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Borkenflechte (Impetigo)

Überblick

    Überblick

    Die Borkenflechte (Impetigo contagiosa) ist eine juckende, manchmal auch schmerzende oberflächliche Hautinfektion, die vor allem bei kleinen Kindern häufig vorkommt. Damit die Beschwerden schneller abklingen, werden oft Antibiotika angewendet. Ursache der hochansteckenden Borkenflechte sind Bakterien.

    Einleitung

    Die Borkenflechte, auch Grindflechte oder Impetigo contagiosa genannt, ist eine juckende, manchmal auch schmerzende oberflächliche Hautinfektion, die vor allem bei kleinen Kindern häufig vorkommt. Sie wird durch Bakterien verursacht und ist hochansteckend. Deshalb dürfen Kinder mit Borkenflechte erst wieder in die Kita oder zur Schule gehen, wenn sie keine anderen Kinder mehr anstecken können. Dies ist etwa 24 Stunden nach Beginn einer Behandlung mit Antibiotika der Fall. Ohne Therapie kann eine Borkenflechte einige Wochen lang ansteckend bleiben.

    Symptome

    Die ersten Anzeichen einer Borkenflechte sind meist um Mund und Nase herum zu sehen: ein juckender roter Ausschlag mit kleinen, wasser- oder eitergefüllten Bläschen, die rasch aufplatzen. Dann bilden sich gelbliche Krusten, die nach einiger Zeit abfallen, ohne Narben zu hinterlassen. Neben dem Gesicht können auch Arme und Beine betroffen sein.

     

    Grafik: Gelblich verkrustete Bläschen einer Borkenflechte - wie im Text beschrieben Gelblich verkrustete Bläschen einer Borkenflechte

     

    Selten bilden sich größere Hautblasen, die dann nicht gleich platzen. Diese blasige Borkenflechte (bullöse Impetigo) kann am Hals und am Rumpf vorkommen, etwa unter den Achseln oder im Windelbereich.

    Begleitend kommt es manchmal auch zu Fieber oder angeschwollenen Lymphknoten.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Eine Borkenflechte wird durch eine Infektion mit bestimmten Bakterien verursacht, meist Streptokokken oder Staphylokokken. Die Keime können zum Beispiel über kleinere Hautverletzungen, einen Ausschlag oder Insektenstich in die Haut eindringen.

    Übertragen werden sie durch Hautkontakt oder den Kontakt mit Gegenständen, die eine infizierte Person berührt hat (Schmierinfektion).

    Häufigkeit und Verlauf

    Die Borkenflechte ist die häufigste Hautinfektion bei Kindern. Bei Erwachsenen kommt die Infektion seltener vor. In Europa werden pro Jahr etwa 2 von 100 Kindern wegen einer Borkenflechte behandelt.

    Der typische Ausschlag zeigt sich etwa 2 bis 10 Tage nach einer Ansteckung.

    Auch ohne Behandlung klingt eine Borkenflechte oft von selbst innerhalb von drei Wochen wieder ab. Es kann aber auch mal einige Wochen dauern, und so lange ist man dann auch ansteckend.

    Zu Komplikationen wie zum Beispiel einer Ausbreitung in tiefere Hautschichten kommt es auch ohne Behandlung nur selten. Eine überstandene Erkrankung macht leider nicht immun gegen die Bakterien, schützt also nicht vor einer erneuten Infektion.

    Diagnose

    Oft erkennt die Ärztin oder der Arzt eine Borkenflechte bereits am Aussehen. Weitere Hautuntersuchungen – etwa ein Abstrich zur Bestimmung der Erreger – sind meist nicht nötig. Sie können aber helfen, wenn andere Hauterkrankungen nicht ausgeschlossen werden können, wie etwa eine Pilzinfektion der Haut.

    Vorbeugung

    Allgemeine Hygieneregeln beugen vielen Infektionen und damit auch einer Borkenflechte vor. Dazu gehört vor allem das regelmäßige Händewaschen mit Seife vor dem Essen, nach dem Toilettenbesuch oder nach Aktivitäten im Freien. Ansonsten ist im Alltag nichts Spezielles zu beachten, um sich und seine Kinder vor einer Borkenflechte zu schützen.

