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Divertikelkrankheit und Divertikulitis

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    Überblick

    Divertikel sind Ausstülpungen der Darmschleimhaut, in denen sich Stuhl ablagern kann. Die kleinen ballonförmigen Divertikel sind oft harmlos, können aber zu Darmbeschwerden und Schmerzen führen. Wir informieren darüber, wann sie behandelt werden und wie sich vorbeugen lässt.

    Einleitung

    Divertikel sind Ausstülpungen der Darmschleimhaut: An den betroffenen Stellen wölbt sich die Darminnenwand durch die Darmmuskulatur nach außen. Dadurch entstehen meist kleine ballonförmige Ausstülpungen im Darm, in denen sich Stuhl ablagern kann. Divertikel sind oft harmlos, können aber zu Darmbeschwerden und Schmerzen führen. Etwas vereinfacht, werden drei Formen unterschieden:

    • Divertikulose: Die Darminnenwand wölbt sich an mehreren Stellen nach außen. Die Ausstülpungen bereiten jedoch keine Beschwerden.
    • Divertikelkrankheit: Die Ausstülpungen führen zu Beschwerden oder zu Komplikationen.
    • Divertikulitis: Die Ausstülpungen sind entzündet.

    Divertikel können zu wiederkehrenden oder dauerhaften Beschwerden führen. Dies wird als chronische Divertikelkrankheit bezeichnet. Eine Divertikulitis ist meist gut behandelbar, kann aber ernste Folgen haben, wenn sich die Entzündung ausbreitet.

     

    Grafik: Divertikel und Divertikulitis - wie im Text beschrieben Divertikel und Divertikulitis

    Symptome

    Die meisten Divertikel machen keine Beschwerden. Eine Divertikelkrankheit äußert sich meist durch Schmerzen im linken Unterbauch, seltener im rechten. Weiterhin kann es zu Blähungen, Verstopfung oder Durchfall kommen. Die Beschwerden verschwinden oft vorübergehend, können aber auch von Dauer sein. Häufig sind sie nach dem Essen stärker, nach dem Stuhlgang dagegen schwächer. Divertikel können manchmal auch bluten.

    Bei einer Divertikelentzündung (Divertikulitis) treten plötzlich dumpfe Schmerzen im Unterbauch auf, begleitet von leichtem Fieber. Weitere Anzeichen sind Verstopfung, Durchfall, Blähungen und Übelkeit, manchmal auch Krämpfe. Erbrechen ist eher selten. Wenn die Ärztin oder der Arzt auf den Bauch drückt, spannt sich die Bauchmuskulatur reflexartig an (Abwehrspannung). Beim plötzlichen Loslassen wird der Schmerz stärker.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Divertikel entstehen an Stellen, wo die Darmmuskulatur schwächer ist. Meist bilden sie sich im Sigma, einem etwa 40 bis 45 Zentimeter langen Abschnitt des Dickdarms. In diesem S-förmigen Bereich vor dem Mastdarm ist der Druck des Stuhls auf die Darmwand am höchsten.

    Manche Menschen sind erblich bedingt anfälliger für Divertikel. Ein schwaches Bindegewebe und gestörte Darmbewegungen sind weitere Risikofaktoren. Auch ältere sowie stark übergewichtige Menschen haben häufiger eine Divertikulose.

    Welche Rolle der Lebensstil spielt, ist noch nicht vollständig geklärt. Eine ballaststoffarme Ernährung kann zu Verstopfung und hartem Stuhlgang führen – das spricht dafür, dass sie das Risiko für eine Divertikelkrankheit erhöhen kann. Als weitere Risikofaktoren für die Divertikelkrankheit werden eine Ernährung mit viel rotem Fleisch, Rauchen und wenig körperliche Bewegung vermutet.

    Warum sich Divertikel entzünden und was das Risiko dafür erhöht, ist noch unklar. Es wird davon ausgegangen, dass eine verringerte Durchblutung und die Bildung von Kotsteinen in den Divertikeln Entzündungen begünstigen.

    Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem (zum Beispiel nach einer Organtransplantation) oder mit schweren Nierenerkrankungen kommt es häufiger zu Komplikationen. Vermutlich erhöht auch die längerfristige Einnahme bestimmter Medikamente das Risiko für einen schweren Verlauf. Dazu zählen nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), Kortikoide, Acetylsalicylsäure (ASS) und Opioide.

    Häufigkeit

    Viele Menschen haben eine Divertikulose, ohne davon zu wissen. Mit dem Alter werden Divertikel häufiger: Etwa 10 % der Menschen unter 50 haben Divertikel, bei über 70-Jährigen sind es etwa 50 %. Bei Frauen und Männern kommen sie ähnlich häufig vor.

    Etwa 1 % aller Menschen mit Divertikulose entwickelt innerhalb von zehn Jahren eine Divertikulitis. Die Entzündung kann in jedem Alter auftreten.

    Folgen

    Divertikel bleiben häufig unbemerkt, solange sie nicht zu Beschwerden führen. Sie können aber chronische Verdauungsbeschwerden und Schmerzen verursachen oder sich sogar entzünden.

