Gesundheitslexikon

Nierensteine und Harnleitersteine

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    Nierensteine sind vor allem bei 40- bis 60-Jährigen weit verbreitet. Die kleinen, festen Ablagerungen bilden sich im Nierenbecken und können bis in die Harnleiter wandern. Größere Steine können schmerzhaft sein und müssen häufig entfernt werden. Zur Vorbeugung und Behandlung gibt es verschiedene Möglichkeiten.

    Einleitung

    Nierensteine sind kleine, feste Ablagerungen, die sich im Nierenbecken bilden. Wenn sie in die Harnleiter wandern, spricht man von Harnleitersteinen. Nieren- und Harnleitersteine werden manchmal auch als Harnsteine bezeichnet.

    Viele Steine sind so klein, dass sie auch ohne Behandlung innerhalb von einigen Tagen oder Wochen zur Blase wandern und dann mit dem Urin ausgeschieden werden. Bei kleinen Steinen reicht es daher oft, bei Beschwerden eine Zeit lang Schmerzmittel zu nehmen, viel Wasser zu trinken, sich zu bewegen und abzuwarten. Bei Steinen mittlerer Größe können Medikamente, die die Muskulatur entspannen, das Ausscheiden unterstützen.

    Größere Steine können im Ausgang des Nierenbeckens stecken bleiben oder langsam durch den Harnleiter wandern und dabei starke Schmerzen und andere Beschwerden verursachen. Diese Steine müssen in der Regel durch Schallwellen zertrümmert oder mit einem kleinen Eingriff entfernt werden. Welche Behandlung sich eignet, hängt von der Größe, Art und Lage der Steine in der Niere oder den Harnwegen ab.

    Viele Menschen haben wiederholt mit Nieren- oder Harnleitersteinen zu tun. Um dem vorzubeugen, ist es wichtig, nach der Ursache für die Steinbildung zu suchen.

    Symptome

    Viele Menschen haben Nierensteine, die keine Beschwerden auslösen und oft nur zufällig entdeckt werden. Manchmal bemerken Betroffene ein leichtes Ziehen in der Nierengegend, ohne dies mit einem Stein in Verbindung zu bringen.

    Erst wenn ein Stein das Nierenbecken blockiert oder durch den Harnleiter wandert, macht er sich bemerkbar: Das Hauptsymptom sind Schmerzen, die von leichtem Unwohlsein bis hin zu starken krampfartigen Schmerzen reichen. Je nachdem, in welchem Abschnitt des Harnleiters sich der Stein gerade befindet, können die Schmerzen im Unterleib, Bauch oder Rücken auftreten.

    Die beiden Harnleiter haben natürliche Engstellen – zum Beispiel dort, wo sie in die Harnblase münden. Wandert ein Nierenstein durch so eine Engstelle, sind die Schmerzen besonders stark. Typisch sind plötzlich und anfallsartig auftretende, heftige Schmerzen in der Seite, die in den Unterbauch ausstrahlen können. Sie werden auch als Nierenkolik bezeichnet. Die Schmerzen werden in Wellen stärker und schwächer, manchmal kommen auch Übelkeit und Erbrechen hinzu. Typisch ist, dass Menschen sich winden, um eine Körperposition zu finden, in der die Schmerzen nachlassen. Eine Nierenkolik kann zwischen 20 und 60 Minuten andauern.

     

    Grafik: Schmerzen bei Nierensteinen: Stellen, an denen sie typischerweise auftreten - wie im Text beschrieben Schmerzen bei Nierensteinen: Stellen, an denen sie typischerweise auftreten

     

    Weitere mögliche Symptome eines Steins im Harnleiter sind Blut im Urin, Schmerzen beim Wasserlassen und ein häufiger oder verstärkter Harndrang. Manchmal können die Schmerzen auch in die Geschlechtsorgane ausstrahlen.

    Kleine Harnsteine verursachen nicht unbedingt Beschwerden. Sie fallen manchmal erst auf, wenn sie mit dem Urin ausgeschieden werden. Manche Steine werden nur durch Zufall entdeckt, wenn ein Röntgenbild oder eine Ultraschalluntersuchung vom Bauchraum gemacht wird.

     

    Grafik: Nieren und ableitende Harnwege mit Steinen in Niere und Harnleiter Nieren und ableitende Harnwege mit Steinen in Niere und Harnleiter

    Ursachen und Risikofaktoren

    Nierensteine entstehen, wenn sich im Urin bestimmte Stoffe zu Kristallen zusammensetzen. Oft handelt es sich dabei um kalziumhaltige Salze, es können aber auch Harnsäure und andere Minerale sein:

    • 80 % der Menschen mit Nierensteinen haben Kalziumsteine,
    • 5 bis 10 % Harnsäuresteine und
    • 10 % Steine aus dem Mineral Struvit.

    Steine, die sich aus anderen Stoffen zusammensetzen, sind selten.

    Normalerweise sind diese Stoffe im Urin gelöst. Bei manchen Erkrankungen kann es passieren, dass ihre Konzentration im Urin ansteigt und sich Kristalle bilden: Bei einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen steigt zum Beispiel der Kalziumspiegel im Urin, bei Gicht der Harnsäurespiegel. Selten ist der Überschuss genetisch bedingt, etwa bei Steinen aus der Aminosäure Zystin.

