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Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)

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    Überblick

    Typisches Anzeichen einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist hartnäckiger Husten. Eine COPD entwickelt sich über Jahre hinweg nur langsam. Wenn die Krankheit fortgeschritten ist, bekommt man nur mit Mühe genug Luft. Dann können schon ein Spaziergang oder Gartenarbeit ausreichen, um aus der Puste zu sein.

    Einleitung

    Bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist die Lunge dauerhaft geschädigt und die Atemwege (Bronchien) sind verengt. Dadurch bekommt man bei fortgeschrittener COPD nur schwer Luft. Schon Alltagstätigkeiten können dann ausreichen, um außer Atem zu geraten – wie Treppensteigen, Gartenarbeit oder ein Spaziergang.

    Eine COPD entsteht nicht plötzlich, sondern entwickelt sich langsam über Jahre hinweg. Beschwerden wie hartnäckiger Husten werden anfangs oft für „normalen" Raucherhusten, eine Bronchitis oder Asthma gehalten. Dass eine andere Erkrankung dahintersteckt, wird häufig erst erkannt, wenn bereits stärkere Beschwerden spürbar sind. Viele Betroffene sind dann älter als 60 Jahre. Die Behandlung der COPD zielt darauf ab, das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten oder zumindest zu bremsen. Wichtig ist vor allem, aufs Rauchen zu verzichten. Medikamente können die Beschwerden lindern und Atemnot-Anfällen vorbeugen. Patientenschulungen helfen, mit der Erkrankung umzugehen.

    Symptome

    Die Lunge hat sehr große Reserven. In Ruhe wird meist nur weniger als ein Zehntel der Luftmenge benötigt, die die Atmung bei starker Anstrengung bewältigen kann. Dieser enorme Spielraum ist der Grund dafür, dass sich die Funktion der Lunge über Jahre hinweg langsam verschlechtern kann, ohne dass im Alltag viel davon zu spüren ist. Erst wenn bereits ein großer Teil der Reserven verlorengegangen ist, macht sich eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung durch Atemnot bemerkbar. Typische Symptome einer COPD sind:

    • Atemnot bei körperlicher Belastung; bei fortgeschrittener COPD bereits in Ruhe
    • täglicher Husten über eine längere Zeit
    • Auswurf
    • Geräusche beim Atmen wie Pfeifen und Brummen
    • verstärkte Beschwerden bei Erkältungen oder Grippeerkrankungen

    Typisch sind auch sogenannte Exazerbationen, plötzliche und deutliche Verschlechterungen der Krankheit. Meist äußern sie sich durch Atemnot-Anfälle und verstärkten Husten mit Auswurf.

    Ursachen

    Bei der Entstehung einer COPD spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Zum einen sind die Bronchien dauerhaft entzündet. Zum anderen können die Lungenbläschen überbläht sein, was als Lungenemphysem bezeichnet wird.

    Ein chronischer Husten (Bronchitis) kann sich entwickeln, wenn die Atemwege häufig Schadstoffen wie Tabakrauch, Staub oder Gasen ausgesetzt sind. Durch die Entzündung werden die Flimmerhärchen zerstört, die die Innenwand der Bronchien wie ein Teppich auskleiden.

    Normalerweise sind die Flimmerhärchen beweglich und von einer dünnen Schleimschicht bedeckt. Staub und Krankheitskeime aus der Atemluft bleiben meist irgendwo in diesem Schleimfilm kleben und gelangen dann nicht in die Lunge. Die Flimmerhärchen transportieren den Schleim dann aus den Bronchien heraus. Diese Selbstreinigung ist für die Gesundheit der Lunge sehr wichtig. Sind die Flimmerhärchen zerstört, kann der Schleim nicht mehr richtig abtransportiert werden und die Bronchien verstopfen.

     

    Grafik: Zerstörte Lungenbläschen (Alveolen) Zerstörte Lungenbläschen (Alveolen)

     

    Bei einem Lungenemphysem werden die Wände der Lungenbläschen zerstört. Statt der vielen kleinen Bläschen bilden sich größere Blasen, was die Oberfläche der Lunge insgesamt verkleinert. Dies hat zur Folge, dass weniger Sauerstoff ins Blut gelangt. Bei einer COPD treffen entzündete, verengte Bronchien und ein Emphysem zusammen, sodass sich die Folgen gegenseitig verstärken.

     

    Grafik: Verengter Atemweg (Bronchus) Verengter Atemweg (Bronchus)

    Risikofaktoren

    Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen Rauchen und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung: Es erkrankt zwar nicht jeder Raucher, aber die meisten Menschen mit COPD rauchen oder haben früher geraucht.

    Auch andere, längere Zeit andauernde Reizungen der Lunge begünstigen die Krankheit. Dazu gehören zum Beispiel starke Belastungen mit bestimmten Staubarten am Arbeitsplatz.

    Es gibt auch Hinweise, dass bestimmte angeborene Eigenschaften mit dafür verantwortlich sind, dass manche Menschen leichter an einer COPD erkranken als andere. Beispiele hierfür sind Störungen der Lungenentwicklung im Mutterleib und der seltene „Alpha-1-Antitrypsin-Mangel". Er betrifft etwa 1 bis 2 von 100 Erkrankten.

    Häufigkeit

    Nach Schätzungen haben etwa 5 bis 10 von 100 Menschen über 40 Jahre eine COPD. Sie ist damit häufiger als Asthma. Männer erkranken deutlich häufiger als Frauen.

    Verlauf

    Anfangs sind die Symptome nicht eindeutig, doch meistens haben auch Menschen mit einer leichten COPD häufiger Husten mit Auswurf. Ihre Atemwege sind zunächst nur wenig verengt, sodass sie den allmählichen Verlust der Lungenfunktion kaum bemerken. Mit der Zeit kommt es aber bei körperlicher Anstrengung immer mehr zu Atemproblemen. Auch die Beschwerden durch Husten und Auswurf werden stärker.

    Im fortgeschrittenen Stadium schränkt die Erkrankung die Lebensqualität sehr ein. Menschen mit schwerer COPD haben so stark verengte Atemwege, dass sie auch bei Alltagstätigkeiten wie Waschen und Anziehen oder sogar in Ruhe unter Atemnot leiden.

    Folgen

    Im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium kann die Lunge den Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen. Das hat dann auch Veränderungen an anderen Organen zur Folge. So muss das Herz mehr Blut durch die Lunge pumpen. Durch die stärkere Belastung verdickt sich der zuständige rechte Teil des Herzmuskels, Mediziner sprechen von einem „Cor pulmonale". In der Folge verliert das Herz an Schlagkraft. Es kann dann zum Beispiel zu Wassereinlagerungen in den Beinen und im Körper kommen.

    Da körperliche Anstrengungen bei Menschen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung Beschwerden verursachen, bewegen sie sich weniger. Die Folge ist ein Abbau von Muskelmasse, der die körperliche Leistungsfähigkeit noch weiter verringert.

    Bei Menschen mit COPD können normalerweise harmlose Infektionen der Atemwege dazu führen, dass sich die Lungenfunktion plötzlich verschlechtert und die Beschwerden stark zunehmen. Diese Anfälle werden medizinisch Exazerbation genannt. Oft ist dann eine Behandlung im Krankenhaus notwendig. Exazerbationen können aber auch durch Rauch, Abgase und bestimmte Wetterlagen wie Hitze, Kälte und hohe Luftfeuchtigkeit ausgelöst werden. Typische Warnzeichen für eine solche akute Verschlechterung sind:

    • mehr Auswurf
    • verfärbter Auswurf, eitriger Auswurf, Auswurf ist zäher als üblich
    • mehr Atemnot als üblich
    • mehr Husten als üblich
    • höherer Bedarf an Medikamenten
    • Fieber, verminderte Leistungsfähigkeit, größere Müdigkeit oder andere unspezifische Beschwerden

    Eine Verstärkung der Atemnot löst bei den meisten Menschen Angst aus, was wiederum die Atemnot verstärken kann. Es ist deshalb gut, in solchen Situationen zu wissen, was zu tun ist. Dafür gibt es sogenannte Notfallpläne. Sie listen typische Symptome auf und beschreiben unter anderem, wann es günstig ist, die Einnahme oder Dosierung von Medikamenten zu verändern und zum Arzt oder ins Krankenhaus zu gehen.

    Diagnose

    Zu Anfang wird die Erkrankung häufig nicht erkannt. Insbesondere Menschen, die rauchen, halten ihre Beschwerden oft lange für einen vermeintlich harmlosen „Raucherhusten“. Symptome wie anhaltender Husten und häufige Atemnot können aber auf eine COPD hinweisen.

    Erste Untersuchungen sind oft in der Hausarztpraxis möglich. Für spezielle Untersuchungen ist ein Besuch bei einer Fachärztin oder einem Facharzt für Lungenheilkunde (Pneumologie) nötig.

    Die Ärztin oder der Arzt untersucht zuerst den Körper, fragt nach anderen Erkrankungen und nimmt Blut ab. Es folgen Untersuchungen der Lunge (Lungenfunktionstests, Spirometrie). Je nach Ergebnis kommen dann weitere Untersuchungen hinzu, auch um andere Erkrankungen wie Asthma, Herzschwäche oder Lungenkrebs auszuschließen.

    Das Ziel der Untersuchungen ist auch herauszufinden, wie weit die COPD fortgeschritten ist und welches Risiko für Komplikationen besteht. Das Wissen ist für die Planung der Behandlung wichtig.

    Vorbeugung

    Die wirksamste Möglichkeit einer COPD vorzubeugen ist es, nicht zu rauchen oder das Rauchen aufzugeben. Das ist oft leichter gesagt als getan. Zu den Strategien, die bei der Rauchentwöhnung helfen können, gehört zum Beispiel eine Kombination aus Entwöhnungsprogramm und Nikotinersatztherapie.

    Da auch Schadstoffe in der Umwelt oder am Arbeitsplatz eine COPD begünstigen können, ist es sinnvoll, sie möglichst zu meiden. Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz können dafür sorgen, dass man solchen Stoffen nicht dauerhaft ausgesetzt ist.

    Ein häufiger Auslöser von Exazerbationen sind Atemwegsinfekte. Halsschmerzen, Schweißausbrüche und Fieber schwächen bei einer COPD zusätzlich. Während der Erkältungs- und Grippesaison ist es deshalb wichtig, sich vor einer Ansteckung zu schützen. Dazu gehört, den Kontakt zu erkälteten Menschen oder größere Menschenmengen zu meiden. Es kann auch sinnvoll sein, sich gegen Grippe oder Pneumokokken impfen zu lassen.

    Behandlung

    Die Behandlung einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung hat zum einen das Ziel, die Symptome und Beschwerden zu lindern, das Alltagsleben zu erleichtern und die Lebensqualität zu verbessern. Zum anderen soll sie das Fortschreiten der COPD verlangsamen und Exazerbationen vorbeugen.

