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Starkes Übergewicht (Adipositas)

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    Überblick

    Starkes Übergewicht (Adipositas) kann die Gesundheit, die körperliche Belastbarkeit und Beweglichkeit verschlechtern. Wer auffällige Gewichtsprobleme hat, ist zudem häufig Vorurteilen ausgesetzt. Was hilft beim Abnehmen und wie schafft man es am ehesten, das erreichte Gewicht zu halten?

    Einleitung

    Von starkem Übergewicht (Adipositas oder Fettleibigkeit) spricht man, wenn der Fettanteil übermäßig hoch ist. Er gilt als zu hoch, wenn der Body-Mass-Index (BMI) über 30 liegt. Eine Adipositas erhöht das Risiko für verschiedene chronische Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes, Arthrose oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vor allem bei ausgeprägter Adipositas ist es daher sinnvoll, abzunehmen. Dies ist einfacher gesagt als getan, erfordert viel Engagement, Durchhaltevermögen und eine gute Unterstützung. Die gute Nachricht ist: Bereits eine Gewichtsabnahme von wenigen Kilogramm kann sich positiv auf die Gesundheit auswirken.

    Bestimmte Programme können eine Gewichtsabnahme wirksam unterstützen. Für Menschen mit ausgeprägter Adipositas kann auch eine Magenoperation infrage kommen. Da solche Eingriffe das Leben stark verändern können, ist es wichtig, die Vor- und Nachteile gut abzuwägen.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Bei den meisten Menschen ist Adipositas die Folge eines unausgewogenen Energiehaushalts: Sie nehmen mehr Kalorien auf, als sie verbrauchen. Die überschüssigen Kalorien werden vom Körper als Fett eingelagert.

    Es gibt viele verschiedene Faktoren, die zu einer Gewichtszunahme beitragen können. Dazu gehören zum Beispiel die Ernährung und der Lebensstil, die genetische Veranlagung, bestimmte Krankheiten sowie psychologische und soziale Faktoren. Auch bestimmte Medikamente können zu einer Gewichtszunahme führen, zum Beispiel manche Psychopharmaka und einige Diabetesmedikamente.

    Gesellschaftliche Entwicklungen machen es zunehmend schwieriger, Kalorienaufnahme und -verbrauch im Alltag ausgeglichen zu halten. So arbeiten heute weniger Menschen als früher in Berufen, die körperliche Arbeit erfordern. Die „sitzende“ Lebensweise mit Büroarbeit, Autofahren sowie Fernseh- und Computernutzung in der Freizeit überwiegt. Die Folge ist, dass im Alltag weniger Kalorien verbraucht werden.

    Gleichzeitig stehen in Industrieländern jederzeit und überall Nahrungsmittel zur Verfügung, sind zum Beispiel Snacks wie Süßigkeiten, Kartoffelchips oder Nüsse zwischen den Hauptmahlzeiten gang und gäbe. Auch das große Angebot zuckerhaltiger Getränke spielt eine Rolle. Nicht zuletzt kann Alkohol eine Gewichtszunahme begünstigen, er enthält sogar mehr Kalorien als Zucker.

    Häufigkeit

    Nach Daten des Robert Koch-Instituts sind in Deutschland etwa 24 % aller Männer und Frauen stark übergewichtig. Sie haben zu etwa

    • 17 % eine Adipositas Grad 1 mit einem BMI zwischen 30 und 35,
    • 5 % eine Adipositas Grad 2 mit einem BMI zwischen 35 und 40,
    • 2 % eine Adipositas Grad 3 mit einem BMI über 40.

    Etwa 6 % der Kinder und Jugendlichen haben eine Adipositas. Die Häufigkeit starken Übergewichts hat in den letzten Jahrzehnten in allen Altersgruppen zugenommen.

    Verlauf

    Bei den meisten Menschen entwickelt sich die Adipositas im Erwachsenenalter. Dies passiert nicht von heute auf morgen, sondern über Jahre oder Jahrzehnte. Die meisten Menschen nehmen irgendwann zwischen ihrem 30. und 60. Geburtstag zu. Wenn sie ins Berufsleben eintreten oder eine Familie gründen, bewegen sich viele im Alltag weniger und haben auch weniger Zeit für Sport. Im Laufe des Lebens können aber auch andere Risikofaktoren hinzukommen, zum Beispiel bestimmte Erkrankungen.

    Bei Frauen kann eine Schwangerschaft der Auslöser für eine bleibende Gewichtszunahme sein. Einige Monate nach der Geburt nähern sich die meisten Frauen zwar ihrem Gewicht vor der Schwangerschaft wieder an. Manche wiegen aber dauerhaft mehr als vorher. Auch in den Wechseljahren nehmen viele Frauen zu. Hierfür werden verschiedene Gründe diskutiert, unter anderem Veränderungen im Hormonhaushalt und im Stoffwechsel.

    Manche Menschen haben bereits im Kindes- oder Jugendalter Übergewicht. Sie haben es oft besonders schwer, später Gewicht abzunehmen.

    Folgen

    Eine Adipositas kann verschiedene Erkrankungen begünstigen. Dazu gehören:

    • Diabetes Typ 2
    • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
    • Arthrose
    • Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer)
    • Fettleber, Gallensteine
    • bestimmte Krebsarten

    Außerdem ist starkes Übergewicht ein Risikofaktor für Bluthochdruck und Arteriosklerose. Es kann auch mit einer Erhöhung der Cholesterinwerte einhergehen. Dabei gilt: Je ausgeprägter die Adipositas ist und je länger sie besteht, desto höher das Risiko für Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.

    Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, ob man Adipositas als eigene Erkrankung betrachten soll. Als Erkrankung sieht sie zum Beispiel die Deutsche Adipositas-Gesellschaft und die Weltgesundheitsorganisation (WHO), aber nicht die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM). Für die DEGAM ist Adipositas ein Risikofaktor, der immer gemeinsam mit anderen Risikofaktoren eines Menschen betrachtet werden sollte, um den Gesundheitszustand zu beurteilen.

    Vor allem Menschen mit einer Adipositas Grad 1 fühlen sich oft nicht weniger gesund oder unwohler als schlankere Menschen. Außerdem gibt es Menschen mit Adipositas, die körperlich fit sind und einen gesunden Stoffwechsel haben.

    Diagnose

    Von Adipositas spricht man bei einem Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 30. Der BMI errechnet sich aus der Körpergröße im Verhältnis zum Körpergewicht:

    Grafik: BMI-Berechnung - wie im Text beschrieben

    Der BMI sagt allerdings nichts über die Verteilung des Körperfetts aus. Da vermehrtes Bauchfett mit einem größeren gesundheitlichen Risiko einhergeht als Fett an anderen Körperstellen, wird zusätzlich zum BMI der Bauchumfang bestimmt. Ein Bauchumfang – gemessen etwa zwischen Rippenbögen und Beckenkamm – von über 102 Zentimetern bei Männern und 88 Zentimetern bei Frauen deutet auf viel Bauchfett hin. Dieses Maß berücksichtigt allerdings weder den individuellen Körperbau noch das Alter eines Menschen.

    Eine Adipositas kann auch durch Erkrankungen begünstigt werden, zum Beispiel durch eine Schilddrüsenunterfunktion. Daher ist es wichtig, solchen möglichen Ursachen nachzugehen – etwa indem man die Schilddrüsenwerte bestimmt. Manchmal wird Adipositas vorschnell allein auf eine falsche Ernährung oder zu wenig Bewegung zurückgeführt.

    Das Risiko für Folgeerkrankungen lässt sich besser beurteilen, wenn das Körpergewicht zusammen mit anderen Risikofaktoren betrachtet wird und zusätzlich zum Beispiel die Blutdruck-, Blutzucker-, Cholesterin- oder Nierenwerte bestimmt werden.

    Viele Menschen mit Adipositas machen die Erfahrung, dass Ärztinnen und Ärzte vorwiegend die Folgeerkrankungen der Adipositas behandeln, wie zum Beispiel Arthrose oder Bluthochdruck, dem Gewichtsproblem aber nicht genug Aufmerksamkeit schenken. Es kann hilfreich sein, sich die Fragen, die man im Arztgespräch stellen möchte, vorher aufzuschreiben, damit man sie nicht vergisst.

    Behandlung

    Um die Gesundheit zu verbessern, ist es nicht notwendig, den BMI auf einen bestimmten Wert zu senken. Je nach Ausgangsgewicht empfehlen medizinische Fachgesellschaften eine Gewichtsabnahme von 5 bis 10 % innerhalb von sechs bis zwölf Monaten.

    Es ist sinnvoll, einen Plan zu entwickeln, der umsetzbar ist und zu den eigenen Bedürfnissen passt. Manche Menschen möchten Gewicht verlieren, weil sie sich in ihrem Körper nicht wohlfühlen, anderen geht es vor allem um die körperliche Fitness und Leistungsfähigkeit und wieder andere haben gesundheitliche Gründe.

    Zum Abnehmen wird in der Regel eine Kombination aus mehr Bewegung und einer Ernährungsumstellung empfohlen. Es gibt verschiedene, zum Teil wissenschaftlich geprüfte und von medizinischen Fachgesellschaften empfohlene Programme zur Gewichtsabnahme, die dabei unterstützen können. Sie müssen allerdings oft selbst bezahlt werden, denn sie gelten nicht als Behandlung, sondern als „Lebensstil-Maßnahme“. Manche Krankenkassen bezuschussen aber die Kosten für eine Teilnahme.

    Solche Programme enthalten meist auch verhaltenstherapeutische Elemente. Sie vermitteln zum Beispiel, wie

    • eine Ernährungsumstellung so flexibel gestaltet werden kann, dass sie im Alltag durchzuhalten ist,
    • sich mehr körperliche Bewegung in den Alltag einbauen lässt und
    • man mit Umständen umgeht, die man selbst nicht verändern kann (zum Beispiel bei der Arbeit).

    Wenn ein Ernährungs- und Bewegungsprogramm nicht ausreicht, kann eine ergänzende Behandlung mit einem Medikament das Abnehmen unterstützen.

    Nach dem Abnehmen langfristig nicht wieder zuzunehmen, ist meist schwerer als das Abnehmen selbst. Dies hat mit Vorgängen im Stoffwechsel, Hormonhaushalt und zentralen Nervensystem zu tun, die mehr darauf ausgerichtet sind, den Körper im Gleichgewicht zu halten als abzunehmen. Beispielsweise verringert sich durch einen Gewichtsverlust auch die Muskelmasse und damit der Energiebedarf. Das bedeutet: Je mehr man abnimmt, desto schwieriger wird es, das erreichte Gewicht zu halten oder noch mehr Gewicht zu verlieren. Vielen Menschen fällt es außerdem schwer, über viele Jahre entwickelte Gewohnheiten und Verhaltensweisen dauerhaft zu ändern.

    Wer sich weiterhin ausgewogen ernährt und ausreichend bewegt, kann es am ehesten schaffen, sein Gewicht über längere Zeit zu halten oder nur wenig zuzunehmen. Das wichtigste Prinzip dabei ist es, auf Dauer nicht mehr Kalorien zu sich zu nehmen als man verbraucht.

    Für Menschen mit starker Adipositas (Grad 2 oder 3) kann eine chirurgische Behandlung infrage kommen. Die am häufigsten eingesetzten Operationstechniken sind der Magenbypass und die Magenverkleinerung (Schlauchmagen). Da diese Eingriffe zu verschiedenen Komplikationen und Nebenwirkungen führen können und nach der Operation viele Anpassungen im Leben notwendig sind, ist es wichtig, die Vor- und Nachteile gut abzuwägen.

    Leben und Alltag

    Eine Adipositas kann die körperliche Belastbarkeit und Beweglichkeit verschlechtern. So können Alltagstätigkeiten wie Treppensteigen und sportliche Aktivitäten beschwerlich werden. Vor allem bei ausgeprägter Adipositas können auch die Lebensqualität und das Wohlbefinden beeinträchtigt sein. Wer auffällige Gewichtsprobleme hat, ist häufig Vorurteilen und Benachteiligungen ausgesetzt.

    Nicht zuletzt entsprechen stark übergewichtige Menschen nicht dem gängigen Schönheitsideal, wie es zum Beispiel im Fernsehen, in den Medien oder der Werbung vorgeführt wird. Dies kann zu Selbstzweifeln führen und auch davon abhalten, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen und zum Beispiel zum Sport oder ins Schwimmbad zu gehen. Für manche Menschen mit Adipositas ist es hilfreich, sich mit anderen Betroffenen zum Sport zu treffen oder sich in einer Selbsthilfegruppe auszutauschen.

    Manchmal hängt eine Adipositas auch eng mit Depressionen, Essstörungen oder anderen psychischen Erkrankungen zusammen. Dann ist es sinnvoll, die beiden Probleme zusammen zu betrachten.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Für Menschen mit Adipositas gibt es in Deutschland zahlreiche Angebote zur Unterstützung. Dazu gehören Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Viele dieser Einrichtungen sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, passende Angebote zu finden und zu nutzen.

    Quellen

    Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG). Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur "Prävention und Therapie der Adipositas". AWMF-Registernr.: 050-001. 30.04.2014.

    Mensink GB, Schienkiewitz A, Haftenberger M, Lampert T, Ziese T, Scheidt-Nave C. Übergewicht und Adipositas in Deutschland: Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2013; 56(5-6): 786-794.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Ursachen für Adipositas

    Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die die Entwicklung von starkem Übergewicht (Adipositas) begünstigen. Die entscheidende Ursache ist in der Regel, dass mehr Kalorien aufgenommen als verbraucht werden. Aber auch bestimmte Erkrankungen oder Medikamente können das Gewicht beeinflussen.

    Eine übermäßige Gewichtszunahme ist die langfristige Folge eines unausgewogenen Energiehaushalts. Nimmt man beispielsweise jeden Tag 50 Kilokalorien mehr zu sich als der Körper braucht, kann dies über einen Zeitraum von einem Jahr theoretisch eine Gewichtszunahme von etwa 2 Kilogramm bedeuten. 50 Kilokalorien entsprechen zum Beispiel 0,1 Liter Orangensaft oder zwei Stückchen Schokolade. Allerdings stehen die Kalorien aus Lebensmitteln dem Körper nicht vollständig als Energie zur Verfügung. Zudem steigt auch der Energiebedarf des Körpers, wenn man zunimmt. Das Zählen von Kalorien kann daher nur eine Orientierung geben.

    Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die die Entwicklung von starkem Übergewicht (Adipositas) begünstigen. Die entscheidende Ursache ist in der Regel, dass mehr Kalorien aufgenommen als verbraucht werden. Aber auch bestimmte Erkrankungen oder Medikamente können das Gewicht beeinflussen.

    Eine übermäßige Gewichtszunahme ist die langfristige Folge eines unausgewogenen Energiehaushalts. Nimmt man beispielsweise jeden Tag 50 Kilokalorien mehr zu sich als der Körper braucht, kann dies über einen Zeitraum von einem Jahr theoretisch eine Gewichtszunahme von etwa 2 Kilogramm bedeuten. 50 Kilokalorien entsprechen zum Beispiel 0,1 Liter Orangensaft oder zwei Stückchen Schokolade. Allerdings stehen die Kalorien aus Lebensmitteln dem Körper nicht vollständig als Energie zur Verfügung. Zudem steigt auch der Energiebedarf des Körpers, wenn man zunimmt. Das Zählen von Kalorien kann daher nur eine Orientierung geben.

    Wie setzt der Körper aufgenommene Kalorien um?

