Gesundheitslexikon

Rücken- und Kreuzschmerzen

Überblick Mehr Wissen Erfahrungsberichte

    Überblick

    Kreuzschmerzen kennt fast jeder Mensch. Meist treten sie plötzlich auf und klingen innerhalb einiger Tage oder Wochen von selbst wieder ab. Nur selten werden sie durch eine ernsthafte Erkrankung ausgelöst. Ein regelmäßiges Bewegungstraining kann helfen, wiederkehrenden Rückenbeschwerden vorzubeugen.

    Einleitung

    Fast jeder hat im Laufe des Lebens irgendwann mit Kreuzschmerzen zu tun. Normalerweise sind sie harmlos, treten plötzlich auf und verschwinden innerhalb einiger Tage oder Wochen wieder. Dann ist das Beste, was man tun kann, weiter seinem Alltag nachzugehen und so gut es geht, körperlich aktiv zu bleiben. Zu viel Schonung oder gar längere Bettruhe kann die Genesung verzögern.

    Kreuzschmerzen lassen sich fast nie auf eine einzelne Ursache zurückführen. Wichtig ist: Solche „unspezifischen“ Kreuzschmerzen sind nicht gefährlich. Die Schmerzen bedeuten nicht, dass der Rücken verletzt ist.

    Das gilt auch für lang anhaltende oder immer wiederkehrende Kreuzschmerzen. Solche chronischen Schmerzen können jedoch zu einer erheblichen Belastung im Beruf und Alltag werden.

    Bildgebende Untersuchungen, Medikamente, Spritzen und Operationen sind bei unspezifischen Rückenschmerzen kaum hilfreich, haben aber verschiedene Risiken. Fachleute sind sich deshalb einig, dass sie sehr zurückhaltend eingesetzt werden sollten.

    Symptome

    Als Kreuz- oder Rückenschmerzen werden Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule bezeichnet – also im unteren Bereich des Rückens zwischen Hüfte und Rippenansatz. Die Schmerzen sind meist mit Muskelverspannungen, oft auch mit Bewegungseinschränkungen verbunden. Heftige Schmerzen, die aus heiterem Himmel plötzlich ins Kreuz fahren, werden auch Hexenschuss (Lumbago) genannt.

    Manchmal ziehen die Schmerzen in ein oder beide Beine. Wenn sie bis über das Knie oder in den Fuß ausstrahlen, spricht man von Ischialgie oder umgangssprachlich Ischias. Die häufigste Ursache dieser „spezifischen“ Form von Rückenschmerzen ist ein Bandscheibenvorfall.

    Rückenschmerzen und Schmerzen in den Beinen können zwar gleichzeitig auftreten, haben aber nicht unbedingt die gleiche Ursache. Eine Ischialgie ist dann wahrscheinlich, wenn die Schmerzen im Bein stärker sind als im Rücken, entlang einer bestimmten Nervenbahn verlaufen oder mit anderen Beschwerden wie Kribbeln oder Taubheit einhergehen.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Bei den allermeisten Personen mit Kreuzschmerzen lässt sich keine eindeutige Ursache für die Beschwerden finden. Deshalb sprechen Fachleute dann von „unspezifischen“ Kreuzschmerzen. Sie können zum Beispiel von folgenden Faktoren beeinflusst oder ausgelöst werden:

    • Bewegungsmangel und eine schwache Rumpfmuskulatur
    • Muskelverspannungen (auch infolge einer Fehlbelastung)
    • Fehlbelastungen durch langes unbewegliches Sitzen, einseitige oder schwere körperliche Arbeit
    • psychische Belastungen wie Stress am Arbeitsplatz, finanzielle oder familiäre Sorgen, ausgeprägte Ängstlichkeit oder Selbstzweifel, Erkrankungen wie Depressionen
    • Veränderungen in der Schmerzwahrnehmung im zentralen Nervensystem
    • familiäre Veranlagung

    Spezifische Ursachen für Kreuzschmerzen können eine Verengung des Wirbelkanals, ein akuter Bandscheibenvorfall, ein Knochenbruch am Wirbelkörper (zum Beispiel aufgrund von Osteoporose) oder die Bechterew-Krankheit sein. Dann kommen manchmal andere Behandlungen infrage als bei unspezifischen Beschwerden. Kreuzschmerzen sind aber nur selten ein Anzeichen für ernsthafte Schäden oder Erkrankungen.

    Verlauf

    Meistens klingen Kreuzschmerzen auch ohne Behandlung innerhalb einiger Tage oder Wochen von selbst wieder ab. Viele Menschen haben immer wieder mal damit zu tun: Bei etwa einem Drittel der Betroffenen treten die Kreuzschmerzen innerhalb eines Jahres erneut auf.

    Chronische, das heißt seit Monaten anhaltende Kreuzschmerzen können ganz unterschiedlich ausgeprägt sein, zum Beispiel

    • mal mehr, mal weniger stark,
    • leicht, aber ständig spürbar,
    • stark und über längere Zeit anhaltend.

    Wie sich akute oder chronische Kreuzschmerzen bei einem Menschen entwickeln, lässt sich kaum vorhersagen. 

    Diagnose

    Beim ersten Besuch in der Hausarzt- oder Orthopädiepraxis wird die Ärztin oder der Arzt zunächst einige Fragen stellen: unter anderem, ob die Kreuzschmerzen zum ersten Mal oder wiederholt aufgetreten sind, an welcher Stelle genau und ob der Rücken nur bei Bewegung oder auch in Ruhe schmerzt. Wichtig ist auch, ob man kürzlich einen Unfall hatte, dauerhaft bestimmte Medikamente wie beispielsweise Kortisonpräparate nimmt, weitere Erkrankungen bestehen und ob noch andere Beschwerden hinzukommen wie Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen. Zudem fragt die Ärztin oder der Arzt nach bestimmten körperlichen und psychischen Belastungen, die ebenfalls eine Rolle spielen können.

    Im Rahmen einer körperlichen Untersuchung werden zum Beispiel die Muskeln auf schmerzhafte oder verspannte Stellen abgetastet, Reflexe getestet und die Beweglichkeit geprüft. Durch die Befragung (Anamnese) und anschließende körperliche Untersuchung lässt sich ein ernsthaftes gesundheitliches Problem meistens bereits ausschließen. Dann sind keine weiteren Untersuchungen wie Röntgen, Computer- oder Kernspintomografie nötig.

    Medizinische Fachgesellschaften raten sogar von bildgebenden Untersuchungen ab, wenn kein Verdacht auf eine ernsthafte Ursache besteht. Solche Untersuchungen sind bei unspezifischen Kreuzschmerzen wenig aussagekräftig. Im Röntgenbild sichtbare Auffälligkeiten an Knochen oder Bandscheiben zeigen sich auch bei vielen Menschen, die keine Rückenbeschwerden haben. Dabei handelt es sich in der Regel um ganz normale, harmlose Verschleißerscheinungen. Studien, in denen beschwerdefreie Erwachsene mittels Kernspintomografie untersucht wurden, zeigen zum Beispiel: Etwa 30 % aller 20-Jährigen und mehr als 80 % aller 80-Jährigen haben eine vorgewölbte Bandscheibe.

    Zu viel Diagnostik kann sogar schaden: zum Beispiel, wenn bildgebende Untersuchungen einen vermeintlichen Grund für die Kreuzschmerzen zeigen, der tatsächlich gar nichts mit den Beschwerden zu tun hat. Eine solche Fehldiagnose kann zu unnötigen oder falschen Behandlungen führen und Ängste auslösen.

    Wenn ein konkreter Verdacht auf eine bestimmte Ursache oder Erkrankung besteht oder die Beschwerden innerhalb von sechs Wochen nicht abklingen oder sich verschlechtern, können Untersuchungen wie Röntgen, Kernspin- oder Computertomografie (CT) sinnvoll sein.

    Vorbeugung

    Regelmäßige Bewegung ist die wirksamste Möglichkeit, wiederkehrenden Kreuzschmerzen vorzubeugen. Ein geeignetes Training besteht zum Beispiel aus Kräftigungs- und Stabilisierungsübungen für die Rumpfmuskulatur. Wichtig ist, dass man regelmäßig trainiert – am besten mehrmals pro Woche. Studien haben die Wirksamkeit von Übungen zur Stärkung der Muskulatur bestätigt: Sie halfen, die Häufigkeit von Rückenschmerzattacken zu halbieren.

    Behandlung

    Bei starken akuten Rückenschmerzen sollte man auf schweres Heben verzichten und beim Bücken vorsichtig sein. Wenn der Rücken heftig schmerzt, kann die sogenannte Stufenlagerung wohltuend sein: Dabei werden die Unterschenkel auf eine Ablage gelegt, die etwa so hoch ist, dass Unter- und Oberschenkel einen 90-Grad-Winkel bilden. Wichtig ist aber, längeres Liegen zu vermeiden und so gut es geht, aktiv zu bleiben. Damit ist gemeint, möglichst normal seinem Alltag nachzugehen und zum Beispiel bei der Arbeit nicht lange unbeweglich zu sitzen. Auch leichte Bewegung ist sinnvoll, zum Beispiel Spazierengehen.

    Grafik: Stufenlagerung - wie im Text beschrieben Stufenlagerung

     

    Akute Rückenschmerzen klingen fast immer von selbst wieder ab. Studien zeigen, dass dies eher schneller geht, wenn man in Bewegung bleibt anstatt Bettruhe einzuhalten. Eine einfache Möglichkeit zur Linderung akuter Schmerzen, die sich auch in Studien bewährt hat, sind Wärmeanwendungen – zum Beispiel Wärmflaschen, Wärmepackungen oder -kissen. Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen können manchmal ebenfalls helfen. Sie werden aber nur für kurze Zeit empfohlen.

    Wer sehr lange oder immer wieder mit unspezifischen Kreuzschmerzen zu tun hat, ist vor allem selbst gefragt: Auch bei chronischen Schmerzen ist es am wichtigsten, körperlich aktiv zu bleiben – und sich von den Schmerzen nicht daran hindern zu lassen, Dinge zu tun, die Freude bereiten.

    Viele Studien zeigen, dass Bewegung bei chronischen Kreuzschmerzen die wirksamste Behandlung ist. Je länger man inaktiv bleibt, desto eher halten die Kreuzschmerzen an. Auch Achtsamkeitstraining und Entspannungsübungen wie die Muskelentspannung nach Jacobson haben sich bei manchen Menschen als hilfreich erwiesen.

    Als Bewegungstherapie eignen sich vor allem Kräftigungsübungen für die tiefe Bauch-, Rücken- und Beckenmuskulatur, in Kombination mit Dehnübungen. Pilates, Tai-Chi und Yoga enthalten viele solcher Übungen.

    Darüber hinaus gibt es ein großes Angebot an sogenannten passiven Behandlungen. Dazu gehören Akupunktur, Massagen, Mobilisation oder Manipulation der Wirbelsäule, Osteopathie, Schuheinlagen, Ultraschall- und Laserbehandlungen sowie die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS). Weil Kreuzschmerzen auch ohne Behandlung nach einiger Zeit wieder verschwinden und oft einen schwankenden Verlauf haben, lässt sich die Wirksamkeit von Behandlungen nur durch vergleichende Studien beurteilen. Aus solchen Studien weiß man: Die meisten passiven Behandlungen sind nicht sehr wirksam, helfen nur kurzfristig oder sind bislang nicht ausreichend untersucht.

    Bei chronischen Rückenschmerzen kommt auch eine sogenannte multimodale Schmerzbehandlung oder eine kognitive Verhaltenstherapie infrage. Dabei werden Bewältigungsstrategien im Umgang mit Schmerzen vermittelt – zum Beispiel, wie man Gedankenmuster verändert, die Schmerzen verstärken können.  

    Rehabilitation

    Häufig wiederkehrende oder anhaltende Kreuzschmerzen können zu längeren Fehlzeiten im Beruf führen. Ist dies der Fall, besteht unter Umständen die Möglichkeit, eine ambulante oder stationäre Rehabilitation zu machen. Ziel ist, die Beschwerden soweit in den Griff zu bekommen, dass ein normaler Alltag wieder möglich ist. Eine Rehabilitation kommt also nicht nur bei einer drohenden Berufsunfähigkeit infrage.

    Oft besteht eine Rehabilitation aus einem sogenannten multidisziplinären Behandlungsprogramm, bei dem verschiedene Berufsgruppen wie Ärzte, Physiotherapeuten und Psychologen zusammenarbeiten. Die Elemente des Programms – beispielsweise Medikamente, Physio-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie – sollten dabei auf die persönliche Situation abgestimmt werden. Eine Rehabilitation dauert in der Regel drei Wochen.

    Leben und Alltag

    Chronische Kreuzschmerzen können körperlich und psychisch sehr belastend sein. Vielen Betroffenen hilft es, mit der Zeit Strategien zu entwickeln, um besser mit den Schmerzen umgehen und die Beschwerden bewältigen zu können. Psychologische Behandlungen wie eine kognitive Verhaltenstherapie können dabei unterstützen.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Für Menschen mit chronischen Rückenschmerzen gibt es in Deutschland zahlreiche Angebote zur Unterstützung. Dazu gehören Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Viele dieser Einrichtungen sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, passende Angebote zu finden und zu nutzen.

