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Epilepsie

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    Epilepsie ist eine Erkrankung, bei der das Gehirn oder einzelne Hirnbereiche übermäßig aktiv sind. Manche Menschen haben als Kind ihren ersten Anfall, andere erst im Alter. Mit Medikamenten kann es gelingen, Anfällen vorzubeugen und eine gute Lebensqualität zu erhalten.

    Einleitung

    Epilepsie ist eine Erkrankung, bei der das Gehirn oder einzelne Hirnbereiche übermäßig aktiv sind und zu viele Signale abgeben. Dies löst die sogenannten epileptischen Anfälle aus. Dabei zucken manchmal nur einzelne Muskeln – es kann aber auch der gesamte Körper krampfen und man verliert das Bewusstsein.

    Eine Epilepsie kann in jedem Lebensalter auftreten. Manche Menschen haben schon in der Kindheit ihren ersten Anfall, andere erst im Alter. Zwischen den Anfällen zeigen sich meist keine körperlichen Beschwerden. Allerdings begleitet viele Menschen die Sorge, dass es zu einem erneuten Anfall kommt.

    Durch Medikamente kann es gelingen, Anfälle zu verhindern und eine gute Lebensqualität zu erhalten. Leider helfen Medikamente aber nicht jedem: Etwa 3 von 10 Betroffenen haben weiter regelmäßig Anfälle. Für sie ist die Krankheit eine besondere Belastung.

    Symptome

    Ein epileptischer Anfall kann sich ganz unterschiedlich zeigen. Er kann wenige Sekunden dauern und sogar unbemerkt bleiben, nur einen einzelnen Arm oder ein Bein betreffen oder den ganzen Körper erfassen. Manche Menschen werden bewusstlos, andere sind nur kurz abwesend oder bleiben bei vollem Bewusstsein.

    Ein epileptischer Anfall hält selten lange an. Dauert er länger als fünf Minuten, spricht man von einem „Status epilepticus“. Dabei handelt es sich um einen Notfall, der schnell mit Medikamenten behandelt werden muss. Es kann auch vorkommen, dass mehrere Anfälle kurz hintereinander auftreten.

    Man unterscheidet bei der Epilepsie zwei Anfallsformen:

    • generalisierte Anfälle und
    • fokale Anfälle.

    Generalisierte Anfälle

    Generalisierte Anfälle erfassen das gesamte Gehirn. Sie sind nicht unbedingt schwerer als Anfälle einzelner Hirnbereiche (fokale Anfälle), führen aber häufiger zu Bewusstlosigkeit und Krämpfen im ganzen Körper.

    Ein generalisierter Anfall kann sich folgendermaßen zeigen:

    • Tonisch: Die Gliedmaßen verkrampfen und versteifen sich. Der Anfall ist meist schnell vorbei und das Bewusstsein nicht immer eingetrübt.
    • Atonisch: In einem Teil des Körpers lässt plötzlich die Muskelspannung nach. Zum Beispiel kann das Kinn auf die Brust fallen oder die Beine können einknicken. Man kann auch kurz das Bewusstsein verlieren und stürzen.
    • Klonisch: Große Muskelgruppen zucken in langsamem Rhythmus, etwa an den Armen oder Beinen. Meist verliert man dabei das Bewusstsein.
    • Myoklonisch: Einzelne Muskelgruppen zucken rasch. Das Bewusstsein ist in der Regel nicht beeinträchtigt.
    • Tonisch-klonisch („Grand mal“): Der gesamte Körper krampft und zuckt, und man wird bewusstlos.
    • Absencen: Diese milde Anfallsform äußert sich durch plötzliche, kurze Bewusstseinspausen.

    Fokale Anfälle

    Fokale Anfälle entstehen in einem bestimmten Bereich des Gehirns. Welche Symptome auftreten, hängt davon ab, für welche Funktion dieser Bereich zuständig ist: zum Beispiel ein Zucken des Arms (motorischer Anfall), eine Gefühlsstörung (sensorischer Anfall) oder eine Veränderung des Sehens (visueller Anfall).

    Bei einem fokalen Anfall kann es vorkommen, dass man ungewöhnliche Sinneswahrnehmungen hat, anders hört, sieht oder riecht, oder geistig abwesend ist. Auch Schwindel, Angstzustände oder Halluzinationen sind möglich. Dies wird als Aura bezeichnet. Andere Menschen schmatzen, grimassieren, stammeln, laufen ziellos umher oder nesteln an Dingen herum. Fokale Anfälle können mit Zuckungen oder Krämpfen einhergehen. Manchmal schränken fokale Anfälle das Bewusstsein oder die Aufmerksamkeit ein.

    Fokale Anfälle können sich auf das gesamte Gehirn ausbreiten und zu einem generalisierten Anfall werden.

    Zwischen den Anfällen haben Menschen mit einer Epilepsie meist keine körperlichen Beschwerden.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Das Gehirn besteht aus Milliarden von Nervenzellen. Bestimmte Bereiche des Gehirns steuern die Bewegung, andere die Sprache, Wahrnehmung oder Gefühle. Die Nervenzellen sind durch elektrische und chemische Signale miteinander verbunden. Bei einem epileptischen Anfall ist das Zusammenspiel der Nervenzellen vorübergehend gestört.

    Dies führt dazu, dass einzelne Gehirnbereiche oder das ganze Gehirn übermäßig aktiv sind und zu viele Signale abgeben. Manchmal spricht man daher auch von einem „Gewitter im Gehirn“, das sich im übrigen Körper dann zum Beispiel als Krampfanfall bemerkbar macht.

    Eine Epilepsie kann sehr verschiedene Ursachen haben, – zum Beispiel Verletzungen, Entzündungen der Hirnhaut oder des Gehirns, Schlaganfälle oder Tumore. Das nennen Fachleute „symptomatische Epilepsie“. Oft lässt sich jedoch keine eindeutige Ursache für die Epilepsie feststellen.

    In manchen Familien tritt Epilepsie über mehrere Generationen hinweg auf. Das ist ein Hinweis auf eine genetische Veranlagung für die Erkrankung.

    Bei manchen Menschen mit Epilepsie können Reize wie zum Beispiel Flackerlicht in einer Diskothek einen Anfall auslösen. Auch bestimmte Umstände können gelegentlich zu Anfällen führen: zum Beispiel zu wenig Schlaf, Sauerstoffmangel, Vergiftungen, Alkohol oder – vor allem bei Kindern – hohes Fieber. Solche Faktoren können aber auch ohne Epilepsie einen Krampfanfall auslösen. Dann spricht man von einem Gelegenheitsanfall. So haben beispielsweise Kinder, die zu Fieberkrämpfen neigen, nur sehr selten auch eine Epilepsie.

    Häufigkeit

    Von Epilepsie sprechen Fachleute erst, wenn epileptische Anfälle ohne ersichtlichen Auslöser mehrfach auftreten. Das ist statistisch bei knapp einem von 100 Menschen der Fall. Rechnet man Gelegenheitsanfälle hinzu, haben nach Schätzungen etwa 10 von 100 Menschen im Laufe ihres Lebens mindestens einen epileptischen Anfall.

    Eine Epilepsie kann in jedem Alter zum ersten Mal auftreten. Bei vielen beginnt sie bereits im Kindesalter; etwas seltener im mittleren Alter zwischen 40 bis 59 Jahren. Erst danach werden Neuerkrankungen wieder häufiger.

    Verlauf

    Viele Menschen haben nur einmal im Leben einen Anfall – oder nur über wenige Monate oder Jahre eine Epilepsie. Andere begleitet die Erkrankung auf Dauer. Nach einem ersten Anfall hat etwa die Hälfte der Betroffenen einen zweiten. Nach zwei Anfällen steigt das Risiko weiter an: Dann haben etwa 7 von 10 Betroffenen innerhalb der nächsten Jahre erneut einen epileptischen Anfall.

    Das sind jedoch Durchschnittswerte. Das individuelle Risiko für einen weiteren Anfall hängt stark von der Ursache ab: So ist das Risiko für weitere Anfälle bei bekannter Ursache wie einer Gehirnerkrankung etwa doppelt so hoch wie bei unbekannter Ursache oder einer genetischen Veranlagung.

    Manche Menschen nehmen ein Medikament ein, sind über Jahre ohne Anfälle und bleiben es auch nach Absetzen der Medikamente. Andere sind nur anfallsfrei, solange sie Medikamente nehmen. Etwa 3 von 10 Menschen mit Epilepsie haben trotz verschiedener Behandlungen regelmäßig Anfälle.

    Folgen

    Nach einem stärkeren epileptischen Anfall muss man erst einmal wieder zu sich finden. Manche Menschen sind in den Stunden nach einem Anfall erschöpft und schlafen dann sehr viel. Es kann auch zu depressiven Beschwerden, Vergesslichkeit, Sprachstörungen oder Lähmungen kommen, die aber wieder vorübergehen. Andere Menschen sind nach wenigen Minuten völlig wiederhergestellt und können zum Beispiel wieder ihrer Arbeit nachgehen oder am Schulunterricht teilnehmen.

