Gesundheitslexikon

Kammertachykardie

Überblick Mehr Wissen

    Überblick

    Eine Kammertachykardie ist eine Herzrhythmusstörung, bei der das Herz zu schnell schlägt. Sie tritt meist bei Menschen auf, die bereits eine andere Herzerkrankung wie eine koronare Herzerkrankung oder eine Herzschwäche haben. Um lebensbedrohlichen Folgen vorzubeugen, erhalten viele einen implantierbaren Defibrillator.

    Einleitung

    Eine Kammertachykardie ist eine Herzrhythmusstörung, bei der in den Herzkammern viel zu schnelle Impulse entstehen. Sie lassen das Herz auch ohne Belastung zu schnell schlagen. Diese Rhythmusstörung wird auch ventrikuläre Tachykardie genannt.

    Der normale Herzschlag wird von elektrischen Impulsen aus dem rechten Herzvorhof bestimmt. Es kann auch bei einem gesunden Herzen vorkommen, dass vereinzelt Impulse im Gewebe der Herzkammern entstehen. Wenn das Herz aber zum Beispiel durch einen Herzinfarkt geschädigt ist, kann das häufiger passieren.

    Wenn mehr als drei schnelle Herzschläge hintereinander in der Kammer entstehen, spricht man von einer Kammertachykardie. Diese Impulse können den Herzschlag kurz stark beschleunigen. Nach einigen Sekunden normalisiert sich die Herzfrequenz oft von allein wieder. Wenn eine Kammertachykardie allerdings länger anhält oder häufig wiederkehrt, kann es zu lebensbedrohlichem Kammerflimmern kommen. Um das zu verhindern, wird häufig ein Defibrillator eingesetzt.

    Symptome

    Bei einer Kammertachykardie ist der beschleunigte Herzschlag meist als Herzklopfen (Palpitationen) zu spüren. Wenn die Attacken nur Sekunden dauern, sind Beschwerden oft nur leicht oder fehlen ganz.

    Dauert eine Attacke länger, kann sie zu Schwindel, Schwäche, Atemnot, Brustschmerzen, Ohnmacht (Synkope) und Kreislaufkollaps führen. All diese Symptome können Angst auslösen.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Eine Kammertachykardie ist meist die Folge einer Herzerkrankung, die die Reizleitung im Herzen stört. Dazu zählen Herzklappenerkrankungen, eine Herzschwäche, eine koronare Herzkrankheit (KHK) oder ein Herzinfarkt.

    Bei einem Herzinfarkt stirbt Herzmuskelgewebe ab. Es bildet sich eine Narbe aus Bindegewebe, die den elektrischen Reiz nur noch sehr verzögert weiterleitet. Es kann dann sein, dass sich ein Reiz an der Narbe aufspaltet und zweimal oder mehrfach durch die Kammern kreist. Das Herz schlägt dann ohne Grund zu schnell.

    Auch Störungen des Salzhaushalts, Drogenkonsum und Überdosierungen von einigen Medikamenten können zu einer Kammertachykardie führen.

    Tritt eine Kammertachykardie bei Kindern oder jungen Erwachsenen auf, ist die Ursache oft eine genetische Veranlagung oder ein angeborener Herzfehler.

    Häufigkeit und Verlauf

    Kammertachykardien treten meist bei Menschen auf, die bereits eine andere Herzerkrankung wie eine koronare Herzkrankheit (KHK) oder eine Herzschwäche haben. Ältere Menschen sind deshalb eher betroffen.

    Wann und wie oft Attacken einer Kammertachykardie auftreten, lässt sich kaum vorhersagen.

    Folgen

    Wenn eine Kammertachykardie länger anhält, können die einzelnen, zu schnellen Schläge nicht genügend Blut in den Körper pumpen. Dadurch kommt im Gehirn zu wenig Sauerstoff an, was zu Bewusstlosigkeit führen und Stürze und Verletzungen zur Folge haben kann.

