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Vorzeitiger Samenerguss (Ejaculatio praecox)

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    Überblick

    Von einem vorzeitigen Samenerguss spricht man, wenn ein Mann fast immer viel zu früh zum Höhepunkt kommt und das Sexualleben dadurch stark belastet ist. Dann sind verschiedene Behandlungen möglich: zum Beispiel bestimmte Übungen zur besseren Kontrolle des Samenergusses, Medikamente oder eine Sexualtherapie.

    Einleitung

    In Fragen der Sexualität sind Mythen und übertriebene Vorstellungen weit verbreitet. Das gilt auch für die Frage, wie lange Männer beim Sex bis zum Höhepunkt brauchen. Diese Zeitspanne hängt von vielen Faktoren ab und kann von Mal zu Mal schwanken.

    Misst man die Zeit mit einer Stoppuhr, dauert es im Durchschnitt 5 bis 7 Minuten, bis ein Mann seinen Höhepunkt erreicht und einen Samenerguss hat. Die Bandbreite ist dabei groß: Sie reicht von weniger als einer Minute bis zu mehr als einer halben Stunde.

    Ob und wie stark sich ein vergleichsweise früher Höhepunkt auf einen Mann, seine Beziehung und die sexuelle Zufriedenheit auswirkt, ist sehr unterschiedlich. In Studien überschätzen Männer die Dauer bis zum Samenerguss teilweise um ein Viertel bis zur Hälfte der tatsächlichen Zeit. Sich daran zu orientieren, was andere von sich behaupten, ist deshalb keine gute Idee.

    Etwa 4 % der Männer haben fast gar keine Kontrolle über ihren Samenerguss. Er tritt dann immer oder fast immer sehr früh auf – das heißt zum Beispiel, noch bevor oder direkt nachdem sie ihren Penis eingeführt haben. Die medizinische Diagnose vorzeitiger Samenerguss (Ejaculatio praecox) wird gestellt, wenn zu frühe Orgasmen zu einer Belastung werden. Dann sind verschiedene Behandlungen möglich, unter Umständen auch Medikamente. Manchmal kommt auch eine Sexualtherapie infrage.

    Ursachen

    Die Ursachen vorzeitiger Samenergüsse sind kaum erforscht. Bislang gibt es nur Vermutungen: Manche Fachleute gehen von biologischen Faktoren aus wie einem überempfindlichen Penis oder Veränderungen im Zusammenspiel der Hormone und Nerven.

    Andere sehen die Ursache in psychischen Faktoren wie Beziehungsproblemen oder Versagensängsten. Biologische und psychologische Faktoren können auch gemeinsam verantwortlich sein und sich gegenseitig beeinflussen.

    Manche Männer haben seit Beginn ihres Sexuallebens mit vorzeitigen Samenergüssen zu tun. Bei anderen treten sie erst im Laufe des Lebens auf; dann spricht man von „erworbenen“ vorzeitigen Samenergüssen.

    Häufigkeit

    Das Gefühl, zu früh zum Höhepunkt zu kommen, ist sehr subjektiv. Zudem wird es manchmal gezielt durch öffentliche Kampagnen zum Thema vorzeitiger Samenerguss verstärkt. Sie sind oft von Pharmafirmen finanziert und treten an mit dem Ziel, „Tabus abbauen“ zu wollen.

    Typisch für solche Kampagnen ist aber, dass sie die Häufigkeit des Problems übertreiben. Oft wird dann behauptet, dass 20 bis 30 % aller Männer von vorzeitigem Samenerguss betroffen seien. Dabei wird dann nur die Zeit bis zum Samenerguss als Maßstab verwendet. Legt man wissenschaftlich anerkannte Diagnosekriterien an, liegen die Schätzungen bei höchstens 4 %. Dabei wird zum Beispiel auch berücksichtigt, wie oft vorzeitige Samenergüsse auftreten und ob sie einen Mann belasten.

    Diagnose

    Für eine Untersuchung kann man sich an eine urologische oder hausärztliche Praxis wenden. Die Ärztin oder der Arzt fragt dann nach der durchschnittlichen Zeit bis zum Samenerguss und danach, wie oft er zu früh eintritt, wie belastend das Problem ist und ob sich der Samenerguss hinauszögern lässt. Weitere Untersuchungen sind nur sinnvoll, wenn der Verdacht auf ein medizinisches Problem besteht.

    Die Diagnose wird gestellt, wenn

    • es fast immer ungewollt innerhalb einer Minute nach dem Einführen des Penis zum Samenerguss kommt;
    • es seit mehr als sechs Monaten zu vorzeitigen Samenergüssen kommt;
    • die vorzeitigen Samenergüsse stark belasten und
    • keine anderen Erkrankungen dafür verantwortlich sind.