    Ein epileptischer Anfall kann zu Verletzungen führen. Dies trifft vor allem auf den generalisierten Anfall zu, bei dem der gesamte Körper krampft. Dabei kann man stürzen, sich stoßen oder auf die Zunge beißen.

    Besonders bei häufigen Anfällen kann die Angst vor einem weiteren psychisch sehr belastend sein. Eine Epilepsie kann zudem Depressionen begünstigen.

    Ein Anfall verursacht keine bleibenden Gehirnschäden und auch keine geistigen Behinderungen. Jahrelange häufige und schwere Anfälle können jedoch dazu führen, dass man vergesslicher und unkonzentrierter wird.

    Ob eine Epilepsie die Lebenserwartung verkürzt, hängt stark von ihrer Ursache ab. Zwar sterben Menschen, deren Epilepsie durch eine andere Erkrankung verursacht wird, im Schnitt früher als andere – das liegt aber häufig nicht an der Epilepsie, sondern an der Grunderkrankung. Menschen, deren Epilepsie eine genetische Ursache hat, haben eine ähnliche Lebenserwartung wie Menschen ohne Epilepsie.

    Die Epilepsie selbst kann unter folgenden Umständen zum Tod führen:

    • Wenn jemand aufgrund eines Anfalls einen Unfall hat und sich lebensgefährlich verletzt.
    • Wenn ein schwerer, anhaltender Anfall (Status epilepticus) dazu führt, dass das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, sodass Herz und Lunge versagen.

    Es kommt extrem selten vor, dass Menschen mit Epilepsie plötzlich und unerwartet sterben. Dies wird als „sudden unexpected death in epilepsy“ (kurz SUDEP) bezeichnet.

    Diagnose

    Von einer Epilepsie spricht man, wenn wiederholt Anfälle auftreten. Meist wird eine Epilepsie diagnostiziert, wenn

    • es zu mindestens zwei Anfällen gekommen ist,
    • zwischen den Anfällen mindestens 24 Stunden lagen und
    • kein Hinweis auf einen Gelegenheitsanfall besteht.

    Für die Diagnose ist vor allem die Krankengeschichte wichtig: Wann und unter welchen Umständen ist der Anfall aufgetreten? Wie hat er sich geäußert? Häufig kann man sich selbst an den Anfall nicht mehr gut erinnern. Dann ist es sinnvoll, jemanden zur Untersuchung mitzunehmen, die oder der den Anfall miterlebt hat und beschreiben kann, wie er genau abgelaufen ist.

    Neben der körperlichen und neurologischen Untersuchung wird eine Blutprobe genommen.

    Am wichtigsten ist das Elektroenzephalogramm (EEG), eine schmerzfreie Untersuchung, bei der die Hirnströme gemessen werden. Bestimmte Muster im EEG deuten auf eine erhöhte Anfallsneigung hin. Ein EEG allein reicht jedoch nicht aus, um eine Epilepsie festzustellen.

    In der Regel wird auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) gemacht: Diese Untersuchung hilft herauszufinden, ob es im Gehirn Veränderungen gibt, die die Anfälle auslösen könnten.

    Nur selten wird das Hirnwasser (Liquor) untersucht – meist bei Verdacht auf eine Hirn- oder Hirnhautentzündung. Es wird durch eine Spritze im Bereich der Lendenwirbelsäule entnommen (Lumbalpunktion).

    Behandlung

    Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der Form der Epilepsie und dem Krankheitsverlauf ab. Meist wird eine Epilepsie mit Medikamenten behandelt, sogenannten Antiepileptika. Es stehen unterschiedliche Medikamente aus verschiedenen Wirkstoffgruppen zur Verfügung. Wenn ein Medikament in einer niedrigen Dosierung nicht wirkt, kann zunächst die Dosis erhöht werden. Zeigt sich kein Erfolg, probiert man ein Medikament aus einer anderen Wirkstoffgruppe oder kombiniert mehrere Wirkstoffe.

    Da es oft bei einem einzigen Anfall bleibt, kann man mit einer Behandlung oft erst einmal abwarten. Die Therapie beginnt in der Regel erst nach einem zweiten Anfall. Besteht jedoch ein erhöhtes Risiko für erneute Anfälle, wie etwa bei einer Gehirnerkrankung, kann bereits nach dem ersten Krampfanfall eine Behandlung sinnvoll sein. Wichtig ist, die persönliche Situation ausführlich mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen.

    Wer sich für eine Behandlung mit Medikamenten entscheidet, nimmt diese meist über mehrere Jahre ein. Wenn in dieser Zeit keine Anfälle aufgetreten sind, können manche Menschen versuchsweise auf Medikamente verzichten. Andere benötigen ihr Leben lang Medikamente.

    Antiepileptika können Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Schwindel haben. Manchmal bestehen spezielle Risiken, zum Beispiel während der Schwangerschaft für das ungeborene Kind. Eine ausführliche ärztliche Beratung ist dann besonders wichtig.

    Können die Medikamente Anfälle nicht verhindern, ist ein Eingriff eine Alternative. Zu den Möglichkeiten zählen:

    • Operation: Wenn sich bei fokalen Anfällen feststellen lässt, welcher Bereich des Gehirns die Anfälle auslöst, kann er entfernt werden. Das ist aber nicht immer möglich.
    • Vagusnerv-Stimulation: Dabei wird ein Schrittmacher unter die Haut im Brustbereich implantiert, der elektrische Impulse abgibt. Er ist über Kontakte am Halsbereich mit dem Vagusnerv verbunden und soll die Überaktivität der Nervenzellen hemmen. Der Vagusnerv ist ein wichtiger Nerv des vegetativen Nervensystems und an der Regulierung der inneren Organe beteiligt.

    Die Behandlung wird von einer Neurologin oder einem Neurologen begleitet. Kinder und Jugendliche werden von Kinder- und Jugendneurologinnen und -neurologen betreut. Meist findet ein Teil der Untersuchung und Behandlung im Krankenhaus statt. Manche ambulanten Einrichtungen und Kliniken haben sich auf die Behandlung von Menschen mit Epilepsie spezialisiert: Epilepsiezentren, Epilepsieambulanzen und Schwerpunktpraxen. Diese eignen sich besonders bei speziellen Problemen oder unklarer Diagnose, oder wenn es trotz Behandlung weiter zu Anfällen kommt.

    Bei einem epileptischen Anfall ist es am wichtigsten, dass Helferinnen und Helfer Ruhe bewahren und Betroffene vor Verletzungen schützen. Dauert der Anfall länger als fünf Minuten an oder treten mehrere Anfälle kurz hintereinander auf, sollte der Rettungsdienst (Notruf 112) informiert werden. Bei einem schweren Anfall kann ein Krankenhausaufenthalt notwendig sein.

    Ergänzend kann eine Psychotherapie hilfreich sein. Sie kann dabei unterstützen, mit den Folgen der Erkrankung umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern. Ob dies auch dazu beitragen kann, dass weniger Anfälle auftreten, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt.

    Weitere Informationen

    Bei einer Epilepsie stellen sich viele Fragen, die sich zum Teil nur sehr persönlich beantworten lassen. Die folgende Liste kann das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt vielleicht unterstützen:

    • Wie lautet meine genaue Diagnose?
    • Welche Medikamente kommen infrage? Welche Vor- und Nachteile haben sie?
    • Welche anderen Behandlungen sind möglich? Welche Vor- und Nachteile haben sie?
    • Was kann Anfälle auslösen und wie kann ich dieses Risiko senken? Hilft es vielleicht, meinen Lebensstil zu ändern?
    • Wie kann ich meine Sicherheit erhöhen, falls es zu Anfällen kommt?
    • Was muss ich im Beruf und im Alltag beachten, zum Beispiel beim Autofahren?
    • Hat die Epilepsie Folgen für meine Familienplanung?
    • Wirkt sich die Epilepsie auf meinen Versicherungsschutz aus?
    • Wo finde ich weitere Unterstützung?

    Mädchen und Frauen können zudem zu Themen wie Verhütung, Schwangerschaft und Stillzeit einen besonderen Beratungsbedarf haben. Auch ältere Menschen und solche mit einer geistigen Behinderung haben oft besondere Fragen und Probleme, die eine spezielle Beratung erfordern.

    Neben Ärztinnen und Ärzten bieten Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen Unterstützung.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGE). Infopool Epilepsie. 2019.

    Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter (S1-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 030-041. 30.04.2017.

    Fisher RS, Acevedo C, Arzimanoglou A, Bogacz A, Cross JH, Elger CE et al. ILAE official report: a practical clinical definition of epilepsy. Epilepsia 2014; 55(4): 475-482.

    Krumholz A, Wiebe S, Gronseth GS, Gloss DS, Sanchez AM, Kabir AA et al. Evidence-based guideline: Management of an unprovoked first seizure in adults: Report of the Guideline Development Subcommittee of the American Academy of Neurology and the American Epilepsy Society. Neurology 2015; 84(16): 1705-1713.

    Kwan P, Sander JW. The natural history of epilepsy: an epidemiological view. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2004; 75(10): 1376-1381.

    Michaelis R, Tang V, Wagner JL, Modi AC, LaFrance WC, Goldstein LH et al. Psychological treatments for people with epilepsy. Cochrane Database Syst Rev 2017; (10): CD012081.

