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Epilepsie

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    Epilepsie ist eine Erkrankung, bei der einzelne Gehirnbereiche oder das ganze Gehirn übermäßig aktiv sind. Manche Menschen haben als Kind ihren ersten Anfall, andere erst in hohem Alter. Mit Medikamenten kann es gelingen, Anfällen vorzubeugen und eine gute Lebensqualität zu erhalten.

    Einleitung

    Epilepsie ist eine Erkrankung, bei der einzelne Gehirnbereiche oder das ganze Gehirn übermäßig aktiv sind und zu viele Signale abgeben. Dies löst die sogenannten epileptischen Anfälle aus. Sie können unterschiedlich ausgeprägt sein: Zum Beispiel zucken manchmal nur einzelne Muskeln. Oder der gesamte Körper krampft und man verliert das Bewusstsein.

    Eine Epilepsie kann in jedem Lebensalter auftreten. Manche Menschen haben als Kind ihren ersten Anfall, andere erst in hohem Alter. Zwischen den Anfällen zeigen sich meist keine körperlichen Beschwerden. Dennoch ist die Sorge vor einem Anfall ein ständiger Begleiter und kann Arbeit und Privatleben beeinträchtigen.

    Durch Medikamente kann es gelingen, Anfälle zu verhindern und eine gute Lebensqualität zu erhalten. Leider helfen Medikamente aber nicht jedem: Etwa 3 von 10 Betroffenen haben weiter regelmäßig Anfälle. Für sie ist die Krankheit eine besondere Belastung.

    Symptome

    Ein epileptischer Anfall kann sich ganz unterschiedlich zeigen. Er kann wenige Sekunden dauern und sogar für die Betroffenen unbemerkt bleiben, nur einen einzelnen Arm oder ein Bein betreffen oder den ganzen Körper erfassen. Manche Menschen werden bewusstlos, andere sind nur kurz abwesend oder bleiben bei vollem Bewusstsein.

    Ein epileptischer Anfall hält selten lange an. Dauert er länger als fünf Minuten, spricht man von einem „Status epilepticus“. Dabei handelt es sich um einen Notfall, der schnell mit Medikamenten behandelt werden muss. Es kann auch vorkommen, dass mehrere Anfälle kurz hintereinander auftreten.

    Man unterscheidet bei der Epilepsie zwei Anfallsformen:

    • generalisierte Anfälle und
    • fokale Anfälle.

    Generalisierte Anfälle

    Generalisierte Anfälle erfassen das gesamte Gehirn. Sie sind nicht unbedingt schwerer als fokale Anfälle. Ein generalisierter Anfall führt aber häufiger zu Bewusstlosigkeit und dazu, dass der ganze Körper krampft.

    Diese Anfallsform kann sich folgendermaßen zeigen:

    • Tonisch: Die Gliedmaßen verkrampfen und versteifen sich. Der Anfall ist meist schnell vorbei und das Bewusstsein nicht immer eingetrübt.
    • Atonisch: In einem Teil des Körpers lässt plötzlich die Muskelspannung nach. Das Kinn kann auf die Brust fallen oder die Beine können einknicken. Man kann auch kurz das Bewusstsein verlieren und stürzen.
    • Klonisch: Große Muskelgruppen zucken in langsamem Rhythmus, etwa an den Armen oder Beinen. Meist verliert man dabei das Bewusstsein.
    • Myoklonisch: Einzelne Muskelgruppen zucken rasch. Das Bewusstsein ist in der Regel nicht beeinträchtigt.
    • Tonisch-klonisch („Grand mal“): Der gesamte Körper krampft und zuckt und man verliert das Bewusstsein.
    • Absencen: Diese milde Anfallsform äußert sich durch plötzliche, kurze Bewusstseinspausen.

    Fokale Anfälle

    Fokale Anfälle entstehen in einem bestimmten Bereich des Gehirns. Für welche Funktion der Bereich zuständig ist, bestimmt, zu welchen Symptomen es kommt: etwa zu einem Zucken des Arms (motorischer Anfall), einer Gefühlsstörung (sensorischer Anfall) oder einer Veränderung des Sehens (visueller Anfall).

    Bei einem fokalen Anfall kann es vorkommen, dass die Person ungewöhnliche Sinneswahrnehmungen hat, anders hört, sieht oder riecht, verändert oder geistig abwesend ist. Auch Schwindel, Angstzustände oder Halluzinationen sind möglich. Dies wird als Aura bezeichnet. Andere Menschen schmatzen, grimassieren, stammeln, laufen ziellos umher oder nesteln an Dingen herum. Fokale Anfälle können mit Zuckungen und / oder Krämpfen einhergehen. Es gibt fokale Anfälle, bei denen Bewusstsein oder Aufmerksamkeit eingeschränkt sind. Das ist jedoch nicht immer der Fall.

    Fokale Anfälle können sich auf das gesamte Gehirn ausbreiten und zu einem generalisierten Anfall werden.

    Zwischen den Anfällen haben Menschen mit einer Epilepsie meist keine körperlichen Beschwerden.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Das Gehirn besteht aus Milliarden von Nervenzellen. Bestimmte Bereiche des Gehirns steuern die Bewegung, andere die Sprache, Wahrnehmung oder Gefühle. Die Nervenzellen sind durch elektrische und chemische Signale miteinander verbunden. Bei einem epileptischen Anfall ist das Zusammenspiel der Nervenzellen vorübergehend gestört.

    Dies führt dazu, dass einzelne Gehirnbereiche oder das ganze Gehirn übermäßig aktiv sind und zu viele Signale abgeben. Manchmal spricht man daher auch von einem „Gewitter im Gehirn“, das sich im übrigen Körper dann zum Beispiel als Krampfanfall bemerkbar macht. Eine Epilepsie kann sehr verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel Verletzungen, Entzündungen der Hirnhaut oder des Gehirns, Schlaganfälle oder Tumore. Das nennen Fachleute „symptomatische Epilepsie“. Oft lässt sich jedoch keine eindeutige Ursache für die Epilepsie feststellen.

