Gesundheitslexikon

Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit

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    Überblick

    Das Hörvermögen von Säuglingen wird routinemäßig direkt nach der Geburt getestet. Ziel ist es, Hörstörungen möglichst früh erkennen und behandeln zu können. Dieses Hörscreening kann vor allem für die sprachliche Entwicklung von Kindern wichtig sein.

    Einleitung

    Wer schwerhörig ist, nimmt Sprache und Geräusche nur eingeschränkt wahr. Wenn das Hörvermögen kaum noch oder gar nicht mehr vorhanden ist, spricht man von „Gehörlosigkeit“ (früher auch „Taubheit“ genannt). Die Betroffenen hören dann vielleicht noch einzelne Geräusche, können aber keine Sprache mehr verstehen.

    Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit treten in jedem Alter auf, sind aber bei älteren Menschen besonders häufig. Hörstörungen können unterschiedliche Ursachen haben, dauerhaft oder vorübergehend sein. Auch die Art der Behandlung, die Möglichkeiten zur Selbsthilfe und der Umgang mit den Beschwerden im Alltag sind je nach Art und Schwere der Hörstörung verschieden.

    Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören Hörgeräte, logopädische Behandlungen oder das Einsetzen einer elektronischen Hörprothese (Cochlea-Implantat).

    Ursachen

    Starker Lärm kann das Trommelfell, das Mittel- und / oder Innenohr schädigen. Solche Schäden sind meist vorübergehend, es können aber Beeinträchtigungen zurückbleiben. Eine chronische Lärmschwerhörigkeit kann auch von geringeren Lautstärken verursacht werden, wenn das Gehör ihnen regelmäßig ausgesetzt ist.

    Angeborene Beeinträchtigungen des Hörvermögens sind selten: Weniger als 3 von 1000 Neugeborenen haben eine mittelgradige oder stärkere Hörstörung. Die allermeisten von ihnen können etwas schlechter hören, sind aber nicht gehörlos. Eine Hörschädigung kann sich bei Kindern auch als Folge von Erkrankungen, etwa wiederholten oder schweren Mittelohrentzündungen, entwickeln.

    Die genauen Ursachen der Altersschwerhörigkeit sind noch nicht geklärt. Man vermutet, dass diese Form der Schwerhörigkeit durch altersbedingte Veränderungen im Innenohr und im Gehirn verursacht wird.

    Früherkennung

    Das Hörvermögen von Säuglingen wird routinemäßig direkt nach der Geburt getestet, um angeborene Hörstörungen möglichst früh zu erkennen. Denn wenn ein Baby nicht richtig hört, kann sein Hörvermögen dauerhaft eingeschränkt bleiben. Es lernt dann möglicherweise später sprechen als andere Kinder.

    Wenn eine Hörstörung bekannt ist, kann sie so schnell wie möglich behandelt werden. Dies kann helfen, die sprachliche Entwicklung des Kindes zu verbessern.

    Quellen

    Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP). S2k-Leitlinie: Periphere Hörstörungen im Kindesalter. AWMF-Registernr.: 049-010. 09.2013.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Welchen Nutzen haben Hörtests bei Neugeborenen?

    Durch die Reihenuntersuchung (Screening) für alle Neugeborenen können Hörstörungen bei Säuglingen früh erkannt und behandelt werden. Dies kann die sprachliche Entwicklung von Kindern mit Hörstörungen verbessern.

    Wenn ein Kind schlecht hört, lernt es oft später sprechen als andere Kinder. Dies kann wiederum seine Lernfähigkeit und allgemeine persönliche und soziale Entwicklung beeinträchtigen. Man hofft, dass die frühe Behandlung einer angeborenen Hörstörung, zum Beispiel mit einem Hörgerät, solchen Folgen vorbeugen kann. Um Hörprobleme möglichst früh erkennen und behandeln zu können, wird bei allen Neugeborenen routinemäßig ein Hörtest (Hörscreening) gemacht. Bei den leicht durchzuführenden, schmerzfreien Tests wird geprüft, ob das Innenohr eines Babys den Schall richtig aufnimmt und die Übertragung der Schallsignale ins Gehirn richtig funktioniert.