    National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Epilepsies: diagnosis and management. 04.2018. (NICE Clinical Guidelines; Band 137).

    Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie. Epilepsie. 2008.

    Rugg-Gunn FJ, Sander JW. Management of chronic epilepsy. BMJ 2012; 345: e4576.

    Schmidt D, Schachter SC. Drug treatment of epilepsy in adults. BMJ 2014; 348: g254.

    Talati R, Scholle JM, Phung OJ, Baker WL, Baker EL, Ashaye A et al. Effectiveness and safety of antiepileptic medications in patients with epilepsy. 12.2011. (Comparative Effectiveness Reviews; Band 40).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

    Mehr Wissen: Epilepsie bei Erwachsenen: Behandlung mit Medikamenten

    Epilepsie-Medikamente können Anfällen vorbeugen. Sie helfen jedoch nicht allen Betroffenen. Wenn man über mehrere Jahre anfallsfrei ist, können die Medikamente unter Umständen abgesetzt werden.

    Ein epileptischer Anfall entsteht, wenn Nervenzellen im Gehirn überaktiv sind. Epilepsie-Medikamente (Antiepileptika) wirken, indem sie diese übermäßige Aktivität hemmen. Antiepileptika heilen zwar nicht die Ursachen der Epilepsie. Sie können aber das Risiko senken, dass es zu Anfällen kommt.

    Die Medikamente gibt es als Tablette, Kapsel oder Saft. Manche können auch gespritzt, als Infusion oder als Zäpfchen angewendet werden. Antiepileptika können teils unangenehme Nebenwirkungen haben, werden in niedrigen Dosierungen aber oft gut vertragen. Daher ist es wichtig, bei jedem Menschen sorgfältig abzuwägen, ob eine Behandlung sinnvoll ist und wenn ja, welches Medikament in welcher Dosierung infrage kommt.

    Ob ein bestimmter Wirkstoff helfen wird, lässt sich nicht vorhersagen: Manche Menschen haben schon mit dem ersten Mittel keine Anfälle mehr. Bei anderen dauert es länger, bis sie die richtige Behandlung gefunden haben. Einem Teil der Betroffenen können Medikamente nicht oder nur sehr wenig helfen.

    Epilepsie-Medikamente können Anfällen vorbeugen. Sie helfen jedoch nicht allen Betroffenen. Wenn man über mehrere Jahre anfallsfrei ist, können die Medikamente unter Umständen abgesetzt werden.

    Ein epileptischer Anfall entsteht, wenn Nervenzellen im Gehirn überaktiv sind. Epilepsie-Medikamente (Antiepileptika) wirken, indem sie diese übermäßige Aktivität hemmen. Antiepileptika heilen zwar nicht die Ursachen der Epilepsie. Sie können aber das Risiko senken, dass es zu Anfällen kommt.

    Die Medikamente gibt es als Tablette, Kapsel oder Saft. Manche können auch gespritzt, als Infusion oder als Zäpfchen angewendet werden. Antiepileptika können teils unangenehme Nebenwirkungen haben, werden in niedrigen Dosierungen aber oft gut vertragen. Daher ist es wichtig, bei jedem Menschen sorgfältig abzuwägen, ob eine Behandlung sinnvoll ist und wenn ja, welches Medikament in welcher Dosierung infrage kommt.

    Ob ein bestimmter Wirkstoff helfen wird, lässt sich nicht vorhersagen: Manche Menschen haben schon mit dem ersten Mittel keine Anfälle mehr. Bei anderen dauert es länger, bis sie die richtige Behandlung gefunden haben. Einem Teil der Betroffenen können Medikamente nicht oder nur sehr wenig helfen.

    Wann ist eine Behandlung mit Medikamenten sinnvoll?

    Wenn man zum ersten Mal einen Anfall hatte, sind häufig nicht gleich Antiepileptika sinnvoll. Viele Menschen haben auch ohne die Mittel keinen zweiten Anfall.

    Die Entscheidung, ob eine Behandlung begonnen werden soll, hängt von vielen Fragen ab, die am besten in Ruhe mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden:

    • Wie wahrscheinlich ist es, dass ein weiterer Anfall auftritt?
    • Um welche Form der Epilepsie geht es? Wie zeigen sich die Anfälle?
    • Wie sehr beeinträchtigen die Anfälle die Lebensqualität?
    • Wie groß ist die Chance, dass ein Medikament einen Anfall verhindern kann?
    • Welche möglichen Nebenwirkungen haben Antiepileptika?

    Wenn sehr selten Anfälle auftreten, diese zudem eher leicht sind und die Lebensqualität kaum einschränken, kann eine Behandlung nur wenige Vorteile haben.

    Manchmal zeigen die Untersuchungen nach dem ersten Anfall aber, dass ein erhöhtes Risiko für weitere Anfälle besteht – wie zum Beispiel bei Gehirnerkrankungen und Gehirnschäden, die Anfälle auslösen können, oder wenn bei einer Hirnstrommessung (Elektroenzephalografie oder kurz EEG) eine erhöhte Anfallsbereitschaft festgestellt wurde. Dann wird oft bereits nach dem ersten Anfall empfohlen, ein Medikament einzunehmen.

    Welche Medikamente kommen infrage?

    Zur Behandlung einer Epilepsie sind mehr als 20 verschiedene Wirkstoffe zugelassen, die je nach Epilepsieform eingesetzt werden. Welche Mittel infrage kommen, hängt neben der Wirksamkeit auch von möglichen Nebenwirkungen ab. Manche Menschen vertragen bestimmte Mittel besser als andere. Nicht zuletzt beeinflussen die Lebensumstände und persönliche Bedürfnisse die Entscheidung für eine Behandlung.

    In der Regel beginnt die Behandlung mit einem einzelnen Wirkstoff in einer niedrigen Dosierung. Reicht dies nicht, wird meist zunächst die Dosis gesteigert. Hilft auch das nicht ausreichend oder treten dabei starke Nebenwirkungen auf, wird ein anderer Wirkstoff eingesetzt. Häufig müssen mehrere Medikamente ausprobiert werden, um ein wirksames zu finden. Es gibt auch die Möglichkeit, Medikamente miteinander zu kombinieren.

    Welche Wirkstoffe werden gegen eine generalisierte Epilepsie eingesetzt?

    Die folgende Tabelle enthält die gängigsten Wirkstoffe zur Behandlung einer generalisierten Epilepsie:

    Epilepsieform Wirkstoff
    Epilepsie, die das gesamte Gehirn umfasst und eine erbliche Ursache hat (Idiopathische generalisierte Epilepsie)
    • Lamotrigin
    • Topiramat
    • Valproinsäure
    Generalisierte Epilepsie, bei der trotz Medikamenten weiter Anfälle auftreten (Refraktäre idiopathische generalisierte Epilepsie)

    Nur in Kombination mit anderen Wirkstoffen:

    • Levetiracetam
    • Perampanel

    Welche Wirkstoffe eignen sich bei einer fokalen Epilepsie?

    Die folgende Tabelle enthält die gängigsten Wirkstoffe zur Behandlung einer fokalen Epilepsie:

    Epilepsieform Wirkstoff
    Epilepsie in einem Bereich des Gehirns (Fokale Epilepsie)
    • Carbamazepin
    • Gabapentin
    • Lamotrigin
    • Levetiracetam
    • Oxcarbazepin
    • Topiramat
    • Valproinsäure
    • Zonisamid
    Fokale Epilepsie, bei der trotz Medikamenten weiter Anfälle auftreten (Refraktäre fokale Epilepsie)

    Nur in Kombination mit anderen Wirkstoffen:

    • Eslicarbazepinacetat
    • Lacosamid
    • Perampanel
    • Pregabalin

    Wie gut helfen die Medikamente?

    Ziel der medikamentösen Behandlung ist es, Anfälle zu verhindern. Ist dies nicht möglich, wird versucht, zumindest ihre Zahl zu verringern.

    Medikamente helfen vielen Menschen mit Epilepsie, Anfälle dauerhaft zu vermeiden. Etwa 5 von 10 Personen werden schon mit dem ersten Medikament anfallsfrei oder haben seltener Anfälle. Insgesamt treten bei etwa 7 von 10 Menschen mit Epilepsie keine Anfälle mehr auf, wenn sie Medikamente einnehmen.

    Das bedeutet aber auch, dass Medikamente etwa 3 von 10 Menschen nicht ausreichend helfen. Sie haben trotz mehrerer Behandlungsversuche weiter regelmäßig Anfälle.

    Manche Betroffene würden vielleicht auch ohne Medikamente keine weiteren Anfälle bekommen. Die Chancen dafür lassen sich für den Einzelnen nicht sicher vorhersagen – Ärztinnen und Ärzte können sie lediglich einschätzen.

    Die meisten der für die jeweilige Epilepsieform zugelassenen Medikamente helfen im Schnitt ähnlich gut. Wie sie bei einzelnen Betroffenen wirken, lässt sich jedoch nicht vorhersagen. Jeder Wirkstoff hat Vor- und Nachteile. So gibt es zum Teil Unterschiede bei den Nebenwirkungen.