    Ein wesentlicher Bestandteil der täglichen COPD-Behandlung sind Medikamente – entweder zum Inhalieren oder zum Einnehmen als Tablette. Je nach Erkrankungsstadium sind Kombinationen verschiedener Medikamente üblich. Folgende Medikamente stehen zur Verfügung:

    • Atemwegserweiternde Mittel (Bronchodilatatoren): Sie werden meist als Pulver inhaliert und können das Atmen erleichtern. Dazu gehören Beta-2-Mimetika, Anticholinergika und Methylxanthine.
    • Kortisonhaltige Mittel: Kortisonspray oder -tabletten hemmen die Entzündung der Atemwege.
    • PDE-4-Hemmer: Auch diese Tabletten wirken entzündungshemmend.

    Bei einer sehr weit fortgeschrittenen COPD ist zusätzlich oft eine Behandlung mit Sauerstoff notwendig. In welcher Form, richtet sich nach der Schwere der Erkrankung.

    Wenn bei einem schweren Lungenemphysem alle Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, ist auch eine Operation möglich. So werden bei der Lungenvolumenreduktion und der Bullektomie (Bulla: lateinisch für Blase) die überblähten Teile der Lunge verkleinert, um die Atmung zu erleichtern. Unter bestimmten Voraussetzungen ist auch eine Lungentransplantation denkbar.

    Unterstützende Maßnahmen sind unter anderem körperliche Aktivitäten, Atemtraining, Inhalationen oder Ernährungsumstellungen. Zudem bieten Krankenkassen sogenannte Disease-Management-Programme (DMPs) für Menschen mit COPD an. Ihr Ziel ist es, durch eine konsequente und gut begleitete Behandlung die Zahl der schweren Atemnot-Anfälle zu verringern und das Fortschreiten der COPD abzubremsen.

    Rehabilitation

    Eine pneumologische Rehabilitation (pulmonale Rehabilitation) hilft Menschen mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, die eigene Erkrankung besser in den Griff zu bekommen und ein möglichst normales Leben zu führen. Hierfür wird ein Behandlungsplan zusammengestellt, der auf den persönlichen Bedarf zugeschnitten ist. Der Behandlungsplan ist eine Kombination aus körperlichem Training, Schulung im Umgang mit der Erkrankung und Therapie sowie sozialer und psychischer Unterstützung.

    Die pneumologische Rehabilitation ist ein wichtiger Bestandteil des Disease-Management-Programms COPD. Sie kann ambulant oder stationär in Anspruch genommen werden.

    Leben und Alltag

    Wie sich eine COPD auswirkt, hängt sehr vom Stadium der Krankheit ab. Eine COPD kann jahrelang nur mit kleineren Einschränkungen des Lebens verbunden sein. Mit der Zeit nehmen die Beschwerden aber zu. Bei einer schweren COPD ist schließlich kein normales Alltagsleben mehr möglich, dann wird meist eine umfassende Unterstützung und Pflege durch andere nötig.

    Vielen Menschen hilft es, ihren Lebensstil und Tagesablauf an die Bedürfnisse und Reaktionen ihres Körpers anzupassen. Manche konzentrieren sich mehr auf die Dinge, die ihnen besonders wichtig sind. Andere wenden bestimmte Atem- und Entspannungstechniken an, gönnen sich Ruhe oder treiben je nach Tagesform ein wenig Sport.

    Je mehr die COPD fortschreitet, desto wichtiger wird die praktische, aber auch emotionale Unterstützung durch Familie und Freunde.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Neben der Möglichkeit, an einem Disease-Management-Programm (DMP) teilzunehmen, gibt es ein breites Angebot zur persönlichen Beratung und Unterstützung von Patientinnen und Patienten mit COPD. Viele dieser Angebote sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert und nicht immer direkt zu finden. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, Angebote in der Nähe zu finden und zu nutzen.

    Quellen

    Decramer M, Janssens W, Miravitlles M. Chronic obstructive pulmonary disease. Lancet 2012; 379(9823): 1341-1351.

    Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), Deutsche Atemwegsliga, Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP). S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD). AWMF-Registernr.: 020-006. 24.01.2018.

    Global initiative for Chronic Obstrunctive Lung Disease (GOLD). Global strategy for the diagnosis, management, and prevention of chronic obstrunctive pulmonary disease - 2019 Report. 2019.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Verfahren zur Lungenvolumenreduktion beim schweren Lungenemphysem: Abschlussbericht; Auftrag N14-04. 07.02.2017. (IQWiG-Berichte; Band 487).

    Kopsaftis Z, Wood-Baker R, Poole P. Influenza vaccine for chronic obstructive pulmonary disease (COPD). Cochrane Database Syst Rev 2018; (6): CD002733.

    Pauwels RA, Rabe KF. Burden and clinical features of chronic obstructive pulmonary disease (COPD). Lancet 2004; 364(9434): 613-620.

    Walters JA, Tang JN, Poole P, Wood-Baker R. Pneumococcal vaccines for preventing pneumonia in chronic obstructive pulmonary disease. Cochrane Database Syst Rev 2017; (1): CD001390.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Medikamente bei COPD

    Ein wesentlicher Bestandteil der täglichen Behandlung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) sind Medikamente. Sie können die Krankheit zwar nicht heilen, aber Beschwerden lindern und akuten Atemproblemen vorbeugen.

    Welche Behandlungen infrage kommen, hängt vor allem von der Schwere der Erkrankung ab. Im Anfangsstadium einer COPD reicht es meist aus, nur bei akuten Atemproblemen ein Medikament zu nehmen. Werden die Beschwerden häufiger und stärker, müssen bestimmte Medikamente dauerhaft eingenommen werden. Menschen mit fortgeschrittener COPD nehmen häufig mehrere Mittel gleichzeitig ein.

    Meist werden folgende Medikamente eingesetzt:

    • atemwegserweiternde Mittel (Bronchodilatatoren): Beta-2-Mimetika, Anticholinergika und gegebenenfalls Methylxanthine
    • entzündungshemmende Mittel: Kortisonhaltige Medikamente (Kortikosteroide) und PDE-4-Hemmer

    Andere Medikamente sollen den Schleim in den Bronchien lösen und das Abhusten erleichtern. Sie werden Mukopharmaka genannt. Bei akuten Atemproblemen können Antibiotika sinnvoll sein. Eine Impfung gegen Grippe oder Pneumokokken kann vor zusätzlichen Infektionen schützen, die die Atembeschwerden verstärken können.

    Ein wesentlicher Bestandteil der täglichen Behandlung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) sind Medikamente. Sie können die Krankheit zwar nicht heilen, aber Beschwerden lindern und akuten Atemproblemen vorbeugen.

    Welche Behandlungen infrage kommen, hängt vor allem von der Schwere der Erkrankung ab. Im Anfangsstadium einer COPD reicht es meist aus, nur bei akuten Atemproblemen ein Medikament zu nehmen. Werden die Beschwerden häufiger und stärker, müssen bestimmte Medikamente dauerhaft eingenommen werden. Menschen mit fortgeschrittener COPD nehmen häufig mehrere Mittel gleichzeitig ein.

    Meist werden folgende Medikamente eingesetzt:

    • atemwegserweiternde Mittel (Bronchodilatatoren): Beta-2-Mimetika, Anticholinergika und gegebenenfalls Methylxanthine
    • entzündungshemmende Mittel: Kortisonhaltige Medikamente (Kortikosteroide) und PDE-4-Hemmer

    Andere Medikamente sollen den Schleim in den Bronchien lösen und das Abhusten erleichtern. Sie werden Mukopharmaka genannt. Bei akuten Atemproblemen können Antibiotika sinnvoll sein. Eine Impfung gegen Grippe oder Pneumokokken kann vor zusätzlichen Infektionen schützen, die die Atembeschwerden verstärken können.

    Atemwegserweiternde Mittel

    Zur Medikamentengruppe der Bronchodilatatoren gehören Beta-2-Mimetika, Anticholinergika und Methylxanthine. Sie werden meist inhaliert. Die Medikamente verringern die Muskelspannung in den Bronchien und erweitern so die Atemwege, die bei COPD verengt sind.

    Beta-2-Mimetika

    Beta-2-Mimetika sind Basismedikamente zur COPD-Therapie. Es gibt kurz wirksame und lang wirksame Beta-2-Mimetika. Zu den kurz wirksamen Wirkstoffen gehören beispielsweise Fenoterol, Salbutamol oder Terbutalin, zu den lang wirksamen Formoterol und Salmeterol. Die kurz wirksamen Präparate werden bei Bedarf angewendet, zum Beispiel bei akuter Atemnot. Sie wirken schnell, aber nur für 4 bis 6 Stunden. Lang wirksame Beta-2-Mimetika werden regelmäßig eingenommen. Ihre Wirkung tritt langsamer ein, hält aber etwa zwölf Stunden an.

    Wenn die COPD noch nicht fortgeschritten ist, reicht es in der Regel aus, bei Bedarf ein kurz wirksames Beta-2-Mimetikum anzuwenden. Eine plötzliche Atemnot lässt sich durch Inhalieren meist schnell lindern. Nehmen die Beschwerden zu, ist es sinnvoll, regelmäßig ein lang wirksames Beta-2-Mimetikum anzuwenden. Es lindert Atembeschwerden und beugt akuten Atemnot-Anfällen (Exazerbationen) vor. In Studien zeigte sich, dass Menschen, die Beta-2-Mimetika anwendeten, eine bessere Lungenfunktion und eine höhere Lebensqualität hatten.

    Außerdem beugten die Mittel Atemnot-Anfällen vor.

    • Ohne Beta-2-Mimetikum mussten innerhalb eines halben Jahres 7 von 100 Menschen aufgrund eines schweren Atemnot-Anfalls in ein Krankenhaus.
    • Mit Beta-2-Mimetikum war das bei 5 von 100 Menschen der Fall.

    Das heißt: Allein in diesem Zeitraum konnten die Medikamente bei 2 von 100 Menschen einen schweren Atemnot-Anfall mit Krankenhausaufenthalt verhindern. Zudem beugten sie auch mittelschweren Atemnot-Anfällen vor.

    Beta-2-Mimetika sind in normaler Dosis meist gut verträglich. Wenn sie zu hoch dosiert werden, kann jedoch als Nebenwirkung der Pulsschlag schneller werden oder es zu Herzklopfen oder Zittern kommen.

    Anticholinergika

    Anticholinergika wirken ähnlich gut wie Beta-2-Mimetika gegen die Beschwerden einer COPD. Auch von diesen Mitteln gibt es kurz wirksame und lang wirksame Präparate. Die Wirkung lang wirksamer Anticholinergika wie Tiotropiumbromid hält etwa 24 Stunden an, sie wirken damit länger als die meisten Beta-2-Mimetika. Sie müssen deshalb nur einmal täglich inhaliert werden. Kurz wirksame Anticholinergika wirken erst nach 20 bis 30 Minuten, dann aber bis zu acht Stunden.

    Anticholinergika können wie Beta-2-Mimetika auch das Risiko von akuten Atemnot-Anfällen verringern. Dadurch sind seltener Krankenhausaufenthalte nötig und die Lebensqualität steigt.

    Anticholinergika können als Nebenwirkung zu Mundtrockenheit führen. Ansonsten gelten auch diese Medikamente als gut verträglich.

    Methylxanthine

    Methylxanthine erweitern ebenfalls die Atemwege. Aus dieser Medikamentengruppe wird in der Regel der Wirkstoff Theophyllin verschrieben. Das Mittel wird meist als Tablette eingenommen.

