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Altersabhängige Makuladegeneration (AMD)

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    Mit den Jahren lässt die Sehkraft langsam nach. Daneben können Erkrankungen auftreten, die die Sehkraft weiter verschlechtern. Eine davon ist die altersabhängige Makuladegeneration. Dabei erscheinen vor allem Gegenstände, die man direkt anschaut, verschwommen und verzerrt. Es wird immer schwieriger, zum Beispiel zu lesen oder Gesichter zu erkennen.

    Einleitung

    Es ist eine normale Begleiterscheinung des Alterns, dass mit den Jahren die Sehkraft langsam nachlässt. Manche Menschen haben zusätzlich noch Krankheiten, die die Sehkraft weiter verschlechtern oder sogar das Augenlicht gefährden. Eine mögliche Ursache fortschreitender Sehschwäche ist die sogenannte altersabhängige Makuladegeneration (AMD).

    Die AMD ist eine chronische Erkrankung meist beider Augen, der eine Stoffwechselstörung zugrunde liegt. Sie entsteht an der sogenannten Makula, der Stelle der Netzhaut, die für das scharfe Sehen besonders wichtig ist. Sehbehinderungen treten aber meist nur bei der späten Form der AMD auf. Dabei wird zwischen der trockenen und der feuchten Form unterschieden. Die feuchte AMD führt rascher zu Sehbehinderungen als die trockene. Beide können bisher nicht geheilt werden. Bei der feuchten Form kann eine Behandlung die Sehschärfe jedoch erhalten, manchmal sogar verbessern oder zumindest das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.

    Symptome

    Durch eine Makuladegeneration geht die Sehfähigkeit im Bereich des schärfsten Sehens allmählich verloren. Dieser Bereich liegt im Zentrum der Netzhaut des Auges und wird aufgrund seiner Farbe „Gelber Fleck“ (Fachbegriff „Makula lutea“) genannt. Er ist zum Beispiel nötig, um zu lesen, Auto zu fahren oder Gesichter zu erkennen.

    Ist das zentrale Sehen gestört, erscheinen vor allem die Gegenstände, auf die man gezielt seinen Blick richtet, verschwommen oder verzerrt. Bei einer fortgeschrittenen AMD sind sie gar nicht mehr zu sehen. Gegenstände am Rande des Sehfelds bleiben bei einer Makuladegeneration in der Regel zwar weiter sichtbar, werden aber nicht gut erkannt.

     

    Grafik: Typischer Sehverlust bei AMD; Dinge, auf die man gezielt blickt, verschwimmen, links: Buchseite, rechts: Gesicht Typischer Sehverlust bei AMD

    Ursachen und Risikofaktoren

    Die Ursachen der altersabhängigen Makuladegeneration sind nicht genau bekannt. Man vermutet, dass die AMD die Folge einer Störung des sehr intensiven Stoffwechsels der Sinneszellen in der Netzhaut ist. Dabei entstehen Abfallprodukte, die normalerweise vom Körper abgebaut werden. Bei manchen Menschen ist dieser Abbau gestört und es entstehen kleine Ablagerungen, sogenannte Drusen. Sie behindern die ausreichende Versorgung der Netzhaut. Bei der trockenen AMD führt dies dazu, dass die lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut zerstört werden. Pigmentveränderungen unter der Netzhaut können hinzukommen.

    Bei der feuchten Makuladegeneration wachsen als Reaktion auf die Ablagerungen neue Blutgefäße unterhalb der Netzhaut. Sie wachsen in die Netzhaut ein und können sie anheben. Die neuen Gefäße können durchlässig werden, sodass Blut und Flüssigkeit in die Netzhaut sickern und die Zellen schädigen.