    Eine Divertikulitis lässt sich meist gut behandeln und heilt dann innerhalb weniger Wochen ab. Etwa 20 % der Betroffenen bekommen in den Jahren danach jedoch mindestens einmal eine erneute Divertikulitis.

    Eine Divertikulitis kann zu Komplikationen führen, wenn die Entzündung auf die Darmwand, die Umgebung oder benachbarte Organe übergreift. Es können sich Eiteransammlungen (Abszesse) und Fisteln bilden. Eine Fistel ist eine röhrenartige Verbindung zwischen zwei Organen, zum Beispiel zwischen Darm und Harnblase.

    Eine seltene, aber schwere Komplikation ist es, wenn ein Loch in der Darmwand entsteht (Darmdurchbruch oder Darmperforation). Wenn Stuhl in den Bauchraum austritt, kann es zu einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung (Peritonitis) kommen. Sie äußert sich meist durch starke Bauchschmerzen, eine harte Bauchdecke, Fieber, Übelkeit, Herzrasen und allgemeine Schwäche. Dann ist es wichtig, die Anzeichen einer Bauchfellentzündung zu erkennen und rasch ärztliche Hilfe zu suchen.

    Bei manchen Menschen entzünden sich Divertikel auch nach einer erfolgreichen Behandlung immer wieder – dann spricht man von einer chronisch-rezidivierenden Divertikulitis. Dadurch können sich vernarbte Verengungen (Stenosen) im Darm bilden, die das Weiterleiten des Stuhls erschweren. Im Extremfall kann ein Darmverschluss (Ileus) die Folge sein. Manche Menschen haben dauerhafte Divertikelbeschwerden, ohne dass der Darm entzündet ist. Das Risiko für Komplikationen ist bei der ersten Divertikulitis am höchsten. Bei wiederkehrenden Entzündungen sinkt das Risiko deutlich. Ihre Folgen sind vor allem chronische Beschwerden wie Stuhlunregelmäßigkeiten, Blähungen und Bauchschmerzen.

    Gut zu wissen: Aus Divertikeln entwickelt sich kein Darmkrebs. Dieser entsteht aus Darmpolypen.

    Diagnose

    Im Untersuchungsgespräch fragt die Ärztin oder der Arzt unter anderem nach Vorerkrankungen und der Einnahme von Medikamenten. Bei der körperlichen Untersuchung wird der Bauch abgehört und ebenso wie der Enddarm abgetastet. Je nach Art der Beschwerden können Blut- und Urinuntersuchungen und eine Messung der Körpertemperatur folgen. In der Regel schließt sich eine Ultraschalluntersuchung an. Steht die Diagnose dann noch nicht fest, kann eine Computertomografie und gegebenenfalls eine Darmspiegelung notwendig sein.

    Durch die Untersuchung müssen auch andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, denn die Beschwerden bei einer Divertikelkrankheit ähneln zum Beispiel einer Blinddarmentzündung oder einem Reizdarmsyndrom.

    Bei einer akuten Divertikulitis wäre eine Darmspiegelung (Koloskopie) zu risikoreich. Häufig wird aber empfohlen, die Untersuchung etwa 4 bis 6 Wochen nach dem Abheilen einer Divertikulitis machen zu lassen. Dadurch soll geprüft werden, ob die Beschwerden nicht doch durch Polypen, Darmkrebs oder andere Erkrankungen bedingt waren.

    Vorbeugung

    Eine ballaststoffreiche Ernährung sorgt dafür, dass der Stuhl nicht zu hart wird. Dies legt nahe, dass sie Menschen mit Divertikeln vor Beschwerden oder Entzündungen schützen könnte. Viele Ballaststoffe finden sich in Vollkornprodukten, Gemüse, Hülsenfrüchten und Obst. Auch körperliche Bewegung regt die Verdauung an; ob sie Beschwerden vorbeugen kann, ist aber bislang unklar.

    In manchen Ernährungsempfehlungen wird von bestimmten Nahrungsmitteln abgeraten, besonders von Nüssen, Körnern, Mais und Popcorn. Man vermutete lange, dass kleine Rückstände dieser Nahrungsmittel in den Divertikeln stecken bleiben und Entzündungen begünstigen. Das konnten Untersuchungen jedoch widerlegen. Man braucht also zum Beispiel nicht auf Nüsse zu verzichten.

    Behandlung

    Divertikel, die keine Beschwerden verursachen, müssen nicht behandelt werden. Die Behandlung einer Divertikulitis hängt vom Schweregrad ab.

    Ihr Ziel ist es,

    • Komplikationen durch die Entzündung zu vermeiden und akute Beschwerden zu lindern,
    • Rückfällen vorzubeugen,
    • und chronische Beschwerden zu lindern.

    Da die Entzündung bei einer Divertikulitis durch Bakterien ausgelöst wird, kann sie mit Antibiotika behandelt werden. Sie sind aber meist nur dann notwendig, wenn Komplikationen auftreten oder das Risiko dafür erhöht ist. Bei Komplikationen kann auch eine Einweisung ins Krankenhaus nötig sein.