    Der tägliche Kalorienbedarf verteilt sich auf den Ruheumsatz, den Leistungsumsatz und die sogenannte thermische Wirkung der Nahrung:

    • Der Ruheumsatz (auch Grundumsatz genannt) macht im Durchschnitt etwa 70 % des gesamten Kalorienbedarfs aus. Er umfasst die Kalorien, die benötigt werden, um die lebenswichtigen Körperfunktionen aufrechtzuerhalten, zum Beispiel den Herzschlag oder die Atmung. Wie hoch der Ruheumsatz eines Menschen ist, hängt vor allem vom Anteil der Muskelmasse am Gewicht ab. Daher haben Männer im Durchschnitt einen höheren Ruheumsatz als gleich große Frauen. Andere Faktoren wie Alter, Körpergröße und die familiäre Veranlagung spielen ebenfalls eine Rolle.
    • Der Leistungsumsatz macht im Durchschnitt etwa 20 % des täglichen Kalorienbedarfs aus. Er umfasst die Kalorien, die zusätzlich zum Ruheumsatz durch Alltagsaktivitäten wie Fußwege, Treppensteigen oder Putzen sowie durch Sport verbraucht werden.
    • Die thermische Wirkung der Nahrung macht ungefähr die restlichen 10 % des Kalorienumsatzes aus. Damit ist die Energie gemeint, die der Körper benötigt, um aufgenommene Nahrungsmittel zu verdauen, zu speichern und umzuwandeln. Es ist allerdings umstritten, inwieweit dies zum Beispiel im Rahmen von Ernährungsumstellungen eine Rolle spielt.

    Menschen, die körperlich aktiv sind, haben Vorteile. Neben den Kalorien, die sie zum Beispiel beim Sport oder anderen Aktivitäten verbrauchen, führt Sport zum Aufbau von Muskeln. Dies erhöht den Ruheumsatz – also den täglichen Energiebedarf, den der Körper für seine Grundfunktionen benötigt.

    Viele Menschen gehen allerdings irrtümlich davon aus, dass sie Gewicht verlieren können, wenn sie nur genug Sport treiben. Diese Annahme ist nur teilweise richtig: Studien weisen darauf hin, dass man den Kalorienverbrauch durch Sport erhöhen kann – aber nicht beliebig. Sport hilft beim Abnehmen und hat andere gesundheitliche Vorteile, reicht für eine größere Gewichtsabnahme allein aber in der Regel nicht aus.

    Welche Faktoren können eine Gewichtszunahme begünstigen?

    Neben einer zu hohen Kalorienaufnahme können folgende Faktoren eine Adipositas begünstigen:

    • hormonelle Störungen: Hierzu gehören zum Beispiel eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion (dabei ist der Stoffwechsel verlangsamt); das polyzystische Ovarialsyndrom bei Frauen (kann zu einer Störung des Insulinhaushalts führen) und ein Testosteronmangel bei Männern (geht mit einem Abbau von Muskelmasse einher).
    • Essstörungen: Beispielsweise können Heißhungerattacken, bei denen kein Sättigungsgefühl eintritt, Adipositas begünstigen. Wenn bestimmte Diagnosekriterien erfüllt sind, spricht man dabei von einer psychischen Erkrankung, die Binge-Eating-Störung genannt wird.
    • familiäre Veranlagung: Manche Gene beeinflussen zum Beispiel das Hunger- oder Sättigungsgefühl. Andere können einen indirekten Einfluss auf das Körpergewicht haben – zum Beispiel darauf, wie vollständig der Körper die Nahrung verwertet.
    • Medikamente: Vor allem bestimmte Mittel gegen Diabetes und psychische Erkrankungen können das Gewicht erhöhen. Medikamentenbedingte Gewichtszunahmen betragen in der Regel 2 bis 5 Kilogramm (kg). Hormonelle Verhütungsmittel verursachen nach aktuellem Wissen keine Gewichtszunahme – auch wenn dies oft vermutet wird.
    • psychische und körperliche Erkrankungen: Adipositas kann zum Beispiel mit Depressionen oder chronischen körperlichen Erkrankungen zusammenhängen. So kann ein schmerzhafter Gelenkverschleiß (Arthrose) dazu führen, dass man sich weniger bewegt. Aber auch Stress und psychische Belastungen sind Risikofaktoren.
    • Rauchstopp: Menschen, die mit dem Rauchen aufhören, tun ihrer Gesundheit etwas Gutes. Die Entwöhnung geht allerdings oft mit einer Gewichtszunahme einher, die von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausfallen kann. Im Durchschnitt liegt sie bei etwa 5 Kilogramm.

    Neben diesen anerkannten Risikofaktoren werden unter Fachleuten noch weitere diskutiert, wie zum Beispiel dauernder Schlafmangel. Hierzu gibt es aber noch zu wenig Forschung.

    Sehr selten ist eine Adipositas Folge einer angeborenen oder hormonellen Erkrankung. Das sogenannte Prader-Willi-Syndrom ist ein Gendefekt, der bereits im Kindesalter mit einem unstillbaren Hunger einhergeht und daher sehr oft zu Adipositas führt. Morbus Cushing ist eine hormonelle Erkrankung, bei der der Körper zu viel Kortisol produziert. Kortisol ist ein körpereigenes Steroid, das in den Nebennierenrinden produziert wird. Morbus Cushing kann auch Folge einer langfristigen Einnahme von Kortisontabletten sein.

    Welchen Einfluss haben Hormone und andere Botenstoffe?

    Der Körper ist grundsätzlich darauf ausgerichtet, seinen Stoffwechsel im Gleichgewicht zu halten. Der Energiehaushalt wird durch das zentrale und das vegetative Nervensystem, Hormone und verschiedene andere Prozesse gesteuert. Dies macht sich zum Beispiel durch Hunger- oder Sättigungsgefühle bemerkbar.

    Zu den Hormonen, die ein Hungergefühl auslösen können, gehört das im Magen-Darm-Trakt gebildete Ghrelin. Das Sättigungsgefühl wird unter anderem durch Leptin reguliert. Beide Hormone werden im Fettgewebe selbst gebildet und daher auch als Adipokine (Fettgewebshormone) bezeichnet. Bei Adipositas können sie aus dem Gleichgewicht geraten, zum Beispiel weil das Leptin im Körper nicht mehr so gut wirkt (Leptinresistenz).

    Darüber hinaus gibt es zum Beispiel die Theorie, dass genussvolles Essen im Gehirn mit einem Belohnungsgefühl in Verbindung gebracht wird. Dafür soll ein Zusammenspiel von Hormonen und Nervensignalen verantwortlich sein.

    Wie verschiedene Hormone und andere Botenstoffe wirken und wann sie eine Gewichtszunahme begünstigen, ist noch nicht abschließend geklärt. Bei vielen Studien handelt es sich zum Beispiel um Tierexperimente, die nur eine begrenzte Aussagekraft für den Menschen haben.

    Welchen Einfluss haben moderne Lebensbedingungen?

    Manche Wissenschaftlergruppen sehen die Hauptursache für Adipositas in den modernen Lebensbedingungen wie

    • einem bewegungsarmen Lebensstil: zu viel Sitzen vor Bildschirmen, zu wenig körperliche Aktivität im Tagesablauf und zu wenig Sport als Ausgleich;
    • veränderten Ernährungsgewohnheiten: zu kalorienreiche Nahrung wie zum Beispiel Fast Food, Frittiertes, Süßigkeiten und gezuckerte Getränke;
    • externen Einflussfaktoren: zum Beispiel das an vielen Orten überreichliche Angebot an Lebensmitteln und Snacks, aber auch größere Portionen und Packungen in Imbissen, Restaurants und Supermärkten. Studien zeigen, dass Menschen mehr essen, wenn ihnen größere Portionen aufgetischt werden oder sie von größeren Tellern essen. Denn was und wie ein Mensch isst, wird auch von unbewussten Einflüssen gesteuert.

    Was bedeutet das für Menschen mit Adipositas?

    Entgegen weit verbreiteter Annahmen ist Adipositas oft, aber nicht immer eine Folge von zu viel Essen und zu wenig Bewegung. Es gibt viele Faktoren, die zu einer Gewichtszunahme beitragen. Für Menschen mit Adipositas, die abnehmen möchten, ist es daher sinnvoll, gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten über mögliche Ursachen und eigene Risikofaktoren zu sprechen und gemeinsam zu überlegen, welche möglichen Lösungen infrage kommen.

    Quellen

    Aubin HJ, Farley A, Lycett D, Lahmek P, Aveyard P. Weight gain in smokers after quitting cigarettes: meta-analysis. BMJ 2012; 345: e4439.

    Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG). Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur "Prävention und Therapie der Adipositas". AWMF-Registernr.: 050-001. 30.04.2014.

    Hollands GJ, Shemilt I, Marteau TM, Jebb SA, Lewis HB, Wei Y et al. Portion, package or tableware size for changing selection and consumption of food, alcohol and tobacco. Cochrane Database Syst Rev 2015; (9): CD011045.

    Murray S, Tulloch A, Gold MS, Avena NM. Hormonal and neural mechanisms of food reward, eating behaviour and obesity. Nat Rev Endocrinol 2014; 10(9): 540-552.

    National Clinical Guideline Centre. Obesity: Identification, Assessment and Management of Overweight and Obesity in Children, Young People and Adults. Partial Update of CG43. 11.2014. (NICE Clinical Guidelines; Band 189).

    Pontzer H, Durazo-Arvizu R, Dugas LR, Plange-Rhule J, Bovet P, Forrester TE et al. Constrained Total Energy Expenditure and Metabolic Adaptation to Physical Activity in Adult Humans. Curr Biol 2016; 26(3): 410-417.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Programme und Medikamente zum Abnehmen

    Zur Gewichtsreduktion bei Adipositas wird eine Kombination aus Ernährungsumstellung, mehr Bewegung und Verhaltensänderungen empfohlen. Viele Abnehmprogramme bestehen aus diesen Elementen. Manchmal kommt zusätzlich eine Behandlung mit einem Medikament infrage. Bei sehr einseitigen Diäten ist Vorsicht geboten.

    Der Ruheumsatz des Körpers – also die Energie, die er für die Grundfunktionen benötigt – macht im Durchschnitt etwa 70 % des täglichen Energiebedarfs aus. Körperliche Aktivität hat einen geringeren Anteil am Kalorienumsatz. Die Menge der aufgenommenen Kalorien hat daher einen größeren Einfluss auf das Körpergewicht als Bewegung.

    Entscheidend ist beim Abnehmen, dass man weniger Energie zu sich zu nimmt als man verbraucht. Aus welchen Nährstoffen sich die Kost dabei zusammensetzt, ist eher nachrangig. Sport und Bewegung sind eine sinnvolle Ergänzung, weil sie die Gewichtsabnahme unterstützen und auch Bluthochdruck und Diabetes günstig beeinflussen können.

    Zur Gewichtsreduktion bei Adipositas wird eine Kombination aus Ernährungsumstellung, mehr Bewegung und Verhaltensänderungen empfohlen. Viele Abnehmprogramme bestehen aus diesen Elementen. Manchmal kommt zusätzlich eine Behandlung mit einem Medikament infrage. Bei sehr einseitigen Diäten ist Vorsicht geboten.

    Der Ruheumsatz des Körpers – also die Energie, die er für die Grundfunktionen benötigt – macht im Durchschnitt etwa 70 % des täglichen Energiebedarfs aus. Körperliche Aktivität hat einen geringeren Anteil am Kalorienumsatz. Die Menge der aufgenommenen Kalorien hat daher einen größeren Einfluss auf das Körpergewicht als Bewegung.

    Entscheidend ist beim Abnehmen, dass man weniger Energie zu sich zu nimmt als man verbraucht. Aus welchen Nährstoffen sich die Kost dabei zusammensetzt, ist eher nachrangig. Sport und Bewegung sind eine sinnvolle Ergänzung, weil sie die Gewichtsabnahme unterstützen und auch Bluthochdruck und Diabetes günstig beeinflussen können.

    Welche Rolle spielen Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße?

    Manche Ernährungsformen setzen auf eine besonders kohlenhydrat- oder fettarme Ernährung, oder auf eine besonders eiweißreiche Kost. Solche Diäten können im Alltag schwer durchzuhalten sein, weil sie viele Einschränkungen mit sich bringen. Eine Auswertung von Studien zum Vergleich unterschiedlicher Abnehmprogramme hat zudem ergeben, dass es keine große Rolle spielt, ob man sich eher fett- oder kohlenhydratarm ernährt.

    Solche Diäten können zudem unausgewogen sein und Nebenwirkungen haben. So führte eine besonders eiweißhaltige Kost in einer Studie zum Beispiel häufiger zu Magen-Darm-Problemen und Mundgeruch. Auch fühlten sich die Teilnehmenden schlapp und hatten öfter Muskelkrämpfe und Ausschlag.

    Fachleute raten aus diesen Gründen eher von einseitigen Methoden ab. Sie empfehlen eine persönlich angepasste Ernährungsumstellung, die realistisch umsetzbar ist und auch langfristig erfolgreich sein kann. Beispielsweise fällt es manchen Menschen schwer, weniger tierische Produkte wie Fleisch und Käse zu essen (fetthaltige Lebensmittel), während andere sich eher schwer damit tun, weniger Nudeln, Reis und Kartoffeln (kohlenhydratreiche Lebensmittel) zu verzehren.

    Zudem lässt sich der vollständige Verzicht auf geliebte Lebensmittel oft nicht mit dem Alltag, der Familie oder dem Essen auswärts vereinbaren. Mit anderen Worten: Eine Umstellung auf eine kalorienärmere Ernährung eignet sich dann zum Abnehmen, wenn sie praktikabel ist und dauerhaft durchgehalten werden kann. Natürlich sollte sie auch keine gesundheitlichen Risiken haben und nicht zu einer Mangelernährung führen.

    Welche Programme werden zum Abnehmen empfohlen?

    Zur Gewichtsabnahme wurden verschiedene Programme entwickelt, die zum Teil auch wissenschaftlich geprüft sind. Alle zur Behandlung von Adipositas empfohlenen Programme enthalten Elemente aus der Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie. Verhaltensänderungen können zum Beispiel den Einkauf von Lebensmitteln betreffen. Außerdem geht es darum zu lernen, wie man selbst auf die Ernährung achten kann, einen flexiblen, umsetzbaren Plan für Ernährung und Bewegung erstellt und sich realistische Ziele setzt.

    In Deutschland werden folgende Programme bundesweit angeboten und nach den aktuellen Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften empfohlen:

    • Abnehmen mit Genuss wird von den allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) zur Verfügung gestellt. Es basiert auf einer Ernährungs- und Bewegungstherapie und kann internetbasiert am Computer und mithilfe einer App oder schriftlich umgesetzt werden. Über diese Medien erhält man auch die begleitende Beratung und Unterstützung. AOK-Mitgliedern werden die Kosten teilweise oder ganz erstattet.
    • Bodymed wird vor allem von Arztpraxen angeboten. Dabei werden über zwölf Wochen zunächst zwei, später eine Mahlzeit am Tag durch sogenannte Formelnahrung (Mixgetränke und Riegel) ersetzt. Das Programm beinhaltet zudem Beratungen zu den Themen Ernährung und Bewegung, die dabei helfen sollen, die Ernährung auch langfristig umzustellen und das erreichte Gewicht zu halten.
    • Ich nehme ab wurde von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) entwickelt. Eine Liste von Anbietern findet sich auf der Internetseite der DGE. Im Programm werden verschiedene Materialien eingesetzt wie ein Rezeptbuch und ein Ernährungs- und Bewegungstagebuch. Die Teilnahme ist auch ohne zusätzliche Beratung eigenständig möglich, ist dann nach Studienergebnissen aber weniger wirksam.
    • M.O.B.I.L.I.S.: Dieses Programm wird unter anderem von verschiedenen Krankenkassen unterstützt. Es beinhaltet Gruppensitzungen und Kurse zu den Themen Bewegung, Ernährung und Verhaltensänderung, wobei der Schwerpunkt auf einer Steigerung der körperlichen Aktivität liegt. Das Programm dauert ein Jahr, die Kosten werden von manchen Krankenkassen teilweise übernommen. M.O.B.I.L.I.S. richtet sich vor allem an Menschen mit starker Adipositas (Grad 2).
    • Optifast-52 beginnt mit einer einwöchigen Vorbereitungsphase. Eine zwölfwöchige Diät, bei der zunächst alle Mahlzeiten durch eine besonders eiweißhaltige Formelnahrung ersetzt werden, schließt sich an. In den folgenden sechs Wochen wird die Ernährung schrittweise auf feste Kost umgestellt. Der Rest des ein Jahr dauernden Programms zielt darauf ab, die Ernährung und das Körpergewicht langfristig zu stabilisieren. Das Programm wird in Gruppen angeboten und umfasst eine Betreuung durch Fachkräfte aus Medizin, Ernährungswissenschaften, Psychologie und Sport. Es richtet sich insbesondere an Menschen mit starker Adipositas (Grad 2 und 3).
    • Weight Watchers arbeitet mit einem Punktesystem. Das Grundprinzip besteht darin, dass pro Tag eine bestimmte Anzahl an Punkten verbraucht werden darf. Der Punktwert eines Lebensmittels hängt vor allem von den darin enthaltenen Kalorien, aber auch von seiner Zusammensetzung ab. Durch körperliche Aktivität kann man Punkte „dazuverdienen“, also entsprechend mehr Kalorien aufnehmen. Eine Teilnahme ist online (am Computer und per App) oder auch mit persönlichen Treffen möglich.

