Gesundheitslexikon

Gesundheitsversorgung in Deutschland

Überblick Mehr Wissen

    Überblick

    Wer krank wird, hat es in Deutschland normalerweise nicht schwer, medizinische Hilfe zu finden. Es gibt ein dichtes Netz von leicht zugänglichen Behandlungsangeboten. Sich im deutschen Gesundheitssystem zurechtzufinden, ist trotzdem nicht immer einfach. Wir geben eine Orientierungshilfe.

    Einleitung

    Wer krank wird, hat es in Deutschland normalerweise nicht schwer, medizinische Hilfe zu finden. Es gibt ein dichtes Netz von leicht zugänglichen Behandlungsangeboten. Die Kosten für Behandlungen und Untersuchungen trägt größtenteils die Krankenversicherung.

    Sich im deutschen Gesundheitssystem zurechtzufinden, ist trotzdem nicht immer einfach. Mit dem Thema „Gesundheitsversorgung in Deutschland“ geben wir deshalb einen Überblick und eine praktische Orientierungshilfe. Wir richten uns dabei vor allem an Menschen aus anderen Ländern, die in Deutschland leben und arbeiten – ob dauerhaft oder vorübergehend. Denn für den Fall einer Erkrankung abgesichert zu sein und zu wissen, an welche Einrichtung, Arztpraxis oder Klinik man sich wenden kann, ist die Voraussetzung für eine rasche und sichere Behandlung.

    Krankenversicherung

    In Deutschland besteht eine Krankenversicherungspflicht. Das heißt, alle Bürgerinnen und Bürger sind verpflichtet, sich in einer Krankenkasse zu versichern. Dies soll dafür sorgen, dass niemand wegen einer Erkrankung in finanzielle Not gerät. Wer krankenversichert ist, zahlt normalerweise keine oder nur einen zumutbaren Teil der Behandlungskosten und ist finanziell abgesichert, wenn er nicht arbeiten kann.

    Bis zu einem bestimmten Bruttogehalt müssen sich Arbeitnehmer bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichern. Wer mehr verdient, kann sich privat versichern.

    Die Gesundheitsversorgung wird überwiegend durch Beiträge der Versicherten und der Arbeitgeber finanziert. Die Höhe der Beiträge richtet sich allein nach dem Einkommen eines Versicherten. Dabei hat jeder gesetzlich Versicherte den gleichen Versorgungsanspruch – egal, wie hoch seine Beiträge sind.

    Ambulante Behandlung

    In Deutschland besteht das Prinzip der „Freien Arztwahl“ – das heißt, Versicherte können selbst entscheiden, an welche Arzt-, Zahnarzt- oder Psychotherapiepraxis sie sich wenden. Ärztinnen und Ärzte wiederum sind grundsätzlich verpflichtet, jeden Versicherten zu behandeln.

    Die meisten Menschen gehen bei einer Erkrankung oder einem Gesundheitsproblem zunächst in ihre Haus- oder Kinderarztpraxis. Dort wird entschieden, ob es nötig ist, eine Spezialistin oder einen Spezialisten in die Behandlung einzubeziehen.

    Das geschieht durch eine Überweisung an eine Facharztpraxis, wie zum Beispiel für Frauenheilkunde (Gynäkologie) oder Hauterkrankungen (Dermatologie). Es ist aber auch möglich, direkt zu einer speziellen Fachärztin, einem Facharzt oder Psychotherapeuten zu gehen.

    In Notfällen, etwa nach einem Unfall oder einem Herzinfarkt, ist unter der Telefonnummer 112 der Rettungsdienst erreichbar.

    Neben Ärzten und Zahnärzten stehen auch nicht ärztliche Heilberufe zur Verfügung: Dazu gehören zum Beispiel Physiotherapeuten, Logopäden, Pflegekräfte und Hebammen. Für eine physiotherapeutische oder logopädische Behandlung sowie für häusliche Pflege braucht man meist ein ärztliches Rezept.

    Die meisten Arzt- und Zahnarztpraxen haben eine „Kassenzulassung“ und behandeln gesetzlich Versicherte. Sie müssen ihre Versichertenkarte mitbringen, damit die Praxen mit der Krankenkasse abrechnen können. Für bestimmte Leistungen wie hochwertigen Zahnersatz zahlt die gesetzliche Krankenkasse feste Zuschüsse. Die darüber hinausgehenden Kosten müssen selbst gezahlt werden. Die Höhe dieses Eigenanteils hängt vom gewählten Zahnersatz ab. Auch für eine ambulante logopädische oder physiotherapeutische Behandlung müssen Erwachsene in der Regel eine Zuzahlung leisten.

    Privat versicherte Patientinnen und Patienten zahlen die Behandlungskosten zunächst selbst und bekommen die Kosten später von ihrer Versicherung erstattet. Die Höhe der Erstattung hängt vom einzelnen Vertrag ab.

    Stationäre Behandlung

    Die meisten Krankenhäuser in Deutschland behandeln gesetzlich und privat Versicherte. Ob eine Krankenhausbehandlung nötig ist, entscheidet der Haus- oder Facharzt – es sei denn, es handelt sich um einen Notfall. Wenn „ambulant“ behandelt werden kann, ist es möglich, am gleichen Tag wieder nach Hause zu gehen. Ist ein längerer Klinikaufenthalt mit Übernachtung nötig, spricht man von „stationärer Behandlung“. Dabei müssen auch gesetzlich Versicherte eine Zuzahlung für Unterbringung und Verpflegung leisten.

    Neben der stationären Versorgung im Krankenhaus gibt es noch die stationäre medizinische Rehabilitation. In Rehabilitationseinrichtungen werden mehrere Tage bis Wochen dauernde Behandlungen angeboten, die helfen, nach einer schweren Erkrankung wieder selbstständig und leistungsfähig zu werden.

    Rehabilitationseinrichtungen gibt es auch für psychische und Suchterkrankungen.

    Apotheken

    Medikamente erhält man in einer Apotheke. Hier kann man sich auch über Arzneimittel informieren und beraten lassen. Ist eine Apotheke geschlossen, informiert ein Aushang an der Eingangstür, welche Apotheke in der Nähe Notdienst hat – das heißt, auch nachts und an Wochenenden geöffnet ist.

    Wenn die Ärztin oder der Arzt ein Medikament verschrieben hat, muss ein kleiner Teil der Kosten selbst gezahlt werden, den Rest zahlt die Krankenkasse. Die sogenannte Zuzahlung beträgt höchstens 10 Euro pro Medikament und entfällt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Privat Versicherte müssen ihre Medikamente zunächst in voller Höhe selbst bezahlen, bekommen die Kosten aber später von ihrer Versicherung erstattet.

    Beratung und Selbsthilfe

    In Deutschland gibt es ein breites Angebot zur persönlichen Beratung und Unterstützung im Krankheitsfall: Dazu zählen zum Beispiel Selbsthilfegruppen, unabhängige Patientenberatung, psychosoziale Beratungsstellen und Beratungsangebote der Krankenkassen und Gesundheitsämter.

    Informationsmaterial und Broschüren zu verschiedenen Gesundheitsthemen bietet das Bundesministerium für Gesundheit speziell für Migrantinnen und Migranten auf der Website „Migration und Gesundheit“ in vielen Sprachen.

    Beratung und Austausch mit anderen Erkrankten sind oft auch sehr wertvoll, wenn es darum geht, sich für eine von mehreren Behandlungsmöglichkeiten zu entscheiden. Dies ist nicht immer einfach. Um die richtige und persönlich passende Wahl zu treffen, sind fundierte Informationen wichtig.

    Quellen

    Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Migration und Gesundheit. 2018.

    Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Schaubild "Das Gesundheitssystem" - der Staat setzt den Rahmen. 08.2015.

    Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Dossier Gesundheitspolitik. Das Gesundheitswesen in Deutschland. Ein Überblick. 01.03.2012.

    Busse R, Blümel M, Ognyanova D. Das deutsche Gesundheitssystem: Akteure, Daten, Analysen. Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2013.

    Klemperer D. Sozialmedizin – Public Health – Gesundheitswissenschaften. Bern: Huber; 2014.

    Obermann K, Müller P, Müller HH, Schmidt B, Glazinski B. The German Health Care System. A concise overview. 2013.

    Statistisches Bundesamt (Destatis). Eckdaten der Krankenhäuser 2013.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Wie können Qualitätsberichte helfen, das passende Krankenhaus zu finden?

    Wer als Patient eine Operation vor sich hat, möchte es ebenso wissen wie eine Ärztin, die Empfehlungen ausspricht: Wie finde ich das richtige Krankenhaus? Die Qualitätsberichte der Krankenhäuser enthalten zum Beispiel Angaben zur Spezialisierung einer Klinik und zur Häufigkeit einer Behandlung. Krankenhaus-Suchmaschinen helfen, Kliniken zu vergleichen.

    Vor allem bei einer geplanten Behandlung hat man Zeit, sich zu überlegen, welche Klinik die passende ist. Und man hat das Recht, sich ein Krankenhaus auszusuchen. Viele verlassen sich bei der Wahl auf persönliche Einschätzungen oder auf den Rat von Angehörigen oder Kolleginnen und Kollegen. Das kann hilfreich sein, hat jedoch seine Grenzen. Denn die Erfahrung eines Einzelnen kann nicht die Qualität eines ganzen Krankenhauses widerspiegeln. Wie gut die Behandlung in einem Krankenhaus ist, lässt sich erst bewerten, wenn man die Ergebnisse aller Patientinnen und Patienten kennt. Deshalb gibt es die Qualitätsberichte, mit denen die Krankenhäuser über ihre Arbeit informieren.

    Welche Informationen enthalten die Qualitätsberichte?

    In den Qualitätsberichten werden unter anderem die Qualifikationen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfasst, die Spezialkompetenzen der Klinik, eine besondere Geräteausstattung und die Häufigkeit von Komplikationen. Die Krankenhäuser lassen sich so viel besser beurteilen. Wer zum Beispiel eine Hüft-OP vor sich hat und bisher nur wusste, dass ein Krankenhaus einen guten Ruf hat, kann nun mehr in Erfahrung bringen, etwa: Wie viele künstliche Hüftgelenke wurden dort eingesetzt? Wie häufig ist es dabei zu Wundinfektionen gekommen? Welche anderen Krankenhäuser in der Umgebung bieten diesen Eingriff an? Wo kann eine Begleitperson untergebracht werden?

