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Endometriose

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    Endometriose? Nie gehört. – So geht es vielen, obwohl Endometriose eine häufige Unterleibserkrankung bei Frauen ist. Bei manchen macht sie sich kaum bemerkbar, andere haben jeden Monat tagelang starke Schmerzen. Lesen Sie über Ursachen, Folgen, typische Beschwerden und Behandlungsmöglichkeiten.

    Einleitung

    Endometriose ist eine der häufigsten Unterleibs-Erkrankungen bei Frauen. Die Ursache sind Ansiedlungen von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter. Fachleute bezeichnen solche Gewebeinseln auch als „Endometriose-Herde“. Sie können vorkommen, ohne dass eine Frau davon etwas spürt. Bei anderen ist Endometriose aber eine chronische Erkrankung, die starke Schmerzen verursacht und die Fruchtbarkeit mindert. Oft dauert es Jahre, bis eine Endometriose als Ursache der Beschwerden festgestellt wird. Bis zur Diagnose versuchen viele Frauen, irgendwie mit ihren Schmerzen zurechtzukommen. Sie glauben, selbst stärkste Schmerzen seien normal und gehörten zur Regelblutung dazu.

    Bislang lässt sich Endometriose nicht vollständig heilen – aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden zu behandeln. Wenn die Therapie auf die persönlichen Lebensumstände und die Ausprägung der Erkrankung abgestimmt ist, können viele Frauen recht gut mit Endometriose leben.

    Wie bei anderen chronischen Krankheiten ist es wichtig, den eigenen Körper und seine Reaktionen kennenzulernen, um Wege zu finden, mit den Beschwerden umzugehen. Gute Informationen und die Zusammenarbeit mit erfahrenen, unterstützenden Ärztinnen und Ärzten können dabei helfen.

    Symptome

    Das Hauptsymptom einer Endometriose sind Unterleibsschmerzen. Sie treten oft zusammen mit der Regelblutung, während oder nach dem Geschlechtsverkehr auf. Die Schmerzen können mal stärker, mal schwächer sein und in den Unterbauch, den Rücken und die Beine ausstrahlen. Sie werden oft als krampfartig erlebt und können von Übelkeit, Erbrechen und Durchfall begleitet sein.

    Wie sich die Schmerzen äußern, hängt auch davon ab, wo sich Gebärmutterschleimhaut in der Bauchhöhle festgesetzt hat. Endometriose-Herde können zum Beispiel außen auf der Gebärmutter oder in der Wand eines Eileiters wachsen. Häufig sind zudem die Eierstöcke, der „Douglas'sche Raum“ zwischen Gebärmutter und Enddarm sowie das dazugehörige Bindegewebe betroffen. Wenn die Eierstöcke oder Eileiter befallen sind, ist oft die Fruchtbarkeit beeinträchtigt.

     

    Grafik: Unterleib mit Endometriose-Herden, wie im Text beschrieben

     

    Manchmal bilden sich Endometriose-Herde auch in Organen wie der Blase oder dem Darm, was zu Problemen beim Wasserlassen und beim Stuhlgang führen kann.

    Eine schwere Endometriose kann die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit stark einschränken.

    Ursachen

    In jedem Menstruationszyklus baut sich die Schleimhaut in der Gebärmutter neu auf. Wenn es zu keiner Befruchtung kommt, löst sich die Schleimhaut ab und die Regelblutung setzt ein.

    Die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutter verhält sich so wie die Schleimhaut in der Gebärmutter: In der ersten Hälfte des Monatszyklus wächst sie heran und wird am Ende wieder abgestoßen.

    Das abgelöste Gewebe der Endometriose-Herde kann aber aus dem Bauchraum nicht abfließen wie eine Regelblutung über die Scheide. Bei vielen Frauen entfernt der Körper Gewebe und Blut unbemerkt und folgenlos. Bei anderen Frauen führen die Gewebereste zu Verklebungen, Entzündungen und Zysten. Je nachdem, wo sie sich bilden, können sie unterschiedlich starke Schmerzen auslösen. Zysten sind mit Flüssigkeit gefüllte Blasen im Gewebe.

    Über die Entstehung von Endometriose gibt es verschiedene Theorien. Eine geht von einer Störung des Zusammenspiels der Hormone oder des Immunsystems aus. Denn normalerweise sorgt die körpereigene Abwehr dafür, dass sich Gewebe aus einem Organ nicht in anderen Bereichen des Körpers festsetzt. Wie es zum Wachstum von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter kommt, ist bis heute unklar.

    Endometriose-Herde sind gutartig. Auch wenn sie wachsen und manchmal andere Organe beeinträchtigen können, ist es extrem selten, dass sich Krebs aus ihnen entwickelt.

    Häufigkeit

    Verschiedene Schätzungen legen nahe, dass Endometriose eine weit verbreitete Erkrankung ist:

    • Die Zahlen aus Erhebungen bei beschwerdefreien Frauen schwanken stark: Demnach haben zwischen 2 und etwa 50 % der Frauen „stille“ Endometriose-Herde, die sie nicht spüren.
    • Bei Frauen mit stark schmerzhaften Regelblutungen geht man davon aus, dass 40 bis 60 % von ihnen eine Endometriose haben.
    • Ungewollt kinderlose Frauen haben vermutlich zu 20 bis 30 % eine Endometriose.

    Insgesamt lässt sich also sagen, dass Endometriose eine weit verbreitete Erkrankung ist.

    Verlauf

    Eine Endometriose tritt normalerweise nur in den fruchtbaren Jahren einer Frau auf, also zwischen ihrer ersten und letzten Regelblutung. Nur sehr selten macht sie sich schon vor der ersten Regelblutung oder nach den Wechseljahren bemerkbar.

    Frauen mit milder Endometriose und leichten Beschwerden haben gute Chancen, dass ihre Erkrankung nicht weiter fortschreitet. Endometriose-Beschwerden können aber mit der Zeit zunehmen.

    Wie sich eine Endometriose entwickelt, lässt sich nicht sicher vorhersagen. Manchmal bilden sich Endometriose-Herde ohne Behandlung spontan zurück. Bei den meisten Frauen klingen die Beschwerden nach der letzten Regelblutung (Menopause) ab.

    Im Verlauf der Erkrankung können sich Endometriose-Herde vergrößern, oder es bilden sich Zysten. Endometriose-Zysten an den Eierstöcken werden als „Endometriome“ bezeichnet. Sie enthalten oft verdicktes dunkles Blut, weshalb sie auch „Schokoladenzysten“ heißen. Wenn Zysten und Verwachsungen die Funktion der Eierstöcke und Eileiter beeinträchtigen, ist häufig auch die Fruchtbarkeit vermindert. Eine stark ausgeprägte Endometriose kann also ein Grund sein, wenn eine Frau nicht schwanger wird. Es ist jedoch unklar, ob dies auch für eine milde Endometriose gilt.

    In der Regel kann eine gezielte Therapie die Beschwerden lindern. Endometriose-Herde können operativ entfernt werden, bei einigen Frauen bilden sie sich während einer Behandlung mit hormonellen Mitteln zurück. Oft kehren sie nach dem Abschluss einer Therapie aber auch wieder.

    Folgen

    Eine Endometriose mit starken Beschwerden kann fast alle Lebensbereiche einer Frau betreffen. Viele Frauen fühlen sich durch ihre immer wiederkehrenden Unterleibsschmerzen in ihrer Weiblichkeit beeinträchtigt. Vor allem jungen Frauen mit starken Beschwerden fällt es dann oft schwer, ein positives Verhältnis zum eigenen Körper zu entwickeln. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr erschweren eine lustvolle Sexualität. Chronische Schmerzen können zu Müdigkeit, Reizbarkeit oder zu depressiven Verstimmungen führen. Zudem kann eine ausgeprägte Endometriose den Wunsch nach eigenen Kindern unerfüllt lassen. All dies kann auch eine Partnerschaft erheblich belasten.

    Viele Frauen werden durch die immer wiederkehrenden Schmerzen darin gehindert, alltägliche Aufgaben zu erledigen, ihren Beruf auszufüllen oder Freizeitaktivitäten nachzugehen. Frauen, die wegen starker Schmerzen und Krämpfe häufig nicht zur Arbeit gehen können, haben oft mit Problemen am Arbeitsplatz, mit Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen zu kämpfen.

    Diagnose

    Da es viele Ursachen für starke Unterleibsbeschwerden gibt, wird Endometriose oft erst erkannt, wenn Behandlungsversuche gegen andere mögliche Ursachen nicht helfen oder ein Kinderwunsch unerfüllt bleibt. Bei Frauen ohne Beschwerden ist die Diagnose einer Endometriose oft ein Zufallsbefund. Das Ausbleiben einer Schwangerschaft ist häufig der Grund, ärztliche Hilfe zu suchen.

    Es gibt verschiedene Untersuchungsmethoden, mit denen Ärztinnen und Ärzte versuchen, Endometriose-Herde, Narben und Verwachsungen zu erkennen und andere Ursachen für Beschwerden auszuschließen. Am Anfang stehen ein ausführliches Gespräch über die Art der Beschwerden (Anamnese) und eine allgemeine körperliche sowie gynäkologische Untersuchung. Je nach Beschwerden können weitere Untersuchungen bis hin zu einer Spiegelung der Bauchhöhle (Laparoskopie) hinzukommen.

    Wenn die Diagnose gestellt ist, ist oft eine Behandlung möglich, die die Schmerzen lindert oder ganz verschwinden lässt. Dies und das Wissen, dass es sich um eine gutartige Erkrankung handelt, bedeutet für die meisten Frauen eine große Entlastung.

    Behandlung

    Es gibt derzeit keine Therapie, die die Endometriose heilen, also ihre Ursachen beseitigen kann. Verschiedene Behandlungsmöglichkeiten können jedoch helfen, die Symptome vorübergehend oder dauerhaft zu lindern. Eine medikamentöse Behandlung ist mit Schmerzmitteln, hormonellen Verhütungsmitteln oder stärkeren Hormonen möglich. Während Schmerzmittel allein die Beschwerden lindern, bremsen hormonelle Mittel das Wachstum der Endometriose-Herde.

    Eine Alternative ist eine Operation: Im Allgemeinen ist es das Ziel, dadurch möglichst alle Endometriose-Herde zu beseitigen. Wenn zum Beispiel der Darm oder die Blase beeinträchtigt werden, kann eine Operation sogar unvermeidlich sein.

    Rehabilitation

    Nach einer Operation oder wenn die Beschwerden trotz umfangreicher Therapie anhalten, besteht die Möglichkeit, eine Rehabilitation oder „Anschlussheilbehandlung“ in Anspruch zu nehmen. Manche Kliniken bieten speziell auf Endometriose ausgerichtete Therapieprogramme an.

    Außerdem gibt es „Endometriose-Zentren“. In diesen nach bestimmten Kriterien geprüften (zertifizierten) Einrichtungen arbeiten speziell ausgebildete Fachkräfte aus verschiedenen Gesundheitsberufen zusammen. Ziel ist, jeder Frau ein auf ihre Beschwerden und ihre Lebenssituation persönlich abgestimmtes Therapie-Paket anzubieten. Ob dieser Behandlungsansatz anderen Therapien überlegen ist, ist aber noch nicht gut untersucht.

    Leben und Alltag

    Endometriose ist eine Erkrankung, die viele wichtige Lebensbereiche betreffen kann – vom Selbstgefühl als Frau bis hin zu Partnerschaft, Familien- und Lebensplanung. Um einen Weg zu finden, trotz der Beschwerden eine möglichst gute Lebensqualität zu erhalten, müssen einige Entscheidungen getroffen werden. Dabei helfen gute Informationen – über die Art der Therapie wie über Möglichkeiten, das eigene Leben so zu organisieren, dass die Beschwerden den Alltag möglichst wenig belasten.

    Wichtig ist eine gute Betreuung und Begleitung durch eine Ärztin oder einen Arzt mit umfassenden Erfahrungen in der Diagnose und Behandlung von Endometriose. Ärztliche Begleiter sollten sich auch mit den körperlichen wie psychischen Belastungen und sozialen Auswirkungen der Erkrankung auskennen. Es kann hilfreich sein, eine zweite Meinung heranzuziehen, wenn schwierige Entscheidungen anstehen, wie zum Beispiel für oder gegen eine Operation.