    In manchen Familien tritt Epilepsie über mehrere Generationen hinweg auf. Das ist ein Hinweis auf eine genetische Veranlagung für die Erkrankung.

    Umstände wie Flackerlicht in einer Diskothek können bei manchen Menschen mit Epilepsie einen Anfall auslösen. Auch wenn jemand keine Epilepsie hat, können bestimmte Umstände gelegentlich epileptische Anfälle begünstigen, zum Beispiel zu wenig Schlaf, Sauerstoffmangel, Vergiftungen, Alkohol oder – vor allem bei Kindern – auch hohes Fieber.

    Häufigkeit

    Fachleute schätzen, dass etwa 10 von 100 Menschen im Laufe ihres Lebens mindestens einen epileptischen Anfall haben, wobei die meisten davon Gelegenheitsanfälle sind. Von Epilepsie sprechen Fachleute erst, wenn epileptische Anfälle ohne ersichtlichen Auslöser mehrfach auftreten. Das ist bei knapp 1 von 100 Menschen der Fall.

    Eine Epilepsie kann in jedem Alter zum ersten Mal auftreten. Bei vielen beginnt die Epilepsie bereits im Kindesalter. Im mittleren Alter zwischen 40 bis 59 Jahren fängt sie etwas seltener an. Danach steigt die Zahl der Neuerkrankungen wieder an.

    Verlauf

    Viele Menschen haben nur einmal einen Anfall oder nur über wenige Monate oder Jahre Epilepsie. Andere begleitet die Erkrankung ein Leben lang. Nach einem ersten Anfall kommt es bei etwa der Hälfte der Betroffenen zu einem zweiten Anfall. Wenn man zwei Anfälle hatte, steigt das Risiko für weitere: Etwa 7 von 10 Betroffenen haben innerhalb der nächsten Jahre erneut einen epileptischen Anfall.

    Das sind jedoch Durchschnittswerte. Das individuelle Risiko für einen weiteren Anfall hängt stark davon ab, was die Ursache ist. So ist das Risiko für weitere Anfälle für Menschen mit bekannter Ursache wie einer Gehirnerkrankung etwa doppelt so hoch wie für Menschen mit unbekannter Ursache oder einem genetischen Risiko.

    Manche Betroffenen nehmen ein Medikament ein und sind über Jahre ohne Anfälle – und bleiben es auch nach Absetzen der Medikamente. Andere sind nur anfallsfrei, solange sie Medikamente nehmen. Etwa 3 von 10 Menschen mit Epilepsie haben trotz verschiedener Behandlungen noch regelmäßig Anfälle.

    Folgen

    Nach einem stärkeren epileptischen Anfall muss man erst einmal wieder zu sich finden. Manche Menschen sind in den Stunden nach einem Anfall erschöpft und schlafen dann sehr viel. Es kann auch zu depressiven Beschwerden, Vergesslichkeit, Sprachstörungen oder Lähmungen kommen, die aber wieder vorübergehen. Andere Menschen sind nach wenigen Minuten völlig wiederhergestellt und können zum Beispiel wieder ihrer Arbeit nachgehen oder am Schulunterricht teilnehmen.

    Ein epileptischer Anfall kann zu Verletzungen führen. Dies trifft vor allem auf den generalisierten Anfall zu, bei dem der gesamte Körper krampft. Wer einen solchen Anfall hat, kann sich stoßen oder auf die Zunge beißen. Bestimmte Ausprägungen der Epilepsie machen auch Unfälle oder Stürze wahrscheinlicher.

    Die Angst vor einem Anfall kann psychisch sehr belastend sein, besonders wenn Anfälle häufig auftreten. Epilepsie kann zudem Depressionen begünstigen.

    Ein Anfall verursacht keine bleibenden Gehirnschäden. Zwar haben viele Menschen mit einer geistigen Behinderung auch eine Epilepsie. Der Grund liegt jedoch darin, dass die Ursachen der Behinderung – Hirnschäden oder Hirnerkrankungen – gleichzeitig eine Epilepsie begünstigen. Jahrelange häufige und schwere Anfälle können jedoch dazu führen, dass man vergesslicher und unkonzentrierter wird.

    Ob eine Epilepsie Bedeutung für die Lebenserwartung hat, hängt stark von der Ursache der Epilepsie ab. Die wenigsten Menschen mit Epilepsie sterben an den Folgen der Erkrankung. Zwar leben Menschen, deren Epilepsie durch eine andere Erkrankung verursacht wird, im Schnitt kürzer als andere – das liegt aber häufig nicht an der Epilepsie, sondern an der Grunderkrankung. Menschen, deren Epilepsie eine genetische Ursache hat, haben eine ähnliche Lebenserwartung wie Menschen ohne Epilepsie.

    Die Epilepsie selbst kann unter folgenden Umständen zum Tod führen:

    • Wenn jemand aufgrund eines Anfalls einen Unfall hat, der tödlich ausgeht.
    • Wenn ein schwerer, anhaltender Anfall (Status epilepticus) dazu führt, dass das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, sodass Herz und Lunge versagen.
    • Wenn Menschen mit Epilepsie plötzlich und unerwartet sterben. Dies ist jedoch extrem selten und wird als „sudden unexpected death in epilepsy“ (kurz SUDEP) bezeichnet.

    Diagnose

    Nicht jeder, der einmal einen epileptischen Anfall hatte, hat eine Epilepsie. Manche Menschen haben nur einmal oder wenige Male im Leben einen Anfall. Ein solcher Anfall kann durch bestimmte Umstände wie beispielsweise hohes Fieber (häufig im Kindesalter), Vergiftungen, niedrige Blutzuckerwerte oder Alkohol hervorgerufen werden. Dies wird als „Gelegenheitsanfall“ bezeichnet.