     

    Grafik: Leistungsbereiche, deren Qualität die Krankenhäuser im Jahr 2014 dokumentiert haben Leistungsbereiche, deren Qualität die Krankenhäuser im Jahr 2014 dokumentiert haben

      

    Informationen zur Qualitätssicherung werden allerdings nicht für alle Behandlungen, sondern nur für bestimmte sogenannte Leistungsbereiche dokumentiert.

    Die Qualitätsberichte der Krankenhäuser sind auf der Website des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) abrufbar. Ein Qualitätsbericht enthält jedoch zahlreiche Fachbegriffe und Kennzahlen und ist oft nicht einfach zu verstehen. Deshalb gibt es im Internet spezielle Krankenhaus-Suchmaschinen. Sie bereiten die Daten der Qualitätsberichte für Patientinnen und Patienten auf und helfen, die gewünschten Informationen zu finden. Auch hier bietet die Website des G-BA eine Übersicht.

    So funktionieren Krankenhaus-Suchmaschinen

    In einem ersten Schritt kann man bei einer Krankenhaus-Suchmaschine eine Stadt oder Postleitzahl eingeben sowie die Erkrankung oder die geplante Behandlung. Die Suche nach einer Stadt oder Postleitzahl kann auch mit einem ICD- oder OPS-Code kombiniert werden. Mit dem ICD-Code werden alle Krankheiten eingeteilt, mit dem OPS-Code Operationen und andere Behandlungen. Dann wird eine Liste mit Krankenhäusern angezeigt, die die gesuchte Behandlung anbieten. Hier finden sich auch Angaben dazu, wie weit ein Krankenhaus von dem gesuchten Ort entfernt ist, wie viele Menschen dort behandelt wurden und über welche Geräte eine Klinik verfügt. Gehört eine Behandlung zu einem Leistungsbereich, für den die Qualitätssicherung dokumentiert werden muss, finden sich auch Angaben dazu, wie ein Krankenhaus hier abgeschnitten hat.

    Wie kann man bei der Suche konkret vorgehen?

    Suchbeispiel: Entfernung der Gallenblase

    Frau Müller hat Gallensteine, die starke Schmerzen verursachen, sodass die Gallenblase entfernt werden muss. Sie sucht ein Krankenhaus in der Nähe, das bei der Gallenblasenentfernung gut abschneidet.

    • Frau Müller gibt zuerst das Stichwort „Gallenblasenentfernung“ ein oder den OPS-Code „5-511“ und einen Ort.
    • Es öffnet sich eine Liste mit Kliniken in der gewählten Region.
    • Frau Müller kann hier Krankenhäuser auswählen, um mehr über sie zu erfahren, etwa: Wie vielen Menschen wurde in einer Klinik die Gallenblase entfernt? Gehört die Leber-, Gallen-, Bauchspeicheldrüsenchirurgie (Pankreaschirurgie) zum medizinischen Leistungsangebot der Fachabteilungen?
    • Unter dem Stichwort „Qualitätsindikatoren“ oder „Gesetzliche Qualitätssicherung“ findet Frau Müller Qualitätsergebnisse der Kliniken bei der Gallenblasenentfernung, zum Beispiel, wie oft Komplikationen eine erneute Operation erforderlich gemacht haben und wie viele Menschen bei diesem Eingriff gestorben sind.
    • Unter dem Stichwort „Personal“ oder „Ärztliche Qualifikation“ kann sie herausfinden, ob das Klinikum Ärztinnen oder Ärzte beschäftigt, die in Allgemeinchirurgie oder Bauchchirurgie (Viszeralchirurgie) qualifiziert sind.

    Wie die Suche beginnt und wie die Ergebnisse dargestellt werden, kann jedoch von Suchmaschine zu Suchmaschine unterschiedlich sein. Dadurch können auch die Suchergebnisse etwas voneinander abweichen. In den Suchmaschinen werden die Daten der Qualitätsberichte außerdem häufig durch weitere Informationen ergänzt. So gibt es zum Beispiel Angaben zur Patientenzufriedenheit, die auf Versichertenbefragungen verschiedener Krankenkassen basieren. Aufgrund dieser Unterschiede kann es sich lohnen, verschiedene Krankenhaus-Suchmaschinen auszuprobieren.

    Wie läuft die Qualitätssicherung im Krankenhaus ab?

    Ob eine Behandlung erfolgreich ist, hängt unter anderem davon ab, ob Ärztinnen und Ärzte bestimmte Standards beachten: Etwa ob sie Antibiotika geben, um Infektionen zu verhindern - oder ob sie einen ausreichend breiten Sicherheitsabstand um einen Tumor einhalten, wenn sie ihn entfernen. Gute Qualität bedeutet in der Medizin unter anderem, dass Komplikationen möglichst vermieden werden und dass die Behandlung zum richtigen Zeitpunkt begonnen wird. Damit ein Herzschrittmacher seinen Zweck erfüllen kann, muss er zum Beispiel rechtzeitig eingesetzt werden. Zudem dürfen die dazugehörigen Sonden nicht verrutschen. Solche Komplikationen müssen die Krankenhäuser dokumentieren. Daher sagt beispielsweise der Qualitätsindikator „Komplikationen während oder nach dem Einsetzen eines Herzschrittmachers“ etwas über die Qualität der Behandlung aus.

    Doch ob ein kranker Mensch wieder gesund wird, hängt nicht allein vom Können der Ärztinnen und Ärzte oder von einem standardisierten Vorgehen ab. Die gleiche medizinische Behandlung kann bei verschiedenen Menschen unterschiedlich wirken. Manche Menschen haben Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck, die ihr Risiko für Komplikationen erhöhen. Es spielt auch eine Rolle, ob wie vorgesehen weiterbehandelt wird. In welcher Verfassung jemand ins Krankenhaus kommt, ist ebenfalls von Bedeutung. Auf all diese Faktoren hat ein Krankenhaus in der Regel wenig Einfluss. Um dennoch einen fairen Vergleich zwischen Krankenhäusern zu ermöglichen, versuchen Fachleute, Unterschiede zwischen den Patientinnen und Patienten verschiedener Krankenhäuser mithilfe von statistischen Berechnungen auszugleichen.

    Was bedeutet „rechnerisch auffällig“?

    Ob die Qualität gut oder weniger gut ist, lässt sich nur im Vergleich bestimmen. Daher gibt es für Qualitätsindikatoren sogenannte Referenzbereiche. Ein Referenzbereich ist ein Standard, der anhand von wissenschaftlichen Untersuchungen und Leitlinien festgelegt wird: Entweder als Bereich, innerhalb dessen die Qualität als „gut“ gilt, oder als Wert, der nicht über- oder unterschritten werden darf. Ein Ergebnis innerhalb des Referenzbereiches ist „rechnerisch unauffällig“. Ein Wert außerhalb des Referenzbereiches ist „rechnerisch auffällig“ und wird näher analysiert.

    Ein Beispiel für einen Referenzbereich:

    • Sterblichkeit bei einer Lungenentzündung: Eine Lungenentzündung kann besonders für Menschen mit anderen schweren Erkrankungen sowie für ältere Menschen lebensbedrohlich werden. Eine unzureichende Behandlung erhöht die Sterblichkeit. Wie viele Menschen in einem Krankenhaus an einer Lungenentzündung sterben, ist daher ein Qualitätsindikator: Bei einer außerhalb des Krankenhauses erworbenen Lungenentzündung liegt der Referenzbereich für die Sterblichkeit bei 13,8 Prozent. Wenn in einem Krankenhaus 8 Prozent der erkrankten  Menschen an einer Lungenentzündung sterben, ist das Ergebnis „rechnerisch unauffällig": Es liegt im Referenzbereich.

    Wie werden Daten gesammelt und ausgewertet?

    Die Daten werden von den Krankenhäusern selbst erhoben. Sie müssen die Daten zu den einzelnen Qualitätsindikatoren für jede Patientin und jeden Patienten dokumentieren. Diese Angaben übermitteln sie an unabhängige Prüfinstitute.

    Wenn die Ergebnisse einer Klinik von den Qualitätsvorgaben abweichen, beginnt ein festgelegtes Verfahren, um die Ursachen aufzuklären. Dieses Verfahren wird „Strukturierter Dialog“ genannt, weil Prüfinstitut und Krankenhaus zusammenarbeiten müssen.

    Das Verfahren beginnt in der Regel mit der Ursachenforschung. Das Prüfinstitut fordert die Klinik auf, eine Stellungnahme abzugeben. Auf diese Weise wird versucht zu klären, was die Auffälligkeit verursacht hat: Handelt es sich vielleicht schlicht um einen Fehler bei der Dokumentation? Kann die Klinik gute Gründe für die Abweichung nennen? Oder wurden tatsächlich Qualitätsstandards nicht eingehalten? Diese Fragen muss das Krankenhaus beantworten.

    Und wenn die Dokumentation unvollständig oder fehlerhaft ist?

    Wenn ein Krankenhaus seiner Pflicht zur Qualitätsberichterstattung nicht ordnungsgemäß nachkommt, wird dies bekannt gemacht. Der Gemeinsame Bundesausschuss erstellt eine Liste mit Krankenhäusern, die keine Daten geliefert haben. Liefert das Krankenhaus ein zweites Mal nicht, hat das finanzielle Folgen. Auch eine lückenhafte Dokumentation wird bestraft.

    Die Prüfinstitute gehen auch der Frage nach, ob die von den Krankenhäusern gelieferten Daten den Tatsachen entsprechen: Sie werden einmal pro Jahr in ausgewählten Bereichen stichprobenartig auf Vollständigkeit geprüft und mit den Krankenakten verglichen.

    Weitere Informationen

    Der Gemeinsame Bundesausschuss stellt auf seiner Website ausführlichere Informationen zu den Qualitätsberichten zur Verfügung.

    Außerdem findet man dort einen Überblick über verschiedene Krankenhaus-Suchmaschinen sowie eine Datenbank mit den vollständigen Qualitätsberichten der Krankenhäuser.

    Patientinnen und Patienten, die sich Unterstützung bei der Auswahl eines Krankenhauses wünschen, können sich auch an

    • ihre Haus- oder Facharztpraxis,
    • ihre Krankenkasse oder
    • die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wenden.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Lesehilfen und Glossar zum Qualitätsbericht der Krankenhäuser: Rapid Report; Auftrag P14-01. 10.03.2015. (IQWiG-Berichte; Band 284).

