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Metastasierter Brustkrebs

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    Überblick

    Manchmal wird Brustkrebs erst festgestellt, wenn er schon Metastasen gebildet hat. Mit einer sorgfältig geplanten und gut angepassten Therapie ist es aber oft möglich, über Jahre mit der Erkrankung zu leben und eine gute Lebensqualität zu erreichen.

    Einleitung

    Die Diagnose „metastasierter Brustkrebs“ ist für die meisten Frauen ein Schock und oft beängstigender, als wenn Brustkrebs in einem früheren Stadium festgestellt wird. Doch auch wenn sich Metastasen (Absiedlungen) gebildet haben, kann Brustkrebs behandelt werden. Mit einer sorgfältig geplanten und gut angepassten Therapie ist es oft möglich, über Jahre mit der Erkrankung zu leben und eine gute Lebensqualität zu erreichen. Besonders wichtig sind die Organisation von Hilfe und Unterstützung im Alltag, aber auch beim Umgang mit Gefühlen wie Angst und Trauer.

    Bei Brustkrebs bildet sich von der Brustdrüse ausgehend neues, unkontrolliert wachsendes Gewebe. Zuerst entsteht in der Brust ein Tumor; später können sich die Krebszellen in das angrenzende Körpergewebe ausbreiten und in anderen Körperregionen Metastasen bilden.

    Es gibt verschiedene Arten von Metastasen: lokale, regionäre und Fernmetastasen. Lokale Metastasen befinden sich in der unmittelbaren Nähe des Tumors, regionäre Metastasen in den Lymphknoten in der Nähe des Tumors. Von Fernmetastasen spricht man, wenn sich in anderen Körperregionen Absiedlungen des Tumors gebildet haben. Bei Brustkrebs entstehen Metastasen am häufigsten in den Lymphknoten, den Knochen, in der Lunge, der Haut, der Leber und im Gehirn.

    Symptome

    Anzeichen für metastasierten Brustkrebs können zum Beispiel ein Knoten in der Brust oder im Brustbereich, Schmerzen in den Knochen oder im Unterleib und eher unspezifische Beschwerden wie Atemnot, anhaltendes Unwohlsein, Übelkeit und Erschöpfung sein. Viele Frauen bemerken solche Veränderungen selbst, bei anderen werden sie bei einer ärztlichen Untersuchung festgestellt.

    Ursachen

    Brustkrebs kann entstehen, wenn sich die genetischen Informationen von Zellen verändern. Wie es zu solchen Veränderungen kommt und wie sich die Zellen dann entwickeln, hängt von vielen Faktoren ab, die sich wechselseitig beeinflussen können – dazu gehören beispielsweise Alter, Größe und Gewicht, Immunsystem, Hormone, Schwangerschaften und Stillzeiten. Brustkrebs ist nicht ansteckend.

    Manche Frauen sorgen sich, ob sie mit ihrer Lebensweise dazu beigetragen haben, dass sie an Krebs erkrankt sind, der Tumor zurückgekommen ist oder Metastasen gebildet hat. Vielleicht fragen sie sich, ob sie nicht gesund genug gelebt haben oder ob psychische Faktoren wie viel Stress und Unruhe dazu beigetragen haben könnten, dass die Krankheit wieder aufgetreten ist. Zudem wird immer wieder einmal über Theorien berichtet, nach denen bestimmte Persönlichkeitseigenschaften eine Krebserkrankung begünstigen sollen. Solche Vermutungen wurden jedoch nie bewiesen und gelten heute als überholt: Niemand ist schuld an einer solch schweren Erkrankung. Krebs kann jeden treffen, unabhängig von Lebenswandel und Charaktereigenschaften.

    Risikofaktoren

    In manchen Familien tritt Brustkrebs gehäuft auf. Man schätzt, dass 5 bis 10 von 100 Brustkrebserkrankungen auf erbliche Faktoren zurückzuführen sind. Bekannt ist, dass Frauen, bei denen die Gene BRCA1 und BRCA2 verändert sind, ein deutlich erhöhtes Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken. Die Abkürzung „BRCA“ steht für „Breast Cancer“ (englisch für Brustkrebs). 50 bis 80 von 100 Frauen mit dieser Genveränderung (Mutation) erkranken im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Frauen, die dieses Gen tragen, aber noch nicht an Brustkrebs erkrankt sind, wird eine besondere Betreuung angeboten, die beispielsweise regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen umfassen kann. Doch auch wenn diese Genveränderung nicht festgestellt wird, in der Familie aber häufiger Brustkrebs aufgetreten ist, kann das individuelle Risiko erhöht sein.

    Die Eigenschaften von Tumoren, die mit BRCA-Genen zusammenhängen, unterscheiden sich von denen anderer Tumore. Wenn solche Tumor-Eigenschaften bei Untersuchungen auffallen, wird die Ärztin oder der Arzt dies wahrscheinlich ansprechen. Denn dann kann es sinnvoll sein, über die Krankengeschichte der betroffenen Familienmitglieder zu reden. Zudem wird bei Verdacht auf genetische Veränderungen vielleicht ein Gentest in einem darauf spezialisierten Zentrum angeboten. Ein solcher Gentest ist mit einer besonderen Beratung verbunden. Die Behandlung einer durch erbliche Faktoren beeinflussten Krebserkrankung unterscheidet sich ansonsten nicht von einer anderen Brustkrebsbehandlung.

    Häufigkeit

    Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Sie wird meist in einem höheren Alter entdeckt: 60 von 100 Frauen mit Brustkrebs sind älter als 60 Jahre, wenn die Erkrankung festgestellt wird. Von Brustkrebs sind fast immer Frauen betroffen, dennoch können sehr selten auch Männer an Brustkrebs erkranken.

    Metastasen können rasch nach der Erstdiagnose und -behandlung auftreten, oft bilden sie sich aber erst viele Jahre danach. Manchmal wird ein Brustkrebs erst erkannt, wenn er schon Absiedlungen gebildet hat: Bei etwa 4 von 100 Frauen mit Brustkrebs werden bei der Erstdiagnose Fernmetastasen festgestellt.

    Verlauf

    Wenn Fernmetastasen festgestellt werden, ist eine vollständige Heilung nur in Ausnahmefällen zu erwarten. Eine Behandlung ist dennoch möglich – sie kann das Tumorwachstum begrenzen, das weitere Fortschreiten der Erkrankung mitunter für viele Jahre hinauszögern und Beschwerden lindern. Die Behandlungsmöglichkeiten und der wahrscheinliche Verlauf hängen unter anderem davon ab, in welcher Körperregion Metastasen auftreten und wie zahlreich sie sind. Welche Therapie infrage kommt und wie sie anschlägt, wird auch von den biologischen Merkmalen des Tumors beeinflusst, zum Beispiel davon, ob das Wachstum des Tumors durch Hormone beeinflusst wird. Weitere Faktoren sind das Alter und die allgemeine körperliche Verfassung.

    Wie die Krankheit verlaufen wird, lässt sich nicht genau vorhersagen. Prognosen über Heilungschancen, die Dauer stabiler Krankheitsphasen oder über die verbleibende Lebenszeit sind immer mit Unsicherheit behaftet. Trotz der belastenden Diagnose bleibt eine berechtigte Hoffnung auf eine möglichst lange Zeit mit guter Lebensqualität. Laut dem Münchener Krebsregister leben beispielsweise nach fünf Jahren noch etwa 26 von 100 und nach zehn Jahren noch etwa 13 von 100 Frauen, nachdem Brustkrebs mit Metastasen festgestellt wurde.

    Diagnose

    Die Ärztin oder der Arzt ist der erste Ansprechpartner beim Verdacht auf eine Brustkrebs-Erkrankung, ein Fortschreiten oder eine Rückkehr (Rezidiv) des Krebses. Möglicherweise ist für weitergehende Untersuchungen eine Überweisung nötig, beispielsweise an ein Krankenhaus oder zertifiziertes Brustzentrum. Nach einem ausführlichen Gespräch über die Krankengeschichte findet eine körperliche Untersuchung statt. Zu den Untersuchungen können beispielsweise eine Tastuntersuchung der Brust oder der Operationsnarbe, eine Ultraschalluntersuchung der Brust und die Entnahme einer Gewebeprobe gehören.

    Nicht immer werden alle theoretisch möglichen Untersuchungen auch gemacht. Welche sinnvoll und am besten geeignet sind, lässt sich im Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt klären. Dabei hat jede Patientin und jeder Patient immer das Recht, eine Untersuchung abzulehnen.

    Wenn allgemeine Beschwerden auftreten oder wenn (erneut) Brustkrebs festgestellt wurde, prüft die Ärztin oder der Arzt, ob sich der Tumor auch anderswo im Körper ausgebreitet hat. Dies kann unter anderem mithilfe der folgenden bildgebenden Untersuchungsverfahren geschehen:

    • Röntgenaufnahme des Brustkorbs (Thorax)
    • Knochenszintigrafie
    • Ultraschall der Leber

    Behandlung

    Bei fortgeschrittenen Tumoren, die auf die Brust oder angrenzendes Gewebe begrenzt sind, wird in der Regel zunächst versucht, die Krebsgeschwulst durch eine Operation vollständig zu entfernen. Wenn sich über den Brustbereich hinaus an anderen Stellen des Körpers Metastasen gebildet haben, ist eine vollständige Entfernung des Krebsgewebes meistens nicht mehr möglich. Dann ist es das Ziel der Therapie, das Leben zu verlängern, aber auch den Gesundheitszustand zu stabilisieren und eine gute Lebensqualität zu erhalten. Dazu gehört, das Tumorwachstum möglichst zum Stillstand zu bringen oder zu verlangsamen.

    Bei einem Brustkrebs mit Fernmetastasen wird in der Regel der ganze Körper medikamentös behandelt (systemische Therapie). Diese Behandlung kann eine Hormonbehandlung und / oder eine Chemotherapie sein und hat das Ziel, das Tumorwachstum einzudämmen. Bestimmte Brustkrebsarten lassen sich auch mit sogenannten zielgerichteten Therapien behandeln.

    Wie Metastasen behandelt werden, hängt davon ab, wo sie auftreten. Knochenmetastasen können bestrahlt werden, um Schmerzen zu lindern und Knochenbrüchen vorzubeugen. Metastasen in inneren Organen und der Haut können unter bestimmten Voraussetzungen operativ entfernt werden. Manche Metastasen können bestrahlt oder operiert werden. Meist kommt auch eine medikamentöse Behandlung infrage.

    Neben der Beeinflussung der Krebszellen ist das Ziel der Behandlung, die durch den Krebs entstehenden Beschwerden wie Schmerzen sowie mögliche Nebenwirkungen der Therapie zu lindern. Therapien zur Tumorbehandlung können schwere Nebenwirkungen haben, manchmal führen sie auch zu Folgeerkrankungen. Eine häufige Nebenwirkung ist die sogenannte Fatigue (französisch für „Müdigkeit“), eine lähmende körperliche und geistige Erschöpfung. Schmerzen lassen sich durch eine gut abgestimmte Schmerztherapie lindern – auch wenn sie stark sind. Eine rein lindernde und unterstützende Behandlung wird auch „Palliativtherapie“ (vom lateinischen „pallium“, Mantel) genannt.

    Für die Behandlung von metastasiertem Brustkrebs kommen beispielsweise zertifizierte Brustzentren (Brustkrebszentren), Tumorzentren und onkologische Schwerpunktpraxen infrage. Hier arbeiten spezialisierte Fachkräfte aus verschiedenen Berufsgruppen zusammen. Metastasierter Brustkrebs kann auch in Krankenhäusern oder Praxen ohne spezielle Zertifizierung behandelt werden.

    Rehabilitation

    Eine Anschlussheilbehandlung (AHB) oder Anschlussrehabilitation (ARH) kann direkt oder bis spätestens 14 Tage nach Entlassung aus dem Krankenhaus in Anspruch genommen werden. In besonderen Situationen, wenn nach Entlassung aus der stationären Behandlung beispielsweise noch eine ambulante Chemotherapie oder Bestrahlung abgeschlossen werden muss, beginnt die Frist erst dann. Eine Rehabilitation oder Kur ist auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich.

    Rehabilitationsmaßnahmen werden sowohl ambulant als auch stationär angeboten. Ihr Ziel ist, den Behandlungserfolg zu sichern, den körperlichen und seelischen Zustand zu verbessern und den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern. Meist beinhaltet eine Rehabilitation Sport- und Physiotherapie sowie psychosoziale Unterstützungsangebote. Darüber hinaus werden oft auch Informationsveranstaltungen, Gruppendiskussionen, Sexualberatung, sozialrechtliche Beratungen, Hilfe bei der Versorgung nach der Rehabilitation und Unterstützung bei einer Rückkehr in das Berufsleben angeboten.

    Spezielle berufliche Rehabilitationsmaßnahmen können zudem Fortbildungsmaßnahmen sowie Vorbereitungen für einen Berufswechsel beinhalten.

    Meist dauert eine Reha-Maßnahme drei Wochen. Sie muss ärztlich verschrieben und vom Kostenträger genehmigt werden. Der Kliniksozialdienst kann beim Antrag auf eine Anschlussrehabilitation unterstützen.

    Reha-Servicestellen bieten Beratung zu den Reha-Maßnahmen verschiedener Träger an. Adressen gibt es bei der Krankenkasse oder Rentenversicherung.

    Leben und Alltag

    Die Diagnose „metastasierter Brustkrebs“ zu verarbeiten, sich mit Zukunftsängsten und existenziellen Fragen des Lebens und Sterbens auseinanderzusetzen, ist alles andere als einfach. Auch die Krebsbehandlung selbst kann körperlich und emotional sehr belastend sein. Für Frauen mit metastasiertem Brustkrebs ist es deshalb sehr wichtig, auf das eigene Wohlbefinden zu achten.

    Viele Frauen berichten, dass ihnen die aktive Auseinandersetzung mit der Erkrankung sehr geholfen und sie persönlich verändert hat. Nach einer anfänglichen Zeit der Niedergeschlagenheit orientieren sie sich allmählich neu, bewerten vieles anders und erleben sich selbst oft reifer und bewusster als zuvor. Sie versuchen, möglichst in der Gegenwart zu leben, jeden Tag zu nutzen und zu genießen. Manche Frauen verändern ihren Alltag und verfolgen neue Interessen. Andere finden Halt, indem sie so normal wie möglich weiterleben und versuchen, das Beste aus jedem Tag zu machen.