    Welches Medikament sich am ehesten eignet, hängt von der individuellen Situation ab und muss ausführlich mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.

    Welche Nebenwirkungen können die Medikamente haben?

    Die zu Beginn der Behandlung meist nur niedrig dosierten Medikamente werden in der Regel gut vertragen. Wird die Dosis erhöht oder werden Medikamente kombiniert, sind Nebenwirkungen wahrscheinlicher. Es kann außerdem zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen.

    Welche Nebenwirkungen auftreten können und wie schwer sie sind, ist von Medikament zu Medikament unterschiedlich. Möglich sind unter anderem Müdigkeit, Schwindel, verlangsamtes Denken, Übelkeit und Hautausschlag. Oft sind solche Beschwerden leicht und gehen nach einiger Zeit vorüber. Mögliche langfristige, aber seltenere Nebenwirkungen sind unter anderem psychische Beschwerden, Osteoporose, Störung der Sexualfunktion und starke Gewichtsveränderungen.

    Tritt eine Nebenwirkung auf, ist es wichtig, mit der Ärztin oder dem Arzt darüber zu sprechen, die Medikamente bis zu diesem Gespräch aber weiter einzunehmen.

    Was kann die Behandlung unterstützen?

    Es ist hilfreich, einen sogenannten Anfallskalender zu führen. Darin dokumentiert man, welche Medikamente man wann einnimmt, wann Anfälle auftreten und wie sie sich äußern. Dies kann es Ärztinnen und Ärzten erleichtern, den Krankheitsverlauf zu beurteilen.

    Vielen Menschen fällt es schwer, Medikamente über lange Zeit regelmäßig einzunehmen. Es gibt aber einige Strategien, die dabei helfen können: Man kann die Medikamente zu festen Zeiten, an bestimmten Orten oder bei täglichen Routinen einnehmen – zum Beispiel immer vor dem Zähneputzen. Oder die Erinnerungsfunktion des Handys nutzen. Probleme bei der Einnahme bespricht man am besten mit der Ärztin oder dem Arzt.

    Auch Selbsthilfegruppen können Tipps geben und Menschen mit Epilepsie unterstützen.

    Kann die Einnahme nach einiger Zeit beendet werden?

    Wer mehrere Jahre anfallsfrei war, möchte die Medikamente häufig absetzen. Dies ist oft möglich: Es wird geschätzt, dass etwa 3 von 10 Menschen, die nach Beginn der Behandlung keine Anfälle mehr haben, die Medikamente nach einigen Jahren weglassen können, ohne dass es zu neuen Anfällen kommt. Ob ein Absetzen sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, wie hoch das Risiko für einen Rückfall ist. Die Entscheidung sollte zusammen mit einer Ärztin oder einem Arzt abgewogen werden. Die Einnahme auf eigene Faust zu beenden, ist nicht zu empfehlen.

    Ein Absetzen kommt vor allem für Menschen infrage, die

    • schon lange anfallsfrei sind,
    • ein niedrig dosiertes Medikament einnehmen und
    • bei denen im EEG keine erhöhte Anfallsneigung festgestellt wird.

    Dagegen können Menschen mit einem höheren Rückfallrisiko oft nicht auf Medikamente verzichten, ohne dass es erneut zu einem Anfall kommt. Dabei spielt auch die Ursache der Epilepsie eine Rolle: Manche Menschen haben ein dauerhaft erhöhtes Risiko, etwa aufgrund einer Veranlagung oder bleibender Gehirnschäden. Sie brauchen oft ihr Leben lang Medikamente. Ist eine Gehirnerkrankung aber abgeheilt und ist lange kein Anfall mehr aufgetreten, kann eher auf die Medikamente verzichtet werden.

    Um die Einnahme zu beenden, wird die Dosis schrittweise über mindestens zwei bis drei Monate reduziert. Werden zwei oder mehr Medikamente eingenommen, wird zunächst nur die Dosierung eines Medikaments verringert. Wichtig ist, mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen, wie man mit einem erneuten Anfall umgeht und was das Absetzen der Medikamente für den Beruf und die Fahrtüchtigkeit bedeuten kann.

    Was ist bei der Verhütung oder bei Kinderwunsch zu beachten?

    Bestimmte Antiepileptika können die Wirksamkeit der Antibabypille herabsetzen. Umgekehrt kann die Pille die Wirksamkeit bestimmter Antiepileptika beeinflussen. Deshalb ist es für junge Frauen mit Epilepsie wichtig, frühzeitig mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt über das Thema Verhütung zu sprechen und zu überlegen, welche anderen Verhütungsmethoden infrage kommen.

    Frauen mit Kinderwunsch fragen sich häufig, ob eine Schwangerschaft trotz Epilepsie möglich ist. Sie sorgen sich, dass Anfälle und Medikamente einem ungeborenen Kind schaden könnten. Die meisten Frauen mit Epilepsie bringen aber gesunde Kinder zur Welt. Wichtig ist, sich rechtzeitig ärztlich beraten zu lassen und sich auf eine Schwangerschaft vorzubereiten. Dies kann das Risiko für Komplikationen senken.

    Frauen mit Epilepsie sprechen am besten schon vor einer geplanten Schwangerschaft mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt. Es besteht auch die Möglichkeit einer genetischen Beratung.

    Es kann sein, dass die Behandlung der Epilepsie während einer Schwangerschaft angepasst werden muss. Je höher Antiepileptika dosiert sind, desto eher können sie zu Fehlbildungen des Kindes führen oder die Entwicklung seines Nervensystems verzögern. Dieses Risiko ist besonders im ersten Drittel der Schwangerschaft erhöht, also bis zur zwölften Woche. Deshalb wird versucht, die Dosis der Medikamente während der Schwangerschaft möglichst niedrig zu halten und Mittel zu vermeiden, bei denen ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen besteht. Ein einzelnes Medikament in niedriger Dosierung erhöht das Risiko für Fehlbildungen sehr wahrscheinlich nicht wesentlich.

    Wie bei jeder Schwangerschaft wird auch Schwangeren mit Epilepsie empfohlen, Folsäurepräparate einzunehmen, um das Risiko für Missbildungen zu senken. Einige Epilepsie-Medikamente können den Folsäurespiegel im Körper senken; dann wird die Einnahme höherer Dosen Folsäure empfohlen.

    Epileptische Anfälle schaden dem Kind in aller Regel nicht. Eine Ausnahme können lang anhaltende, generalisierte Anfälle sein, oder wenn sich eine Schwangere während eines Anfalls schwer verletzt. Das passiert aber selten.

    Wie wirken Antiepileptika bei älteren Menschen?

    Ein Drittel der Menschen mit Epilepsie erkrankt erst nach dem 60. Lebensjahr. Ältere Menschen sind oft anfälliger für Nebenwirkungen von Medikamenten. Dies gilt auch für Antiepileptika. Wenn man aufgrund anderer Erkrankungen weitere Medikamente einnimmt, können Wechselwirkungen zwischen Medikamenten auftreten.

    Als älterer Mensch ist es daher besonders wichtig, möglichst nur ein Epilepsie-Medikament in möglichst niedriger Dosis einzunehmen. Günstig sind Medikamente, von denen bekannt ist, dass sie gut vertragen werden und wenige oder gar keine Wechselwirkungen haben.

    Was ist für Menschen mit geistigen Behinderungen wichtig?

    Geistige Behinderungen entstehen meist aufgrund von Gehirnschäden. Diese können angeboren oder später durch einen Unfall oder eine Krankheit entstanden sein. Gehirnschäden sind auch der Grund, warum Menschen mit geistiger Behinderung häufiger Epilepsie haben.

    Mit den Betroffenen über ihre Epilepsie zu sprechen, kann schwierig sein. Dies erschwert die Diagnose und auch die Behandlung: Es ist schwieriger, die passenden Medikamente zu finden und Nebenwirkungen festzustellen. Zudem können bei geistiger Behinderung Verhaltensauffälligkeiten und Bewegungsstörungen auftreten, die leicht mit epileptischen Anfällen zu verwechseln sind. Angehörige oder Betreuer sollten sich deshalb gut über die Erkrankung informieren, die Wirkung der Medikamente genau beobachten und der Ärztin oder dem Arzt mitteilen.

    Was kann man machen, wenn die Medikamente nicht wirken?

    Etwa 3 von 10 Menschen haben trotz mehrerer Behandlungsversuche mit verschiedenen Medikamenten weiter Anfälle – manche regelmäßig, andere können dazwischen einige Jahre anfallsfrei sein. Warum die Medikamente nicht bei allen Menschen ansprechen, ist nicht bekannt.

    Spätestens wenn zwei verschiedene Medikamente keine ausreichende Wirkung gezeigt haben, wird empfohlen, die Diagnose in einem spezialisierten Zentrum überprüfen zu lassen. Manchmal stellt sich dann heraus, dass es sich nicht um eine Epilepsie, sondern eine andere Anfallserkrankung handelt.

