Gesundheitslexikon

Hüftarthrose (Coxarthrose)

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    Eine Hüftarthrose beginnt in der Regel schleichend. Das erste Anzeichen sind oft Schmerzen in Hüfte und Leiste bei Bewegung – vor allem, wenn man über 45 Jahre alt ist. Die wichtigsten Behandlungen sind Bewegung und Physiotherapie und Schmerzmittel, sowie bei fortgeschrittener Arthrose ein Gelenkersatz.

    Einleitung

    Bei einer Hüftarthrose wird die schützende Knorpelschicht der Knochen im Hüftgelenk dünner. Dadurch steigt die Druckbelastung der Knochen, und mit der Zeit lässt die Beweglichkeit des Gelenks nach. Das erste Anzeichen für eine Hüftarthrose sind oft Schmerzen im Hüft- und Leistenbereich bei Bewegung – vor allem, wenn man über 45 Jahre alt ist.

    Eine Hüftarthrose kann sehr unterschiedlich verlaufen. Viele Menschen haben über lange Zeit nur leichte Beschwerden, mit denen sie gut zurechtkommen. Manchmal schreitet die Erkrankung aber auch schnell voran und kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

    Die wichtigsten Behandlungen bei Hüftarthrose sind Bewegung und Physiotherapie, entzündungshemmende Schmerzmittel und – bei starkem Übergewicht – eine Gewichtsabnahme.

    Wenn eine Hüftarthrose fortschreitet und zu immer mehr und stärkeren Schmerzen, Schlafproblemen und Einschränkungen im Alltag führt, kommt ein Gelenkersatz infrage.

    Symptome

    Eine Hüftarthrose beginnt in der Regel schleichend, über mehrere Monate oder sogar Jahre. Zunächst schmerzt das Gelenk oft nur bei Belastung oder auch am Ende eines anstrengenden Tages. Typisch sind Schmerzen beim Gehen und Treppensteigen, außerdem beim Bewegen des (angezogenen) Oberschenkels nach innen – zum Beispiel beim Übereinanderschlagen der Beine. Die Schmerzen können selten aber auch ins Gesäß oder zur Innenseite des Oberschenkels, manchmal sogar bis ins Knie ausstrahlen.

    Nach längerer Ruhepause kann sich das Hüftgelenk für bis zu 30 Minuten etwas steif anfühlen, zum Beispiel morgens. Länger andauernde Morgensteifigkeit spricht eher für eine andere Erkrankung, wie zum Beispiel eine rheumatische Gelenkentzündung. Wenn die Hüfte auch in Ruhe oder nachts schmerzt, ist die Arthrose meist schon fortgeschritten.

    Veränderungen am Knochen und Verformungen des Hüftkopfs können die Beweglichkeit einschränken und zum Beispiel das Anziehen von Strümpfen oder die Fußpflege erheblich erschweren. Wenn die Arthrose fortschreitet, kann sie zu starken Einschränkungen im Beruf, bei der Haushaltsführung, bei Freizeitaktivitäten und im Sozialleben führen. Diese Alltagsfolgen sind bei einer Hüftarthrose oft die größte Belastung.

    Ursachen und Risikofaktoren

    In einem gesunden Hüftgelenk sind sowohl der Hüftkopf des Oberschenkelknochens als auch die Gelenkpfanne des Beckenknochens mit Knorpel überzogen. Zu Hüftarthrose kann es kommen, wenn der Gelenkknorpel abnutzt. Er weicht auf, wird rissig und verliert schließlich an Substanz. Umgangssprachlich wird Arthrose auch „Gelenkverschleiß“ genannt.

     

    Grafik: links gesundes Hüftgelenk, rechts mit fortgeschrittener Arthrose links gesundes Hüftgelenk, rechts mit fortgeschrittener Arthrose

     

    Gesunder Gelenkknorpel ist sehr widerstandsfähig und bietet den Knochen geschmeidige Gleitflächen, die reibungsarme Bewegungen ermöglichen. Da sich Knorpelzellen kaum nachbilden können, kann sich der Knorpel nicht so gut selbst erneuern wie andere Gewebe. Einmal entstandene Schäden bleiben deshalb in der Regel bestehen.

    Hüftarthrose kann durch verschiedene Faktoren begünstigt werden, unter anderem:

    • familiäre Veranlagung
    • angeborene Fehlstellungen der Hüfte (Hüftdysplasien)
    • seltene angeborene Hüfterkrankungen
    • starkes Übergewicht
    • schwere körperliche Arbeit, zum Beispiel auf dem Bau
    • Sportarten mit intensiven Stoßbelastungen wie Fußball oder Handball
    • entzündliche Gelenkerkrankungen wie rheumatoide Arthritis
    • frühere Hüftverletzungen, zum Beispiel Knochenbrüche im Bereich des Hüftgelenks oder ein ausgerenktes Hüftgelenk
    • das sogenannte Hüftimpingement: Hierbei führen knöcherne Auswüchse am Gelenk zu Engstellen zwischen Hüftkopf und Gelenkpfanne

    Meist spielen bei der Entstehung einer Hüftarthrose mehrere Faktoren eine Rolle.

    Häufigkeit

    Wie viele Menschen in Deutschland eine Hüftarthrose haben, ist nicht genau bekannt. Nach Schätzungen aus anderen Ländern haben bis zu 20 % der Menschen über 50 Jahre auf Röntgenbildern sichtbare Anzeichen einer Hüftarthrose. Aber nur 5 % der Menschen über 50 haben auch Beschwerden. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

    Verlauf

    Die Gelenke verändern sich bei jedem Menschen im Laufe des Lebens: Der Knorpel wird dünner und der Gelenkspalt schmaler. Dadurch sind die Knochen nicht mehr so gut vor Druckbelastungen geschützt. Sie reagieren darauf, indem sie neue Knochensubstanz bilden, die dann als Knochen-Neubildungen (sogenannte Knochenspangen oder Osteophyten) im Röntgenbild sichtbar werden.

    Verschleiß- und Reparaturvorgänge am Knochen können sich viele Jahre lang ausgleichen. Veränderungen am Gelenk führen daher nicht zwangsläufig zu Beschwerden. Man schätzt, dass etwa drei Viertel aller Menschen mit im Röntgenbild sichtbarer Arthrose gar keine oder kaum Symptome entwickeln. Dann handelt es sich um eine Altersveränderung, die nicht behandelt werden muss.

    Wie eine Hüftarthrose verläuft, lässt sich nicht sicher vorhersagen. In einer großen niederländischen Studie wurden Menschen mit Hüftarthrose fünf Jahre lang regelmäßig untersucht, um den Verlauf der Erkrankung zu beobachten. Dort hatten etwa

    • 40 % leichte, über die fünf Jahre relativ gleichbleibende Schmerzen;
    • 20 % mittelstarke, ebenfalls relativ gleichbleibende Schmerzen;
    • 25 % mittelstarke Schmerzen, die im Laufe der fünf Jahre stärker wurden, und
    • 15 % andauernde starke Schmerzen.

    Die Schmerzen können auch in Schüben auftreten: Dann wechseln sich Phasen stärkerer Beschwerden mit beschwerdefreien oder beschwerdearmen Phasen ab. Nicht immer bedeutet eine Arthrose, dass die Hüfte irgendwann so stark geschädigt ist, dass sie operiert werden muss.

    Diagnose

    Häufig kann die Ärztin oder der Arzt eine Hüftarthrose anhand von typischen Symptomen feststellen. Dazu fragt sie oder er, seit wann die Schmerzen bestehen, wie sie sich anfühlen und wann sie auftreten – zum Beispiel nur bei Bewegung oder auch in Ruhe. Typisch ist der sogenannte Anlaufschmerz, der nach längeren Bewegungspausen auftritt und durch Bewegung schnell verschwindet. Auch nach weiteren Beschwerden wie Morgensteifigkeit sowie nach früheren Verletzungen wird gefragt.

    Die Ärztin oder der Arzt tastet dann das Gelenk ab und untersucht, wie beweglich es ist, betrachtet den Gang und prüft, ob das Becken schief steht oder die Beine eine unterschiedliche Länge haben.

    Durch eine Röntgenuntersuchung im Stehen werden typische Veränderungen sichtbar: So deutet ein schmaler Gelenkspalt auf eine Arthrose hin. Zudem kann das Röntgenbild Veränderungen am Knochengewebe zeigen, wie zum Beispiel Osteophyten, Knochenverhärtungen und Verformungen des Hüftkopfs. Nur selten ist zusätzlich ein Ultraschall, eine Computertomografie oder Magnetresonanztomografie nötig.

    Wenn der Verdacht auf eine andere Erkrankung wie etwa rheumatoide Arthritis besteht, können weitere Untersuchungen wie die Bestimmung von Blutwerten sinnvoll sein. Mögliche Anzeichen für eine andere Erkrankung sind zum Beispiel Rötungen, Schwellungen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle.

    Behandlung

    Wie eine Hüftarthrose behandelt wird, hängt vor allem davon ab, wie stark und belastend die Beschwerden sind. Das Stadium der Erkrankung, der sonstige Gesundheitszustand und persönliche Aspekte wie der Beruf und die Erwartungen an die Behandlung spielen ebenfalls eine Rolle.