    Die vorliegende Gesundheitsinformation gibt die Inhalte des wissenschaftlichen Gutachtens des IQWiG wieder und ist keine leistungsrechtliche Bewertung der Behandlungsmethode, aus der Rückschlüsse auf die Kostenerstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung zulässig wären. Die Entscheidung über die Kostenübernahme diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist per Gesetz dem Gemeinsamen Bundesausschuss vorbehalten. Der Gemeinsame Bundesausschuss bezieht die Gutachten des IQWiG in seine Beschlussfassung ein. Informationen zu den Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses erhalten Sie auf dessen Website unter www.g-ba.de.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Das deutsche Gesundheitssystem

    Das deutsche Gesundheitssystem wird von vielen Einrichtungen und Akteuren getragen und selbst verwaltet. Wir informieren, welche Organisationen eine Rolle spielen, wie das Versorgungssystem aufgebaut ist und wie es sich entwickelt hat.

    Das Versorgungssystem ist in Deutschland in drei Bereiche gegliedert: Es gibt die ambulante Versorgung, den Krankenhaus-Sektor sowie ambulante und stationäre Rehabilitations-Einrichtungen.

    Zu den Akteuren im Gesundheitssystem zählen Verbände und Interessenvertretungen der verschiedenen Anbieter und Berufsgruppen, Krankenversicherungen, qualitätssichernde Einrichtungen, das Gesundheitsministerium sowie Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen.

    Das deutsche Gesundheitssystem wird von vielen Einrichtungen und Akteuren getragen und selbst verwaltet. Wir informieren, welche Organisationen eine Rolle spielen, wie das Versorgungssystem aufgebaut ist und wie es sich entwickelt hat.

    Das Versorgungssystem ist in Deutschland in drei Bereiche gegliedert: Es gibt die ambulante Versorgung, den Krankenhaus-Sektor sowie ambulante und stationäre Rehabilitations-Einrichtungen.

    Zu den Akteuren im Gesundheitssystem zählen Verbände und Interessenvertretungen der verschiedenen Anbieter und Berufsgruppen, Krankenversicherungen, qualitätssichernde Einrichtungen, das Gesundheitsministerium sowie Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen.

    Grundprinzipien des Versorgungssystems

    Das System der Gesundheitsversorgung in Deutschland basiert auf vier Grundprinzipien:

    • Versicherungspflicht: Alle Bürger sind verpflichtet, sich in einer gesetzlichen Krankenkasse (GKV) zu versichern – solange sie brutto nicht mehr verdienen als einen bestimmten Betrag („Versicherungspflichtgrenze“). Wer mehr verdient, kann sich in einer privaten Krankenversicherung (PKV) versichern.
    • Beitragsfinanzierung: Die Gesundheitsversorgung wird überwiegend durch Beiträge der krankenversicherten Bürgerinnen und Bürger sowie der Arbeitgeber finanziert. Zuschüsse aus Steuereinnahmen kommen hinzu. Zum Vergleich: Staatliche Gesundheitssysteme wie etwa in Großbritannien oder Schweden wirtschaften mit Steuermitteln. In marktwirtschaftlich orientierten Systemen wie den USA müssen viele Bürger selbst für Behandlungskosten und Verdienstausfall durch Krankheit aufkommen oder sich privat versichern.
    • Solidaritätsprinzip: In der „Solidargemeinschaft“ des Gesundheitssystems tragen alle gesetzlich Versicherten gemeinsam das persönliche Risiko der Kosten, die durch eine Krankheit entstehen. Jeder gesetzlich Versicherte hat den gleichen Anspruch auf medizinische Versorgung und Lohnfortzahlung während einer Erkrankung – egal, wie hoch sein Einkommen und damit seine Beiträge sind. Dabei richtet sich die Beitragshöhe nach dem Einkommen. Auf diese Weise stehen reiche für arme, aber auch gesunde für kranke Menschen ein. Allerdings werden die Beiträge nur bis zu einer bestimmten Einkommenshöhe (der „Beitragsbemessungsgrenze“) prozentual berechnet. Alle, die mehr verdienen, zahlen den gleichen Höchstbetrag.
    • Selbstverwaltungsprinzip: Zwar beschließt der Staat die Rahmenbedingungen für die medizinische Versorgung. Die weitere Organisation und Finanzierung der einzelnen medizinischen Leistungen ist aber die Aufgabe der sogenannten Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Sie wird gemeinsam von den Vertreterinnen und Vertretern der Ärzte und Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser, Krankenkassen und Versicherten wahrgenommen. Das oberste Gremium der Selbstverwaltung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung ist der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA, siehe unten „Aufbau und Akteure des Gesundheitssystems“).

    Etwas Geschichte: Die fünf Zweige der Sozialversicherung

    Die Grundlagen des deutschen Gesundheitssystems gehen bis auf das Mittelalter zurück. Damals waren zum Beispiel Handwerker in sogenannten Zünften organisiert. In ihnen gab es bereits Vorformen der solidarischen Krankenversicherung: Alle Mitglieder einer Zunft zahlten Beiträge in eine gemeinsame Kasse ein. Daraus konnten einzelne Mitglieder unterstützt werden, wenn sie etwa wegen einer Erkrankung in Not gerieten. Seit Beginn der Industrialisierung gab es zum Beispiel Fabrikarbeiter-Krankenkassen. Vereinheitlicht wurden die verschiedenen Formen sozialer Absicherung durch die Sozialpolitik am Ende des 19. Jahrhunderts, der sogenannten Bismarck’schen Sozialgesetzgebung. Als erstes wurde 1883 die Krankenversicherung eingeführt. Sie sollte zunächst vor allem die Arbeiter in Industrie, Handwerk und Kleingewerbe absichern, wenn sie krank wurden.

    Alle Versicherten erhielten einen Rechtsanspruch auf kostenlose ärztliche Behandlung und Arzneimittel sowie Kranken- und Sterbegeld. Damals waren etwa 10 Prozent der Bevölkerung krankenversichert – heute sind es nahezu 100 Prozent.

    Auf die Einführung der Krankenversicherung 1883 folgten die gesetzliche Unfallversicherung (1884) und die Rentenversicherung (1889). 1927 wurde die Arbeitslosenversicherung für Arbeiter und Angestellte eingeführt.

    Die Unfallversicherung sichert unter anderem medizinische Leistungen im Fall von arbeitsbedingten Unfällen und Berufskrankheiten sowie Geldleistungen bei arbeitsbedingter Erwerbsunfähigkeit und Tod. Die Unfallversicherung ist ebenfalls eine Pflichtversicherung, finanziert sich aber allein aus Arbeitgeberbeiträgen.

    Die gesetzliche Rentenversicherung wird zu gleichen Teilen durch Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanziert. Sie zahlt Altersrenten, Erwerbsunfähigkeitsrenten sowie Rehabilitationsleistungen für Erwerbstätige.

    Erst im Jahr 1995 wurde der fünfte Zweig des Sozialversicherungssystems eingeführt: die Pflegeversicherung. Sie übernimmt einen Anteil der Kosten für Betreuung und Pflege, wenn jemand pflegebedürftig wird.

    Die gesetzlichen Vorgaben zu den fünf Zweigen der Sozialversicherung finden sich in den Sozialgesetzbüchern.

    Aufbau und Akteure des Gesundheitssystems

    Auf Bundesebene gestaltet das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) die Gesundheitspolitik. Es bereitet unter anderem Gesetze vor und erarbeitet Verwaltungsvorschriften für die Aktivitäten der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Dem BMG unterstehen auch eine Reihe von Institutionen und Behörden, die sich mit übergeordneten gesundheitlichen Fragen befassen. Dazu zählen zum Beispiel das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Das BfArM ist unter anderem für die Zulassung von Arzneimitteln zuständig. Zu den Aufgaben des PEI gehört beispielsweise die Zulassung von Impfstoffen.

    Im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung ist der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Er besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten, der gesetzlichen Krankenkassen, der Krankenhäuser und der Patienten. Als zentrales Organ der Selbstverwaltung auf Bundesebene entscheidet der G-BA unter anderem darüber, welche medizinischen Leistungen die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen und in welcher Form sie erbracht werden.

    Außerdem ist der G-BA für qualitätssichernde Maßnahmen in der Versorgung zuständig. In seiner Arbeit wird der G-BA unter anderem vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) unterstützt, dem Herausgeber dieser Website. Das Institut bewertet den Nutzen und die Risiken von Behandlungs- und Untersuchungsmethoden. Fachleute werten dann das Wissen zu ausgewählten Themen aus. Die Ergebnisse sollen in künftige Entscheidungen über die Gesundheitsversorgung einfließen. Auf der IQWiG-Plattform „ThemenCheck Medizin“ können Bürgerinnen und Bürger Forschungsfragen stellen.