    Quellen

    Brinjikji W, Luetmer PH, Comstock B, Bresnahan BW, Chen LE, Deyo RA et al. Systematic literature review of imaging features of spinal degeneration in asymptomatic populations. AJNR Am J Neuroradiol 2015; 36(4): 811-816.

    Buchbinder R, van Tulder M, Öberg B, Costa LM, Woolf A, Schoene M et al. Low back pain: a call for action. Lancet 2018; 391(10137): 2384-2388.

    Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz. AWMF-Registernr.: nvl-007. 03.2017.

    Chenot JF, Greitemann B, Kladny B, Petzke F, Pfingsten M, Schorr SG. Nichtspezifischer Kreuzschmerz. Dtsch Arztebl Int 2017; 114(51-52): 883-890.

    Chou R, Deyo R, Friedly J, Skelly A, Hashimoto R, Weimer M et al. Noninvasive Treatments for Low Back Pain. 02.2016. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; Band 169).

    Chou R, Deyo R, Friedly J, Skelly A, Hashimoto R, Weimer M et al. Nonpharmacologic Therapies for Low Back Pain: A Systematic Review for an American College of Physicians Clinical Practice Guideline. Ann Intern Med 2017; 166(7): 493-505.

    Da Silva T, Mills K, Brown BT, Herbert RD, Maher CG, Hancock MJ. Risk of Recurrence of Low Back Pain: A Systematic Review. J Orthop Sports Phys Ther 2017; 47(5): 305-313.

    Dahm KT, Brurberg KG, Jamtvedt G, Hagen KB. Advice to rest in bed versus advice to stay active for acute low-back pain and sciatica. Cochrane Database Syst Rev 2010; (6): CD007612.

    Deyo RA, Mirza SK. CLINICAL PRACTICE. Herniated Lumbar Intervertebral Disk. N Engl J Med 2016; 374(18): 1763-1772.

    Hartvigsen J, Hancock MJ, Kongsted A, Louw Q, Ferreira ML, Genevay S et al. What low back pain is and why we need to pay attention. Lancet 2018; 391(10137): 2356-2367.

    Kongsted A, Kent P, Axen I, Downie AS, Dunn KM. What have we learned from ten years of trajectory research in low back pain? BMC Musculoskelet Disord 2016; 17: 220.

    National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Low Back Pain and Sciatica in Over 16s: Assessment and Management. 11.2016. (NICE Guidelines; Band 59).

    Oliveira CB, Maher CG, Pinto RZ, Traeger AC, Lin CC, Chenot JF et al. Clinical practice guidelines for the management of non-specific low back pain in primary care: an updated overview. Eur Spine J 2018 [Epub ahead of print].

    Skelly AC, Chou R, Dettori JR, Turner JA, Friedly JL, Rundell SD et al. Noninvasive Nonpharmacological Treatment for Chronic Pain: A Systematic Review. 06.2018. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; Band 209).

    Steffens D, Maher CG, Pereira LS, Stevens ML, Oliveira VC, Chapple M et al. Prevention of Low Back Pain: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Intern Med 2016; 176(2): 199-208.

    Wieland LS, Skoetz N, Pilkington K, Vempati R, D'Adamo CR, Berman BM. Yoga treatment for chronic non-specific low back pain. Cochrane Database Syst Rev 2017; (1): CD010671.

    Yamato TP, Maher CG, Saragiotto BT, Hancock MJ, Ostelo RW, Cabral CM et al. Pilates for low back pain. Cochrane Database Syst Rev 2015; (7): CD010265.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Kann Bewegungstraining erneuten Kreuzschmerzen vorbeugen?

    Regelmäßiges Bewegungstraining kann helfen, Rückfällen vorzubeugen. Wichtig ist, langfristig am Ball zu bleiben. Verschiedene Strategien können dabei helfen.

    Schmerzen im unteren Rücken (Lenden- und Kreuzbeinregion) sind weit verbreitet: 80 % aller Menschen haben irgendwann damit zu tun. Meist bessern sich Kreuzschmerzen innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen von selbst. Weil ihre Ursachen meist unklar sind, spricht man auch von „unspezifischen Rückenschmerzen“. Etwas Ernsthaftes steckt nur selten dahinter. Rückenschmerzen können aber immer wieder auftreten.

    Die häufigste Empfehlung zur Vorbeugung von Rückenschmerzen lautet „mehr Bewegung“. Was Betroffene von dieser Empfehlung erwarten können, hat eine internationale Wissenschaftlergruppe untersucht. Sie suchte nach Studien, die geprüft haben, wie gut Kräftigungsübungen, Gymnastik und Ausdauertraining vor unspezifischen Kreuzschmerzen schützen. Die Forschergruppe fassten die Ergebnisse von insgesamt 21 aussagekräftigen Studien mit über 30.000 Teilnehmenden zusammen.

    In den meisten Studien wurde das Bewegungstraining von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten begleitet. In den Studien wurden unterschiedliche Trainingsprogramme untersucht. Sie beinhalteten zum Beispiel Kräftigungs- und Stabilisierungsübungen für die Rumpfmuskulatur sowie Dehnübungen für die Waden-, Hüft- und Oberschenkelmuskulatur. Manche Übungsprogramme fanden zweimal pro Woche für etwa 60 Minuten statt, andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer trainierten täglich für fünf Minuten.

    Was zeigen die Studien?

    Die Zusammenfassung der Studien zeigt, dass Bewegungstraining Rückenschmerzen wirksam vorbeugen kann:

    • Ohne Training bekamen 41 bis 57 von 100 Menschen innerhalb eines Jahres erneut Kreuzschmerzen.
    • Mit Training bekamen nur 27 bis 31 von 100 Menschen innerhalb eines Jahres erneut Kreuzschmerzen.

    Mit anderen Worten: Das Training bewahrte 14 bis 26 von 100 Menschen vor einer oder mehreren weiteren Rückenschmerz-Episoden.

    Über unerwünschte Wirkungen des Trainings wurde in den Studien nichts berichtet. Wenn man damit beginnt, kann Bewegung zunächst zu Muskelkater führen.

    Bei bestehenden Rückenschmerzen können die Beschwerden zunächst auch zunehmen. Bei unspezifischen Rückenschmerzen gibt es aber keinen Grund, sich vor Bewegung zu fürchten. Im Gegenteil: Wer sich zu sehr schont, hat länger Beschwerden. Daher raten Fachleute heute auch dazu, trotz Schmerzen im Alltag möglichst aktiv zu bleiben, anstatt sich länger zu schonen oder gar Bettruhe zu halten.

    Auf Dauer aktiv bleiben

    Ein optimales Bewegungsprogramm für jeden gibt es nicht. Welches Training sich für einen Menschen eignet, hängt unter anderem von seiner Fitness, möglichen Begleiterkrankungen, der Stärke der Schmerzen und den persönlichen Vorlieben ab. Wichtig ist, dauerhaft am Ball zu bleiben.

    Quellen

    Steffens D, Maher CG, Pereira LS, Stevens ML, Oliveira VC, Chapple M et al. Prevention of Low Back Pain: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Intern Med 2016; 176(2): 199-208.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Kreuzschmerzen: Anzeichen für ernsthafte Ursachen

    In den meisten Fällen haben Kreuzschmerzen keine eindeutige Ursache, sind ungefährlich und klingen von selbst wieder ab. Nur selten werden sie durch eine ernsthafte Erkrankung wie einen Knochenbruch oder eine Infektion verursacht. Dies lässt sich häufig an bestimmten Symptomen erkennen.

    Die folgenden Beschwerden können Anzeichen für ein ernsthaftes gesundheitliches Problem sein. Wer Kreuzschmerzen hat und eines oder mehrere dieser Symptome wahrnimmt, sollte zur Ärztin oder zum Arzt gehen und sich genauer untersuchen lassen:

    • Schmerzen, die bis über das Knie oder in den Fuß ausstrahlen und mit Taubheits-, Kribbelgefühlen oder Lähmungen verbunden sind: Solche ausstrahlenden Schmerzen können auf drohende Schäden an den Nerven hindeuten, die im unteren Wirbelsäulenbereich aus dem Rückenmark austreten.
    • Probleme beim Wasserlassen oder mit dem Stuhlgang: Diese Symptome können, ebenso wie Gefühlsstörungen im Gesäßbereich (Damm und After), auf drohende Schäden an den Nerven in der Steißbeinregion hinweisen. Dies ist ein medizinischer Notfall, der sofortige ärztliche Hilfe erfordert.
    • Fieber oder Schüttelfrost: Beides kann im Zusammenhang mit einer Infektion an der Wirbelsäule auftreten.
    • unerklärlicher Gewichtsverlust, körperliche Schwäche und Schmerz, der in der Rückenlage zunimmt: Solche Beschwerden können ein Zeichen für einen Tumor sein. Es kann sich entweder um einen gut- oder bösartigen Tumor im Bereich der Wirbelsäule handeln, oder um Absiedlungen (Metastasen) bösartiger Tumore, wie beispielsweise Brustkrebs oder Prostatakrebs.
    • Kreuzschmerzen nach vorangegangenem Unfall.

    Diese Symptome sind lediglich Hinweise auf mögliche ernsthafte Erkrankungen. Richtig einschätzen lassen sie sich nur gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt. Dabei spielen auch der allgemeine Gesundheitszustand und andere Faktoren wie etwa das Alter eines Menschen oder Risikofaktoren für bestimmte Erkrankungen wie zum Beispiel Osteoporose eine Rolle.

    In den meisten Fällen haben Kreuzschmerzen keine eindeutige Ursache, sind ungefährlich und klingen von selbst wieder ab. Nur selten werden sie durch eine ernsthafte Erkrankung wie einen Knochenbruch oder eine Infektion verursacht. Dies lässt sich häufig an bestimmten Symptomen erkennen.

    Die folgenden Beschwerden können Anzeichen für ein ernsthaftes gesundheitliches Problem sein. Wer Kreuzschmerzen hat und eines oder mehrere dieser Symptome wahrnimmt, sollte zur Ärztin oder zum Arzt gehen und sich genauer untersuchen lassen:

    • Schmerzen, die bis über das Knie oder in den Fuß ausstrahlen und mit Taubheits-, Kribbelgefühlen oder Lähmungen verbunden sind: Solche ausstrahlenden Schmerzen können auf drohende Schäden an den Nerven hindeuten, die im unteren Wirbelsäulenbereich aus dem Rückenmark austreten.
    • Probleme beim Wasserlassen oder mit dem Stuhlgang: Diese Symptome können, ebenso wie Gefühlsstörungen im Gesäßbereich (Damm und After), auf drohende Schäden an den Nerven in der Steißbeinregion hinweisen. Dies ist ein medizinischer Notfall, der sofortige ärztliche Hilfe erfordert.
    • Fieber oder Schüttelfrost: Beides kann im Zusammenhang mit einer Infektion an der Wirbelsäule auftreten.
    • unerklärlicher Gewichtsverlust, körperliche Schwäche und Schmerz, der in der Rückenlage zunimmt: Solche Beschwerden können ein Zeichen für einen Tumor sein. Es kann sich entweder um einen gut- oder bösartigen Tumor im Bereich der Wirbelsäule handeln, oder um Absiedlungen (Metastasen) bösartiger Tumore, wie beispielsweise Brustkrebs oder Prostatakrebs.
    • Kreuzschmerzen nach vorangegangenem Unfall.

    Diese Symptome sind lediglich Hinweise auf mögliche ernsthafte Erkrankungen. Richtig einschätzen lassen sie sich nur gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt. Dabei spielen auch der allgemeine Gesundheitszustand und andere Faktoren wie etwa das Alter eines Menschen oder Risikofaktoren für bestimmte Erkrankungen wie zum Beispiel Osteoporose eine Rolle.

    Quellen

    Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz. AWMF-Registernr.: nvl-007. 03.2017.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Warum Bewegung bei Rückenschmerzen wichtig ist

    Im Alltag möglichst aktiv zu bleiben und sich regelmäßig zu bewegen, gehört zu den wichtigsten Dingen, die Menschen mit Kreuzschmerzen tun können. Nachweislich helfen können Übungen zur Stärkung der Rumpfmuskulatur sowie Bewegungstherapien mit Übungen aus Pilates, Tai-Chi und Yoga.

    Zu wenig Bewegung kann die Rückenmuskulatur schwächen, langfristig die Schmerzen verstärken – und auch weitere gesundheitliche Probleme zur Folge haben. Deshalb wird Menschen mit Rückenschmerzen heute sehr oft zu „mehr Bewegung“ und „aktiv bleiben“ geraten. Diese Empfehlung hat gute Gründe: Zum einen kann regelmäßige körperliche Bewegung Schmerzen nachweislich lindern. Zum anderen ist es sinnvoll, so gut wie möglich dem normalen Alltag nachzugehen und sich von den Schmerzen nicht zu sehr einschränken zu lassen. Denn wer sich zum Beispiel zurückzieht oder auf Dinge verzichtet, die ihm eigentlich Freude bereiten, wird seine Beschwerden als umso belastender empfinden.