    Um mit Endometriose und ihren möglichen Folgen umgehen zu können, ist eine gute Unterstützung durch Familie, Partner oder Freunde wertvoll. Dies setzt voraus, dass auch Angehörige über die Erkrankung informiert sind und Verständnis für die Belastungen aufbringen, die sie mit sich bringt. Für manche Frauen bedeutet auch der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe eine wichtige Unterstützung. Andere möchten ihre Probleme lieber für sich lösen. Entscheidend ist, dass jede Frau ihren eigenen Weg findet, mit der chronischen Erkrankung umzugehen.

    Weitere Informationen

    In Deutschland gibt es ein breites Angebot zur persönlichen Beratung und Unterstützung im Krankheitsfall. Viele dieser Angebote sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert und nicht immer direkt zu finden. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, Angebote vor Ort zu finden und zu nutzen.

    Quellen

    Ballard K, Lowton K, Wright J. What's the delay? A qualitative study of women's experiences of reaching a diagnosis of endometriosis. Fertil Steril 2006; 86(5): 1296-1301.

    Denny E. Women's experience of endometriosis. J Adv Nurs 2004; 46(6): 641-648.

    Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Interdisziplinäre S2k-Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Endometriose. AWMF-Registernr.: 015-045. 08.2013.

    Fernandez I, Reid C, Dziurawiec S. Living with endometriosis: the perspective of male partners. J Psychosom Res 2006; 61(4): 433-438.

    Giudice LC, Kao LC. Endometriosis. Lancet 2004; 364(9447): 1789-1799.

    Hickey M, Ballard K, Farquhar C. Endometriosis. BMJ 2014; 348: g1752.

    Hughes E, Brown J, Collins JJ, Farquhar C, Fedorkow DM, Vanderkerchove P. Ovulation suppression for endometriosis for women with subfertility. Cochrane Database Syst Rev 2007; (3): CD000155.

    Husby GK, Haugen RS, Moen MH. Diagnostic delay in women with pain and endometriosis. Acta Obstet Gynecol Scand 2003; 82(7): 649-653.

    Jones G, Jenkinson C, Kennedy S. The impact of endometriosis upon quality of life: a qualitative analysis. J Psychosom Obstet Gynaecol 2004; 25(2): 123-133.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Operation: Welche Vor- und Nachteile hat es, zusätzlich Hormone einzunehmen?

    Es ist nicht nachgewiesen, dass die Einnahme von hormonellen Medikamenten vor oder nach einer Endometriose-Operation das Behandlungsergebnis verbessert. Hormonpräparate wie GnRH-Analoga haben jedoch häufig Nebenwirkungen und verringern während der Einnahme die Fruchtbarkeit.

    Endometriose entsteht, wenn sich Gebärmutterschleimhaut im Bauchraum ansiedelt. Wenn diese Gewebsansiedlungen (Endometriose-Herde) starke Schmerzen verursachen oder die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, entscheiden sich manche Frauen für eine Operation.

    Bei der Operation sollen möglichst alle sichtbaren Endometriose-Herde entfernt werden. Manche Fachleute hoffen, dass eine Kombination aus Operation und Hormonbehandlung die Aussichten auf Erfolg verbessern könnte. In diesem Fall nimmt eine Frau vor und / oder nach der Operation zusätzlich hormonelle Medikamente ein. Diese Behandlung soll die Operation erleichtern und mögliche Beschwerden nach dem Eingriff verringern.

    Für die Hormonbehandlung kommen verschiedene Wirkstoffe infrage, die die Hormonproduktion in den Eierstöcken unterdrücken. Dazu gehören sogenannte GnRH-Analoga (englisch: Gonadotropin-Releasing Hormones). Allerdings haben diese Medikamente eine Reihe von Nebenwirkungen wie verstärkten Haarwuchs, Hitzewallungen oder eine Verringerung der Knochendichte.

    Eine Alternative zu den GnRH-Analoga sind hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille. Sie enthalten meist Gestagene und Östrogene und sind in der Regel besser verträglich als GnRH-Analoga. Während einer Hormonbehandlung ist eine Schwangerschaft so gut wie ausgeschlossen.

    Forschung zur Hormoneinnahme vor oder nach einer Operation

    Eine Wissenschaftlergruppe des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration hat die Vor- und Nachteile einer Hormonbehandlung zusätzlich zur Operation geprüft. Dazu wertete sie 16 Studien aus, in denen die Medikamente entweder

    • nur vor oder nur nach der Operation oder
    • sowohl vor als auch nach der Operation eingesetzt wurden.

    An den Studien nahmen knapp über 1400 Frauen teil, die überwiegend GnRH-Analoga einnahmen. Über den Einsatz anderer hormoneller Verhütungsmittel wie der Pille vor und / oder nach einer Operation ist daher nur wenig bekannt.

    Studien zur Hormoneinnahme vor einer Operation

    Zwei Studien befassten sich mit der Hormonbehandlung vor einer Operation und verglichen die Ergebnisse mit denen einer Operation ohne zusätzliche Hormonbehandlung. Es gab Hinweise darauf, dass eine Hormonbehandlung vor der Operation die Größe von Endometriose-Zysten verringern konnte. Die Studien untersuchten jedoch nicht, ob dies auch mit geringeren Schmerzen verbunden war oder ob die Frauen andere Vorteile hatten, zum Beispiel eine Verbesserung der Fruchtbarkeit.

    Studien zur Hormoneinnahme nach einer Operation

    Zwölf Studien untersuchten die Wirkung einer Hormonbehandlung nach einer Operation. Sie zeigten widersprüchliche Ergebnisse: In einer Studie konnte die Gabe von Hormonen die Schmerzen nach dem Eingriff verringern, in den anderen Studien nicht. Die Fruchtbarkeit wurde durch eine Hormoneinnahme nach der Operation nicht verbessert. Die Studien konnten auch nicht nachweisen, dass eine Hormonbehandlung nach einer Operation die Wahrscheinlichkeit für ein erneutes Auftreten der Endometriose verringert.

    Studien zur Hormoneinnahme vor und nach einer Operation

    Nur eine Studie mit wenigen Frauen untersuchte, ob es hilft, Hormone sowohl vor als auch nach der Operation zu nehmen. Diese Untersuchung reicht nicht aus, um die Vor- und Nachteile dieser Einnahme verlässlich zu beurteilen.

    Nebenwirkungen

    Viele der Studienteilnehmerinnen, die eine Hormonbehandlung bekamen, berichteten über Nebenwirkungen. In den meisten Studien wurden die Nebenwirkungen allerdings nicht genau genug erfasst, um ihre Häufigkeit abschätzen zu können. Viele der hormonell behandelten Frauen gaben jedoch an, dass ihre Regelblutung ausblieb, sie also nicht schwanger werden konnten. Das ist für Frauen mit Kinderwunsch ein wichtiger Nachteil der zusätzlichen Hormonbehandlung.

    Quellen

    Yap C, Furness S, Farquhar C. Pre and post operative medical therapy for endometriosis surgery. Cochrane Database Syst Rev 2004; (3): CD003678.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Beschwerden bei Endometriose

    Eine Endometriose löst bei manchen Frauen starke Schmerzen und Krämpfe aus, bei anderen macht sie sich nur durch leichte Beschwerden oder gar nicht bemerkbar. Endometriose-Beschwerden treten vorwiegend während der Regelblutung, manchmal aber auch unabhängig davon auf. Die Stärke der Symptome hängt auch nicht immer davon ab, wie ausgeprägt die Endometriose ist.

    Mediziner sprechen von Endometriose, wenn Ansiedlungen (Herde) von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter auftreten. Diese Herde müssen nicht immer Schmerzen verursachen. Je nach Ausprägung der Endometriose können unterschiedliche Symptome auftreten. Die häufigsten sind:

    • starke Menstruationsschmerzen (Dysmenorrhoe): Während der Regelblutung (Menstruation) zieht sich die Gebärmutter immer wieder zusammen, um die Schleimhaut abzustoßen. Dies kann zu Regelschmerzen führen. Bei einer Endometriose können Schmerzen und Krämpfe während der Regelblutung besonders stark sein. Viele Mädchen und Frauen halten das für normal, weil sie es nicht anders kennen. Sie kommen nicht auf die Idee, dass hinter starken Menstruationsbeschwerden eine Krankheit stecken könnte.
    • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie): Diese Schmerzen werden meist als brennend oder krampfartig empfunden. Manchmal treten die Schmerzen auch erst nach dem Geschlechtsverkehr auf.
    • Unterleibsbeschwerden: Schmerzen unterschiedlicher Stärke können an verschiedenen Stellen im Unterleib spürbar sein und manchmal in den Rücken oder die Beine ausstrahlen. Sie treten nicht unbedingt im Zusammenhang mit der Monatsblutung auf. Dauerhafte (chronische) Unterleibsbeschwerden sind eher selten.
    • Magen-Darm-Beschwerden: Wenn der Darm von einer Endometriose betroffen ist, können Völlegefühl oder Schmerzen beim Stuhlgang die Folge sein. Ist die Blase betroffen, kann das Wasserlassen wehtun.
    • Erschöpfung: Starke und häufige Endometriose-Beschwerden führen oft zu allgemeiner Erschöpfung. Betroffene Frauen sind dann körperlich und psychisch weniger belastbar.

    Die beschriebenen Symptome können auch andere Ursachen haben als Endometriose. Für eine eindeutige Diagnose reichen sie daher nicht aus.

    Eine Endometriose löst bei manchen Frauen starke Schmerzen und Krämpfe aus, bei anderen macht sie sich nur durch leichte Beschwerden oder gar nicht bemerkbar. Endometriose-Beschwerden treten vorwiegend während der Regelblutung, manchmal aber auch unabhängig davon auf. Die Stärke der Symptome hängt auch nicht immer davon ab, wie ausgeprägt die Endometriose ist.

    Mediziner sprechen von Endometriose, wenn Ansiedlungen (Herde) von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter auftreten. Diese Herde müssen nicht immer Schmerzen verursachen. Je nach Ausprägung der Endometriose können unterschiedliche Symptome auftreten. Die häufigsten sind:

    • starke Menstruationsschmerzen (Dysmenorrhoe): Während der Regelblutung (Menstruation) zieht sich die Gebärmutter immer wieder zusammen, um die Schleimhaut abzustoßen. Dies kann zu Regelschmerzen führen. Bei einer Endometriose können Schmerzen und Krämpfe während der Regelblutung besonders stark sein. Viele Mädchen und Frauen halten das für normal, weil sie es nicht anders kennen. Sie kommen nicht auf die Idee, dass hinter starken Menstruationsbeschwerden eine Krankheit stecken könnte.
    • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie): Diese Schmerzen werden meist als brennend oder krampfartig empfunden. Manchmal treten die Schmerzen auch erst nach dem Geschlechtsverkehr auf.
    • Unterleibsbeschwerden: Schmerzen unterschiedlicher Stärke können an verschiedenen Stellen im Unterleib spürbar sein und manchmal in den Rücken oder die Beine ausstrahlen. Sie treten nicht unbedingt im Zusammenhang mit der Monatsblutung auf. Dauerhafte (chronische) Unterleibsbeschwerden sind eher selten.
    • Magen-Darm-Beschwerden: Wenn der Darm von einer Endometriose betroffen ist, können Völlegefühl oder Schmerzen beim Stuhlgang die Folge sein. Ist die Blase betroffen, kann das Wasserlassen wehtun.
    • Erschöpfung: Starke und häufige Endometriose-Beschwerden führen oft zu allgemeiner Erschöpfung. Betroffene Frauen sind dann körperlich und psychisch weniger belastbar.

    Die beschriebenen Symptome können auch andere Ursachen haben als Endometriose. Für eine eindeutige Diagnose reichen sie daher nicht aus.

    Wie werden die Schmerzen empfunden?