    Die Wirksamkeit vieler Methoden zur Behandlung von Hüftarthrose ist bisher nur unzureichend untersucht – im Gegensatz zu Behandlungen bei Kniearthrose. Daher orientiert sich die Behandlung teilweise an Methoden, die bei Kniearthrose nachweislich helfen können.

    Zu den empfohlenen Behandlungen gehören:

    • flache, gut dämpfende und bequem sitzende Schuhe
    • Übungen zur Stärkung der Muskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und des Gleichgewichtssinns
    • Wassergymnastik
    • entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) zum Einnehmen
    • bei starkem Übergewicht eine Gewichtsabnahme

    Sich trotz Schmerzen zu bewegen und Sport zu treiben, ist für manche Menschen nur schwer vorstellbar. Einige befürchten, ihren Gelenken dadurch zusätzlich zu schaden. Dem ist aber nicht so, im Gegenteil: Studien zeigen, dass regelmäßiges Kräftigungs-, Beweglichkeits- und Ausdauertraining die Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern kann. Möglicherweise lässt sich dadurch sogar eine Hüftoperation etwas hinauszögern. Auch wenn die Gelenke wehtun, ist es in der Regel sinnvoll, in Bewegung zu bleiben. Wichtig ist, geeignete Übungen und Sportarten auszuwählen.

    Vor allem, wenn Bewegungstraining und Schmerzmittel die Beschwerden nicht ausreichend lindern können und sie den Alltag und die Lebensqualität stark beeinträchtigen, kommt ein künstliches Hüftgelenk infrage (auch Hüft-Total-Endoprothese genannt, kurz Hüft-TEP). Ein künstliches Hüftgelenk kann die Beschwerden bei über 90 % der Menschen deutlich bessern. Nach der Operation ist eine aktive Rehabilitation wichtig – und Geduld, bis man sich an das neue Gelenk gewöhnt und der Körper sich von dem Eingriff erholt hat.

    Für viele andere Behandlungen ist nicht nachgewiesen, dass sie helfen – dazu gehören unter anderem:

    • Kortisonspritzen
    • Hyaluronsäure-Spritzen
    • Glättung des Knorpels im Rahmen einer Hüftspiegelung (Arthroskopie)
    • Nahrungsergänzungsmittel, zum Beispiel mit Chondroitin, Glucosamin oder Vitaminen
    • pflanzliche Präparate, zum Beispiel auf Basis von Teufelskralle oder Brennnesseln
    • Homöopathie
    • Lebensmittel oder Lebensmittelextrakte zum Beispiel auf Basis von Soja oder Avocado
    • Ultraschall-Therapien
    • Goldimplantation
    • Röntgenreizbestrahlung (auch: Orthovolttherapie): Hierbei wird das Gelenk über mehrere Wochen 6- bis 12-mal mit schwacher Röntgenstrahlung behandelt.

    Insbesondere Spritzen in das Hüftgelenk können Nebenwirkungen haben und selten auch zu ernsthaften Komplikationen führen. Wenn sie eingesetzt werden, ist es wichtig, dass die Ärztin oder der Arzt Erfahrung damit hat und auf eine ausreichende Hygiene achtet. Sie oder er sollte zum Beispiel ein Ultraschallgerät verwenden, um die Spritze richtig zu setzen, damit sie wirken kann und möglichst keine Nerven, Gefäße oder andere Strukturen verletzt werden.

    Leben und Alltag

    Eine fortgeschrittene Hüftarthrose kann viele Lebensbereiche beeinträchtigen. Viele Menschen lernen aber mit der Zeit, den Alltag trotz Erkrankung zu meistern – zum Beispiel nehmen sie sich mehr Zeit für Haushaltsarbeiten und passen ihre körperlichen Aktivitäten an.

    Gehhilfen wie Gehstöcke, Gehgestelle und Rollatoren können die Gelenke entlasten und die Fortbewegung in und außerhalb der Wohnung erleichtern. Wie man Hilfsgeräte richtig einstellt und mit ihnen umgeht, können Physio- oder Ergotherapeutinnen und -therapeuten und Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen wie Orthopädie, Rheumatologie und Geriatrie zeigen.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

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    Bartels EM, Juhl CB, Christensen R, Hagen KB, Danneskiold-Samsoe B, Dagfinrud H et al. Aquatic exercise for the treatment of knee and hip osteoarthritis. Cochrane Database Syst Rev 2016; (3): CD005523.

    Bastick AN, Verkleij SP, Damen J, Wesseling J, Hilberdink WK, Bindels PJ et al. Defining hip pain trajectories in early symptomatic hip osteoarthritis - 5 year results from a nationwide prospective cohort study (CHECK). Osteoarthritis Cartilage 2016; 24(5): 768-775.

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    Da Costa BR, Reichenbach S, Keller N, Nartey L, Wandel S, Jüni P et al. Effectiveness of non-steroidal anti-inflammatory drugs for the treatment of pain in knee and hip osteoarthritis: a network meta-analysis. Lancet 2017; 390(10090): e21-e33.

    Liu X, Machado GC, Eyles JP, Ravi V, Hunter DJ. Dietary supplements for treating osteoarthritis: a systematic review and meta-analysis. Br J Sports Med 2018; 52(3): 167-175.

    Machado GC, Maher CG, Ferreira PH, Pinheiro MB, Lin CW, Day RO et al. Efficacy and safety of paracetamol for spinal pain and osteoarthritis: systematic review and meta-analysis of randomised placebo controlled trials. BMJ 2015; 350: h1225.

    National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Osteoarthritis: care and management in adults. 12.02.2014. (NICE Clinical Guidelines; Band 177).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Was kann ich selbst für meine Hüftgelenke tun?

    Bei einer Hüftarthrose ist es wichtig, die Gelenke in Bewegung zu halten und zu stärken. Studien zeigen, dass Kräftigungs- und Dehnübungen sowie Ausdauertraining Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern können. Bei Übergewicht ist es sinnvoll, etwas abzunehmen, unter anderem um die Gelenke zu entlasten.

    Viele Menschen mit Arthrose meiden Sport und Bewegung aus Angst, ihre Gelenke dadurch zusätzlich zu belasten und weiter zu verschleißen. Diese Sorge ist aber unnötig: Tatsächlich leiden die Gelenke vor allem, wenn sie zu wenig bewegt werden. Zum einen sorgen Bewegung und Druck dafür, dass der Stoffwechsel des Gelenkknorpels funktioniert. Zum anderen kann Sport die Muskulatur stärken, die Stabilität der Gelenke verbessern und die Beweglichkeit fördern. Das hilft auch im Alltag. Möglicherweise lässt sich durch regelmäßiges Training sogar eine Operation hinauszögern.

    Selbst wenn sich der Körper zunächst daran gewöhnen muss und erschöpft sein kann: Studien zeigen, dass Bewegung sich lohnt. Schon nach einigen Wochen kann ein regelmäßiges Kräftigungs- und Beweglichkeitstraining die Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern. Vielen Menschen tut Bewegung auch gut, weil sie ihr allgemeines Wohlbefinden steigert und das Vertrauen in den eigenen Körper stärkt.

    Bei einer Hüftarthrose ist es wichtig, die Gelenke in Bewegung zu halten und zu stärken. Studien zeigen, dass Kräftigungs- und Dehnübungen sowie Ausdauertraining Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern können. Bei Übergewicht ist es sinnvoll, etwas abzunehmen, unter anderem um die Gelenke zu entlasten.

    Viele Menschen mit Arthrose meiden Sport und Bewegung aus Angst, ihre Gelenke dadurch zusätzlich zu belasten und weiter zu verschleißen. Diese Sorge ist aber unnötig: Tatsächlich leiden die Gelenke vor allem, wenn sie zu wenig bewegt werden. Zum einen sorgen Bewegung und Druck dafür, dass der Stoffwechsel des Gelenkknorpels funktioniert. Zum anderen kann Sport die Muskulatur stärken, die Stabilität der Gelenke verbessern und die Beweglichkeit fördern. Das hilft auch im Alltag. Möglicherweise lässt sich durch regelmäßiges Training sogar eine Operation hinauszögern.

    Selbst wenn sich der Körper zunächst daran gewöhnen muss und erschöpft sein kann: Studien zeigen, dass Bewegung sich lohnt. Schon nach einigen Wochen kann ein regelmäßiges Kräftigungs- und Beweglichkeitstraining die Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern. Vielen Menschen tut Bewegung auch gut, weil sie ihr allgemeines Wohlbefinden steigert und das Vertrauen in den eigenen Körper stärkt.

    Bewegungstraining bei Hüftarthrose

    Zur Behandlung von Hüftarthrose werden verschiedene Trainingsarten empfohlen:

    • Kräftigungstraining und Dehnübungen
    • Wassergymnastik
    • Ausdauertraining

    Häufiger und kürzer zu trainieren ist besser als selten und lang – unter anderem, weil der Körper sich dann schneller erholt und anpasst. Idealerweise trainiert man zwei- bis dreimal pro Woche für etwa 45 Minuten. Sinnvoll ist zudem, im Alltag aktiv zu bleiben – zum Beispiel, indem man möglichst viele Wege mit dem Fahrrad oder zu Fuß erledigt und Treppen steigt, statt den Aufzug oder die Rolltreppe zu nehmen.