    Auch die Ernährung kann eine Rolle spielen: Zum Beispiel enthalten einige Lebensmittel wie Rhabarber viel Oxalsäure; Innereien können den Harnsäurespiegel erhöhen. Das kann die Bildung von Steinen fördern. Außerdem steigt die Konzentration steinbildender Stoffe im Urin, wenn man zu wenig trinkt.

    Eine andere Ursache kann sein, dass im Urin zu wenig Substanzen vorkommen, die normalerweise vor einer Steinbildung schützen. Dazu gehört vor allem das sogenannte Citrat. Ein Citrat-Mangel kann zum Beispiel durch chronischen Durchfall entstehen.

    Neben dem Verhältnis von steinbildenden und steinhemmenden Urinbestandteilen spielt der Säuregrad des Urins eine Rolle: Die meisten Steinarten entstehen, wenn der Urin zu sauer ist. Steine können sich aber auch bilden, wenn der Urin an Säure verliert und alkalisch wird – etwa durch eine Harnwegsinfektion.

    Auch bestimmte Medikamente können Nierensteine begünstigen – etwa weil sie selbst im Urin Kristalle bilden oder die Zusammensetzung des Urins verändern.

    Manche Menschen haben aufgrund anatomischer Besonderheiten der Nieren, wie Nierenzysten oder eine Hufeisenniere, ein erhöhtes Risiko. Von einer Hufeisenniere spricht man, wenn die beiden Nieren an den unteren Enden zusammengewachsen sind.

    Häufigkeit

    Nierensteine sind weit verbreitet: In Deutschland erkranken jedes Jahr 1 bis 2 % der Bevölkerung. Nach Schätzungen aus den USA bekommen mindestens 10 % der Menschen einmal im Leben Nieren- oder Harnleitersteine. Männer haben dabei ein höheres Risiko als Frauen. Nieren- und Harnleitersteine können in jedem Alter auftreten, auch bei Kindern. Am häufigsten bilden sie sich bei Menschen im Alter von 40 bis 60 Jahren.

    Verlauf

    Beschwerden verursachen Nierensteine in der Regel erst, wenn sie in den Harnleiter gelangen. Die Symptome hängen stark von ihrer Größe ab:

    • Die meisten Steine mit einem Durchmesser unter 5 Millimeter wandern von selbst in die Blase und werden dann mit dem Urin ausgeschieden.
    • Auch die Hälfte der Steine zwischen 5 und 10 Millimeter wird von selbst ausgeschieden.
    • Steine mit einem Durchmesser über 10 Millimeter müssen meist behandelt werden.

    Wie lange es dauert, bis ein Stein abgeht, ist sehr unterschiedlich. Kleine Steine werden oft nach ein bis zwei Wochen mit dem Urin ausgeschieden. Wenn ein Stein nicht innerhalb von vier Wochen von selbst ausgespült wird, behandelt man ihn normalerweise.

    Bei bis zu 50 von 100 Menschen, die wegen eines Nieren- oder Harnleitersteins behandelt wurden, bilden sich innerhalb von fünf Jahren ein zweites Mal Steine, bei manchen auch öfter. Daher spielt die Vorbeugung eine wichtige Rolle.

    Folgen

    Unbehandelt können Nierensteine die Harnleiter verengen oder verstopfen. Dadurch werden Infektionen begünstigt, es kann sich Urin aufstauen und die Niere belasten. Dies ist aber selten, da die meisten Steine behandelt werden, bevor es zu Komplikationen kommen kann. Anzeichen für eine Infektion der oberen Harnwege sind Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen an den Seiten und im unteren Rückenbereich sowie Übelkeit oder Erbrechen.

    Diagnose

    Die typischen Anzeichen von Harnsteinen können Hinweise für die Diagnose geben. Sie reichen aber nicht immer aus, um die Ursache der Beschwerden sicher festzustellen. Mit einer Ultraschalluntersuchung lassen sich die meisten Nieren- und Harnsteine aufspüren. Bei unklaren Ergebnissen wird manchmal auch eine Computertomografie (CT) gemacht.

    Ein Röntgenbild der Nieren, Harnleiter und Blase ist weniger genau, da manche Steine auf Röntgenbildern nicht sichtbar sind: Während man Kalziumsteine gut erkennen kann, sind Struvitsteine weniger gut und Harnsäuresteine gar nicht zu sehen. Röntgenaufnahmen können aber hilfreich sein, um zu überprüfen, ob die Behandlung von Kalziumsteinen erfolgreich war.

    Wichtig ist auch, das Blut und den Urin zu untersuchen. Diese Tests können Hinweise auf die möglichen Ursachen geben, zum Beispiel eine Infektion oder erhöhte Kalzium- oder Harnsäurewerte.

    Manche Steine werden zufällig entdeckt, etwa bei einer Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung des Bauchraums.

    Vorbeugung

    Wenn man die Steine behandelt, ohne etwas gegen ihre Ursache zu unternehmen, treten sie bei vielen Menschen erneut auf. Welche Art der Vorbeugung dann sinnvoll ist, hängt von der Zusammensetzung der Nierensteine und ihrer Ursache ab. Daher ist es wichtig, beim Wasserlassen auf Harnsteine zu achten und diese aufzufangen, indem man beispielsweise durch ein Sieb oder einen Filter uriniert. Nach einer operativen Entfernung der Steine werden sie anschließend im Labor analysiert.