    So wie die Erkrankung und ihre Behandlung immer wieder neue Herausforderungen mit sich bringen, wird sich auch der Umgang mit der Erkrankung immer wieder verändern. Es gibt kein Patentrezept, wie dies gelingen kann: Jeder betroffene Mensch geht anders mit einer solchen Erkrankung um und muss seinen ganz persönlichen Weg finden.

    Weitere Informationen

    Viele Krankenhäuser und Beratungsstellen bieten Möglichkeiten der psychosozialen und psychoonkologischen Unterstützung. Im Krankenhaus übernehmen vor allem Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte die psychoonkologische Begleitung. Dies kann in Zusammenarbeit mit psychoonkologischen Diensten geschehen. Wer (wieder) zu Hause ist, kann ambulante psychoonkologische Angebote in Anspruch nehmen, etwa von onkologischen Schwerpunktpraxen oder psychosozialen Krebsberatungsstellen.

    Entspannungskurse und Schmerzbewältigungs-Therapien werden häufig in Rehakliniken, aber auch in ärztlichen oder psychotherapeutischen Praxen angeboten. Wenn sie ärztlich verschrieben werden, übernimmt die Krankenkasse die Kosten.

    In Selbsthilfegruppen können Kontakte zu anderen Frauen geknüpft werden, die die mit der Erkrankung verbundenen Gefühle und praktischen Probleme aus eigener Erfahrung kennen. Dort ist es möglich, Themen anzusprechen, die mit nicht krebskranken Menschen oft schwierig zu erörtern sind. Das kann eine große Entlastung sein: Viele Frauen berichten, dass ihnen die Solidarität und Hilfsbereitschaft in einer Gruppe Kraft gibt. Selbsthilfegruppen bieten oft auch weitere Angebote, etwa Sportgruppen oder Hilfe in sozialrechtlichen Fragen.

    Auch im Alltag besteht der Anspruch auf vielfältige Hilfen und finanzielle Leistungen – dazu gehören zum Beispiel das Krankengeld sowie Hilfen bei der Pflege, aber auch im Haushalt und bei der Kinderbetreuung. Es gibt zahlreiche Anlaufstellen, die dazu beraten und bei einer Antragstellung helfen können.

    Quellen

    Albert US, Kempa SM, Kreienberg R, Mühr C, Overbeck-Schulte B, Ranz-Hirt C et al. Brustkrebs II: Die fortgeschrittene Erkrankung, Rezidiv und Metastasierung. 08.2011.

    Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V. (AGO). Kommission Mamma. Diagnostik und Therapie von Patientinnen mit primärem und metastasiertem Brustkrebs. 2015.

    Bauerfeind I (Ed). Manual Mammakarzinome: Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge. München: Zuckschwerdt. 2009.

    Beckermann MJ. Die ambulante Begleitung von Frauen nach Krebserkrankungen. In: Beckermann MJ, Perl FM (Ed). Frauen-Heilkunde und Geburts-Hilfe: Band 2. Basel: Schwabe. 2004: S. 1694-1700.

    Davies M, Sque M. Living on the outside looking in: a theory of living with advanced breast cancer. Int J Palliat Nurs 2002; 8(12): 583-590.

    Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Mammakarzinom der Frau; Diagnostik, Therapie und Nachsorge. S3-Leitlinie. 07.2011 (AWMF-Leitlinien; Band 032 - 045OL).

    Frauenselbsthilfe nach Krebs Bundesverband e.V. Leben mit Metastasen. 01.2015.

    Frauenselbsthilfe nach Krebs Bundesverband e.V. Rehabilitation für Brustkrebspatientinnen und -patienten. 05.2015.

    Krebsinformationsdienst (KID). Brustkrebs: Informationen für Patientinnen, Angehörige und Interessierte. 05.04.2013.

    Lück HJ. Systemische Therapie des metastasierten Mammakarzinoms. In: Kreienberg R, Möbus V, Jonat W, Kühn T (Ed). Mammakarzinom: interdisziplinär. Berlin: Springer. 2010: S. 228-246.

    Luoma ML, Hakamies-Blomqvist L. The meaning of quality of life in patients being treated for advanced breast cancer: a qualitative study. Psychooncology 2004; 13(10): 729-739.

    Mosher CE, Johnson C, Dickler M, Norton L, Massie MJ, DuHamel K. Living with metastatic breast cancer: a qualitative analysis of physical, psychological and social sequelae. Breast J 2013; 19(3): 285-292.

    National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Advanced breast cancer: diagnosis and treatment. NICE Clinical Guidelines (81). 07.2014.

    Tumorregister München. Tumorstatistik: Überleben: C50: Mammakarzinom (Frauen). 02.03.2016.

    Veronesi U, Boyle P, Goldhirsch A, Orecchia R, Viale G. Breast cancer. Lancet 2005; 365 (9472): 1727-1741.

    Willis K, Lewis S, Ng F, Wilson L. The experience of living with metastatic breast cancer: a review of the literature. Health Care Women Int 2015; 36(5): 514-542.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Aromatasehemmer bei fortgeschrittenem Brustkrebs

    Bei Brustkrebs bildet sich von der Brustdrüse ausgehend neues, bösartiges Gewebe. Zuerst entsteht in der Brust ein Tumor; später können sich die Krebszellen im Körpergewebe ausbreiten.

    Bei fortgeschrittenem Brustkrebs kann der Krebs durch eine Operation nicht vollständig entfernt werden, beispielsweise weil er große Teile der Brust eingenommen hat oder in Lymphknoten der Brust eingedrungen ist. Auch wenn die Krebszellen in anderen Körperregionen Metastasen gebildet haben, spricht man von fortgeschrittenem Brustkrebs. Bei Fernmetastasen haben sich die Krebszellen auf entfernte Körperregionen ausgebreitet: auf Knochen, Lunge oder Leber zum Beispiel. Ein Brustkrebs wird außerdem als fortgeschritten eingestuft, wenn er nach einer ersten Behandlung erneut auftritt.

    Für Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs kommen je nach Art des Tumors, ihrer gesundheitlichen Situation und persönlichen Lebenslage verschiedene Behandlungen infrage. Die Standardtherapie besteht darin, den Tumor durch eine Operation möglichst vollständig zu entfernen. Eventuell verbleibende Tumorzellen können im Rahmen einer zusätzlichen (adjuvanten) Therapie durch eine Bestrahlung, eine Hormontherapie oder eine Chemotherapie behandelt werden.

    Etwa Zweidrittel der Frauen mit Brustkrebs haben einen hormonempfindlichen Tumor. Das bedeutet, dass Hormone wie Östrogen beeinflussen, wie rasch das Tumorgewebe wächst. Wenn die Krebszellen Rezeptoren tragen, an denen die Hormone andocken können, bezeichnet man den Tumor als hormonrezeptor-positiv. Bei hormonrezeptor-positiven Tumoren ist eine Antihormontherapie möglich. Sie soll das Wachstum des Tumorgewebes bremsen.

    Eine Antihormontherapie ist zum Beispiel auf folgende Arten möglich:

    • Blockade der Hormon-Rezeptoren auf den Krebszellen: Der Wirkstoff Tamoxifen ähnelt dem Östrogen. Wenn er eingenommen wird, blockiert er bestimmte Hormon-Rezeptoren, die sich auch auf den Krebszellen befinden, sodass das körpereigene Östrogen dort nicht mehr wirken kann.
    • Hemmung der Östrogen-Herstellung: Östrogen entsteht bei Frauen nach den Wechseljahren vor allem in der Nebenniere und im Muskel- und Fettgewebe. Dort ist zur Herstellung ein Enzym nötig, das Aromatase heißt. Wirkstoffe wie Anastrozol, Exemestan und Letrozol blockieren die Aromatase und verhindern so, dass im Körper Östrogen entsteht. Sie werden deshalb Aromatasehemmer genannt. Bei Frauen vor den Wechseljahren werden Östrogene hingegen hauptsächlich in den Eierstöcken gebildet. Dort wirken Aromatasehemmer nicht. Daher wird bei jüngeren Frauen zunächst auf den Wirkstoff Tamoxifen zurückgegriffen.

    Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2016 geprüft, wie Aromatasehemmer im Vergleich zu keiner Behandlung, einer Scheinbehandlung oder anderen Antihormon-Behandlungen abschneiden, zum Beispiel im Vergleich zu Tamoxifen. Es hat außerdem untersucht, ob es Unterschiede zwischen verschiedenen Aromatasehemmern gibt.

    Für die Erstlinientherapie mit Aromatasehemmern fand das Institut geeignete Daten. Eine Erstlinientherapie ist die erste Behandlung gegen fortgeschrittenen Brustkrebs.

    In Deutschland sind die Aromatasehemmer Anastrozol und Letrozol für die Erstlinientherapie zugelassen. Für die Fragestellung, wie Anastrozol und Letrozol in der Erstlinientherapie im Vergleich zu Standardtherapien wie Tamoxifen abschneiden, identifizierte das Institut fünf Studien: Vier Studien mit insgesamt 1290 Frauen verglichen Anastrozol mit Tamoxifen. Eine weitere Studie mit insgesamt 939 Frauen verglich Letrozol mit Tamoxifen. Die Ergebnisse sind im Folgenden darstellt.

    Welche Vor- oder Nachteile haben Aromatasehemmer?

    Aus den Studien lassen sich insgesamt keine Vor- oder Nachteile der Aromatasehemmer im Vergleich zu Tamoxifen ableiten. Entweder zeigten die Studien keinen Unterschied zwischen Aromatasehemmern und Tamoxifen oder die Studiendaten reichten für eine Bewertung nicht aus.

    Wo zeigte sich kein Unterschied?

    Für einige Fragen zur Erstlinientherapie zeigten die Studien keinen Unterschied zwischen Aromatasehemmern und Tamoxifen: So brachen etwa gleich viele Frauen ihre Therapie aufgrund von Nebenwirkungen ab. Außerdem hatten etwa gleich viele Frauen eine schwere Herz-Kreislauf-Erkrankung infolge ihrer Behandlung.

    Welche Fragen sind noch offen?

    Für andere Fragen zur Erstlinientherapie reichten die Daten nicht aus, um eine Antwort geben zu können. So ist beispielsweise unklar, wie sich Aromatasehemmer in der Erstlinientherapie auf die Lebenserwartung auswirken. Verschiedene Studien kamen hier zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die Studien enthielten außerdem keine geeigneten Daten zum Einfluss der Aromatasehemmer auf ein Leben ohne Rückfall, auf die Beschwerden, die der Brustkrebs auslöst oder auf das Vorkommen verschiedener schwerer Nebenwirkungen der Behandlung. Zudem wurde nicht untersucht, wie Aromatasehemmer die Lebensqualität der Frauen beeinflussen.

    Für folgende Therapien mit Aromatasehemmern liegen keine geeigneten Daten vor:

    • Zweitlinientherapie: Wenn die erste Behandlung gegen einen fortgeschrittenen Brustkrebs nicht erfolgreich war, kommt gewöhnlich eine weitere Behandlung infrage. Diese Anschlusstherapie nennt man Zweitlinientherapie. In der Zweitlinientherapie wird häufig ein anderer Wirkstoff oder eine andere Behandlungsmethode eingesetzt, zum Beispiel ein anderer Aromatasehemmer oder eine andere Antihormontherapie.
    • Drittlinientherapie: Eine Behandlung, die sich an eine Zweitlinientherapie anschließt, wenn auch diese nicht erfolgreich war, nennt man Drittlinientherapie. Ob Aromatasehemmer bei diesen beiden Therapieansätzen Vor- oder Nachteile haben, ist unklar.

    Quellen

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Aromatasehemmer beim Mammakarzinom der Frau: Abschlussbericht; Auftrag A10-03. 20.09.2016. (IQWiG-Berichte; Band 437).

    Die vorliegende Gesundheitsinformation gibt die Inhalte des wissenschaftlichen Gutachtens des IQWiG wieder und ist keine leistungsrechtliche Bewertung der Behandlungsmethode, aus der Rückschlüsse auf die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung zulässig wären. Die Entscheidung über die Kostenübernahme diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist per Gesetz dem Gemeinsamen Bundesausschuss vorbehalten. Der Gemeinsame Bundesausschuss bezieht die Gutachten des IQWiG in seine Beschlussfassung ein. Informationen zu den Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses erhalten Sie auf dessen Website unter www.g-ba.de.

    Was Studien sagen: Fortgeschrittener Brustkrebs: Hilft eine Gruppentherapie?

    Die Teilnahme an einer Gruppentherapie kann das emotionale Wohlbefinden von Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs kurzfristig verbessern. Es gibt Hinweise, dass sie die Überlebenschance im ersten Jahr erhöht.

    Bei manchen Frauen breitet sich Brustkrebs weiter aus oder er wird erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Wenn sich über den Brustbereich hinaus an anderen Stellen des Körpers Metastasen gebildet haben, ist eine vollständige Entfernung des Krebsgewebes meistens nicht mehr möglich. Dann ist es das Ziel der Behandlung, das Leben zu verlängern und Schmerzen zu lindern, aber auch den Gesundheitszustand zu stabilisieren und eine gute Lebensqualität zu erhalten.

    Die Diagnose zu verarbeiten, sich mit Zukunftsängsten und existenziellen Fragen des Lebens und Sterbens auseinanderzusetzen, ist alles andere als einfach. Auch die Krebsbehandlung selbst kann körperlich und emotional sehr belastend sein.

    Psychologische und soziale Unterstützung gibt es in unterschiedlicher Form: Neben individueller Beratung, Psychotherapie und Schulung ist auch Unterstützung durch eine ärztlich oder psychotherapeutisch betreute Gruppentherapie möglich. Nach Schätzungen nehmen aber weniger als 10 von 100 an Krebs erkrankte Frauen an einer Gruppentherapie teil. Nicht wenige Frauen bevorzugen den Besuch von Selbsthilfegruppen, in denen sich Betroffene austauschen und unterstützen können.

    Forschung zum Nutzen von Gruppentherapien

    Wissenschaftler der Universität Cardiff (Wales) haben untersucht, wie es Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs nach einer psychologischen Gruppentherapie geht. Sie haben dazu zehn Studien mit insgesamt knapp 1400 Teilnehmerinnen ausgewertet. Die Frauen wurden in der Gruppe immer ärztlich, psychotherapeutisch oder durch andere Fachleute betreut, es handelte sich also nicht um Selbsthilfegruppen.