    Spezielle Übungen zur Behandlung von Hüftarthrose sollen die Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur stärken und die Hüftbeweglichkeit verbessern. Beispielübungen hierfür sind:

    Dehnung der hinteren Oberschenkelmuskulatur

    • Auf einen Stuhl setzen, ein Bein im rechten Winkel auf den Boden stellen und das andere Bein ausstrecken.
    • Den Fuß des ausgestreckten Beins zum Körper hin anwinkeln.
    • Nun den Oberkörper mit geradem Rücken nach vorne lehnen, bis dort eine Dehnung zu spüren ist.
    • Auf beiden Seiten 5-mal für etwa 30 Sekunden wiederholen.

    Dehnung der vorderen Oberschenkelmuskulatur

    • Aufrecht stehen und zum Beispiel an einem Stuhl festhalten. Den Rücken gerade halten.
    • Den Unterschenkel des rechten Beins anheben und bis 90 Grad anwinkeln.
    • Mit der rechten Hand den rechten Knöchel umfassen und das Bein nach oben ziehen, bis im vorderen Oberschenkel eine Dehnung zu spüren ist. Ist dies nicht möglich, ein Handtuch um den Knöchel des rechten Beins legen und es damit hochziehen.
    • Auf dieselbe Weise den Oberschenkel des linken Beins dehnen.
    • Auf beiden Seiten insgesamt 5-mal für etwa 30 Sekunden wiederholen.

    Stärkung der Gesäßmuskulatur

    • Auf den Rücken legen und die Beine ausstrecken.
    • Durch Zusammendrücken der Pobacken die Gesäßmuskulatur anspannen.
    • Spannung für zehn Sekunden halten, 10-mal wiederholen.

    Beinspreizen im Stehen (Stärkung der Hüftabduktoren)

    • Aufrecht stehen und zum Beispiel an einem Stuhl festhalten. Den Rücken gerade halten.
    • Das rechte Bein leicht zur Seite anheben.
    • Das Bein langsam vom Körper abspreizen und wieder zurück bewegen, den Körper dabei gerade halten.
    • Seite wechseln.
    • Die Übung für drei Durchgänge 10-mal wiederholen.
    • Wer ein Gymnastikband um beide Füße bindet, kann die Schwierigkeit der Übung erhöhen.

    Bei der Auswahl geeigneter Übungen lässt man sich am besten in einer physiotherapeutischen oder ärztlichen Praxis beraten, die sich mit Arthrose auskennt. Wichtig ist, dass die Übungen zur eigenen Fitness – zum Beispiel Beweglichkeit, Muskelkraft oder mögliche Probleme mit dem Gleichgewicht – passen.

    Als Ausdauersportarten eignen sich vor allem solche mit gleichmäßigen Bewegungsabläufen, bei denen die Gelenke nicht durch ruckartige Bewegungen belastet werden – wie Walking, Radfahren oder Schwimmen.

    Wie finde ich einen passenden Trainingskurs?

    Für Menschen mit Arthrose werden viele Gruppenkurse angeboten. Zum Beispiel organisieren größere Sportvereine oder Selbsthilfegruppen oft Trainingsgruppen, die speziell auf die Bedürfnisse bei Arthrose zugeschnitten sind. Dazu gehört auch das sogenannte Funktionstraining: Gymnastik oder Wassergymnastik, die von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten angeleitet wird. Der Vorteil: Wenn der Veranstalter eine Anerkennung der Krankenkassen hat, kann Funktionstraining in Gruppen zweimal pro Woche für bis zu 24 Monate auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse in Anspruch genommen werden. Die Ärztin oder der Arzt kann das Funktionstraining auf einem speziellen Formular verordnen, ohne sein Budget zu belasten. Dies gilt auch für sogenannten Rehasport zur Verbesserung von Ausdauer, Kraft, Koordination und Beweglichkeit. Rehasport wird in der Gruppe angeboten, in der Regel an 50 Terminen über 18 Monate.

    Was hilft, in Bewegung zu bleiben?

    Regelmäßiges Training in den Alltag einzubauen, erfordert Motivation und kann zunächst schwerfallen. Vielen Menschen gelingt das auf Dauer besser, wenn sie Kurse an festen Terminen besuchen oder sich mit Freunden zum Training verabreden. Manche richten sich auch Erinnerungen ein, packen zum Beispiel schon vor der Arbeit die Sporttasche oder motivieren sich durch Belohnungen. Sinnvoll sind zudem regelmäßige Kontrolltermine zum Beispiel in einer Physiotherapie- oder Arztpraxis. Dabei kann auch das Bewegungsprogramm angepasst werden.

    Mit ein wenig Geduld stellen sich irgendwann Erfolgserlebnisse ein, die wiederum helfen, am Ball zu bleiben. Gehört das Training schließlich ganz selbstverständlich zum Alltag, möchten viele Menschen es nicht mehr missen.

    Kann eine Gewichtsabnahme die Gelenke entlasten?

    Menschen mit Arthrose und starkem Übergewicht wird oft empfohlen, etwas abzunehmen, um die Gelenke zu entlasten. Ob eine Gewichtsabnahme bei Hüftarthrose hilft, ist bislang allerdings nicht gut erforscht. In Studien, an denen Menschen mit Kniearthrose teilgenommen hatten, konnte eine Gewichtsreduktion von mehr als 5 % jedoch die Beweglichkeit verbessern und die Gelenkschmerzen etwas lindern.

    Abzunehmen und das geringere Gewicht zu halten, ist nicht einfach. Abnehmen erfordert Motivation und einige Wochen oder Monate Geduld. Es gibt jedoch verschiedene Programme, die helfen können, durchzuhalten.

    Was kann ich noch tun?

    Für Menschen mit Arthrose ist es sinnvoll, auf gut sitzende Schuhe mit dämpfenden Sohlen zu achten. Sie sollten das Fußgewölbe stützen und ausreichend Platz für die Zehen bieten. Enge Schuhe mit hohen Absätzen sind dagegen ungünstig. Auch eine Gehhilfe oder ein Gehstock können die Gelenke entlasten. Gehstöcke werden in der Regel auf der nicht oder weniger stark betroffenen Körperseite benutzt. Dadurch wird das schmerzende Bein beim Gehen entlastet.

    Viele Menschen nutzen auch Wärme- oder Kälteanwendungen, um ihre Beschwerden zu lindern – zum Beispiel Kühlpacks, Wärmflaschen oder Wärmekissen.

    Kälteanwendungen sollen die Beschwerden lindern, indem sie die Durchblutung verringern und die Nerven betäuben. Vor allem bei akut entzündeten oder geschwollenen Gelenken kann Kühlung angenehm sein.

    Wärmeanwendungen regen die Durchblutung an. Dies soll die Muskulatur entspannen und die Gelenke lockern. Bei akut entzündeten oder geschwollenen Gelenken wird jedoch davon abgeraten, da sie die Beschwerden dann noch verstärken können.

    Wichtig ist, die Haut vor Verbrennungen oder Erfrierungen zu schützen, zum Beispiel indem man ein Tuch um die Kühlpackung oder Wärmflasche wickelt und sie nicht zu lange auf der Haut lässt (nicht länger als zehn Minuten). Vor allem Menschen mit Nervenschäden, zum Beispiel aufgrund von Diabetes, sollten vorsichtig sein. Das gleiche gilt bei Hautverletzungen und Hauterkrankungen.

    Quellen

    Beumer L, Wong J, Warden SJ, Kemp JL, Foster P, Crossley KM. Effects of exercise and manual therapy on pain associated with hip osteoarthritis: a systematic review and meta-analysis. Br J Sports Med 2016; 50(8): 458-463.

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    Hurley M, Dickson K, Hallett R, Grant R, Hauari H, Walsh N et al. Exercise interventions and patient beliefs for people with hip, knee or hip and knee osteoarthritis: a mixed methods review. Cochrane Database Syst Rev 2018; (4): CD010842.

    Juhl C, Christensen R, Roos EM, Zhang W, Lund H. Impact of exercise type and dose on pain and disability in knee osteoarthritis: a systematic review and meta-regression analysis of randomized controlled trials. Arthritis Rheumatol 2014; 66(3): 622-636.

    Newberry SJ, FitzGerald J, SooHoo NF, Booth M, Marks J, Motala A et al. Treatment of osteoarthritis of the knee: an update review. 09.05.2017. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; Band 190).

    Svege I, Nordsletten L, Fernandes L, Risberg MA. Exercise therapy may postpone total hip replacement surgery in patients with hip osteoarthritis: a long-term follow-up of a randomised trial. Ann Rheum Dis 2015; 74(1): 164-169.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Welche Schmerzmittel können helfen?

    Arthroseschmerzen lassen sich oft gut mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln behandeln. Allerdings sind häufig höhere Dosierungen nötig. Wegen ihrer möglichen Risiken wird empfohlen, Schmerzmittel nicht dauerhaft, sondern nur bei Bedarf einzunehmen.