     

    Grafik: Aufbau des Auges und wuchernde Blutgefäße - wie im Text beschrieben links: Aufbau des Auges, rechts: wuchernde Blutgefäße

     

    Wenn enge Verwandte bereits eine AMD haben, ist das eigene Risiko etwas erhöht. Bekannt ist zudem, dass Raucher häufiger und im Durchschnitt früher erkranken als Nichtraucher. Möglicherweise kann es auch das Risiko erhöhen, wenn die Augen häufig ungeschützt dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Ob Sonnenlicht tatsächlich ein Risikofaktor ist, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.

    Häufigkeit

    Mit zunehmendem Alter wird die Erkrankung häufiger: Etwa einer von 100 Menschen zwischen 65 und 75 Jahren hat eine altersabhängige Makuladegeneration – aber 10 bis 20 von 100 Menschen über 85 Jahre. Die Makuladegeneration ist in den Industrieländern die häufigste Ursache für starke Sehbehinderungen bei älteren Menschen.

    Verlauf

    Die Krankheit kann sich sehr unterschiedlich entwickeln. Man unterteilt folgende Stadien:

    • frühe AMD: mittelgroße Drusen und keine Pigmentveränderungen, keine Sehbehinderung.
    • intermediäre AMD: große Drusen und / oder Pigmentveränderungen. Es können leichte Sehbehinderungen auftreten, die meisten Menschen haben aber keine Beschwerden.
    • späte AMD: trockene oder feuchte Makuladegeneration, die mit Sehbehinderungen einhergeht.

    Die trockene AMD verläuft deutlich langsamer und führt seltener zu Sehstörungen und -behinderungen als die feuchte. Die meisten Menschen mit später AMD haben die feuchte Form der Erkrankung.

    Wie schnell sich eine späte AMD mit Sehstörungen entwickelt, hängt auch davon ab, wie groß die Ablagerungen sind, die sich in der Netzhaut bilden. Bei kleinen Drusen kommt es innerhalb von fünf Jahren bei etwa 1 bis 3 von 100 Betroffenen zu Sehverschlechterungen. Bei großen Drusen entwickelt sich bei etwa 50 von 100 Betroffenen innerhalb von fünf Jahren eine späte AMD mit deutlichen Sehverschlechterungen. Die trockene AMD kann auch in die feuchte Form übergehen. Die feuchte AMD schreitet unbehandelt rasch fort, lässt sich jedoch durch verschiedene Behandlungen stoppen oder verlangsamen.

    Bei einer fortgeschrittenen AMD kann die Fähigkeit, zu lesen oder Gesichter zu erkennen, verlorengehen. Normalerweise führt eine AMD nicht zu einer vollständigen Erblindung. Selbst bei einer weit fortgeschrittenen Erkrankung auf beiden Augen ist es in der Regel noch möglich, sich zu orientieren. Die Sehbehinderung kann aber insgesamt so stark sein, dass sie sozialrechtlich als „Blindheit“ eingestuft wird und zum Beispiel ein Anspruch auf Blindengeld besteht.

    Diagnose

    Die Augenärztin oder der Augenarzt fragt zunächst nach der Art der Beschwerden und nach anderen Erkrankungen. Eine gründliche Untersuchung der Augen schließt sich an. Dabei werden die vorderen und mittleren Augenabschnitte mit einer Spaltlampe untersucht, einem Mikroskop mit Licht. Zusätzlich wird der Augenhintergrund untersucht. Dazu wird vorab die Pupille mithilfe von Tropfen erweitert. Verschiedene Sehtests können Hinweise geben, wie sehr das zentrale Sehen beeinträchtigt ist.

    Weitere Untersuchungen sichern die Diagnose und helfen, die Behandlung zu planen. Dazu zählt bei Verdacht auf eine feuchte AMD unter anderem die sogenannte Fluoreszenz-Angiografie der Netzhaut: Dabei wird eine Farbstofflösung in die Armvene gespritzt, die sich in den Gefäßen der Netzhaut verteilt. Über eine spezielle Kamera kann die Ärztin oder der Arzt dann die Gefäßveränderungen im Auge beurteilen.