    Wenn sich eine akute Divertikulitis nicht bessert oder dauerhafte Beschwerden bestehen, kann der betroffene Teil des Dickdarms durch eine Operation entfernt werden. Wegen der Risiken sollte ein Eingriff allerdings sorgsam abgewogen werden. Bei schweren Komplikationen wie einer Bauchfellentzündung muss dagegen rasch operiert werden.

    Bei chronischen Beschwerden kann es zudem einen Versuch wert sein, sich ballaststoffreicher zu ernähren. Ob probiotische Nahrungsmittel helfen können, ist noch nicht ausreichend geklärt.

    Heute spricht vieles dafür, dass Antibiotika und Operationen seltener nötig sind als lange Zeit gedacht.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Andeweg CS, Berg R, Staal JB, ten Broek RP, van Goor H. Patient-reported Outcomes After Conservative or Surgical Management of Recurrent and Chronic Complaints of Diverticulitis: Systematic Review and Meta-analysis. Clin Gastroenterol Hepatol 2016; 14(2): 183-190.

    Carabotti M, Annibale B, Severi C, Lahner E. Role of Fiber in Symptomatic Uncomplicated Diverticular Disease: A Systematic Review. Nutrients 2017; 9(2): pii: E161.

    Lahner E, Bellisario C, Hassan C, Zullo A, Esposito G, Annibale B. Probiotics in the Treatment of Diverticular Disease. A Systematic Review. J Gastrointestin Liver Dis 2016; 25(1): 79-86.

    Leifeld L, Germer CT, Böhm S, Dumoulin FL, Häuser W, Kreis M et al. S2k-Leitlinie Divertikelkrankheit/Divertikulitis. Z Gastroenterol 2014; 52(7): 663-710.

    Morris AM, Regenbogen SE, Hardiman KM, Hendren S. Sigmoid diverticulitis: a systematic review. JAMA 2014; 311(3): 287-297.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Behandlung der akuten Divertikulitis

    Eine Divertikulitis lässt sich meist gut behandeln. Bei einer unkomplizierten Erkrankung kann auf Antibiotika oft verzichtet werden. Eine Operation ist nur dann nötig, wenn Komplikationen durch schwere Entzündungen drohen.

    Bei einer Divertikulitis entzünden sich Ausstülpungen der Dickdarmschleimhaut (Divertikel). Divertikel sind oft harmlos und bleiben unbemerkt. Eine Divertikulitis verursacht dagegen Beschwerden wie linksseitige Bauchschmerzen, Fieber und Verdauungsprobleme. Es werden zwei Formen der Erkrankung unterschieden:

    • Unkomplizierte Divertikulitis: Divertikel und angrenzende Dickdarmschleimhaut sind entzündet, es gibt aber keine Anzeichen für Eiteransammlungen (Abszesse) oder sich ausbreitende Entzündungen.
    • Komplizierte Divertikulitis: Es haben sich Abszesse gebildet. Manchmal hat sich die Entzündung sogar schon ausgebreitet oder es ist ein Loch in der Darmwand entstanden (Darmdurchbruch oder Darmperforation). Es kann auch zu einem Darmverschluss und einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) kommen.

    Etwa 80 % der Betroffenen haben eine unkomplizierte Divertikulitis, etwa 20 % eine komplizierte.

    Auch nach einer erfolgreichen Behandlung kann sich später erneut eine akute Entzündung entwickeln. Das Risiko für eine solche wiederkehrende Divertikulitis ist nach einer komplizierten Divertikulitis höher.

    Früher wurden zur Behandlung einer akuten Divertikulitis in der Regel Antibiotika verschrieben und bei wiederkehrenden Entzündungen häufig Operationen empfohlen. Mittlerweile raten ärztliche Leitlinien, damit zurückhaltender zu sein. Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) sollten bei einer Divertikulitis nicht eingenommen werden, weil sie Komplikationen wie eine Darmperforation begünstigen können. 

    Eine Divertikulitis lässt sich meist gut behandeln. Bei einer unkomplizierten Erkrankung kann auf Antibiotika oft verzichtet werden. Eine Operation ist nur dann nötig, wenn Komplikationen durch schwere Entzündungen drohen.

    Bei einer Divertikulitis entzünden sich Ausstülpungen der Dickdarmschleimhaut (Divertikel). Divertikel sind oft harmlos und bleiben unbemerkt. Eine Divertikulitis verursacht dagegen Beschwerden wie linksseitige Bauchschmerzen, Fieber und Verdauungsprobleme. Es werden zwei Formen der Erkrankung unterschieden:

    • Unkomplizierte Divertikulitis: Divertikel und angrenzende Dickdarmschleimhaut sind entzündet, es gibt aber keine Anzeichen für Eiteransammlungen (Abszesse) oder sich ausbreitende Entzündungen.
    • Komplizierte Divertikulitis: Es haben sich Abszesse gebildet. Manchmal hat sich die Entzündung sogar schon ausgebreitet oder es ist ein Loch in der Darmwand entstanden (Darmdurchbruch oder Darmperforation). Es kann auch zu einem Darmverschluss und einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) kommen.