    Die Stärke von Schmerzen ist nicht objektiv messbar. Nur eine betroffene Frau selbst kann einschätzen, wie stark ihre Beschwerden sind und wie sie sich auf ihre Lebensqualität auswirken. Manche Frauen empfinden ihre Schmerzen als sehr aggressiv und belastend, sie beschreiben sie zum Beispiel mit dem Ausdruck „wie ein Messer in den Eierstöcken ...“ oder als „brennend, beißend, scharf ..."

    Zwischen dem, was Ärztinnen und Ärzte bei der Untersuchung einer Frau feststellen (medizinischer Befund), und dem Ausmaß ihrer Beschwerden besteht oft ein großer Unterschied. Es ist also nicht so, dass viele und große Endometriose-Herde automatisch starke Beschwerden verursachen. Umgekehrt können auch kleine Herde sehr schmerzhaft sein. Dies ist nicht immer leicht zu verstehen – weder für die betroffenen Frauen selbst noch für ihre Ärztinnen und Ärzte.

    Quellen

    Denny E. Women's experience of endometriosis. J Adv Nurs 2004; 46(6): 641-648.

    Hickey M, Ballard K, Farquhar C. Endometriosis. BMJ 2014; 348: g1752.

    Jones G, Jenkinson C, Kennedy S. The impact of endometriosis upon quality of life: a qualitative analysis. J Psychosom Obstet Gynaecol 2004; 25(2): 123-133.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Wie entsteht Endometriose?

    Bei Endometriose wächst Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) auch außerhalb der Gebärmutter. Wie es dazu kommt, ist bis heute unklar. Es gibt verschiedene Theorien über die Ursachen von Endometriose, und wahrscheinlich spielen mehrere Faktoren eine Rolle.

    Die Innenwände der Gebärmutter (Uterus) sind vollständig mit Gebärmutterschleimhaut überzogen. Was sie von anderen Schleimhäuten des Körpers unterscheidet, ist vor allem ihre Wandlungsfähigkeit: Im Verlauf jedes Monatszyklus vermehren sich ihre Zellen, sie wird dicker und bereitet sich darauf vor, ein befruchtetes Ei zu ernähren, sobald es sich in ihr eingenistet hat. Kommt es zu keiner Befruchtung, wird der größte Teil des aufgebauten Schleimhaut-Polsters mit der Regelblutung wieder abgestoßen. Den Auf- und Abbau der Gebärmutterschleimhaut steuern die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron.

     

    Grafik: Querschnitt: Frontalansicht Gebärmutter ohne Endometriose Querschnitt: Frontalansicht Gebärmutter ohne Endometriose

     

    Einfluss der Hormone auf die Gebärmutterschleimhaut im Verlauf eines Monatszyklus Einfluss der Hormone auf die Gebärmutterschleimhaut im Verlauf eines Monatszyklus

     

    Bei der Endometriose wächst Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb der Gebärmutterhöhle. Medizinisch werden die Erscheinungsformen der Endometriose danach eingeteilt, wo sich die Schleimhaut-Ansiedlungen (Endometrium-Herde) befinden:

    1. in der Gebärmuttermuskulatur oder in der Eileiterwand, wobei das Gewebe mit der Gebärmutterschleimhaut verbunden ist (häufig);
    2. im Bereich des kleinen Beckens mit den Eierstöcken, Eileitern sowie dem „Douglas'schen Raum“ zwischen Gebärmutter und Enddarm (häufig);
    3. außerhalb des kleinen Beckens, zum Beispiel in Blase oder Darm (selten), sehr selten auch darüber hinaus, zum Beispiel in der Lunge.

    Im Verlauf jedes Monatszyklus baut sich auch die Schleimhaut der Endometriose-Herde außerhalb der Gebärmutter regelmäßig auf und wieder ab. Da Blut und Gewebereste aber nicht über die Scheide abfließen können, verbleiben sie in der Umgebung des Endometriose-Herds. Dort können sie zu Entzündungen und in der Folge zu Narben und Verwachsungen führen.

     

    Grafik: Unterleib mit Endometriose-Herden, wie im Text beschrieben

    Bei Endometriose wächst Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) auch außerhalb der Gebärmutter. Wie es dazu kommt, ist bis heute unklar. Es gibt verschiedene Theorien über die Ursachen von Endometriose, und wahrscheinlich spielen mehrere Faktoren eine Rolle.

    Die Innenwände der Gebärmutter (Uterus) sind vollständig mit Gebärmutterschleimhaut überzogen. Was sie von anderen Schleimhäuten des Körpers unterscheidet, ist vor allem ihre Wandlungsfähigkeit: Im Verlauf jedes Monatszyklus vermehren sich ihre Zellen, sie wird dicker und bereitet sich darauf vor, ein befruchtetes Ei zu ernähren, sobald es sich in ihr eingenistet hat. Kommt es zu keiner Befruchtung, wird der größte Teil des aufgebauten Schleimhaut-Polsters mit der Regelblutung wieder abgestoßen. Den Auf- und Abbau der Gebärmutterschleimhaut steuern die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron.

     

    Grafik: Querschnitt: Frontalansicht Gebärmutter ohne Endometriose Querschnitt: Frontalansicht Gebärmutter ohne Endometriose

     

    Einfluss der Hormone auf die Gebärmutterschleimhaut im Verlauf eines Monatszyklus Einfluss der Hormone auf die Gebärmutterschleimhaut im Verlauf eines Monatszyklus

     

    Bei der Endometriose wächst Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb der Gebärmutterhöhle. Medizinisch werden die Erscheinungsformen der Endometriose danach eingeteilt, wo sich die Schleimhaut-Ansiedlungen (Endometrium-Herde) befinden:

    1. in der Gebärmuttermuskulatur oder in der Eileiterwand, wobei das Gewebe mit der Gebärmutterschleimhaut verbunden ist (häufig);
    2. im Bereich des kleinen Beckens mit den Eierstöcken, Eileitern sowie dem „Douglas'schen Raum“ zwischen Gebärmutter und Enddarm (häufig);
    3. außerhalb des kleinen Beckens, zum Beispiel in Blase oder Darm (selten), sehr selten auch darüber hinaus, zum Beispiel in der Lunge.

    Im Verlauf jedes Monatszyklus baut sich auch die Schleimhaut der Endometriose-Herde außerhalb der Gebärmutter regelmäßig auf und wieder ab. Da Blut und Gewebereste aber nicht über die Scheide abfließen können, verbleiben sie in der Umgebung des Endometriose-Herds. Dort können sie zu Entzündungen und in der Folge zu Narben und Verwachsungen führen.

     

    Grafik: Unterleib mit Endometriose-Herden, wie im Text beschrieben

    Theorien zu den Ursachen

    Nach der sogenannten Verschleppungs- oder Transplantationstheorie gelangen Zellen aus der Gebärmutterschleimhaut in andere Bereiche des Körpers und siedeln sich dort an. Man geht davon aus, dass dies auf zwei Wegen passieren kann: Zellen werden über den Blutkreislauf verschleppt oder wandern mit Menstruationsblut über die Eileiter in den Bauchraum. Letzteres wird als retrograde Menstruation bezeichnet. Vermutlich kommt sie aber bei vielen Frauen vor – und die Theorie erklärt nicht, warum sich die Schleimhautzellen nur bei einigen Frauen im Bauchraum ansiedeln. Daher wird angenommen, dass zusätzlich das Zusammenspiel der Hormone oder des Immunsystems gestört ist. Denn normalerweise sorgt die körpereigene Abwehr dafür, dass sich Zellen aus einem Organ nicht anderswo im Körper festsetzen können.

    Die zweite Theorie geht davon aus, dass sich bestimmte Zellen außerhalb der Gebärmutter aus ungeklärten Gründen in Endometrium-Zellen umwandeln können.

    Da Endometriose in manchen Familien gehäuft vorkommt, könnten auch genetische Faktoren bei der Anfälligkeit für die Krankheit eine Rolle spielen. Es gibt zurzeit jedoch keine Hinweise für eine direkte Vererbung.

    Quellen

    Giudice LC, Kao LC. Endometriosis. Lancet 2004; 364(9447): 1789-1799.

    Hickey M, Ballard K, Farquhar C. Endometriosis. BMJ 2014; 348: g1752.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Untersuchungen bei Endometriose

    Endometriose wird oft erst sehr spät erkannt und behandelt. Beim Verdacht auf Endometriose ist es wichtig zu überlegen, welche Untersuchungen tatsächlich nötig sind. Um über die beste Behandlung der Beschwerden entscheiden zu können, helfen eingreifende Untersuchungen wie eine Bauchspiegelung nicht unbedingt. Sie sind außerdem mit Risiken verbunden.

    Bei der Endometriose wächst Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) auch außerhalb der Gebärmutter. Diese sogenannten Endometriose-Herde sind gutartig und führen nicht bei allen Frauen zu spürbaren Beschwerden. Die meisten Frauen suchen erst dann ärztliche Hilfe, wenn die Endometriose erhebliche Schmerzen verursacht oder eine Schwangerschaft ausbleibt.

    Zu den typischen Beschwerden, die auf eine Endometriose hinweisen können, gehören insbesondere starke Regelschmerzen, Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr sowie druckempfindliche Stellen in bestimmten Bereichen des Beckens.

    Endometriose wird oft erst sehr spät erkannt und behandelt. Beim Verdacht auf Endometriose ist es wichtig zu überlegen, welche Untersuchungen tatsächlich nötig sind. Um über die beste Behandlung der Beschwerden entscheiden zu können, helfen eingreifende Untersuchungen wie eine Bauchspiegelung nicht unbedingt. Sie sind außerdem mit Risiken verbunden.

    Bei der Endometriose wächst Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) auch außerhalb der Gebärmutter. Diese sogenannten Endometriose-Herde sind gutartig und führen nicht bei allen Frauen zu spürbaren Beschwerden. Die meisten Frauen suchen erst dann ärztliche Hilfe, wenn die Endometriose erhebliche Schmerzen verursacht oder eine Schwangerschaft ausbleibt.

    Zu den typischen Beschwerden, die auf eine Endometriose hinweisen können, gehören insbesondere starke Regelschmerzen, Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr sowie druckempfindliche Stellen in bestimmten Bereichen des Beckens.

    Anamnese und Tastuntersuchung

    Der erste Untersuchungsschritt ist ein ausführliches Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt. Damit sie oder er sich ein Bild machen kann, ist es wichtig, über alle Symptome zu berichten: Seit wann die Schmerzen bestehen, wie stark sie sind, an welcher Körperstelle sie sich bemerkbar machen, wie sie empfunden werden und unter welchen Umständen sie auftreten. Auch die Auswirkungen der Schmerzen können Aufschluss darüber geben, was gegen die Erkrankung getan werden sollte: Zum Beispiel, ob sie regelmäßig den Alltag stören und daran hindern, den normalen täglichen Aktivitäten nachzugehen, oder ob das Liebesleben darunter leidet.

    Der nächste diagnostische Schritt ist eine allgemeine gynäkologische Untersuchung. Bei der gynäkologischen Tastuntersuchung prüft die Ärztin oder der Arzt, ob leichtes Bewegen der Gebärmutter, Druck auf ihre Seiten und Haltebänder sowie auf den Bereich zwischen der hinteren Gebärmutterwand und dem Mastdarm (Douglas'scher Raum) schmerzhaft sind. Auch Knoten und Verhärtungen im Bindegewebe des Beckens können ein Hinweis auf Endometriose sein. Diese kommen allerdings auch bei Verwachsungen aufgrund anderer Ursachen vor.

    Für eine Tastuntersuchung streift die Ärztin oder der Arzt sterile Handschuhe über und ertastet Form und Beschaffenheit der Organe mit ein oder zwei Fingern einer Hand von innen über die Scheide und den After, von außen mit der anderen Hand über die Bauchdecke.

    Eine gynäkologische Untersuchung umfasst in der Regel auch eine Sichtuntersuchung der Scheide mit einem Scheidenspiegel (Spekulum). Erst wenn Anamnese, Sicht- und Tastuntersuchung Hinweise auf eine Endometriose ergeben haben, lässt sich entscheiden, ob weitere Untersuchungen sinnvoll sind.