    Medizinisch gesehen handelt es sich nicht um vorzeitige Samenergüsse, wenn

    • sie nur gelegentlich vorkommen.
    • man längere Zeit sexuell abstinent war. Dann ist es normal, anfangs schneller erregt zu sein und früher zum Höhepunkt zu kommen.
    • die Dauer bis zum Samenerguss im normalen Bereich liegt, aber als zu kurz empfunden wird.

    Bei der Untersuchung werden auch andere Möglichkeiten abgeklärt, die die Zeit bis zum Samenerguss beeinflussen könnten. So gilt eine Prostataentzündung als möglicher Risikofaktor. Wenn die Prostata entzündet ist, sollte daher zunächst die Entzündung behandelt werden. Anzeichen können häufiges Wasserlassen und Schmerzen beim Urinieren sein.

    Vorzeitige Samenergüsse können manchmal auch Folge einer Erektionsstörung sein – zum Beispiel, wenn ein Mann sich beeilt, weil er Angst hat, dass er die Erektion nicht länger aufrechterhalten kann. Dann ist das Hauptproblem aber die Erektionsstörung, nicht der vorzeitige Samenerguss.

    Behandlung

    Ob und wie man vorzeitige Samenergüsse behandeln möchte, ist eine sehr persönliche Frage. Zur Behandlung stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

    • Bestimmte Techniken sollen dabei helfen, den Samenerguss besser zu kontrollieren, indem er bewusst hinausgezögert wird. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, den Penis wiederholt bis kurz vor den Höhepunkt zu stimulieren und dann damit aufzuhören.
    • Medikamente können die Zeit bis zum Samenerguss etwas verlängern. Es gibt Mittel zum Einnehmen und betäubende Mittel zum Auftragen auf die Penisspitze (Eichel). Beide können Nebenwirkungen haben.
    • Sexualtherapeutische Behandlungen haben das Ziel, Männern oder Paaren mehr Selbstbewusstsein zu vermitteln und die Angst vor sexueller „Unzulänglichkeit“ zu nehmen. Ein weiteres Ziel ist, sich weniger auf den Samenerguss zu konzentrieren und die Sexualität vielfältiger zu leben. Auch Beziehungsprobleme können thematisiert werden, wenn sie eine Rolle spielen.

    Zur medikamentösen Behandlung werden meist selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) eingesetzt. Das in Europa bislang einzige zugelassene Mittel aus dieser Gruppe (Dapoxetin) verlängert die Zeit bis zum Samenerguss im Schnitt allerdings nur um 1 bis 1,5 Minuten. Andere SSRI sind deutlich kostengünstiger und auch wirksamer. Sie können von der Ärztin oder dem Arzt als „Off-Label“-Behandlung verschrieben werden.

    Die Kosten von Medikamenten zur Behandlung vorzeitiger Samenergüsse werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet, unabhängig davon, ob sie zugelassen sind oder nicht. Das liegt daran, dass sie als „Lifestyle“-Medikamente gelten und eine Erstattung hierfür gesetzlich ausgeschlossen ist.

    Leben und Alltag

    Die Sexualität kann für das Selbstbewusstsein eine große Rolle spielen. Zudem gibt es beim Thema Sex einige Klischees und es werden auch schon mal Sprüche geklopft. Davon sollte man sich aber nicht beeindrucken lassen: Wer mit vorzeitigen Samenergüssen zu tun hat, ist deshalb nicht weniger „männlich“ als andere.

    Eine Bedeutung bekommen vorzeitige Samenergüsse, wenn sie belastend werden und das Sexualleben beeinträchtigen. Die Zeit bis zum Höhepunkt nicht steuern zu können, ist meist sehr frustrierend.

    Manche Männer befürchten, im Bett „zu versagen“ und ihre Partnerin oder ihren Partner nicht befriedigen zu können. Geschlechtsverkehr und der Zeitpunkt des Samenergusses müssen aber nicht im Zentrum des Liebeslebens stehen. Es gibt daneben viele andere Möglichkeiten, seine Sexualität auszuleben, zum Höhepunkt zu kommen und Intimität zu leben und zu spüren. Die allgemeine Zufriedenheit mit dem Liebesleben und der Partnerschaft ist vielen Menschen wichtiger als die Dauer des Geschlechtsverkehrs.

    Hilfreich ist, sich nicht allein auf den Geschlechtsverkehr zu konzentrieren. Sich zu küssen, zu streicheln und auch auf andere Weise seine Zuneigung und Hingabe zu zeigen, kann ähnlich befriedigend sein und helfen, den Zeitpunkt des Samenergusses weniger wichtig zu nehmen.

    Manche Männer verdrängen das Thema, anstatt offen darüber zu sprechen. Dies kann Konflikte eher verstärken. Ehrlich über die eigenen Gefühle und Ängste zu reden, ist wahrscheinlich der bessere Weg, um das Problem gemeinsam zu lösen.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Althof SE, McMahon CG, Waldinger MD, Serefoglu EC, Shindel AW, Adaikan PG et al. An Update of the International Society of Sexual Medicine's Guidelines for the Diagnosis and Treatment of Premature Ejaculation (PE). Sex Med 2014; 2(2): 60-90.