    Eine weitere Untersuchung ist die sogenannte optische Kohärenztomografie (OCT). Dabei wird mit einem Laserlicht unter anderem die Netzhautdicke gemessen. Auch Flüssigkeitsansammlungen können so erkannt werden. Augenarztpraxen bieten die Untersuchung als sogenannte Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) an. Sie wird bisher nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, da ihr Nutzen fraglich ist.

    Vorbeugung

    Wer nicht raucht, hat ein geringeres Risiko für eine Makuladegeneration.

    Manchmal wird die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln empfohlen, um der Erkrankung vorzubeugen. Zu den empfohlenen Substanzen gehören Betacarotin, Vitamine, Zink, Omega-3-Fettsäuren und Ginkgo biloba.

    Studien zeigen, dass Menschen mit gesunden Augen einer Makuladegeneration nicht vorbeugen können, wenn sie Vitamin E und Betacarotin einnehmen. Zu den anderen Substanzen gibt es keine entsprechenden Studien.

    Behandlung

    Die trockene Makuladegeneration kann bislang nicht wirksam behandelt werden.

    Die feuchte AMD wird normalerweise mit Wirkstoffen behandelt, die ins Auge gespritzt werden und die Bildung von Blutgefäßen hemmen: sogenannten Anti-VEGF-Präparaten (englisch: vascular endothelial growth factor). Diese Behandlung kann die Erkrankung zwar nicht heilen, aber ihr Fortschreiten aufhalten oder zumindest verlangsamen. Manchmal verbessert sich die Sehschärfe während der Behandlung sogar wieder.

    Weniger wirksam und deshalb heute nicht mehr üblich ist die photodynamische Therapie. Auch die Lasertherapie wird nur noch selten eingesetzt. Bei der Lasertherapie werden die krankhaften Blutgefäße mit Laserstrahlen erhitzt und zerstört. Bei der photodynamischen Therapie werden die Gefäße mit Medikamenten und Laser behandelt. Beide Therapien kommen heute nur noch für wenige Menschen mit einer feuchten AMD infrage. Sie haben zudem mehr Nebenwirkungen als eine Behandlung mit Anti-VEGF-Präparaten.

    In Ausnahmefällen und wenn keine andere Behandlung geholfen hat, können die abnormen Blutgefäße auch chirurgisch entfernt werden.

    Möglicherweise können Nahrungsergänzungsmittel mit einer Kombination bestimmter Substanzen (Vitamin C, Vitamin E, Zink, Kupfer, Lutein mit Zeaxanthin oder Betacarotin) den Krankheitsverlauf bei Menschen mit einem erhöhten Risiko für eine späte AMD verlangsamen.

    Quellen

    Ba J, Peng RS, Xu D, Li YH, Shi H, Wang Q et al. Intravitreal anti-VEGF injections for treating wet age-related macular degeneration: a systematic review and meta-analysis. Drug Des Devel Ther 2015; 9: 5397-5405.

    Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA), Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). Leitlinie Nr. 21: Altersabhängige Makuladegeneration AMD. 30.10.2015.

    Chakravarthy U, Evans J, Rosenfeld PJ. Age related macular degeneration. BMJ 2010; 340: c981.

    Evans JR, Lawrenson JG. Antioxidant vitamin and mineral supplements for preventing age-related macular degeneration. Cochrane Database Syst Rev 2017; (7): CD000253.

    Evans JR, Lawrenson JG. Antioxidant vitamin and mineral supplements for slowing the progression of age-related macular degeneration. Cochrane Database Syst Rev 2017; (7): CD000254.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Optische Kohärenztomografie bei neovaskulärer altersbedingter Makuladegeneration sowie beim Makulaödem im Rahmen der diabetischen Retinopathie. Abschlussbericht; Auftrag D15-01. 07.07.2017. (IQWiG-Berichte; Band 507).