    Ultraschall

    Eine Ultraschalluntersuchung durch die Bauchdecke kann Hinweise auf größere Endometriose-Herde und -Zysten liefern. Auch Organe wie die Blase können so untersucht werden. Eine durch die Scheide ausgeführte Ultraschalluntersuchung ist besser geeignet, um Hinweise auf eine Eierstocks-Endometriose zu erhalten. Kleine Herde und auch Verwachsungen sind im Ultraschallbild jedoch nicht zu erkennen.

    Wenn auffällige Veränderungen gefunden wurden, kann nach Abschluss dieser Untersuchungen manchmal bereits eine Entscheidung über eine mögliche Therapie getroffen werden. Ob weitergehende Untersuchungen sinnvoll sind, hängt unter anderem davon ab, wie stark die Beschwerden sind.

    Laparoskopie

    Um eine Endometriose mit Sicherheit festzustellen, kommt eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) infrage. Eine Bauchspiegelung ist ein Eingriff unter Vollnarkose. Für eine Spiegelung sind mindestens zwei kleine Einschnitte durch die Bauchdecke nötig. Durch einen Schnitt in Höhe des Bauchnabels führt die Ärztin oder der Arzt einen Stab mit einer winzigen Videokamera und Lampe an der Spitze in die Bauchhöhle ein. Die Kamera liefert Bilder der Organe im Bauchraum und im Becken. Auf diese Weise lassen sich auch kleine Endometriose-Herde und Verwachsungen erkennen.

    Ein weiterer Einschnitt erfolgt meistens oberhalb und seitlich der Schamhaarbegrenzung. Durch diesen Schnitt können Instrumente eingeführt werden, um einzelne Endometriose-Herde zu entfernen und Gewebeproben zu entnehmen.

    Die Bauchspiegelung kann eine Endometriose recht zuverlässig ausschließen: Wenn keine Herde gefunden werden, ist es unwahrscheinlich, dass doch eine versteckte Endometriose vorliegt.

    Wenn bei einer Bauchspiegelung Endometriose-Herde im Eierstock oder Knoten im kleinen Becken auffallen, wird meist Gewebe entnommen, um es unter dem Mikroskop zu untersuchen. Mit der Biopsie lässt sich bestätigen, dass es sich tatsächlich um Endometriose handelt und nicht um eine andere Erkrankung oder einen (seltenen) bösartigen Tumor.

    Weil die Bauchspiegelung wie jede andere Operation unter Narkose mit Risiken verbunden ist, kommt sie erst dann in Betracht, wenn für die Entscheidung über eine Behandlung eine sichere Diagnose erforderlich ist. Dies ist der Fall, wenn starke Schmerzen die Lebensqualität und den Alltag massiv beeinträchtigen oder wenn die Endometriose die Funktion anderer Organe stört.

    Eine Behandlung zum Beispiel mit hormonellen Wirkstoffen wie GnRH-Analoga wird wegen möglicher Nebenwirkungen normalerweise nur begonnen, nachdem eine Bauchspiegelung die Diagnose bestätigt hat.

    Bei unerfülltem Kinderwunsch wird eine Bauchspiegelung üblicherweise erst eingesetzt, wenn verschiedene andere, weniger belastende Untersuchungen ergebnislos geblieben sind und ein konkreter Verdacht auf Endometriose besteht.

    Andere Diagnoseverfahren

    Im Blut mancher Frauen mit Endometriose kann ein bestimmter Laborwert erhöht sein, das sogenannte CA125. Die Bestimmung dieser und anderer Blutwerte hilft jedoch nicht, eine Endometriose sicher festzustellen oder auszuschließen. Solche Laborwerte sind für weitere Entscheidungen deshalb wenig hilfreich und spielen in der Endometriose-Diagnostik heute normalerweise keine Rolle mehr.

    Je nach Ausmaß der Beschwerden und Ergebnis der gynäkologischen Untersuchung kann es sinnvoll sein, die Nieren per Ultraschall oder die Blase und / oder den Darm per Spiegelung zu untersuchen. Selten kommen auch bildgebende Verfahren wie die Computertomografie oder die Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie) zum Einsatz.

    Stadien der Endometriose

    Um das Ausmaß der Erkrankung einzuschätzen, orientieren sich viele Ärztinnen und Ärzte an einer Stadieneinteilung nach der Größe und Verbreitung der Endometriose-Herde:

    • „minimale“ (Stadium I)
    • „leichte“ (Stadium II)
    • „mäßige“ (Stadium III) und
    • „schwere“ Endometriose (Stadium IV).

    Es gibt jedoch bisher keine Einteilung, die die Beschwerden der Endometriose gut erfasst. Eine Einteilung nach Zahl und Größe der Endometriose-Herde hilft Frauen nur wenig, da die Ausprägung der Endometriose wenig über das Ausmaß der Schmerzen sagt. Denn Frauen mit ähnlich ausgeprägter Endometriose können sehr unterschiedlich beeinträchtigt sein.

    Quellen

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Behandlungsmöglichkeiten bei Endometriose

    Bislang gibt es noch keine Therapie, mit der Endometriose geheilt werden kann. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Welche Behandlung infrage kommt, hängt vor allem davon ab, ob eine Frau einen Kinderwunsch hat.

    Was eine Frau gegen ihre Endometriose tun kann, hängt sehr von ihrer persönlichen Situation ab. Wenn Beschwerden wie Schmerzen und Krämpfe im Vordergrund stehen, kommen zur Linderung viele verschiedene Behandlungen infrage – dazu gehören Schmerzmittel, Hormone oder eine Operation. Wenn eine Frau schwanger werden möchte, eignen sich hormonelle Mittel allerdings nicht.

    Keine Therapie kann eine Heilung garantieren. Viele Frauen brauchen Zeit, bis sie eine Behandlung finden, die ihre Beschwerden gut genug lindert und mit deren Nebenwirkungen sie zurechtkommt.

    Bislang gibt es noch keine Therapie, mit der Endometriose geheilt werden kann. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Welche Behandlung infrage kommt, hängt vor allem davon ab, ob eine Frau einen Kinderwunsch hat.

    Was eine Frau gegen ihre Endometriose tun kann, hängt sehr von ihrer persönlichen Situation ab. Wenn Beschwerden wie Schmerzen und Krämpfe im Vordergrund stehen, kommen zur Linderung viele verschiedene Behandlungen infrage – dazu gehören Schmerzmittel, Hormone oder eine Operation. Wenn eine Frau schwanger werden möchte, eignen sich hormonelle Mittel allerdings nicht.

    Keine Therapie kann eine Heilung garantieren. Viele Frauen brauchen Zeit, bis sie eine Behandlung finden, die ihre Beschwerden gut genug lindert und mit deren Nebenwirkungen sie zurechtkommt.

    Behandlung mit Medikamenten

    Die Behandlung mit Medikamenten zielt in erster Linie darauf ab, starke Schmerzen oder Krämpfe im Zusammenhang mit der Regelblutung zu lindern oder zu beseitigen. Dazu bieten sich Schmerzmittel und hormonelle Wirkstoffe an, die den Eisprung unterdrücken (Ovulationshemmer). Bei wiederkehrenden, aber nicht extrem belastenden Unterbauchbeschwerden können Schmerzmittel oder hormonelle Verhütungsmittel wie die „Pille“ eine spürbare Linderung bewirken. Diese Präparate sind oft recht gut verträglich und eignen sich daher meist auch für junge Frauen mit Endometriose. Wenn sie nicht genug Erleichterung bringen, kommen auch stärkere Medikamente infrage.

    Schmerzmittel

    Zur Behandlung von Regelbeschwerden, aber auch bei Endometriose, werden häufig Schmerzmittel aus der Gruppe der sogenannten nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) eingesetzt. Hierzu gehören zum Beispiel die Wirkstoffe Ibuprofen, Diclofenac und Acetylsalicylsäure (ASS). Einige dieser Medikamente sind frei verkäuflich, andere vor allem in höheren Dosierungen verschreibungspflichtig.

    NSAR können starke Regelschmerzen wirksam lindern und sind meist gut verträglich. Ob sie auch bei Schmerzen helfen, die durch Endometriose verursacht werden, ist bislang allerdings kaum untersucht. Diese Medikamente können Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden, Übelkeit und Kopfschmerzen haben. ASS hemmt zudem die Blutgerinnung. Ohne ärztliche Beratung dürfen Schmerzmittel daher nicht häufig oder über längere Zeit eingenommen werden.

    Zur Behandlung starker Schmerzen werden manchmal auch sogenannte Opioide angewendet. Diese Mittel ahmen die Wirkung körpereigener schmerzhemmender Stoffe nach und beeinflussen die Schmerzempfindung im Gehirn. Opioide dürfen nur nach ärztlicher Verordnung eingesetzt werden. Vor allem bei den stärker wirksamen Opioiden besteht bei längerer Anwendung das Risiko einer Abhängigkeit. Als Nebenwirkungen können zum Beispiel Übelkeit und Erbrechen, Verstopfung, Müdigkeit, Schwindel und Blutdruckschwankungen auftreten. Auch zur Wirkung dieser Schmerzmittel bei Endometriose liegen bislang keine verlässlichen Daten vor.

    Hormonelle Behandlungen

    Hormonelle Wirkstoffe unterdrücken die körpereigene Hormonproduktion in den Eierstöcken und damit auch den Eisprung und die Monatsblutung. Sie sind für Frauen, die schwanger werden möchten, nicht geeignet. Bei Endometriose eingesetzte hormonelle Mittel sind:

    • bestimmte Ovulationshemmer wie die Pille oder das Verhütungspflaster
    • Gestagene
    • GnRH-Analoga
    • androgene Substanzen

    Hormonelle Behandlungen können die Endometriose-Herde ruhigstellen und dadurch die Schmerzen lindern. Inwieweit sie auch zu einer Rückbildung oder zum gänzlichen Verschwinden der Endometriose führen können, ist unklar. Häufig tritt die Endometriose wieder auf, wenn die Behandlung beendet wird. Zur hormonellen Langzeitbehandlung eignen sich Verhütungsmittel wie Pille, Verhütungspflaster oder Hormonimplantat sowie Gestagen-Präparate.

    Die Antibabypille

    Die meisten Pillen-Präparate können Endometriose-bedingte Schmerzen nachweislich lindern. Bei starken Regelschmerzen (Dysmenorrhoe) kann aber auch die sogenannte Entzugsblutung – die Blutung nach dem Ende eines Pillen-Einnahmezyklus – noch schmerzhaft sein. Zu den wichtigsten Nebenwirkungen der Pille zählen Kopfschmerzen, Wassereinlagerungen und Spannungsgefühle in der Brust.

    Mit bestimmten Pillenpräparaten lassen sich Hormonzyklus und Regelblutung auch längerfristig unterdrücken. Dazu werden sie durchgehend eingenommen, das heißt ohne oder mit selteneren Einnahmepausen. Eine durchgehende Einnahme wird „Langzyklus“ genannt. Da diese Art der Anwendung in Deutschland nicht zugelassen ist, handelt es sich um einen „nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch“ (Off-Label-Use). Das kann bedeuten, dass die Krankenkassen die Kosten nicht erstatten.

    GnRH-Analoga

    Auch hormonelle Mittel aus der Wirkstoffgruppe der GnRH-Analoga können Endometriose-Beschwerden lindern. Allerdings haben sie stärkere Nebenwirkungen als die Pille: Sie senken die Produktion der weiblichen Hormone so stark ab, dass Östrogenmangel-Symptome eine häufige Folge sind. Dies sind Beschwerden, wie sie in den Wechseljahren auftreten können: Hitzewallungen, Schlafstörungen, trockene Scheide und Stimmungsschwankungen.

    Bei einer Langzeitanwendung können GnRH-Analoga auch die Knochendichte verringern. Es gibt Hinweise darauf, dass sich die Knochendichte innerhalb von zwei Jahren nach dem Ende der Behandlung wieder normalisiert. Bei einer Behandlung über mehr als sechs Monate kann gleichzeitig eine Hormontherapie mit niedrig dosiertem Östrogen begonnen werden. Das soll die Beschwerden durch den Hormonmangel abschwächen.

