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Osteoporose

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    Schwache Knochen, die leichter brechen: So zeigt sich Osteoporose, auch Knochenschwund genannt. Ein Abbau von Knochensubstanz ist mit zunehmendem Alter normal – bei Osteoporose beschleunigt sich dieser Prozess jedoch. Osteoporose kann vor allem für ältere Menschen zum Problem werden, da bei ihnen auch das Sturzrisiko erhöht ist.

    Einleitung

    Mit zunehmendem Alter nimmt die Dichte der Knochen ab. Das ist normal. Bei manchen Menschen verringert sie sich jedoch stärker als bei anderen. Wenn die Knochendichte einen bestimmten Wert unterschreitet, spricht man von Osteoporose. Dies betrifft vor allem ältere Menschen – aber längst nicht alle. Bei Frauen setzt der Abbau von Knochenmasse früher ein als bei Männern.

    Eine geringe Knochendichte erhöht das Risiko für Knochenbrüche. Dies kann vor allem für ältere Menschen zum Problem werden, weil ein Bruch im Alter schlechter ausheilt und ernstere Folgen haben kann als in jungen Jahren. Dennoch sollte man sich wegen einer verringerten Knochendichte nicht allzu große Sorgen machen – oder gar anfangen, sich körperlich zu schonen. Denn wer sich weniger bewegt, erhöht sein Risiko für einen Knochenbruch eher noch. Körperliche Aktivität stärkt Knochen und Muskeln, verbessert den Gleichgewichtssinn und schützt vor Stürzen. Stürze sind die Hauptursache für Knochenbrüche im Alter.

    Man kann selbst viel dafür tun, dass die Knochen stabil bleiben. Wichtig ist vor allem, aktiv zu sein, sich kalziumreich zu ernähren – und nicht zu rauchen. Ob es sinnvoll ist, zusätzlich Medikamente zur Stärkung der Knochen zu nehmen, hängt vom Alter und anderen persönlichen Risikofaktoren für einen Knochenbruch ab.

    Symptome

    Eine Osteoporose bleibt oft unbemerkt. Manchmal gibt es aber auch sichtbare Anzeichen dafür: Zum Beispiel kann die Wirbelsäule leicht einsacken, sodass man etwas kleiner wird. Eine fortgeschrittene Osteoporose kann zu einer gebückten Haltung oder einem „Buckel“ im oberen Bereich der Wirbelsäule führen. Die Ursache hierfür sind Brüche (Frakturen) an den Wirbelkörpern, die die Wirbelsäule etwas zusammensacken lassen und zu Rückenschmerzen führen können. Viele Menschen bemerken solche Brüche aber gar nicht.

    Manchmal weist erst ein schmerzhafter Knochenbruch auf eine Osteoporose hin. Außer an den Wirbelkörpern sind Brüche an den Handgelenken, Rippen, Oberarmknochen, am Becken und an der Hüfte typisch. Bei einigen Menschen werden die Knochen mit der Zeit so brüchig, dass schon ein Stolpern oder das Heben einer schweren Einkaufstasche zum Bruch eines Wirbelkörpers führt.

    Ursachen

    Das Innere der Knochen besteht aus einem Gerüst aus feinen Knochenbälkchen (Trabekel). Dieses Knochengerüst ist wie ein Schwamm aufgebaut und heißt Spongiosa. Osteoporose entsteht, wenn sich viele Knochenbälkchen zurückbilden: Dann werden die Hohlräume größer und die Knochendichte nimmt ab. Wie stark der Knochen dadurch geschwächt wird, hängt aber noch von anderen Faktoren ab, zum Beispiel von der Feinstruktur des Knochens.

     

    Grafik: links gesunder, rechts brüchiger Knochen bei starker Osteoporose - wie im Text beschrieben Knochenstruktur: links gesunder, rechts brüchiger Knochen bei starker Osteoporose

     

    Die Knochendichte eines Menschen nimmt bei Mädchen etwa bis zum 15. und bei Jungen bis zum 20. Lebensjahr zu und erreicht dann ihr Maximum. Ab dem 30. Lebensjahr nimmt die Knochendichte langsam wieder ab. Bei Frauen beschleunigt sich der Knochenabbau etwa ab dem 50. Lebensjahr. Der Grund: Bis zu den Wechseljahren bremst das weibliche Geschlechtshormon Östrogen den Knochenabbau. Wenn der Hormonspiegel sinkt, geht dieser Schutz verloren und der Knochen wird schneller abgebaut.

    Wenn keine andere Ursache für den Knochenabbau festgestellt werden kann, wird dies als primäre Osteoporose bezeichnet. Von einer sekundären Osteoporose spricht man, wenn die Knochen zum Beispiel infolge einer Erkrankung oder durch eine dauerhafte Einnahme bestimmter Medikamente geschwächt werden.