    Cooper K, Martyn-St James M, Kaltenthaler E, Dickinson K, Cantrell A. Interventions to treat premature ejaculation: a systematic review short report. Health Technol Assess 2015; 19(21): 1-180, v-vi.

    Cooper K, Martyn-St James M, Kaltenthaler E, Dickinson K, Cantrell A, Wylie K et al. Behavioral Therapies for Management of Premature Ejaculation: A Systematic Review. Sex Med 2015; 3(3): 174-188.

    Giuliano F, Patrick DL, Porst H, La Pera G, Kokoszka A, Merchant S et al. Premature ejaculation: results from a five-country European observational study. Eur Urol 2008; 53(5): 1048-1057.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Was kann ich selbst tun?

    Es gibt verschiedene Methoden, mit denen Männer versuchen können, mehr Kontrolle über ihren Samenerguss zu bekommen. Aussagekräftige Studien zu ihrer Wirksamkeit gibt es allerdings nicht. Viele entwickeln auch eigene Techniken.

    Manche Männer kommen bereits zum Höhepunkt, bevor sie ihren Penis eingeführt haben – oder kurz danach. Wenn dies fast immer passiert und zur Belastung wird, spricht man medizinisch von vorzeitigem Samenerguss (Ejaculatio praecox).

    Männer können allein oder mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner verschiedene Methoden ausprobieren, um den Samenerguss mit der Zeit besser zu steuern.

    Es gibt verschiedene Methoden, mit denen Männer versuchen können, mehr Kontrolle über ihren Samenerguss zu bekommen. Aussagekräftige Studien zu ihrer Wirksamkeit gibt es allerdings nicht. Viele entwickeln auch eigene Techniken.

    Manche Männer kommen bereits zum Höhepunkt, bevor sie ihren Penis eingeführt haben – oder kurz danach. Wenn dies fast immer passiert und zur Belastung wird, spricht man medizinisch von vorzeitigem Samenerguss (Ejaculatio praecox).

    Männer können allein oder mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner verschiedene Methoden ausprobieren, um den Samenerguss mit der Zeit besser zu steuern.

    Die Start-Stopp-Methode

    Hierbei stimuliert man den Penis bis kurz vor dem Höhepunkt, hört dann auf und wartet, bis der Drang zum Samenerguss vorüber ist. Dies wird mehrmals wiederholt, um ein besseres Gefühl für den mittleren Erregungsbereich zu entwickeln. Damit ist die Phase vor dem Höhepunkt gemeint, in der die Erregungsstärke noch kontrolliert und der Samenerguss für eine gewisse Zeit hinausgezögert werden kann.

    Die Drück-Methode (Squeeze-Methode)

    Bei der Drück-Methode wird der Penis ebenfalls bis kurz vor dem Höhepunkt stimuliert. Dann übt man für ein paar Sekunden leichten Druck auf die Eichel aus, um die Erregung zu verringern. Dazu legt man den Zeigefinger auf die Unterseite der Eichel und den Daumen auf die Oberseite und drückt die Finger leicht zusammen. Anschließend wartet man etwa 30 Sekunden und wiederholt dies mehrere Male hintereinander.

    Beckenbodentraining

    Eine weitere Möglichkeit ist ein regelmäßiges Beckenbodentraining. Der Beckenboden ist die Muskelplatte, die unter anderem den Schließmuskel der Harnröhre unterstützt. Ziel des Trainings ist es zu lernen, die Muskeln des Beckenbodens willkürlich zu bewegen und durch die Übungen zu stärken.

    Wie wirksam sind diese Methoden?

    Wie gut diese Methoden bei vorzeitigen Samenergüssen helfen, ist nicht gut erforscht. Es gibt nur einzelne Studien, an denen jeweils weniger als 40 Paare oder Männer teilgenommen haben.

    In einer kleinen Studie konnten die Start-Stopp-Methode und die Drück-Methode die Zeit bis zum Samenerguss nach zwölf Wochen Training um einige Minuten verlängern. In den Studien wurden die Methoden allerdings im Rahmen einer Sexualtherapie eingesetzt. In einer Sexualtherapie werden mögliche psychische Ursachen für vorzeitige Samenergüsse behandelt – aber auch Probleme wie Selbstzweifel oder Beziehungskonflikte. Was sie bringt, wenn ein Mann sie für sich allein anwendet, ist daher unklar.

    Eine weitere kleine Studie untersuchte das Beckenbodentraining. Das Training konnte die Zeit bis zum Samenerguss im Durchschnitt von einer halben Minute auf zwei Minuten verlängern.