    Gestagene und LNG-Spirale

    Präparate mit dem Hormon Gestagen wirken bei Endometriose ebenfalls schmerzlindernd. Gestagene können Nebenwirkungen wie Zwischenblutungen, Gewichtszunahme, Stimmungsbeeinträchtigungen und vermindertes sexuelles Verlangen haben.

    Der Einsatz einer Gestagen-haltigen Spirale (LNG-Spirale) in die Gebärmutter ist bei Endometriose bisher nur als Ergänzung einer vorangegangenen Operation untersucht. In Kombination mit der Operation kann sie die Beschwerden besser lindern als eine Operation allein. Die LNG-Spirale wird auch als Verhütungsmittel eingesetzt; aus dieser Anwendung sind mögliche Nebenwirkungen wie Zwischenblutungen, Unterbauchbeschwerden, Akne und Brustspannen bekannt.

    Danazol, ein dem männlichen Hormon Testosteron ähnlicher Wirkstoff, ist in Deutschland wegen seiner starken Nebenwirkungen nicht mehr erhältlich.

    Operation

    Eine Endometriose lässt sich in der Regel mit einem vergleichsweise schonenden Eingriff behandeln, der Bauchspiegelung oder Laparoskopie. Es kann aber auch mit einem herkömmlichen Bauchschnitt (Laparotomie) operiert werden. Bei beiden Methoden werden die Endometriose-Herde unter Vollnarkose durch Laser oder „elektrische Diathermie“ entfernt: beim Laserverfahren durch die Hitze der Laserstrahlen, bei der Diathermie durch die Hitze einer elektrisch aufgeheizten Sonde. Ob ein Verfahren besser ist als das andere, ist unklar.

    Nach heutigem Stand des Wissens kann eine chirurgische Entfernung von Endometriose-Herden und -Zysten im Eierstock (Endometriomen) die Schmerzen bei leichter bis mittelschwerer Endometriose lindern. Es gibt Hinweise, dass eine Entfernung von Endometriose-Herden durch eine Bauchspiegelung auch die Fruchtbarkeit etwas verbessern kann.

    Allerdings bilden sich bei etwa 20 von 100 operierten Frauen innerhalb von fünf Jahren nach der Operation erneut Endometriose-Herde. Sie können auch wieder Beschwerden auslösen. Bei etwa einer von 100 Frauen kommt es zu Organverletzungen oder anderen Komplikationen wie Infektionen und schweren Blutungen.

    Eine schwere, auch auf den Darm und / oder die Blase ausgedehnte Endometriose ist selten. Die Frage, welche Operationsmethode hier am besten helfen kann, ist bisher nicht ausreichend untersucht und lässt sich daher noch nicht sicher beantworten.

    Bei Frauen mit stark belastenden Beschwerden kommen manchmal Verfahren wie die „laparoskopische-uterine-Nerven-Ablation“ (LUNA) zum Einsatz. Dabei werden während einer Bauchspiegelung schmerzleitende Nervenfasern im Bereich der Gebärmutter durchtrennt. Aktuelle Studien sprechen aber dagegen, dass dieses Verfahren zum Beispiel Regelschmerzen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr lindert.

    Medikamentöse Behandlung vor und nach einer Bauchspiegelung

    Manchmal werden Medikamente im Vorfeld und / oder zur Nachbehandlung einer Bauchspiegelung eingesetzt, um Endometriose-Herde zu verkleinern, möglicherweise nicht entferntes Restgewebe ruhigzustellen und Neubildungen vorzubeugen. Bisherige Studien zeigen aber keine Vorteile gegenüber einer Bauchspiegelung ohne zusätzliche Medikamente: Es traten nicht weniger Schmerzen auf und auch die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, besserte sich nicht. In einigen Studien traten aber mehr Nebenwirkungen auf, wenn Frauen zusätzlich Medikamente nahmen.

    Entfernung der Gebärmutter und der Eierstöcke

    Wenn Endometriose-Herde im Bereich der Gebärmutter liegen, erwägen manche Frauen mit sehr starken Beschwerden eine Operation zur Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie). Dabei können auch an die Gebärmutter angrenzende Herde entfernt werden.

    Eine Gebärmutterentfernung erwägen Frauen meist nur, wenn die Endometriose eine sehr starke Einschränkung ihres Lebens bedeutet, andere Behandlungen nicht erfolgreich waren und sie sicher sind, dass sie kein Kind mehr bekommen möchten. Das Alter einer Frau spielt bei der Entscheidung für oder gegen eine Entfernung der Gebärmutter eine wichtige Rolle. Sinnvoll ist eine Operation zudem nur, wenn die Untersuchungsergebnisse tatsächlich eine Besserung der Beschwerden erwarten lassen.

    Eine Entfernung der Gebärmutter allein gibt keine Garantie, dass die Endometriose danach geheilt ist. Wenn nicht auch die Eileiter und die Eierstöcke entfernt werden, können die Beschwerden bestehen bleiben. Das ist eine weitere schwere Entscheidung: Die Entfernung beider Eierstöcke führt dazu, dass die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone gestoppt wird und die Wechseljahre abrupt einsetzen. Die Wechseljahre beginnen normalerweise zwischen 40 und 50 Jahren; im Durchschnitt haben Frauen mit 51 Jahren ihre letzte Regelblutung.

    Üblicherweise werden bei einer Entfernung der Gebärmutter die Eierstöcke belassen, um die Bildung der Hormone zu erhalten.

    Die zusätzliche Entfernung der Eierstöcke entzieht auch den übrigen Endometriose-Herden die Hormone, die sie zum Wachstum benötigen. Manche Frauen haben nach dieser Operation durch den Wegfall der Hormone aber so starke allgemeine Beschwerden, dass sie eine Hormonbehandlung mit Östrogen wünschen. Dann kann es sein, dass die Hormonpräparate erneut Endometriose-Beschwerden auslösen.

    Wie bei jedem Eingriff mit Narkose kann es auch bei einer Endometriose-Operation zu Komplikationen wie zum Beispiel Verletzungen von Organen, Blutungen oder Infektionen kommen.

    Andere Methoden der Schmerzbehandlung

    Weil keine Behandlung der Endometriose zuverlässig wirkt und ohne Nachteile ist, probieren viele Frauen verschiedene Präparate und Methoden aus – auch solche, die angeblich gegen Regelschmerzen helfen sollen. Für die unten beschriebenen Methoden aus der oft auch als „alternativ“ oder „komplementär“ (ergänzend) bezeichneten Medizin sowie für Entspannungsverfahren gibt es aber keine verlässlichen Nachweise, dass sie Beschwerden einer Endometriose lindern können. Manche können auch Nebenwirkungen haben, wie bestimmte pflanzliche Mittel.

    Viele dieser Methoden kosten Zeit und müssen selbst bezahlt werden. Andere sind einfach eine Möglichkeit, zu entspannen und sich etwas Gutes zu tun. Zu den Angeboten ohne verlässlichen Nachweis eines Nutzens bei Endometriose-Beschwerden gehören:

    • pflanzliche Mittel, Akupunktur oder Homöopathie.
    • „transkutane elektrische Nervenstimulation“ (TENS): Diese Methode soll mit schwachen Stromstößen das Schmerzempfinden beeinflussen.
    • allgemeine Methoden zur Entspannung oder Bewegungsübungen wie Yoga oder Tai-Chi.
    • Verfahren wie chiropraktische Behandlungen, Entspannungstechniken und psychologisches Schmerzbewältigungstraining.
    • Änderungen im Lebensstil, wie mehr Bewegung, Stressreduktion oder eine Umstellung der Ernährung.

    Durch Hausmittel wie Wärmeanwendungen, zum Beispiel als Wärmflasche, Wärmepackung oder warmes Wannenbad, empfinden manche Frauen eine spürbare Linderung akuter Beschwerden. Bei ihnen wirkt Wärme entspannend, beruhigend und krampflösend.

    Möglichkeiten für Frauen mit Kinderwunsch

    Als „ungewollt kinderlos“ gilt eine Frau mit Kinderwunsch, wenn sie nach einem Jahr mit regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr nicht schwanger geworden ist. Dies kann viele verschiedene Gründe haben. Endometriose-Herde, die die Funktion der Eierstöcke und Eileiter beeinträchtigen, sind nur einer davon.

    Wenn eine Frau mit Endometriose schwanger werden möchte, scheiden Hormontherapien als Möglichkeit zur Behandlung aus, weil sie entweder als Verhütungsmittel wirken oder die Chance auf eine Empfängnis stark verringern.

    Für Frauen mit Kinderwunsch kommt daher neben einer Behandlung mit Schmerzmitteln eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) infrage, bei der die Endometriose-Herde so vollständig wie möglich entfernt werden. Studien deuten an, dass eine Bauchspiegelung zur Entfernung der sichtbaren Herde und Zysten bei Frauen mit ausgeprägter Endometriose die Chance auf eine spontane Schwangerschaft erhöhen kann. Auch für die chirurgische Entfernung von Endometriose-Herden an den Eierstöcken gibt es Hinweise, dass sie die Wahrscheinlichkeit erhöht, schwanger zu werden.

    Bei einer schwächer ausgeprägten Endometriose, bei der die Eierstöcke oder Eileiter nicht betroffen sind, ist nicht sicher, ob die Herde überhaupt die Fruchtbarkeit verringern. Daher ist auch nicht sicher, ob eine Operation in diesem Fall helfen kann.

    Unfruchtbarkeit kann mit Medikamenten behandelt werden, die die Eireifung und den Eisprung unterstützen oder das Gelbkörperhormon beeinflussen. Bei dieser Art der Hormonbehandlung wird die Funktion der Eierstöcke angeregt.

    Bleibt eine solche Hormonbehandlung erfolglos, kann eine künstliche Befruchtung („In-vitro-Fertilisation“, IVF) infrage kommen. Bei diesem Verfahren werden der Frau Eizellen entnommen, die aufbereitet und in einem Labor mit Samen des Mannes zusammengeführt werden. Die befruchteten Eizellen werden später in die Gebärmutter der Frau eingesetzt. Die Erfolgsaussichten einer künstlichen Befruchtung sind bei Frauen mit ausgeprägter Endometriose etwas geringer als bei Frauen ohne Endometriose.

    Im Zweifel kann eine zweite ärztliche Meinung helfen

    Wer sich trotz ärztlicher Beratung und vielleicht Empfehlung einer bestimmten Behandlung unsicher ist, welche Therapie geeignet ist, kann eine zweite ärztliche Meinung einholen. Dies kann besonders sinnvoll sein, wenn eine Entfernung der Gebärmutter empfohlen wird. Welche Behandlung sich am besten eignet, hängt neben der medizinischen Begründung auch sehr von der persönlichen Situation und den eigenen Wünschen ab. Zur Unterstützung kann eine Entscheidungshilfe verwendet werden, die die wichtigsten Vor- und Nachteile der Behandlungsmöglichkeiten kurz zusammenfasst und gegenüberstellt.

    Quellen

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Meine Partnerin hat Endometriose – was bedeutet das für mich?

    Wenn Ihre Partnerin jeden Monat tagelang von heftigen Unterleibsschmerzen geplagt wird, beeinträchtigt das auch Ihr Zusammenleben. Damit umzugehen, ist nicht einfach. Wenn eine Endometriose der Grund für die Beschwerden ist, lassen sie sich oft wirksam lindern. Es ist aber wichtig, sich über die Möglichkeiten, Grenzen und Nachteile der Behandlung im Klaren zu sein.

    Für Männer ist es manchmal schwer zu verstehen, wenn ihre Partnerin regelmäßig so starke Regelbeschwerden hat, dass gemeinsame Pläne ausfallen müssen. Vielleicht haben auch Sie sich schon mal gefragt, weshalb Ihre Partnerin mit ihren Regelschmerzen nicht „wie andere Frauen auch“ umgehen kann?