    Lawrenson JG, Evans JR. Omega 3 fatty acids for preventing or slowing the progression of age-related macular degeneration. Cochrane Database Syst Rev 2015; (4): CD010015.

    Solomon SD, Lindsley K, Vedula SS, Krzystolik MG, Hawkins BS. Anti-vascular endothelial growth factor for neovascular age-related macular degeneration. Cochrane Database Syst Rev 2014; (8): CD005139.

    Virgili G, Bini A. Laser photocoagulation for neovascular age-related macular degeneration. Cochrane Database Syst Rev 2007; (3): CD004763.

    Virgili G, Michelessi M, Parodi MB, Bacherini D, Evans JR. Laser treatment of drusen to prevent progression to advanced age-related macular degeneration. Cochrane Database Syst Rev 2015; (10): CD006537.

    Wormald R, Evans J, Smeeth L, Henshaw K. Photodynamic therapy for neovascular age-related macular degeneration. Cochrane Database Syst Rev 2007; (3): CD002030.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Mit welchen Medikamenten wird die feuchte AMD behandelt?

    Im Gegensatz zur trockenen Form der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) lässt sich die feuchte Form mit Medikamenten wirksam behandeln. Verschiedene Wirkstoffe können helfen, die Sehkraft zumindest vorübergehend zu verbessern oder länger zu erhalten.

    Bei der feuchten AMD wachsen neue Blutgefäße unterhalb der Netzhaut. Sie wachsen in die Netzhaut ein und können sie anheben. Die neuen Gefäße können durchlässig werden, sodass Blut und Flüssigkeit in die Netzhaut sickern und den Bereich des zentralen Sehens schädigen.

    Zur Behandlung der feuchten AMD werden vor allem folgende Wirkstoffe eingesetzt, die zur Gruppe der Anti-VEGF-Präparate gehören:

    • Ranibizumab (Handelsname Lucentis)
    • Aflibercept (Handelsname Eylea)

    Daneben kommt das Medikament Bevacizumab (Avastin) zur Anwendung. Es ist allerdings nicht zur Behandlung der AMD, sondern von Krebserkrankungen zugelassen. Von Ärztinnen und Ärzten wird es deshalb „off-label“ verschrieben (siehe letzter Abschnitt).

    Alle drei Medikamente haben ein ähnliches Wirkprinzip: Sie hemmen bestimmte Wachstumsfaktoren, die für das Einsprießen der abnormen Blutgefäße in das Auge verantwortlich sind. Ziel der Medikamenten-Behandlung ist es, das Fortschreiten der AMD zu verlangsamen oder zumindest vorübergehend aufzuhalten.

    Im Gegensatz zur trockenen Form der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) lässt sich die feuchte Form mit Medikamenten wirksam behandeln. Verschiedene Wirkstoffe können helfen, die Sehkraft zumindest vorübergehend zu verbessern oder länger zu erhalten.

    Bei der feuchten AMD wachsen neue Blutgefäße unterhalb der Netzhaut. Sie wachsen in die Netzhaut ein und können sie anheben. Die neuen Gefäße können durchlässig werden, sodass Blut und Flüssigkeit in die Netzhaut sickern und den Bereich des zentralen Sehens schädigen.

    Zur Behandlung der feuchten AMD werden vor allem folgende Wirkstoffe eingesetzt, die zur Gruppe der Anti-VEGF-Präparate gehören:

    • Ranibizumab (Handelsname Lucentis)
    • Aflibercept (Handelsname Eylea)

    Daneben kommt das Medikament Bevacizumab (Avastin) zur Anwendung. Es ist allerdings nicht zur Behandlung der AMD, sondern von Krebserkrankungen zugelassen. Von Ärztinnen und Ärzten wird es deshalb „off-label“ verschrieben (siehe letzter Abschnitt).