    Wirken Medikamente nicht, wird häufig ein Eingriff empfohlen. Zu den Möglichkeiten zählen:

    • Operation: Wenn sich bei fokalen Epilepsien feststellen lässt, welcher Bereich des Gehirns Anfälle auslöst, kann dieser Teil unter Umständen entfernt werden. Das ist aber nicht immer möglich.
    • Vagusnerv-Stimulation: Dabei wird ein Schrittmacher an der Brust unter die Haut implantiert, der elektrische Impulse abgibt. Er ist über Kontakte am Halsbereich mit dem Vagusnerv verbunden. Der Nerv leitet die Impulse ins Gehirn und soll so die Überaktivität hemmen. Der Vagusnerv ist ein wichtiger Nerv des vegetativen Nervensystems und an der Regulierung der inneren Organe beteiligt.

    Wie wird ein Status epilepticus behandelt?

    Von einem „Status epilepticus“ spricht man, wenn ein generalisierter epileptischer Anfall länger als fünf Minuten dauert oder mehrere Anfälle rasch hintereinander auftreten. Dann handelt es sich um einen Notfall, der schnell medikamentös behandelt werden muss. Deshalb muss sofort der Notarzt unter der 112 gerufen werden.

    Meist gibt die Ärztin oder der Arzt zuerst ein Beruhigungsmittel (Benzodiazepin). Es wird in die Vene gespritzt, in die Wangentasche gegeben oder als Creme über eine kleine Tube in den After eingeführt. Danach ist eine Weiterbehandlung im Krankenhaus erforderlich. Kommt es nach etwa 30 bis 60 Minuten noch immer zu Krämpfen, sind häufig eine Narkose und eine künstliche Beatmung nötig.

    Manche Menschen mit Epilepsie tragen ständig ein Notfallmedikament bei sich, damit Ersthelfer es einsetzen können, wenn sie einen Anfall miterleben.

    Quellen

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    Veroniki AA, Cogo E, Rios P, Straus SE, Finkelstein Y, Kealey R et al. Comparative safety of anti-epileptic drugs during pregnancy: a systematic review and network meta-analysis of congenital malformations and prenatal outcomes. BMC Med 2017; 15(1): 95.

    Veroniki AA, Rios P, Cogo E, Straus SE, Finkelstein Y, Kealey R et al. Comparative safety of antiepileptic drugs for neurological development in children exposed during pregnancy and breast feeding: a systematic review and network meta-analysis. BMJ Open 2017; 7(7): e017248.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Was tun, wenn jemand einen epileptischen Anfall hat?

    Viele Menschen sind unsicher, wie sie reagieren sollen, wenn jemand einen epileptischen Anfall hat. Dabei ist das richtige Verhalten gar nicht so kompliziert. Einige wenige Regeln können helfen.

    Es gibt verschiedene Anfallsformen. Zudem hängt es von der Stärke des Anfalls und der Situation ab, wie man sich am besten verhält. Grundsätzlich ist es am wichtigsten, ruhig zu bleiben und Betroffene vor Verletzungen zu schützen. Die meisten Anfälle sind nicht gefährlich und nach wenigen Minuten vorbei.

    Viele Menschen sind unsicher, wie sie reagieren sollen, wenn jemand einen epileptischen Anfall hat. Dabei ist das richtige Verhalten gar nicht so kompliziert. Einige wenige Regeln können helfen.

    Es gibt verschiedene Anfallsformen. Zudem hängt es von der Stärke des Anfalls und der Situation ab, wie man sich am besten verhält. Grundsätzlich ist es am wichtigsten, ruhig zu bleiben und Betroffene vor Verletzungen zu schützen. Die meisten Anfälle sind nicht gefährlich und nach wenigen Minuten vorbei.

    Kleinere Anfälle und Anfälle mit Bewusstseinsstörungen

    Manche Menschen sind nur kurz abwesend oder haben Muskelzuckungen. Bei solchen kleinen Anfällen besteht in der Regel keine Gefahr. Dennoch können die Betroffenen hinterher sehr verunsichert oder ängstlich sein und sich schlecht fühlen. Dann kann es wichtig sein, ihnen beizustehen und Sicherheit zu geben.

    Bei manchen Anfällen ist das Bewusstsein eingeschränkt und das Verhalten besonders auffällig. Wer einen solchen Anfall hat, kann verwirrt oder orientierungslos wirken. In dieser Situation ist es wichtig zu verhindern, dass die betroffene Person sich in Gefahr begibt und beispielsweise auf die Straße läuft. Wenn möglich, sollte man sie dennoch ruhig und ohne Gewalt aus der Situation herausführen. Hektik und zu hartes Anfassen könnten sie zu unerwarteten Reaktionen verleiten. Besser ist es, Halt und Nähe zu vermitteln, verständnisvoll zu bleiben und einfach da zu sein. Dies ist auch nach einem überstandenen Anfall hilfreich.

    Größere Anfälle

    Für große Anfälle – wenn jemand am ganzen Körper verkrampft, hinfällt und das Bewusstsein verliert –, gelten folgende Hinweise:

    • Vor Verletzungen schützen: Wichtig ist vor allem, auf den Kopf zu achten. Man kann zum Beispiel eine Jacke oder ein Kissen unter den Kopf legen und gefährliche Gegenstände außer Reichweite bringen. Auf keinen Fall sollte die oder der Betroffene während des Anfalls festgehalten oder zu Boden gedrückt werden. Dem Anfall sollte man soweit es geht seinen Lauf lassen.
    • Atemwege freihalten: Sitzt die Kleidung am Hals eng, sollte man sie lockern. Es kann passieren, dass sich der Betroffene auf die Zunge beißt. Dennoch sollte man während des Anfalls nicht den Mund öffnen oder einen Gegenstand zwischen die Zähne schieben. Nach dem Anfall ist es wichtig zu kontrollieren, ob die Atemwege frei sind.
    • Da bleiben: Den Betroffenen nicht allein lassen; auch nicht, um Hilfe zu holen – außer es wird unbedingt nötig, weil der Anfall nicht aufhört.
    • Auf die Uhr schauen, wie lange der Anfall dauert: Meist beginnt ein Anfall plötzlich und ist nach ein, zwei Minuten wieder vorbei. Selten dauert ein Anfall länger als fünf Minuten. Wenn doch, ist dies ein Notfall – dann muss unter der Nummer 112 ein Notarzt gerufen werden.
    • Nach dem Anfall dableiben und helfen: Eine Person, die einen Anfall hinter sich hat, kann einige Zeit benötigen, um wieder zu sich zu kommen. Vielleicht hat sie einen Wunsch oder braucht Orientierung. Manche Menschen sind sehr müde und möchten sofort schlafen. Sie werden am besten in die stabile Seitenlage gebracht. Wichtig ist außerdem, Schamgefühle zu beachten und zu vermeiden, dass sich etwa bei einem Anfall in der Öffentlichkeit viele Menschen ansammeln. Es kann auch passieren, dass während eines Anfalls ungewollt Urin abgeht. Dann kann eine Decke oder Jacke Schutz und Wärme bieten.

     

    Grafik: Stabile Seitenlage Stabile Seitenlage

    Wann ist es wichtig, die 112 anzurufen?

    Bei einem großen Anfall muss nicht immer ein Notarzt gerufen werden: Geht er schnell vorüber und kommt die Person schnell wieder zu sich, kann man besprechen, ob ein Notarzt gerufen werden soll. Notwendig ist dies nur in folgenden Situationen:

    • Der Anfall dauert länger als fünf Minuten.
    • Es kommt zu mehreren Anfällen hintereinander.
    • Es gibt Atemprobleme.
    • Es kam zu Verletzungen.
    • Man weiß, dass es der erste Anfall war.
    • Die Person kommt nicht wieder zu sich.

    Manche Menschen mit Epilepsie tragen ständig ein Notfallmedikament bei sich, damit Personen, die einen Anfall miterleben, es einsetzen können. Dauert ein Anfall länger an, kann das Medikament als Tablette in die Wangentasche gelegt oder als Creme über eine kleine Tube in den After gespritzt werden, um den Anfall zu beenden. Die Notärztin oder der Notarzt kann Medikamente in die Vene spritzen.

    Es kann hilfreich sein, sich zu merken, wie genau der Anfall abgelaufen ist. Genaue Beobachtungen können Ärztinnen und Ärzten später bei der Diagnose helfen.

    Viele Menschen mit Epilepsie sind aber wenige Minuten nach dem Anfall völlig wiederhergestellt. Sie können wieder ihrer Arbeit nachgehen oder am Unterricht teilnehmen und brauchen keine ärztliche Hilfe.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGE). Infopool Epilepsie. 2019.

    International League Against Epilepsy (ILAE). 2019.

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    Mehr Wissen: Epilepsie bei Kindern: Formen und Behandlung

    Bei vielen Kindern und Jugendlichen lässt sich eine Epilepsie gut behandeln. Manchmal legt sich die Erkrankung nach einigen Jahren ganz, dann treten keine Anfälle mehr auf. Es gibt aber auch Epilepsien, die ein Leben lang bleiben und kaum auf Medikamente ansprechen.

    Epileptische Anfälle können sich ganz unterschiedlich zeigen: Manche dauern nur Sekunden und machen sich kaum bemerkbar, andere lösen starke Krämpfe aus, zum Teil am ganzen Körper. Bei Kindern werden die Symptome anfangs oft falsch gedeutet: zum Beispiel eine kurze „Abwesenheit“ als Tagtraum, oder leichte Zuckungen als Schluckauf.

