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Hernien

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    Bei einer Hernie (Eingeweidebruch) treten Bauchfell oder Eingeweide durch eine Lücke in der Bauchwand hervor. Meist bildet sich eine sichtbare Wölbung. Leistenbrüche sind die häufigsten Hernien, sie bilden sich vor allem bei Männern. Aber auch Frauen und Kinder haben ab und an mit Eingeweidebrüchen zu tun. Wir stellen die häufigsten vor und informieren über Behandlungen.

    Einleitung

    Bei einer Hernie (Eingeweidebruch) treten meist Bauchfell oder Eingeweide durch eine Lücke in der Bauchwand hervor. Das Bauchfell ist die Haut, die den Bauchraum auskleidet und die meisten seiner Organe ganz oder teilweise umschließt. Der Inhalt der Hernie wird Bruchsack genannt und kann neben Bauchfell oder Bauchfett auch Teile von Organen wie Darm oder Magen enthalten. Meist bildet sich eine von außen sichtbare Wölbung. Ob eine Hernie Probleme bereitet, hängt davon ab, wo sie entsteht und wie groß sie ist.

    Die häufigsten Hernien sind:

    • Leistenbruch (Leistenhernie): entsteht an einer Schwachstelle im Bereich des Leistenkanals oberhalb des Leistenbandes. Leistenbrüche sind die häufigsten Hernien und betreffen meist Männer.
    • Schenkelbruch (Schenkelhernie): betrifft meist Frauen und entsteht im Schenkelkanal unterhalb des Leistenbandes.
    • Narbenbruch (Narbenhernie): entsteht im Bereich einer Operationsnarbe. Die Bauchwand ist an dieser Stelle geschwächt und anfälliger für Hernien.
    • Bauchnabelbruch (Nabelhernie): entsteht an einer Schwachstelle der Bauchwand im Nabelbereich. Eine Nabelhernie tritt häufig bei Säuglingen und übergewichtigen Erwachsenen auf.
    • Oberbauchbruch (epigastrische Hernie): bildet sich durch eine Lücke in der Bauchwand zwischen Brustbein und Bauchnabel.
    • Zwerchfellbruch: entsteht, wenn sich eine der Lücken im Zwerchfell weitet. Lücken im Zwerchfell sind normal. Durch sie verlaufen Blutgefäße, Nerven und Organe wie die Speiseröhre. Lockert sich aber das Gewebe, das die Lücke umschließt, können sich das Bauchfell oder Teile des Magens vom Bauch- in den Brustraum wölben. Ein solcher Bruch ist von außen nicht sichtbar und wird im Gegensatz zu den oben aufgeführten Bauchwandbrüchen als „innere Hernie“ bezeichnet. Der häufigste Zwerchfellbruch ist die Hiatushernie. Dabei verlagert sich ein Teil des Magens durch die Hiatus genannte Lücke, durch die die Speiseröhre führt.

    Die meisten Hernien bilden sich nicht von allein zurück. Wenn sie behandelt werden müssen, kommt nur eine Operation infrage. Eine Ausnahme sind Nabelhernien bei Säuglingen, die in den ersten beiden Lebensjahren meist von selbst verheilen.

     

    Grafik: Die häufigsten Hernienarten Die häufigsten Hernienarten

    Symptome

    Die meisten Bauchwandbrüche sind als Vorwölbungen zu tasten oder auch zu sehen. Aber nicht alle Hernien verursachen Beschwerden. Sie können jedoch Schmerzen, Brennen, Druckgefühle und ein Ziehen verursachen, besonders bei körperlicher Belastung. Manche Menschen haben nur Beschwerden, wenn sie die Bauchmuskeln stark anspannen.

    Wenn der Darm im Bereich des Bruchs eingeengt wird und die Darmpassage behindert ist, kann es zu Verdauungsbeschwerden kommen. Bei einer Leistenhernie kann Gewebe in den Hodensack gelangen, der dann stark anschwillt (Hodenbruch).

    Starke oder neu auftretende Schmerzen an der Hernie oder zusätzlich Übelkeit und Erbrechen weisen darauf hin, dass der Bruchsack eingeklemmt ist. Dies kann ernsthafte Komplikationen wie eine Bauchfellentzündung nach sich ziehen.

    Große Bauchwandbrüche, die man von außen deutlich sieht, sind sehr unangenehm und können psychisch stark belasten.