    Zur Behandlung von Arthrose werden meist Medikamente aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) eingesetzt. Sie wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd. Zu diesen Mitteln gehören unter anderem Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Zwei weitere entzündungshemmende Schmerzmittel mit ähnlicher Wirkung sind Celecoxib und Etoricoxib aus der Gruppe der Cox-2-Hemmer. Sie werden auch Coxibe genannt. NSAR und Coxibe werden eingenommen oder als Gel oder Creme auf das schmerzende Gelenk aufgetragen. Bei der Hüftarthrose ist aber nicht nachgewiesen, dass eine äußerliche Anwendung wirksam ist (im Gegensatz zur Kniearthrose).

    Einige NSAR sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich – zum Beispiel zur Behandlung von Kopf- oder Regelschmerzen. Um bei Arthrose eine spürbare Linderung zu erreichen, sind aber oft höhere, verschreibungspflichtige Dosierungen nötig.

    NSAR und Coxibe können Schmerzen wirksam lindern, aber auch Nebenwirkungen haben. Das Risiko für schwere Nebenwirkungen hängt vom Alter und den Begleiterkrankungen ab. Entzündungshemmende Schmerzmittel kommen nicht für alle Menschen infrage. Bestimmte Vorerkrankungen wie zum Beispiel eine Nierenschwäche oder Magengeschwüre können gegen die Einnahme sprechen oder regelmäßige Kontrollen erfordern. Manchmal reicht es auch, die Dosierung zu verringern. Wechselwirkungen mit bestimmten anderen Medikamenten wie Acetylsalicylsäure (ASS) können ebenfalls ein Grund sein, auf NSAR oder Coxibe zu verzichten.

    Manche Menschen machen sich zu viele Sorgen über mögliche Risiken von Schmerzmitteln. Einige befürchten zudem, davon abhängig zu werden. NSAR und Coxibe haben im Gegensatz zu opiathaltigen Schmerzmitteln (Opioiden) aber keine abhängig machende Wirkung. Andere Menschen sorgen sich, dass sie Warnsignale ihres Körpers nicht mehr spüren, wenn sie Schmerzmittel nehmen. Dies ist medizinisch jedoch unbegründet: Chronische Schmerzen sagen viel weniger über den Zustand der Gelenke aus, als man glaubt.

    Am besten setzt man entzündungshemmende Schmerzmittel ergänzend zu anderen Behandlungen wie einer Bewegungstherapie ein. Ob man direkt vor dem Sport Schmerzmittel nehmen kann, bespricht man am besten mit seiner Ärztin oder seinem Arzt.

    Arthroseschmerzen lassen sich oft gut mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln behandeln. Allerdings sind häufig höhere Dosierungen nötig. Wegen ihrer möglichen Risiken wird empfohlen, Schmerzmittel nicht dauerhaft, sondern nur bei Bedarf einzunehmen.

    Zur Behandlung von Arthrose werden meist Medikamente aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) eingesetzt. Sie wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd. Zu diesen Mitteln gehören unter anderem Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Zwei weitere entzündungshemmende Schmerzmittel mit ähnlicher Wirkung sind Celecoxib und Etoricoxib aus der Gruppe der Cox-2-Hemmer. Sie werden auch Coxibe genannt. NSAR und Coxibe werden eingenommen oder als Gel oder Creme auf das schmerzende Gelenk aufgetragen. Bei der Hüftarthrose ist aber nicht nachgewiesen, dass eine äußerliche Anwendung wirksam ist (im Gegensatz zur Kniearthrose).

    Einige NSAR sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich – zum Beispiel zur Behandlung von Kopf- oder Regelschmerzen. Um bei Arthrose eine spürbare Linderung zu erreichen, sind aber oft höhere, verschreibungspflichtige Dosierungen nötig.

    NSAR und Coxibe können Schmerzen wirksam lindern, aber auch Nebenwirkungen haben. Das Risiko für schwere Nebenwirkungen hängt vom Alter und den Begleiterkrankungen ab. Entzündungshemmende Schmerzmittel kommen nicht für alle Menschen infrage. Bestimmte Vorerkrankungen wie zum Beispiel eine Nierenschwäche oder Magengeschwüre können gegen die Einnahme sprechen oder regelmäßige Kontrollen erfordern. Manchmal reicht es auch, die Dosierung zu verringern. Wechselwirkungen mit bestimmten anderen Medikamenten wie Acetylsalicylsäure (ASS) können ebenfalls ein Grund sein, auf NSAR oder Coxibe zu verzichten.

    Manche Menschen machen sich zu viele Sorgen über mögliche Risiken von Schmerzmitteln. Einige befürchten zudem, davon abhängig zu werden. NSAR und Coxibe haben im Gegensatz zu opiathaltigen Schmerzmitteln (Opioiden) aber keine abhängig machende Wirkung. Andere Menschen sorgen sich, dass sie Warnsignale ihres Körpers nicht mehr spüren, wenn sie Schmerzmittel nehmen. Dies ist medizinisch jedoch unbegründet: Chronische Schmerzen sagen viel weniger über den Zustand der Gelenke aus, als man glaubt.

    Am besten setzt man entzündungshemmende Schmerzmittel ergänzend zu anderen Behandlungen wie einer Bewegungstherapie ein. Ob man direkt vor dem Sport Schmerzmittel nehmen kann, bespricht man am besten mit seiner Ärztin oder seinem Arzt.

    Wie werden NSAR und Coxibe angewendet?

    Zur Gruppe der NSAR und Coxibe gehören verschiedene Wirkstoffe. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die bei Arthrose am häufigsten eingesetzten Wirkstoffe und ihre Dosierungen:

    Wirkstoff Übliche Dosis pro Einnahme Tägliche Höchstdosis
    Celecoxib 100 bis 200 mg 400 mg
    Diclofenac 50 bis 100 mg (Retard) 150 mg
    Etoricoxib 30 bis 60 mg 60 mg
    Ibuprofen 400 bis 800 mg 2400 mg
    Naproxen 250 bis 500 mg 1000 mg

    Fachleute empfehlen, diese Mittel nur bei Bedarf und nicht als Dauerbehandlung einzusetzen – also wenn die Schmerzen es erfordern. Dadurch lässt sich das Risiko für Nebenwirkungen senken.

    Am besten fängt man mit einer möglichst niedrigen Dosis an und erhöht sie wenn nötig. Wichtig ist, die tägliche Höchstdosis eines Wirkstoffs nicht zu überschreiten.

    Was kann ich von NSAR und Coxiben erwarten?

    Entzündungshemmende Schmerzmittel können die Schmerzen zwar nicht unbedingt ganz beseitigen, aber meist lindern. Eine Wissenschaftlergruppe aus Bern hat die aussagekräftigsten Studien zur Wirkung von NSAR, Coxiben und Paracetamol bei Arthrose zusammenfassend ausgewertet – insgesamt über 70 Studien mit fast 60.000 Teilnehmenden. Als wirksamste Schmerzmittel haben sich Diclofenac 150 mg pro Tag und Etoricoxib 60 mg pro Tag erwiesen. Paracetamol hilft bei Arthrose nicht.

    Welcher Wirkstoff geeignet ist, hängt aber auch von weiteren Erkrankungen ab und davon, welche Medikamente man noch nimmt. Daher ist es sinnvoll, sich vor einer Behandlung von einer Ärztin oder einem Arzt beraten zu lassen. Sie oder er kann dann unter anderem auch die Funktion der Nieren überprüfen, um sicherzustellen, dass nichts gegen die Einnahme spricht.

    Wie häufig führen NSAR und Coxibe zu Nebenwirkungen?

    Die häufigste Nebenwirkung von entzündungshemmenden Schmerzmitteln sind Magenprobleme. Sie reichen von leichten Beschwerden wie Magenverstimmungen und Bauchschmerzen bis hin zu ernsthaften Komplikationen wie Schleimhautentzündungen, Geschwüren oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Es kann hilfreich sein, die Mittel zusammen mit einer Mahlzeit einzunehmen.

    Medikamente zum Magenschutz wie Omeprazol oder Pantoprazol können Magen-Darm-Komplikationen wirksam vorbeugen. Sie gehören zu den sogenannten Protonenpumpenhemmern (PPI) und verringern die Produktion von Magensäure. Nach Schätzungen aus Studien sind Magen-Darm-Komplikationen dann relativ selten:

    • Über eine Einnahmedauer von einem Jahr verursachen hochdosiertes Diclofenac oder Etoricoxib in Kombination mit einem PPI bei 0,2 bis 0,4 % der Menschen eine Magen-Darm-Komplikation.
    • Bei hochdosiertem Ibuprofen oder Naproxen ist dieses Risiko höher: Es liegt bei 0,6 bis 1,6 %.

    Protonenpumpenhemmer können allerdings Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Zudem gibt es Hinweise, dass PPI bei dauerhafter Anwendung das Risiko für Knochenbrüche erhöhen können.

    Hochdosierte NSAR und Coxibe können auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle begünstigen: Sie erhöhen das Risiko für solche Komplikationen pro Jahr um weniger als 1 %. Ausnahme ist Naproxen. Dieses Medikament zeigte in Studien kaum Einfluss auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

    Was kann gegen die Einnahme von NSAR und Coxiben sprechen?

