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Grauer Star (Katarakt)

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    Überblick

    Beim Grauen Star trübt sich die Augenlinse allmählich ein. Man sieht dann zunehmend verschwommen – wie durch einen Schleier oder Nebel. Bei manchen Menschen wird das Sehvermögen nur leicht beeinträchtigt, bei anderen verschlechtert es sich rasch. Langfristig hilft nur eine Operation.

    Einleitung

    Der Graue Star (die Katarakt) ist eine Augenerkrankung, bei der sich die Augenlinse eintrübt. Dadurch lässt das Sehvermögen nach, und vor allem feine Einzelheiten können nicht mehr klar gesehen werden. Manche Menschen haben nur leichte Seheinschränkungen, bei anderen geht das Sehvermögen dagegen rasch verloren. Der Krankheitsverlauf hängt unter anderem davon ab, welche Form des Grauen Stars man hat. Der griechische Begriff „Katarakt" bedeutet „Wasserfall“. Die Bezeichnung kommt daher, dass man früher glaubte, eine Flüssigkeit im Auge sei für die Trübung verantwortlich. Der Name „Grauer Star“ bezieht sich auf die Graufärbung der Linse und den „starren“ Blick, den Menschen mit fortgeschrittener Sehbehinderung oft haben.

    Der Graue Star ist eine Krankheit der zweiten Lebenshälfte. Die meisten betroffenen Menschen sind über 50 Jahre alt. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter: Etwa 20 von 100 Menschen zwischen 65 und 74 Jahren haben einen Grauen Star. Bei den über 74-Jährigen sind es mehr als 50 von 100.

    In Entwicklungsländern ist der Graue Star der Hauptgrund für Erblindungen. In den Industriestaaten erblinden wesentlich weniger Menschen durch einen Grauen Star, da ihnen wirksame Operationsverfahren zur Verfügung stehen. Bei der Operation des Grauen Stars wird die trübe Linse entfernt und durch eine künstliche Linse ersetzt. Dieser Eingriff zählt zu den häufigsten in Deutschland. Er wird etwa 800.000-mal pro Jahr durchgeführt.

    Symptome

    Beim Grauen Star geht die Sehkraft meist schleichend verloren. Dabei ist der allmähliche Sehverlust das einzige Symptom. Es treten keine Schmerzen, kein Augenbrennen oder ähnliche Beschwerden auf. Betroffene sehen zunehmend verschwommen und unscharf: Es ist, als würden sie durch einen Schleier oder Nebel schauen. Mit der Zeit verschwimmen die Kontraste und die Farben immer mehr. Manche Menschen werden sehr empfindlich gegenüber Blendungen durch die Sonne oder andere Lichtquellen. Das Autofahren wird anstrengender, besonders nachts. Wenn man schlechter sieht, steigt das Risiko, dass man stürzt und sich verletzt. Zudem ist das räumliche Sehen beeinträchtigt.

    Ein Grauer Star kann auch unerwartete Folgen haben: So können manche Menschen, die eine Brille getragen haben, plötzlich ohne Brille besser sehen. Dies liegt daran, dass sich die Brechkraft des Auges verändert – und damit die Fähigkeit, Objekte in unterschiedlichen Entfernungen scharf zu sehen. Das verbesserte Sehen ohne Brille hält jedoch nicht lange an.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Etwa 90 % aller Betroffenen haben den sogenannten Grauen Altersstar (die senile Katarakt). Bei ihnen trübt sich die Augenlinse aufgrund des Alterungsprozesses langsam ein. Die Linse sorgt normalerweise dafür, dass das einfallende Licht gebündelt wird und ein klares Bild auf der Netzhaut erscheint. Dies ermöglicht es, sowohl nahe als auch ferne Gegenstände scharf zu sehen. Bei einem Grauen Star wird diese Funktion gestört.

    Manche Menschen haben anlagebedingt ein erhöhtes Risiko für einen Grauen Star. Es wird vermutet, dass ultraviolettes Licht (UV-Licht) und Rauchen das Risiko erhöhen. Zudem sind Menschen mit Diabetes häufiger betroffen. In Entwicklungsländern sind Unterernährung und schlechte Lebensbedingungen häufige Ursachen für Grauen Star. Dort erkranken auch viele Menschen bereits in frühem Alter.

    Ein Grauer Star kann außerdem infolge von Entzündungen oder Verletzungen des Auges entstehen. Auch Augenoperationen und bestimmte kortisonhaltige Medikamente können zu einem Grauen Star führen.

    Verlauf

    Bei einem Grauen Star nimmt die Sehfähigkeit nach und nach ab. Zunächst wird man kurzsichtiger. Wie schon erwähnt, können zuvor weitsichtige Menschen dann für kurze Zeit ohne Brille besser sehen. Allmählich wird das Sehen immer trüber und verschwommener. Wird der Graue Star nicht behandelt, kann eine Erblindung die Folge sein, muss es aber nicht. Meistens sind beide Augen betroffen. Die Erkrankung kann auf einem Auge jedoch schneller voranschreiten als auf dem anderen.