    Alle drei Medikamente haben ein ähnliches Wirkprinzip: Sie hemmen bestimmte Wachstumsfaktoren, die für das Einsprießen der abnormen Blutgefäße in das Auge verantwortlich sind. Ziel der Medikamenten-Behandlung ist es, das Fortschreiten der AMD zu verlangsamen oder zumindest vorübergehend aufzuhalten.

    Wie werden die Medikamente angewendet?

    Im Rahmen eines ambulanten Eingriffs werden diese Medikamente in den Glaskörper des Auges gespritzt. Dabei wird zunächst ein Betäubungsmittel ins Auge getropft. Danach spritzt die Ärztin oder der Arzt das eigentliche Medikament mit einer dünnen Nadel in das Augeninnere.

    Zunächst bekommt man dreimal im monatlichen Abstand eine Medikamenten-Spritze. Wie oft die Behandlung wiederholt wird und in welchen Zeitabständen, hängt bei Lucentis davon ab, wie sich die Erkrankung entwickelt. Dazu werden regelmäßig Augenuntersuchungen und Sehtests durchgeführt. Eylea wird nach den ersten drei Behandlungsmonaten alle zwei Monate gespritzt. Nach einem Jahr wird dann ebenfalls je nach Krankheitsverlauf weiterbehandelt.

    Wie gut sind die Medikamente untersucht?

    Um den Nutzen von Lucentis und Avastin zu untersuchen, wertete eine Forschergruppe die Ergebnisse von elf Studien mit über 5000 Teilnehmenden aus:

    • drei Studien verglichen Lucentis mit einem Scheinmedikament (Placebo),
    • sechs Studien verglichen Lucentis mit Avastin,
    • zwei Studien verglichen Avastin mit einem Placebo.

    Die meisten Studien waren von guter Qualität. Deshalb bieten ihre Ergebnisse eine gute Basis, um die Vor- und Nachteile dieser Medikamente einzuschätzen.

    Das Medikament Eylea ist seit 2012 zur Behandlung der AMD zugelassen. In Studien wurde es mit Lucentis verglichen. Es bleibt aber weiterhin unklar, ob Eylea Vor- oder Nachteile gegenüber Lucentis hat.

    Wie gut helfen die Medikamente?

    Die Medikamente können die Verschlechterung des Sehens bei vielen Menschen mit einer feuchten AMD vorübergehend stoppen oder zumindest verlangsamen. Manchmal verbessert sich die Sehschärfe während der Behandlung sogar wieder. Heilen können sie die Erkrankung nicht.

    Die Studien zu Lucentis zeigen, was Menschen mit einer feuchten AMD von der Behandlung erwarten können:

    • Ohne Behandlung: Bei etwa 60 von 100 Personen, die ein Placebo erhielten, verschlechterte sich die Sehschärfe innerhalb eines Jahres nur leicht oder blieb erhalten.
    • Mit Behandlung: Bei etwa 90 von 100 Personen, die Lucentis erhielten, verschlechterte sich die Sehschärfe im selben Zeitraum nur leicht oder blieb erhalten.

    Anders ausgedrückt: Bei etwa 30 von 100 Menschen konnte Lucentis den Verlust der Sehschärfe spürbar verlangsamen.

    Etwa 17 von 100 Menschen sahen durch das Medikament nach einem Jahr sogar wieder besser. Die Studien zeigen zudem, dass die Behandlung auch die Lebensqualität der Betroffenen verbessern konnte. Wie sich die Medikamente längerfristig auf den Krankheitsverlauf auswirken, ist noch nicht ausreichend untersucht.

    Welche Nebenwirkungen können auftreten?

    Die Spritzen können zu vorübergehenden, normalerweise nur leichten Augenschmerzen führen. Flüssigkeit ins Auge zu spritzen, kann den Druck im Augeninneren erhöhen. Weitere häufige Nebenwirkungen sind das Sehen von Punkten oder Flecken, die sich bei Augenbewegungen mitbewegen. Sie entstehen, wenn durch das Spritzen Luftbläschen ins Augeninnere gelangen. Diese sind harmlos und verschwinden nach ein bis zwei Tagen von selbst.