    Was Männer sonst noch ausprobieren können

    Manchmal wird empfohlen, während des Sex an etwas Anderes zu denken, um sich abzulenken und dadurch den Samenerguss hinauszuzögern. Einige Männer finden dies hilfreich. Bei anderen wird dabei die Erektion aber schwächer oder verschwindet ganz. Manche Männer finden es auch unehrlich ihrer Partnerin oder ihrem Partner gegenüber, beim Sex an etwas Anderes zu denken.

    Eine andere Möglichkeit ist, Kondome zu benutzen, um den Penis weniger empfindlich zu machen – sofern man dies nicht ohnehin tut. Einige Männer finden es hilfreich, vor dem Sex zu masturbieren. Wenn sie dann ein zweites Mal erregt sind und Sex haben, kommt es später zum Samenerguss. Dies setzt allerdings voraus, dass ein Mann eine zweite Erektion aufbauen kann. Man kann auch ausprobieren, ob es hilft, das Tempo beim Vorspiel zu verringern oder Pausen einzulegen.

    In einer festen Partnerschaft ist es sinnvoll, offen über das Problem zu sprechen, um gemeinsam Lösungen finden zu können – auch wenn es sich um ein heikles Thema handelt.

    Quellen

    Cooper K, Martyn-St James M, Kaltenthaler E, Dickinson K, Cantrell A. Interventions to treat premature ejaculation: a systematic review short report. Health Technol Assess 2015; 19(21): 1-180, v-vi.

    Cooper K, Martyn-St James M, Kaltenthaler E, Dickinson K, Cantrell A, Wylie K et al. Behavioral Therapies for Management of Premature Ejaculation: A Systematic Review. Sex Med 2015; 3(3): 174-188.

    Giuri S, Caselli G, Manfredi C, Rebecchi D, Granata A, Ruggiero GM et al. Cognitive Attentional Syndrome and Metacognitive Beliefs in Male Sexual Dysfunction: An Exploratory Study. Am J Mens Health 2017; 11(3): 592-599.

    Revicki D, Howard K, Hanlon J, Mannix S, Greene A, Rothman M. Characterizing the burden of premature ejaculation from a patient and partner perspective: a multi-country qualitative analysis. Health Qual Life Outcomes 2008; 6: 33.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Was bringen Medikamente?

    Medikamente zum Einnehmen oder Auftragen können die Zeit bis zum Samenerguss um ein paar Minuten verlängern. Sie kommen infrage, wenn vorzeitige Samenergüsse zu einer großen Belastung für einen Mann geworden sind. Die Mittel können verschiedene Nebenwirkungen haben.

    Manche Männer kommen bereits vor dem Einführen des Penis oder kurz danach zum Höhepunkt. Wenn dies fast immer der Fall ist und einen Mann belastet, spricht man von vorzeitigem Samenerguss (Ejaculatio praecox).

    Zur medikamentösen Behandlung kommen Mittel zum Einnehmen und zum Auftragen auf die Penisspitze (Eichel) infrage. Sie werden von den gesetzlichen Krankenkassen jedoch nicht bezahlt, da sie als „Lifestyle-Medikamente“ eingestuft werden und damit nicht die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Erstattung erfüllen.

    Männer, die sich für eine Behandlung mit Medikamenten entscheiden, wählen meist ein Mittel aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Diese Medikamente werden als Tabletten eingenommen. Normalerweise werden SSRI eingesetzt, um Depressionen zu behandeln. Zur Behandlung von vorzeitigen Samenergüssen macht man sich eine ihrer Nebenwirkungen zunutze: SSRI verlängern auch die Zeit bis zum Samenerguss.

    Eine Alternative sind Cremes, Gels oder Sprays, die ein örtliches Betäubungsmittel enthalten. Sie werden auf die Eichel aufgetragen und machen den Penis unempfindlicher.

    Medikamente können immer auch Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen haben. Daher ist es sinnvoll, vor dem Beginn einer Behandlung die Ärztin oder den Arzt über andere Medikamente zu informieren, die man einnimmt. Dies gilt auch für Medikamenten-Unverträglichkeiten oder Allergien.

    Medikamente zum Einnehmen oder Auftragen können die Zeit bis zum Samenerguss um ein paar Minuten verlängern. Sie kommen infrage, wenn vorzeitige Samenergüsse zu einer großen Belastung für einen Mann geworden sind. Die Mittel können verschiedene Nebenwirkungen haben.

    Manche Männer kommen bereits vor dem Einführen des Penis oder kurz danach zum Höhepunkt. Wenn dies fast immer der Fall ist und einen Mann belastet, spricht man von vorzeitigem Samenerguss (Ejaculatio praecox).

    Zur medikamentösen Behandlung kommen Mittel zum Einnehmen und zum Auftragen auf die Penisspitze (Eichel) infrage. Sie werden von den gesetzlichen Krankenkassen jedoch nicht bezahlt, da sie als „Lifestyle-Medikamente“ eingestuft werden und damit nicht die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Erstattung erfüllen.

