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Magenschleimhautentzündung (Gastritis)

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    Magenschleimhautentzündungen sind weit verbreitet. Eine akute Gastritis macht sich durch Magenschmerzen, Völlegefühl, Sodbrennen und Übelkeit bemerkbar. Verursacht wird sie meist durch bestimmte Bakterien oder die Einnahme von entzündungshemmenden Schmerzmitteln. Die Beschwerden klingen oft nach ein paar Tagen von selbst wieder ab.

    Einleitung

    Die Magenschleimhaut schützt die Magenwand vor Säure und Krankheitserregern. Wenn die schützende Schleimhautschicht gereizt oder geschädigt wird, kann sie sich entzünden. Dauert die Entzündung längere Zeit an, kann es zu Verletzungen der Magenwand und einem Magengeschwür kommen.

    Meistens wird eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) durch bestimmte Bakterien oder die regelmäßige Einnahme von entzündungshemmenden Schmerzmitteln verursacht.

    Es gibt zwei Formen von Gastritis: die akute und die chronische. Eine akute Gastritis löst meist deutlich spürbare Magen-Darm-Beschwerden aus, die aber in der Regel nach ein paar Tagen von selbst wieder abklingen. Eine chronische Gastritis kann auch unbemerkt bleiben. Manchmal wird sie erst entdeckt, wenn es zu Magengeschwüren kommt, die Beschwerden verursachen.

    Symptome

    Eine akute Gastritis kann zu folgenden Beschwerden führen:

    • Magenschmerzen
    • Völlegefühl
    • Sodbrennen
    • Übelkeit, manchmal mit Erbrechen
    • Aufstoßen
    • Appetitlosigkeit
    • aufgeblähter Bauch

    Einige dieser Symptome können auch bei anderen Erkrankungen auftreten, etwa bei der Refluxkrankheit, einem Reizmagen, Reizdarmsyndrom oder einer Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis).

    Bei einer chronischen Gastritis sind oft nur leichte oder gar keine Beschwerden spürbar. Es kann aber auch zu den gleichen Symptomen wie bei der akuten Magenschleimhautentzündung kommen.

    Ursachen

    Die häufigsten Ursachen einer Magenschleimhautentzündung sind eine Infektion mit Helicobacter-pylori-Bakterien oder die Einnahme von entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAR).

    Helicobacter-pylori-Bakterien

    Durch Helicobacter-Bakterien wird die Magensäureproduktion gestört. Dadurch kommt es zu einer Übersäuerung, die die Magenschleimhaut und Magenwand schädigen kann. Eine Infektion führt allerdings nur selten zu einer Entzündung: Auch wenn in Deutschland nach Schätzungen 40 von 100 Menschen das Helicobacter-Bakterium in sich tragen, haben nur etwa 4 bis 8 eine Gastritis oder ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür.

    Das Bakterium verbreitet sich beispielsweise über Speichel, Erbrochenes, Stuhl, Trinkwasser oder Nahrungsmittel. Vermutlich steckt man sich meistens bereits in der Kindheit über engen Kontakt in der Familie an.

    Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR)

    Zu den NSAR gehören zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Wenn diese Schmerzmittel nur kurz eingenommen werden, um akute Schmerzen zu behandeln, sind Nebenwirkungen eher selten. Bei längerer Einnahme über Wochen oder Monate können sie aber die Schutzfunktion der Magenschleimhaut stören, denn sie blockieren die Bildung des Gewebehormons Prostaglandin. Prostaglandine fördern unter anderem die Bildung von Magenschleim und von Stoffen, die die Magensäure neutralisieren. Bei einem Prostaglandin-Mangel ist die Magenwand nicht mehr ausreichend vor Magensäure geschützt.

    Wird ein Schmerzmittel mit Kortison kombiniert, kann dies die magenschädigende Wirkung verstärken.

    Weitere Ursachen

    Auch Rauchen, anhaltender Stress und die Ernährung (zum Beispiel stark fett- und zuckerhaltige oder scharfe Speisen) können zu Magenbeschwerden führen. Übermäßiger Alkoholkonsum kann ebenfalls eine akute Gastritis auslösen.

    Eine seltenere Ursache einer Gastritis ist der sogenannte Galle-Reflux. Dabei fließt Gallenflüssigkeit aus dem Dünndarm in den Magen zurück und schädigt die Magenschleimhaut.