    Es gibt über 100 Studien, die verschiedene Bewegungstherapien untersucht haben. Sie gehören deshalb zu den mit Abstand am besten untersuchten Behandlungen. Bewegung und Sport gehören außerdem zu den wenigen Therapien, für die nachgewiesen ist, dass sie Rückenschmerzen lindern können. Dies ist auch der Grund, warum weltweit fast alle medizinischen Fachgesellschaften bei Rückenschmerzen ein regelmäßiges Bewegungstraining empfehlen.

    Bewegungstherapien können Rückenschmerzen nicht immer völlig zum Verschwinden bringen, aber oft lindern und die allgemeine Fitness und Beweglichkeit verbessern. Studien zeigen außerdem: Wer wiederkehrende Rückenschmerzen hat, kann die Häufigkeit der Schmerzattacken durch regelmäßige Bewegung fast um die Hälfe senken.

    Im Alltag möglichst aktiv zu bleiben und sich regelmäßig zu bewegen, gehört zu den wichtigsten Dingen, die Menschen mit Kreuzschmerzen tun können. Nachweislich helfen können Übungen zur Stärkung der Rumpfmuskulatur sowie Bewegungstherapien mit Übungen aus Pilates, Tai-Chi und Yoga.

    Zu wenig Bewegung kann die Rückenmuskulatur schwächen, langfristig die Schmerzen verstärken – und auch weitere gesundheitliche Probleme zur Folge haben. Deshalb wird Menschen mit Rückenschmerzen heute sehr oft zu „mehr Bewegung“ und „aktiv bleiben“ geraten. Diese Empfehlung hat gute Gründe: Zum einen kann regelmäßige körperliche Bewegung Schmerzen nachweislich lindern. Zum anderen ist es sinnvoll, so gut wie möglich dem normalen Alltag nachzugehen und sich von den Schmerzen nicht zu sehr einschränken zu lassen. Denn wer sich zum Beispiel zurückzieht oder auf Dinge verzichtet, die ihm eigentlich Freude bereiten, wird seine Beschwerden als umso belastender empfinden.

    Es gibt über 100 Studien, die verschiedene Bewegungstherapien untersucht haben. Sie gehören deshalb zu den mit Abstand am besten untersuchten Behandlungen. Bewegung und Sport gehören außerdem zu den wenigen Therapien, für die nachgewiesen ist, dass sie Rückenschmerzen lindern können. Dies ist auch der Grund, warum weltweit fast alle medizinischen Fachgesellschaften bei Rückenschmerzen ein regelmäßiges Bewegungstraining empfehlen.

    Bewegungstherapien können Rückenschmerzen nicht immer völlig zum Verschwinden bringen, aber oft lindern und die allgemeine Fitness und Beweglichkeit verbessern. Studien zeigen außerdem: Wer wiederkehrende Rückenschmerzen hat, kann die Häufigkeit der Schmerzattacken durch regelmäßige Bewegung fast um die Hälfe senken.

    Keine Angst vor Bewegung

    Trotz Schmerzen aktiv zu bleiben, fällt oft schwer. Manche Menschen haben auch Angst, sich zu bewegen. Sie fürchten, dass die Schmerzen ein Zeichen für eine Rückenverletzung sind. Bei unspezifischen Rückenschmerzen trifft dies aber nicht zu. Zu ihrer Entstehung tragen meist viele verschiedene Faktoren bei: zum Beispiel eine schwache oder verspannte Rumpfmuskulatur, Fehlbelastungen, eine überempfindliche Schmerzverarbeitung im Gehirn sowie Stress und andere psychische Belastungen. Wichtig ist: Wenn die Ärztin oder der Arzt (seltene) ernsthafte Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen hat, gibt es keinen Grund, sich vor Bewegung zu fürchten.

    Trainingsmöglichkeiten, die sich bewährt haben, sind unter anderem:

    • Programme aus Kräftigungs- und Stabilisierungsübungen für die tiefe Bauch-, Rücken- und Beckenmuskulatur, Ausdauertraining sowie Dehnübungen für die Waden-, Hüft- und Oberschenkelmuskeln.
    • Pilates: Ein Ganzkörpertraining, bei dem ebenfalls viel Wert darauf gelegt wird, die tiefe Rumpfmuskulatur zu stärken.
    • Tai-Chi: Ursprünglich eine fernöstliche Kampfkunst, die heute mit langsamen, fließenden Bewegungen praktiziert wird. Tai-Chi kann Gleichgewicht und Koordination verbessern, die Muskulatur stärken und soll Körper und Geist zur Ruhe bringen.
    • Yoga: Eine altindische Bewegungslehre mit dem Ziel, das Körperbewusstsein und die Gesundheit zu verbessern. Typischerweise werden beim Yoga verschiedene Positionen eingenommen oder Bewegungsfolgen geübt, die Kraft und Beweglichkeit, Körpergefühl und -haltung fördern.
    • Spazieren gehen: Erste Studien deuten darauf hin, dass selbst regelmäßige Spaziergänge oder flottes Gehen (Walking) bei Rückenschmerzen helfen – zum Beispiel jeden zweiten Tag für 30 bis 60 Minuten.

    Eine Ärztin, ein Arzt oder Physiotherapeut kann dabei helfen, eine geeignete Trainingsart zu finden, die zu den persönlichen Voraussetzungen passt und einem Spaß macht. Für Menschen mit Erkrankungen ist es zudem hilfreich, eine Kursleiterin oder einen Trainer mit entsprechender Erfahrung zu suchen.

    Am Anfang ist dann etwas Durchhaltevermögen gefragt: Bis das Training wirkt, dauert es möglicherweise einige Wochen. Zudem muss sich der Körper an die zusätzliche Bewegung gewöhnen. Das kann anstrengend sein und außer zu harmlosem Muskelkater manchmal auch zu einer vorübergehenden Verstärkung der Schmerzen führen.

    Was hilft, dabei zu bleiben?

    Damit das Training auch langfristig hilft, muss man am Ball bleiben. Dies erfordert Motivation und fällt vielen Menschen auf Dauer schwer – vor allem, wenn sie beruflich oder privat sehr eingespannt sind. Wichtig ist dann, einen Weg zu finden, das Training konsequent in den Alltag einzubauen.

    Vielen Menschen gelingt regelmäßige Bewegung besser, wenn sie Kurse an festen Terminen besuchen oder sich mit Freunden zum Training verabreden. Manche packen zum Beispiel schon vor der Arbeit die Sporttasche oder motivieren sich durch Belohnungen. Sinnvoll sind zudem Kontrolltermine in einer Physiotherapie- oder Arztpraxis. Dabei kann auch das Trainingsprogramm angepasst werden.

    Wer während der Arbeit viel im Büro sitzt, kann seinem Rücken mit regelmäßigen Bewegungspausen Gutes tun: Aufstehen, sich recken, kurze Übungen machen und in der Mittagspause spazieren gehen. Manche Menschen motiviert zum Beispiel ein Fitness-Armband, oder sie richten sich am Handy oder Computer Erinnerungen ein.

    Andere Möglichkeiten, mehr Bewegung in den Alltag einzubauen, sind zum Beispiel:

    • Rolltreppen oder Fahrstühle links liegen lassen und stets Treppen laufen.
    • Öfter mal eine Station vor dem Ziel aus der Bahn aussteigen und die restliche Strecke laufen.
    • So viele Strecken wie möglich zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen.
    • Beim Telefonieren mit dem Handy aufstehen und umhergehen.

    Rückenschule

    In einer „Rückenschule“ werden Wissen und Techniken vermittelt, um Kreuzschmerzen vorzubeugen oder zu lindern. Meist umfassen Rückenschul-Kurse einen theoretischen und einen praktischen Teil. Typische Inhalte sind Unterrichtseinheiten über den Aufbau der Wirbelsäule und des Rückens, Anleitungen zu „rückengerechten“ Bewegungen und rückenkräftigender Gymnastik. Rückenschul-Kurse werden zum Beispiel von Fitness-Studios und physiotherapeutischen Praxen angeboten.

    Bisher ist nicht belegt, dass Rückenschul-Kurse bei Kreuzschmerzen helfen können. In Studien halfen manche Programme etwas, andere zeigten keine Wirkung. Das Kursangebot ist jedoch breit, die Inhalte und Ansätze unterscheiden sich zum Teil deutlich. Dies könnte die unterschiedlichen Studienergebnisse erklären.

    Quellen

    Chou R, Deyo R, Friedly J, Skelly A, Hashimoto R, Weimer M et al. Nonpharmacologic Therapies for Low Back Pain: A Systematic Review for an American College of Physicians Clinical Practice Guideline. Ann Intern Med 2017; 166(7): 493-505.

    Medina-Mirapeix F, Escolar-Reina P, Gascon-Canovas JJ, Montilla-Herrador J, Collins SM. Personal characteristics influencing patients' adherence to home exercise during chronic pain: a qualitative study. J Rehabil Med 2009; 41(5): 347-352.

    Oliveira CB, Maher CG, Pinto RZ, Traeger AC, Lin CC, Chenot JF et al. Clinical practice guidelines for the management of non-specific low back pain in primary care: an updated overview. Eur Spine J 2018 [Epub ahead of print].

    Saragiotto BT, Maher CG, Yamato TP, Costa LO, Menezes Costa LC, Ostelo RW et al. Motor control exercise for chronic non-specific low-back pain. Cochrane Database Syst Rev 2016; (1): CD012004.

    Sitthipornvorakul E, Klinsophon T, Sihawong R, Janwantanakul P. The effects of walking intervention in patients with chronic low back pain: A meta-analysis of randomized controlled trials. Musculoskelet Sci Pract 2018; 34: 38-46.

    Steffens D, Maher CG, Pereira LS, Stevens ML, Oliveira VC, Chapple M et al. Prevention of Low Back Pain: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Intern Med 2016; 176(2): 199-208.

    Vanti C, Andreatta S, Borghi S, Guccione AA, Pillastrini P, Bertozzi L. The effectiveness of walking versus exercise on pain and function in chronic low back pain: a systematic review and meta-analysis of randomized trials. Disabil Rehabil 2017 [Epub ahead of print].

    Wieland LS, Skoetz N, Pilkington K, Vempati R, D'Adamo CR, Berman BM. Yoga treatment for chronic non-specific low back pain. Cochrane Database Syst Rev 2017; (1): CD010671.

    Yamato TP, Maher CG, Saragiotto BT, Hancock MJ, Ostelo RW, Cabral CM et al. Pilates for low back pain. Cochrane Database Syst Rev 2015; (7): CD010265.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Entspannungstechniken bei Rückenschmerzen

    Wie jemand Schmerzen empfindet und wie gut es einem Menschen gelingt, sie zu bewältigen, wird auch von der Psyche beeinflusst. Stress und psychische Belastungen können Schmerzen zudem verstärken. Hier setzen Entspannungstechniken zur Stressbewältigung an.

    Fast jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens mit Kreuzschmerzen zu tun. Meistens haben sie keine eindeutige Ursache, und die Beschwerden verschwinden nach einigen Tagen oder Wochen von allein. Solche „unspezifischen“ Kreuzschmerzen können jedoch auch länger anhalten oder nach beschwerdefreien Zeiten immer wiederkehren. Dann spricht man von chronischen oder chronisch wiederkehrenden Kreuzschmerzen.

    Neben Bewegungstherapien werden bei unspezifischen Kreuzschmerzen oft auch Entspannungstechniken wie die progressive Muskelentspannung oder autogenes Training eingesetzt. Sie können zum Beispiel in Kursen erlernt werden, die unter anderem von Volkshochschulen angeboten werden. Manche Krankenkassen erstatten einen Teil der Kurskosten. Es gibt auch CDs und Audiodateien zum Selbstlernen.

    Einige Studien liefern Hinweise darauf, dass progressive Muskelentspannung oder Achtsamkeitstraining Kreuzschmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern kann.

    Wie jemand Schmerzen empfindet und wie gut es einem Menschen gelingt, sie zu bewältigen, wird auch von der Psyche beeinflusst. Stress und psychische Belastungen können Schmerzen zudem verstärken. Hier setzen Entspannungstechniken zur Stressbewältigung an.

    Fast jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens mit Kreuzschmerzen zu tun. Meistens haben sie keine eindeutige Ursache, und die Beschwerden verschwinden nach einigen Tagen oder Wochen von allein. Solche „unspezifischen“ Kreuzschmerzen können jedoch auch länger anhalten oder nach beschwerdefreien Zeiten immer wiederkehren. Dann spricht man von chronischen oder chronisch wiederkehrenden Kreuzschmerzen.

    Neben Bewegungstherapien werden bei unspezifischen Kreuzschmerzen oft auch Entspannungstechniken wie die progressive Muskelentspannung oder autogenes Training eingesetzt. Sie können zum Beispiel in Kursen erlernt werden, die unter anderem von Volkshochschulen angeboten werden. Manche Krankenkassen erstatten einen Teil der Kurskosten. Es gibt auch CDs und Audiodateien zum Selbstlernen.

    Einige Studien liefern Hinweise darauf, dass progressive Muskelentspannung oder Achtsamkeitstraining Kreuzschmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern kann.