    Männer, die sich für eine Behandlung mit Medikamenten entscheiden, wählen meist ein Mittel aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Diese Medikamente werden als Tabletten eingenommen. Normalerweise werden SSRI eingesetzt, um Depressionen zu behandeln. Zur Behandlung von vorzeitigen Samenergüssen macht man sich eine ihrer Nebenwirkungen zunutze: SSRI verlängern auch die Zeit bis zum Samenerguss.

    Eine Alternative sind Cremes, Gels oder Sprays, die ein örtliches Betäubungsmittel enthalten. Sie werden auf die Eichel aufgetragen und machen den Penis unempfindlicher.

    Medikamente können immer auch Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen haben. Daher ist es sinnvoll, vor dem Beginn einer Behandlung die Ärztin oder den Arzt über andere Medikamente zu informieren, die man einnimmt. Dies gilt auch für Medikamenten-Unverträglichkeiten oder Allergien.

    Welche SSRI kommen infrage?

    Zur Behandlung vorzeitiger Samenergüsse ist nur das SSRI Dapoxetin zugelassen (Handelsname: Priligy). In Studien haben sich andere SSRI allerdings als wirksamer erwiesen. Dazu gehören insbesondere Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin und Sertralin. Wenn Ärztinnen und Ärzte eines dieser Mittel verschreiben, handelt es sich wegen der fehlenden Zulassung um einen sogenannten nicht bestimmungsmäßigen Gebrauch („Off-Label-Use“).  Dafür gelten besondere Regelungen. Auch die Einnahmehäufigkeit und Dosierung kann sich von der Behandlung bei Depressionen unterscheiden.

    Dapoxetin ist nach bisherigen Forschungsergebnissen nicht nur weniger wirksam, es ist auch deutlich teurer als andere SSRI, die als Generika zur Verfügung stehen.

    SSRI sind verschreibungspflichtig, werden aber zur Behandlung eines vorzeitigen Samenergusses nicht von den Kassen bezahlt – unabhängig davon, ob sie dafür zugelassen sind oder nicht.

    Anwendung der Medikamente

    Je nach Wirkstoff können SSRI täglich oder nach Bedarf eingenommen werden. Bei der Einnahme nach Bedarf nimmt man das Mittel einige Stunden vor dem Sex. Bei der täglichen Einnahme beginnt man mit einer niedrigeren Dosierung und steigert sie, wenn nötig, über einige Wochen. Es kann 2 bis 3 Wochen dauern, bis die volle Wirkung eintritt.

    Die folgende Tabelle fasst alle Anwendungen zusammen, die sich in Studien als hilfreich erwiesen haben:

    Tabelle: Anwendung von SSRI bei vorzeitigem Samenerguss
    Wirkstoff Anwendung Dosierung
    Nicht zugelassen (Off-Label-Use):    
    Citalopram Täglich
    • 20 mg täglich
    • Steigerung bis 60 mg pro Tag möglich
    Fluoxetin Täglich oder einmal pro Woche
    • Bei täglicher Einnahme: 10 bis 40 mg
    • Bei wöchentlicher Einnahme: 90 mg
    Paroxetin Täglich oder nach Bedarf 1 bis 3 Stunden vor dem Sex
    • Bei täglicher Einnahme: 20 bis 40 mg
    • Bei Einnahme nach Bedarf: 20 mg
    Sertralin Täglich oder nach Bedarf 3 bis 5 Stunden vor dem Sex
    • Bei täglicher Einnahme: 50 mg bis 200 mg
    • Bei Einnahme nach Bedarf: 50 mg
    Zugelassen:    
    Dapoxetin Nach Bedarf 1 bis 3 Stunden vor dem Sex
    • Niedrige Dosis: 30 mg
    • Hohe Dosis: 60 mg

     

    Welches Medikament sich eignet, hängt von der persönlichen Situation ab – zum Beispiel davon, wie häufig man Sex hat. Manche Männer möchten nicht täglich Medikamente einnehmen – auch weil Nebenwirkungen dann wahrscheinlicher werden. Andere bevorzugen die tägliche Einnahme, weil Sex nicht immer planbar ist und sie sich dann weniger Gedanken über den Zeitpunkt der Einnahme machen müssen.

    Wie wirksam sind SSRI?

    In Studien verlängerten SSRI die Zeit bis zum Samenerguss im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Placebo) um bis zu fünf Minuten. Mit 3 bis 5 Minuten waren Citalopram und Paroxetin am wirksamsten. Dapoxetin wirkte dagegen am schwächsten: Es verlängerte die Zeit bis zum Samenerguss – je nach Dosierung – um 1 bis 1,5 Minuten. Studien, in denen die Mittel direkt miteinander verglichen wurden, gibt es allerdings kaum.