    Risikofaktoren

    Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko für eine Osteoporose erhöhen. Einige davon lassen sich beeinflussen, andere nicht. Als Hauptrisikofaktoren für Osteoporose gelten:

    • höheres Alter
    • weibliches Geschlecht
    • geringes Körpergewicht (im Verhältnis zur Körpergröße)
    • vorangegangener Knochenbruch
    • Kalziummangel
    • Vitamin-D-Mangel
    • Bewegungsmangel
    • Osteoporose in der Familie
    • Rauchen
    • starker Alkoholkonsum
    • Einnahme von Kortison über längere Zeit

    Häufigkeit

    Nach einer Untersuchung des Robert Koch-Instituts geben 3 % der Männer und 13 % der Frauen im Alter von 60 bis 69 Jahren an, eine Osteoporose-Diagnose erhalten zu haben. Wie viele Menschen in Deutschland tatsächlich Osteoporose haben und wie viele Knochenbrüche dadurch verursacht werden, lässt sich jedoch nicht genau sagen.

    Längst nicht jede Osteoporose zieht einen Knochenbruch nach sich. Insbesondere Brüche an den Hüftknochen können jedoch ernsthafte Folgen haben. Hiervon sind fast ausschließlich ältere Menschen betroffen: Pro Jahr brechen sich etwa 6 bis 7 von 1000 Menschen über 65 den Oberschenkelhalsknochen.

    Diagnose

    Eine Osteoporose wird manchmal durch Zufall festgestellt – zum Beispiel, wenn aus anderen Gründen eine Röntgenuntersuchung des Oberkörpers gemacht wird und dabei Brüche an den Wirbelkörpern sichtbar werden.

    Eine Osteoporose kann auch durch einen überraschenden Knochenbruch auffallen. Davon spricht man, wenn bereits ein Sturz aus normaler Stehhöhe zu einem Knochenbruch führt. Bei einem solchen Bruch kann die Ärztin oder der Arzt nach einer körperlichen Untersuchung und einem Gespräch oft bereits die Diagnose Osteoporose stellen.

    Solange noch keine Knochenbrüche aufgetreten sind, handelt es sich bei einer Osteoporose nicht um eine Erkrankung, sondern um einen Risikofaktor für Knochenbrüche. Ob die Knochendichte verringert ist, lässt sich durch eine Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) feststellen. Dabei wird durch Röntgen bestimmt, wie viel Mineralsalz der Knochen enthält. Dies kann helfen, das Risiko für einen Knochenbruch abzuschätzen.

    Das Ergebnis der Knochendichtemessung wird als sogenannter T-Score (englisch für T-Wert) ausgedrückt. Ein T-Wert von 0 entspricht der Knochendichte eines jungen und gesunden Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 30. Nach den aktuellen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation gilt

    • ein T-Score bis -1 als normal,
    • ein T-Score zwischen -1 und -2,5 als vermindert (man spricht dann von Osteopenie) und
    • ein T-Score gleich oder kleiner als -2,5 als Osteoporose.

    Die Knochendichtemessung allein kann das Risiko für Knochenbrüche nicht zuverlässig vorhersagen. Zum einen spielen für die Knochengesundheit neben der Knochendichte noch andere Faktoren wie das innere Gerüst des Knochens und die Belastbarkeit der Knochensubstanz eine Rolle. Zum anderen hängt das Risiko für einen Knochenbruch auch von anderen Risikofaktoren und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab.

    Neben einer Knochendichtemessung können auch andere Untersuchungen infrage kommen, etwa um andere Erkrankungen als Ursache des Knochenabbaus auszuschließen – zum Beispiel eine Blutuntersuchung.

    Früherkennung

    Manche Ärztinnen und Ärzte bieten eine Knochendichtemessung als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) zur Früherkennung von Osteoporose an. Insbesondere für Frauen unter 65 Jahren ohne Risikofaktoren gibt es für diese Untersuchung jedoch keinen Anlass – zumal der Körper dabei einer geringen Röntgenstrahlung ausgesetzt wird. Wenn das Ergebnis dazu führt, dass man sich aus Angst vor einem Knochenbruch weniger bewegt, kann die Früherkennung sogar schaden.

    Für Frauen mit Risikofaktoren für eine Osteoporose, bei denen eine Medikamentenbehandlung erwogen wird, kann die Knochendichtemessung dagegen sinnvoll sein. Dann übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen auch die Kosten.

    Die möglichen Vor- und Nachteile einer Früherkennung für Männer wurden bisher nicht durch aussagekräftige Studien untersucht.

    Vorbeugung

    Man kann selbst einiges tun, um die Knochen zu stärken – zum Beispiel, sich kalziumreich ernähren, regelmäßig bewegen und nicht rauchen. Auch eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D ist wichtig. Damit der Körper Vitamin D produzieren kann, braucht er ausreichend Sonnenlicht (UV-Strahlung).

    Studien zeigen, dass zusätzlich eingenommene Nahrungsergänzungsmittel mit Kalzium und Vitamin D für die meisten Menschen keinen Nutzen haben. Sie können aber das Risiko für Nierensteine erhöhen. Von medizinischen Fachgesellschaften werden sie zur Vorbeugung von Knochenbrüchen nicht routinemäßig empfohlen. Sinnvoll können Nahrungsergänzungsmittel bei pflegebedürftigen und wenig mobilen Menschen sein, da sie meist nur wenig Zeit in der Sonne verbringen und sich oft nicht mehr ausreichend bewegen können.