    Die Krankheit verläuft unterschiedlich. Manche Menschen verlieren relativ schnell an Sehkraft, bei anderen bewirkt der Graue Star kaum Seheinschränkungen. Welche Beschwerden auftreten und wie sie sich entwickeln, hängt unter anderem davon ab, wo in der Linse die Trübung auftritt. Man unterscheidet folgende Formen:

    • Rindenkatarakt: Diese Form führt neben verschwommenem Sehen vor allem zu einer erhöhten Blendungsempfindlichkeit, beispielsweise beim nächtlichen Autofahren.
    • hintere subkapsuläre Katarakt: Diese Form kommt häufiger bei jüngeren Menschen vor und schreitet relativ schnell voran.
    • Kernkatarakt: Diese Form beeinträchtigt das Sehen in der Ferne mehr als das nahe Sehen. Das Sehvermögen ist manchmal auch nur leicht eingeschränkt, und die Erkrankung verläuft in der Regel relativ langsam.

    Diagnose

    Es kann viele Gründe geben, warum Menschen mit der Zeit schlechter sehen. Vor der Diagnose eines Grauen Stars werden deshalb zuerst andere mögliche Ursachen ausgeschlossen. Dazu erfragt die Augenärztin oder der Augenarzt zunächst die Symptome und die Krankheitsgeschichte. Verschiedene Augentests und -untersuchungen geben Aufschluss darüber, wie stark das Sehvermögen beeinträchtigt ist und was die Ursache sein könnte.

    Die Augenlinse wird mit einer Spaltlampe untersucht, einem speziellen Lichtmikroskop. Dabei blickt die Ärztin oder der Arzt durch das Mikroskop in das Auge, das mit einem spaltförmigen Lichtstrahl ausgeleuchtet wird. Dadurch können die Linse und die dahinter liegenden Abschnitte des Auges beurteilt werden. Die Untersuchung ist schmerzfrei.

    Zur Untersuchung der hinteren Augenabschnitte werden in der Regel Medikamente zur Pupillenerweiterung eingesetzt. Diese Medikamente führen dazu, dass man für einige Stunden unscharf sieht und anfälliger für Blendungen ist. Deshalb darf man nach der Untersuchung für etwa vier bis zu fünf Stunden kein Auto fahren. Bei manchen hält die Wirkung noch länger an. Im Zweifelsfall ist es besser, das Auto stehen zu lassen.

    Vorbeugung

    Es sind keine wissenschaftlichen Studien bekannt, die belegen, dass bestimmte vorbeugende Maßnahmen das Risiko für einen Grauen Star senken.

    Man vermutet, dass Rauchen das Risiko erhöht und ein Rauchverzicht es entsprechend senken könnte. Aufs Rauchen zu verzichten, hat aber ohnehin viele gesundheitliche Vorteile. Menschen, die sich viel UV-Licht aussetzen, können auf einen guten Sonnenschutz achten und die Augen vor Sonneneinstrahlung schützen, zum Beispiel mit einer Sonnenbrille.

    Bestimmte kortisonhaltige Medikamente können eine Katarakt begünstigen. Vielleicht ist ein Umstieg auf ein anderes Medikament möglich.

    Nahrungsergänzungsmittel werden zwar häufig damit beworben, dass sie auch Augenkrankheiten vorbeugen sollen. Studien zeigen jedoch, dass dies beim Grauen Star nicht der Fall ist.

    Behandlung

    Manche Menschen können den Sehverlust vorübergehend oder sogar längerfristig mit einer Brille oder Kontaktlinsen ausgleichen. Es gibt keine Medikamente, um einen Grauen Star zu behandeln.

    Die einzige wirksame Behandlungsmöglichkeit ist eine Operation. Dabei wird die trübe Linse entfernt und durch eine neue, künstliche Linse ersetzt. Bei der Operation bleibt die Linsenkapsel, die die Linse umschließt, im Auge. Nur der Kern und die Rinde der Linse werden per Ultraschall zerkleinert und dann durch einen kleinen Schnitt abgesaugt. Dieses Verfahren wird Phakoemulsifikation genannt und ist in Deutschland das Standardverfahren. In die Kapsel wird dann eine Linse aus Kunststoff implantiert.

    Ob und wann eine Operation sinnvoll ist, ist eine Frage der persönlichen Abwägung. Sie hängt sehr davon ab, wie stark der Sehverlust das Leben beeinträchtigt. Außerdem spielt eine Rolle, ob weitere (Augen-)Erkrankungen bestehen, die das Ergebnis der Operation beeinflussen könnten.

    Quellen

    Allen D. Cataract. Clin Evid 2011.

    Allen D, Vasavada A. Cataract and surgery for cataract. BMJ 2006; 333(7559): 128-132.

    American Academy of Ophthalmology. Prefered Practice Pattern Guidelines. Cataract in the adult eye. San Francisco: AAO; 2011.

    Asbell PA, Dualan I, Mindel J, Brocks D, Ahmad M, Epstein S. Age-related cataract. Lancet 2005; 365(9459): 599-609.

    Jacobs S. Cataract in adults. UpToDate 2016 (online).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Helfen Vitaminpräparate, das Sehvermögen zu erhalten?

    N ahrungsergänzungsmittel mit Betacarotin, Vitamin C und Vitamin E können dem altersbedingten Grauen Star weder vorbeugen noch das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen.