    Auch der Herzmuskel selbst braucht Sauerstoff. Wird er bei einer Attacke nicht ausreichend durchblutet, kann das Muskelgewebe geschädigt werden. Das kann zu einem lebensbedrohlichen Schock mit Kreislaufversagen führen.

    Wenn die Kammertachykardie in ein sogenanntes Kammerflimmern übergeht, führt dies ohne Behandlung zum plötzlichen Herztod. Bei Kammerflimmern zittert der Herzmuskel nur noch, ohne dabei Blut zu pumpen. Wird dann nicht rasch wiederbelebt, tritt der Tod ein.

    Diagnose

    Die Diagnose kann schwierig sein, weil eine Attacke nicht unbedingt dann auftritt, wenn man in der Arztpraxis oder im Krankenhaus ist – oder wenn sie auf dem Weg dahin von selbst aufgehört hat.

    Während einer Attacke lässt sich der unregelmäßige, zu schnelle Herzschlag beim Abhören mit dem Stethoskop oder beim Pulsmessen feststellen. Vorhandene Beschwerden und mögliche Vorerkrankungen geben weitere Hinweise.

    Ob es sich jedoch tatsächlich um eine Kammertachykardie handelt, kann die Ärztin oder der Arzt mithilfe eines Elektrokardiogramms (EKG) feststellen – aber auch nur dann, wenn man während einer Attacke an einem EKG-Gerat angeschlossen ist. Wer bei der normalen EKG-Untersuchung keine Attacke hatte, erhält deshalb einen kleinen sogenannten Langzeit-EKG-Rekorder. Man kann ihn sich zum Beispiel unter der Kleidung um den Hals hängen. Das Gerät ist mit drei bis fünf Elektroden verbunden, die auf die Haut des Brustkorbs geklebt werden. Mit einem solchen Rekorder kann der Herzschlag auch über mehrere Tage aufgezeichnet werden. Tritt in dieser Zeitspanne keine Attacke auf, kann ein sogenannter Event-Rekorder helfen. Das kleine Gerät kann unter die Haut implantiert werden und den Herzrhythmus über Jahre aufzeichnen.

    Attacken, die nur unter körperlicher Anstrengung auftreten, können sich auch bei einem Belastungs-EKG zeigen.

    Um die Ursache dieser Herzrhythmusstörung festzustellen, werden in der Regel weitere Untersuchungen wie ein Ultraschall des Herzens (Echokardiografie) oder eine Herzkatheter-Untersuchung durchgeführt. Dabei kann man auch die Reizleitung im Herzen genauer untersuchen, oder andere Ursachen wie eine koronare Herzkrankheit (KHK) oder einen Herzinfarkt erkennen.

    Vorbeugung

    Vor allem herzkranke Menschen haben ein erhöhtes Risiko, an einer Kammertachykardie zu sterben. Neben der Behandlung der Ursachen können verschiedene Verfahren das Risiko für Kammertachykardien senken. Oft können sie auch miteinander kombiniert werden.

    • Für manche Menschen ist es sinnvoll, dauerhaft Medikamente einzunehmen, die den Herzrhythmus stabil halten.
    • Häufig wird das Einsetzen eines Defibrillators empfohlen. Das Gerät kann Kammertachykardien erkennen und mit Stromstößen schnell beenden.
    • Manchmal wird auch das Gewebe im Herzmuskel verödet, von dem die Kammertachykardien ausgehen. Dazu ist ein Katheter-Eingriff nötig.

    Behandlung

    Um die Beschwerden und Komplikationen einer Kammertachykardie ausreichend behandeln zu können, ist eine rasche Einweisung ins Krankenhaus nötig.