    Verschiedene Faktoren erhöhen das Risiko für Komplikationen des Magen-Darm-Trakts. Häufiger sind sie bei Menschen, die

    • über 65 Jahre alt sind,
    • schon einmal eine Gastritis, ein Geschwür oder eine Magenblutung hatten,
    • eine Infektion mit Helicobacter-pylori-Bakterien haben,
    • viel Alkohol trinken,
    • gerinnungshemmende Herzmedikamente einnehmen, zum Beispiel Antikoagulanzien wie „Marcumar“ oder Acetylsalicylsäure (ASS wie in „Aspirin“),
    • Kortikosteroide („Kortison“) einnehmen,
    • ein Antidepressivum aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) einnehmen,
    • mehrere entzündungshemmende Schmerzmittel gleichzeitig einnehmen oder
    • bestimmte Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts haben wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.

    Wenn das Risiko für Magenblutungen oder andere ernsthafte Komplikationen sehr hoch ist, kann es sinnvoll sein, gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt andere Behandlungen in Betracht zu ziehen.

    Für Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder mehreren Risikofaktoren dafür ist es ebenfalls sinnvoll, die Vor- und Nachteile einer Behandlung mit NSAR oder Coxiben gut abzuwägen. Für sie kann eine Schmerzbehandlung mit Naproxen sinnvoll sein, da dieses Schmerzmittel Herz und Kreislauf nicht beeinflusst.

    Ist das Schmerzmittel Metamizol („Novalgin“) eine Alternative?

    Metamizol ist ein fiebersenkendes und entzündungshemmendes Schmerzmittel, das den NSAR ähnelt. Es gibt jedoch keine Studien zu seiner Wirksamkeit bei Arthrose, auch nicht im Vergleich zu anderen Behandlungen. Das Mittel wird in Deutschland häufig eingesetzt, ist zur Behandlung von Arthrose aber nicht zugelassen und wird von medizinischen Fachgesellschaften auch nicht empfohlen.

    Die Anwendung von Metamizol ist umstritten, da das Mittel zu einer zwar seltenen, aber sehr schweren Nebenwirkung führen kann, der sogenannten Agranulozytose. Dabei nimmt die Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen im Körper stark ab, was lebensbedrohlich werden kann. Mögliche Anzeichen für eine Agranulozytose sind Fieber, Halsschmerzen und entzündete Schleimhäute. Das Risiko für diese Nebenwirkung wird auf deutlich weniger als 0,1 % geschätzt.

    Sind Opioid-Schmerzmittel bei Arthrose sinnvoll?

    Opioide sind verschreibungspflichtige Schmerzmittel, die zum Beispiel in der Notfall- und Intensivmedizin, zur Einleitung von Narkosen und zur Behandlung von krebsbedingten Schmerzen eingesetzt werden. Der bekannteste Vertreter dieser Wirkstoffgruppe ist das Morphin. Andere Opioide sind Buprenorphin, Codein, Hydromorphon, Oxycodon, Tapentadol, Tilidin und Tramadol.

    Opioide können akute Schmerzen sehr wirksam lindern. Entgegen weit verbreiteter Annahmen gilt dies aber nicht für chronische Arthroseschmerzen: Aus Studien weiß man inzwischen, dass sie bei Arthrose oft nicht besser helfen als NSAR. Es gibt zudem Hinweise, dass ihre Wirkung bereits nach einigen Wochen nachlassen könnte.

    Opioide können sinnvoll sein, wenn zur kurzfristigen Behandlung starker Schmerzen mehrere Medikamente benötigt werden oder um die Zeit bis zu einer Operation zu überbrücken. Sie kommen auch für Menschen infrage, die keine NSAR nehmen können.

    Opioide sollten bei Arthroseschmerzen aber nicht routinemäßig und in der Regel nicht über längere Zeiträume eingesetzt werden. Sie können Nebenwirkungen wie Verstopfung, Übelkeit, sexuelle Lustlosigkeit, Schwindel und Müdigkeit auslösen und die Fahrtüchtigkeit herabsetzen. Zudem besteht ein geringes Risiko für eine lebensbedrohliche Überdosierung. Es ist daher sehr wichtig, sich an die Anwendungshinweise der Ärztin oder des Arztes zu halten und die Dosierung nicht ohne Rücksprache zu erhöhen. Dies gilt auch für opioidhaltige Pflaster (Fentanylpflaster).

    Fachleute raten, eine Behandlung mit Opioiden auf einen bis höchstens drei Monate zu beschränken, weil sie körperlich abhängig machen können. Nach Schätzungen aus Studien entwickeln etwa 6 % der Menschen bei längerer Anwendung eine Abhängigkeit.

    Mögliche Gründe gegen eine Behandlung mit Opioiden sind unter anderem Kopfschmerzerkrankungen, Fibromyalgie, eine entzündete Bauchspeicheldrüse, entzündliche Darmerkrankungen und Abhängigkeitserkrankungen.

    Quellen

    Bhala N, Emberson J, Merhi A, Abramson S, Arber N, Baron JA et al. Vascular and upper gastrointestinal effects of non-steroidal anti-inflammatory drugs: meta-analyses of individual participant data from randomised trials. Lancet 2013; 382(9894): 769-779.

    Busse JW, Craigie S, Juurlink DN, Buckley DN, Wang L, Couban RJ et al. Guideline for opioid therapy and chronic noncancer pain. CMAJ 2017; 189(18): E659-E666.

    Da Costa BR, Nüesch E, Kasteler R, Husni E, Welch V, Rutjes AW et al. Oral or transdermal opioids for osteoarthritis of the knee or hip. Cochrane Database Syst Rev 2014; (9): CD003115.

    Da Costa BR, Reichenbach S, Keller N, Nartey L, Wandel S, Jüni P et al. Effectiveness of non-steroidal anti-inflammatory drugs for the treatment of pain in knee and hip osteoarthritis: a network meta-analysis. Lancet 2017; 390(10090): e21-e33.

    Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). S2k-Leitlinie: Gonarthrose. AWMF-Registernr.: 033-004. 18.01.2018.

    Häuser W, Bock F, Engeser P, Tölle T, Willweber-Strumpfe A, Petzke F. Langzeitanwendung von Opioiden bei nichttumorbedingten Schmerzen. Dtsch Arztebl Int 2014; 111(43): 732-740.

    Hurley M, Dickson K, Hallett R, Grant R, Hauari H, Walsh N et al. Exercise interventions and patient beliefs for people with hip, knee or hip and knee osteoarthritis: a mixed methods review. Cochrane Database Syst Rev 2018; (4): CD010842.

    Smith SR, Deshpande BR, Collins JE, Katz JN, Losina E. Comparative pain reduction of oral non-steroidal anti-inflammatory drugs and opioids for knee osteoarthritis: systematic analytic review. Osteoarthritis Cartilage 2016; 24(6): 962-972.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Was kann ich von einem Gelenkersatz erwarten?

    Wenn Bewegungstherapie und Schmerzmittel die Beschwerden einer Hüftarthrose nicht ausreichend lindern, kommt ein Gelenkersatz infrage. Er kann die Beschwerden deutlich lindern. Die meisten Menschen kommen mit einem künstlichen Hüftgelenk gut zurecht. Nach zehn Jahren sind noch über 95 % der Hüftprothesen intakt.

    Ein künstliches Hüftgelenk kann Arthrosebeschwerden bei den meisten Menschen sehr wirksam lindern. Es handelt sich aber um eine große Operation, die mit verschiedenen Risiken verbunden ist. Je früher man sich operieren lässt, desto wahrscheinlicher ist es außerdem, dass die Prothese irgendwann ausgetauscht werden muss. Daher ist es sinnvoll, andere wirksame Behandlungen auszuprobieren, bevor man sich für einen Eingriff entscheidet. Dazu gehören vor allem Bewegungstherapien, Schmerzmittel und bei Übergewicht eine Gewichtsabnahme.

    Wenn Bewegungstherapie und Schmerzmittel die Beschwerden einer Hüftarthrose nicht ausreichend lindern, kommt ein Gelenkersatz infrage. Er kann die Beschwerden deutlich lindern. Die meisten Menschen kommen mit einem künstlichen Hüftgelenk gut zurecht. Nach zehn Jahren sind noch über 95 % der Hüftprothesen intakt.

    Ein künstliches Hüftgelenk kann Arthrosebeschwerden bei den meisten Menschen sehr wirksam lindern. Es handelt sich aber um eine große Operation, die mit verschiedenen Risiken verbunden ist. Je früher man sich operieren lässt, desto wahrscheinlicher ist es außerdem, dass die Prothese irgendwann ausgetauscht werden muss. Daher ist es sinnvoll, andere wirksame Behandlungen auszuprobieren, bevor man sich für einen Eingriff entscheidet. Dazu gehören vor allem Bewegungstherapien, Schmerzmittel und bei Übergewicht eine Gewichtsabnahme.

    Wie ist eine Hüftprothese aufgebaut?

    Eine Hüftprothese soll das natürliche Gelenk so gut wie möglich ersetzen. Sie besteht in der Regel aus 3 bis 4 Teilen:

    • einem Schaft, der im Oberschenkelknochen verankert wird,
    • einem Kopf, der auf den Schaft aufgesteckt wird und den natürlichen Hüftkopf ersetzt,
    • einer halbkugelförmigen Pfanne, die in die natürliche Hüftpfanne eingesetzt wird sowie
    • einem Pfanneneinsatz, auch Inlay genannt, der in die Hüftpfanne eingebracht wird. Der Pfanneneinsatz nimmt den Prothesenkopf auf. Bei zementierten Hüftprothesen werden kombinierte Pfannen verwendet, bei denen Pfanne und Pfanneneinsatz aus einem Guss sind. Ein separater Pfanneneinsatz ist deshalb nicht nötig.