    Insbesondere Knochenbrüche am Oberschenkelhals können ernsthafte Folgen haben: Vor allem viele ältere Menschen erholen sich davon oft nicht mehr vollständig. Auch wenn Osteoporose zu solchen Brüchen beitragen kann: Der größte Risikofaktor für einen Bruch am Hüftknochen sind Stürze. Gerade für ältere Menschen ist es daher wichtig, Stürzen vorzubeugen. Dazu kann Bewegung beitragen: Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert die Koordination und die Trittsicherheit. Wichtig ist auch, Stolperfallen in der häuslichen Umgebung zu beseitigen – zum Beispiel lose Kabel und Teppiche, Türschwellen und ähnliches.

    Zudem können bestimmte Medikamente das Risiko für Stürze erhöhen. Im Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt lässt sich klären, ob wirklich alle Medikamente nötig sind, die man einnimmt – und ob sie Wechselwirkungen haben könnten. Zur Vorbereitung des Gesprächs kann man eine Medikamenten-Liste erstellen.

    Behandlung

    Auch für Menschen, die bereits eine Osteoporose haben, ist es wichtig, sich regelmäßig zu bewegen und genügend Kalzium und Vitamin D zu sich zu nehmen.

    Osteoporose kann auch mit speziellen Medikamenten behandelt werden, die den Knochenabbau bremsen oder ihren Aufbau fördern sollen. Meist werden sogenannte Bisphosphonate eingesetzt. Eine Behandlung mit Medikamenten ist sinnvoll, wenn bereits Knochenbrüche aufgetreten sind oder das Risiko für Knochenbrüche hoch ist: zum Beispiel, wenn die Knochendichte sehr niedrig ist oder wenn verschiedene Risikofaktoren für Knochenbrüche zusammenkommen. Wenn man sich für eine Behandlung mit Medikamenten entscheidet, wird in der Regel empfohlen, sie mehrere Jahre lang einzunehmen.

    Vor allem für Menschen mit einem nur gering erhöhten Risiko für Knochenbrüche oder einer nur leicht verringerten Knochendichte (Osteopenie) lohnt es sich, die Vor- und Nachteile einer Behandlung mit Medikamenten gut abzuwägen.

    Hormonpräparate, wie sie auch gegen Wechseljahrsbeschwerden eingesetzt werden, können bei längerer Einnahme das Risiko osteoporosebedingter Brüche verringern. Eine langfristige Hormonbehandlung während oder nach den Wechseljahren erhöht aber das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Brustkrebs. Daher wird diese Behandlung bei Osteoporose nur noch in Ausnahmefällen empfohlen. Auch hier lohnt es sich, mögliche Vorteile und Nebenwirkungen gründlich abzuwägen.

    Zur Behandlung von Wirbelkörper-Brüchen aufgrund von Osteoporose wird manchmal eine sogenannte Vertebroplastie angeboten. Dabei wird künstlicher Knochenzement in die Wirbelkörper gespritzt, der dann aushärtet. Aussagekräftige Studien haben jedoch gezeigt, dass diese Behandlung Beschwerden nicht besser lindert als eine Scheinbehandlung. Es kann aber zu Nebenwirkungen kommen. Heute wird daher von dieser Behandlung abgeraten. Auch für die sogenannte Kyphoplastie – ein weiteres Verfahren zur Stabilisierung von Wirbelkörper-Brüchen – ist nicht nachgewiesen, dass sie Beschwerden lindern kann.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

    Avenell A, Mak JC, O'Connell D. Vitamin D and vitamin D analogues for preventing fractures in post-menopausal women and older men. Cochrane Database Syst Rev 2014; (4): CD000227.

    Buchbinder R, Johnston RV, Rischin KJ, Homik J, Jones CA, Golmohammadi K et al. Percutaneous vertebroplasty for osteoporotic vertebral compression fracture. Cochrane Database Syst Rev 2018; (4): CD006349.

    Dachverband der Deutschsprachigen Wissenschaftlichen Osteologischen Gesellschaften (DGO). Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern. AWMF-Registernr.: 183-001. 2017.

    Firanescu CE, de Vries J, Lodder P, Venmans A, Schoemaker MC, Smeet AJ et al. Vertebroplasty versus sham procedure for painful acute osteoporotic vertebral compression fractures (VERTOS IV): randomised sham controlled clinical trial. BMJ 2018; 361: k1551.

    Fuchs J, Rabenberg M, Scheidt-Nave C. Prävalenz ausgewählter muskuloskelettaler Erkrankungen. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2013; 56(5-6): 678-686.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Osteodensitometrie bei primärer und sekundärer Osteoporose. Abschlussbericht; Auftrag D07-01. 11.10.2010. (IQWiG-Berichte; Band 73).

    Qaseem A, Forciea MA, McLean RM, Denberg TD. Treatment of Low Bone Density or Osteoporosis to Prevent Fractures in Men and Women: A Clinical Practice Guideline Update From the American College of Physicians. Ann Intern Med 2017; 166(11): 818-839.

    Zhao JG, Zeng XT, Wang J, Liu L. Association Between Calcium or Vitamin D Supplementation and Fracture Incidence in Community-Dwelling Older Adults: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA 2017; 318(24): 2466-2482.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Osteoporose vorbeugen

    Es ist normal, dass die Knochendichte im Alter abnimmt und das Risiko für Knochenbrüche etwas steigt. Bei einer Osteoporose verlieren die Knochen jedoch früher und schneller an Substanz als normalerweise. Dem vorzubeugen, kann besonders für Frauen und Menschen mit bestimmten Risikofaktoren sinnvoll sein.