    Analyse der Ergebnisse von Neugeborenen-Hörscreenings

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) haben zusammen mit Forschern aus England und des deutschen Cochrane Zentrums untersucht, welchen Nutzen ein routinemäßiges Hörscreening für Neugeborene hat. Sie wollten insbesondere wissen,

    • wie viele Babys mit Hörstörung durch ein regelmäßiges Screening zusätzlich erkannt werden können,
    • ob eine frühere Behandlung von Babys mit Hörstörung kurz- oder langfristig wirksamer ist als eine spätere, und
    • ob sich das Screening und eine möglicherweise anschließende Behandlung direkt auf die persönliche und schulische Entwicklung der Kinder sowie auf deren Lebensqualität auswirken.

    Ein Screening ist zum Beispiel dann sinnvoll, wenn sich herausstellt, dass eine frühe Behandlung für die Kinder vorteilhaft ist. Sollte eine frühe Behandlung jedoch keinen Unterschied bedeuten oder sogar bestimmte Risiken haben, würde ein Screening keinen Sinn ergeben.

    Studien zu Screening und früher Behandlung

    Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben nach geeigneten Studien gesucht. Am aussagekräftigsten sind Studien, bei denen Forscherinnen und Forscher die Entwicklung zweier Gruppen von Kindern – eine, in der die Kinder getestet und eine, in der sie nicht getestet wurden – über längere Zeit verfolgen und so die Auswirkungen der Tests vergleichen können.

    Die Forscherinnen und Forscher fanden zwei vergleichende Studien, in denen man Kinder aus unterschiedlichen Regionen oder zu verschiedenen Zeiten untersucht hatte. Die eine wurde in England, die andere in den USA durchgeführt. Vier weitere Studien verglichen den Nutzen einer frühen Behandlung von Hörstörungen mit einer späteren. Die Qualität vieler dieser Studien war allerdings nicht gut genug, um verlässliche Antworten auf die Frage zu geben, welche Folgen ein routinemäßiges Hörscreening hat.

    Ergebnisse der Screeningprogramme und der frühen Therapie

    Es gab nur zwei Studien zu Screeningprogrammen. Keine davon war eine randomisierte kontrollierte Studie. Diese Studien können am verlässlichsten Auskunft über den Nutzen von Untersuchungen oder Behandlungen geben. In vier Studien wurde eine frühe Behandlung mit einer späteren verglichen. Zusammen weisen sie darauf hin, dass eine frühe Diagnose und ein Screening Kindern mit einem angeborenen Hörverlust helfen könnten.

    Ein Screeningprogramm wurde in den USA, das andere in England durchgeführt. Die Studien und auch die jeweiligen Programme waren sehr verschieden. Die Untersuchungen zeigen aber, dass eine Hörstörung bei einem Neugeborenen-Screening meist viel früher diagnostiziert wird als ohne routinemäßiges Screening. Die englische Untersuchung zeigte beispielsweise folgendes Ergebnis:

    • Bei 3 von 10 schwerhörigen Kindern, die nicht direkt nach der Geburt untersucht worden waren, wurde die Hörstörung innerhalb der ersten neun Monate nach Geburt erkannt.
    • Bei 7 von 10 schwerhörigen Säuglingen, die direkt nach der Geburt untersucht worden waren, wurde die Hörstörung innerhalb der ersten neun Monate nach Geburt erkannt.

    Das frühe Hörscreening konnte also bei zusätzlich 4 von 10 Säuglingen frühzeitig eine Hörstörung erkennen.

    Wie wichtig ist eine frühe Diagnose?