    Ein Zwerchfellbruch führt zu anderen Beschwerden als ein Bauchwandbruch. Bei dieser inneren Hernie kann es zu Sodbrennen, Schluck- und Atembeschwerden kommen.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Sowohl eine schwache Bauchmuskulatur als auch schwaches Bindegewebe machen anfälliger für Hernien. Manche Menschen haben von Geburt an ein schwaches Bindegewebe, andere erst in höherem Alter. Auch eine Krankheit oder eine Operation können das Gewebe und die Muskeln schwächen.

    Bei starkem Übergewicht ist der Druck im Bauchinnenraum erhöht. Übergewicht begünstigt aber nicht alle Hernienarten: Bei einem Narben- und einem Nabelbruch erhöht es das Risiko, bei Leistenbrüchen spielt es keine Rolle. Auch Tumore oder Wasseransammlungen im Bauch können den Druck auf die Bauchwand erhöhen.

    Schwangere sind ebenfalls anfälliger für Bauchwandbrüche. Rauchen oder Krankheiten wie Diabetes können die Wundheilung stören und dadurch Narbenhernien begünstigen.

    Schweres Heben, Husten oder Pressen können eine vorhandene Hernie vergrößern. Ob es Hernien auch verursachen kann, hängt vermutlich von der Art der Hernie ab. Bei Leistenbrüchen etwa ist dies wissenschaftlich nicht geklärt.

    Häufigkeit

    Am häufigsten ist die Leistenhernie: Etwa 25 von 100 Männern und 2 von 100 Frauen bekommen mindestens einmal eine Leistenhernie. An zweiter Stelle folgen Nabel- und Narbenhernien. Nach einer Bauchwand-OP entwickeln je nach Art des Eingriffs bis zu 15 von 100 Menschen eine Narbenhernie. Seltener sind Oberbauchbrüche, Schenkel- und Zwerchfellhernien.

    Folgen

    Ein unbehandelter Bruch kann mit der Zeit größer werden, deutlicher hervortreten und häufiger Beschwerden verursachen. Ernsthafte Probleme sind selten.

    Manchmal wird jedoch der Bruchsack eingeengt und klemmt zum Beispiel den Darm ein. Dann kann es zu einem Darmverschluss mit heftigen Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen kommen. Sind auch die Blutgefäße abgeklemmt, kann das vorgefallene Gewebe absterben und eine Bauchfellentzündung nach sich ziehen. In seltenen Fällen kann die Haut über dem Bruch ausdünnen und absterben. Dann kann sich der Bereich entzünden oder der Bruchsack tritt nach außen hervor.

    Eine eingeklemmte Hernie ist immer ein Notfall und muss innerhalb weniger Stunden operiert werden. Das Risiko eines Einklemmens ist nicht bei allen Hernienarten gleich: Bei Schenkelhernien passiert dies zum Beispiel häufiger als bei Leistenhernien, weil die Bruchpforte enger ist.

    Diagnose

    Hernien sind häufig sofort erkennbar. Untersucht wird zunächst im Stehen, dabei bittet die Ärztin oder der Arzt darum, zu pressen und zu husten. Im Liegen lässt sich die Größe des Bruchsacks besser tasten und prüfen, ob sich der Bruch in den Bauchraum zurückschieben lässt. Mit einem Stethoskop kann der Bruchsack auf Darmgeräusche abgehört werden.

    Manchmal ist eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung hilfreich. Eine Röntgenaufnahme, Computertomografie oder Kernspintomografie ist nur selten nötig.

    Vorbeugung

    Es hängt von der Art der Hernie ab, ob und wie man ihr vorbeugen kann. Um einer Narbenhernie vorzubeugen, ist es sinnvoll, in der ersten Zeit nach einer offenen Bauch-OP Belastungen wie schweres Tragen zu vermeiden. Gewicht abzunehmen, kann das Risiko für Narbenhernien verringern. Vor einer Leistenhernie schützt Abnehmen dagegen nicht – und es ist unklar, ob schweres Tragen eine Rolle spielt.

    Rauchverzicht kann die Wundheilung verbessern und vermutlich das Risiko senken, einen Narbenbruch zu bekommen. Wichtig ist zudem eine ausreichende Behandlung von Krankheiten wie Diabetes oder Blutarmut.

    Behandlung

    Hernien können nur durch eine Operation beseitigt werden. Bei dem Eingriff wird der Bruchsack zurückgeschoben oder entfernt und die Lücke in der Bauchwand mit einer Naht verschlossen. Dabei wird meist zusätzlich ein feines Kunststoffnetz eingesetzt, um die Bauchwand zu stärken und einem Rückfall vorzubeugen.

