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Haarausfall bei Chemotherapie

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    Eine Krebsbehandlung hat oft starke Nebenwirkungen. Für viele Menschen ist es besonders belastend, dass bei einer Chemotherapie die Kopf- und Körperhaare ausfallen können. Normalerweise wachsen sie aber schon wenige Wochen nach dem Ende der Behandlung wieder nach.

    Einleitung

    Eine Krebsbehandlung kann starke Nebenwirkungen haben. Für viele Menschen ist es besonders belastend, dass bei einer Chemotherapie die Kopf- und Körperhaare ausfallen können.

    Man kann versuchen, dieser Nebenwirkung vorzubeugen. Ob der Haarausfall dadurch tatsächlich verringert werden kann, ist aber nicht ausreichend untersucht. Der Haarausfall durch eine Chemotherapie ist aber in der Regel vorübergehend: Nach fast jeder Chemotherapie wachsen die Haare wieder nach. Bis dahin nutzen viele Menschen Perücken oder Mützen, um ihren Kopf zu bedecken.

    Dieses Thema informiert über Haarausfall durch Chemotherapie bei erwachsenen Krebspatientinnen und -patienten.

     

    Symptome

    Die Haare können insgesamt lichter werden, oft fallen sie aber innerhalb von Tagen oder Wochen nach Beginn der Chemotherapie vollständig aus. Das kann auch büschelweise stattfinden. Dies betrifft nicht nur die Haare auf dem Kopf, sondern auch Augenbrauen, Wimpern und Barthaare sowie die Körper- und Schambehaarung.

    Wenn die Haare kurz über der Kopfhaut abbrechen, können Stoppeln entstehen. Das kann Juckreiz oder ein unangenehmes Gefühl auslösen. Manchmal ist die Kopfhaut auch vor dem Haarausfall schmerzempfindlich, oder es tut weh, wenn man die Haare berührt.

    Ursachen

    In der Haarwurzel besteht ein Haar aus lebenden Zellen, die dann verhornen. Die ständig aus der Wurzel nachwachsenden Zellen schieben das Haar aus der Haut heraus. Viele bei einer Chemotherapie eingesetzten Medikamente (Zytostatika) stören die Teilung von Krebszellen. Sie schädigen aber auch die sich schnell teilenden Zellen in den Haarwurzeln, sodass das Haar in der Haut oder kurz darüber abbricht.

    Es gibt auch ruhende Haare, die nicht mehr wachsen. Diese werden durch eine Chemotherapie nicht geschädigt, sie machen aber weniger als zehn Prozent aller Haare aus.

    Auch Krebsmedikamente, die nicht zu den Zytostatika zählen, können zu Haarausfall führen. Dazu gehören zum Beispiel das Brustkrebsmedikament Tamoxifen und mehrere sogenannte zielgerichtete Krebsmedikamente.

    Häufigkeit

    Wie oft es bei einer Chemotherapie zu Haarausfall kommt, lässt sich nicht allgemein sagen. Zum einen kommt es darauf an, welche Medikamente man erhält: Manche Mittel führen fast immer dazu, dass die Haare ausgehen, bei anderen ist Haarausfall selten.

    Ob Haare ausfallen und wie stark der Haarausfall ist, kann auch von anderen Faktoren abhängen – zum Beispiel von der Dosis der Chemotherapie oder davon, ob man die Medikamente als Tablette einnimmt oder als Infusion erhält.

    Verlauf

    In der Regel setzt der Haarausfall ein bis drei Wochen nach Beginn der Chemotherapie ein. Zuerst fallen die Kopfhaare aus, etwas später können auch die Haare im Gesicht, am Körper und im Schambereich ausfallen.

    Wenige Wochen nach dem Ende der Chemotherapie beginnen die Haare bei den allermeisten wieder nachzuwachsen. Vernarbungen der Kopfhaut oder andere Probleme treten normalerweise nicht auf. Bei manchen Menschen ist lediglich die Farbe der nachgewachsenen Haare etwas heller oder dunkler, bei vielen sind die Haare lockiger als vorher. Das ist aber meist nur vorübergehend.