    Die Entscheidung für ein bestimmtes Programm hängt neben dem Ausgangs- und Zielgewicht vor allem von den persönlichen Vorlieben ab – zum Beispiel, ob man eher ein persönliches Angebot vor Ort nutzen kann oder möchte oder ein internetbasiertes Programm bevorzugt, das im Alltag flexibel umsetzbar ist.

    Auch die Kosten spielen eine Rolle. Viele Krankenkassen erstatten für bestimmte Programme einen großen Teil der Kosten. Hierzu informiert man sich am besten direkt bei der eigenen Krankenkasse.

    Was kann ich von solchen Programmen erwarten?

    In Studien nahmen Menschen, die an Programmen zur Gewichtsreduktion wie etwa Weight Watchers teilnahmen, innerhalb von sechs bis zwölf Monaten zwischen etwa 3 und 8 Kilogramm, durchschnittlich etwa 5 bis 6 Kilogramm, ab.

    Programme, bei denen Formelnahrung eingesetzt wird, führten in Studien zu einer stärkeren Abnahme von etwa 10 bis 15 Kilogramm.

    Studien geben Hinweise, dass auch onlinebasierte Programme (am Computer oder per App) bei der Gewichtsreduktion helfen. Es ist aber noch nicht ausreichend untersucht, ob sie vergleichbar wirksam sind wie Programme, die persönlichen Kontakt oder Gruppentreffen beinhalten.

    Was bringt zusätzliche Bewegung?

    Wer sich mehr bewegt, kann die Ernährungsumstellung sinnvoll ergänzen und auch mehr Gewicht verlieren. In Studien zeigte sich, dass körperlich aktive Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach zwölf Monaten knapp 2 Kilogramm mehr abgenommen hatten als diejenigen, die nur ihre Ernährung umstellten. Ihre Aktivitäten bestanden aus 3- bis 5-mal pro Woche 30 bis 45 Minuten leicht anstrengendem Sport, zum Beispiel zügigem Gehen (Walking).

    Körperliche Aktivität hat noch viele andere gesundheitliche Vorteile. So fördert sie die Fitness und wirkt sich günstig auf Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie den Blutdruck aus. Sport kann außerdem ein Ausgleich sein, der die Lebensqualität verbessert und dabei hilft, den Kopf frei zu bekommen.

    Studien zeigen aber auch, dass mehr körperliche Aktivität allein in der Regel nicht genügt, um ausreichend abzunehmen. Ohne eine Ernährungsumstellung ist eine größere Gewichtsabnahme kaum zu schaffen.

    Wann kommen Medikamente infrage?

    Wenn es nicht gelingt, durch eine Anpassung von Ernährung, Bewegung und Verhalten ausreichend Gewicht zu verlieren, kann zusätzlich eine Behandlung mit einem verschreibungspflichtigen Medikament infrage kommen. In Deutschland sind die Mittel Orlistat, Liraglutid, Cathin und Amfepramon zur Behandlung von Adipositas zugelassen.

    Orlistat

    Orlistat hemmt fettspaltende Enzyme (Lipasen) im Dünndarm und verringert dadurch die Fettmenge, die vom Körper aufgenommen werden kann. Die Gewichtsreduktion durch Orlistat beträgt nach einem Jahr im Durchschnitt etwa drei Kilogramm.

    Das Medikament wird dreimal am Tag zusammen mit den Mahlzeiten und einem Glas Wasser eingenommen. Die Tablette kann auch bis zu eine Stunde vor oder nach der Mahlzeit geschluckt werden. Die Behandlung mit Orlistat soll abgebrochen werden, wenn sich das Gewicht innerhalb von zwölf Wochen nicht verändert. Für manche Menschen kommt zur Vorbeugung einer erneuten Gewichtszunahme auch eine längerfristige Behandlung mit Orlistat infrage. Insgesamt soll Orlistat aber nicht länger als sechs Monate angewendet werden.

    Mögliche Nebenwirkungen von Orlistat sind ein weicher, fetthaltiger Stuhl, häufiger Stuhldrang und Luftansammlungen im Magen-Darm-Trakt (Blähbauch). Ein Blähbauch kann sich durch Schmerzen und Magengrummeln oder -gluckern äußern. In Studien zu Orlistat brachen 4 von 100 Menschen die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen ab.

    Orlistat kommt nicht infrage zum Beispiel für Schwangere oder Personen, die bestimmte gerinnungshemmende Medikamente (Antikoagulanzien) einnehmen. Wenn das Mittel Durchfall auslöst, kann es die Wirkung der Antibabypille beeinträchtigen. Auch andere Medikamente können Wechselwirkungen mit Orlistat haben. Ob es infrage kommt, lässt sich am besten mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.

    Liraglutid

    Liraglutid (Handelsname: Saxenda) wird einmal täglich unter die Haut gespritzt, zum Beispiel am Bauch oder Oberschenkel. Der Wirkstoff hemmt das Hunger- und verstärkt das Sättigungsgefühl. Die Gewichtsabnahme beträgt nach einem Jahr im Durchschnitt 5 Kilogramm. Die Dosis wird in den ersten vier Wochen der Anwendung schrittweise erhöht, damit das Mittel möglichst gut verträglich ist.

    Mögliche Nebenwirkungen von Liraglutid sind Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Erbrechen und Bauchschmerzen. In Studien brachen etwa 6 von 100 Personen die Behandlung mit Liraglutid aufgrund von Nebenwirkungen ab. Selten kann das Mittel zu Gallensteinen führen.

    Da Liraglutid auch den Blutzuckerspiegel senkt, kann es bei Menschen, die Diabetesmedikamente nehmen, das Risiko für eine Unterzuckerung erhöhen. Daher ist es wichtig, die Dosis von Diabetesmedikamenten entsprechend anzupassen. Nicht infrage kommt das Mittel zum Beispiel bei Menschen über 75 Jahre und bei Menschen mit bestimmten Nieren-, Leber- oder Magen-Darm-Erkrankungen.

    Cathin und Amfepramon

    Cathin (Handelsname Avalin) und Amfepramon (Handelsname Regenon) gehören zu den sogenannten Appetitzüglern und wirken im Gehirn. Neben dem Appetit unterdrücken sie auch den Durst und das Schlafbedürfnis. Die Vor- und Nachteile dieser Arzneimittel sind nur unzureichend untersucht. Für beide Wirkstoffe gibt es Hinweise, dass sie das Gewicht zumindest für kurze Zeit senken können. Die Mittel können jedoch abhängig machen und verschiedene, teils ernsthafte Nebenwirkungen haben. Sie dürfen daher in der Regel nur für 4 bis 6 Wochen und nicht länger als drei Monate angewendet werden.

    Nationale und internationale Zulassungsbehörden haben einen Zusammenhang zwischen diesen Wirkstoffen und Todesfällen aufgrund von Bluthochdruck im Lungenkreislauf beobachtet. Daher sind die Medikamente in vielen Ländern nicht zur Behandlung von Übergewicht zugelassen. Weitere Nebenwirkungen sind unter anderem schneller Puls, Herzklopfen, Brustschmerzen, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen.

    Diätversprechen und Ernährungstrends

    Viele Diätanbieter werben mit übertriebenen Versprechungen und setzen teils extreme und einseitige Ernährungsformen ein. Solche Diäten können Nebenwirkungen und medizinische Risiken wie Mangelernährung haben. Zudem sind sie langfristig nicht erfolgreich. Auch für Nahrungsergänzungsmittel gibt es bislang keine wissenschaftlichen Belege, dass sie wirksam sind. Ernährungsmedizinische Fachgesellschaften raten daher von solchen Angeboten ab.

    Zwei Beispiele anderer Ernährungstrends, für die wissenschaftlich bisher ebenfalls kein Nutzen belegt ist, sind:

    • Diäten mit einem niedrigen glykämischen Index (GLYX): Der glykämische Index gibt an, wie stark kohlenhydratreiche Lebensmittel den Blutzuckerspiegel beeinflussen. Je höher der glykämische Index, desto stärker steigt der Blutzuckerspiegel kurzfristig an. Beispielsweise haben Bananen bei gleicher Menge an Kohlenhydraten einen höheren Index als Äpfel. Bei Menschen ohne Diabetes haben Studien aber keinen klaren Einfluss des Index auf das Gewicht oder zum Beispiel gesundheitlich bedeutende Risikofaktoren für Herzerkrankungen gezeigt. Bei Menschen mit Diabetes kann eine solche Diät allerdings zu einer etwas besseren Einstellung des Blutzuckerspiegels führen.
    • Steinzeitdiät: Die Steinzeit- oder Paläodiät soll die Ernährung des Steinzeitmenschen nachahmen. Für die Praxis bedeutet das den Verzicht auf Getreideprodukte, Hülsenfrüchte, Milchprodukte und industriell hergestellte Lebensmittel wie zum Beispiel Pflanzenöle. Für die Behauptung, eine solche Ernährung sei besonders gesund, da sie der „ursprünglichen“ Kost des Menschen entspräche, gibt es keine wissenschaftlichen Belege.
    • Intervallfasten (auch intermittierendes Fasten): Hierbei verzichtet man für einen bestimmten Zeitraum ganz auf Essen und kalorienhaltige Getränke. Es gibt verschiedene Varianten mit unterschiedlich langen Unterbrechungen. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, das Frühstück wegzulassen – etwa um 20 Uhr Abend zu essen und dann erst wieder um 12 Uhr am nächsten Tag. In den acht Stunden zwischen Mittag und Abendessen ist keine Diät nötig. Es gibt bislang nur wenige Studien, in denen Intervallfasten untersucht wurde. Unklar ist vor allem, wie erfolgreich die Methode längerfristig ist und ob sie besser funktioniert als andere Abnehmprogramme. Grundsätzlich spricht jedoch nichts dagegen, Intervallfasten auszuprobieren.

    Abgesehen davon, dass sich manche Diättrends auf wissenschaftlich nicht haltbare Annahmen stützen, ist es schwer, einseitige oder stark einschränkende Ernährungsformen langfristig einzuhalten.

    Was kann ich tun, um das erreichte Gewicht langfristig zu halten?

    Viele Diäten bleiben langfristig ohne Erfolg oder erzeugen sogar einen Jo-Jo-Effekt: Dann ist das Gewicht einige Zeit nach der Diät höher als vorher. Wer das erreichte Gewicht dauerhaft halten möchte, muss auch dauerhaft etwas ändern. Dies setzt eine Ernährung voraus, die langfristig im Alltag umsetzbar ist und auch den Genuss am Essen erhält.

    Bei jeder Diät ist es wichtig, keine unrealistischen Erwartungen zu haben und nicht enttäuscht aufzugeben, wenn das Gewicht danach wieder etwas steigt. Wer am Ball bleibt, kann zumindest einen Teil des erreichten Gewichtsverlusts auch längerfristig halten. Sich in regelmäßigen Abständen zu wiegen (zum Beispiel an einem festen Wochentag), kann dabei unterstützen. Manche Menschen finden eine sogenannte Bioimpedanz-Analysewaage hilfreich, die auch den Körperfettgehalt misst. So lässt sich etwa ein Zuwachs an Muskeln und ein Verlust an Fett feststellen, selbst wenn sich das Gewicht nicht deutlich verändert hat. Auch verbesserte Werte, zum Beispiel beim Blutdruck oder Cholesterinspiegel, können motivieren.

    Eine Reihe von Studien hat untersucht, was auf Dauer hilft, nicht wieder zuzunehmen. Am größten sind die Erfolgsaussichten mit einer Kombination aus einer Ernährung, die dem Energiebedarf des Körpers entspricht, und ausreichender Bewegung. Mit anderen Worten: Wer es schafft, nicht viel mehr Kalorien als nötig zu sich zu nehmen und Sport treibt, hat gute Chancen, sein Gewicht in etwa zu halten.

    Es ist nicht leicht zu beurteilen, wann der tägliche Energiebedarf gedeckt ist. Im Alltag kann es hilfreich sein,

    • große Portionen zu vermeiden,
    • kleine Teller zu verwenden,
    • möglichst wenig fettreiche Lebensmittel wie Wurstwaren, Käse, Fast Food, Kuchen, Gebäck, Schokolade oder Chips zu essen,
    • energiereiche Getränke wie Fruchtsäfte, Cola, Eistee und ähnliches nur in Maßen zu trinken oder durch zuckerarme Alternativen wie Schorlen oder Light-Getränke zu ersetzen und
    • wenig Alkohol zu trinken.

    Allgemein ist es sinnvoll, auf die Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen zu achten. Dies kann helfen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie viel Kalorien in verschiedenen Lebensmitteln enthalten sind. Auch Tagebücher oder Apps können dabei helfen, einen Überblick zu behalten.

    Manche Menschen befürchten, dass Süßstoffe Heißhungerattacken auslösen, weil sie den Insulinspiegel kurzfristig erhöhen. In wissenschaftlichen Studien zeigte sich aber kein Zusammenhang zwischen Süßstoffgebrauch und Körpergewicht.

    Quellen

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Operationen zur Behandlung von Adipositas

    Eine Operation kann zu einer deutlichen Gewichtsabnahme führen und die Gesundheit verbessern. Allerdings besteht auch ein Risiko für manchmal ernsthafte Komplikationen. Nach dem Eingriff muss man zudem vieles umstellen, um Verdauungsprobleme und Mangelerscheinungen zu vermeiden. Daher ist eine gute Betreuung nach der Operation wichtig.

    Bei Menschen mit starker Adipositas oder Begleiterkrankungen wie Diabetes kann eine Operation infrage kommen, um in kurzer Zeit viel Gewicht zu verlieren – zum Beispiel eine Magenverkleinerung. Man bezeichnet solche Eingriffe als bariatrische Operationen (von „baros“, griechisch: Gewicht) oder Adipositas-Operationen. Das Absaugen von Körperfett ist keine Behandlungsmöglichkeit bei Adipositas, da es Kalorienaufnahme und -verbrauch kaum beeinflusst und mit Risiken verbunden ist. Zudem ist nicht nachgewiesen, dass es die Gesundheit verbessert.

    Nach aktuellen Empfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften kommt eine OP infrage, wenn

    • der BMI über 40 liegt (Adipositas Grad 3) oder
    • der BMI zwischen 35 und 40 liegt (Adipositas Grad 2) und zusätzlich andere Erkrankungen bestehen wie Diabetes, Herzerkrankungen oder Schlafapnoe.