    Wichtige Anbieter, Einrichtungen und Verbände im Gesundheitswesen sind:

    • Krankenkassen: Die gesetzlichen Krankenkassen haben die Pflicht, Bürgerinnen und Bürger zu versichern und dafür zu sorgen, dass sie medizinische Leistungen erhalten. Dazu schließen sie Verträge mit einer Vielzahl von Institutionen und Organisationen ab, u.a. den Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen sowie Verbänden der Ärzte, Krankenhäuser und Apotheker. Der Verband aller gesetzlichen Krankenkassen auf Bundesebene nennt sich „GKV-Spitzenverband“. Er übernimmt gesetzlich bestimmte Aufgaben und vertritt die Interessen der verschiedenen Kassen. Die privaten Krankenversicherungen bieten ihren Kunden entweder Voll-, Teil- oder Zusatzversicherungen. Ihre Interessenvertretung ist der „PKV-Verband“.
    • Kassenärztliche und -zahnärztliche Vereinigungen: Alle Ärzte und psychologischen Psychotherapeuten, die mit der gesetzlichen Krankenversicherung Leistungen abrechnen, sind in den Bundesländern in Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) organisiert, die Zahnärzte in Kassenzahnärztlichen Vereinigungen (KZV). Die zuständigen Verbände auf Bundesebene sind die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV). Die Aufgaben der Verbände sind gesetzlich festgelegt.
    • Krankenhausgesellschaft: Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) vertritt Spitzen- und Landesverbände der verschiedenen Krankenhausträger wie zum Beispiel Städte und Gemeinden, Kirchen, gemeinnützige Verbände und andere private Träger.
    • Ärzte-, Zahnärzte-, Psychotherapeuten- und Apothekerkammern: Auf Ebene der Bundesländer sind alle Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten und Apotheker Pflichtmitglieder ihrer zuständigen Landeskammer. Zu den Aufgaben der Kammern gehören unter anderem die Überwachung der Berufspflichten und die Einhaltung der Röntgen- und Strahlenverordnung. Sie sind zuständig für die Berufsanerkennung, die Facharztprüfung sowie die Begutachtung und Schlichtung bei Behandlungsfehlervorwürfen. Die Landeskammern haben auf Bundesebene entsprechende Bundeskammern gebildet.
    • Öffentlicher Gesundheitsdienst (ÖGD): Aufgabe des ÖGD ist der Schutz der Bevölkerung vor Gesundheitsgefahren. Vor allem die kommunalen Gesundheitsämter kümmern sich vor Ort zum Beispiel um die Hygiene in Gemeinschaftseinrichtungen, um Infektionsschutz und allgemeine Gesundheitsförderung. Sie bieten auch Beratung und Hilfe etwa bei psychosozialen Problemen.
    • Apothekerverbände: Apotheken sind für die Abgabe von Arzneimitteln an Verbraucherinnen und Verbraucher zuständig. Apothekerinnen und Apotheker haben zudem die Aufgabe, über Arzneimittel zu informieren und zu beraten. Um die Versorgung sicherzustellen, müssen ihre Verbände Verträge mit dem GKV-Spitzenverband und den Krankenkassen abschließen.
    • Nicht ärztliche Heilberufe: Nicht zuletzt gibt es viele sogenannte nicht ärztliche Heilberufe. Hierzu gehören zum Beispiel Physiotherapeuten, Logopäden, Pflegekräfte oder Hebammen. Soweit sie Kassenleistungen anbieten, schließen auch ihre Verbände Verträge mit dem GKV-Spitzenverband und den Krankenkassen ab.
    • Patientenorganisationen und Selbsthilfe: Viele Menschen haben sich zu Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen zusammengeschlossen, die Patientinnen und Patienten beraten und unterstützen. Verschiedene Patientenorganisationen sind darüber hinaus Interessenvertreter der Patientinnen und Patienten in gesundheitspolitischen Fragen.

    Ambulante Versorgung

    Die ambulante Versorgung in Deutschland wird vor allem von niedergelassenen, freiberuflich tätigen Ärztinnen und Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten sowie Fachkräften aus nicht ärztlichen Heilberufen getragen. Die meisten Ärzte und Zahnärzte haben eine „Kassenzulassung“, das heißt sie behandeln gesetzlich Versicherte.

    Die meisten Menschen gehen bei einer Erkrankung oder einem Gesundheitsproblem zunächst zu ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt. Als Hausärzte gelten Praktische Ärzte, Allgemeinmediziner, Internisten oder Kinder- und Jugendärzte. Bei besonderen medizinischen Problemen überweisen sie an eine entsprechende Facharztpraxis, zum Beispiel für Frauenheilkunde (Gynäkologie) oder für Hauterkrankungen (Dermatologie). Es ist aber auch möglich, direkt zu einer speziellen Fachärztin oder einem Facharzt zu gehen.

    Über ihre Mitgliedschaft in der jeweiligen Kassenärztlichen oder Kassenzahnärztlichen Vereinigung hinaus haben Hausärzte, Fachärzte und Zahnärzte jeweils ihre eigenen Verbände, die ihre speziellen beruflichen Interessen vertreten.

    Neben Einzelpraxen gibt es in Deutschland viele Gemeinschaftspraxen oder medizinische Versorgungszentren, in denen zwei oder mehr Ärztinnen, Ärzte sowie Fachkräfte aus nicht ärztlichen Heilberufen zusammenarbeiten. Solche großen Praxen können oft Leistungen anbieten, die sonst nur in Krankenhäusern möglich sind, wie spezielle Untersuchungen oder ambulante Operationen. Man spricht daher manchmal von „Praxiskliniken“.

    Zur ambulanten Versorgung zählt auch die ambulante Behandlung im Krankenhaus oder in psychiatrischen Einrichtungen.

    Stationäre Versorgung

    Die meisten Krankenhäuser in Deutschland behandeln gesetzlich und privat Versicherte. Die großen Krankenhäuser haben meist öffentliche Träger, also Länder und Gemeinden. Freigemeinnützige oder konfessionelle Krankenhäuser werden von gemeinnützigen Organisationen wie dem Roten Kreuz oder von Kirchen getragen. Daneben gibt es viele von Privatunternehmen geführte Kliniken. Einige von ihnen nehmen nur Privatpatienten auf. Sie haben in der Regel vergleichsweise wenig Betten, viele sind auf bestimmte Fachgebiete spezialisiert.

    Ist ein längerer Klinikaufenthalt nötig, spricht man von „stationärer Behandlung“. Dabei müssen auch gesetzlich Versicherte eine Zuzahlung für Unterbringung und Verpflegung leisten. Dies wird vor der Behandlung im „Krankenhausvertrag“ zwischen Patient und Klinik festgehalten.

    Neben der stationären Versorgung im Krankenhaus gibt es noch den Bereich der stationären medizinischen Rehabilitation. In Rehabilitationseinrichtungen werden Behandlungen angeboten, die helfen, nach einer schweren Erkrankung und intensiven Therapie wieder selbstständig und leistungsfähig zu werden. Angeboten werden unter anderem physiotherapeutische Behandlungen, psychologische Betreuung sowie Unterstützung beim Umgang mit Hilfsmitteln. Oft schließt sich eine solche Behandlung an den Aufenthalt in einem Krankenhaus an, zum Beispiel nach einer Operation. Nicht zuletzt gibt es Rehabilitationseinrichtungen für psychische und Suchterkrankungen.

    Quellen

    Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Migration und Gesundheit. 2018.

    Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Schaubild "Das Gesundheitssystem" - der Staat setzt den Rahmen. 08.2015.

    Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Dossier Gesundheitspolitik. Das Gesundheitswesen in Deutschland. Ein Überblick. 01.03.2012.

    Busse R, Blümel M, Ognyanova D. Das deutsche Gesundheitssystem: Akteure, Daten, Analysen. Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2013.

    Klemperer D. Sozialmedizin – Public Health – Gesundheitswissenschaften. Bern: Huber; 2014.

    Obermann K, Müller P, Müller HH, Schmidt B, Glazinski B. The German Health Care System. A concise overview. 2013.

    Statistisches Bundesamt (Destatis). Eckdaten der Krankenhäuser 2013.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Krankenversicherung in Deutschland

    Für alle Menschen mit Wohnsitz in Deutschland besteht eine Krankenversicherungspflicht. Etwa 87 % der Bevölkerung, das sind ungefähr 70 Millionen Menschen, sind in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert. Wir geben Antworten auf wichtige Fragen rund um Kosten, Leistungen und Prinzipien der Krankenversicherung.

    Alle gesetzlich Versicherten haben den gleichen Versorgungsanspruch, wenn sie krank werden – egal, wie viel sie jeden Monat in ihre Versicherung einzahlen. Die Höhe der Beiträge richtet sich allein nach ihrem Einkommen. Nach dem „Solidaritätsprinzip“ der GKV zahlen also gut Verdienende mehr ein als Ärmere, Gesunde gleich viel wie Kranke. Auf diese Weise tragen alle Versicherten gemeinsam das persönliche Risiko des Verdienstausfalls und die Kosten der medizinischen Versorgung im Krankheitsfall.

    Die Höhe des Versicherungsbeitrags ist bei allen gesetzlichen Krankenkassen zunächst einmal gleich. Er beträgt 14,6 % des Bruttoeinkommens – allerdings nur bis zu einer bestimmten Gehaltshöhe, der sogenannten Beitragsbemessungsgrenze. Von den 14,6 % zahlen Arbeitgeber und Versicherte jeweils 7,3 %. Darüber hinaus kann jede Krankenkasse von ihren Versicherten Zusatzbeiträge erheben, wenn die Mitgliedsbeiträge und sonstige Mittel nicht ausreichen, die Kosten zu decken.

    Für alle Menschen mit Wohnsitz in Deutschland besteht eine Krankenversicherungspflicht. Etwa 87 % der Bevölkerung, das sind ungefähr 70 Millionen Menschen, sind in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert. Wir geben Antworten auf wichtige Fragen rund um Kosten, Leistungen und Prinzipien der Krankenversicherung.

    Alle gesetzlich Versicherten haben den gleichen Versorgungsanspruch, wenn sie krank werden – egal, wie viel sie jeden Monat in ihre Versicherung einzahlen. Die Höhe der Beiträge richtet sich allein nach ihrem Einkommen. Nach dem „Solidaritätsprinzip“ der GKV zahlen also gut Verdienende mehr ein als Ärmere, Gesunde gleich viel wie Kranke. Auf diese Weise tragen alle Versicherten gemeinsam das persönliche Risiko des Verdienstausfalls und die Kosten der medizinischen Versorgung im Krankheitsfall.

    Die Höhe des Versicherungsbeitrags ist bei allen gesetzlichen Krankenkassen zunächst einmal gleich. Er beträgt 14,6 % des Bruttoeinkommens – allerdings nur bis zu einer bestimmten Gehaltshöhe, der sogenannten Beitragsbemessungsgrenze. Von den 14,6 % zahlen Arbeitgeber und Versicherte jeweils 7,3 %. Darüber hinaus kann jede Krankenkasse von ihren Versicherten Zusatzbeiträge erheben, wenn die Mitgliedsbeiträge und sonstige Mittel nicht ausreichen, die Kosten zu decken.

    Wer ist versichert?

    Grundsätzlich sind alle Arbeitnehmer, deren Jahreseinkommen eine bestimmte Summe nicht überschreitet (Versicherungspflichtgrenze), in der gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert. Auch freiberuflich tätige Künstler und Publizisten, Studierende, Menschen ohne Arbeit sowie Rentnerinnen und Rentner sind Mitglieder der gesetzlichen Krankenkasse. Ehepartner und Kinder sind in der GKV kostenlos mitversichert, solange sie kein oder nur ein geringes Einkommen haben. Für Kinder gibt es eine Altersgrenze. Sie hängt aber davon ab, ob das Kind noch zur Schule geht oder eine Berufsausbildung macht. Kinder, die wegen einer Behinderung nicht für sich selbst sorgen können, sind dauerhaft durch ihre Eltern mitversichert.