    Diagnose

    Der Haarausfall ist eine so typische Nebenwirkung der Chemotherapie, dass spezielle Untersuchungen der Haare oder der Kopfhaut meist nicht nötig sind. Sie sind nur sinnvoll, wenn die Haare nach der Chemotherapie nicht wieder gesund nachwachsen – oder wenn der Verdacht besteht, dass es noch eine andere Ursache für den Haarausfall geben könnte, zum Beispiel einen Hautpilz.

    Vorbeugung

    Medikamente, die dem Haarausfall bei Chemotherapie wirksam vorbeugen, gibt es bislang nicht. Manchmal kann es möglicherweise helfen, während der Medikamenten-Infusion eine kühlende Kappe zu tragen. Die Kopfhaut-Kühlung soll dafür sorgen, dass die Haarwurzel weniger stark geschädigt wird.

    Behandlung

    Eine wirksame Behandlung gegen den Haarausfall durch Chemotherapie gibt es nicht. Die Haare wachsen aber nach Abschluss der allermeisten Krebstherapien von allein wieder nach. Ob das Haarwuchsmittel Minoxidil das Nachwachsen beschleunigen kann, ist unklar.

    Leben und Alltag

    Der Haarausfall ist für viele Menschen eine der schwersten Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Er kann zum Beispiel belasten, weil andere nun erkennen können, dass man an Krebs erkrankt ist. Auch das Selbstbild als Frau oder Mann kann leiden. Bei Frauen spielt dabei in erster Linie der Verlust des Kopfhaars, bei Männern auch der von Bart- und Körperhaaren eine Rolle.

    Es gibt einige Wege, mit diesen Belastungen umzugehen: Wer lange Haare hat, kann sich zum Beispiel schon vor Beginn der Chemotherapie eine Kurzhaarfrisur schneiden lassen. Setzt der Haarausfall dann ein, wirken ausgefallene Haarbüschel weniger groß und beängstigend. Sich die Haare selbst abzurasieren, bewahrt vor dem Gefühl des dauernden Haarverlusts – und davor, immer wieder Haare zum Beispiel aus dem Bett, von der Kleidung oder im Bad entfernen zu müssen.

    Um die kahle Kopfhaut zu bedecken, eignen sich Mützen, Tücher, Kappen oder Perücken aus Kunst- oder Echthaar. Aus Echthaar geknüpfte Perücken lassen sich so schneiden wie die frühere Frisur und wirken sehr natürlich. Sie sind allerdings teurer als Kunsthaarperücken. Wer sich für eine Perücke entscheidet, kann sich von der Ärztin oder dem Arzt, der die Chemotherapie verabreicht, ein Rezept dafür ausstellen lassen. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel einen Teil der Kosten für eine Kunsthaarperücke.

    Ausgefallene Wimpern und Brauen können durch künstliche Wimpern und Make-up ersetzt werden. Wer sich vorher nicht selbst geschminkt hat, kann sich in einer Vielzahl von Videos im Internet Tipps und Anregungen holen, manche Kliniken und Selbsthilfe-Organisationen bieten auch spezielle Kurse an.

    Eine Möglichkeit ist auch, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder bei einer Psychoonkologin oder einem Psychoonkologen Unterstützung zu suchen und über die Sorgen und Ängste zu sprechen, die mit dem Haarausfall zusammenhängen.

    Bis die Haare wieder komplett nachgewachsen sind, pflegt man sie am besten sehr schonend. Das heißt zum Beispiel, sie möglichst nicht öfter als zweimal pro Woche zu waschen, Babyshampoo zu verwenden, sie nicht zu heiß oder zu lange zu föhnen und aufs Färben zu verzichten.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), Deutsche Krebshilfe (DKH), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen. AWMF-Registernr.: 032-054OL. 04.2017. (Leitlinienprogramm Onkologie).

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    Moll I. Duale Reihe Dermatologie. Stuttgart: Thieme; 2016.

    Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch. Berlin: De Gruyter; 2017.