    Progressive Muskelentspannung

    Die progressive Muskelentspannung ist ein weit verbreitetes Entspannungsverfahren. Sie wird auch Muskelentspannung nach Jacobson oder Tiefenmuskelentspannung genannt. Bei dieser Technik konzentriert man sich auf eine bestimmte Muskelpartie. Sie wird zunächst bewusst entspannt, dann kurz angespannt und anschließend wieder vollständig entspannt. Dieselbe Übung wird mit weiteren Muskelpartien durchgeführt, bis der gesamte Körper gelockert ist.

    Ziel ist, die Körperwahrnehmung zu verbessern und zu lernen, sich bewusst zu entspannen. Dadurch kann ein Zustand körperlicher und psychischer Ruhe erreicht werden. Außerdem sollen Muskelverspannungen gelöst werden, die durch psychische Belastungen verursacht werden. Die gezielte Entspannung soll helfen, besser mit Stress umzugehen.

    Achtsamkeitstraining

    Das sogenannte Achtsamkeitstraining (englisch = Mindfulness-Based-Stress-Reduction, kurz MBSR) hat das Ziel, den eigenen Gedanken und Gefühlen und dem, was um einen herum passiert, mehr Aufmerksamkeit zu schenken – ohne zu bewerten oder verändern zu wollen. Dies soll die Selbstwahrnehmung verbessern und es ermöglichen, Ereignisse, Aktivitäten oder einzelne Momente intensiver zu erleben und zu genießen. Das Training soll auch dabei helfen, negative Gedanken und Gefühle zu erkennen und sich von ihnen zu lösen.

    Ein Achtsamkeitstraining kann aus verschiedenen Übungen bestehen: zum Beispiel, alltägliche Dinge bewusst zu beachten, etwa Sinnesempfindungen beim Essen oder den Wind, der einem beim Spaziergang entgegenweht. Oder man nimmt sich vor, auf Aussagen und Handlungen nicht sofort zu reagieren, sondern zuerst etwas Abstand zu gewinnen. Solche Übungen sollen dabei helfen, automatisierte Reaktionen auf äußere Reize zu verändern. Auch Meditation und Yogaübungen können Bestandteil eines Achtsamkeitstrainings sein.

    Sich auf diese Weise mit sich selbst auseinanderzusetzen, kann manchmal auch unangenehm sein. Wenn zum Beispiel Gefühle wie Trauer, Wut oder Angst bewusster wahrgenommen werden, können sie sich zunächst verstärken. Daher ist ein Achtsamkeitstraining bei bestimmten psychischen Erkrankungen weniger gut geeignet. Dazu gehören zum Beispiel Suchtprobleme, akute Depressionen oder Psychosen und posttraumatische Belastungsstörungen.

    Quellen

    Anheyer D, Haller H, Barth J, Lauche R, Dobos G, Cramer H. Mindfulness-Based Stress Reduction for Treating Low Back Pain: A Systematic Review and Meta-analysis. Ann Intern Med 2017; 166(11): 799-807.

    Chou R, Deyo R, Friedly J, Skelly A, Hashimoto R, Weimer M et al. Noninvasive Treatments for Low Back Pain. 02.2016. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; Band 169).

    Chou R, Deyo R, Friedly J, Skelly A, Hashimoto R, Weimer M et al. Nonpharmacologic Therapies for Low Back Pain: A Systematic Review for an American College of Physicians Clinical Practice Guideline. Ann Intern Med 2017; 166(7): 493-505.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Welche Rolle spielen Medikamente bei unspezifischen Rückenschmerzen?

    Schmerzmittel werden bei Rückenschmerzen nur ergänzend zu aktiven Behandlungen wie Bewegungstherapien empfohlen – zum Beispiel bei starken Schmerzen oder um wieder in Bewegung zu kommen. Wegen ihrer Risiken sollten sie möglichst nicht dauerhaft eingesetzt werden.

    Meist verschwinden Kreuzschmerzen nach einiger Zeit auch ohne Behandlung von allein. Ihre Ursachen sind meist unklar, weshalb sie dann auch „unspezifisch“ genannt werden. Wenn Kreuzschmerzen länger bestehen bleiben oder immer wiederkehren, sind sie oft schwierig zu behandeln. Gute wissenschaftliche Studien haben bisher nur für wenige Therapien gezeigt, dass sie helfen. Aktiv zu bleiben und sich regelmäßig zu bewegen, gehört zu den wirksamsten Dingen, die man selbst tun kann.

    Zur medikamentösen Behandlung stehen rezeptfreie und rezeptpflichtige Schmerzmittel, muskelentspannende Medikamente sowie Antidepressiva zur Verfügung. Da Medikamente gerade bei längerer Einnahme Nebenwirkungen haben können, sollten sie nicht dauerhaft, sondern nur vorübergehend eingesetzt werden – etwa, wenn die Schmerzen besonders stark sind. Zudem wirken Schmerzmittel bei unspezifischen Kreuzschmerzen nur begrenzt.

    Schmerzmittel werden bei Rückenschmerzen nur ergänzend zu aktiven Behandlungen wie Bewegungstherapien empfohlen – zum Beispiel bei starken Schmerzen oder um wieder in Bewegung zu kommen. Wegen ihrer Risiken sollten sie möglichst nicht dauerhaft eingesetzt werden.

    Meist verschwinden Kreuzschmerzen nach einiger Zeit auch ohne Behandlung von allein. Ihre Ursachen sind meist unklar, weshalb sie dann auch „unspezifisch“ genannt werden. Wenn Kreuzschmerzen länger bestehen bleiben oder immer wiederkehren, sind sie oft schwierig zu behandeln. Gute wissenschaftliche Studien haben bisher nur für wenige Therapien gezeigt, dass sie helfen. Aktiv zu bleiben und sich regelmäßig zu bewegen, gehört zu den wirksamsten Dingen, die man selbst tun kann.

    Zur medikamentösen Behandlung stehen rezeptfreie und rezeptpflichtige Schmerzmittel, muskelentspannende Medikamente sowie Antidepressiva zur Verfügung. Da Medikamente gerade bei längerer Einnahme Nebenwirkungen haben können, sollten sie nicht dauerhaft, sondern nur vorübergehend eingesetzt werden – etwa, wenn die Schmerzen besonders stark sind. Zudem wirken Schmerzmittel bei unspezifischen Kreuzschmerzen nur begrenzt.

    Rezeptfreie Schmerzmittel

    Bei Kreuzschmerzen kommen vor allem sogenannte nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen infrage. Sie können die Beschwerden oft etwas lindern. Diese Schmerzmittel sind in niedriger Dosis nicht verschreibungspflichtig. NSAR können eingenommen oder in einen Muskel gespritzt werden. Letzteres wird heute nicht mehr empfohlen, da Spritzen Blutungen oder Entzündungen im Bereich der Einstichstelle verursachen können. Selten kommt es auch zu ernsthaften Komplikationen wie Abszessen oder Nervenschädigungen.

    NSAR-Tabletten können Magenschmerzen auslösen und bei längerfristiger Anwendung Magengeschwüre begünstigen. Außerdem erhöhen sie geringfügig das Risiko für bestimmte Herzerkrankungen. Menschen mit einer Nierenschwäche sprechen vor einer NSAR-Einnahme am besten mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt. Wegen der möglichen Nebenwirkungen ist es sinnvoll, die Vor- und Nachteile der Mittel gut abzuwägen, sie nicht dauerhaft zu nehmen und die richtige Anwendung zu beachten.

    Zwei weitere entzündungshemmende Schmerzmittel mit ähnlicher Wirkung sind Celecoxib und Etoricoxib aus der Gruppe der Cox-2-Hemmer. Sie werden auch Coxibe genannt. Diese Mittel sind zur Behandlung von Kreuzschmerzen nicht zugelassen und werden daher nur selten eingesetzt – zum Beispiel, wenn ansonsten nur eine Behandlung mit Opioiden infrage käme.

    Paracetamol

    Manchmal wird auch das Schmerzmittel Paracetamol zur Behandlung von Kreuzschmerzen eingesetzt. In Studien half es allerdings nicht besser als ein Scheinmedikament (Placebo). Medizinische Fachgesellschaften raten bei Rückenschmerzen daher von dem Mittel ab.

    Wenn man dennoch Paracetamol einnimmt, ist es wichtig, auf die Dosis zu achten: Zu hoch dosiert kann Paracetamol die Leber schädigen und zu Leberversagen führen. Die tägliche Höchstdosis liegt bei 4 Gramm (4000 Milligramm). Dies entspricht zum Beispiel 8 Tabletten mit je 500 Milligramm Paracetamol. Bei richtiger Dosierung ist Paracetamol gut verträglich. Für Menschen mit Lebererkrankungen ist es jedoch nicht geeignet.

    Metamizol („Novalgin“)

    Metamizol ist ein fiebersenkendes und entzündungshemmendes Schmerzmittel, das den NSAR ähnelt. Es gibt keine Studien zu seiner Wirksamkeit bei Kreuzschmerzen, obwohl es hier oft eingesetzt wird. Medizinische Fachgesellschaften sehen es als eine Alternative zu Opioiden bei Menschen mit starken Kreuzschmerzen.

    Die Anwendung von Metamizol ist umstritten, da das Mittel eine zwar seltene, aber sehr schwere Nebenwirkung haben kann, die sogenannte Agranulozytose. Dabei nimmt die Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen im Körper stark ab, was lebensbedrohlich werden kann. Mögliche Anzeichen für eine Agranulozytose sind Fieber, Halsschmerzen und entzündete Schleimhäute. Das Risiko für diese Nebenwirkung wird auf deutlich weniger als 0,1 % geschätzt. Metamizol ist verschreibungspflichtig.

    Opioide

    Wenn andere Behandlungen nicht ausreichen, können Kreuzschmerzen auch mit stärkeren, verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln behandelt werden, den sogenannten Opioiden. Der bekannteste Vertreter dieser Wirkstoffgruppe ist das Morphin. Andere Opioide sind Buprenorphin, Codein, Hydromorphon, Oxycodon, Tapentadol, Tilidin und Tramadol. Opioide unterscheiden sich in ihrer Stärke: Morphin ist zum Beispiel ein sehr starkes, Tramadol ein schwächeres Opioid. Opioide werden auch als Pflaster angeboten.

    Opioide können viele Arten von akuten Schmerzen sehr wirksam lindern. Bei Kreuzschmerzen wirken sie aber weniger gut als oft angenommen: In Studien konnten Opioide die Schmerzen bei etwa 10 % der Betroffenen lindern. Meist helfen sie nicht besser als NSAR.

    Opioide können Nebenwirkungen wie Verstopfung, Übelkeit, sexuelle Lustlosigkeit, Schwindel und Müdigkeit auslösen und die Fahrtüchtigkeit herabsetzen. Zudem besteht ein geringes Risiko für eine lebensbedrohliche Überdosierung. Es ist daher sehr wichtig, sich an die Anwendungshinweise der Ärztin oder des Arztes zu halten und die Dosierung nicht ohne Rücksprache zu erhöhen. Dies gilt auch für opioidhaltige Pflaster (zum Beispiel Fentanylpflaster). Außerdem können Opioide körperlich abhängig machen. Nach Schätzungen aus Studien entwickeln etwa 6 % der Menschen bei längerer Opioid-Anwendung eine Abhängigkeit.

    Opioide sind eine Möglichkeit, wenn andere Behandlungen keine ausreichende Linderung gebracht haben oder NSAR nicht infrage kommen. Sie sollen in der Regel nicht länger als zwölf Wochen eingesetzt werden. Bei einer Behandlung mit Opioiden kann es sinnvoll sein, einen Schmerzspezialisten einzubeziehen, der sich gut mit diesen Mitteln auskennt.

    Muskelrelaxantien

    Muskelrelaxantien sind Medikamente, die die Muskeln entspannen und dadurch Schmerzen lindern sollen. Meist handelt es sich um verschreibungspflichtige Beruhigungsmittel, die auf das zentrale Nervensystem wirken.

    Muskelrelaxantien können akute Rückenschmerzen kurzfristig lindern. Es ist jedoch nicht nachgewiesen, dass sie bei chronischen Kreuzschmerzen helfen.

    Muskelrelaxantien können Nebenwirkungen haben wie Müdigkeit oder Benommenheit. Dies kann die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen und bei älteren Menschen das Sturzrisiko erhöhen. Auch für Menschen, die mit Maschinen umgehen, kann die Einnahme solcher Medikamente problematisch sein. Muskelrelaxantien aus der Gruppe der Benzodiazepine können zudem abhängig machen.

    Bei Rückenschmerzen raten die medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland wegen ihrer Nebenwirkungen von Muskelrelaxantien ab.

    Antidepressiva

    Antidepressiva sind verschreibungspflichtige Medikamente, die gegen Depressionen eingesetzt werden. Einige dieser Mittel sind auch zur Behandlung von chronischen Schmerzen zugelassen. Für die meisten Antidepressiva ist nicht nachgewiesen, dass sie bei chronischen Kreuzschmerzen helfen können. Eine Ausnahme ist der Wirkstoff Duloxetin, der die Beschwerden etwas lindern kann.