    Von einer Epilepsie spricht man, wenn wiederholt Anfälle auftreten. Meist wird eine Epilepsie diagnostiziert, wenn

    • es zu mindestens zwei Anfällen gekommen ist,
    • zwischen den Anfällen mindestens 24 Stunden lagen und
    • kein Hinweis auf einen Gelegenheitsanfall besteht.

    Wichtig für die Diagnose ist die Krankengeschichte: Wann und unter welchen Umständen ist der Anfall aufgetreten? Wie hat er sich geäußert? Häufig können sich Betroffene selbst an den Anfall nicht mehr gut erinnern. Dann ist es sinnvoll, Freunde oder Verwandte mit zur Untersuchung zu nehmen, die den Anfall miterlebt haben. Sie können besser beschreiben, wie der Anfall genau abgelaufen ist.

    Neben der körperlichen und neurologischen Untersuchung wird eine Blutprobe genommen, möglicherweise wird auch Hirnwasser untersucht. Es wird durch eine Spritze im Bereich der Lendenwirbelsäule entnommen (Lumbalpunktion).

    Das Elektroenzephalogramm (EEG) ist eine schmerzfreie Untersuchung, bei der die Hirnströme gemessen werden. Bestimmte Muster im EEG deuten auf eine erhöhte Anfallsneigung hin. Ein EEG allein reicht jedoch nicht aus, um eine Epilepsie festzustellen.

    Zudem wird in der Regel eine Magnetresonanztomografie (MRT) gemacht: Diese Untersuchung hilft herauszufinden, ob es im Gehirn Veränderungen gibt, die die Anfälle auslösen könnten.

    Behandlung

    Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der Form der Epilepsie und dem Krankheitsverlauf ab. Meist wird eine Epilepsie mit Medikamenten behandelt, sogenannten Antiepileptika. Es stehen unterschiedliche Medikamente aus verschiedenen Wirkstoffgruppen zur Verfügung. Wenn ein Medikament in einer niedrigen Dosierung nicht wirkt, kann zunächst die Dosis erhöht werden. Zeigt sich kein Erfolg, probiert man ein Medikament aus einer anderen Wirkstoffgruppe oder kombiniert mehrere Wirkstoffe.

    Da es bei vielen Betroffenen bei einem einzigen Anfall bleibt, kann man mit einer Behandlung oft erst einmal abwarten. Die Therapie beginnt in der Regel erst nach einem zweiten Anfall. Bestimmte Menschen haben jedoch ein erhöhtes Risiko für erneute Anfälle, zum Beispiel Personen mit einer Gehirnerkrankung. Wann es sinnvoll ist, bereits nach dem ersten Krampfanfall mit der Behandlung zu beginnen, hängt deshalb stark von der individuellen Situation ab. Wichtig ist, dies ausführlich mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen.

    Wer sich für eine Behandlung mit Medikamenten entscheidet, nimmt diese meist über mehrere Jahre ein. Manche Menschen können nach einiger Zeit versuchsweise auf Medikamente verzichten, wenn sie über mehrere Jahre anfallsfrei sind. Andere benötigen ihr Leben lang Medikamente.

    Wenn Medikamente Anfälle nicht verhindern können, ist ein Eingriff eine Alternative. Zu den Möglichkeiten zählen:

    • Operation: Wenn sich bei fokalen Anfällen feststellen lässt, welcher der Teil des Gehirns die Anfälle auslöst, kann dieser Teil entfernt werden. Das ist aber nicht immer möglich.
    • Vagusnerv-Stimulation: Dabei wird ein Schrittmacher im Brustbereich unter die Haut implantiert, der elektrische Impulse abgibt. Er ist über Kontakte am Halsbereich mit dem Vagusnerv verbunden und soll die Überaktivität der Nervenzellen hemmen.

    Die Behandlung wird von einer Neurologin oder einem Neurologen begleitet. Für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen gibt es Kinder- und Jugendneurologen. Ein Teil der Untersuchung und Behandlung erfolgt oft in einem Krankenhaus. Es gibt ambulante Einrichtungen und Kliniken, die sich auf die Behandlung von Menschen mit Epilepsie spezialisiert haben (Epilepsiezentren, Epilepsieambulanz, Schwerpunktpraxen). Diese eignen sich besonders bei speziellen Problemen oder unklarer Diagnose, oder wenn es trotz Behandlung weiter zu Anfällen kommt.

    Ein einzelner Anfall muss meist nicht behandelt werden. Am wichtigsten ist es, dass Helferinnen und Helfer Ruhe bewahren und Betroffene vor Verletzungen schützen. Dauert der Anfall länger als fünf Minuten an oder treten mehrere Anfälle kurz hintereinander auf, sollte der Rettungsdienst (Notruf 112) informiert werden. Bei einem schweren Anfall kann ein Krankenhausaufenthalt notwendig sein. 

    Weitere Informationen

    Eine Epilepsie wirft viele Fragen auf. Die Antworten hängen sehr von der persönlichen Situation ab. Die folgende Liste kann vielleicht das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt unterstützen:

    • Wie lautet meine genaue Diagnose?
    • Welche Medikamente kommen infrage? Was sind deren Vor- und Nachteile?
    • Welche anderen Behandlungen sind möglich? Was sind deren Vor- und Nachteile?
    • Was kann Anfälle auslösen und wie kann ich das Risiko dafür senken? Hilft es vielleicht, meinen Lebensstil zu ändern?
    • Wie kann ich meine Sicherheit erhöhen, falls es zu Anfällen kommt?
    • Welche Folgen hat die Epilepsie für meine Arbeit und Alltagstätigkeiten wie Autofahren?
    • Hat die Epilepsie Folgen für meine Familienplanung?
    • Hat die Epilepsie Folgen für meine Versicherungen?
    • Wo finde ich weitere Unterstützung?

    Für Mädchen und Frauen können zudem Themen wie Verhütung, Schwangerschaft und Stillzeit zu einem besonderen Beratungsbedarf führen. Auch bei älteren Menschen und solchen mit einer geistigen Behinderung entstehen oft besondere Fragen und Probleme, die eine spezielle Beratung erfordern.