    Etwa 80 % der Betroffenen haben eine unkomplizierte Divertikulitis, etwa 20 % eine komplizierte.

    Auch nach einer erfolgreichen Behandlung kann sich später erneut eine akute Entzündung entwickeln. Das Risiko für eine solche wiederkehrende Divertikulitis ist nach einer komplizierten Divertikulitis höher.

    Früher wurden zur Behandlung einer akuten Divertikulitis in der Regel Antibiotika verschrieben und bei wiederkehrenden Entzündungen häufig Operationen empfohlen. Mittlerweile raten ärztliche Leitlinien, damit zurückhaltender zu sein. Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) sollten bei einer Divertikulitis nicht eingenommen werden, weil sie Komplikationen wie eine Darmperforation begünstigen können. 

    Wie wird eine unkomplizierte Divertikulitis behandelt?

    Bei etwa 95 von 100 Menschen mit unkomplizierter Divertikulitis heilt die Entzündung innerhalb einer Woche aus. Bei etwa 5 von 100 Menschen bleiben die Beschwerden bestehen, was weitere Behandlungen nach sich zieht. Eine Operation ist nur selten nötig.

    Antibiotika

    Bei einer unkomplizierten Divertikulitis kann in bestimmten Situationen auf die Einnahme von Antibiotika verzichtet werden. Voraussetzung ist, dass ein Ultraschall oder eine Computertomografie durchgeführt wurde und keine Abszesse sichtbar sind. Die Medikamente verringern das Risiko für Komplikationen dann vermutlich nicht. In einer großen Studie hatte etwa einer von 100 Teilnehmenden einen Abszess oder einen Darmdurchbruch – egal ob sie Antibiotika eingenommen hatten oder nicht. Allerdings können – wenn auch selten – Abszesse oder eine Perforation übersehen werden.

    Antibiotika werden bei einer unkomplizierten Divertikulitis eher empfohlen, wenn ein erhöhtes Risiko für Komplikationen besteht – etwa bei chronischen Nierenerkrankungen, Immunschwäche, Bluthochdruck oder Allergien. Studien zur Antibiotika-Behandlung bei erhöhtem Risiko fehlen jedoch, sodass sich bislang nicht sagen lässt, wie wirksam Antibiotika dann tatsächlich sind.

    Ärztliche Kontrolle

    Bei einer unkomplizierten Divertikulitis ist es wichtig, sich besonders in den ersten Tagen regelmäßig ärztlich kontrollieren zu lassen, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Es werden beispielsweise Blutuntersuchungen durchgeführt, bei denen Entzündungswerte im Blut gemessen werden. Oft kann ambulant behandelt werden.

    Ernste Komplikationen sind bei der unkomplizierten Divertikulitis selten, aber nicht ausgeschlossen. Beschwerden wie verstärkte Bauchschmerzen, Fieber, ein harter, gespannter Bauch oder Übelkeit können ein Warnzeichen dafür sein. Sie sollten rasch ärztlich abgeklärt werden.

    Ernährung

    Manche Ärztinnen und Ärzte empfehlen, sich normal zu ernähren, sofern man es verträgt – oder leichtere Kost auszuprobieren. Andere empfehlen, in den ersten Tagen vorwiegend Suppe oder Brei zu sich zu nehmen und ausreichend zu trinken. Tatsächlich ist unklar, ob es besser ist, vorübergehend auf feste Nahrung zu verzichten oder nicht. Zu dieser Frage fehlen gute Studien. 

    Grafik: Vereinfachte Darstellung des Krankheitsverlaufs von 100 Personen mit unkomplizierter Divertikulitis

    Wie wird eine komplizierte Divertikulitis behandelt?

    Bei etwa 80 von 100 Menschen heilt eine komplizierte Divertikulitis durch eine Behandlung mit Antibiotika innerhalb weniger Wochen ab. Etwa 20 von 100 Menschen werden operiert.

    Antibiotika

    Eine komplizierte Divertikulitis wird im Krankenhaus behandelt. Um zu verhindern, dass sich die Entzündung weiter ausbreitet, sind Antibiotika notwendig. Sie werden als Saft, Tabletten oder Infusion gegeben.

    Ernährung

    Ob nur flüssige oder auch feste Nahrung aufgenommen werden kann, hängt bei der komplizierten Divertikulitis von den Untersuchungsbefunden und den Beschwerden ab. Häufig werden für wenige Tage Wasser, Tee und Suppen gereicht und dann langsam wieder mit normaler Kost begonnen. Wenn es nicht möglich ist, genug zu trinken, wird per Infusion Flüssigkeit zugeführt.

    Drainage

    Bei etwa 15 von 100 Menschen mit einer komplizierten Divertikulitis entwickelt sich ein eitriger Abszess. Falls notwendig, kann der Eiter über einen dünnen Schlauch (Drainage) durch die Bauchdecke nach außen abgeleitet werden.

