting with uncomplicated symptomatic gallstones or cholecystitis: a systematic review and economic evaluation. Health Technol Assess 2014; 18(55): 1-101.

    Dasari BV, Tan CJ, Gurusamy KS, Martin DJ, Kirk G, McKie L et al. Surgical versus endoscopic treatment of bile duct stones. Cochrane Database Syst Rev 2013; (9): CD003327.

    Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS), Deutsche Gesellschaft für Viszeralchirurgie (DGVC). Diagnostik und Therapie von Gallensteinen. S3-Leitlinie. 07.2007. (AWMF-Leitlinien; Band 021 - 008).

    Garg P, Thakur JD, Garg M, Menon GR. Single-incision laparoscopic cholecystectomy vs. conventional laparoscopic cholecystectomy: a meta-analysis of randomized controlled trials. J Gastrointest Surg 2012; 16(8): 1618-1628.

    Gurusamy K, Samraj K, Gluud C, Wilson E, Davidson BR. Meta-analysis of randomized controlled trials on the safety and effectiveness of early versus delayed laparoscopic cholecystectomy for acute cholecystitis. Br J Surg 2010; 97(2): 141-150.

    Gurusamy KS, Davidson C, Gluud C, Davidson BR. Early versus delayed laparoscopic cholecystectomy for people with acute cholecystitis. Cochrane Database Syst Rev 2013; (6) CD005440.

    Gurusamy KS, Davidson BR. Gallstones. BMJ 2014; 348: g2669.

    Halpin V. Acute cholecystitis. BMJ Clin Evid 2014.

    Keus F, de Vries J, Gooszen HG, van Laarhoven CJ. Assessing factors influencing return back to work after cholecystectomy: a qualitative research. BMC Gastroenterol 2010; 10: 12.

    Keus F, Gooszen HG, van Laarhoven CJ. Open, small-incision, or laparoscopic cholecystectomy for patients with symptomatic cholecystolithiasis. An overview of Cochrane Hepato-Biliary Group reviews. Cochrane Database Syst Rev 2010; (1): CD008318.

    McKneally MF, Ignagni E, Martin DK, D'Cruz J. The leap to trust: perspective of cholecystectomy patients on informed decision making and consent. J Am Coll Surg 2004; 199(1): 51-57.

    Robert Koch-Institut (RKI), Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID). Krebs in Deutschland 2011/2012. Berlin: RKI; 2015.

    Rubin RA, Kowalski TE, Khandelwal M, Malet PF. Ursodiol for hepatobiliary disorders. Ann Intern Med 1994; 121(3): 207-218.

    Sanders G, Kingsnorth AN. Gallstones. BMJ 2007; 335(7614): 295-299.

    Song GM, Bian W, Zeng XT, Zhou JG, Luo YQ, Tian X. Laparoscopic cholecystectomy for acute cholecystitis: early or delayed?: Evidence from a systematic review of discordant meta-analyses. Medicine (Baltimore) 2016; 95(23): e3835.

    Tang H, Dong A, Yan L. Day surgery versus overnight stay laparoscopic cholecystectomy: A systematic review and meta-analysis. Dig Liver Dis 2015; 47(7): 556-561.

    Vaughan J, Gurusamy KS, Davidson BR. Day-surgery versus overnight stay surgery for laparoscopic cholecystectomy. Cochrane Database Syst Rev 2013; (7): CD006798.

    Wu XD, Tian X, Liu MM, Wu L, Zhao S, Zhao L. Meta-analysis comparing early versus delayed laparoscopic cholecystectomy for acute cholecystitis. Br J Surg 2015; 102(11): 1302-1313.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.