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Gutartige Prostatavergrößerung

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    Überblick

    Nachts häufig zur Toilette müssen und trotzdem das Gefühl haben, dass die Blase nie ganz leer wird: Viele Männer in der Lebensmitte kennen das. Die Ursache der Beschwerden ist meist eine gutartig vergrößerte Prostata. Wir stellen verschiedene Möglichkeiten vor, Prostataprobleme zu behandeln.

    Einleitung

    Häufiger Harndrang, nächtliche Gänge zur Toilette und das Gefühl, dass die Blase nie ganz leer wird: Das sind typische Beschwerden bei einer gutartig vergrößerten Prostata. Sie treten meist nach dem 50. Lebensjahr auf und werden im Alter immer häufiger.

    Viele Männer stellen sich auf die Beschwerden ein und kommen ganz gut damit zurecht. Für einige werden sie jedoch zu einer starken Belastung: Sie müssen so oft zur Toilette, dass sie nachts nicht mehr genug Schlaf bekommen und tagsüber erschöpft sind. Außerdem können die häufigen Toilettengänge im Alltag sehr stören, da Termine und andere Aktivitäten immer wieder unterbrochen werden müssen.

    Eine gutartige Vergrößerung der Prostata kann sehr lästig sein, ist aber meist harmlos. Falls eine Behandlung nötig wird, besteht in der Regel kein Grund zur Eile. Vor der Entscheidung für eine Behandlung kann man sich in Ruhe über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten informieren. Das ist vor allem vor einer Operation sinnvoll, da ein Eingriff auch zu langfristigen Komplikationen führen kann.

    Symptome

    Wenn die Prostata deutlich vergrößert ist, drückt sie auf die Blase und die Harnröhre. Dies kann zu verschiedenen Beschwerden führen:

    • Der Harndrang ist häufiger und stärker als zuvor, besonders in der Nacht.
    • Es dauert eine Weile, bis der Urin kommt.
    • Der Harnstrahl ist schwächer und das Wasserlassen dauert länger als früher.
    • Nach dem Wasserlassen tropft Urin nach und die Blase fühlt sich nicht richtig leer an.

    Der medizinische Fachausdruck für diese Beschwerden lautet „Benignes Prostatasyndrom“ (BPS). Oft wird auch von „Benigner Prostatahyperplasie“ (BPH) gesprochen. Damit ist die Vergrößerung (Hyperplasie) der Prostata gemeint. Der Begriff „benigne“ bedeutet gutartig; gemeint ist, dass es sich dabei nicht um Prostatakrebs handelt.

    Zwischen der Größe der Prostata und der Stärke der Beschwerden besteht nicht immer ein direkter Zusammenhang: Manche Männer mit stark vergrößerter Prostata haben nur wenige Beschwerden, anderen bereitet bereits eine nur leicht vergrößerte Prostata Probleme.

    Ursachen

    Die Prostata befindet sich direkt unterhalb der Blase und umschließt einen Teil der Harnröhre. Wenn die Prostata wächst, kann sie auf die Blase, die Harnröhre und die Blasenmuskulatur drücken. Dann kann schon Harndrang spürbar sein, wenn die Blase noch längst nicht gefüllt ist. Der ständige Druck kann zudem die Blasenmuskeln schwächen und dazu führen, dass sich die Blase nicht mehr vollständig entleert. Der Druck der Prostata auf die Harnröhre kann gleichzeitig den Harnfluss behindern.

    Grafik: Lage der Prostata - wie im Text beschrieben

    Das langsame Wachstum der Prostata ist ein normaler Teil des Alterns. Bei einigen Männern vergrößert sich die Prostata aber übermäßig. Die Ursachen dafür sind nicht bekannt.

    Häufigkeit

    Bei Männern unter 40 Jahren ist eine gutartige Prostatavergrößerung selten. Im Alter von 50 bis 59 sind etwa 20 von 100 Männern betroffen. Im höheren Lebensalter werden die typischen Beschwerden dann immer häufiger: Bis zu 70 von 100 Männern über 70 Jahre haben damit zu tun.

    Verlauf

    Die meisten Männer haben leichte bis mittelschwere Beschwerden, auf die sie sich im Alltag einstellen können. Manchmal bessern sich die Symptome vorübergehend wieder. In der Regel nehmen sie allerdings über die Jahre zu, wenn auch sehr langsam. Es kann einige Zeit dauern, bis klar wird, ob sich die Symptome auf einem Niveau einpendeln, mit dem es sich leben lässt, oder ob sie zu belastend werden.

    Folgen

    Bei manchen Männern mit einer vergrößerten Prostata kommt es zu häufig wiederkehrenden Harnwegsinfektionen.

    Eine Prostatavergrößerung führt gelegentlich dazu, dass ein Mann plötzlich kaum noch oder gar nicht mehr Wasser lassen kann. Ein solcher Harnverhalt ist ein Notfall und muss rasch behandelt werden. Dabei wird zunächst die Harnblase durch einen Katheter entlastet. Einige Tage danach wird die Prostata in der Regel operativ verkleinert, um den normalen Harnfluss wiederherzustellen.

    Zu einem Harnverhalt kommt es relativ selten, nämlich in fünf Jahren bei 1 bis 3 von 100 Männern mit einer gutartigen Prostatavergrößerung.

    Diagnose

    Eine gutartige Prostatavergrößerung ist zwar der häufigste Grund für Beschwerden beim Wasserlassen, es gibt aber noch andere mögliche Ursachen. Um sie abzuklären, fragt die Ärztin oder der Arzt danach, wie oft man Wasser lassen muss. Das ist oft gar nicht so leicht zu sagen. Deshalb kann es hilfreich sein, ein oder zwei Tage vor dem Arztbesuch eine Strichliste zu führen. Sinnvoll ist auch, der Ärztin oder dem Arzt mitzuteilen, welche Medikamente man nimmt, da Harnwegsbeschwerden auch eine Nebenwirkung mancher Arzneimittel sein können.

    Im Rahmen der körperlichen Untersuchung wird die Prostata untersucht. Dazu zieht die Ärztin oder der Arzt Einweghandschuhe an und tastet die Prostata über den Enddarm mit einem Finger ab, um ihre Größe und Beschaffenheit einzuschätzen (rektale Untersuchung).

    Eine Urinprobe hilft dabei, Anzeichen für eine Prostata- oder Harnwegsinfektion zu erkennen. Sie können ähnliche Symptome verursachen wie eine vergrößerte Prostata. Darüber hinaus kann der Urin auf einige andere Erkrankungen hin untersucht werden.

    Mit einer Blutuntersuchung wird häufig der sogenannte PSA-Wert bestimmt, um Prostatakrebs auszuschließen (PSA = Prostataspezifisches Antigen). Prostatakrebs kann den PSA-Wert erhöhen. Ein erhöhter Wert kann aber auch viele andere Gründe haben – unter anderem eine gutartig vergrößerte Prostata. Der ohnehin wenig aussagekräftige PSA-Test ist bei Männern mit vergrößerter Prostata daher umstritten. Es lohnt sich, die Vor- und Nachteile gut abzuwägen.

    Mit einer Harnstrahlmessung wird geprüft, wie viel Urin pro Sekunde ausgeschieden wird. Dazu uriniert man mit möglichst voller Blase in ein spezielles Gerät, das die Fließgeschwindigkeit des Urins misst.

    Eine Ultraschalluntersuchung zeigt, wie stark die Prostata vergrößert ist. Außerdem ist auf dem Ultraschallbild erkennbar, wie viel Urin sich nach dem Wasserlassen noch in der Blase befindet (Restharnbestimmung).

