Gesundheitslexikon

Vergrößerte Mandeln bei Kindern

Überblick Mehr Wissen

    Überblick

    Viele Kinder zwischen drei und sechs Jahren haben vergrößerte Mandeln. Meist sind sie harmlos. Vergrößerte Mandeln können aber auch den Schlaf stören und zu weiteren Problemen führen. Wir informieren darüber, welche Behandlungen infrage kommen und wann eine Operation sinnvoll sein kann.

    Einleitung

    Viele Kinder haben vergrößerte Mandeln (Tonsillen). Sie können die Atemwege verengen und dazu führen, dass ein Kind schnarcht und im Schlaf Atemaussetzer hat. Wenn es dauerhaft schlecht schläft, kann das zu verschiedenen Problemen und manchmal zu Erkrankungen führen. Deshalb wird häufig empfohlen, vergrößerte Mandeln operieren zu lassen.

    Bei manchen Kindern sind die Gaumenmandeln vergrößert (Fachbegriffe: Tonsillenhyperplasie oder Tonsillenhypertrophie), bei anderen die Rachenmandel (Fachbegriffe: Adenoide oder adenoide Vegetation). Bei einigen Kindern sind beide vergrößert.

    Beim Thema Mandeln kommt es häufig zu Verwechslungen. So werden Rachenmandeln im Volksmund oft irrtümlich als Polypen bezeichnet. Mit Nasenpolypen sind jedoch gutartige Wucherungen der Nasenschleimhaut gemeint, die meist nur Erwachsene haben. Zudem ist es wichtig, eine anhaltende Mandelvergrößerung von einer Entzündung der Mandeln (Tonsillitis) zu unterscheiden. Dies sind zwei verschiedene Erkrankungen.

    Symptome

    Die folgenden Beschwerden und Anzeichen können auf vergrößerte Mandeln hinweisen:

    • Schnarchen
    • Atemaussetzer während des Schlafs
    • vorwiegende Mundatmung
    • angestrengtes Atmen
    • unruhiger Schlaf, häufiges Aufwachen, nächtliches Einnässen
    • ungewöhnliche Schlafpositionen (überstreckter Kopf, angezogene Beine in Bauchlage)
    • Schluckbeschwerden, „kloßige“ Sprache
    • häufiger Schnupfen

    Welche Beschwerden im Vordergrund stehen, hängt unter anderem davon ab, welche Mandeln vergrößert sind. So behindert die Rachenmandel in erster Linie die Nasenatmung. Atemaussetzer dagegen werden vor allem durch vergrößerte Gaumenmandeln verursacht.

    Wenn ein Kind schlecht schläft, ist es tagsüber nicht ausgeruht. Kinder wirken dann aber meist nicht müde, sondern eher unruhig oder aufgedreht. Die Müdigkeit kann sie in Ruhesituationen jedoch regelrecht überfallen, zum Beispiel im Kindersitz beim Autofahren. Erst bei älteren Kindern und Jugendlichen macht sich dann tagsüber eine starke Müdigkeit bemerkbar.

    Kommt es regelmäßig zu Atemaussetzern und nächtlichem Aufwachen, kann eine obstruktive Schlafapnoe (OSA) bestehen. Dann finden die Kinder kaum noch in den Tiefschlaf, der die Nachtruhe erst erholsam macht.

    Ursachen

    Warum sich bei manchen Kindern die Mandeln vergrößern und bei anderen nicht, ist unklar. Oft sind vergrößerte Mandeln aber eine normale Begleiterscheinung des Wachstums. Mit den Jahren können sie auch wieder kleiner werden. Die Stärke der Beschwerden hat auch nicht immer mit der Größe der Mandeln zu tun.