    Die Antwort ist einfach: Wenn Ihre Partnerin eine Endometriose hat, hat sie viel stärkere Beschwerden als andere Frauen – sie ist also keineswegs „wehleidiger“. Bei dieser Erkrankung setzt sich die Schleimhaut, die normalerweise nur im Inneren der Gebärmutter wächst, in kleinen oder größeren Inseln auch außerhalb fest. Diese Inseln werden Endometriose-Herde genannt. Sie wachsen wie die Schleimhaut in der Gebärmutter jeden Monat heran und lösen sich wieder ab. Weil die Reste der Endometriose-Herde im Bauchraum aber nicht wie die Regelblutung aus dem Körper abfließen können, bilden sich häufig Entzündungen und Narben.

    Etwa eine von 10 Frauen hat solche Endometriose-Herde. Ob und welche Beschwerden sie verursachen, hängt auch davon ab, wo diese Herde wachsen und wie stark eine Entzündung ausfällt. Manche Frauen haben kaum Beschwerden, andere werden regelmäßig von schmerzhaften Krämpfen lahmgelegt. Endometriose-Herde können auch auf Eierstöcken und Eileitern sitzen und dann die Fruchtbarkeit einschränken. Deshalb fällt eine Endometriose manchmal auch erst auf, wenn sich ein Kinderwunsch zu lange nicht erfüllt.

    Wenn Ihre Partnerin jeden Monat tagelang von heftigen Unterleibsschmerzen geplagt wird, beeinträchtigt das auch Ihr Zusammenleben. Damit umzugehen, ist nicht einfach. Wenn eine Endometriose der Grund für die Beschwerden ist, lassen sie sich oft wirksam lindern. Es ist aber wichtig, sich über die Möglichkeiten, Grenzen und Nachteile der Behandlung im Klaren zu sein.

    Für Männer ist es manchmal schwer zu verstehen, wenn ihre Partnerin regelmäßig so starke Regelbeschwerden hat, dass gemeinsame Pläne ausfallen müssen. Vielleicht haben auch Sie sich schon mal gefragt, weshalb Ihre Partnerin mit ihren Regelschmerzen nicht „wie andere Frauen auch“ umgehen kann?

    Die Antwort ist einfach: Wenn Ihre Partnerin eine Endometriose hat, hat sie viel stärkere Beschwerden als andere Frauen – sie ist also keineswegs „wehleidiger“. Bei dieser Erkrankung setzt sich die Schleimhaut, die normalerweise nur im Inneren der Gebärmutter wächst, in kleinen oder größeren Inseln auch außerhalb fest. Diese Inseln werden Endometriose-Herde genannt. Sie wachsen wie die Schleimhaut in der Gebärmutter jeden Monat heran und lösen sich wieder ab. Weil die Reste der Endometriose-Herde im Bauchraum aber nicht wie die Regelblutung aus dem Körper abfließen können, bilden sich häufig Entzündungen und Narben.

    Etwa eine von 10 Frauen hat solche Endometriose-Herde. Ob und welche Beschwerden sie verursachen, hängt auch davon ab, wo diese Herde wachsen und wie stark eine Entzündung ausfällt. Manche Frauen haben kaum Beschwerden, andere werden regelmäßig von schmerzhaften Krämpfen lahmgelegt. Endometriose-Herde können auch auf Eierstöcken und Eileitern sitzen und dann die Fruchtbarkeit einschränken. Deshalb fällt eine Endometriose manchmal auch erst auf, wenn sich ein Kinderwunsch zu lange nicht erfüllt.

    Diagnose Endometriose – und dann?

    Die Diagnose einer Endometriose ist vor allem aus zwei Gründen wichtig. Zum einen kann sie für Sie beide eine Entlastung bedeuten. Viele Frauen mit Endometriose glauben lange, ihre „Regelschmerzen“ seien normal und versuchen, irgendwie damit zurechtzukommen. Einige zweifeln an sich selbst, wenn sie spüren, dass andere Menschen glauben, sie würden ihre Beschwerden übertreiben. Die Diagnose hilft, solche Vorurteile und Selbstvorwürfe zu entkräften.

    Zum anderen eröffnet die Diagnose Wege, die Beschwerden gezielt zu behandeln. Dazu stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, unter Umständen auch eine Operation. Welche Möglichkeit infrage kommt, hängt stark davon ab, ob man sich noch eigene Kinder wünscht. Eine gemeinsame Entscheidung zu treffen, kann deshalb wichtig sein – ebenso wie eine gute ärztliche Betreuung und Beratung.

    Bis die Behandlung wirkt, ist unter Umständen Geduld gefragt. Viele Frauen bekommen ihre Beschwerden mit der Zeit recht gut in den Griff. Übrigens: Fast immer verschwinden sie nach der letzten Regelblutung in den Wechseljahren von selbst.

    Was macht die Endometriose mit Ihrer Partnerin?

    Starke Unterleibsschmerzen und -krämpfe zwingen eine Frau dazu, ihren Alltag anzupassen. Freizeitaktivitäten müssen ausfallen, Verabredungen können nicht eingehalten werden. Wenn ihr Schlaf gestört ist, fühlt sie sich unter Umständen noch zusätzlich schlapp und ist kaum belastbar. Frauen, die wegen der Schmerzen regelmäßig nicht zur Arbeit gehen können, haben mit Schuldgefühlen gegenüber Kolleginnen und Kollegen zu kämpfen. Möglicherweise geraten sie auch beruflich unter Druck.

    Endometriose-Herde können zudem beim Geschlechtsverkehr oder danach Schmerzen verursachen. Es ist leicht verständlich, dass die Aussicht auf Schmerzen die Lust auf Sex dämpft. Viele Frauen, die beim oder nach dem Geschlechtsverkehr Schmerzen haben, versuchen deshalb, Sex zu vermeiden. Oft haben sie deswegen Schuldgefühle. Manche Frauen nehmen die Schmerzen auch stillschweigend in Kauf, weil sie sich ein Kind wünschen oder Angst haben, ihr Partner könne sich zurückgewiesen fühlen oder sich sogar von ihr trennen.

    Gerade wenn man den Grund für ein Ausweichen nicht kennt, fühlt man sich als Partner leicht abgelehnt oder wird unzufrieden. Wenn sie wissen, dass ihre Partnerin beim Verkehr Schmerzen hat, fühlen sich viele Männer schuldig und verunsichert. Die Sexualität kann aus all diesen Gründen zu einem Konfliktthema für ein Paar werden.

    Ein unerfüllter Kinderwunsch ist oft eine zusätzliche Belastung. Wenn eine Endometriose der Grund für die Unfruchtbarkeit ist, löst das zwiespältige Gefühle aus. Zum einen ist die Ursache bekannt – und damit eröffnen sich Behandlungsmöglichkeiten. Allerdings ist nicht garantiert, dass eine Behandlung der Endometriose dann auch eine Schwangerschaft ermöglicht. Viele wirksame Behandlungen machen selbst unfruchtbar.

    Wie können Sie mit der Erkrankung umgehen?

    Endometriose ist eine Krankheit, mit der beide Partner umgehen und gegenseitiges Verständnis aufbringen müssen. Möglicherweise hilft eine Behandlung, die Folgen zu lindern. Sie kann aber auch selbst belastend sein.

    Frauen hilft es, wenn ihr Partner sie ernst nimmt und Verständnis für das Ausmaß der Beschwerden hat. Wenn sie mal wieder stärker sind, hilft eine Entlastung in Alltagsdingen, mit den Folgen der Erkrankung zurechtzukommen. Wenn Schmerzen beim Sex stören, könnten andere Stellungen oder Praktiken eine Möglichkeit sein, damit umzugehen. Dazu kann ein ausgedehntes und entspanntes Liebesspiel gehören, das nicht unbedingt Geschlechtsverkehr einschließt.

    Sie als Partner müssen Ihre Wünsche und Bedürfnisse aber nicht völlig zurückstellen. Es ist normal, wenn Sie einige Zeit brauchen, um die Konsequenzen der Diagnose zu verarbeiten: Gefühle wie Zorn („Warum trifft es uns / mich?"), Verzweiflung, Nicht-wahrhaben-Wollen und Hilflosigkeit gehören dazu. Den meisten Partnern gelingt es mit der Zeit, sich der neuen Situation zu stellen und Wege zu finden, mit den Anforderungen der Krankheit zurechtzukommen. Die Beschwerden betreffen sie zwar nicht direkt, doch ihre Auswirkungen auf das gemeinsame Leben tragen die meisten Partner mit.

    Wichtig ist es, herauszufinden, wie viel Unterstützung eine Frau haben möchte und sie ihr dann so gut es geht zu geben. Genauso wichtig ist es aber auch, den eigenen Problemen und Gefühlen genügend Raum zu lassen. Aus Sorge, ihre Frau noch mehr zu belasten, lassen Männer oft vieles unausgesprochen und ungeklärt.

    Zuwendung und Offenheit sind wichtig – für beide Partner. Es kommt darauf an, das Leben so zu gestalten, dass nicht die Krankheit und ihre Folgen im Vordergrund stehen, sondern das Positive und Erfüllende des gemeinsamen Lebens.

    Wenn Sie feststellen, dass Sie mit der Erkrankung Ihrer Partnerin nur schlecht umgehen können, oder Probleme sich nicht mehr gemeinsam lösen lassen, können Sie sich Unterstützung von außen holen – zum Beispiel durch eine psychologische Beratung oder eine Selbsthilfegruppe. Eine Beratung oder eine psychotherapeutische Unterstützung können Sie allein oder zusammen mit Ihrer Partnerin in Anspruch nehmen.

    Quellen

    Cox H, Henderson L, Andersen N, Cagliarini G, Ski C. Focus group study of endometriosis: struggle, loss and the medical merry-go-round. Int J Nurs Pract 2003; 9(1): 2-9.

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    Denny E, Mann CH. Endometriosis-associated dyspareunia: the impact on women's lives. J Fam Plann Reprod Health Care 2007; 33(3): 189-193.

    Fernandez I, Reid C, Dziurawiec S. Living with endometriosis: the perspective of male partners. J Psychosom Res 2006; 61(4): 433-438.

    Huntington A, Gilmour JA. A life shaped by pain: women and endometriosis. J Clin Nurs 2005; 14(9): 1124-1132.

    Strzempko Butt F, Chesla C. Relational patterns of couples living with chronic pelvic pain from endometriosis. Qual Health Res 2007; 17(5): 571-585.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Erfahrungsbericht Beatrix

    "Für mich ist es wichtig, mich auf die Krankheit einzulassen, das Beste für mich einzufordern und für mich zu kämpfen. Auf der einen Seite ist Endometriose für mich sehr belastend, aber auf der anderen Seite habe ich soviel in meinem Leben dadurch verändert."

    Beatrix, 35 Jahre

    "Für mich ist es wichtig, mich auf die Krankheit einzulassen, das Beste für mich einzufordern und für mich zu kämpfen. Auf der einen Seite ist Endometriose für mich sehr belastend, aber auf der anderen Seite habe ich soviel in meinem Leben dadurch verändert."

    Bei mir ging alles relativ schnell: Vor fünf Jahren ist meine Regelblutung immer stärker geworden, ich bekam zunehmend mehr Beschwerden und es wurde vermutet, dass die Eierstöcke entzündet sind.

    Die Beschwerden wurden mit der Zeit nicht besser. Ich war mit meinem Arzt unzufrieden und habe ihn gewechselt. Meine neue Ärztin hat dann festgestellt, dass die Ursache der Beschwerden eine Zyste war. Sie hat mich gleich in ein Krankenhaus überwiesen, wo ich operiert worden bin. Dort wurde mir gesagt, dass ich an Endometriose erkrankt bin. Davon hatte ich zuvor noch nie etwas gehört. Die Ärztin hat mir einen Flyer in die Hand gedrückt. Das war dann alles. Die Informationen waren sehr dürftig. Für mich ist damit eine Welt zusammengebrochen. Ich habe sehr viel geweint. Das ist alles innerhalb von drei Monaten passiert.