    Häufigkeit

    Magenschleimhautentzündungen sind in Deutschland häufig. Schätzungen zufolge bekommen 20 von 100 Personen im Laufe ihres Lebens eine akute Gastritis. Die meisten Frauen erkranken im Alter zwischen 45 und 64, die Männer meist nach dem 65. Lebensjahr. Insgesamt steigt das Risiko mit dem Alter an.

    Folgen

    Wenn die Magen- oder Darmschleimhaut die Organwände nicht mehr ausreichend schützt, kann es zu Entzündungen und Verletzungen kommen. In der Folge kann sich im Magen oder im Zwölffingerdarm ein Geschwür (Ulkus) bilden. Ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür kann zu ernsthaften Komplikationen wie Blutungen führen.

    Wenn eine Gastritis chronisch wird und die Schleimhaut dauerhaft entzündet ist, kann sich auch eine Blutarmut entwickeln. Sehr selten entsteht ein bösartiger Tumor.

    Diagnose

    Um die Beschwerden abzuklären, tastet die Ärztin oder der Arzt zuerst die Magenregion und den Oberbauch ab. Je nach Beschwerden kann eine Magenspiegelung zur weiteren Abklärung sinnvoll sein. Die fünf- bis zehnminütige Untersuchung wird mit einem sogenannten Gastroskop durchgeführt. Es wird durch Mund und Speiseröhre in den Magen eingeführt. Mit dem Instrument kann die Ärztin oder der Arzt die Speiseröhre, den Magen und den Zwölffingerdarm betrachten. Zum einen können dabei Veränderungen wie Entzündungen oder Blutungen an der Magenschleimhaut erkannt werden. Zum anderen kann eine Gewebeprobe aus der Schleimhaut entnommen werden, die anschließend zum Beispiel auf Helicobacter oder Zellveränderungen wie bei einer Krebserkrankung untersucht wird. 

    Manchmal wird ein spezieller Atemtest zur Bestätigung der Helicobacter-Infektion eingesetzt. Der Erreger lässt sich auch durch eine Blut- oder Stuhluntersuchung nachweisen.

    Behandlung

    Wer bemerkt, dass eine bestimmte Ernährung, Stress, Alkohol oder Nikotin Magenbeschwerden verstärken, kann versuchen, die Ernährung anzupassen, auf Alkohol zu verzichten, das Rauchen aufzugeben und / oder für mehr Entspannung im Alltag zu sorgen. Wenn eine Anpassung des Lebensstils nicht ausreicht, um die Symptome zu lindern, kommt eine medikamentöse Behandlung infrage.

    Eine Gastritis wird in der Regel mit säurehemmenden Medikamenten behandelt. Je nach Ausprägung der Beschwerden können folgende Wirkstoffe eingesetzt werden:

    • Protonenpumpenhemmer (PPI) wie Omeprazol oder Pantoprazol hemmen die Bildung von Magensäure.
    • H2-Rezeptor-Antagonisten wie Ranitidin oder Famotidin hemmen ebenfalls die Bildung von Magensäure.
    • Antazida wie Aluminium- oder Magnesiumhydroxid neutralisieren die vorhandene Magensäure.

    Wenn die Gastritis durch eine Helicobacter-Infektion hervorgerufen wurde, werden Protonenpumpenhemmer mit zwei oder drei Antibiotika kombiniert.

    Sind Schmerzmittel der Auslöser für die Gastritis, ist es ratsam, in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt auf andere Medikamente auszuweichen oder das Schmerzmittel mit einem säurehemmenden Medikament zu kombinieren. Bei regelmäßiger Einnahme von NSAR gibt es die Möglichkeit, schon vorbeugend gleichzeitig ein säurehemmendes Medikament einzunehmen.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Quellen

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    Fischbach W, Malfertheiner P, Lynen Jansen P, Bolten W, Bornschein J, Buderus S et al. S2k-Leitlinie Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit. AWMF-Registernr.: 021-001. Z Gastroenterol 2016; 54: 327-363.

    Hawkey CJ, Langman MJ. Non-steroidal anti-inflammatory drugs: overall risks and management. Complementary roles for COX-2 inhibitors and proton pump inhibitors. Gut 2003; 52(4): 600-608.

    Levenstein S, Rosenstock S, Jacobsen RK, Jorgensen T. Psychological stress increases risk for peptic ulcer, regardless of Helicobacter pylori infection or use of nonsteroidal anti-inflammatory drugs. Clin Gastroenterol Hepatol 2015; 13(3): 498-506.