    Besondere Maßnahmen sind allerdings nötig, wenn ein Kind erkrankt ist oder der Verdacht besteht, dass ein Ausschlag eine Borkenflechte sein könnte: Es ist dann wichtig zu verhindern, dass sich andere anstecken. Kinder dürfen dann zum Beispiel nicht in die Kita, die Schule oder andere Einrichtungen gehen, in denen sie gemeinsam mit anderen Kindern betreut werden. Ihre Eltern oder Erziehungsberechtigten sind zudem gesetzlich verpflichtet, der jeweiligen Einrichtung zu melden, dass das Kind erkrankt ist oder der Verdacht besteht.

    Eine Teilnahme an Gemeinschaftsaktivitäten ist erst wieder möglich, wenn eine Ärztin oder ein Arzt keine Ansteckungsgefahr mehr sieht. In der Regel ist das 24 Stunden nach Beginn einer Behandlung mit Antibiotika der Fall – ohne Behandlung erst, wenn die Borkenflechte von selbst abgeheilt ist.

    Um in der Familie Ansteckungen zu vermeiden, ist es wichtig,

    • sich auch zu Hause häufig die Hände mit Seife zu waschen,
    • den Ausschlag nicht anzufassen,
    • getrennte Handtücher zu benutzen sowie
    • Unterwäsche (wenn möglich auch restliche Kleidung), benutzte Handtücher und Bettwäsche bei mindestens 60° C zu waschen.

    Behandlung

    Solange sich die Borkenflechte nur auf einen kleinen Hautbereich beschränkt, werden zur Behandlung häufig desinfizierende Lösungen oder Salben empfohlen. Ihr Nutzen ist allerdings fraglich.

    Als wirksam haben sich antibiotikahaltige Salben erwiesen. Um den Ausschlag nicht zu berühren, kann man die Salben mit einem Holzspatel auftragen oder zieht sich dafür Einmalhandschuhe an.

    Antibiotika-Tabletten werden normalerweise nur eingesetzt, wenn ein Kind eine großflächige Borkenflechte hat, oder wenn die Infektion an mehreren Körperstellen auftritt. Antibiotika-Tabletten haben häufiger Nebenwirkungen als antibiotische Salben, sie können zum Beispiel Magen-Darm-Beschwerden verursachen.

    Damit sich ein erkranktes Kind nicht so heftig kratzen kann, ist es gut, wenn seine Fingernägel möglichst kurz geschnitten sind.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Infektionsdiagnostik und orale Antibiotikatherapie bei Erwachsenen. Ein Leitfaden für den ambulanten Bereich. 10.2019.

    Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG). § 34 Gesundheitliche Anforderungen, Mitwirkungspflichten, Aufgaben des Gesundheitsamtes.

    Galli L, Venturini E, Bassi A, Gattinara GC, Chiappini E, Defilippi C et al. Common Community-acquired Bacterial Skin and Soft-tissue Infections in Children: an Intersociety Consensus on Impetigo, Abscess, and Cellulitis Treatment. Clin Ther 2019; 41(3): 532-551.e517.

    Koning S, van der Sande R, Verhagen AP, van Suijlekom-Smit LW, Morris AD, Butler CC et al. Interventions for impetigo. Cochrane Database Syst Rev 2012; (1): CD003261.

    Robert Koch-Institut (RKI). Empfehlungen für die Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen gemäß § 34 Infektionsschutzgesetz. 13.01.2020.

    Robert Koch-Institut (RKI). Gemeinsam vor Infektionen schützen. Belehrung für Eltern und sonstige Sorgeberechtigte durch Gemeinschaftseinrichtungen gemäß § 34 Abs. 5 Satz 2 Infektionsschutzgesetz. 22.01.2014.