    Ein Eingriff wird in der Regel aber erst dann erwogen, wenn andere Abnehmversuche erfolglos waren – zum Beispiel, wenn ein begleitetes Abnehmprogramm mit Ernährungsberatung und Bewegung keine ausreichende Gewichtsabnahme gebracht hat. Für manche Menschen kann eine Operation auch ohne vorangegangene Abnehmversuche sinnvoll sein, zum Beispiel bei einem BMI über 50 oder schweren Begleiterkrankungen.

    Bei der Entscheidung für oder gegen einen Eingriff ist es wichtig, die Vor- und Nachteile gut abzuwägen. Adipositas-Operationen können zu einer deutlichen Gewichtsabnahme führen, die Gesundheit und Lebensqualität verbessern. Außerdem wirken sie sich günstig auf Begleiterkrankungen aus, insbesondere auf Diabetes, Schlafapnoe und Bluthochdruck. Sie können aber auch zu verschiedenen Komplikationen führen und lebenslange Auswirkungen haben. Zudem muss bei einer sehr raschen Gewichtsabnahme damit gerechnet werden, dass sich Gallensteine bilden.

    Im Anschluss an den Eingriff sind eine langfristige Umstellung des Lebensstils, zum Beispiel der Ernährung, und regelmäßige Kontrolluntersuchungen erforderlich. Viele Menschen nehmen mehrere Jahre nach einer Adipositas-Operation wieder leicht zu.

    Eine Operation kann zu einer deutlichen Gewichtsabnahme führen und die Gesundheit verbessern. Allerdings besteht auch ein Risiko für manchmal ernsthafte Komplikationen. Nach dem Eingriff muss man zudem vieles umstellen, um Verdauungsprobleme und Mangelerscheinungen zu vermeiden. Daher ist eine gute Betreuung nach der Operation wichtig.

    Bei Menschen mit starker Adipositas oder Begleiterkrankungen wie Diabetes kann eine Operation infrage kommen, um in kurzer Zeit viel Gewicht zu verlieren – zum Beispiel eine Magenverkleinerung. Man bezeichnet solche Eingriffe als bariatrische Operationen (von „baros“, griechisch: Gewicht) oder Adipositas-Operationen. Das Absaugen von Körperfett ist keine Behandlungsmöglichkeit bei Adipositas, da es Kalorienaufnahme und -verbrauch kaum beeinflusst und mit Risiken verbunden ist. Zudem ist nicht nachgewiesen, dass es die Gesundheit verbessert.

    Nach aktuellen Empfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften kommt eine OP infrage, wenn

    • der BMI über 40 liegt (Adipositas Grad 3) oder
    • der BMI zwischen 35 und 40 liegt (Adipositas Grad 2) und zusätzlich andere Erkrankungen bestehen wie Diabetes, Herzerkrankungen oder Schlafapnoe.

    Ein Eingriff wird in der Regel aber erst dann erwogen, wenn andere Abnehmversuche erfolglos waren – zum Beispiel, wenn ein begleitetes Abnehmprogramm mit Ernährungsberatung und Bewegung keine ausreichende Gewichtsabnahme gebracht hat. Für manche Menschen kann eine Operation auch ohne vorangegangene Abnehmversuche sinnvoll sein, zum Beispiel bei einem BMI über 50 oder schweren Begleiterkrankungen.

    Bei der Entscheidung für oder gegen einen Eingriff ist es wichtig, die Vor- und Nachteile gut abzuwägen. Adipositas-Operationen können zu einer deutlichen Gewichtsabnahme führen, die Gesundheit und Lebensqualität verbessern. Außerdem wirken sie sich günstig auf Begleiterkrankungen aus, insbesondere auf Diabetes, Schlafapnoe und Bluthochdruck. Sie können aber auch zu verschiedenen Komplikationen führen und lebenslange Auswirkungen haben. Zudem muss bei einer sehr raschen Gewichtsabnahme damit gerechnet werden, dass sich Gallensteine bilden.

    Im Anschluss an den Eingriff sind eine langfristige Umstellung des Lebensstils, zum Beispiel der Ernährung, und regelmäßige Kontrolluntersuchungen erforderlich. Viele Menschen nehmen mehrere Jahre nach einer Adipositas-Operation wieder leicht zu.

    Wie können Operationen bei Adipositas helfen?

    Zur Behandlung von Adipositas kommen verschiedene Magen-OPs infrage. Die am häufigsten eingesetzten Verfahren sind:

    • das Magenband: Der Magen wird mit einem elastischen Band eingeschnürt, damit er nicht mehr so viel Nahrung aufnehmen kann und man schneller satt ist. Dieser Eingriff kann rückgängig gemacht werden.
    • die Schlauchmagen-Operation (Magenverkleinerung): Dabei wird der Magen operativ verkleinert, um sein Fassungsvermögen zu verringern.
    • der Magenbypass: Hierbei wird zusätzlich zur Magenverkleinerung der Verdauungsweg verkürzt, sodass der Körper weniger Nährstoffe und Kalorien aus dem Essen aufnehmen kann.

    Magenbypass und Schlauchmagen-Operation bewirken zudem hormonelle Veränderungen, die den Appetit zügeln und den Stoffwechsel beeinflussen, was sich auch auf Diabetes günstig auswirkt.

    Durch den Gewichtsverlust fühlen sich viele Menschen nach einem Eingriff körperlich fitter. Bewegung und Sport fallen leichter und machen wieder mehr Spaß. Viele erhalten nach der Operation positive und wohltuende Rückmeldungen aus dem Umfeld. Manche Menschen berichten auch, dass sie sich seit ihrer Operation beruflich wieder belastbarer und sexuell erfüllter fühlen.

    Welche Vor- und Nachteile hat ein Magenband?

    Ein Magenband drückt den Magen zusammen und verkleinert ihn dadurch künstlich. Es besteht aus Silikon und wird ringförmig um den Mageneingang gelegt. Dadurch entsteht ein kleiner Vormagen, der nicht mehr so viel Nahrung aufnehmen kann, sodass man sich dann schneller satt fühlt.

     

    Grafik: Eingesetztes Magenband - wie im Text beschrieben Magenband: das am wenigsten eingreifende Operationsverfahren

     

    Das Magenband ist mit einer Kochsalzlösung gefüllt und kann deshalb auch nach der Operation enger oder weiter gestellt werden: Über einen Schlauch kann mithilfe einer Spritze Flüssigkeit abgelassen oder hinzugefügt werden. Der Zugang dazu (Port) wird unter der Haut befestigt und hat etwa die Größe einer Münze. Kommt es zum Beispiel zu Erbrechen, weil das Magenband zu eng ist, kann es weiter gestellt werden.

    Ein Magenband ist das am wenigsten eingreifende Operationsverfahren. Da Magen und Verdauungswege ansonsten unverändert bleiben, bestehen weniger Probleme bei der Aufnahme von Nährstoffen. Es ist zudem möglich, das Magenband wieder zu entfernen und den Eingriff dadurch rückgängig zu machen. Daher ist es besonders auch für junge Frauen mit einem Kinderwunsch eine sinnvolle Alternative. Allerdings können manchmal Verwachsungen die Entfernung des Magenbands erschweren.

    In der Regel verringert sich das Körpergewicht nach Einsetzen eines Magenbands im ersten Jahr um etwa 10 bis 25 %. Ein Mann mit 1,80 Meter Körpergröße und 130 Kilogramm kann also gut 10 bis 30 Kilogramm Gewicht verlieren. Auch im zweiten und dritten Jahr nach dem Eingriff kann das Gewicht noch etwas zurückgehen.

    In vergleichenden Studien war das Magenband weniger wirksam als eine Schlauchmagen-Operation oder ein Magenbypass. Manchmal reicht der Gewichtsverlust nicht aus. Dann kann das Magenband entfernt und eine magenverkleinernde Operation erwogen werden.

    Zu den möglichen Nebenwirkungen eines Magenbands gehören Sodbrennen und Erbrechen, zum Beispiel wenn das Magenband zu eng ist. Außerdem kann das Magenband verrutschen, einwachsen oder einreißen. Manchmal muss es deshalb ersetzt oder entfernt werden. In Studien kam es bei etwa 8 von 100 Personen, die eine Magenband-OP hatten, zu einer Komplikation. Bis zu 45 von 100 Personen werden irgendwann nachoperiert – zum Beispiel, weil sie nicht genug Gewicht verloren haben oder ein Problem mit dem Magenband aufgetreten ist.

    Welche Vor- und Nachteile hat eine Schlauchmagen-Operation?

    Bei einer Magenverkleinerung werden etwa drei Viertel des Magens operativ abgetrennt und entfernt. Da die Form des Magens danach einem Schlauch ähnelt, wird der Eingriff manchmal Schlauchmagen-Operation genannt.

     

    Grafik: Schlauchmagen-Operation Schlauchmagen-Operation

     

    Nach einer Magenverkleinerung verlieren Menschen mit Adipositas im ersten Jahr üblicherweise etwa 15 bis 25 % ihres Gewichts. Für einen Mann mit 1,80 Meter Körpergröße und 130 Kilogramm Gewicht würde das bedeuten, dass er nach der Operation mit einem Gewichtsverlust von gut 20 bis 30 Kilogramm rechnen kann.

    Eine Magenverkleinerung kann verschiedene Nebenwirkungen haben: Wenn man zu viel gegessen hat, können Sodbrennen oder Erbrechen auftreten. Während oder nach der Operation kann es zu Komplikationen kommen: Beispielsweise können die Operationsnähte am Magen undicht werden und einen weiteren Eingriff erforderlich machen. In Studien kam es bei etwa 9 von 100 Personen während oder nach der Operation zu einer Komplikation; 3 von 100 mussten nachoperiert werden. Weniger als einer von 100 Menschen starb bei der Operation oder an den Folgen von Komplikationen.

    Eine Magenverkleinerung kann nicht rückgängig gemacht werden. Wenn ein Mensch mit Adipositas nach der Schlauchmagen-OP nicht genug Gewicht verloren hat, ist aber später zusätzlich ein weiterer Eingriff möglich, wie zum Beispiel ein Magenbypass.

    Welche Vor- und Nachteile hat ein Magenbypass?

    Ein Magenbypass ist aufwendiger und komplizierter als eine Magenband- oder Schlauchmagen-Operation. Der Name leitet sich vom englischen Begriff „Bypass“ (Umgehung) ab, weil die Nahrung dann nicht mehr durch den ganzen Magen und Dünndarm wandert, sondern zum Großteil daran vorbeigeführt wird.

    Bei der Operation wird ein kleiner Teil des Magens (etwa 20 Milliliter) abgetrennt. Dieser bildet dann eine Tasche, die mit dem Dünndarm verbunden wird. Der restliche Teil des Magens wird zugenäht und ist nicht mehr mit der Speiseröhre verbunden. Die Nahrung gelangt dann direkt von der gebildeten Magentasche in den Dünndarm.

    Damit die Verdauungssäfte aus Gallenblase, Bauchspeicheldrüse und dem Restmagen weiterhin in den Darm gelangen können, wird der obere Dünndarm am Magenausgang an einer anderen Stelle an den Dünndarm angeschlossen.

     

    Grafik: Magen-Bypass Magen-Bypass

     

    Ähnlich wie bei einer Magenverkleinerung zeigen Studien, dass Menschen mit Adipositas im ersten Jahr nach dem Magenbypass in der Regel etwa 15 bis 25 % ihres Gewichts verlieren. Dies geht relativ schnell. Ein bis zwei Jahre nach dem Eingriff pendelt sich das Gewicht in der Regel ein.

    Langfristig führt ein Magenbypass nach aktuellem Wissen zu einer größeren Gewichtsabnahme als die anderen Verfahren. Ein Magen-Bypass wirkt sich insbesondere auf Begleiterkrankungen wie Diabetes günstig aus.

    Nebenwirkungen und Operationsrisiken

    Zwei häufige langfristige Folgen eines Magenbypass sind das frühe und das späte Dumping-Syndrom. Bei einem frühen Dumping-Syndrom gelangt schnell eine größere Menge unverdauter Nahrung in den Dünndarm. Der Körper versucht, die ungewohnte Menge an Nährstoffen zu „verdünnen“ und es strömt plötzlich viel Wasser aus den Blutgefäßen in den Dünndarm. Diese Flüssigkeit fehlt dann im Blutkreislauf und der Blutdruck fällt. Dadurch kann es zu Benommenheit, Übelkeit, Bauchschmerzen und Schwitzen kommen. Ein frühes Dumping-Syndrom tritt vor allem nach der Aufnahme von sehr zuckerhaltigen Speisen auf, meist innerhalb von 30 Minuten danach.

    Beim selteneren späten Dumping-Syndrom wird vom Körper zu viel Insulin freigesetzt, was zu einer Unterzuckerung mit typischen Beschwerden wie Schwindel, Schwäche und Schwitzen führen kann. Es kann ein bis drei Stunden nach dem Essen auftreten, insbesondere nach der Aufnahme von kohlenhydratreicher Kost.

    Zu den Operationsrisiken gehören Vernarbungen im Dünndarm, innere Hernien und undichte Nähte an den neuen Verbindungsstellen von Magen und Darm. All diese Komplikationen können einen weiteren Eingriff erforderlich machen. In Studien hatten 12 von 100 Personen mit einer Komplikation zu tun; 5 von 100 Personen mussten nachoperiert werden.

    Selten treten während der Operation oder in den ersten Wochen danach lebensbedrohliche Komplikationen auf. Beispielsweise kann es zu einer Blutvergiftung kommen, wenn eine der neuen Verbindungsstellen undicht wird und Mageninhalt in den Bauchraum gelangt. In Studien starb weniger als einer von 100 Menschen während der Operation oder an Komplikationen eines Magenbypasses.

    Wie wird die Operation vorbereitet?

    In den Wochen vor einer Operation wird oft empfohlen, durch eine Diät oder eine Behandlung mit Medikamenten etwas Gewicht zu verlieren. Dies soll die Operation selbst vereinfachen, unter anderem weil die Leber dadurch etwas schrumpft und das Operieren am Übergang von Speiseröhre und Magen leichter wird.

    Vor der Operation werden verschiedene Untersuchungen gemacht, um sicherzustellen, dass keine medizinischen Gründe dagegen sprechen. Dazu gehören verschiedene Laboruntersuchungen, eine Magenspiegelung und ein Ultraschall des Bauchraums. Auch eine psychologische Untersuchung kann sinnvoll sein – zum Beispiel wenn eine Essstörung besteht, die psychische Gründe haben kann.

    Welche OP eignet sich für mich und wie läuft sie ab?

    Welche Operation infrage kommt, hängt neben eigenen Erwartungen und der persönlichen Bewertung der Vor- und Nachteile unter anderem vom Gesundheitszustand, dem Gewicht und möglichen Begleiterkrankungen ab. Auch die berufliche Tätigkeit kann bei der Entscheidung eine Rolle spielen. Sinnvoll ist, sich von Ärztinnen und Ärzten behandeln zu lassen, die Erfahrung in der eingesetzten Methode haben. Behandlungszentren, die von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) für die Adipositas-Chirurgie zertifiziert sind, erfüllen besondere Anforderungen an die Erfahrung und Ausstattung mit diesen Behandlungen.

    Adipositas-Operationen werden heute endoskopisch (minimal-invasiv) durchgeführt. Beim minimal-invasiven Eingriff wird mithilfe von speziellen Endoskopen operiert, die über mehrere kleine Schnitte in die Bauchhöhle eingeführt werden (Laparoskopie). Offene Operationen sind nicht mehr üblich.

    Bei einer minimal-invasiven Operation ist in der Regel ein Krankenhausaufenthalt von einigen Tagen notwendig.

    Wie muss ich mein Leben nach der OP ändern?

    Nach der Operation muss unter Umständen für einige Wochen auf feste Kost verzichtet werden. Je nach Eingriff ernährt man sich zunächst nur mit flüssiger (zum Beispiel Wasser und Brühe) und dann mit weicher Kost (zum Beispiel Joghurt, Püriertes, Kartoffelbrei). Nach ein paar Wochen wird schrittweise feste Kost eingeführt, um Magen und Darm langsam wieder daran zu gewöhnen.