    Nahrungsergänzungsmittel werden oft mit einer Vielzahl von Gesundheitsversprechen beworben und sind frei erhältlich – ob in Apotheken, Supermärkten, Drogerien oder im Internet. Es gibt sie zum Beispiel als Tabletten, Kapseln, Pulver oder Flüssigkeiten. Sie enthalten Nährstoffe wie Vitamine oder Mineralstoffe, die auch in normalen Lebensmitteln vorkommen, allerdings in konzentrierter Form und oft in hoher Dosierung. Einige dieser Präparate werden mit dem Versprechen angeboten, besonders gut für das Auge und die Sehkraft zu sein.

    Beim Grauen Star (Katarakt) trübt sich die Augenlinse allmählich. Die Betroffenen sehen zunehmend verschwommen: Es ist, als würden sie durch einen Schleier oder Nebel schauen. In Industrieländern erkranken meist ältere Menschen am Grauen Star.

    Einer verbreiteten Theorie zufolge entstehen in den Zellen des Auges bestimmte Stoffe („freie Radikale“), die das Gewebe schädigen können. Einige Vitaminpräparate sollen dieser Schädigung entgegenwirken und dadurch auch dem Grauen Star vorbeugen oder den Sehverlust verlangsamen.

    Studien zur Vorbeugung und Behandlung mit Nahrungsergänzungsmitteln

    Eine Forschungsgruppe des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration hat den Nutzen von Vitaminpräparaten bei Grauem Star untersucht. Dafür suchten sie nach Studien, in denen solche Mittel miteinander oder mit einem Scheinmedikament (Placebo) verglichen wurden (randomisierte kontrollierte Studien). Sie prüften, ob die Einnahme der Mittel dem Grauen Star vorbeugen konnte oder das Fortschreiten der Krankheit verlangsamte.

    Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werteten neun Studien aus, an denen insgesamt fast 120.000 Menschen im Alter zwischen 35 und 85 Jahren teilnahmen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wendeten, je nach Studie, bis zu zwölf Jahre lang Präparate mit Vitamin C, E und / oder Betacarotin an – also Präparate, die besonders gut für das Auge sein sollen.

    Vitaminpräparate haben keinen Nutzen

    Die Ergebnisse der Studien zeigen deutlich, dass Vitaminpräparate nicht gegen einen Grauen Star helfen können. Die Menschen, die die Mittel teilweise über viele Jahre eingenommen hatten, bekamen genauso oft einen Grauen Star wie Menschen, die ein Scheinmedikament erhielten. Die Mittel konnten zudem weder das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen noch das Sehvermögen beeinflussen. Einige Präparate hatten aber unerwünschte Folgen: Durch Betacarotin verfärbte sich die Haut, je nach Studie, bei 7 bis 16 von 100 Menschen, die diese Substanz einnahmen, gelblich-orange. Dies ist ein Zeichen dafür, dass zu viel davon eingenommen wurde.

    Vitamine sind zwar wichtig für den Körper. Eine normale, ausgewogene Ernährung reicht jedoch in der Regel aus, um genügend Vitamine aufzunehmen. Es gibt also keinen Grund, gegen Grauen Star Nahrungsergänzungsmittel einzusetzen. Für die Forschungsgruppe der Cochrane Collaboration ist das Ergebnis der Studien sogar so eindeutig, dass sie dazu keinen weiteren Forschungsbedarf sieht.

    Quellen

    Mathew MC, Ervin AM, Tao J, Davis RM. Antioxidant vitamin supplementation for preventing and slowing the progression of age-related cataract. Cochrane Database Syst Rev 2012; (6): CD004567.

    Im August 2016 haben wir die Aktualität dieser Information geprüft. Dabei haben wir keine neueren Forschungsergebnisse gefunden, die Anlass zu einer Änderung unserer Aussagen geben.

    Mehr Wissen: Operation des Grauen Stars

    Beim Grauen Star (Katarakt) trübt sich die Augenlinse allmählich ein – meist als Folge des natürlichen Alterungsprozesses. Die einzige wirksame Behandlungsmöglichkeit ist eine Operation. Dabei wird die trübe Linse entfernt und durch eine neue, künstliche Linse ersetzt.

    Die Augenerkrankung Grauer Star führt dazu, dass das Sehvermögen nachlässt. Man sieht zunehmend unscharf und verschwommen, wie durch einen Schleier oder Nebel. Auch die Blendempfindlichkeit kann erhöht sein. Unbehandelt kann der Graue Star zur Erblindung führen, muss es aber nicht. Manche Menschen haben nur leichte Seheinschränkungen, bei anderen geht das Sehvermögen dagegen rasch verloren.

    Bei der Operation wird die trübe Linse entfernt und eine Linse aus Kunststoff eingesetzt. Die Operation des Grauen Stars zählt zu den häufigsten Eingriffen in Deutschland. Sie wird etwa 800.000-mal pro Jahr durchgeführt.

    Beim Grauen Star (Katarakt) trübt sich die Augenlinse allmählich ein – meist als Folge des natürlichen Alterungsprozesses. Die einzige wirksame Behandlungsmöglichkeit ist eine Operation. Dabei wird die trübe Linse entfernt und durch eine neue, künstliche Linse ersetzt.

    Die Augenerkrankung Grauer Star führt dazu, dass das Sehvermögen nachlässt. Man sieht zunehmend unscharf und verschwommen, wie durch einen Schleier oder Nebel. Auch die Blendempfindlichkeit kann erhöht sein. Unbehandelt kann der Graue Star zur Erblindung führen, muss es aber nicht. Manche Menschen haben nur leichte Seheinschränkungen, bei anderen geht das Sehvermögen dagegen rasch verloren.