    Für Kopf und Pfanneneinsatz werden unterschiedliche Materialien verwendet. In Deutschland wird am häufigsten ein Pfanneneinsatz aus Polyethylen, einem sehr harten Kunststoff, und ein Kopf aus Keramik verwendet. Diese Kombination wird Polyethylen-Keramik-Gleitpaarung genannt.

     

    Grafik: Geradschaft-Gelenkprothese, unzementiert: links Sitz nach Operation, rechts Einzelteile - wie im Text beschrieben Geradschaft-Gelenkprothese, unzementiert: links Sitz nach Operation, rechts Einzelteile

    Es gibt zwei unterschiedliche Arten, den Schaft im Oberschenkel und die Pfanne im Beckenknochen zu befestigen:

    • Zementfreie Prothesenteile werden fest in den Knochen gepresst. Eine spezielle raue Oberfläche oder Beschichtung sorgt dafür, dass die Prothese direkt nach dem Einsetzen bereits fest sitzt und sich der Knochen dann allmählich mit ihr verbindet.
    • Zementierte Prothesenteile werden mit einem speziellen Zwei-Komponenten-Kleber befestigt. Er wird oft auch Knochenzement genannt. Streng genommen handelt es sich aber nicht um Zement, sondern um einen sehr schnell härtenden Kunststoff-Kleber, ähnlich wie bei der Befestigung einer Zahnkrone. Zementierte Prothesen werden heute eher Menschen im höheren Alter eingesetzt.

    In Deutschland werden zu fast 80 % zementfreie Hüftprothesen verwendet. Bei etwa 15 % der Operationen wird der Schaft zementiert und die Pfanne in die natürliche Hüftpfanne gepresst. Dann spricht man von einem Hybrid-Eingriff oder einer teilzementierten Prothese. Andere Arten der Befestigung werden hierzulande nur selten verwendet. Zementfreie Hüftpfannen werden manchmal zusätzlich durch Schrauben verankert.

    Welche Prothese bei einem Menschen infrage kommt, hängt von Faktoren wie dem Alter, anderen bestehenden Erkrankungen und der Knochenqualität ab.

    Was kann ich langfristig von einem künstlichen Hüftgelenk erwarten?

    Studien zeigen, dass etwa 90 % der Menschen auch längerfristig mit ihrem künstlichen Hüftgelenk zufrieden sind. Die Schmerzen gehen in der Regel deutlich zurück und die Gelenkfunktion verbessert sich. Viele Menschen können nach der Operation wieder schmerzfrei gehen und dadurch Tätigkeiten ausüben, die ihnen vorher nicht mehr oder nur eingeschränkt möglich waren. Es gibt aber keine Erfolgsgarantie: Bis zu 10 % der Operierten haben weiterhin mit Problemen wie stärkeren Schmerzen zu tun.

    Welche Arten von Hüftprothesen gibt es?

    Neben unterschiedlichen Materialien und Größen gibt es im Wesentlichen drei Varianten von Hüftprothesen:

    • Geradschaft-Prothesen: Sie sind die mit Abstand am häufigsten verwendeten Prothesen (siehe Abbildung oben). Mit ihnen gibt es am meisten Erfahrung.
    • Kurzschaft-Prothesen: Hierbei wird ein kürzerer, leicht gebogener Schaft verwendet.
    • Kappen-Prothesen: Hierbei werden Schenkelhals und Hüftkopf erhalten. Der Hüftkopf wird – ähnlich wie bei einer Zahnkrone – mit einer Metallkappe überkront. Ein dünner, kurzer Schaft verankert die Kappe im Hüftkopf. Am Hüftknochen wird eine Hüftpfanne eingesetzt. Kappen-Prothesen werden auch als Oberflächenersatz-Prothesen oder – nach ihrem Erfinder – als McMinn-Prothesen bezeichnet.

    In Deutschland erhalten über 85 % der Menschen eine Geradschaft-Prothese und knapp 10 % eine Kurzschaft-Prothese. Kappen-Prothesen werden nur noch selten verwendet, weil sich bei ihrem Einsatz verschiedene Probleme gezeigt haben.

    Was weiß man über die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Prothesentypen?

    Eine Wissenschaftlergruppe aus England hat die aussagekräftigsten Studien zu verschiedenen Hüftprothesen ausgewertet. Die Daten reichen nicht aus, um eine abschließende Antwort auf die Frage zu geben, welche Hüftprothesen am längsten halten und Beschwerden am besten lindern. Für einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren ließen sich jedoch einige Ergebnisse ableiten:

    • Kappen-Prothesen mussten mehr als zehnmal so oft ausgetauscht werden wie erprobte Geradschaft-Prothesen.
    • Prothesen mit Metall-auf-Metall-Gleitpaarungen mussten viermal so oft ausgetauscht werden wie Kombinationen aus Polyethylen / Keramik.
    • Zwischen Gleitpaarungen aus Polyethylen-Keramik und Polyethylen-Metall fand sich kein Unterschied.
    • Unklar ist, ob Keramik-Keramik-Gleitpaarungen Vorteile gegenüber Polyethylen-Keramik-Gleitpaarungen haben, da es hierzu nur wenige Studien gibt.

    Jüngeren Menschen, die ein künstliches Hüftgelenk bekommen, wird manchmal eine Kurzschaft-Prothese empfohlen. Beim Einbau dieser Prothesen geht weniger Knochen im Bereich des Schaftes verloren – dies könnte ein Vorteil sein, wenn später ein Prothesenwechsel nötig sein sollte. Allerdings gibt es bislang kaum Langzeiterfahrungen mit Kurzschaft-Prothesen. Daher ist unklar, ob sie vergleichbar lange halten wie Geradschaft-Prothesen.

    Kappen-Prothesen wurden bis vor einigen Jahren noch häufig verwendet, vor allem bei jüngeren Menschen. Ein Vorteil dieser Prothesen ist, dass am Oberschenkel kaum Knochen entfernt werden muss. Außerdem bleibt der natürliche Gelenkaufbau weitestgehend erhalten. Inzwischen weiß man jedoch, dass die Nachteile dieser Prothesen überwiegen: Je nach Modell geht im Beckenbereich mehr Knochen verloren, weil Kappen-Prothesen einen größeren Kopf haben. Wenn die Prothese gewechselt werden muss, kann dies problematischer sein als ein Knochenverlust am Oberschenkel. Zum anderen weiß man aus Studien inzwischen, dass sich diese Prothesen deutlich häufiger lockern und nachoperiert werden müssen. Auch das Risiko für einen Bruch am Oberschenkelhals ist größer.

    Wie lange hält ein künstliches Hüftgelenk?

    Die Haltbarkeit einer Hüftprothese hängt von vielen Faktoren ab – etwa dem eingesetzten Material, dem Körpergewicht und der Belastung, der sie zum Beispiel durch bestimmte Sportarten ausgesetzt wird. Ein Austausch der Prothese kann nötig sein, wenn sich Teile lockern oder abnutzen. Eine häufige Ursache hierfür sind Abriebpartikel. Der Abrieb ist bei den Materialien der heute eingesetzten Prothesen jedoch geringer als früher. Selten muss die Prothese auch aufgrund einer Infektion oder eines Knochenbruchs gewechselt werden.

    Studien zeigen, dass nach zehn Jahren noch mehr als 95 % der heute üblicherweise eingesetzten Prothesen intakt sind. Etwa 85 % der Hüftprothesen halten über 20 Jahre.

    Wie hoch das Risiko ist, dass eine Prothese im Laufe des Lebens ausgetauscht werden muss, hängt vor allem vom Alter ab: Je jünger man ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Prothese irgendwann ausgewechselt werden muss. Außerdem ist der Verschleiß bei jüngeren Männern größer als bei jüngeren Frauen. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick.

    Tabelle: Wahrscheinlichkeit, dass ein künstliches Hüftgelenk ausgetauscht werden muss
    Alter bei Erstoperation Wahrscheinlichkeit bei Männern Wahrscheinlichkeit bei Frauen
    50 Jahre 30 % 17 %
    60 Jahre 17 % 17 %
    70 Jahre 8 % 6 %
    80 Jahre 2 bis 3 % 2 bis 3 %

    Wie läuft die Operation ab?

    Vor der Operation werden Röntgenaufnahmen gemacht, um den Eingriff mit speziellen Schablonen oder Computerprogrammen zu planen. Unter anderem wird die voraussichtlich passende Prothesengröße ausgewählt und die Position im Knochen abgeschätzt. Die Planung dient außerdem dazu, die ursprüngliche Beinlänge möglichst genau zu erreichen.