    Bei einer offenen Operation wird durch einen größeren Schnitt im Bereich der Hernie operiert. Bei einer minimal-invasiven OP (Laparoskopie) werden nur einige kleine Schnitte gesetzt, um ein feines Rohr mit einer Kamera (Laparoskop) und die chirurgischen Instrumente in den Bauchraum oder in die Bauchdecke einzuführen. Die Kamera übermittelt die Bilder vom Bauchinneren auf einen Monitor. Welche OP-Verfahren infrage kommen, hängt unter anderem von Art und Größe des Bruchs ab.

    Nicht jede Hernie muss operiert werden. Wenn der Bruch keine Beschwerden macht und das Risiko für Komplikationen gering ist, kann auf den Eingriff verzichtet werden. Das gilt auch, wenn ein Mensch sehr alt, schwach oder schwer erkrankt ist und von der Hernie kein akutes Risiko ausgeht.

    Von den früher gängigen Bruchbändern – feste gürtelartige Bänder, die den Bruch im Bauchraum halten sollen – wird heute abgeraten, da sie den Bruch nicht beheben und Nebenwirkungen wie Druckgeschwüre haben können.

    Quellen

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
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    Mehr Wissen: Leistenbruch-Operationen

    Leistenbruch-Operationen gehören zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen. Ein Leistenbruch kann offen oder minimal-invasiv (laparoskopisch) operiert werden. Es ist aber nicht immer eine Operation nötig.

    Ein Leistenbruch (Leistenhernie) verursacht häufig keine starken Beschwerden und lässt sich durch eine Operation gut behandeln. Dennoch stellen sich Fragen: Wann kann ich auf einen Eingriff verzichten? Welche Risiken hat er? Was ist besser: Eine offene oder eine minimal-invasive Operation (Laparoskopie)? Wann kann ich mich nach einem Eingriff wieder voll belasten?

    Leistenbruch-Operationen gehören zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen. Ein Leistenbruch kann offen oder minimal-invasiv (laparoskopisch) operiert werden. Es ist aber nicht immer eine Operation nötig.

    Ein Leistenbruch (Leistenhernie) verursacht häufig keine starken Beschwerden und lässt sich durch eine Operation gut behandeln. Dennoch stellen sich Fragen: Wann kann ich auf einen Eingriff verzichten? Welche Risiken hat er? Was ist besser: Eine offene oder eine minimal-invasive Operation (Laparoskopie)? Wann kann ich mich nach einem Eingriff wieder voll belasten?

    Wie entsteht ein Leistenbruch?

    Ein Leistenbruch entsteht durch eine Schwachstelle in der vorderen Bauchwand, dem Leistenkanal. Der Kanal verläuft vom Hüftknochen schräg nach unten Richtung Schambein und verbindet die Bauchhöhle mit der Leistengegend. Er entwickelt sich vor der Geburt als Hohlraum, durch den bei Jungen die Hoden aus der Bauchhöhle in den kühleren Hodensack wandern können. Sind sie dort angekommen, schließt sich der von Muskeln umgebene Kanal allmählich. In ihm verlaufen Nerven, Blut- und Lymphgefäße, bei Männern auch der Samenstrang und bei Frauen das Mutterband, das die Gebärmutter hält.

    Bei einem Leistenbruch wölben sich durch eine Lücke in der Bauchwand Bauchfell, Fettgewebe oder Darm vor. Der Bruch betrifft meist Männer, da bei ihnen der Leistenkanal weiter ist als bei Frauen. Schwaches Bindegewebe kann einen Leistenbruch begünstigen. Ob das Heben oder Tragen schwerer Lasten eine Rolle spielt, ist entgegen landläufiger Meinung bislang nicht bewiesen.

     

    Grafik: Leistenbruch: Schwachstelle Leistenkanal Leistenbruch: Schwachstelle Leistenkanal

    Muss ein Leistenbruch immer operiert werden?

    Eine Operation ist nicht immer nötig. Tritt nur etwas Bauchfell durch die Bruchpforte und bestehen keine Beschwerden, kann auf eine Operation zunächst verzichtet werden. Bei alten oder sehr kranken Menschen kann es auch wegen der Operationsrisiken angebracht sein, auf eine Operation zu verzichten. Voraussetzung ist allerdings, dass kein erhöhtes Risiko für Komplikationen besteht. Das Risiko hängt beispielsweise von der Größe und genauen Lage des Bruchs ab.

    Studien haben untersucht, was passiert, wenn beschwerdefreie Leistenhernien bei Männern nicht gleich operiert werden. Sie zeigten, dass es keine Nachteile hat, mit der Operation zu warten, bis erste Beschwerden wie Schmerzen auftreten. Die Studienteilnehmer hatten auch kein höheres Risiko für Komplikationen. Etwa die Hälfte der Männer entschied sich innerhalb von fünf Jahren zu einer Operation, meist weil sie Schmerzen bekamen.