    Theophyllin lindert die Beschwerden weniger gut als Beta-2-Mimetika und Anticholinergika und hat zudem mehr Nebenwirkungen. Daher wird es Patientinnen und Patienten mit COPD meist nur dann empfohlen, wenn die Behandlung mit Beta-2-Mimetika und Anticholinergika nicht ausreichend hilft.

    Mögliche Nebenwirkungen von Theophyllin sind unter anderem Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Herzrhythmusstörungen, Sodbrennen oder Übelkeit. In hohen Dosierungen können Krampfanfälle auftreten. Vor allem ältere Menschen mit COPD vertragen diese Medikamente oft schlecht. 

    Kortisonhaltige Mittel

    Kortison-Spray

    Kortison-Präparate werden bei Bedarf zusätzlich zu den atemwegserweiternden Mitteln eingesetzt. Die alltäglichen Symptome und Beschwerden lindern sie kaum. Sie können aber das Risiko für akute Atemnot verringern. Aus diesem Grund wird Kortison zum Inhalieren meist nur von Menschen mit einer schweren COPD und häufiger Atemnot dauerhaft angewendet.

    In den bisherigen Studien war Kortison-Spray gegen COPD nur wirksam, wenn es in einer Dosis von mehr als 1000 Mikrogramm täglich angewendet wurde. Eine solch hohe Dosis erhöht jedoch das Risiko für eine Lungenentzündung. Innerhalb eines Jahres konnte Kortison-Spray:

    • bei etwa 5 von 100 Menschen mit COPD einem oder mehreren Atemnot-Anfällen vorbeugen.
    • Bei etwa 1 von 100 Menschen führte es zu einer Lungenentzündung.

    Eine weitere Nebenwirkung von Kortison-Spray ist Pilzbefall im Mund: Er tritt bei etwa 5 von 100 Menschen innerhalb eines Jahres auf. Etwa ebenso häufig kommt es zu Heiserkeit. Deshalb empfiehlt es sich, nach Anwendung von Kortison-Spray den Mund auszuspülen oder die Zähne zu putzen.

    Kortison-Tabletten

    Kortison kann auch während eines akuten Atemnot-Anfalls helfen, sich schneller wieder zu erholen – dann wird der Wirkstoff allerdings als Tablette oder Spritze gegeben.

    Mögliche Nebenwirkungen von Kortison-Tabletten bei längerer Anwendung sind Gewichtszunahme, Blutzuckeranstieg und Schlafstörungen. Werden die Tabletten dauerhaft eingenommen, können auch die Haut, die Muskeln und die Knochen geschwächt werden. Deshalb wird von einer Langzeitbehandlung mit Kortison-Tabletten abgeraten.

    PDE-4-Hemmer

    PDE-4-Hemmer können ergänzend zu atemwegserweiternden Mitteln als Tabletten eingenommen werden. Sie hemmen die Entzündung in den Bronchien. Dadurch können sie die Atmung verbessern und akuter Atemnot vorbeugen.

    In Studien zeigte sich, dass PDE-4-Hemmer die Atmung und die Lebensqualität verbessern:

    • Bei etwa 5 von 100 Menschen verhinderten die Medikamente Atemnot-Anfälle.
    • Bei etwa 5 von 100 Menschen kam es durch die Medikamente zu Nebenwirkungen wie Übelkeit und Durchfall, Appetitmangel, Gewichtsverlust, Schlafstörungen oder Kopfschmerzen.

    Es ist noch unklar, wie gut PDE-4-Hemmer im Vergleich zu Kortison helfen. Deshalb werden sie bislang selten eingesetzt.

    Weitere Mittel

    Mukopharmaka

    Mukopharmaka sollen bei Husten mit starkem Auswurf den Schleim in den Atemwegen lösen und das Abhusten erleichtern. Studien zeigen widersprüchliche Ergebnisse. Möglicherweise können Mukopharmaka bei Husten mit starkem Auswurf das Risiko für akute Atemnot etwas senken. Darüber hinaus verbessern sie die Atmung jedoch nicht. Sie spielen bei der Behandlung einer COPD eine eher geringe Rolle.

    Impfungen

    Menschen mit COPD sind besonders anfällig für Komplikationen durch eine Grippeerkrankung. Sie können sich jährlich im Herbst gegen Grippeerreger impfen lassen. Studien zeigen, dass die Impfung das Risiko für Exazerbationen und Atemwegsinfekte wie Bronchitis oder Lungenentzündungen senkt.

    Der Grippe-Impfstoff wird gespritzt. Nebenwirkungen sind meist Rötung und Schwellung an der Einstichstelle. Auch vorübergehende Müdigkeit, Kopfschmerzen und leichtes Fieber sind möglich.

    Eine Impfung gegen Pneumokokken kommt ebenfalls infrage. Diese Bakterien können Entzündungen unter anderem der Lunge, des Mittelohrs oder der Nasennebenhöhlen verursachen. Menschen mit einer COPD bekommen leichter Lungenentzündungen und akute Atemprobleme, wenn sie sich mit Pneumokokken anstecken. Die Pneumokokken-Impfung kann dieses Risiko etwas verringern. Der Schutz durch die Impfung hält etwa fünf Jahre an, dann muss sie aufgefrischt werden.

    Antibiotika

    Bei Menschen mit COPD können Atemwegsinfektionen zu akuter Atemnot führen. Wenn die Infektion durch Bakterien ausgelöst wurde und die Beschwerden sehr stark sind, können Antibiotika helfen. Es kann auf eine bakterielle Infektion hinweisen, wenn der Auswurf gelb-grünlich oder eitrig aussieht.

    Wenn die Atemwegsinfektion durch Viren ausgelöst wurde, helfen Antibiotika nicht. Die Mittel können auch Nebenwirkungen wie Durchfall hervorrufen.

    Kombination von Medikamenten

    Je nach Stadium der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung kann es sinnvoll sein, zwei atemwegserweiternde Mittel (zum Beispiel ein Beta-2-Mimetikum und Anticholinergikum) miteinander zu kombinieren. Oft sind solche Kombinationen wirksamer und haben weniger Nebenwirkungen als eine höhere Dosis eines einzelnen Mittels.

    Quellen

    Agarwal R, Aggarwal AN, Gupta D, Jindal SK. Inhaled corticosteroids vs placebo for preventing COPD exacerbations: a systematic review and metaregression of randomized controlled trials. Chest 2010; 137(2): 318-325.

    Chong J, Leung B, Poole P. Phosphodiesterase 4 inhibitors for chronic obstructive pulmonary disease. Cochrane Database Syst Rev 2017; (9): CD002309.

    Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), Deutsche Atemwegsliga, Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP). S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD). AWMF-Registernr.: 020-006. 24.01.2018.

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    Horita N, Goto A, Shibata Y, Ota E, Nakashima K, Nagai K et al. Long-acting muscarinic antagonist (LAMA) plus long-acting beta-agonist (LABA) versus LABA plus inhaled corticosteroid (ICS) for stable chronic obstructive pulmonary disease (COPD). Cochrane Database Syst Rev 2017; (2): CD012066.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Tiotropiumbromid bei COPD: Abschlussbericht; Auftrag A05-18. 26.06.2012. (IQWiG-Berichte; Band 137).

    Karner C, Chong J, Poole P. Tiotropium versus placebo for chronic obstructive pulmonary disease. Cochrane Database Syst Rev 2014; (7): CD009285.

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    Poole P, Chong J, Cates CJ. Mucolytic agents versus placebo for chronic bronchitis or chronic obstructive pulmonary disease. Cochrane Database Syst Rev 2015; (7): CD001287.

    Ram FS, Jones P, Jardim J, Castro AA, Atallah AN, Lacasse Y et al. Oral theophylline for chronic obstructive pulmonary disease. Cochrane Database Syst Rev 2002; (3): CD003902.

    Vollenweider DJ, Frei A, Steurer-Stey CA, Garcia-Aymerich J, Puhan MA. Antibiotics for exacerbations of chronic obstructive pulmonary disease. Cochrane Database Syst Rev 2018; (10): CD010257.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Nicht medikamentöse Behandlung

    Bei einer COPD können Medikamente, aber auch verschiedene andere Behandlungen helfen. Wirksam sind vor allem spezielle Rehabilitationsprogramme (pneumologische Rehabilitation) und körperliche Bewegung.

    Zu den nicht medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten bei einer COPD gehören angepasste körperliche Bewegung, Atemübungen sowie spezielle Rehabilitations- und Schulungsprogramme. Sie können dazu beitragen, die körperliche Belastbarkeit zu erhalten, die Atmung zu stärken und mit akuten Beschwerden besser umzugehen. Vieles davon lässt sich auch selbst im Alltag umsetzen.

    Bei schwerer COPD kann eine Behandlung mit Sauerstoff helfen, die Atmung zu unterstützen und den Sauerstoffmangel auszugleichen.

    Bei einer COPD können Medikamente, aber auch verschiedene andere Behandlungen helfen. Wirksam sind vor allem spezielle Rehabilitationsprogramme (pneumologische Rehabilitation) und körperliche Bewegung.

    Zu den nicht medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten bei einer COPD gehören angepasste körperliche Bewegung, Atemübungen sowie spezielle Rehabilitations- und Schulungsprogramme. Sie können dazu beitragen, die körperliche Belastbarkeit zu erhalten, die Atmung zu stärken und mit akuten Beschwerden besser umzugehen. Vieles davon lässt sich auch selbst im Alltag umsetzen.

    Bei schwerer COPD kann eine Behandlung mit Sauerstoff helfen, die Atmung zu unterstützen und den Sauerstoffmangel auszugleichen.

    Körperliche Aktivität

    Sport und Bewegung können die körperliche Belastbarkeit und die Atmung verbessern. Regelmäßige Bewegung verbessert die Ausdauer, sodass man nicht so schnell außer Puste gerät und seltener Luftnot hat.

    Es gibt spezielle Bewegungsprogramme für Menschen mit COPD, auch „Lungensport" genannt. Angeboten werden dabei zum Beispiel flottes Gehen (Walken), Laufen (Joggen), Radfahren, Gymnastik, Schwimmen, Atemübungen, Tanzen, Tai Chi und Qigong.

    Ob eine bestimmte Sportart besser geeignet ist als andere, lässt sich nicht sagen. Dies hängt zum einen vom Schweregrad der COPD und der körperlichen Fitness ab, zum anderen von persönlichen Vorlieben. Wichtig ist, sich vor einer Teilnahme an Trainingsprogrammen ärztlich untersuchen zu lassen. Denn zum Beispiel bei starken Atembeschwerden oder Herzerkrankungen können bestimmte Aktivitäten zu risikoreich sein.

    Atemtherapie

    Regelmäßige Atemübungen können das Lungenvolumen vergrößern, die Atemmuskulatur stärken und Atemnot vorbeugen. Dadurch verbessert sich die Ausdauer bei körperlichen Belastungen. Mit den Übungen lässt sich auch das Abhusten von Schleim trainieren. Zudem können sie helfen, mit akuter Luftnot umzugehen.

    Die Übungen werden im Rahmen von Atemtherapien angeboten. Dabei wird auch der Umgang mit Atemgeräten geübt, meist unter Anleitung von Physiotherapeutinnen oder -therapeuten.