    Operiert wird zum Beispiel durch einen seitlich angebrachten Längsschnitt in der Haut – etwa zwischen dem oberen Ende des Beckenknochens und dem unteren Ende des Gesäßes. Je nach Erfahrung der Operierenden und der Klink gibt es verschiedene Zugangswege. Zunächst wird der Hüftkopf des Oberschenkelknochens abgetrennt und entfernt. Anschließend wird die Hüftpfanne aufgefräst, um die verschlissene Oberfläche zu entfernen und eine glatte Fläche für das Implantat (die neue Pfanne) zu schaffen. Danach wird der Oberschenkelknochen geöffnet und für die Aufnahme der geplanten Schaftgröße vorbereitet. Der Schaft wird in den entstandenen Hohlraum des Knochens eingesetzt und dort befestigt.

    Sind Hüftpfanne und Hüftschaft eingesetzt, wird der Kopf auf den Schaft aufgesteckt und mit der neuen Pfanne zusammengeführt. Bevor die Operationswunde verschlossen wird, überprüft die Operateurin oder der Operateur, ob das neue Gelenk stabil und ausreichend beweglich ist. Die Operation dauert in der Regel etwa 1 bis 1,5 Stunden.

    Welche Operationsrisiken gibt es?

    Beim Einbau einer künstlichen Hüfte kann es zu Rissen oder Brüchen im Oberschenkel kommen. Dieses Risiko ist etwas höher, wenn zementfreie Prothesen verwendet werden. Es kann dann erforderlich sein, den Knochen zusätzlich zu fixieren, zum Beispiel mit Drahtschlingen oder einer mit Schrauben und / oder Drahtschlingen befestigten Metallplatte.

    Eine andere seltene Komplikation ist starker Blutverlust während des Eingriffs, der eine Bluttransfusion notwendig macht. Dass während der Operation ein Nerv oder Muskel verletzt wird, kommt ebenfalls selten vor. Daneben bestehen allgemeine Operationsrisiken, unter anderem aufgrund der Narkose. Das Risiko, an der Operation oder ihren Folgen zu sterben, ist aber sehr gering und liegt deutlich unter 1 %.

    Nach der Operation kann es zu einer Wundinfektion, einer Venenthrombose oder Lungenembolie kommen. Um Thrombosen vorzubeugen, erhält man in der Regel für 4 bis 5 Wochen gerinnungshemmende Medikamente (Tabletten oder Heparin-Spritzen). Sie können das Risiko für eine Thrombose oder Lungenembolie auf etwa 1 bis 2 % senken.

    In den ersten Monaten nach dem Eingriff kann der Hüftkopf aus der Pfanne springen (Luxation). Dies passiert selten, ist aber sehr schmerzhaft. Oft gelingt es, den Hüftkopf ohne Operation – aber mit Betäubung oder Kurznarkose – wieder einzurenken. Je nach Ursache kann aber auch eine weitere Operation nötig werden. In den ersten sechs Wochen nach der Operation ist es deshalb besser, bestimmte Bewegungen zu vermeiden und Hilfsmittel zu verwenden, zum Beispiel zum Anziehen der Strümpfe.

    Nach der Operation können sich auch Verknöcherungen bilden, die die Beweglichkeit des künstlichen Hüftgelenks einschränken können. Um dem vorzubeugen, wird bei Bedarf empfohlen, für 2 bis 3 Wochen entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) einzunehmen. Sie wirken, indem sie bestimmte Gewebshormone hemmen, die zu Verknöcherungen beitragen können (sogenannte Prostaglandine).

    Quellen

    Bayliss LE, Culliford D, Monk AP, Glyn-Jones S, Prieto-Alhambra D, Judge A et al. The effect of patient age at intervention on risk of implant revision after total replacement of the hip or knee: a population-based cohort study. Lancet 2017; 389(10077): 1424-1430.

    Beswick AD, Wylde V, Gooberman-Hill R, Blom A, Dieppe P. What proportion of patients report long-term pain after total hip or knee replacement for osteoarthritis? A systematic review of prospective studies in unselected patients. BMJ Open 2012; 2(1): e000435.

    Falck-Ytter Y, Francis CW, Johanson NA, Curley C, Dahl OE, Schulman S et al. Prevention of VTE in orthopedic surgery patients: Antithrombotic Therapy and Prevention of Thrombosis, 9th ed: American College of Chest Physicians Evidence-Based Clinical Practice Guidelines. Chest 2012; 141(2 Suppl): e278S-e325S.

    Lopez-Lopez JA, Humphriss RL, Beswick AD, Thom HH, Hunt LP, Burston A et al. Choice of implant combinations in total hip replacement: systematic review and network meta-analysis. BMJ 2017; 359: j4651.

    Van Oldenrijk J, Molleman J, Klaver M, Poolman RW, Haverkamp D. Revision rate after short-stem total hip arthroplasty: a systematic review of 49 studies. Acta Orthop 2014; 85(3): 250-258.

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    Mehr Wissen: Was erwartet mich vor und nach der Hüft-Operation?

    Nach dem Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks bleibt man etwa 5 bis 10 Tage im Krankenhaus. In der Regel schließt sich eine dreiwöchige Rehabilitation an. Ihr Ziel ist, die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und den Umgang mit dem neuen Gelenk zu erlernen.

    Ein künstliches Hüftgelenk kann Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern. Nach der Operation dauert es einige Wochen bis Monate, bis man sich von dem Eingriff erholt hat und das künstliche Gelenk für die meisten Aktivitäten beweglich und stabil genug ist. Bis dahin sind die Schwellungen und Schmerzen abgeklungen. Auch die beteiligte Muskulatur und die Bänder sind dann kräftig genug, um dem neuen Gelenk vollständigen Halt zu bieten.

    Die Lebensdauer künstlicher Gelenke ist begrenzt. Man kann jedoch selbst viel für ihre Funktion und Haltbarkeit tun – zum Beispiel, indem man die Rehabilitation aktiv nutzt und auch danach in Bewegung bleibt, am besten mit einer gelenkschonenden Sportart.

    Nach dem Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks bleibt man etwa 5 bis 10 Tage im Krankenhaus. In der Regel schließt sich eine dreiwöchige Rehabilitation an. Ihr Ziel ist, die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und den Umgang mit dem neuen Gelenk zu erlernen.

    Ein künstliches Hüftgelenk kann Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern. Nach der Operation dauert es einige Wochen bis Monate, bis man sich von dem Eingriff erholt hat und das künstliche Gelenk für die meisten Aktivitäten beweglich und stabil genug ist. Bis dahin sind die Schwellungen und Schmerzen abgeklungen. Auch die beteiligte Muskulatur und die Bänder sind dann kräftig genug, um dem neuen Gelenk vollständigen Halt zu bieten.

    Die Lebensdauer künstlicher Gelenke ist begrenzt. Man kann jedoch selbst viel für ihre Funktion und Haltbarkeit tun – zum Beispiel, indem man die Rehabilitation aktiv nutzt und auch danach in Bewegung bleibt, am besten mit einer gelenkschonenden Sportart.

    Wie kann ich mich auf die Operation und die Zeit danach vorbereiten?

    Bei der Suche nach einer geeigneten Klinik kann die Plattform www.endocert.de unterstützen. Dort sind zertifizierte Endoprothese-Zentren verzeichnet, die sich verpflichten, bestimmte Qualitätsvorgaben einzuhalten. Auch über die von der Bertelsmann Stiftung mit Unterstützung verschiedener Verbraucherorganisationen herausgegebene Weisse Liste kann man nach Krankenhäusern suchen.

    Vor einer Operation muss die Einnahme bestimmter Medikamente vorübergehend unterbrochen werden. Für die Ärztinnen und Ärzte ist es hilfreich, zur Voruntersuchung eine vollständig ausgefüllte Medikamentenliste mitzunehmen. Wichtig ist auch, sie über bestehende Allergien zu informieren – etwa gegenüber Metallen oder Medikamenten wie Antibiotika. Metall-Allergien können sich durch Hautrötungen oder Juckreiz bemerkbar machen, zum Beispiel beim Tragen von Schmuck, Brillen mit Metallgestell oder durch Hautkontakt mit Metallknöpfen.

    Sinnvoll ist zudem, sich rechtzeitig auf die Zeit nach dem Krankenhausaufenthalt vorzubereiten – vor allem, falls sich die Rehabilitation nicht direkt an die Krankenhausbehandlung anschließt und man zunächst ein paar Tage zu Hause verbringt. Wenn keine Unterstützung durch Angehörige oder Freunde möglich ist, kann bei der Krankenkasse eine Haushaltshilfe oder häusliche Krankenpflege beantragt werden. Dabei hilft der Sozialdienst des Krankenhauses.

    Hilfreich ist auch, Stolperfallen in der Wohnung wie lose Kabel oder Teppiche zu beseitigen und für einen Lebensmittelvorrat zu sorgen. Eine rutschfeste Matte in der Dusche, eine Toilettensitz-Erhöhung, eine Strumpf-Anziehhilfe und eine Greifzange können den Alltag ebenfalls erleichtern. Manche Hilfsmittel können vom Arzt verordnet oder bei Sanitätshäusern geliehen werden.

    Wer raucht und es schafft, einige Wochen vor der Operation damit aufzuhören, kann seine Genesung fördern. Wundheilungsstörungen sind nach einem Rauchstopp nachweislich seltener.