    Gemeinsames Ziel der Programme war es, den Patientinnen den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern und soziale Unterstützung anzubieten. Einige Programme dauerten nur wenige Wochen oder Monate, die anderen etwa ein Jahr. Vier der Therapiegruppen boten überwiegend soziale Unterstützung an. Drei beinhalteten eine sogenannte kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Bei den anderen drei Programmen wurden die Teilnehmerinnen durch speziell ausgebildete Krankenschwestern oder über telefonische Beratung unterstützt.

    Gruppentherapie kann das Wohlbefinden kurzfristig steigern

    Die Wissenschaftler folgerten, dass auch Frauen mit Brustkrebs durch die Teilnahme an solchen Gruppen ihr emotionales Wohlbefinden und Selbstwertgefühl verbessern können. Diese Wirkung war allerdings einige Monate nach Beendigung der Therapie nicht mehr feststellbar. Die Studien deuten auch an, dass die Teilnehmerinnen an der Gruppentherapie weniger Schmerzen hatten. Die Programme liefern zudem einen Hinweis darauf, dass die Gruppentherapie die Überlebenschance in der ersten Zeit der Erkrankung erhöhen kann:

    • Von 100 Frauen, die an einer Gruppentherapie teilgenommen hatten, lebten nach einem Jahr noch ungefähr 78.
    • Von 100 Frauen, die nicht an einer Gruppentherapie teilgenommen hatten, lebten nach einem Jahr noch etwa 71.

    Längerfristig zeigten sich jedoch keine Unterschiede mehr. Nach fünf Jahren waren in beiden Gruppen vergleichbar viele Frauen verstorben.  

    Möglich ist, dass bestimmte Frauen stärker von einer Gruppentherapie profitieren, andere sich aber eher schlechter fühlen. Weitere Forschung ist auch nötig, um zu klären, wie sich die Gruppentherapie auf das Verhältnis zu Partner oder Partnerin und Familie sowie zu den behandelnden Ärztinnen und Ärzten auswirkt. Auch ist noch nicht bekannt, wie die Gruppentherapie bei Frauen in unterschiedlichen Stadien der Erkrankung wirkt.

    Quellen

    Mustafa M, Carson-Stevens A, Gillespie D, Edwards AG. Psychological interventions for women with metastatic breast cancer. Cochrane Database Syst Rev 2013; (6): CD004253

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Untersuchungen bei metastasiertem Brustkrebs

    Es gibt verschiedene Untersuchungsverfahren, um einen Tumor in der Brust (Brustkrebs) und Metastasen anderswo im Körper zu erkennen. Diese werden für eine möglichst genaue Diagnose oft miteinander kombiniert. Anschließend kann über die Behandlung entschieden werden.

    Die Ärztin oder der Arzt ist der erste Ansprechpartner beim Verdacht auf eine Brustkrebs-Erkrankung, ein Fortschreiten oder eine Rückkehr (Rezidiv) des Krebses. Das kann die Hausärztin, der Frauenarzt oder eine auf die ambulante Krebsbehandlung spezialisierte Fachärztin sein. Je nachdem, welche Beschwerden bestehen, können verschiedene Untersuchungen nötig sein. Die Ärztin oder der Arzt wird selbst untersuchen oder dafür eine Überweisung beispielsweise an ein Krankenhaus oder ein zertifiziertes Brustzentrum ausstellen.

    Ein Brust- oder Tumorzentrum ist eine spezialisierte Klinikabteilung oder ein Verbund mehrerer Fachabteilungen. In zertifizierten Zentren werden an Krebs erkrankte Menschen nach festgelegten Qualitätskriterien untersucht, behandelt und versorgt. In einem Brustzentrum (Brustkrebszentrum) arbeiten in der Regel Fachkräfte aus Gynäkologie, Psychoonkologie, Pflege und weiteren medizinischen Bereichen zusammen.

    Am Anfang der Untersuchung steht immer ein ausführliches Gespräch, in dem die Ärztin oder der Arzt nach den Beschwerden, dem Allgemeinbefinden und der Krankenvorgeschichte fragt.

    Es ist wichtig, dass die Ärztin oder der Arzt für jede Untersuchung in Ruhe erklärt,

    • weshalb sie notwendig ist,
    • wie sie abläuft und was man damit herausfinden kann,
    • ob sie Risiken und Nebenwirkungen hat (zum Beispiel eine Strahlenbelastung oder eine Wunde nach einem kleinen Eingriff),
    • welche anderen Untersuchungsmöglichkeiten es gibt,
    • was die Alternativen sind, wenn man auf die Untersuchungen verzichtet,
    • wann das Ergebnis vorliegt und miteinander besprochen wird.

    Jede Patientin und jeder Patient hat immer das Recht, eine Untersuchung abzulehnen.

    Die hier aufgelisteten Untersuchungen und Klassifizierungen werden von der aktuellen Brustkrebs-Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe aufgeführt. Leitlinien sind eine Entscheidungshilfe für Ärztinnen, Ärzte, Patientinnen und Patienten. Sie sollen helfen, eine möglichst gute und qualitätsgesicherte Behandlung zu gewährleisten. Eine evidenzbasierte Leitlinie stützt sich idealerweise auf die Ergebnisse hochwertiger, aussagekräftiger Studien.

    Es gibt verschiedene Untersuchungsverfahren, um einen Tumor in der Brust (Brustkrebs) und Metastasen anderswo im Körper zu erkennen. Diese werden für eine möglichst genaue Diagnose oft miteinander kombiniert. Anschließend kann über die Behandlung entschieden werden.

    Die Ärztin oder der Arzt ist der erste Ansprechpartner beim Verdacht auf eine Brustkrebs-Erkrankung, ein Fortschreiten oder eine Rückkehr (Rezidiv) des Krebses. Das kann die Hausärztin, der Frauenarzt oder eine auf die ambulante Krebsbehandlung spezialisierte Fachärztin sein. Je nachdem, welche Beschwerden bestehen, können verschiedene Untersuchungen nötig sein. Die Ärztin oder der Arzt wird selbst untersuchen oder dafür eine Überweisung beispielsweise an ein Krankenhaus oder ein zertifiziertes Brustzentrum ausstellen.

    Ein Brust- oder Tumorzentrum ist eine spezialisierte Klinikabteilung oder ein Verbund mehrerer Fachabteilungen. In zertifizierten Zentren werden an Krebs erkrankte Menschen nach festgelegten Qualitätskriterien untersucht, behandelt und versorgt. In einem Brustzentrum (Brustkrebszentrum) arbeiten in der Regel Fachkräfte aus Gynäkologie, Psychoonkologie, Pflege und weiteren medizinischen Bereichen zusammen.

    Am Anfang der Untersuchung steht immer ein ausführliches Gespräch, in dem die Ärztin oder der Arzt nach den Beschwerden, dem Allgemeinbefinden und der Krankenvorgeschichte fragt.

    Es ist wichtig, dass die Ärztin oder der Arzt für jede Untersuchung in Ruhe erklärt,

    • weshalb sie notwendig ist,
    • wie sie abläuft und was man damit herausfinden kann,
    • ob sie Risiken und Nebenwirkungen hat (zum Beispiel eine Strahlenbelastung oder eine Wunde nach einem kleinen Eingriff),
    • welche anderen Untersuchungsmöglichkeiten es gibt,
    • was die Alternativen sind, wenn man auf die Untersuchungen verzichtet,
    • wann das Ergebnis vorliegt und miteinander besprochen wird.

    Jede Patientin und jeder Patient hat immer das Recht, eine Untersuchung abzulehnen.

    Die hier aufgelisteten Untersuchungen und Klassifizierungen werden von der aktuellen Brustkrebs-Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe aufgeführt. Leitlinien sind eine Entscheidungshilfe für Ärztinnen, Ärzte, Patientinnen und Patienten. Sie sollen helfen, eine möglichst gute und qualitätsgesicherte Behandlung zu gewährleisten. Eine evidenzbasierte Leitlinie stützt sich idealerweise auf die Ergebnisse hochwertiger, aussagekräftiger Studien.

    Untersuchungen bei Verdacht auf Brustkrebs

    Es gibt verschiedene Untersuchungsverfahren, um Brustkrebs oder einen wiedergekehrten Tumor in der Brust (Rezidiv) festzustellen. Diese werden für eine möglichst genaue Diagnose oft miteinander kombiniert. Am häufigsten kommen folgende Verfahren zum Einsatz:

    • Tastuntersuchung der Brust, der Operationsnarbe und der Achselhöhlen
    • Röntgenuntersuchung der Brust (Mammografie)
    • Ultraschalluntersuchung (Sonografie)
    • Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie)

    Bei all diesen Untersuchungen wird auch die zweite Brust mituntersucht. Bei einem verdächtigen Knoten wird in der Regel eine Gewebeprobe entnommen und im Labor untersucht (Biopsie), ob es sich um Krebs handelt. Wenn in der Gewebeprobe Krebszellen gefunden werden, spricht man auch von einem „positiven Befund“.

    Untersuchungen bei Verdacht auf Metastasen

    Wenn allgemeine Beschwerden auftreten oder wenn (erneut) Brustkrebs festgestellt wurde, prüft die Ärztin oder der Arzt, ob sich der Tumor auch anderswo im Körper ausgebreitet hat. Dies kann unter anderem mithilfe der folgenden bildgebenden Untersuchungsverfahren geschehen:

    • Röntgenaufnahme des Brustkorbs (Thorax)
    • Knochenszintigrafie
    • Ultraschall der Leber

    Zeigen sich bei diesen Untersuchungen Auffälligkeiten, wird die jeweilige Körperregion genauer untersucht. Dazu können unter anderem weitere Röntgenaufnahmen, eine Computertomografie (CT), eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder in besonderen Situationen eine Positronen-Emissions-Tomografie (PET) eingesetzt werden. Es gibt auch Geräte, die die Positronen-Emissions-Tomografie mit einer Computertomografie kombinieren (PET-CT). Wenn möglich, wird eine Gewebeprobe entnommen (Biopsie).

    Nicht immer sind alle theoretisch möglichen Untersuchungen auch notwendig. Welche im persönlichen Fall sinnvoll und am besten geeignet sind, lässt sich im Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt klären.

    Klassifizierung des Tumors

    Wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind, kann die Ärztin oder der Arzt einschätzen, wie weit der Krebs fortgeschritten ist.

    Lage, Größe und Ausbreitung des Tumors

    Zur Beschreibung des Tumors ist die sogenannte TNM-Klassifikation Standard:

    Merkmal Abkürzung Bedeutung
    Größe des Tumors (T = Tumor) T0 Es wurde kein Tumor entdeckt
      T1 Der Tumor ist maximal 2 cm groß
      T2 Der Tumor ist zwischen 2 und 5 cm groß
      T3 Der Tumor hat einen Durchmesser von mehr als 5 cm
      T4 Der Tumor ist – unabhängig von seiner Größe – auch in die tieferliegende Brustwand oder Haut eingewachsen
    Lymphknoten (N von englisch „node“: Knoten) N0 Die Lymphknoten sind tumorfrei
      N1 bis N3 Die Zahlen 1 bis 3 bezeichnen Lage und Zahl der befallenen regionären Lymphknoten. Finden sich Absiedlungen in Lymphknoten, die nicht zum Abflussgebiet des betroffenen Organs gehören, gelten sie als Fernmetastasen
    (Fern-) Metastasen (M = Metastasen) M0 Es wurden keine Absiedlungen entdeckt
      M1 Es sind (Fern-) Metastasen vorhanden
    Beurteilbarkeit  X Ein bestimmtes Merkmal ist nicht beurteilbar. Dies kann daran liegen, dass es nicht untersucht wurde oder das Ergebnis nicht eindeutig ist (zum Beispiel: NX = Ausbreitung in die Lymphknoten kann nicht beurteilt werden)

     Ergänzend zur TNM-Klassifikation können folgende Angaben gemacht werden:

    • c (von englisch „clinical“: klinisch) zeigt an, dass die Diagnose auf eine körperliche Untersuchung oder Symptome zurückgeht.
    • p (von englisch „pathological“: pathologisch) bedeutet, dass Gewebe im Labor untersucht und die Diagnose aufgrund dieser Untersuchung gestellt wurde.
    • r (Rezidiv) steht dafür, dass ein Tumor erneut aufgetreten ist.
    • y zeigt an, dass der Tumor bereits medikamentös behandelt wurde.

    Anhand dieser Angaben zur Lage, Größe und Ausdehnung sowie weiterer Untersuchungsergebnisse wird ermittelt, in welchem Stadium sich der Tumor befindet. Für diese Einteilung in Stadien wird oft der englische Begriff „staging“ verwendet. Tumore werden in die Stadien 0 bis IV eingeteilt: von 0 für Gewebeveränderungen, die als Krebsvorstufe gelten, bis IV für einen Tumor, der Metastasen gebildet hat.

    Wachstum des Tumors

    Beim sogenannten Grading werden die Tumorzellen im entnommenen Gewebe unter dem Mikroskop untersucht und es wird geprüft, wie sehr sie sich von gesunden Zellen unterscheiden. Oft gilt: Je stärker sie verändert sind, desto schneller wachsen sie und dringen in das umliegende Gewebe ein. Man unterscheidet die Grade G1 bis G3. Je höher der Grad, desto bösartiger ist der Tumor und desto schneller wächst er in der Regel.

    Beeinflussung durch Hormone

    Die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen regen das Wachstum des gesunden Brustgewebes an. Sie können auch das Wachstum von Krebszellen fördern, die ja ursprünglich vom gesunden Gewebe abstammen. Damit die Hormone wirken können, benötigen die Krebszellen Andockstellen (Rezeptoren), die sich durch Laboruntersuchungen nachweisen lassen. Der Hormonrezeptor-Status gibt an, ob die Krebszellen solche Rezeptoren haben oder nicht. Sind Hormonrezeptoren in den Krebszellen enthalten, ist der Hormonrezeptor-Status „positiv“. Dann kann das Wachstum der Tumore in der Regel durch eine Hormonentzugs- oder Antihormontherapie gebremst werden.