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    Rostom A, Dube C, Wells GA, Tugwell P, Welch V, Jolicoeur E et al. Prevention of NSAID-induced gastroduodenal ulcers. Cochrane Database Syst Rev 2002; (4): CD002296.

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    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Wie kann man schmerzmittelbedingten Magengeschwüren vorbeugen?

    Schmerzmittel wie Diclofenac oder Ibuprofen können zu Magen-Darm-Geschwüren führen, wenn sie regelmäßig eingenommen werden. Das Risiko dafür lässt sich aber durch die zusätzliche Einnahme magenschützender Medikamente deutlich verringern.

    Viele Menschen mit Arthrose oder Rheuma nehmen regelmäßig Medikamente aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) ein, um Schmerzen oder Entzündungen der Gelenke zu lindern. Zu den häufig eingesetzten NSAR gehören beispielsweise Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen.

    Ein Nachteil dieser Medikamente: Wenn sie über mehrere Wochen oder Monate eingenommen werden, führen sie häufig zu Magen-Darm-Problemen. Mit der Zeit können sich Magengeschwüre bilden, manchmal entstehen auch im Zwölffingerdarm Geschwüre.

    NSAR hemmen die Produktion des Gewebehormons Prostaglandin. Es fördert unter anderem die Bildung von Magenschleim und Stoffen, die die Magensäure neutralisieren. Fehlt Prostaglandin, ist die Magenschleimhaut nicht mehr ausreichend vor der Magensäure geschützt und wird anfälliger. Sie kann sich entzünden, und mit der Zeit können sich Geschwüre bilden.

    Medikamente zur Vorbeugung

    Verschiedene Medikamente können das Risiko verringern, dass ein Magen-Darm-Geschwür entsteht. Dazu gehören insbesondere die sogenannten Protonenpumpenhemmer (PPI) sowie die H2-Rezeptor-Blocker. Diese Mittel hemmen die Produktion von Magensäure. Die in Deutschland am häufigsten eingesetzten PPI sind Omeprazol und Pantoprazol. Als H2-Rezeptor-Blocker wird in der Regel der Wirkstoff Ranitidin angewendet.

    Seltener wird auch das Medikament Misoprostol eingesetzt. Es ist ein hormonähnlicher Wirkstoff, der unter anderem die Produktion von schützendem Magenschleim fördern soll. Misoprostol wird in Deutschland als Kombinationspräparat mit dem Schmerzmittel Diclofenac vertrieben.

    Risikofaktoren für Magen-Darm-Geschwüre

    Nicht alle Menschen, die regelmäßig NSAR nehmen, benötigen zusätzlich ein magenschützendes Medikament. Ob die Einnahme eines solchen Mittels sinnvoll ist, hängt vor allem vom persönlichen Risiko für die Entwicklung eines Magen-Darm-Geschwürs ab. Ein erhöhtes Risiko haben Menschen, die

    • über 65 Jahre alt sind,
    • schon einmal ein Geschwür hatten,
    • mehrere Schmerzmittel gleichzeitig nehmen, etwa auch ASS zur Vorbeugung von Folgeerkrankungen nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall,
    • zusätzlich Kortison einnehmen,
    • zusammen mit einem Schmerzmittel ein Antidepressivum aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) einnehmen.

    Für jüngere Menschen ohne Risikofaktoren ist die Wahrscheinlichkeit gering, ein Geschwür zu bekommen. Daher haben Medikamente zum Schutz vor Magen-Darm-Geschwüren für sie kaum Vorteile.

    Studien zur Vorbeugung von Magen-Darm-Geschwüren

    Um herauszufinden, welche Mittel vor Magen-Darm-Geschwüren schützen, hat eine Wissenschaftlergruppe des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration nach Studien gesucht, in denen eine Behandlung mit NSAR mit PPI, H2-Rezeptor-Blockern oder Misoprostol kombiniert wurde. Die Wissenschaftlergruppe fand 41 solcher Studien mit insgesamt über 21.000 Teilnehmenden.

    An den Studien nahmen überwiegend Männer und Frauen teil, die Arthrose oder eine rheumatische Erkrankung hatten. Alle nahmen über mindestens drei Wochen ein oder mehrere NSAR-Präparate ein und hatten ein relativ hohes Risiko, ein Magen-Darm-Geschwür zu bekommen. In mehreren Studien wurden Protonenpumpenhemmer, H2-Rezeptor-Blocker oder Misoprostol jeweils mit einem Placebo (Scheinmedikament) oder untereinander verglichen. Dabei wurden die Teilnehmenden bis zu einem Jahr beobachtet. Unabhängig davon, ob sie Beschwerden hatten, wurde in fast allen Studien durch eine Magenspiegelung untersucht, ob sich ein Geschwür in ihrem Magen oder Zwölffingerdarm gebildet hatte.