     

    Grafik: links Querschnitt Kopf seitlich, rechts Blick in den Mund mit vergrößerten Mandeln links: Querschnitt Kopf seitlich, rechts: Blick in den Mund mit vergrößerten Mandeln

    Häufigkeit

    Vergrößerte Mandeln bleiben bei vielen Kindern ohne Folgen. Etwa 7 % aller Kinder schnarchen dauerhaft, etwa 2 % haben im Schlaf Atemaussetzer und eine obstruktive Schlafapnoe. Bei Kindern entstehen diese Probleme häufig durch vergrößerte Mandeln, vor allem im Alter zwischen 3 und 6 Jahren.

    Folgen

    Mögliche Auswirkungen von vergrößerten Mandeln können sein:

    • Atemwegsinfekte wie Erkältungen: Sie werden durch eine ständige Mundatmung bei einer vergrößerten Rachenmandel begünstigt.
    • Mittelohrentzündungen und Paukenergüsse: Dazu kommt es, wenn eine vergrößerte Rachenmandel die Belüftung des Mittelohrs behindert. Chronische Paukenergüsse können zu Hör- und Sprachproblemen führen.
    • Fehlstellungen im Kiefer, offener Biss und veränderte Lage der Zunge: Dies können ebenfalls Folgen einer dauerhaften Mundatmung sein.
    • Eine starke, lange anhaltende Schlafapnoe durch vergrößerte Gaumenmandeln kann die körperliche Entwicklung beeinträchtigen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

    Welche Folgen vergrößerte Mandeln haben, hängt vor allem davon ab, wie stark die Atemwege verengt sind, ob es zu Atemaussetzern kommt und wie lange ein Kind diese Probleme schon hat. Bei manchen Kindern legen sich die Beschwerden mit der Zeit auch wieder.

    Das Risiko für Folgeerkrankungen ist bei einer obstruktiven Schlafapnoe höher als bei alleinigem Schnarchen. Aber auch lautes Schnarchen und häufige Mundatmung können Folgen haben. Harmlos ist es dagegen, wenn ein Kind nur leise oder hin und wieder schnarcht – zum Beispiel, wenn es erkältet ist.

    Diagnose

    Wenn ihr Kind Beschwerden hat, wenden sich Eltern oft zunächst an eine kinderärztliche Praxis. Für weitergehende Untersuchungen wird von dort meist in eine Praxis für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde überwiesen.

    Zunächst fragt die Ärztin oder der Arzt nach den vorhandenen Symptomen. Dann untersucht sie oder er den Rachen und prüft, wie groß die Mandeln sind und wie stark sie die Atemwege verengen. Zudem werden die Ohren untersucht und es wird geschaut, ob zum Beispiel ein Paukenerguss besteht. Außerdem wird geprüft, wie gut das Kind hört und spricht. Wichtig ist es auch, andere mögliche Ursachen für die Beschwerden abzuklären, wie Allergien oder Fehlstellungen im Kiefer.

    Selten wird eine Untersuchung im Schlaflabor vorgeschlagen. Sie kann bei Verdacht auf eine obstruktive Schlafapnoe sinnvoll sein, bei sehr jungen Kindern oder wenn andere Krankheiten oder Behinderungen eine Rolle spielen könnten. Um eine obstruktive Schlafapnoe sicher festzustellen, ist eine Untersuchung im Schlaflabor nötig. Sie wird bei vergrößerten Mandeln allerdings oft nicht gemacht, weil sie aufwendig ist und nur begrenzte Plätze zur Verfügung stehen. Es kann auch sein, dass ein Kind die Untersuchung im Schlaflabor nicht mitmacht.

    Behandlung

    Ab wann vergrößerte Mandeln ein gesundheitliches Problem sind, lässt sich nicht immer genau sagen. Unklar ist zum Beispiel, wann Schnarchen so problematisch wird, dass eine Mandeloperation sinnvoll ist. Deshalb kann es sein, dass verschiedene Ärztinnen und Ärzte unterschiedliche Empfehlungen geben. Einigkeit besteht aber darin, dass eine anhaltende Schlafapnoe negative Folgen für ein Kind hat und behandelt werden sollte.