    Die Untersuchungen zeigten, dass Kinder, deren Hörstörung durch ein Screening festgestellt wurde, sich zu Beginn sprachlich besser entwickelten als Kinder, deren Hörstörung erst spät erkannt wurde. Dieser Hinweis wird in den vier Studien bestätigt, in denen früh behandelte Kinder mit spät behandelten Kindern verglichen wurden. Verschiedene Therapien wurden untersucht, insbesondere gezielte Schulungen oder der Einsatz von Hörgeräten. Wie sich ein Neugeborenen-Hörscreening langfristig auf andere für die Kinder wichtige Bereiche auswirkt, etwa die schulische Entwicklung, das psychische Wohlbefinden und die Lebensqualität, ist bisher nicht ausreichend untersucht.

    Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG kamen zu folgendem Schluss: Ein allgemeines Hörscreening für Neugeborene kann die Chancen verbessern, dass ein Kind mit einem angeborenen Hörverlust früher diagnostiziert und behandelt wird, als wenn es nicht an einem Screening teilnimmt. Dies kann die frühe sprachliche Entwicklung von Kindern mit Hörstörungen verbessern. Es ist jedoch nicht sicher, welche längerfristigen Auswirkungen dies für die untersuchten Kinder hat, weil es nicht genug gute Studien gibt, die den Einfluss einer frühen Diagnose und Behandlung auf die Hörstörung von Babys untersuchten.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Früherkennungsuntersuchung von Hörstörungen bei Neugeborenen: Abschlussbericht; Auftrag S05-01. 28.02.2007. (IQWiG-Berichte; Band 19).

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Normales Hören und Schwerhörigkeit

    Die Hörschnecke im Innenohr ist unser eigentliches Hörorgan. Es ist darauf spezialisiert, Schallwellen aufzunehmen und ans Gehirn weiterzuleiten. Das funktioniert beim normalen Hören reibungslos.

    Die Ohren nehmen Schallwellen auf und wandeln sie in Signale um, die die Nerven an das Gehirn weiterleiten. Erst hier werden sie bewertet, als Geräusche wahrgenommen und zugeordnet: zum Beispiel als leise Musik, lautes Hupen oder menschliche Stimme.

    Schallwellen werden durch die Bewegung eines Körpers ausgelöst, zum Beispiel durch das Schwingen einer Gitarrensaite oder die Vibration einer Lautsprechermembran. Ob wir ein Geräusch hören, hängt sowohl von der Stärke des Schalls („Schallpegel“ oder „Schalldruckpegel“) als auch von der Frequenz der Schwingungen ab.

    Die Hörschnecke im Innenohr ist unser eigentliches Hörorgan. Es ist darauf spezialisiert, Schallwellen aufzunehmen und ans Gehirn weiterzuleiten. Das funktioniert beim normalen Hören reibungslos.

    Die Ohren nehmen Schallwellen auf und wandeln sie in Signale um, die die Nerven an das Gehirn weiterleiten. Erst hier werden sie bewertet, als Geräusche wahrgenommen und zugeordnet: zum Beispiel als leise Musik, lautes Hupen oder menschliche Stimme.

    Schallwellen werden durch die Bewegung eines Körpers ausgelöst, zum Beispiel durch das Schwingen einer Gitarrensaite oder die Vibration einer Lautsprechermembran. Ob wir ein Geräusch hören, hängt sowohl von der Stärke des Schalls („Schallpegel“ oder „Schalldruckpegel“) als auch von der Frequenz der Schwingungen ab.

    Was bedeuten Dezibel und Hertz?

    Der Schalldruckpegel bestimmt die Lautstärke eines Geräuschs. Je höher er ist, desto lauter wird ein akustischer Reiz empfunden. Die Maßeinheit für den Schalldruckpegel ist das Dezibel (dB). Der Ausdruck Dezibel kommt von dem Wort Dezi (ein Zehntel) und dem Eigennamen Bell nach dem Erfinder der Maßeinheit Alexander Graham Bell.

