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Rheumatoide Arthritis

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    Überblick

    Entzündete Gelenke, Schmerzen und nachlassende Beweglichkeit können auf eine rheumatoide Arthritis hinweisen, aber auch auf Arthrose. Wir geben einen Überblick über typische Anzeichen für Rheuma, die Ursachen, den Verlauf und die Behandlungsmöglichkeiten der chronischen Erkrankung.

    Einleitung

    Es gibt eine Vielzahl von rheumatischen Erkrankungen. Wenn von „Rheuma“ gesprochen wird, ist meist die rheumatoide Arthritis gemeint. Bei dieser Erkrankung sind in der Regel mehrere Gelenke dauerhaft entzündet.

    Bei fortgeschrittenem Rheuma können einfache Tätigkeiten wie die Körperpflege, das Essen mit Messer und Gabel oder das Schließen von Knöpfen schwerfallen. Auch andere Beschwerden wie Schmerzen und Abgeschlagenheit können sehr belastend werden. Eine rheumatoide Arthritis schreitet meist über viele Jahre langsam voran.

    Die gute Nachricht ist: Verschiedene Behandlungen können die Schmerzen lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen oder aufhalten. Die Arthritis möglichst früh zu erkennen und zu behandeln hilft, Gelenkschäden vorzubeugen.

    Symptome

    Welche Gelenke von Rheuma betroffen sind und wie sich die Erkrankung äußert, ist unterschiedlich. Dies hängt davon ab, ob die Entzündungsreaktionen eher mild oder stark ausgeprägt sind und wie weit die rheumatoide Arthritis fortgeschritten ist.

    Die für Rheuma typischen Symptome sind:

    • warme, geschwollene und schmerzende Gelenke
    • steife Gelenke morgens nach dem Aufstehen (in der Regel werden sie erst nach über einer Stunde wieder beweglich)
    • Kraftlosigkeit: Da schmerzende, steife Gelenke oft weniger bewegt werden, können mit der Zeit auch die Muskeln schwächer werden.
    • Erschöpfung: Rheuma betrifft den ganzen Körper und führt daher oft zu Müdigkeit und allgemeinem Schwächegefühl.
    • Rheumaknoten: Wenn die Erkrankung fortschreitet, bilden sich manchmal kleine feste Knötchen unter der Haut. Sie sind meist unempfindlich gegenüber Druck oder Berührungen.

    Meist entzünden sich auf beiden Seiten des Körpers die gleichen Gelenke.

     

    Grafik: häufig von Rheuma betroffene Gelenke Rheuma: häufig betroffene Gelenke

     

    Rheumatoide Arthritis wird manchmal mit Arthrose verwechselt. Arthrose unterscheidet sich aber in verschiedenen Punkten von Rheuma:

    • Arthrose ist durch den altersbedingten Abbau von Gelenkknorpel bedingt – nicht durch Entzündungen.
    • Bei Arthrose sind andere Gelenke zuerst betroffen als bei Rheuma.
    • Bei Arthrose besteht nach Pausen tagsüber oft ein Anlaufschmerz. Er kann immer wieder auftreten, hält aber nur kurz an.
    • Bei Arthrose schmerzen die Gelenke vor allem bei Bewegung, nicht in Ruhe.

    Auch die Behandlung und der Verlauf der beiden Erkrankungen unterscheiden sich deutlich voneinander.

    Ursachen

    Die rheumatoide Arthritis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Abwehrsystem die Innenhaut der Gelenke angreift. Warum es zu dieser Autoimmunreaktion kommt, ist nicht genau bekannt.

    Ob jemand eine rheumatoide Arthritis bekommt oder nicht, hängt unter anderem mit der familiären Veranlagung zusammen. Es gibt auch Theorien, nach denen Autoimmunreaktionen durch eine Infektion mit bestimmten Viren oder Bakterien ausgelöst werden können.

    Rauchen trägt zur Entstehung einer rheumatoiden Arthritis bei und kann auch ihren Verlauf ungünstig beeinflussen. Andere Risikofaktoren, die sich durch das eigene Verhalten beeinflussen lassen, sind nicht bekannt.

    Häufigkeit

    In Deutschland haben etwa 1 % aller Erwachsenen eine rheumatoide Arthritis. Meist entwickelt sich die Krankheit nach dem 50. Lebensjahr. Nur selten tritt die Erkrankung früher auf; dann manchmal auch schon im Jugendalter.

    Frauen erkranken 2- bis 3-mal so häufig an Rheuma wie Männer, und im Durchschnitt etwa zehn Jahre früher. Zudem beeinträchtigt die Erkrankung Frauen oft stärker als Männer.

    Verlauf

    In der Regel zeigt sich Rheuma zunächst an den Fingermittel-, Fingergrund- oder Zehengrundgelenken, manchmal auch an den Ellbogen, Knöcheln oder Knien. Meistens sind auf beiden Körperseiten die gleichen Gelenke betroffen. Auch rumpfnahe Gelenke können sich entzünden, zum Beispiel die Schultern oder das Schlüsselbein.

     

    Grafik: Fingergelenke Fingergelenke

     

    Bei manchen Menschen macht sich die Erkrankung zunächst eher durch allgemeine Beschwerden bemerkbar, zum Beispiel durch Müdigkeit oder Appetitlosigkeit, manchmal auch leichtes Fieber.

    Eine rheumatoide Arthritis kann unterschiedlich verlaufen. So berichteten in einer Studie, an der Menschen mit rheumatoider Arthritis teilnahmen, zehn Jahre nach Beginn ihrer Erkrankung

    • knapp 50 % der Teilnehmenden von leichten Einschränkungen durch die rheumatoide Arthritis,
    • gut 40 % von mittelschweren Einschränkungen und
    • etwa 10 % von erheblichen Einschränkungen im Alltag.

    Gemeint sind zum Beispiel Schwierigkeiten beim Aufstehen, Anziehen oder bei der Zubereitung von Essen, etwa beim Öffnen von Verpackungen, Flaschen oder Gläsern.

    Die Beschwerden können mit der Zeit langsam zunehmen oder sich lange Zeit nicht verändern. Sie können aber auch in Schüben auftreten. Das heißt, dass Entzündung und Schmerzen plötzlich stärker werden und nach einiger Zeit wieder nachlassen. In Phasen mit starken Beschwerden oder bei weit fortgeschrittener Erkrankung kann es manchmal zu einer tiefgehenden Erschöpfung („Fatigue“) kommen.

    Folgen

    Im Spätstadium kann eine rheumatoide Arthritis zu erheblichen Gelenkschäden führen. Insbesondere die Gelenke an den Händen können sich stark verformen, schwach und unbeweglich werden. Durch eine rechtzeitige Behandlung mit sogenannten krankheitsmodifizierenden Medikamenten und regelmäßige Kontrollen lassen sich solche Spätfolgen heute aber meist vermeiden.

    Die Entzündungsprozesse können sich auch auf andere Bereiche des Körpers auswirken, zum Beispiel auf die Blutgefäße. Deshalb haben Menschen mit Rheuma zum Beispiel ein etwas höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dieses Risiko hängt aber größtenteils von anderen Faktoren ab, wie Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen und ungünstigen Cholesterinwerten.

    Auch die Tränen- oder Speicheldrüsen können sich entzünden und dann weniger Tränenflüssigkeit oder Speichel bilden. Sehr selten können Organe wie die Lunge, Leber oder Nieren beeinträchtigt werden.

    Diagnose

    Um eine rheumatoide Arthritis festzustellen, fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach Beschwerden wie schmerzhaften Gelenken, Morgensteifigkeit und allgemeinen Symptomen wie Müdigkeit oder Erschöpfung. An das Gespräch schließen sich verschiedene Untersuchungen an:

    • Körperliche Untersuchung: Die Gelenke werden abgetastet und auf Schwellungen und Bewegungseinschränkungen untersucht. Wichtig ist, welche Gelenke entzündet sind und seit wann. Die Ärztin oder der Arzt schaut auch nach anderen Hinweisen für Rheuma, wie zum Beispiel entzündete Tränendrüsen oder Rheumaknoten.
    • Blutuntersuchungen: Durch die Untersuchung einer Blutprobe lassen sich bestimmte Antikörper feststellen und Entzündungsreaktionen nachweisen.
    • Bildgebende Untersuchungen: Im Röntgen- oder Ultraschallbild zeigen sich Veränderungen an den Gelenken.

    Eine rheumatoide Arthritis frühzeitig festzustellen, kann schwierig sein, weil die Beschwerden in den ersten Wochen bis Monaten oft nur wenig ausgeprägt und nicht unbedingt typisch sind. Eine schon länger bestehende rheumatoide Arthritis ist leichter zu diagnostizieren, weil neben typischen körperlichen Symptomen oft bereits Veränderungen an den Gelenken sichtbar sind.

    Bei einem Verdacht auf rheumatoide Arthritis sind Fachärztinnen und -ärzte für Rheumatologie gute Ansprechpartner.

    Behandlung

    Eine rheumatoide Arthritis kann mit Medikamenten, Physio- und Ergotherapie behandelt werden. Zudem gibt es verschiedene Hilfsmittel, die bestimmte Alltagstätigkeiten erleichtern. Außerdem wird empfohlen, sich regelmäßig zu bewegen oder Sport zu treiben.

    Welche Behandlungen infrage kommen, hängt unter anderem davon ab,

    • wie stark die Entzündung und die Beschwerden sind,
    • wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist,
    • wie ihr Verlauf eingeschätzt wird und
    • wie gut bisherige Behandlungen geholfen haben.

    Heilen lässt sich Rheuma bislang nicht. Medikamente können aber

    • die Entzündung hemmen und das Fortschreiten der Erkrankung verzögern,
    • Symptome wie Schmerzen und Schwellungen lindern und
    • die Gelenkfunktion verbessern oder möglichst lange erhalten.

    Physiotherapie und Sport können die Beweglichkeit, Kraft und Gelenkfunktion verbessern oder erhalten. Gut eignen sich zum Beispiel Sportarten wie Radfahren, Walking, Tanzen, Gymnastik, leichtes Krafttraining, Schwimmen und Wassergymnastik.

    In einer Ergotherapie geht es vor allem darum, die Beweglichkeit und Muskelkraft der Hände zu erhalten und zu lernen, im Alltag mit der Erkrankung zurechtzukommen.

    Manchmal werden auch psychologische Verfahren eingesetzt, die helfen können, Schmerzen und Einschränkungen im alltäglichen Leben besser zu bewältigen. Außerdem sollen sie krankheitsbedingte Ängste und Depressionen lindern, mit denen manche Menschen zu tun haben.

    Bei einer fortgeschrittenen Arthritis können Hilfsmittel viele körperliche Einschränkungen ausgleichen und bei alltäglichen Tätigkeiten helfen. Dazu gehören zum Beispiel orthopädische Einlagen, Greifhilfen und speziell geformtes Besteck.

    Rehabilitation

    Wenn eine rheumatoide Arthritis über längere Zeit nicht in den Griff zu bekommen war, kommt eine Rehabilitation infrage. Sie soll dabei helfen, mit der Krankheit im Alltag besser zurechtzukommen, wieder am öffentlichen Leben teilzunehmen und die Arbeitsfähigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen. Eine Reha kommt aber auch für Rentnerinnen und Rentner infrage. Ziel ist dann, ein möglichst selbstständiges Leben zu erhalten und Pflegebedürftigkeit vorzubeugen.

    Bei einer Rehabilitation arbeiten verschiedene Fachkräfte zusammen, zum Beispiel aus Medizin (Rheumatologie), Physio- und Ergotherapie, Sozialarbeit und Psychologie. Eine Reha dauert in der Regel drei Wochen. Bei einer stationären Reha wohnt man während dieser Zeit in der Klinik. Bei einer ambulanten Reha wohnt man zu Hause und kommt tagsüber in die Klinik.

    Je nachdem, welches Ziel eine Rehabilitation hat, werden die Kosten von der gesetzlichen Renten-, Kranken- oder Unfallversicherung getragen. Voraussetzung ist in jedem Fall, dass eine Ärztin oder ein Arzt feststellt, dass eine Rehabilitation erforderlich ist und der Reha-Antrag durch den Kostenträger genehmigt wird.

    Leben und Alltag

    Rheuma und damit verbundene Probleme wie Schmerzen, Erschöpfung, Nebenwirkungen von Medikamenten und körperliche Einschränkungen können das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen. Viele Menschen mit Rheuma benötigen für Alltagstätigkeiten mehr Zeit und müssen sich öfter und länger ausruhen als andere. Häufige Arztbesuche, die korrekte Einnahme von Medikamenten, das Besorgen von Hilfsmitteln – all das braucht viel Zeit. Die Erschöpfung kann zudem dazu führen, dass Betroffene ein größeres Schlafbedürfnis haben, sich nicht so gut konzentrieren können und es ihnen schwerfällt, aktiv zu werden. Die Erkrankung kann mit Gefühlen wie Angst vor der Zukunft, Trauer über den Verlust körperlicher Fähigkeiten, aber auch Wut über die Erkrankung verbunden sein. Für andere ist das manchmal schwer nachvollziehbar.

    Viele Menschen lernen aber dennoch, so mit der Erkrankung umzugehen, dass ihre Beschwerden in den Hintergrund rücken und trotz aller Einschränkungen ein erfülltes Leben möglich ist.

    Weitere Informationen

    Für Menschen mit rheumatoider Arthritis gibt es in Deutschland zahlreiche Angebote zur Unterstützung. Dazu gehören Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Viele dieser Einrichtungen sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, passende Angebote zu finden und zu nutzen.

