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Genitalherpes

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    Genitalherpes zählt zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen. Dabei führt eine Infektion mit Herpes-Viren meist gar nicht zu einer Erkrankung. Kommt es doch zu Beschwerden, können sie schmerzhaft und psychisch belastend sein. Es gibt aber Behandlungen, die sie lindern und einen Ausbruch verkürzen können.

    Einleitung

    Genitalherpes gehört zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten. Dabei führt eine Infektion mit Herpes-Viren meist gar nicht zu einer Erkrankung: Bis zu 90 von 100 Menschen, die sich angesteckt haben, bekommen keine oder nur sehr unauffällige Symptome. Wer sich einmal mit Herpes-Viren angesteckt hat, trägt sie lebenslang im Körper.

    Wenn es zu Beschwerden kommt, können sie schmerzhaft und auch psychisch belastend sein. Es gibt jedoch Behandlungen, die die Beschwerden lindern und einen Ausbruch verkürzen können. Wer einmal Genitalherpes hatte, hat in der Regel immer wieder damit zu tun. Die gute Nachricht ist, dass die Ausbrüche mit der Zeit schwächer und seltener werden.

    Dennoch ist die Diagnose Genitalherpes für viele Menschen sehr unangenehm und wirft viele Fragen auf: Wo habe ich mich angesteckt? Wie sage ich es meinem Partner oder meiner Partnerin – und wem sollte ich überhaupt davon erzählen? Kann ich die Infektion auf mein Kind übertragen, wenn ich schwanger bin? Das sind einige der Fragen, die sich nach der Diagnose Genitalherpes stellen können.

    Symptome

    Bei Genitalherpes (auch: Herpes genitalis) kann sich die Haut schmerzhaft entzünden und kleine Bläschen bilden. Sie treten in Grüppchen auf, können einreißen und nässen. Beim Abheilen bilden sich oft Krusten. Die Haut kann auch jucken und brennen, Frauen haben zudem häufig Schmerzen beim Wasserlassen.

    Bei Männern sind typischerweise Penis, Vorhaut und Hodensack betroffen, bei Frauen Schamlippen, Scheide und Gebärmutterhals. Die Bläschen können aber auch im Analbereich, am Po oder an der Innenseite der Oberschenkel auftreten. Bei manchen Menschen kündigt sich ein Ausbruch durch Kribbeln an den Geschlechtsteilen oder Schmerzen im Po, in den Hüften oder Beinen an.

    Wenn Genitalherpes zum ersten Mal auftritt, sind die Beschwerden oft besonders stark. Zu den typischen Hauterscheinungen können dann Fieber, Kopfschmerzen, allgemeine Erschöpfung und Muskelschmerzen hinzukommen, oft auch geschwollene Lymphknoten in der Leiste. Weitere Ausbrüche verlaufen meist milder.

    Wer bereits einen anderen Herpes-Erreger im Körper trägt, hat vielleicht schon eine gewisse Abwehr gegen Herpes-Viren aufgebaut. Dann sind die Symptome beim ersten Ausbruch oft schwächer als bei Menschen, die noch gar keinen Kontakt zu Herpes-Viren hatten. Dagegen können die Beschwerden heftiger sein und länger andauern, wenn das Immunsystem geschwächt ist.

    Ursachen

    Genitalherpes wird durch Herpes-simplex-Viren verursacht. Es gibt zwei verschiedene Arten:

    • Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1)
    • Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2)

    Für Genitalherpes ist vor allem das Typ-2-Virus verantwortlich, während das Typ-1-Virus typischerweise Lippenherpes verursacht. Grundsätzlich können jedoch beide Virustypen sowohl zu Lippen-, als auch Genitalherpes führen. Ob man an Genital- oder Lippenherpes erkrankt, hängt also nicht nur vom Virustyp ab, sondern auch davon, wo im Körper sich die Viren befinden.

    Herpes-Viren, die sich in den Nervenknoten (Ganglien) am unteren Ende der Wirbelsäule eingenistet haben, können Genitalherpes verursachen. Wenn sie sich in den Nervenknoten vermehren und entlang der Nervenstränge in die äußeren Hautschichten wandern, können sie Genitalherpes auslösen.

    Herpes-Viren werden durch Hautkontakt übertragen, vor allem beim Geschlechtsverkehr, Oral- oder Analsex. Es kann auch über gemeinsam genutzte Sexspielzeuge übertragen werden. Ohne Hautkontakt überleben Herpes-Viren nicht lange. Deshalb ist es sehr unwahrscheinlich, sich zum Beispiel durch Handtücher, Bettwäsche oder Toilettendeckel anzustecken.

    Risikofaktoren

    Für Frauen ist das Risiko, sich bei einem männlichen Sexualpartner anzustecken, deutlich höher als für Männer, sich bei einer weiblichen Sexualpartnerin anzustecken. Fachleute gehen davon aus, dass das Virus meist durch Menschen weitergegeben wird, die gar nicht wissen, dass sie es im Körper tragen.