    Im Krankenhaus sind unter anderem nützlich:

    • Ein Trainingsanzug mit einem weiten Hosenbein, in das man leicht reinkommt
    • Flache, gut sitzende und rutschfeste Schuhe ohne Schnürsenkel
    • Sportschuhe
    • Ein langer Schuhlöffel zum Anziehen
    • Ein Rucksack zum Transportieren von Dingen, wenn man an Krücken geht

    Eine ausführliche Liste zum Kofferpacken für den Krankenhausaufenthalt bietet zum Beispiel die Weiße Liste.

    Nicht zuletzt: Niemand lässt sich gerne operieren, und manche Menschen fürchten sich vor der Operation und vor Schmerzen danach. Verschiedene Strategien können aber im Umgang mit der Angst helfen. Zudem gibt es viele Möglichkeiten, Schmerzen nach einem Eingriff zu lindern. Hilfreich ist, im Vorgespräch mit der Ärztin oder dem Arzt alle Sorgen zu besprechen und noch offene Fragen zu klären. Unsere Frageliste für den Arztbesuch kann dabei helfen.

    Was erwartet mich nach der Operation?

    Studien zeigen, dass die Genesung durch einen frühen Beginn der Rehabilitation beschleunigt werden kann. Deshalb beginnt man bereits am Tag der Operation oder am Tag darauf mit ersten Übungen. In der Regel wird das Bein zunächst im Liegen durch einen Physiotherapeuten gebeugt und gestreckt. Später folgen aktive Übungen.

    In den ersten Tagen nach der Operation lernt man, wie man sich am besten aus dem Liegen aufrichtet, aufsteht, an- und auszieht, sich sicher mit Gehhilfen bewegt und wie weit man das Gelenk belasten darf. Die Physiotherapie wird in der Woche nach der Operation mit verschiedenen Übungen fortgesetzt.

    Vor allem in den ersten Wochen nach der Operation ist es möglich, dass das Gelenk bei ungünstigen Bewegungen auskugelt (Luxation). Dabei springt der Prothesenkopf aus der Pfanne, weil die Muskeln und Bänder, die das Gelenk stabilisieren, noch nicht vollständig verheilt und geschwächt sind. Bewegungen, die zu Problemen mit der Prothese führen können, sind zum Beispiel starkes Drehen des Oberkörpers und Beugen der Hüfte über 90 Grad. Zu einer Luxation kommt es aber nur selten – überängstlich muss man also nicht sein.

    Wie lange dauert es, bis die Operationswunde abgeheilt ist?

    Es dauert etwa zehn Tage, bis die Wunde vollständig verheilt ist. Die Operationsfäden oder -klammern werden nach 10 bis 15 Tagen entfernt. Wenn sich die Wunde innerhalb von zehn Tagen nicht richtig verschlossen hat oder länger als 2 bis 3 Tage nässt, ist es wichtig, die Ursache rasch abklären zu lassen. Solche Anzeichen und auch Rötungen, Fieber oder Schmerzen können auf eine Gelenkinfektion hinweisen. Diese seltene Komplikation muss schnell behandelt werden: Wenn die Infektion zu lange andauert, besteht das Risiko, dass die Prothese im Rahmen einer weiteren Operation ausgetauscht werden muss.

    Was passiert bei der Rehabilitation?

    Es dauert eine Zeit, bis man sich an das neue Hüftgelenk gewöhnt. Die Rehabilitation nach einem Gelenkersatz dient dazu, die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit des Gelenks zu vergrößern und zu lernen, wie man sich mit dem neuen Gelenk bewegt. Eine schmerztherapeutische Begleitung unterstützt dabei die Genesung. In der Reha können außerdem Fragen zur Wiedereingliederung ins Berufsleben, zum Schwerbehindertenrecht sowie zu einer möglichen Berentung geklärt werden.

    Die Rehabilitation findet stationär in einer Rehabilitationsklinik oder in einem ambulanten Rehabilitationszentrum statt – meist direkt im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt, spätestens aber zwei Wochen nach der Entlassung. Sie wird auch Anschlussheilbehandlung genannt und dauert in der Regel drei Wochen. Der Antrag hierfür wird meist während des Aufenthalts im Krankenhaus zusammen mit dem Sozialdienst gestellt.

    Die Rehabilitation setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen wie Krankengymnastik, Lymphdrainage, einer Gang- und Gleichgewichtsschulung und verschiedenen Bewegungstherapien. Außerdem wird vermittelt, wie man die Prothese vor Überbelastung schützt.

    Wie lange dauert die Genesung und was ist dabei zu beachten?

    Wie gut die Genesung verläuft, hängt vom Alter, dem Zustand der Muskulatur und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab. In der Regel erholen sich Muskulatur und Gelenkkapsel innerhalb von sechs Wochen soweit, dass sie dem Gelenk genügend Halt bieten und man ohne Gehhilfe zurechtkommt. Spaziergänge, Walking oder Radfahren sind nach ärztlicher Rücksprache oft schon nach 6 bis 8 Wochen möglich. Nach etwa 4 bis 6 Monaten können die meisten Menschen auch mit Sportarten wie Golf beginnen.

    In den ersten drei Monaten nach der Operation heilt das Gewebe noch ab. Um zu vermeiden, dass das Gelenk in dieser Zeit auskugelt, wird häufig empfohlen,

    • die Beine nicht zu überkreuzen,
    • das betroffene Bein nicht stark nach innen zu drehen, abzuspreizen oder um mehr als 90 Grad anzuwinkeln,
    • schweres Heben und Tragen oder Schieben von schweren Gegenständen zu vermeiden.

    Grundsätzlich sinnvoll ist es auch, Stürzen vorzubeugen – zum Beispiel, indem man Stolperfallen in der Wohnung beseitigt und auf gut sitzende, flache und rutschfeste Schuhe achtet. Viele Menschen haben aber nach dem Einsatz eines künstlichen Gelenks ein geringeres Sturzrisiko als vorher. Auch hier gilt deshalb: Es ist sinnvoll, unnötigen Risiken aus dem Weg zu gehen – es gibt aber keinen Grund, überängstlich zu werden.

    Welche Sportarten eignen sich bei einem Gelenkersatz?

    Bewegung ist auch mit einem Gelenkersatz wichtig – denn kräftige Muskeln, Sehnen und Bänder geben der Prothese Halt. Allerdings hängt die Lebensdauer einer Prothese auch davon ab, wie stark sie beansprucht wird. Daher gibt es Aktivitäten und Sportarten, die sich für Menschen mit einem künstlichen Gelenk besser eignen als andere. Empfohlen werden:

    • Spaziergänge, Walking und Wandern
    • Radfahren mit einem auf Körpergröße und Beinlänge eingestellten Tourenrad (ein Rad mit tiefem Einstieg kann das Auf- und Absteigen erleichtern)
    • Schwimmen, am besten mit einem Kraulbeinschlag
    • Tanzen
    • leichte Gymnastik

    Zu den Aktivitäten und Sportarten, die das künstliche Gelenk stärker belasten und daher eher ungünstig sind, gehören:

    • Joggen
    • Sportarten wie Tennis, Squash oder Fußball, bei denen die Gelenke Stößen, Drehungen oder ruckartigen Bewegungen ausgesetzt sind
    • Sportarten mit Körperkontakt und entsprechender Sturzgefahr, zum Beispiel Kampfsport

    Bei vielen Sportarten kommt es darauf an, wie gut sie vor dem Gelenkersatz beherrscht wurden – wie zum Beispiel Golf oder Skifahren. Wer mit einer neuen Sportart anfängt, hat noch keine Routine und deshalb ein erhöhtes Risiko für ungünstige Bewegungen und Unfälle. Am besten berät man sich mit der Ärztin oder dem Arzt, welche Aktivitäten infrage kommen.

    Kann ich weiterhin arbeiten und ab wann?

    Auch auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort, da sie vom ausgeübten Beruf und dem Verlauf der Genesung abhängt. Es kann bis zu drei Monate, manchmal auch länger dauern, bis man wieder arbeiten kann – es kann aber auch deutlich schneller gehen. Manchmal kommt eine stufenweise Wiedereingliederung infrage, bei der man mit wenigen Stunden pro Tag beginnt und den Umfang dann schrittweise erhöht (Hamburger Modell).

    Berufe, in denen man viel in der Hocke arbeiten oder schwer heben muss, sind mit einem künstlichen Hüftgelenk nicht gut geeignet. Bei beruflichen Fragen können Ärztinnen und Ärzte sowie der Sozialdienst in der Rehabilitation beraten.

    Autofahren ist möglich, sobald man problemlos ein- und aussteigen und die Pedale des Fahrzeugs sicher bedienen kann.

    Quellen

    Aresti N, Kassam J, Bartlett D, Kutty S. Primary care management of postoperative shoulder, hip, and knee arthroplasty. BMJ 2017; 359: j4431.

    Guerra ML, Singh PJ, Taylor NF. Early mobilization of patients who have had a hip or knee joint replacement reduces length of stay in hospital: a systematic review. Clin Rehabil 2015; 29(9): 844-854.

    Hoorntje A, Janssen KY, Bolder SB, Koenraadt KL, Daams JG, Blankevoort L et al. The Effect of Total Hip Arthroplasty on Sports and Work Participation: A Systematic Review and Meta-Analysis. Sports Med 2018; 48(7): 1695-1726.

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