    Ich habe erstmal versucht mir Informationen zu besorgen, vor allem über das Internet. Die Wege, die meine Ärztin mir vorgeschlagen hat, haben mich nicht richtig befriedigt. Ich wollte damals schwanger werden und eine künstliche Befruchtung kam für mich zu diesem Zeitpunkt nicht in Frage. Für mich war es besonders schwierig, da der Kinderwunsch bei mir sehr groß war. Damals war meine Schwägerin gerade schwanger geworden und ich habe erfahren, dass ich Endometriose habe.

    Bei mir ging das Knall auf Fall

    Andere Frauen haben zum Teil jahrelang Beschwerden. Bei mir ging das Knall auf Fall. Ich hatte keine Beschwerden. Aber ich habe auch viele Jahre die Pille eingenommen. Als ich sie abgesetzt habe, ist die Regelblutung immer stärker geworden und es kamen starke Erschöpfungszustände dazu. Das war für mich das eigentlich Belastende: die Erschöpfung und die Kraftlosigkeit. Ich hatte dann eine zweite Laparoskopie, bei der Endometriose-Herde entfernt wurden und ich bekam vier Monate lang Spritzen. Bei mir äußert sich die Endometriose vor allem durch Zysten an den Eierstöcken und durch wenige Herde am Bauchfell. Dazu kommt, dass ein Eileiter verschlossen ist. Bei einer Operation wurde ein Septum (Anm. d.Red: Scheidewand im Gewebe der Gebärmutter) entfernt.

    Nachdem ich die Diagnose erfahren hatte, habe ich schrittweise nach anderen Wegen für mich gesucht. Ich habe mein Leben eigentlich komplett umgestellt, habe mit Yoga begonnen und verschiedene pflanzliche Mittel ausprobiert. Ich habe auch meine Ernährung umgestellt, wenig Alkohol und keinen Kaffee mehr getrunken. Ich war immer froh, wenn ich nach der Arbeit zu Hause war und Kraft tanken konnte. Mein Akku war oft richtig leer. Das erste Jahr war wirklich schlimm für mich - dann ging es aber bergauf.

    Der Kinderwunsch hat sich bei mir leider nicht erfüllt. Ich hatte mich dann entschieden, eine künstliche Befruchtung auszuprobieren. Das war für mich ein letzter Versuch. Es war gut für mich, dass ich es gemacht habe. Ich kann von mir sagen, dass ich es probiert habe und brauche mir später nichts mehr vorzuwerfen. Ich versuche jetzt für mich mit dem Kinderwunsch abzuschließen. Diese Berg- und Talfahrt jeden Monat war für mich wirklich sehr belastend. Das wirkt sich auch auf alle anderen Lebensbereiche aus: die Beziehung und auf die Arbeit. Ich bin froh, dass ich das abgehakt habe. Ich muss jetzt wieder zu Ruhe kommen. Ich habe mich selbst die sechs Jahre stark unter Druck gesetzt. Ich habe jeden Monat darauf gewartet, schwanger zu werden. Ich bin froh, dass das jetzt vorbei ist.

    Yoga tut mir sehr gut. Das ist für mich sowohl körperlich, als auch geistig sehr gut. Auch Akupunktur hat mir bei der Bewältigung der Schmerzen geholfen. Ich bin sehr froh, dass ich mit der Erfahrung der Endometriose mein Leben umgestellt habe. Die Endometriose steckt zwar noch in mir drin, aber körperlich bin ich in einem guten Zustand.

    Ich hatte mehrere Operationen. Hauptsächlich waren das Zysten, die operativ entfernt wurden. Ich habe die Zysten auch immer jeden Monat gespürt. Aber mit Schmerzen hatte ich weniger Probleme. In letzter Zeit brauche ich auch kaum noch Schmerztabletten. Bei mir war eher die Abgeschlagenheit und Kraftlosigkeit das Problem. Aber das war vorwiegend während meiner Regel. Ich hatte Glück, dass sich bei mir die Beschwerden nur auf den Zeitraum der Regel beschränkt haben.

    Die Endometriose spielt nicht mehr so die große Rolle

    Die Endometriose gehört jetzt einfach dazu. Es ist nun mal so und ich kann es nicht ändern. Ich versuche so gut wie möglich damit zurechtzukommen. Die Endometriose spielt nicht mehr so die große Rolle wie am Anfang. Ich merke sie gerade nicht, aber ich weiß, dass sie da ist. Nach meiner Ansicht habe ich eine eher leichte Endometriose - ich kann mit ihr leben! Ich versuche das Beste daraus zu machen.

    Für mich ist es wichtig, mich auf die Krankheit einzulassen, das Beste für mich einzufordern und für mich zu kämpfen. Auf der einen Seite ist Endometriose für mich sehr belastend, aber auf der anderen Seite habe ich soviel in meinem Leben dadurch verändert. Gut und Böse liegen immer so nah beieinander. Ich habe so viel Schönes erfahren und Gutes erlebt und wer weiß, wie ich jetzt dastehen würde ohne die Erkrankung. Vielleicht würde ich immer noch keinen Sport treiben.

    Es wird immer wieder Zeiten geben, in denen es psychisch ein wenig nach unten gehen wird, aber ich werde meine Kraft zusammen nehmen und werde es schaffen!

    Danksagung

    Die hier veröffentlichten Erfahrungsberichte sind Teile von Lebensgeschichten. Sie wurden im Rahmen von Interviews gesammelt. Unser herzlicher Dank gilt allen Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern. Alle Interviewpartnerinnen und Interviewpartner haben der Veröffentlichung der Erfahrungsberichte zugestimmt.

    Die im Rahmen der Erfahrungsberichte veröffentlichten Aussagen sind Erfahrungen und Meinungen von einzelnen Personen. Sie stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Erfahrungsbericht Bettina

    "Schon als Mädchen hatte ich während der Regelblutung sehr starke Unterleibsbeschwerden. Meine Mutter war immer der Meinung, dass das ganz normal wäre. Sie hatte selbst immer starke Beschwerden. Deswegen habe ich damals auch beim Arzt nie etwas über die Schmerzen erzählt."

    Bettina, 46 Jahre

    "Schon als Mädchen hatte ich während der Regelblutung sehr starke Unterleibsbeschwerden. Meine Mutter war immer der Meinung, dass das ganz normal wäre. Sie hatte selbst immer starke Beschwerden. Deswegen habe ich damals auch beim Arzt nie etwas über die Schmerzen erzählt."

    Ich denke, dass ich schon in jungen Jahren an Endometriose erkrankt bin. Ich habe damals immer geglaubt, dass es an mir liegt und dass die Schmerzen normal sind. Ich bin nie auf die Idee gekommen, dass es krankhaft sein könnte. Die Schmerzen waren anfangs nicht so schlimm. Ich habe immer sehr viel Sport gemacht und das hat mir auch geholfen. Die Beeinträchtigungen kamen erst später.

    Ich habe viele Jahre die Pille eingenommen. Mir ging es damit sehr gut und ich hatte keine starken Beschwerden. Gegen Ende meines 20. Lebensjahres habe ich dann die Pille abgesetzt. Ein paar Monate später habe ich plötzlich ganz starke Bauchschmerzen bekommen. Das weiß ich noch genau: Es war völlig überraschend und so stark, dass ich dachte, ich könnte das überhaupt nicht aushalten und würde gleich ohnmächtig werden. Ich hatte danach immer an den ersten zwei, drei Tagen der Regelblutung und an den Tagen danach sehr starke brennende Schmerzen, aber noch nicht diese extrem schneidenden oder stechenden Schmerzen.

    Für mich lag die Ursache in der Psyche

    Ein Arzt hat mir einmal gesagt, dass die Ursache für solche Schmerzen häufig die Psyche ist. Besonders bei Frauen, die Karriere machen wollen und mit ihrer Weiblichkeit nicht richtig zurecht kämen. Bei mir ist diese Aussage hängengeblieben. Für mich lag die Ursache in der Psyche. Am Rande eines Gespräches hat er mich auf Zysten hingewiesen, die dann auch behandelt wurden. Da hätte ich eigentlich hellhörig werden müssen.

    Ein paar Monate später bin ich wegen sehr starker Darmbeschwerden zu einem Internisten gegangen. Er hat sofort die richtige Diagnose gestellt. Das war ein ganz hervorragender Arzt. Ich bin dann innerhalb einer Woche operiert worden. Es waren verschiedene Organe betroffen und es konnten nicht alle Endometrioseherde entfernt werden. Bei mir war der Darm an mehreren Stellen betroffen, der Dünn- und der Dickdarm. Auch die Blase, die Eierstöcke und Eileiter, die Gebärmutter und das Bauchfell. Bei der Operation wurde mir unter anderem ein Eileiter entfernt.

    Damals war ich ja in einem Alter, in dem ich sehr gern Kinder bekommen hätte. Für mich stand der Kinderwunsch im Vordergrund. Der nach der OP verbliebene Eierstock funktionierte, aber der Eileiter war verklebt. Ich habe einige Zeit gebraucht, um das zu verarbeiten. Zumal immer mehr in meinem Freundeskreis Kinder bekommen haben und ich mir zunehmend "dumme Sprüche" anhören musste. Am Anfang bin ich damit nicht offen umgegangen. Und ich konnte das auch nicht. Mir stand dann nur die IVF (Anm. d. Red.: in vitro fertilisation)-Behandlung zur Verfügung. Ich habe es dann fünfmal probiert - über einen langen Zeitraum von fünf bis sechs Jahren. Das war körperlich, aber auch psychisch für mich sehr belastend. Das Ganze hat mir aber die Möglichkeit gegeben, mich mit dem Thema zu beschäftigen, es zu verarbeiten und auch abzuschließen. Diese Versuche waren erfolglos und damit war das Thema für mich auch erledigt. Ich hatte diese vielen Jahre Zeit gehabt, um das zu verarbeiten.

    Nach der ersten Operation, die ich gut überstanden habe, habe ich GnRH-Analoga und Danazol jeweils über mehrere Monate bekommen. Diese Medikamente haben einige Nebenwirkungen bei mir hervorgerufen: Stimmungsschwankungen, Wechseljahrsbeschwerden und einen verstärkten Appetit. Ich konnte das aber sehr gut aushalten, weil ich dachte, dass mir die Medikamente helfen und ich dann wieder gesund sein würde. Das war natürlich nicht der Fall. Nach Absetzen der Medikamente habe ich innerhalb von ein paar Wochen wieder ganz starke Schmerzen bekommen.

    Es traten auch Probleme mit meinem Darm auf. Ein oder zwei Herde saßen am Darm und haben zu einem Darmverschluss geführt, der operativ behandelt werden musste. Danach wurde mir klar, dass ich die Krankheit ernster nehmen muss. Bis dahin hatte ich gedacht, dass ich die Krankheit im Griff habe und dass da erstmal nichts weiter passiert.

    Nach der Operation war ich ein Jahr krank geschrieben. Dieses Jahr habe ich für mich genutzt, um zu überlegen, was ich in meinem Leben möchte. Ich habe nochmal studiert und die berufliche Richtung verändert. Zusätzlich habe ich mich in der Selbsthilfe engagiert und meine Erfahrungen genutzt.

    Ich habe dann angefangen, sehr viel über Endometriose zu lesen

    Ich habe dann angefangen, sehr viel über Endometriose zu lesen und mich aktiv damit auseinanderzusetzen. Ich habe nicht mehr akzeptiert, dass es so ist. Ich wollte wieder eine gute Lebensqualität erreichen und ein normales Leben führen.

    Grundsätzlich sind die Schmerzen mit den Jahren stärker geworden und haben immer länger angehalten. Das war eigentlich das größte Problem: dass es so lange gedauert hat. Aus zwei, drei Tagen wurde erst eine Woche, dann zwei, dann drei und am Ende hatte ich durchgehend Schmerzen.

    Die Schmerzen waren so, als würde mir jemand ein Messer in den Bauch stechen, als würde mir ohne Narkose der Bauch aufgeschnitten werden. Sie waren für mich ohne Schmerztabletten einfach nicht zu bewältigen. Ich hatte auch Blähungen und Verstopfungen. Als die Schmerzen dann massiv auftraten, konnte ich mich nur schlecht konzentrieren. Sicher auch, weil ich sehr viele Schmerzmittel genommen habe.