    Um weiteren Nierensteinen vorzubeugen, empfehlen Fachleute, viel zu trinken – mehr als die sonst empfohlenen 1,5 Liter pro Tag. Welche Trinkmenge sinnvoll ist, kann man mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.

    Je nach Ursache kann auch eine Anpassung der Ernährung sinnvoll sein – etwa mit weniger Fleisch oder Salz. Unter Umständen können auch Medikamente infrage kommen, die den pH-Wert des Urins beeinflussen oder den Kalzium- oder Harnsäurespiegel im Urin senken. Welche vorbeugenden Maßnahmen sinnvoll sind, hängt auch vom persönlichen Risiko für weitere Nierensteine ab.

    Behandlung

    Bei kleineren Nierensteinen, die keine Beschwerden verursachen, reicht es aus, abzuwarten, bis sie von allein mit dem Urin ausgeschieden werden. Anhand der Größe und Lage des Steins lässt sich einschätzen, ob er von selbst abgeht.

    Von Nieren- oder Harnleitersteinen ausgelöste Schmerzen lassen sich mit Schmerzmitteln wie Diclofenac, Ibuprofen, Paracetamol oder Metamizol lindern. Bei sehr starken Schmerzen kommen auch stärkere Mittel (Opioide) infrage.

    Bei Harnleitersteinen zwischen 5 und 10 Millimetern können bestimmte Medikamente zur Muskelentspannung (Alphablocker) das Ausscheiden unterstützen. Größere Steine müssen in der Regel entfernt werden. Je nach Lage und Größe werden sie mit Ultraschallwellen zertrümmert, endoskopisch oder durch eine kleine Operation entfernt.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

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    Afshar K, Jafari S, Marks AJ, Eftekhari A, MacNeily AE. Nonsteroidal anti-inflammatory drugs (NSAIDs) and non-opioids for acute renal colic. Cochrane Database Syst Rev 2015; (6): CD006027.

    Amer T, Osman B, Johnstone A, Mariappan M, Gupta A, Brattis N et al. Medical expulsive therapy for ureteric stones: Analysing the evidence from systematic reviews and meta-analysis of powered double-blinded randomised controlled trials. Arab J Urol 2017; 15(2): 83-93.

    Campschroer T, Zhu X, Vernooij RW, Lock MT. Alpha-blockers as medical expulsive therapy for ureteral stones. Cochrane Database Syst Rev 2018; (4): CD008509.

    Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU), Arbeitskreis Harnsteine der Akademie der Deutschen Urologen. S2k-Leitlinie zur Diagnostik,Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis. AWMF-Registernr.: 043-025. 2015.

    Fink HA, Wilt TJ, Eidman KE, Garimella PS, MacDonald R et al. Medical management to prevent recurrent nephrolithiasis in adults: a systematic review for an American College of Physicians Clinical Guideline. Ann Intern Med 2013; 158(7): 535-543.

    Garcia-Perdomo HA, Echeverria-Garcia F, Lopez H, Fernandez N, Manzano-Nunez R. Pharmacologic interventions to treat renal colic pain in acute stone episodes: Systematic review and meta-analysis. Prog Urol 2017; 27(12): 654-665.

    Hollingsworth JM, Canales BK, Rogers MA, Sukumar S, Yan P, Kuntz GM et al. Alpha blockers for treatment of ureteric stones: systematic review and meta-analysis. BMJ 2016; 355: i6112.

    Miller NL, Lingeman JE. Management of kidney stones. BMJ 2007; 334(7591): 468-472.

    Moe OW. Kidney stones: pathophysiology and medical management. Lancet 2006; 367(9507): 333-344.

    Pathan SA, Mitra B, Cameron PA. A Systematic Review and Meta-analysis Comparing the Efficacy of Nonsteroidal Anti-inflammatory Drugs, Opioids, and Paracetamol in the Treatment of Acute Renal Colic. Eur Urol 2018; 73(4): 583-595.

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    Tseng TY, Preminger GM. Kidney stones: flexible ureteroscopy. BMJ Clin Evid 2015: pii: 2003.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Vorbeugung von Nierensteinen

    Wer einmal einen Nierenstein hatte, muss damit rechnen, dass sich erneut Steine bilden. Um vorzubeugen, reicht es meist aus, viel zu trinken und die Ernährung umzustellen. Für Menschen, die trotzdem immer wieder Nierensteine bekommen, gibt es Medikamente zur Vorbeugung.

    Etwa 30 bis 50 von 100 Personen, die einen Nierenstein hatten, müssen innerhalb von fünf Jahren mit einem zweiten Stein rechnen. Etwa 10 von 100 entwickeln häufiger Nierensteine. Für viele Betroffene stellt sich daher die Frage, wie sie neuen Steinen vorbeugen können.

    Da Nierensteine viele Ursachen haben können, ist es zunächst wichtig, die chemische Zusammensetzung der Steine zu kennen. Auch bestimmte Werte in Blut und Urin geben Hinweise auf die Ursachen. Etwa 80 Prozent aller Nierensteine sind Kalziumsteine. Harnsäuresteine sind für ungefähr 5 bis 10 Prozent aller Nierensteine verantwortlich. Die restlichen Steine bestehen aus Struvit, Zystin oder anderen selteneren Substanzen.