    Operation

    Wenn die Beschwerden nicht innerhalb weniger Tage abklingen, steigt das Risiko für ernste Komplikationen. Dann wird eine Operation empfohlen. Ist es bereits zu einem Darmdurchbruch oder einer Bauchfellentzündung gekommen, muss sofort operiert werden. Beides ist ein Notfall.

    Auch wenn eine ausgedehnte eitrige Entzündung nach Antibiotika-Behandlung abgeklungen ist, wird häufig empfohlen, den Darm operieren zu lassen. Eine Operation soll vor einer erneuten Divertikulitis schützen. Denn Studien zeigen, dass es auch nach erfolgreicher Behandlung mit Antibiotika bei fast jedem zweiten Betroffenen innerhalb weniger Jahre zu einem Rückfall kommt, teilweise mit ernsten Komplikationen. Ein höheres Risiko für schwere Komplikationen haben auch Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder chronischen Nierenerkrankungen. 

    Grafik: Vereinfachte Darstellung des Krankheitsverlaufs von 100 Personen mit komplizierter Divertikulitis

    Quellen

    Balasubramanian I, Fleming C, Mohan HM, Schmidt K, Haglind E, Winter DC. Out-Patient Management of Mild or Uncomplicated Diverticulitis: A Systematic Review. Dig Surg 2017; 34(2): 151-160.

    Jackson JD, Hammond T. Systematic review: outpatient management of acute uncomplicated diverticulitis. Int J Colorectal Dis 2014; 29(7): 775-781.

    Leifeld L, Germer CT, Böhm S, Dumoulin FL, Häuser W, Kreis M et al. S2k-Leitlinie Divertikelkrankheit/Divertikulitis. Z Gastroenterol 2014; 52(7): 663-710.

    Morris AM, Regenbogen SE, Hardiman KM, Hendren S. Sigmoid diverticulitis: a systematic review. JAMA 2014; 311(3): 287-297.

    Shabanzadeh DM, Wille-Jørgensen P. Antibiotics for uncomplicated diverticulitis. Cochrane Database Syst Rev 2012; (11): CD009092.

    Vennix S, Morton DG, Hahnloser D, Lange JF, Bemelman WA. Systematic review of evidence and consensus on diverticulitis: an analysis of national and international guidelines. Colorectal Dis 2014; 16(11): 866-878.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Behandlung der chronischen Divertikelkrankheit

    Wenn Divertikel zu dauerhaften Beschwerden führen, spricht man von einer chronischen Divertikelkrankheit. Sie führt nur selten zu ernsten Komplikationen. Eine Ernährungsumstellung und bestimmte Medikamente können die Beschwerden manchmal lindern. Reicht dies nicht aus, kann der Darm auch operiert werden.

    Es werden vor allem zwei Formen der chronischen Divertikelkrankheit unterschieden:

    • Symptomatische unkomplizierte Divertikelkrankheit (SUDD): Bei dieser Form bestehen dauerhafte (chronische) oder wiederkehrende Beschwerden wie Schmerzen, Blähungen und Stuhlunregelmäßigkeiten. Anzeichen für eine Entzündung fehlen oft.
    • Wiederkehrende (chronisch-rezidivierende) Divertikulitis: Die Divertikel entzünden sich immer wieder. Das muss nicht zu Komplikationen führen, es können sich aber auch Eiteransammlungen (Abszesse) bilden.

    Die beiden Formen lassen sich nicht immer klar voneinander trennen. Manche Menschen haben sowohl dauerhafte Beschwerden als auch wiederkehrende Entzündungen. Dennoch unterscheiden sich die Behandlungsmöglichkeiten.

    Wenn Divertikel zu dauerhaften Beschwerden führen, spricht man von einer chronischen Divertikelkrankheit. Sie führt nur selten zu ernsten Komplikationen. Eine Ernährungsumstellung und bestimmte Medikamente können die Beschwerden manchmal lindern. Reicht dies nicht aus, kann der Darm auch operiert werden.

    Es werden vor allem zwei Formen der chronischen Divertikelkrankheit unterschieden:

    • Symptomatische unkomplizierte Divertikelkrankheit (SUDD): Bei dieser Form bestehen dauerhafte (chronische) oder wiederkehrende Beschwerden wie Schmerzen, Blähungen und Stuhlunregelmäßigkeiten. Anzeichen für eine Entzündung fehlen oft.
    • Wiederkehrende (chronisch-rezidivierende) Divertikulitis: Die Divertikel entzünden sich immer wieder. Das muss nicht zu Komplikationen führen, es können sich aber auch Eiteransammlungen (Abszesse) bilden.

    Die beiden Formen lassen sich nicht immer klar voneinander trennen. Manche Menschen haben sowohl dauerhafte Beschwerden als auch wiederkehrende Entzündungen. Dennoch unterscheiden sich die Behandlungsmöglichkeiten.

    Wie wird eine symptomatische unkomplizierte Divertikelkrankheit behandelt?

    Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören Ernährungsumstellungen, Medikamente oder eine Operation.