    Beeinflussung durch Wachstumsfaktoren

    Humane epidermale Wachstumsfaktor-Rezeptoren (HER) sind Eiweißbausteine außen auf einer Zelle. Sie leiten Wachstumssignale an das Zellinnere weiter. Wenn auf einer Zelle viele HER vorhanden sind, vermehrt sich die Zelle häufiger. Finden sich bei Brustkrebs viele HER vom Typ 2 (HER2-Rezeptoren), ist der HER2-Status (manchmal auch HER2/neu-Status genannt) „positiv“. Dann kann der Krebs mit Therapien behandelt werden, die auf eine Beeinflussung der Wachstumsfaktoren abzielen, um so das Wachstum der Krebszellen zu bremsen.

    Weitere Einflussfaktoren

    Für die Ärztin oder den Arzt sind außerdem folgende Informationen wichtig:

    • Bei einer früheren Brustkrebs-Erkrankung: Wie wurde der Tumor klassifiziert, wie wurde er behandelt? Welche Behandlung hat wie angeschlagen? Wie lange liegt die Ersterkrankung zurück?
    • Wie alt ist die Patientin, und hat sie die Wechseljahre schon hinter sich?
    • Wie ist ihr sonstiger Gesundheitszustand?
    • Liegen weitere Erkrankungen vor?
    • Nimmt sie regelmäßig Medikamente ein?

    Die Diagnose besprechen – die Therapie planen

    Es ist fast unmöglich, alle wichtigen Informationen zu verarbeiten, wenn die Nachricht einer so belastenden Diagnose noch ganz frisch ist. Wohl jeder Mensch ist in dieser Situation ängstlich, verwirrt und braucht erst einmal Zeit, um sich darüber klar zu werden, was die Diagnose konkret bedeutet. Dann kann es hilfreich sein, mit der Ärztin oder dem Arzt einen Termin auszumachen, um offene Fragen zu klären. Sich vor solchen Terminen Fragen aufzuschreiben, kann helfen, nichts Wichtiges zu vergessen. Eine weitere Möglichkeit ist es, sich von Partner oder Partnerin, Freundin oder Angehörigen begleiten zu lassen. Unterstützen kann es auch, Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe aufzunehmen, um sich mit anderen betroffenen Frauen auszutauschen.

    Es ist jederzeit möglich, sich eine Zweitmeinung von einer anderen Ärztin oder einem anderen Arzt einzuholen. Dies ist ein ganz normaler Vorgang, den man mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprechen kann, aber nicht muss. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für das Einholen einer Zweitmeinung. Um sicher zu gehen, kann man sich jedoch vorher mit der Krankenkasse in Verbindung setzen.

    Wenn die Diagnose feststeht, gibt es häufig verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Brustkrebs ist normalerweise kein Notfall – es gibt also Zeit, um abzuwägen. Bei metastasiertem Brustkrebs wird in der Regel von spezialisierten Ärztinnen und Ärzten ein Behandlungsplan erstellt, beispielsweise an einem zertifizierten Brustzentrum. Es ist eine persönliche Entscheidung, ob man sich schließlich allein für eine Behandlung entscheidet, dies zusammen mit der Ärztin oder dem Arzt tut oder das weitere Vorgehen der Ärztin oder dem Arzt überlässt. Auch der teilweise oder vollständige Verzicht auf eine Behandlung der Krebserkrankung kann eine Möglichkeit sein. Manchen Frauen ist der möglichst lange Erhalt einer guten Lebensqualität wichtiger als die gezielte Behandlung der Krebserkrankung. In jedem Fall sollte man sich nicht scheuen, bei Ärztinnen und Ärzten nachzufragen, wenn noch Informationen fehlen.

    Bei der Entscheidung für oder gegen eine Therapie können vielleicht folgende Fragen helfen:

    • Inwiefern kann die Behandlung den Gesundheitszustand verbessern?
    • Welche Nebenwirkungen kann die Behandlung haben?
    • Wie würde die Therapie die Lebensqualität beeinflussen? Wie würde sie sich auf das Alltags-, Berufs- und Familienleben auswirken?
    • Welche anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Welche Vor- und Nachteile haben sie im Vergleich?
    • Welche Auswirkungen hätte es, zum jetzigen Zeitpunkt auf eine Behandlung der Krebserkrankung zu verzichten? Wie wäre dann der vermutliche Krankheitsverlauf?
    • Gibt es Studien für Frauen mit metastasiertem Brustkrebs, in denen neue Medikamente geprüft werden, die  infrage kommen?

    Vertrauen ist wichtig

    Gespräche mit Ärztinnen und Ärzten, mit der Familie, mit Freundinnen und Freunden können dabei helfen, solche Fragen zu klären. Darüber hinaus ist es möglich, sich psychoonkologisch oder psychologisch beraten zu lassen oder Frauen, die selbst in einer ähnlichen Situation waren, nach ihren Erfahrungen zu befragen, etwa in einer Selbsthilfegruppe.

    Ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Ärztinnen und Ärzten ist eine wichtige Grundlage für die Behandlung. Viele Frauen möchten die weiteren Schritte mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, die oder der sie bisher schon begleitet hat. Manche haben aber auch das Gefühl, dass die Ärztin oder der Arzt sich zu wenig Zeit für ihre Fragen und Ängste nimmt – oder anders behandeln möchte, als das für sie zurzeit vorstellbar ist.

    Auch wenn das merkwürdig klingen mag: Für manche Ärztinnen und Ärzte kann ein metastasierter Brustkrebs und das Wissen, ihre Patientin wahrscheinlich nicht mehr vollständig heilen zu können, nur sehr schwer auszuhalten sein, sodass sie zum Beispiel in Aktivismus (zu viele Behandlungen und Untersuchungen) flüchten oder ausführliche Gespräche vermeiden. Wer den Eindruck hat, dass dies der Fall ist und sich nicht gut betreut fühlt, kann das durchaus ansprechen oder den Arzt wechseln.

    Quellen

    Albert US, Kempa SM, Kreienberg R, Mühr C, Overbeck-Schulte B, Ranz-Hirt C et al. Brustkrebs II: Die fortgeschrittene Erkrankung, Rezidiv und Metastasierung. 08.2011.

    Beckermann MJ. Die ambulante Begleitung von Frauen nach Krebserkrankungen. In: Beckermann MJ, Perl FM (Ed). Frauen-Heilkunde und Geburts-Hilfe: Band 2. Basel: Schwabe. 2004: S. 1694-1700.

    Butow PN, Dowsett S, Hagerty R, Tattersall MH. Communicating prognosis to patients with metastatic disease: what do they really want to know? Support Care Cancer 2002; 10(2): 161-168.

    Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Mammakarzinom der Frau; Diagnostik, Therapie und Nachsorge. S3-Leitlinie. 07.2011 (AWMF-Leitlinien; Band 032 - 045OL).

    Kenne Sarenmalm E, Thoren-Jönsson AL, Gaston-Johansson F, Ohlen J. Making sense of living under the shadow of death: adjusting to a recurrent breast cancer illness. Qual Health Res 2009; 19(8): 1116-1130.

    Lewis S, Yee J, Kilbreath S, Willis K. A qualitative study of women's experiences of healthcare, treatment and support for metastatic breast cancer. The Breast 2015; 24(3): 242-247.

    Lück HJ. Systemische Therapie des metastasierten Mammakarzinoms. In: Kreienberg R, Möbus V, Jonat W, Kühn T (Ed). Mammakarzinom: interdisziplinär. Berlin: Springer. 2010: S. 228-246.

    Svensson H, Brandberg Y, Einbeigi Z, Hatschek T, Ahlberg K. Psychological reactions to progression of metastatic breast cancer: an interview study. Cancer Nurs 2009; 32(1): 55-63.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Therapien und mögliche Folgen

    Nach einer Brustkrebs-Diagnose wird in der Regel zunächst versucht, den Krebs vollständig zu entfernen. Wenn sich über den Brustbereich hinaus Metastasen gebildet haben, ist dies aber nicht mehr möglich. Dann ist das Ziel der Therapie, das Leben zu verlängern, den Gesundheitszustand zu stabilisieren und eine gute Lebensqualität zu erhalten.

    Die Behandlung von metastasiertem Brustkrebs hat das Ziel, das Tumorwachstum möglichst zum Stillstand zu bringen oder zu verlangsamen. Außerdem ist es möglich, die Symptome zu lindern, mögliche Nebenwirkungen der Therapie abzuschwächen und Begleiterkrankungen zu behandeln. Auftretende Schmerzen lassen sich durch eine gut abgestimmte Schmerztherapie behandeln. Mit einer sorgfältig geplanten und angepassten Therapie und bei einem guten Allgemeinzustand ist es oft auch mit Metastasen möglich, die Erkrankung über Jahre in Schach zu halten und trotz Beschwerden eine gute Lebensqualität zu erreichen.

    Nach einer Brustkrebs-Diagnose wird in der Regel zunächst versucht, den Krebs vollständig zu entfernen. Wenn sich über den Brustbereich hinaus Metastasen gebildet haben, ist dies aber nicht mehr möglich. Dann ist das Ziel der Therapie, das Leben zu verlängern, den Gesundheitszustand zu stabilisieren und eine gute Lebensqualität zu erhalten.

    Die Behandlung von metastasiertem Brustkrebs hat das Ziel, das Tumorwachstum möglichst zum Stillstand zu bringen oder zu verlangsamen. Außerdem ist es möglich, die Symptome zu lindern, mögliche Nebenwirkungen der Therapie abzuschwächen und Begleiterkrankungen zu behandeln. Auftretende Schmerzen lassen sich durch eine gut abgestimmte Schmerztherapie behandeln. Mit einer sorgfältig geplanten und angepassten Therapie und bei einem guten Allgemeinzustand ist es oft auch mit Metastasen möglich, die Erkrankung über Jahre in Schach zu halten und trotz Beschwerden eine gute Lebensqualität zu erreichen.

    Nebenwirkungen und psychische Folgen

    Die Behandlung einer Krebserkrankung kann belastend sein. Verfahren zur Therapie eines Tumors haben oft schwere Nebenwirkungen, manchmal führen sie auch zu Folgeerkrankungen. Die unerwünschten Wirkungen unterscheiden sich je nach Art der Therapie, können jedoch ihrerseits in der Regel gut behandelt werden. Die Behandlung der Nebenwirkungen gehört zur unterstützenden Therapie (Supportivtherapie). Werden die Belastungen durch die Behandlung dennoch zu stark, kann es gute Gründe geben, sich gegen eine (erneute) Therapie zu entscheiden.

    Eine häufige Nebenwirkung ist die sogenannte Fatigue (französisch für „Müdigkeit“). Der Begriff steht für eine lähmende körperliche und geistige Erschöpfung und Müdigkeit, die mit einer hohen Empfindlichkeit einhergehen kann. Fatigue kann während der Therapie und manchmal auch darüber hinaus andauern. Sie entsteht wahrscheinlich infolge der körperlichen und seelischen Reaktionen auf die Erkrankung sowie auf die Behandlung. Fatigue kann psychisch sehr belastend sein und depressive Verstimmungen auslösen oder verstärken. Sie kann dazu führen, dass schon Kleinigkeiten nicht mehr oder nur unter großer Anstrengung bewältigt werden können. Wichtig ist, mit der Ärztin oder dem Arzt darüber zu sprechen und einen persönlichen Weg zu finden, mit Fatigue umzugehen.

    Eine lebensbedrohende Erkrankung, deren Therapie immer wieder körperliche Belastungen mit sich bringt, zieht unweigerlich auch die Psyche in Mitleidenschaft. Fast jeder Mensch erlebt in einer solchen Situation Phasen der Niedergeschlagenheit. Halten sie über längere Zeit an, kann sich eine Depression entwickeln. Dann ist es wichtig, diese behandeln zu lassen, denn eine Depression ist selbst eine ernste Erkrankung.

    Normal sind neben Trauer und Niedergeschlagenheit auch Gefühle wie Angst, Wut und Aggression. Mit ihnen umzugehen, kann eine große Herausforderung sein. Hinzu kommen Veränderungen im Alltag und im sozialen Umfeld: Vielleicht ist es nicht mehr möglich, berufstätig zu sein und soziale Aktivitäten im gewohnten Maß auszuüben. Freundschaften und Beziehungen können sich verändern.

    Behandlungsmöglichkeiten

    Für die Behandlung von metastasiertem Brustkrebs kommen zertifizierte Brustzentren (Brustkrebszentren) oder Tumorzentren sowie onkologische Schwerpunktpraxen infrage. Hier arbeiten Fachkräfte aus verschiedenen Berufsgruppen zusammen, die sich mit den Auswirkungen der Erkrankung und der Behandlung auf Körper und Psyche auskennen. Metastasierter Brustkrebs kann auch in Krankenhäusern oder Praxen ohne Zertifizierung behandelt werden.

    Bei einem Brustkrebs mit Metastasen in anderen Körperregionen wird in der Regel der ganze Körper medikamentös behandelt (systemische Therapie), um das Tumorwachstum einzudämmen. Diese Behandlung kann eine Antihormonbehandlung oder eine Chemotherapie sein. Bestimmte Brustkrebsarten lassen sich auch mit sogenannten zielgerichteten Therapien behandeln, zum Beispiel mit einer Antikörpertherapie.

    Meist werden verschiedene Behandlungen nacheinander eingesetzt. Bestimmte Behandlungen können auch miteinander kombiniert werden. Wenn Tumorzellen nach einer Weile gegen einen bestimmten Wirkstoff unempfindlich werden, kann ein anderes Medikament oder Therapieverfahren angewandt werden, um das Wachstum einzudämmen. Dieses schrittweise Vorgehen wird als Stufentherapie bezeichnet. Bestimmte Metastasen können auch bestrahlt, einzelne Absiedlungen vielleicht operiert werden.

    Da Art und Verlauf einer Brustkrebserkrankung von Frau zu Frau anders sind, gibt es nicht „die“ beste Behandlung. Es kommt darauf an, eine angemessene, persönlich passende Therapie für jede Phase der Erkrankung zu finden und verschiedene Verfahren möglichst gut aufeinander abzustimmen. Dies ist nicht immer einfach und erfordert eine gute Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten sowie innerhalb des Behandlungsteams.

    Oft entstehen viele Fragen – ob zu den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten, zu den zu erwartenden Beschwerden oder auch zur Teilnahme an klinischen Studien. Bei einem Arzttermin in der Aufregung wichtige Fragen zu vergessen, passiert leicht. Es kann helfen, sich die Fragen vorher aufzuschreiben und mitzunehmen oder sich vom Partner, von Angehörigen oder Freunden begleiten und im Arztgespräch unterstützen zu lassen.