    Das Risiko für einen Knochenbruch aufgrund von Osteoporose hängt – neben der Knochendichte – von verschiedenen anderen Risikofaktoren ab. Dazu zählen das Alter, eine familiäre Veranlagung und Untergewicht. Auch Bewegungsmangel, Rauchen und die Einnahme bestimmter Medikamente können eine Rolle spielen.

    Nicht alle Risikofaktoren lassen sich beeinflussen. Dennoch kann man selbst einiges tun, um die Knochen zu stärken:

    • darauf achten, dass der Körper ausreichend Kalzium und Vitamin D bekommt,
    • körperlich aktiv bleiben,
    • nicht rauchen.

    Es ist normal, dass die Knochendichte im Alter abnimmt und das Risiko für Knochenbrüche etwas steigt. Bei einer Osteoporose verlieren die Knochen jedoch früher und schneller an Substanz als normalerweise. Dem vorzubeugen, kann besonders für Frauen und Menschen mit bestimmten Risikofaktoren sinnvoll sein.

    Das Risiko für einen Knochenbruch aufgrund von Osteoporose hängt – neben der Knochendichte – von verschiedenen anderen Risikofaktoren ab. Dazu zählen das Alter, eine familiäre Veranlagung und Untergewicht. Auch Bewegungsmangel, Rauchen und die Einnahme bestimmter Medikamente können eine Rolle spielen.

    Nicht alle Risikofaktoren lassen sich beeinflussen. Dennoch kann man selbst einiges tun, um die Knochen zu stärken:

    • darauf achten, dass der Körper ausreichend Kalzium und Vitamin D bekommt,
    • körperlich aktiv bleiben,
    • nicht rauchen.

    Wie viel Kalzium braucht der Körper?

    Der Mineralstoff Kalzium spielt für den Knochenaufbau wie für die Stabilität der Zähne und Nägel eine wichtige Rolle. Mit zunehmendem Alter steigt der Kalziumbedarf. Eine möglichst kalziumreiche Ernährung kann dabei helfen, diesen Bedarf zu decken. Medizinische Fachgesellschaften empfehlen eine Kalziumaufnahme von 700 mg bis 1200 mg täglich. Mithilfe unseres Kalzium-Rechners lässt sich grob einschätzen, wie viel Kalzium man pro Tag zu sich nimmt.

    Sind Nahrungsergänzungsmittel mit Kalzium sinnvoll?

    Für Menschen, die kein deutlich erhöhtes Risiko für Knochenbrüche haben und mit der Ernährung ausreichend Kalzium aufnehmen, sind Kalziumpräparate sehr wahrscheinlich nicht nützlich. In einer zusammenfassenden Auswertung von über 30 Studien mit mehr als 50.000 Teilnehmenden zeigten Kalziumpräparate keinen Einfluss auf das Risiko für Knochenbrüche.

    Sinnvoll können Kalziumpräparate für Menschen sein, denen es nicht gelingt, ihren Kalziumbedarf durch die Ernährung zu decken. Ihnen empfehlen der Dachverband Osteologie und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), ergänzend zur Nahrung Kalzium einzunehmen – aber nicht mehr als 500 mg pro Tag.

    Können Kalziumpräparate Nebenwirkungen haben?

    Zu den Nebenwirkungen von Kalziumpräparaten gehören insbesondere Verstopfung und die Bildung von Nierensteinen. In zwei großen Studien führten Kalziumtabletten bei etwa 70 von 1000 Frauen zu Verstopfung und bei etwa 4 von 1000 Frauen zu Nierensteinen. Das Risiko für Nierensteine lässt sich möglicherweise senken, indem man mehr Wasser trinkt.

    Die Frauen in beiden Studien nahmen jeweils 1000 mg Kalzium täglich ein. Bei einer geringeren Dosierung von 500 mg könnten solche Nebenwirkungen seltener sein.

    Welche Rolle spielt Vitamin D?

    Neben Kalzium ist eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung wichtig. Vitamin D hilft den Knochen dabei, Kalzium aufzunehmen. Der größte Teil des Vitamin D wird im Körper selbst produziert. Dazu benötigt der Körper ausreichend Sonnenlicht (UV-Strahlung). Vitamin D kann auch über die Nahrung oder durch Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden. Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D haben nach aktuellen Forschungsergebnissen jedoch keinen Nutzen.

    Damit in der Haut genug Vitamin D produziert werden kann, empfiehlt das BfR im Sommer etwa 5 bis 15 Minuten täglich in der Sonne zu verbringen, im Frühling und Herbst etwa 10 bis 25 Minuten. Dabei reicht es, wenn Gesicht und Hände, je nach Temperatur auch Arme oder Beine teilweise unbekleidet sind. Im Winter wird der Vitamin-D-Bedarf zu einem großen Teil aus Vorräten gespeist, die der Körper gespeichert hat.