    Nähere Auskünfte zur Einkommensgrenze und zu den Altersgrenzen für Kinder bekommen Sie bei jeder Krankenkasse.

    Welche Krankenkasse wähle ich?

    Sie können frei wählen, bei welcher gesetzlichen Krankenkasse Sie sich versichern lassen möchten. Grundsätzlich bieten alle Krankenkassen denselben umfassenden Katalog der medizinischen Pflichtleistungen (Regelleistungen) an. Einige Krankenkassen übernehmen aber zusätzlich Kosten für zum Beispiel Reiseimpfungen oder die Teilnahme an besonderen Sport- und Bewegungsprogrammen. Andere bieten Beitragsrückzahlungen oder sogenannte Bonusprogramme an, wenn Sie zum Beispiel an einem Präventionskurs teilnehmen oder die empfohlenen Impfungen durchführen lassen. Alle Leistungen der Kassen, zu denen sie nicht gesetzlich verpflichtet sind, werden „Satzungsleistungen“ genannt.

    Auch ein Blick auf die Höhe der erhobenen Zusatzbeiträge lohnt sich: Hier können sich die Kassen unterscheiden. Für chronisch kranke und behinderte Menschen kann es besonders wichtig sein zu wissen, mit welchen Leistungserbringern die eigene Krankenkasse Verträge zu ihrer Versorgung abgeschlossen hat.

    Kann ich die Krankenkasse wechseln?

    Ein Wechsel der Krankenkasse ist mit einer Kündigungsfrist von zwei Monaten jederzeit möglich. Nach dem Wechsel müssen Sie in der Regel mindestens 18 Monate bei der neuen Kasse bleiben, bevor ein erneuter Wechsel möglich ist. Wenn die Kasse allerdings im Lauf der 18 Monate ihre Beiträge erhöht, können Sie den Vertrag unter Einhaltung der zweimonatigen Kündigungsfrist vorzeitig kündigen.

    Welche Leistungen bezahlt die Kasse und wofür muss ich selbst zahlen?

    Die meisten Leistungen der GKV sind systemweit vorgeschrieben und entsprechend festgelegt. Zum sogenannten Leistungskatalog der Kassen gehört die Behandlung beim Haus- und Facharzt oder Psychotherapeuten, im Krankenhaus und unter bestimmten Voraussetzungen auch in Rehabilitationseinrichtungen. Zu diesen sogenannten Regelleistungen zählen auch Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen, notwendige Impfungen (keine Reiseimpfungen) sowie die medizinische Versorgung während der Schwangerschaft und rund um die Geburt.

    Verschreibungspflichtige Medikamente werden mit wenigen Ausnahmen bezahlt. Auch sogenannte Heilmittel wie Physiotherapie oder Sprachtherapie und medizinische Hilfsmittel wie Prothesen oder Hörgeräte werden von den Krankenkassen bezahlt, wenn sie medizinisch begründet sind und von einer Ärztin oder einem Arzt verschrieben wurden. Hilfsmittel müssen zudem  im sogenannten Hilfsmittelverzeichnis enthalten sein. Für diese Leistungen muss eine gesetzlich festgelegte Zuzahlung entrichtet werden. Bei verschriebenen Medikamenten beträgt sie je nach Preis zwischen fünf und zehn Euro. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sind von Zuzahlungen befreit.

    Zu den Regelleistungen gehören außerdem zahnärztliche Kontrolluntersuchungen und Zahn-, Zahnfleisch- und kieferorthopädische Behandlungen. Für Zahnersatz zahlen die gesetzlichen Krankenkassen einen festgelegten Zuschuss. Vor dem Beginn einer Versorgung mit Zahnersatz erstellt die Zahnärztin oder der Zahnarzt einen Heil- und Kostenplan, der bei der Krankenkasse eingereicht werden muss. Auf dieser Basis entscheidet die Krankenkasse, welche Kosten sie übernimmt. Danach lässt sich besser abschätzen, wie hoch der Anteil ist, den man selbst tragen muss.

    Darüber hinaus gehende Wünsche, wie etwa Einbettzimmer im Krankenhaus, Chefarztbehandlung oder besondere zahnärztliche Behandlungen müssen selbst bezahlt werden. Für einige dieser Sonderleistungen können zusätzliche private Versicherungen abgeschlossen werden.

    Da die Erstattungsregelungen für manche Leistungen nicht bei allen Krankenkassen gleich sind, lohnt es sich, im Zweifelsfall vorher nachzufragen.

    Außer für Zu- und Teilzahlungen gilt: Alle im GKV-Katalog enthaltenen Leistungen rechnen die Leistungserbringer in der Regel direkt mit der Krankenkasse ab – das heißt, Sie müssen sich nicht um die Bezahlung kümmern.

    Die private Krankenversicherung

    Etwa 11 % der in Deutschland lebenden Menschen sind Mitglied in einer privaten Krankenversicherung (PKV). Um sich privat versichern zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Zum Beispiel muss das eigene Bruttogehalt ein Jahr lang eine gewisse Grenze überschreiten. Diese Grenze wird regelmäßig angepasst, für 2018 liegt sie bei jährlich 59.400 Euro brutto. Auch Selbstständige können sich privat krankenversichern. Wer dies nicht möchte, kann sich freiwillig bei einer gesetzlichen Kasse versichern.

    Die Höhe der Versicherungsbeiträge richtet sich in der PKV nicht nach dem Einkommen, sondern nach Alter, Gesundheitsstatus und den gewünschten Leistungen.

    Zu diesen Leistungen können beispielsweise eine Chefarztbehandlung, Einzelzimmer im Krankenhaus und besondere ärztliche, zahnärztliche oder naturheilkundliche Behandlungen gehören. Der Umfang der gewünschten Leistungen wird in einem individuellen Vertrag festgelegt.

    Meist zahlen Menschen mit Vorerkrankungen mehr als Gesunde und ältere Versicherte mehr als jüngere. Zudem kann der eigene Beitrag mit zunehmendem Alter deutlich ansteigen. Familienmitglieder sind nicht kostenlos mitversichert, für sie müssen zusätzliche Beiträge gezahlt werden. Die Kosten für Untersuchungen, Behandlungen und Medikamente muss man in der Regel zunächst selbst bezahlen. Die erhaltene Rechnung wird bei der Versicherung eingereicht, die die Kosten dann erstattet.

    Alle privaten Krankenversicherer bieten einen einheitlichen Basistarif an, zu dem man sich unter bestimmten Bedingungen versichern kann. Ein nachträglicher Wechsel in den Basistarif ist unter festgelegten Bedingungen möglich. Die Höhe des Basistarifs darf nicht höher sein als der Höchstsatz der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Leistungen im Rahmen des Basistarifs müssen den Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung entsprechen.

    Quellen

    Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Migration und Gesundheit. 2018.

    Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Ratgeber Krankenversicherung. 08.2017.

    Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Schaubild "Das Gesundheitssystem" - der Staat setzt den Rahmen. 08.2015.

    Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Dossier Gesundheitspolitik. Das Gesundheitswesen in Deutschland. Ein Überblick. 01.03.2012.

    Busse R, Blümel M, Ognyanova D. Das deutsche Gesundheitssystem: Akteure, Daten, Analysen. Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2013.

    Klemperer D. Sozialmedizin – Public Health – Gesundheitswissenschaften. Bern: Huber; 2014.

    Obermann K, Müller P, Müller HH, Schmidt B, Glazinski B. The German Health Care System. A concise overview. 2013.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: In der Arztpraxis

    Wer ärztlichen Rat sucht oder eine medizinische Behandlung braucht, geht in Deutschland meist erst einmal in eine „Hausarztpraxis“. Grundsätzlich besteht freie Arztwahl – das heißt, man kann die Ärztin oder den Arzt selbst auswählen. Wir informieren, worauf es dabei ankommt, wie Sie sich am besten auf einen Arztbesuch vorbereiten und welche medizinischen Leistungen es gibt.

    Praxen für Allgemeinmedizin, Innere Medizin oder Kinder- und Jugendmedizin werden auch „Hausarztpraxen“ genannt. Wenn nötig, überweist eine Hausärztin oder ein Hausarzt weiter an eine Facharztpraxis. Diese sind auf bestimmte medizinische Fachgebiete spezialisiert, wie zum Beispiel Frauenheilkunde (Gynäkologie), Krankheiten im Bereich Hals-Nasen-Ohren (HNO) oder psychische Erkrankungen. Es ist aber möglich, direkt zu einer Fachärztin oder einem Facharzt zu gehen. Das gilt auch für den Besuch beim Psychotherapeuten oder Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten.

    In manchen Situationen kann es zudem sinnvoll sein, sich eine „Zweitmeinung“ einzuholen, das heißt einen zweiten Arzt zu Rate zu ziehen – zum Beispiel bei einer unklaren Diagnose oder vor einer schwierigen Behandlungsentscheidung. Bei bestimmten Operationen muss die Ärztin oder der Arzt sogar auf das Recht auf eine unabhängige Zweitmeinung hinweisen.

    Für Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und -therapeuten sowie für Praxisangestellte gilt die „Schweigepflicht“. Das bedeutet, sie dürfen ohne Ihr Einverständnis niemandem Auskunft über Sie geben – auch nicht Ihren Angehörigen.

    Wer ärztlichen Rat sucht oder eine medizinische Behandlung braucht, geht in Deutschland meist erst einmal in eine „Hausarztpraxis“. Grundsätzlich besteht freie Arztwahl – das heißt, man kann die Ärztin oder den Arzt selbst auswählen. Wir informieren, worauf es dabei ankommt, wie Sie sich am besten auf einen Arztbesuch vorbereiten und welche medizinischen Leistungen es gibt.

    Praxen für Allgemeinmedizin, Innere Medizin oder Kinder- und Jugendmedizin werden auch „Hausarztpraxen“ genannt. Wenn nötig, überweist eine Hausärztin oder ein Hausarzt weiter an eine Facharztpraxis. Diese sind auf bestimmte medizinische Fachgebiete spezialisiert, wie zum Beispiel Frauenheilkunde (Gynäkologie), Krankheiten im Bereich Hals-Nasen-Ohren (HNO) oder psychische Erkrankungen. Es ist aber möglich, direkt zu einer Fachärztin oder einem Facharzt zu gehen. Das gilt auch für den Besuch beim Psychotherapeuten oder Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten.