    Behandlung

    Welche Behandlung bei einer gutartig vergrößerten Prostata infrage kommt, hängt vor allem davon ab, wie belastend die Beschwerden sind, ob es Komplikationen wie häufige Harnwegsentzündungen gibt – und nicht zuletzt davon, wie man die Vor- und Nachteile der Behandlung beurteilt.

    Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören:

    • aktives Beobachten der Symptome: Bei leichten Beschwerden und ohne Komplikationen kann es ausreichen, den Alltag umzustellen und etwa einmal im Jahr zur Kontrolluntersuchung zu gehen. Diese Strategie reicht bei etwa 30 von 100 Männern, die wegen einer vergrößerten Prostata ärztlichen Rat einholen, aus.
    • pflanzliche Arzneimittel: Es gibt verschiedene pflanzliche Mittel, die BPS-Symptome lindern sollen und rezeptfrei erhältlich sind. Die meisten dieser Mittel sind aber nicht gut erforscht. Andere haben keinen Einfluss auf Prostata-Beschwerden gezeigt. Die deutsche Gesellschaft für Urologie empfiehlt sie daher nicht regelhaft zur Behandlung.
    • Medikamente: Etwa 70 von 100 Männer, die wegen ihrer Beschwerden ärztlichen Rat suchen, entscheiden sich für eine medikamentöse Behandlung. Meist wird das Medikament Tamsulosin eingesetzt. Es entspannt die Prostata- und Blasenmuskulatur und erleichtert dadurch das Wasserlassen.
    • Operationen zur Verkleinerung der Prostata: Mithilfe verschiedener Operationstechniken kann Prostatagewebe entfernt oder zerstört werden. Mögliche Gründe für eine Operation sind ein Harnverhalt, wiederholte Infektionen und starke Beschwerden, die sich anders nicht lindern lassen. Manche Männer entscheiden sich bewusst für eine Operation, nachdem sie die Vor- und Nachteile verschiedener Behandlungsmöglichkeiten abgewägt haben. Eine häufige Nebenwirkung der Eingriffe sind Störungen beim Samenerguss. Zu Inkontinenz oder Erektionsstörungen kommt es nur selten.

    Leben und Alltag

    In der Regel entwickeln sich Prostata-Beschwerden allmählich über mehrere Jahre. Wenn die Veränderungen langsam voranschreiten, fällt es leichter, sich darauf einzustellen. Trotzdem empfinden es viele Männer als unangenehm und peinlich, wenn sie immer häufiger zur Toilette müssen und Probleme haben, die mit ihren Geschlechtsorganen zusammenhängen.

    Die Beschwerden bedeuten aber nicht, dass das Liebesleben der betroffenen Männer und ihrer Partnerinnen oder Partner nicht mehr erfüllend sein kann. Wichtig ist, über die altersbedingten Veränderungen offen zu reden und gemeinsam Strategien zu überlegen, die es erleichtern, sich damit zu arrangieren.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Bschleipfer T, Bach T, Berges R, Dreikorn K, Gratzke C, Madersbacher S et al. S2e-Leitlinie der Deutschen Urologen: Instrumentelle Therapie des benignen Prostatasyndroms. Urologe A 2016; 55(2): 195-207.

    Höfner K, Bach T, Berges R, Dreikorn K, Gratzke C, Madersbacher S et al. S2e-Leitlinie der Deutschen Urologen: Konservative und medikamentöse Therapie des benignen Prostatasyndroms. Urologe A 2016; 55(2): 184-194.

    Kiviniemi K, Suominen T. "Going to the bathroom four or five times a night ... ": seven men talk about their experiences of benign prostatic hyperplasia and the perioperative period. J Clin Nurs 1999; 8(5): 542-549.

    Van Exel NJ, Koopmanschap MA, McDonnell J, Chapple CR, Berges R, Rutten FF. Medical consumption and costs during a one-year follow-up of patients with LUTS suggestive of BPH in six european countries: report of the TRIUMPH study. Eur Urol 2006; 49(1): 92-102.

    Verhamme KM, Dieleman JP, Bleumink GS, van der Lei J, Sturkenboom MC, Artibani W et al. Incidence and prevalence of lower urinary tract symptoms suggestive of benign prostatic hyperplasia in primary care - the Triumph project. Eur Urol 2002; 42(4): 323-328.

    Wilt TJ, N'Dow J. Benign prostatic hyperplasia. Part 1: Diagnosis. BMJ 2008; 336(7636): 146-149.

    Wilt TJ, N'Dow J. Benign prostatic hyperplasia. Part 2: Management. BMJ 2008; 336(7637): 206-210.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Was kann ich selbst gegen die Beschwerden tun?

    Viele Männer kennen das Problem: Häufig drückt die Blase, nächtliche Toilettengänge werden zur Regel. Meistens ist der Grund eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Bei nur leichten Prostata-Problemen kann es ausreichen, im Alltag einige Gewohnheiten zu ändern, um die Beschwerden in den Griff zu bekommen.

    Es ist normal, dass die Prostata mit dem Alter langsam wächst. Das kann irgendwann zu Problemen beim Wasserlassen führen. Männer mit leichten Beschwerden kommen auch ohne Behandlung oft gut damit zurecht. Es gibt verschiedene Strategien, die im Alltag dabei helfen können:

    • Weniger trinken, wenn man längere Zeit nicht zur Toilette gehen kann oder möchte – zum Beispiel vor dem Schlafengehen. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie empfiehlt, nicht mehr als eineinhalb Liter am Tag zu trinken und die Trinkmenge gleichmäßig über den Tag zu verteilen. Es ist dennoch sehr wichtig, insgesamt genug zu trinken – vor allem, wenn man durstig ist.
    • Entwässernde oder harntreibende Getränke nur in Maßen zu sich nehmen. Dazu gehören vor allem Alkohol und koffeinhaltige Getränke wie grüner oder schwarzer Tee.
    • Nach dem Wasserlassen einen Moment warten, dann noch einmal versuchen zu urinieren. So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Blase leer wird. Es kann auch helfen, die Harnröhre auszustreichen, damit kein Urin zurückbleibt.
    • Die Speicherfähigkeit der Blase trainieren, indem man den Toilettengang regelmäßig etwas hinauszögert und bei einsetzendem Harndrang nicht sofort zur Toilette geht.

    Sinnvoll ist auch, gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt oder in einer Apotheke die Medikamente durchzugehen, die man nimmt. Denn bestimmte Medikamente können entwässernd wirken oder die Blasenmuskulatur beeinflussen und dadurch Beschwerden verstärken. Dazu gehören:

    • Diuretika: entwässernde Medikamente, die unter anderem gegen Bluthochdruck eingesetzt werden.
    • krampflösende Medikamente.
    • bestimmte Medikamente zur Behandlung von Allergien.
    • bestimmte Medikamente zur Behandlung von Parkinson und Depressionen.

    Die Ärztin oder der Arzt kann zu möglichen Alternativen beraten, die die Beschwerden nicht verstärken.

    Viele Männer kennen das Problem: Häufig drückt die Blase, nächtliche Toilettengänge werden zur Regel. Meistens ist der Grund eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Bei nur leichten Prostata-Problemen kann es ausreichen, im Alltag einige Gewohnheiten zu ändern, um die Beschwerden in den Griff zu bekommen.