    Um das Risiko für Nierensteine zu senken, reicht es meist aus, genug zu trinken und wenn nötig, die Ernährung anzupassen. Bei Menschen mit einem hohen Risiko für Nierensteine können Medikamente zum Schutz vor weiteren Steinen sinnvoll sein.

    Wer einmal einen Nierenstein hatte, muss damit rechnen, dass sich erneut Steine bilden. Um vorzubeugen, reicht es meist aus, viel zu trinken und die Ernährung umzustellen. Für Menschen, die trotzdem immer wieder Nierensteine bekommen, gibt es Medikamente zur Vorbeugung.

    Etwa 30 bis 50 von 100 Personen, die einen Nierenstein hatten, müssen innerhalb von fünf Jahren mit einem zweiten Stein rechnen. Etwa 10 von 100 entwickeln häufiger Nierensteine. Für viele Betroffene stellt sich daher die Frage, wie sie neuen Steinen vorbeugen können.

    Da Nierensteine viele Ursachen haben können, ist es zunächst wichtig, die chemische Zusammensetzung der Steine zu kennen. Auch bestimmte Werte in Blut und Urin geben Hinweise auf die Ursachen. Etwa 80 Prozent aller Nierensteine sind Kalziumsteine. Harnsäuresteine sind für ungefähr 5 bis 10 Prozent aller Nierensteine verantwortlich. Die restlichen Steine bestehen aus Struvit, Zystin oder anderen selteneren Substanzen.

    Um das Risiko für Nierensteine zu senken, reicht es meist aus, genug zu trinken und wenn nötig, die Ernährung anzupassen. Bei Menschen mit einem hohen Risiko für Nierensteine können Medikamente zum Schutz vor weiteren Steinen sinnvoll sein.

    Hilft es, viel zu trinken?

    Nierensteine entstehen, wenn sich die Kalzium- oder Harnsäuresalze im Urin nicht mehr lösen können. Das kann passieren, wenn ihre Konzentration zu hoch ist. Die Salze bilden dann Kristalle, die zu Steinen werden. Dieses Risiko ist geringer, wenn der Urin möglichst verdünnt ist.

    Eine Studie liefert Hinweise darauf, dass sich das Risiko für einen zweiten Nierenstein senken lässt, wenn man mehr trinkt als normalerweise: Die Teilnehmenden der Studie tranken so viel, dass sie etwa 2,5 Liter Urin am Tag ausschieden. Über einen Zeitraum von fünf Jahren zeigte sich:

    • 27 von 100 Personen, die genauso viel tranken wie vorher, hatten einen zweiten Nierenstein.
    • 12 von 100 Personen, die mehr Flüssigkeit zu sich nahmen, hatten einen zweiten Nierenstein.

    Die gesteigerte Trinkmenge konnte also 15 von 100 Personen vor einem erneuten Nierenstein bewahren. Die Studienteilnehmenden kamen gut damit zurecht, dass sie mehr tranken als vorher.

    Softdrinks eher meiden

    Viele Softdrinks wie Cola enthalten Phosphorsäure (den Lebensmittelzusatzstoff E338). Sie begünstigt möglicherweise die Bildung von Nierensteinen. Zur Frage, ob der Verzicht auf Softdrinks auch das Risiko für weitere Nierensteine senkt, gibt es bislang nur eine aussagekräftige Studie. In ihr wurden gut 500 Männer dazu angehalten, weniger Softdrinks zu trinken. Sie verringerten ihren Konsum im Durchschnitt auf unter 100 Milliliter am Tag – das ist weniger als ein halbes Glas. Im Vergleich zu einer Gruppe von Männern, die ihre Trinkvorlieben nicht änderten, sank ihr Risiko für Nierensteine. Im Verlauf von drei Jahren zeigte sich:

    • 41 von 100 Männern, die so viele Softdrinks wie zuvor tranken, hatten einen weiteren Nierenstein.
    • 34 von 100 Männern, die weniger Softdrinks tranken, hatten einen weiteren Nierenstein.

    Das heißt, dass sich 7 von 100 Männern vor einer erneuten Erkrankung schützen konnten, wenn sie weniger Softdrinks zu sich nahmen. Manche Männer beendeten ihre Teilnahme an der Studie vorzeitig – möglicherweise, weil ihnen die Umstellung schwer fiel.

    Ist es sinnvoll, die Ernährung umzustellen?

    Kalziumarme Ernährung schadet eher

    Kalziumsteine bestehen häufig aus Kalzium und Oxalat (Kalziumoxalat). Beide Stoffe sind in vielen Lebensmitteln enthalten. Ein Verzicht auf oxalathaltige Nahrungsmittel wie Rhabarber, Petersilie, Walnüsse, Spinat oder Schokolade gilt als hilfreich. Auf kalziumreiche Lebensmittel wie Milch, Käse oder Joghurt zu verzichten, ist allerdings keine gute Idee. Studien zeigen, dass eine kalziumarme Kost Nierensteine eher begünstigt: Wenn zu wenig Kalzium im Essen ist, gelangt mehr Oxalat in den Urin.

    Anders sieht es aus, wenn Kalzium als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen wird. Hier zeigen Studien, dass dies Nierensteine begünstigt – zumindest bei Frauen in den Wechseljahren.