    Was kann man bei einem Atemnot-Anfall tun?

    Bei akuten Atemnot-Anfällen (Exazerbationen) einer COPD werden die „Lippenbremse" und der „Kutschersitz" empfohlen. Beides soll die Atmung erleichtern und einer weiteren Verengung der Atemwege vorbeugen. Bei der Lippenbremse atmet man ruhig durch die Nase ein, spitzt dann die Lippen und atmet langsam und dosiert durch den Mund wieder aus. Beim Kutschersitz sitzt man breitbeinig auf einem Stuhl, beugt den Oberkörper nach vorne und stützt sich mit den Unterarmen auf den Oberschenkeln ab. Alternativ legt man die Arme auf einen Tisch und den Kopf darauf.

    Pneumologische Rehabilitation

    Menschen mit COPD können eine sogenannte pneumologische (pulmonale) Rehabilitation beantragen. Das mehrwöchige Behandlungsprogramm beinhaltet unter anderem körperliches Training, Patientenschulung, Atemtherapie, Ernährungsberatung und Rauchentwöhnung. Eine pneumologische Reha wird in speziellen Kliniken oder ambulant angeboten. Sie soll dabei unterstützen, die eigene Erkrankung besser in den Griff zu bekommen und trotz der Einschränkungen ein möglichst normales Leben zu führen.

    Studien zeigen, dass eine pneumologische Rehabilitation die Lebensqualität bessern und dabei helfen kann, die Folgen der COPD zu bewältigen. Menschen mit häufigen Atemnot-Anfällen, die an einer solchen Reha teilnehmen, müssen in den ersten Jahren danach seltener ins Krankenhaus.

    Eine Rehabilitation kann die Belastungsfähigkeit steigern. Dadurch wird es möglich, längere Strecken zu gehen, ohne außer Atem zu kommen. Möglicherweise sinkt in den ersten Jahren nach einer Teilnahme das Risiko, wegen akuter Atemnot-Beschwerden ins Krankenhaus zu müssen. Eine pneumologische Reha kann sowohl Menschen helfen, die gleichbleibende COPD-Beschwerden haben, als auch solchen mit häufigen Atemnot-Anfällen (Exazerbationen).

    Da Verbesserungen durch eine Reha allein nicht sehr lange anhalten, ist es wichtig, zum Beispiel mit dem Atemtraining und den Bewegungsübungen im Alltag auch selbstständig weiterzumachen. Es gibt auch die Möglichkeit, regelmäßig an Bewegungs- oder Atemprogrammen für Menschen mit COPD teilzunehmen. Ob nach einer gewissen Zeit eine erneute Reha sinnvoll ist, lässt sich gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt klären.

    Die pneumologische Rehabilitation ist ein wichtiger Bestandteil des Disease-Management-Programms (DMP) COPD. Disease-Management-Programme für chronisch kranke Menschen werden von der Krankenkasse angeboten.

    Rauchentwöhnung

    Das Rauchen ist die Hauptursache für die Entwicklung einer COPD. Ein Rauchverzicht ist deshalb eine der wirksamsten Maßnahmen gegen eine weitere Verschlechterung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung – und verringert zugleich das Risiko für andere Erkrankungen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die bei einer Rauchentwöhnung helfen können. Dazu gehören vor allem Verhaltenstraining und Medikamente. Beides ist allein oder in Kombination wirksam.

    Zur Unterstützung der Rauchentwöhnung gibt es verschiedene Medikamente und Formen der Nikotinersatztherapie. Je nach Mittel haben sie mehr oder weniger starke Nebenwirkungen.

    Ernährungsberatung

    Einige Menschen mit COPD verlieren mit der Zeit deutlich an Gewicht. Ihre Muskeln werden schwächer und sie sind insgesamt weniger belastbar. Bei starkem Gewichtsverlust können eine Ernährungsberatung oder eine Ernährungstherapie sinnvoll sein. Wichtig ist dann, sich regelmäßig zu wiegen. Unter Umständen hilft es, kalorienreiche Zusatznahrung zu sich zu nehmen. Studien zeigen, dass untergewichtige Menschen mit COPD durch eine kalorienreiche Ernährung wieder an Gewicht und Muskelkraft zulegen können. Unklar bleibt, ob sich dadurch auch die COPD-Beschwerden bessern.

    Auf der anderen Seite kann auch starkes Übergewicht die körperliche Belastbarkeit einschränken. Dann kann unter anderem eine Ernährungsumstellung dabei unterstützen, Gewicht abzunehmen.

    Sauerstofftherapie und Heimbeatmung

    Wenn eine COPD sehr weit fortgeschritten ist, kann es vorkommen, dass das Atmen selbst zu anstrengend wird, weil sich die Atemmuskeln dabei erschöpfen. In diesem Stadium der Erkrankung ist oft eine Behandlung mit Sauerstoff nötig. Es gibt verschiedene Sauerstoffgeräte:

    • Sauerstoff-Konzentratoren: Solche Geräte werden zur Behandlung in einem Raum aufgestellt. Die Geräte gewinnen den Sauerstoff aus der Luft und reichern ihn an. Der Sauerstoff gelangt über einen dünnen Schlauch („Nasenbrille") in die Nase.
    • Sauerstofftank: Bei diesen meist tragbaren Geräten gelangt der Sauerstoff ebenfalls über einen dünnen Schlauch in die Nase. Mit den Tanks kann man sich relativ frei bewegen und auch das Haus verlassen. Der Sauerstoff muss aber regelmäßig erneuert oder aufgefüllt werden.

    Eine Sauerstofftherapie ist oft über mindestens 15 Stunden pro Tag nötig und kann auch während des Schlafs fortgesetzt werden. Manche Menschen brauchen den Sauerstoff aber nur phasenweise und gezielt, etwa vor oder während einer körperlichen Anstrengung.

    Eine andere Form der Sauerstoffbehandlung ist die sogenannte Heimbeatmung. Dazu wird eine Atemmaske verwendet, die Mund und Nase abdeckt und Sauerstoff mit erhöhtem Druck bereitstellt. Dies entlastet die erschöpften Atemmuskeln. An die Maske muss man sich anfangs gewöhnen. Je nach Schwere der COPD sollte die Maske zwischen 8 und 14 Stunden pro Tag getragen werden.

    Patientenschulung

    In Schulungsprogrammen lernen Menschen mit COPD zum Beispiel, Medikamente und Sauerstoffgeräte richtig anzuwenden. Sie üben Inhalationstechniken und erfahren, welche Möglichkeiten es gibt, Beschwerden vorzubeugen und mit akuter Atemnot umzugehen. Das Ziel der Schulungen ist, die Erkrankung so gut es geht selbst bewältigen zu können. Patientenschulungen sind auch Bestandteil von Disease-Management-Programmen (DMPs).

    Quellen

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Operationen und Eingriffe zur COPD-Behandlung

    Ein Eingriff an der Lunge kommt nur bei sehr fortgeschrittener Erkrankung infrage. Mit verschiedenen Verfahren kann das Volumen der Lunge verringert werden, um das Atmen zu erleichtern. Bei einer besonders schweren COPD ist unter Umständen eine Lungentransplantation möglich.

    Bei einer fortschreitenden chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) kann es zu einem Lungenemphysem kommen. Dabei werden die Wände der Lungenbläschen zerstört, wodurch sich größere Blasen bilden, die auch platzen können. Durch die Überblähung nimmt das Lungenvolumen zu. Dagegen verkleinert sich der gesunde Teil der Lunge, und es gelangt weniger Sauerstoff ins Blut. Zudem wird die Atemmuskulatur stärker beansprucht. Betroffene werden dann schneller kurzatmig, sind körperlich weniger belastbar und haben häufiger Husten mit Auswurf.

    Wenn sich die Beschwerden nicht mehr anders lindern lassen, ist unter bestimmten Bedingungen eine Operation oder ein kleinerer Eingriff an der Lunge möglich. Bislang werden die verschiedenen Verfahren eher selten eingesetzt.

    Ein Eingriff an der Lunge kommt nur bei sehr fortgeschrittener Erkrankung infrage. Mit verschiedenen Verfahren kann das Volumen der Lunge verringert werden, um das Atmen zu erleichtern. Bei einer besonders schweren COPD ist unter Umständen eine Lungentransplantation möglich.

    Bei einer fortschreitenden chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) kann es zu einem Lungenemphysem kommen. Dabei werden die Wände der Lungenbläschen zerstört, wodurch sich größere Blasen bilden, die auch platzen können. Durch die Überblähung nimmt das Lungenvolumen zu. Dagegen verkleinert sich der gesunde Teil der Lunge, und es gelangt weniger Sauerstoff ins Blut. Zudem wird die Atemmuskulatur stärker beansprucht. Betroffene werden dann schneller kurzatmig, sind körperlich weniger belastbar und haben häufiger Husten mit Auswurf.

    Wenn sich die Beschwerden nicht mehr anders lindern lassen, ist unter bestimmten Bedingungen eine Operation oder ein kleinerer Eingriff an der Lunge möglich. Bislang werden die verschiedenen Verfahren eher selten eingesetzt.

    Lungenvolumenreduktion (LVR)

    Bei diesem Eingriff werden überblähte Teile der Lunge entfernt oder verkleinert. Dadurch verringert sich das Lungenvolumen zunächst. Die gesunden Lungenabschnitte bekommen jedoch mehr Platz und können das Blut dann wieder leichter mit Sauerstoff versorgen. Die LVR soll die Atemmuskulatur entlasten, die Atmung verbessern und Atemnot lindern.

    Es gibt zwei LVR-Verfahren:

    • Chirurgische Lungenvolumenreduktion: Bei dieser Methode wird über einen großen Schnitt im Bereich des Brustkorbs oder über kleine Schnitte (Schlüssellochtechnik) operiert. Dabei werden überblähte Lungenteile entfernt, die das Atmen erschweren.
    • Bronchoskopische Lungenvolumenreduktion: Bei diesem Verfahren wird ein Endoskop über die Luftröhre bis in die Verästelungen der Bronchien vorgeschoben. Dazu ist keine Vollnarkose nötig; meist reicht ein starkes Beruhigungsmittel, das in einen kurzen Tiefschlaf versetzt. Um das Lungenvolumen zu verringern, können dann beispielsweise Ventile oder Spiralen (Coils) eingesetzt werden. Bei anderen Techniken wird der überblähte Teil der Lunge mit Schaum oder mit heißem Wasserdampf behandelt, damit er kleiner wird. Auch das Einsetzen von Stents (Röhrchen) ist möglich, wird in Deutschland aber kaum durchgeführt.

    Diese Eingriffe eignen sich nur für Menschen mit einer schweren COPD, die

    • seit mehreren Monaten nicht mehr rauchen,
    • keine schweren Begleiterkrankungen haben,
    • nicht stark untergewichtig sind und
    • alle anderen Behandlungsmöglichkeiten bereits ausgeschöpft haben.

    Welcher Eingriff infrage kommt, hängt unter anderem von der Art des Lungenemphysems ab.

    Wie gut hilft die Lungenvolumenreduktion?