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Allen A, Carville S, McKenna F. Diagnosis and management of rheumatoid arthritis in adults: summary of updated NICE guidance. BMJ 2018; 362: k3015.

    Belbasis L, Dosis V, Evangelou E. Elucidating the environmental risk factors for rheumatic diseases: An umbrella review of meta-analyses. Int J Rheum Dis 2018; 21(8): 1514-1524.

    Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). Management der frühen rheumatoiden Arthritis (S3-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 060-002. 18.12.2019.

    Lindqvist E, Saxne T, Geborek P, Eberhardt K. Ten year outcome in a cohort of patients with early rheumatoid arthritis: health status, disease process, and damage. Ann Rheum Dis 2002; 61(12): 1055-1059.

    National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Rheumatoid Arthritis. National clinical guideline for management and treatment in adults. 11.07.2018. (NICE Guidelines; Band NG100).

    Smolen JS, Aletaha D, McInnes IB. Rheumatoid arthritis. Lancet 2016; 388(10055): 2023-2038.

    Smolen JS, Landewé RB, Bijlsma JW, Burmester GR, Dougados M, Kerschbaumer A et al. EULAR recommendations for the management of rheumatoid arthritis with synthetic and biological disease-modifying antirheumatic drugs: 2019 update. Ann Rheum Dis 2020 [Epub ahead of print].

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Helfen psychologische Verfahren und Patientenschulungen beim Umgang mit Rheuma?

    Patientenschulungen, psychologische Verfahren und die kognitive Verhaltenstherapie können helfen, im Alltag besser mit Rheuma zurechtzukommen. Häufig werden verschiedene Maßnahmen kombiniert, wie Entspannungstechniken, Stressbewältigung und das Erlernen von Strategien zur Einteilung der Kräfte und Planung im Alltag.

    Bei einer rheumatoiden Arthritis können bestimmte Gelenke langfristig oder dauerhaft entzündet sein. Dies kann zu Schmerzen, Schwellungen, Gelenksteifigkeit und Kraftlosigkeit führen. Hiervon sind zunächst oft die kleinen Gelenke an Händen, Fingern und Füßen betroffen. Es können sich aber auch die großen Gelenke entzünden, etwa die Knie-, Hüft- oder Schultergelenke.

    Häufig schwächen die Entzündungen den Körper. Es kommt zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl, das mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Appetitverlust einhergehen kann. Eine rheumatoide Arthritis kann alltägliche Tätigkeiten erschweren und viele Lebensbereiche beeinträchtigen. Dies kann psychisch belastend sein, Ängste und depressive Verstimmungen auslösen. Manche Menschen fühlen sich zunehmend hilflos – oft sind sie wegen ihrer Beschwerden außerstande, alltägliche Aufgaben im Haushalt zu erledigen oder an sozialen Aktivitäten teilzunehmen.

    Strategien zum Umgang mit der Erkrankung

    Es gibt verschiedene psychologische und psychotherapeutische Verfahren, die Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Rheuma helfen sollen, mit Schmerzen und anderen Beschwerden zurechtzukommen. Dazu gehören insbesondere

    • Entspannungstechniken wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder autogenes Training und
    • Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie.

    In einer kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) lernen Menschen, gedankliche Muster und Verhaltensweisen zu erkennen, die den Umgang mit der Erkrankung erschweren können, um diese dann gezielt zu verändern. In einer KVT geht es auch um praktische Hilfen: Zum Beispiel wird geübt, wie man sich die Kraft einteilen und Ziele setzen kann, die sich trotz Erkrankung erreichen lassen. Verhaltenstherapeutische Behandlungen werden häufig mit anderen Methoden wie Entspannungstechniken kombiniert. Auch im Rahmen von Patientenschulungen werden oft verschiedene Methoden angeboten.

    Studien zu psychologischer Unterstützung bei rheumatoider Arthritis

    Eine Wissenschaftlergruppe der Universität Leiden in den Niederlanden suchte nach Studien, die den Nutzen der zuvor beschriebenen Maßnahmen untersucht haben. Sie wertete die Ergebnisse von insgesamt 27 Studien aus, an denen zusammen gut 1600 Menschen mit Rheuma teilgenommen hatten.

    Betrachtet man alle Studien zusammen, zeigt sich, dass die untersuchten Verfahren Schmerzen etwas lindern konnten und die Teilnehmenden körperlich aktiver waren. Zudem hatten sie auch etwas weniger depressive Symptome. Auch nach mehreren Monaten hielten diese günstigen Wirkungen noch an. Die Forschungsarbeit einer anderen Wissenschaftlergruppe liefert Hinweise, dass die Behandlungen auch gegen Erschöpfung helfen können.

    Gegen depressive Stimmungen helfen offenbar besonders Methoden der sogenannten Selbstregulation. Mit ihrer Hilfe lernen Menschen, eigenständig mit den Beschwerden und Gefühlen umzugehen, die eine Erkrankung hervorruft. Dazu gehört zum Beispiel, sich persönliche Ziele zu setzen, diese umzusetzen und den Erfolg zu überprüfen.

    Quellen

    Cramp F, Hewlett S, Almeida C, Kirwan JR, Choy EH, Chalder T et al. Non-pharmacological interventions for fatigue in rheumatoid arthritis. Cochrane Database Syst Rev 2013; (8): CD008322.

    Knittle K, Maes S, de Gucht V. Psychological interventions for rheumatoid arthritis: examining the role of self-regulation with a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Arthritis Care Res (Hoboken) 2010; 62(10): 1460-1472.

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    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

    Mehr Wissen: Wie wird eine frühe rheumatoide Arthritis festgestellt?

    Rheuma frühzeitig festzustellen, kann schwierig sein. Denn in den ersten Wochen bis Monaten sind die Symptome oft nur wenig ausgeprägt und nicht unbedingt typisch. Rheuma möglichst früh zu erkennen, ist aber wichtig: Durch eine rechtzeitige Behandlung lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung eher aufhalten.

    Zu den eher unbestimmten Beschwerden im Frühstadium gehören allgemeine Schwäche, Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Gewichtsverlust. Eine leicht erhöhte Körpertemperatur sowie Muskel- und Knochenschmerzen können ebenfalls erste Krankheitszeichen sein. Es können aber auch schon rheumatypische Beschwerden wie geschwollene Gelenke auftreten.

    Eine genauere Untersuchung auf Rheuma wird spätestens dann empfohlen, wenn

    • drei oder mehr Gelenke seit mindestens sechs Wochen geschwollen sind,
    • auf beiden Körperseiten die gleichen Gelenke geschwollen sind und / oder
    • die Gelenke morgens nach dem Aufstehen mindestens eine Stunde steif sind.

    Rheuma frühzeitig festzustellen, kann schwierig sein. Denn in den ersten Wochen bis Monaten sind die Symptome oft nur wenig ausgeprägt und nicht unbedingt typisch. Rheuma möglichst früh zu erkennen, ist aber wichtig: Durch eine rechtzeitige Behandlung lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung eher aufhalten.

    Zu den eher unbestimmten Beschwerden im Frühstadium gehören allgemeine Schwäche, Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Gewichtsverlust. Eine leicht erhöhte Körpertemperatur sowie Muskel- und Knochenschmerzen können ebenfalls erste Krankheitszeichen sein. Es können aber auch schon rheumatypische Beschwerden wie geschwollene Gelenke auftreten.

    Eine genauere Untersuchung auf Rheuma wird spätestens dann empfohlen, wenn

    • drei oder mehr Gelenke seit mindestens sechs Wochen geschwollen sind,
    • auf beiden Körperseiten die gleichen Gelenke geschwollen sind und / oder
    • die Gelenke morgens nach dem Aufstehen mindestens eine Stunde steif sind.

    Wie erkennt man Rheuma im Frühstadium?

    Wenn es Anzeichen für eine rheumatoide Arthritis gibt, werden zunächst folgende Untersuchungen gemacht:

    • Bluttest auf Antikörper: Bestimmte Antikörper im Blut können auf eine rheumatoide Arthritis hinweisen. Dazu gehören die sogenannten Rheumafaktoren und die „Antikörper gegen citrullinierte Peptide / Proteine“ (ACPA).
    • Bluttest auf akute Entzündungsreaktionen: Zum einen lässt sich das C-reaktive Protein (CRP) bestimmen. Dieses Eiweiß setzt der Körper bei Entzündungen in erhöhtem Maße frei. Zum anderen kann die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) gemessen werden. Sie gibt an, wie schnell sich die roten Blutkörperchen in einem Reagenzglas am Boden absetzen. Bei Entzündungen sinken sie schneller ab.

    Wenn diese Untersuchungen den Rheuma-Verdacht erhärten, sind weitere Tests sinnvoll, einschließlich bildgebender Untersuchungen. Zu diesen gehören

    • Ultraschall: Eine Ultraschalluntersuchung kann frühe Anzeichen wie Flüssigkeitsansammlungen und Entzündungen sowie eine verstärkte Durchblutung der Gelenkschleimhaut sichtbar machen.
    • Röntgen: Eine Röntgenuntersuchung kann zeigen, ob bereits Schäden an den Knochen oder dem Knorpel bestehen.
    • Magnetresonanztherapie (MRT): Durch eine MRT lassen sich Knochen, Gelenke, Sehnen und Muskeln sehr genau darstellen. MRT-Bilder zeigen aber oft auch Auffälligkeiten, die nichts mit Rheuma zu tun haben.

    Entzündete Gelenke oder auffällige Werte aus Blutuntersuchungen allein haben zur Diagnose einer frühen rheumatoiden Arthritis nur eine begrenzte Aussagekraft. Sie können auch andere Ursachen haben. Wenn mehrere Anzeichen zusammenkommen, ist es wahrscheinlicher, dass es sich tatsächlich um eine rheumatoide Arthritis handelt.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). Management der frühen rheumatoiden Arthritis (S3-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 060-002. 18.12.2019.

    National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Rheumatoid Arthritis. National clinical guideline for management and treatment in adults. 11.07.2018. (NICE Guidelines; Band NG100).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Medikamente zur Vorbeugung von Gelenkschäden

    Eine rheumatoide Arthritis kann die Gelenke dauerhaft schädigen. „Krankheitsmodifizierende“ Medikamente können das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten. Sie helfen auch gegen Schmerzen und Schwellungen.

    Krankheitsmodifizierende Medikamente hemmen die Entzündungsprozesse in den Gelenken und beugen dadurch Gelenkschäden vor. Sie werden regelmäßig und dauerhaft angewendet – also nicht nur bei Beschwerden. Bis ihre Wirkung spürbar wird, dauert es mehrere Wochen oder Monate. Nach der englischen Bezeichnung „Disease-Modifying-Anti-Rheumatic-Drugs“ werden sie manchmal auch kurz „DMARDs“ genannt.

    Es gibt zwei große Gruppen krankheitsmodifizierender Medikamente: klassische Mittel und biotechnologisch hergestellte (Biologika).

    Eine rheumatoide Arthritis kann die Gelenke dauerhaft schädigen. „Krankheitsmodifizierende“ Medikamente können das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten. Sie helfen auch gegen Schmerzen und Schwellungen.

    Krankheitsmodifizierende Medikamente hemmen die Entzündungsprozesse in den Gelenken und beugen dadurch Gelenkschäden vor. Sie werden regelmäßig und dauerhaft angewendet – also nicht nur bei Beschwerden. Bis ihre Wirkung spürbar wird, dauert es mehrere Wochen oder Monate. Nach der englischen Bezeichnung „Disease-Modifying-Anti-Rheumatic-Drugs“ werden sie manchmal auch kurz „DMARDs“ genannt.

    Es gibt zwei große Gruppen krankheitsmodifizierender Medikamente: klassische Mittel und biotechnologisch hergestellte (Biologika).

    Was sind klassische krankheitsmodifizierende Medikamente?

    Am Anfang einer Behandlung mit krankheitsmodifizierenden Mitteln werden klassische Medikamente eingesetzt. Dazu gehören:

    • Methotrexat (MTX)
    • Leflunomid
    • (Hydroxy)Chloroquin
    • Sulfasalazin

    Von diesen Medikamenten gilt Methotrexat langfristig als am besten verträglich. Normalerweise wird die Therapie daher mit diesem Mittel begonnen. Methotrexat wird einmal pro Woche als Tablette eingenommen oder als Lösung gespritzt. Die übliche Dosis liegt – je nach Körpergewicht – bei 15 bis 25 mg und wird in den ersten Wochen langsam gesteigert.

    Die einzelnen klassischen krankheitsmodifizierenden Mittel wirken unterschiedlich, und auch nicht bei jedem Menschen gleich. Das heißt: Wenn ein Medikament nicht anschlägt oder schlecht vertragen wird, kommen andere infrage.

    Wie werden die Medikamente eingesetzt?

    Die Anwendung der Medikamente hängt von verschiedenen Faktoren ab: Zum Beispiel davon, wie der Verlauf der rheumatoiden Arthritis eingeschätzt wird, wie weit sie fortgeschritten ist und ob bestimmte Mittel nicht eingenommen werden können, etwa wegen anderer Erkrankungen.

    In der Regel beginnt die Behandlung als Basistherapie mit Methotrexat. Da es einige Zeit dauern kann, bis Methotrexat wirkt, wird das Mittel anfangs häufig mit dem Kortisonpräparat Prednisolon kombiniert. Nach einigen Wochen wird kontrolliert, ob die Behandlung hilft. Dazu werden körperliche Untersuchungen, Bluttests und manchmal auch Röntgenbilder gemacht.