    Es ist normal, dass die Prostata mit dem Alter langsam wächst. Das kann irgendwann zu Problemen beim Wasserlassen führen. Männer mit leichten Beschwerden kommen auch ohne Behandlung oft gut damit zurecht. Es gibt verschiedene Strategien, die im Alltag dabei helfen können:

    • Weniger trinken, wenn man längere Zeit nicht zur Toilette gehen kann oder möchte – zum Beispiel vor dem Schlafengehen. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie empfiehlt, nicht mehr als eineinhalb Liter am Tag zu trinken und die Trinkmenge gleichmäßig über den Tag zu verteilen. Es ist dennoch sehr wichtig, insgesamt genug zu trinken – vor allem, wenn man durstig ist.
    • Entwässernde oder harntreibende Getränke nur in Maßen zu sich nehmen. Dazu gehören vor allem Alkohol und koffeinhaltige Getränke wie grüner oder schwarzer Tee.
    • Nach dem Wasserlassen einen Moment warten, dann noch einmal versuchen zu urinieren. So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Blase leer wird. Es kann auch helfen, die Harnröhre auszustreichen, damit kein Urin zurückbleibt.
    • Die Speicherfähigkeit der Blase trainieren, indem man den Toilettengang regelmäßig etwas hinauszögert und bei einsetzendem Harndrang nicht sofort zur Toilette geht.

    Sinnvoll ist auch, gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt oder in einer Apotheke die Medikamente durchzugehen, die man nimmt. Denn bestimmte Medikamente können entwässernd wirken oder die Blasenmuskulatur beeinflussen und dadurch Beschwerden verstärken. Dazu gehören:

    • Diuretika: entwässernde Medikamente, die unter anderem gegen Bluthochdruck eingesetzt werden.
    • krampflösende Medikamente.
    • bestimmte Medikamente zur Behandlung von Allergien.
    • bestimmte Medikamente zur Behandlung von Parkinson und Depressionen.

    Die Ärztin oder der Arzt kann zu möglichen Alternativen beraten, die die Beschwerden nicht verstärken.

    Können pflanzliche Arzneimittel die Beschwerden lindern?

    Viele Männer probieren pflanzliche Arzneimittel aus, um Prostata-Beschwerden zu lindern. Zur Behandlung gibt es mehr als 30 verschiedene pflanzliche Präparate. Die meisten sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Die häufigsten Inhaltsstoffe sind:

    • Kürbissamen (Cucurbita pepo)
    • Sägezahnpalme (Serenoa repens), auch Zwergpalme genannt
    • afrikanischer Pflaumenbaum (Pygeum africanum)
    • Roggenpollen (Secale cereale)
    • südafrikanisches Sternengras (Hypoxis rooperi)
    • Brennnesselwurzel (Urtica dioica radix)

    Viele dieser Mittel sind bislang nicht in aussagekräftigen Studien untersucht. Die am besten untersuchten pflanzlichen Medikamente gegen Prostatabeschwerden enthalten Extrakte aus der Sägezahnpalme, teilweise in Kombination mit einem Extrakt aus Brennnesselwurzel. Eine Auswertung von 32 Studien mit über 5500 Männern zeigte allerdings keinen Unterschied zwischen diesen Mitteln und einem Scheinmedikament.

    In einer der größten und besten Studien mit Extrakten der Sägezahnpalme zeigte sich:

    Egal, ob die Teilnehmer der beiden Vergleichsgruppen ein Scheinmedikament oder Extrakte der Sägezahnpalme nahmen – in jeder Gruppe besserten sich die Beschwerden bei etwa 44 von 100 Männern.

    Auch auf den Harnfluss und die Zahl der nächtlichen Toilettengänge hatten die Mittel keinen Einfluss.

    Quellen

    Höfner K, Bach T, Berges R, Dreikorn K, Gratzke C, Madersbacher S et al. S2e-Leitlinie der Deutschen Urologen: Konservative und medikamentöse Therapie des benignen Prostatasyndroms. Urologe A 2016; 55(2): 184-194.

    Tacklind J, MacDonald R, Rutks I, Stanke JU, Wilt TJ. Serenoa repens for benign prostatic hyperplasia. Cochrane Database Syst Rev 2012; (12): CD001423.

    Wilt TJ, N'Dow J. Benign prostatic hyperplasia. Part 2: Management. BMJ 2008; 336(7637): 206-210.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Welche Medikamente können helfen?

    Medikamente, die die Blasenentleerung unterstützen, können Prostata-Beschwerden lindern. Sie werden häufig eingesetzt, wenn die Symptome so belastend sind, dass man ohne Behandlung im Alltag nur schlecht zurechtkommt.

    Wenn nachts mehrere Toilettengänge nötig sind und der Harndrang auch tagsüber zum ständigen Begleiter wird, weil sich die Blase nicht mehr richtig leert, können verschiedene Medikamente Linderung verschaffen.

    Bei der Entscheidung für ein Medikament ist es immer sinnvoll, zusammen mit der Ärztin oder dem Arzt über mögliche Wechselwirkungen mit anderen Mitteln zu sprechen. So nehmen viele ältere Männer mit Prostataproblemen bereits regelmäßig Medikamente ein – zum Beispiel gegen zu hohen Blutdruck (Hypertonie) oder chronische Erkrankungen.

    Medikamente, die die Blasenentleerung unterstützen, können Prostata-Beschwerden lindern. Sie werden häufig eingesetzt, wenn die Symptome so belastend sind, dass man ohne Behandlung im Alltag nur schlecht zurechtkommt.

    Wenn nachts mehrere Toilettengänge nötig sind und der Harndrang auch tagsüber zum ständigen Begleiter wird, weil sich die Blase nicht mehr richtig leert, können verschiedene Medikamente Linderung verschaffen.

    Bei der Entscheidung für ein Medikament ist es immer sinnvoll, zusammen mit der Ärztin oder dem Arzt über mögliche Wechselwirkungen mit anderen Mitteln zu sprechen. So nehmen viele ältere Männer mit Prostataproblemen bereits regelmäßig Medikamente ein – zum Beispiel gegen zu hohen Blutdruck (Hypertonie) oder chronische Erkrankungen.

    Alphablocker

    Alphablocker (auch Alpha-1-Rezeptorblocker genannt) werden bei Prostata-Beschwerden sehr häufig eingesetzt. Sie erleichtern die Blasenentleerung, indem sie die Muskeln der Prostata und Blase entspannen. Da Alphablocker auch den Blutdruck senken, eignen sie sich besonders für Männer mit Bluthochdruck.

    Die bei Prostata-Beschwerden gebräuchlichsten Alphablocker sind:

    • Alfuzosin
    • Doxazosin
    • Silodosin
    • Tamsulosin
    • Terazosin

    Alphablocker werden einmal am Tag zusammen mit einem Glas Wasser eingenommen, in der Regel nach einer Mahlzeit und immer zur gleichen Tageszeit. Dabei ist es wichtig, die Tabletten ganz zu schlucken. Sie sollten nicht zerdrückt oder zerkaut werden. Die Anwendung der einzelnen Wirkstoffe unterschiedet sich etwas und kann in der Arztpraxis oder Apotheke erklärt werden.

    Wie wirksam sind Alphablocker?

    Studien zeigen, dass Alphablocker die Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrößerung lindern können:

    • Mit einem Scheinmedikament (Placebo) nahmen sie bei etwa 50 von 100 Männern ab,
    • mit Alphablockern dagegen bei etwa 70 von 100 Männern.

    Das bedeutet, die Alphablocker konnten die Beschwerden bei etwa 20 von 100 Männern lindern.

    Eine Besserung ist normalerweise nach einigen Tagen spürbar, die volle Wirkung entfaltet sich innerhalb eines Monats. Die Beschwerden verschwinden durch Alphablocker in der Regel aber nicht vollständig. Wenn bei einem Mann nach acht Wochen noch keine Besserung eingetreten ist, wirkt das Medikament bei ihm wahrscheinlich nicht.

    Welche Nebenwirkungen gibt es?