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    Mehr Wissen: Lässt sich Haarausfall bei Chemotherapie vorbeugen?

    Es gibt keine zuverlässige Methode, dem Haarausfall bei einer Chemotherapie vorzubeugen. Manche Patientinnen oder Patienten versuchen es mit einer Kühlung der Kopfhaut während der Behandlung. Die Methode ist aber nicht gut untersucht.

    Wer eine Chemotherapie bekommt, muss je nach Medikament mit Haarausfall rechnen. Auch wenn die Haare nach Abschluss der allermeisten Chemotherapien wieder nachwachsen: Diese Nebenwirkung ist für viele Krebspatientinnen und -patienten besonders belastend. Mittel, die dem Haarausfall zuverlässig vorbeugen oder ihn behandeln könnten, gibt es nicht. Erwachsene, die trotzdem etwas zur Vorbeugung ausprobieren möchten, können ihre Ärztin oder ihren Arzt nach einer Kopfhaut-Kühlung fragen. Dieses Verfahren ist keine Kassenleistung und muss selbst bezahlt werden.

    Es gibt keine zuverlässige Methode, dem Haarausfall bei einer Chemotherapie vorzubeugen. Manche Patientinnen oder Patienten versuchen es mit einer Kühlung der Kopfhaut während der Behandlung. Die Methode ist aber nicht gut untersucht.

    Wer eine Chemotherapie bekommt, muss je nach Medikament mit Haarausfall rechnen. Auch wenn die Haare nach Abschluss der allermeisten Chemotherapien wieder nachwachsen: Diese Nebenwirkung ist für viele Krebspatientinnen und -patienten besonders belastend. Mittel, die dem Haarausfall zuverlässig vorbeugen oder ihn behandeln könnten, gibt es nicht. Erwachsene, die trotzdem etwas zur Vorbeugung ausprobieren möchten, können ihre Ärztin oder ihren Arzt nach einer Kopfhaut-Kühlung fragen. Dieses Verfahren ist keine Kassenleistung und muss selbst bezahlt werden.

    Wie funktioniert die Kopfhaut-Kühlung?

    Eine Chemotherapie wird in sogenannten Zyklen gegeben: Man bekommt die Krebsmedikamente an den Behandlungstagen, meist als Infusion. Danach folgen je nach Mittel etwa zwei bis vier Wochen Pause bis zur nächsten Behandlung.

    Die Kopfhaut wird nur gekühlt, während man die Infusion bekommt. Manchmal wird schon zehn bis zwanzig Minuten vorher begonnen, nach der Behandlung kann die Kühlung noch bis zu eineinhalb Stunden fortgesetzt werden.

    Für die Kühlung werden Kühlkappen verwendet, die man wie einen Fahrradhelm trägt. Vor dem Anlegen der Kühlkappe werden meist die Haare befeuchtet. Die meisten Modelle sind heutzutage an ein Gerät angeschlossen, das Kühlflüssigkeit durch die Kappe pumpt und die Kopfhaut so auf etwa 20 Grad Celsius abkühlt. Andere Kappen bestehen aus mit Gel gefüllten Kühlelementen. Sie werden vor der Behandlung tiefgefroren. Bei längeren Chemotherapie-Infusionen müssen solche Kappen unter Umständen mehrmals gegen eine frisch gekühlte ausgetauscht werden.

     

    Grafik: Kühlkappe Kühlkappe

     

    Wie soll die Kühlung dem Haarausfall vorbeugen?

    Durch die Kühlung verengen sich die Blutgefäße in der Kopfhaut. Dadurch werden die Zellen in den Haarwurzeln weniger durchblutet. Außerdem sorgt die Kälte dafür, dass sich der Stoffwechsel in den Haarwurzelzellen etwas verlangsamt. Man geht davon aus, dass dadurch weniger Krebsmedikamente in die Haarwurzelzellen gelangen und sie weniger geschädigt werden.

    Wie wirksam ist die Kopfhaut-Kühlung?