    In manchen Situationen kann es zudem sinnvoll sein, sich eine „Zweitmeinung“ einzuholen, das heißt einen zweiten Arzt zu Rate zu ziehen – zum Beispiel bei einer unklaren Diagnose oder vor einer schwierigen Behandlungsentscheidung. Bei bestimmten Operationen muss die Ärztin oder der Arzt sogar auf das Recht auf eine unabhängige Zweitmeinung hinweisen.

    Für Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und -therapeuten sowie für Praxisangestellte gilt die „Schweigepflicht“. Das bedeutet, sie dürfen ohne Ihr Einverständnis niemandem Auskunft über Sie geben – auch nicht Ihren Angehörigen.

    Wie finde ich die richtige Arztpraxis?

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn Sie oder Ihre Angehörigen krank sind oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat brauchen. Deshalb ist es wichtig, die Hausärztin oder den Hausarzt in Ruhe auszuwählen. Je nach persönlicher Situation und eigenen Vorlieben spielen bei der Arztwahl verschiedene Kriterien eine Rolle: Für Familien oder ältere Menschen zum Beispiel, dass die Hausarztpraxis möglichst nahe der eigenen Wohnung liegt, weil die Ärztin oder der Arzt dann schnell zu erreichen ist und auch eher mal einen Hausbesuch macht. Berufstätige finden es vielleicht günstiger, wenn die Praxis auf dem Weg zur Arbeit liegt. Mancher geht lieber zu einem Arzt, ein anderer lieber zu einer Ärztin oder bevorzugt eine jüngere oder ältere Person. Neben der ärztlichen Kompetenz sind Vertrauen und gegenseitige Sympathie wichtig. Sie können sogar den Erfolg einer Behandlung beeinflussen.

    Vor allem beim ersten Besuch in der Praxis ist ein ausführliches Gespräch wichtig, um sich kennenzulernen. Ein guter Arzt wird sich ausreichend Zeit nehmen und aufmerksam zuhören. Außerdem sollte sie oder er in der Lage sein, verständlich zu erklären, welche Untersuchungen nötig sind und welche Behandlungen infrage kommen.

    Falls Sie nicht so gut Deutsch sprechen, können Fremdsprachenkenntnisse und vielleicht der kulturelle Hintergrund der Ärztin oder des Arztes ein wichtiges Auswahlkriterium sein. Vor allem in größeren Städten gibt es mittlerweile viele Ärztinnen und Ärzte, die mehrere Sprachen sprechen und / oder die selbst oder deren Eltern nach Deutschland eingewandert sind.

    Wenn Sie auf die Gebärdensprache angewiesen sind, können Sie sich bei den Selbsthilfeorganisationen hörbehinderter und gehörloser Menschen informieren, welche Ärztinnen und Ärzte in der Lage sind, sich mit Ihnen zu verständigen.

    Auch in der Praxis selbst sollten Sie sich gut aufgehoben fühlen. Neben der Ausstattung und möglichst barrierefreien Zugänglichkeit der Praxisräume ist es besonders wichtig, ob die Angestellten freundlich und hilfsbereit sind. Für viele Menschen ist es zudem wichtig, welche Sprechzeiten angeboten werden und wie gut die Praxis organisiert ist: Bekommt man bei Bedarf zügig einen Termin? Sind die Wartezeiten überschaubar oder kommt es öfter vor, dass man trotz Terminvereinbarung lange im Wartezimmer sitzen muss?

    Wenn Sie nicht zufrieden sind, können Sie die Arztpraxis wechseln. Allerdings entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis manchmal erst nach einer gewissen Zeit. Häufige Arztwechsel können zudem Nachteile haben – zum Beispiel, dass Untersuchungen wiederholt werden und Sie Ihre Krankengeschichte jedes Mal aufs Neue erklären müssen. Nicht zuletzt kann eine Ärztin oder ein Arzt, der Sie und Ihre Familie gut kennt, Ihre Gesundheit wahrscheinlich am besten beurteilen.

    Wie bereite ich mich vor?

    Solange es sich nicht um einen Notfall handelt, ist es immer besser, vor dem Arztbesuch einen Termin zu vereinbaren. Das hilft, unnötiges Warten zu vermeiden – und der Praxis, die Termine für alle Besucher reibungslos zu organisieren. Die meisten Praxen haben eine tägliche Notfallsprechstunde für akut Erkrankte. In dieser Zeit kann man meist ohne Termin vorbeikommen. Dennoch ist ein kurzer Anruf vorher sinnvoll, um einen Besuch anzukündigen.

    Wenn Sie, Ihr Kind oder ein anderes Familienmitglied zu krank ist, um in die Praxis zu gehen, können Sie um einen Hausbesuch bitten. Dies ist aber nicht immer sofort möglich.

    Es ist sinnvoll, sich vor einem Arzttermin etwas vorzubereiten, denn: Je genauer Sie Ihre Beschwerden beschreiben können, desto leichter kann die Ärztin oder der Arzt feststellen, was Ihnen fehlt. Dazu ist es nötig, über Ihren allgemeinen Gesundheitszustand, frühere Erkrankungen und Behandlungen zu berichten (Ihre „Krankheitsgeschichte“). Vielleicht hilft es Ihnen, sich dazu ein paar Stichworte zu notieren. Ihre Fragen an die Ärztin oder den Arzt können Sie vorher aufschreiben, um nichts Wichtiges zu vergessen.

    Die Ärztin oder der Arzt wird Sie zudem fragen, ob Sie Medikamente nehmen. Genau aufzuschreiben, welche Mittel Sie einnehmen – auch die rezeptfrei erhältlichen– gehört zu den wichtigsten Vorbereitungen auf einen Arztbesuch: Es hilft, Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln zu vermeiden.

    Für die Behandlung in einer Arztpraxis benötigen Sie Ihre Krankenversicherungskarte (gültige E-Card). Falls Sie sie einmal vergessen haben, müssen Sie sie innerhalb von zehn Tagen nachreichen. Wenn Sie in eine Facharztpraxis überwiesen wurden, wird dort nach dem Überweisungsschein gefragt. Beim ersten Besuch in einer Praxis sollten Sie außerdem – soweit vorhanden – Ihren Impfpass und frühere Untersuchungsergebnisse wie zum Beispiel Röntgenbilder oder Arztbriefe mitbringen.

    Wenn Sie privat versichert sind: Bringen Sie ebenfalls Ihre Krankenversicherungskarte oder eine Kostenübernahmeerklärung Ihrer Krankenversicherung mit.

    Wenn Sie keine guten Deutschkenntnisse haben, lassen Sie sich zum Arzttermin am besten von einer Person Ihres Vertrauens begleiten, die bei Verständigungsproblemen helfen kann. Falls Sie einen Dolmetscher benötigen, müssen Sie die Kosten selbst tragen.

    Was ist beim Arztbesuch wichtig?

    Vor allem im ersten Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt wird es außer um Ihre Gesundheitsprobleme auch um Ihre Lebensumstände und Lebensweise gehen. Es ist wichtig, dass Sie Fragen zum Beispiel danach, wie Sie schlafen, sich ernähren, ob Sie Sport treiben, rauchen oder wie viel Alkohol Sie trinken, offen und ehrlich beantworten. Vielleicht werden Sie auch nach anderen persönlichen Dingen und möglichen psychischen Belastungen gefragt, etwa nach Problemen in Partnerschaft und Familie oder am Arbeitsplatz. Ihre Antworten können helfen, die Ursache von Erkrankungen festzustellen – aber auch, sie erfolgreich zu behandeln.

    Wenn der Arzt eine Untersuchung vorschlägt, sollte sie oder er Ihnen den Grund erklären. Wird eine bestimmte Krankheit vermutet oder festgestellt, ist es wichtig, dass Sie genau verstehen, was Sie womöglich haben. Dies gilt auch für einen Behandlungsvorschlag: Sie müssen wissen, was die Behandlung bewirken soll, wie sie angewendet wird und was dabei zu beachten ist, wie lange sie dauert und ob sie Nebenwirkungen oder andere Risiken hat. Die Ärztin oder der Arzt sollte Sie über mögliche Behandlungsalternativen informieren – und darüber, was passieren könnte, wenn Sie sich gegen eine Behandlung entscheiden.

    Scheuen Sie sich nicht, nachzufragen, wenn Ihnen etwas unklar geblieben ist oder wenn Sie mehr Informationen brauchen.

    Falls Sie später während der Behandlung merken, dass es Ihnen schwerfällt, zum Beispiel Ihre Medikamente so einzunehmen wie mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen, wenden Sie sich am besten sofort wieder an die Praxis. Medikamente sollten Sie weder eigenständig absetzen noch ihre Dosierung verändern.

    Früherkennung, Vorsorge und Impfungen

    Viele Menschen gehen nicht nur wegen akuter oder chronischer Erkrankungen zum Arzt, sondern auch, um Vorsorge- oder Früherkennungsuntersuchungen wahrzunehmen. Viele dieser Untersuchungen werden von den Krankenkassen übernommen, für andere muss man selbst zahlen. Einige gelten als sinnvoll, bei manchen – vor allem den selbst zu zahlenden – ist der Nutzen umstritten.

    Früherkennungsuntersuchungen haben das Ziel, Krankheiten schon in einem Stadium zu entdecken, in dem sie noch keine Beschwerden verursachen. Dies kann den Vorteil haben, dass man sie viel früher behandeln kann. Das ist aber nur dann von Nutzen, wenn eine frühe Behandlung mehr Erfolg verspricht als eine später einsetzende Behandlung.

    Vorsorgeuntersuchungen werden dagegen gemacht, um Risikofaktoren für Krankheiten zu entdecken, etwa einen zu hohen Blutdruck oder eine Krebsvorstufe. Sie können sinnvoll sein, wenn es Möglichkeiten gibt, diese Risikofaktoren durch eine Änderung der Lebensgewohnheiten oder durch eine Behandlung in den Griff zu bekommen. Dann lässt sich eine Erkrankung vielleicht vermeiden.

    Eine andere Möglichkeit der Vorsorge ist, sich und seine Kinder impfen zu lassen. Die meisten Impfungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Manche Impfungen wie die vor Kinderlähmung (Polioimpfung) schützen ein Leben lang, manche nur für einen begrenzten Zeitraum, wie die Grippeimpfung. Viele Impfungen können vor lebensbedrohlichen Krankheiten oder solchen mit vielleicht gefährlichen Folgen schützen – aber nicht alle sind für jeden Menschen nötig.