    Wenn durch die Herzrhythmusstörung ein Kreislaufversagen droht, wird die Attacke unter kurzer Narkose mit einem Stromstoß beendet. Dazu werden die Elektroden eines Defibrillators auf den Brustkorb geklebt oder aufgelegt. Der Stromstoß stoppt die Kammertachykardie und das Herz kann wieder normal weiter schlagen. Das Verfahren wird Kardioversion genannt. Mögliche Risiken sind Verbrennungen an den Stellen, an denen die Elektroden aufgesetzt werden, oder Reaktionen auf das Narkosemittel wie Atem- oder Kreislaufprobleme, Übelkeit und Erbrechen.

    Wenn der Kreislauf bei einer Kammertachykardie stabil ist, werden manchmal zunächst Medikamente gespritzt. Die Mittel sollen den Herzrhythmus wieder in ein normales Tempo bringen. Nebenwirkungen können unter anderem Schwindel, Atemnot, Kopfschmerzen oder Blutdruckabfall sein. Weil die Medikamente in das komplizierte Reizleitungssystem eingreifen, können sie auch andere Herzrhythmusstörungen auslösen. Manchmal wird die Kammertachykardie auch mithilfe eines Katheter-Eingriffs am Herzen beendet.

    Leben und Alltag

    Bei häufigen Kammertachykardien können die Beschwerden und die Angst vor lebensbedrohlichen Folgen belasten. Zudem fällt die Entscheidung, sich einen Defibrillator in den Brustkorb einsetzen zu lassen, oft schwer. Eine ausführliche ärztliche Beratung zu den Vor- und Nachteilen eines implantierbaren Kardioverter-Defibrillators (ICD) ist dann besonders wichtig. Zusätzlich kann eine Entscheidungshilfe dabei unterstützen, noch offene Fragen zu klären und sich darüber klar zu werden, was einem persönlich wichtig ist. Hilfreich kann auch der Austausch mit anderen Menschen sein, die bereits einen ICD tragen – zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe.

    Ein Defibrillator bietet Schutz vor den lebensbedrohlichen Auswirkungen von Kammertachykardien. Ihn im Körper zu tragen, kann den Alltag einschränken und auch Angehörige belasten. Viele Menschen haben Angst vor dem Moment, wenn das Gerät einen Stromstoß abgibt. Er ist schmerzhaft und erinnert an die lebensbedrohliche Erkrankung. Um keinen Stromstoß auszulösen, vermeiden manche, sich körperlich anzustrengen. Ein ICD kann auch einschneidende berufliche Auswirkungen haben: Wer ihn trägt, kann in der Regel keinen Beruf ausüben, in dem er Auto fahren muss. Privat darf man aber meist spätestens drei Monate nach Einsetzen des Defibrillators wieder ans Steuer.

    Elektrische und magnetische Geräte können die Funktion des implantierten Defibrillators stören. Das kann verunsichern. Probleme lassen sich aber vermeiden, wenn man bei elektrischen Alltagsgeräten auf einen Sicherheitsabstand von 30 Zentimetern zwischen Oberkörper und Gerät achtet. Beim mobilen Telefonieren reichen 15 bis 20 Zentimeter Abstand. Den hält man bereits ein, wenn man das Telefon an das gegenüberliegende Ohr hält und es nicht in der Brusttasche trägt. Bei manchen Geräten wie etwa Induktionsherden kann ein größerer Abstand nötig sein, einige sind auch gar nicht für Menschen mit ICD geeignet. Dies ist in der Regel in der Bedienungsanleitung vermerkt. Bei Sicherheitskontrollen wie zum Beispiel am Flughafen, sollte man seinen ICD-Ausweis vorzeigen und auf seinen ICD hinweisen. Dann wird auf die elektronische Überprüfung (mittels Körperscanner) verzichtet. Auch manche medizinische Untersuchungen, zum Beispiel eine Magnetresonanztomografie (MRT), sind für Trägerinnen und Träger eines ICD riskanter als für andere Personen. Je nach ICD-Modell können sie aber möglich sein.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Al-Khatib SM, Stevenson WG, Ackerman MJ, Bryant WJ, Callans DJ, Curtis AB et al. 2017 AHA/ACC/HRS Guideline for Management of Patients With Ventricular Arrhythmias and the Prevention of Sudden Cardiac Death: Executive Summary. Circulation 2018; 138(13): e210-e271.