    Schnarcht ein Kind nur hin und wieder, eher leise oder meist nur während einer Erkältung, ist eine Behandlung nicht notwendig.

    Es gibt folgende Behandlungsmöglichkeiten:

    • Abwarten, wie sich die Beschwerden entwickeln: Dies ist sinnvoll bei leichteren Beschwerden, die sich möglicherweise von selbst wieder bessern. Eltern sollten dann beobachten, ob das Schnarchen zunimmt und es zu Atemaussetzern kommt. Zudem ist es wichtig, das Kind in regelmäßigen Abständen von einer Hals-Nasen-Ohren-Ärztin oder einem HNO-Arzt untersuchen zu lassen.
    • Kortison-Nasenspray: Es kann eingesetzt werden, um die Rachenmandel zu verkleinern und so die Nasenatmung zu verbessern. Auf vergrößerte Gaumenmandeln hat es keinen Einfluss.
    • Operation der Rachenmandel: um sie größtenteils zu entfernen (Adenotomie).
    • Operation der Gaumenmandeln: Sie werden meist teilweise entfernt (Tonsillotomie), nur noch selten ganz (Tonsillektomie).

    Wenn sowohl die Rachenmandel als auch die Gaumenmandeln vergrößert sind, können sie auch in einem Eingriff operiert werden (Adenotonsillektomie oder Adenotonsillotomie). Wenn ein Kind einen anhaltenden Paukenerguss hat, wird zudem oft empfohlen, dabei ein Paukenröhrchen einzusetzen, damit das Mittelohr besser belüftet wird.

    Um zu klären, ob bei vergrößerten Gaumenmandeln eine Operation infrage kommt, kann unsere Entscheidungshilfe verwendet werden. Sie fasst die wichtigsten Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zusammen.

    Weitere Informationen

    Die Haus- oder Kinderarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). S3-Leitlinie: Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen - Schlafbezogene Atmungsstörungen. 2009.

    Kaditis AG, Alonso Alvarez ML, Boudewyns A, Alexopoulos EI, Ersu R, Joosten K et al. Obstructive sleep disordered breathing in 2- to 18-year-old children: diagnosis and management. Eur Respir J 2016; 47(1): 69-94.

    Pabla L, Duffin J, Flood L, Blackmore K. Paediatric obstructive sleep apnoea: is our operative management evidence-based? J Laryngol Otol 2018; 132(4): 293-298.

    Powell S, Kubba H, O'Brien C, Tremlett M. Paediatric obstructive sleep apnoea. Clin Otolaryngol 2010; 35(5): 418-423.

    Urschitz MS, Poets CF, Stuck BA, Wiater A. Schnarchen bei Kindern. Algorithmus zum diagnostischen Vorgehen. HNO 2014; 62(8): 586-589.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Operation bei vergrößerten Gaumenmandeln

    Eine Operation der Gaumenmandeln kann bei Kindern Atem- und Schlafprobleme wie Schnarchen oder Atemaussetzer bessern oder beheben. Ein Eingriff ist jedoch nicht immer notwendig.

    Wenn bei einem Kind die Gaumenmandeln zu groß werden, können sie den Schlaf beeinträchtigen. Häufig hat das Kind dann auch eine vergrößerte Rachenmandel. Es schnarcht oft dauerhaft, atmet vorwiegend durch den Mund und hat manchmal sogar Atemaussetzer (Schlafapnoe). Dies kann dazu führen, dass das Kind unausgeschlafen ist und zu Unruhe neigt. Auch seine Entwicklung kann gestört werden. Bei solchen Beschwerden stellt sich die Frage, ob eine Mandeloperation sinnvoll ist.

    Es gibt verschiedene Operationsverfahren:

    • Tonsillotomie: Teilentfernung der vergrößerten Gaumenmandeln.
    • Tonsillektomie: Vollständige Entfernung der Gaumenmandeln (wird bei vergrößerten Gaumenmandeln nur noch selten gemacht).