    Die Studien liefern auch Hinweise darauf, dass SSRI die Kontrolle über den Samenerguss etwas verbessern und die Zufriedenheit mit dem Sex steigern können.

    Welche Nebenwirkungen sind möglich?

    SSRI können zu Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, Schwindel, einem trockenen Mund und Schlafstörungen führen. Zudem können sie die sexuelle Lust dämpfen und selten Erektionsprobleme auslösen.

    Je nach Wirkstoff und Dosierung brachen bis zu 10 % der Männer die Behandlung wegen solcher Nebenwirkungen ab.

    Gelegentlich Kopfschmerzen, Schlafprobleme oder keine Lust auf Sex zu haben, gehört zum normalen Alltag dazu. Wenn solche Beschwerden während der Behandlung auftreten, heißt das also nicht unbedingt, dass das Medikament dafür verantwortlich ist. Daher kann es sinnvoll sein, abzuwarten und zu schauen, ob sich die Beschwerden legen. Manche Nebenwirkungen treten auch nur zu Beginn der Behandlung auf.

    Bei täglicher Einnahme sollten SSRI nicht abrupt abgesetzt werden, weil es dann zu Beschwerden wie Schlafstörungen, Übelkeit und Unruhe kommen kann. Um dies zu vermeiden, wird die Dosis über einige Wochen allmählich verringert.

    Welche Vor- und Nachteile haben Mittel zum Auftragen?

    Cremes, Gels oder Sprays mit den örtlichen Betäubungsmitteln Lidocain oder Prilocain sind eine Alternative zu SSRI. Sie werden 5 bis 20 Minuten vor dem Sex auf die Eichel aufgetragen. Dadurch lässt sich die Zeit bis zum Samenerguss um etwa 3 bis 6 Minuten verlängern.

    Örtliche Betäubungsmittel können zu Taubheitsgefühlen und Brennen auf der empfindlichen Haut der Eichel führen. Ein Nachteil der Mittel ist, dass sie beim Sex auch in die Scheide der Frau gelangen und dort zu ähnlichen Nebenwirkungen führen können. Wichtig ist deshalb, möglichst Kondome zu benutzen und mit der Partnerin über die Anwendung zu reden. Zu beachten ist außerdem: Wenn zwischen dem Auftragen der Mittel und dem Sex länger als 20 Minuten liegen, kann der Penis so taub werden, dass eine Erektion vorübergehend unmöglich wird.

    Eine Alternative sind Kondome, die bereits ein örtliches Betäubungsmittel enthalten. Sie sind in Drogeriemärkten erhältlich.

    Welche anderen Behandlungen gibt es?

    Für Männer, die gleichzeitig mit Erektionsproblemen und vorzeitigen Samenergüssen zu tun haben, kommen auch Potenzmittel infrage. Dazu gehören verschiedene Mittel aus der Gruppe der sogenannten PDE-5-Hemmer, zum Beispiel der Wirkstoff Sildenafil. Auch diese Medikamente werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt.

    Manchmal werden auch andere Medikamente genannt, wie das Schmerzmittel Tramadol, sogenannte trizyklische Antidepressiva oder selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Wegen möglicher Nebenwirkungen oder fehlender Wirksamkeitsnachweise wird von diesen Mitteln aber abgeraten.

    Quellen

    Althof SE, McMahon CG, Waldinger MD, Serefoglu EC, Shindel AW, Adaikan PG et al. An Update of the International Society of Sexual Medicine's Guidelines for the Diagnosis and Treatment of Premature Ejaculation (PE). Sex Med 2014; 2(2): 60-90.

    Cooper K, Martyn-St James M, Kaltenthaler E, Dickinson K, Cantrell A. Interventions to treat premature ejaculation: a systematic review short report. Health Technol Assess 2015; 19(21): 1-180, v-vi.

    Martyn-St James M, Cooper K, Ren K, Kaltenthaler E, Dickinson K, Cantrell A et al. Topical anaesthetics for premature ejaculation: a systematic review and meta-analysis. Sex Health 2016; 13(2): 114-123.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Kann eine Sexualtherapie helfen?

    In einer Sexualtherapie werden mögliche psychische Ursachen für vorzeitige Samenergüsse behandelt – aber auch Probleme wie Selbstzweifel oder Beziehungskonflikte. Sexualtherapien setzen die Bereitschaft voraus, engagiert mitzuarbeiten. Wie gut sie helfen, ist allerdings kaum erforscht.

    Sowohl psychologische als auch biologische Faktoren können zu vorzeitigen Samenergüssen beitragen – und sich auch gegenseitig beeinflussen. Von eher biologischen Ursachen gehen manche Fachleute aus, wenn Männer schon immer mit dem Problem zu tun hatten. Psychische Ursachen halten sie für wahrscheinlicher, wenn vorzeitige Samenergüsse erst im Laufe des Lebens auftreten.