    Neben Ärztinnen und Ärzten bieten Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen Unterstützung.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V. (DGE). www.izepilepsie.de.

    Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter. S1-Leitlinie. 09.2012 (AWMF-Leitlinien; Band 030 - 041).

    Fisher RS, Acevedo C, Arzimanoglou A, Bogacz A, Cross JH, Elger CE et al. ILAE official report: a practical clinical definition of epilepsy. Epilepsia 2014; 55(4): 475-482.

    Kwan P, Sander JW. The natural history of epilepsy: an epidemiological view. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2004; 75(10): 1376-1381.

    National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Epilepsies: diagnosis and management. 01.2012. (NICE Public Health Guidance; Band 137).

    Rugg-Gunn FJ, Sander JW. Management of chronic epilepsy. BMJ 2012; 345: e4576.

    Schmidt D, Schachter SC. Drug treatment of epilepsy in adults. BMJ 2014: 348:g254.

    Talati R, Scholle JM, Phung OJ, Baker WL, Baker EL, Ashaye A et al. Effectiveness and safety of antiepileptic medications in patients with epilepsy. Comparative effectiveness review; Number 40. Agency for Healthcare Research and Quality (US); 2011.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Epilepsie bei Erwachsenen: Behandlung mit Medikamenten

    Epilepsie-Medikamente können Anfällen vorbeugen. Sie helfen jedoch nicht allen Betroffenen. Wenn man über mehrere Jahre anfallsfrei ist, können die Medikamente unter Umständen abgesetzt werden.

    Ein epileptischer Anfall entsteht, wenn Nervenzellen im Gehirn überaktiv sind. Epilepsie-Medikamente (Antiepileptika) wirken, indem sie diese übermäßige Aktivität hemmen. Antiepileptika heilen zwar nicht die Ursachen der Epilepsie. Sie können aber das Risiko senken, dass es zu Anfällen kommt.

    Die Medikamente gibt es als Tablette, Kapsel oder Saft. Manche können auch gespritzt, als Infusion oder als Zäpfchen angewendet werden. Die Medikamente können teils unangenehme Nebenwirkungen haben, werden in niedrigen Dosierungen aber oft gut vertragen. Daher ist es wichtig, bei jedem Menschen sorgfältig abzuwägen, ob eine Behandlung sinnvoll ist und wenn ja, welches Medikament in welcher Dosierung infrage kommt.

    Ob ein bestimmter Wirkstoff helfen wird, lässt sich nicht vorhersagen: Manche Menschen haben schon mit dem ersten Medikament keine Anfälle mehr. Bei anderen dauert es länger, bis sie die richtige Behandlung gefunden haben. Einem Teil der Betroffenen können Medikamente nicht oder nur sehr wenig helfen.

    Epilepsie-Medikamente können Anfällen vorbeugen. Sie helfen jedoch nicht allen Betroffenen. Wenn man über mehrere Jahre anfallsfrei ist, können die Medikamente unter Umständen abgesetzt werden.

    Ein epileptischer Anfall entsteht, wenn Nervenzellen im Gehirn überaktiv sind. Epilepsie-Medikamente (Antiepileptika) wirken, indem sie diese übermäßige Aktivität hemmen. Antiepileptika heilen zwar nicht die Ursachen der Epilepsie. Sie können aber das Risiko senken, dass es zu Anfällen kommt.

    Die Medikamente gibt es als Tablette, Kapsel oder Saft. Manche können auch gespritzt, als Infusion oder als Zäpfchen angewendet werden. Die Medikamente können teils unangenehme Nebenwirkungen haben, werden in niedrigen Dosierungen aber oft gut vertragen. Daher ist es wichtig, bei jedem Menschen sorgfältig abzuwägen, ob eine Behandlung sinnvoll ist und wenn ja, welches Medikament in welcher Dosierung infrage kommt.

    Ob ein bestimmter Wirkstoff helfen wird, lässt sich nicht vorhersagen: Manche Menschen haben schon mit dem ersten Medikament keine Anfälle mehr. Bei anderen dauert es länger, bis sie die richtige Behandlung gefunden haben. Einem Teil der Betroffenen können Medikamente nicht oder nur sehr wenig helfen.

    Wann ist eine Behandlung mit Medikamenten sinnvoll?

    Wenn man zum ersten Mal einen Anfall hatte, sind häufig nicht gleich Medikamente sinnvoll. Viele Menschen haben auch ohne Medikamente keinen zweiten Anfall.

    Die Entscheidung, ob eine Behandlung begonnen werden soll, hängt von vielen Fragen ab, die man in Ruhe mit seiner Ärztin oder seinem Arzt besprechen sollte:

    • Wie wahrscheinlich ist es, dass ein weiterer Anfall auftritt?
    • Um welche Form der Epilepsie geht es? Wie zeigen sich die Anfälle?
    • Wie sehr beeinträchtigen die Anfälle die Lebensqualität?
    • Wie groß ist die Chance, dass ein Medikament einen Anfall verhindern kann?
    • Welche möglichen Nebenwirkungen haben die Medikamente?

    Wenn sehr selten Anfälle auftreten, diese zudem eher leicht sind und die Lebensqualität kaum einschränken, kann eine Behandlung nur wenige Vorteile haben.

    Bei bestimmten Menschen zeigen die Untersuchungen nach dem ersten Anfall aber, dass sie ein erhöhtes Risiko für weitere Anfälle haben. Dazu zählen Menschen mit Gehirnerkrankungen und Gehirnschäden, die Anfälle auslösen können. Ebenso Personen, bei denen bei einer Hirnstrommessung (Elektroenzephalografie oder kurz EEG) eine erhöhte Anfallsbereitschaft festgestellt wurde. Ihnen wird oft bereits nach dem ersten Anfall empfohlen, ein Medikament einzunehmen.

    Welche Medikamente kommen infrage?