    Schöfer H, Bruns R, Effendy I, Hartmann M, Jappe U, Plettenberg A et al. S2k + IDA Leitlinie: Diagnostik und Therapie Staphylococcus aureus bedingter Infektionen der Haut und Schleimhäute. AWMF-Registernr.: 013-083. 04.2011.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Borkenflechte: Wie heilt sie schneller ab?

    Studien zeigen, dass kleinere Borkenflechte-Infektionen durch eine Behandlung mit antibiotikahaltigen Salben schneller abheilen. Ob auch desinfizierende Salben helfen können, ist unklar.

    Eine Borkenflechte oder Grindflechte (Impetigo contagiosa) ist eine meist juckende, manchmal auch schmerzende Hautinfektion vor allem bei Kindern. Sie wird durch Bakterien ausgelöst und ist sehr ansteckend. Unbehandelt heilt sie normalerweise innerhalb einiger Wochen von selbst aus – allerdings besteht bis dahin auch Infektionsgefahr. Damit die Beschwerden schneller wieder abklingen und das Kind nicht so lange ansteckend ist, werden zur Behandlung häufig antibiotikahaltige Salben eingesetzt. Bei einer großflächigen Borkenflechte kommen auch Antibiotika-Tabletten infrage. Alle antibiotikahaltigen Mittel sind verschreibungspflichtig.

    Forschung zur Wirksamkeit verschiedener Behandlungen

    Um die Wirksamkeit verschiedener Behandlungsmöglichkeiten vergleichen zu können, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration alle aussagekräftigen Studien gesammelt und systematisch ausgewertet. Die Studien untersuchten, wie gut desinfizierende oder antibiotikahaltige Lösungen und Salben oder Antibiotika-Tabletten gegen Borkenflechte wirken. In den meisten Studien wurden nur Personen mit einer kleinflächigen Borkenflechte untersucht – also mit Beschwerden an einer begrenzten Hautstelle.

    Die Studien zeigten, dass Salben mit Antibiotika wie beispielsweise Mupirocin, Fusidinsäure oder Retapamulin die Beschwerden besser lindern können als Salben, die kein Antibiotikum enthalten. Am häufigsten wurden Salben mit dem Antibiotikum Mupirocin untersucht. Diese Studien zeigen:

    • Ohne Behandlung: Bei etwa 35 von 100 Personen, die ein Scheinpräparat (Placebo) erhielten, hatten sich die Beschwerden nach 7 bis 12 Tagen gebessert oder waren verschwunden.
    • Mit Behandlung: Bei etwa 75 von 100 Personen, die Mupirocin-Salbe anwendeten, waren die Beschwerden nach 7 bis 12 Tagen abgeklungen oder verschwunden.

    Anders ausgedrückt: Durch die Behandlung mit Mupirocin-Salbe heilte die Borkenflechte bei 40 von 100 Personen schneller ab.

    Allerdings nahmen an den Studien nur etwa 170 Menschen teil, sodass die Zahlen nur eine ungefähre Einschätzung erlauben, was man von antibiotikahaltigen Salben erwarten kann.

    Auch im Vergleich zu Tabletten mit dem Antibiotikum Erythromycin war die Mupirocin-Salbe bei einer kleinflächigen Impetigo etwas wirksamer. Erythromycin-Tabletten führten zudem häufiger zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall. Solche Beschwerden hatten in den Studien etwa 25 von 100 Personen, die Erythromycin-Tabletten einnahmen – aber nur 5 von 100 Personen, die mit Mupirocin-Salbe behandelt wurden.

    Zur Frage, ob Antibiotika-Tabletten bei einer großflächigen oder an mehreren Körperstellen auftretenden Borkenflechte besser wirken als Salben mit Antibiotika, gab es keine geeigneten Studien. Unklar blieb auch, ob desinfizierende Lotionen oder Salben bei Borkenflechte helfen können.

    Quellen

    Koning S, van der Sande R, Verhagen AP, van Suijlekom-Smit LW, Morris AD, Butler CC et al. Interventions for impetigo. Cochrane Database Syst Rev 2012; (1): CD003261.

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    Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
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