    Bei der Entscheidung für oder gegen eine (Folge-)Behandlung besteht in der Regel kein unmittelbarer Zeitdruck, da ein etwas verzögerter Therapiebeginn den Behandlungserfolg kaum beeinflusst. Es ist also möglich, die Vor- und Nachteile der vorgeschlagenen Möglichkeiten in Ruhe ein paar Tage oder Wochen zu überdenken und sich bei Bedarf zusätzliche Informationen oder Zweitmeinungen einzuholen. Jede Patientin und jeder Patient hat außerdem immer das Recht, eine Behandlung abzulehnen oder abzubrechen – egal, ob sie in der Arztpraxis, in der Klinik oder im Rahmen einer Studie angeboten oder begonnen wurde.

    Hormontherapie / Antihormontherapie

    Bei Frauen mit einem „positiven Hormonrezeptor-Status“ wird das Tumorwachstum in der Regel durch die Hormone Östrogen und Gestagen angeregt. Um das Wachstum hormonempfindlicher Tumore zu bremsen, kann die körpereigene Hormonproduktion in den Eierstöcken eingedämmt oder die Wirkung der Hormone gestört werden (Antihormontherapie). Dazu nehmen Frauen sogenannte Antiöstrogene wie Tamoxifen oder Fulvestrant, oder nach den Wechseljahren sogenannte Aromatasehemmer. Vor allem jüngere Frauen erhalten manchmal zusätzlich sogenannte GnRH-Analoga. Diese Medikamente verhindern bei regelmäßiger Einnahme, dass die Eierstöcke Geschlechtshormone bilden.

    Nebenwirkungen und Folgen

    Antiöstrogene können das Thromboserisiko erhöhen und Veränderungen an der Gebärmutterschleimhaut bewirken. Aromatasehemmer können unter anderem Muskel- und Gelenkbeschwerden verursachen sowie die Knochendichte verringern und somit das Risiko für Knochenbrüche erhöhen.

    Eine antihormonelle Behandlung führt bei jüngeren Frauen zum Ausbleiben der Regelblutung. Während der Therapie ist keine Schwangerschaft möglich. Eine häufige Folge der Behandlung sind Beschwerden, wie sie auch in den Wechseljahren auftreten können: Hitzewallungen, Schlafstörungen, trockene Haut und Schleimhäute.

    Chemotherapie

    Die Chemotherapie ist eine medikamentöse Behandlung mit Wirkstoffen, die die Zellteilung hemmen. Diese sogenannten Zytostatika gibt es in der Regel als Infusion, manchmal aber auch als Tabletten. Es stehen viele verschiedene Zytostatika zur Verfügung, die kombiniert oder als Einzelwirkstoff (Monotherapie) eingesetzt werden können. Dadurch, dass sie über den Blutkreislauf transportiert werden, wirken Zytostatika im gesamten Körper und können auch Metastasen erreichen, die vielleicht noch nicht entdeckt wurden.

    Diese Behandlung soll das Tumorwachstum verlangsamen, stoppen oder dazu führen, dass sich Tumore soweit wie möglich zurückbilden. Bei metastasiertem Brustkrebs gibt es verschiedene Chemotherapien, die in der Regel nacheinander gegeben werden. Die Auswahl der Medikamente richtet sich auch danach, welche Nebenwirkungen damit verbunden sind und welche als besonders belastend empfunden werden. Andere Erkrankungen können bei der Wahl der Behandlung ebenfalls eine Rolle spielen.

    Eine Chemotherapie besteht meist aus sogenannten Zyklen oder Kursen. Dies bedeutet, man nimmt die Medikamente über einige Tage und pausiert vor der nächsten Anwendung, damit sich der Körper erholen kann. Heutzutage finden die meisten Chemotherapien ambulant statt. Dennoch ist manchmal ein Krankenhausaufenthalt notwendig, etwa wenn bestimmte Körperfunktionen aufgrund der intensiven Therapie besonders überwacht werden müssen.

    Nebenwirkungen und Folgen

    Chemotherapien schädigen auch gesunde Körperzellen, vor allem Zellen, die sich häufig teilen. Dies sind zum Beispiel Haar- und Schleimhautzellen, aber auch Blutzellen. Dadurch kann es zu Haarausfall, Entzündungen der Mundschleimhaut, Übelkeit und Verdauungsbeschwerden kommen. Die Schädigung der Blutzellen kann sich durch Blässe durch Blutarmut (Anämie), Infektionsanfälligkeit, Kurzatmigkeit und Erschöpfung (Fatigue) sowie erhöhte Blutungsneigung bemerkbar machen.

    Das Ausmaß der Nebenwirkungen ist von Frau zu Frau unterschiedlich und hängt auch vom Wirkstoff, von der Dosis und der Art der Anwendung ab. Da sich gesunde Zellen erneuern können, sind die meisten Nebenwirkungen einer Chemotherapie vorübergehend. Das heißt, sie treten nur während der Therapie auf oder solange ihre Wirkung anhält. Einige dieser Begleiterscheinungen lassen sich gut behandeln: So können vorbeugend (prophylaktisch) vor und während der Chemotherapie Medikamente gegen Übelkeit genommen werden. Kommt es während einer Chemotherapie zu einer Infektion, kann diese mit Antibiotika behandelt werden.

    Viele Zytostatika stören die Funktion der Eierstöcke. Dann bleibt bei Frauen vor den Wechseljahren die Regelblutung aus. Der plötzliche Hormonmangel kann zu Hitzewallungen, Schlafstörungen und Hauttrockenheit führen. Ob sich der Zyklus nach einer abgeschlossenen Chemotherapie wieder normalisiert, hängt unter anderem vom Alter ab.

    Sogenannte zielgerichtete Therapien

    In den letzten Jahren wurden einige Wirkstoffe neu zugelassen, die gezielt gegen Krebszellen mit bestimmten Eigenschaften gerichtet sind. Wenn sich auf Krebszellen der Wachstumsrezeptor HER2 findet, können Antikörper wie Pertuzumab und Trastuzumab eingesetzt werden. Außerdem kommt der Wirkstoff Lapatinib infrage.

    Diese Medikamente sollen wachstumsfördernde Signale in den Krebszellen blockieren und so das Wachstum hemmen und die Metastasen verkleinern. Die Wirkstoffe werden in der Regel mit einer Chemotherapie kombiniert. Trastuzumab kann auch in Verbindung mit dem Wirkstoff Emtansin verabreicht werden. Emtansin soll Krebszellen gezielt abtöten.

    Ein weiterer Antikörper ist Bevacizumab. Er wird bei HER2-negativen Tumoren eingesetzt und soll die Versorgung der Krebszellen behindern. Auch Bevacizumab wird als Infusion und in Kombination mit einem Chemotherapeutikum angewendet. Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat im November 2011 für Bevacizumab die Zulassung für das Anwendungsgebiet metastasierter Brustkrebs in den USA zurückgezogen. Der Grund: Die FDA geht davon aus, dass eine Bevacizumab-Therapie bei fortgeschrittenem Brustkrebs mehr schadet als nutzt.

    Nebenwirkungen und Folgen

    Bei einer Behandlung mit dem Antikörper Trastuzumab kann unter anderem das Herz geschädigt werden. In Kombination mit Emtansin kann es unter anderem zu Störungen der Blutgerinnung, Erschöpfung (Fatigue) und Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall kommen. Zu den Nebenwirkungen von Pertuzumab gehören Blutarmut, eine Verminderung der weißen Blutkörperchen, Erschöpfung und Durchfall. Bevacizumab kann Bluthochdruck und Blutungen im Magen-Darm-Trakt verursachen und dazu führen, dass über den Urin vermehrt Eiweiß ausgeschieden wird. Im Mai 2013 wies der Hersteller von Bevacizumab auf weitere mögliche Risiken hin. Demnach war es bei verschiedenen Patientinnen und Patienten zu einer seltenen, aber lebensbedrohlichen Hautentzündung gekommen, nekrotisierende Fasziitis genannt.

    Bei der Therapie mit Lapatinib können Durchfall, Hautausschlag und Leberschäden auftreten.

    Operative Therapie

    Tumore in der Brust werden möglichst operativ entfernt mit dem Ziel, ihr Wachstum und die weitere Verbreitung von Krebszellen im Körper zu verhindern. Dabei kann mitunter brusterhaltend operiert werden. Wenn die Brust entfernt wird, besteht in vielen Fällen die Möglichkeit, sie wieder aufzubauen.

    Bei einem metastasierten Brustkrebs hat der Tumor bereits Absiedlungen im Körper gebildet. Um das Tumorwachstum im Körper zu kontrollieren, kommen dann vor allem nicht-operative Therapien infrage.

    Nebenwirkungen und Folgen

    Werden Lymphknoten im Bereich der betroffenen Brust und der Achsel entfernt, kann sich ein Lymphödem bilden. Dabei schwillt der Arm der betroffenen Seite an, weil sich Lymphflüssigkeit (Lymphe) darin staut.

    Wie nach jeder Operation kann es zu Schmerzen kommen. Meist bleibt eine sichtbare Operationsnarbe zurück. Die begleitende Therapie kann die Wundheilung verzögern. Wundheilungsstörungen sind allerdings selten. Es ist möglich, dass die Empfindsamkeit der Haut und die Beweglichkeit der Schulter nach der Operation eingeschränkt sind.

    Der Verlust einer oder beider Brüste ist für viele Frauen ein schwerwiegendes Ereignis. Die Brust ist ein Symbol für Weiblichkeit, sexuelle Attraktivität und Mütterlichkeit. Ihr Verlust kann Ängste hervorrufen, nicht mehr attraktiv zu sein, Sexualität nicht mehr genießen zu können oder gar den Partner zu verlieren. Weil eine Brustentfernung mit solchen Ängsten verbunden ist und vielleicht Nebenwirkungen mit sich bringt, kann es vor der Entscheidung für oder gegen einen Eingriff sinnvoll sein, sich eine Zweitmeinung und weiterführende Informationen einzuholen. In der Regel ist dafür genug Zeit. Vielleicht kommt auch ein Wiederaufbau der Brust infrage. In einer solchen Situation kann es hilfreich sein, sich professionelle Unterstützung zu holen und sich zum Beispiel psychoonkologisch beraten zu lassen.

    Strahlentherapie

    Bei einer Strahlentherapie – auch Bestrahlung oder Radiotherapie genannt – werden energiereiche Strahlen auf das Tumorgewebe gerichtet. Ziel ist, die Krebszellen so zu schädigen, dass sie absterben. Bei einer externen Strahlentherapie wird das Gewebe von außen durch die Haut (perkutan) bestrahlt. Bei der internen Strahlentherapie werden radioaktive Strahler direkt in den Tumor oder seine unmittelbare Umgebung eingebracht.

    Als Erstbehandlung wird eine Strahlentherapie in der Regel empfohlen, wenn der Tumor nicht mehr operativ entfernt oder verkleinert werden kann. Eine Strahlentherapie kann auch eingesetzt werden, um Metastasen zu behandeln.

    Nach einer Operation soll die Bestrahlung möglicherweise noch vorhandene Krebszellen beseitigen und so das Risiko für eine Tumor-Neubildung verringern.

    Nebenwirkungen und Folgen

    Müdigkeit ist eine der häufigsten Nebenwirkungen einer Strahlentherapie. Die Bestrahlung kann auch gesundes Gewebe schädigen, vor allem die Haut im bestrahlten Bereich. Beispielsweise kann die Haut empfindlich und gerötet sein. Im Gegensatz zu Tumorzellen können sich gesunde Zellen jedoch besser erholen, deshalb treten die Schäden in der Regel nur während und einige Zeit nach der Therapie auf. Werden Lymphknoten bestrahlt, erhöht sich das Risiko für ein Lymphödem.

    Behandlung einzelner Metastasen

    Bei metastasiertem Brustkrebs hat der Tumor Absiedlungen in anderen Körperbereichen oder Organen gebildet, etwa in den Knochen, der Haut, der Lunge, der Leber und dem Gehirn. Wie die Metastasen behandelt werden, hängt davon ab, wo sie sich bilden.

    Metastasen in den Knochen

    Wenn Metastasen im Skelett auftreten, stören die Krebszellen den Auf- und Abbau von Knochen. Dadurch wird die Stabilität der Knochen beeinträchtigt, so dass sie schneller brechen können.

    Knochenmetastasen können mit einer Strahlentherapie behandelt werden. Die Bestrahlung von Knochenmetastasen soll die Schmerzen lindern und die Stabilität der Knochen stärken, um Knochenbrüchen vorzubeugen. Zudem können Knochenmetastasen operiert werden, um Schmerzen zu lindern und die Knochen zu stabilisieren.

    Außerdem können Medikamente den Knochenabbau hemmen. Sogenannte Bisphosphonate können zwar nicht ganz verhindern, dass Knochen durch Metastasen geschädigt werden. Sie bremsen den Abbau aber zumindest so weit ab, dass Brüche seltener vorkommen. Schwerwiegende Nebenwirkungen wie das Absterben von Gewebe im Kieferknochen (Kiefernekrose) sind selten.

    Ein weiteres Medikament, das den Knochenabbau hemmt, ist Denosumab. Denosumab kann jedoch das Risiko für die Entstehung eines anderen bösartigen Tumors erhöhen. Zudem steigert die Einnahme das Risiko für Nekrosen des Kieferknochens und Störungen des Kalziumstoffwechsels. Denosumab kann außerdem zu Harnwegsinfektionen, Atemwegsinfektionen und einem Grauen Star führen.

    Metastasen in inneren Organen und der Haut

    Wenn Metastasen in inneren Organen – etwa in der Lunge oder Leber – oder in der Haut auftreten, ist eine gezielte Behandlung dieser Metastasen möglich, wenn

    • der Tumor keine anderen Absiedlungen gebildet hat,
    • Metastasen nur in einem Lungenflügel oder Leberlappen auftreten (nicht in beiden),
    • der Tumor nicht wieder am selben Ort aufgetreten ist (Rezidiv),
    • sich kein zweiter Tumor entwickelt hat und
    • die erste Behandlung bei Auftreten der Metastasen mindestens ein Jahr zurückliegt.