    Antidepressiva haben verschiedene Nebenwirkungen wie zum Beispiel Appetitlosigkeit, Übelkeit, Mundtrockenheit und niedriger Blutdruck. Sie können zudem die sexuelle Lust vermindern. Medizinische Fachgesellschaften sprechen sich bei Rückenschmerzen gegen den Einsatz von Antidepressiva aus.

    Injektionsbehandlungen

    Wenn andere Behandlungen bei Kreuzschmerzen nicht helfen, werden häufig sogenannte Injektionsbehandlungen angeboten. Hierbei werden verschiedene schmerzlindernde oder betäubende Medikamente gespritzt, unter anderem:

    • örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika)
    • Kortison
    • Botulinumtoxin (Botox)

    Einige der Medikamente zielen darauf ab, bei gereizten Nervenwurzeln, Sehnen und Bändern den natürlichen Heilungsprozess zu unterstützen, Entzündungen zu lindern oder zu betäuben. Je nach Medikament wird an verschiedene Stellen gespritzt: in die Muskulatur, in die direkte Umgebung von Nerven, Bändern oder Bandscheiben, in die Wirbelgelenke oder in den Raum zwischen den Rückenmarkshäuten (Periduralraum).

    Bislang gibt es keine aussagekräftige Forschung zur Wirkung der einzelnen Injektionsverfahren bei unspezifischen Kreuzschmerzen. Zu Nebenwirkungen kommt es zwar selten, sie können dann aber ernsthafte Komplikationen nach sich ziehen. So kann eine falsch gesetzte Spritze mit einem Betäubungsmittel beispielsweise zu einer Atemlähmung führen. Eine andere Komplikation von Spritzen im Wirbelsäulenbereich sind Infektionen.

    Wegen des unklaren Nutzens und möglicher Risiken sind Injektionsbehandlungen für Menschen mit unspezifischen Kreuzschmerzen nicht sinnvoll. Medizinische Fachgesellschaften raten davon ab.

    Quellen

    Abdel Shaheed C, Maher CG, Williams KA, Day R, McLachlan AJ. Efficacy, Tolerability, and Dose-Dependent Effects of Opioid Analgesics for Low Back Pain: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Intern Med 2016; 176(7): 958-968.

    Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz. AWMF-Registernr.: nvl-007. 03.2017.

    Chou R, Deyo R, Friedly J, Skelly A, Weimer M, Fu R et al. Systemic Pharmacologic Therapies for Low Back Pain: A Systematic Review for an American College of Physicians Clinical Practice Guideline. Ann Intern Med 2017; 166(7): 480-492.

    Chou R, Hashimoto R, Friedly J, Fu R, Dana T, Sullivan S et al. Pain Management Injection Therapies for Low Back Pain. 10.07.2015. (AHRQ Technology Assessments).

    Machado GC, Maher CG, Ferreira PH, Pinheiro MB, Lin CW, Day RO et al. Efficacy and safety of paracetamol for spinal pain and osteoarthritis: systematic review and meta-analysis of randomised placebo controlled trials. BMJ 2015; 350: h1225.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Multimodale Schmerztherapie und kognitive Verhaltenstherapie

    Kreuzschmerzen, die trotz Behandlung nicht verschwinden oder immer wiederkehren, können stark einschränken. Eine Möglichkeit ist dann zu lernen, besser mit den Schmerzen umzugehen – zum Beispiel mithilfe einer kognitiven Verhaltenstherapie oder im Rahmen einer multimodalen Schmerzbehandlung.

    Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gehört zu den wirksamsten Behandlungen bei chronischen Kreuzschmerzen. Während der Behandlung lernt man unter anderem, unnötige Ängste und Gedanken abzubauen, mit denen man sich selbst schadet. Dies kann helfen, besser mit Schmerzen zurechtzukommen und sie dadurch auch zu lindern.

    Unnötig ist zum Beispiel die verbreitete Angst, mit bestimmten Aktivitäten dem Rücken zu schaden. Denn auf Dauer schadet es eher, sich zu schonen – während Bewegung hilft, die Muskulatur zu kräftigen und Schmerzen vorzubeugen. Trotz Schmerzen körperlich aktiv zu bleiben oder wieder zu werden, ist nicht einfach. Wichtig ist, sich realistische Ziele zu setzen und weder zu sehr auf die Schmerzen zu achten noch sie zu verdrängen.

    Die kognitive Verhaltenstherapie kann dabei helfen. Während der Therapie lernt man, negative Gedanken zu erkennen, die zu schädlichem Verhalten führen. Im nächsten Schritt versucht man dann, solche Gedanken zu verändern. Beispiele dafür sind:

    • „Ich muss besonders vorsichtig sein, sonst verletze ich mich und die Beschwerden gehen nie weg.“
    • „Wegen meiner Schmerzen bleibe ich besser zu Hause, sonst werden sie noch schlimmer.“

    Denkmuster wie diese können übertriebene Sorgen auslösen und zur Folge haben, dass man inaktiv wird und sich zurückzieht. Dies kann aber auf Dauer mehr Probleme verursachen und die Schmerzen noch verstärken.

    Kreuzschmerzen, die trotz Behandlung nicht verschwinden oder immer wiederkehren, können stark einschränken. Eine Möglichkeit ist dann zu lernen, besser mit den Schmerzen umzugehen – zum Beispiel mithilfe einer kognitiven Verhaltenstherapie oder im Rahmen einer multimodalen Schmerzbehandlung.

    Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gehört zu den wirksamsten Behandlungen bei chronischen Kreuzschmerzen. Während der Behandlung lernt man unter anderem, unnötige Ängste und Gedanken abzubauen, mit denen man sich selbst schadet. Dies kann helfen, besser mit Schmerzen zurechtzukommen und sie dadurch auch zu lindern.

    Unnötig ist zum Beispiel die verbreitete Angst, mit bestimmten Aktivitäten dem Rücken zu schaden. Denn auf Dauer schadet es eher, sich zu schonen – während Bewegung hilft, die Muskulatur zu kräftigen und Schmerzen vorzubeugen. Trotz Schmerzen körperlich aktiv zu bleiben oder wieder zu werden, ist nicht einfach. Wichtig ist, sich realistische Ziele zu setzen und weder zu sehr auf die Schmerzen zu achten noch sie zu verdrängen.

    Die kognitive Verhaltenstherapie kann dabei helfen. Während der Therapie lernt man, negative Gedanken zu erkennen, die zu schädlichem Verhalten führen. Im nächsten Schritt versucht man dann, solche Gedanken zu verändern. Beispiele dafür sind:

    • „Ich muss besonders vorsichtig sein, sonst verletze ich mich und die Beschwerden gehen nie weg.“
    • „Wegen meiner Schmerzen bleibe ich besser zu Hause, sonst werden sie noch schlimmer.“

    Denkmuster wie diese können übertriebene Sorgen auslösen und zur Folge haben, dass man inaktiv wird und sich zurückzieht. Dies kann aber auf Dauer mehr Probleme verursachen und die Schmerzen noch verstärken.

    Wie wirksam ist die kognitive Verhaltenstherapie?

    Für die kognitive Verhaltenstherapie ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass sie chronische Kreuzschmerzen lindern und die empfundene Beeinträchtigung durch die Beschwerden verringern kann. In einer aussagekräftigen Studie bewirkte die kognitive Verhaltenstherapie im Vergleich zu einer üblichen konservativen Behandlung bei zusätzlich 1 bis 2 von 10 Menschen eine spürbare Besserung. Weitere Studien deuten darauf hin, dass eine KVT auch längerfristig wirksam sein könnte.

    Die kognitive Verhaltenstherapie kann chronische Kreuzschmerzen zwar nicht zum Verschwinden bringen. Sie hilft jedoch, die Schmerzen zu lindern und besser mit ihnen zurechtzukommen. Im Rahmen der Behandlung werden oft auch Entspannungstechniken eingesetzt.

    Wann werden die Kosten der Therapie übernommen?

    Wenn chronische Kreuzschmerzen zu einem erheblichen Leidensdruck führen oder im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung wie Depression auftreten, kann eine Verhaltenstherapie von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden.

    Es kann allerdings eine Weile dauern, einen Behandlungsplatz für eine psychotherapeutische Schmerzbehandlung zu bekommen.

    Multimodale Behandlungsprogramme

    Bei einem multimodalen Behandlungsprogramm wird man von Fachleuten aus verschiedenen therapeutischen Bereichen betreut – meist aus Medizin, Physiotherapie und Psychologie. Die Behandlung kombiniert Bewegung, Schulungen, Entspannungstechniken und die Behandlung mit Medikamenten. Psychotherapeutinnen und -therapeuten vermitteln in Gruppen- oder Einzelgesprächen psychologische Strategien, die helfen, mit chronischen Schmerzen zurechtzukommen und mit Belastungen bei der Arbeit oder in der Familie umzugehen. Multimodale Behandlungsprogramme werden im Rahmen einer Schmerztherapie oder zur Rehabilitation angeboten.

    Multimodale Behandlungsprogramme können Rückenschmerzen auch über längere Zeit lindern. Da sich in Studien vor allem die kognitive Verhaltenstherapie auch längerfristig als hilfreich erwiesen hat, sollte sie in einem Behandlungsprogramm enthalten sein.

    Multimodale Behandlungsprogramme werden vor allem von Schmerzkliniken, psychosomatischen Abteilungen in Krankenhäusern und orthopädischen, psychosomatischen oder rheumatologischen Rehabilitationszentren angeboten. Sie können in einer Klinik (stationär), ambulant oder teils in der Klinik, teils ambulant (teilstationär) stattfinden. Die Behandlungsprogramme dauern mindestens sieben Tage, üblich sind 2 bis 4 Wochen.

    Eine Teilnahme kommt infrage, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben und die Lebensqualität oder Leistungsfähigkeit im Alltag stark beeinträchtigt sind. Sie können durch einen niedergelassenen Arzt verordnet werden, zum Beispiel in einer hausärztlichen, orthopädischen oder schmerzmedizinischen Praxis. Einen Behandlungsplatz bekommt man im Durchschnitt nach drei Monaten.

    Quellen

    Chou R, Deyo R, Friedly J, Skelly A, Hashimoto R, Weimer M et al. Noninvasive Treatments for Low Back Pain. 02.2016. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; Band 169).

    Chou R, Deyo R, Friedly J, Skelly A, Hashimoto R, Weimer M et al. Nonpharmacologic Therapies for Low Back Pain: A Systematic Review for an American College of Physicians Clinical Practice Guideline. Ann Intern Med 2017; 166(7): 493-505.

    Lamb SE, Lall R, Hansen Z, Castelnuovo E, Withers EJ, Nichols V. A multicentred randomised controlled trial of a primary care-based cognitive behavioural programme for low back pain. The Back Skills Training (BeST) trial. Health Technol Assess 2010; 14(41): 1-253.

    Skelly AC, Chou R, Dettori JR, Turner JA, Friedly JL, Rundell SD et al. Noninvasive Nonpharmacological Treatment for Chronic Pain: A Systematic Review. 06.2018. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; Band 209).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Passive Behandlungen: Massagen, Wärme und manuelle Therapien

    Bei Rückenschmerzen helfen passive Behandlungen wie Massagen oder Wärmeanwendungen allenfalls kurzfristig. Manche können das Wohlbefinden verbessern. Um Kreuzschmerzen zu lindern, sind aber vor allem aktive Behandlungen wie Bewegungs- und Krafttraining, Entspannungstechniken oder psychologische Verfahren wichtig.

    Bei unspezifischen Kreuzschmerzen sind aktive Behandlungen nachweislich am wirksamsten. Mit „aktiv“ ist gemeint, dass man selbst an der Behandlung mitarbeitet und lernt, sie auch eigenständig umzusetzen und dabei zu bleiben. Zu den aktiven Behandlungen gehören zum Beispiel Bewegungs- und Krafttraining, Pilates und Yoga sowie Entspannungstechniken. Auch psychologische Behandlungsmethoden wie das Biofeedback oder die kognitive Verhaltenstherapie gehören zu den aktiven Verfahren.

    Bei den sogenannten passiven Behandlungen lässt man sich dagegen behandeln – weil man die Therapie nicht selbst anwenden kann oder keine Eigeninitiative nötig ist. Zu diesen Behandlungen gehören:

    • Akupunktur
    • Elektrotherapien
    • kinesiologisches Taping
    • Kurzwellen-Diathermie
    • Lasertherapie
    • Magnetfeldtherapie
    • manuelle Therapien wie Manipulation und Mobilisation der Wirbelsäule
    • Massagen
    • osteopathische Behandlungen
    • Wärme- und Kälteanwendungen
    • therapeutischer Ultraschall
    • Traktionsbehandlung

    Passive Behandlungen helfen nach bisherigen Erkenntnissen nur kurzfristig oder gar nicht. Viele sind bislang nicht gut in Studien untersucht. Für die meisten Behandlungen aus der Komplementär- und Alternativmedizin wie zum Beispiel die Magnetfeldtherapie gibt es zudem keine wissenschaftlich plausible Wirkungsweise. Oft widersprechen die behaupteten Wirkungsmechanismen den naturwissenschaftlichen Grundprinzipien. Die meisten passiven Behandlungen gehören zu den individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) und werden nicht von den Krankenkassen erstattet.