    Protonenpumpenhemmer senken das Risiko für Geschwüre

    Die in den Studien eingesetzten Protonenpumpenhemmer waren Lansoprazol (15 oder 30 mg pro Tag), Omeprazol (20 mg pro Tag) und Pantoprazol (40 mg pro Tag). Die Studien dauerten bis zu sechs Monate. Sie zeigten, dass alle Protonenpumpenhemmer das Risiko für Geschwüre im Magen und Zwölffingerdarm im Vergleich zu einem Placebo deutlich senken konnten:

    • Ohne einen Protonenpumpenhemmer entwickelten 36 von 100 Personen ein Geschwür.
    • Mit einem Protonenpumpenhemmer entwickelten 14 von 100 Personen ein Magen-Darm-Geschwür.

    Mit anderen Worten: Protonenpumpenhemmer konnten 22 von 100 Menschen vor einem NSAR-bedingten Magen-Darm-Geschwür schützen.

    Protonenpumpenhemmer können Kopfschmerzen, Durchfall, Verstopfung und Bauchschmerzen verursachen. In den Studien brachen aber nur wenige Teilnehmende die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen ab.

    Ob Protonenpumpenhemmer allerdings langfristig sicher sind, ist unklar: Bei Menschen über 50 Jahre, die PPI in einer hohen Dosierung oder länger als ein Jahr einnehmen mussten, sind häufiger Brüche der Hüfte, der Wirbelsäule oder des Handgelenks beobachtet worden.

    Es wird zudem vermutet, dass sich bei einer Langzeiteinnahme das Risiko für Darm- und Lungeninfektionen oder Nierenentzündungen erhöhen könnte.

    H2-Rezeptor-Blocker: Wirkung hängt von Dosierung ab

    In den Studien zu H2-Rezeptor-Blockern wurden überwiegend die Wirkstoffe Famotidin und Ranitidin untersucht. Die Studien dauerten bis zu einem Jahr. Beide Mittel konnten Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren vorbeugen, allerdings hing dies stark von der Dosierung ab: War sie niedrig, konnten die Medikamente nur das Risiko für Geschwüre im Zwölffingerdarm verringern. In höherer Dosierung beugten sie sowohl Darm- als auch Magengeschwüren wirksam vor:

    • Ohne einen H2-Rezeptor-Bocker bekamen 36 von 100 Personen ein Geschwür.
    • Mit einem H2-Rezeptor-Blocker entwickelten 15 von 100 Personen ein Geschwür.

    In höherer Dosierung konnten die H2-Rezeptor-Blocker also 21 von 100 Menschen vor Magen-Darm-Geschwüren schützen.

    Die wirksamen Dosierungen lagen in den Studien für Famotidin bei zweimal täglich 40 mg und für Ranitidin bei zweimal täglich 300 mg. Die Medikamente waren auch in der höheren Dosierung gut verträglich. Es können aber Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Durchfall oder Verstopfung auftreten.

    Misoprostol ist wirksam, hat aber häufiger Nebenwirkungen

    Misoprostol wurde ebenfalls in vielen Studien untersucht. Sie belegen, dass auch dieser Wirkstoff vor Magen-Darm-Geschwüren schützen kann. Misoprostol hat allerdings den Nachteil, dass es oft zu Nebenwirkungen führt, vor allem zu Durchfall und Magenkrämpfen. Daher haben in Studien zu Misoprostol auch mehr Menschen die Behandlung abgebrochen als in denen zu Protonenpumpenhemmern. Das in Deutschland erhältliche Kombinationspräparat aus Diclofenac und Misoprostol wurde in Studien kaum untersucht. Die Vor- und Nachteile sind im Vergleich zu anderen Behandlungen daher unklar.

    Sich entscheiden und Alternativen erwägen

    Medikamente aus allen drei Gruppen können das Risiko für Magen-Darm-Geschwüre senken. Protonenpumpenhemmer und H2-Rezeptor-Blocker sind anscheinend recht gut verträglich. Bei H2-Rezeptor-Blockern ist es jedoch wichtig, auf eine ausreichend hohe Dosis zu achten. Die Wirksamkeit von H2-Rezeptor-Blockern kann mit der Zeit nachlassen, weil sich der Körper daran gewöhnt. Bei Protonenpumpenhemmern gibt es dieses Problem offenbar nicht.