    Die Vitamin-D-Menge wird als internationale Einheit (IE) gemessen, einem festgelegten Maß für die Dosis eines Stoffes. Der Dachverband Osteologie empfiehlt Erwachsenen, über ihre Ernährung täglich 800 IE Vitamin D einzunehmen. Davon sollten Menschen über 65 nach Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) nicht mehr als 400 IE als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Die zum Beispiel in einer Tablette enthaltene Dosis kann bei einigen Nahrungsergänzungsmitteln, auch bei Kombipräparaten, jedoch höher sein. Deshalb ist es wichtig, die Angaben zu den Inhaltsstoffen auf der Verpackung zu prüfen, um unterhalb dieser Grenze zu bleiben.

    Sind Kalzium- und Vitamin-D-Präparate für pflegebedürftige Menschen sinnvoll?

    Zwei Studien haben untersucht, ob Menschen, die pflegebedürftig und nicht sehr mobil sind, davon profitieren, wenn sie Kalzium- und Vitamin-D-Präparate nehmen. Sie könnten ein besonders hohes Risiko für Knochenbrüche haben, da sie wenig Zeit in der Sonne verbringen und sich oft nicht mehr ausreichend bewegen können.

    Die Studien deuten darauf hin, dass Kalzium zusammen mit Vitamin D nur bei wenigen dieser Menschen Knochenbrüchen vorbeugen kann. Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer nahmen zusätzlich zur Nahrung 1200 mg Kalzium und 800 IE Vitamin D pro Tag ein. Über einen Zeitraum von zwei Jahren konnten dadurch 10 von 1000 pflegebedürftigen oder wenig mobilen Menschen vor einer gebrochenen Hüfte bewahrt werden.

    Wie wichtig ist Bewegung für die Knochengesundheit?

    Grundsätzlich ist mangelnde Bewegung ein Risikofaktor für Osteoporose: Menschen, die den größten Teil des Tages sitzend oder liegend verbringen (müssen), haben häufiger Osteoporose als körperlich aktive.

    Vor allem Aktivitäten, bei denen man sein eigenes Gewicht tragen muss, fördern den Knochenaufbau. Dazu gehören zum Beispiel Treppensteigen, Joggen, schnelles Gehen und Krafttraining, nicht aber Schwimmen und Radfahren. Eine der einfachsten Bewegungs- und Trainingsarten mit einem relativ geringen Verletzungsrisiko ist flottes Gehen (Walking). Die meisten Menschen können es zudem auch noch in höherem Alter ausüben.

    Viele Studien zeigen: Frauen nach den Wechseljahren können ihre Knochen stärken, wenn sie neben ihren Alltagsaktivitäten zusätzlich trainieren – am besten mindestens dreimal pro Woche für 45 Minuten. Bewegung verbessert zudem die Fitness und Koordination.

    Körperliche Aktivität geht immer auch mit einem Risiko für Verletzungen einher. Deshalb ist es wichtig, das Training – ob leichte Bewegungsübungen oder Sport – an den eigenen Gesundheitszustand anzupassen und auf das Sturzrisiko zu achten. Dies gilt vor allem für Menschen mit Osteoporose, die bereits einen Knochenbruch hatten oder eine sehr geringe Knochendichte haben. Sie sollten Sportarten und Übungen meiden, die mit schnellen Bewegungen, schweren Gewichten oder starkem Beugen oder Drehen der Wirbelsäule einhergehen. Wichtig ist dann, sich bei der Wahl des richtigen Trainings physiotherapeutisch oder ärztlich beraten zu lassen.

    Hilft es, mit dem Rauchen aufzuhören?

    Raucherinnen und Raucher in mittlerem und höherem Alter haben ein höheres Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche als Menschen, die nicht rauchen. Es gibt viele Theorien zur Frage, warum das Rauchen der Knochengesundheit schadet. Zum Beispiel wird vermutet, dass Nikotin oder in Tabakrauch enthaltenes Kadmium den Knochenstoffwechsel stören können oder dass das Rauchen die Kalziumaufnahme in den Knochen behindert.

    Auch abgesehen vom schädigenden Einfluss des Rauchens auf die Knochengesundheit gibt es noch viele andere Gründe, mit dem Rauchen aufzuhören.

    Quellen

    Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Verwendung von Mineralstoffen in Lebensmitteln. Berlin: BfR; 2004.

    Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Verwendung von Vitaminen in Lebensmitteln. Berlin: BfR; 2004.

    Dachverband der Deutschsprachigen Wissenschaftlichen Osteologischen Gesellschaften (DGO). Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern. AWMF-Registernr.: 183-001. 2017.

    Zhao JG, Zeng XT, Wang J, Liu L. Association Between Calcium or Vitamin D Supplementation and Fracture Incidence in Community-Dwelling Older Adults: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA 2017; 318(24): 2466-2482.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Wie wirksam sind Medikamente zur Vorbeugung von Knochenbrüchen?

    Medikamente können das Risiko für einen Knochenbruch senken. Wie stark, hängt von den persönlichen Risikofaktoren ab. Bei der Entscheidung für oder gegen die Einnahme von Medikamenten ist es daher sinnvoll, alle Faktoren zusammen zu betrachten.

    Körperlich aktiv zu bleiben, gehört zu den wichtigsten Dingen, die Menschen mit Osteoporose tun können. Bewegung stärkt die Knochen und Muskeln, verbessert den Gleichgewichtssinn und verringert deshalb auch das Risiko für Stürze. Stürze sind die Hauptursache für Knochenbrüche bei älteren Menschen.