    Wichtig ist, zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen, sobald Beschwerden auftreten. Bei starken Schmerzen, Fieber oder Übelkeit ist sofortige ärztliche Hilfe nötig, denn dann könnte der Darm eingeklemmt sein.

    Was spricht für eine Operation?

    Die meisten Menschen lassen sich operieren, weil ein Leistenbruch schmerzt oder schlicht lästig ist. Mit der Zeit kann die Hernie größer werden und bei Männern in seltenen Fällen sogar bis in den Hodensack rutschen.

    Ein weiterer Grund für eine Operation kann sein, möglichen Komplikationen vorzubeugen: Wenn Darm durch die Bruchstelle tritt, kann er einklemmen oder sich verdrehen. Dies ist zwar eher selten, kann dann aber ernste Folgen wie einen Darmverschluss haben. Wird der eingeklemmte Anteil des Darms nicht mehr richtig durchblutet, kann das Gewebe absterben. Dann muss sofort operiert werden.

    Wenn aber keine Beschwerden bestehen und der Darm nicht eingeklemmt ist, kann man einige Wochen oder Monate abwarten. In bestimmten Fällen kann auch ganz auf eine Operation verzichtet werden.

    Welche Operationsverfahren gibt es?

    Bei dem Eingriff wird der Bruchsack samt Inhalt wieder in die Bauchhöhle zurückverlagert. Anschließend wird die Lücke in der Bauchwand verschlossen. Sie kann zusätzlich mit körpereigenem Gewebe oder mit einem feinen Kunststoffnetz verstärkt werden.

    Man unterscheidet folgende Operationsverfahren:

    • offene Operation ohne Netz: Es wird durch einen längeren Hautschnitt von außen operiert und die Bruchpforte mit benachbartem Bindegewebe vernäht.
    • offene Operation mit Netz: Die Bruchpforte wird mit einem Kunststoffnetz abgedeckt und dadurch zusätzlich stabilisiert.
    • laparoskopische Operation: Über meist drei kleine Hautschnitte (5 bis 10 mm) werden eine Kamera und die Operationsinstrumente in den Bauchraum oder in die Bauchdecke eingeführt. Bei einer minimal-invasiven Operation wird die Bruchpforte immer mit einem Kunststoffnetz abgedeckt.

    Welche Verfahren infrage kommen, hängt unter anderem davon ab, wo die Hernie genau liegt und wie groß sie ist. Auch der allgemeine Gesundheitszustand, das Geschlecht, das Alter und mögliche Begleiterkrankungen können eine Rolle spielen.

    Die Operationsverfahren haben jeweils Vor- und Nachteile: So reicht bei einer offenen Operation eine Teilnarkose, bei einer Laparoskopie ist dagegen eine Vollnarkose nötig.

    Welche Nebenwirkungen hat ein Eingriff?

    Leistenhernien-Operationen zählen zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen. Sie verlaufen meist komplikationsfrei, können aber dennoch Nebenwirkungen haben. Zusätzlich bestehen die Risiken, die jede Narkose mit sich bringt.

    Operationsschmerzen in der Leistenregion klingen meistens einige Tage nach dem Eingriff ab. Allerdings haben etwa 10 von 100 Menschen nach der Operation bleibende Schmerzen. Gründe können Nervenverletzungen sein oder Reaktionen auf das Kunststoffnetz.

    Zu schwereren Komplikationen kommt es bei weniger als 1 von 100 Operationen. Dazu zählen Verletzungen an Blutgefäßen, dem Samenstrang und den Nerven im Leistenkanal. Auch Hodenschmerzen, Durchblutungsstörungen des Hodens, Wundheilungsstörungen und Entzündungen können auftreten.

    Was ist besser: Netz oder kein Netz?

    Ein zusätzliches Kunststoffnetz stabilisiert die Bauchwand deutlich besser als eine einfache Naht mit benachbartem Bindegewebe. Nach Hernien-Operationen mit Netz kommt es daher seltener zu einem Rückfall: Bei etwa 4 von 100 Patienten nach einer OP ohne Netz – aber nur bei etwa 1 von 100 Patienten nach einer OP mit Netz.

    Da eine Operation mit Netz die Bauchwand besser stabilisiert, sind auch Belastungen nach der OP schneller wieder möglich. Nach einer Operation ohne Netz ist es dagegen wichtig, bis zu zwei Monate auf stärkere körperliche Belastungen und Sport zu verzichten. Denn das Gewebe braucht Zeit, zusammenzuwachsen und sich zu stabilisieren.