    Umfassende Ernährungsumstellung könnte helfen

    An der bislang aussagekräftigsten Studie zu Ernährung und Nierensteinen nahmen Männer teil, deren Blut viel Kalzium enthielt. Im Rahmen einer umfassenden Ernährungsumstellung wurden sie dazu angehalten,

    • viel zu trinken,
    • oxalatreiche Lebensmittel wie Walnüsse, Spinat und Schokolade zu meiden,
    • wenig tierisches Eiweiß wie Fleisch und Eier zu essen,
    • sich salzarm zu ernähren und
    • ausreichend, aber nicht zu viel Kalzium zu sich zu nehmen, etwa in Form von Milch, Käse oder Joghurt (etwa 1000 bis 1200 Milligramm pro Tag).

    Die Männer in der Vergleichsgruppe sollten lediglich viel trinken und sich oxalat- und kalziumarm ernähren.

    Das Ergebnis der Studie zeigte, dass die umfassende Ernährungsumstellung das Risiko für Nierensteine senken konnte:

    • Ohne eine Ernährungsumstellung hatten 38 von 100 Männern innerhalb von fünf Jahren einen weiteren Nierenstein.
    • Mit einer Ernährungsumstellung hatten 20 von 100 Männern innerhalb von fünf Jahren einen weiteren Nierenstein.

    18 von 100 Männern hat die geänderte Ernährung also geholfen, einen erneuten Nierenstein zu vermeiden.

    Teilweise wird auch eine Ernährung empfohlen, die reich an Ballaststoffen ist. Für eine vorbeugende Wirkung gibt es aber keine wissenschaftlichen Belege.

    Einfluss purinarmer Ernährung unklar

    Vor allem Menschen mit Gicht und Diabetes haben Harnsäuresteine. Harnsäure ist ein Abbauprodukt sogenannter Purine: Sie werden überwiegend im Körper gebildet, zum Teil aber auch über die Nahrung aufgenommen. Zur Vorbeugung von Harnsäuresteinen wird daher eine purinarme Ernährung mit wenig Fisch, Fleisch und Meeresfrüchten empfohlen.

    Bislang gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Studien, die untersucht haben, ob eine purinarme Ernährung das Risiko für Harnsäuresteine senkt.

    Wann kommen Medikamente zur Vorbeugung von Nierensteinen infrage?

    Vorbeugende Medikamente kommen infrage, wenn ein hohes Risiko für weitere Nierensteine besteht. Von einem hohen Risiko spricht man zum Beispiel:

    • wenn die Nierensteine bereits im Kindes- oder Jugendalter auftreten.
    • bei familiärer Veranlagung für Nierensteine.
    • bei bestimmten Erkrankungen der Nieren, Harnwege oder des Magen-Darm-Trakts.
    • bei einer Überfunktion der Nebenschilddrüse.
    • wenn Steine durch eine Harnwegsinfektion verursacht sind.
    • bei Harnsäuresteinen.
    • bei Zystinsteinen (bedingt durch eine seltene vererbte Stoffwechselstörung).

    Welche Medikamente zur Vorbeugung von Nierensteinen eingesetzt werden, hängt von der Art der Steine ab:

    • Citrat: Es verbindet sich mit im Urin gelöstem Kalzium und verhindert so, dass sich Kalziumkristalle bilden. Citrat ist als Brausetablette, Kapsel und Pulver im Handel erhältlich. Es wird zur Vorbeugung von Kalzium-, Harnsäure- und Zystinsteinen eingesetzt.
    • Thiaziddiuretika: Diese Medikamente bewirken, dass weniger Kalzium aus dem Blut in den Urin gelangt. Sie gehören zu den entwässernden Medikamenten und beugen Kalziumsteinen vor.
    • Allopurinol: Dieser Wirkstoff hemmt den Abbau von Purinen zu Harnsäure und senkt dadurch den Harnsäurespiegel im Urin. Allopurinol wird vor allem zur Vorbeugung von Harnsäuresteinen eingesetzt.
    • weitere Medikamente: Zur Vorbeugung von Steinen, die durch Harnwegsinfekte verursacht werden, setzt man Mittel ein, die den Urin saurer machen (L-Methionin).
    • Nahrungsergänzungsmittel mit Magnesium erhöhen den Magnesiumgehalt im Urin. Dort bindet Magnesium Oxalat und soll die Bildung von Kalziumoxalatsteinen hemmen.

    Anhand von Blut- und Urintests sowie der Analyse der Nierensteine können Ärztinnen und Ärzte einschätzen, welche Medikamente sinnvoll sind.

    Medikamente zur Vorbeugung von Nierensteinen werden dauerhaft täglich eingenommen. In der Regel werden sie erst in Erwägung gezogen, wenn jemand schon mindestens zweimal Nierensteine hatte.

    Wie wirksam sind Medikamente zur Vorbeugung von Nierensteinen?

    Studien zeigen, dass die häufig eingesetzten Mittel zur Vorbeugung von Nierensteinen vor weiteren Nierensteinen schützen können. Kalziumsteine sind am häufigsten, und auch an den meisten Studien nahmen Menschen mit Kalziumsteinen teil.

    Citrat

    In mehreren Studien konnte Citrat vor Nierensteinen schützen:

    • Ohne Citrat hatten 44 von 100 Personen innerhalb von zwei Jahren einen weiteren Nierenstein.
    • Mit Citrat hatten 11 von 100 Personen innerhalb von zwei Jahren einen weiteren Nierenstein.