    Die Lungenvolumenreduktion kann Menschen mit einer COPD helfen, hat jedoch gewisse Risiken. Die Vor- und Nachteile hängen vom jeweiligen Verfahren ab. Die bronchoskopische LVR wird mittlerweile häufiger eingesetzt als die chirurgische, ist aber noch nicht so gut untersucht.

    Chirurgische Lungenvolumenreduktion

    Die Operation kann die Chance erhöhen, länger zu leben. In der größten Studie zu diesem Verfahren zeigte sich fünf Jahre danach:

    • Ohne Operation waren 49 von 100 Menschen gestorben.
    • Mit Operation waren 42 von 100 Menschen gestorben.

    Zudem waren die operierten Patientinnen und Patienten körperlich belastbarer, hatten eine bessere Lebensqualität und seltener Atemnot. Sie kamen auch seltener wegen einer akuten Verschlechterung der Atmung (Exazerbation) in ein Krankenhaus.

    Es gab aber auch Nachteile: So starben im ersten Jahr nach dem Eingriff mehr Menschen an den Folgen der Operation. Es bestehen allgemeine Operationsrisiken, wie Entzündungen oder Wundheilungsstörungen. Unerwünschte Wirkungen wurden in den Studien aber nicht ausreichend untersucht.

    Bronchoskopische Lungenvolumenreduktion

    Eine bronchoskopische LVR mit Ventilen oder Spiralen (Coils) kann die körperliche Belastbarkeit und die Lebensqualität verbessern. Nach dem Einsetzen von Spiralen kam es zudem seltener zu Atemnot. Ob der Eingriff das Leben verlängern kann, ist jedoch unklar. Die bisherigen Studien dauerten maximal ein Jahr, das ist zu kurz, um diese Frage zu beantworten.

    Ein Nachteil dieses Verfahrens ist, dass es nach dem Eingriff manchmal zu einer akuten Verschlechterung der Atmung kommt. Sie kann durch das Einführen des Endoskops in die Bronchien ausgelöst werden. Zudem kann ein Lungenflügel zusammenfallen (Pneumothorax). Nach dem Eingriff kommt es oft zu leichtem Bluthusten, zudem bestehen die allgemeinen Operationsrisiken. Werden Spiralen eingesetzt, ist das Risiko für eine Lungenentzündung erhöht.

    Die Vor- und Nachteile der Behandlung mit Wasserdampf, Polymerschaum und Stents sind unklarer, da zu diesen Techniken nur wenige Studien vorliegen.

    Bullektomie

    Dieser Eingriff ähnelt der Lungenvolumenreduktion. Im Gegensatz zur LVR werden dabei aber nur einzelne große Blasen (Bulla – lateinisch Blase) entfernt. Eine Bullektomie kommt infrage, wenn einzelne Blasen mehr als ein Drittel eines Lungenflügels ausfüllen und auf das benachbarte Gewebe drücken. Auch bei diesem Eingriff wird in der Regel minimal invasiv, das heißt über kleine Schnitte im Brustkorb operiert (Schlüssellochtechnik).

    Transplantation

    Eine Lungentransplantation kommt nur bei einem fortgeschrittenen Lungenemphysem infrage, wenn alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Die Möglichkeit zur Transplantation ist begrenzt, weil es nur selten Spenderlungen gibt. Mit einer neuen Lunge können Empfänger meist wieder deutlich besser atmen und haben eine höhere Lebensqualität.

    Eine Transplantation ist mit besonderen Risiken verbunden, da die Operation sehr aufwendig ist und der Körper das neue Organ annehmen muss. Um Abstoßungsreaktionen vorzubeugen, müssen nach dem Eingriff dauerhaft Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems eingenommen werden. Sie haben zum Teil ernsthafte Nebenwirkungen.

    Für eine Transplantation gibt es bestimmte Voraussetzungen: So muss das Risiko deutlich erhöht sein, in den kommenden Jahren an der COPD zu sterben – zugleich dürfen aber keine schweren Begleiterkrankungen bestehen. Man muss bereits längere Zeit nicht mehr rauchen und bereit sein, aktiv an Reha- und Trainingsmaßnahmen teilzunehmen. Da schwere Begleiterkrankungen bei Menschen über 65 Jahren stärker zunehmen, sind die meisten Patientinnen und Patienten bei einer Transplantation jünger.

    Quellen

    Bundesärztekammer. Richtlinie gemäß § 16 Abs. 1 S. 1 Nrn. 2 u. 5 TPG für die Wartelistenführung und Organvermittlung zur Lungentransplantation.

    Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), Deutsche Atemwegsliga, Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP). S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD). AWMF-Registernr.: 020-006. 24.01.2018.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Verfahren zur Lungenvolumenreduktion beim schweren Lungenemphysem: Abschlussbericht; Auftrag N14-04. 07.02.2017. (IQWiG-Berichte; Band 487).

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Was kann helfen, mit einer COPD umzugehen?

    Eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist für viele Menschen über Jahre hinweg nur mit kleinen Einschränkungen des Lebens verbunden. Mit der Zeit nehmen die Beschwerden aber zu. Es gibt verschiedene Wege, die es erleichtern können, so lange wie möglich ein normales Alltagsleben aufrechtzuerhalten.

    Wie sich eine COPD auf die Lebensqualität auswirkt, hängt sehr vom Stadium der Krankheit ab. Manche Menschen kommen lange Zeit recht gut mit ihrer Erkrankung zurecht und wissen, wie sie sich bei akuten Verschlechterungen helfen können. Andere erleben sie als Belastung, die ihre Lebensqualität stark einschränkt. Sie sind auf die Hilfe anderer angewiesen. Viele erleben die Erkrankung als ständiges Auf und Ab und Wechsel von guten und schlechten Tagen.

    Im Alltag erfordert die Krankheit, seine Aktivitäten stets an die aktuelle Leistungsfähigkeit anzupassen. Deshalb ist es wichtig, den eigenen Körper zu kennen, die Erkrankung zu verstehen und auf Beschwerden angemessen zu reagieren. So kann es gelingen, mit den Beschwerden besser umzugehen und Problemen vorzubeugen.

    Eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist für viele Menschen über Jahre hinweg nur mit kleinen Einschränkungen des Lebens verbunden. Mit der Zeit nehmen die Beschwerden aber zu. Es gibt verschiedene Wege, die es erleichtern können, so lange wie möglich ein normales Alltagsleben aufrechtzuerhalten.

    Wie sich eine COPD auf die Lebensqualität auswirkt, hängt sehr vom Stadium der Krankheit ab. Manche Menschen kommen lange Zeit recht gut mit ihrer Erkrankung zurecht und wissen, wie sie sich bei akuten Verschlechterungen helfen können. Andere erleben sie als Belastung, die ihre Lebensqualität stark einschränkt. Sie sind auf die Hilfe anderer angewiesen. Viele erleben die Erkrankung als ständiges Auf und Ab und Wechsel von guten und schlechten Tagen.

    Im Alltag erfordert die Krankheit, seine Aktivitäten stets an die aktuelle Leistungsfähigkeit anzupassen. Deshalb ist es wichtig, den eigenen Körper zu kennen, die Erkrankung zu verstehen und auf Beschwerden angemessen zu reagieren. So kann es gelingen, mit den Beschwerden besser umzugehen und Problemen vorzubeugen.

    Frühes Krankheitsstadium

    Im Anfangsstadium einer COPD ist bis auf kleinere Einschränkungen oft noch ein normaler Alltag möglich. Zunächst treten meist nur bei stärkeren Belastungen Atemprobleme auf. Viele Erkrankte vermeiden dann Aktivitäten, die sie in Atemnot bringen könnten, und passen Aufgaben im Beruf oder Haushalt sowie ihre Hobbys an.

    Viele Menschen mit COPD suchen erst ärztliche Hilfe, wenn sie eine akute Atemnot erlebt haben. Akute Atemnot kann Angst bis hin zur Panik auslösen, vor allem wenn man noch wenig über die Erkrankung weiß. Mit der Zeit sammeln Betroffene Erfahrungen mit möglichen Atemnot-Auslösern und damit, wie ihr Körper reagiert. Sie passen nach und nach ihr Verhalten und ihr Alltagsleben an. Viele Menschen können lange aktiv bleiben, auch wenn manche Tätigkeiten vielleicht länger dauern und mehr Planung erfordern als vor der Erkrankung.

    Wenn die Krankheit voranschreitet

    Wenn sich die COPD verstärkt, kann die Atemnot zu einem ständigen Begleiter werden. Mit fortschreitender Erkrankung fällt es immer schwerer, den Alltag selbstständig zu bewältigen. Einkaufen gehen, Schuhe zubinden oder Haare waschen können anstrengend werden. Auch das Essen kann schwerfallen, wenn man ohnehin schon kurzatmig ist und während des Schluckens den Atem anhalten muss. Zudem baut sich aufgrund des Bewegungsmangels Muskulatur ab. Aus all diesen Gründen kann es passieren, dass Menschen mit schwerer COPD stark abnehmen. Eine Unterernährung kann wiederum die Beschwerden verstärken. Deshalb ist es sinnvoll, bei beginnendem Gewichtsverlust besonders auf die Ernährung zu achten. Eine Ernährungsberatung kann dann hilfreich sein.

    Es kommt vor, dass sich Menschen mit schwerer COPD schlecht konzentrieren können oder auch vergesslich werden. Dies kann auch an anderen Erkrankungen liegen. Viele Betroffene können zum Beispiel nachts nicht gut schlafen und sind häufig erschöpft und müde.

    Um alltägliche Aufgaben erledigen zu können, wird eine genauere Planung nötig, spontane Entscheidungen werden schwieriger. Andererseits ist auch langfristiges Planen erschwert, da die Gestaltung des Tages oft von der „Tagesform" abhängt.

    Menschen mit COPD benötigen nicht nur dauerhaft bestimmte Medikamente und später auch Sauerstoff. Viele von ihnen sind irgendwann auf regelmäßige Hilfe angewiesen. Eine umfassende Betreuung bedeutet zudem, dass Privatsphäre und Intimität verlorengehen können. Das zu akzeptieren, fällt zunächst meist schwer. Auch das Selbstwertgefühl leidet häufig darunter.

    Bewältigungsstrategien

    Es gibt unterschiedliche Strategien und Möglichkeiten, eine COPD zu bewältigen. Manchen Menschen hilft es, ihren Lebensstil und Tagesablauf ganz bewusst an die Bedürfnisse ihres Körpers anzupassen. Sie planen ihre Aktivitäten genauer und wissen zugleich, dass sie ihre Pläne umwerfen müssen, falls die Beschwerden plötzlich stärker werden.

    Viele lernen mit der Zeit, ihre Kraft zu dosieren. Sie gehen ihre Aufgaben langsamer oder im Sitzen an, um Energie zu sparen. Manche konzentrieren sich sehr bewusst auf die Dinge, die ihnen besonders wichtig sind. Wer bisher in der Freizeit eher körperlich aktiv war, kann weniger anstrengende Aktivitäten wählen. Einige Menschen wenden Atem- und Entspannungstechniken an und gönnen sich regelmäßige Ruhezeiten. Statt Familie und Freunde regelmäßig zu besuchen, greifen sie häufiger auf Telefon oder Internet zurück.