    Nach sechs Monaten sollte das Behandlungsziel erreicht sein: ein vollständiger oder deutlicher Rückgang der Entzündungen. Wenn dies nicht gelungen ist, kann Methotrexat mit einem anderen klassischen krankheitsmodifizierenden Medikament oder einem Biologikum kombiniert werden. Falls die Methotrexat-Therapie nicht fortgesetzt werden kann, weil das Mittel nicht vertragen wird, lässt sich die Behandlung auch mit einem Biologikum allein fortsetzen.

    Die langfristige Behandlung mit einem krankheitsmodifizierenden Medikament soll Gelenkschäden möglichst verhindern oder lange hinauszögern. Manche Menschen müssen irgendwann das Mittel wechseln, weil sie es nicht gut vertragen oder weil es nicht mehr ausreichend wirkt. Bei anderen kann die Dosis und Anzahl der Medikamente irgendwann verringert werden. Einigen Menschen helfen krankheitsmodifizierende Medikamente allerdings nicht spürbar, sodass sie die Einnahme beenden.

    Wie wirksam sind Mittel wie Methotrexat?

    Studien zeigen, dass klassische krankheitsmodifizierende Medikamente Gelenkschäden vorbeugen und Beschwerden lindern können. In Studien zum Nutzen von Rheumamitteln wird die Behandlung als wirksam angesehen, wenn die Gelenkschwellungen zurückgehen und mindestens drei der folgenden Verbesserungen eintreten:

    • die Schmerzen lassen nach
    • Entzündungsreaktionen gehen zurück
    • die Gelenkfunktion verbessert sich
    • der Gesundheitszustand wird insgesamt besser bewertet

    Eine Auswertung von Studien zu Methotrexat über einen Zeitraum von einem Jahr zeigt zum Beispiel folgende Ergebnisse:

    • Bei 23 von 100 Menschen, die Methotrexat nahmen, gingen die Beschwerden um mindestens die Hälfte zurück.
    • Bei 8 von 100 Menschen, die zum Vergleich ein Scheinmedikament (Placebo) nahmen, gingen die Beschwerden im gleichen Ausmaß zurück.

    Die Behandlung mit Methotrexat bewirkte also, dass es 15 von 100 Menschen deutlich besser ging. Auch Beschwerden wie Morgensteifigkeit ließen bei deutlich mehr Menschen nach, wenn sie ein klassisches krankheitsmodifizierendes Medikament nahmen.

    Ob ein bestimmtes Mittel aus der Gruppe der klassischen krankheitsmodifizierenden Medikamente besser hilft als andere, ist nicht gut untersucht.

    Welche Nebenwirkungen können auftreten?

    Methotrexat wird am häufigsten eingesetzt, weil es meist am besten vertragen wird. Trotzdem kann es verschiedene Nebenwirkungen haben. Dazu gehören

    • Magen-Darm-Probleme und Übelkeit: bei etwa 5 von 100 Personen (vor allem zu Beginn der Einnahme).
    • Infektionen der oberen Atemwege: Etwa 12 von 100 Personen hatten innerhalb des ersten Jahres häufiger Erkältungen oder eine akute Bronchitis.
    • Haarausfall: bei etwa 5 von 100 Personen.
    • Entzündungen der Mundschleimhaut: bei etwa 4 von 100 Personen.

    Die meisten Menschen kommen mit den Nebenwirkungen gut zurecht. Bei 3 von 100 sind sie aber so ausgeprägt, dass sie die Behandlung deswegen abbrechen.

    Auch Leflunomid, Hydroxychloroquin und Sulfasalazin können Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden und Übelkeit auslösen. Leflunomid kann zudem zu einer Gewichtszunahme führen und den Blutdruck erhöhen, Sulfasalazin zu allergischen Hautreaktionen und Hydroxychloroquin zu Sehstörungen führen.

    Viele Menschen nehmen leichte Nebenwirkungen in Kauf, weil sie merken, dass ihnen die Behandlung hilft und sie im Alltag mit der Erkrankung besser zurechtkommen. Zudem treten leichte Nebenwirkungen oft nur vorübergehend auf. Das zeigt sich auch in Studien: Menschen, die diese Mittel nehmen, setzen die Behandlung insgesamt häufiger fort als Menschen, die ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff anwenden.

    Was kann man gegen Nebenwirkungen tun?

    Einige Nebenwirkungen von Methotrexat werden dadurch verursacht, dass das Mittel die Wirkung von Folsäure im Körper hemmt. Das Risiko für Nebenwirkungen lässt sich senken, wenn man zusätzlich einmal pro Woche niedrig dosierte Folsäure (5 bis 10 mg) einnimmt. In Studien konnte dadurch mehr als die Hälfte der Menschen, die Nebenwirkungen hatten, die Methotrexat-Behandlung fortsetzen.

    Spritzen unter die Haut oder in den Muskel sind eine andere Möglichkeit: Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall und Entzündungen der Mundschleimhaut treten bei dieser Anwendungsform seltener auf.

    Als Folge der erhöhten Infektionsanfälligkeit kann es eher zu Lungenentzündungen kommen. Sehr selten können die Medikamente auch andere ernsthafte Nebenwirkungen haben wie etwa Blutbildveränderungen oder Leberschäden. Um solche Nebenwirkungen rechtzeitig zu erkennen, werden während der Einnahme regelmäßig Blut- und Urinwerte kontrolliert. Grundsätzlich ist es wichtig, mit der Ärztin oder dem Arzt darüber zu sprechen, sobald Nebenwirkungen auftreten.

    Bei der Wahl der Medikamente ist es zudem wichtig, Vorerkrankungen zu berücksichtigen. Zum Beispiel kann Hydroxychloroquin sehr selten die Netzhaut schädigen und eignet sich daher nicht für Menschen mit Netzhauterkrankungen. Sulfasalazin kann zu allergischen Hautreaktionen führen und kann bei bestimmten Allergien nicht eingesetzt werden.

    Wann kommen Biologika infrage?

    Biologika werden aus lebenden Zellkulturen gewonnen. Sie hemmen zum Beispiel bestimmte Signalstoffe des körpereigenen Abwehrsystems und beeinflussen dadurch die rheumatischen Entzündungsprozesse. Die Mittel werden manchmal auch biologische krankheitsmodifizierende Medikamente genannt.

    Biologika kommen für Menschen infrage, denen eine Behandlung mit klassischen krankheitsmodifizierenden Medikamenten nicht ausreichend hilft. In der Regel werden die Mittel mit Methotrexat kombiniert. Wer Methotrexat nicht verträgt, kann die Behandlung auch direkt mit einem Biologikum beginnen. Alle bislang zugelassenen Biologika werden gespritzt oder als Infusion gegeben. Man kann sich diese Medikamente auch selbst unter die Haut spritzen.

    Die in Deutschland zugelassenen biologischen krankheitsmodifizierenden Medikamente sind:

    • Abatacept
    • Adalimumab
    • Anakinra
    • Certolizumab pegol
    • Etanercept
    • Golimumab
    • Infliximab
    • Rituximab
    • Tocilizumab

    Biologika können Schmerzen, Schwellungen und Morgensteifigkeit lindern und helfen bei Abgeschlagenheit. Auch sie können allerdings verschiedene Nebenwirkungen haben. An den Einstichstellen der Spritze oder Infusion kann es zu Hautausschlag, Juckreiz oder Schmerzen kommen. Atemwegsinfektionen sind ebenfalls möglich.

    Wenn zusätzlich zur Basistherapie mit Methotrexat ein Biologikum angewendet wird, sind innerhalb eines Jahres 16 von 100 Personen mehr beschwerdefrei oder haben deutlich weniger Beschwerden. Dafür kommt es bei zusätzlich 9 von 100 Personen zu einer Infektion, bei 2 von 100 zu einer schweren Infektion.

    Was ist bei einem Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft zu beachten?

    Methotrexat und Leflunomid können in der Schwangerschaft zu Fehlbildungen beim Ungeborenen führen. Es gibt Hinweise darauf, dass die Mittel bei Männern das Erbgut der Spermien schädigen könnten. Während der Therapie mit diesen Mitteln ist es daher wichtig, sicher zu verhüten. Auch nach Ende einer Behandlung mit Methotrexat sollte noch für sechs Monate sicher verhütet werden, bei Leflunomid sogar für zwei Jahre. In der Stillzeit dürfen Methotrexat und Leflunomid ebenfalls nicht eingenommen werden.

    Frauen mit Rheuma, die sich ein Kind wünschen, sprechen am besten schon vor einer Schwangerschaft mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt. Ein Beratungsgespräch ist spätestens dann nötig, wenn eine Frau erfährt, dass sie schwanger ist.

    Es gibt auch Hinweise darauf, dass Methotrexat die Fruchtbarkeit bei Frauen und Männern senken kann, solange das Mittel eingenommen wird. Auch Sulfasalazin kann die Spermienzahl bei Männern verringern.

    Quellen

    Götestam Skorpen C, Hoeltzenbein M, Tincani A, Fischer-Betz R, Elefant E, Chambers C et al. The EULAR points to consider for use of antirheumatic drugs before pregnancy, and during pregnancy and lactation. Ann Rheum Dis 2016; 75(5): 795-810.

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    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe bei rheumatoider Arthritis: Abschlussbericht; Auftrag A16-70. 23.07.2019. (IQWiG-Berichte; Band 795).

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    Smolen JS, Landewé RB, Bijlsma JW, Burmester GR, Dougados M, Kerschbaumer A et al. EULAR recommendations for the management of rheumatoid arthritis with synthetic and biological disease-modifying antirheumatic drugs: 2019 update. Ann Rheum Dis 2020 [Epub ahead of print].

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Schmerzmittel bei rheumatoider Arthritis

    Entzündungshemmende Schmerzmittel und Kortison können Rheumabeschwerden lindern. Sie schützen aber nicht vor Gelenkschäden. Sie eignen sich, um akute Schmerzen zu lindern und die Zeit zu überbrücken, bis die Wirkung krankheitsmodifizierender Mittel einsetzt.

    Krankheitsmodifizierende Medikamente können Entzündungsreaktionen im Körper hemmen und dadurch Gelenkschäden vorbeugen und Beschwerden lindern. Bis ihre Wirkung einsetzt, kann es allerdings mehrere Wochen dauern. In der Zwischenzeit können Rheumabeschwerden durch Schmerzmittel und Kortisonpräparate gelindert werden.

    Entzündungshemmende Schmerzmittel und Kortison können Rheumabeschwerden lindern. Sie schützen aber nicht vor Gelenkschäden. Sie eignen sich, um akute Schmerzen zu lindern und die Zeit zu überbrücken, bis die Wirkung krankheitsmodifizierender Mittel einsetzt.

    Krankheitsmodifizierende Medikamente können Entzündungsreaktionen im Körper hemmen und dadurch Gelenkschäden vorbeugen und Beschwerden lindern. Bis ihre Wirkung einsetzt, kann es allerdings mehrere Wochen dauern. In der Zwischenzeit können Rheumabeschwerden durch Schmerzmittel und Kortisonpräparate gelindert werden.

    Welche Vor- und Nachteile haben nicht steroidale Antirheumatika (NSAR)?

    Entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR können gegen Gelenkschmerzen helfen. Zu diesen Mitteln gehören:

    • Celecoxib
    • Diclofenac
    • Etoricoxib
    • Ibuprofen
    • Naproxen

    In Studien linderten diese Mittel die Beschwerden bei etwa 15 von 100 Personen.

    Mögliche Nebenwirkungen entzündungshemmender Schmerzmitteln sind:

    • Magenverstimmungen: bei etwa 3 von 100 Personen.
    • Magengeschwüre und Magenblutungen: bei bis zu 2 von 100 Personen, die über ein Jahr NSAR nehmen.
    • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: bei bis zu einer von 100 Personen, die über ein Jahr NSAR nehmen.

    Wie hoch das Risiko für Nebenwirkungen und Komplikationen ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der eingesetzten Dosis und dem Wirkstoff. Celexocib und Etoricoxib führen seltener zu Magenbeschwerden als andere NSAR.

    Mit Ausnahme von ASS können NSAR das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte etwas erhöhen. Bei Naproxen ist dieses Risiko am geringsten. Daher ist es für Menschen mit Rheuma und einer Herz-Kreislauf-Erkrankung am besten geeignet.

    Bei langfristiger Einnahme können NSAR Magengeschwüre verursachen. Dies macht sich in der Regel durch drückende Schmerzen im Oberbauch bemerkbar, die vor allem nach dem Essen auftreten, wenn der Magen mehr Säure produziert. Manchmal bleibt ein Geschwür aber auch unbemerkt und wird erst festgestellt, wenn es zu ernsthaften Komplikationen wie einer Magenblutung kommt.

    Wann ist das Risiko für Nebenwirkungen erhöht?

    Magengeschwüre oder Blutungen treten eher bei Menschen auf, die

    • über 65 Jahre alt sind,
    • andere ernsthafte Erkrankungen haben, insbesondere Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa,
    • bereits eine Gastritis, ein Magengeschwür oder eine Magenblutung hatten,
    • eine Infektion mit Helicobacter-pylori-Bakterien haben,
    • viel Alkohol trinken,
    • gerinnungshemmende Herzmedikamente einnehmen, zum Beispiel Antikoagulanzien wie „Marcumar“ oder Acetylsalicylsäure (ASS wie in „Aspirin“),
    • ein Antidepressivum aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI),
    • Kortikosteroide (Kortison) oder
    • mehrere entzündungshemmende Schmerzmittel gleichzeitig einnehmen.

    Für Menschen mit Nierenerkrankungen können NSAR unter Umständen ebenfalls problematisch sein.

    Wie kann man Nebenwirkungen vermeiden?