    Carroll SL, Strachan PH, de Laat S, Schwartz L, Arthur HM. Patients' decision making to accept or decline an implantable cardioverter defibrillator for primary prevention of sudden cardiac death. Health Expect 2013; 16(1): 69-79.

    Clark AM, Dryden D, Hartling L. Systematic Review of Decision Tools and Their Suitability for Patient-Centered Decisionmaking Regarding Electronic Cardiac Devices. 23.05.2012. (AHRQ Technology Assessments).

    Claro JC, Candia R, Rada G, Baraona F, Larrondo F, Letelier LM. Amiodarone versus other pharmacological interventions for prevention of sudden cardiac death. Cochrane Database Syst Rev 2015; (12): CD008093.

    Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK). Schrittmacher- und Defibrillator-Träger sollten einen Sicherheitsabstand zu ihrem Smartphone einhalten. 08.2015.

    Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Beeinflussung von Implantaten durch elektromagnetische Felder. Eine Handlungshilfe für die betriebliche Praxis. 03.2012.

    Epstein AE, DiMarco JP, Ellenbogen KA, Estes NA, 3rd, Freedman RA, Gettes LS et al. ACC/AHA/HRS 2008 Guidelines for Device-Based Therapy of Cardiac Rhythm Abnormalities: a report of the American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Practice Guidelines: developed in collaboration with the American Association for Thoracic Surgery and Society of Thoracic Surgeons. Circulation 2008; 117(21): e350-408.

    European Society of Cardiology (ESC), Association for European Paediatric and Congenital Cardiology (AEPC). Guidelines for the Management of Patients with Ventricular Arrhythmias and the Prevention of Sudden Cardiac Death. Eur Heart J 2015; 36(41): 2793-2867.

    Fluur C, Bolse K, Strömberg A, Thylen I. Spouses' reflections on Implantable Cardioverter Defibrillator treatment with focus on the future and the end-of-life: a qualitative content analysis. J Adv Nurs 2014; 70(8): 1758-1769.

    Johansson I, Strömberg A. Experiences of driving and driving restrictions in recipients with an implantable cardioverter defibrillator - the patient perspective. J Cardiovasc Nurs 2010; 25(6): E1-E10.

    Kasper DL, Fauci AS, Hauser SL, Longo DL, Jameson JL, Loscalzo J. Harrison's Principles of Internal Medicine. New York: McGraw-Hill; 2015.

    Khan SU, Ghimire S, Talluri S, Rahman H, Khan MU, Nasir F et al. Implantable cardioverter defibrillator in nonischemic cardiomyopathy: A systematic review and meta-analysis. J Arrhythm 2018; 34(1): 4-10.

    Klein HH, Sechtem U, Trappe HJ, Stellbrink C. Pocket-Leitlinie: Fahreignung bei kardiovaskulären Erkrankungen. Düsseldorf: Börm Bruckmeier; 2018.

    Maskoun W, Saad M, Abualsuod A, Nairooz R, Miller JM. Outcome of catheter ablation for ventricular tachycardia in patients with ischemic cardiomyopathy: A systematic review and meta-analysis of randomized clinical trials. Int J Cardiol 2018; 267: 107-113.

    Morken IM, Severinsson E, Karlsen B. Reconstructing unpredictability: Experiences of living with an implantable cardioverter defibrillator over time. J Clin Nurs 2010; 19(3-4): 537-546.

    Santangeli P, Muser D, Maeda S, Filtz A, Zado ES, Frankel DS et al. Comparative effectiveness of antiarrhythmic drugs and catheter ablation for the prevention of recurrent ventricular tachycardia in patients with implantable cardioverter-defibrillators: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Heart Rhythm 2016; 13(7): 1552-1559.