    Wenn der Tumor Absiedlungen in der Lunge gebildet hat, kommt eine Operation infrage, wenn es nur eine einzelne Metastase gibt oder die Metastasen sich nur in einem Lungenflügel finden. An eine solche Operation schließt sich in der Regel eine Behandlung mit Medikamenten an.

    Auch wenn Metastasen in nur einem Leberlappen auftreten, können sie operativ entfernt werden. Eine Alternative zu einer Operation kann auch eine Radiofrequenzablation (RFA) sein. Das ist ein Verfahren, bei dem das Metastasengewebe mit einer Sonde stark erhitzt und dadurch so stark geschädigt wird, dass es nicht mehr wachsen kann. An beide Therapien schließt sich in der Regel eine medikamentöse Behandlung an.

    Der Tumor kann auch Absiedlungen im Lungenfell bilden. Dadurch kann sich vermehrt Flüssigkeit in der sogenannten Pleurahöhle, dem schmalen Spalt zwischen Lunge und Rippen, ansammeln. Fachleute sprechen dann von einem Pleuraerguss. Die Flüssigkeitsansammlung kann zu Atembeschwerden und Schmerzen führen. Mithilfe einer Operation oder mit Medikamenten kann dieser Spalt geschlossen werden, so dass sich dort keine Flüssigkeit mehr ansammeln kann.

    Begrenzte Hautmetastasen oder Metastasen in den Muskeln können operativ entfernt oder bestrahlt werden. Wenn die Metastasen noch relativ klein sind und an der Hautoberfläche liegen, könnte auch eine Salbe mit einem chemotherapeutischen Wirkstoff helfen.

    Metastasen im Gehirn können mit starken Schmerzen einhergehen. Diese können unter anderem durch eine Schwellung verursacht werden oder dadurch, dass sich Flüssigkeit im Gehirn ansammelt. Je nachdem wo sich die Metastasen befinden, kann es auch zu Folgeerscheinungen wie Gleichgewichtsstörungen oder Lähmungen kommen. Einzelne Hirnmetastasen können operiert oder bestrahlt werden. Wenn sich mehrere Metastasen im Gehirn entwickelt haben, wird das ganze Gehirn bestrahlt. Gleichzeitig kann eine medikamentöse Therapie eine Möglichkeit sein, unter anderem um Schmerzen und weitere Folgen der Schwellung des Gehirns zu lindern.

    Auch in anderen Körperbereichen wie der Lunge und Leber kann die Strahlentherapie eine Möglichkeit sein, Beschwerden zu lindern und das Tumorwachstum vorübergehend zu stoppen oder zu verlangsamen.

    Komplementäre Therapien

    Viele Menschen sehen ergänzende (komplementäre) oder „alternative“ Behandlungsverfahren wie pflanzliche Mittel, Homöopathie oder Akupunktur als Möglichkeit, ihre Selbstheilungskräfte zu stärken und ihr Wohlbefinden zu verbessern.

    Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die meisten komplementären Verfahren nicht, da ihr Nutzen nicht ausreichend wissenschaftlich belegt ist. Wer eine komplementäre Behandlung in Erwägung zieht, erkundigt sich vorher am besten bei der Krankenkasse, ob sie die Kosten übernimmt.

    Manche Menschen setzen ihre Hoffnung in alternative Verfahren, wenn die „Schulmedizin“ keine Heilung oder deutliche Verbesserung (mehr) versprechen kann. Immer neue Therapien auszuprobieren, kann jedoch zu immer neuen Enttäuschungen führen. Vorsicht ist vor allem dann geboten, wenn ein Mittel oder eine Methode nicht als Ergänzung, sondern als Alternative zur ärztlichen Behandlung angepriesen wird, Heilung verspricht und / oder sehr teuer ist und selbst bezahlt werden müsste.

    Auch komplementäre Therapien können Nebenwirkungen haben. Die Annahme „pflanzlich gleich unschädlich“ ist falsch. Zum Beispiel ist die bei Krebserkrankungen häufiger eingesetzte, jedoch umstrittene Misteltherapie nicht frei von Nebenwirkungen.

    Einige komplementäre Mittel können die Wirksamkeit anderer Medikamente – zum Beispiel von Betäubungs- oder Schmerzmitteln – beeinflussen oder das Risiko von Blutungen erhöhen. Auch die Wirkung der Brustkrebstherapie kann durch komplementäre Mittel verändert werden: Sie können ihre Wirksamkeit verringern oder ihre Nebenwirkungen verstärken. Deshalb ist es wichtig, den Ärztinnen und Ärzten mitzuteilen, wenn solche Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt werden.

    Palliativmedizin: Mit der Erkrankung leben

    Eine Behandlung, deren Ziel nicht die Heilung, sondern die Unterstützung im Leben mit der Erkrankung und die Linderung von Beschwerden wie Schmerzen ist, wird auch „palliativ“ (vom lateinischen „pallium“, Mantel) genannt. Häufig wird eine palliative Behandlung als Betreuung und Begleitung während der letzten Wochen des Lebens verstanden. Eine palliative Behandlung kann sich jedoch über viele Monate und Jahre erstrecken. Abhängig von den Beschwerden und Wünschen der Patientinnen und Patienten kann diese bereits kurz nach der Diagnose einer metastasierten Erkrankung beginnen.

    Eine palliative Behandlung, Betreuung und Begleitung kann ambulant zu Hause oder stationär in einer Einrichtung erfolgen. Die Begleitung übernimmt ein speziell ausgebildetes Team aus Ärztinnen und Ärzten, Pflegepersonal, Physiotherapeuten, Sozialarbeiterinnen, Seelsorgern sowie ehrenamtlich tätigen Menschen. Je nach körperlichem und psychischem Zustand kann dabei die Bewältigung des Alltags oder die Begleitung am Lebensende im Mittelpunkt stehen.

    Psychoonkologische Begleitung

    Mit den körperlichen wie psychischen Belastungen durch die Erkrankung und ihre Behandlung umzugehen, ist eine Herausforderung, der sich niemand allein stellen muss. Den Schock der Diagnose zu verarbeiten, sich mit Zukunftsängsten und existenziellen Fragen des Lebens und Sterbens auseinanderzusetzen, ist alles andere als einfach. Hilfe anzunehmen, kann die eigenen Kräfte schonen und es erleichtern, Wege zu finden, um mit der Krankheit so gut wie möglich leben zu können.

    Im Rahmen einer guten onkologischen Therapie wird heute auch eine psychoonkologische Behandlung angeboten. Psychoonkologinnen oder -onkologen sind speziell ausgebildete psychologische, medizinische und / oder sozialpädagogische Fachkräfte, die die Patientin und ihre Angehörigen bei der seelischen und sozialen Bewältigung der Erkrankung unterstützen, wenn sie dies wünschen.

    Im Krankenhaus übernehmen vor allem Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte die psychoonkologische Begleitung. Dies kann in Zusammenarbeit mit psychoonkologischen Diensten geschehen. Psychoonkologische Angebote gibt es auch im Rahmen der Rehabilitation. Wer (wieder) zu Hause ist, kann ambulante psychoonkologische Angebote in Anspruch nehmen. Hierfür kommen folgende Fachleute und Einrichtungen infrage:

    • psychoonkologische Ambulanzen der Krankenhäuser und zertifizierten Zentren
    • onkologische Schwerpunktpraxen
    • psychosoziale Krebsberatungsstellen
    • niedergelassene Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten

    Verzicht auf eine Behandlung der Krebserkrankung

    Krebstherapien, die darauf zielen, das Wachstum der Krebszellen zu hemmen oder zu stoppen, können starke unerwünschte Wirkungen haben. Manche Frauen entscheiden sich gegen eine weitere Behandlung, wenn eine Therapie bei ihnen nur wenig anschlägt, aber viele belastende Nebenwirkungen hat.

    Auch wenn Frauen sich gegen eine Behandlung entscheiden, die direkt auf den Krebs zielt, können die mit der Erkrankung einhergehenden Schmerzen und Beschwerden im Rahmen einer palliativen Therapie behandelt werden. Das bedeutet: Wer sich gegen einen (erneuten) Behandlungszyklus entscheidet, wird trotzdem weiter ärztlich betreut. Es ist auch jederzeit möglich, sich nach einer Phase ohne Krebstherapie zu entscheiden, doch wieder eine Behandlung zu versuchen.

    Behandlung im Rahmen einer klinischen Studie

    In klinischen Studien werden Arzneimittel oder nichtmedikamentöse Behandlungen geprüft und mit anderen Therapien verglichen. Teilnehmende erhalten zum Beispiel neue Medikamente, deren Wirkungen noch nicht vollständig bekannt sind oder für deren Zulassung noch Erfahrungen mit größeren Patientengruppen fehlen. Das bedeutet aber nicht, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unabsehbaren Risiken ausgesetzt würden. Klinische Studien werden sorgfältig nach strengen Qualitätsstandards geplant, von Fachgremien geprüft und von Spezialistinnen und Spezialisten durchgeführt. Die Wirkungen und Nebenwirkungen der eingesetzten Mittel werden genau beobachtet, die Teilnahme kann jederzeit beendet werden.

    Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Behandlung im Rahmen einer klinischen Studie infrage kommen. Während einer solchen Studien-Teilnahme werden die Patientinnen und Patienten besonders intensiv betreut. Die Teilnahme erfordert aber die Bereitschaft, sich stärker mit der Behandlung auseinanderzusetzen und oft mehr Untersuchungstermine wahrzunehmen als üblicherweise. Um die Vor- und Nachteile einer Teilnahme für sich abwägen zu können, ist eine gründliche Aufklärung und Beratung sowie gute Abstimmung mit den Ärztinnen und Ärzten notwendig.

    Weitere Informationen sowie eine Suche nach klinischen Studien für Brustkrebspatientinnen bieten die Deutsche Gesellschaft für Senologie und das Deutsche Register Klinischer Studien.

    Disease-Management-Programme

    Disease-Management-Programme (DMP von englisch „disease“: Krankheit) sind strukturierte Behandlungsangebote für Menschen mit chronischen Erkrankungen. Ziel der Programme ist, dafür zu sorgen, dass Patientinnen und Patienten eine Behandlung erhalten, die gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht und auf ihre individuelle Situation abgestimmt ist. Wer chronisch krank ist, soll umfassend betreut, beraten und informiert werden. DMP werden in Deutschland seit 2002 von gesetzlichen Krankenkassen angeboten.

    Zu den Programmen gehören regelmäßige Arzttermine, Beratungsgespräche und Untersuchungen. Die Teilnahme ist freiwillig und mit keinen zusätzlichen Kosten verbunden. Personen, die an einem DMP teilnehmen, verpflichten sich aber zur aktiven Mitarbeit an ihrer Behandlung. Dazu gehört zum Beispiel, regelmäßig ihren Arzt oder ihre Ärztin aufzusuchen. Ärztinnen und Ärzte sowie medizinische Einrichtungen, die an solchen Programmen teilnehmen, verpflichten sich, bestimmte Qualitätsanforderungen einzuhalten. Die Krankenkasse informiert darüber, ob sie ein DMP für Brustkrebs anbietet.

    Quellen

    Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V. (AGO). Kommission Mamma. Diagnostik und Therapie von Patientinnen mit primärem und metastasiertem Brustkrebs. 2015.

    Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AKdAe). Rote-Hand-Briefe zu Avastin (Bevacizumab). Drug Safety Mail 2013-05.

    Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AKdAe). Rote-Hand-Briefe zu Prolia und Xgeva (Denosumab): Risiko für Kieferosteonekrosen und Hypokalzämien minimieren. Drug Safety Mail 2014-22.

    Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AKdAe). Information zu Xgeva® 120 mg Injektionslösung (Denosumab): Risiko neuer primärer Malignome. Drug Safety Mail 2018-23.

    Danesh M, Belkora J, Volz S, Rugo HS. Informational needs of patients with metastatic breast cancer: what questions do they ask, and are physicians answering them? J Cancer Educ 2014; 29(1): 175-180.

    Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Mammakarzinom der Frau; Diagnostik, Therapie und Nachsorge. S3-Leitlinie. 07.2011 (AWMF-Leitlinien; Band 032 - 045OL).

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    Krebsinformationsdienst (KID). Brustkrebs: Zielgerichtete Therapien, Targeted Therapies. 17.03.2014.

    Krebsinformationsdienst (KID). Misteltherapie gegen Krebs. 08.02.2016.

    Krebsinformationsdienst (KID). Durchführung: Wie läuft eine Chemotherapie ab? 11.12.2012.

    Krebsinformationsdienst (KID). Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der Chemotherapie. 11.12.2012.

    Krebsinformationsdienst (KID). Strahlentherapie und Nuklearmedizin: Mit Energie gegen Krebs. 10.02.2009.

    Lück HJ. Systemische Therapie des metastasierten Mammakarzinoms.In: Kreienberg R, Möbus V, Jonat W, Kühn T (Ed). Mammakarzinom: interdisziplinär. Berlin: Springer. 2010: S. 228-246.

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Schmerztherapie bei metastasiertem Brustkrebs

    Schmerzen – egal welcher Stärke – lassen sich durch eine Behandlung fast immer zumindest lindern. Eine gut abgestimmte Schmerzbehandlung, die immer wieder angepasst wird, ist ganz entscheidend für die Lebensqualität und gehört zu den wichtigsten medizinischen Maßnahmen bei metastasiertem Brustkrebs.

    Eine Behandlung von metastasiertem Brustkrebs hat neben der Beeinflussung der Krebszellen vor allem das Ziel, die durch den Krebs entstehenden Beschwerden wie Schmerzen sowie mögliche Nebenwirkungen der Therapie zu lindern.

    Welche Beschwerden bei Brustkrebs auftreten, hängt zum einen davon ab, wie schnell er wächst und wie groß er ist. So kann das Tumorwachstum Schmerzen verursachen, wenn die sich ausbreitenden Krebszellen auf Nerven drücken und gesundes Gewebe verletzen. Große Tumoren können die Funktion von Organen beeinträchtigen, wenn sie in die tieferliegende Brustwand oder Haut eingewachsen sind. Zum anderen ist von Bedeutung, wo der Tumor Metastasen gebildet hat. Ist zum Beispiel die Lunge befallen, kann die Atmung erschwert sein. Metastasen in den Knochen können schmerzen und die Knochen leichter brechen lassen.

    Schmerzen – egal welcher Stärke – lassen sich durch eine Behandlung fast immer zumindest lindern. Eine gut abgestimmte Schmerzbehandlung, die immer wieder angepasst wird, ist ganz entscheidend für die Lebensqualität und gehört zu den wichtigsten medizinischen Maßnahmen bei metastasiertem Brustkrebs.