    Eine OP mit Netz löst vermutlich nicht häufiger Schmerzen oder Entzündungen aus als eine Operation ohne Netz.

    Was ist besser: eine offene oder laparoskopische Operation?

    Bei Männern sind beide Verfahren ähnlich gut geeignet, einen Leistenbruch zu operieren. Bei beiden Operationen kann man meist spätestens nach zwei Tagen nach Hause gehen. Jedes Verfahren hat aber Vor- und Nachteile. Eine wichtige Rolle spielt die Erfahrung der Operateure.

    Vorteile einer offenen Operation:

    • Vielleicht ein etwas geringes Rückfallrisiko: Ob dies so ist, konnten Studien jedoch noch nicht abschließend klären.
    • Vermutlich ein geringeres Risiko für Gefäßverletzungen. Auch dies ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.
    • Eine offene Operation kann in örtlicher Betäubung oder Teilnarkose erfolgen.

    Vorteile einer laparoskopischen Operation:

    • Man kann danach schneller wieder arbeiten und körperlich aktiv sein, im Schnitt etwa vier Tage eher als nach einer offenen Operation.
    • Es kommt seltener zu Infektionen und bleibenden Schmerzen in der Leiste.
    • Vermutlich ist das Risiko für Blutergüsse niedriger. Studien konnten dies aber noch nicht sicher belegen.

    Frauen wird von einer offenen Operation abgeraten, da sie danach häufiger Rückfälle haben. Deshalb werden Leisten- und Schenkelhernien der Frau in der Regel durch eine laparoskopische Operation mit Netz behandelt.

    Eine laparoskopische Operation ist schwerer zu erlernen als eine offene Operation. Sowohl der Erfolg als auch das Risiko für Nebenwirkungen und Rückfälle hängen bei der Laparoskopie deshalb stärker von der Erfahrung der operierenden Ärztinnen und Ärzte ab.

    Welches laparoskopische Verfahren ist besser?

    Zur Operation von Leistenbrüchen sind zwei gängige laparoskopische Verfahren geeignet:

    • TAPP (Transabdominelle Präperitoneale Plastik): Es wird durch die Bauchhöhle operiert. Das Kunststoffnetz wird außerhalb der Bauchhöhle zwischen Bauchfell und Bauchwand eingebracht.
    • TEP (Total Extraperitoneale Plastik): Es wird nur innerhalb der Bauchdecke operiert. Das heißt, die Operateure gehen mit den Instrumenten weniger tief als bei der TAPP. Das Kunststoffnetz wird zwischen Bauchfell und Bauchwand eingebracht. Die TEP-Operation ist das komplexere, schwerer zu erlernende Verfahren.

    Studien zeigen keine Unterschiede zwischen TAPP und TEP: Schmerzen, Nebenwirkungen und Rückfälle traten ähnlich häufig auf, und es dauerte nach beiden Eingriffen etwa gleich lange, bis die Teilnehmer wieder arbeiten konnten.

    Was muss ich nach einer Operation beachten?

    Nach einer Hernien-Operation mit Netz ist körperliche Belastung recht schnell wieder möglich, laufen und krankengymnastische Übungen bereits wenige Stunden nach der Operation. Wichtig ist, die Art und Intensität der Bewegungen davon abhängig zu machen, wie man sich fühlt und ob man die Belastung verträgt. In den ersten zwei bis drei Wochen ist es besser, auf schweres Heben zu verzichten.

    Was tun bei einem Rückfall?

    Das Risiko für einen erneuten Bruch ist individuell verschieden, hängt aber auch vom OP-Verfahren ab. Etwa 1 bis 5 von 100 Menschen bekommen nach einem Eingriff erneut einen Leistenbruch. Das Risiko eines erneuten Bruches ist nach einer Operation, bei der kein Netz eingesetzt wurde, höher als nach Einsetzen eines Netzes. Unabhängig davon haben Frauen ein höheres Rückfallrisiko als Männer.

    Bei einem Rückfall kann man sich erneut operieren lassen. Welche Operation infrage kommt, hängt davon ab, wie bei der ersten Hernie operiert wurde. War der erste Eingriff eine offene Operation, wird bei einem Rückfall laparoskopisch operiert. Ein Grund ist die Vernarbung des Operationsbereichs durch den ersten Eingriff. Zudem zeigen Studien, dass die Laparoskopie in diesem Fall Vorteile hat: Man kann sich im Schnitt etwa eine Woche eher wieder normal belasten. Zudem treten seltener bleibende Schmerzen und Wundinfektionen auf. Wurde bei der ersten Hernie laparoskopisch operiert, folgt bei einem Rückfall wiederum meist ein offener Eingriff mit Netzeinlage.