    Zur Behandlung einer Epilepsie sind mehr als 20 verschiedene Wirkstoffe zugelassen. Die unterschiedlichen Wirkstoffe sind für verschiedene Epilepsieformen unterschiedlich gut geeignet. Welche Mittel infrage kommen, hängt neben der Wirksamkeit auch von möglichen Nebenwirkungen ab. Manche Menschen vertragen bestimmte Mittel besser als andere. Nicht zuletzt beeinflussen die Lebensumstände und persönliche Bedürfnisse die Entscheidung für eine Behandlung.

    Wer sich bei Epilepsie für eine Behandlung entscheidet, beginnt in der Regel mit einem einzelnen Wirkstoff in einer niedrigen Dosierung. Hilft dies nicht ausreichend, wird meist zunächst die Dosis gesteigert. Bleibt dies ohne Erfolg oder treten dabei starke Nebenwirkungen auf, wird ein anderer Wirkstoff eingesetzt. Häufig müssen mehrere Medikamente ausprobiert werden, um ein wirksames zu finden. Zudem gibt es die Möglichkeit, Medikamente miteinander zu kombinieren.

    Welche Wirkstoffe gibt es gegen eine generalisierte Epilepsie?

    Die folgende Tabelle enthält die gängigsten Wirkstoffe zur Behandlung einer generalisierten Epilepsie:

    Epilepsieform Wirkstoff
    Idiopathische generalisierte Epilepsie (Epilepsie, die das gesamte Gehirn umfasst und eine erbliche Ursache hat)
    • Lamotrigin
    • Topiramat
    • Valproinsäure
    Refraktäre idiopathische generalisierte Epilepsie (Generalisierte Epilepsie, bei der trotz Medikamenten weiter Anfälle auftreten)

    Nur in Kombination mit anderen Wirkstoffen:

    • Levetiracetam
    • Perampanel

    Welche Wirkstoffe gibt es gegen eine fokale Epilepsie?

    Die folgende Tabelle enthält die gängigsten Wirkstoffe zur Behandlung einer fokalen Epilepsie:

    Epilepsieform Wirkstoff
    Fokale Epilepsie (Epilepsie in einem Bereich des Gehirns)
    • Carbamazepin
    • Gabapentin
    • Lamotrigin
    • Levetiracetam
    • Oxcarbazepin
    • Topiramat
    • Valproinsäure
    • Zonisamid
    Refraktäre fokale Epilepsie (Fokale Epilepsie, bei der trotz Medikamenten weiter Anfälle auftreten)

    Nur in Kombination mit anderen Wirkstoffen:

    • Eslicarbazepinacetat
    • Lacosamid
    • Perampanel
    • Pregabalin

    Wie gut helfen die Medikamente?

    Ziel der medikamentösen Behandlung ist es, Anfälle zu verhindern. Ist dies nicht möglich, wird versucht, zumindest die Zahl der Anfälle zu verringern.

    Medikamente helfen der Mehrzahl der Menschen mit Epilepsie, Anfälle dauerhaft zu vermeiden. Etwa 5 von 10 Personen werden schon mit dem ersten Medikament anfallsfrei oder haben seltener Anfälle. Insgesamt treten bei etwa 7 von 10 Menschen mit Epilepsie keine Anfälle mehr auf, wenn sie Medikamente einnehmen.

    Das bedeutet aber auch, dass Medikamente etwa 3 von 10 Menschen nicht ausreichend helfen. Sie haben trotz mehrerer Behandlungsversuche weiter regelmäßig Anfälle.

    Bei einem Teil der Betroffenen wäre es womöglich auch ohne Medikamente zu keinen weiteren Anfällen gekommen. Es lässt sich für den Einzelnen nicht sicher vorhersagen, ob weitere Anfälle auftreten werden. Ärztinnen und Ärzte können lediglich das Risiko dafür einschätzen.

    Die meisten der für die jeweilige Epilepsieform zugelassenen Medikamente helfen im Schnitt ähnlich gut. Es kann jedoch sein, dass bei einzelnen Betroffenen nur ganz bestimmte Medikamente wirken. Dies lässt sich jedoch nicht vorhersagen. Jeder Wirkstoff hat Vor- und Nachteile. So gibt es zum Teil Unterschiede bei den Nebenwirkungen. Auf Basis der bisherigen Studien lässt sich jedoch nicht sagen, dass ein bestimmtes Medikament generell wirksamer ist und weniger Nebenwirkungen hat als alle anderen.

    Welches Medikament sich am ehesten eignet, hängt von der individuellen Situation ab und muss ausführlich mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.

    Welche Nebenwirkungen können die Medikamente haben?

    Ein Teil der Menschen, die ein Medikament gegen Epilepsie einnimmt, berichtet über Nebenwirkungen. Bei der ersten Behandlung werden die Medikamente in der Regel gut vertragen. Dies liegt daran, dass der Wirkstoff zu Beginn meist nur niedrig dosiert wird. Kommt es weiterhin zu Anfällen, wird die Dosis erhöht oder es werden Medikamente kombiniert. Damit werden Nebenwirkungen wahrscheinlicher. Es kann außerdem zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen.

    Welche Nebenwirkungen auftreten können und wie schwer sie sind, ist von Medikament zu Medikament unterschiedlich und hängt von der Dosis ab. Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Schläfrigkeit, Schwindel, verlangsamtes Denken, Übelkeit und Hautausschlag. Oft sind sie leicht und gehen nach einiger Zeit vorüber. Mögliche langfristige, aber seltenere Nebenwirkungen sind unter anderem psychische Beschwerden, Osteoporose, Störung der Sexualfunktion und starke Gewichtsveränderungen.

    Tritt eine Nebenwirkung auf, ist es wichtig, mit der Ärztin oder dem Arzt darüber zu sprechen, die Medikamente bis zu diesem Gespräch aber weiter einzunehmen.

    Was kann die Behandlung unterstützen?

    Es ist hilfreich, einen sogenannten Anfallskalender zu führen. In diesem dokumentiert man, welche Medikamente man wie und wann einnimmt, wann Anfälle auftreten und wie sie sich äußern. Dies kann es Ärztinnen und Ärzten erleichtern, den Krankheitsverlauf zu beurteilen.