    Ärztinnen und Ärzte beraten zu allen Fragen der Vorsorge und Früherkennung. Manche Untersuchungen werden von Hausarztpraxen angeboten, andere von Facharztpraxen und einige von speziellen Einrichtungen.

    Was sind IGeL?

    Viele Praxen bieten sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) an. Dies sind zum einen Angebote wie Reiseimpfungen oder Untersuchungen der Sporttauglichkeit, die grundsätzlich selbst gezahlt werden müssen.

    Zum anderen sind es Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden, weil zum Beispiel nicht belegt ist, dass sie mehr Nutzen als Schaden haben. Medizinisch sind viele dieser Maßnahmen umstritten. Zum Beispiel sind die Ergebnisse mancher Untersuchungen nicht besonders aussagekräftig, und mitunter können sie auch schaden. Mögliche Hinweise auf eine Erkrankung früh zu entdecken, bedeutet zudem nicht immer, dass sie dann erfolgreicher behandelt werden kann.

    Da IGeL für Arztpraxen zusätzliche Einnahmequellen sind, werden sie in manchen Praxen stark empfohlen und beworben. Patientinnen und Patienten sind aber nicht verpflichtet, eine angebotene IGe-Leistung in Anspruch zu nehmen. Wenn Sie für sich keinen Nutzen darin sehen, lehnen Sie das Angebot ab.

    Wenn Sie mehr erfahren wollen: Die Bundesärztekammer bietet einen allgemeinen Ratgeber zu den individuellen Gesundheitsleistungen an. Weitere ausführliche Informationen zu IGeL und zusätzlich die Bewertungen einzelner Angebote finden Sie auf der Website IGeL-Monitor.de – Herausgeber ist der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS). Beide Informationen gibt es allerdings bisher nur in deutscher Sprache.

    Wo bekomme ich Medikamente?

    Medikamente sind in Deutschland nur in Apotheken erhältlich. Wenn Ihnen Ihr Arzt ein Medikament verschrieben hat, legen Sie das Rezept in der Apotheke vor und erhalten das Mittel gegen eine begrenzte Zuzahlung. In der Apotheke können Sie aber auch frei verkäufliche Mittel kaufen, wie zum Beispiel manche Schmerzmittel oder Nasensprays.

    Es kann vorkommen, dass die Apotheke ein Medikament erst bestellen muss. Normalerweise muss man aber nicht länger als einen Tag auf ein Mittel warten.

    Wenn Sie außerhalb der normalen Öffnungszeiten dringend ein Medikament benötigen, können Sie sich an eine Apotheke wenden, die Notdienst hat. Sie verlangt dann eine zusätzliche Notfallgebühr. Welche Apotheke in der Nähe gerade Nacht- oder Wochenenddienst hat, darüber geben zum Beispiel Aushänge an den Türen der Apotheken in Ihrem Wohnviertel Auskunft. Außerdem können Sie sich telefonisch oder im Internet informieren, zum Beispiel bei der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA).

    Behandlung und Vorsorge in der Zahnarztpraxis

    Die Tipps und Informationen, die Sie weiter oben zur Wahl einer Arztpraxis und zur Vorbereitung auf einen Behandlungstermin finden, gelten auch für Zahnarztpraxen. Allerdings gibt es für zahnärztliche Behandlungen zum Teil besondere Regelungen. So zahlen die gesetzlichen Krankenkassen feste Zuschüsse für Leistungen wie Zahnersatz, die aber nur die medizinisch notwendige Regelversorgung abdecken. Leistungen, die darüber hinausgehen, müssen selbst bezahlt werden. Dies gilt zum Beispiel, wenn Sie Zahnfüllungen oder Zahnersatz aus anderen Materialien wünschen.

    Die Vorsorge spielt beim Zahnarzt eine besondere Rolle und wird von den Kassen belohnt: Gesetzlich Versicherte erhalten ein „Bonusheft“, in das alle wahrgenommenen Vorsorgetermine eingetragen werden. Wenn Sie mindestens einmal pro Jahr Ihre Zähne untersuchen lassen und das im Bonusheft dokumentiert ist, zahlt Ihnen die Krankenkasse einen höheren Zuschuss, wenn Sie Zahnersatz brauchen. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren müssen nachweisen, dass sie einmal pro Halbjahr beim Zahnarzt waren.

    Wenn eine Zahnspangenbehandlung oder Zahnersatz wie eine Krone, Brücke oder ein Implantat nötig wird, kann das trotz der Kassen-Zuschüsse teuer werden. Die Höhe des Eigenanteils bei Zahnersatz hängt unter anderem davon ab, welche Art des Ersatzes man wählt. Vor Behandlungsbeginn erstellt die Zahnärztin oder der Zahnarzt eine Art Kostenvoranschlag: den Heil- und Kostenplan. Er wird zusammen mit dem Bonusheft bei der Krankenkasse eingereicht und normalerweise bewilligt. Aus dem Bewilligungsschreiben geht hervor, welchen Anteil der Behandlungskosten die Kasse zahlt. Bei Fragen zu verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten, vor allem wenn die Kosten hoch sind, kann es sinnvoll sein, sich in einer anderen Zahnarztpraxis eine zweite Meinung einzuholen. Auch die gesetzlichen Krankenkassen, die Unabhängige Patientenberatung sowie die Patientenberatungsstellen der Zahnärzteschaft beraten zu Fragen zum Zahnersatz. Letztere bieten gesetzlich Versicherten zudem ein Beratungsangebot für eine zweite Meinung an.

    Quellen

    Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ). Patienteninformation.de: Woran erkennt man eine gute Arztpraxis? - Checkliste für Patientinnen und Patienten. 2015. (äzq Schriftenreihe; Band 43).

    Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Migration und Gesundheit. 2018.

    Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Übersicht Früherkennungsuntersuchungen. 2018.

    Klemperer D. Sozialmedizin – Public Health – Gesundheitswissenschaften. Bern: Huber; 2014.

    Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS). IGeL-Monitor. Individuelle Gesundheitsleistungen auf dem Prüfstand.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Im Krankenhaus

    Manche Behandlungen und Operationen sind nur im Krankenhaus möglich. Hier ist eine intensive Betreuung durch Ärztinnen, Ärzte, Pflegekräfte sowie weitere Therapeuten sichergestellt. Krankenhäuser verfügen über eine besondere technische Ausstattung, außerdem arbeiten dort Fachkräfte verschiedener medizinischer Gebiete.

    Wenn bei Ihnen ein Krankenhausaufenthalt ansteht, empfiehlt Ihr Haus- oder Facharzt meist eine geeignete Klinik in Ihrer Nähe. Sie bekommen von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt einen Einweisungsschein, den Sie in der Klinik vorlegen müssen.

    Für manche Eingriffe und Behandlungen sind Spezialistinnen oder Spezialisten nötig, die genügend Erfahrung mit dieser Therapie haben sollten. Dies kann nicht jede Klinik gewährleisten. Wenn Sie gesetzlich krankenversichert sind, werden die Kosten Ihrer Behandlung nur in zugelassenen Krankenhäusern übernommen. Manche Privatkliniken nehmen nur privat Versicherte oder Selbstzahler auf.

    Manche Behandlungen und Operationen sind nur im Krankenhaus möglich. Hier ist eine intensive Betreuung durch Ärztinnen, Ärzte, Pflegekräfte sowie weitere Therapeuten sichergestellt. Krankenhäuser verfügen über eine besondere technische Ausstattung, außerdem arbeiten dort Fachkräfte verschiedener medizinischer Gebiete.

    Wenn bei Ihnen ein Krankenhausaufenthalt ansteht, empfiehlt Ihr Haus- oder Facharzt meist eine geeignete Klinik in Ihrer Nähe. Sie bekommen von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt einen Einweisungsschein, den Sie in der Klinik vorlegen müssen.

    Für manche Eingriffe und Behandlungen sind Spezialistinnen oder Spezialisten nötig, die genügend Erfahrung mit dieser Therapie haben sollten. Dies kann nicht jede Klinik gewährleisten. Wenn Sie gesetzlich krankenversichert sind, werden die Kosten Ihrer Behandlung nur in zugelassenen Krankenhäusern übernommen. Manche Privatkliniken nehmen nur privat Versicherte oder Selbstzahler auf.

    Die passende Klinik finden

    Handelt es sich nicht um einen Notfall, sondern um eine geplante Behandlung, können Sie sich selbst über verschiedene Krankenhäuser informieren. Dabei unterstützen Internet-Angebote auf Basis der Qualitätsberichte der Krankenhäuser. Mithilfe dieser sogenannten Kliniksuchmaschinen finden Sie zum Beispiel Angaben, ob ein Krankenhaus auf spezielle Fachgebiete spezialisiert ist und wie häufig dort bestimmte Operationen gemacht werden.

    Eine kommentierte Linkliste zur Suche nach Gesundheits-Dienstleistern in Deutschland finden Sie auch auf der Website www.eu-patienten.de. Das Angebot des GKV-Spitzenverbands bietet unter anderem Informationen für EU-Bürger, die sich in Deutschland behandeln lassen möchten.

    Behandlungskosten und Zuzahlungen

    Die Kosten einer medizinisch notwendigen Behandlung übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung. Dabei rechnet das Krankenhaus direkt mit Ihrer Krankenkasse ab.

    Allerdings müssen gesetzlich Versicherte über 18 Jahre in der Regel derzeit zehn Euro pro Tag für Unterbringung und Verpflegung an die Klinik zahlen – aber nur für höchstens 28 Tage in einem Jahr.

    Vor der Behandlung wird vertraglich festgehalten, wenn Sie zusätzliche Leistungen in Anspruch nehmen möchten – wie etwa eine Chefarztbehandlung oder eine Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer. Dann unterschreiben Sie bei der Aufnahme zusätzlich zum Behandlungsvertrag eine sogenannte Wahlleistungsvereinbarung. Wenn Sie keine private Zusatz-Krankenversicherung für die gewünschten Leistungen haben, müssen Sie die Mehrkosten selbst zahlen.

    Medizinisch nicht notwendige Behandlungen, wie etwa Schönheitsoperationen, sind privat zu zahlen. Falls später Komplikationen auftreten, muss man sich an den Behandlungskosten beteiligen.