    Bei der Operation wird die trübe Linse entfernt und eine Linse aus Kunststoff eingesetzt. Die Operation des Grauen Stars zählt zu den häufigsten Eingriffen in Deutschland. Sie wird etwa 800.000-mal pro Jahr durchgeführt.

    Gibt es Alternativen zu einer Operation?

    Manche Menschen versuchen zunächst, die Sehschwäche mit einer Brille oder Kontaktlinsen auszugleichen. Dies kann eine Weile ausreichen, wenn der Graue Star langsam voranschreitet und das Sehvermögen nur leicht eingeschränkt ist. Es kann aber auch sein, dass das Sehvermögen schon stark beeinträchtigt ist oder sich sehr schnell verschlechtert. Es gibt keine Medikamente, mit denen man einen Grauen Star wirksam behandeln kann. Eine Operation ist die einzige Behandlungsmöglichkeit, um dauerhaft wieder besser zu sehen.

    Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Operation?

    Ob und wann operiert wird, ist eine persönliche Entscheidung. Sie hängt stark davon ab, wie sehr die Sehstörungen die Selbstständigkeit einschränken und den Alltag erschweren. Für die Entscheidung können zum Beispiel folgende Fragen wichtig sein: Wie gut muss ich für meine berufliche Tätigkeit sehen können? Kann ich bestimmten Tätigkeiten nicht mehr nachgehen, wie Lesen oder Sport? Fällt mir die Orientierung schwerer? Wird das Autofahren zu riskant?

    Es gibt in der Regel keinen Grund für eine Operation, wenn die Ärztin oder der Arzt eine Eintrübung der Augenlinse festgestellt hat, aber noch keine Beschwerden aufgetreten sind.

    Wie weit die Erkrankung fortgeschritten war, hat meist keinen Einfluss darauf, wie gut man nach der Operation mit der neu eingesetzten Linse sieht. Allerdings ist eine Operation schwieriger, wenn der Graue Star schon sehr weit fortgeschritten ist. Auch die Vermessungen des Auges können nicht mehr so genau durchgeführt werden. Deshalb ist es sinnvoll, die Augen regelmäßig bei einer Augenärztin oder einem Augenarzt überprüfen zu lassen. Gemeinsam kann man dann besprechen, wann der richtige Zeitpunkt für eine Operation ist.

    Es wird jeweils nur ein Auge operiert. Sind beide Augen vom Grauen Star betroffen, finden die Eingriffe zu unterschiedlichen Zeitpunkten statt.

    Was muss ich vor einem Eingriff noch bedenken?

    Wichtig für die Entscheidung ist außerdem, ob weitere (Augen-)Erkrankungen bestehen, die das Ergebnis der Operation beeinflussen könnten. Manche Menschen haben zusätzlich ein Glaukom (Grüner Star), eine altersabhängige Makuladegeneration oder Augenschäden, die durch Diabetes entstehen. Dann lässt sich die Sehleistung oft trotz Operation nicht deutlich verbessern.

    Die meisten Operationen verlaufen komplikationsfrei – dennoch können Probleme auftreten. Die Augenärztin oder der Augenarzt muss vor dem Eingriff gründlich über die möglichen Vor- und Nachteile des Eingriffs aufklären. Da der Graue Star allmählich fortschreitet und kein Notfall ist, lässt sich in Ruhe abwägen und entscheiden, ob und zu welchem Zeitpunkt eine Operation infrage kommt.

    Wie läuft die Operation ab?

    Bei der Operation wird die trübe Linse entfernt und eine künstliche Linse eingesetzt. Zu Beginn der Operation wird ein kleiner Schnitt am Rand der Hornhaut gemacht. Dann wird die Membran, die die Linse umschließt, vorne eröffnet. Der Kern und die Rinde der Linse werden per Ultraschall zerkleinert und durch einen kleinen Schnitt abgesaugt (Phakoemulsifikation). Danach wird eine künstliche Linse eingesetzt, die ein Leben lang hält. Am Ende der Operation müssen meistens keine Nähte gesetzt werden, weil die Schnitte so klein sind, dass sie sich schnell selbst verschließen.

    Die Operation dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Meist wird ambulant operiert. Einige Stunden nach dem Eingriff kann man sich wieder nach Hause abholen lassen.

    Sinnvoll kann eine Operation im Krankenhaus sein, wenn eine intensivere Betreuung nötig ist, beispielsweise bei bestimmten Begleiterkrankungen.

    Welche Betäubung eignet sich besser?

    Für die Operation reicht normalerweise eine örtliche Betäubung aus – entweder mit einer Spritze, die neben das Auge gesetzt wird, oder mit Augentropfen. Beides hat Vor- und Nachteile: Menschen, die eine Spritze bekommen, haben Studien zufolge während der Operation weniger Schmerzen. Möglicherweise hält diese Wirkung auch nach der Operation noch an. Allerdings erhöht eine Spritze das Risiko für Komplikationen.

    Schmerzen während oder nach der Operation haben etwa

    • 360 von 1000 Menschen, die Tropfen bekommen, und
    • 130 von 1000 Menschen, die eine Spritze bekommen.

    Komplikationen durch die Betäubung:

    • Bei den Augentropfen sind Komplikationen selten, sie treten bei etwa 1 von 1000 Operierten auf.
    • Dagegen kommt es bei etwa 80 von 1000 Operierten nach einer Spritze zu Schwellungen der Bindehaut, Blutergüssen oder Blutungen im Auge.