    Seltene, aber schwere Nebenwirkungen der Behandlung können sein: Eine Entzündung im Augeninneren (Endophthalmitis) oder der Augenhaut (Uveitis), Grauer Star oder Netzhautschäden. Solche Nebenwirkungen treten zusammengenommen bei weniger als einem von 100 Behandelten auf.

    Studien deuten darauf hin, dass es durch die regelmäßige Anwendung der Medikamente ein leicht erhöhtes Risiko für Krankheiten der Gehirngefäße wie Durchblutungsstörungen, Blutungen oder Schlaganfälle geben könnte. Bei etwa einem von 100 Teilnehmenden, die Lucentis bekamen, löste es eine dieser Nebenwirkungen aus.

    Off-Label: Avastin bei altersabhängiger Makuladegeneration

    Wie bereits erwähnt, sind Lucentis und Eylea zur Behandlung der Makuladegeneration zugelassen, Avastin aber nur in der Krebstherapie. Die Wirkstoffe von Avastin und Lucentis sind sich jedoch sehr ähnlich. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Avastin bei der feuchten AMD genauso wirksam ist wie Lucentis.

    Auch Nebenwirkungen treten bei Lucentis und Avastin vergleichbar häufig auf. Einzig Magen-Darm-Beschwerden sind bei Avastin etwas häufiger: In Studien hatten 3 von 100 mit Avastin behandelte Teilnehmende solche Beschwerden, im Vergleich zu 2 von 100 bei Lucentis.

    Da Avastin bei vergleichbarer Wirksamkeit deutlich weniger kostet als Lucentis, wird es von einigen Ärztinnen und Ärzten „off-label“ zur AMD-Behandlung verschrieben. Eine Behandlung im Rahmen des sogenannten Off-Label-Use erfordert eine besondere ärztliche Aufklärung. Zudem sind Krankenkassen nicht verpflichtet, die Kosten einer solchen Behandlung zu erstatten. Es ist daher wichtig, die Kostenübernahme vor der Behandlung mit der Krankenkasse zu klären.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Aflibercept (Eylea): Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V; Dossierbewertung; Auftrag A12-19. 13.03.2013. (IQWiG-Berichte; Band 156).

    Moja L, Lucenteforte E, Kwag KH, Bertele V, Campomori A, Chakravarthy U et al. Systemic safety of bevacizumab versus ranibizumab for neovascular age-related macular degeneration. Cochrane Database Syst Rev 2014; (9): CD011230.

    Sarwar S, Clearfield E, Soliman MK, Sadiq MA, Baldwin AJ, Hanout M et al. Aflibercept for neovascular age-related macular degeneration. Cochrane Database Syst Rev 2016; (2): CD011346.

    Solomon SD, Lindsley K, Vedula SS, Krzystolik MG, Hawkins BS. Anti-vascular endothelial growth factor for neovascular age-related macular degeneration. Cochrane Database Syst Rev 2014; (8): CD005139.

    Ueta T, Noda Y, Toyama T, Yamaguchi T, Amano S. Systemic vascular safety of ranibizumab for age-related macular degeneration: Systematic review and meta-analysis of randomized trials. Ophthalmology 2014; 121(11): 2193-2203.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Schützen Nahrungsergänzungsmittel vor einer AMD?

    Es gibt keine Belege dafür, dass Nahrungsergänzungsmittel eine altersabhängige Makuladegeneration (AMD) verhindern können. Möglicherweise verzögern aber bestimmte Kombinationen aus Vitaminen und Mineralstoffen das Fortschreiten zu einer Spätform der AMD.