    Im Anschluss an die Operation ist eine Ernährungsberatung wichtig, um Verdauungsprobleme wie Sodbrennen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen zu vermeiden. Abhängig von der Art der Operation kann es erforderlich sein,

    • kleine Portionen zu essen,
    • langsam zu essen und gut zu kauen,
    • nicht gleichzeitig zu trinken und zu essen, da das Fassungsvermögen des Magens nicht für beides ausreicht. Es wird empfohlen, in den 30 Minuten vor und nach dem Essen nicht zu trinken.
    • fettreiche und zuckerhaltige Lebensmittel zu meiden, da sie zu Verdauungsproblemen führen können. Vor allem nach einem Magenbypass können Lebensmittel mit viel Zucker aufgrund des Dumping-Syndroms zu starken Nebenwirkungen führen. Dazu gehören zum Beispiel Süßigkeiten, Fruchtsäfte, Cola und Eiscreme.
    • Alkohol maßvoll zu trinken, da der Körper ihn unter Umständen viel schneller aufnimmt. Dies gilt insbesondere nach einem Magenbypass.

    Nährstoffversorgung nach der Operation

    Nach einer Adipositas-Operation, vor allem nach einem Magenbypass, kann der Verdauungstrakt Vitamine und Nährstoffe nicht mehr so gut aufnehmen. Um Mangelerscheinungen vorzubeugen, ist es nötig, lebenslang Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Dazu gehören zum Beispiel Kalzium und Vitamin D, um die Knochensubstanz zu erhalten und vor Osteoporose zu schützen – aber auch Vitamin B12, Folsäure, Eisen, Selen und Zink, die unter anderem für die Blutbildung und das Immunsystem nötig sind.

    Zum Schutz vor Mangelerscheinungen werden außerdem regelmäßige Bluttests empfohlen, zunächst nach sechs Monaten, später einmal jährlich. Bei einem Magenband sind weniger Nahrungsergänzungsmittel nötig als beim Schlauchmagen und Magenbypass.

    Außerdem besteht das Risiko, dass der Körper neben Fett auch Muskelmasse abbaut. Um dem vorzubeugen, wird empfohlen, sich nach der Operation eiweißreich zu ernähren und regelmäßig Sport zu treiben.

    Kosmetische Folgen

    Der starke Gewichtsverlust führt oft dazu, dass die Haut hängt. Die Hautfalten und hängende Hautlappen werden von vielen Betroffenen als unschön und belastend empfunden. Manche wünschen sich danach eine Hautstraffung, die von den Krankenkassen aber nur bei medizinischen Problemen oder starker psychischer Belastung bezahlt wird. Große Hautfalten können zum Beispiel zu Infektionen oder Ausschlägen führen. Eine gute Hautpflege ist deshalb wichtig. Die Kostenübernahme einer Operation zur Hautstraffung muss gesondert beantragt werden.

    Mit wem kann ich sprechen, bevor ich mich entscheide?

    Eine Adipositas-Operation ist ein großer Eingriff, der langfristige Veränderungen in Leben und Alltag erfordert. Bevor man sich dafür entscheidet, ist es also sinnvoll, sich gut über die Folgen zu informieren. Eine Frageliste kann dabei helfen, sich auf die Beratungsgespräche vorzubereiten.

    Am besten bespricht man die Vor- und Nachteile der verschiedenen Operationsverfahren sowie die Umstellungen nach der OP mit Fachleuten, die sich gut in der Behandlung auskennen. Dazu gehören in der Adipositas-Chirurgie erfahrene Ernährungsberater, Ernährungsmediziner und spezialisierte Arztpraxen, Psychotherapeuten und Kliniken. Selbsthilfegruppen können zum Beispiel dabei helfen, Fragen zur Antragstellung bei der Krankenkasse zu beantworten.

    Mögliche Fragen sind zum Beispiel:

    • Kommt für mich eine Operation infrage und wenn ja, welche?
    • Welche Risiken und Nebenwirkungen sind damit verbunden und wie häufig sind sie?
    • Wie gut sind die Erfolgsaussichten? Wie oft muss nachoperiert werden?
    • Mit welcher Gewichtsabnahme kann ich nach dem Eingriff rechnen?
    • Welche gesundheitlichen Vorteile kann ich erwarten?
    • Wie muss ich meine Ernährung nach der Operation umstellen?
    • Welche Lebensmittel vertrage ich nach der Operation möglicherweise nicht mehr so gut?
    • Welche Nahrungsergänzungsmittel brauche ich nach der Operation, um meinen Nährstoffbedarf zu decken?
    • Wie häufig sind Kontrolluntersuchungen nach der Operation notwendig?
    • Wer betreut mich nach der Operation?

    Nicht immer erhalten Menschen vor und nach einer Operation die notwendige Unterstützung und Beratung, die sie bräuchten. Dies kann zu falschen Erwartungen und dann zu Problemen im Alltag führen. Selbsthilfeorganisationen können bei der Suche nach Unterstützungsmöglichkeiten helfen.

    Was ist bei einem Kinderwunsch zu beachten?

    Grundsätzlich kann eine Frau nach einer Adipositas-Operation schwanger werden und ein gesundes Kind bekommen. Bei einem Kinderwunsch ist es aber wichtig, mit der Ärztin oder dem Arzt über mögliche Risiken zu sprechen – zum Beispiel ob zusätzliche Untersuchungen oder Nahrungsergänzungsmittel notwendig sind, um mögliche Mangelerscheinungen zu vermeiden. In den ersten zwölf Monaten nach einer Operation wird in der Regel von einer Schwangerschaft abgeraten, da der Körper in dieser Zeit viel Gewicht verliert und das Ungeborene zu wenig Nährstoffe bekommen würde.

    Übernimmt meine Krankenkasse die Kosten für eine Magen-OP?

    Grundsätzlich können die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine Adipositas-Operation übernehmen. Dazu muss zunächst zusammen mit der Ärztin oder dem Arzt ein Antrag gestellt werden, der unter anderem ein ärztliches Attest beinhaltet. Damit die Operation genehmigt wird, müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein:

    • Die Operation ist medizinisch notwendig und andere Behandlungsmöglichkeiten wurden ohne ausreichenden Erfolg versucht.
    • Behandelbare Erkrankungen, die zu starkem Übergewicht führen, wurden ausgeschlossen. Dies gilt zum Beispiel für eine Unterfunktion der Schilddrüse oder eine Überfunktion der Nebennierenrinde.
    • Es sollten keine wichtigen medizinischen Gründe dagegen sprechen. Dazu gehören zum Beispiel gesundheitliche Probleme, die eine Operation zu riskant machen; eine Schwangerschaft; eine Drogen- oder Alkoholabhängigkeit sowie schwere psychische Erkrankungen, die die notwendige Lebensstilanpassung nach einer Operation erschweren können.

    Außerdem muss man die Bereitschaft zeigen, sich auch nach der Operation ausreichend zu bewegen und sich gesund zu ernähren. Dazu fügt man dem Antrag auf Kostenübernahme üblicherweise ein Motivationsschreiben und verschiedene Unterlagen bei. Dazu gehören zum Beispiel Bescheinigungen über die Teilnahme an Abnehmprogrammen oder einer Ernährungsberatung, ein Ernährungstagebuch sowie Bescheinigungen über die Teilnahme an Sportkursen.

    Quellen

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    Stroh C. Bariatrische Chirurgie: Magenbypass bevorzugte Operation. Dtsch Arztebl 2016; 113(20): A-980.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Adipositas - Erfahrungsbericht - Alexander

    „Früher hat man mich oft nur als Dicken gekannt, jetzt kennt man mich mit meinem Namen.“

    Alexander, 45 Jahre

    „Früher hat man mich oft nur als Dicken gekannt, jetzt kennt man mich mit meinem Namen.“

    Das Thema Übergewicht begleitet mich schon seit meiner Kindheit. Lange Zeit hatte ich mein Gewicht einigermaßen im Griff. Als Jugendlicher habe ich zwei- bis dreimal pro Woche Fußball gespielt. Das klappte ganz gut. Ich war immer etwas stämmiger als die anderen, aber das machte nichts.

    Starke Gewichtszunahme nach der Zeit bei der Bundeswehr

    Durch einen Zufall bin ich bei der Bundeswehr gelandet. Dort blieb ich dann zwölf Jahre. Diese ganze Zeit lang habe ich um mein Gewicht gekämpft. Durch den vielen Sport bei der Bundeswehr konnte ich aber mein Gewicht bei etwa 105 bis 110 Kilogramm halten. Das war in Ordnung.

    Als ich aber aus der Bundeswehr entlassen wurde, hatte ich nur noch sitzende Tätigkeiten. Dann ging es los: Mein Gewicht ist auf knapp 160 Kilo gestiegen.

    Mir ging es damals eigentlich ganz gut. Ich hatte keine Probleme, fühlte mich gut und redete mir ein, dass ich ja gar nicht so viel wiege und andere viel mehr wiegen. Tief in meinem Inneren wusste ich aber, dass es mir schlecht geht. Und dass ich durch mein Übergewicht meine Gesundheit aufs Spiel setze. Gerade bei meinen Knochen, Sehnen und Bändern, da habe ich das Gewicht schon gespürt. Das ist ja eine große Belastung für den Körper. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich das früher alles geschafft habe. Mit der Zeit wird man Meister, sich alles schön zu reden. Das ist aber ein Verhalten, welches man nicht so schnell ablegt. Ich habe mir immer eingeredet, dass ich einfach nur 5 Kilo abnehmen muss und es dann schon wieder gehen würde. Aber ich habe nicht ab-, sondern eher zugenommen.

    Durch Diäten habe ich zwischendurch immer mal wieder 30 oder 40 Kilo abgenommen. Aber sobald ich mit den Diäten aufgehört habe, ging das Gewicht wieder hoch. Ich weiß gar nicht, wie viele Kilo ich in diesen 7 bis 8 Jahren zu- und wieder abgenommen habe.

    Als ich meinen Job erneut gewechselt habe, habe ich festgestellt, dass ich besonders viel bei Stress esse. Ich war damals sehr viel unterwegs und bin immer erst spät nach Hause gekommen. Dann habe ich nicht mehr gekocht, sondern mir oft eine oder auch zwei Pizzen bestellt.

    Ein einschneidendes Erlebnis

    Im Jahr 2009 hatte ich einschneidendes Erlebnis: Ich war auf einer Baustelle und musste ein längeres Stück gehen. Als ich zurück am Auto war, hätte ich ein Sauerstoffzelt und einen Arzt gebraucht. Ich war komplett durchgeschwitzt und mein Kreislauf war völlig im Eimer. In diesem Moment dachte ich, dass ich jetzt etwas tun muss.

    Ich habe mich nach diesem Erlebnis an einen Ernährungsmediziner gewandt. Als Ergebnis dieses Gesprächs wurde ich durch eine Ernährungstherapeutin betreut und ich habe wieder angefangen, mich zu bewegen. Nach etwa 18 Monaten dieser Umstellung haben sich meine Blutwerte gebessert, ich bin vitaler geworden und habe mich viel wohler in meiner Haut gefühlt. Aber ich hatte nicht viel abgenommen.

    Magenoperation als Behandlungsmöglichkeit

    Im Jahr 2010 habe ich mich bei einem Chirurgen vorgestellt, um die Möglichkeit einer Magenoperation zu besprechen. Ich war mir lange nicht sicher, ob das die richtige Entscheidung ist. Ich kannte damals schon einige, die sich einer Magenoperation unterzogen hatten. Manche hatten im Anschluss an die Operationen Probleme mit Komplikationen. Es ist eine schwerwiegende Entscheidung, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Einerseits, weil es eine große Operation ist. Andererseits, weil sich im Anschluss an eine Operation das Leben ändern muss, wenn die Operation erfolgreich sein soll. Nach langem Abwägen habe ich mich dann für eine Operation entschieden. Ich habe lange versucht, es allein hinzubekommen und es einfach nicht geschafft. Die OP war die letzte Option für mich, aber es war eine Option.

    Die Operation

    Der Antrag für eine Kostenübernahme für einen Magenbypass wurde von der Krankenkasse genehmigt. Anfang 2011 wurde ich operiert. Vor der Operation wog ich 160 Kilo.

    In den ersten 6 bis 8 Wochen nach der Operation habe ich nur flüssigen Brei gegessen. Und das Gewicht ist sehr schnell und sehr stark gefallen. Nach etwa zehn Wochen hatte ich schon 25 Kilo verloren.

    Man verliert durch die starke Gewichtsabnahme viele Muskeln und dann hängt die Haut oft ein wenig am Körper. Deshalb habe ich dann wieder mit dem Sport angefangen. Etwa zwei- bis dreimal pro Woche bin ich ins Fitnessstudio gegangen. Dabei bin ich konsequent geblieben und konnte mein Gewicht nach der Operation von 160 auf 85 Kilogramm verringern.

    Nach der starken Gewichtsabnahme sind bei mir große Hautfalten übriggeblieben. Der Körper hat sich verändert. Mit der Zeit sind sie aber ganz gut zurückgegangen, da hatte ich Glück.

    Das Gewicht nach der Operation

    Mittlerweile habe ich wieder etwas an Gewicht zugenommen. Derzeit wiege ich 101 Kilogramm und bemühe mich, wieder unter 100 Kilo zu kommen. Diese schleichende Gewichtszunahme habe ich mir dann auch wieder schöngeredet. Als ich wieder bei 108 Kilo war, habe ich leichte Panikattacken bekommen. Das war wieder das alte Muster. Der Kopf wird ja nicht mit operiert. Wenn ich meine Verhaltensweisen im Leben nicht ändere, dann bringt die ganze Operation nichts.

    Mit der Gewichtsabnahme nach der Operation hat sich meine Außenwirkung stark verändert. Früher hat man mich oft nur als Dicken gekannt, jetzt kennt man mich mit meinem Namen. Ich werde jetzt ganz anders wahrgenommen und ich werde auch nicht mehr diskriminiert. Die Blicke und Fragen von anderen lösten früher oft Frust bei mir aus, der dann mit dem Weg zum Kühlschrank bekämpft wurde.

    Die ersten Monate nach der OP ist die Gewichtsabnahme so einfach. Man gewöhnt sich daran, dass das Gewicht ständig runtergeht. Aber irgendwann kommt der Punkt und es schwenkt um. Und wenn man dann wieder zunimmt, besteht die Gefahr, sich als Versager zu sehen und sich für das Zunehmen zu schämen. Was ja Quatsch ist! Eine erneute Gewichtszunahme kann auch körperliche Ursachen haben, beispielsweise eine Erweiterung des verkleinerten Magens mit der Zeit. Also, ich finde es bei einer erneuten stärkeren Gewichtszunahme sehr wichtig, das von einem Arzt prüfen zu lassen. Es ist sehr wichtig, immer wieder an der Ernährungs- und der Verhaltensumstellung dran zu bleiben.

    Das Leben nach der Operation

    Die Operation war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Auch wenn sie Probleme nach sich gezogen hat. Ich hatte vorher noch nie ein Magengeschwür, jetzt habe ich immer wieder eins.

    Mit dem Bypass muss ich auch zusätzlich Vitamine und Mineralstoffe einnehmen.

    Mein Geschmack hat sich nach der Operation auch verändert: Ich kann die Gewürze viel besser wahrnehmen. Das Kochen macht viel mehr Spaß. Wir kochen jetzt fast ausschließlich mit frischen Gewürzen.

    Meine Ernährung habe ich nach der Operation komplett umgestellt. Die Menge des Essens ist ja aufgrund der Operation eingeschränkt. Wenn ich zu viel esse, dann werde ich direkt bestraft. Das Essen bleibt dann im Mageneingang hängen. Dann drückt das stark und schmerzt sehr. Und wenn ich deutlich zu viel esse, dann muss ich mich auch übergeben. Das ist sehr unangenehm.