    Massagen, Wärmeanwendungen oder Akupunktur können zwar das Wohlbefinden steigern, helfen aber nicht langfristig und sind bei chronischen Rückenschmerzen daher keine Lösung. Aus diesem Grund werden solche passiven Therapien in der nationalen Versorgungsleitlinie auch nur als mögliche Ergänzung zu aktiven Behandlungen gesehen.

    Die nationale Versorgungsleitlinie ist eine Zusammenstellung von Empfehlungen zur besseren Versorgung von Menschen mit Rückenschmerzen. Sie wurde von mehreren medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland auf Basis des aktuellen Forschungsstands entwickelt.

    Bei Rückenschmerzen helfen passive Behandlungen wie Massagen oder Wärmeanwendungen allenfalls kurzfristig. Manche können das Wohlbefinden verbessern. Um Kreuzschmerzen zu lindern, sind aber vor allem aktive Behandlungen wie Bewegungs- und Krafttraining, Entspannungstechniken oder psychologische Verfahren wichtig.

    Bei unspezifischen Kreuzschmerzen sind aktive Behandlungen nachweislich am wirksamsten. Mit „aktiv“ ist gemeint, dass man selbst an der Behandlung mitarbeitet und lernt, sie auch eigenständig umzusetzen und dabei zu bleiben. Zu den aktiven Behandlungen gehören zum Beispiel Bewegungs- und Krafttraining, Pilates und Yoga sowie Entspannungstechniken. Auch psychologische Behandlungsmethoden wie das Biofeedback oder die kognitive Verhaltenstherapie gehören zu den aktiven Verfahren.

    Bei den sogenannten passiven Behandlungen lässt man sich dagegen behandeln – weil man die Therapie nicht selbst anwenden kann oder keine Eigeninitiative nötig ist. Zu diesen Behandlungen gehören:

    • Akupunktur
    • Elektrotherapien
    • kinesiologisches Taping
    • Kurzwellen-Diathermie
    • Lasertherapie
    • Magnetfeldtherapie
    • manuelle Therapien wie Manipulation und Mobilisation der Wirbelsäule
    • Massagen
    • osteopathische Behandlungen
    • Wärme- und Kälteanwendungen
    • therapeutischer Ultraschall
    • Traktionsbehandlung

    Passive Behandlungen helfen nach bisherigen Erkenntnissen nur kurzfristig oder gar nicht. Viele sind bislang nicht gut in Studien untersucht. Für die meisten Behandlungen aus der Komplementär- und Alternativmedizin wie zum Beispiel die Magnetfeldtherapie gibt es zudem keine wissenschaftlich plausible Wirkungsweise. Oft widersprechen die behaupteten Wirkungsmechanismen den naturwissenschaftlichen Grundprinzipien. Die meisten passiven Behandlungen gehören zu den individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) und werden nicht von den Krankenkassen erstattet.

    Massagen, Wärmeanwendungen oder Akupunktur können zwar das Wohlbefinden steigern, helfen aber nicht langfristig und sind bei chronischen Rückenschmerzen daher keine Lösung. Aus diesem Grund werden solche passiven Therapien in der nationalen Versorgungsleitlinie auch nur als mögliche Ergänzung zu aktiven Behandlungen gesehen.

    Die nationale Versorgungsleitlinie ist eine Zusammenstellung von Empfehlungen zur besseren Versorgung von Menschen mit Rückenschmerzen. Sie wurde von mehreren medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland auf Basis des aktuellen Forschungsstands entwickelt.

    Akupunktur

    Akupunktur ist eine Behandlung aus der traditionellen chinesischen Medizin, bei der an bestimmten Körperstellen feine Nadeln in die Haut gestochen werden. Nach traditioneller Vorstellung beeinflussen die Nadeln an sogenannten Akupunkturpunkten entlang von Energiebahnen den Energiefluss im Körper und stärken dadurch die Selbstheilungskräfte. Es ist wissenschaftlich jedoch nicht nachgewiesen, dass solche Energiebahnen existieren. Studien zeigen, dass es keine Rolle spielt, an welchen Punkten genau die Nadeln gesetzt werden und ob sie die Haut durchstechen oder nicht.

    Es gibt nur wenige aussagekräftige Studien zu Akupunktur bei chronischen Rückenschmerzen. In der besten Studie half Akupunktur nicht besser als vorgetäuschte Akupunktur. In anderen Studien linderte sie Schmerzen geringfügig besser. Allerdings war die Wirkung nur schwach und nicht von Dauer.

    Durch das Setzen von Akupunkturnadeln kommt es manchmal zu kleinen Blutungen oder Blutergüssen. Um Infektionen zu vermeiden, ist es wichtig, dass sterile Einwegnadeln verwendet werden. Das Risiko für ernsthafte Nebenwirkungen ist gering.

    Elektrotherapie

    Zur Elektrotherapie gehören die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) und die perkutane elektrische Nervenstimulation (PENS). Bei diesen Behandlungen werden Geräte eingesetzt, die im Nervensystem elektrische Reize auslösen. Dadurch soll die Weiterleitung der Schmerzsignale ans Gehirn gehemmt und die Bildung des körpereigenen, schmerzlindernden Hormons Endorphin angeregt werden. Bei der TENS werden Elektroden auf der Haut angebracht, die die Reize durch die Haut (transkutan) übertragen. Bei der PENS werden die elektrischen Reize über Akupunkturnadeln übertragen, die durch die Haut (perkutan) gestochen werden. Die Interferenztherapie ist ein weiteres Verfahren, das ähnlich wie die TENS funktioniert.

    Es ist nicht belegt, dass Elektrotherapien chronische Rückenschmerzen lindern können. Bei der PENS kann es durch die Einstiche zu kleineren Blutungen oder Infektionen kommen.

    Mobilisation und Manipulation der Wirbelsäule

    Mobilisation und Manipulation sind Verfahren aus der manuellen Medizin (von „manus“, lateinisch: Hand). Bei einer Mobilisation werden Gelenke durch eine Therapeutin oder einen Therapeuten langsam innerhalb ihrer Bewegungsgrenzen bewegt. Im Gegensatz dazu werden bei einer Manipulation kleine, ruckartige Bewegungen ausgeführt, die das Gelenk über die Bewegungsgrenzen hinaus dehnen.

    Manipulative Handgriffe werden umgangssprachlich auch als „einrenken“ bezeichnet – die Schmerzen werden aber nicht wirklich durch ein „ausgerenktes“ Gelenk ausgelöst. Manchmal kommt es bei der Manipulation zu kleinen Knackgeräuschen. Sie können durch das Platzen kleiner Gasbläschen in den Gelenken entstehen, ähnlich wie wenn jemand mit den Fingern knackt. Wie die Verfahren wirken sollen, ist nicht genau geklärt – unter anderem werden das Lösen von Muskelverspannungen oder Verklebungen und die Ausrichtung bestimmter Gelenkstrukturen diskutiert.

    Es gibt nur wenige aussagekräftige Studien zur Manipulation und Mobilisation der Wirbelsäule bei chronischen Rückenschmerzen. Es ist mehr Forschung nötig, um die Wirksamkeit dieser Verfahren beurteilen zu können.

    Manuelle Therapien führen manchmal zu Nebenwirkungen wie Muskelkater, kurzfristiger Gelenksteifigkeit, Krämpfen oder vorübergehenden Schmerzen. Ernsthafte Komplikationen bei Gelenkmanipulationen wie Knochenbrüche oder Lähmungserscheinungen sind sehr selten. Dazu könnte es zum Beispiel kommen, wenn jemand Osteoporose hat oder ein Bandscheibenvorfall hervorgerufen oder verstärkt wird.

    Massagen

    Massagen sind eine traditionelle Behandlungsform bei Rückenschmerzen. Sie sollen die Muskeln lockern, schmerzhafte Verspannungen beseitigen und insgesamt das Wohlbefinden steigern.

    Es gibt verschiedene Formen von Massagen. Weit verbreitet sind unter anderem die klassische (schwedische) Massage, Thai-Massage sowie die Akupressur. Die Methoden unterscheiden sich in den angewendeten Handgriffen und darin, welche Körperbereiche massiert werden. Auch welcher Druck ausgeübt und ob mit der Hand, den Fingerspitzen oder mit Hilfsmitteln gearbeitet wird, ist verschieden.

    Massagen können chronische Rückenschmerzen kurzfristig etwas lindern, haben aber keine anhaltende Wirkung. Je nachdem, wie viel Druck auf die betroffenen Bereiche ausgeübt wird, kann es während oder kurz nach einer Massage zu Schmerzen kommen. Manche Menschen reagieren allergisch auf Massageöl, zum Beispiel mit Hautausschlag.

    Osteopathie

    Die Osteopathie gehört zu den komplementären Therapieverfahren. Ihr liegt die Vorstellung zugrunde, dass sich alle Körperstrukturen und -funktionen gegenseitig beeinflussen. Demnach sollen sich Störungen und Erkrankungen zum Beispiel in einem Gelenk oder Organ auf andere Bereiche des Körpers auswirken. Als Verbindung aller Strukturen und Organe des Körpers kommt dem Bindegewebe in der Osteopathie eine besondere Bedeutung zu. Dieses Konzept ist wissenschaftlich nicht bewiesen.

    In der Osteopathie wird ausschließlich mit den Händen untersucht und behandelt. Zunächst wird zum Beispiel nach Bewegungseinschränkungen, Verhärtungen, Verspannungen und anderen Gewebeveränderungen getastet. Bestimmte Dehn-, Massage- und Grifftechniken sollen dann helfen, sie zu lösen. Ein Beispiel für ein in der Osteopathie eingesetztes Behandlungsverfahren ist die „Muskelenergietechnik“. Durch eine Kombination aus Muskelanspannung und Dehnung sollen dabei Verspannungen gelöst werden. Bisherige Studien zu osteopathischen Behandlungen bei Rückenschmerzen zeigen widersprüchliche Ergebnisse. Dass die Muskelenergietechnik hilft, ist nicht nachgewiesen.

    In Deutschland ist die Berufsbezeichnung Osteopath nicht geschützt und es ist keine standardisierte Ausbildung vorgeschrieben.

    Sonstige Behandlungen

    Es ist nicht nachgewiesen, dass kinesiologisches Taping, Kurzwellen-Diathermie, Lasertherapie, Magnetfeldtherapie, therapeutischer Ultraschall und andere Behandlungsverfahren bei Rückenschmerzen helfen können.

    Quellen

    Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz. AWMF-Registernr.: nvl-007. 03.2017.

    Chenot JF, Greitemann B, Kladny B, Petzke F, Pfingsten M, Schorr SG. Nichtspezifischer Kreuzschmerz. Dtsch Arztebl Int 2017; 114(51-52): 883-890.

    Chou R, Deyo R, Friedly J, Skelly A, Hashimoto R, Weimer M et al. Noninvasive Treatments for Low Back Pain. 02.2016. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; Band 169).

    Chou R, Deyo R, Friedly J, Skelly A, Hashimoto R, Weimer M et al. Nonpharmacologic Therapies for Low Back Pain: A Systematic Review for an American College of Physicians Clinical Practice Guideline. Ann Intern Med 2017; 166(7): 493-505.

    Franke H, Franke JD, Fryer G. Osteopathic manipulative treatment for nonspecific low back pain: a systematic review and meta-analysis. BMC Musculoskelet Disord 2014; 15: 286.

    Franke H, Fryer G, Ostelo RW, Kamper SJ. Muscle energy technique for non-specific low-back pain. Cochrane Database Syst Rev 2015; (2): CD009852.

    Nielsen SM, Tarp S, Christensen R, Bliddal H, Klokker L, Henriksen M. The risk associated with spinal manipulation: an overview of reviews. Syst Rev 2017; 6(1): 64.

    Skelly AC, Chou R, Dettori JR, Turner JA, Friedly JL, Rundell SD et al. Noninvasive Nonpharmacological Treatment for Chronic Pain: A Systematic Review. 06.2018. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; Band 209).

    Wu LC, Weng PW, Chen CH, Huang YY, Tsuang YH, Chiang CJ. Literature Review and Meta-Analysis of Transcutaneous Electrical Nerve Stimulation in Treating Chronic Back Pain. Reg Anesth Pain Med 2018; 43(4): 425-433.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Mit chronischen Kreuzschmerzen leben

    Kreuzschmerzen, die trotz Behandlung nicht mehr weggehen oder immer wiederkehren, können das Leben stark einschränken. Eine Möglichkeit ist dann zu lernen, besser mit den Schmerzen umzugehen, anstatt immer wieder gegen sie anzukämpfen oder verzweifelt jede erdenkliche Behandlung auszuprobieren.

    Chronische Kreuzschmerzen können sehr belastend sein und zu dem Gefühl führen, seiner Familie oder den Anforderungen im Beruf nicht mehr gerecht zu werden. Die Schmerzen behindern oft auch Freizeitaktivitäten wie Freunde zu treffen oder Hobbys nachzugehen. Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen berichten häufig, dass sie sich von ihren Schmerzen zeitweise überwältigt fühlen und sich zurückziehen. Einige erzählen lange Zeit niemandem von ihren Schmerzen oder haben ein schlechtes Gewissen, weil sie glauben, ihren Partnern oder anderen Angehörigen zur Last zu fallen. Der Umgang mit den Schmerzen ist oft besonders schwierig, wenn sie unvermittelt auftreten und an geplanten Aktivitäten hindern.