    Vielen Menschen fällt es schwer, Medikamente über lange Zeit regelmäßig einzunehmen. Es gibt aber einige Strategien, die dabei helfen können. Man kann zum Beispiel die Medikamente zu festen Zeiten, an bestimmten Orten oder bei täglichen Routinen einnehmen – zum Beispiel immer vor dem Zähneputzen. Oder die Erinnerungsfunktion eines Mobiltelefons nutzen. Probleme bei der Einnahme können mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.

    Auch spezialisierte Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen können Tipps geben und Menschen mit Epilepsie unterstützen.

    Kann die Einnahme nach einiger Zeit beendet werden?

    Wer mehrere Jahre anfallsfrei war, möchte die Medikamente häufig absetzen. Dies ist oft möglich, ohne dass erneut Anfälle auftreten. Es wird geschätzt, dass etwa 3 von 10 Menschen, bei denen nach Beginn der Behandlung keine Anfälle mehr auftreten, die Einnahme der Medikamente nach einigen Jahren beenden können, ohne dass es zu neuen Anfällen kommt. Die Vor- und Nachteile eines Versuchs hängen jedoch von der individuellen Situation ab und sollten mit einer Ärztin oder einem Arzt abgewogen werden. Die Einnahme auf eigene Faust zu beenden, ist nicht zu empfehlen.

    Die Entscheidung für oder gegen ein Absetzen der Medikamente hängt vor allem davon ab, wie hoch das Risiko für einen Rückfall ist. Ein Absetzen kommt eher für Menschen infrage, die

    • schon lange anfallsfrei sind,
    • nur ein niedrig dosiertes Medikament einnehmen und
    • bei denen im EEG keine erhöhte Anfallsneigung festgestellt wird.

    Dagegen haben Menschen, die mehr als ein Medikament einnehmen, ein deutlich höheres Rückfallrisiko. Sie können oft nicht auf Medikamente verzichten, ohne dass es erneut zu einem Anfall kommt.

    Auch die Ursache der Epilepsie spielt bei der Entscheidung eine Rolle. Manche Menschen haben ein dauerhaft erhöhtes Risiko, etwa aufgrund einer Veranlagung oder durch bleibende Gehirnschäden. Sie brauchen oft ihr Leben lang Medikamente. Wenn die Ursache jedoch nicht mehr vorhanden ist, zum Beispiel weil eine Gehirnerkrankung mittlerweile abgeheilt ist und lange keine Anfälle mehr aufgetreten sind, ist das Risiko für einen erneuten Anfall deutlich geringer. Dann kann eher auf die Medikamente verzichtet werden.

    Wer die Einnahme beendet, reduziert die Dosis schrittweise über mindestens zwei bis drei Monate. Werden zwei oder mehr Medikamente eingenommen, wird zunächst nur die Dosierung eines Medikaments verringert. Wichtig ist, mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen, wie man mit einem erneuten Anfall umgeht und was dies für den Beruf und die Fahrtüchtigkeit bedeuten kann.

    Was ist zur Verhütung und bei Kinderwunsch zu beachten?

    Bestimmte Antiepileptika können die Wirksamkeit der Antibabypille herabsetzen. Umgekehrt kann die Pille die Wirksamkeit bestimmter Antiepileptika beeinflussen. Deshalb ist es für junge Frauen mit Epilepsie wichtig, frühzeitig mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt über das Thema Verhütung zu sprechen und gegebenenfalls alternative Verhütungsmethoden zu diskutieren.

    Frauen mit Kinderwunsch fragen sich häufig, ob eine Schwangerschaft trotz Epilepsie möglich ist. Sie sorgen sich, dass Anfälle und Medikamente einem ungeborenen Kind schaden könnten. Wichtig ist, sich rechtzeitig ärztlich beraten zu lassen und sich auf die Schwangerschaft vorzubereiten. Dann lässt sich das Risiko für Komplikationen senken. Die meisten Frauen mit Epilepsie bringen gesunde Kinder zur Welt.

    Frauen mit Epilepsie, die sich ein Kind wünschen, sprechen am besten schon vor einer Schwangerschaft mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt. Ein Gespräch ist spätestens dann nötig, wenn eine Frau erfährt, dass sie schwanger ist. Ist in einer Familie eine genetisch bedingte Anfälligkeit für Epilepsie bekannt, besteht die Möglichkeit einer genetischen Beratung.

    Es kann sein, dass die Behandlung der Epilepsie während einer Schwangerschaft angepasst werden muss. Je höher die Medikamente dosiert sind, desto eher können sie Fehlbildungen hervorrufen oder die Entwicklung des Nervensystems des Kindes verzögern. Das Risiko ist besonders im ersten Drittel der Schwangerschaft erhöht, also bis zur zwölften Woche. Deshalb wird versucht, die Dosis der Medikamente während der Schwangerschaft möglichst niedrig zu halten. Ein einzelnes Medikament in niedriger Dosierung erhöht das Risiko für Fehlbildungen sehr wahrscheinlich nicht wesentlich. Möglichst vermieden werden sollte aber die Kombination mehrerer Wirkstoffe sowie Mittel, bei denen ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen bekannt ist.

    Wie bei jeder Schwangerschaft wird auch Schwangeren mit Epilepsie empfohlen,  Folsäurepräparate einzunehmen, um das Risiko für Missbildungen zu senken. Da einige Epilepsie-Medikamente den Folsäurespiegel im Körper senken können, wird Frauen in diesem Fall die Einnahme höherer Dosen empfohlen.

    Epileptische Anfälle schaden dem Kind in aller Regel nicht. Eine Ausnahme können lang anhaltende, generalisierte Anfälle sein, oder wenn sich eine Schwangere während eines Anfalls schwer verletzt. Das passiert aber selten.

    Wie wirken Antiepileptika bei älteren Menschen?