    Etwa 0,5 % aller Kinder und Jugendlichen haben eine Epilepsie. Leichtere Formen sind kaum einschränkend. Dagegen kann eine Epilepsie mit häufigen Anfällen ein Kind und seine Familie stark belasten. Dann ist neben der medizinischen Behandlung auch eine Unterstützung im Alltag sehr wichtig. Mit der Zeit gelingt es aber vielen Familien, gut mit der Erkrankung umzugehen.

    Bei vielen Kindern und Jugendlichen lässt sich eine Epilepsie gut behandeln. Manchmal legt sich die Erkrankung nach einigen Jahren ganz, dann treten keine Anfälle mehr auf. Es gibt aber auch Epilepsien, die ein Leben lang bleiben und kaum auf Medikamente ansprechen.

    Epileptische Anfälle können sich ganz unterschiedlich zeigen: Manche dauern nur Sekunden und machen sich kaum bemerkbar, andere lösen starke Krämpfe aus, zum Teil am ganzen Körper. Bei Kindern werden die Symptome anfangs oft falsch gedeutet: zum Beispiel eine kurze „Abwesenheit“ als Tagtraum, oder leichte Zuckungen als Schluckauf.

    Etwa 0,5 % aller Kinder und Jugendlichen haben eine Epilepsie. Leichtere Formen sind kaum einschränkend. Dagegen kann eine Epilepsie mit häufigen Anfällen ein Kind und seine Familie stark belasten. Dann ist neben der medizinischen Behandlung auch eine Unterstützung im Alltag sehr wichtig. Mit der Zeit gelingt es aber vielen Familien, gut mit der Erkrankung umzugehen.

    Kann hinter Fieberkrämpfen eine Epilepsie stecken?

    Die häufigsten Anfälle im frühen Kindesalter sind Fieberkrämpfe. Die meisten der betroffenen Kinder haben aber keine Epilepsie, da sie nur bei Fieber einen Anfall haben. Etwa 3 % aller Kinder bekommen bis zum 7. Geburtstag mindestens einmal einen Fieberkrampf.

    Wie unterscheiden sich Epilepsien bei Kindern und Erwachsenen?

    Viele Epilepsieformen beginnen bereits in der Kindheit und halten bis ins Erwachsenenalter an. Die Symptome sind zwar individuell unterschiedlich, hängen aber nicht vom Lebensalter ab. Es gibt jedoch spezielle Epilepsiearten, die im Kindes- und Jugendalter auftreten und danach nicht mehr.

    Bei Kindern wie bei Erwachsenen gilt: Manche Epilepsien haben keine erkennbare Ursache, andere sind durch Hirnschädigung, Stoffwechselkrankheiten oder genetische Faktoren bedingt. Epilepsien werden bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auch ähnlich diagnostiziert und behandelt. Sie haben aber einen anderen Einfluss auf das Leben – denn Kinder haben andere Bedürfnisse als Erwachsene und gehen mit Krankheiten anders um.

    Wie äußern sich Epilepsien bei Neugeborenen?

    Bei Neugeborenen und Säuglingen sind Anfälle noch schwerer zu erkennen als bei älteren Kindern. Sie können sich durch Augenbewegungen, Schmatzen, Armrudern und Zuckungen äußern. Oft treten sie schon in den ersten Tagen nach der Geburt auf.

    Anfälle bei Säuglingen sind meist die Folge einer Erkrankung. Sie entstehen beispielsweise durch Sauerstoffmangel, Blutungen oder Durchblutungsstörungen im Gehirn. Es gibt aber auch leichte Epilepsieformen, die sich innerhalb weniger Wochen nach der Geburt von selbst wieder legen. Seltener sind erbliche Formen, die schon kurz nach der Geburt auftreten und meist sehr schwer sind.

    Welche speziellen Epilepsieformen gibt es bei Kindern?

    Zu den häufigsten Formen gehören:

    • Absence-Epilepsie: Dabei ist das Kind während eines Anfalls für wenige Sekunden abwesend. Es wird blass, hat einen starren Blick und reagiert nicht auf Ansprache. Zusätzlich kann es mit den Lidern zucken, die Augen verdrehen oder den Kopf nach hinten legen. Solche kurzen Abwesenheiten (Absencen) können bis zu hundert Mal am Tag auftreten.
    • Rolando-Epilepsie: Während des Anfalls zuckt eine Gesichtshälfte, manchmal auch ein Arm oder ein Bein. Es kann auch zu Kribbeln, Taubheitsgefühlen, Sprech- und Schluckstörungen oder vermehrtem Speichelfluss kommen. Dabei ist das Kind in der Regel bei Bewusstsein. Die Anfälle treten meist beim Einschlafen oder Aufwachen auf.
    • Juvenile myoklonische Epilepsie: Sie zeigt sich erstmals in der Pubertät. Zu den Anfällen mit Muskelzuckungen und mitunter ausfahrenden Arm- und Schulterbewegungen kommt es meist morgens nach dem Aufwachen. Manchmal knicken auch die Beine ein.
    • West-Syndrom: Diese schwere Epilepsieform beginnt fast immer im Säuglingsalter. Während eines Anfalls beugt und streckt sich der ganze Körper des Kindes, die Nacken-, Hals- und Rumpfmuskulatur verkrampft ruckartig. Die Anfälle treten ebenfalls meist kurz nach dem Aufwachen oder beim Einschlafen auf. Sie dauern oft nur wenige Sekunden an, können aber mit kurzen Pausen bis zu hundert Mal hintereinander auftreten.

    Wie verlaufen Epilepsien bei Kindern?

    Viele Kinder haben eine leichtere Epilepsie, die nach einigen Jahren verschwindet. Diese Kinder entwickeln sich in der Regel normal und ohne Folgeschäden. Zu den leichteren (auch „gutartig“ genannten) Formen gehören die Rolando-Epilepsie und die Absence-Epilepsie. Bei der Rolando-Epilepsie kann sogar oft auf Medikamente verzichtet werden, da die Anfälle meist wenig belastend sind.

    Bei anderen Kindern hält die Epilepsie dauerhaft an und ist mitunter sehr ausgeprägt. Manchmal lassen sich die Anfälle mit Medikamenten wirksam unterdrücken. Sie müssen jedoch meist ein Leben lang eingenommen werden. Sehr schwere Epilepsien wie das West-Syndrom können die Entwicklung beeinträchtigen. Es kann auch sein, dass Medikamente dann nicht oder kaum wirken.

    Ärztinnen und Ärzte können oft schon innerhalb einiger Wochen oder Monate nach der Diagnose einschätzen, wie eine Epilepsie langfristig verlaufen wird. Die Prognose hängt davon ab, welche Epilepsieform festgestellt wird und wie gut die ersten Medikamente wirken.

    Wie wirkt sich eine Epilepsie auf Kinder aus?

    Etwa 70 % der Kinder mit Epilepsie sind geistig normal entwickelt und genauso intelligent wie Kinder ohne Epilepsie. Die Epilepsie schränkt ihren Alltag nur wenig ein. Die Medikamente wirken oft gut, manchmal sind auch gar keine notwendig.

    Häufige Anfälle können dagegen körperlich und psychisch belasten. Mögliche Folgen sind:

    • Konzentrationsstörungen: Die Kinder sind müde oder sehr unruhig. Dies kann ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.
    • Schwaches Selbstwertgefühl: Viele Kinder schämen sich wegen ihrer Anfälle. Epileptische Anfälle können verunsichern, weil sie sich nicht kontrollieren lassen.
    • Angst vor dem nächsten Anfall: Sie begleitet viele Kinder und ihre Eltern. Deshalb unternehmen sie weniger mit anderen und treiben seltener Sport – auch wenn das für viele von ihnen ohne wesentliche Einschränkungen möglich wäre.

    Hinzu kommt das Verletzungsrisiko, zum Beispiel durch einen anfallsbedingten Sturz. Eine verlässliche Unterstützung und ausreichende Behandlung können aber trotz Epilepsie eine gute Lebensqualität ermöglichen.

    Bei Menschen mit einer Epilepsie sind Entwicklungsstörungen, Hirnschäden und geistige Behinderungen häufiger. Sie können Folge oder Ursache der Anfälle sein.

    Wie gut helfen Medikamente?

    Manche Epilepsien sprechen sehr gut auf Medikamente an, andere schlechter oder gar nicht:

    • Etwa 60 % aller Kinder werden durch die Behandlung mit dem ersten Medikament anfallsfrei.
    • Bei etwa 10 % gelingt dies erst nach dem Wechsel auf ein anderes Medikament.
    • Etwa 30 % aller Kinder haben trotz Medikamentenbehandlung weiter epileptische Anfälle.

    Wenn ein Kind zum ersten Mal einen Anfall hat, werden oft noch keine Medikamente verschrieben, weil es häufig bei einem oder wenigen Anfällen bleibt. Erst wenn sich Anfälle häufen, sind Medikamente sinnvoll.