    Bislang gibt es nur wenige geeignete Studien zur Kopfhaut-Kühlung. Zusammengefasst zeigen sie: Im Vergleich zu Personen, die keine Kopfhaut-Kühlung erhielten, hatten die Personen, bei denen die Kopfhaut während ihrer Chemotherapie gekühlt wurde, weniger Haarausfall. Sie benötigten nach der Chemotherapie zum Beispiel seltener eine Perücke.

    Diese Ergebnisse haben aber nur eine begrenzte Aussagekraft: An den Studien nahmen recht wenige Personen teil, meist waren es auch deutlich mehr Frauen als Männer. Die verabreichten Krebsmedikamente und die Dauer der Chemotherapie unterschieden sich. Es wurden verschiedene Kühlkappen-Modelle eingesetzt, zudem wurde in den einzelnen Studien auf unterschiedliche Weise gemessen, wie ausgeprägt der Haarausfall war.

    Welche Nachteile sind möglich?

    Grundsätzlich ist die Kopfhaut-Kühlung gut verträglich und risikoarm. Sie sorgt zwar dafür, dass weniger Chemotherapie-Medikamente in die Kopfhaut gelangen – es gibt aber keine Hinweise, dass die Kühlung die Wirksamkeit der Chemotherapie einschränkt.

    Die häufigste Nebenwirkung sind Kopfschmerzen. Manche Personen empfinden die Kälte jedoch als so unangenehm, dass sie die Kühlung abbrechen.

    Die Kühlung eignet sich nur dazu, dem Ausfall der Kopfhaare vorzubeugen. Für manche Betroffene ist aber vor allem der Verlust von Wimpern oder Augenbrauen sehr belastend. Für Männer kann auch die fehlende Bart- oder Körperbehaarung problematischer sein als der Haarausfall am Kopf.

    Lässt sich auch mit anderen Mitteln vorbeugen?

    Druck auf die Kopfhaut (Kompression)

    Manchmal wird versucht, dem Haarausfall durch Druck auf die Kopfhaut vorzubeugen. Dazu werden zum Beispiel Druckmanschetten oder enge Hauben angelegt. Die Kopfhaut wird dadurch weniger durchblutet, sodass weniger Krebsmedikamente an die Haarwurzel gelangen sollen. Allerdings ist nicht belegt, dass diese Methode etwas bringt. In Studien konnte nur in Kombination mit der Kopfhaut-Kühlung ein vorbeugender Effekt beobachtet werden.

    Medikamente

    Es gibt bislang kein Medikament, das vor Haarausfall während einer Chemotherapie schützen kann. Manche Menschen probieren Haarwuchsmittel zum Auftragen auf die Kopfhaut aus, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Minoxidil. In Studien konnte dieses Mittel den Haarausfall aber nicht verhindern. Unklar ist auch, ob die Haare nach der Behandlung schneller wieder nachwachsen, wenn man das Mittel während der Chemotherapie anwendet.

    Ernährung

    Bestimmte Vitamine und Nahrungsmittel wie Hirse gelten als haarwuchsfördernd und werden auch als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Dass sie dem Haarausfall bei Chemotherapie oder anderen Formen von Haarausfall vorbeugen können, ist aber nicht belegt.

    Quellen

    Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), Deutsche Krebshilfe (DKH), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen. AWMF-Registernr.: 032-054OL. 04.2017. (Leitlinienprogramm Onkologie).

    Hilton S, Hunt K, Emslie C, Salinas M, Ziebland S. Have men been overlooked? A comparison of young men and women's experiences of chemotherapy-induced alopecia. Psychooncology 2008; 17(6): 577-583.

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    Shaw J, Baylock B, O'Reilly A, Winstanley J, Pugliano L, Andrews K et al. Scalp cooling: a qualitative study to assess the perceptions and experiences of Australian patients with breast cancer. Support Care Cancer 2016; 24(9): 3813-3820.

    Shin H, Jo SJ, Kim DH, Kwon O, Myung SK. Efficacy of interventions for prevention of chemotherapy-induced alopecia: a systematic review and meta-analysis. Int J Cancer 2015; 136(5): E442-454.

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