    Bislang gibt es kaum Forschung dazu, ob und wenn ja, welche psychischen Faktoren tatsächlich für vorzeitige Samenergüsse verantwortlich sind. Eine mögliche psychische Ursache für vorzeitige Samenergüsse sind zum Beispiel Ängste, die Partnerin oder den Partner nicht befriedigen zu können. Ausgeprägte Angst kann dazu führen, dass sich das Problem verstärkt und damit einen „Teufelskreis“ in Gang setzen.

    Auch rein biologische Ursachen können psychische Belastungen oder Beziehungsprobleme zur Folge haben. Unabhängig von den Ursachen ist es deshalb sinnvoll, sich mit den Auswirkungen auf das eigene Wohlbefinden, die Partnerin oder den Partner und die Beziehung zu beschäftigen.

    In einer Sexualtherapie werden mögliche psychische Ursachen für vorzeitige Samenergüsse behandelt – aber auch Probleme wie Selbstzweifel oder Beziehungskonflikte. Sexualtherapien setzen die Bereitschaft voraus, engagiert mitzuarbeiten. Wie gut sie helfen, ist allerdings kaum erforscht.

    Sowohl psychologische als auch biologische Faktoren können zu vorzeitigen Samenergüssen beitragen – und sich auch gegenseitig beeinflussen. Von eher biologischen Ursachen gehen manche Fachleute aus, wenn Männer schon immer mit dem Problem zu tun hatten. Psychische Ursachen halten sie für wahrscheinlicher, wenn vorzeitige Samenergüsse erst im Laufe des Lebens auftreten.

    Bislang gibt es kaum Forschung dazu, ob und wenn ja, welche psychischen Faktoren tatsächlich für vorzeitige Samenergüsse verantwortlich sind. Eine mögliche psychische Ursache für vorzeitige Samenergüsse sind zum Beispiel Ängste, die Partnerin oder den Partner nicht befriedigen zu können. Ausgeprägte Angst kann dazu führen, dass sich das Problem verstärkt und damit einen „Teufelskreis“ in Gang setzen.

    Auch rein biologische Ursachen können psychische Belastungen oder Beziehungsprobleme zur Folge haben. Unabhängig von den Ursachen ist es deshalb sinnvoll, sich mit den Auswirkungen auf das eigene Wohlbefinden, die Partnerin oder den Partner und die Beziehung zu beschäftigen.

    Wie können vorzeitige Samenergüsse die Partnerschaft belasten?

    Vorzeitige Samenergüsse beeinträchtigen nicht nur den Geschlechtsverkehr. Auch die Intimität zwischen beiden Partnern kann leiden, wenn ein sehr inniger Moment unerwartet und plötzlich unterbrochen wird.

    Ein ehrliches und vertrauensvolles Gespräch ist die Grundlage, um eine gemeinsame Lösung des Problems zu finden. Sowohl Männern als auch ihren Partnern kann es schwerfallen, offen über vorzeitige Samenergüsse zu sprechen. Manche Frauen oder Männer tun sich damit schwer, weil sie ihren Partner, dessen Selbstbewusstsein vielleicht ohnehin angeschlagen ist, nicht verletzen wollen. Andere sind verärgert, weil ihr Partner nicht bereit ist, über das Problem zu reden.

    Einige Männer haben das Gefühl, der Partnerin oder dem Partner ist gar nicht bewusst, dass sie sich frustriert fühlen. Manche Männer sorgen sich, dass ihr Partner oder ihre Partnerin fremdgehen könnte. Andere gehen irgendwann aus Angst, ihren Partner nicht ausreichend befriedigen zu können, keine Bindungen mehr ein.

    Womit beschäftigt man sich in einer Sexualtherapie?

    Sexualtherapien setzen bei möglichen psychischen Auslösern vorzeitiger Samenergüsse an und beschäftigen sich gleichzeitig mit ihren psychischen Auswirkungen. Je nach Situation kann die Therapie unterschiedliche Ziele haben:

    • Techniken und Strategien zu lernen, die dabei helfen, den Samenerguss hinauszuzögern.
    • Gedanken zu erkennen und abzubauen, die zu vorzeitigen Samenergüssen beitragen können.
    • Einem Mann oder Paar mehr Selbstbewusstsein zu vermitteln, um Ängste abzubauen.
    • Das Verständnis von Sexualität und der Art des intimen Zusammenseins zu erweitern. Ziel ist, den Samenerguss weniger wichtig zu nehmen und die Zufriedenheit mit dem Liebesleben zu erhöhen.
    • Hindernisse für Intimität in der Partnerschaft zu erkennen, um wieder mehr Nähe aufbauen zu können.
    • Paaren zu helfen, offener über Bedürfnisse und Probleme zu sprechen.
    • Zu lernen, manche Probleme zu akzeptieren und Wege zu finden, besser damit umzugehen.
    • Paarkonflikte zu lösen.

    Wie läuft die Therapie ab?