    Sommer T, Bauer W, Fischbach K, Kolb C, Luechinger R, Wiegand U et al. MR-Untersuchungen bei Patienten mit Herzschrittmachern und implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren. Konsensuspapier der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG). Kardiologe 2017; 11: 97-113.

    Uhlig K, Balk EM, Earley A, Persson R, Garlitski AC, Chen M et al. Assessment on Implantable Defibrillators and the Evidence for Primary Prevention of Sudden Cardiac Death. 26.06.2013. (AHRQ Technology Assessments).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Was hilft, Kammertachykardien vorzubeugen?

    Menschen mit einer schweren Herzerkrankung haben ein erhöhtes Risiko für Kammertachykardien. Um lebensbedrohlichen Folgen der Attacken vorzubeugen, erhalten viele einen implantierbaren Defibrillator.

    Kammertachykardien sind Herzrhythmusstörungen, bei denen das Herz zu schnell schlägt. Meist kommt es dazu, weil der Herzmuskel zum Beispiel durch einen Herzinfarkt geschwächt oder geschädigt ist. Mögliche Folgen sind Kreislaufversagen, Ohnmacht und plötzlicher Herztod. Wenn dieses Risiko erhöht ist, wird in der Regel eine vorbeugende Behandlung empfohlen.

    Als Standardtherapie gilt der implantierbare Kardioverter-Defibrillator (ICD). Auch eine Katheter-Ablation und Medikamente kommen manchmal infrage: Sie werden oft mit einer ICD-Behandlung kombiniert. Welches Verfahren am ehesten geeignet ist, hängt von mehreren Faktoren ab – vor allem aber von der Ursache der Herzrhythmusstörungen.

    Menschen mit einer schweren Herzerkrankung haben ein erhöhtes Risiko für Kammertachykardien. Um lebensbedrohlichen Folgen der Attacken vorzubeugen, erhalten viele einen implantierbaren Defibrillator.

    Kammertachykardien sind Herzrhythmusstörungen, bei denen das Herz zu schnell schlägt. Meist kommt es dazu, weil der Herzmuskel zum Beispiel durch einen Herzinfarkt geschwächt oder geschädigt ist. Mögliche Folgen sind Kreislaufversagen, Ohnmacht und plötzlicher Herztod. Wenn dieses Risiko erhöht ist, wird in der Regel eine vorbeugende Behandlung empfohlen.

    Als Standardtherapie gilt der implantierbare Kardioverter-Defibrillator (ICD). Auch eine Katheter-Ablation und Medikamente kommen manchmal infrage: Sie werden oft mit einer ICD-Behandlung kombiniert. Welches Verfahren am ehesten geeignet ist, hängt von mehreren Faktoren ab – vor allem aber von der Ursache der Herzrhythmusstörungen.

    Was bewirkt ein Defibrillator?

    Ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD) wird – ähnlich wie ein Herzschrittmacher – mit einem kleinen Eingriff im Brustbereich unter die Haut oder den Brustmuskel eingesetzt. Das Gerät ist über Elektroden mit dem Herzen verbunden.

     

    Grafik: Ein ICD-Gerät gibt Stromstöße ab zur Normalisierung des Herzrhythmus Ein ICD-Gerät gibt Stromstöße ab zur Normalisierung des Herzrhythmus

     

    Der ICD überwacht den Herzrhythmus. Wenn eine Kammertachykardie einsetzt, gibt er einen oder mehrere Stromstöße ab. Sie können die Störung rasch beenden und das Komplikationsrisiko senken.

    Welchen Nutzen hat ein ICD?

    Der Nutzen der ICD-Behandlung konnte in Studien nachgewiesen werden. An ihnen hatten Menschen mit erhöhtem Risiko für lebensbedrohliche Kammertachykardien teilgenommen. Die Zusammenfassung der Studienergebnisse zeigte, dass innerhalb von 2 bis 3 Jahren

    • 8 von 100 Personen, die keinen ICD bekommen hatten, und
    • 3 von 100 Personen, denen ein ICD eingepflanzt worden war,

    an einem plötzlichen Herztod starben. Der Defibrillator konnte also zusätzlich 5 von 100 Menschen vor dem plötzlichen Herztod bewahren.