    Der Magenbypass hat manchmal auch seinen eigenen Kopf: Manches vertrage ich nicht mehr und diese Unverträglichkeiten ändern sich bei mir öfter. Das, was ich an einem Tag vertrage, kann ich am nächsten nicht mehr essen und umgekehrt.

    In meinem Kopf bin ich immer noch dick

    Vom Gewicht her bin ich nicht mehr adipös, sondern übergewichtig. Aber im Kopf bin ich eigentlich immer noch dick. Wenn ich heute irgendwo hinkomme und da stehen Stühle mit Lehnen, dann habe ich sofort die Sorge im Kopf, ob ich da auch hineinpasse. Oder wenn ich Kleidung einkaufen möchte, dann gehe ich automatisch in die XXXL-Abteilung. Das ist irgendwie automatisiert und so im Kopf gespeichert.

    Die Ärzte und Therapeuten können mir das Gewicht nicht nehmen, sie können mir nur den Weg zeigen, zum Beispiel mit Stress und Frust umzugehen.

    Ich hatte Probleme, meine Schuhe zu binden. Das Treppensteigen und das Tragen schwerer Dinge, wie einen Kasten Wasser, wurde immer schwieriger. Ich hatte Rückenschmerzen und im Sommer habe ich beim Spazierengehen immer extrem geschwitzt. Diese ganzen Beschwerden habe ich jetzt nicht mehr!

    Derzeit finde ich immer wieder einen Grund, nicht zum Sport zu gehen. Das ist ein Thema, an dem ich wieder arbeiten muss. Ich will wieder regelmäßig Sport treiben.

    Ich bin von Anfang an offen mit dem Thema der Operation in der Familie umgegangen. Und es wurde auch von jedem akzeptiert.

    Die Vorbereitung auf eine solche Operation ist extrem wichtig. Es funktioniert nicht, wenn man sich sagt, ich gehe ins Krankenhaus und lasse mich operieren und dann ist alles gut. Man muss sich darauf einstellen und sich um die Nachbetreuung kümmern. Für mich war auch der Austausch in einer Selbsthilfegruppe vor und nach der Operation eine große Hilfe.

    Die Operation ist ein schwerer Eingriff in das Leben. Es sollte wirklich der letzte Weg sein, wenn man alles vorher ausprobiert hat und sich richtig gut vorbereitet hat.

    Aber die Operation nimmt einem nicht die Verantwortung für sich selbst: Dranbleiben ist das Motto, Zeit für sich nehmen und darin investieren, den Hintern hochbekommen. Es ist ja mein Leben und ich will etwas daran ändern.

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Adipositas - Erfahrungsbericht - Mathias

    „Eine Operation allein reicht nicht für eine dauerhafte Gewichtsabnahme. Bekannte von mir haben es auch mit einer Operation nicht geschafft, langfristig abzunehmen. Einige haben jetzt sogar mehr Gewicht als vorher.“

    Mathias, 46 Jahre

    „Eine Operation allein reicht nicht für eine dauerhafte Gewichtsabnahme. Bekannte von mir haben es auch mit einer Operation nicht geschafft, langfristig abzunehmen. Einige haben jetzt sogar mehr Gewicht als vorher.“

    Ich hatte mein ganzes Leben lang mit Übergewicht zu tun. Schon in der Schule war ich „der kleine Dicke“. Ich war recht unsportlich, konnte mein Gewicht aber nur über Bewegung im Rahmen halten. Zu Hause haben wir uns auch nicht besonders gesund ernährt. Meine Mutter stammt noch aus der Generation, in der es wichtig war, einen guten Stich Butter ins Essen zu geben.

    Viele vergebliche Versuche

    Ich habe immer wieder versucht, abzunehmen. Mit Sport und verschiedenen Diäten hat es manchmal kurzfristig geklappt, aber das Gewicht kam immer wieder zurück. Dazu kamen Schicksalsschläge, die ich emotional versucht habe, mit Essen zu kompensieren. Wenn ich mir etwas Gutes tun wollte, dann habe ich gegessen.

    Als junger Mensch hatte ich dann aber ein großes Ziel: Ich wollte Soldat werden. Dafür habe ich alles getan. Ich habe sportlich richtig aufgedreht und habe mein Ziel auch erreicht. Dennoch hatte ich immer wieder mit Übergewicht zu kämpfen. Es war anfangs bei der Bundeswehr sogar schwierig, Kleidung zu bekommen, weil ich so groß und stämmig war.

    Nach meiner Zeit bei der Bundeswehr habe ich weiter Sport getrieben, bin aber immer wieder in psychische Löcher gefallen. Dann habe ich nicht mehr auf meine Ernährung geachtet. Das Gewicht wurde mehr und mehr und mit Anfang 30 wog ich so um die 140 Kilo.

    Ich fand mein Gewicht lange nicht problematisch

    Lange Zeit fand ich das nicht so problematisch: Ich habe mich im Spiegel angeschaut und gedacht, das ich gar nicht so schlimm aussehe. Meine Wahrnehmung war regelrecht gestört.

    Später habe ich mich aber nicht mehr getraut raus zu gehen, ins Schwimmbad zu gehen und ich hatte auch Angst, dass mich mein Fahrrad nicht mehr tragen kann. Ich habe mich immer mehr zurückgezogen und verschlossen.

    Beruflich habe ich mich hochgearbeitet, bis ich eine Position mit großer Verantwortung hatte. Ich war sehr viel unterwegs und es standen viele Treffen mit Kunden an.

    Ich musste etwas ändern – diese Einsicht hat Zeit gebraucht

    Irgendwann konnte ich keine Anzüge mehr von der Stange tragen, sondern musste in einem Übergrößenladen einkaufen. Mein Gewicht war mir vor den Kollegen peinlich und machte mir mehr und mehr zu schaffen. Ich habe viel geschwitzt, das Treppensteigen war anstrengend und meine Knochen schmerzten. Alles ist mir einfach schwergefallen. Ich hatte auch massive Schlafprobleme. Ich konnte weder gut ein- noch durchschlafen, habe stark geschnarcht und hatte Atemaussetzer in der Nacht. Nach einem Unfall musste mein Knie operiert werden und es bestand die Gefahr, auch aufgrund meines Gewichtes, dauerhaft an Krücken zu gehen.

    Dies alles führte dazu, dass ich mich emotional sehr schlecht gefühlt habe. Das habe ich wiederum versucht mit Essen zu kompensieren. Und ich habe weiter zugenommen – bis ich etwa 185 Kilo auf die Waage brachte.

    Mein Arzt wies mich darauf hin, dass ich ein höheres Risiko für einen Herzinfarkt und Schlaganfall habe. Ich hatte hohen Blutdruck, kaputte Knie, passte nicht mehr richtig auf unsere Couch, was mir sehr unangenehm war, ging immer weniger unter Leute. Dazu kamen die Sticheleien aus dem Freundeskreis sowie die Sorge, nicht mehr viel Zeit zum Leben zu haben. Das alles führte dazu, dass ich Angst bekam. Damals war ich Anfang 40. Und ich wollte leben!

    Ich habe während und nach der Zeit der Trennung von meiner damaligen Frau gemerkt, dass es nicht gesund ist, was ich mache: die „Belohnung“ durch das Essen und das schlechte Gewissen danach. Mir wurde klar: Ich brauche Hilfe. Es hat lange gedauert, bis ich eingesehen habe, dass ich selbst etwas ändern muss.

    Teilnahme am multimodalen Programm

    Meine Ärztin hat mir dann eine operative Magenverkleinerung vorgeschlagen. Aber ich wollte das nicht, ich wollte es alleine schaffen. Meine Ärztin hat mich dann bei meinem Versuch begleitet, auf konventionellem Weg das Gewicht zu reduzieren. Ich habe an einem multimodalen Programm teilgenommen. Da wurde ich durch einen Ernährungstherapeuten beraten, nahm an einem Sportprogramm und an einer Selbsthilfegruppe teil, wurde psychologisch betreut und hatte verschiedene körperliche Untersuchungen. Ich habe meine Schritte gezählt und an Vorträgen teilgenommen.

    Und wir haben ganz langsam und Schritt für Schritt versucht, meine Ernährung umzustellen. Ich habe damals extrem viel Fleisch gegessen, fast nur weißes Brot und das in rauen Mengen. Kein Obst und Gemüse. Und viel Cola. Meine Ernährung umzustellen, hat etwa ein halbes Jahr gedauert.

    Die Operation

    Durch die Ernährungsumstellung habe ich aber nur relativ wenig abgenommen. Nach diesen Monaten im multimodalen Programm waren die Ärzte und ich uns einig: Ich sollte es mit einer Magenverkleinerung versuchen. Bis der Antrag bei der Krankenkasse genehmigt war, hat es etwas gedauert, aber letztlich wurde der Antrag doch bewilligt und ich wurde 2016 operiert.

    Ich hatte große Angst vor der Vollnarkose. Die wurde weniger, weil ich sehr gut von den Ärzten aufgeklärt wurde. Allerdings gab es bei meiner Operation Komplikationen: Nach dem Aufwachen hatte ich starke Magenblutungen. Ich wurde dann direkt noch einmal operiert.

    Als ich nach der OP wieder essen durfte, erhielt ich fast lächerlich klein wirkende Portionen, wie etwa 20 g Joghurt. Nicht mal davon habe ich alles aufessen können! Es ging einfach nichts in den Körper. Nach drei Tagen hatte ich sechs Kilo verloren.

    Nach der Entlassung purzelten die Kilos

    Nach der Entlassung muss man sich zu Hause erstmal zurechtfinden. Das ist nicht einfach! Aber das Krankenhaus hatte eine gute Nachsorge organisiert. Im Rahmen der Ernährungsberatung bin ich auch alle drei bis vier Wochen in eine Gruppe gegangen. Dort haben wir unter anderem das Einkaufen geübt.

    Die Kilos purzelten dann so schnell, dass der Kopf irgendwie nicht mitkam. Ich habe mich immer noch als sehr dick gefühlt, obwohl ich schon so viel an Gewicht verloren hatte. Das dauerte bei mir sehr, sehr lange, bis ich das annehmen konnte.

    Die Operation allein reicht nicht aus

    Das Abnehmen ist aber nicht auf die Operation allein zurückzuführen. Diese Magenverkleinerung ist nur eine Stütze, ein Hilfsmittel. Der Magen weitet sich mit der Zeit ja wieder. Ich muss ganz unabhängig davon auf meine Ernährung achten und sie dauerhaft umstellen.

    So eine Operation hat außerdem viele Nachteile. Zum Beispiel muss ich zusätzlich verschiedene Vitamine einnehmen, damit sie mir nicht fehlen.

    Eine Operation allein reicht auch nicht für eine dauerhafte Gewichtsabnahme. Bekannte von mir haben es trotz einer Operation nicht geschafft, langfristig abzunehmen. Einige haben jetzt sogar mehr Gewicht als vorher.

    In der ersten Zeit nach der Operation hatte ich massive Schmerzen, wenn ich zu viel gegessen hatte. Eine Gabel zu viel reichte da oft. Weil sich der Magen mit der Zeit weitet, kann ich jetzt wieder etwas mehr essen. Da muss ich sehr aufpassen!

    Ich weiß, dass es bei mir schwierig wird, wenn emotional sehr belastende Situationen eintreten. Im letzten Jahr ist meine Frau schwer erkrankt. Ich habe dann wieder angefangen falsch zu essen, zum Beispiel bei den Fahrten ins Krankenhaus habe ich im Auto gegessen oder schnell eine Wurst in der Krankenhauskantine. Ich habe relativ schnell gemerkt, dass da etwas schiefläuft. Dass ich das erkannt habe, war super! Früher hätte ich das gar nicht bemerkt. So konnte ich gegensteuern und mir Hilfe bei der Ernährungsberatung holen. Ich habe mein Gewicht dann auch in dieser schwierigen Zeit halten können.

    Jetzt ernähre ich mich wieder ausgewogen und nehme weiter ab, wenn auch in ganz kleinen Schritten. Mein Ziel ist, noch weitere 25 Kilo zu verlieren. Wichtig dafür ist aber neben der Ernährung regelmäßige Bewegung.

    Die Art der Ernährung musste ich anpassen

    Es gibt viele Unverträglichkeiten. Einiges, was ich vor der OP problemlos essen konnte, habe ich nach der Operation nicht mehr vertragen oder es schmeckt nicht mehr. Ich habe auch oft immer noch ein schlechtes Gefühl für die Mengen, die ich vertrage. Mir hilft, nicht mehr die Töpfe auf den Tisch zu stellen, sondern das Essen in der Küche auf den Tellern anzurichten.

    Schwierig ist es, ins Restaurant zu gehen. Ich kann ja nur wenig essen und bestelle oft eine Kinderportion oder eine halbe Portion. Ich bin ja nach wie vor sehr groß und massiv. Dann werde ich schon auch komisch angeschaut. Aber wir haben Erfahrungen gesammelt und wissen, wo wir hingehen können und wo es kein Problem darstellt, wenn ich nur die Vorspeise oder eine halbe Portion essen mag.

    Seit der Operation vertrage ich Fleisch nur noch schlecht. Aber Fisch geht gut. Oft bestelle ich mir den Fisch ohne Kohlenhydrate als Beilage, dann schaffe ich die Portion auch. Man gewöhnt sich daran. Auch, dass für mich ein Latte macchiato jetzt eine ganze Mahlzeit ist und ich danach satt bin.

    Generell weiß ich jetzt, wann ich satt bin. Das kannte ich vorher gar nicht mehr. Wichtig ist es für mich, in Ruhe und mit Zeit zu essen. Nicht mehr im Stehen, auf der Couch oder beim Fernsehen.

    Das Leben mit geringerem Gewicht

    Was für mich ein sehr schönes Gefühl war: im Kaufhaus nicht mehr in die XXL-Abteilung zu müssen, sondern in der ganz normalen Abteilung Kleidung zu finden. Ich habe jetzt auch eine viel größere Auswahl.

    Die Körperwahrnehmung ist eine große Herausforderung für mich. Ich hatte trotz Gewichtsverlust von etwa 70 Kilo lange Zeit das Gefühl, dass vom Aussehen her gar nichts mit meinem Körper passiert ist. Das kommt erst jetzt so ganz langsam auch im Kopf an.

    Vom BMI her bin ich ja immer noch übergewichtig. Und die richtige Kleidung zu finden, ist trotz einer viel größeren Auswahl nach wie vor nicht einfach. Zum Beispiel sind die Pullover häufig zu kurz, weil ich eine Bauchschürze habe. Das bedeutet, dass die Haut am Bauch nach der Gewichtsabnahme etwas ausgeleiert ist und herunterhängt. So etwas geht durch weiteres Abnehmen und Sport nur sehr schlecht weg. Das wird in Zukunft wahrscheinlich operiert werden müssen.

    Derzeit mache ich etwa dreimal in der Woche Sport. Bei der Abnahme wurde viel Fett und auch Muskeln abgebaut. Die baue ich jetzt langsam wieder auf. Auch meine Körperhaltung hat sich stark verändert nach der Gewichtsabnahme. Ich bin recht krumm gegangen und hatte wenig Körperspannung. Eine gute Körperhaltung musste ich erst wieder neu erlernen. Das war auch nicht einfach.

    Alles in allem hat die Gewichtsabnahme mir ein neues Leben beschert. Meine Ernährung umzustellen, mich zu bewegen und die Operation – das waren sicher die besten Entscheidungen in meinem Leben.

    Ich bin selbstbewusster geworden

    Ich bin viel selbstbewusster geworden und mein Freundeskreis wächst, auch durch die Selbsthilfegruppe. Ich nehme wieder am sozialen Leben teil, gehe raus und treffe Leute.