    Auch eine zusätzliche Behandlung mit Medikamenten kann das Risiko für einen Knochenbruch senken. Dazu werden meistens Medikamente aus der Gruppe der Bisphosphonate eingesetzt. Diese Mittel hemmen den Knochenabbau. Ob man Medikamente zu Vorbeugung einnehmen möchte, ist eine individuelle Entscheidung. Das persönliche Risiko für einen Knochenbruch spielt dabei eine wichtige Rolle. Dies hängt unter anderem von der Knochendichte, dem Alter und weiteren Risikofaktoren ab.

    Zur Wirksamkeit von Osteoporose-Medikamenten gibt es kaum Studien mit männlichen Teilnehmern. Die folgenden Angaben beziehen sich daher auf Frauen mit Osteoporose. Manche Medikamente sind aber auch zur Vorbeugung von Knochenbrüchen bei Männern zugelassen.

    Medikamente können das Risiko für einen Knochenbruch senken. Wie stark, hängt von den persönlichen Risikofaktoren ab. Bei der Entscheidung für oder gegen die Einnahme von Medikamenten ist es daher sinnvoll, alle Faktoren zusammen zu betrachten.

    Körperlich aktiv zu bleiben, gehört zu den wichtigsten Dingen, die Menschen mit Osteoporose tun können. Bewegung stärkt die Knochen und Muskeln, verbessert den Gleichgewichtssinn und verringert deshalb auch das Risiko für Stürze. Stürze sind die Hauptursache für Knochenbrüche bei älteren Menschen.

    Auch eine zusätzliche Behandlung mit Medikamenten kann das Risiko für einen Knochenbruch senken. Dazu werden meistens Medikamente aus der Gruppe der Bisphosphonate eingesetzt. Diese Mittel hemmen den Knochenabbau. Ob man Medikamente zu Vorbeugung einnehmen möchte, ist eine individuelle Entscheidung. Das persönliche Risiko für einen Knochenbruch spielt dabei eine wichtige Rolle. Dies hängt unter anderem von der Knochendichte, dem Alter und weiteren Risikofaktoren ab.

    Zur Wirksamkeit von Osteoporose-Medikamenten gibt es kaum Studien mit männlichen Teilnehmern. Die folgenden Angaben beziehen sich daher auf Frauen mit Osteoporose. Manche Medikamente sind aber auch zur Vorbeugung von Knochenbrüchen bei Männern zugelassen.

    Wie wahrscheinlich ist ein Knochenbruch?

    Gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt kann man das persönliche Risiko für einen Knochenbruch (Fraktur) abschätzen. Dabei können sogenannte Risikorechner helfen: Sie geben üblicherweise an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, sich in den nächsten zehn Jahren einen Knochen zu brechen. Meist wird dabei zwischen Hüftfrakturen und anderen Brüchen unterschieden. Eine gebrochene Hüfte kann besonders schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.

    Ein international verbreiteter Risikorechner ist der an der Universität Sheffield entwickelte „FRAX-Rechner“. In Deutschland wird zudem ein Risikorechner verwendet, der vom Dachverband Osteologie (DVO) entwickelt wurde.

    Das persönliche Risiko für einen Bruch können Ärztinnen und Ärzte mit dem FRAX-Rechner anhand von Informationen zu folgenden Risikofaktoren ermitteln:

    • höheres Alter
    • weibliches Geschlecht
    • geringes Körpergewicht im Verhältnis zur Körpergröße
    • vorangegangener Knochenbruch
    • sehr früher Beginn der Wechseljahre
    • niedrige Knochendichte
    • Hüftbruch bei einem der Eltern oder bei beiden
    • Rauchen (aktuell und früher)
    • starker Alkoholkonsum
    • tägliche Einnahme von Kortisonpräparaten: aktuell oder in der Vergangenheit länger als drei Monate
    • andere Erkrankungen: zum Beispiel rheumatoide Arthritis oder unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion

    Der Einfluss von Risikofaktoren lässt sich am besten durch ein Beispiel verdeutlichen. Die folgende Tabelle enthält Angaben zum Risiko für einen Knochenbruch für drei Gruppen von Frauen. Alle sind normalgewichtig, 60 Jahre alt und haben Osteoporose (T-Wert: -2,5). Die Frauen der ersten Gruppe haben keine weiteren Risikofaktoren. Die Frauen der zweiten Gruppe haben 3 und die der dritten Gruppe 5 zusätzliche Risikofaktoren (siehe linke Spalte der Tabelle). Berücksichtigt sind dabei Brüche an der Hüfte, den Wirbelkörpern, dem Unter- und Oberarm.

    Die rechte Spalte der Tabelle zeigt: Je mehr Risikofaktoren eine Frau hat, desto höher ist ihr Risiko für einen Knochenbruch. Dabei handelt es sich um statistische Werte; ob eine bestimmte Frau einen Knochenbruch haben wird, lässt sich nicht vorhersagen.