    NSAR sollten nur bei Bedarf und nicht über längere Zeit eingenommen werden – also nur, wenn es bei akuten Schmerzen nötig ist. Wichtig ist, sie möglichst niedrig zu dosieren und die tägliche Höchstdosis nicht zu überschreiten. Wer NSAR in Erwägung zieht, bespricht am besten mit einer Ärztin oder einem Arzt, welches Mittel und welche Dosierung geeignet ist.

    Das Risiko für Komplikationen des Magen-Darm-Trakts lässt sich deutlich senken, wenn NSAR zusammen mit Mitteln zum Schutz der Magenschleimhaut eingenommen werden. Dazu gehören insbesondere sogenannte Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol und Pantoprazol.

    Eine Alternative ist, Diclofenac oder Ibuprofen als Salbe oder Gel auf die schmerzenden Gelenke aufzutragen. Das Risiko für Nebenwirkungen ist dann deutlich geringer als bei der Tabletten-Einnahme.

    Hilft Paracetamol bei Rheuma?

    Das Schmerzmittel Paracetamol hat nur eine schwache entzündungshemmende Wirkung. Studien zeigen, dass es bei Rheuma kaum hilft und Schmerzen deutlich weniger gut lindert als NSAR.

    Wenn man dennoch Paracetamol nimmt, ist es wichtig, auf die richtige Anwendung zu achten. In höherer Dosierung kann es Leber und Nieren schädigen. Daher sollen Erwachsene laut Beipackzettel nicht mehr als höchstens 4 Gramm (4000 mg) pro Tag einnehmen. Dies entspricht zum Beispiel 8 Tabletten mit je 500 mg Paracetamol. Zudem wird empfohlen, zwischen der Einnahme der Tabletten einen Abstand von mindestens sechs Stunden einzuhalten. Die maximale Tagesdosis wäre also erreicht, wenn jemand über einen Tag verteilt im Abstand von sechs Stunden jeweils zwei Tabletten mit je 500 mg Paracetamol einnimmt.

    Wann ist eine Behandlung mit Kortison sinnvoll?

    Kortisonpräparate (auch: Glukokortikoide) wie zum Beispiel Prednisolon helfen gegen Schmerzen und Gelenkschwellungen. Ihre Wirkung setzt schnell ein und ist stärker als die von NSAR. Sie können helfen, die Zeit zu überbrücken, bis die Basistherapie mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten wirkt. Sie können auch zur vorübergehenden Behandlung von Rheumaschüben eingesetzt werden. Es wird aber empfohlen, die Behandlung auf 3 bis 6 Monate zu begrenzen – auch weil die Wirksamkeit der Mittel mit der Zeit nachlassen kann.

    Kortisonpräparate können eine Reihe von ernsthaften Nebenwirkungen haben, wenn sie längerfristig eingenommen werden. Unter anderem können sie dann das Risiko für Knochenbrüche erhöhen und Infektionen auslösen. Für Menschen mit Osteoporose kann es sinnvoll sein, sie mit anderen Mitteln zu kombinieren, wie Kalzium- und Vitamin-D-Präparaten. Wenn die Behandlung mit Kortison zu schnell beendet wird, können sich die Beschwerden zudem verstärken. Deshalb ist es wichtig, die Dosis langsam zu verringern.

    Kortisonpräparate können auch als örtliche Behandlung in einzelne Gelenke gespritzt werden, um stärker entzündete Gelenke gezielt zu behandeln. Das Risiko von Nebenwirkungen, die den gesamten Körper betreffen, ist bei dieser Anwendung geringer. Trotzdem können örtliche Nebenwirkungen auftreten, wie eine Infektion im betroffenen Gelenk. Allerdings gibt es bislang nur wenige aussagekräftige Studien, in denen die Vor- und Nachteile solcher Spritzen untersucht wurden.

    Quellen

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    Mehr Wissen: Hilfsmittel für Menschen mit rheumatoider Arthritis

    Von Gehhilfen über Anziehhilfen bis hin zu speziellem Besteck: Für Menschen mit Rheuma gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die das tägliche Leben erleichtern können. Oft können die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden.

    Bei einer rheumatoiden Arthritis sind bestimmte Gelenke dauerhaft entzündet. Sie können anschwellen und schmerzen, steif werden und sich mit der Zeit verformen. Auch die Muskelkraft kann allmählich nachlassen. Wenn die Finger schwächer werden und festes Zugreifen nicht mehr möglich ist, wird es schwierig, Gegenstände in der Hand zu halten. Selbst einfache Tätigkeiten wie das Anziehen oder Essen und Trinken können dann beschwerlich werden.

    Hilfsmittel können körperliche Einschränkungen ausgleichen und im Alltag helfen. Ergotherapeutinnen und -therapeuten beraten bei der Auswahl von Hilfsmitteln und helfen dabei, den Umgang mit ihnen zu erlernen. Auch Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen wie Orthopädie, Rheumatologie und Geriatrie kennen sich mit Hilfsmitteln aus. Reha-Kliniken geben ebenfalls Informationen zu Hilfsmitteln. Dort kann man sie auch ausleihen und ausprobieren, denn nicht jedes Hilfsmittel eignet sich für jeden Menschen mit Rheuma gleich gut.

    Von Gehhilfen über Anziehhilfen bis hin zu speziellem Besteck: Für Menschen mit Rheuma gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die das tägliche Leben erleichtern können. Oft können die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden.

    Bei einer rheumatoiden Arthritis sind bestimmte Gelenke dauerhaft entzündet. Sie können anschwellen und schmerzen, steif werden und sich mit der Zeit verformen. Auch die Muskelkraft kann allmählich nachlassen. Wenn die Finger schwächer werden und festes Zugreifen nicht mehr möglich ist, wird es schwierig, Gegenstände in der Hand zu halten. Selbst einfache Tätigkeiten wie das Anziehen oder Essen und Trinken können dann beschwerlich werden.

    Hilfsmittel können körperliche Einschränkungen ausgleichen und im Alltag helfen. Ergotherapeutinnen und -therapeuten beraten bei der Auswahl von Hilfsmitteln und helfen dabei, den Umgang mit ihnen zu erlernen. Auch Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen wie Orthopädie, Rheumatologie und Geriatrie kennen sich mit Hilfsmitteln aus. Reha-Kliniken geben ebenfalls Informationen zu Hilfsmitteln. Dort kann man sie auch ausleihen und ausprobieren, denn nicht jedes Hilfsmittel eignet sich für jeden Menschen mit Rheuma gleich gut.

    Welche Hilfsmittel gibt es?

    Hilfsmittel können bei unterschiedlichen Tätigkeiten eingesetzt werden:

    • Gehen und Stehen: Orthopädische Hilfsmittel wie Schuheinlagen und spezielle orthopädische Schuhe sollen die Fußstellung im Schuh verändern und dadurch die Fußgelenke entlasten. Gehhilfen wie gut zu greifende Gehstöcke, Gehgestelle und Rollatoren können die Fortbewegung in und außerhalb der Wohnung erleichtern.
    • Essen und Trinken: Messer, Gabeln und Löffel mit besonders großen Griffen aus Gummi oder Schaumstoff lassen sich leichter greifen und festhalten. Abgewinkelte Messer können beim Schneiden helfen, speziell geformte Dosen- und Flaschenöffner beim Öffnen. Es werden auch spezielle Trinkgefäße sowie Halter für Becher und Gläser angeboten.
    • Anziehen: Verschiedene Arten von Anziehhilfen erleichtern es, Socken, Strümpfe und Hosen anzuziehen. Es gibt auch Knöpfhilfen und an der Wand zu montierende Gestelle, um Oberteile leichter anziehen zu können.
    • Körperpflege: Duschhocker oder Badewannenlifter können die Körperpflege vereinfachen. Für Menschen mit Bewegungseinschränkungen gibt es auch Kämme, Bürsten und Badeschwämme mit langen Griffen.
    • Arbeiten: Spezielle Tastaturen und Schreibhilfen können die Büroarbeit erleichtern. Keilkissen für den Schreibtischstuhl sollen die Wirbelsäule entlasten.
    • Greifhilfen: Griffaufsätze und -verlängerungen werden auf Gegenstände gesteckt, um das Greifen, Halten oder Bedienen zu erleichtern. Es gibt sie unter anderem für Besteck, Schlüssel, Türklinken, Kugelschreiber und Wasserhähne. Außerdem sind spezielle Greifhilfen erhältlich. Rutschfeste Unterlagen verhindern zum Beispiel, dass Teller oder Schneidbretter wegrutschen. Matten schützen davor, in Küche und Bad auszurutschen.

    Wer übernimmt die Kosten für Hilfsmittel?

    Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) kann die Kosten für Hilfsmittel bis auf einen Eigenanteil übernehmen. Voraussetzung für die Kostenübernahme ist, dass das Hilfsmittel von einer Ärztin oder einem Arzt verordnet und von der Krankenkasse genehmigt wurde. Die Krankenkasse prüft zum Beispiel, ob das Hilfsmittel geeignet ist, eine Beeinträchtigung auszugleichen. Genehmigte Hilfsmittel kann man in der Regel über Sanitätshäuser und Apotheken beziehen, die einen Hilfsmittel-Versorgungsvertrag mit der Krankenkasse haben. Über Bezugsadressen informiert die Krankenkasse.

    Wenn jemand pflegebedürftig ist und in eine Pflegestufe eingestuft wurde, kann auch die Pflegeversicherung die Kosten für Hilfsmittel übernehmen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Hilfsmittel wie etwa Handläufe im Flur die Sicherheit in der Wohnung oder im Wohnumfeld verbessert. Der Einbau eines Treppenlifts kann sogar helfen, einen Umzug zu vermeiden.

    Hilfsmittel, die die Teilhabe am Arbeitsleben erhalten sollen, können unter anderem von der Rentenversicherung bezahlt werden – etwa eine spezielle Computer-Tastatur. Auch für solche Hilfsmittel muss ein Antrag gestellt werden.

    Unter bestimmten Voraussetzungen können auch andere Träger wie das Sozialamt oder die Unfallversicherung die Kosten für Hilfsmittel übernehmen.

    Ärztinnen und Ärzte, Kranken- und Pflegekassen beraten und informieren darüber, welcher Kostenträger im Einzelfall zuständig ist. Weitere Informationen finden sich auch auf folgenden Websites:

    • Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation
    • Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung
    • Deutsche Rentenversicherung
    • GKV-Hilfsmittelverzeichnis

    Das GKV-Hilfsmittelverzeichnis enthält Hilfsmittel, die grundsätzlich von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden können.

    Quellen

    GKV-Spitzenverband. Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands. 03.2014.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Bewegung und Sport bei rheumatoider Arthritis

    Für Menschen mit Rheuma lohnt es sich, körperlich aktiv zu bleiben: Bewegung und Sport erhalten die Fitness und Kraft, außerdem helfen sie gegen rheumabedingte Erschöpfung. Es gibt verschiedene gelenkschonende Sportarten, die sich bei Rheuma eignen.

    Körperliche Aktivität ist wichtig, um die Gelenke möglichst beweglich zu erhalten. Bewegung und Sport haben zudem noch andere Vorteile: Sie stärken die Muskeln und Knochen sowie das Herz-Kreislauf-System. Kraft und Ausdauer helfen auch im Alltag – zum Beispiel beim Treppensteigen.

    Schmerzen und Erschöpfung können ein Training vor allem anfangs erschweren, wenn der Körper noch nicht daran gewöhnt ist. Wichtig ist deshalb, sich nicht zu überfordern und die Belastung an die Beschwerden und das Erkrankungsstadium anzupassen. Das gilt auch bei akuten Krankheitsschüben.

    Welche Übungen je nach Situation geeignet sind, lässt in einer ärztlichen, physio- oder ergotherapeutischen Beratung klären.

    Für Menschen mit Rheuma lohnt es sich, körperlich aktiv zu bleiben: Bewegung und Sport erhalten die Fitness und Kraft, außerdem helfen sie gegen rheumabedingte Erschöpfung. Es gibt verschiedene gelenkschonende Sportarten, die sich bei Rheuma eignen.

    Körperliche Aktivität ist wichtig, um die Gelenke möglichst beweglich zu erhalten. Bewegung und Sport haben zudem noch andere Vorteile: Sie stärken die Muskeln und Knochen sowie das Herz-Kreislauf-System. Kraft und Ausdauer helfen auch im Alltag – zum Beispiel beim Treppensteigen.

    Schmerzen und Erschöpfung können ein Training vor allem anfangs erschweren, wenn der Körper noch nicht daran gewöhnt ist. Wichtig ist deshalb, sich nicht zu überfordern und die Belastung an die Beschwerden und das Erkrankungsstadium anzupassen. Das gilt auch bei akuten Krankheitsschüben.

    Welche Übungen je nach Situation geeignet sind, lässt in einer ärztlichen, physio- oder ergotherapeutischen Beratung klären.

    Welche Sportarten eignen sich bei Rheuma?

    Sport- und Trainingsarten, die sich bei Rheuma eignen, sind zum Beispiel:

    • Kräftigungsübungen: Etwa Übungen mit leichten Gewichten zur Stärkung der Bein-, Arm- und Rückenmuskulatur.
    • Ausdauertraining: Sportarten zur Stärkung von Herz und Lunge wie Walking, Radfahren, Schwimmen und Tanzen.
    • Gymnastik und Wassergymnastik
    • Tai Chi (Schattenboxen)
    • Yoga

    Grundsätzlich kommen bei Rheuma alle Aktivitäten infrage, die die Gelenke nicht übermäßig belasten. Studien zeigen, dass Sport für die meisten Menschen mit Rheuma kein Risiko darstellt. Wenn die Gelenke bereits sehr geschädigt sind, sollte zu intensives Training aber vermieden werden. Es gibt Hinweise, dass es Gelenkschäden dann noch begünstigen kann.