    Das Mittel bewahrte also 33 von 100 Personen vor einem weiteren Stein.

    Mögliche Nebenwirkungen von Citrat sind Magen-Darm-Beschwerden und Durchfall. In den Studien beendeten etwa 12 von 100 Personen die Behandlung wegen Nebenwirkungen.

    Thiaziddiuretika

    Auch für Thiaziddiuretika zeigen Studien, dass sie das Risiko für Nierensteine senken:

    • Ohne Thiaziddiuretika hatten 47 von 100 Personen innerhalb von drei Jahren einen weiteren Nierenstein.
    • Mit Thiaziddiuretika hatten 24 von 100 Personen innerhalb von drei Jahren einen weiteren Nierenstein.

    Die Einnahme half also 23 von 100 Personen, erneute Steine zu vermeiden.

    Thiaziddiuretika können verschiedene Nebenwirkungen haben. Dazu gehören ein zu niedriger Blutdruck mit Schwindel und Abgeschlagenheit, Mundtrockenheit und Erektionsstörungen. In den Studien brachen 8 von 100 Personen die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen ab.

    Allopurinol

    Allopurinol wird vor allem zur Vorbeugung von Harnsäuresteinen eingesetzt. Bislang wurde seine Wirksamkeit allerdings nur in Studien untersucht, an denen Menschen mit Kalziumsteinen teilnahmen. Dort zeigte sich, dass Allopurinol vor Kalziumsteinen schützen kann:

    • Ohne Allopurinol hatten 55 von 100 Personen innerhalb von dreieinhalb Jahren einen weiteren Nierenstein.
    • Mit Allopurinol hatten 33 von 100 Personen innerhalb von dreieinhalb Jahren einen weiteren Nierenstein.

    Das Medikament schützte somit 22 von 100 Personen vor einem weiteren Stein.

    Allopurinol kann zu Hautausschlägen führen und manchmal einen Gichtanfall auslösen. In den Studien brachen aber nicht mehr Menschen die Behandlung mit Allopurinol wegen Nebenwirkungen ab als Studienteilnehmende, die das Medikament nicht nahmen.

    Weitere Medikamente

    Andere Medikamente zur Vorbeugung von bestimmten Steintypen wie zum Beispiel Magnesium oder L-Methionin sind bislang nicht gut in Studien untersucht worden. Ob sie vor Nierensteinen schützen, ist daher unklar.

    Quellen

    Fink HA, Wilt TJ, Eidman KE, Garimella PS, MacDonald R et al. Medical management to prevent recurrent nephrolithiasis in adults: a systematic review for an American College of Physicians Clinical Guideline. Ann Intern Med 2013; 158(7): 535-543.

    Fink HA, Wilt TJ, Eidman KE, Garimella PS, MacDonald R, Rutks IR et al. Recurrent nephrolithiasis in adults: Comparative effectiveness of preventive medical strategies. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; Band 61).

    Phillips R, Hanchanale VS, Myatt A, Somani B, Nabi G, Biyani CS. Citrate salts for preventing and treating calcium containing kidney stones in adults. Cochrane Database Syst Rev 2015; (10): CD010057.

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    Mehr Wissen: Behandlung von Nieren- und Harnleitersteinen

    Kleine Nieren- und Harnleitersteine gehen oft von selbst ab. Solange sie keine starken Beschwerden oder Komplikationen auslösen, ist kein Eingriff nötig. Größere Steine müssen meist behandelt werden. Je nach Lage und Größe werden sie dann zertrümmert oder durch einen endoskopischen Eingriff entfernt.

    Die meisten Steine mit einem Durchmesser unter 5 Millimeter gehen von allein ab, und auch die Hälfte aller Steine zwischen 5 und 10 Millimeter. Solche kleinen Steine werden oft nach ein bis zwei Wochen mit dem Urin ausgeschieden.

    Wenn absehbar ist, dass ein Stein von selbst ausgespült wird, wartet man in der Regel ab. Sollten Beschwerden auftreten, während der Stein durch den Harnleiter wandert, helfen zum Beispiel Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac.

    Größere Steine führen zu Beschwerden und müssen meist zertrümmert oder durch einen Eingriff entfernt werden. Dies ist nötig, wenn

    • ein Stein nicht innerhalb von vier Wochen ausgeschieden wird,
    • es zu Komplikationen kommt,
    • starke Koliken auftreten oder
    • der Stein größer als 10 Millimeter ist.

    Harnsäuresteine können manchmal durch Medikamente aufgelöst werden.

    Kleine Nieren- und Harnleitersteine gehen oft von selbst ab. Solange sie keine starken Beschwerden oder Komplikationen auslösen, ist kein Eingriff nötig. Größere Steine müssen meist behandelt werden. Je nach Lage und Größe werden sie dann zertrümmert oder durch einen endoskopischen Eingriff entfernt.

    Die meisten Steine mit einem Durchmesser unter 5 Millimeter gehen von allein ab, und auch die Hälfte aller Steine zwischen 5 und 10 Millimeter. Solche kleinen Steine werden oft nach ein bis zwei Wochen mit dem Urin ausgeschieden.