    Ich hatte immer noch einen Herd, den man auch bei der zweiten Operation nicht entfernen konnte. Eine dritte Operation stand im Raum. Ich habe lange überlegt, ob ich es mache oder nicht. Ich habe mich dann in Absprache mit den Ärzten dagegen entschieden und es medikamentös versucht, was auch gut funktioniert hat.

    Mein Mann konnte mit meiner Erkrankung nicht sehr gut umgehen. Er hat mich immer nur leiden gesehen und war hilflos. Er hat mir aber in manchen Situationen sehr geholfen: mich angeschubst und motiviert, etwas zu unternehmen, rauszugehen, Freunde zu treffen, in den Urlaub zu fahren... Das war für mich sehr gut, denn es besteht die Gefahr, dass man sich zurückzieht und den Kontakt verliert. Ich glaube auch, dass ich das allein nicht so gut hinbekommen hätte. Mein Mann war mir da eine große Hilfe. Aber mit der Erkrankung selber hat er sich nicht intensiv auseinandergesetzt.

    Im Nachhinein ist es ein Krankheitsverlauf, der sich über 20 Jahre erstreckt und wesentlicher Bestandteil meines Lebens geworden ist. Psychisch ging es mir davon etwa zwei Jahre sehr schlecht. Ich sehe das nicht nur negativ: Ich weiß, dass es auch mal schlechte Zeiten und Krisen gibt, aber ich bin in der Lage, das zu bewältigen.

    Heute bin ich wieder voll berufstätig. Vor ein paar Jahren hätte ich nie gedacht, dass es mir jemals so gut gehen könnte. Ich bemühe mich um mich und meinen Körper: Ich mache Yoga, achte auf eine gesunde Ernährung und auf das Ausmaß meines Stresses.

    Das ist im Moment meine Lösung: Ich bin weiterhin unter ärztlicher Kontrolle und ich achte noch mehr auf meinen Körper - den verbliebenen Herd bemerke und spüre ich auch. Ich warte jetzt auf die Wechseljahre. Es geht mir gut, da ich mit den Medikamenten gut zurechtkomme und an sich wenig Nebenwirkungen habe. Ich komme damit sehr gut zurecht und bin zufrieden. Bei mir ist es ganz gut ausgegangen.

    Danksagung

    Die hier veröffentlichten Erfahrungsberichte sind Teile von Lebensgeschichten. Sie wurden im Rahmen von Interviews gesammelt. Unser herzlicher Dank gilt allen Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern. Alle Interviewpartnerinnen und Interviewpartner haben der Veröffentlichung der Erfahrungsberichte zugestimmt.

    Die im Rahmen der Erfahrungsberichte veröffentlichten Aussagen sind Erfahrungen und Meinungen von einzelnen Personen. Sie stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Erfahrungsbericht Carolin

    "Ich hatte den Satz von der Ärztin noch im Ohr, dass nach der Behandlung alles weg sein würde. Das war eine große Enttäuschung für mich. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht realisiert, dass ich an einer chronischen Erkrankung erkrankt bin."

    Carolin, 38 Jahre

    "Ich hatte den Satz von der Ärztin noch im Ohr, dass nach der Behandlung alles weg sein würde. Das war eine große Enttäuschung für mich. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht realisiert, dass ich an einer chronischen Erkrankung erkrankt bin."

    Ich habe 1995 erfahren, dass ich an Endometriose erkrankt bin. Aber ich hatte eigentlich schon immer Regelschmerzen. Die Schmerzen waren sehr stark, so dass mir übel wurde und ich manchmal ohnmächtig geworden bin. Aber mir war zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, dass das krankheitsbedingt sein könnte. Ich bin ganz normal schwanger geworden und hatte auch mit der Schwangerschaft keine Probleme.

    Die drei Jahre vor der Diagnosestellung waren von sehr starken Schmerzen gekennzeichnet. Ich habe mich in Behandlung begeben, weil die Intensität der Schmerzen zunahm und ich dies einfach nicht mehr tolerieren wollte und auch nicht konnte. Diese Zeit des Suchens nach der Ursache hat mich sehr belastet. Unter anderem auch dadurch, dass sehr viel an mir ausprobiert wurde. Ich habe nacheinander verschiedene Medikamente bekommen und es wurde geschaut, ob sie vielleicht helfen. Dieses Ausprobieren und dieses Unwissen über die Ursache hat mich belastet. Irgendwann fing ich an, an mir selbst zu zweifeln: ob ich mir die Schmerzen nicht einbilde, so wie mir immer wieder gesagt wurde.

    Ich merkte schnell, dass ich wieder in Behandlung gehen muss

    Im Jahr der Diagnose bin ich fast bei jedem Zyklus zu meinem Arzt gefahren und wurde insgesamt viermal operiert. Als die Diagnose gestellt wurde, war ich sehr froh, endlich etwas in den Händen zu haben. Meinem Arzt ging es genauso. Die vierte Operation, bei der die Diagnose gestellt wurde, war eine sehr schwere Operation. Trotzdem war ich froh zu wissen, dass die Schmerzen eine Ursache haben und ich mir das alles nicht einbilde.

    Der Arzt hatte alle Endometrioseherde so weit entfernt wie er konnte. Ich merkte aber relativ schnell, dass ich wieder in Behandlung gehen muss. Ich hatte den Arzt gewechselt und meine neue Ärztin hat mir etwas gesagt, was ich damals einfach wunderbar fand. Sie sagte: "Ich habe etwas, womit ich Ihnen helfen kann. Ich werde Sie in die künstlichen Wechseljahre spritzen für ein halbes Jahr. Und danach ist alles weg." Und an diesen letzten Satz habe ich mich sehr geklammert.

    Diese Behandlung mit den Spritzen war ein großer Einschnitt für mich. Innerhalb von drei Wochen fühlte ich mich wie eine alte Frau. Ich war noch keine 30 Jahre alt und fühlte mich wie 70. Ich kam die Treppen kaum noch hoch, meine Gelenke taten mir weh und ich bekam Hitzewellen. Aber ich war in diesem Zeitraum schmerzfrei, was die Endometriose betrifft. Von daher habe ich diese Nebenwirkungen gut wegstecken können.

    Nach der Behandlung hatte ich etwa ein Jahr keine Beschwerden. Dann entwickelten sich wieder Herde und die Schmerzen setzten wieder ein. Die Ärztin hat mir dann vorgeschlagen, die Gebärmutter zu entfernen. Damals war ich 29. Die Gebärmutter ist etwas, was ich nicht hergeben wollte und immer noch nicht hergeben will. Von meinem Eindruck her waren die Schmerzen viel heftiger als vorher. Das war für mich von der psychischen Seite sehr schlimm. Ich hatte den Satz von der Ärztin noch im Ohr, dass nach der Behandlung alles weg sein würde. Das war eine große Enttäuschung für mich. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht realisiert, dass ich an einer chronischen Krankheit erkrankt bin.

    Ich gehöre zu den Frauen mit Endometriose, die täglich Schmerzen haben. Das Familienleben und die Sexualität haben sehr darunter gelitten. Mein Partner und ich, wir haben keine Sexualität mehr gelebt. Ich habe aufgrund der Schmerzen sofort blockiert und mein Partner hatte Angst, mir weh zu tun. Es war für mich besonders schwierig, dass mein Partner über sich und seine Ängste nicht mit mir gesprochen hat. Wir hatten uns mit der Zeit entfremdet. Ich wollte nicht angefasst werden, auch nicht gestreichelt werden. Es tat mir alles nur weh. Das war sehr extrem und erforderte von meinem Partner sehr viel Geduld und Verständnis.

    Jetzt habe ich wieder gelernt, Zärtlichkeit zu erleben und Lust zu empfinden. Wir haben zusammen gelernt, eine andere Sexualität zu leben. Es war ja nach wie vor so, dass ich Schmerzen hatte. Schon allein, dass wir darüber gesprochen haben, war sehr hilfreich. Zu klären, wann es mir nicht weh tut und ihm auch die Angst zu nehmen. Das hat uns sehr geholfen, auch auf der körperlichen Ebene wieder zueinander zu finden.

    Ich habe sehr viele Schmerzmittel eingenommen. Da die Schmerzen täglich da waren, habe ich die Medikamente auch täglich genommen. Irgendwann hat die Dosis dann nicht mehr ausgereicht. Auch der Druck der Kolleginnen hat zugenommen. Sie sagten dann einfach: "Ich verstehe das nicht mit Deinen Regelproblemen. Meine Regel tut auch weh. Nach einem halben Tag sind dann die Schmerzen weg." Das nahm dann alles zu: der Druck auf Arbeit, der Druck von der Familie und mein eigenes schlechtes Gewissen gegenüber meiner Familie. Ich wurde auch von sehr engen Verwandten enttäuscht, von denen ich das vorher nicht gedacht hätte. Irgendwann kam es dann zu einem seelischen und körperlichen Zusammenbruch. An diesem Punkt habe ich gemerkt, dass ich ganz unten bin und dass es nicht mehr tiefer geht. Mein Mann und ich haben uns dann zusammengesetzt und gesagt: Wenn ich jetzt nicht etwas für mich mache, dann passiert das Ganze nochmal. Wir haben dann in der Familie beschlossen, dass ich mich krankschreiben lasse.

     Jetzt geht es nur um mich

    Gemeinsam mit meinem Netzwerk aus Ärzten habe ich anschließend einen Antrag für einen Rehabilitationsaufenthalt gestellt, den ich dann auch bewilligt bekommen habe. Und zwar an einem Ort mit einem speziellem Endometriose-Programm. Ich bin dann mit dem Gedanken hingefahren, den ich mir vorher nicht erlaubt habe: Jetzt geht es nur um mich.

    Es waren nach wie vor Schmerzen da. Allerdings waren es zyklische Schmerzen. Und ich lernte langsam aber sicher, damit umzugehen. Ich habe aber auch für mich gemerkt, dass es bei mir etwas mit Ruhe zu tun hat. Ich merke auch, dass dieser zyklische Schmerz viel stärker ist, wenn ich im Stress stehe. Wenn ich mir Zeit genommen und mir Ruhe gegönnt habe, hat das meinem Bauch gut getan. Ich habe etwas sehr Beeindruckendes für mich kennen gelernt: verschiedene Entspannungstechniken. Für mich war besonders Aquarobic wichtig. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Als ich dann wieder zu Hause war, konnte ich mir in Schmerzsituationen sehr gut mit Entspannung helfen. Auch hilft mir persönlich die Hypnose zur Schmerzbewältigung ganz gut. Ich achte jetzt ganz anders auf mich. Wenn Schmerzen da sind oder die Regel ansteht, dann lege ich mich hin und nutze die Zeit für mich. Ich hatte nach der Reha nicht mehr die schweren Probleme mit der Endometriose. Ich konnte mir helfen. Ich gehe jetzt auch mit den Medikamenten ganz anders um.

    Bei mir hat sich durch die täglichen Schmerzen die Körperhaltung verändert. Ich habe mich ständig verkrampft und konnte gar nicht mehr locker lassen. Ich habe während der Rehabilitation wieder gelernt, meinen Körper zu spüren und wahrzunehmen und ich habe gelernt, was ich Gutes für mich tun kann. Ich habe dann in Vielem meinen Weg gefunden.

    Mir persönlich hat die Selbsthilfegruppe sehr bei der Bewältigung der Krankheit geholfen. Mir hat es geholfen, darüber zu reden und die Erfahrungen mit anderen zu teilen.

    Meine Krankheit ist meine Chance gewesen, etwas im Leben zu verändern. Man kann mit Endometriose leben. Sie begleitet mich. Sie hat aber keine Gewalt mehr über mich.

    Danksagung

    Die hier veröffentlichten Erfahrungsberichte sind Teile von Lebensgeschichten. Sie wurden im Rahmen von Interviews gesammelt. Unser herzlicher Dank gilt allen Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern. Alle Interviewpartnerinnen und Interviewpartner haben der Veröffentlichung der Erfahrungsberichte zugestimmt.

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