    Wer viele wechselnde Sexualpartner oder bereits eine sexuell übertragbare Krankheit wie zum Beispiel eine HIV-Infektion hat, steckt sich leichter mit Genitalherpes an. Nicht zuletzt steigt das Risiko, wenn man sich nicht durch Kondome schützt.

    Nicht bei allen Menschen, die sich mit Herpes-Viren anstecken, bricht die Erkrankung auch aus. Warum manche an Genitalherpes erkranken und andere nicht, ist nicht genau bekannt.

    Mögliche Auslöser für wiederkehrende Genitalherpes-Ausbrüche sind bislang kaum erforscht. Es gibt Hinweise darauf, dass dauerhafte psychische Belastungen Ausbrüche begünstigen könnten. Als mögliche Auslöser gelten auch Sonnenlicht, Erkältungen, körperliche Anstrengung, raue oder enge Kleidung, Hautverletzungen und bei Frauen die Regelblutung.

    Häufigkeit

    Genitalherpes gehört zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten. In Deutschland tragen schätzungsweise 10 bis 15 von 100 Menschen HSV-2 im Körper. Ungefähr 10 bis 30 % von ihnen erkranken an Genitalherpes.

    Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer: Sie stecken sich leichter an, weil ihre Schleimhäute empfindlicher sind.

    Verlauf

    Kommt es zu einem Genitalherpes-Ausbruch, kann die Ansteckung bereits Monate oder Jahre zurückliegen. Wenn Genitalherpes das erste Mal ausbricht, dauert es ohne Behandlung im Durchschnitt 20 Tage, bis die Entzündung abgeheilt ist. Folgeausbrüche verlaufen aber milder und heilen im Schnitt innerhalb von zehn Tagen aus. Wer einmal erkrankt ist, hat in der Regel immer wieder mit Genitalherpes zu tun.

    Wie häufig ein Genitalherpes ausbricht, hängt vom Virus-Typ ab:

    • HSV-1 führt bei etwa 20 bis 50 % der Betroffenen innerhalb eines Jahres zu durchschnittlich einem weiteren Ausbruch.
    • HSV-2 führt bei 70 bis 90 % der Betroffenen innerhalb eines Jahres zu mindestens einem, im Durchschnitt aber vier weiteren Ausbrüchen.

    Die Häufigkeit und Schwere der Ausbrüche nimmt mit der Zeit oft ab.

    Folgen

    Vor allem wenn Genitalherpes zum ersten Mal ausbricht, kann es zu Komplikationen kommen. Mögliche Folgen sind eine Infektion der Scheide mit Hefepilzen, eine Blasenstörung mit Problemen beim Wasserlassen oder selten eine Entzündung der Hirnhaut. Bei weiteren Ausbrüchen sind Komplikationen sehr selten.

    Menschen mit Genitalherpes haben ein höheres Risiko, sich mit anderen Erregern von Geschlechtskrankheiten wie HIV anzustecken.

    Schwangere können Herpes-Viren während der Geburt auf das Kind übertragen. Dies passiert aber selten. Wenn es kurz vor der Geburt zu einem Genitalherpes-Ausbruch kommt, wird oft ein Kaiserschnitt empfohlen, um das Ansteckungsrisiko für das Kind zu minimieren.

    Sehr selten kann eine Herpes-Infektion zu größeren Hautausschlägen am Körper führen oder die Augen betreffen.

    Diagnose

    Um Genitalherpes festzustellen, nimmt die Ärztin oder der Arzt einen Abstrich von einem der betroffenen Hautbereiche. Diese Probe wird dann im Labor auf Herpes-Viren untersucht. Je nach Situation kann dabei auch der Virustyp bestimmt werden.

    Allein anhand von Hauterscheinungen und Beschwerden lässt sich Genitalherpes oft nicht sicher feststellen. Zum einen zeigen sich nicht immer die typischen Symptome. Zum anderen kann Genitalherpes auch zusammen mit anderen Haut- und Geschlechtskrankheiten auftreten. So können eine Infektion mit Pilzen oder Chlamydien und andere Hauterkrankungen wie Schuppenflechte zu ähnlichen Symptomen führen.

    Bei Menschen ohne Symptome ist es schwieriger, eine Infektion mit Herpes-Viren festzustellen. Dann kann mit einem Test auf Herpes-Antikörper geprüft werden, ob Antikörper im Blut sind. Finden sich dort HSV-2 Antikörper, könnte es zu Genitalherpes kommen. Bei HSV-1 Antikörpern lässt sich nur schwer vorhersagen, welche Körperstelle betroffen sein wird, falls es zu Beschwerden kommt.

    Die Tests können meist auch keine Auskunft darüber geben, seit wann eine Infektion besteht. Wenn man jedoch zum ersten Mal Genitalherpes hat, aber noch keine Antikörper festzustellen sind, liegt die Ansteckung sehr wahrscheinlich noch nicht lange zurück.