    Eine Behandlung von metastasiertem Brustkrebs hat neben der Beeinflussung der Krebszellen vor allem das Ziel, die durch den Krebs entstehenden Beschwerden wie Schmerzen sowie mögliche Nebenwirkungen der Therapie zu lindern.

    Welche Beschwerden bei Brustkrebs auftreten, hängt zum einen davon ab, wie schnell er wächst und wie groß er ist. So kann das Tumorwachstum Schmerzen verursachen, wenn die sich ausbreitenden Krebszellen auf Nerven drücken und gesundes Gewebe verletzen. Große Tumoren können die Funktion von Organen beeinträchtigen, wenn sie in die tieferliegende Brustwand oder Haut eingewachsen sind. Zum anderen ist von Bedeutung, wo der Tumor Metastasen gebildet hat. Ist zum Beispiel die Lunge befallen, kann die Atmung erschwert sein. Metastasen in den Knochen können schmerzen und die Knochen leichter brechen lassen.

    Schmerzen beschreiben

    Schmerzen lassen sich behandeln. Dazu ist es aber wichtig, der Ärztin oder dem Arzt mitzuteilen, wenn Schmerzen auftreten, und sie dann möglichst genau zu beschreiben. Zudem ist während der Therapie eine Rückmeldung nötig, wie die Medikamente wirken und ob Nebenwirkungen auftreten.

    Um die Stärke und das Ausmaß der Schmerzen besser erfassen und vergleichen zu können, haben Fachleute Fragebögen entwickelt. Solche Fragebögen arbeiten oft mit einer Skala, die die Schmerzstärke in Zahlen von 0 (kein Schmerz) bis 10 (stärkster vorstellbarer Schmerz) beschreibt. Vereinfacht werden die unterschiedlichen Stärken oft auch in Worten oder Bildern ausgedrückt.

    Die Art der Schmerzen gibt Hinweise auf ihre Ursache: So gehen eher dumpfe und drückende Schmerzen, die sich schwer verorten lassen, meist von inneren Organen aus. Dagegen werden Schmerzen in der Haut oft als stechend, ziehend oder bohrend empfunden und können meist gut zugeordnet werden. Schmerzen in oder an den Knochen, Gelenken oder Muskeln werden oft als dumpf empfunden, sind ziehend, bohrend oder krampfartig und nur schwer zuzuordnen. Manchmal strahlen sie auch in umliegendes Gewebe aus. „Brennende“ und einschießende Schmerzen weisen häufig auf Nervenschädigungen hin.

    Wirkstoffe und Dosierung

    Mit welchen Medikamenten, in welcher Dosierung und wie lange die Schmerzen behandelt werden, hängt von ihrer Ursache und ihrem Ausmaß ab, außerdem von der Behandlung der Krebserkrankung und dem allgemeinen Gesundheitszustand. Wichtig ist, regelmäßig mit der Ärztin oder dem Arzt darüber zu sprechen, wie man sich fühlt und was die Schmerztherapie erreichen soll.

    Es gibt zwei Hauptklassen von Schmerzmitteln (Analgetika):

    • nichtopioide Wirkstoffe
    • opioide Wirkstoffe

    Die nichtopioiden Substanzen wirken auf die äußeren (peripheren) Nerven der Haut, der Muskeln und Organe. Sie werden bei leichten bis mittleren Schmerzen eingesetzt. Die meisten wirken auch entzündungshemmend, manche fiebersenkend. Viele sind auch ohne Rezept erhältlich, zum Beispiel Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Paracetamol.

    Opioide Wirkstoffe wirken vor allem im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark), wo ankommende Schmerzsignale verarbeitet werden. Opioide werden nur im Rahmen einer ärztlichen Behandlung mittelstarker bis sehr starker Schmerzen eingesetzt. Zu den schwachen Opioiden gehören zum Beispiel Codein oder Tramadol, zu den starken Opioiden Fentanyl oder Morphin. Die Gefahr, abhängig zu werden, wird bei Opioiden oft überschätzt.

    Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat ein Stufenschema entwickelt. Es legt fest, dass Schmerzen wie folgt nach ihrer Stärke behandelt werden sollen:

    • Stufe 1 (leichte Schmerzen): nichtopioide Mittel
    • Stufe 2 (mittelstarke Schmerzen): schwache Opioide plus nichtopioide Schmerzmittel (Analgetika)
    • Stufe 3 (starke bis sehr starke Schmerzen): starke Opioide plus nichtopioide Analgetika

    Zur begleitenden Therapie werden manchmal örtlich betäubende oder entkrampfende Wirkstoffe, Antidepressiva oder Mittel zur Behandlung von Nebenwirkungen eingesetzt. Die Ärztin oder der Arzt überwacht die Dosierung und Kombination der Medikamente, damit es möglichst wenig zu Nebenwirkungen kommt.

    Wenn trotz einer Behandlung weiterhin Schmerzen auftreten, ist es sinnvoll, dies anzusprechen. Man kann sich auch an eine ärztliche Schmerztherapeutin oder einen -therapeuten wenden. An manchen Orten gibt es ein eigenes Schmerzzentrum oder eine Schmerzklinik.

    Selbst etwas tun

    Wie Schmerzen empfunden werden, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und wird von vielen Faktoren beeinflusst, zum Beispiel von der Tageszeit und der psychischen Verfassung. Stress, Angst – und auch die Angst vor Schmerzen – können das Schmerzempfinden verstärken.

    Da die Schmerzwahrnehmung vom Gehirn gesteuert wird, lässt sie sich bis zu einem gewissen Grad bewusst beeinflussen. Hier setzen Strategien zur Schmerzbewältigung wie etwa Entspannungstechniken an. Sie bieten eine Möglichkeit, neben der medikamentösen Behandlung selbst etwas zur Linderung der Schmerzen zu tun.

    Quellen

    Bruera E, Kim HN. Cancer pain. JAMA 2003; 290(18): 2476-2479.

    Handwerker HO. Nozizeption und Schmerz.In: Schmidt RF, Schaible HG (Ed). Neuro- und Sinnesphysiologie. Berlin: Springer. 2000: S. 257-271.

    Hege-Scheuing G. Schmerztherapie In: Kreienberg R, Möbus V, Jonat W, Kühn T (Ed). Mammakarzinom: interdisziplinär. Berlin: Springer. 2010. p.283-293.

    Thews G, Mutschler E, Vaupel P. Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie des Menschen. Stuttgart:Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. 1999.

    World Health Organization (WHO). WHO's cancer pain ladder for adults.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Leben mit metastasiertem Brustkrebs

    Wenn Sie an metastasiertem Brustkrebs erkrankt sind, kämpfen Sie sehr wahrscheinlich mit Gefühlen wie Angst, Wut und Trauer. Mit Nahestehenden im Gespräch zu bleiben, kann entlastend und hilfreich sein. Aber auch Bewegung, Entspannung und ablenkende Aktivitäten sind Möglichkeiten, Ihr Wohlbefinden im Alltag zu steigern.

    Wenn sich über den Brustbereich hinaus Metastasen gebildet haben, ist eine vollständige Heilung nur in Ausnahmefällen zu erwarten. Dann ist das Ziel der Therapie, das Leben zu verlängern, den Gesundheitszustand zu stabilisieren und eine gute Lebensqualität zu erhalten.

    In dieser Situation kommen oft Befürchtungen auf, dass nun nur noch sehr wenig Zeit bleibt. In der ersten Verzweiflung kann sich auch das Gefühl einstellen, dass sich das ganze Leben jetzt nur noch darum dreht, auf das Fortschreiten der Erkrankung, auf neue Symptome und Behandlungen zu warten. Mut- und Hoffnungslosigkeit machen sich breit und können manchmal sogar mehr belasten und verunsichern als die körperlichen Auswirkungen der Erkrankung und ihrer Behandlung. Viele Frauen fühlen sich mitunter auch einsam, aus dem Alltag herausgerissen und aus dem sozialen Umfeld ausgeschlossen.

    Wenn Sie an metastasiertem Brustkrebs erkrankt sind, kämpfen Sie sehr wahrscheinlich mit Gefühlen wie Angst, Wut und Trauer. Mit Nahestehenden im Gespräch zu bleiben, kann entlastend und hilfreich sein. Aber auch Bewegung, Entspannung und ablenkende Aktivitäten sind Möglichkeiten, Ihr Wohlbefinden im Alltag zu steigern.

    Wenn sich über den Brustbereich hinaus Metastasen gebildet haben, ist eine vollständige Heilung nur in Ausnahmefällen zu erwarten. Dann ist das Ziel der Therapie, das Leben zu verlängern, den Gesundheitszustand zu stabilisieren und eine gute Lebensqualität zu erhalten.

    In dieser Situation kommen oft Befürchtungen auf, dass nun nur noch sehr wenig Zeit bleibt. In der ersten Verzweiflung kann sich auch das Gefühl einstellen, dass sich das ganze Leben jetzt nur noch darum dreht, auf das Fortschreiten der Erkrankung, auf neue Symptome und Behandlungen zu warten. Mut- und Hoffnungslosigkeit machen sich breit und können manchmal sogar mehr belasten und verunsichern als die körperlichen Auswirkungen der Erkrankung und ihrer Behandlung. Viele Frauen fühlen sich mitunter auch einsam, aus dem Alltag herausgerissen und aus dem sozialen Umfeld ausgeschlossen.

    Mit Angst, Wut und Trauer umgehen

    Trauer, Angst, Enttäuschung über den gesundheitlichen Rückschlag, aber auch Wut über die Ungerechtigkeit Ihrer Situation oder Neid auf Menschen, die gesund sind: All diese Gefühle können unvermittelt wechseln. Das ist durchaus normal und kein Grund, ein schlechtes Gewissen zu haben. Auf Dauer wird es Ihnen jedoch besser gehen, wenn Sie mit negativen Gefühlen und Gedanken so umzugehen lernen, dass auch Raum für anderes bleibt.

    Viele Frauen berichten, dass sie es entlastend finden, Ängste, Sorgen und Verzweiflung zuzulassen und mit Nahestehenden darüber zu reden. Neben Gesprächen mit dem Partner oder der Partnerin, mit Angehörigen, Freundinnen und Freunden ist eine psychoonkologische oder psychosoziale Beratung eine weitere Möglichkeit. Auch seelsorgerische oder spirituelle Begleitung wird angeboten, etwa in der Gemeinde oder auch im Krankenhaus. Der Austausch in einer Selbsthilfegruppe steht Ihnen ebenfalls offen. Den Frauen dort sind Ihre Gefühle aus eigener Erfahrung vertraut.

    Beim Umgang mit Ängsten kann es hilfreich sein, herauszufinden, wovor genau Sie in der jeweiligen Situation Angst haben: Sind es Schmerzen oder andere Krankheitssymptome? Ist es eine anstehende Behandlung oder die Ungewissheit, was auf Sie zukommt? Sobald Sie die Angst benennen können, haben Sie auch die Möglichkeit, sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen, sich entsprechende Informationen und Unterstützung zu holen.

    Wenn es Ihnen sehr schwer fällt, sich mit Ängsten und Sorgen auseinanderzusetzen, ist das kein Grund, sich schlecht zu fühlen. Sich auf andere Dinge zu konzentrieren und diese Themen zunächst einmal wegzuschieben, ist auch eine Art, mit der Erkrankung umzugehen. In angstbesetzten Situationen wie Untersuchungen und Arztgesprächen können Sie sich von einer vertrauten Person begleiten lassen. Auch Entspannungsübungen, Bewegung, Ablenkung durch angenehme Dinge oder Aktivitäten können helfen, Ängste und Anspannung auf ein erträgliches Maß zu verringern.

    Den eigenen Weg finden

    Mit Angst und Trauer umzugehen bedeutet einerseits, allmählich zu akzeptieren, was nicht zu ändern ist, und andererseits einen Weg zu finden, mit der Situation zu leben. Es gibt kein Patentrezept, wie dies gelingen kann. Jeder betroffene Mensch geht anders mit einer lebensbedrohenden Erkrankung um. Manchmal ändert sich der Umgang mit der Erkrankung auch von Tag zu Tag – je nachdem, wie man sich gerade fühlt und welche Bedürfnisse und Herausforderungen im Vordergrund stehen.

    Viele Frauen berichten, dass ihnen die Auseinandersetzung mit der Erkrankung sehr geholfen und sie persönlich verändert hat. Nach einer anfänglichen Zeit der Niedergeschlagenheit orientieren sie sich allmählich neu, bewerten vieles anders und erleben sich selbst oft reifer und bewusster als zuvor. Sie versuchen, möglichst in der Gegenwart zu leben, jeden Tag zu nutzen und zu genießen. Oft nehmen sie sich mehr Zeit für Freunde und Familie, Hobbys und Entspannung.

    Manche Frauen verändern ihren Alltag und verfolgen neue Interessen. Andere finden Halt, indem sie so normal wie möglich weiterleben und versuchen, das Beste aus jedem Tag zu machen. Dabei können Routinen im Alltag, ob Arbeiten im Haushalt, Betreuung von Kindern oder regelmäßige ehrenamtliche Aufgaben helfen.

    Psychische Unterstützung

    Therapie und Beratung

    Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ängste und depressive Stimmungen überhandnehmen, Sie sich ausgeliefert fühlen und nicht mehr weiter wissen, kann eine psychische Unterstützung durch Fachkräfte eine wertvolle Hilfe sein. Sie ist auch eine Möglichkeit, wenn Sie sich über Ihre Situation klarer werden möchten oder unsicher sind, wie Sie mit Ihren Angehörigen und Freunden sprechen können. 

    Neben psychoonkologischer Begleitung werden psychosoziale Beratung sowie verschiedene, zum Teil auch körperorientierte Formen der Psychotherapie angeboten. Eine Therapie oder Beratung können Sie einzeln, zusammen mit Ihrem Partner, Ihrer Partnerin oder in einer Gruppe mit anderen Betroffenen in Anspruch nehmen.

    Entspannung und Schmerzbewältigung

    Zur psychischen Unterstützung gehören auch Methoden, die Sie selbst anwenden können, um Ihr Wohlbefinden zu verbessern. Zum Beispiel können Sie Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation, autogenes Training oder Übungen zur Lenkung der Wahrnehmung erlernen. Sie sind eine Möglichkeit, Stress abzubauen, mit Ängsten klarzukommen und Schmerzen besser zu bewältigen.