    Bei der Wahl einer Sportart spielen die eigenen Vorlieben eine wichtige Rolle. Denn um etwas bewirken zu können, muss man regelmäßig trainieren. Bewegung zu einem festen Bestandteil des Alltags zu machen, gelingt viel leichter, wenn die Sportart Freude macht und man sich danach wohl fühlt.

    Kann die Krankenkasse die Trainingskosten übernehmen?

    Für Menschen mit Rheuma besteht die Möglichkeit, für bis zu 24 Monate ein sogenanntes Funktionstraining in der Gruppe in Anspruch zu nehmen. Dabei handelt es sich um Gymnastik oder Wassergymnastik, die meist von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten angeleitet wird. Diese Kurse sind speziell auf die Erfordernisse bei Erkrankungen wie Rheuma zugeschnitten. Zudem fällt vielen Menschen der Sport in einer Gruppe leichter.

    Damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt, muss der Veranstalter von der Kasse anerkannt sein. Außerdem braucht man ein ärztliches Rezept. Die Ärztin oder der Arzt kann das Funktionstraining auf einem speziellen Formular verordnen, ohne sein Budget zu belasten.

    Auch der sogenannte Rehasport zur Verbesserung von Ausdauer, Kraft, Koordination und Beweglichkeit kann ärztlich verordnet und von der Kasse übernommen werden. Rehasport wird ebenfalls in der Gruppe angeboten, in der Regel an 50 Terminen über 18 Monate.

    Weitere Informationen zu Trainingsmöglichkeiten bieten zum Beispiel Selbsthilfegruppen für Menschen mit Rheuma.

    Was zeigen Studien zu unterschiedlichen Sportarten?

    Körperliche Aktivität kann die Fitness, Kraft und allgemeine Beweglichkeit verbessern. Eine zusammenfassende Auswertung von Studien zeigt außerdem, dass sie rheumabedingte Erschöpfung lindern kann.

    Kräftigungsübungen

    Eine Reihe von Studien hat die Wirkung von Kräftigungsübungen untersucht, insbesondere zur Stärkung der Arm- und Beinmuskulatur. Dabei trainierten die Teilnehmenden 2- bis 3-mal pro Woche 30 bis 60 Minuten mit leichten Gewichten oder Geräten. Das Training konnte ihre Kraft verbessern und die Beeinträchtigung durch Rheuma etwas verringern. Dadurch fielen ihnen alltägliche Aktivitäten wie etwa Ankleiden, Waschen oder das Hantieren mit Besteck und Geschirr beim Essen leichter. Auf ihre Schmerzen hatte das Training jedoch keinen Einfluss.

    Ausdauertraining

    Andere Studien untersuchten die Wirkung von Ausdauertraining bei Rheuma. Auch hier fand das Training in der Regel 2- bis 3-mal pro Woche statt und dauerte meist zwischen 45 und 60 Minuten. Es wurden verschiedene Arten von Ausdauersport geprüft, zum Beispiel Radfahren oder Schwimmen, oft in Kombination mit anderen Übungen. Trainiert wurde jeweils bei einer moderaten Belastung – die zwar anstrengend ist, den Puls aber nicht zu stark beschleunigt.

    Auch das Ausdauertraining zeigte günstige Wirkungen: Es verbesserte die Lebensqualität, konnte Einschränkungen im alltäglichen Leben leicht verringern und auch Schmerzen etwas lindern.

    Wassergymnastik

    Menschen mit Gelenkerkrankungen wird häufig Wassergymnastik empfohlen, da bei Übungen im Wasser kaum Druck auf den Gelenken lastet. Die Wirkung von Wassergymnastik wurde in einigen Studien untersucht. Die Forschungsergebnisse reichen aber bislang nicht aus, um zu beurteilen, ob Wassergymnastik rheumatische Beschwerden wie Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern kann.

    Tai Chi und Yoga

    Es gibt kaum Studien zu Tai Chi und Yoga bei Rheuma. Daher lässt sich ihre Wirkung wissenschaftlich noch nicht beurteilen.

    Quellen

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    Mehr Wissen: Leben und Umgang mit Erschöpfung (Fatigue)

    Bei Rheuma sind bestimmte Gelenke dauerhaft entzündet. Die Entzündungsprozesse im Körper können zu einem allgemeinen Schwächegefühl, zu Abgeschlagenheit und Erschöpfung führen. Diese tiefgehende Müdigkeit wird „Fatigue“ genannt. Für manche Menschen ist sie die größte Belastung, die mit der Krankheit einhergeht.

    Typische rheumatische Beschwerden sind Gelenkschmerzen und -schwellungen, später Gelenkversteifung und Kraftlosigkeit. Unbestimmte Beschwerden wie Abgeschlagenheit treten oft schon früher auf. Eine rheumatoide Arthritis kann sich aber sehr unterschiedlich äußern und verlaufen. Zudem gehen Menschen ganz verschieden mit Erkrankungen um. So sehr sich das Erleben der Beschwerden und der Umgang mit der Erkrankung aber unterscheiden, gibt es doch Erfahrungen, die viele Menschen mit rheumatoider Arthritis teilen.

    Bei Rheuma sind bestimmte Gelenke dauerhaft entzündet. Die Entzündungsprozesse im Körper können zu einem allgemeinen Schwächegefühl, zu Abgeschlagenheit und Erschöpfung führen. Diese tiefgehende Müdigkeit wird „Fatigue“ genannt. Für manche Menschen ist sie die größte Belastung, die mit der Krankheit einhergeht.

    Typische rheumatische Beschwerden sind Gelenkschmerzen und -schwellungen, später Gelenkversteifung und Kraftlosigkeit. Unbestimmte Beschwerden wie Abgeschlagenheit treten oft schon früher auf. Eine rheumatoide Arthritis kann sich aber sehr unterschiedlich äußern und verlaufen. Zudem gehen Menschen ganz verschieden mit Erkrankungen um. So sehr sich das Erleben der Beschwerden und der Umgang mit der Erkrankung aber unterscheiden, gibt es doch Erfahrungen, die viele Menschen mit rheumatoider Arthritis teilen.

    Wie kann Fatigue das Leben verändern?

    Fatigue ist etwas anderes als normale Müdigkeit. Betroffene beschreiben sie als überwältigend und unkontrollierbar. Sie fühlen sich ausgezehrt und energielos, manchmal sogar apathisch.

    Eine Fatigue kann das Schlafbedürfnis erhöhen, zu Konzentrationsproblemen und Antriebsschwäche führen. Sich dauernd erschöpft zu fühlen und nicht mehr so aktiv leben zu können wie zuvor, kann zudem auf das Gemüt schlagen: Manche Betroffene fühlen sich niedergeschlagen, reizbar oder ängstlich. Für andere ist das manchmal schwer nachvollziehbar.

    Die Stärke der Beschwerden kann stark schwanken. Dann ist es schwierig, das Leben zu planen. Man weiß nicht, wie man sich am nächsten Tag fühlt und ob die Beschwerden nachlassen oder zunehmen. Menschen mit Rheuma haben daher das Gefühl, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren. Wenn die Erschöpfung zu groß wird, kann auch für einfache Alltagstätigkeiten oder zum Spielen mit Kindern oder Enkeln die Energie fehlen. Termine müssen abgesagt, liebgewonnene Aktivitäten manchmal aufgegeben werden.

    Diese Krankheitsfolgen können auch das Selbstbild und die Rolle in Partnerschaft, Familie und Beruf verändern. Für viele Menschen ist gegenseitiges Geben und Nehmen ein wichtiger Teil familiärer Beziehungen und Freundschaften. Die Krankheit kann es jedoch erschweren, sich wie gewohnt um andere zu kümmern – und dazu führen, dass man selbst zunehmend auf Hilfe angewiesen ist. Eine Fatigue kann auch die Partnerschaft belasten, weil es schwieriger wird, gemeinsame Pläne umzusetzen. Mit der Erschöpfung kann zudem die Lust auf Sex abnehmen.

    Auch bei der Arbeit kann es schwer sein, damit zurechtzukommen, dass man nicht mehr so belastbar ist wie zuvor. Dies kann zum Beispiel mehr Pausen oder eine neue Aufgabenteilung erforderlich machen.

    Wie gehen Menschen mit der Erschöpfung um?

    Viele Menschen lernen mit der Zeit, ihre Energie besser einzuteilen und die Veränderungen zu akzeptieren, die mit der Erkrankung einhergehen. Sie nehmen die Zeichen ihres Körpers stärker wahr und passen ihre Aktivitäten an die Beschwerden an.

    Neben Phasen, in denen die Krankheit im Vordergrund steht, gibt es meist auch Zeiten, in denen ein weitgehend normales Leben möglich ist. Vielen Menschen hilft es, die Erkrankung als Teil ihres Lebens zu betrachten und sich neue Ziele zu setzen, die sie trotz Krankheit erreichen können. Manche Menschen berichten auch, dass sie durch die Erkrankung gelernt haben, bewusster zu leben.

    Menschen mit Rheuma haben in Interviews von verschiedenen praktischen Maßnahmen berichtet, die ihnen helfen, mit der Fatigue zurechtzukommen:

    • Lernen, auch mal nein zu sagen. Sich nicht zu viel auf einmal vornehmen. Die eigenen Ziele überdenken und anpassen.
    • Aktivitäten gut planen, sich Zeit lassen, Anstrengendes über die Woche verteilen.
    • Pausen einlegen, bevor die Erschöpfung zu groß wird.
    • Früh ins Bett gehen, einen Mittagsschlaf machen, Entspannungstechniken erlernen.
    • Nicht zu den Stoßzeiten unterwegs sein, ob zum Einkaufen oder auf Reisen.
    • Mit anderen Menschen über die Erkrankung sprechen, damit sie ihre Auswirkungen besser verstehen können.
    • Sich mit anderen Betroffenen austauschen, um aus ihren Erfahrungen zu lernen.

    Hilft körperliche Aktivität gegen Fatigue?

    Manche Menschen mit Fatigue versuchen, ihre Ausdauer durch leichtes körperliches Training zu verbessern und dadurch die Müdigkeit zu überwinden. Dabei kommen verschiedene Aktivitäten infrage, zum Beispiel Gymnastik, Kräftigungsübungen, Yoga, Tai Chi, zügiges Gehen, Radfahren, Wassergymnastik oder Schwimmen. Dies kann auch im Rahmen einer Bewegungstherapie geschehen.

    Eine zusammenfassende Auswertung von Studien zu verschiedenen Bewegungsarten zeigt, dass körperliche Aktivität bei Fatigue helfen kann: Etwa 15 von 100 Menschen fühlten sich durch das Training weniger erschöpft. Welche Form der Bewegung sich am besten eignet, ist jedoch bislang unklar.

    Welche Behandlungen können bei Fatigue helfen?

    Manchmal bleibt die Fatigue trotz Anpassungen im Alltag, körperlichem Training und Unterstützung durch andere eine große Belastung. Dann kann professionelle Unterstützung infrage kommen, etwa im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung oder einer Ergotherapie. Für Menschen, die aufgrund von Autoimmunerkrankungen wie Rheuma mit Fatigue zu tun haben, wurden spezielle Programme entwickelt. Sie sollen zum Beispiel helfen, Aktivitäten zu planen und die eigenen Kräfte vorausschauend einzuteilen.

    Auch im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) kann man Strategien erlernen, die beim Umgang mit Fatigue helfen. Dabei geht es unter anderem darum, Gedanken, Überzeugungen und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern, die einem das Leben mit der Erkrankung erschweren.

    Studien zu nichtmedikamentösen Behandlungen zeigen, dass solche Methoden aus der Ergotherapie und Psychotherapie bei Erschöpfung helfen können.

    Quellen

    Cramp F, Hewlett S, Almeida C, Kirwan JR, Choy EH, Chalder T et al. Non-pharmacological interventions for fatigue in rheumatoid arthritis. Cochrane Database Syst Rev 2013; (8): CD008322.

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    Nikolaus S, Bode C, Taal E, van de Laar MA. New insights into the experience of fatigue among patients with rheumatoid arthritis: a qualitative study. Ann Rheum Dis 2010; 69(5): 895-897.

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Leben und Alltag mit rheumatoider Arthritis

    Rheuma kann zu Gelenkschmerzen und -schwellungen, Einschränkungen der Beweglichkeit und Kraftlosigkeit führen. Allgemeine Schwäche, Schlafstörungen und Erschöpfung kommen oft hinzu. All diese Beschwerden können das Alltagsleben und das Wohlbefinden stark beeinträchtigen.

    Mit Rheuma zu leben ist auch deshalb nicht immer einfach, weil die Symptome oft unberechenbar sind: Ob die Beschwerden morgen stärker oder schwächer sein werden, ist kaum einzuschätzen. Ein schlechter Tag mit Rheuma kann sehr belastend sein und manche Menschen haben dann das Gefühl, in ein tiefes Loch zu fallen. Hinzu kommen oft Sorgen um die Zukunft, denn es lässt sich nicht sicher vorhersagen, wie sich die Erkrankung bei einem Menschen entwickeln wird. Verschiedene Behandlungen können das Fortschreiten der Erkrankung aber aufhalten oder verlangsamen.

    Rheuma kann zu Gelenkschmerzen und -schwellungen, Einschränkungen der Beweglichkeit und Kraftlosigkeit führen. Allgemeine Schwäche, Schlafstörungen und Erschöpfung kommen oft hinzu. All diese Beschwerden können das Alltagsleben und das Wohlbefinden stark beeinträchtigen.