    Die Art der Betäubung hat auf die Sehfähigkeit nach der Operation wahrscheinlich keinen Einfluss.

    Die Betäubung mit Tropfen beeinträchtigt die Augenmuskulatur während der Operation nicht. Man kann also die Augen bewegen und wird deshalb gebeten, während des Eingriffs in eine Richtung zu schauen und das Auge ruhig zu halten. Da dies gute Nerven und Konzentration erfordert, bietet sich die Tropfen-Betäubung nicht für jeden und nur bei kurzen Eingriffen an.

    Wie gut hilft eine Operation?

    Etwa 9 von 10 Menschen können nach einer Operation besser sehen als vorher. Besser sehen heißt: wieder schärfer und kontrastreicher sehen. Die Kurz- und Weitsichtigkeit ist verbessert, und auch bei gedämmtem Licht ist mehr zu erkennen. Der Eingriff kann also die Lebensqualität verbessern und den Alltag erheblich erleichtern. So können viele Menschen wieder Dinge tun, die ihnen vorher nicht mehr oder nur eingeschränkt möglich waren – wie Auto fahren, lesen und am Bildschirm arbeiten. Es kann jedoch einige Wochen bis Monate dauern, bis die bestmögliche Sehkraft erreicht ist.

    Eine künstliche Linse hält meist ein Leben lang und kann nicht verschleißen oder eintrüben. Sie muss deshalb in der Regel nicht ausgetauscht werden. Es kann sich jedoch ein sogenannter Nachstar entwickeln: Wenn sich in den Monaten oder Jahren nach der Operation das Sehen wieder verschlechtert, weil sich die hintere Linsenkapsel eintrübt. Nach Schätzungen passiert dies bei ungefähr 50 bis 100 von 1000 Menschen innerhalb von fünf Jahren nach der Operation. Ein Nachstar kann mit einem Laser behandelt werden.

    Welche Komplikationen können auftreten?

    Die meisten Operationen verlaufen ohne Komplikationen. Dennoch können Entzündungen, Verletzungen, Blutungen und Wundheilungsstörungen auftreten. Sie können zu Sehstörungen führen und erneute Behandlungen nach sich ziehen. Die häufigsten Probleme sind:

    Während der Operation:

    • Verletzung der Linsenkapsel: bei etwa 20 bis 30 von 1000 Operationen
    • Verletzung der Iris oder des Augapfels: bei etwa 1 bis 5 von 1000 Operationen

    Nach der Operation:

    • Schwellung der Netzhaut: bei etwa 20 bis 30 von 1000 Operierten
    • Verschiebung der Linse: bei etwa 2 bis 10 von 1000 Operierten
    • Netzhautablösung: bei etwa 2 bis 10 von 1000 Operierten
    • Entzündung des Augeninneren (Endophthalmitis): bei etwa 1 bis 2 von 1000 Operierten

    Das Risiko für bestimmte Komplikationen ist außerdem höher, wenn das Auge mit einer Spritze betäubt wird (siehe oben). Auch Menschen mit weiteren Augenerkrankungen haben ein höheres Risiko.

    Die meisten Komplikationen haben keine dauerhaften Folgen. Sie können aber zu vorübergehenden Beschwerden wie Sehverschlechterungen oder einer verlangsamten Heilung führen. Es kann sein, dass man über einige Zeit Medikamente einnehmen oder das Auge erneut operiert werden muss.

    Die risikoreichste Komplikation ist die Entzündung des Augeninneren. Sie entsteht, wenn Keime in das Augeninnere gelangen und eine Infektion auslösen. Sie zeigt sich durch Schmerzen, Schwellungen, ein gerötetes Auge und starke Sehverschlechterungen. Falls solche Symptome in den Tagen und Wochen nach der Operation auftreten, ist eine sofortige augenärztliche Untersuchung wichtig. Die Entzündung kann bis zur Erblindung oder zum Verlust des Auges führen. Deshalb muss sie so schnell wie möglich mit Antibiotika behandelt werden. Auch Blutungen im Auge können ernsthafte Folgen haben. Sie treten jedoch nicht einmal bei einem von 1000 Menschen auf und sind damit noch seltener als die Entzündung des Augeninneren.

    Wodurch unterscheiden sich die künstlichen Linsen?

    Künstliche Linsen werden auch Intraokularlinsen genannt. Man unterscheidet verschiedene Linsentypen:

    • Monofokallinse: Diese Linse bietet bei nur einem Entfernungsbereich ein scharfes Bild. Das heißt: Man muss sich vorher entscheiden, ob man lieber in der Ferne, im Mittelbereich oder in der Nähe scharf sehen möchte, und wählt die entsprechende Monofokallinse aus. Die jeweils unscharfen Bereiche kann eine Brille ausgleichen. Wer zum Beispiel eine Linse wählt, mit der er in der Ferne scharf sieht, benötigt zum Lesen dann eine Brille.
    • Multifokallinse: Die Linse ermöglicht ein scharfes Sehen sowohl in der Ferne als auch in der Nähe. Dieser Vorteil macht es eventuell möglich, auf eine Brille zu verzichten. Allerdings können manche Sehbereiche dennoch verschwommen bleiben, und im Vergleich zur Monofokallinse sieht man mit der Multifokallinse etwas kontrastärmer. Zudem kommt es häufiger zu Blendungen durch Licht, beispielsweise beim nächtlichen Autofahren.
    • torische Linse: Diese Linse ist speziell für Menschen, die eine Hornhautverkrümmung haben.

    Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten des Eingriffs nur vollständig, wenn eine Monofokallinse eingesetzt wird. Multifokallinsen und torische Linsen sind teurer als Monofokallinsen. Die Zusatzkosten müssen die Patientinnen und Patienten selbst zahlen. Da auch das Einsetzen dieser Linsen teuer sein kann, lohnt es sich, die Vor- und Nachteile der verschiedenen Linsentypen gut abzuwägen. Eventuell ist es hilfreich, eine zweite Meinung einer anderen Augenärztin oder eines Augenarztes einzuholen. Zu Fragen der Kostenübernahme beraten die Krankenkassen. Eine Möglichkeit, sich unabhängig beraten zu lassen, bietet die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD).  

    Wichtiger als der Linsentyp ist, dass die Linse gut an das Auge angepasst ist und die richtige Stärke (Brechkraft) hat. Die nötigen Untersuchungen macht die Augenärztin oder der Augenarzt vor der Operation.

    Was ist nach einer Operation zu beachten?

    Am ersten Tag nach dem Eingriff ist ein Augenverband nötig. Das Auge kann jucken, auch leichte Schmerzen und ein Fremdkörpergefühl sind möglich. Solche Beschwerden gehen meist nach einigen Tagen vorüber. Wichtig ist, nicht am frisch operierten Auge zu drücken oder zu reiben. Vorsichtige Berührungen sind aber unproblematisch. Die meisten Alltagstätigkeiten sind nach einigen Tagen wieder wie gewohnt möglich, bis auf das Autofahren. Ob es nötig ist, auf bestimmte Aktivitäten zunächst zu verzichten, bespricht man am besten mit der Augenärztin oder dem Augenarzt. Sie oder er stellt auch fest, wann die Sehkraft ausreicht, um wieder Auto fahren zu können. Meist ist dies nach einigen Wochen möglich.

    Für die Zeit nach der Operation werden Augentropfen verordnet, und es werden Termine zur Nachsorge in der Augenarztpraxis vereinbart. Eine Brille kann erst einige Wochen nach dem Eingriff angepasst werden.

    Quellen

    Allen D. Cataract. Clin Evid 2011.

    American Academy of Ophthalmology. Prefered Practice Pattern Guidelines. Cataract in the adult eye. San Francisco: AAO; 2011.

    Calladine D, Evans JR, Shah S, Leyland M. Multifocal versus monofocal intraocular lenses after cataract extraction. Cochrane Database Syst Rev 2012; (9): CD003169.

    Desapriya E, Subzwari S, Scime-Beltrano G, Samayawardhena LA, Pike I. Vision improvement and reduction in falls after expedited cataract surgery. Systematic review and metaanalysis. J Cataract Refract Surg 2010; 36(1): 13-19.

    Guay J, Sales K. Sub-Tenon's anaesthesia versus topical anaesthesia for cataract surgery. Cochrane Database Syst Rev 2015; (8): CD006291.

    Riaz Y, Mehta JS, Wormald R, Evans JR, Foster A, Ravilla T, Snellingen T. Surgical interventions for age-related cataract. Cochrane Database Syst Rev 2006; (4): CD001323.

    Zhao LQ, Zhu H, Zhao PQ, Wu QR, Hu YQ. Topical anesthesia versus regional anesthesia for cataract surgery: a meta-analysis of randomized controlled trials. Ophthalmology 2012; 119(4): 659-667.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Grauer Star - Erfahrungsbericht - Christel

    „Als ich nach der Operation nach Hause kam, war mein erster Ausspruch: Ich brauche einen Maler!“

    Christel, 74 Jahre

    „Als ich nach der Operation nach Hause kam, war mein erster Ausspruch: Ich brauche einen Maler!“

    Vor einigen Jahren hatte ich eine Netzhautablösung an einem Auge. Dadurch war ich fast blind. Das Auge wurde operiert, das hat prima geklappt und ich konnte im Anschluss daran wieder sehr gut sehen.

    In einer der Kontrolluntersuchungen nach dieser Operation hatte die Ärztin angekündigt, dass sich in beiden Augen ein Grauer Star entwickelt. Das war aber noch in einem sehr frühen Stadium.

    Die Sehfähigkeit verschlechterte sich ganz langsam

    Mir ist damals allmählich aufgefallen, dass ich zum Beispiel Inschriften in alten Häusern nicht mehr richtig erkennen konnte oder es schwierig war, braune Schilder mit weißer Schrift zu lesen und ich war sehr blendempfindlich. Ich konnte die Farben auch nicht mehr so intensiv erkennen. Das habe ich aber nicht bewusst bemerkt, weil es ein schleichender Prozess war, also ganz langsam schlechter wurde.

    Irgendwann hat meine Ärztin dann gesagt, dass es jetzt Zeit ist und an dem Grauen Star etwas gemacht werden sollte. Sie hat mir geraten, an beiden Augen die Linsen auszutauschen.