    Kreuzschmerzen, die trotz Behandlung nicht mehr weggehen oder immer wiederkehren, können das Leben stark einschränken. Eine Möglichkeit ist dann zu lernen, besser mit den Schmerzen umzugehen, anstatt immer wieder gegen sie anzukämpfen oder verzweifelt jede erdenkliche Behandlung auszuprobieren.

    Chronische Kreuzschmerzen können sehr belastend sein und zu dem Gefühl führen, seiner Familie oder den Anforderungen im Beruf nicht mehr gerecht zu werden. Die Schmerzen behindern oft auch Freizeitaktivitäten wie Freunde zu treffen oder Hobbys nachzugehen. Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen berichten häufig, dass sie sich von ihren Schmerzen zeitweise überwältigt fühlen und sich zurückziehen. Einige erzählen lange Zeit niemandem von ihren Schmerzen oder haben ein schlechtes Gewissen, weil sie glauben, ihren Partnern oder anderen Angehörigen zur Last zu fallen. Der Umgang mit den Schmerzen ist oft besonders schwierig, wenn sie unvermittelt auftreten und an geplanten Aktivitäten hindern.

    Die Schmerzen besser verstehen

    Für viele Menschen mit chronischen Schmerzen ist es frustrierend, nicht genau zu wissen, woher die Beschwerden stammen. Einige zweifeln deshalb an sich selbst – und manchen wird sogar vorgeworfen, dass sie sich ihre Beschwerden nur einbilden. Dass keine eindeutige Ursache für die Schmerzen gefunden wird, heißt aber nicht, dass sie nur eingebildet sind. Dies ist für Arbeitgeber, Angehörige und Freunde nicht immer leicht zu verstehen und kann zu Konflikten führen. Für Betroffene ist es oft verletzend, wenn ihre Schmerzen nicht ernst genommen werden und sie sich nicht verstanden fühlen.

    Es kann hilfreich sein, besser zu verstehen, was bei chronischen Schmerzen passiert. Dies kann auch helfen, anderen chronische Schmerzen besser zu erklären.

    Schmerzen akzeptieren und bewältigen

    Chronische Kreuzschmerzen sind normalerweise nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen. Oft helfen Therapien kaum, nur kurzzeitig oder nicht allen Betroffenen in gleichem Maße. Häufig lässt sich auch nicht sagen, ob eine Behandlung hilft, weil sie wissenschaftlich nicht ausreichend untersucht ist. Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen müssen daher zum Teil selbst herausfinden, was ihnen und ihrem Rücken guttut.

    Gleichzeitig haben manche Behandlungen Nachteile. Alle nur erdenklichen Therapien auszuprobieren, ist daher nicht sinnvoll – auch wegen ihrer Kosten und dem damit verbundenen Aufwand.

    Langfristig hilft es vielen Menschen mehr, die chronischen Beschwerden zu akzeptieren und sich darauf zu konzentrieren, im Alltag mit den Schmerzen zurechtzukommen. Vielen Betroffenen gelingt es nach einiger Zeit, ihre Beschwerden in den Griff zu bekommen und sich im Alltag nicht zu sehr davon einschränken zu lassen.

    Manche Menschen berichten, dass sie sich besser fühlen, wenn sie sich statt auf die Schmerzen auf andere Dinge konzentrieren. Einigen hilft es, sich für alle Aktivitäten etwas mehr Zeit zu nehmen und ihren Alltag an die veränderte Belastungsfähigkeit anzupassen. Auch wenn es nicht immer leicht ist: Mit der Zeit lernen viele Menschen mit chronischen Kreuzschmerzen, ihren Alltag aktiv zu gestalten und ihre Lebensqualität wiederzufinden. Dabei können auch Behandlungsmethoden wie die kognitive Verhaltenstherapie und multimodale Behandlungsprogramme helfen.

    Quellen

    Busch H. Appraisal and coping processes among chronic low back pain patients. Scand J Caring Sci 2005; 19(4): 396-402.

    Campbell C, Guy A. 'Why can't they do anything for a simple back problem?' A qualitative examination of expectations for low back pain treatment and outcome. J Health Psychol 2007; 12(4): 641-652.

    Cook FM, Hassenkamp A. Active rehabilitation for chronic low back pain: the patient’s perspective. Physiotherapy 2000; 86(2): 61-68.

    Coole C, Drummond A, Watson PJ, Radford K. What concerns workers with low back pain? Findings of a qualitative study of patients referred for rehabilitation. J Occup Rehabil 2010; 20(4): 472-480.

    Corbett M, Foster NE, Ong BN. Living with low back pain-Stories of hope and despair. Soc Sci Med 2007; 65(8): 1584-1594.

    Crowe M, Whitehead L, Gagan MJ, Baxter GD, Pankhurst A, Valledor V. Listening to the body and talking to myself - the impact of chronic lower back pain: a qualitative study. Int J Nurs Stud 2010; 47(5): 586-592.

    Glenton C. Chronic back pain sufferers - striving for the sick role. Soc Sci Med 2003; 57(11): 2243-2252.

    Medina-Mirapeix F, Escolar-Reina P, Gascon-Canovas JJ, Montilla-Herrador J, Collins SM. Personal characteristics influencing patients' adherence to home exercise during chronic pain: a qualitative study. J Rehabil Med 2009; 41(5): 347-352.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Kreuzschmerzen - Erfahrungsbericht - Ingrid

    „Manchmal akzeptiere ich die Schmerzen und manchmal möchte ich mich in die Ecke setzen und heulen.“

    Ingrid, 67 Jahre

    „Manchmal akzeptiere ich die Schmerzen und manchmal möchte ich mich in die Ecke setzen und heulen.“

    Als die Beschwerden anfingen, war ich etwa 48 Jahre alt. Ich hatte Rückenschmerzen und bin irgendwann damit zum Arzt gegangen. Als Ursache wurde ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert. Ich wurde daraufhin im Krankenhaus behandelt und meine Beine wurden hoch gelagert (A.d.R. Stufenlagerung). Das hat aber nur kurzzeitig geholfen. Dann habe ich Spritzen mit betäubenden Medikamenten, sogenannte Blockaden bekommen. Die haben mir nicht geholfen und ich wurde operiert. Nach der Operation ging es mir eine Zeit lang ganz gut. Aber einige Wochen später haben die Schmerzen wieder angefangen. Zuerst wussten die Ärzte nicht, was los war. Heute gehen sie davon aus, dass die Narbe von der Operation auf die Nervenwurzel drückt und die erneuten Schmerzen verursacht.

    Ich konnte nur sehr schlecht sitzen. Zum Beispiel konnte ich nicht mehr in einem Restaurant essen gehen. Bis das Essen kam, musste ich mehrfach aufstehen und immer wieder von einer Pobacke auf die andere rutschen, weil ich sonst die Schmerzen nicht ausgehalten hätte. Ich war dadurch nicht so gut aufgelegt und man unterhält sich auch nicht, sondern ist mit seinen Schmerzen beschäftigt. Das war eine schwierige Zeit.

    In der Zwischenzeit ist mein Mann gestorben. Das hat mich sehr belastet und niedergedrückt. Er konnte mich mit meinen Schmerzen sehr gut auffangen. Als er dann nicht mehr da war, habe ich noch im Büro gearbeitet, war aber schon ziemlich oft krankgeschrieben. Die Krankenkasse hat mir dann vorgeschlagen, in Rente zu gehen. Wenn man plötzlich alleine ist und dann auch nicht mehr arbeiten soll, das ist schon schwierig. Ich musste manchmal ganz schön schlucken. Aber ich habe es geschafft, damit zurechtzukommen.

    Ich fand es für mich sehr wichtig, zu einem Schmerzspezialisten zu gehen

    Von meinem Arzt habe ich Spritzen mit starken Schmerzmitteln bekommen. Mit diesen Medikamenten habe ich regelrecht „neben der Kappe“ gestanden. Mir war damit gar nicht wohl. Am Anfang haben die Spritzen etwa drei Wochen geholfen, später dann nur noch etwa zwei Wochen. Ich hatte damals einen sehr guten Orthopäden. Er hat zu mir gesagt: „Ich komme bei Ihnen nicht mehr weiter. Ich schicke Sie zu einem Schmerztherapeuten.“

    Der Schmerztherapeut hat mir anfangs auch Spritzen gegeben. Später hat er mir dann eine sogenannte Schmerzpumpe vorgeschlagen (Anmerkung der Redaktion: mit einer Schmerzpumpe werden über einen Katheter Schmerzmittel in die Nähe des Rückenmarkskanals geleitet). Da war ich zuerst dagegen. Dann sind aber die Zeiträume zwischen den Spritzen wieder geschrumpft, bis ich alle paar Tage spritzen musste. In den Spritzen war auch Kortison enthalten und ich habe dann schon gemerkt, dass die Haut sehr empfindlich geworden ist. Daraufhin hat mir der Schmerztherapeut wieder eine Pumpe vorgeschlagen.

    Ich habe dann eingewilligt und so eine Pumpe wurde mir zum Ausprobieren im Krankenhaus eingesetzt. Zu Hause sollte ich dann testen, wie es unter Belastung ist. Und es ging ganz gut. Deshalb habe ich mich für die Pumpe entschieden. Seitdem geht es mir ganz gut. Am Anfang musste ich mich erst daran gewöhnen, aber das ist ja normal.

    Ich hatte verständnisvolle Ärzte. Das ist nicht selbstverständlich. Manche Ärzte halten nicht viel von Schmerzmitteln oder überweisen ungern an andere Ärzte. Ich fand es für mich sehr wichtig, zu einem Schmerzspezialisten zu gehen. Wenn der behandelnde Arzt mit so einer Überweisung nicht einverstanden ist, dann besteht ja immer die Möglichkeit, den Arzt zu wechseln.

    Ich musste lernen, andere um Hilfe zu fragen

    Ich bin damals auch ziemlich lang mit Krücken gelaufen. Das war ganz schön belastend. Da hat mir mein Orthopäde gesagt: „Nehmen Sie doch einen Rollator“. Ich habe das damals zuerst abgelehnt, weil ich dachte, dass das etwas für alte Leute ist. Dann habe ich mich doch dazu entschlossen, weil es mir auf den Keks gegangen ist, dass ich oft nicht wusste wohin mit meinen Krücken. Und heute gehe ich gar nicht mehr ohne den Rollator aus dem Haus. Ich brauche jetzt beispielsweise auch keinen Einkaufswagen mehr, das ist ganz praktisch. Das ist für mich eine große Erleichterung.

    Wenn ich keine für mich schwierigen Bewegungen mache – etwa Gartenarbeit oder einen Schrank ausräumen –, dann geht es mit meinen Rückenschmerzen jetzt ganz gut. Manchmal akzeptiere ich die Schmerzen und manchmal möchte ich mich in die Ecke setzen und heulen. Aber das tut dann auch mal gut.

    Ich habe jetzt schon über zehn Jahre eine Putzfrau. Ich konnte nicht mehr staubsaugen. Das war eine Bewegung, die mir überhaupt nicht gut tat. Die Entscheidung damals war gar nicht so einfach. Am Anfang haben andere gesagt: „Was, Du nimmst Dir eine Putzfrau?“ Das sind Reaktionen, wenn Leute nicht wissen, wie es einem geht. Wenn man einen Gips hat, dann sieht jeder, dass man krank ist.

    Irgendwann musste ich mich entscheiden: für die Pumpe, für den Rollator, für die Putzfrau. Und ich musste lernen, andere nach Hilfe zu fragen. Ob jetzt ein Nagel in die Wand zu schlagen ist oder jemand auf eine Leiter steigen muss. Man muss lernen, dass man andere um Hilfe fragt. Das ist nicht so einfach, man möchte ja die Dinge selber machen.

    Wichtig für mich ist, dass man sich aussprechen kann

    Mein Bekanntenkreis ist mir sehr wichtig, gerade weil ich alleine bin. Die fragen schon: „Wir fahren dorthin und kannst Du so lange sitzen und magst Du mit?“ Die wissen inzwischen, dass ich Probleme mit langem Sitzen habe. Und wenn wir zu einem Vortrag gehen, schaue ich schon, dass ich in der hintersten Reihe sitze oder am Rand, wo ich jederzeit aufstehen kann.

    Was mir viel bedeutet, ist die Selbsthilfegruppe. Wir treffen uns einmal im Monat und das ist sehr schön. Manchmal gibt es Vorträge, wir machen einen Ausflug und wir können jederzeit telefonieren. Ich möchte die Gruppe nicht mehr missen. Wichtig für mich ist, dass man sich aussprechen kann. Wenn es einem psychisch nicht so gut geht, kann man immer jemanden anrufen. Manchmal quasselt man eine halbe Stunde und dann geht es einem wieder besser. Man hat einen Ansprechpartner. Es ist ein besonderes Verständnis füreinander da und die Erfahrungen, die man teilt, verbinden.