    Früher habe ich immer gedacht, dass mich alle anstarren: Im Schwimmbad, wenn ich mir beim Bäcker ein Brötchen holte … wahrscheinlich war das gar nicht so und es hat im Grunde niemanden interessiert. Aber ich habe es so empfunden. Jetzt ist das anders. Ich fühle auch keine komischen Blicke mehr. Allerdings gehe ich nach wie vor nur ungern ins Schwimmbad.

    Mit den ganzen Veränderungen habe ich auch gemerkt, dass mein bisher ausgeübter Beruf eigentlich nichts für mich ist. Ich brauche etwas anderes für mich und möchte in Zukunft einen anderen beruflichen Weg einschlagen.

    Ich stehe jetzt öfter vor dem Spiegel und sage mir selber: Respekt, dass du das geschafft hast. Das ist toll! Ich weiß jetzt, ich kann einiges bewegen und einiges schaffen.

    Die Beziehungen verändern sich

    Das hohe Gewicht hat mein Sozial- und Privatleben stark verändert. Zum Beispiel fand Sexualität vor der Gewichtsabnahme fast gar nicht mehr statt. Meine Frau hat zwar immer gesagt, dass sie es nicht schlimm findet und es sie nicht stört. Aber ich bin mir da nicht sicher. Wir haben jedoch diese Zeit zusammen durchgestanden und sogar geheiratet.

    Jetzt gehe ich viel aus: auf Geburtstagsfeiern und zum Karneval. Alles das, worauf ich die Jahre davor verzichtet habe. Ich habe mich äußerlich sehr verändert und bekomme von anderen Frauen Komplimente. Meine Frau bekommt das auch mit und das belastet sie und uns schon. Das sind jetzt Herausforderungen, mit denen ich nicht gerechnet habe. Die Beziehung muss sich jetzt auch weiter entwickeln.

    Der Erfahrungsaustausch in der Selbsthilfe hat mir bei all den Herausforderungen geholfen. Ich finde es sehr wichtig, sich schon vor der Operation intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen und auch Menschen zu fragen, die Erfahrungen damit gemacht haben.

    Eine Erkenntnis ist für mich ganz wichtig: Ich kann jederzeit wieder dick werden. Es schützt mich nichts davor, auch keine Operation. Nur ich selber kann eine erneute Gewichtszunahme verhindern. Ich habe mein Gewicht und mein Leben in der eigenen Hand.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Adipositas - Erfahrungsbericht - Miriam

    „Ich habe immer gedacht: Ich sehe ja gar nicht so schlecht aus und mir geht es gut. Das waren aber einfach Schutzbehauptungen mir selber gegenüber. Letzten Endes war gar nichts in Ordnung!“

    Miriam, 30 Jahre

    „Ich habe immer gedacht: Ich sehe ja gar nicht so schlecht aus und mir geht es gut. Das waren aber einfach Schutzbehauptungen mir selber gegenüber. Letzten Endes war gar nichts in Ordnung!“

    Bei mir fing es mit dem Übergewicht in der Pubertät an: Ich habe einfach stetig zugenommen. Meine Eltern haben versucht, dagegen zu lenken, aber ich habe immer einen Weg gefunden, heimlich Essbares in mich hinein zu stopfen. Meine Gewichtszunahme war mir zuerst egal. Auch was meine Eltern oder andere in meinem Umfeld dazu gesagt haben, hat mich zunächst nicht gestört. Später habe ich gemerkt, dass das alles irgendwie nicht gut gelaufen ist.

    Ich habe dann mit vielen verschiedenen Diäten versucht, dauerhaft abzunehmen, habe alles Mögliche ausprobiert und auch Sport gemacht. Nichts hat wirklich geholfen. Ich habe höchstens 6 Kilo abgenommen und dann immer wieder zugenommen. Ich war sehr frustriert.

    Essen war mein Tröster

    Irgendwann habe ich aufgegeben und gedacht, ich bin wohl einfach ein übergewichtiger Mensch. Da ist nichts zu machen. Mit dieser Einstellung habe ich erstmal gelebt.

    Essen war für mich ein Tröster: In diesem Moment war ich glücklich. Ich habe immer gedacht: Ich sehe ja gar nicht so schlecht aus und mir geht es gut. Das waren aber einfach Schutzbehauptungen mir selber gegenüber. Letzten Endes war gar nichts in Ordnung!

    Ich hatte gar kein Sättigungsgefühl mehr. Ich konnte essen, essen und essen. Mein Körper hat mir nicht mehr gesagt, wenn er satt war.

    Selbsthilfegruppe und mehr Bewegung

    Mit zunehmendem Gewicht hat sich mein Blutdruck erhöht und ich bekam auch Angst um meine Gelenke. Deshalb habe beschlossen, mich mal etwas genauer zum Thema Übergewicht und Abnehmen zu informieren und habe mit einer Selbsthilfeorganisation Kontakt aufgenommen.

    Dort habe ich viele Informationen erhalten und konnte mit anderen Betroffenen sprechen. Auch mit Menschen, die sich wegen ihres Übergewichts einer Operation unterzogen haben. Sie haben mir von Erfolgen berichtet, aber auch von den negativen Seiten eines solchen schweren Eingriffs in den Körper. So konnte ich mir ein gutes Bild machen.

    Ich habe mich dann entschieden, bei einem multimodalen Programm mitzumachen. Es wird auch „multimodales Konzept“ bezeichnet und ist eine Kombination aus Bewegung und Sport, aus Ernährungstherapie und psychologischer Betreuung. Das Ziel ist, Gewicht zu verlieren und den Lebensstil zu ändern. Die Krankenkassen fordern derzeit die Teilnahme an einem solchen Programm, bevor man die Kostenübernahme für eine OP beantragt.

    In dieser Zeit habe ich auch mit Aquafitness begonnen. Da ist man mit Gleichgesinnten im Wasser. Und man braucht sich nicht für seine Dellen und Fettpolster zu schämen. Jeder dort hat seine Problemzonen. Ich habe mich dort immer sehr wohl gefühlt und mache das heute noch.

    Nebenbei bin ich mit den Hunden meiner Eltern spazieren gegangen und habe angefangen, mich im Hundesportverein zu engagieren. Durch die Hunde war ich schon täglich in Bewegung. Mittlerweile habe ich auch selber einen Hund.

    Die Entscheidung für eine Operation

    Ich habe mich dann im Rahmen dieses Krankenkassen-Programms intensiv bezüglich einer Operation beraten lassen und mich mit dem Thema auseinandergesetzt. Mir ist damals klargeworden: Ich habe nicht das Durchhaltevermögen, längere Zeit so konsequent zu leben. Besonders schwierig war für mich, dass sich bei mir auch nach der Umstellung meiner Ernährung kein Sättigungsgefühl eingestellt hat.

    Ich war dann bei verschiedenen Ärzten, um zu prüfen, ob eine Operation für mich eine gute Option sein könnte. Alle fanden es eine sehr gute Wahl. Dann war für mich klar: Die Operation ist mein Weg.

    Etwa zwei Monate vor der geplanten Operation habe ich die Diagnose einer chronischen Erkrankung bekommen. Ich hatte große Angst, nicht mehr operiert werden zu können. Aber die Ärzte meinten, es sei kein Problem. Allerdings rieten sie mir eher zu einem Schlauchmagen als zu einem Magenbypass. So haben wir es dann auch gemacht.

    Die Operation

    Innerhalb von 14 Tagen nach der Antragstellung bei der Krankenkasse zur Kostenübernahme der Operation habe ich die Genehmigung erhalten und konnte operiert werden.

    Als ich dann zur Operation ins Krankenhaus aufgenommen wurde, gab es noch mal einen Moment des Zögerns und Hinterfragens: Soll ich mich wirklich operieren lassen? Ich hatte große Angst vor der Narkose, gar nicht mal vor der Operation an sich. Ich hatte Sorge, nicht wieder aufzuwachen. Aber dann kam der Chirurg noch mal zu mir, hat mich beruhigt und mir erklärt, was bei der Narkose und Operation gemacht wird. Das ganze Personal war sehr fürsorglich und toll zu mir! Das hat mir sehr geholfen, die Sorgen ein wenig wegzuschieben.

    Und dann bin ich aufgewacht, war operiert und glücklich! Es gab keine Komplikationen, ich hatte keine Schmerzen. Das einzige, was unangenehm war, war zu viel Luft im Körper. Man wird ja ein wenig aufgepumpt, damit die Ärzte besser operieren können. Da wacht man erstmal etwas dicker auf als vor der Operation. Und die Luft muss ja wieder aus dem Körper … aber es war nicht so schlimm. Ansonsten hatte ich weder Schmerzen noch Probleme mit den Narben oder ähnliches. Ich habe mich auch schnell erholt. Schon am Tag nach der Operation konnte ich den Stationsflur entlanglaufen.

    Von der Ernährung her habe ich zu Beginn nur Flüssigkeiten bekommen, dann breiige Nahrung, bevor ich wieder festere Nahrung zu mir nehmen konnte. Als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, hatte ich schon 11 Kilo verloren. Damit hätte ich nie gerechnet!

    Die Zeit nach der Operation

    Wieder daheim musste ich mich langsam wieder an jedes Lebensmittel herantasten, ob ich es noch vertrage oder nicht mehr. Dabei habe ich für mich völlig überraschend regelrechte Geschmacksexplosionen erlebt! Ich habe angefangen, das Essen zu genießen – jeden Bissen habe ich richtig genossen, auch wenn er noch so klein war! Denn mein Magen hat mir sehr schnell und sehr deutlich gesagt, wenn er voll war. Das war irgendwie schön. Ich kannte dieses Gefühl des Sattseins ja nicht mehr.

    Eine Herausforderung und besonders schwierig war: mein Kopf! Der Kopf wird ja nicht mit operiert. Der sagt öfter mal: Es ist so lecker und ein Löffel geht noch. Aber das rächt sich hinterher. Der eine Löffel mehr tut dann richtig weh, es schmerzt oder ich muss mich übergeben.

    Ich musste lernen, wieder auf meinen Körper, auf meinen Magen zu hören. Wenn mein Magen mir sagt, er ist satt, dann ist er auch satt. Ich habe auch nur einmal über diesen Punkt des Sattseins hinweg gegessen. Danach ging es mir so richtig schlecht! Seit dieser Erfahrung ist auch wirklich Schluss mit essen, wenn ich satt bin. Das hat sich mittlerweile sehr gut eingespielt.

    Ich verzichte auf nichts

    Vor der OP hatte ich auch die Sorge, dass ich nicht mehr alles essen kann. Diese Sorge war gar nicht nötig! Ich kann ja nach wie vor alles essen. Aber eben nur in kleinen Mengen.

    Ich muss auf nichts verzichten. Ich habe nach der Operation aber angefangen, das Essen zu genießen, mir Zeit zu nehmen. Und hochwertiger zu essen. Ich esse keine Fertigprodukte mehr. Ich gönne mir bessere Produkte und zelebriere das Essen dann. Ich nehme mir die Zeit zum Kochen und setze mich dann ganz in Ruhe hin. Und ich esse nichts mehr zwischendurch, so wie früher.

    Im Herbst vor zwei Jahren wurde ich operiert. Zu Weihnachten war es dann ein echtes Highlight, ein ganz kleines Stückchen von der Roulade zu essen, ein kleines Kartoffelstück und etwas Rotkohl. Das war für mich toll! Ich konnte etwas essen und war satt. Jetzt nach zwei Jahren kann ich schon etwas mehr essen, aber dieses Sättigungsgefühl ist immer noch da! Es ist mir auch egal, wie voll der Teller noch ist. Wenn ich satt bin, dann bin ich satt.

    Ich sehe mich immer noch als dick an

    Andere haben die körperlichen Veränderungen an mir nach der Operation schneller gesehen als ich selbst. Viele sagen mir, dass ich nur noch „die Hälfte bin“. In meiner eigenen Wahrnehmung und wenn ich mich im Spiegel anschaue, dann sehe ich mich immer noch als Dicke.

    Aber wenn ich mir Fotos von früher anschaue, dann sehe ich, dass ich jetzt doch ganz schön schlank geworden bin. Das merke ich auch an meiner Kleidung: Ich kann jetzt ganz andere Größen und ganz andere Kleidung als früher tragen. Meine alten Hosen wurden mit der Zeit immer weiter und ich musste mir oft neue, kleinere Sachen kaufen. Was ja auch schön war. Ich habe jetzt eine ganz andere Auswahl an Kleidung. Oft nehme ich mir aber immer noch viel zu große Größen mit in die Umkleide, weil ich eben in meiner Wahrnehmung immer noch dick bin.

    Momentan verliere ich nicht weiter an Gewicht. Aber mein Körper verändert sich dennoch, also die Proportionen ändern sich. Am Bauch habe ich jetzt viel überflüssige Haut durch das Abnehmen. Die bildet sich durch Sport auch nicht zurück. In Zukunft will ich daher mal eine Bauchdeckenstraffung durchführen lassen.

    Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens

    Vor der Operation bin ich nicht ins Fitnessstudio gegangen, ich fand mich einfach zu schwer und hatte Sorge um meine Gelenke. Ich habe damals viel Wassergymnastik gemacht, das ist gelenkschonend und man glaubt ja nicht, wie sehr man im Wasser schwitzen kann!

    Als ich dann mein Gewicht auf 100 Kilo verringern konnte, habe ich mich im Fitnessstudio angemeldet. Dort wurde ein Trainingsplan für mich zusammengestellt und ich gehe jetzt regelmäßig etwa zweimal pro Woche hin und arbeite meinen Plan ab. Dazu kommt einmal Wassergymnastik und dreimal pro Woche im Hundesportverein. Ich bin jetzt wirklich sehr aktiv, bin jeden Tag draußen und drehe mit dem Hund große Runden.

    In diesem Jahr habe ich auch an einem Wettkampf über 5 Kilometer Walken teilgenommen. Das hätte ich mir zu meinen „dicken Zeiten“ nie träumen lassen! Im Herbst möchte ich an einem Wettkampf durch Schlamm und Wasser und über Hindernisse teilnehmen. Darüber bin ich mega stolz! Es geht mir nicht um Bestzeiten, sondern einfach ums Mitmachen und ins Ziel kommen.

    Ich lebe jetzt ganz anders. Ich mache andere Dinge, traue mir mehr zu und gehe die Dinge einfach an. Ich lasse mir von keinem mehr Vorschriften machen oder mir einreden, dass ich etwas nicht kann oder nicht schaffe.

    Die Nachsorge ist wichtig

    Ab und zu stehen Kontrolluntersuchungen an. Die lasse ich in dem Adipositas-Zentrum machen, in dem ich auch operiert wurde. Sie haben meine komplette Akte und besser kann man es nicht haben. Ich fühle mich dort sehr gut aufgehoben. In der ersten Zeit war ich alle drei Monate zur Kontrolle, mittlerweile stehen die Nachsorgeuntersuchungen alle sechs Monate an.

    Der Arzt nimmt dabei Blut ab und ich werde untersucht, mein Gewicht geprüft und gefragt, wie es mir geht und wie gut ich zurechtkomme. Es wird auch geschaut, ob meinem Körper Vitamine und Mineralien fehlen. Letztens wurde bei mir eine Magenspiegelung durchgeführt, da ich etwas Probleme mit dem Magen hatte und es wurde eine Magenschleimhautentzündung festgestellt. Die wird jetzt mit Medikamenten behandelt.

    Meine Ernährung habe ich umgestellt

    Meine Ernährung hat sich seit der Operation stark verändert. Früher habe ich immer ganz viel Fleisch, viel Fast Food wie Pommes und Pizza gegessen. Viel, was schnell und einfach zuzubereiten und dazu noch lecker ist.