    Leistenhernien bei Kindern

    Bei Kindern sind die meisten Leistenhernien angeboren oder sie bilden sich im ersten Lebensjahr. Der Grund: Bei neugeborenen Jungen liegen die Hoden häufig noch in der Leiste und wandern erst später durch den Leistenkanal in den Hodensack. Solange ihr Leistenkanal noch nicht richtig verschlossen ist, kann es eher zu einem Leistenbruch kommen.

    Leistenbrüche werden bei Kindern immer operiert, um zu vermeiden, dass sich der Darm in der Bruchpforte einklemmt. Die meisten Kinder werden in Vollnarkose operiert, Neugeborene können auch eine Teilnarkose erhalten.

    Bei Kindern wird der Bruchsack nur durch eine Naht verschlossen. Auf das Einsetzen eines Kunststoffnetzes wird immer verzichtet, denn es kann bei Kindern das Risiko für Entzündungen und späterer Unfruchtbarkeit erhöhen. Zudem könnten im Verlauf des Wachstums Probleme mit dem Netz entstehen, da es nicht mitwachsen kann.

    Leisten- und Schenkelhernien bei Frauen

    Leistenhernien werden bei Frauen durch schwaches Bindegewebe oder eine Schwangerschaft begünstigt. Sie werden etwas anders behandelt als bei Männern: Frauen wird auch bei beschwerdefreien Leistenhernien eine Operation empfohlen, weil sich hinter einer Leistenhernie eine Schenkelhernie verbergen kann. Bei Schenkelhernien besteht ein höheres Risiko für Komplikationen, wenn sie nicht operiert werden. Frauen wird zudem von der offenen Operation abgeraten, da danach häufiger erneute Hernien auftreten.

    Schenkelhernien treten unterhalb des Leistenbands auf. Meist betreffen sie Frauen über 65 Jahre. Äußerlich fallen viele Schenkelhernien zunächst nicht auf, da sie keine sichtbare Vorwölbung verursachen. Meist machen sie sich erst durch Schmerzen bemerkbar. Schenkelhernien werden manchmal mit Leistenhernien verwechselt, sind jedoch schmerzhafter als diese. Da außerdem das Risiko für Komplikationen deutlich höher ist, wird in der Regel eine baldige Operation empfohlen.

    Welche Fragen können bei der Behandlungsentscheidung wichtig sein?

    Jede Entscheidung für oder gegen eine Behandlung oder eine bestimmte Operation muss individuell getroffen werden. Folgende Fragen können helfen, die wichtigsten Punkte für sich zu klären und mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen:

    • Welche Beschwerden habe ich?
    • Wie wird sich meine Hernie voraussichtlich entwickeln?
    • Wie hoch ist das Risiko für Komplikationen?
    • Gibt es Belastungen, die ich vermeiden sollte?
    • Kann ich auf eine Operation (zunächst) verzichten?
    • Was sind die Vor- und Nachteile der verschiedenen Operationsverfahren?
    • Welche Erfahrungen haben die operierenden Ärztinnen und Ärzte mit der OP?
    • Wann darf ich mich nach der OP wieder belasten? Welche Belastungen sind möglich?
    • Reicht ein normales Krankenhaus oder ist eine Operation in einem speziellen Hernien-Zentrum für mich sinnvoll?

    Quellen

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    Mehr Wissen: Narbenbruch-Operationen

    Ein Narbenbruch kann sich im Bereich einer Operationsnarbe bilden. Ein solcher Bruch hat meist keine ernsthaften Folgen, kann aber unangenehm sein. Behandelt wird ein Narbenbruch entweder mit einer offenen oder einer minimal-invasiven (laparoskopischen) Operation.

    Ein Narbenbruch (Narbenhernie) kann Monate oder Jahre nach einer Bauchoperation entstehen. Meist ist zunächst nur eine leichte Vorwölbung im Bereich der Narbe sichtbar. Sie tritt bei Anstrengung oder Husten hervor und verschwindet in Ruhe wieder. Mit der Zeit kann die Vorwölbung aber größer werden und auch schmerzen.

    Die meisten Narbenhernien verursachen keine ernsthaften Probleme. Selten kann es zu einem Darmverschluss oder zum Absterben von Gewebe kommen, wenn sich Teile des Darms in der entstandenen Lücke einklemmen. Große Narbenhernien können auch die Atmung oder Beweglichkeit beeinträchtigen.