    Da Alphablocker den Blutdruck senken, können sie zu Beschwerden wie Schwindel führen. Eine andere mögliche Nebenwirkung sind Ejakulationsstörungen: Beim Samenerguss kann sich die Menge der ausgestoßenen Samenflüssigkeit verringern. Wie häufig es zu solchen Nebenwirkungen kommt, lässt sich anhand von Studienergebnissen abschätzen:

    • Ejakulationsstörungen: Bei etwa einem von 100 Männern; mit Silodosin bei etwa 20 von 100 Männern.
    • Schwindel: Bei ungefähr 4 von 100 Männern.
    • Schlappheit und Müdigkeit: Bei etwa 2 von 100 Männern.
    • niedriger Blutdruck: Bei etwa 2 von 100 Männern.
    • Schnupfen (verstopfte oder laufende Nase): Bei etwa einem von 100 Männern.

    Diese Nebenwirkungen treten aber nicht unbedingt dauerhaft auf und sind auch nicht immer sehr störend. Das zeigt sich daran, dass in Studien nur einer von 100 Männern die Behandlung wegen Nebenwirkungen abgebrochen hat.

    Bei Doxazosin und Terazosin ist es wichtig, die Behandlung mit einer niedrigen Dosierung zu beginnen und langsam zu steigern, um Nebenwirkungen möglichst zu vermeiden.

    Wollen Männer, die Alphablocker zur Behandlung ihrer Prostata-Beschwerden nehmen, zu Potenzmitteln greifen, sollten sie vorher mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt sprechen, da es zu Wechselwirkungen wie beispielsweise einem Absinken des Blutdrucks kommen kann.

    Alpha-Reduktase-Hemmer

    Alpha-Reduktase-Hemmer verringern die Bildung der männlichen Geschlechtshormone, die zum Wachstum der Prostata beitragen. Dadurch wird die Prostata wieder kleiner, sodass sie nicht mehr so stark auf Blase und Harnröhre drückt. Die Fachbezeichnung für diese Medikamente ist „5-Alpha-Reduktase-Inhibitoren“.

    Zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung sind zwei Mittel zugelassen:

    • Finasterid
    • Dutasterid

    In Deutschland werden fast ausschließlich Finasterid oder ein Kombinationsmedikament mit Dutasterid und dem Alphablocker Tamsulosin eingesetzt.

    Alpha-Reduktase-Hemmer können Prostata-Beschwerden nachweislich lindern. Ihre Wirkung setzt jedoch sehr langsam ein. Es kann mehrere Monate dauern, bis sich die Beschwerden bessern, manchmal zeigt sich aber nach einem Jahr noch keine spürbare Wirkung.

    Alpha-Reduktase-Hemmer können vor allem bei Männern, deren Prostata deutlich vergrößert ist, eine sinnvolle Behandlungsmöglichkeit sein. Dann können sie das Risiko für einen Harnverhalt und die Notwendigkeit einer Operation senken.

    Welche Nebenwirkungen gibt es?

    Bei 2 bis 3 von 100 Männern verursachen Alpha-Reduktase-Hemmer Nebenwirkungen wie Erektionsstörungen, Störungen beim Samenerguss, ein verringertes Lustempfinden und Müdigkeit. Bei einem von 100 Männern vergrößern sich die Brustdrüsen.

    Die Wirkstoffe verändern außerdem die Menge des „prostataspezifischen Antigens“ (PSA) im Blut, den sogenannten PSA-Wert. Wer Finasterid oder Dutasterid nimmt und einen PSA-Test machen lässt, muss deshalb seine Ärztin oder seinen Arzt darüber informieren.

    Wie wirkt eine Kombinationsbehandlung?

    Manchmal werden Alphablocker und Alpha-Reduktase-Hemmer zusammen eingesetzt, um Beschwerden möglichst rasch zu lindern und gleichzeitig das weitere Wachstum der Prostata zu hemmen. Eine Kombinationsbehandlung kommt für Männer mit stärkeren Beschwerden und einer deutlich vergrößerten Prostata infrage. Das Risiko, dass die Prostata noch weiter wächst, ist bei ihnen erhöht.

    Eine Kombinationsbehandlung kann das Risiko senken, dass die Beschwerden zunehmen oder Komplikationen auftreten. Die Vorteile zeigten sich aber erst nach ein bis zwei Jahren und nur bei Männern mit einer stark vergrößerten Prostata.

    Der Nachteil: Das Risiko für Samenerguss- und Erektionsstörungen ist höher als bei einer Behandlung nur mit Alphablockern.

    Quellen

    Brasure M, MacDonald R, Dahm P, Olson CM, Nelson VA, Fink HA et al. Newer Medications for Lower Urinary Tract Symptoms Attributed to Benign Prostatic Hyperplasia: A Review. 05.2016. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; Band 178).

    Favilla V, Russo GI, Privitera S, Castelli T, Giardina R, Calogero AE et al. Impact of combination therapy 5-alpha reductase inhibitors (5-ARI) plus alpha-blockers (AB) on erectile dysfunction and decrease of libido in patients with LUTS/BPH: a systematic review with meta-analysis. Aging Male 2016; 19(3): 175-181.

    National Clinical Guideline Centre. The Management of Lower Urinary Tract Symptoms in Men. 2010. (NICE Clinical Guidelines; Band 97).

    Wu YJ, Dong Q, Liu LR, Wei Q. A meta-analysis of efficacy and safety of the new alpha1A-adrenoceptor-selective antagonist silodosin for treating lower urinary tract symptoms associated with BPH. Prostate Cancer Prostatic Dis 2013; 16(1): 79-84.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Welche Vor- und Nachteile hat eine Operation?

    Eine Operation kann die Beschwerden bei einer gutartigen Prostatavergrößerung sehr wirksam lindern. Sie kommt infrage, wenn andere Behandlungen keine ausreichende Linderung verschaffen oder es immer wieder zu Problemen wie Harnwegsinfektionen kommt. Eine Operation hat jedoch häufig Nebenwirkungen.

    Für die meisten Männer mit einer gutartig vergrößerten Prostata besteht keine dringende Notwendigkeit für einen chirurgischen Eingriff. Sie können die Vor- und Nachteile einer Operation in Ruhe abwägen. Es kann verschiedene Gründe geben, sich für eine Operation zu entscheiden:

    • Die Beschwerden sind sehr belastend und lassen sich durch andere Behandlungen nicht ausreichend lindern.
    • Es treten immer wieder Folgeerkrankungen auf, zum Beispiel wiederkehrende Harnwegsentzündungen oder Blasensteine.
    • Eine Behandlung mit Medikamenten kommt aus medizinischen Gründen nicht infrage.

    Daneben spielt die persönliche Abwägung eines Mannes eine wichtige Rolle. Denn eine Operation ist sehr wirksam, kann aber auch zu Komplikationen führen wie etwa Störungen beim Samenerguss.

    Eine Operation kann die Beschwerden bei einer gutartigen Prostatavergrößerung sehr wirksam lindern. Sie kommt infrage, wenn andere Behandlungen keine ausreichende Linderung verschaffen oder es immer wieder zu Problemen wie Harnwegsinfektionen kommt. Eine Operation hat jedoch häufig Nebenwirkungen.

    Für die meisten Männer mit einer gutartig vergrößerten Prostata besteht keine dringende Notwendigkeit für einen chirurgischen Eingriff. Sie können die Vor- und Nachteile einer Operation in Ruhe abwägen. Es kann verschiedene Gründe geben, sich für eine Operation zu entscheiden:

    • Die Beschwerden sind sehr belastend und lassen sich durch andere Behandlungen nicht ausreichend lindern.
    • Es treten immer wieder Folgeerkrankungen auf, zum Beispiel wiederkehrende Harnwegsentzündungen oder Blasensteine.
    • Eine Behandlung mit Medikamenten kommt aus medizinischen Gründen nicht infrage.