    Vorbeugung

    Da viele Menschen Herpes-Viren im Körper tragen, kann sich jeder, der sexuell aktiv ist, mit diesen Viren anstecken. Das Risiko für eine Ansteckung lässt sich jedoch deutlich verringern.

    Menschen mit Genitalherpes wird empfohlen, auf Sex zu verzichten, sobald sich ein Ausbruch andeutet. Denn das Risiko, jemanden anzustecken, ist während eines Ausbruchs am größten.

    Doch auch wer keine Symptome hat, kann das Virus weitergeben. In der symptomfreien Zeit können Kondome das Ansteckungsrisiko deutlich senken. Sie schützen außerdem auch vor anderen Geschlechtskrankheiten.

    Wenn man Genitalherpes hat, ist es sinnvoll, mit der Partnerin oder dem Partner darüber zu reden. Wenn beide Partner einen Bluttest auf Antikörper machen, lässt sich einschätzen, wer welche Virustypen im Körper trägt – und ob ein Ansteckungsrisiko besteht. Eine Partnerin oder ein Partner mit HSV-1 kann sich zum Beispiel immer noch mit HSV-2 anstecken.

    Wer Genitalherpes hat und virushemmende (antivirale) Medikamente nimmt, ist etwas weniger ansteckend. Dafür kommen Medikamente mit den Wirkstoffen Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir infrage. Dazu müssen die Mittel jedoch täglich und längerfristig eingenommen werden. Ob die Medikamente das Ansteckungsrisiko zusätzlich senken, wenn man ohnehin mit Kondomen verhütet, ist unklar.

    Behandlung

    Ein erster Ausbruch von Genitalherpes kann zu starken Beschwerden und manchmal auch zu Komplikationen führen. Daher ist es bei einem Erstausbruch üblich, virushemmende Medikamente mit den Wirkstoffen Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir einzunehmen. Die Tabletten können die Beschwerden eindämmen und die Erkrankungsdauer um einige Tage verkürzen. Cremes oder Salben mit virushemmenden Wirkstoffen helfen bei Genitalherpes nicht.

    Bei weiteren Ausbrüchen sind die Beschwerden in der Regel weniger stark ausgeprägt. Eine Behandlung ist dann nicht unbedingt nötig. Wenn man einen Folgeausbruch behandelt, reicht es, die Mittel kürzer einzunehmen. Wichtig ist, die Behandlung in den ersten 24 Stunden zu beginnen – am besten, sobald sich die ersten Symptome andeuten. Das ist einfacher, wenn man immer Tabletten zu Hause oder auf Reisen dabei hat.

    Bei starken oder sehr häufigen Ausbrüchen kommt auch eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten infrage. Die Mittel werden dann längerfristig eingenommen – also auch in beschwerdefreien Phasen. Dies kann das Risiko für Ausbrüche deutlich senken.

    Wenn Genitalherpes zu stärkeren Schmerzen führt, können Schmerzmittel helfen. Viele Frauen, die Schmerzen beim Wasserlassen haben, empfinden auch Sitzbäder als angenehm.

    Andere Behandlungen wie Laser oder örtliche Wärmeanwendung sind bislang kaum erforscht. Ob sie helfen können, ist daher unklar.

    Leben und Alltag

    Zu wissen, dass man Genitalherpes hat, kann psychisch sehr belasten. Vielen Menschen fällt es schwer, mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner über die Erkrankung zu sprechen. Manche haben Angst, als untreu angesehen oder zurückgewiesen zu werden. Andere fragen sich, ob ihre Partnerin oder ihr Partner sie vielleicht angesteckt hat.

    Es kann helfen, offen miteinander über die Krankheit zu sprechen – denn oft lässt sich gar nicht sicher sagen, wann und bei wem sich jemand angesteckt hat. Schließlich tragen sehr viele Menschen Herpes-Viren im Körper und jeder, der sexuell aktiv ist, kann sich anstecken. Das Virus kann zudem bereits Monate oder Jahre im Körper gewesen sein, wenn es zu Genitalherpes kommt.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Feltner C, Grodensky C, Ebel C, Middleton JC, Harris RP, Ashok M et al. Serological Screening for Genital Herpes: An Evidence Review for the U.S. Preventive Services Task Force. 12.2016. (AHRQ Evidence Syntheses; Band 149).

    Heslop R, Roberts H, Flower D, Jordan V. Interventions for men and women with their first episode of genital herpes. Cochrane Database Syst Rev 2016; (8): CD010684.

    Hollier LM, Eppes C. Genital herpes: oral anti viral treatments. BMJ Clin Evid 2015: pii: 1603.

    Korr G, Thamm M, Czogiel I, Poethko-Mueller C, Bremer V, Jansen K. Decreasing seroprevalence of herpes simplex virus type 1 and type 2 in Germany leaves many people susceptible to genital infection: time to raise awareness and enhance control. BMC Infect Dis 2017; 17(1): 471.