    Die Frequenz bezeichnet die Tonhöhe eines Schallereignisses. Sie wird in Hertz (Hz) angegeben und ist nach dem deutschen Physiker Heinrich Rudolf Hertz benannt. Die Frequenz gibt an, wie oft der Schall pro Sekunde schwingt: 20 Hertz bedeutet zum Beispiel 20 Schwingungen in der Sekunde. Diese sehr langsame Schwingung ist gerade noch als sehr tiefer Ton hörbar. Je höher die Frequenz ist, umso höher wird ein Ton wahrgenommen.

    Was hören wir?

    Damit wir ein Geräusch überhaupt wahrnehmen können, muss es eine bestimmte Schwelle überschreiten, die sogenannte Hörschwelle. Die Hörschwelle für menschliche Ohren liegt bei 0 Dezibel. Ist die Hörschwelle überschritten, wird das Geräusch mit zunehmendem Schalldruckpegel als lauter empfunden. Geräusche ab 90 dB können zu chronischen Hörschäden führen, wenn man ihnen täglich oder dauerhaft ausgesetzt ist. Steigt der Schalldruckpegel über 110 Dezibel, wird das Hören unangenehm (Unbehaglichkeitsschwelle), über 130 Dezibel schmerzhaft (Schmerzschwelle).

    Die folgende Liste zeigt Beispiele für die Lautstärke bestimmter Geräusche. Eine Erhöhung der Lautstärke um jeweils 10 Dezibel wird von den meisten Menschen als „doppelte Lautstärke“ wahrgenommen.

    • ländliche Ruhe: 20 dB
    • leises Gespräch: 40 dB
    • normales Gespräch: 60 dB
    • Straßenlärm: 80 dB
    • Industrielärm: 100 dB
    • sehr laute Musik, zum Beispiel Rock-Konzert oder Disko: 120 dB
    • Donner in der Nähe: 120 dB
    • Düsentriebwerk: 140 dB

    Geräusche, die über 130 dB ansteigen, können zu akuten Hörschäden führen.

    Grafik: Lautstärken und Hörschwellen - wie im Text beschrieben Abbildung: Lautstärken und Hörschwellen

    Was bedeutet Schwerhörigkeit oder Hörstörung?

    Wenn jemand schwer hört, funktioniert sein Gehör nur eingeschränkt. Hörstörungen können dauerhaft oder vorübergehend, krankheitsbedingt oder angeboren sein. Häufig treten sie bei älteren Menschen auf.

    Ein Hörverlust bis 20 Dezibel, ausgehend von der Hörschwelle, wird noch als Normalhörigkeit bezeichnet. Bei einem stärkeren Hörverlust unterscheidet man in der Regel:

    • leichte Schwerhörigkeit: Hörverlust von 20 bis 40 Dezibel.
    • mittelgradige Schwerhörigkeit: Hörverlust von 41 bis 60 Dezibel.
    • hochgradige Schwerhörigkeit: Hörverlust von 61 bis 80 Dezibel.
    • Resthörigkeit oder Gehörlosigkeit (Taubheit): Hörverlust größer als 81 Dezibel.

    Ein Hörverlust von 40 Dezibel oder mehr wird auch als „Hörstörung“ bezeichnet.

    Wann kann Lärm unser Gehör schädigen?

    Das Gehör nimmt ständig akustische Reize auf – darunter auch solche, die schädlich sein können. Akute Lärmschäden können auftreten, wenn die Schallintensität 140 Dezibel überschreitet, zum Beispiel bei einer Explosion. Schädigt die Schallwelle das Trommelfell, das Mittel- und / oder Innenohr, ist ein sogenanntes Schalltrauma die Folge. Solche Schäden sind meist vorübergehend, es können aber Beeinträchtigungen zurückbleiben. Eine chronische Lärmschwerhörigkeit kann auch von geringeren Lautstärken (ab etwa 90 dB) verursacht werden, wenn das Gehör ihnen regelmäßig ausgesetzt ist. Beispiele hierfür sind Hörschäden durch häufiges lautes Musikhören (etwa über Kopfhörer) oder die Arbeit an Pressluftbohrern ohne ausreichenden Gehörschutz.

    Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Gehör vor Lärm zu schützen: Bei gelegentlichem Lärm können Schaumstoff-Ohrstöpsel Schutz bieten. Eine Alternative ist der Kapselgehörschutz (Lärmschutz-Kopfhörer, oft auch „Micky Maus“ genannt). Er umschließt beide Ohren vollständig und lässt sich leicht an- und ablegen. Bei der Arbeit an lauten Maschinen, etwa in der Industrie oder beim Straßenbau, ist das Tragen eines Gehörschutzes Pflicht.

    Warum verschlechtert sich das Hören im Alter?

    Schwerhörigkeit ist eine sehr häufige Alterserscheinung. Sie betrifft etwa 25 bis 40 von 100 Menschen über 65 Jahren. Die Hälfte der Menschen über 75 Jahre und 80 % der 80-Jährigen ist schwerhörig. Dabei ist das Sprachverstehen meist stärker betroffen als das Tongehör, und hohe Frequenzen werden schlechter gehört als tiefe. Daher fällt es Menschen mit Altersschwerhörigkeit besonders in lauterer Umgebung schwer, Gespräche zu verstehen.

    Die genauen Ursachen der Altersschwerhörigkeit sind noch nicht geklärt. Man vermutet, dass diese Form der Schwerhörigkeit durch altersbedingte Veränderungen im Innenohr und Gehirn verursacht wird.

    Es gibt verschiedene schallverstärkende Hörhilfen, die das Hörvermögen verbessern und es so ermöglichen, Gespräche zu verstehen. Alle filtern vor allem die Sprache aus den Umgebungsgeräuschen. Hörgeräte werden individuell an die Bedürfnisse ihres Trägers angepasst. Sie können hinter dem Ohr getragen werden oder – kaum sichtbar – im Gehörgang.

    Quellen

    Bance M. Hearing and aging. CMAJ 2007; 176(7): 925-927.

    Thews G, Mutschler E, Vaupel P. Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie des Menschen. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 1999.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Hörtests bei Neugeborenen

    Bei Neugeborenen wird routinemäßig das Hörvermögen getestet, um Hörstörungen möglichst frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Dies kann helfen, die sprachliche Entwicklung von Kindern mit Hörstörungen zu verbessern.

    Fast alle Babys hören gut: 997 von 1000 Kindern kommen mit einem normal entwickelten Hörvermögen zur Welt. Bis zu 3 von 1000 Neugeborenen haben eine mittelgradige oder stärkere Hörstörung. Die meisten dieser Kinder können etwas schlechter hören, sind aber nicht gehörlos. Ohne eine frühzeitige Untersuchung würden Hörstörungen oft erst erkannt, wenn ein Kind zwischen 2 und 4 Jahre alt ist. Hörtests nach der Geburt können aber nicht alle Kinder mit Hörproblemen erfassen, da manche Störungen erst später auftreten.

    Bei Neugeborenen wird routinemäßig das Hörvermögen getestet, um Hörstörungen möglichst frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Dies kann helfen, die sprachliche Entwicklung von Kindern mit Hörstörungen zu verbessern.

    Fast alle Babys hören gut: 997 von 1000 Kindern kommen mit einem normal entwickelten Hörvermögen zur Welt. Bis zu 3 von 1000 Neugeborenen haben eine mittelgradige oder stärkere Hörstörung. Die meisten dieser Kinder können etwas schlechter hören, sind aber nicht gehörlos. Ohne eine frühzeitige Untersuchung würden Hörstörungen oft erst erkannt, wenn ein Kind zwischen 2 und 4 Jahre alt ist. Hörtests nach der Geburt können aber nicht alle Kinder mit Hörproblemen erfassen, da manche Störungen erst später auftreten.