    Daneben spielt die persönliche Abwägung eines Mannes eine wichtige Rolle. Denn eine Operation ist sehr wirksam, kann aber auch zu Komplikationen führen wie etwa Störungen beim Samenerguss.

    Was passiert bei einer Operation?

    Bei einer Operation wird die Prostata so verkleinert, dass sie nicht mehr auf Blase und Harnröhre drückt. Bei den meisten Verfahren werden dazu kleine Instrumente durch die Harnröhre (transurethral) bis zur Prostata geführt, um Gewebe zu entfernen oder die Harnröhre zu weiten. Solche Verfahren werden „geschlossene“ Operationen genannt. Wenn die Prostata sehr stark vergrößert ist, wird sie manchmal durch einen Einschnitt in der Bauchdecke operiert. Dies ist aber nur selten nötig.

    Es gibt viele verschiedene Operationstechniken und eine Vielzahl von Instrumenten und Geräten, mit denen sich Prostatagewebe auf unterschiedliche Weise entfernen lässt.

    Welches Verfahren ist am gängigsten?

    Als Standardoperation gilt die sogenannte transurethrale Resektion der Prostata (TURP). Bei diesem Verfahren wird ein dünnes Röhrchen (Resektoskop) in die Harnröhre eingeführt und bis zur Prostata vorgeschoben. In diesem Instrument befinden sich eine sehr kleine Kamera und eine elektrische Drahtschlinge, mit der das Prostatagewebe mechanisch abgetragen wird. Durch das gleichzeitige Erhitzen der Schlinge verschließen sich die Blutgefäße rasch wieder. Das Resektoskop enthält zudem Ventile zur Regulation von Flüssigkeit, mit der das entfernte Gewebe ausgespült wird. Die TURP dauert etwa 90 Minuten und erfordert eine Teil- oder Vollnarkose. Nach dem Eingriff muss für einige Tage ein Blasenkatheter getragen werden. In der Regel ist ein Krankenhausaufenthalt von 2 bis 7 Tagen erforderlich. Danach muss man sich noch ein paar Wochen schonen.

    Einige Varianten der TURP gelten ebenfalls als Standard-Behandlungen und haben vergleichbare Ergebnisse und Folgen wie eine herkömmliche TURP. Dazu gehören die transurethrale Elektrovaporisation (TUEVP), die transurethrale Vaporesektion (TUVRP) und die Plasmakinetische Enukleation der Prostata (PkEP).

    Ein anderes bewährtes Verfahren ist die transurethrale Inzision der Prostata (TUIP). Dabei wird kein Prostatagewebe entfernt, sondern die Harnröhre entlastet. Die Chirurgin oder der Chirurg setzt dazu ein oder zwei Einschnitte am Übergang zwischen Blasenhals und Prostata. Dies schafft etwas Raum für die beengte Harnröhre und kann dadurch Erleichterung bringen. Der Vorteil des Verfahrens ist, dass bestimmte Nebenwirkungen wie Blutungen seltener auftreten. Eine TUIP eignet sich aber nur für Männer, deren Prostata nicht so stark vergrößert ist. Außerdem kann es sein, dass der Eingriff nach einer Weile wiederholt werden muss.

    Wie gut hilft eine TURP und welche Folgen kann sie haben?

    Für die TURP ist nachgewiesen, dass sie Prostata-Beschwerden dauerhaft lindern kann. Etwa 75 von 100 Männern, die sich einer TURP unterziehen, haben neun Monate nach dem Eingriff nur noch leichte Prostata-Beschwerden und müssen beispielsweise nach der Operation nachts nur noch einmal oder gar nicht mehr zur Toilette gehen. Den restlichen Männern kann der Eingriff meist auch helfen, aber in etwas geringerem Ausmaß. Nebenwirkungen sind allerdings häufig.

    Die häufigste Nebenwirkung der TURP ist der „trockene Samenerguss“ (Fachbegriff: retrograde Ejakulation): Die Samenflüssigkeit wird während des Ergusses in die Harnblase abgegeben und gelangt nicht oder kaum nach außen. Dazu kann es kommen, wenn während des Eingriffs Muskeln verletzt werden, die beim Samenerguss normalerweise den Blasenausgang verschließen. Ein trockener Samenerguss tritt bei ungefähr 65 von 100 Männern nach einer TURP auf. Er ist zwar nicht gesundheitsschädlich und mindert in der Regel auch nicht das Gefühl beim Orgasmus, setzt aber die Fruchtbarkeit herab.

    Manche Männer befürchten, dass sie nach einem Eingriff Erektionsstörungen bekommen. Dieses Risiko lässt sich zwar nicht ganz ausschließen, allerdings zeigen Forschungsergebnisse, dass dauerhafte Erektionsstörungen selten sind. Da die störenden Beschwerden wie häufiger Harndrang verschwinden, sind manche Männer nach dem Eingriff auch zufriedener mit ihrer Sexualität.

    Andere mögliche Folgen der TURP sind Harnwegsinfektionen und eine zeitweise Blasenschwäche (Inkontinenz). Wie bei den meisten Operationen besteht außerdem das Risiko einer behandlungsbedürftigen Blutung. Selten kommt es nach einer Operation zu einer Verengung der Harnröhre. Langfristige Folgen wie dauerhafte Inkontinenz sind selten.

    Eine TURP kann auch ein „TUR-Syndrom“ mit vorübergehender Übelkeit, Erbrechen oder Verwirrtheit auslösen. Diese Komplikation ist selten, kann jedoch lebensbedrohlich sein. Sie tritt auf, wenn ein Teil der Flüssigkeit, mit der das entfernte Prostatagewebe weggespült wird, in den Blutkreislauf gelangt. In seltenen Fällen kann ein TUR-Syndrom zu Herz-Kreislauf-Problemen führen. In Studien trat bei 2 bis 3 von 100 Männern ein TUR-Syndrom auf, allerdings ohne ernsthafte Folgen.

    Haben Laser-Behandlungen Vorteile gegenüber der TURP?

    Neben den Standardmethoden wie der TURP gibt es noch eine Reihe von anderen Operationsverfahren. Sie unterscheiden sich vor allem durch die eingesetzten Geräte und Energiequellen, mit denen das Prostatagewebe abgetragen oder zerstört wird. Die meisten anderen Techniken arbeiten mit Laserstrahlen. Die Instrumente werden ähnlich wie bei der TURP durch die Harnröhre bis zur Prostata geführt.

    Zu den Laserbehandlungen gehören die folgenden Verfahren:

    • Holmium-Laserenukleation der Prostata (HoLEP)
    • Holmium-Laserresektion (HoLRP)
    • Thulium-Laserresektion (TmLRP)
    • Thuliumlaser-Enukleation (TmLEP)
    • photoselektive Vaporisation der Prostata (PVP), auch Grün-Laser-Therapie der Prostata genannt

    Die beiden Holmium-Laserverfahren greifen vergleichbar stark in das Prostatagewebe ein wie eine TURP. Bisherige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sie ähnlich gut helfen. Sie haben den Vorteil, dass sie den nötigen Krankenhausaufenthalt und die Katheterbehandlung nach dem Eingriff etwas verkürzen.

    Auch für die Thulium-Laserresektion (TmLRP) zeigen Studien, dass das Behandlungsergebnis mit dem einer TURP vergleichbar ist. Zudem führte die Thulium-Laserresektion in Studien seltener zu schweren Blutungen. Männer, die eine Thulium-Laserresektion erhielten, konnten früher das Krankenhaus verlassen und die Katheterbehandlung beenden.