    Ernährung

    Es gibt erste Hinweise aus Studien, dass eine ballaststoffreiche Ernährung Verdauungsbeschwerden bei der Divertikelkrankheit mindern kann. Eine ballaststoffreiche Kost besteht vor allem aus viel Obst, Getreide, Gemüse und Hülsenfrüchten. Sie macht den Stuhl weicher, erhöht das Stuhlvolumen und regt die Verdauung an. Dadurch wird der Stuhl schneller durch den Darm befördert und der Druck auf die Darmwand sinkt. Manche Menschen mit Darmbeschwerden nehmen auch Lein- oder Flohsamen ein. Sie enthalten lösliche Ballaststoffe, die Wasser im Darm binden. Aus diesem Grund wird auch empfohlen, ausreichend zu trinken, wenn man sich ballaststoffreich ernährt.

    Die Darmflora enthält verschiedene Bakterien, die für die Funktion und Gesundheit des Darms eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehören zum Beispiel Milchsäurebakterien (Laktobazillen) und Bifidobakterien. Bei manchen Menschen mit Divertikeln ist die Darmflora verändert. Daher – so die Theorie – könnten probiotische Mittel mit solchen Bakterien helfen. Tatsächlich deuten Studien darauf hin, dass Probiotika Verdauungsbeschwerden manchmal lindern können, ähnlich wie auch beim Reizdarmsyndrom. Allerdings ist noch nicht geklärt, welche Präparate in welchen Situationen hilfreich sein können.

    Medikamente

    Das verschreibungspflichtige Medikament Mesalazin ist für die Behandlung der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zugelassen. Bei der Divertikelkrankheit kann es nur im Rahmen eines Off-Label-Use verschrieben werden. Das Mittel wird meist über mehrere Monate täglich eingenommen. Studien weisen darauf hin, dass es bei manchen Menschen die Beschwerden lindern kann. Anhand der wenigen Studien lässt sich bislang aber nicht sicher beurteilen, wie wirksam Mesalazin tatsächlich ist.

    Operation

    Eine Darmoperation kann die Beschwerden unter Umständen lindern. Sie geht jedoch mit gewissen Risiken einher und garantiert keine Beschwerdefreiheit.

    Wie wird eine wiederkehrende Divertikulitis behandelt?

    Jede erneute Divertikulitis wird wie eine erste akute Divertikulitis behandelt. Bei einer komplizierten Divertikulitis sind Antibiotika wichtig, bei der unkomplizierten Form kann in bestimmten Situationen darauf verzichtet werden. Eine komplizierte Divertikulitis geht mit Eiteransammlungen einher und wird im Krankenhaus behandelt. Eine Operation ist dann nötig, wenn Komplikationen durch die Entzündung drohen, etwa eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) oder Blutvergiftung (Sepsis).

    Um einer wiederkehrenden Divertikulitis vorzubeugen, werden verschiedene Behandlungen angeboten. Dazu gehören Antibiotika, Mesalazin oder eine ballaststoffreiche Ernährung. In den bisherigen Studien konnten sie Entzündungen jedoch nicht wirksam vorbeugen.

    Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) sollten bei einer Divertikulitis nicht eingenommen werden, weil sie Komplikationen wie eine Darmperforation begünstigen können.

    Eine Operation sollte auch bei wiederkehrenden unkomplizierten Entzündungen gut überlegt sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass dadurch Divertikulitis-Komplikationen vermieden werden, ist eher gering. Zudem geht jeder Eingriff mit Risiken einher. Bestehen neben den Entzündungsschüben auch chronische Beschwerden, lassen sich diese vielleicht durch eine Operation lindern.

    Quellen

    Andeweg CS, Berg R, Staal JB, ten Broek RP, van Goor H. Patient-reported Outcomes After Conservative or Surgical Management of Recurrent and Chronic Complaints of Diverticulitis: Systematic Review and Meta-analysis. Clin Gastroenterol Hepatol 2016; 14(2): 183-190.

    Carabotti M, Annibale B, Severi C, Lahner E. Role of Fiber in Symptomatic Uncomplicated Diverticular Disease: A Systematic Review. Nutrients 2017; 9(2): pii: E161.

    Carter F, Alsayb M, Marshall JK, Yuan Y. Mesalamine (5-ASA) for the prevention of recurrent diverticulitis. Cochrane Database Syst Rev 2017; (10): CD009839.

    Lahner E, Bellisario C, Hassan C, Zullo A, Esposito G, Annibale B. Probiotics in the Treatment of Diverticular Disease. A Systematic Review. J Gastrointestin Liver Dis 2016; 25(1): 79-86.

    Leifeld L, Germer CT, Böhm S, Dumoulin FL, Häuser W, Kreis M et al. S2k-Leitlinie Divertikelkrankheit/Divertikulitis. Z Gastroenterol 2014; 52(7): 663-710.

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    Picchio M, Elisei W, Brandimarte G, Di Mario F, Malfertheiner P, Scarpignato C et al. Mesalazine for the Treatment of Symptomatic Uncomplicated Diverticular Disease of the Colon and for Primary Prevention of Diverticulitis: A Systematic Review of Randomized Clinical Trials. J Clin Gastroenterol 2016; 50 (Suppl 1): S64-69.