    Tabelle: Zehn-Jahres-Risiko für einen Knochenbruch bei 60-jährigen Frauen mit Osteoporose 

    Anzahl der zusätzlichen Risikofaktoren

    Anzahl der Frauen, die sich in   den nächsten 10 Jahren einen Knochen brechen

    0

    7 von 100

    3

    21 von 100

    5

    39 von 100

    Wie gut schützen Bisphosphonate vor Knochenbrüchen?

    Bisphosphonate können das Risiko für Knochenbrüche nachweislich senken. Wie groß ihr Nutzen ist, hängt von der Knochendichte, dem Alter und weiteren Risikofaktoren ab.

    Die folgende Grafik veranschaulicht, was Frauen von einer Behandlung mit diesen Medikamenten erwarten können. Sie gilt für normalgewichtige, 60 Jahre alte Frauen mit Osteoporose (T-Wert: -2,5). Die Grafik zeigt den Medikamentennutzen für Frauen ohne zusätzliche Risikofaktoren, für Frauen mit 3 zusätzlichen Risikofaktoren und für Frauen mit 5 zusätzlichen Risikofaktoren. Berücksichtigt sind dabei Brüche an der Hüfte, den Wirbelkörpern, dem Unter- und Oberarm.Nutzen einer Behandlung mit Bisphosphonaten für 60-jährige Frauen mit verschiedenen RisikofaktorenNutzen einer Behandlung mit Bisphosphonaten für 60-jährige Frauen mit verschiedenen Risikofaktoren

    Wie werden Bisphosphonate angewendet?

    Zur Osteoporose-Behandlung sind vier Mittel aus der Gruppe der Bisphosphonate zugelassen:

    • Alendronsäure
    • Ibandronsäure
    • Risedronsäure
    • Zoledronsäure

    Sie können als Tabletten eingenommen oder als Infusion in die Vene gegeben werden. Die meisten Menschen, die sich für eine Behandlung entscheiden, nehmen Tabletten. Dabei ist es wichtig, die Anwendungshinweise zu beachten:

    • Die Tabletten werden morgens nach dem Aufstehen mit einem Glas Wasser (200 ml, kein stark kalziumhaltiges Mineralwasser) geschluckt. Sie dürfen nicht zerdrückt oder zerkaut werden und sollten nicht lange im Mund bleiben.
    • Anschließend wartet man mindestens 30 Minuten in möglichst aufrechter Haltung, bevor man andere Medikamente, Lebensmittel oder Getränke zu sich nimmt.

    Die richtige Anwendung sorgt dafür, dass die Wirkstoffe ausreichend vom Darm aufgenommen werden.

    Unterschiedliche Dosierungen und Anwendungen

    Wie oft Bisphosphonate angewendet werden, hängt vom Wirkstoff, der Dosierung und der Anwendungsform ab:

    • Alendronsäure: einmal täglich (10 mg) oder einmal wöchentlich (70 mg) als Tablette oder Brausetablette
    • Ibandronsäure: einmal monatlich (150 mg) als Tablette oder alle drei Monate als Infusion in die Vene
    • Risedronsäure: einmal täglich (5 mg) oder einmal wöchentlich (35 mg) als Tablette oder monatlich (dann zwei Tabletten mit je 75 mg an zwei aufeinanderfolgenden Tagen)
    • Zoledronsäure: einmal jährlich als Infusion in die Vene

    Bei wöchentlicher oder monatlicher Anwendung ist es wichtig, die Tabletten immer an den gleichen Tagen einzunehmen: bei einer wöchentlichen Einnahme zum Beispiel jeden Montag oder bei der monatlichen Anwendung immer am Monatsanfang.

    Es ist nicht ausreichend untersucht, ob bestimmte Mittel besser vor Knochenbrüchen schützen als andere. Für Ibandronsäure ist bislang nicht nachgewiesen, dass sie das Risiko für Hüftfrakturen senkt. Alendronsäure wird mit Abstand am häufigsten eingesetzt.

    Welche Nebenwirkungen können Bisphosphonate haben?

    Die meisten Menschen vertragen Bisphosphonate gut. Mögliche Nebenwirkungen hängen vor allem davon ab, ob die Medikamente eingenommen oder als Infusion gegeben werden.

    Tabletten führen manchmal zu Magen-Darm-Problemen wie Sodbrennen, Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung. Für Menschen, die ohnehin mit Problemen wie zum Beispiel Sodbrennen oder Reflux zu tun haben, kann eine Infusion daher sinnvoller sein. Auch bei Erkrankungen der Speiseröhre oder des Magen-Darm-Trakts wird von Tabletten eher abgeraten.

    Bisphosphonat-Infusionen können in den Tagen danach zu grippeähnlichen Beschwerden führen – vor allem nach der ersten Anwendung. Fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen können die Beschwerden abschwächen. Sie werden für bis zu drei Tage eingenommen.

    Gibt es schwerwiegende Nebenwirkungen?

    Sehr selten führen Bisphosphonate dazu, dass der Kieferknochen oder Teile davon absterben (Nekrose). Man schätzt, dass es über viele Jahre bei bis zu 3 von 10.000 Frauen zu dieser Nebenwirkung kommen könnte. Vermutlich betrifft dies vor allem Frauen mit einer Krebserkrankung oder bei denen die Medikamente über die Vene verabreicht werden.

    Was wird vor der Behandlung geprüft?