    Ein weiterer Vorteil der Laser-Verfahren ist, dass kein Risiko für ein TUR-Syndrom besteht. Der trockene Samenerguss tritt allerdings auch nach Laser-Behandlungen häufig auf.

    Für die anderen Techniken wie die TmLEP und die PVP ist nicht nachgewiesen, dass sie mindestens genauso wirksam sind wie eine TURP.

    Wann ist welcher Eingriff der richtige?

    Gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt kann man die Vor- und Nachteile der verschiedenen Operationsverfahren abwägen und klären, welcher Eingriff infrage kommt. Diese Entscheidung hängt neben der Größe der Prostata auch von persönlichen Faktoren ab, zum Beispiel dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand.

    Nicht jede Klinik bietet alle beschriebenen Verfahren an, sodass die Entscheidung für eine bestimmte Technik auch von den Möglichkeiten vor Ort abhängt. Wie bei allen chirurgischen Eingriffen ist es wichtig, wie viel Erfahrung die Operateure mit einer bestimmten Methode haben und auf welche Verfahren sich die Klinik spezialisiert hat.

    Wie geht es nach dem Eingriff weiter?

    Die meisten chirurgischen Eingriffe an der Prostata werden im Krankenhaus durchgeführt. Wie lange man in der Klinik bleiben muss, hängt vom eingesetzten Verfahren ab und davon, wie schnell man sich wieder erholt. Damit die Operationswunde nicht mit Urin in Kontakt kommt, wird für einige Tage ein Blasenkatheter eingesetzt: Dabei leitet ein dünner Plastikschlauch den Urin von der Blase durch die Harnröhre nach außen. Der Schlauch wird von einem kleinen wassergefüllten Ballon in der Blase gehalten. Dies kann zu schmerzhaften Blasenkrämpfen führen, die aber vor allem in den ersten Stunden und Tagen auftreten. Um Infektionen zu vermeiden, werden unter Umständen Antibiotika verordnet.

    Während der ersten beiden Tage nach dem Eingriff kann der Urin blutig sein oder Blutklümpchen enthalten – vor allem nach einer TURP. Um die Blase zu spülen und die Heilung der Wunde zu beschleunigen, ist es wichtig, in den ersten Tagen viel Wasser zu trinken. Auch später können noch leichte Blutungen auftreten, zum Beispiel, wenn sich Wundnarben lösen und ausgeschwemmt werden.

    Auch wenn man keine Schmerzen mehr hat, braucht es einige Zeit, bis die Operationswunde vollständig verheilt ist. Deshalb ist in den ersten Wochen nach der Behandlung Schonung nötig: Körperliche Anstrengungen, ruckartige Bewegungen und schweres Heben erhöhen das Risiko, dass Blutungen in der Wunde entstehen. Die Ärztin oder der Arzt kann beraten, wie sich der Alltag so verändern lässt, dass die Genesung gefördert wird.

    Bis man vollständig wiederhergestellt ist, kann es einige Monate dauern. Während dieser Zeit können auch Probleme beim Wasserlassen auftreten, etwa Harndrang oder kurze Phasen, in denen sich die Blase nicht richtig kontrollieren lässt. Die Organe brauchen eine gewisse Zeit, bis sie sich auf die Veränderungen im operierten Bereich eingestellt haben und wieder normal funktionieren. Während dieser Zeit braucht es etwas Geduld.

    Quellen

    Brookes ST, Donovan JL, Peters TJ, Abrams P, Neal DE. Sexual dysfunction in men after treatment for lower urinary tract symptoms: evidence from randomised controlled trial. BMJ 2002; 324(7345): 1059-1061.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Nichtmedikamentöse lokale Verfahren zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie: Abschlussbericht; Auftrag N04-01. 02.06.2008. (IQWiG-Berichte; Band 33).

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Nichtmedikamentöse lokale Verfahren zur Behandlung des benignen Prostatasyndroms: Aktualisierung; Rapid Report; Auftrag N15-07. 02.08.2016. (IQWiG-Berichte; Band 408).

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Nichtmedikamentöse lokale Verfahren zur Behandlung des benignen Prostatasyndroms: Update; Rapid Report; Auftrag N09-01. 14.12.2009. (IQWIG-Berichte; Band 69).

    Wasson JH, Reda DJ, Bruskewitz RC, Elinson J, Keller AM, Henderson WG. A comparison of transurethral surgery with watchful waiting for moderate symptoms of benign prostatic hyperplasia. The Veterans Affairs Cooperative Study Group on Transurethral Resection of the Prostate. N Engl J Med 1995; 332(2): 75-79.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Gutartige Prostatavergrößerung - Erfahrungsbericht - Dieter

    „Mit der Zeit haben sich die Beschwerden immer weiter verstärkt. Ich musste abends und in der Nacht häufig zur Toilette gehen. Der Harnfluss hat nicht mehr so gut funktioniert. Es gab oft einen Rückstau und der Harn konnte nicht komplett abfließen.“

    Dieter, 60 Jahre

    „Mit der Zeit haben sich die Beschwerden immer weiter verstärkt. Ich musste abends und in der Nacht häufig zur Toilette gehen. Der Harnfluss hat nicht mehr so gut funktioniert. Es gab oft einen Rückstau und der Harn konnte nicht komplett abfließen.“

    Vor etwa vier oder fünf Jahren fing es an, dass ich ab und zu mehr als einmal in der Nacht zur Toilette musste. Von da an haben mein Arzt und ich die Prostata stärker beobachtet, ohne direkt etwas zu unternehmen. Im Laufe der Zeit wurde es jedoch schlechter und ich musste regelmäßig mehr als einmal in der Nacht raus. Das war schon belastend.

    Zuerst haben mein Urologe und ich es weiter ohne Medikamente probiert. Später hat er mich über die medikamentösen Möglichkeiten aufgeklärt. Er hat das sehr gut gemacht. Ich habe mich dann für ein Medikament entschieden, das für einen besseren Harnfluss sorgen sollte. Dieses Medikament schaffte für eine gewisse Zeit eine Erleichterung. Aber es war für mich keine Dauerlösung. Ich habe dieses Medikament etwa zwei Jahre genommen.

    Medikament war für mich keine Dauerlösung

    Mit der Zeit haben sich die Beschwerden immer weiter verstärkt. Ich musste abends und in der Nacht häufig zur Toilette gehen. Der Harnfluss hat nicht mehr so gut funktioniert. Es gab oft einen Rückstau und der Harn konnte nicht komplett abfließen. Dadurch hatte ich häufig Infekte und Entzündungen und musste oft Antibiotika einnehmen. Diese Probleme wurden immer häufiger und der Harndrang trat auch immer plötzlicher auf. Ich nehme nicht so gerne Tabletten ein. Für mich war klar, dass das so kein Dauerzustand sein kann.

    Meine Arbeit ist mir sehr wichtig, ich arbeite sehr gern und auch viel. Durch die Beschwerden und die Medikamente bin ich aber ab und an halbe oder auch ganze Tage ausgefallen. Mit den Medikamenten habe ich mich auch nicht arbeitsfähig gefühlt. Es hat mich genervt, dass ich nicht so arbeiten konnte, wie ich wollte.

    Ich habe mir die Entscheidung für eine OP nicht leicht gemacht

    Ich habe mich dann wieder von meinem Urologen beraten lassen. Er hat mich sehr intensiv über verschiedene Operationsmöglichkeiten aufgeklärt. Zusätzlich habe ich mich im Internet informiert, weil ich alles genau verstehen wollte. Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht. Ich kannte noch einen anderen Urologen, der solche Operationen auch selber durchführt. Mit ihm habe ich mich intensiv beraten. Ich habe mir auch das Krankenhaus angeschaut, in dem die Operation stattfinden sollte und habe mit dem dortigen Chefarzt gesprochen. Ich stand vor der Entscheidung, eine eher klassische Operation oder eine Operation mit Laser oder Wärme durchführen zu lassen. Nach ausführlicher Beratung und einer entsprechenden Empfehlung habe ich mich dann für die eher klassische Operation (Transurethrale Resektion der Prostata (TURP); die Redaktion) entschieden.