    Ist bei einem Kind auch die Rachenmandel vergrößert, kann diese mitentfernt werden. Die Entfernung der Rachenmandel wird als Adenotomie bezeichnet. Wenn es infolge einer vergrößerten Rachenmandel zu häufigen Mittelohrentzündungen mit Paukenerguss kommt, kann bei der Operation für einige Monate oder länger ein Paukenröhrchen eingesetzt werden.

    Für eine Tonsillektomie muss ein Kind ins Krankenhaus. Die anderen Eingriffe sind auch ambulant möglich – allerdings wird häufig ein Krankenhausaufenthalt empfohlen, wenn Gaumen- und Rachenmandeln zusammen operiert werden. Je nachdem, wie belastend der Eingriff ist, bleiben die Kinder etwa 2 bis 7 Tage im Krankenhaus.

    Eine Operation der Gaumenmandeln kann bei Kindern Atem- und Schlafprobleme wie Schnarchen oder Atemaussetzer bessern oder beheben. Ein Eingriff ist jedoch nicht immer notwendig.

    Wenn bei einem Kind die Gaumenmandeln zu groß werden, können sie den Schlaf beeinträchtigen. Häufig hat das Kind dann auch eine vergrößerte Rachenmandel. Es schnarcht oft dauerhaft, atmet vorwiegend durch den Mund und hat manchmal sogar Atemaussetzer (Schlafapnoe). Dies kann dazu führen, dass das Kind unausgeschlafen ist und zu Unruhe neigt. Auch seine Entwicklung kann gestört werden. Bei solchen Beschwerden stellt sich die Frage, ob eine Mandeloperation sinnvoll ist.

    Es gibt verschiedene Operationsverfahren:

    • Tonsillotomie: Teilentfernung der vergrößerten Gaumenmandeln.
    • Tonsillektomie: Vollständige Entfernung der Gaumenmandeln (wird bei vergrößerten Gaumenmandeln nur noch selten gemacht).

    Ist bei einem Kind auch die Rachenmandel vergrößert, kann diese mitentfernt werden. Die Entfernung der Rachenmandel wird als Adenotomie bezeichnet. Wenn es infolge einer vergrößerten Rachenmandel zu häufigen Mittelohrentzündungen mit Paukenerguss kommt, kann bei der Operation für einige Monate oder länger ein Paukenröhrchen eingesetzt werden.

    Für eine Tonsillektomie muss ein Kind ins Krankenhaus. Die anderen Eingriffe sind auch ambulant möglich – allerdings wird häufig ein Krankenhausaufenthalt empfohlen, wenn Gaumen- und Rachenmandeln zusammen operiert werden. Je nachdem, wie belastend der Eingriff ist, bleiben die Kinder etwa 2 bis 7 Tage im Krankenhaus.

    Wann ist es möglich, erst einmal abzuwarten?

    Da jede Operation für das Kind belastend ist und auch Risiken mit sich bringt, kann man bei vergrößerten Mandeln meist eine gewisse Zeit abwarten und schauen, ob sich die Beschwerden von allein bessern. Ob dies eher Wochen oder Monate dauert, hängt unter anderem davon ab, wie ausgeprägt die Beschwerden sind. Besonders in den Wintermonaten kann es zudem sein, dass Erkältungen die vorhandenen Beschwerden verstärken. Wenn man sich entscheidet, erst einmal abzuwarten, ist es wichtig, das Kind regelmäßig in einer Praxis für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde untersuchen zu lassen.

    Wenn neben den Gaumenmandeln auch die Rachenmandel vergrößert ist, kann bei manchen Kindern ein Kortison-Nasenspray die Beschwerden lindern. Es kann die Rachenmandel verkleinern, was vielleicht ausreicht, um die Nasenatmung und den Schlaf zu verbessern. Auf vergrößerte Gaumenmandeln hat ein Kortison-Nasenspray aber keinen Einfluss. Das Spray ist für Kinder ab drei Jahren zugelassen und sollte nicht länger als sechs Monate angewendet werden. Es ist meist gut verträglich, kann aber manchmal zu leichtem Nasenbluten oder zu einer Pilzinfektion der Mundschleimhaut führen.