    Mit Rheuma zu leben ist auch deshalb nicht immer einfach, weil die Symptome oft unberechenbar sind: Ob die Beschwerden morgen stärker oder schwächer sein werden, ist kaum einzuschätzen. Ein schlechter Tag mit Rheuma kann sehr belastend sein und manche Menschen haben dann das Gefühl, in ein tiefes Loch zu fallen. Hinzu kommen oft Sorgen um die Zukunft, denn es lässt sich nicht sicher vorhersagen, wie sich die Erkrankung bei einem Menschen entwickeln wird. Verschiedene Behandlungen können das Fortschreiten der Erkrankung aber aufhalten oder verlangsamen.

    Wie kann Rheuma den Alltag verändern?

    Viele Menschen mit Rheuma haben morgens steife Gelenke und Schmerzen, sodass es ihnen schwer fällt, aufzustehen und den Tag zu beginnen. Alltägliche Aufgaben wie Kochen, Waschen, Putzen, aber auch Gartenarbeit oder Freizeitaktivitäten können mit fortschreitender Erkrankung zu einer Herausforderung werden.

    Mit der Zeit entwickeln viele Menschen Strategien, um mit Alltagstätigkeiten besser zurechtzukommen. Ein Beispiel: Wer Wäsche wäscht, muss nicht unbedingt die ganze Waschmaschinenladung auf einmal aufhängen. Man kann auch mit einem Teil der feuchten, schweren Wäsche beginnen und den Rest später erledigen. Verschiedene Hilfsmittel können solche Tätigkeiten erleichtern.

    Die meisten Menschen mit Rheuma möchten ihren Alltag trotz Erkrankung meistern. Die Unterstützung von Familienangehörigen und Freunden ist hierfür besonders wichtig. Wichtig ist auch, dass sie Verständnis für die Erkrankung und die damit verbundenen Einschränkungen haben.

    Was kann helfen, weiter berufstätig zu bleiben?

    Auch abgesehen von der Notwendigkeit, den Lebensunterhalt zu verdienen, ist Arbeit für viele Menschen ein wichtiger Teil ihres Lebens. Eine zufriedenstellende Arbeitssituation vorausgesetzt, wird die eigene Berufstätigkeit in der Regel als sinnstiftend, anregend und für das Selbstwertgefühl bedeutsam empfunden. Neben finanzieller Unabhängigkeit ist oft auch das soziale Umfeld bei der Arbeit sehr wichtig.

    Ihrer Arbeit nachzugehen, kann erkrankte Menschen aber auch von Beschwerden ablenken und ihnen das Gefühl geben, dass sich nicht alles in ihrem Leben um die Krankheit dreht. Manche Menschen mit Rheuma berichten sogar, dass der Beruf seit ihrer Erkrankung für sie wichtiger geworden ist und sie lieber Einschränkungen in der Freizeit in Kauf nehmen, als den Job aufzugeben.

    Wenn die Erkrankung die Arbeit beeinträchtigt, kann es hilfreich sein, mit Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen offen darüber zu sprechen. Der Arbeitgeber kann unter Umständen Unterstützung bieten, beispielsweise bei der Einrichtung des Arbeitsplatzes, der Anpassung von Pausenzeiten oder zeitlichen Vorgaben für bestimmte Aufgaben. Wenn es notwendig ist, den Arbeitsplatz umzugestalten, beteiligt sich unter Umständen die Rentenversicherung an den Kosten.

    Menschen, die aufgrund ihrer rheumatoiden Arthritis stark eingeschränkt sind, können einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Er ist ab einem bestimmten Grad der Behinderung mit besonderen Rechten verbunden. So haben schwerbehinderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zum Beispiel einen besonderen Kündigungsschutz und Anspruch auf Zusatzurlaub. Dies soll Nachteile durch eine gesundheitliche Beeinträchtigung ausgleichen.

    Kann ich trotz Rheuma weiter Auto fahren?

    Für viele Menschen mit Rheuma bleibt das Autofahren wichtig, um weiterhin unabhängig und mobil zu sein. Zudem ermöglicht es die Teilhabe am sozialen Leben – vor allem, wenn man auf dem Land wohnt.

    Oft ist es auch mit Rheuma möglich, Auto zu fahren. Mit der Zeit kann es jedoch sein, dass die Beschwerden das Fahren zunehmend erschweren. Schnell über die Schulter zu blicken, das Fahrzeug sicher zu steuern, zu schalten oder schnell auf eine brenzlige Verkehrssituation zu reagieren – all das kann Probleme bereiten. Dann können vielleicht spezielle Fahrzeugumbauten helfen, etwa zusätzliche Spiegel für Menschen, die ihren Kopf nicht mehr so gut drehen können. Außerdem sollte der Einstieg nicht zu niedrig sein. Ein Auto mit Automatikschaltung lässt sich leichter fahren. Unter Umständen ist auch der behindertengerechte Umbau des Fahrzeugs eine Möglichkeit.

    Viele Menschen mit Rheuma verändern ihre Fahrgewohnheiten. Sie achten darauf, dass sie nicht gerade zur Hauptverkehrszeit unterwegs sind und fahren nicht, wenn sie einen „schlechten Tag“ haben. Für Menschen mit schwerer Gehbehinderung kann es eine Erleichterung sein, sich einen Schwerbehindertenausweis mit dem Hinweis „außergewöhnliche Gehbehinderung“ zu besorgen: Er erlaubt das Parken auf speziell ausgewiesenen Parkplätzen.

    Sind die Einschränkungen durch das Rheuma zu stark geworden, um ein Auto sicher steuern zu können, kann es nötig werden, das Fahren aufzugeben. Um diese persönliche Entscheidung verantwortlich treffen zu können, ist es wichtig, sich über die körperlichen Einschränkungen klar zu werden und ehrlich mit sich selbst zu sein. Wenn sicheres Fahren nicht mehr möglich ist, gefährdet man nicht nur sich selbst, sondern auch andere.

    Wer unsicher ist, ob er noch gut genug fährt, kann dies mit seiner Ärztin oder seinem Arzt besprechen. Man kann sich auch beim Straßenverkehrsamt beraten und die Fahrtauglichkeit prüfen lassen. Die Kosten übernimmt möglicherweise die Krankenkasse.

    Was bedeutet Rheuma für das Selbstbild?

    An rheumatoider Arthritis erkranken relativ oft junge Frauen. Die Einschränkungen durch rheumatische Beschwerden können gerade in einem Lebensabschnitt, in dem die meisten anderen Menschen bei guter Gesundheit sind, sehr belastend sein.

    Manche Mütter haben Angst, dass sie ihren Kindern oder ihrem Partner nicht mehr gerecht werden können. Junge Frauen mit Rheuma fragen sich häufig, ob sie überhaupt Kinder bekommen sollen. Rheuma schließt eine Schwangerschaft nicht aus. Zu bedenken ist aber, dass vor und während einer Schwangerschaft sowie in der Stillzeit nicht alle Medikamente eingenommen werden können. In einer rheumatologischen und frauenärztlichen Praxis kann man sich frühzeitig beraten lassen. Auch Männer, die Vater werden möchten, müssen eine Zeitlang bestimmte Rheuma-Medikamente vermeiden.

    Vielen Menschen ist ihr Aussehen und ihre Attraktivität wichtig. Vor allem die Auswahl von Schuhen kann ein Problem sein: Viele modische Schuhe kommen nicht infrage, da sie nicht passen oder sich nicht zum Tragen von Einlagen eignen. Wenn die Füße rheumatisch verändert sind, können unter Umständen auch orthopädische Schuhe notwendig werden. Manche haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich Schuhe kaufen, die ihnen gefallen, in die aber keine Schuheinlagen passen und die für die veränderten Füße eigentlich nicht gut sind. Auch das Aussehen veränderter Hände kann belasten. Einige Frauen meiden Röcke, Kleider und kurze Hosen, weil sie befürchten, dass sie ihre Erkrankung sichtbar machen – etwa wenn die Knie- oder Fußgelenke betroffen sind. Solche Einschränkungen können dazu führen, dass eine Frau sich weniger anziehend und weiblich fühlt.

    Manche Menschen haben Angst um ihren Status, wenn sie ihren Beruf aufgeben oder wechseln müssen. Schmerzen und der Verlust von Kraft können auch das Selbstbild verändern. Schwäche zu zeigen und Hilfe anzunehmen, fällt oft besonders Männern schwer. Nicht wenige versuchen die Krankheit möglichst auszublenden, weil sie nicht in ihr Selbstbild passt. Sie möchten die Kontrolle behalten und so gut es geht weiter ihr gewohntes Leben führen. Dies kann jedoch körperlich und emotional belastend sein. Manchmal führt dieses Verhalten zu depressiven Gedanken, Frust und Aggressionen.

    Solche Gefühle müssen jedoch nicht das ganze Leben bestimmen. Vielen Menschen gelingt es, ihre persönlichen Ziele anzupassen oder sich neue Ziele zu setzen, die sie auch mit der Erkrankung erreichen können. Wie bei vielen chronischen Erkrankungen gibt es bessere und weniger gute Phasen. In manchen steht die Erkrankung im Vordergrund – in anderen tritt sie hinter andere Lebensbereiche zurück. Menschen, die durch ihre Erkrankung psychisch stark belastet sind, können sich durch eine psychologische Behandlung unterstützen lassen.

    Was bedeutet Rheuma für Partnerschaft und Sexualität?

    Eine rheumatoide Arthritis verändert nicht nur den Alltag oder das Berufsleben, sondern auch die Partnerschaft und Sexualität. Die Erkrankung kann verschiedenste Bereiche der Partnerschaft beeinflussen: etwa die Rollenverteilung, die Arbeitsteilung im Haushalt, gemeinsame Pläne und Freizeitaktivitäten. Der Verzicht auf die Teilnahme an Feiern und Ausflügen oder auf gemeinsame sportliche Aktivitäten kann zu Enttäuschungen und Einschränkungen im Miteinander führen.

    Manchmal haben Menschen mit Rheuma das Gefühl, dass ihre Partnerin oder ihr Partner nicht genug Verständnis für ihre Situation zeigt. Aber auch Angehörige müssen erst lernen, was die Erkrankung bedeutet – und auch für sie kann die Krankheit belastend sein. Sie verändert das Leben beider Partner. Den anderen in Schmerzen zu sehen, Einschränkungen in Kauf zu nehmen und mehr Aufgaben übernehmen zu müssen, ist nicht immer leicht. Wichtig ist, weder anderen noch sich selbst Vorwürfe zu machen, denn an der Krankheit und ihren Folgen ist niemand „Schuld“.

    Manche Paare sprechen wenig über ihre Probleme. Offene Gespräche über Belastungen, Bedürfnisse, Sorgen und Ängste können aber hilfreich sein, um die Erfahrungen des anderen mit der Erkrankung besser nachvollziehen zu können. Vielleicht lässt sich gemeinsam besser überlegen, wie bestimmte Gewohnheiten verändert werden können, etwa indem man Freizeitaktivitäten eher kurz- als langfristig plant, bei Ausflügen häufiger Pausen einlegt und die Aufgaben im Alltag neu verteilt.

    Schmerzende Gelenke, Erschöpfung und eine eingeschränkte Beweglichkeit können sich auf die Sexualität auswirken. Sie können den Geschlechtsverkehr erschweren und manchmal unmöglich machen. Trockene Schleimhäute können ein Problem darstellen, dem sich aber durch Gleitmittel und Feuchtigkeitscremes abhelfen lässt.

    Durch die Erkrankung verändert sich auch das Körpergefühl. Das kann zentrale Bereiche der Weiblichkeit oder Männlichkeit betreffen. Daher ist es nicht ungewöhnlich, wenn mit dem Fortschreiten der Erkrankung die Lust auf Sex abnimmt. Manche Menschen fühlen sich zunehmend unattraktiv und ziehen sich deswegen sexuell zurück.

    Aber selbst wenn die Energie fehlt und die Lust ausbleibt, bleiben körperliche Nähe und Zärtlichkeit für die meisten Menschen wichtig und wohltuend. Sie können Paaren helfen, sich weiterhin eng miteinander verbunden zu fühlen.

    Quellen

    Codd Y, Stapleton T, Veale DJ, FitzGerald O, Bresnihan B. A qualitative study of work participation in early rheumatoid arthritis. Int J Ther Rehabil 2010; 17(1): 24-33.

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    Embryotox.de. Rheumatoide Arthritis - Besonderheiten einer Therapie in der Schwangerschaft. 2020.

    Götestam Skorpen C, Hoeltzenbein M, Tincani A, Fischer-Betz R, Elefant E, Chambers C et al. The EULAR points to consider for use of antirheumatic drugs before pregnancy, and during pregnancy and lactation. Ann Rheum Dis 2016; 75(5): 795-810.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

    Rheumatoide Arthritis - Erfahrungsbericht - Elke

    „Sehr wichtig finde ich den Austausch mit anderen Patienten. Dadurch merke ich, dass viele Menschen mit dieser Erkrankung leben und auch gut damit leben können. Das hat mir meine Ängste ein wenig genommen.“

    Elke, 54 Jahre

    „Sehr wichtig finde ich den Austausch mit anderen Patienten. Dadurch merke ich, dass viele Menschen mit dieser Erkrankung leben und auch gut damit leben können. Das hat mir meine Ängste ein wenig genommen.“

    Die ersten Anzeichen meiner Erkrankung habe ich mit Anfang 20 gespürt. Aber eine Diagnose habe ich erst mit etwa 40 Jahren erhalten.

    Ich hatte immer wieder Rückenschmerzen und auch Beschwerden in der Hüfte. Das wurde schleichend über die Jahre schlimmer, bis es fast unerträglich war. Ich war sehr stark in meiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt.