    Le Cleach L, Trinquart L, Do G, Maruani A, Lebrun-Vignes B, Ravaud P et al. Oral antiviral therapy for prevention of genital herpes outbreaks in immunocompetent and nonpregnant patients. Cochrane Database Syst Rev 2014; (8): CD009036.

    Patel R, Alderson S, Geretti A, Nilsen A, Foley E, Lautenschlager S et al. European guideline for the management of genital herpes, 2010. Int J STD AIDS 2011; 22(1): 1-10.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Genitalherpes in der Schwangerschaft

    Es kommt nur selten vor, dass Herpes-Viren bei der Geburt auf das Neugeborene übertragen werden. Hatte eine Frau bereits zu Beginn der Schwangerschaft Herpes-Viren im Körper, spricht nichts gegen eine natürliche Geburt – es sei denn, kurz vorher gibt es Anzeichen für einen Genitalherpes-Ausbruch.

    Für Säuglinge kann eine Herpes-Infektion lebensbedrohlich sein. Viele Frauen mit Genitalherpes haben daher Angst, dass sie die Herpes-Viren bei der Geburt an das Kind weitergeben könnten. Dies passiert aber nur selten.

    Wie man mit Genitalherpes in der Schwangerschaft umgehen kann und ob eine natürliche Geburt möglich ist, hängt davon ab,

    • ob es kurz vor der Geburt Anzeichen für einen Genitalherpes-Ausbruch gibt und
    • wann sich eine Frau mit dem Virus angesteckt hat.

    Ein Säugling kann sich vor allem dann anstecken, wenn die Mutter bei der Geburt einen Genitalherpes-Ausbruch hat. Dann kann das Kind auf seinem Weg durch Muttermund und Scheide mit den Viren in Kontakt kommen. Auch in den ersten acht Wochen nach der Geburt ist Vorsicht geboten. Menschen mit Herpes sollten das Baby zum Beispiel in dieser Zeit nicht küssen und auf eine gute Händehygiene achten. Wenn das Neugeborene Anzeichen einer Herpes-Infektion entwickelt, wie zum Beispiel Fieber, Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit oder Hautausschläge, ist schnell ärztlicher Rat nötig.

    Das Ansteckungsrisiko ist deutlich geringer, wenn eine Frau schon vor oder zu Beginn der Schwangerschaft Genitalherpes hatte. Dann hat das Immunsystem der Frau bereits Antikörper gegen das Virus gebildet. Die Antikörper erreichen über den Mutterkuchen (Plazenta) auch das Kind und verleihen ihm einen gewissen Schutz.

    Es kommt nur selten vor, dass Herpes-Viren bei der Geburt auf das Neugeborene übertragen werden. Hatte eine Frau bereits zu Beginn der Schwangerschaft Herpes-Viren im Körper, spricht nichts gegen eine natürliche Geburt – es sei denn, kurz vorher gibt es Anzeichen für einen Genitalherpes-Ausbruch.

    Für Säuglinge kann eine Herpes-Infektion lebensbedrohlich sein. Viele Frauen mit Genitalherpes haben daher Angst, dass sie die Herpes-Viren bei der Geburt an das Kind weitergeben könnten. Dies passiert aber nur selten.

    Wie man mit Genitalherpes in der Schwangerschaft umgehen kann und ob eine natürliche Geburt möglich ist, hängt davon ab,

    • ob es kurz vor der Geburt Anzeichen für einen Genitalherpes-Ausbruch gibt und
    • wann sich eine Frau mit dem Virus angesteckt hat.

    Ein Säugling kann sich vor allem dann anstecken, wenn die Mutter bei der Geburt einen Genitalherpes-Ausbruch hat. Dann kann das Kind auf seinem Weg durch Muttermund und Scheide mit den Viren in Kontakt kommen. Auch in den ersten acht Wochen nach der Geburt ist Vorsicht geboten. Menschen mit Herpes sollten das Baby zum Beispiel in dieser Zeit nicht küssen und auf eine gute Händehygiene achten. Wenn das Neugeborene Anzeichen einer Herpes-Infektion entwickelt, wie zum Beispiel Fieber, Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit oder Hautausschläge, ist schnell ärztlicher Rat nötig.

    Das Ansteckungsrisiko ist deutlich geringer, wenn eine Frau schon vor oder zu Beginn der Schwangerschaft Genitalherpes hatte. Dann hat das Immunsystem der Frau bereits Antikörper gegen das Virus gebildet. Die Antikörper erreichen über den Mutterkuchen (Plazenta) auch das Kind und verleihen ihm einen gewissen Schutz.

    Ansteckung vor oder zu Beginn der Schwangerschaft

    Frauen, die sich bereits vor der Schwangerschaft oder im ersten Drittel der Schwangerschaft mit Herpes angesteckt haben, übertragen das Virus nur selten auf ihr Kind. In einer großen Studie kam es bei einer von 100 Geburten zu einer Infektion des Säuglings.