    Manchmal müssen verschiedene Präparate ausprobiert werden, bis eins davon wirkt. Je mehr Medikamente ausprobiert werden müssen, desto geringer wird aber die Wahrscheinlichkeit, dass eine wirksame Behandlung möglich ist. Es können auch zwei oder mehr Medikamente kombiniert werden. Ob dies Vorteile hat, ist aber unklar.

    Wenn ein Kind anfallsfrei ist, wartet man noch eine gewisse Zeit (zum Beispiel zwei Jahre), bis die Medikamente abgesetzt werden. Ob und wann sie abgesetzt werden können, hängt von der Ursache und der Epilepsieform ab.

    Die meisten Epilepsiemedikamente für Erwachsene werden auch bei Kindern eingesetzt. Einige davon sind für Kinder zugelassen, andere wiederum nicht. Wird auf letztere zurückgegriffen, können sie nur im Rahmen eines Off-Label-Use verschrieben werden – das heißt, außerhalb der eigentlichen Zulassung. Es kann sein, dass die Medikamente bei Kindern anders wirken als bei Erwachsenen und auch unterschiedlich vertragen werden.

    Hilft eine ketogene Diät?

    Bei schwer behandelbaren Epilepsien empfehlen Ärztinnen und Ärzte manchmal eine bestimmte Ernährungsform – die ketogene Diät. Dabei werden nur wenig Kohlenhydrate und stattdessen vor allem Fette aufgenommen.

    Diese Diät hat zur Folge, dass sich der Stoffwechsel umstellt: Um Energie zu gewinnen, wird Fett statt Zucker abgebaut. Der erhöhte Gehalt an Fettsäuren im Blut soll wiederum die Signalübertragung der Nervenzellen im Gehirn beeinflussen und zu weniger Anfällen führen. Wie genau die ketogene Diät wirkt, ist jedoch nicht abschließend geklärt.

    Mehrere Studien weisen darauf hin, dass eine ketogene Diät die Zahl der Anfälle verringern kann:

    • Bei etwa der Hälfte der teilnehmenden Kinder traten deutlich weniger Anfälle auf als vorher.
    • Sie fühlten sich insgesamt aktiver und weniger ängstlich.
    • Ganz anfallsfrei wurden aber nur die wenigsten Kinder.

    Mögliche Nebenwirkungen der ketogenen Diät sind Übelkeit, Verstopfung, Durchfall und Gewichtsverlust. Eine weitere Hürde: Vielen Kindern fällt es schwer, die Ernährungsumstellung durchzuhalten.

    Zu den langfristigen Auswirkungen der ketogenen Diät fehlen bislang Studien. Ärztinnen und Ärzte empfehlen, eine ketogene Diät nach etwa zwei Jahren zu beenden. Treten dann wieder häufiger Anfälle auf, kann sie erneut begonnen werden.

    Wann kommt ein Eingriff infrage?

    Eine Operation kommt infrage, wenn sich eine belastende Epilepsie nicht gut mit Medikamenten behandeln lässt. Sie ist nur möglich, wenn die Anfälle von einer ganz bestimmten Stelle im Gehirn ausgehen (fokale Epilepsie). Anfälle, die das gesamte Gehirn erfassen (generalisierte Epilepsie), können nicht operativ behandelt werden.

    Um zu klären, ob ein Eingriff infrage kommt, sind umfangreiche Untersuchungen notwendig. Dazu gehören eine Magnetresonanztomografie (MRT), Videoaufzeichnungen mit Messungen der Hirnaktivität (EEG) und die Testung der emotionalen und geistigen Entwicklung (neuropsychologische Untersuchung). Die Untersuchungen dienen auch dazu, den Hirnbereich zu finden, von dem die Anfälle ausgehen.

    Es sind verschiedene Operationsverfahren möglich. Dabei wird häufig das Hirngewebe in dem Bereich entfernt, in dem der epileptische Anfall entsteht. Es ist auch möglich, diesen Bereich stillzulegen, indem Nervenfasern durchtrennt werden.

    Studienergebnisse zeigen, dass nach einem Eingriff etwa 30 bis 80 von 100 Kindern anfallsfrei waren. Ein Teil der Kinder braucht anschließend keine Medikamente mehr einzunehmen. Die Erfolgsaussichten einer Operation hängen von der Ursache der Epilepsie und von der betroffenen Hirnregion ab. Jeder Eingriff hat natürlich Risiken, da die Entfernung von Gehirngewebe auch unerwünschte Folgen haben kann.

    Zudem gibt es die Vagusnervstimulation (VNS). Dabei wird eine Elektrode links am Hals eingepflanzt und mit einem kleinen Gerät verbunden, das im Brustbereich unter der Haut eingesetzt wird. Das Gerät sendet über die Elektrode elektrische Impulse an den Vagusnerv und weiter ans Gehirn. Diese Impulse sollen bestimmte Gehirnaktivitäten hemmen und dadurch Anfällen vorbeugen.

    Quellen

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    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Epilepsie bei Kindern: Leben und Alltag

    Kinder und Jugendliche mit einer Epilepsie brauchen eine gute Unterstützung durch Familie und Freunde. Leichtere Epilepsieformen beeinträchtigen das Leben meistens nicht wesentlich. Dagegen kann eine Epilepsie mit häufigen Anfällen ein Kind und seine Familie stark belasten und einschränken.

    Epileptische Anfälle sind meist nach kurzer Zeit vorüber – dennoch kann die Furcht vor Anfällen ein ständiger Begleiter sein. Es stellen sich Fragen: Kann das Kind noch Sport treiben? Wie soll in der Schule mit der Erkrankung umgegangen werden? Bestimmte Verhaltensregeln und Versorgungsangebote können Kindern, Jugendlichen und ihrer Familie beim Umgang mit der Erkrankung helfen.

    Kinder und Jugendliche mit einer Epilepsie brauchen eine gute Unterstützung durch Familie und Freunde. Leichtere Epilepsieformen beeinträchtigen das Leben meistens nicht wesentlich. Dagegen kann eine Epilepsie mit häufigen Anfällen ein Kind und seine Familie stark belasten und einschränken.

    Epileptische Anfälle sind meist nach kurzer Zeit vorüber – dennoch kann die Furcht vor Anfällen ein ständiger Begleiter sein. Es stellen sich Fragen: Kann das Kind noch Sport treiben? Wie soll in der Schule mit der Erkrankung umgegangen werden? Bestimmte Verhaltensregeln und Versorgungsangebote können Kindern, Jugendlichen und ihrer Familie beim Umgang mit der Erkrankung helfen.

    Was tun bei Anfällen?

    Die ersten Anfälle sorgen oft für Verunsicherung bei allen Beteiligten – vor allem bei einem großen Anfall,  bei dem der ganze Körper krampft. Diese Anfälle kommen aber bei Kindern viel seltener vor. Die meisten Eltern und Betreuenden sind anfangs unsicher, wie sie damit umgehen sollen und haben Angst um das Kind. Mit der Zeit gewinnen aber viele Eltern eine gewisse Erfahrung im Umgang mit epileptischen Anfällen.

    Die wichtigsten Empfehlungen sind:

    • Ruhe bewahren.
    • Auf die Uhr schauen und sich merken, wie lange der Anfall dauert.
    • Das Kind vor Verletzungen schützen.
    • Nicht festhalten und nichts in den Mund stecken.
    • Das Kind nicht allein lassen und ihm auch nach dem Anfall beistehen.
    • Bei Bedarf Hilfe holen und die 112 wählen.

    Die meisten Anfälle gehen innerhalb weniger Minuten vorüber und sind ungefährlich.

    Es ist sinnvoll, dass das Kind einen Epilepsie-Notfallausweis mitführt. Dort ist vermerkt, wer im Notfall kontaktiert werden sollte. Zudem sind die aktuellen Medikamente und die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt notiert.

    Bei den ersten Anfällen ist es zudem wichtig, den Anfall möglichst genau zu beobachten, um ihn der Ärztin oder dem Arzt später beschreiben zu können. Sie oder er kann dann besser einschätzen, um welche Epilepsieform es sich handeln könnte und eine entsprechende Behandlung vorschlagen.

    Was muss bei Sport und anderen Unternehmungen beachtet werden?

    Was Kinder oder Jugendliche mit Epilepsie unternehmen können und was nicht, ist sehr individuell. Meist halten sich die Einschränkungen jedoch in Grenzen. Allgemein gilt: Kinder und Jugendliche sollten so viel wie möglich unternehmen können. Nur bei hohem Verletzungsrisiko sind Einschränkungen unvermeidlich. Übervorsichtig zu sein, kann das Selbstwertgefühl schwächen und die Entwicklung hemmen. Es ist sinnvoll, sich ärztlich beraten zu lassen, welche Aktivitäten geeignet sind und welche nicht.

    Die meisten Sportarten sind ohne Einschränkungen möglich, wenn ein Kind oder Jugendlicher körperlich ansonsten gesund ist. Wegen der Unfallgefahr während eines Anfalls sind bestimmte Disziplinen wie Schwimmen oder Klettern allerdings weniger geeignet. Beim Schwimmen sollte ein Kind gut beaufsichtigt werden und wenn nötig Schwimmhilfen tragen. Sie sollten auch nur unter Aufsicht baden und bevorzugt duschen. Tauchsport ist erst dann möglich, wenn jemand mehrere Jahre anfallsfrei ist.