    Nahrungsergänzungsmittel enthalten Nährstoffe wie Vitamine oder Mineralstoffe, die auch in normalen Lebensmitteln vorkommen, allerdings in konzentrierter Form und oft in hoher Dosierung. Sie können pflanzliche Stoffe wie etwa Johanniskraut und Knoblauch enthalten, aber auch tierische wie Fischöl. Nahrungsergänzungsmittel werden zum Beispiel als Tabletten, Kapseln, Pulver oder Flüssigkeiten angeboten. Sie sind frei verkäuflich, also nicht nur in Apotheken erhältlich.

    Es gibt keine Belege dafür, dass Nahrungsergänzungsmittel eine altersabhängige Makuladegeneration (AMD) verhindern können. Möglicherweise verzögern aber bestimmte Kombinationen aus Vitaminen und Mineralstoffen das Fortschreiten zu einer Spätform der AMD.

    Nahrungsergänzungsmittel enthalten Nährstoffe wie Vitamine oder Mineralstoffe, die auch in normalen Lebensmitteln vorkommen, allerdings in konzentrierter Form und oft in hoher Dosierung. Sie können pflanzliche Stoffe wie etwa Johanniskraut und Knoblauch enthalten, aber auch tierische wie Fischöl. Nahrungsergänzungsmittel werden zum Beispiel als Tabletten, Kapseln, Pulver oder Flüssigkeiten angeboten. Sie sind frei verkäuflich, also nicht nur in Apotheken erhältlich.

    Was sollen Nahrungsergänzungsmittel bei einer AMD bewirken?

    Eine Makuladegeneration führt allmählich zu einem Verlust des zentralen Sehens. Einer verbreiteten Theorie zufolge entstehen in den Zellen der Netzhaut durch den Einfluss von Licht und Sauerstoff bestimmte Stoffe („freie Radikale“), die das Gewebe schädigen können. Nahrungsergänzungsmittel sollen helfen, diesen Prozess einzudämmen. Auf diese Weise sollen sie einer AMD vorbeugen oder ihr Fortschreiten verlangsamen.

    Manche bei einer AMD angebotenen Produkte enthalten eine Mischung verschiedener Vitamine wie Vitamin C, Vitamin E und Betacarotin. Zusätzlich können Zink und Kupfer enthalten sein. Auch Omega-3-Fettsäuren, Zeaxanthin, Lutein und Ginkgo biloba werden oft empfohlen.

    Können Nahrungsergänzungsmittel einer AMD vorbeugen?

    Bislang gibt es für eine vorbeugende Wirkung bei gesunder Netzhaut keine wissenschaftlichen Belege. Gut untersucht wurden bisher nur Vitamin E und Betacarotin. Hier zeigen Studien mit insgesamt über 75.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, dass diese Mittel die Wahrscheinlichkeit für das Entstehen der Krankheit nicht senken können. Für Mittel mit Omega-3-Fettsäuren liegen keine aussagekräftigen Studien vor.

    Können Nahrungsergänzungsmittel die Erkrankung verlangsamen?

    Zu dieser Frage wurden bislang Zink, Lutein, Zeaxanthin, Vitamin C, Vitamin E, Betacarotin, Omega-3-Fettsäuren und Ginkgo biloba in Studien geprüft. Für Omega-3-Fettsäuren und Ginkgo gibt es keine Hinweise, dass sie helfen.

    Die tägliche Einnahme folgender Nährstoffe kann das Fortschreiten einer AMD möglicherweise verlangsamen:

    • die sogenannte AREDS-Kombination aus Vitamin C (500 mg), Vitamin E (400 I.E.), Betacarotin (15 mg), Zink (80 mg) und Kupfer (2 mg), oder
    • die fast identische AREDS-2-Kombination aus Vitamin C (500 mg), Vitamin E (400 I.E.), Zink (80 mg), Kupfer (2 mg), Lutein (10 mg) und Zeaxanthin (2 mg).