    Wenn eine schwangere Frau Genitalherpes hat, ist es wichtig, dass sie mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt darüber spricht. So kann sie oder er die Haut vor der Geburt auf Anzeichen für einen Ausbruch untersuchen. Wichtig ist auch, der Ärztin oder dem Arzt mitzuteilen, wenn zum Zeitpunkt der Geburt Frühsymptome wie Kribbeln an den Geschlechtsorganen auftreten. Weist nichts auf einen Ausbruch hin, ist eine natürliche Geburt möglich; andernfalls wird in der Regel ein Kaiserschnitt empfohlen. Dadurch lässt sich das Risiko für eine Ansteckung deutlich senken.

    Es wird geschätzt, dass ungefähr 13 von 100 Schwangeren mit Genitalherpes zum Zeitpunkt der Geburt einen Ausbruch haben. Das Risiko hierfür lässt sich durch eine vorbeugende Behandlung mit virushemmenden Medikamenten senken. Die Mittel werden dann ab der 36. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt täglich eingenommen. Dadurch erhöht sich auch die Chance, dass eine Frau ihr Kind auf natürlichem Weg zur Welt bringen kann. In Studien hatten

    • ohne vorbeugende Behandlung 13 von 100 Frauen einen Kaiserschnitt,
    • mit vorbeugender Behandlung nur 4 von 100 Frauen einen Kaiserschnitt.

    In der Regel wird der Wirkstoff Aciclovir eingesetzt, weil es mit diesem Mittel die meisten Erfahrungen gibt. Aus bisherigen Studien gibt es keine Hinweise, dass es dem Säugling schadet.

    Ob eine Frau vorbeugend Medikamente einnehmen möchte, ist ihre persönliche Entscheidung: Einigen Frauen ist es sehr wichtig, während der Schwangerschaft auf Medikamente zu verzichten. Andere möchten ihr Kind vor allem möglichst auf natürlichem Weg zur Welt bringen. Wieder andere vertrauen darauf, dass auch ohne Behandlung alles gutgehen wird.

    Ansteckung im letzten Drittel der Schwangerschaft

    Nach einer Erstansteckung im letzten Schwangerschaftsdrittel kommt es bei schätzungsweise 30 bis 50 von 100 Geburten zu einer Übertragung des Virus auf das Kind. Wenn sich eine Frau in dieser Zeit mit Herpes-Viren ansteckt, ist daher ein Kaiserschnitt üblich, um das Kind zu schützen. Sinnvoll ist außerdem, mit einer Ärztin oder einem Arzt zu sprechen, die oder der sich auf die Behandlung von Infektionskrankheiten spezialisiert hat.

    Um eine Ansteckung im letzten Drittel der Schwangerschaft zu vermeiden, ist es besser, in dieser Zeit keinen Sex mit Partnern zu haben, die Genitalherpes haben oder haben könnten. Dies gilt auch für Oralverkehr mit Menschen, die Lippenherpes haben.

    Wie können Ausbrüche in der Schwangerschaft behandelt werden?

    Da ein Erstausbruch von Genitalherpes meist starke Beschwerden auslöst, wird er auch in der Schwangerschaft häufig mit Aciclovir behandelt. Wird der Ausbruch besonders heftig, kann das Medikament auch intravenös über einen Tropf gegeben werden.

    Da weitere Ausbrüche normalerweise deutlich milder verlaufen, wird oft auf Medikamente verzichtet. Bei starken Beschwerden oder möglichen Komplikationen kann aber auch dann eine medikamentöse Behandlung infrage kommen.

    Quellen

    Brown ZA, Wald A, Morrow RA, Selke S, Zeh J, Corey L. Effect of serologic status and cesarean delivery on transmission rates of herpes simplex virus from mother to infant. JAMA 2003; 289(2): 203-209.

    Hollier LM, Wendel GD. Third trimester antiviral prophylaxis for preventing maternal genital herpes simplex virus (HSV) recurrences and neonatal infection. Cochrane Database Syst Rev 2008; (1): CD004946.

    Patel R, Alderson S, Geretti A, Nilsen A, Foley E, Lautenschlager S et al. European guideline for the management of genital herpes, 2010. Int J STD AIDS 2011; 22(1): 1-10.

    Workowski KA, Bolan GA. Sexually transmitted diseases treatment guidelines, 2015. MMWR Recomm Rep 2015; 64(RR-03): 1-137.

    World Health Organization (WHO). WHO Guideline for the Treatment of Genital Herpes Simplex Virus. Genf: WHO; 2016.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Wie kann man in der Partnerschaft eine Ansteckung vermeiden?

    Herpes-Viren werden am leichtesten während eines Ausbruchs übertragen. Deshalb ist es besser, in dieser Zeit auf Sex zu verzichten. Auch in beschwerdefreien Phasen ist eine Ansteckung möglich. Kondome können dieses Risiko deutlich senken.