    Ein großer Diskussionspunkt für mich war die Möglichkeit, dass ich durch eine solche Operation meine Ejakulationsfähigkeit verlieren könnte. Nach langen und reiflichen Überlegungen habe ich mich entschieden, den Verlust der Ejakulationsfähigkeit in Kauf zu nehmen. Das war nicht leicht für mich. Ich habe die Vor- und Nachteile ausführlich mit meiner Frau besprochen. Das war mir eine große Hilfe. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass eine Operation des Beste für uns ist. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass die Entscheidung gut und richtig war.

    Es dauerte zwei bis drei Monate, bis sich alles wieder eingespielt hatte

    Vor etwa anderthalb Jahren wurde ich dann operiert. Nach der Operation entwickelte sich zunächst alles ganz normal. Aber ich hatte mir eine Infektion eingehandelt und dadurch hat die Heilung etwas länger gedauert. Teilweise war es sehr schmerzhaft. Aber aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass ich alles sehr gut überstanden habe.

    Direkt nach der Operation musste ich noch immer etwa zwei- bis dreimal in der Nacht zur Toilette. Mit der Zeit wurde es aber besser und normalisierte sich. Diese Art Engpass, die Tröpfelei, die ich vorher hatte und das Wachwerden in der Nacht wurden weniger. Insgesamt hat es etwa zwei bis drei Monate gedauert, bis sich alles wieder eingespielt hatte.

    Neben der verlorenen Ejakulationsfähigkeit waren auch die Schmerzen in der innerlichen Operationsnarbe ein Nachteil der Operation. Es fehlt mir durch den Verlust der Ejakulationsfähigkeit zwar etwas, aber der Sex macht trotzdem genauso viel Spaß wie vorher. Ich fühle mich dadurch nicht schlechter. Ich möchte ja auch keine Kinder mehr. Aber ich kann verstehen, wenn das große Ängste auslöst. Ich war vorher auch sehr skeptisch. Aber ich sah für mich keine Alternative. Die Nachteile sind für mich gering gegenüber den Beschwerden vor der Operation. Es wurde ja nicht besser, sondern immer schlechter.

    Ich brauchte nach der Operation einige Zeit, um mich wieder normal in der Öffentlichkeit bewegen zu können. Der Harndrang ist am Anfang sehr stark. Ich konnte nicht in die Stadt gehen, da es jederzeit sein konnte, dass ich binnen fünf Minuten irgendwo eine Toilette brauchen würde. Man kann es nicht kontrollieren.

    Ich wollte mich dennoch bewegen. Nicht weit von mir entfernt gibt es ein Waldgebiet, wo man stundenlang spazieren gehen kann, ohne dass man andere Menschen trifft. Das habe ich gebraucht, weil ich am Anfang etwa alle zehn Minuten hinter einen Baum musste. Aber im Wald ist das ja kein Problem. Die Bewegung und die frische Luft haben mir sehr geholfen.

    Dieser ganze Prozess war psychisch anstrengend

    Nach vier Wochen Krankschreibung bin ich wieder arbeiten gegangen. Am Anfang war es schon anstrengend, da ich doch recht häufig zur Toilette musste. Aber ich hatte mit der Zeit Übung darin bekommen, es so zu steuern, dass ich keine Nachteile durch die Erkrankung bekam. Ich habe zum Beispiel keine Besprechung angesetzt, die länger als eine Stunde dauert. Bei Besprechungen habe ich mich grundsätzlich an die Tür gesetzt, damit ich ganz schnell raus konnte. Das hat gut funktioniert.

    Dieser ganze Prozess um die Erkrankung war psychisch anstrengend und nicht ganz einfach. Da ich ein sehr rationaler Mensch bin, habe ich mir vieles im Kopf klargemacht: Ich werde auf der einen Seite älter, was ja automatisch bedeutet, dass im Körper immer mehr Defekte auftreten. Das ist einfach so. Da kann man Glück oder Pech haben. Ich empfinde es immer noch als Glück, dass meine Erkrankung auf Dauer nicht wirklich Nachteile hat.

    Für mich ist es wichtig zu verstehen, woran die Beschwerden liegen. Wenn ich verstehe, warum ich Schmerzen habe und wo diese herkommen, kann ich damit besser umgehen. Ich hatte in der Vergangenheit auch schon schlechte Erfahrungen mit Ärzten machen müssen. Daraus habe ich gelernt und schaue mir die Ärzte sehr genau an, zu denen ich gehe. Sehr wichtig sind mir menschliche und kommunikative Aspekte. Und ich versuche immer, mehr als eine Meinung zu hören. Das ist für mich und meine Entscheidungsfindung ganz wichtig. Was ich weiter für mich gelernt habe, ist, nicht lange den Helden zu spielen, sondern zum Arzt zu gehen, wenn es mir nicht gut geht.

    Ich habe für mich erkannt, dass es keine schlimme Erkrankung ist, sondern ein unangenehmes Wachsen an der falschen Stelle. Was bei mir auch aufkam, war der Gedanke, dass es Krebs sein könnte und dass die Ärzte es hoffentlich auch richtig diagnostiziert haben. Da hilft es sehr, einen Arzt zu haben, zu dem man Vertrauen hat und mit dem man reden kann. Aber der Gedanke und die Furcht waren bei mir schon da und kommen zwischendurch immer wieder hoch, vor allem auch bei Nachuntersuchungen.

    Der Harnstrahl hat sich bis heute wieder normalisiert. Was geblieben ist, ist ein gewisser Reiz, ein gewisser Harndrang. Der führt manchmal dazu, dass ich nachts noch ab und zu raus muss. Aber das ist im Verhältnis zu der Zeit vor der Operation sehr viel besser. Die ganze Aktion hat sich unbedingt gelohnt.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Gutartige Prostatavergrößerung - Erfahrungsbericht - Karl

    „Mit der Zeit habe ich dann bemerkt, dass ich beim Wasserlassen immer mehr Probleme bekomme. Es funktionierte irgendwie nicht mehr richtig. Es hat länger gedauert und ich musste ein wenig warten, bis das Wasser kam.“

    Karl, 58 Jahre

    „Mit der Zeit habe ich dann bemerkt, dass ich beim Wasserlassen immer mehr Probleme bekomme. Es funktionierte irgendwie nicht mehr richtig. Es hat länger gedauert und ich musste ein wenig warten, bis das Wasser kam.“

    Während einer Vorsorgeuntersuchung hat man bei mir vor einigen Jahren einen erhöhten PSA-Wert festgestellt. Er stieg mit der Zeit immer weiter an und aus diesem Grund hat mich mein Hausarzt zum Urologen geschickt.

    Der Urologe hat eine Biopsie vorgenommen, konnte aber nichts feststellen. Damit war es erledigt und es wurden weiter nur die PSA-Werte überprüft. Nachdem die Werte immer weiter stiegen, bin ich im Jahr 2003 erneut zum Urologen gegangen. Er hat durch Abtasten nun eine deutliche Vergrößerung der Prostata festgestellt. Ich hatte aber bis zu diesem Zeitpunkt keine Schwierigkeiten und habe auch nichts gespürt. Als ich die Diagnose hatte, habe ich mich über die Prostata und eine Prostatavergrößerung informiert.