    Ein Nutzen der AREDS-Wirkstoffkombination zeigte sich bisher aber nur bei Menschen mit einem deutlich erhöhten Risiko für eine späte AMD. Sie haben schon viele Ablagerungen im Auge, sogenannte Drusen. Bei manchen von ihnen konnte die regelmäßige Einnahme der AREDS-Kombination das Risiko für eine späte, mit Sehbehinderungen verbundene AMD senken. Dafür mussten die Mittel täglich über mehrere Jahre eingenommen werden.

    Wichtig ist, dass sie nur in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt eingenommen werden, denn sie eignen sich nicht für alle Menschen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die AREDS-Kombination nicht.

    Wie groß ist der Nutzen des Kombinationsmittels genau?

    Auf eine günstige Wirkung der AREDS-Kombination weist eine große Studie mit etwa 3600 Teilnehmenden hin, die „ARED-Studie“ (Age-Related Eye Disease Studies). Während der Studiendauer von sechs Jahren blieb die Sehschärfe bei manchen Personen etwas länger erhalten – den meisten halfen die Mittel jedoch nicht. In Zahlen:

    • Ohne Behandlung verschlechterte sich das Sehvermögen innerhalb der sechs Jahre bei etwa 43 von 100 Teilnehmenden deutlich.
    • Mit Behandlung: Bei Einnahme der AREDS-Kombination verschlechterte sich das Sehvermögen im gleichen Zeitraum bei etwa 37 von 100 Teilnehmenden.

    Mit anderen Worten: 6 von 100 Menschen, die über sechs Jahre täglich das Kombinationspräparat einnahmen, hatten einen Vorteil.

    Welche Nebenwirkungen können Nahrungsergänzungsmittel haben?

    Die langfristige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln in hohen Dosen kann manchmal auch schaden. So erhöht Betacarotin das Risiko für Lungenkrebs bei Menschen, die rauchen oder früher geraucht haben. Das in der AREDS-Kombination enthaltene Betacarotin führte bei einem von 100 Teilnehmenden zu Lungenkrebs. Fast alle Menschen, die während der Studiendauer an Lungenkrebs erkrankten, waren ehemalige Raucher.

    Mittlerweile stehen AREDS-2-Kombinationen zur Verfügung, in denen Betacarotin durch Lutein und Zeaxanthin ersetzt wurde. Raucher und Ex-Raucher sollten darauf achten, dass sie ein Präparat ohne Betacarotin einnehmen.

    Bei manchen Teilnehmenden, die Mittel mit Betacarotin nahmen, färbte sich die Haut gelb. Es traten auch Probleme wie Verstopfung, Blähungen und Durchfälle auf.

    Die Einnahme von Zink allein führte dazu, dass etwa 3 von 100 Menschen wegen urologischer Probleme wie Blaseninfektionen oder Inkontinenz im Krankenhaus behandelt wurden.

    Aus anderen Untersuchungen weiß man, dass hohe Dosen von Vitamin E das Sterblichkeitsrisiko erhöhen können. In der Studie zur AREDS-Kombination gab es jedoch nicht mehr Todesfälle als normalerweise in sechs Jahren zu erwarten sind.

    Quellen

    Bjelakovic G, Nikolova D, Gluud LL, Simonetti RG, Gluud C. Antioxidant supplements for prevention of mortality in healthy participants and patients with various diseases. Cochrane Database Syst Rev 2012; (3): CD007176.

    Evans JR, Lawrenson JG. Antioxidant vitamin and mineral supplements for preventing age-related macular degeneration. Cochrane Database Syst Rev 2017; (7): CD000253.

    Evans JR, Lawrenson JG. Antioxidant vitamin and mineral supplements for slowing the progression of age-related macular degeneration. Cochrane Database Syst Rev 2017; (7): CD000254.

    Lawrenson JG, Evans JR. Omega 3 fatty acids for preventing or slowing the progression of age-related macular degeneration. Cochrane Database Syst Rev 2015; (4): CD010015.

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    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.