    Van de Wall BJ, Stam MA, Draaisma WA, Stellato R, Bemelman WA, Boermeester MA et al. Surgery versus conservative management for recurrent and ongoing left-sided diverticulitis (DIRECT trial): an open-label, multicentre, randomised controlled trial. Lancet Gastroenterol Hepatol 2017; 2(1): 13-22.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Operation bei Divertikulitis und Divertikelkrankheit

    Eine Darmoperation kann bei manchen Menschen anhaltende Divertikel-Beschwerden lindern – allerdings ist ein Eingriff nicht ohne Risiko. In bestimmten Situationen ist er nötig, um ernste Komplikationen einer Divertikulitis zu vermeiden.

    Vorausgesetzt, es besteht kein Notfall, sollte eine Darmoperation wegen Divertikeln gut überlegt sein. Denn sie hat Risiken, und es gibt keine Garantie für Beschwerdefreiheit nach dem Eingriff. Ob eine Operation sinnvoll ist, hängt von der Stärke und Dauer der Beschwerden und dem Risiko für Komplikationen ab – sowie davon, wie gut es gelingt, die Beschwerden durch andere Maßnahmen (etwa eine Ernährungsumstellung) in den Griff zu bekommen.

    Eine Darmoperation kann bei manchen Menschen anhaltende Divertikel-Beschwerden lindern – allerdings ist ein Eingriff nicht ohne Risiko. In bestimmten Situationen ist er nötig, um ernste Komplikationen einer Divertikulitis zu vermeiden.

    Vorausgesetzt, es besteht kein Notfall, sollte eine Darmoperation wegen Divertikeln gut überlegt sein. Denn sie hat Risiken, und es gibt keine Garantie für Beschwerdefreiheit nach dem Eingriff. Ob eine Operation sinnvoll ist, hängt von der Stärke und Dauer der Beschwerden und dem Risiko für Komplikationen ab – sowie davon, wie gut es gelingt, die Beschwerden durch andere Maßnahmen (etwa eine Ernährungsumstellung) in den Griff zu bekommen.

    Akute Divertikulitis

    Bei einer akuten Divertikulitis ist meist keine Operation notwendig. Es gibt aber Ausnahmen: So wird der Eingriff unumgänglich, wenn sich durch die Entzündung Eiteransammlungen (Abszesse) gebildet haben und die Behandlung mit Antibiotika nicht erfolgreich war. Dann geht es darum, schwere Komplikationen wie einen Darmdurchbruch (Perforation) oder eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) zu vermeiden, die zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen kann.

    Die Operation kann trotz erfolgreicher Behandlung sinnvoll sein, wenn sich ein größerer Abszess gebildet hat: Dann kommt es bei etwa der Hälfte der Betroffenen im Laufe weniger Jahre zu einem Rückfall, teilweise mit ernsten Komplikationen. Wegen dieses Risikos ist eine Operation hier eher angebracht und kann dann durchgeführt werden, wenn die Entzündung abgeklungen ist. Ein höheres Risiko für schwere Komplikationen haben aber auch Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder chronischen Nierenerkrankungen.

    Chronische Divertikelkrankheit

    Bei wiederkehrenden Entzündungen oder chronischen Beschwerden spielen schwere Komplikationen meist keine Rolle. Sie sind zwar möglich, aber eher die Ausnahme, solange die Entzündungen unkompliziert sind – das heißt, wenn sich keine Abszesse gebildet haben. Manchmal können sich infolge wiederholter Entzündungen auch Fisteln (röhrenartige Verbindungen zwischen zwei Organen) oder Verengungen (Stenosen) bilden. Da Fisteln das Risiko für Komplikationen erhöhen, wird in der Regel empfohlen, sie zu operieren. Ob ein Eingriff bei einer Stenose sinnvoll ist, hängt davon ab, wie ausgeprägt die Verengung ist.

    In allen anderen Situationen ist das Ziel vor allem, die alltäglichen Beschwerden wie Bauchschmerzen und Verdauungsprobleme zu lindern. Wie gut dies mithilfe einer Operation im Vergleich zu nicht operativen Behandlungen gelingt, ist erst wenig untersucht. Die bisherigen Studien deuten darauf hin, dass eine Operation die Beschwerden bei einem Teil der Betroffenen besser lindern kann als Medikamente oder eine Ernährungsumstellung. Trotz Operation bleiben die Beschwerden bei manchen Menschen bestehen oder kehren wieder. Bei schätzungsweise 5 bis 25 von 100 Operierten bleiben die Beschwerden bestehen.

    Lange Zeit wurde angenommen, dass das Risiko für Komplikationen steigt, je häufiger eine Divertikulitis auftritt. Deshalb raten manche Ärztinnen und Ärzte auch nach wiederholten unkomplizierten Entzündungen zu einem Eingriff. Mittlerweile zeigen Studien jedoch das Gegenteil: Bei der ersten Divertikulitis ist das Komplikationsrisiko am höchsten – mit weiteren Schüben sinkt es deutlich.