    Angepasst an die körperliche Belastbarkeit, kann der Behandlungsplan neben Medikamenten auch regelmäßige Bewegungsübungen oder leichten Sport beinhalten. An vielen Orten gibt es Lungensportgruppen, die Bewegung speziell für Menschen mit COPD anbieten.

    Notfallplan

    Notfallpläne listen typische Symptome auf und beschreiben unter anderem, wann es günstig ist, die Einnahme oder Dosierung von Medikamenten zu verändern, ärztliche Hilfe zu suchen oder ins Krankenhaus zu gehen.

    Manchen Betroffenen hilft es, wenn sie und ihre Angehörigen solch einen Notfallplan griffbereit haben, der erklärt, was bei akuter Atemnot zu tun ist. Der Plan wird am besten mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen.

    Oft kündigt sich ein akuter Atemnot-Anfall durch zunehmende Beschwerden an. Ein Notfallplan kann dabei helfen, einen bevorstehenden Anfall rechtzeitig zu erkennen und richtig zu reagieren. Zum Beispiel können bestimmte Atemtechniken und Körperhaltungen wie die Lippenbremse oder der Kutschersitz angewendet werden, um einer Panik vorzubeugen und das Atmen zu erleichtern.

    Offen mit der Krankheit umgehen

    Häufig gewinnen Menschen mit COPD Kraft und Lebenswillen durch die Familie, Freunde oder den Austausch mit anderen Betroffenen. Ihre Würde zu bewahren, obwohl sie von der Hilfe anderer abhängig sind, ist ihnen wichtig. Dazu gehört, die Krankheit soweit es geht selbst zu bewältigen, Privatsphäre zu bewahren und den eigenen Interessen nachgehen zu können.

    Manche Menschen möchten zunächst nur so wenig wie möglich über die Erkrankung sprechen und versuchen, ihre Beschwerden zu verbergen. Für Familie, Freunde und Arbeitskollegen ist es dann schwer, die Belastung der Erkrankung zu erkennen und zu verstehen.

    Zum Umgang mit der Krankheit gehört auch, irgendwann über die Zukunft zu sprechen – sei es mit einer Ärztin oder einem Arzt, oder mit Angehörigen, Freunden und Bekannten. Das bedeutet bei einer COPD auch die Auseinandersetzung mit dem Lebensende, denn die Krankheit geht mit einer verminderten Lebenserwartung einher. Es gibt die Möglichkeit, eigene Vorstellungen über eine Behandlung in einer Patientenverfügung schriftlich festzulegen. Eine Ärztin oder ein Arzt kann dazu beraten. Hilfreiche Informationen zur Patientenverfügung finden sich auf der Themenseite des Bundesministeriums der Justiz, außerdem Links zu Formularvorlagen und Broschüren zum kostenlosen Download.

    Familie, Partner und Freunde

    Eine schwere Erkrankung wie die COPD beeinflusst auch das Verhältnis zu Familie, Freunden und Bekannten. Sie erleben mit, wie sich der Alltag eines erkrankten Menschen verändert. Viele versuchen, zu helfen und zu unterstützen, wo sie können. Die meisten Erkrankten haben das Gefühl, dass sie bei ihren Angehörigen und Freunden auf Verständnis stoßen und schätzen ihre Unterstützung. Doch auch nahestehende Personen wissen anfangs meist nur sehr wenig über die Erkrankung. Umso wichtiger sind gute Informationen.

    Für gesunde Menschen kann es schwierig sein, sich vorzustellen, wie es ist, wegen der Atemnot jede Tätigkeit planen und dem Erkrankungszustand anpassen zu müssen. Es ist deshalb kein Wunder, wenn auf beiden Seiten gelegentlich Frustration und Spannungen entstehen können, die die Beziehung belasten.

    Wenn ein Familienmitglied, die Lebenspartnerin oder der Lebenspartner die Betreuung und Pflege übernimmt, verändert sich auch das Leben der betreuenden Person: Sie übernimmt mehr Aufgaben als bisher, auch neue und ungewohnte. Am Anfang sind es vielleicht nur kleinere Hilfeleistungen. Später, wenn die Atembeschwerden zunehmen, kann die Pflege jedoch immer mehr in den Mittelpunkt des Lebens rücken.

    Diese Veränderungen wirken sich auch auf die Paarbeziehung aus. Partnerinnen oder Partner fühlen sich zeitweise mehr als Betreuende. Aufgrund der eingeschränkten körperlichen Belastbarkeit des Erkrankten verändert sich meist auch die sexuelle Beziehung. Manche Paare finden jedoch neue Wege der körperlichen Liebe. Zudem kann die chronische Erkrankung eines Partners die Beziehung zueinander auch vertiefen und verfestigen.

    Bei intensiver Pflege ist fachliche Hilfe nötig

    Die Betreuung eines Menschen mit schwerer COPD kann zeitintensiv und körperlich wie emotional anstrengend sein. Manche Angehörige fühlen sich dadurch sehr belastet oder ihrerseits nicht ausreichend unterstützt. Deshalb ist es wichtig, zum Beispiel Pflege- und Betreuungsangebote durch Fachkräfte zu nutzen und sich selbst regelmäßig Erholungsphasen zu gönnen.

    Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Entlastung, wie zum Beispiel die Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege, die für bis zu sechs beziehungsweise acht Wochen im Jahr in Anspruch genommen werden kann. Mehr Informationen zu Pflegeleistungen finden sich auf der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit.

    Zudem gibt es verschiedene Selbsthilfe- und Angehörigengruppen sowie Beratungsstellen. Der Austausch mit anderen Betroffenen ist für viele Menschen eine wichtige Hilfe. Sie erfahren dort oft viel Verständnis und Unterstützung – mehr, als von Menschen in einer ganz anderen Lebenssituation erwartet werden kann.

    Ambulante Palliativversorgung und ambulante Hospizdienste

    Wenn man seine letzte Lebensphase zu Hause verbringen möchte, können ambulante Dienste die medizinische Begleitung übernehmen. Es ist aber wichtig, vorher mit den Angehörigen zu klären, ob dies für sie möglich und für alle Beteiligten vorstellbar ist. Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) bietet eine besonders intensive Form der medizinischen Palliativversorgung und -pflege. Ihr Ziel ist, die Lebensqualität und Selbstbestimmung von Menschen am Lebensende zu erhalten und zu fördern und es zu ermöglichen, den letzten Lebensabschnitt zu Hause zu verbringen. Dies entspricht dem Wunsch vieler Menschen. Sogenannte Palliative-Care-Teams bestehen aus ärztlichen, psychologischen und pflegerischen Fachkräften. Die SAPV ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung und muss von einer Ärztin oder einem Arzt verordnet werden. Sie kann für die Betreuung zu Hause und auch im Hospiz beansprucht und oft schon im Krankenhaus vermittelt werden.

    Betreuung in der Klinik oder im Hospiz

    Nicht immer ist eine Versorgung und Pflege zu Hause möglich, und nicht jeder Mensch möchte von seinen Angehörigen gepflegt werden. Mancher zieht es vor, die körperliche Pflege professionellen Kräften zu überlassen, und fühlt sich in einer Einrichtung mit Rund-um-die-Uhr-Betreuung besser aufgehoben. Auch für Angehörige kann das eine große Entlastung sein. Durch diese Entlastung kann wiederum mehr Raum für intensive Begegnungen und Gespräche in der letzten Lebensphase entstehen.

    Eine stationäre Betreuung ist in der Klinik (Palliativstation), in einem Hospiz oder Pflegeheim möglich. Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte, der Kliniksozialdienst und auch die Krankenversicherung sowie die Pflegeversicherung helfen bei der Auswahl einer geeigneten Einrichtung und bei der Klärung der Kostenübernahme.

    Palliativstationen sind Spezialabteilungen von Kliniken, in der unheilbar Erkrankte mit starken Beschwerden über einige Tage bis Wochen intensiv betreut werden. Die Therapie soll die Symptome der Erkrankung begrenzen und Beschwerden lindern – meist mit dem Ziel der Entlassung nach Hause oder in ein Hospiz. Im Gegensatz zu Intensivstationen stehen auf Palliativstationen nicht medizinische Technik, sondern Pflege und Zuwendung im Mittelpunkt.

    Ein Hospiz ist keine Klinik, sondern eine Einrichtung, in der Menschen in ihrer letzten Lebensphase von einem Team aus unter anderem ärztlichen, psychologischen und Pflege-Fachkräften versorgt und begleitet werden. In der Regel arbeiten Hospize mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten zusammen.

    Auch in Hospizen kommt nur sehr wenig Technik zum Einsatz und keine Maßnahmen, die das Leben um jeden Preis verlängern. Die Therapie konzentriert sich auf eine ausreichende Behandlung von Luftnot und anderen Beschwerden. Es wird viel Wert auf Zuwendung und Anteil nehmende Begleitung gelegt. Da Hospize oft eine Warteliste haben, ist es sinnvoll, sich frühzeitig anzumelden.

    Weitere Informationen und Adressen finden sich auf der Internetseite des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes.

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    COPD - Erfahrungsbericht - Helmut

    „Bei COPD ist die Belastung immer durchgängig. Wir haben bei bestimmten Tätigkeiten oder Belastungen immer Probleme, genug Luft zu bekommen und das Tag für Tag. Nur wenn wir sitzen, dann könnten wir Bäume ausreißen.“

    Helmut, 63 Jahre

    „Bei COPD ist die Belastung immer durchgängig. Wir haben bei bestimmten Tätigkeiten oder Belastungen immer Probleme, genug Luft zu bekommen und das Tag für Tag. Nur wenn wir sitzen, dann könnten wir Bäume ausreißen.“

    Die Erkrankung zeigte sich schon vor ungefähr zehn Jahren. Aber ich wollte das irgendwie nicht wahrhaben. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass meine Leistungsfähigkeit langsam abnahm. Ich habe öfters gehustet und es damit abgetan, dass ich wahrscheinlich eine Erkältung bekomme. Nicht nur meine Ausdauer ließ erheblich nach, sondern auch das Treppensteigen wurde schwieriger und ich konnte auch weniger Gewicht tragen. Ich konnte mich generell weniger belasten und hatte sehr schnell Probleme, ausreichend Luft zu bekommen.

    Mir ging es aber noch relativ gut. Ich hatte zwar hin und wieder Infekte und wurde krank, aber das habe ich immer wieder in den Griff bekommen. Anfang 2003 hatte ich dann einen schweren Infekt und musste ins Krankenhaus. Dort haben mir die Ärzte gesagt, dass ich ein Lungenemphysem habe.

    Nach dem Krankenhausaufenthalt bin ich in eine Rehaklinik gefahren. Ich hatte mir das Ziel gesetzt, mit dem Rauchen aufzuhören und gesund wieder nach Hause zu fahren. Ich hatte es in der Klinik auch geschafft, mit dem Rauchen aufzuhören und konnte wieder kurze Strecken gehen. Dann bekam ich jedoch eine schwere Lungenentzündung und musste von der Rehaklinik in eine Akutklinik verlegt werden. Dort wurde mir vom Chefarzt gesagt, dass ich COPD habe. Aber was dies bedeutet, dass habe ich nicht erfahren.