    Schnarcht das Kind nur leise, hin und wieder oder vor allem bei Erkältungen, ist dies wahrscheinlich harmlos und ein Eingriff unnötig. Wenn die Schlafstörung aber sehr ausgeprägt ist und die Mandeln stark vergrößert sind, ist eine Besserung von selbst meist nicht zu erwarten.

    Wie gut hilft die Operation der Mandeln?

    Viele Kinder atmen schon kurz nach dem Eingriff wieder deutlich leichter und haben keine Atemaussetzer mehr. Sie schnarchen weniger oder gar nicht mehr, und schlafen insgesamt wieder besser. Studien weisen darauf hin, dass dies auch das Verhalten der Kinder positiv beeinflusst: Sie sind dann beispielsweise tagsüber weniger zappelig.

    Bei manchen Kindern hält der Erfolg der Operation aber nicht dauerhaft an und die Schlafprobleme kommen zurück. Ob eine Operation erfolgreich ist, hängt auch davon ab, ob die erschwerte Atmung noch andere Ursachen hat. Dazu können Übergewicht und Kieferprobleme gehören.

    Welche Vor- und Nachteile hat es, die Gaumenmandeln nur teilweise statt ganz zu entfernen?

    Eine Reihe von Studien spricht dafür, dass eine teilweise Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillotomie) die Beschwerden ähnlich gut lindert wie eine vollständige Entfernung.

    Der wesentliche Vorteil der Tonsillotomie ist, dass der Eingriff ein Kind weniger belastet. In den ersten beiden Wochen haben operierte Kinder deutlich weniger Schmerzen und können früher wieder essen als nach einer vollständigen Entfernung der Mandeln.

    Zudem ist das Risiko für Nachblutungen vermutlich geringer, weil stark durchblutete Bereiche der Mandeln geschont werden.

    Nach einer Teilentfernung können die Gaumenmandeln aber wieder nachwachsen: Etwa 5 von 100 Kindern werden in den ersten Jahren nach einer Teilentfernung erneut operiert, weil die Atemprobleme wieder auftreten. Häufig wird dann eine Tonsillektomie empfohlen.

    Welche Nebenwirkungen können auftreten?

    Ein Eingriff an den Gaumenmandeln ist belastender als eine Entfernung der Rachenmandel. Die Wunde kann schmerzen und auch das Schlucken kann in den ersten Tagen nach dem Eingriff wehtun. Manchmal kommt es zu Übelkeit oder Erbrechen. Wie bei allen Eingriffen kann sich die Wunde infizieren, und es bestehen allgemeine Operationsrisiken (zum Beispiel durch die Narkose).

    Nachblutungen treten bei weniger als 1 % der Kinder auf, deren Gaumenmandeln teilweise entfernt werden. Eine Blutung kann kurz nach dem Eingriff, aber auch verzögert auftreten – dann häufig nach etwa einer Woche. Wird eine schwere Nachblutung nicht rechtzeitig erkannt, kann sie lebensbedrohlich werden.

    Manche Eltern befürchten, dass eine Operation bei ihrem Kind langfristig das Immunsystem schwächt und beispielsweise Allergien oder Atemwegsinfekte begünstigen könnte. Ob dies zutrifft, ist wissenschaftlich jedoch nicht geklärt. Die Mandeln spielen aber in den ersten Lebensjahren eine wichtigere Rolle für das Immunsystem als später.

    Was ist nach dem Eingriff wichtig?

    In den ersten zwei bis drei Wochen sollte sich ein Kind schonen – also zum Beispiel keinen Sport treiben und möglichst nicht „wild“ spielen. Es wird empfohlen, nicht zu warm zu baden. Um die Wunde zu schonen, sollte die Nahrung in den ersten zehn Tagen möglichst weich sein und nur wenig Säure enthalten. Auch säurehaltige Getränke wie Obstsäfte vermeidet man besser. Schmerzen können mit Mitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol gelindert werden.