    Ich esse immer noch Fleisch, aber nur noch wenig. Ich esse jetzt viel mehr Beilagen, vor allem Gemüse. Das Fleisch beziehe ich von einem Hofschlachter, mit einer super Qualität. Das genieße ich dann. Dazu viel Gemüse. Und Kartoffeln und Reis, seltener Nudeln. Ich koche sehr viel. Und als Snack finde ich Karotten- oder Kohlrabistäbchen mit Quark lecker. Früher griff ich eher zu Chips und Schokolade.

    Aber ich verbiete meinem Körper nichts. Wenn ich Bock auf Schokolade habe, dann esse ich auch mal einen Schokoriegel. Auch wenn ich bei Feiern oder Geburtstagen bin, dann gibt es auch mal eine Hand voll Chips oder etwas Pizza.

    Ich zähle keine Kalorien und wiege mein Essen nicht. Ich verlasse mich auf mein Körpergefühl. Bis man dieses Gefühl für den Körper entwickelt hat, dauert es aber etwas. Mein Körper sagt mir jetzt schon, was er haben will und wann er satt ist.

    Ich habe insgesamt etwa 50 Kilo abgenommen: 5 Kilo vor der Operation und etwa 45 Kilo nach der Operation. Darauf bin ich mega stolz! Meine Erwartungen haben sich übertroffen. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so eine Figur haben würde!

    Ich möchte jetzt noch gern fünf weitere Kilo abnehmen. Dann denke ich, habe ich mein Wohlfühlgewicht erreicht und mehr möchte ich dann auch nicht mehr abnehmen. Das wäre in Ordnung so. Wichtig ist es mir, nicht mehr in den dreistelligen Bereich zu kommen. Momentan bin ich davon weit entfernt.

    Selbst aktiv zu werden ist wichtig

    Mir hat die Selbsthilfegruppe auf meinem Weg sehr geholfen. Mich mit anderen auszutauschen, die die gleichen Probleme, Sorgen und Hindernisse haben, hat mir gutgetan. Man fängt sich untereinander auf und unterstützt sich. Am Anfang hatte ich etwas Angst und habe mich nicht getraut, zu einer Selbsthilfegruppe zu gehen. Aber es hat mich keiner ausgelacht! Man braucht keine Angst zu haben, denn alle kommen mit dem gleichen Gefühl dahin. Und bei mir haben sich mit der Zeit aus der Gruppe heraus sehr gute Freundschaften entwickelt.

    Wichtig ist es, im Umgang mit dem Übergewicht und dem Abnehmen selbst die Entscheidung zu treffen, etwas zu verändern. Selber aktiv zu werden. Das kann kein anderer entscheiden, das muss man selbst machen. Aber es ist schön, diesen Weg nicht allein zu gehen, also jemanden im Hintergrund zu haben, der einen auffängt, sei es der Partner, die Familie oder gute Freunde.

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Adipositas - Erfahrungsbericht - Sandra

    „Die Operation ist kein Allheilmittel. Da muss jeder ganz tief in sich gehen und überlegen, ob man wirklich diesen Schritt gehen möchte.“

    Sandra, 46 Jahre

    „Die Operation ist kein Allheilmittel. Da muss jeder ganz tief in sich gehen und überlegen, ob man wirklich diesen Schritt gehen möchte.“

    Eigentlich fühle ich mich schon viele Jahre viel zu dick. In der Pubertät fing es mit dem Übergewicht an. Ich wog immer mehr als meine Freundinnen. Und als sich das erste Kind angekündigt hat, ist mein Gewicht regelrecht explodiert: Ich habe innerhalb von drei Monaten 28 Kilo zugenommen. Nach der Geburt habe ich zwar etwas abgenommen, aber auch ganz schnell wieder zu.

    Vonseiten meiner Eltern kannte ich Übergewicht nicht. Meine Mutter und mein Vater waren beide sehr schlank und achteten sehr auf ihre Figur. Aber meine Oma, bei der ich groß geworden bin, war übergewichtig – genau wie meine Tante und mein Onkel mütterlicherseits.

    Ich habe jahrzehntelang immer wieder versucht, abzunehmen. Ich glaube, ich habe alle Diäten gemacht, die es gibt. Und immer ein paar Kilo abgenommen, eine Zeitlang habe ich es auch knapp unter 100 Kilo geschafft. Aber dann schnellte das Gewicht auch wieder hoch – wie ein Jo-Jo. Am Ende wog ich um die 130 Kilo bei einer Körpergröße von 1,73 m.

    Eine Ärztin verschrieb mir ein Präparat, das die Fettaufnahme aus der Nahrung hemmen sollte. Ich habe es drei Wochen lang genommen, hatte aber ständig Bauch- und Kopfschmerzen – ohne dabei abzunehmen. Dann habe ich es wieder gelassen.

    Ich habe wirklich alles versucht. In einer Mutter-Kind-Kur wurde ich auf Diät gesetzt, in einer psychosomatischen Klinik ein paar Jahre später bin ich zur Adipositas-Sprechstunde gegangen und habe mich anschließend in einer Adipositas-Selbsthilfegruppe engagiert.

    Ich habe beim Essen das Gehirn ausgeschaltet

    Natürlich haben die Ärzte mir immer wieder gesagt, dass ich etwas tun muss. Aber das ist immer so leicht gesagt, mit fünf Kindern hat man ja auch einen vollen Alltag. Also im Kopf war mir das immer klar, aber ich glaube, das Herz wollte nicht.

    Meine Mutter hat immer gesagt, sie versteht das nicht: Alles, was ich in meinem Leben wirklich wollte, das habe ich auch erreicht. Aber mit dem Gewicht, das habe ich nie hinbekommen.

    Vielleicht habe ich einen Schutzpanzer gebraucht. Ich habe immer gegessen, wenn Stress war, positiver und negativer: Ich habe gegessen, wenn ich glücklich war und ich habe gegessen, wenn ich traurig war. Aber auch wenn ich Ruhe und Langeweile hatte, um mich abzulenken. Es war für mich eine Entspannung, mich hinzusetzen und zu essen.

    Und ich habe beim Essen das Gehirn einfach ausgeschaltet. Nach dem Essen ging es mir zwar schlecht, aber es hat mich nicht davon abgehalten, wieder reinzuhauen.

    Die Entscheidung zur Operation

    Irgendwann ist mir aber der Kragen geplatzt, das war vor drei Jahren. Da war ich an einem Punkt angekommen, an dem ich so nicht mehr leben wollte. Ich hatte eine Lungenembolie hinter mir, meine Lunge und mein Herz waren nicht mehr so leistungsfähig. Auch meine Knie machten nicht mehr mit: Ich habe auf beiden Seiten Arthrose bekommen.

    Ich war körperlich einfach nicht mehr belastbar. Es fiel mir schwer, mich um den Haushalt zu kümmern. Außerdem habe ich mich mit depressiven Gedanken geplagt und mich sozial immer mehr zurückgezogen. Letztlich gab den Ausschlag, dass ich Angst hatte, meine fünf Kinder nicht mehr groß werden zu sehen.

    Für mich war klar, ich muss jetzt was machen, ich kriege es allein nicht hin und eine Operation ist meine letzte Chance. Ich bin dann in eine Adipositas-Sprechstunde in einem Krankenhaus in meiner Nähe gegangen. Ich brauchte nur die Bestätigung, dass eine Operation der Weg für mich ist. Da ich einen BMI von 40 hatte, konnte ich die Operation bei meiner Krankenkasse beantragen.

    Ein halbes Jahr Vorbereitung

    Vor der Operation muss man sechs Monate lang an einem Programm zum Abnehmen nach einem „multimodalen Konzept“ teilnehmen. Es ist auch eine Vorbereitung auf die Operation und die Zeit danach, zum Beispiel was die Umstellung der Ernährung angeht.

    Zum Programm gehören Ernährungsberatung, Sportprogramme wie Wassergymnastik, Gespräche mit Psychologen und auch der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe. In dieser Zeit wurde ich sehr gut von der Adipositas-Ambulanz betreut. Sie haben mir alles erklärt und mich begleitet – von der Ernährungsberatung über den Antrag bei der Krankenkasse bis zur Aufklärung über die Folgen der Operation.

    Leider wurde mein Antrag auf Kostenübernahme von der Krankenkasse abgelehnt. Das hat mich sehr belastet. Die Begründung war, dass ich womöglich an einer Essstörung erkrankt bin und diese erst einmal behandelt werden sollte. Obwohl es eine Einschätzung vom Psychologen gab, dass ich keine Essstörung hatte.

    Es folgte eine dreimonatige Auseinandersetzung mit der Krankenkasse, bis die Kosten schließlich doch übernommen wurden. Aber es hat viele Nerven gekostet.

    Ich fühlte mich befreit

    Ich wurde dann vor zwei Jahren operiert und habe einen Magenbypass bekommen. Erst dachte ich, ich will nur einen Schlauchmagen, weil die Operationszeit kürzer und der Eingriff nicht so groß ist. Aber mir wurde zu einer Bypass-OP geraten, da sie für mich besser geeignet wäre.

    Die Operation selbst war überhaupt nicht belastend. Ich hatte hinterher ein bisschen Schmerzen von diesem Gas, das vor der Operation in den Körper gepumpt wird. Es zog bis in die Schulter, ging aber schnell vorbei.

    Es ging mir vom ersten Tag an sehr gut, es war für mich eine Befreiung. Ich bin noch am gleichen Tag aufgestanden. Und vor allem: Ich hatte überhaupt kein Hungergefühl und dachte: Jetzt kann das neue Leben kommen!

    Nahrungsumstellung nach der Operation

    Ich hatte großen Respekt vor den Regeln, die man nach der Operation einhalten sollte, damit man das Essen gut verträgt. Zum Beispiel am Anfang nur breiige Kost zu essen und immer einen gewissen Abstand zwischen Essen und Trinken einzuhalten. Und darauf zu achten, eineinhalb Liter pro Tag zu trinken. Das fand ich schwer, weil man am Anfang nur schluckweise trinken kann. Außerdem muss man Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen, um keine Mangelerscheinungen zu bekommen. Ich muss zum Beispiel Vitamine und Kalzium zusätzlich nehmen.

    Was ich zuerst nicht gut vertragen habe, waren Fleisch und Nudeln. Fleisch muss ich bis heute sehr gut und lange kauen. Und Spaghetti liegen mir immer quer im Magen, egal wie gut ich sie kaue. Getränke mit Kohlensäure sind auch nichts für mich, die vermeide ich komplett.

    Mir fiel es schwer zu lernen, mir beim Essen Zeit zu lassen. Ich konnte ja nur noch kleine Mengen essen, musste gut kauen. Das war vorher anders: zweimal kauen, schlucken, das war‘s. Daran musste ich mich erst gewöhnen.

    Ich habe keine Lust mehr auf Süßes und koche anders

    Nach der Operation ändert sich der Geschmack bei vielen. Vor der OP habe ich mich von drei Litern Cola light am Tag ernährt. Das schmeckt mir gar nicht mehr, weil es mir viel zu süß ist. Wenn, dann nehme ich einen Teelöffel echten Zucker in den Kaffee und genieße es. Ich habe auch keinen Heißhunger mehr auf Schokolade, ich esse ein Stückchen, aber nicht mehr tafelweise wie vorher. Tatsächlich habe ich mehr Lust auf Salziges und Herzhaftes, das hat sich geändert.

    Ich kaufe auch anders ein, hochwertiger. Ich kaufe keine Light-Produkte mehr. Manchmal nehme ich den vollfetten Quark, davon esse ich aber insgesamt weniger. Auch bei den Kindern achte ich auf eine gesunde Ernährung.

    Ich habe insgesamt 56 Kilo in nicht ganz einem Jahr abgenommen. Kurz vor der OP wog ich 129 Kilo und habe immer gesagt: „Wenn ich 80 Kilo wiege, mache ich eine Party“. Mittlerweile hat sich mein Gewicht bei 72 Kilo eingependelt.

    Die langfristigen Kontrolluntersuchungen und die Betreuung nach der Operation sind mir sehr wichtig. Man wird ja in den sozialen Medien schon etwas verunsichert mit allen möglichen Geschichten über Vitamin- oder Eiweißmangel nach einer solchen Operation. Aber ich konnte zuerst alle drei Monate und später jedes halbe Jahr in den Kontrolluntersuchungen meine Fragen stellen und war beruhigt, weil die Blutwerte kontrolliert wurden.

    Der Kopf kommt noch nicht ganz mit

    Ich bin richtig motiviert, ich will gesund sein und gesund bleiben. Und es hat sich so viel geändert: Ich kann mir wieder selbst die Schuhe zubinden und die Fußnägel lackieren, ohne Atemnot zu kriegen. Meinen Knien geht es richtig gut. Das sind so Kleinigkeiten, die aber im Alltag sehr wichtig für mich sind. Ich kann mit meinem Kleinen aufs Trampolin, ohne ein Sauerstoffzelt zu benötigen. Ich habe mich selbstständig gemacht und laufe sehr lange mit dem Hund durch die Gegend. Meine depressiven Gedanken sind weg.

    Was mir aber auffällt: Der Kopf kommt immer noch nicht ganz mit. Ich empfinde und spüre mich immer noch als zu dick und erschrecke regelrecht, wenn ich in den Spiegel schaue oder ein Foto von mir sehe und sehe: du bist ja schlank! Das andere Körperbild von mir hatte ich eben viele Jahre, das ändert sich nicht so schnell.

    Ich würde mich sofort nochmal operieren lassen. Wir haben gestern gerade einen Ausflug in den Kurpark gemacht, den wir auch vor drei Jahren mit der Familie gemacht haben. Und es war kein Vergleich. Wir sind viel gelaufen, auf Bäume geklettert, das war toll. Ich habe das Gefühl, mein Leben zurückbekommen zu haben.

    Aufpassen, dass sich alte Gewohnheiten nicht wieder einschleichen

    Nach jetzt zwei Jahren merke ich, dass ich wieder mehr essen kann, weil der Magen sich etwas geweitet hat und mehr Nahrung in meinen Bauch passt. Ich will aber unbedingt aufpassen, nicht wieder in alte Muster reinzurutschen. Denn operiert wird nur der Magen, nicht der Kopf. Die alten Gewohnheiten legt man nur sehr langsam ab.

    Hier ist auch die Selbsthilfegruppe für mich so wichtig. In der Gruppe sind auch Menschen, die schon sehr lange mit verkleinertem Magen leben und uns relativ frisch Operierten Tipps für den Alltag geben. Über die Selbsthilfegruppe haben sich auch richtig gute Freundschaften entwickelt. Wir haben als Gruppe vor kurzem einen Volkslauf mitgemacht, das war toll.

    Meine Familie hat mich immer unterstützt

    Meine Familie und mein Mann haben mich immer unterstützt. Mein Mann hat gesagt: Für mich musst du dich nicht operieren lassen, aber wenn es dir dadurch besser geht, dann machen wir das zusammen.

    Meine fünf Jungs haben mir nie gesagt, dass ich zu dick war. Aber ich glaube, es hat sie schon sehr belastet. Hinterher haben sie mich alle unabhängig voneinander in den Arm genommen und sich gefreut. Und sie merken jetzt auch, wie viel lebensfroher ich geworden bin.

    Jeder muss selbst entscheiden

    Auch wenn ich mit der Operation gute Erfahrungen gemacht habe: Es kann bei jemand anderem ganz anders sein. Da kann man keinen allgemeingültigen Tipp geben. Ich kenne auch eine Frau aus der Selbsthilfegruppe, bei der die Operation zwar gut verlaufen ist, aber nicht den erwünschten Erfolg gebracht hat.

    Die Operation ist kein Allheilmittel. Da muss jeder ganz tief in sich gehen und überlegen, ob er wirklich diesen Schritt gehen möchte.

    Es gibt auch Übergewichtige, die wiegen das Doppelte und Dreifache von mir damals, und wollen sich nicht operieren lassen. Jeder muss seine eigene Entscheidung treffen. Da gibt es kein richtig oder falsch. Wichtig ist, dass man mit sich selbst im Reinen ist.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.