    Als ich dann wieder zu Hause war, hat mir mein Hausarzt ein stationäres Sauerstoffgerät verschrieben. Das war ein Konzentrator, den ich in die Wohnung gestellt habe. Dieser Konzentrator saugt Luft an und reichert den Sauerstoff an. Das brauchte ich dann vor allem nachts. In dieser Zeit ging es mir wieder relativ gut. Und ich habe wieder mit dem Rauchen angefangen.

    Ich habe die restlichen Zigaretten aus dem Zugfenster geworfen

    Dann bekam ich aber erneut eine schwere Infektion und musste ins Krankenhaus. Auf dem anschließenden Weg in eine Reha-Klinik ging es mir sehr schlecht. Da bin ich wütend geworden und habe beschlossen, endgültig mit dem Rauchen aufzuhören. Ich habe das Feuerzeug und die restlichen Zigaretten aus dem Zugfenster geworfen und von da ab habe ich auch nie wieder geraucht.

    In der Kurklinik ging es mir dann weiter sehr schlecht und ich musste erneut in eine Akutklinik verlegt werden. Dort haben sie mich langsam aufgepäppelt. Ich habe Kortison bekommen und dann ging es mir wieder gut. Seit diesem Krankenhausaufenthalt benötige ich jedoch ständig zusätzlichen Sauerstoff.

    Wieder zu Hause hatte ich dann aber Probleme, mich mit den Geräten zurechtzufinden und überhaupt damit zurecht zu kommen, dass ich zusätzlichen Sauerstoff brauche. In der Klinik hatte alles sehr gut geklappt. Ich wurde von den Ärzten und Schwestern versorgt und ich bekam mein Essen. Zu Hause fiel ich in ein tiefes Loch und wusste nichts mit mir anzufangen. Ich habe gedacht, dass ich nichts mehr kann. Mit den ganzen Geräten habe ich mich nicht auf die Straße getraut, weil ich mich geschämt habe. Wenn ich nach Hause gekommen bin und habe da vorne irgendwo eine Nachbarin am Zaun stehen gesehen – da habe ich mich hinter einem Baum versteckt und die Nasenbrille abgemacht und bin dann ohne Nasenbrille vorbeigegangen. Das ist mit der Zeit aber immer besser geworden. Diese Probleme habe ich heute nicht mehr.

    Gespräche mit Leidensgenossen waren mir wichtig

    Nach einer gewissen Zeit bin ich aufgrund von Atemproblemen an einem Wochenende wieder in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Heute weiß ich, dass ich wahrscheinlich keinen Infekt hatte, sondern dass die Atemnot seelisch bedingt war. Dort haben es die Ärzte geschafft, mir in drei Wochen wieder Lebensmut zu geben.

    Ich habe dort an einer Asthma- und COPD-Schulung teilgenommen. Dabei habe ich Menschen kennengelernt, denen es ähnlich ging wie mir. In dieser Schulung habe ich erst gelernt, was COPD eigentlich bedeutet, was es für Behandlungen gibt, welche Medikamente helfen und wie es mit der Sauerstoffversorgung ist. Dieser Kurs hat mich angeregt, mir wieder Ziele in meinem Leben zu stecken. Ich bin dann mit dem Ziel nach Hause gegangen, in der Selbsthilfe aktiv zu werden und anzufangen, Sport zu treiben. Jetzt gibt es eine Selbsthilfegruppe und eine Sportgruppe an meinem Wohnort und mir macht das Leben wieder Spaß.

    Nach der Schulung habe ich mich dann um Informationen bemüht und viel gelesen, viel mit meinem Lungenfacharzt und meinem Hausarzt gesprochen. Aber auch die Gespräche mit Leidensgenossen in der Selbsthilfegruppe waren wichtig. Das hat mir geholfen, meine Krankheit anzunehmen.

    Ich gehe zweimal in der Woche zum Lungensport

    Asthma und COPD wird ja oft ein wenig durcheinander geworfen. Bei COPD ist die Belastung immer durchgängig. Wir haben bei bestimmten Tätigkeiten oder Belastungen immer Probleme, genug Luft zu bekommen und das Tag für Tag. Nur wenn wir sitzen, dann könnten wir Bäume ausreißen. Es gibt Einschränkungen, mit denen wir leben müssen. Zum Beispiel bei Veranstaltungen mit vielen Menschen, wo vielleicht geraucht wird. Aber die stärkste Einschränkung für mich ist, dass ich nicht mehr so mobil bin. Ich habe kein Auto, mache alles mit Bussen und der Bahn oder eben so weit wie es geht zu Fuß. Aber es ist auch gut, denn ich muss somit laufen und Treppensteigen – ich wohne im dritten Stock.

    Ich gehe zweimal in der Woche zum Lungensport für eineinhalb Stunden. Da trainiere ich an den Geräten, auf dem Fahrrad und dem Laufband. Der Schwerpunkt liegt auf dem Ausdauer- und dem Muskeltraining. Wir machen mit dem Trainer auch Atemgymnastik und Atemtherapie. Nach dem Training spüre ich dann, dass es mir besser geht. Ziel ist es nicht unbedingt, neue Muskeln zu bilden, sondern vorhandene Muskeln zu erhalten. Die Gefahr besteht ja darin, dass man keine Probleme hat, wenn man in Ruhe ist. Aber sobald man sich belastet, hat man diese Atemnot. Dann besteht die Gefahr, dass man sich ruhig verhält und dadurch die Muskulatur vernachlässigt. Und nach dem Training sitzen wir noch zusammen und erzählen. Das ist unwahrscheinlich wichtig.

    Atemtechniken helfen mir, zur Ruhe zu kommen

    Ich nehme täglich meine Medikamente. Das ist ja auch von Patient zu Patient unterschiedlich. Ich nehme morgens und abends zwei Sprays und am Morgen noch zusätzlich ein Pulver zum Inhalieren. Eine Zeitlang habe ich Kortison genommen. Mein Arzt hat dann aber aufgrund meines Gesundheitszustandes entschieden, es abzusetzen. Die einzigen Nebenwirkungen, die ich durch das Kortison habe, sind Flecken auf der Haut. Aber die kann ich ja abdecken, das ist nicht so schlimm für mich.

    Wir haben ein Notfallpaket mit Medikamenten geschnürt, sodass ich sofort reagieren kann, wenn etwas passiert. Wenn sich ein Infekt ankündigt, dann kann ich schon mal mit Medikamenten beginnen, um es nicht ganz so schlimm werden zu lassen. Ich weiß dann, was ich nehmen soll. Ich habe auch verschiedene Atemtechniken gelernt. Das hilft mir, wenn ich nervös bin und Atemprobleme habe. Damit komme ich zur Ruhe. Wir haben das so abgesprochen: Wenn es mit der Luft eng wird, die Notfallmedikamente nehmen, wie es mit dem Lungenfacharzt abgesprochen ist. Eine gewisse Zeit abwarten und versuchen, nicht in Panik zu geraten, das wäre das Schlimmste. Wenn die Medikamente nicht helfen, dann muss der Notarzt gerufen werden.

    Ich messe auch die Peak-Flow-Werte regelmäßig und schreibe sie auf. Mittlerweile mache ich das elektronisch. Ich kann mir dann die Werte am Ende des Monats ausdrucken oder mir alle im Verlauf des Jahres ansehen. Das ist ganz praktisch.

    Ich habe früher drei bis vier Packungen Zigaretten am Tag geraucht. Also im Schnitt so 60 Zigaretten. Ich habe öfters versucht, aufzuhören - ohne Erfolg. Ich weiß, wie schwer das ist. Als ich dann wirklich aufgehört habe, habe ich ein Gelübde abgelegt, dass ich keine Zigarette mehr anfassen werde. Heute habe ich damit keine Probleme mehr. Seitdem ich aufgehört habe zu rauchen, habe ich weniger Probleme mit dem Husten. Ich muss nur noch selten husten und habe auch weniger mit Schleim zu tun.

    Mittlerweile lasse ich es langsamer angehen

    Ich habe bei mir festgestellt, dass ich schneller Atemnot bekomme, wenn ich mich ärgere, wenn ich aufgeregt bin und wenn ich mich selber unter Stress oder Zeitdruck setze. Ich nehme mir jetzt nur noch wenige Vorhaben pro Tag vor. Wenn das geschafft ist, kann ich immer noch entscheiden, ob ich noch etwas mache. Andere Dinge müssen dann an anderen Tagen erledigt werden bzw. bleiben liegen. Man lernt dies aber mit der Zeit und irgendwann sind die Dinge auch automatisiert.

    Man lernt auch so einige Tricks mit der Zeit. Wenn ich rausgehe, nehme ich mir oft einen Stockschirm mit, auch wenn das Wetter schön ist. Der hilft mir beim Gehen oder wenn ich eine Pause machen muss, sodass ich die Arm- und die Beinmuskulatur dadurch ein wenig entlasten kann. Dieser Schirm kann auch eine seelische Stütze sein, dass ich weiß, wenn es mir nicht so gut geht, dann habe ich ihn zur Sicherheit dabei.

    Mir geht es in der letzten Zeit relativ gut. Ich bin sehr gut eingestellt. Ich nehme die Medikamente, so wie es mit dem Arzt abgesprochen ist. Dadurch hat sich die Erkrankung nicht so sehr verschlimmert. In den letzten beiden Jahren brauchte ich nicht ins Krankenhaus, das war nicht erforderlich.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    COPD - Erfahrungsbericht - Katharina

    „Zu diesem Zeitpunkt konnte ich es nicht erfassen. Ich habe gedacht, wenn ich aufhöre zu rauchen und gut trainiere, dann geht es wieder weg.“

    Katharina, 65 Jahre

    „Zu diesem Zeitpunkt konnte ich es nicht erfassen. Ich habe gedacht, wenn ich aufhöre zu rauchen und gut trainiere, dann geht es wieder weg.“

    Vor mehr als 15 Jahren hat mich ein Arzt das erste Mal auf ein Lungenemphysem aufmerksam gemacht. Ich wusste damals gar nichts damit anzufangen. Er meinte nur, dass ich damit uralt werden könnte und ob ich rauche oder nicht, würde keine Rolle spielen. Das habe ich damals sehr gerne gehört und habe mich nicht mehr darum gekümmert. Ich war immer sportlich sehr aktiv und hatte bis dahin keine gesundheitlichen Beschwerden. Die Entwicklung dieser Krankheit ging ganz langsam und schrittweise. Ich habe das gar nicht so richtig bemerkt.

    Bis zum Jahr 1999. Ich bin morgens bei feuchtem und kaltem Wetter Fahrrad gefahren und musste zwischendurch absteigen, weil ich keine Luft mehr bekam. Zuerst habe ich gedacht, dass ich erkältet bin. Das ging aber nicht weg, sondern wurde immer schlimmer. Dann kam ich nach dem Radfahren die Treppen nicht mehr hoch. Wenn ich es dann geschafft hatte, war ich völlig ausgepumpt und vollkommen fertig. Dann bin ich zum Arzt gegangen. Er hat die Lungenfunktion gemessen und gemeint, dass das wohl Asthma sein wird und mich zu einer Kur geschickt. Die Ärzte haben dort jedoch ein Lungenemphysem und COPD bei mir festgestellt. Sie haben mich darüber aufgeklärt, was ein Lungenemphysem und eine COPD sind und mir deutlich gesagt, dass das nicht mehr rückgängig zu machen ist und immer weiter fortschreitet.