    Das Risiko für Magen-Darm-Beschwerden lässt sich verringern, indem Schmerzmittel so gering wie möglich dosiert und auch nur so lange wie nötig eingenommen werden. Eine Alternative zu NSAR kann auch das Schmerzmittel Paracetamol sein. Es erhöht das Risiko für Magengeschwüre nicht und kann die Schmerzen oft ebenso gut lindern. Aber auch Paracetamol hat Nebenwirkungen: Es kann die Leber belasten, wenn es regemäßig oder zu hoch dosiert eingenommen wird.

    Wie hoch das persönliche Risiko für ein Magen-Darm-Geschwür ist und welche Medikamente infrage kommen, um den Magen zu schützen, lässt sich am besten gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt klären.

    Quellen

    Robert Koch-Institut (RKI), Statistisches Bundesamt (Destatis). Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre. Berlin: RKI; 2013. (Gesundheitsberichterstattung des Bundes; Heft 55).

    Rostom A, Dube C, Wells GA, Tugwell P, Welch V, Jolicoeur E et al. Prevention of NSAID-induced gastroduodenal ulcers. Cochrane Database Syst Rev 2002; (4): CD002296.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre

    Geschwüre im Magen und Zwölffingerdarm sind meist die Folge einer Helicobacter-pylori-Infektion. Aber auch die regelmäßige Einnahme entzündungshemmender Schmerzmittel kann solche Geschwüre verursachen. Sie machen sich vor allem durch Schmerzen im Oberbauch bemerkbar. Meist reicht eine medikamentöse Behandlung.

    Wenn die Magenschleimhaut die Wände des Magens nicht mehr ausreichend vor Magensäure und Keimen schützt, kann es zu Entzündungen und Verletzungen kommen. Als Folge kann sich auch ein Geschwür (Ulkus) entwickeln, eine Wunde in der Magenwand. Das Risiko, ein Magengeschwür zu bekommen, steigt mit dem Alter an. Typische Beschwerden sind:

    • Schmerzen im Oberbauch
    • Völlegefühl oder Übelkeit

    Geschwüre können aber auch über lange Zeit symptomlos bleiben und werden dann erst bemerkt, wenn es zu Komplikationen kommt.

    Geschwüre im Magen und Zwölffingerdarm sind meist die Folge einer Helicobacter-pylori-Infektion. Aber auch die regelmäßige Einnahme entzündungshemmender Schmerzmittel kann solche Geschwüre verursachen. Sie machen sich vor allem durch Schmerzen im Oberbauch bemerkbar. Meist reicht eine medikamentöse Behandlung.

    Wenn die Magenschleimhaut die Wände des Magens nicht mehr ausreichend vor Magensäure und Keimen schützt, kann es zu Entzündungen und Verletzungen kommen. Als Folge kann sich auch ein Geschwür (Ulkus) entwickeln, eine Wunde in der Magenwand. Das Risiko, ein Magengeschwür zu bekommen, steigt mit dem Alter an. Typische Beschwerden sind:

    • Schmerzen im Oberbauch
    • Völlegefühl oder Übelkeit

    Geschwüre können aber auch über lange Zeit symptomlos bleiben und werden dann erst bemerkt, wenn es zu Komplikationen kommt.

    Wie entsteht ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür?

    Die meisten Geschwüre lassen sich auf zwei Ursachen zurückführen. Zum einen können sie Folge einer Infektion mit Helicobacter sein. Helicobacter-Keime können sich in der Schleimhaut ausbreiten und eine Entzündung auslösen. Die Entzündung schädigt die Schleimhaut des Magens oder Zwölffingerdarms und verstärkt die Säurebildung im Magen. Das kann auf Dauer dazu führen, dass die Schleimhaut ihre Schutzfunktion verliert.

    Die andere häufige Ursache von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren ist die meist längerfristige Einnahme entzündungshemmender Schmerzmittel, den nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR). Zu den NSAR gehören zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Sie hemmen die Bildung des Gewebehormons Prostaglandin, das die Bildung von Magenschleim und von Stoffen, die die Magensäure neutralisieren, reguliert. Bei einem Prostaglandin-Mangel ist die Magenschleimhaut anfälliger für Schädigungen durch Magensäure und Krankheitserreger. Werden Schmerzmittel zusammen mit Kortison eingenommen, kann dies die magenschädigende Wirkung verstärken.