    Heute kann ich jede Einladung zum Essen annehmen. Ich kann zwar nicht stundenlang sitzen, aber immerhin kann ich mit weggehen und das ist doch schon viel wert.

    Ich musste lernen, dass man manche Sachen nicht heilen kann. Ich hatte immer gedacht, dass das doch wieder besser werden muss, geheilt werden muss. Ich musste lernen zu akzeptieren und inzwischen gehören die Schmerzen und die Einschränkungen zu mir. Wir sind nicht gerade Freunde, aber man akzeptiert sich.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Kreuzschmerzen - Erfahrungsbericht - Lena

    „Ich habe irgendwann gezweifelt, ob ich diese Schmerzen überhaupt habe, oder ob ich mir das nur einbilde. Das war psychisch sehr belastend für mich.“

    Lena, 25 Jahre

    „Ich habe irgendwann gezweifelt, ob ich diese Schmerzen überhaupt habe, oder ob ich mir das nur einbilde. Das war psychisch sehr belastend für mich.“

    Im Jahr 2008 fing es an, dass mir an besonders stressigen Tagen nach der Arbeit öfter mal ein Schmerz vom Rücken ausgehend in die Beine schoss. Meistens war er aber nach kurzer Zeit wieder verschwunden. Als die Schmerzen immer häufiger auftraten, bin ich zum Arzt gegangen.

    Der Arzt meinte, dass da eigentlich nichts weiter sein dürfte. Zur Sicherheit hat er mich aber zu einer MRT-Untersuchung (Anmerkung der Redaktion: Magnetresonanztomografie) überwiesen. Auf diesen Termin musste ich fünf Wochen warten. In dieser Zeit wurde es immer schlimmer mit den Schmerzen.

    Nach dem MRT sagte der Radiologe zu mir, dass ich einen Bandscheibenvorfall hätte. Er hat mich dann sehr schnell aus der Praxis geschickt, ohne mich weiter zu informieren. Ich war geschockt. Der Neurochirurg, zu dem ich anschließend gegangen bin, hat mich erst mal zwei Wochen krankgeschrieben und mir Schmerztabletten verordnet.

    Ich bin dann zu verschiedenen Ärzten gegangen, um mir die Diagnose bestätigen zu lassen. Aber je mehr Ärzte ich gesehen habe, desto mehr Diagnosen hatte ich. Manchmal hieß es, es ist gar nicht die Bandscheibe, sondern Arthrose oder Wirbelgleiten. Es kam immer mehr dazu. Das hat mich am Ende so verunsichert, dass ich nur ungern zu neuen Ärzten gehen wollte. Und meine Beschwerden wurden nicht besser.

    Die Schmerzen haben sich mit der Zeit so verändert, dass sie nicht mehr nur unter Belastung, sondern auch im Ruhezustand auftraten. Der Schmerz zog in beide Beine, links zog er fast bis zum Knie, rechts bis zum Oberschenkel. Es wurde dann so schlimm, dass ich gar nicht mehr richtig laufen oder mich aufrichten konnte. Aus den zwei Wochen Krankmeldung wurden erst vier, dann sechs Wochen und dann bin ich in das Krankengeld gerutscht.

    Keine der Behandlungen hat mir langfristig geholfen

    Es wurde immer schlimmer und ich immer verzweifelter. Ich habe versucht, alles wahrzunehmen, was mir irgendwie helfen könnte oder wozu Freunde mir geraten haben. Ich war beispielsweise bei einer Heilpraktikerin und einem Osteopathen. Diese Dinge haben mich viel Geld gekostet, aber nicht geholfen.

    In meiner Verzweiflung habe ich nach jedem Strohhalm gegriffen. Wenn jemand gesagt hat, dieses oder jenes hat mir geholfen, dann wollte ich das unbedingt ausprobieren. Ich fühlte mich unter Druck gesetzt, alles zu versuchen.

    Ein Arzt hat mir dann zu einer mikrochirurgischen Operation der Bandscheibe geraten. Nach der Operation ging es für zwei Wochen gut, danach war es schlimmer als vorher. Daraufhin wurde mir eine Rehabilitation bewilligt.

    In der Rehabilitation wurde ich darauf angesprochen, vielleicht meinen Beruf als Krankenschwester zu wechseln. Das hat mir einen richtigen Schlag versetzt. Ich bin regelrecht in eine Depression gerutscht. Ich wollte unbedingt wieder in meinem Beruf arbeiten, das war mein Ziel und das hat mich in der Krankheitsphase aufrecht gehalten. Es gab auch Beratungstermine für Umschulungen. Da habe ich mich geweigert. Ich wollte nicht wahrhaben, dass ich so krank bin, dass ich meinen Beruf wechseln muss.

    Keine der Behandlungen hat mir langfristig geholfen. Es wurden auch sehr oft MRTs gemacht um zu prüfen, ob nicht doch etwas kaputt ist. Aber es war immer alles in Ordnung: keine Nerven eingeklemmt oder so etwas. Aber die Schmerzen waren permanent da. Ich habe irgendwann gezweifelt, ob ich diese Schmerzen überhaupt habe, oder ob ich mir das nur einbilde. Das war psychisch sehr belastend für mich. Es hat mich regelrecht fertig gemacht, dass ich solche Schmerzen hatte, aber keine Ursache dafür zu finden war.

    Ich bin am Ende nur noch zu einem Arzt gegangen – zu dem ich medizinisch und auch persönlich das größte Vertrauen hatte. Er hat mich ernst genommen und auch gesagt, dass er wirklich nicht mehr weiß, wie er mir helfen kann. Auf der einen Seite hört man das als Patientin nicht so gern, aber auf der anderen Seite war ich erleichtert, dass er das so direkt angesprochen hat. Ich habe mich dort sehr gut aufgehoben gefühlt.

    Mein ganzes Leben hat sich um die Schmerzen gedreht

    Mein Alltag hat sich komplett verändert. Meinen Hobbys konnte ich nicht mehr nachgehen. Es ging nicht, einfach mal ins Kino zu gehen, weil ich nicht so lange sitzen konnte. Die einfachsten Unternehmungen mit Freunden gingen nicht mehr. Am Abend auszugehen war nicht möglich, da ich zu große Angst hatte, dass mich einer schubst oder ich ausrutschen könnte. Schwimmen wollte ich auch nicht mehr, da ich durch den Beinschlag die Schmerzen nur noch provoziert habe. Meist war ich in meiner Wohnung oder habe einen kurzen Spaziergang gemacht. Mein Leben war ganz schön begrenzt. Ich konnte nicht lange sitzen, ich konnte nicht lange liegen. Das war immer ein Wechsel aus Stehen, Liegen und Sitzen.

    Mein ganzes Leben hat sich in diesem Jahr um die Schmerzen gedreht. Habe ich Schmerzen? Wo sind die? Wie tief gehen sie? Zu den Schmerzen und der Sorge um meinen Arbeitsplatz kam, dass ich meine langjährige Beziehung beendet habe. Mein damaliger Partner konnte meinen Leidensdruck nicht aushalten und war mir keine Unterstützung mehr. Das war alles ziemlich viel für mich und ich habe eine Psychotherapie begonnen. Das hat mir geholfen, schrittweise aus diesem Loch zu kommen.

    Weg von den Katastrophengedanken

    Zum Beispiel haben wir einen Plan gemacht, wie ich mich verhalten soll, wenn die Schmerzen auftreten. Die Schmerzen haben bei mir ja sofort Katastrophengedanken ausgelöst: Ich kann nicht mehr arbeiten, ich muss in die Klinik…Ich war innerlich regelrecht verkrampft und zu sehr auf meinen Rücken fixiert. In meiner Wahrnehmung war das ganz schrecklich, aber in der Realität gingen die Schmerzen immer relativ schnell weg. Daran haben wir gearbeitet. Wenn ich jetzt eine Schmerzattacke bekomme, dann sage ich mir immer, dass mir Ruhe und Wärme gut helfen und dass die Schmerzen bisher immer wieder weg gegangen sind. Das hilft mir, ruhiger zu werden und nicht gleich diese Katastrophengedanken zu entwickeln.

    Eine Psychotherapie zu machen ist sicher kein einfacher Schritt, da man ja eigentlich nur Schmerzen hat und keine psychischen Probleme. Aber ich habe mich durch die Schmerzen schon verändert, mein Alltag hat sich verändert, mein Umfeld hat sich verändert. Es hat ja auch meine Familie und Freunde belastet, wenn ich erzählt habe, dass es nicht besser wird und ich eigentlich nicht mehr kann. Es hat mir gut getan, jemanden zu haben, der mir zuhört und mir hilft und unabhängig ist. Das hat mir sehr viel gebracht.

    Was mir auch sehr geholfen hat, war die Physiotherapie. Dort habe ich gelernt, wie ich gerade sitze, wie ich richtig stehe und richtig laufe. Ich war ja total verkrampft und hatte dadurch ein ganz falsches Gangbild. Ich habe viele Kraftübungen gemacht, die ich teilweise auch zu Hause durchführen konnte. Am Anfang hatte ich Schmerzen dabei, aber die Erklärungen der Physiotherapeuten, dass die Muskeln der Stabilität dienen und dass ich sie unbedingt brauche, haben dazu geführt, dass ich die Übungen auch mit Schmerzen gemacht habe.

    Wieder zu arbeiten, hat mir gut getan

    Ein Jahr nachdem meine Schmerzen begonnen hatten, habe ich mit einer beruflichen Wiedereingliederung angefangen. Zuerst stundenweise, später wurde der Umfang langsam gesteigert. Ich habe mit meinem Arbeitgeber gesprochen und in einem anderen Bereich angefangen, mit einer eher sitzenden und körperlich nicht so anstrengenden Tätigkeit. Die Wiedereingliederung hat zweieinhalb Monate gedauert, dann bin ich wieder in Vollzeit arbeiten gegangen.

    Der Gedanke meiner Therapeutin und meines Arztes war, dass es vielleicht gut wäre, wenn ich wieder einen geregelten Tagesablauf bekäme. Und das war auch gut so. Ich wurde auf der Arbeit wieder gebraucht und hatte einen ganz normalen Alltag. Mit der Zeit ließ der Schmerz auch nach.

    Dann und wann habe ich bei der Arbeit noch Rückenschmerzen. Auch beim Putzen merke ich es oft. Da nimmt man ja manchmal schon Haltungen ein, die nicht immer rückengerecht sind. Oder beim Einkaufen muss ich die Taschen tragen, auch wenn ich die Last verteile, merke ich das im Rücken.

    Ich bin jetzt wieder aktiver

    Wenn ich andere Schmerzen habe, dann nehme ich das ziemlich locker hin. Wenn es Rückenschmerzen sind, fällt mir das nach wie vor schwer. Ich habe immer noch Angst, dass es etwas Größeres sein könnte. Wenn ich mir damals beispielsweise mal das Knie gestoßen habe, dann war das eher eine Erleichterung für mich, da ich einen anderen Schmerz gespürt habe als diese Rückenschmerzen, die permanent da waren.

    Meinen Freunden habe ich damals regelrecht verboten nachzufragen, wie es mir geht. Man wird ja ständig gefragt. Weil es aber keine Besserung gab, hat mich diese Frage eher runtergezogen als aufgebaut. Im Nachhinein sagen jetzt schon viele Freunde, dass der Kontakt mit mir in dieser Zeit unangenehm war. Ich war auch oft in depressiver Stimmung, so dass man mit mir nicht viel anfangen konnte. Umso zufriedener bin ich jetzt, dass wir trotzdem Freunde geblieben sind. Auch, dass wir über diese Zeit reden können. Für mich ist dadurch klar geworden, dass es auch für mein Umfeld eine schwierige Zeit war. Ich habe mir in diesem Frühjahr ein neues Fahrrad gekauft und kann jetzt endlich wieder Rad fahren. Das war ein echtes Highlight für mich. Ich bin jetzt wieder aktiver und gehe mehr raus. Das tut mir gut. Auch kann ich wieder mit ausgestreckten Beinen auf dem Rücken liegend schlafen. Das hört sich für Außenstehende vielleicht banal an, aber wenn man so Sachen gar nicht kann und diese dann wieder möglich sind, dann ist das sehr erleichternd.

    Ich würde nicht mehr zu einem dritten, vierten oder fünften Arzt gehen

    Was mir wichtig ist: Viele Menschen mit Rückenschmerzen haben das Bedürfnis, zu allen möglichen Ärzten, Heilpraktikern und Osteopathen zu gehen und jede Therapie auszuprobieren, die irgendjemand empfohlen hat. Man soll meiner Meinung nach nicht irgendwohin gehen, nur weil jemand das gesagt hat. In der Verzweiflung probiert man alles, aber dabei kann man leicht an Menschen geraten, die nur ihr Geld machen wollen. Am Ende haben die meisten Dinge nichts gebracht.

    Ich denke heute, dass es schon gut ist, wenn ein anderer Arzt die Diagnose überprüft. Aber ich würde nicht mehr zu einem dritten, vierten oder fünften Arzt gehen. Das hat mich nicht nur verunsichert, sondern war auch ein extremer zeitlicher Aufwand bei den vielen Terminen.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.