    Die Prostata hat schon beim Radfahren gedrückt

    Mit der Zeit habe ich dann bemerkt, dass ich beim Wasserlassen immer mehr Probleme bekomme. Es funktionierte irgendwie nicht mehr richtig. Es hat länger gedauert und ich musste ein wenig warten, bis das Wasser kam. Mit der Zeit sind die Beschwerden schlimmer geworden. In der Nacht musste ich dann öfters raus. Manchmal hatte ich auch schon das Gefühl, dass ich zur Toilette muss und dann kam nichts. Ich bin irgendwie nicht mehr von der Toilette heruntergekommen. Man quält sich drei, vier Tröpfchen heraus. Das ging dann aber auch wieder weg. Ich fahre sehr viel Fahrrad und mit der Zeit habe ich die vergrößerte Prostata beim Sitzen auf dem Sattel schon gespürt. Irgendwie hat es gedrückt.

    Im Frühjahr dieses Jahres war der PSA-Wert wieder sehr hoch. Mein Hausarzt hat mich dann erneut zum Urologen geschickt, der mich an eine urologische Klinik überwiesen hat. Dort haben sie eine erneute Biopsie durchgeführt. Sie erfolgte ambulant und normalerweise kann man wohl nach zwei bis drei Stunden wieder nach Hause gehen.

    Bei mir hat es etwas länger gedauert. Ich konnte nach der Biopsie nicht mehr richtig Wasser lassen - ich hatte einen Harnverhalt. Der Druck war sehr stark und schmerzhaft. Man hat mich im Krankenhaus behalten und mir einen Katheter gelegt. Nachdem es nicht besser wurde und es ohne Katheter gar nicht mehr ging, haben sie mir vorgeschlagen, eine Operation durchzuführen. Ein Alternative war ein sogenannter Buffy (Blasendauerkatheter; die Redaktion).

    Medikamenten-Einnahme war mir zu langwierig

    Ich bin kein Fan von Operationen und so schnell lass ich an mir nicht schneiden. Außerdem hatten wir eine Urlaubsfahrt geplant. Aus diesen Gründen habe ich die Operation abgelehnt und mir den Blasenkatheter setzen lassen. Das ging sehr gut und ich konnte am nächsten Tag nach Hause. An dem Katheter war ein kleiner Hahn befestigt und ich konnte meine Blase über den Katheter entleeren. Trotz des Katheters kann man das Wasserlassen aber auch auf natürlichem Weg versuchen.

    Auf Dauer war das jedoch keine Lösung. Mein Urologe hat dann den Restharn gemessen. Der war recht hoch und er hat vorgeschlagen, es mit einem Medikament zu versuchen. Auf dem Beipackzettel und auch im Internet stand, dass man dieses Medikament sehr lange nehmen muss. Mir war das dann im Ganzen zu langwierig und ich habe mich dann doch für die Operation entschieden. Ich habe die möglichen Nebenwirkungen durch die Operation im Kopf ein wenig weggeschoben. Ich habe schon über die Gefahr einer Inkontinenz gelesen, habe es aber verdrängt und gedacht, abwarten und schauen, was passiert. Ich bin schon der eher positive Typ und denke, das geht schon gut!

    Mit einem TURP-Verfahren (Transurethrale Resektion der Prostata; die Redaktion) wurde dann etwas von meiner vergrößerten Prostata abgeschält. Vom Ablauf her war das sehr gut. Ich habe eine Spinalnarkose bekommen und konnte alles während der OP auf einem Monitor mitverfolgen.

    Im Krankenhaus waren andere Patienten mit ähnlichen Problemen. Ich habe viel darüber gesprochen und einiges gelernt. Das, was mich aber gestört hat war, dass alle älter waren als ich. Mich hat es relativ früh erwischt.

    Operation gut überstanden

    Nachdem der Katheter nach der Operation entfernt wurde, habe ich erst wirklich gemerkt, welche Probleme ich beim Wasserlassen hatte. Das war von heute auf morgen um so vieles besser, ich konnte regelrecht die Borke vom Baum pinkeln. Das war ein himmelweiter Unterschied. Am Anfang hatte ich meine Beschwerden gar nicht so mitbekommen, es ging ja ziemlich schleichend. Erst dachte ich, dass das normal ist, wenn man ein wenig älter wird, wenn es nicht mehr so gut geht. Und jetzt ist es plötzlich wieder ganz normal, so wie früher - vier Sekunden und dann fertig. Dann wurde mir so richtig bewusst, welche Einschränkung das war.

    Ich habe am Ende alles gut überstanden. Die Nachteile nach der Operation, wie zum Beispiel das Nachtröpfeln, ließen nach einer Weile wieder nach. Aber so richtig kann ich meinem Schließmuskel nicht mehr trauen, vor allem, wenn ich mich anstrenge. Es kann dann schon mal was in die Hose gehen. Aber das weiß ich und es wird mit der Zeit auch besser. Meine Ejakulation hat sich auch verändert - das ist jetzt einfach so. Ich kann gut damit leben. Ansonsten geht es mir sehr gut. Ich habe keine Schmerzen und treibe wieder viel Sport.

    Bei den rasant gestiegenen PSA-Werten hatte ich Angst, dass es Krebs sein könnte, und wollte das abklären lassen. Vor allem nach der ersten Biopsie habe ich mich gefragt, was ist, wenn es Krebs ist. Ich habe mich dann in das Thema eingelesen und erfahren, dass es gut behandelbar ist, wenn es früh erkannt wird, und da habe ich mir gesagt, dass ich mich nicht verrückt machen lasse.

    Die letzte Biopsie, die mit dem Harnverhalt geendet hat, hätte ich mir eigentlich sparen können. Die Ärzte machen das halt gern und man will dann doch immer die letzte Sicherheit und lässt die Untersuchung machen.

    Meine Frau hat mich sehr unterstützt

    Ich habe das alles mit meiner Frau besprochen. Sie hat mich sehr unterstützt und wir haben uns beide über die Erkrankung informiert. Ich habe dann gesagt, dass die Operation für mich der richtige Weg ist, und sie hat dem zugestimmt.

    Ich treibe sehr gern Sport. Nach der Operation war das einige Wochen nicht möglich. Das hat mich schon ein wenig belastet. Aber jetzt geht es wieder richtig gut. Ich war auch mit dem Katheter im Fitnessstudio. Man zieht sich ja in der Umkleidekabine um und dort wurde ich von anderen Männern darauf angesprochen, dass sie auch schon einen Katheter hatten. Und da wurde mir klar, dass das eigentlich kein Tabuthema mehr ist. Ich habe generell kein Problem, darüber zu sprechen, und ich habe auch auf der Arbeit darüber gesprochen.

    Zwei Ärzte – zwei Meinungen

    Die Ärzte haben manchmal unterschiedliche Auffassungen. Der Urologe hat zu mir gesagt, dass ich zum Operieren noch zu jung sei und es erst mal mit Medikamenten probieren solle. Der Arzt in der Klinik meinte, dass eine Operation das Beste wäre, da ich ja noch so jung sei. So unterschiedlich sind die Auffassungen. Für mich war die Operation der richtige Schritt. Mich hat es gestört und ich wollte es raushaben.

    Jeder muss selbst entscheiden, was das Beste für einen ist. Das ist schwierig, weil Prostataprobleme bei jedem anders ausgeprägt sind. Für mich waren die Tabletten einfach nichts. Der Harnverhalt nach der Biopsie war eine sehr große Beeinträchtigung. Einige sagen auch, dass man gut damit leben kann, öfters in der Nacht aufzustehen und zur Toilette zu gehen oder wenn das Wasserlassen länger dauert. Mir persönlich geht es jetzt viel besser. Für mich war das die beste Lösung.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.