    Nachblutungen ernst nehmen

    Die Wunde ist meist erst nach 2 bis 3 Wochen verheilt. Bis dahin können Nachblutungen auftreten. Dabei tritt meist Blut aus der Nase oder dem Mund aus. Nachblutungen sind zwar selten, können aber zu großen Blutverlusten führen, da die Mandeln stark durchblutet sind. Eine Blutung fällt aber nicht immer auf, weil Kinder dazu neigen, das Blut hinunterzuschlucken. Deshalb kann es ein Warnzeichen sein, wenn das Kind auffällig viel schluckt. Später kann es das Blut auch erbrechen, oder es kann Blut in die Luftröhre gelangen.

    Bei jeder Nachblutung ist es wichtig, sofort ein Krankenhaus aufzusuchen oder über die Notrufnummer 112 einen Rettungsdienst zu verständigen. Das gilt auch, wenn die Blutung scheinbar von selbst wieder aufhört. Im Krankenhaus schauen die Ärztinnen oder Ärzte dann, ob eine erneute Operation nötig ist.

    Im Zweifel kann eine zweite Meinung helfen

    Ob eine Operation sinnvoll ist, hängt von mehreren Faktoren ab: Wie belastend sind die Beschwerden? Wie wahrscheinlich ist es, dass sie von allein wieder verschwinden? Werden sie durch andere Erkrankungen verstärkt? Wie groß sind die Mandeln? Welche Erfolgsaussichten hat der Eingriff?

    Bislang ist noch nicht ausreichend untersucht, wann die Vorteile einer Mandeloperation klar überwiegen und wann es besser ist, darauf zu verzichten. Deshalb kann es sein, dass Ärztinnen und Ärzte unterschiedliche Empfehlungen geben. Wird Ihrem Kind eine Mandeloperation empfohlen, kann es sinnvoll sein, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen – das heißt, sich in einer anderen Praxis oder Klinik beraten zu lassen. Zur Unterstützung kann eine Entscheidungshilfe verwendet werden, die die wichtigsten Vor- und Nachteile der Behandlungsmöglichkeiten kurz zusammenfasst.

    Quellen

    Chinnadurai S, Jordan AK, Sathe NA, Fonnesbeck C, McPheeters ML, Francis DO. Tonsillectomy for Obstructive Sleep-Disordered Breathing: A Meta-analysis. Pediatrics 2017; 139(2): pii: e20163491.

    Francis DO, Fonnesbeck C, Sathe N, McPheeters M, Krishnaswami S, Chinnadurai S. Postoperative Bleeding and Associated Utilization following Tonsillectomy in Children. Otolaryngol Head Neck Surg 2017; 156(3): 442-455.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Tonsillotomie bei rezidivierender akuter Tonsillitis und bei Hyperplasie der Tonsillen: Abschlussbericht; Auftrag N15-11. 06.01.2017. (IQWiG-Berichte; Band 475).

    Kaditis AG, Alonso Alvarez ML, Boudewyns A, Alexopoulos EI, Ersu R, Joosten K et al. Obstructive sleep disordered breathing in 2- to 18-year-old children: diagnosis and management. Eur Respir J 2016; 47(1): 69-94.

    Liu HT, Lin YC, Kuan YC, Huang YH, Hou WH, Liou TH et al. Intranasal corticosteroid therapy in the treatment of obstructive sleep apnea: A meta-analysis of randomized controlled trials. Am J Rhinol Allergy 2016; 30(3): 215-221.

    Pabla L, Duffin J, Flood L, Blackmore K. Paediatric obstructive sleep apnoea: is our operative management evidence-based? J Laryngol Otol 2018; 132(4): 293-298.

    Urschitz MS, Poets CF, Stuck BA, Wiater A. Schnarchen bei Kindern. Algorithmus zum diagnostischen Vorgehen. HNO 2014; 62(8): 586-589.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.