    Welche Komplikationen können auftreten?

    Ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür kann zu ernsthaften Komplikationen führen. Die häufigsten Komplikationen sind Blutungen. Daher ist es wichtig, folgende Symptome rasch ärztlich abklären zu lassen:

    • schwarz gefärbter Stuhl
    • erbrochenes Blut (rot oder schwarz gefärbtes Erbrochenes)
    • Anzeichen einer Blutarmut wie Abgeschlagenheit, Luftnot bei körperlichen Anstrengungen oder Blässe

    Selten kann ein Geschwür zu einem Durchbruch der Magenwand führen (Magenperforation). Diese Komplikation macht sich durch plötzlich auftretende, sehr starke Bauchschmerzen bemerkbar und ist lebensbedrohlich. Bei Verdacht auf einen Magendurchbruch sollte daher sofort der Notruf 112 gewählt werden.

    Wie werden Geschwüre festgestellt und behandelt?

    Normalerweise wird bei Verdacht auf ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür eine Magenspiegelung gemacht. Bei der Spiegelung kann eine Gewebeprobe entnommen werden, die dann auf Helicobacter, Zeichen einer Entzündung oder auch auf Gewebsveränderungen wie Krebs untersucht wird.

    Bei Magengeschwüren werden meistens sogenannte Protonenpumpenhemmer wie beispielsweise Omeprazol oder Pantoprazol eingesetzt. Protonenpumpenhemmer reduzieren die Bildung von Magensäure. Die Medikamente nimmt man über 4 bis 8 Wochen ein.

    Wie wird bei einer Helicobacter-Infektion behandelt?

    Ist eine Infektion mit Helicobacter die Ursache, wird in der Regel eine Kombination aus drei Medikamenten eingesetzt:

    • einem Protonenpumpenhemmer (PPI)
    • einem Antibiotikum mit dem Wirkstoff Clarithromycin und
    • einem weiteren Antibiotikum mit dem Wirkstoff Metronidazol oder Amoxicillin.

    Auch eine Vierfachtherapie mit allen drei Antibiotika und einem Protonenpumpenhemmer ist gegen Helicobacter möglich. Bei einer Drei- oder Vierfachtherapie werden die Wirkstoffe gleichzeitig über 7 bis 10 Tage eingenommen. Sind danach noch Beschwerden spürbar, kann die Behandlung mit dem Protonenpumpenhemmer fortgesetzt werden.

    Ist die Helicobacter-Behandlung abgeschlossen, wird frühestens nach vier Wochen kontrolliert, ob die Therapie erfolgreich war. Meist wird ein spezieller Atemtest gemacht, mit dem geprüft werden kann, ob noch Helicobacter-Bakterien im Magen sind. War die Behandlung nicht erfolgreich, kann sie mit einer anderen Antibiotikakombination und einem Protonenpumpenhemmer wiederholt werden.

    Wie kann man einem Geschwür vorbeugen?

    Ob die Ernährungsweise, Rauchen oder anhaltender Stress zur Entstehung eines Geschwürs beitragen kann, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. Dennoch kann es hilfreich sein, darauf zu achten, ob zum Beispiel fettige oder scharfe Speisen Magenbeschwerden auslösen – oder ob es in Stressphasen immer wieder zu Magenproblemen kommt.

    Wer bei sich Auslöser für Magenbeschwerden beobachtet, kann versuchen, sie zu meiden. Dies gilt zum Beispiel für Alkohol oder Zigaretten. Zudem kann es einen Versuch wert sein, die Ernährung anzupassen und für mehr Entspannung und Ausgleich im Alltag zu sorgen.

    Wer längere Zeit entzündungshemmende Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen einnimmt, bespricht am besten mit seiner Ärztin oder seinem Arzt, ob zusätzlich säurehemmende Medikamente sinnvoll sind.

    Quellen

    Fischbach W, Malfertheiner P, Hoffmann JC, Bolten W, Bornschein J, Götze O et al. S3-guideline "helicobacter pylori and gastroduodenal ulcer disease" of the German society for digestive and metabolic diseases (DGVS) in cooperation with the German society for hygiene and microbiology, society for pediatric gastroenterology and nutrition, German society for rheumatology. AWMF-Registernr.: 021-001. Z Gastroenterol 2009; 47(12): 1230-1263.

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    Robert Koch-Institut (RKI), Statistisches Bundesamt (Destatis). Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre. Berlin: RKI; 2013. (Gesundheitsberichterstattung des Bundes; Heft 55).

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