    Die Ärzte haben auf Hexenschuss getippt

    Eines Tages konnte ich mich gar nicht mehr richtig bewegen. Das kam ganz plötzlich und ich hatte wahnsinnige Schmerzen. Ich wurde dann vier Wochen intensiv stationär im Krankenhaus behandelt. Die Ärzte haben zunächst auf einen schweren Hexenschuss getippt. Ich habe alle möglichen Behandlungen bekommen, aber es wurde immer nur kurzfristig besser. Das Schlimmste für mich war, dass ich nicht mehr sitzen konnte.

    Ich wurde schließlich in eine Klinik für Wirbelsäulenerkrankungen überwiesen. Dort wurde dann festgestellt, dass ich höchstwahrscheinlich an einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung, an einer Arthritis leide. Ob es sich um eine rheumatoide oder um eine psoriatische Arthritis handelt, war jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz eindeutig feststellbar.

    Ich musste sehr oft die Medikamente wechseln

    Nachdem mir die Diagnose mitgeteilt wurde, wusste ich aber noch nicht, was das konkret für mich bedeutet. Zunächst bekam ich ein immunsuppressives Basismedikament, das ich aber nicht vertragen habe. Bereits am zweiten Tag verschlechterten sich meine Leberwerte massiv, sodass die Ärzte dieses Medikament wieder absetzen mussten, und ich bekam eine Zeit lang nur Kortison, was die Leber nicht belastet. Da die meisten Schmerzmittel ebenfalls über die Leber abgebaut werden, kamen sie als zusätzliche Therapieoption für mich nicht infrage. Als die Leberwerte wieder besser waren, wurde ein neues Medikament ausprobiert. Dieses Medikament habe ich zum Glück ganz gut vertragen, aber es hat mehrere Monate gedauert, bis es die erwünschte Wirkung gezeigt hat. Damals war mir noch nicht bewusst, dass ich die Medikamente als Basistherapie langfristig einnehmen muss. Ich dachte, dass die Behandlung nur vorübergehend nötig wäre, bis die Krankheit wieder vorüber ist. Dass es sich um eine lebenslange, schwere und chronische Erkrankung handelt, davon ahnte ich zum damaligen Zeitpunkt noch nichts! Bei mir mussten die Medikamente immer wieder umgestellt werden, weil ich sie entweder nicht vertragen habe, oder sie nicht ausreichend wirksam waren. Seit vielen Jahren muss ich dauerhaft zusätzlich auch Kortison einnehmen.

    Ich glaube, es gibt kaum ein Rheumamedikament, das ich in den letzten Jahren nicht ausprobiert habe. Bei den neueren Medikamenten mache ich mir besonders Sorgen, weil es hierzu noch keine Langzeiterfahrungen gibt, und ich auch von den anderen Medikamenten, die ich einnehmen muss, schon genug Nebenwirkungen, und auch Wechselwirkungen habe.

    Auch andere Gelenke sind mittlerweile betroffen

    Mittlerweile sind die Beschwerden in nahezu allen Gelenken aufgetreten. Am problematischsten ist es bei mir an der Verbindung von Brust- und Schlüsselbein, am Sternoclavikulargelenk. Mittlerweile habe ich bereits sechs Gelenkoperationen hinter mir. An den Schultern bin ich mehrfach operiert worden und auch am Kiefergelenk. Demnächst steht eine weitere Operation am Sprunggelenk und am Fersenbein an.

    Ich hatte bis jetzt zehn Knochenbrüche an der Wirbelsäule, im Bereich des Beckens und insbesondere an den Füßen, ohne dass es eine äußere Ursache gegeben hätte. Durch die langjährige Kortisoneinnahme hat sich eine schwere Osteoporose entwickelt. Hinzu kam noch eine weitere, schwere Immunerkrankung, die auch mit meiner rheumatischen Erkrankung in Verbindung steht.

    Aufgrund dieser Einschränkungen wurde ich bereits im Alter von 46 Jahren berentet. Das war ganz bitter für mich. Fast schlimmer als die Diagnose an sich. Das hat mich damals schwer getroffen, auch heute noch habe ich Tage, an denen mich das mit voller Konsequenz noch einmal einholt.

    Ich muss mein Leben selbst in die Hand nehmen

    In den ersten Jahren habe ich versucht, meine Erkrankung zu ignorieren. Es gab für mich ein Leben mit Krankheit und ein Leben, das ich gern ohne die Krankheit geführt hätte, und ich habe versucht, beide Leben parallel nebeneinander zu führen. Das konnte natürlich nicht funktionieren.

    Irgendwann habe ich festgestellt, dass es das wichtigste für mich ist, selbst dafür zu sorgen, dass es mir gut geht. Mit allen Mitteln, die ich zur Verfügung hatte, wollte ich mich von da ab ganz intensiv um mein Wohlbefinden kümmern, um wieder Freude am Leben zu finden. Ich habe das bildlich für mich so gesehen: In Zeiten, wo es mir gut geht, stelle ich mir eine Schatzkiste zusammen, die ich dann öffnen kann, wenn es mir schlecht geht. Zum Beispiel steckt in einer Schublade der Kiste: Schön Kaffee trinken zu gehen, das ist etwas Besonderes für mich, oder ich rufe jemanden an, gehe ins Kino oder besuche ein Konzert oder ein Theaterstück. Da ich sehr musikalisch bin, bedeuten Konzerte Balsam für meine Seele. In jeder Schublade steckt etwas, das etwas ganz Besonderes für mich bedeutet, und das mir hilft, wenn es mir schlecht geht. Diese Schatzkiste kann ich nicht erst dann „füllen“, wenn ich sie brauche, das schaffe ich in einem schlechten Zustand nicht mehr, sie muss für den Ernstfall parat stehen.

    Das Umdenken, dass ich nicht der Krankheit hilflos ausgeliefert bin, sondern dass ich diejenige bin, die etwas tun muss, und auch tun kann, hat mir sehr geholfen. Ich bin für mich eigenverantwortlich. Niemand kann mir die Auseinandersetzung mit meiner Krankheit abnehmen.

    Ich engagiere mich ehrenamtlich

    Ich habe, nachdem ich berentet wurde, mein Leben umstrukturiert und arbeite jetzt sehr intensiv im ehrenamtlichen Bereich. Ich bin beispielsweise in der Selbsthilfe aktiv. Ich wollte meiner Krankheit einen Sinn geben. Es gibt immer irgendwo einen Weg, man muss manchmal nur etwas suchen, bis man ihn findet.

    Ich arbeite auch deshalb ehrenamtlich, um einen normalen Tagesablauf zu haben. Ich brauche eine Aufgabe und das Gefühl, gebraucht zu werden. Ich wollte mit der Berentung nicht plötzlich in ein tiefes Loch fallen. Außerdem sollten mein Wissen und meine Erfahrung nicht einfach ungenutzt bleiben.

    Der Schmerz hat seinen Platz, ist aber nicht die Nummer 1

    Der Schmerz sitzt bei mir in den Knochen, Gelenken, Sehnen und Muskeln, manchmal kann ich den Schmerzpunkt gar nicht richtig benennen, weil die Schmerzen ausstrahlen, beispielsweise vom Handgelenk in den Unterarm, oder von der Schulter in den Ellenbogen oder vom Knie in die Hüfte. Besonders schmerzhaft sind die Entzündungen der Sehnenansätze. Manchmal sind das permanent ziehende, manchmal auch pulsierende, oder auch einschießende Schmerzen, die mich richtig zermürben.

    Sehr schwer fällt mir, für eine längere Zeit zu sitzen. Ich muss dann oft aufstehen und einige Schritte laufen oder meine Position verändern. Wenn ich zu Hause bin und es schlimmer wird, dann lege ich mich mal hin, höre Musik oder lese etwas. Sehr gerne löse ich auch Rätsel, insbesondere nachts, wenn ich nicht mehr schlafen kann, oder ich stehe auf und koche mir einen Tee.

    Ich spiele mehrere Blasinstrumente, und spare gerade auf ein weiteres eigenes Instrument, das ich mir gerne kaufen möchte, das ist auch eins meiner Ziele. Das bedeutet ein "Highlight" in meinem Leben, dadurch kann ich Abstand zur Krankheit gewinnen und die nötige Kraft neu schöpfen. Darüber kann ich dann einfach auch mal "die Welt vergessen!"

    Der Umgang mit permanenten Schmerzen ist bei mir auch ein wichtiges Thema. Aufgrund meiner Leberschädigung kann ich kaum, und schon gar nicht  regelmäßig, Schmerzmedikamente einnehmen. Mir stehen nur einige wenige Schmerzmedikamente zur Verfügung, die ich im Akutfall einnehmen kann. Daher bin ich gewohnt, meine oft sehr starken Schmerzen überwiegend auszuhalten.

    Ich habe gelernt, mich nicht auf den Schmerz zu konzentrieren, sondern ihm den Platz in meinem Leben einzuräumen, den er braucht, genauso wie meine Erkrankung selbst. Sie hat zwar ihren Platz in meinem Leben, ist aber bestimmt nicht die Nummer 1.

    Ich musste lernen, mit den Einschränkungen umzugehen

    Ich musste viele Monate lang, und auch immer wieder, eine Schiene am Fuß tragen, damit falle ich natürlich auf und werde von den Leuten oft schief angeschaut. Am Anfang fiel mir das oft sehr schwer, dass die Leute so auf mich gestarrt haben, aber heute sage ich mir, dass es sicher nur eine gewisse Neugier ist. Den Menschen ist nicht bewusst, wie unangenehm das für die Betroffenen sein kann. Man muss erst lernen, damit umzugehen. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt.

    Depressive Gedanken kenne ich leider auch sehr gut. Meine Berentung hat mich damals ziemlich tief runtergezogen, und immer wieder werde ich auch heute noch von depressiven Stimmungen eingeholt. Beispielsweise wenn wieder akute Probleme, Therapieumstellungen oder auch erneute Operationen anstehen. Keiner kann einem Gewissheit geben, dass der Eingriff erfolgreich sein wird. Mit all diesen Sorgen und Nöten steht man alleine da und muss für sich selber die möglichst beste Entscheidung treffen. Ich brauche dann immer etwas Zeit, bis ich neue Situationen für mich annehmen und letztlich auch akzeptieren kann.

    Der Austausch mit anderen Patienten ist für mich sehr wichtig

    Mir hat die Selbsthilfe viel geholfen. Ich kann mit Leuten sprechen, die auch erkrankt sind und mich verstehen. Ich fühle mich dort mit meiner Erkrankung angenommen und verstanden. Es ist ein Ort, wo meine Erkrankung Platz hat. Es muss auch nicht unbedingt immer eine Selbsthilfegruppe sein, sondern beispielsweise im Wartezimmer beim Arzt, das Gespräch mit anderen Patienten, die ein ähnliches Schicksal haben. So habe ich damals in der Rehabilitation Leute kennengelernt, mit denen ich heute noch eng befreundet bin. Am Anfang war ich sehr skeptisch und wollte mir die Krankengeschichten von anderen Erkrankten nicht auch noch anhören. Doch heute weiß ich, dass ein ähnliches Schicksal auch verbinden kann.

    Hilfsmittel helfen mir im Alltag

    Ich benötige inzwischen viele Hilfsmittel. Das für einen persönlich richtige Hilfsmittel zu finden, das man wirklich braucht, ist gar nicht so einfach. Deshalb ist es hilfreich, eine Hilfsmittelberatung in Anspruch zu nehmen, beispielsweise während einer Rehabilitation, oder durch die Ergotherapie. Man kann sich sogar zu seiner Büroausstattung beraten lassen: angefangen vom Computer, über den Bildschirm bis hin zu Büromöbeln.

    Ich möchte beispielsweise nicht mehr auf meinen langen Schuhlöffel verzichten, er ist ein Segen! Ich muss mich nicht mehr bücken, und ohne ihn bekomme ich meinen Fuß nur schwer in den Schuh. Auch Öffner für Schraubverschlüsse sind sehr praktisch, oder dickere Stifte zum besseren Greifen. Nicht zuletzt auch Hilfsmittel zur Handgymnastik oder Verbesserung der Beweglichkeit, wie Bälle zur Hand- und Fingergymnastik, ein Sitzkissen oder auch ein Theraband.

    Miteinander zu sprechen finde ich sehr wichtig

    Durch die Erkrankung gibt es oft Kommunikationsprobleme, auch innerhalb der Familie. Oft wird vieles falsch gedeutet. Wichtig finde ich, dass man viel miteinander spricht und seine Gefühle auch offen äußert. Gerade der eigenen Familie fällt es schwer, zusehen zu müssen, aber nicht helfen zu können. Das ist nur schwer auszuhalten. Oft bleibt lange Zeit ein Unverständnis, oder man spricht einfach nicht mehr miteinander. Es fällt oft beiden Seiten schwer, sich seine Gefühle einzugestehen.

    Ich lebe viel bewusster und nehme auch Hilfe an

    Ich lebe seit meiner Erkrankung sehr viel bewusster. Ich halte oft inne und denke viel nach, was ich früher nicht so bewusst getan habe. Ich setze mich auch mit dem Tod auseinander. Das gehört für mich mit zum Leben. Ich genieße jeden Tag. Alles Schöne, das ich haben kann. Wenn mal ein Tag nicht so gut ist, dann sage ich mir: "Morgen ist ein neuer Tag."