    Ein Drittel der Menschen mit Epilepsie erkrankt erst nach dem 60. Lebensjahr. Ältere Menschen sind oft anfälliger für Nebenwirkungen von Medikamenten. Dies gilt auch für Antiepileptika. Zudem nehmen viele aufgrund anderer Erkrankungen weitere Medikamente ein. Dadurch können Wechselwirkungen zwischen Medikamenten auftreten.

    Für ältere Menschen ist es daher besonders wichtig, wenn möglich nur ein Epilepsie-Medikament in möglichst niedriger Dosis einzunehmen. Günstig sind Medikamente, von denen bekannt ist, dass sie gut vertragen werden und wenige oder gar keine Wechselwirkungen haben.

    Was ist für Menschen mit geistigen Behinderungen wichtig?

    Geistige Behinderungen entstehen meist aufgrund von Gehirnschäden. Diese können angeboren oder später durch einen Unfall oder eine Krankheit entstanden sein. Die Gehirnschäden sind auch der Grund, warum Menschen mit geistiger Behinderung häufiger Epilepsie haben.

    Mit Menschen mit geistiger Behinderung über die Erkrankung zu sprechen, kann schwierig sein. Dies erschwert die Diagnose und Behandlung. Es ist zudem schwieriger, die passenden Medikamente zu finden und Nebenwirkungen festzustellen. Zudem können Menschen mit geistiger Behinderung Verhaltensauffälligkeiten und Bewegungsstörungen haben, die leicht mit epileptischen Anfällen verwechselt werden. Daher ist es wichtig, dass Angehörige oder Betreuer sich gut über die Erkrankung informieren, die Wirkung der Medikamente genau beobachten und der Ärztin oder dem Arzt mitteilen.

    Was kann man machen, wenn die Medikamente nicht wirken?

    Etwa 3 von 10 Menschen haben trotz mehrerer Behandlungsversuche mit verschiedenen Medikamenten weiter Anfälle – manche regelmäßig, andere können einige Jahre anfallsfrei sein. Warum sie nicht auf die Medikamente ansprechen, ist nicht bekannt.

    Spätestens wenn zwei verschiedene Medikamente keine ausreichende Wirkung gezeigt haben, wird empfohlen, die Diagnose in einem spezialisierten Zentrum überprüfen zu lassen. Manchmal stellt sich dann heraus, dass es sich nicht um eine Epilepsie, sondern eine andere Anfallserkrankung handelt.

    Wirken Medikamente nicht, wird häufig ein Eingriff empfohlen. Zu den Möglichkeiten zählen:

    • Operation: Wenn sich bei fokalen Epilepsien feststellen lässt, welcher Teil des Gehirns Anfälle auslöst, kann dieser Teil des Gehirns entfernt werden. Das ist aber nicht immer möglich.
    • Vagusnerv-Stimulation: Dabei wird ein Schrittmacher unter die Haut an der Brust implantiert, der elektrische Impulse abgibt. Er ist über Kontakte am Halsbereich mit dem Vagusnerv verbunden. Der Nerv leitet die Impulse ins Gehirn und soll so die Überaktivität hemmen.

    Wie wird ein Status epilepticus behandelt?

    Von einem „Status epilepticus“ spricht man, wenn ein generalisierter epileptischer Anfall länger als fünf Minuten dauert oder mehrere Anfälle rasch hintereinander auftreten. Dann handelt es sich um einen Notfall, der schnell medikamentös behandelt werden muss. Deshalb ist es wichtig, sofort den Notarzt unter der 112 zu rufen. Meist wird dann zuerst ein Beruhigungsmittel (Benzodiazepin) gegeben. Es wird in die Vene gespritzt, in die Wangentasche gegeben oder als Creme über eine kleine Tube in den After eingeführt. Manche Menschen mit Epilepsie tragen ständig ein Notfallmedikament bei sich, sodass Freunde oder Verwandte es einsetzen können, wenn sie einen Anfall miterleben.

    Danach ist eine weitere Behandlung im Krankenhaus erforderlich. Hat der oder die Betroffene nach etwa 30 bis 60 Minuten noch immer Krämpfe, sind häufig eine Narkose und eine künstliche Beatmung nötig.

    Quellen

    Al-Aqeel S, Al-Sabhan J. Strategies for improving adherence to antiepileptic drug treatment in patients with epilepsy. Cochrane Database Syst Rev 2011; (1): CD008312.

    American Academy of Neurology. Evidence-based guideline: Management of an unprovoked first seizure in adults. Neurology 2015; 84(16): 1705-1713.

    Bromley R, Weston J, Adab N, Greenhalgh J, Sanniti A, McKay AJ et al. Treatment for epilepsy in pregnancy: neurodevelopmental outcomes in the child. Cochrane Database Syst Rev 2014; (10): CD010236.

    Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter. S1-Leitlinie. 09.2012 (AWMF-Leitlinien; Band 030 - 041).

    Embryotox: Epilepsie. 2008.

    Kwan P, Sander JW. The natural history of epilepsy: an epidemiological view. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2004; 75(10): 1376-1381.

    Rugg-Gunn FJ, Sander JW. Management of chronic epilepsy. BMJ 2012; 345: e4576.

    Schmidt D, Schachter SC. Drug treatment of epilepsy in adults. BMJ 2014: 348:g254.

    Talati R, Scholle JM, Phung OJ, Baker WL, Baker EL, Ashaye A et al. Effectiveness and safety of antiepileptic medications in patients with epilepsy. Comparative effectiveness review; Number 40. Agency for Healthcare Research and Quality (US); 2011.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Was tun, wenn jemand einen epileptischen Anfall hat?

    Viele Menschen sind unsicher, wie sie reagieren sollen, wenn jemand einen epileptischen Anfall hat. Dabei ist das richtige Verhalten gar nicht so kompliziert. Einige wenige Regeln können helfen.