    Wer Genitalherpes hat, kann Einiges tun, um seine Partnerin oder seinen Partner vor einer Ansteckung zu schützen. Am wichtigsten ist es,

    • während eines Ausbruchs auf Sex zu verzichten,
    • in symptomfreien Phasen Kondome zu verwenden und
    • mit der Partnerin oder dem Partner offen über die Erkrankung zu sprechen.

    Für Menschen, die sehr oft Genitalherpes haben, kann auch eine vorbeugende Behandlung mit virushemmenden (antiviralen) Medikamenten infrage kommen. Sie hemmen die Aktivität des Virus und senken dadurch auch das Risiko, die Partnerin oder den Partner anzustecken.

    Herpes-Viren werden am leichtesten während eines Ausbruchs übertragen. Deshalb ist es besser, in dieser Zeit auf Sex zu verzichten. Auch in beschwerdefreien Phasen ist eine Ansteckung möglich. Kondome können dieses Risiko deutlich senken.

    Wer Genitalherpes hat, kann Einiges tun, um seine Partnerin oder seinen Partner vor einer Ansteckung zu schützen. Am wichtigsten ist es,

    • während eines Ausbruchs auf Sex zu verzichten,
    • in symptomfreien Phasen Kondome zu verwenden und
    • mit der Partnerin oder dem Partner offen über die Erkrankung zu sprechen.

    Für Menschen, die sehr oft Genitalherpes haben, kann auch eine vorbeugende Behandlung mit virushemmenden (antiviralen) Medikamenten infrage kommen. Sie hemmen die Aktivität des Virus und senken dadurch auch das Risiko, die Partnerin oder den Partner anzustecken.

    Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko?

    Wie wahrscheinlich es ist, sich beim Sex mit Genitalherpes anzustecken, hängt von vielen Faktoren ab: wie häufig man Sex hat, ob und wie oft man mit Kondomen verhütet und wie lange das Virus bereits im Körper ist. Wer das Virus schon lange im Körper trägt, ist weniger ansteckend als jemand, der sich gerade erst infiziert hat. Frauen haben allgemein ein höheres Ansteckungsrisiko als Männer. Andere sexuell übertragbare Krankheiten wie eine HIV-Infektion erhöhen das Ansteckungsrisiko ebenfalls.

    In Studien mit Paaren, bei denen ein Partner Genitalherpes hatte, steckten sich innerhalb eines Jahres 5 bis 10 % der Partner mit dem Virus an. Allerdings benutzten die Paare in diesen Studien nur selten Kondome – und wenn, oft nur während eines Ausbruchs. In einer dieser Untersuchungen wurde ermittelt, dass es schätzungsweise bei einem von 1000 Sexualakten zu einer Ansteckung kommt.

    Soll man sich testen lassen?

    Für Partnerinnen und Partner von Menschen mit Genitalherpes ist es sinnvoll, einen Bluttest auf Herpes-Antikörper zu machen. Dies kann zum Beispiel bei der Entscheidung helfen, ob man mit virushemmenden Medikamenten vorbeugen will. Möglicherweise sind beide Partner bereits Träger des gleichen Virustyps. Dann gibt es keinen Grund, vorbeugend Medikamente zu nehmen, um den Partner zu schützen.

    Wenn jedoch einer HSV-1 oder Lippenherpes hat und der andere HSV-2 oder Genitalherpes, können sie sich gegenseitig mit dem jeweils anderen Virus anstecken. Trägt ein Partner Herpes-Viren im Körper und der andere nicht, sind Kondome eine Möglichkeit, sich vor einer Ansteckung zu schützen.

    Wie gut schützen Medikamente vor einer Ansteckung?

    Wer Genitalherpes hat, steckt seine Partnerin oder seinen Partner wahrscheinlich etwas seltener an, wenn sie oder er mit virushemmenden Medikamenten vorbeugt. Zur Vorbeugung kommen Medikamente mit den Wirkstoffen Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir infrage. Die Mittel müssen jedoch täglich und längerfristig eingenommen werden. In einer Studie zeigte sich über einen Zeitraum von acht Monaten, dass sich

    • 4 von 100 Personen ansteckten, wenn der erkrankte Partner ein Placebo nahm,
    • 2 von 100 Personen ansteckten, wenn der erkrankte Partner täglich virushemmende Medikamente einnahm.

    Den Paaren in der Studie wurde zusätzlich empfohlen, mit Kondomen zu verhüten – viele Paare verwendeten sie aber nicht durchgängig. Ob sich das Risiko für eine Ansteckung durch Medikamente weiter senken lässt, wenn man immer mit Kondomen verhütet, ist daher unklar.

    Ob man Medikamente zur Vorbeugung nehmen möchte, ist eine persönliche Entscheidung. Dabei können viele Aspekte eine Rolle spielen: seit wann die Infektion besteht, wie häufig und schwer die Ausbrüche sind, das Geschlecht, die Häufigkeit der Sexualkontakte und ob man Kondome benutzt.