    ICD-Geräte können auch Daten aufzeichnen – zum Beispiel, wie das Herz arbeitet oder wann sie einen Stromstoß abgegeben haben. Diese Informationen können manche Geräte auch regelmäßig aus der Ferne an eine Arztpraxis oder Klinik übermitteln (Telemonitoring). Ob diese Zusatzfunktionen bei der Vorbeugung von Komplikationen helfen oder wie sie sich auf die Lebensqualität auswirken, ist allerdings unklar.

    Welche Risiken hat die Behandlung?

    Zu den Hauptrisiken der Behandlung mit einem ICD gehören Infektionen, Blutungen, Wundheilungsstörungen und Fehlfunktionen des Geräts. Diese können zum Beispiel zu unnötigen Stromstößen führen. Die Stromstöße sind unangenehm oder schmerzhaft, was ängstigen und psychisch belasten kann.

    Ein ICD kann eine Kammertachykardie zwar stoppen, ihr aber nicht vorbeugen. Wenn es häufig zu den Attacken kommt, können zur Vorbeugung zusätzliche Medikamente oder eine sogenannte Ablation sinnvoll sein.

    Grundsätzlich ist es möglich, einen ICD abzuschalten. Dazu ist kein erneuter Eingriff nötig. Manche Menschen entscheiden sich zum Beispiel in der letzten Lebensphase dazu, weil ihre Herzerkrankung so schwer ist, dass das Gerät sehr oft Stromstöße auslösen würde.

    Was passiert bei der Katheter-Ablation?

    Meist entstehen Kammertachykardien im Randbereich von Narben im Herzmuskel. Diese sind häufig Folge eines Herzinfarkts, können aber auch bei anderen Herzerkrankungen entstehen. Die vernarbten Bereiche werden bei einer Ablation verödet. Dazu führt eine Ärztin oder ein Arzt einen Katheter über ein Blutgefäß in der Leiste bis ins Herz. Über den Katheter wird das Herz zuerst untersucht, um den Ursprung der Kammertachykardien zu finden und den Bereich dann veröden zu können. Dies geschieht in der Regel unter Narkose. Studien weisen darauf hin, dass eine Katheter-Ablation Menschen, denen aufgrund eines Herzinfarkts ein ICD eingesetzt wurde, besser vor erneuten Kammertachykardien schützt als Medikamente. Zu den Risiken des Eingriffs zählen unter anderem Blutungen, Verletzungen des Herzens, Störungen des Reizleitungssystems im Herzen oder ein Schlaganfall.

    Welche Medikamente können vorbeugen?

    Welche Mittel geeignet sind, hängt von der Ursache der Kammertachykardie ab. Häufig eingesetzte Mittel sind Betablocker. Für diese Wirkstoffgruppe ist belegt, dass sie herzkranke Menschen vor lebensbedrohlichen Komplikationen schützen können. Betablocker werden meist gut vertragen. Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Schwindel und verlangsamter Puls.

    Manchmal werden auch Medikamente eingesetzt, die gezielt gegen Herzrhythmusstörungen wirken – sogenannten Antiarrhythmika. Ob sie vor lebensbedrohlichen Komplikationen schützen, ist nicht durch gute Studien belegt. Lediglich für den Wirkstoff Amiodaron gibt es Hinweise, dass er vorbeugend wirkt. Da ganz verschiedene Wirkstoffe zu den Antiarrhythmika zählen und gegen Kammertachykardien eingesetzt werden, sind auch unterschiedliche Nebenwirkungen möglich. Viele der Mittel können selbst zu Herzrhythmusstörungen führen. Kopfschmerzen, Übelkeit und ein niedriger Blutdruck sind weitere typische Nebenwirkungen. Amiodaron kann auch die Schilddrüsenfunktion stören oder zu Atembeschwerden führen.