    Welche Folgen hat eine Hörstörung bei Neugeborenen?

    Wenn ein Baby nicht richtig hört, werden die Hirnzellen, die für das Gehör zuständig sind, nur wenig beansprucht. Es kann sein, dass sie sich dadurch nicht richtig entwickeln. Vielleicht bleibt das Hörvermögen dann dauerhaft eingeschränkt, was sich später nur noch schwer ausgleichen lässt. Wenn ein Kind schlecht hört, lernt es möglicherweise später sprechen als andere Kinder, was wiederum seine Lernfähigkeit sowie seine persönliche und soziale Entwicklung beeinträchtigen kann.

    Wie kann man eine Hörstörung feststellen?

    Bei Säuglingen ist es schwierig zu beurteilen, ob ihr Gehör in Ordnung ist. Im Gegensatz zu älteren Kindern können sie noch nicht aktiv an Tests mitwirken, bei denen ihre Reaktion auf Töne und Geräusche geprüft wird. Bei den „objektiven“ Testmethoden, die auch beim Neugeborenen-Hörscreening eingesetzt werden, braucht ein Kind noch nicht einmal wach zu sein. Deshalb eignen sich besonders zwei Verfahren zur Untersuchung von Neugeborenen:

    • die Messung der otoakustischen Emissionen und
    • die Hirnstammaudiometrie.

    Diese Tests sind völlig schmerzfrei und können gemacht werden, während das Baby schläft. In Deutschland werden Neugeborenen-Hörscreenings routinemäßig in allen Krankenhäusern angeboten.

    Was sind otoakustische Emissionen und wie werden sie gemessen?

    Die Messung der otoakustischen Emissionen funktioniert nach dem Prinzip eines Echos: Es wird eine kleine Sonde in den äußeren Gehörgang eingeführt, die wiederholt einen leisen Klickton abgibt. Die Schallwellen dieser Töne setzen sich ins Innenohr fort, bis zur Hörschnecke mit ihren feinen Haarzellen. Normalerweise „antworten“ diese Zellen mit Schwingungen, deren Schallwellen vom Innenohr wieder zurück ins äußere Ohr übertragen werden. Dort misst ein an der Sonde befestigtes winziges Mikrofon, wie stark diese Schallwellen sind. Bleibt das Signal aus oder ist es sehr schwach, kann die Schallaufnahme in der Hörschnecke gestört sein. Die Ursache ist häufig, dass die Haarzellen nicht richtig funktionieren.

    Ein auffälliges Messergebnis bedeutet nicht unbedingt, dass das Baby schwerhörig ist. Zum Beispiel kann die Signalaufnahme verzerrt werden, wenn das Kind unruhig ist, Flüssigkeit im Ohr hat oder Hintergrundgeräusche stören. Die otoakustischen Emissionen sagen zudem nichts darüber aus, wie stark das Hörvermögen eingeschränkt ist. Der Test ist zwar relativ genau, aber es kann vorkommen, dass eine Hörstörung nicht erkannt wird. Ein solches Testergebnis nennt man auch „falsch negativ“.

    Manchmal werden Neugeborene mit normaler Hörfähigkeit durch eine Messung der otoakustischen Emissionen auch falsch diagnostiziert: Obwohl sie gut hören können, wird irrtümlich eine Schwerhörigkeit festgestellt. Ein solches Testergebnis nennt man „falsch-positiv“. Mit Folgeuntersuchungen können Fehldiagnosen dieser Art meistens schnell berichtigt werden.

    Die Messung der otoakustischen Emissionen ist nicht aufwendig und nach wenigen Minuten beendet. Sie findet in ruhiger Umgebung statt und möglichst dann, wenn das Baby völlig entspannt ist oder schläft. Wenn das Kind zum Beispiel Sauggeräusche macht, kann das die Messung behindern.