    Privat Versicherte bekommen die Rechnung über die Krankenhausbehandlung persönlich zugeschickt. Sie können die Kosten aus eigener Tasche vorstrecken und bekommen sie danach von ihrer privaten Krankenversicherung erstattet. Sie können die Zahlungsbelege aber auch direkt an die private Krankenversicherung weiterleiten, die dann das Geld an Ärzte und Klinik überweist.

    Welche Unterlagen muss ich mitnehmen?

    Zu den wichtigsten Dokumenten, die Sie für die Aufnahme ins Krankenhaus benötigen, gehören:

    • Krankenversicherungskarte, wenn Sie gesetzlich versichert sind. Wenn Sie privat versichert sind: Ihre Krankenversicherungskarte oder die Zusicherung der privaten Krankenversicherung über die Kostenübernahme
    • Einweisungsschein vom Haus- oder Facharzt
    • Personalausweis oder Pass

    Ebenfalls hilfreich sind folgende Unterlagen und Informationen:

    • Röntgenbilder, Laborbefunde und Arztberichte aus Voruntersuchungen
    • Name, Adresse und Telefonnummer des Hausarztes
    • Name und Telefonnummer von nahen Angehörigen und Freunden, die im Notfall benachrichtigt werden sollen
    • Ihr Medikamentenplan sowie sicherheitshalber die Medikamente für die ersten 24 Stunden, falls sie nicht sofort im Krankenhaus verfügbar sind
    • Falls vorhanden: Allergiepass, Blutgruppenausweis, Impfpass, Röntgenpass sowie spezielle Ausweise, falls Sie blutverdünnende Mittel wie zum Beispiel Marcumar einnehmen, einen Herzschrittmacher oder eine künstliche Herzklappe haben oder Ihr Blutzuckertagebuch, wenn Sie an Diabetes erkrankt sind.

    Erste Untersuchungen auf der Station

    Auf der Station wird Ihnen das Pflegepersonal Ihr Zimmer zeigen und alle nötigen Informationen über den Aufenthalt im Krankenhaus geben. Sie werden gefragt, welche Medikamente Sie nehmen, ob Sie besondere Essenswünsche haben oder eine Diät einhalten müssen.

    In den meisten Kliniken sind Handys mittlerweile erlaubt. Informieren Sie sich aber zur Sicherheit, ob bestimmte Klinikbereiche davon ausgenommen sind.

    Auf der Station werden Sie mit vielen Menschen in Berührung kommen: Ärztinnen und Ärzte, Schwestern und Pfleger kümmern sich um Ihre medizinische Behandlung und pflegerische Betreuung. Außerdem gibt es in jeder Klinik Sozialarbeiter, Psychologen, Diätassistenten, Physiotherapeuten, Krankenhausapotheker und andere therapeutische Fachkräfte. Da fällt es nicht leicht, den Überblick zu behalten. Scheuen Sie sich nicht zu fragen, wenn Sie nicht wissen, wen Sie vor sich haben.

    Am Beginn der Behandlung stehen das Gespräch mit dem Klinikarzt und die Aufnahmeuntersuchung. Da die Klinikärztin oder der Klinikarzt Sie noch nicht gut kennt, ist es wichtig, möglichst offen und ausführlich über Ihre Beschwerden und Krankheitsgeschichte zu berichten. In einigen Krankenhäusern wird bei der Aufnahme auch ein sogenanntes Arzneimittelgespräch mit der Krankenhausapothekerin oder dem Krankenhausapotheker geführt. Während Ihres Klinikaufenthalts haben Sie meist vor allem mit dem Stationsarzt direkt zu tun. Die Stationsärzte stehen in regelmäßigem Austausch mit den Oberärzten und dem Chefarzt.

    Üblich ist mindestens ein Arztbesuch („Visite“) pro Tag, bei dem die Ärzte mit Ihnen und untereinander besprechen, wie die Behandlung verläuft und wie es Ihnen geht. Schwestern und Pfleger kümmern sich mehrmals täglich um Sie; sie sind ebenfalls wichtige Gesprächspartner. Sie organisieren den gesamten Ablauf auf der Station.

    Was passiert vor einer Operation?

    Wenn eine Operation bereits längere Zeit im Voraus geplant ist, bekommt man häufig erst einmal einen Termin für eine Voruntersuchung im Krankenhaus. Oft stehen einige grundlegende Untersuchungen an sowie ein EKG und weitere Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen. Abhängig vom Gesundheitszustand und der Art des Eingriffs besteht die Möglichkeit zur Eigenblutspende. Dazu wird Ihnen in den Wochen vorher mehrmals Blut abgenommen. Sollte später eine Bluttransfusion nötig werden, kann auf Ihr eigenes Blut zurückgegriffen werden.

    Vor einer Operation werden Sie mit dem Chirurgen und dem Narkosearzt ein Aufklärungsgespräch über den Eingriff, die Narkose und mögliche Risiken führen.

    Nach dem Aufklärungsgespräch kommt es darauf an, ob Sie eine Einverständniserklärung unterschreiben. Wichtig ist: Unterschreiben Sie nur, wenn Sie alles verstanden haben und wenn Sie davon überzeugt sind, dass die Chancen des Eingriffs die Risiken überwiegen. Lassen Sie sich Fachwörter erklären und fragen Sie bei Unklarheiten nach. Bei Sprachproblemen ist es sinnvoll, eine nahestehende Person mitzubringen, die für Sie übersetzen kann. Sie können auch um einen Dolmetscher bitten; allerdings müssen Sie die Kosten selbst tragen.

    Vor der Operation sind weitere Informationen und Vorbereitungen nötig. Wichtig ist etwa, ab wann Sie nicht mehr essen und trinken dürfen und ob Sie einige Stunden vorher eine beruhigende Tablette benötigen. Der Körperbereich, in dem operiert wird, muss häufig rasiert werden. Lassen Sie sich am besten vorher erklären, was Sie nach der Operation berücksichtigen sollten. Melden Sie sich immer, wenn Sie starke Schmerzen oder andere Beschwerden spüren.

    Sozialdienst und Seelsorge

    In vielen Kliniken gibt es einen Sozialdienst, der sich um persönliche und sozialrechtliche Probleme kümmert. So kann sich nach einer Operation eine Rehabilitation anschließen, oder es ist für einige Zeit zu Hause eine Betreuung nötig. Ältere, schwer kranke Patienten benötigen vielleicht einen Platz in einem Pflegeheim. Der Sozialdienst hilft dann zum Beispiel dabei, notwendige Anträge auszufüllen, organisiert einen Platz in einer Rehaklinik, eine Haushaltshilfe für Familien oder hilft bei der Suche nach einem Heimplatz. Auch bei der Regelung finanzieller Ansprüche etwa beim Sozialamt, der Arbeitsagentur oder Pflegeversicherung ist er behilflich. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sozialdienstes haben darüber hinaus ein offenes Ohr für persönliche Probleme und helfen, eine Erkrankung und ihre Folgen zu bewältigen.

    Bei Fragen, die sich mit schwerer Krankheit und Tod beschäftigen, bieten ausgebildete kirchliche Krankenhausseelsorger ihre Hilfe an. Sie betreuen auch Menschen, die nicht religiös sind oder einer anderen Religion angehören.

    Entlassung und weitere Behandlung

    Krankenhäuser sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Entlassung von Patienten vorzubereiten und dafür zu sorgen, dass sie nach der Entlassung ausreichend weiterbehandelt werden. Alle Maßnahmen des sogenannten Entlassmanagements müssen vor Ihrer Entlassung mit Ihnen abgestimmt und beraten werden. Wenn Sie es wünschen, können Ihre Angehörigen einbezogen werden.

    Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus werden Sie in der Regel weiter durch Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt betreut. Manchmal sind auch Nachuntersuchungen in der Klinik nötig. Meist kann ambulant untersucht werden.

    Bei der Entlassung erhalten Sie zumindest einen Kurzbericht für Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, der alle wichtigen Informationen über Ihren Befund, Ihre Behandlung im Krankenhaus und die Möglichkeiten der Weiterbehandlung enthält. Einige Tage bis Wochen später folgt ein detaillierter Arztbrief per Post. Darin sind unter anderem die Ergebnisse von speziellen Untersuchungen, Röntgenaufnahmen oder Ultraschallbildern festgehalten.

    Nach der Entlassung kann Ihnen das Pflegepersonal zur Überbrückung für einen kurzen Zeitraum Medikamente mitgeben oder verschreiben. In einigen Kliniken bereitet die Krankenhausapotheke einen Medikationsplan vor. Benötigen Sie besondere Heil- oder Hilfsmittel wie etwa eine Gehhilfe oder Physiotherapie, bekommen Sie das Rezept ebenfalls von den Stationsärzten ausgestellt.

    Das Krankenhaus händigt Ihnen auch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für die erste Woche nach der Entlassung aus. Erkundigen Sie sich, ob Sie in Ihrem Alltag etwas Besonderes beachten müssen, etwa eine spezielle Ernährung oder eine Pause von sportlichen Aktivitäten.

    Wenn Sie sich nach einem Klinikaufenthalt noch nicht allein zu Hause versorgen können und weiterhin pflegerische Betreuung brauchen, wird Ihnen das Krankenhaus eine häusliche Krankenpflege verschreiben. Sie wird ebenfalls von der Krankenkasse bezahlt, meist für einen Zeitraum von vier Wochen.

    Falls Sie voraussichtlich länger pflegebedürftig sein sollten, kann das Krankenhaus mit Ihrer Einwilligung die zuständige Pflegekasse benachrichtigen. Die Pflegebedürftigkeit wird dann durch einen Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) eingestuft, um die weitere Betreuung sicherzustellen.

    Privat krankenversicherte Patienten bekommen nach ihrer Entlassung mit etwas Zeitverzögerung eine oder mehrere Abrechnungen der Chefärzte. Diese müssen sie ihrer Privatversicherung vorlegen.

    Quellen

    AOK Bundesverband. Zuzahlungen auf einen Blick.

    Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Migration und Gesundheit. 2018.

    Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Ratgeber Krankenhaus. 08.2017.

    Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Zuzahlungsregelungen der gesetzlichen Krankenversicherung. 01.01.2017.

    Statistisches Bundesamt (Destatis). Eckdaten der Krankenhäuser 2013.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.