    Quellen

    Corey L, Wald A, Patel R, Sacks SL, Tyring SK, Warren T et al. Once-daily valacyclovir to reduce the risk of transmission of genital herpes. N Engl J Med 2004; 350(1): 11-20.

    Feltner C, Grodensky C, Ebel C, Middleton JC, Harris RP, Ashok M et al. Serological Screening for Genital Herpes: An Evidence Review for the U.S. Preventive Services Task Force. 12.2016. (AHRQ Evidence Syntheses; Band 149).

    Mertz GJ, Benedetti J, Ashley R, Selke SA, Corey L. Risk factors for the sexual transmission of genital herpes. Ann Intern Med 1992; 116(3): 197-202.

    Wald A, Langenberg AG, Link K, Izu AE, Ashley R, Warren T et al. Effect of condoms on reducing the transmission of herpes simplex virus type 2 from men to women. JAMA 2001; 285(24): 3100-3106.

    Workowski KA, Bolan GA. Sexually transmitted diseases treatment guidelines, 2015. MMWR Recomm Rep 2015; 64(RR-03): 1-137.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Wie kann Genitalherpes behandelt werden?

    Wenn Genitalherpes zum ersten Mal auftritt, ist eine Behandlung mit virushemmenden Medikamenten sinnvoll. Weitere Ausbrüche verlaufen oft milder, dann sind Medikamente nicht immer nötig. Bei häufigem Genitalherpes kann auch eine vorbeugende Behandlung infrage kommen.

    Genitalherpes kann zwar auch von selbst wieder abheilen. Wer zum ersten Mal an Genitalherpes erkrankt, kann aber besonders starke Beschwerden haben. Um sie zu lindern und Komplikationen vorzubeugen, nehmen die meisten Menschen dann virushemmende (antivirale) Medikamente ein. Dazu gehören Aciclovir, Famciclovir und Valaciclovir.

    Wenn Genitalherpes zum ersten Mal auftritt, ist eine Behandlung mit virushemmenden Medikamenten sinnvoll. Weitere Ausbrüche verlaufen oft milder, dann sind Medikamente nicht immer nötig. Bei häufigem Genitalherpes kann auch eine vorbeugende Behandlung infrage kommen.

    Genitalherpes kann zwar auch von selbst wieder abheilen. Wer zum ersten Mal an Genitalherpes erkrankt, kann aber besonders starke Beschwerden haben. Um sie zu lindern und Komplikationen vorzubeugen, nehmen die meisten Menschen dann virushemmende (antivirale) Medikamente ein. Dazu gehören Aciclovir, Famciclovir und Valaciclovir.

    Wie wird ein Erstausbruch behandelt?

    Virushemmende Mittel können die Beschwerden eindämmen und die Erkrankungsdauer um 2 bis 4 Tage verkürzen. Die Behandlung eines Erstausbruchs sollte in den ersten drei Tagen begonnen werden – je früher, desto besser.

    Die Medikamente werden als Tabletten eingenommen. Ihre Anwendung unterscheidet sich je nach Wirkstoff und Dosierung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt zur Behandlung eines erstmaligen Ausbruchs folgende Möglichkeiten:

    • Aciclovir: 200 mg fünfmal täglich oder 400 mg dreimal täglich,
    • Famciclovir: 250 mg dreimal täglich oder
    • Valaciclovir: 500 mg zweimal täglich.

    Die WHO empfiehlt eine Behandlung über zehn Tage.

    Die drei Medikamente sind ähnlich wirksam. Meist wird Aciclovir eingesetzt, weil es mit diesem Mittel die meisten Erfahrungen gibt.

    Wann und wie werden weitere Ausbrüche behandelt?

    Weitere Ausbrüche mit nur leichten Beschwerden müssen nicht unbedingt behandelt werden. Die Bläschen können dann einfach von selbst abheilen.

    Virushemmende Medikamente können aber auch weitere Ausbrüche um durchschnittlich etwa zwei Tage verkürzen. Wenn man sich für eine Behandlung entscheidet, ist es wichtig, sie innerhalb der ersten 24 Stunden des Ausbruchs zu beginnen – am besten, sobald sich die ersten Symptome andeuten. Deshalb ist es gut, immer einige Tabletten zu Hause oder auf Reisen dabei zu haben, die man bei Bedarf einnehmen kann. Die Ärztin oder der Arzt kann ein Rezept ausstellen.

    Bei späteren Ausbrüchen reicht eine kürzere Einnahmedauer. Die WHO empfiehlt:

    • Aciclovir: 400 mg dreimal täglich oder 800 mg zweimal täglich für fünf Tage, oder 800 mg dreimal täglich für zwei Tage,
    • Famciclovir: 250 mg zweimal täglich für fünf Tage oder
    • Valaciclovir: 500 mg zweimal täglich für drei Tage.