    Wenn absehbar ist, dass ein Stein von selbst ausgespült wird, wartet man in der Regel ab. Sollten Beschwerden auftreten, während der Stein durch den Harnleiter wandert, helfen zum Beispiel Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac.

    Größere Steine führen zu Beschwerden und müssen meist zertrümmert oder durch einen Eingriff entfernt werden. Dies ist nötig, wenn

    • ein Stein nicht innerhalb von vier Wochen ausgeschieden wird,
    • es zu Komplikationen kommt,
    • starke Koliken auftreten oder
    • der Stein größer als 10 Millimeter ist.

    Harnsäuresteine können manchmal durch Medikamente aufgelöst werden.

    Helfen Medikamente bei Nieren- und Harnleitersteinen?

    Ausscheiden erleichtern

    Medikamente aus der Gruppe der Alphablocker sollen das Ausscheiden der Steine erleichtern. Sie entspannen die Muskeln im unteren Bereich der Blase. Alphablocker sind Medikamente zur Behandlung einer gutartigen Prostatavergrößerung. Zur Behandlung von Nieren- und Harnleitersteinen sind sie nicht zugelassen. Insbesondere der Alphablocker Tamsulosin wird aber manchmal im Off-Label-Use eingesetzt.

    Nach aktuellem Forschungsstand können Alphablocker das Ausscheiden von Steinen unterstützen. Dies zeigt eine Auswertung von 67 Studien für Harnsteine mit einer Größe von etwa 5 bis 10 Millimetern:

    • Ohne Alphablocker gingen die Steine bei etwa 50 von 100 Personen innerhalb von vier Wochen ab.
    • Mit Alphablocker gingen die Steine bei etwa 73 von 100 Personen innerhalb von vier Wochen ab.

    Die Therapie half also 23 von 100 Personen, den Stein auszuscheiden.

    Vorübergehende Nebenwirkungen von Alphablockern sind ein niedriger Blutdruck, Schwindel und Müdigkeit. In einer großen Studie brachen 4 von 100 Personen die Behandlung wegen solcher Nebenwirkungen ab. Bei 5 von 100 Männern führten die Mittel außerdem vorübergehend zu einem „trockenen Samenerguss“ (retrograde Ejakulation). Dabei wird die Samenflüssigkeit in die Harnblase abgegeben und nicht oder kaum nach außen.

    Harnsäuresteine auflösen

    Harnsäuresteine sind die einzigen Steine, die manchmal mithilfe von Medikamenten aufgelöst werden können. Dafür kommen Alkalicitrate oder Natriumcarbonat infrage, manchmal auch Allopurinol. Alkalicitrate und Natriumcarbonat heben den pH-Wert des Urins an, Allopurinol senkt den Harnsäurespiegel. Viel zu trinken, unterstützt die Wirkung der Medikamente: Wenn mehr Urin gebildet wird, kann sich die Harnsäure besser lösen. Bei einer Harnwegsinfektion ist eine medikamentöse Behandlung von Harnsäuresteinen nicht möglich.

    Wenn die Behandlung gelingt, erspart sie einen Eingriff zur Entfernung der Steine. Allerdings ist unklar, wie oft Harnsäuresteine mit Medikamenten aufgelöst werden können. Dazu gibt es bislang keine ausreichend aussagekräftigen Studien.

    Wie werden Nieren- und Harnleitersteine entfernt?

    Werden Steine nicht von selbst ausgeschieden, zertrümmert man sie entweder mit Stoßwellen oder entfernt sie bei einem kleinen Eingriff. Welche Methode am besten geeignet ist, hängt vor allem von der Größe, der Lage und der Zusammensetzung der Steine ab.

    Stoßwellentherapie

    Bei einer Stoßwellentherapie werden die Steine durch Schallwellen zertrümmert. Die Trümmer gehen dann mit dem Urin ab. Die Behandlung wird auch als extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL) bezeichnet. Dabei wird eine Schallsonde auf die Haut aufgesetzt, die Schallwellen durch das Gewebe bis zu den Steinen sendet. Bei unkomplizierten Nierensteinen dauert eine Stoßwellentherapie etwa 30 bis 60 Minuten. Sie ist oft ambulant möglich. Der Erfolg der Behandlung wird mit einer Ultraschalluntersuchung oder einer Röntgenaufnahme überprüft.

    Eine Stoßwellentherapie ist vor allem bei Nierensteinen angebracht, die kleiner als 20 Millimeter sind. Sitzen die Steine im oberen Drittel des Harnleiters, sollten sie allerdings nicht größer als 10 Millimeter sein.

     

    Grafik: Während einer Stoßwellentherapie - wie im Text beschrieben Während einer Stoßwellentherapie

    Entfernung mit einem endoskopischen Eingriff

    Wenn die Harnsteine per Eingriff entfernt werden, sind zwei Methoden gängig: die sogenannte Uretero-Renoskopie (URS) und die perkutane Nephrolithotripsie (PCNL).