    Ein Narbenbruch kann sich im Bereich einer Operationsnarbe bilden. Ein solcher Bruch hat meist keine ernsthaften Folgen, kann aber unangenehm sein. Behandelt wird ein Narbenbruch entweder mit einer offenen oder einer minimal-invasiven (laparoskopischen) Operation.

    Ein Narbenbruch (Narbenhernie) kann Monate oder Jahre nach einer Bauchoperation entstehen. Meist ist zunächst nur eine leichte Vorwölbung im Bereich der Narbe sichtbar. Sie tritt bei Anstrengung oder Husten hervor und verschwindet in Ruhe wieder. Mit der Zeit kann die Vorwölbung aber größer werden und auch schmerzen.

    Die meisten Narbenhernien verursachen keine ernsthaften Probleme. Selten kann es zu einem Darmverschluss oder zum Absterben von Gewebe kommen, wenn sich Teile des Darms in der entstandenen Lücke einklemmen. Große Narbenhernien können auch die Atmung oder Beweglichkeit beeinträchtigen.

    Wodurch entstehen Narbenhernien?

    Die meisten Operationsnarben verheilen gut und die Bauchwand ist nach der OP genauso stabil wie vorher. Wenn der Schnitt durch die Bauchdecke aber nicht fest genug zusammenwächst, kann eine Schwachstelle entstehen. Hält die Narbe dem Druck im Bauchraum dann nicht mehr stand, können Gewebe oder Organteile durch die entstandene Lücke drücken und sich nach außen wölben.

    Das Risiko dafür hängt vor allem von der Art der Narbe und der Nahttechnik ab. Die meisten Narbenhernien treten nach einer offenen Bauchoperation auf, bei der ein großer Längsschnitt in der Bauchmitte gesetzt wurde. Höheres Alter, Begleiterkrankungen und Wundheilungsstörungen können das Risiko zusätzlich erhöhen. Auch bei übergewichtigen Menschen kommt es eher zu Narbenbrüchen, weil der Bauchinnendruck und die Belastung der Narbe bei ihnen stärker sind.

    Je nach Eingriff bekommen bis zu 15 von 100 Menschen nach einer Bauchwand-OP eine Narbenhernie. Die meisten entstehen im ersten Jahr nach einer Operation.

    Wie kann man vorbeugen?

    Um das Risiko für eine Narbenhernie zu senken, wird empfohlen, die Bauchmuskulatur in den ersten Monaten nach einem Eingriff nicht zu stark zu belasten. Welche Belastungen genau ungünstig sind und welche nicht, ist allerdings kaum untersucht.

    Gewicht abzunehmen kann helfen, wenn dadurch der Bauchinnendruck sinkt. Wenn man das Rauchen aufgibt oder Erkrankungen wie Diabetes gut behandelt, kann das Risiko für Wundheilungsstörungen und damit auch für Narbenhernien sinken.

    Nach größeren Bauchoperationen oder nach einer Narbenbruch-OP tragen manche Menschen vorübergehend eine Bauchbinde (Bauchmieder), welche die Bauchwand stabilisieren soll. Ob eine Bauchbinde hilft, Narbenbrüchen vorzubeugen, ist aber unklar.

    Wie werden Narbenhernien behandelt?

    Früher wurde die Bruchpforte nur verschlossen und dann zugenäht. Dies führte aber häufig zu erneuten Narbenbrüchen an derselben Stelle. Heute wird die Bruchpforte meist zusätzlich mit einem Kunststoffnetz abgedeckt. Dies stabilisiert die Bauchwand deutlich besser.

    Es kann offen oder minimal-invasiv (laparoskopisch) operiert werden. Bei der offenen Operation wird der Bruch von außen über einen größeren Hautschnitt verschlossen und zusätzlich ein Netz zur Verstärkung eingesetzt. Bei der laparoskopischen Operation führt die Ärztin oder der Arzt ein feines Rohr mit einer Kamera (Laparoskop) und die chirurgischen Instrumente durch mehrere, etwa 5 bis 10 mm kleine Hautschnitte ein. Das Netz wird von innen an der Bauchdecke befestigt.

    Kommt es in den ersten Wochen nach einer Bauchoperation zu einem Narbenbruch, wird dieser nicht sofort operiert, damit die Bauchdecke Zeit hat, sich zu erholen. In der Regel wird ein Narbenbruch erst mehrere Monate nach der Operation behandelt, die zur Narbenhernie geführt hat.

    Ist eine offene oder eine laparoskopische Operation besser?