    Gibt es weitere Möglichkeiten?

    Manchmal ist eine Ablation per Katheter nicht möglich. Dann kann das störende Gewebe auch mit einem chirurgischen Eingriff behandelt werden.

    Andere Verfahren zielen darauf ab, das vegetative Nervensystem am Herzen zu beeinflussen: Es besteht aus einem beruhigenden (Parasympathikus) und einem aktivierenden Anteil (Sympathikus). Bei manchen Menschen mit erhöhtem Risiko für Kammertachykardien kann es möglicherweise helfen, den Parasympathikus zu stimulieren oder den Sympathikus zu dämpfen. Dazu stehen ganz unterschiedliche Verfahren zur Verfügung – zum Beispiel können Nervenfasern des Sympathikus in einem operativen Eingriff verödet werden. Der Nutzen und die Risiken solcher Verfahren sind nicht ausreichend untersucht. Sie werden deshalb eher selten eingesetzt – zum Beispiel, wenn andere Vorbeugemaßnahmen nicht helfen konnten.

    Quellen

    Al-Khatib SM, Stevenson WG, Ackerman MJ, Bryant WJ, Callans DJ, Curtis AB et al. 2017 AHA/ACC/HRS Guideline for Management of Patients With Ventricular Arrhythmias and the Prevention of Sudden Cardiac Death: Executive Summary. Circulation 2018; 138(13): e210-e271.

    Clark AM, Dryden D, Hartling L. Systematic Review of Decision Tools and Their Suitability for Patient-Centered Decisionmaking Regarding Electronic Cardiac Devices. 23.05.2012. (AHRQ Technology Assessments).

    Claro JC, Candia R, Rada G, Baraona F, Larrondo F, Letelier LM. Amiodarone versus other pharmacological interventions for prevention of sudden cardiac death. Cochrane Database Syst Rev 2015; (12): CD008093.

    Epstein AE, DiMarco JP, Ellenbogen KA, Estes NA, 3rd, Freedman RA, Gettes LS et al. ACC/AHA/HRS 2008 Guidelines for Device-Based Therapy of Cardiac Rhythm Abnormalities: a report of the American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Practice Guidelines: developed in collaboration with the American Association for Thoracic Surgery and Society of Thoracic Surgeons. Circulation 2008; 117(21): e350-408.

    European Society of Cardiology (ESC), Association for European Paediatric and Congenital Cardiology (AEPC). Guidelines for the Management of Patients with Ventricular Arrhythmias and the Prevention of Sudden Cardiac Death. Eur Heart J 2015; 36(41): 2793-2867.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Telemonitoring mithilfe von aktiven kardialen implantierbaren Aggregaten bei ventrikulärer Tachyarrhythmie sowie Herzinsuffizienz. Abschlussbericht: Auftrag N16-02. 04.07.2018. (IQWiG-Berichte; Band 577).

    Kasper DL, Fauci AS, Hauser SL, Longo DL, Jameson JL, Loscalzo J. Harrison's Principles of Internal Medicine. New York: McGraw-Hill; 2015.

    Maskoun W, Saad M, Abualsuod A, Nairooz R, Miller JM. Outcome of catheter ablation for ventricular tachycardia in patients with ischemic cardiomyopathy: A systematic review and meta-analysis of randomized clinical trials. Int J Cardiol 2018; 267: 107-113.

    Santangeli P, Muser D, Maeda S, Filtz A, Zado ES, Frankel DS et al. Comparative effectiveness of antiarrhythmic drugs and catheter ablation for the prevention of recurrent ventricular tachycardia in patients with implantable cardioverter-defibrillators: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Heart Rhythm 2016; 13(7): 1552-1559.

    Uhlig K, Balk EM, Earley A, Persson R, Garlitski AC, Chen M et al. Assessment on Implantable Defibrillators and the Evidence for Primary Prevention of Sudden Cardiac Death. 26.06.2013. (AHRQ Technology Assessments).

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.