    • Uretero-Renoskopie (URS): Bei dieser Methode werden feine Instrumente mithilfe eines Endoskops über die Harnröhre und Blase hoch in den Harnleiter bis zum Stein geführt. Dort wird der Stein mechanisch oder per Laser zerkleinert, sodass die Trümmer ausgeschieden oder endoskopisch entfernt werden können. Die URS wird bei Harnsteinen angewendet, die größer als 10 Millimeter sind und im mittleren oder unteren Drittel des Harnleiters liegen. Auch Nierensteine bis 20 Millimeter Durchmesser werden häufig per URS entfernt.
    • perkutane Nephrolithotripsie (PCNL): Bei dieser Methode wird das Endoskop durch einen kleinen Schnitt am Rücken in das Nierenbecken oder in die Niere eingeführt. Dort werden die Steine ebenfalls mechanisch oder per Laser zerkleinert und dann mit einer kleinen Zange entfernt. Diese Methode wird vor allem bei Nierensteinen ab 10 Millimeter Durchmesser eingesetzt.

    Beide Verfahren erfordern eine Vollnarkose und einen kurzen Krankenhausaufenthalt.

    Eine größere Operation ist zur Entfernung von Nierensteinen heute nur noch selten nötig.

    Welche Vor- und Nachteile haben die verschiedenen Behandlungen?

    Bei Nieren- und Harnleitersteinen kommen je nach Situation verschiedene Behandlungen infrage. In Studien wurden bisher nur die folgenden Behandlungen miteinander verglichen.

    Stoßwellentherapie und perkutane Nephrolithotripsie (PCNL) bei Nierensteinen

    Einige kleine Studien haben die Stoßwellentherapie und die PCNL geprüft. Im Vergleich war die endoskopische Operation erfolgreicher als die Stoßwellentherapie. Drei Monate nach der Behandlung zeigte sich:

    • Nach einer Stoßwellentherapie waren 44 von 100 Personen frei von Nierensteinen.
    • Nach einer PCNL waren 95 von 100 Personen frei von Nierensteinen.

    Die Erfolgschancen einer Stoßwellentherapie hängen aber auch von der Größe, Lage und Zusammensetzung der Nierensteine ab: Steine mit einem Durchmesser unter 10 Millimeter lassen sich leichter zertrümmern. Bei größeren oder härteren Steinen gelingt dies seltener. Auch Steine im unteren Bereich der Niere lassen sich mit einer Stoßwellentherapie weniger gut behandeln.

    Bei einer Stoßwellentherapie besteht das Risiko, dass die Steintrümmer zu groß bleiben und auf dem Weg zur Blase im Harnleiter stecken bleiben. Dann ist eine weitere Behandlung erforderlich. Manchmal wird deshalb vorbeugend ein kleines Röhrchen (eine sogenannte Ureterschiene) in den Harnleiter gesetzt. Es soll dafür sorgen, dass die Steinreste gut abfließen können.

    Die Stoßwellen können schmerzhaft sein. Deshalb erhält man vor der Behandlung Schmerzmittel. Auch das Nierengewebe kann verletzt werden, was zum Beispiel zu Blutungen führen kann. Ernsthafte Komplikationen und langfristige Folgeschäden sind aber selten.

    Eine perkutane Nephrolithotripsie kann ebenfalls zu Blutungen führen. Diese können manchmal eine Bluttransfusion erforderlich machen. Nach der Operation können außerdem Fieber und Wundinfektionen auftreten. Selten können auch andere Organe verletzt werden. Zudem ist ein Krankenhausaufenthalt von mehreren Tagen nötig.

    Da es nur wenige kleine Studien zum Vergleich dieser beiden Behandlungen gibt, lässt sich die Häufigkeit von Komplikationen nicht gut beziffern. Eine Stoßwellentherapie gilt aber grundsätzlich als die schonendere Behandlung.

    Stoßwellentherapie und Uretero-Renoskopie (URS) bei Harnleitersteinen

    Wenn Nierensteine in den Harnleiter gewandert sind, spricht man von Harnleitersteinen. Diese Steine behandelt man in der Regel mit einer Stoßwellentherapie oder endoskopisch über Blase und Harnleiter. Mehrere Studien haben die Erfolgsraten dieser Methoden bei Harnleitersteinen miteinander verglichen. Dabei hat sich gezeigt, dass die meisten Steine mit einer Stoßwellentherapie erfolgreich behandelt werden können. Bei der Uretero-Renoskopie ist die Erfolgsrate allerdings etwas höher:

    • 78 von 100 Personen waren nach einer Stoßwellentherapie frei von Harnleitersteinen.
    • 93 von 100 Personen waren nach einer endoskopischen Behandlung frei von Harnleitersteinen.

    Nach einer Stoßwellentherapie ist also häufiger ein zweiter Eingriff nötig.

    Der Vorteil der Stoßwellentherapie ist, dass sie seltener zu Komplikationen führt als eine URS: So traten nach 19 von 100 endoskopischen Eingriffen Komplikationen auf, aber nur nach 10 von 100 Stoßwellentherapien.

    Mögliche Komplikationen einer Uretero-Renoskopie sind Blutungen und Harnwegsinfektionen. Außerdem kann die Harnröhre verletzt werden. Schwerwiegende Komplikationen sind aber insgesamt selten.

    Auch unterstützende Behandlungen wie eine Harnleiterschiene oder ein vorübergehender künstlicher Nierenausgang waren nach einer Stoßwellentherapie deutlich seltener nötig. Schmerzen traten während und nach der Behandlung allerdings häufiger auf. Außerdem kommt es nach einer Stoßwellentherapie anscheinend öfter zu Nachblutungen und Infektionen.

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