    Beide Verfahren sind ähnlich gut geeignet, die Bauchwand zu stabilisieren. Auch das Risiko einer erneuten Narbenhernie unterscheidet sich nicht, sofern ein Kunststoffnetz eingesetzt wird.

    Für die laparoskopische Operation spricht, dass es danach seltener zu Wundinfektionen kommt. Zudem kann man das Krankenhaus eher wieder verlassen.

    Allerdings kann das Risiko für Komplikationen bei der Laparoskopie etwas höher sein, wenn sie von wenig erfahrenen Ärztinnen oder Ärzten durchgeführt wird, da die Laparoskopie schwerer zu erlernen ist als die offene Operation. Die Erfahrung des Operierenden spielt also vermutlich eine größere Rolle als die Art der Operation selbst.

    Welche Risiken hat eine Operation?

    Während des Eingriffs kann es zu Verletzungen im Bauchraum kommen. Zudem kann sich in den Tagen nach einer Operation die Wunde entzünden. Etwa 15 von 100 Menschen haben Schmerzen, die aber oft nach einigen Tagen oder Wochen wieder verschwinden. Manchmal bleiben die Schmerzen jedoch dauerhaft bestehen. Sie können durch die Schädigung von Nerven verursacht sein, durch Verwachsungen oder dadurch, dass das Netz spannt und schmerzt.

    Im Bereich des Netzes kann sich nach dem Eingriff Wundflüssigkeit ansammeln, die unter Umständen mit einer Hohlnadel entfernt werden muss (Punktion). Bei etwa 5 von 100 Menschen tritt in den ersten Jahren nach dem Eingriff ein erneuter Narbenbruch auf.

    Müssen Narbenhernien immer operiert werden?

    Wenn Narbenhernien keine Beschwerden verursachen und keine Komplikationen nach sich ziehen, müssen sie nicht unbedingt operiert werden. Allerdings werden Narbenhernien mit der Zeit oft größer, und es bleibt ein geringes Risiko für ein Einklemmen des Darms.

    Bei der Entscheidung für oder gegen eine Operation spielen auch das Alter oder Begleiterkrankungen eine Rolle. Die Vor- und Nachteile eines Eingriffs bespricht man am besten gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt.

    Wann sind Narbenbrüche schwerer zu behandeln?

    Sehr große Narbenbrüche verursachen oft einen hohen Leidensdruck, weshalb sich viele Betroffene eine Behandlung wünschen. Allerdings sind große Hernien deutlich schwerer zu operieren als kleine.

    Viele Menschen mit großen Narbenbrüchen sind stark übergewichtig, haben eine schwache Bauchmuskulatur und Begleiterkrankungen. Dies erhöht auch das Risiko für OP-Komplikationen. Welche Art der Operation dann am besten geeignet ist, hängt von vielen persönlichen Faktoren ab. Hier ist es sinnvoll, sich in einem spezialisierten Hernien-Zentrum beraten zu lassen.

    Auch Frauen mit Kinderwunsch sind in einer besonderen Situation. Ihre Bauchwand muss während einer Schwangerschaft elastisch genug bleiben, da sie sich bis zur Geburt stark dehnt. Da ein Kunststoffnetz weniger elastisch ist als das natürliche Gewebe, befürchten Fachleute ein erhöhtes Risiko für Komplikationen, wenn eine Frau schwanger wird. Leider gibt es dazu bislang kaum wissenschaftliche Untersuchungen. Bei den meisten Narbenbrüchen kann wahrscheinlich gewartet werden, bis der Kinderwunsch abgeschlossen ist. Wenn operiert werden soll, wird eher eine Operation ohne Netz empfohlen. Allerdings ist das Risiko für einen Rückfall nach einer OP ohne Netz besonders während einer Schwangerschaft sehr hoch.

    Quellen

    Al Chalabi H, Larkin J, Mehigan B, McCormick P. A systematic review of laparoscopic versus open abdominal incisional hernia repair, with meta-analysis of randomized controlled trials. Int J Surg 2015; 20: 65-74.

    Sanders DL, Kingsnorth AN. The modern management of incisional hernias. BMJ 2012; 344: e2843.

    Sauerland S, Walgenbach M, Habermalz B, Seiler CM, Miserez M. Laparoscopic versus open surgical techniques for ventral or incisional hernia repair. Cochrane Database Syst Rev 2011; (3): CD007781.

    Schumpelick, V, Junge K, Klinge U, Conze J. Narbenhernie – Pathogenese, Klinik und Therapie. Dtsch Arztebl 2006; 103(39): 2553-2558.

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