    Vor Beginn einer Behandlung mit Bisphosphonaten stellen verschiedene Untersuchungen sicher, dass nichts dagegen spricht. Dabei fragt die Ärztin oder der Arzt zum Beispiel nach anderen Erkrankungen und Medikamenten sowie nach der Kiefer- und Zahngesundheit. Es kann sinnvoll sein, den Beginn einer Behandlung zu verschieben, wenn größere Kiefer- oder Zahnbehandlungen anstehen. Deshalb ist es wichtig, die Zahnärztin oder den Zahnarzt darüber zu informieren, dass man Bisphosphonate nimmt.

    Um die Nierenfunktion und den Kalziumhaushalt zu überprüfen, werden verschiedene Blutwerte bestimmt. Vor Behandlungsbeginn ist es wichtig, eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D sicherzustellen. Arbeiten die Nieren nicht richtig, kommen Bisphosphonate nicht infrage.

    Ob es Vorteile hat, während der Behandlung routinemäßig die Knochendichte zu überprüfen, ist unklar. Unter Fachleuten gibt es dazu unterschiedliche Meinungen. Knochendichtemessungen gehen mit einer geringen Strahlenbelastung einher.

    Welche Medikamente gibt es noch?

    Weitere Medikamente zur Behandlung von Osteoporose sind Denosumab, Raloxifen und Teriparatid.

    Denosumab wird alle sechs Monate unter die Haut gespritzt. Es kann das Risiko für Knochenbrüche nachweislich senken und ist auch für Menschen mit einer Nierenschwäche eine Möglichkeit. Allerdings gibt es zu diesem Wirkstoff Sicherheitsbedenken. In manchen Studien wurde beobachtet, dass die Knochendichte bei Menschen, die das Mittel wieder abgesetzt hatten, deutlich abnahm und das Risiko für Brüche stieg. Auch Denosumab geht mit einem geringen Risiko für eine Nekrose der Kieferknochen einher.

    Raloxifen wird sehr selten eingesetzt. Für dieses Mittel ist nicht nachgewiesen, dass es vor Brüchen schützen kann, die nicht die Wirbelsäule betreffen. Außerdem erhöht es das Risiko für Thrombosen und tödliche Schlaganfälle. Manche internationalen Expertengruppen sprechen sich daher deutlich gegen den Einsatz dieses Medikaments aus.

    Teriparatid wird ebenfalls sehr selten verwendet. Es ist nicht nachgewiesen, dass es Knochenbrüchen (alle Arten, einschließlich Hüftbrüchen) vorbeugen kann. Außerdem ist es nur für eine Anwendungsdauer von zwei Jahren zugelassen.

    Wann werden Medikamente empfohlen?

    Medizinische Fachgesellschaften geben unterschiedliche Empfehlungen, wann eine Behandlung mit Medikamenten erwogen werden sollte. Sie sind sich einig, dass die Vorteile einer Behandlung überwiegen, wenn man infolge einer Osteoporose bereits einen Knochenbruch hatte. Man spricht dann auch von einer „manifesten“ Osteoporose. Eine Behandlung kann auch sinnvoll sein, wenn die Knochendichte einen bestimmten Wert unterschreitet und bestimmte Risikofaktoren hinzukommen.

    Ob man Medikamente zur Vorbeugung von Osteoporose nehmen möchte, ist aber letztlich eine persönliche Entscheidung. Eine Risikoberechnung kann diese Abwägung unterstützen. Außerdem kann es sinnvoll sein, sich zum Beispiel mit der Hausärztin oder dem Hausarzt zu beraten, bevor man eine Behandlung beginnt, da sie oder er auch andere gesundheitliche Aspekte gut überblickt.

    Vor allem bei jüngeren Frauen mit einer nur leicht verringerten Knochendichte und wenigen Risikofaktoren ist das Risiko für einen Knochenbruch niedrig. Die meisten von ihnen hätten von Medikamenten deshalb keinen Nutzen.

    Üblicherweise wird eine Behandlung über fünf Jahre empfohlen. Besteht ein hohes Risiko für einen Knochenbruch, kommt auch eine längere Behandlungsdauer infrage.

    Quellen

    Crandall CJ, Newberry SJ, Diamant A, Lim YW, Gellad WF, Booth MJ et al. Comparative effectiveness of pharmacologic treatments to prevent fractures: an updated systematic review. Ann Intern Med 2014; 161(10): 711-723.

    Dachverband der Deutschsprachigen Wissenschaftlichen Osteologischen Gesellschaften (DGO). Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern. AWMF-Registernr.: 183-001. 2017.

    Maraka S, Kennel KA. Bisphosphonates for the prevention and treatment of osteoporosis. BMJ 2015; 351: h3783.

    Moynihan R, Sims R, Hersch J, Thomas R, Glasziou P, McCaffery K. Communicating about overdiagnosis: Learning from community focus groups on osteoporosis. PLoS One 2017; 12(2): e0170142.

    Qaseem A, Forciea MA, McLean RM, Denberg TD. Treatment of Low Bone Density or Osteoporosis to Prevent Fractures in Men and Women: A Clinical Practice Guideline Update From the American College of Physicians. Ann Intern Med 2017; 166(11): 818-839.

     

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