    Ich finde es ganz wichtig, sich über die Erkrankung, die Medikamente und andere Therapiemöglichkeiten zu  informieren. Insbesondere der Austausch mit anderen betroffenen Patienten ist wichtig. Denn gleiches Schicksal verbindet, zeigt einem, wie man gut mit der Erkrankung leben kann, und auch, dass man nicht alleine damit ist. Das schafft Selbstvertrauen und nimmt Ängste, denn oft verändert diese Krankheit das Leben mit einem Schlag: Nichts ist mehr wie vorher!

    Bei Schwierigkeiten sollte man sich Hilfe holen. Man kann und muss nicht immer alles alleine schaffen. Auch ich bin jemand, der nicht gerne um Hilfe bittet. Aber man kann lernen, die Unterstützung anderer anzunehmen.

    Rheuma ist eine Erkrankung, die nicht nur die Gelenke betrifft. Sie betrifft den ganzen Menschen mit seinem gesamten Umfeld, mit seinen Interessen, mit seinen Fähigkeiten, seinen Möglichkeiten und Lebensperspektiven. Nichts ist mehr wie vorher. Aber es kommt immer auch ein wenig auf die Perspektive jedes Einzelnen an. Ich versuche, meine Krankheit in einem anderen Blickwinkel zu sehen: Manches kann ich inzwischen nicht mehr, aber dafür haben sich andere Türen geöffnet. Auch bin ich sehr dankbar dafür, dass ich vor meiner Erkrankung vieles tun konnte, das nicht selbstverständlich war. Heute kann ich mich daran erfreuen, auch wenn ich inzwischen mit vielen Einschränkungen leben muss. Ich habe viel nachgedacht und bin sehr viel dankbarer geworden für das, was ich habe. Wer garantiert mir, dass ich es morgen noch tun kann? 

    Ich sehe mein Leben heute als ein Geschenk an.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Rheumatoide Arthritis - Erfahrungsbericht - Jutta

    „Mein Arzt hat den geschwollenen Finger geröntgt, nichts feststellen können und mir eine Salbe verschrieben. Aber es wurde nicht besser. Im Gegenteil, mit der Zeit sind auch die Handgelenke angeschwollen.“

    Jutta, 58 Jahre

    „Mein Arzt hat den geschwollenen Finger geröntgt, nichts feststellen können und mir eine Salbe verschrieben. Aber es wurde nicht besser. Im Gegenteil, mit der Zeit sind auch die Handgelenke angeschwollen.“

    Mit etwa 45 Jahren, hatte ich nach einer Erkrankung, die ich mir im Urlaub zugezogen hatte, einen geschwollenen Ringfinger. Zuerst dachte ich, es ist noch eine Nachwirkung dieser Erkrankung. Damals war die Jagd mein Hobby und ich habe intensiv Tennis gespielt. Das war mit dem geschwollenen Finger jedoch schwierig. Deswegen bin ich zum Arzt gegangen.

    Mein Arzt meinte, dass der Finger verstaucht ist. Er hat ihn geröntgt, nichts feststellen können und mir eine Salbe verschrieben. Aber es wurde nicht besser. Im Gegenteil, mit der Zeit sind auch die Handgelenke angeschwollen. Mein Arzt hat mich an eine Universitätsklinik überwiesen, da er den Verdacht auf Borreliose hatte. Das hat sich aber nicht bestätigt.

    Ich habe zuerst Kortison bekommen

    Die Schmerzen und Beschwerden wurden jedoch immer schlimmer und mein Arzt hat mich deshalb zu einem Rheumatologen überwiesen, der dann recht schnell die Diagnose „Rheumatoide Arthritis“ gestellt hat. Ich hatte am Anfang bei den Blutwerten gar keinen erhöhten Rheumafaktor. Dieser Wert erhöhte sich erst später.

    Ich habe zuerst Kortison verschrieben bekommen. Das half nicht lange und ich habe dann zusätzlich Methotrexat bekommen. Dies half aber auch nicht lange und die Dosis wurde immer weiter gesteigert.

    Der Arzt hat mir dann eine Behandlung mit einem neuen Medikament, Rituximab, empfohlen. Während der ersten Infusion mit Rituximab ging es mir sehr schlecht. Die Ärzte hatten versäumt, mir vorab Kortison zu geben, was wohl empfohlen wird. Die Infusion musste abgebrochen werden, weil ich starke Schmerzen und Blutungen im Hals bekam. Später haben sie die Behandlung wiederholt und mir vorab Kortison gegeben, das hat dann sehr gut funktioniert. Seitdem bekomme ich zweimal im Jahr diese Infusion. Dazu nehme ich jede Woche Methotrexat und auch jeden Tag Kortison. Zudem mache ich regelmäßig Krankengymnastik und auch Ergotherapie. Das hilft mir gut.

    Infusionen belasten mich seelisch

    Die Infusionen belasten mich seelisch ganz schön. Jedes Mal vier bis fünf Stunden in der Arztpraxis zu liegen, mit den anderen Patienten um mich herum, ist für mich nicht ganz so einfach. Nach der Infusion bin ich immer ganz geschafft. Aber am nächsten Tag habe ich total viel Energie und könnte die ganze Wohnung umräumen. Ich weiß nicht, was mich da so aufputscht.

    Durch die vielen Medikamente hat meine Leber gelitten. Ich versuche, möglichst keine Schmerztabletten einzunehmen und trinke keinen Alkohol, um meine Leber nicht noch mehr zu schädigen.

    Ich lege mir die Medikamente für jede Woche zurecht

    Am Anfang war der Umgang mit den vielen Medikamenten gar nicht so einfach. Ich hatte beispielsweise eine Zeitlang auch ein Medikament, das man kühlen musste. Damals waren wir auf Reisen und mussten uns immer um Eis kümmern, damit wir das Medikament kühlen konnten. Das war schon aufwendig. Die Medikamente lege ich mir für jede Woche zurecht, sowohl für meinen an Demenz erkrankten Mann als auch für mich. Ich habe auch alles ganz genau aufgeschrieben: Welche Operation ich wann hatte und welche Medikamente ich einnehme. Damit, falls  mir etwas passieren sollte, die Informationen da sind.

    Ich finde es wichtig, die Medikamente regelmäßig und auch in der verschriebenen Dosis zu nehmen und die Arzttermine wahrzunehmen. Da bin ich konsequent. Aber sonst versuche ich, mich mehr meinem Leben zu widmen als meiner Krankheit.

    Jedes Vierteljahr muss ich zur Kontrolluntersuchung. Ich habe eine Freundin, die auch an Rheuma erkrankt ist und auch bei meinem Arzt in Behandlung ist. Wir fahren immer zusammen zu den Untersuchungen. Auf diese gemeinsame Fahrt freuen wir uns immer.

    Mittlerweile kenne ich mich mit Blutwerten ganz gut aus

    Mittlerweile kenne ich mich ganz gut aus mit den Blutwerten. Ich habe mir mit der Zeit Wissen darüber angeeignet und das hat mir Spaß gemacht. Als ich nach 40 Arbeitsjahren in Rente ging, war es mir nach einem Vierteljahr etwas langweilig und ich habe angefangen, mich mit meiner Erkrankung intensiver zu beschäftigen. Ich habe mir Bücher gekauft und viel gelesen.

    Nach jeder Blutentnahme lasse ich mir die Werte geben und führe Buch darüber. Ich habe einen sehr guten Kontakt zu meinem Rheumatologen. Ich fühle mich bei ihm sehr gut aufgehoben.

    Ich habe mittlerweile viele Operationen hinter mir, vor allem an den Händen wurde ich oft operiert. Außerdem am Fuß, am Schienbein und ich habe ein neues Kniegelenk bekommen. Alle Operationen sind bei mir gut verlaufen. Ich habe immer große Erleichterung danach verspürt. Beispielsweise waren meine Füße sehr stark geschädigt. Bei jedem Schritt dachte ich, ich laufe auf Glas. Es waren schlimme Schmerzen. Aber nach der Operation waren die vorbei. Auch meine Knieoperation habe ich wunderbar überstanden.

    Die Schübe sind irgendwann weniger geworden

    Ich hatte oft Krankheitsschübe. Die Schmerzen waren fast nicht auszuhalten und die Gelenke waren rot und geschwollen. Solche Schübe hatte ich so ein- bis dreimal im Monat. Ich konnte nicht mal einen Druckknopf öffnen. Ich habe dann Kortison in sehr hohen Dosen verordnet bekommen. Das hat zwar geholfen, aber ich habe als Nebenwirkung Wassereinlagerungen vor allem im Gesicht gehabt. Das fand ich nicht so gut. Die Schübe wurden dann irgendwann weniger, vermutlich durch die Medikamenteneinnahme. Ich habe jetzt weniger Schmerzen, aber ich muss die Medikamente regelmäßig einnehmen. Was ich ganz deutlich spüre, sind Wetterwechsel, besonders wenn Stürme kommen oder starker Regen. Dann habe ich Schmerzen.

    Mein Mann und ich ergänzen uns ganz gut

    Mein Mann ist an einer Demenz erkrankt und ich habe aufgrund der Verformungen an den Händen die Pflegestufe 1 und bin auf Hilfe angewiesen. Wir ergänzen uns eigentlich ganz gut. Mein Mann hilft mir, soweit er kann. Er schält zum Beispiel Kartoffeln, das kann ich nicht mehr so gut. Dafür übernehme ich das, was er mit dem Kopf nicht mehr kann. Wir haben uns arrangiert. Ich habe mich mit meiner Erkrankung abgefunden und mich in meinem Leben darauf eingestellt. Ich habe mit meinem Mann viele Reisen unternommen und wir hatten ein tolles Leben, trotz dieser Behinderungen.

    Ich habe großes Glück, dass es in meinem sozialen Umfeld so viele Menschen gibt, die mir helfen. Zuerst konnte ich überhaupt keine Hilfe annehmen. Ich habe immer alles allein gemacht. Und dann auf einmal jemanden zu bitten, im Restaurant mein Fleisch klein zu schneiden, das konnte ich lange gar nicht. Heute fällt mir das aber nicht mehr schwer. Dass mich andere unterstützen, ist im Alltag eine riesengroße Sicherheit für mich. Mein Bruder und Neffe kommen gern zu Hilfe, eine meiner Nachbarinnen bügelt mir die Sachen, die andere bessert mir die Sachen aus. Mit Hilfe dieser Menschen komme ich mit meiner Krankheit ganz gut zurecht.

    Ich finde es wichtig, sich das soziale Umfeld zu erhalten

    Wichtig finde ich, dass man sich das soziale Umfeld erhält. Denn wenn man Schmerzen hat, wird man auch leicht mürrisch oder launisch. Und es ist auch wichtig, die Leute nicht vor den Kopf zu stoßen, wie man das manchmal vor lauter Schmerzen vielleicht machen würde.

    Was ich nicht gut leiden kann ist, wenn andere mich damit aufmuntern wollen, dass es anderen Menschen noch schlechter geht. Das kann ich nicht haben. Ich weiß, dass es anderen schlechter geht als mir, aber ich denke, für jeden Menschen ist das, was er selber empfindet, schlimm genug. Ich wehre mich auch gegen alle möglichen Tipps und Empfehlungen anderer. Ich will mich damit nicht belasten. Früher habe ich mir das alles angehört, das mache ich heute nicht mehr. Da bin ich stärker geworden.

    Für die Hand habe ich eine Schiene von einer Schmuckdesignerin

    Ich bin mit meinem Leben einigermaßen zufrieden, obwohl ich ziemliche Verkrüppelungen an den Händen habe. Es sieht schlimm aus, aber auch damit habe ich mich abgefunden. An der linken Hand trage ich eine Schiene. Allerdings habe ich keine der üblichen Schienen, sondern habe mir eine von einer Schmuckdesignerin, die sich darauf spezialisiert hat, anfertigen lassen. Die ist aus Silber und sieht wirklich toll aus. Ich werde oft darauf angesprochen. Ich trage die Schiene ständig, dadurch ist, denke ich, meine Hand auch gerade geblieben.

    Von dieser Schmuckdesignerin habe ich mir auch gleich meine Ketten umändern und mir Magnetverschlüsse anbringen lassen. Dadurch brauche ich keine Hilfe, wenn ich eine Kette an- oder ablegen möchte. Mit meinen Fingern bin ich mit den normalen Verschlüssen nicht mehr klar gekommen.

    Ich habe ziemlich viele Hilfsmittel und ein behindertengerechtes Bad

    Ich kann auch keine Knöpfe mehr benutzen oder Reißverschlüsse schließen. Ich trage nur Hosen mit Rundumgummi und lasse mir von der Schneiderin immer Ösen an die Hose machen, damit kann ich mir dann mit den Daumen die Hosen hochziehen. Ich habe auch Strumpfanzieher, weil ich die Strümpfe so nicht mehr hochziehen kann.

    Ich nutze auch ein besonderes Besteck: Zum Beispiel hat das Messer zum Schneiden einen dickeren Griff. Zum Öffnen von Flaschen und Dosen habe ich verschiedene Geräte und auch eine Schere mit einem Spezialgriff. Ich habe ziemlich viele solcher Hilfsmittel.

    Wir haben unser Bad auch behindertengerecht umgebaut. Ich kam ja nicht mehr in die Badewanne. Dazu haben wir von der Krankenkasse Zuschüsse bekommen. Mir fällt es auch schwer, Toilettenpapier zu benutzen. Deswegen haben wir uns eine Toilette einbauen lassen, die automatisch wäscht und föhnt.

    Oft hört man, dass behinderte Menschen allein gelassen werden. Ich finde das nicht, sondern eher, dass sehr viel für behinderte Menschen in unserem Land getan wird. Man muss sich aber ein wenig erkundigen und lesen und Dinge beantragen. Mein Rheumatologe hilft mir dabei sehr. Ich fühle mich wirklich gut aufgehoben.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)