    Ich wurde stationär operiert

    Im Jahr 2004 wurde das erste Auge operiert. Da ich aufgrund der früheren Netzhautablösung als Risikopatientin galt, wurde ich stationär operiert. Der operierende Arzt im Krankenhaus hat mich entscheiden lassen, welches Auge zuerst gemacht werden soll. Ich habe mich für das Schlechtere entschieden, falls etwas schiefgehen sollte.

    In der Klinik habe ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt. Das Einzige, was ich unangenehm fand war, dass die Ärzte die Betäubung direkt in das Auge gespritzt haben. Das war aber eine Sache von wenigen Sekunden, in denen es wehtat. Ich war vor der Operation sehr aufgeregt und habe mich durch Tropfen ein wenig beruhigen lassen. Aber der Kopf wird ja fixiert, so dass man ihn nicht aus Versehen bewegen kann.

    Nach der Operation konnte ich deutlich besser sehen

    Als ich nach der Operation nach Hause kam, war mein erster Ausspruch: Ich brauche einen Maler! Da habe ich gesehen, dass meine Küche dringend einen Maler nötig hat, das ist mir vorher nie aufgefallen. Ich habe erst nach der Operation gemerkt, wie schlecht meine Sehfähigkeit vorher eigentlich schon war.

    Beispielsweise war die Gasflamme wieder richtig bunt. Ich konnte beim Radfahren wieder die entgegenkommenden Autos anschauen und war nicht mehr so geblendet wie vorher. Selbst anderen ist es aufgefallen, dass ich wieder Schilder lesen konnte.

    Bis ich dann nach der Operation eine Brille bekam, dauerte es etwa sechs Wochen. Das ist eine lange Warterei, aber so schlimm war es nicht. Ich bekam eine lange Liste vom Krankenhaus, auf was ich achten und was ich vermeiden sollte. Auf Anraten einer Freundin habe ich vor der Operation alles nach oben gestellt, weil man sich die sechs Wochen nach der Operation ja nicht mehr so bücken soll. Ich durfte keinen Sport machen, bis das Auge ausgeheilt war. Ich habe dann halt was anderes gemacht, war im Konzert und im Theater. Man darf nur nicht die Augen anstrengen. Und nach den sechs Wochen kann man ja wieder alles machen.

    Anfang 2005 wurde dann das zweite Auge operiert. Und seitdem kann ich wieder, ohne mich anzustrengen, im Dunkeln Auto fahren.

    Ich habe keine Einschränkungen mehr

    Momentan trage ich nur eine Lesebrille, sonst brauche ich keine Brille. Am Auge spüre ich nichts und habe keine Schmerzen, das ist wirklich wunderbar. Ich habe keinerlei Einschränkungen.

    Sehr wichtig war für mich das Vertrauen zu den Ärzten. Ich habe mich immer sehr gut betreut gefühlt und hatte nie Zweifel an den Entscheidungen.

    In meinem Bekanntenkreis sind schon viele wegen eines Grauen Stars operiert worden und fast alle sind sehr zufrieden.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Grauer Star - Erfahrungsbericht - Günter

    „Als alles überstanden war, habe ich mir gedacht, dass ich mich viel früher hätte operieren lassen sollen.“

    Günter, 71 Jahre

    „Als alles überstanden war, habe ich mir gedacht, dass ich mich viel früher hätte operieren lassen sollen.

    Die ersten Veränderungen meiner Sehfähigkeit habe ich an einem Weihnachtsfest bemerkt: Die Kerzen am Weihnachtsbaum hatten für mich plötzlich zwei Flammen. Das konnte ja nicht richtig sein. Im Laufe der Zeit habe ich dann auch manchmal andere Dinge doppelt gesehen.

    Irgendwann bin ich zum Augenarzt gegangen. Der meinte zu mir, dass ich einen Grauen Star hätte und wenn es schlimmer würde, müsste ich operiert werden. Aber ich hätte noch Zeit.

    Ich habe zunehmend schlechter gesehen

    Mit der Zeit habe ich beim Autofahren die Rücklichter der vor mir fahrenden Autos doppelt gesehen. Wenn ich mein linkes Auge abgedeckt hatte, konnte ich das Nummernschild am Auto vor mir nur bis zu einem Abstand von etwa fünf Metern lesen. In einem Abstand von zehn Metern konnte ich nur noch die Umrisse erkennen. Wenn ich mit beiden Augen geschaut habe, hat das gesunde Auge die Einschränkung ausgeglichen. Ich habe auch bemerkt, dass das räumliche Sehen nicht mehr so gut war. Wenn beispielsweise ein Auto auf der Straße auf mich zukam, dann musste ich den Kopf drehen, um die Entfernung abschätzen zu können. Auch hatte jede Lichtquelle eine sehr große Aura.

    Mit der ambulanten Operation war ich zufrieden

    So habe ich mich etwa ein Jahr durchgemogelt, dann bin ich wieder zum Augenarzt gegangen und der hat mich an einen Kollegen überwiesen, der mich operierte. Das war 1994, da war ich 51 Jahre alt. Ich wurde gefragt, ob ich ambulant oder stationär operiert werden möchte. Auf einen Termin in der Klinik hätte ich drei Monate warten müssen und das wollte ich nicht. Ich entschied mich für die ambulante Operation.

    Der operierende Arzt hat mich beruhigt und gesagt, dass ich keine Bedenken zu haben brauche, dass ich eine Beruhigungsspritze erhalte und von der Operation nichts spüren würde. Ich benötigte jedoch einen Fahrer, der mich nach der Operation nach Hause fährt. Vor der Operation habe ich mir die Linse zeigen lassen, die eingesetzt werden sollte.