    Es gibt verschiedene Anfallsformen. Zudem hängt es von der Stärke des Anfalls und der Situation ab, wie man sich am besten verhält. Grundsätzlich ist es am wichtigsten, ruhig zu bleiben und Betroffene vor Verletzungen zu schützen. Die meisten Anfälle sind nicht gefährlich und nach wenigen Minuten vorbei.

    Viele Menschen sind unsicher, wie sie reagieren sollen, wenn jemand einen epileptischen Anfall hat. Dabei ist das richtige Verhalten gar nicht so kompliziert. Einige wenige Regeln können helfen.

    Es gibt verschiedene Anfallsformen. Zudem hängt es von der Stärke des Anfalls und der Situation ab, wie man sich am besten verhält. Grundsätzlich ist es am wichtigsten, ruhig zu bleiben und Betroffene vor Verletzungen zu schützen. Die meisten Anfälle sind nicht gefährlich und nach wenigen Minuten vorbei.

    Kleinere Anfälle und Anfälle mit Bewusstseinsstörungen

    Manche Menschen sind nur kurz abwesend oder haben Muskelzuckungen. Bei solchen kleinen Anfällen besteht in der Regel keine Gefahr. Dennoch können die Betroffenen hinterher sehr verunsichert oder ängstlich sein und sich schlecht fühlen. Deshalb kann es wichtig sein, ihnen beizustehen und Sicherheit zu geben.

    Bei manchen Anfällen ist das Bewusstsein eingeschränkt und das Verhalten besonders auffällig. Wer einen solchen epileptischen Anfall hat, kann verwirrt oder orientierungslos wirken. In dieser Situation ist es wichtig zu verhindern, dass Betroffene sich in Gefahr begeben und beispielsweise auf die Straße laufen. Wenn möglich, sollte man sie dennoch ruhig und ohne Gewalt aus der Situation herausführen.

    Hektik und zu hartes Anfassen könnten sie zu unerwarteten Reaktionen verleiten. Besser ist es, Halt und Nähe zu vermitteln, verständnisvoll zu bleiben und einfach da zu sein. Dies ist auch nach einem überstandenen Anfall hilfreich.

    Größere Anfälle

    Für große Anfälle, bei denen die Betroffenen am ganzen Körper verkrampfen, hinfallen und das Bewusstsein verlieren, gelten folgende Hinweise:

    • Vor Verletzungen schützen: Wichtig ist vor allem, auf den Kopf zu achten. Man kann zum Beispiel eine Jacke oder ein Kissen unter den Kopf legen und gefährliche Gegenstände außer Reichweite bringen. Auf keinen Fall sollte die oder der Betroffene während des Anfalls festgehalten oder zu Boden gedrückt werden. Dem Anfall sollte man soweit es geht seinen Lauf lassen.
    • Atemwege freihalten: Sitzt die Kleidung am Hals eng, sollte man sie lockern. Es kann passieren, dass sich der Betroffene auf die Zunge beißt. Dennoch sollte man während des Anfalls nicht den Mund öffnen oder einen Gegenstand zwischen die Zähne schieben. Nach dem Anfall ist es wichtig zu kontrollieren, ob die Atemwege frei sind.
    • Da bleiben: Den Betroffenen nicht allein lassen – auch nicht, um Hilfe zu holen. Außer es wird unbedingt nötig, weil der Anfall nicht aufhört.
    • Auf die Uhr schauen, wie lange der Anfall dauert: Meist beginnt ein Anfall plötzlich und ist nach ein, zwei Minuten wieder vorbei. Selten dauert ein Anfall länger als fünf Minuten. Wenn doch, ist dies ein Notfall – dann muss unter der Nummer 112 ein Notarzt gerufen werden.
    • Nach dem Anfall da bleiben und helfen: Eine Person, die einen Anfall hinter sich hat, kann einige Zeit benötigen, um wieder zu sich zu kommen. Vielleicht hat sie einen Wunsch oder braucht Orientierung. Manche Menschen sind sehr müde und möchten sofort schlafen. Sie werden am besten in die stabile Seitenlage gebracht. Wichtig ist außerdem, Schamgefühle zu beachten und zu vermeiden, dass sich etwa bei einem Anfall in der Öffentlichkeit viele Menschen ansammeln. Es kann auch passieren, dass während eines Anfalls ungewollt Urin abgeht. Dann kann eine Decke oder Jacke Schutz und Wärme bieten.

     

    Grafik: Stabile Seitenlage Stabile Seitenlage

    Wann ist es wichtig, die 112 anzurufen?

    Bei einem großen Anfall muss nicht immer ein Notarzt gerufen werden: Geht er schnell vorüber und kommt der Betroffene schnell wieder zu sich, kann man besprechen, ob ein Notarzt gerufen werden soll. Notwendig ist dies nur in folgenden Situationen:

    • Der Anfall dauert länger als fünf Minuten.
    • Der Betroffene hat mehrere Anfälle hintereinander.
    • Es gibt Atemprobleme.
    • Es kam zu Verletzungen.
    • Man weiß, dass es der erste Anfall war.
    • Die Person kommt nicht wieder zu sich.

    Manche Menschen mit Epilepsie tragen ständig ein Notfallmedikament bei sich, sodass Freunde oder Verwandte es einsetzen können, wenn sie einen Anfall miterleben. Dauert ein Anfall länger an, kann das Medikament als Tablette in die Wangentasche gelegt oder als Creme über eine kleine Tube in den After gespritzt werden, um den Anfall zu beenden. Der Notarzt kann Medikamente in die Vene spritzen.

    Es kann hilfreich sein, sich zu merken, wie genau der Anfall abgelaufen ist. Genaue Beobachtungen können Ärztinnen und Ärzten später bei der Diagnose helfen.

    Viele Menschen mit Epilepsie sind aber wenige Minuten nach dem Anfall völlig wiederhergestellt. Sie können wieder ihrer Arbeit nachgehen oder am Unterricht teilnehmen und brauchen keine ärztliche Hilfe.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V. (DGE). Informationsportal Epilepsie.

    International League Against Epilepsy (ILAE). www.ilae.org.

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