    Hat ein Kind regelmäßig Anfälle, ist es wichtig, dass es beim Sport vor Kopfverletzungen geschützt ist – zum Beispiel durch einen Helm. Sportliche Aktivitäten selbst lösen aber in aller Regel keinen epileptischen Anfall aus.

    Ausführlichere Informationen zum Thema Sport und Epilepsie bietet die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie auf ihrer Website.

    Was ist in Kindergarten und Schule zu beachten?

    Es ist wichtig, dass Erziehende, Lehrerinnen und Lehrer über die Epilepsie informiert sind und wissen, was bei einem Anfall zu tun ist. Je besser sie sich auskennen, desto gelassener können sie mit dem Kind umgehen. Dies gilt auch für die weniger auffälligen Anfallsformen (Absencen): Diese können sonst falsch gedeutet werden, zum Beispiel als „Träumerei“.

    Häufige Anfälle oder die Epilepsie-Medikamente können die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen und unkonzentriert, müde oder nervös machen. Manche Kinder haben auch Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Kindern oder den Lehrkräften. Um es vor Ausgrenzung zu bewahren, ist es wichtig, dass ein Kind in der Schule gut unterstützt und begleitet wird.

    Die meisten Kinder mit Epilepsie können einen normalen Kindergarten oder eine Regelschule besuchen. Sie haben auch keinen besonderen Förderbedarf. Andere sind stärker beeinträchtigt und benötigen Unterstützung zum Beispiel beim Lernen. Neben Angeboten der persönlichen Betreuung in der Regelschule gibt es Förderschulen für Kinder mit besonderen Beeinträchtigungen.

    Es ist sinnvoll, in Schule oder Kindergarten eine schriftliche Vereinbarung zu hinterlegen. Darin wird zum Beispiel festgehalten, wie mit einem Anfall umzugehen ist, ob während der Betreuungszeit Medikamente eingenommen werden müssen und ob bestimmte Verhaltensregeln eingehalten werden sollen.

    Sollen andere Kinder von der Epilepsie erfahren?

    Das hängt von der Situation ab. Wenn die Erkrankung so gut behandelt werden kann, dass in der Schule kaum mit Anfällen zu rechnen ist, ist es nicht nötig, Mitschülerinnen und -schüler zu informieren. Wenn sich das Kind schämt und Vorurteile befürchtet, kann es besser sein, wenn es seine Krankheit für sich behält oder nur engen Freunden davon erzählt. Es kann dann später selbst entscheiden, wen es wann informiert.

    Hat ein Kind jedoch regelmäßig Anfälle, ist es besser, die anderen Kinder aufzuklären. Sie sollten dann auch erfahren, wie sie bei einem epileptischen Anfall helfen können – zum Beispiel, indem sie Kissen holen oder unfallträchtige Gegenstände wegräumen.

    Sind Jugendliche bei der Studiums- und Berufswahl eingeschränkt?

    Es gibt nur wenige Berufe, die Menschen mit Epilepsie grundsätzlich nicht ausüben können. So dürfen sie keinen Pilotenschein machen und auch keine Busse oder Züge lenken. Allgemein sollten Berufe vermieden werden, bei denen jemand sich oder andere durch die Epilepsie gefährden könnte. Nähere Informationen hierzu geben die Richtlinien der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

    Wenn jemand eine längere Zeit anfallsfrei ist, kommen die meisten Berufe infrage. Dies kann voraussetzen, dass regelmäßig Medikamente eingenommen werden.

    Auch wenn nur im Schlaf Anfälle auftreten, sind die meisten Berufe möglich. Oder wenn die Anfälle so leicht sind, dass sie die Tätigkeit nicht beeinflussen. So sind Zuckungen zum Beispiel im Gesicht oder im Arm meist kein Hindernis – im Gegensatz zu Anfällen, die zu Bewusstlosigkeit oder Stürzen führen.

    Wichtig ist, sich rechtzeitig vor Schulabschluss damit zu beschäftigen, welche Berufe infrage kommen und welche nicht. Dazu kann man sich ärztlich beraten lassen oder an eine Epilepsie-Beratungsstelle wenden. Ein weiterer Ansprechpartner ist die Bundesagentur für Arbeit. Diese berät auch zu Unterstützungsleistungen.

    Viele Menschen mit einer Epilepsie studieren. Meist wählen sie ein Fach, mit dem sie sich für einen geeigneten Beruf qualifizieren können. Sie können auch Unterstützungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen: So können chronisch Kranke und behinderte Menschen über einen sogenannten Härtefallantrag leichter einen Studienplatz bekommen. Zudem gibt es während des Studiums Hilfen wie die sogenannten Nachteilsausgleiche. Informationen dazu gibt es beim Deutschen Studentenwerk.

    Müssen Arbeitgeber über die Epilepsie informiert werden?

    Dies ist nur dann nötig, wenn bestimmte Tätigkeiten wegen der Erkrankung nicht ausgeübt werden können. Ist das nicht der Fall, hat der Arbeitgeber kein Recht, über die Epilepsie informiert zu werden. Es gibt auch die Möglichkeit, mit dem betriebsärztlichen Dienst zu sprechen. Dieser muss die Schweigepflicht bewahren und darf dem Arbeitgeber nicht von der Erkrankung berichten.

    Es wird empfohlen, die Epilepsie nicht in Bewerbungsunterlagen zu erwähnen. Besser ist es, dies im persönlichen Gespräch zu erklären. Wer sich unsicher ist, kann sich vor einer Bewerbung beraten lassen – zum Beispiel in einem Epilepsiezentrum oder einer Berufsberatungsstelle. In einer Selbsthilfegruppe können Erfahrungen ausgetauscht werden.

    Ist es möglich, den Führerschein zu machen?

    Ob ein Jugendlicher mit Epilepsie den Führerschein machen kann, muss eine Ärztin oder ein Arzt beurteilen. Eine Fahrerlaubnis kann nur erhalten, wer über eine längere Zeit anfallsfrei geblieben ist und voraussichtlich keinen Anfall während des Autofahrens bekommt. Wie lange abgewartet werden muss, hängt unter anderem von der Epilepsieform ab und davon, wie sich die Krankheit entwickelt. Oft genügt es, ein Jahr anfallsfrei zu sein. Es kann aber auch zwei Jahre oder länger dauern.

    Wo finden Familien Unterstützung?

    Außer der medizinischen Behandlung ist die Unterstützung in der Schule oder zu Hause wichtig. Manche Kinder mit Epilepsie müssen gezielt gefördert werden, zum Beispiel durch Hilfen in der Schule. Eltern kann durch Beratung und Entlastung geholfen werden.

    Unterstützung bieten:

    • Frühförderstellen: Diese unterstützen Familien medizinisch, psychologisch, bei der Erziehung und im Alltag. Sie bieten beispielsweise Therapien an oder vermitteln Hilfen für den Familienalltag und die Schule.
    • Sozialpädiatrische Zentren (SPZ): In diesen Zentren arbeiten medizinische und therapeutische Fachkräfte. Sie unterstützen unter anderem bei chronischen Erkrankungen, Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsstörungen von Kindern.
    • Selbsthilfegruppen: Sie bieten die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen. Zudem informieren Selbsthilfegruppen über den Umgang mit der Erkrankung und helfen bei der Suche nach Unterstützungsangeboten.
    • Epilepsie-Beratungsstellen: Diese beraten, informieren und unterstützen Betroffene und ihre Familien.
    • Pflegedienste: Je nach Hilfebedarf gibt es die Möglichkeit, auf Dauer oder kurzfristig pflegerische Unterstützung zu bekommen. Ein Antrag auf Pflegeleistungen wird bei der Pflegekasse gestellt.
    • Familienentlastende Dienste (FED): Diese betreuen und begleiten erkrankte und hilfebedürftige Kinder im Alltag. Dadurch werden ihre Eltern und Geschwister entlastet.

    Besonders beeinträchtigte Kinder haben die Möglichkeit, eine Integrationshilfe zu bekommen. Eine entsprechend ausgebildete Fachkraft begleitet und unterstützt das Kind im Kindergarten oder in der Schule. Sie hilft bei der Eingewöhnung und begleitet das Kind. Ein Antrag auf Integrationshilfe muss beim Sozialamt gestellt werden. Wenn ein Kind sehr häufig Anfälle hat, kann es auch durch eine medizinische Fachkraft begleitet werden. Die Kosten trägt dann die Krankenkasse. Bei Lernschwierigkeiten ist beispielsweise eine Lerntherapie möglich.

    Bei einer Epilepsie kann unter Umständen auch ein Antrag auf Schwerbehinderung gestellt werden. Dadurch können Betroffene zusätzliche Unterstützungsleistungen erhalten.

    Weitere Informationen zur Kindergesundheit stellt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bereit. Dort gibt es auch einen „Wegweiser für Familien mit einem behinderten oder chronisch kranken Kind“.

    Quellen

    Deutsche Epilepsievereinigung. [Website der Deutschen Epilepsievereinigung]. 2019.

    Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE). Infopool Epilepsie. 2019.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
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