    Eine Sexualtherapie ist als Einzel- oder Paartherapie möglich. Welche Variante infrage kommt und welche Schwerpunkte gesetzt werden, hängt von verschiedenen persönlichen Faktoren ab – unter anderem davon, ob beide Partner für eine Therapie offen sind und welche Probleme im Vordergrund stehen. Sexualtherapien werden zum Beispiel von darauf spezialisierten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten angeboten. Es gibt auch die Möglichkeit, sich an Beratungsstellen mit dem Schwerpunkt Sexualberatung zu wenden, zum Beispiel von pro familia.

    Nachdem sich die Therapeutin oder der Therapeut mit dem Mann oder Paar bekannt und vertraut gemacht hat, vermittelt sie oder er problembezogene Strategien, Techniken oder Übungen.

    Ein Beispiel für eine paartherapeutische Methode ist das Sensualitätstraining (englisch: „Sensate Focus“). Es besteht aus einer Reihe von Übungen, bei der das Paar sich zu Hause gegenseitig auszieht und berührt, umarmt, küsst, streichelt und miteinander redet. Dabei sollen die Geschlechtsteile und Brüste aber zunächst unberührt bleiben. Die Aufmerksamkeit soll nicht auf Sex gerichtet sein und die Übung anfangs auch nicht in Sex münden. Es geht vielmehr darum, den gesamten Körper des Partners bewusster wahrzunehmen. Die Übungen werden dann schrittweise im Laufe mehrerer Wochen ausgeweitet. Erst im letzten Schritt kann dann auch Sex hinzukommen.

    Bei Männern, die eine Einzeltherapie machen und vor allem mit Ängsten und Selbstzweifeln zu tun haben, werden unter anderem Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie eingesetzt. Ziel dabei ist zum Beispiel, schädliche Gedanken zu erkennen und abzubauen. Beispiele für solche Gedanken sind:

    • Alles-oder-nichts-Gedanken: „Ich bin ein Versager, weil ich meinen Samenerguss nicht unter Kontrolle habe.“
    • Emotionale Beweisführung: „Ich fühle mich wie ein schlechter Liebhaber, deshalb muss ich auch einer sein.“
    • Verdrängung von Positivem: „Frauen sagen nur, dass sie befriedigt sind, weil sie meine Gefühle nicht verletzen möchten.“
    • Katastrophisierung: „Weil ich immer zu früh zum Höhepunkt komme, wird meine Freundin mich verlassen.“

    Gedanken wie diese sind „negative“ Vereinfachungen, die schädlich sind. Sie halten einen Mann davon ab, nach Lösungen zu suchen. Bei der kognitiven Therapie werden diese Annahmen und Gedanken positiv umformuliert oder durch andere Sichtweisen ausgetauscht.

    Was kann man von einer Sexualtherapie erwarten?

    Wie vielen Menschen eine Sexualtherapie hilft, lässt sich nicht sicher sagen, da es dazu bislang kaum gute Studien gibt. Ihr Erfolg hängt außerdem davon ab, wie man ihn bemisst: Geht es nur darum, die Zeit bis zum Samenerguss zu verlängern oder gibt es noch andere Ziele der Therapie?

    Eine Therapie bedeutet immer Arbeit an sich selbst und setzt voraus, dass man dazu bereit ist. Zudem kann es bei jeder Therapie zu unerwarteten Erkenntnissen kommen. Zum Beispiel kann sich herausstellen, dass einer der Partner ein tiefergehendes psychisches Problem hat.

    Eine Therapie kann auch unerwünschte Wirkungen haben. So können Konflikte zwischen den Partnern überhaupt erst offen zutage treten oder sich verstärken. Das kann zum Beispiel passieren, wenn sich herausstellt, dass ein Partner dem anderen gegenüber unehrlich war oder etwas vorgespielt hat.

    Ob man eine Sexualtherapie versuchen möchte, ist eine sehr persönliche Entscheidung. Dabei ist auch zu bedenken, dass die Kosten häufig nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Daher ist es sinnvoll, eine Kostenübernahme vorher abzuklären.

    Quellen

    Althof SE, McMahon CG, Waldinger MD, Serefoglu EC, Shindel AW, Adaikan PG et al. An Update of the International Society of Sexual Medicine's Guidelines for the Diagnosis and Treatment of Premature Ejaculation (PE). Sex Med 2014; 2(2): 60-90.

    Cooper K, Martyn-St James M, Kaltenthaler E, Dickinson K, Cantrell A. Interventions to treat premature ejaculation: a systematic review short report. Health Technol Assess 2015; 19(21): 1-180, v-vi.

    Cooper K, Martyn-St James M, Kaltenthaler E, Dickinson K, Cantrell A, Wylie K et al. Behavioral Therapies for Management of Premature Ejaculation: A Systematic Review. Sex Med 2015; 3(3): 174-188.

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