    Wie wird operiert?

    Das gängigste Operationsverfahren bei allen Formen der Divertikelkrankheit ist die Sigmaresektion. Das Sigma ist der Abschnitt des Dickdarms vor dem Mastdarm. Da der Druck des Stuhlgangs auf den Darm in diesem Abschnitt am höchsten ist, entstehen dort die meisten Divertikel. Bei der Operation wird mit dem Sigma auch ein kleiner Teil des Mastdarms entfernt. Da Divertikel auch in anderen Teilen des Darms sitzen können, ist es meist nicht möglich, alle Divertikel zu entfernen. Anschließend werden die Enden des Darms wieder aneinandergenäht.

    In der Regel wird per Bauchspiegelung (Laparoskopie) operiert, es kann aber auch über einen großen Bauchschnitt operiert werden.

    Vor dem Eingriff muss der Darm vollständig entleert sein. Dazu muss man am Tag vor dem Eingriff etwa 1 Liter Abführmittel und 2 bis 3 Liter Wasser trinken. Zusätzlich kann ein Einlauf verabreicht werden. Dies ist wichtig, damit während des Eingriffs kein Darminhalt in den Bauchraum austritt.

    Grafik: Sigmaresektion: das häufigste Operationsverfahren bei Divertikelkrankheit - wie im Text beschrieben Sigmaresektion: das häufigste Operationsverfahren bei Divertikelkrankheit

     

    Welche Risiken hat eine Operation?

    Bei der Operation kann es zu Verletzungen am Darm oder an benachbarten Organen kommen. Zudem können sich nach dem Eingriff Verwachsungen im Bauchraum bilden, die Schmerzen oder Verdauungsprobleme hervorrufen können.

    Es kann passieren, dass kurze Zeit nach dem Eingriff die Naht undicht wird, die die beiden Darmenden zusammenhält. Dies wird Anastomoseninsuffizienz genannt. Durch eine undichte Naht kann Darminhalt in den Bauchraum austreten und zu gefährlichen Entzündungen im Bauchraum führen. Eine undichte Naht entsteht bei etwa 3 von 100 Operationen.

    Von jeweils 100 Operationen kommt es außerdem etwa zu:

    • 2 Abszessen
    • 4 Wundinfektionen
    • 3 größeren Blutungen

    Zudem bestehen die üblichen Operationsrisiken wie Probleme durch die Narkose, Lungenentzündungen oder Thrombosen.

    Operation bei einer Bauchfellentzündung?

    Aus einer komplizierten Divertikulitis kann sich eine Bauchfellentzündung entwickeln. Dabei kann sich Eiter im Bauchraum ausbreiten und sogar eine Blutvergiftung folgen. In diesem Notfall muss schnell operiert werden. Bei einer Bauchfellentzündung wird zunächst jedoch meist kein Teil des Darms entfernt. Stattdessen wird der Bauchraum gespült und ein künstlicher Darmausgang (Stoma) gelegt. Der Grund ist, dass die Entzündung vor einer Sigmaresektion erst vollständig abheilen muss. Nach einigen Monaten kann der künstliche Darmausgang wieder geschlossen und eine Sigmaresektion durchgeführt werden.

    Sich entscheiden

    Bis vor einigen Jahren wurde bei einer chronischen Divertikelkrankheit fast immer zu einem Eingriff geraten. Mittlerweile wird in ärztlichen Leitlinien mehr Zurückhaltung empfohlen. Es ist sinnvoll, vor einer Operation andere Behandlungsmöglichkeiten wie Medikamente und eine Ernährungsumstellung auszuschöpfen. Bei der Entscheidung für oder gegen eine Operation spielt vor allem eine Rolle, welche alltäglichen Beschwerden man hat. Das Risiko für Divertikulitis-Komplikationen hat nur für bestimmte Menschen eine Bedeutung. Begleiterkrankungen, das Alter und die Lebensumstände sind ebenfalls wichtige Faktoren.

    Es kann sein, dass Ärztinnen und Ärzte unterschiedliche Empfehlungen geben. Sich ausführlich über die Vor- und Nachteile der Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und sich bei Zweifeln eine zweite Meinung einzuholen, kann helfen, sich zu entscheiden.

    Quellen

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    Haas JM, Singh M, Vakil N. Mortality and complications following surgery for diverticulitis: Systematic review and meta-analysis. United European Gastroenterol J 2016; 4(5): 706-713.

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    Morris AM, Regenbogen SE, Hardiman KM, Hendren S. Sigmoid diverticulitis: a systematic review. JAMA 2014; 311(3): 287-297.

    Van de Wall BJ, Stam MA, Draaisma WA, Stellato R, Bemelman WA, Boermeester MA et al. Surgery versus conservative management for recurrent and ongoing left-sided diverticulitis (DIRECT trial): an open-label, multicentre, randomised controlled trial. Lancet Gastroenterol Hepatol 2017; 2(1): 13-22.

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