    Was COPD bedeutet, war mir lange nicht klar

    Zu diesem Zeitpunkt konnte ich es nicht erfassen. Ich habe gedacht, wenn ich aufhöre zu rauchen und gut trainiere, dann geht es wieder weg. Ich konnte es nicht verstehen. Ich bekam dort Medikamente, auch inhalatives Kortison. Damit habe ich mich wieder besser gefühlt.

    So richtig aufgeklärt wurde ich aber erst bei einer Selbsthilfegruppe im Internet. Da ist mir erst bewusst geworden, was ich eigentlich habe.

    Mein persönliches Leben hat sich durch die COPD sehr verändert. Jetzt bin ich sauerstoffabhängig. Für immer, wie man so sagt. Ich hänge mit meiner Krankheit an der Leine und daran wird sich nichts mehr ändern. Mein Sauerstoffmann kommt einmal in der Woche zum Auffüllen des Sauerstoffvorrates. Mit dem tragbaren Sauerstoffgerät kann ich mich vier Stunden außerhalb des Hauses bewegen. Dann muss ich es wieder auffüllen. Ich habe ein größeres Gerät in der Wohnung. Für diesen Sommer habe ich einen Tank für mein Auto gemietet. Damit kann ich dann ein wenig länger unterwegs sein.

    Sauerstoff brauche ich vor allem bei Belastungen

    Gestern war ja so schönes Wetter. Da bin ich raus und lange in der Stadt gewesen, bis der Tank leer war. Als der Tank dann leer war, habe ich doch ein wenig Angst bekommen. Sauerstoff brauche ich vor allem bei Belastungen, und Gehen ist die größte Belastung für mich. Radfahren kann unter Umständen für mich sogar weniger belastend sein.

    Mit dem Pulsoximeter kann ich die Sauerstoffsättigung im Blut messen. Wenn sie zu niedrig ist, dann merke ich das. Ich habe keine Kraft und fange an, nach Luft zu japsen und zu keuchen. Ich merke dann auch, dass ich nicht mehr so gut denken kann und auch die Schließmuskeln funktionieren nicht mehr so gut. Ich hab dann das Gefühl, dass ich meine Körperfunktionen nicht mehr richtig beherrsche.

    Andere merken das vielleicht sogar eher als man selber. Dass ich beispielsweise immer hustete, das habe ich selber gar nicht so wahrgenommen. Anderen ist das aufgefallen und ich wurde darauf angesprochen. Es dauerte bei mir sehr lange, bis ich die Einsicht hatte. Man kann das gut verdrängen. Es gibt viele andere Erklärungen für sich: Man ist müde, man ist abgeschlagen, man hat Raucherhusten. Deshalb wird ja oft nicht erkannt, wie viele diese Erkrankung haben. Bei mir war es ja auch so, dass ich körperlich sehr fit war, fitter als viele andere. Ich habe immer gedacht, dass ich ja alles kann und auch noch fitter als die anderen bin. Ich habe es einfach verdrängt.

    Eigentlich dreht sich sehr viel um die Erkrankung. Das ganze Leben dreht sich darum. Ich habe jetzt eine Putzfrau. Sie kommt alle 14 Tage. Ich kann so schwere Dinge wie Teppichsaugen nicht mehr. Das ist mir zu anstrengend. Ich lasse mir da helfen und muss mich aber erst daran gewöhnen. Ich muss mich auch dran gewöhnen, dass man mir ansieht, dass ich nicht mehr gesund bin, zum Beispiel wenn mir die Verkäuferin im Supermarkt die Tasche einräumen möchte. Aber ich gehe trotzdem raus und sperre mich nicht ein. Also ich schaffe noch sehr viel, weil ich mich bemühe in Bewegung zu bleiben. Ich hoffe, dass ich das noch sehr lange kann.

    Ohne Medikamente könnte ich gar nicht leben. Am Morgen nehme ich ein Medikament zur Erweiterung der Bronchien. Das inhaliere ich. Dann nehme ich noch etwas zum Schleimlösen. Ich nehme täglich zweimal inhalatives Kortison.

    Ich kann mich sehr gut beruhigen 

    Diese Erkrankung kann psychisch sehr belastend sein. Das bekomme ich bei anderen mit.

    Einige fallen dann in eine Art Keller und kommen da nicht mehr heraus. Ich versuche, dass mir das nicht passiert. Ich habe viel Humor, das hilft und man muss die Eitelkeit abbauen, besonders als Frau. Jetzt wird man nicht nur alt, sondern hat auch noch das Sauerstoffgerät mit den Schläuchen. Ich kann mich nicht mehr so bewegen, wie ich das gerne möchte. Ich kenne diese Zustände, wenn man auf die Straße geht und nicht mehr weiterkann, weil man keine Luft mehr bekommt. Da graust es einem vor jedem längeren Weg in der Kälte. Das ist ganz klar, dass das einen traurig stimmt. Diese Zeiten kenne ich auch. Aber ich bin immer noch neugierig auf das, was außerhalb meiner Wohnung passiert.

    Von der psychischen Seite bin ich in manchen Bereichen ganz gut gepolstert. Wenn es mir in einer Situation nicht so gut geht, dann findet bei mir mental sehr viel statt. Wenn ich merke, dass ich Panik bekomme, halte ich inne, sammle mich und dann kann ich einen Atemnotanfall verhindern. Ich muss immer erst zur Ruhe kommen, versuchen ruhig zu atmen. Ich stehe dann lieber, als dass ich sitze. Ich kann mich selber sehr gut beruhigen. Ich brauche dazu immer ein wenig Zeit, aber das klappt sehr gut.

    Aber solche Atemnotanfälle kenne ich trotzdem. Beispielsweise hatte ich einmal nachts im Bett das Gefühl, dass ich den Notarzt rufen muss. Ich bekam keine Luft und konnte nicht mehr liegen, ich habe da gesessen und mein Herz raste. Atemnot ist schon was Grauenhaftes.

    Bei mir trat die Atemnot besonders oft auf, wenn ich mich aufgeregt habe, besonders als ich noch gearbeitet habe. Dann blieb mir einfach die Luft weg. Manchmal regen mich auch Sachen auf, von denen wusste ich vorher gar nicht, dass ich mich darüber aufrege. Irgendetwas läuft nicht so, wie es laufen sollte und dann verdrängt man dieses negative Gefühl und dann macht sich das mit Atemnot Platz.

    Atmen ist für mich Schwerarbeit

    Ich habe viele Jahre geraucht. Aber ich war immer fitter als die anderen, die nicht geraucht haben. Ich habe mir gedacht, dass es nicht gut ist, aber schaden wird es mir bestimmt auch nicht. Als ich immer schlechter Luft bekam, habe ich mit dem Rauchen aufgehört. Und dann brauchte ich künstlichen Sauerstoff. Ich rauche jetzt ungefähr ein halbes Jahr nicht mehr. Es ist furchtbar schwer aufzuhören, ich komme immer noch hin und wieder in Verführungssituationen. Wenn ich Verlangen nach einer Zigarette habe, dann versuche ich, etwas zu essen, aber ich habe oft keinen Appetit. Manchmal mache ich auch ein wenig Gymnastik und bewege mich. Das hilft dann erstmal, die Situation zu überstehen. Es ist sehr schwierig für mich. Irgendwie wird es immer ein Problem für mich bleiben.

    Ich nehme sehr schnell ab. Wenn ich zwei Tage nicht richtig esse, dann sind gleich zwei Kilo weg. Das Atmen ist für mich Schwerarbeit – und das am Tag und in der Nacht. Ich kann nicht so viel essen, weil das auf die Lunge drückt. Wenn ich so richtig viel essen würde, dann wäre mir sehr schnell schlecht. Ich habe oft gar keinen Hunger und keine Lust zu essen. Deshalb gehe ich jeden Tag einkaufen, dabei hole ich mir Appetit. Dann sehe ich verschiedene Sachen und denke, dass ich das jetzt essen könnte. Ich koche auch sehr gerne. Aber ich koche nicht gern für mich allein. Deshalb lade ich mir Leute ein. Dann lohnt es sich zu kochen.

    Meine Freunde sind sehr anteilnehmend und rücksichtsvoll

    Meiner Tochter erzähle ich eigentlich nicht, wie schlecht es mir manchmal geht. Ich möchte sie nicht noch mehr belasten. Meine Freunde sind sehr anteilnehmend und rücksichtsvoll. Und in meinem Haus, zu den Leuten habe ich auch guten Kontakt. Dadurch fühle ich mich nicht einsam oder verlassen. Obwohl die Krankheit einen von vielem ausschließt.

    Manchen Freunden fällt es schwer die Krankheit zu verstehen. Sie möchten mir gern alles abnehmen. Aber ich muss rausgehen und mich belasten. Die Dinge, die ich noch kann, muss ich pflegen. Das Einzige, was ich wirklich tun muss, ist mich zu bewegen. Es gehört aber auch eine großes Maß an Disziplin dazu, die Dinge, die ich alleine schaffe, dann auch allein zu machen. Ich mache jeden Tag Gymnastik. Ich bewege den Körper einmal durch. Ich möchte mir auch noch Hanteln kaufen, damit ich ein wenig stärker werde. Jetzt freue ich mich auf den Sommer. Mich wieder mehr zu bewegen! Neulich bin ich wieder mit dem Fahrrad gefahren. Es ist mir schwer gefallen, aber es geht.

    Bei mir hat sich eine Art Fatalismus eingestellt: Ich bin jetzt 65 und habe ein körperlich sehr aktives Leben führen dürfen. Und irgendwann muss jeder sterben. Ich habe Kontakt zu Menschen, die auch diese Erkrankung haben, und sehe, wie das weitergeht, und bin darauf auch ein bisschen vorbereitet. Es ist nichts Angenehmes, was da auf mich zukommt.

    Ich erlebe oft, wenn ich etwas über diese Krankheit erzähle, dass Leute erschrecken. Dass es denen unheimlich ist, weil es sie an ihre eigene Sterblichkeit erinnert.

    Mit dem Thema Tod musste ich mich aufgrund meiner Lebensgeschichte öfter auseinandersetzen. Ich sehe das Leben jetzt anders. Ich habe  viel Schmerzhaftes, aber auch viel Wunderbares erlebt. Irgendwann ist es dann genug. Mit dieser Einstellung ist für mich vieles angenehmer und leichter. Ich habe mich schon um einen Beerdigungsplatz gekümmert. Eine Frau aus meinem Haus sagte zu mir, als sie den Prospekt bei mir liegen sah: „Damit dürfen Sie sich überhaupt nicht beschäftigen, da dürfen Sie überhaupt nicht daran denken!“ Aber genau daran muss ich denken. Es betrifft ja mich. Ich denke, dass ich das für mich regeln muss. Ich habe auch schon ein Patiententestament aufgesetzt, und meine Beerdigung geregelt. Wenn man sich bewusst damit beschäftigt, verliert es seinen Schrecken. Ich finde es auch das abenteuerlichste Ereignis außer der Geburt (lacht).

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.