    Ich musste anfangs regelmäßig zur Kontrolle

    Ich wurde am rechten Auge operiert und hatte nach der Operation eine Plastikabdeckung auf diesem Auge, die ich etwa eine Woche getragen habe. Ich war dann anfangs jeden zweiten Tag zur Kontrolle bei meinem Arzt. Die vier Wochen nach der Operation war ich krankgeschrieben.

    Am Anfang nach der Operation war die Farbwahrnehmung etwas anders, besonders bei den Blautönen. Aber das hat sich wieder eingespielt. Ich kann jetzt ohne Einschränkungen sehen.

    Als alles überstanden war, habe ich gedacht, dass ich mich viel früher hätte operieren lassen sollen. Dann hätte ich etwa ein Jahr mit schlechtem Sehen vermieden.

    Ich kann meinem Hobby wieder ungestört nachgehen

    Ich filme in meiner Freizeit sehr gern. Vor der Operation habe ich nur mit meinem linken Auge gefilmt, weil es mit dem rechten nicht mehr ging. Seit der Operation kann ich auch wieder mit dem rechten Auge filmen. Das ist ganz fantastisch. Ich kann alles wieder scharf sehen – es ist einfach perfekt.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Grauer Star - Erfahrungsbericht - Wolfgang

    „Ich sehe zunehmend verschwommener. Das behindert mich vor allem bei der Arbeit am Computer und beim Lesen.“

    Wolfgang, 66 Jahre

    „Ich sehe zunehmend verschwommener. Das behindert mich vor allem bei der Arbeit am Computer und beim Lesen.“

    Ich bin schon länger weitsichtig und Brillenträger. Vor etwa eineinhalb Jahren bemerkte ich zunehmend Probleme auf dem rechten Auge. Ich dachte, das liegt an meiner Brille und ging zum Arzt.

    Der Arzt meinte zu mir, dass ich eine neue Brille brauche. Als sich meine Probleme mit der neuen Brille aber nicht besserten, hieß es, dass sich das Auge erst mal an die Brille gewöhnen muss. Aber meine Beschwerden haben sich auch mit der Zeit nicht gebessert.

    Ich hatte das Gefühl, einen Fremdkörper im Auge zu haben

    Seit damals habe ich so eine Art Kranz im Auge und kann den Außenrand nicht richtig scharf sehen. Und ich sehe auch so einen kleinen Fleck im unteren Auge, der mit der Zeit langsam gewachsen ist. Ich hatte früher immer das Gefühl, ich habe was im Auge. Am Anfang habe ich mir darüber keine großen Gedanken gemacht, aber mit der Zeit wurde es doch schlimmer. Ich habe dann viel am Auge gerieben, weil ich dachte, dass ich am unteren Augenrand einen Fremdkörper habe.

    Ich sehe zunehmend verschwommener. Das behindert mich vor allem bei der Arbeit am Computer und beim Lesen. Manchmal hängt das bei mir auch von der Tagesform ab, dann verschwimmt es beim Lesen schneller als sonst.

    Ich bewege mich manchmal unsicherer

    Wenn ich viel gelesen habe und dann mit dem Hund am Abend rausgehe, fühle ich mich auf dem Bürgersteig oft nicht mehr so sicher. Ich sehe dann manches nur verschwommen. Und auf unbefestigten Wegen schaue ich schon öfter mal runter, ob da nicht doch ein Stock liegt oder ein Loch ist.

    Im Sommer bin ich auch lichtempfindlicher. Ich segele viel und habe irgendwann bemerkt, dass ich sehr unsicher an Bord wurde. Das hat mich sehr irritiert, weil ich das so überhaupt nicht kannte und habe vermutet, dass es vielleicht am Alter liegen könnte. Irgendwann bin ich darauf gekommen, dass es auch an den Augen liegen könnte. Durch das etwas verschwommene Sehen konnte ich schnelle Bewegungen nicht mehr so gut ausgleichen. Und die Sonne hat mich auch immer extrem geblendet.

    Dann bin ich zu einem anderen Arzt gegangen. Dieser hat festgestellt, dass ich an beiden Augen an einem Grauen Star erkrankt bin. Das rechte Auge hatte noch eine Sehfähigkeit von 65 Prozent, beim linken Auge war es nicht ganz so schlimm. Er meinte auch, dass die Augen eventuell in Zukunft operiert werden müssten. Im kommenden März habe ich einen Kontrolltermin bei meinem Arzt und dann wird geschaut, wie stark sich die Sehfähigkeit verschlechtert hat und ob eine künstliche Linse eingesetzt werden muss.

    Schmerzen habe ich im Auge keine. Nur dieses ständige Gefühl, etwas im Auge zu haben, ist unangenehm.

    Ich würde mich gern bald operieren lassen

    Ich würde mich gern relativ bald operieren lassen. Die Einschränkungen beim Lesen und am Computer belasten mich schon sehr. Ich weiß ja, dass die Operation an sich nicht so kompliziert ist. Aber daneben gehen kann immer etwas, das ist schon klar. Ich würde dennoch mit der Operation nicht zu lange warten, denn es verschlechtert sich ja mit der Zeit immer mehr.

     

    Danksagung

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    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.