    Wie funktioniert die Hirnstammaudiometrie?

    Durch diese Messung lässt sich feststellen, ob die Übertragung der Schallsignale ins Gehirn richtig funktioniert. Die sogenannte Hirnstammaudiometrie ist eine spezielle Elektroenzephalografie (EEG) – ein Verfahren, das die elektrischen Aktivitäten des Gehirns misst. Vor der Messung werden am Scheitel und hinter den Ohren des Kindes zunächst kleine Plättchen (Elektroden) auf die Haut geklebt. Es bekommt dann eine Art Kopfhörer aufgesetzt, über den Klickgeräusche zum Innenohr gesendet werden. Über die Elektroden wird geprüft, ob die Schallwellen als elektrische Impulse aus dem Innenohr im Gehirn ankommen. Ist die Signalübertragung gestört, weist das auf ein eingeschränktes Hörvermögen hin.

    Auch dieser Test erfordert eine ruhige Umgebung. Je aktiver und wacher das Kind ist, desto mehr elektrische Signale produziert sein Gehirn, und es wird schwierig, die Signale der Hörnerven von diesen zu unterscheiden. Deshalb ist es am besten, wenn das Baby während der Untersuchung schläft.

    Zusammen mit der Messung der otoakustischen Emissionen kann die Hirnstammaudiometrie helfen zu unterscheiden, ob eine Hörstörung durch eine Schädigung im Innenohr oder des Hörnervs verursacht wird.

    Welche Vorteile haben solche Tests direkt nach der Geburt?

    Das Krankenhaus bietet die besten Voraussetzungen, um möglichst viele Kinder direkt nach der Geburt untersuchen zu können.

    Zu einem so frühen Zeitpunkt wird zwar noch kein Baby behandelt. Wird eine Hörstörung bei einem Kind aber schon sehr früh erkannt, kann dies helfen, sein Verhalten besser zu verstehen und nicht falsch zu interpretieren – zum Beispiel, wenn es auf Ansprache kaum reagiert. Eine Hörstörung kann zudem erst später auftreten, zum Beispiel durch eine Infektion im Kleinkindalter. Deshalb ist es auch nach einem unauffälligen Testergebnis wichtig, darauf zu achten, ob ein Kind gut hört.

    Wenn eine Hörstörung bekannt ist, kann sie so früh wie möglich behandelt werden. So gibt es Hinweise, dass Kinder, deren Hörstörung in einem Neugeborenen-Hörscreening festgestellt wurde, sich sprachlich besser entwickeln als Kinder, die erst spät diagnostiziert wurden. Man weiß noch zu wenig darüber, wie sich eine frühe Diagnose langfristig auf das psychische Wohlbefinden und die Lebensqualität der Kinder auswirkt. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören Hörgeräte, eine logopädische Behandlung und gezielte Schulungen. In bestimmten Fällen wird auch eine elektronische Hörprothese (ein Cochlea-Implantat) operativ eingesetzt.

    Quellen

    Crockett R, Wright AJ, Uus K, Bamford J, Marteau TM. Maternal anxiety following newborn hearing screening: the moderating role of knowledge. J Med Screen 2006; 13(1): 20-25.

    Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP). S2k-Leitlinie: Periphere Hörstörungen im Kindesalter. AWMF-Registernr.: 049-010. 09.2013.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Früherkennungsuntersuchung von Hörstörungen bei Neugeborenen: Abschlussbericht; Auftrag S05-01. 28.02.2007. (IQWiG-Berichte; Band 19).

    Morzaria S, Westerberg BD, Kozak FK. Systematic review of the etiology of bilateral sensorineural hearing loss in children. Int J Pediatr Otorhinolaryngol 2004; 68(9): 1193-1198.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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