    Für Menschen mit Erkrankungen des Immunsystems, wie zum Beispiel einer HIV-Infektion, kann eine etwas andere Dosierung und Behandlungsdauer sinnvoll sein.

    Wann kommt eine vorbeugende Behandlung infrage?

    Manche Menschen haben sehr häufig Genitalherpes oder besonders starke Beschwerden. Dann kann es sinnvoll sein, längerfristig virushemmende Mittel einzunehmen – also auch in beschwerdefreien Phasen. Ziel ist, weitere Ausbrüche zu verhindern und die Beschwerden nicht so stark werden zu lassen. Außerdem ist man durch die virushemmenden Medikamente weniger ansteckend. Zur vorbeugenden Behandlung empfiehlt die WHO:

    • Aciclovir: 400 mg zweimal täglich,
    • Famciclovir: 250 mg zweimal täglich oder
    • Valaciclovir: 500 mg einmal täglich.

    Studien zeigen, dass eine vorbeugende Behandlung das Risiko für weitere Ausbrüche deutlich senken kann. Die teilnehmenden Personen hatten vor Studienbeginn vier oder mehr Ausbrüche im Jahr und nahmen dann bis zu einem Jahr virushemmende Medikamente oder ein Scheinmedikament (Placebo). Die zusammenfassende Auswertung der Studienergebnisse zeigt:

    • 96 von 100 Teilnehmenden, die ein Placebo bekamen, hatten mindestens einen weiteren Genitalherpes-Ausbruch.
    • 46 von 100 Personen, die virushemmende Medikamente bekamen, hatten mindestens einen weiteren Ausbruch.

    Das heißt, die Mittel konnten innerhalb eines Jahres bei 50 von 100 Personen weitere Ausbrüche verhindern.

    Auch Menschen mit sehr häufigen Ausbrüchen profitieren von einer vorbeugenden Behandlung: In einer Studie, an der Menschen mit sehr häufigen Ausbrüchen teilgenommen hatten, konnten die Medikamente die Zahl der Ausbrüche innerhalb von einem Jahr von 11 auf 2 senken.

    Ob man sich für eine vorbeugende Behandlung entscheidet, hängt neben der Häufigkeit und Stärke der Beschwerden auch von den eigenen Bedürfnissen ab.

    Manche Fachleute empfehlen, eine vorbeugende Behandlung einmal im Jahr zu unterbrechen, um zu prüfen, ob sie noch benötigt wird. Bei vielen Menschen nimmt die Häufigkeit und Schwere von Genitalherpes-Ausbrüchen mit der Zeit ab.

    Sind virushemmende Medikamente sicher?

    Virushemmende Medikamente gelten als sehr sicher. Fast alle Menschen vertragen sie gut, weil die Wirkstoffe nur in Zellen aktiv werden, die von Viren befallen sind.

    Für Menschen mit einer Nierenschwäche kann es nötig sein, die Mittel niedriger zu dosieren, da sie über die Nieren ausgeschieden werden.

    Was kann ich selbst tun, um Beschwerden zu lindern?

    Bei manchen Frauen lösen Genitalherpes-Bläschen Schmerzen beim Wasserlassen aus. Viele empfinden es dann als lindernd, wenn sie in einem Sitzbad urinieren. Für Sitzbäder gibt es Toiletteneinsätze, die preiswert zum Beispiel in Apotheken oder im Versandhandel erhältlich sind. Auf Seifen und Badezusätze verzichtet man dabei besser, da sie die Haut zusätzlich reizen können. Um dies zu vermeiden, ist es außerdem sinnvoll, möglichst glatte Stoffe, locker sitzende Kleidung und Wäsche zu tragen.

    Wenn die Bläschen stark schmerzen, sind auch Schmerzmittel wie Ibuprofen eine Möglichkeit.

    Eine äußerliche Behandlung mit virushemmenden Cremes oder Salben bringt keine Linderung, kann aber die Bildung von Resistenzen begünstigen. Fachleute raten davon ab.

    Quellen

    Heslop R, Roberts H, Flower D, Jordan V. Interventions for men and women with their first episode of genital herpes. Cochrane Database Syst Rev 2016; (8): CD010684.

    Hollier LM, Eppes C. Genital herpes: oral anti viral treatments. BMJ Clin Evid 2015: pii: 1603.

    Le Cleach L, Trinquart L, Do G, Maruani A, Lebrun-Vignes B, Ravaud P et al. Oral antiviral therapy for prevention of genital herpes outbreaks in immunocompetent and nonpregnant patients. Cochrane Database Syst Rev 2014; (8): CD009036.

    Patel R, Alderson S, Geretti A, Nilsen A, Foley E, Lautenschlager S et al. European guideline for the management of genital herpes, 2010. Int J STD AIDS 2011; 22(1): 1-10.

    World Health Organization (WHO). WHO Guideline for the Treatment of Genital Herpes Simplex Virus. Genf: WHO; 2016.

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