    Wahrscheinlich wissen Sie aus eigener Erfahrung, dass es bestimmte Situationen und Umstände gibt, die Schmerzen verstärken oder abschwächen. In einer Schmerzbewältigungs-Therapie geht es unter anderem darum, herauszufinden, wie Sie Ihr Schmerzempfinden beeinflussen und Ihren Tagesablauf anpassen können.

    Entspannungskurse und Schmerzbewältigungs-Therapien werden häufig in Rehakliniken angeboten. Auch einige niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit einer schmerztherapeutischen Zusatzausbildung bieten Kurse an. Wenn sie ärztlich verschrieben werden, übernimmt Ihre Krankenkasse die Kosten.

    Der Umgang mit Fatigue

    Eine metastasierte Krebserkrankung und ihre Behandlung können zur sogenannten Fatigue führen. Einige Frauen sind kaum von dieser als zeitweise überwältigend empfundenen Erschöpfung und Müdigkeit betroffen, bei anderen ist sie stark ausgeprägt, bleibt länger bestehen oder tritt immer wieder auf.

    Eine schwere Fatigue kann den Alltag und die Lebensqualität erheblich einschränken. Schlaf-, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie depressive Verstimmungen können damit verbunden sein. Die Ursachen sind nicht genau bekannt; man nimmt an, dass ein ganzes Bündel aus körperlichen und psychischen Belastungen dafür verantwortlich ist. So können die Erkrankung und deren Behandlung beispielsweise zu einem Gewichtsverlust und abnehmender Kraft führen. Manche Frauen erleben Fatigue auch als Ausdruck der starken emotionalen Belastung durch die Erkrankung.

    Im Gegensatz zu normaler Müdigkeit lässt sich Fatigue nur sehr begrenzt durch Ruhe und Schlaf verringern. Auch wenn es paradox klingt: Angepasste körperliche Bewegung wie regelmäßiges Spazierengehen oder leichte Gymnastik lindern die Erschöpfung eher. Die folgenden Ansätze könnten außerdem helfen, mit Fatigue zurechtzukommen:

    • Den Tagesablauf planen: tageszeitliche Schwankungen der eigenen Kräfte beobachten und Aktivitäten sowie Pausen danach ausrichten.
    • Prioritäten setzen: weniger Dringendes verschieben und weniger Wichtiges an andere abgeben.
    • Eins nach dem anderen angehen: Aktivitäten in kleine Schritte aufteilen, sich immer nur auf eine Aufgabe konzentrieren.
    • Praktische Unterstützung organisieren: sich zum Beispiel im Alltag von einer Haushaltshilfe Unterstützung holen.
    • Sich ablenken: sich mit angenehmen Dinge beschäftigen, zum Beispiel Musik hören, lesen, fernsehen.
    • Tagsüber nicht zu viel schlafen: um den Nachtschlaf nicht zu beeinträchtigen, tagsüber möglichst nur kurze Nickerchen halten und auf längere Schlafpausen verzichten.

    Auf das eigene Wohlbefinden achten

    Für Frauen mit metastasiertem Brustkrebs ist es besonders wichtig, auf das eigene Wohlbefinden zu achten. Einige Möglichkeiten, die Behandlung aktiv zu begleiten und sich etwas Gutes zu tun, sind

    • sich wenn möglich regelmäßig zu bewegen,
    • zu essen, was man mag,
    • auf das richtige Maß von Aktivität und Entspannung zu achten,
    • für einen möglichst erholsamen Schlaf zu sorgen und
    • generell Dinge zu tun, die einem in dieser schwierigen Situation gut tun.

    Den eigenen Körper bewusst zu pflegen, macht es für einige Frauen leichter, mit Veränderungen durch Krankheit und Behandlung umzugehen. Für die Hautpflege nach einer Strahlentherapie oder die Pflege von Narbengewebe gibt es spezielle Produkte. Unabhängig davon sind sanftes Eincremen und leichte Massage eine einfache Möglichkeit, sich Gutes zu tun.

    Bewegung

    Regelmäßige körperliche Bewegung kann manchen Frauen helfen, ihre körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten oder wieder zu verbessern. Ein angepasstes Bewegungsprogramm ist eine Möglichkeit, Erschöpfungszustände zu mildern und den Schlaf zu verbessern, die Stimmung aufzuhellen und den eigenen Körper wieder positiver wahrzunehmen. Gezielte Übungen unter physiotherapeutischer Anleitung können nach einer Operation helfen, die Beweglichkeit und Muskelkraft wieder zu verbessern. Bewegung kann auch Beschwerden durch ein Lymphödem günstig beeinflussen.

    Bei einer metastasierten Erkrankung ist es wichtig, dass Sie keine Angst vor Bewegung haben, aber mit dem Behandlungsteam abstimmen, welche körperlichen Aktivitäten möglich und sinnvoll sind. Dies können beispielsweise regelmäßige Spaziergänge, Schwimmen, Wandern, Tanzen oder leichte Gymnastik sein. Wichtig ist, dass Sie Spaß an der Bewegung haben, sich dabei wohl fühlen und nicht überfordern.

    Im Rahmen der Krebsnachsorge gibt es auch die Möglichkeit, an speziellen Sportangeboten teilzunehmen. Die Teilnahme kann als Rehabilitationssport ärztlich verordnet und dann von den Krankenkassen bezahlt werden. Angebote in Ihrer Nähe finden Sie beispielsweise über Krebsberatungsstellen und Selbsthilfe-Organisationen vor Ort.

    Manchen Frauen fällt es schwer, sich zu bewegen oder sie finden es deprimierend, dass sie keine Fortschritte sehen. Wenn es Ihnen auch so geht, ist eine Möglichkeit, eine Weile auszusetzen. Vielleicht verspüren Sie nach einiger Zeit wieder Lust auf mehr Bewegung und nehmen Ihre Aktivitäten wieder auf. Wichtig ist, dass Ihnen das, was Sie tun, gut tut.

    Ernährung

    Viele Menschen glauben, dass bestimmte Ernährungsweisen oder Diäten Krebs vorbeugen oder zur Heilung beitragen könnten. Untersuchungen zum Einfluss der Ernährung auf Brustkrebs konnten bisher jedoch keine direkten Auswirkungen auf das Erkrankungsrisiko oder den Krankheitsverlauf finden. Sie können also essen, was Ihnen schmeckt und wonach Ihnen ist.

    Sexualität

    Als Folge der Belastungen durch die Erkrankung und ihre Behandlung ist es normal, dass das sexuelle Interesse vieler Frauen abnimmt. Schmerzen und körperliche Einschränkungen, Müdigkeit und Erschöpfung, ein verändertes Körpergefühl, seelische Belastungen – all das lässt sexuelle Bedürfnisse oft in den Hintergrund treten. Zudem treffen die Folgen der Therapie zentrale Bereiche der Weiblichkeit: Möglicherweise wurde eine Brust entfernt oder weist Narben auf. Eine Antihormon- oder Chemotherapie kann zum Verlust der Fruchtbarkeit und zu hormonellen Veränderungen bereits vor den Wechseljahren führen.

    Manche Frauen ziehen sich auch deshalb sexuell zurück, weil sie befürchten, für ihren Partner oder ihre Partnerin nicht mehr attraktiv zu sein. Meist ist die Angst vor Ablehnung aus körperlichen Gründen jedoch unbegründet. Wie ein Paar mit körperlichen Veränderungen zurechtkommt, hat eher damit zu tun, wie es auch sonst miteinander umgeht und Probleme bewältigt.

    Frauen, die auf der Suche nach einem Partner sind, fühlen sich oft unsicher, ob sich ihr sexuelles Erleben durch die Erkrankung verändert hat und wie sie dieses Thema einem neuen Partner gegenüber ansprechen können.

    Sexualität wiederentdecken

    Mit der Zeit kann es gelingen, die Veränderungen durch die Erkrankung zu akzeptieren und die vielleicht verloren gegangene Lust wiederzuentdecken. Eine befriedigende Sexualität tut Körper und Seele gut. Sie ist mehr als Geschlechtsverkehr, der vielleicht nicht immer möglich oder zeitweise weniger lustvoll ist. Hinzu kommt: Sexuelle Vorlieben und Gewohnheiten sind von Paar zu Paar unterschiedlich und können sich auch ohne Erkrankung im Laufe der Zeit verändern. Die Sexualität kann zum Beispiel mit zunehmendem Alter sanfter werden, die Lust mehr Zeit brauchen.

    Möglichkeiten, das Körpergefühl zu verbessern und die Sinne anzuregen, sind zum Beispiel genussvolle Körper- und Schönheitspflege sowie Bewegung – ob Spazierengehen, Yoga, Tanz oder Beckenbodengymnastik. Sich mit Partnermassagen zu verwöhnen, entspannt und kann helfen, einander (wieder) näher zu kommen. Für manche Probleme gibt es einfache praktische Lösungen: Wenn die Beweglichkeit eingeschränkt ist, können Kissen zum Abstützen nützlich sein. Bei trockener Scheide (zum Beispiel infolge einer Antihormontherapie) kann Gleitcreme helfen.

    Gewohnheiten zu verändern und nach neuen Wegen zu suchen, fällt nicht immer leicht. Vielleicht hilft es Ihnen, über Bedürfnisse, Ängste und Gefühle offen miteinander zu sprechen und sich Zeit zu lassen.

    Wenn die Lust ausbleibt

    Auch wenn die Energie für Sexualität fehlt und die Lust ausbleibt, sind körperliche Nähe und Zärtlichkeit für die meisten Frauen wichtig und wohltuend. Sie können Paaren helfen, sich weiterhin eng miteinander verbunden zu fühlen. Dies gelingt leichter, wenn der Partner oder die Partnerin die Veränderungen versteht und einfühlsam damit umgeht.

    Der Partner oder die Partnerin kann ebenfalls die Lust auf Sex verlieren – weil auch ihn oder sie die Erkrankung, die veränderte Lebenssituation und die Sorgen um die Partnerin belasten. Einige befürchten möglicherweise, die erkrankte Partnerin mit sexuellen Bedürfnissen zu überfordern.

    Es muss nicht unbedingt ein Problem sein, wenn die Sexualität in Ihrer Beziehung eine Zeit lang keine große Rolle spielt. Solange Sie sich als Paar nahe fühlen und akzeptieren, dass der Brustkrebs Ihre Beziehung auch in diesem Bereich verändert hat, gibt es keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Wenn Sie jedoch das Gefühl haben, dass die fehlende Lust Ihre Partnerschaft belastet, hilft es vielleicht, Ihre Empfindungen und Befürchtungen der Partnerin oder dem Partner gegenüber auszusprechen. Sie können auch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über das Thema sprechen, sich an eine Sexualberatungsstelle oder eine psychosoziale Beratungsstelle wenden.

    Über Krebs sprechen

    Vielleicht haben Sie erlebt, dass Angehörige oder Bekannte hilflos und befangen auf Ihre Krebserkrankung reagieren, sich Ihnen gegenüber ausweichend verhalten oder vielleicht sogar die Ernsthaftigkeit Ihrer Erkrankung herunterspielen. Möglicherweise wünschen Sie aus Angst vor solchen Reaktionen nicht, dass Ihre Erkrankung überall bekannt wird. Vielleicht möchten Sie Ihre Lieben auch vorerst vor der beängstigenden Nachricht schützen. Oder Sie haben das Gefühl, dass gesunde Menschen ohnehin nicht nachvollziehen können, was Sie bewegt. All dies können Gründe sein, Ihre Gedanken und Gefühle auch den Menschen nicht immer mitzuteilen, die von Ihrer Erkrankung wissen.

    Wenn Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin, Angehörigen, Freundinnen und Freunden über Ihre Erkrankung sprechen, wird es ihnen jedoch leichter gelingen, sich in Sie einzufühlen. Auch das Gespräch mit Ihrem Behandlungsteam und / oder in einer Selbsthilfegruppe kann sehr entlastend sein. Vielleicht werden ganz andere Menschen zu Ihren größten Stützen, als Sie zu gesunden Zeiten noch vermutet hätten. Vertraute um sich zu haben, mit denen Sie weinen und Ängste teilen, aber auch ganz Alltägliches erleben, lachen und genießen können, kann eine wertvolle Hilfe im Leben mit der Erkrankung sein.

    Auf der anderen Seite gibt es Frauen, die nicht über ihre Erkrankung reden möchten und solche Dinge lieber mit sich selbst ausmachen. Auch das ist ein möglicher Weg. Entscheidend ist, dass Sie für sich herausfinden, wie Sie am besten mit der Erkrankung zurechtkommen – und wissen, an wen Sie sich wenden können, wenn Sie Gesprächsbedarf haben.

    Partnerschaft

    Frauen mit metastasiertem Brustkrebs machen sich oft Gedanken, wie es mit ihrer Familie weitergehen soll und ob ihre Partnerschaft den Belastungen standhalten wird.

    Wie intensiv sich Paare über die Erkrankung und Behandlung austauschen, ist ganz unterschiedlich. Einige Paare sprechen täglich miteinander darüber, beispielsweise über das körperliche Wohlbefinden. Andere grenzen sich eher ab und legen fest, was sie wann besprechen, zum Beispiel nach Arztterminen. Viele reden miteinander, wenn die Frauen neue oder unübliche Beschwerden haben. Einige berichten, dass der Austausch über die Erkrankung nicht mehr so stark im Mittelpunkt der Gespräche steht, wenn die Entscheidung für eine Behandlung gefallen ist.

    Ihr Partner oder Ihre Partnerin sind in einer schwierigen Rolle. Einen geliebten Menschen leiden zu sehen und Angst zu haben, ihn zu verlieren, ist schwer zu ertragen. Einerseits möchten viele ihrer erkrankten Partnerin zur Seite stehen, im Alltag und Haushalt helfen, seelischen Beistand geben – und brauchen auf der anderen Seite mitunter selbst Unterstützung, um mit der Veränderung in ihrem Leben umgehen zu können. Mit der Zeit verschieben sich wahrscheinlich manche Rollen in der Partnerschaft: Frauen müssen krankheitsbedingt Aufgaben abgeben und werden von der Unterstützung der Partner abhängiger als früher. Das kann zu Konflikten führen.

    Umso wichtiger ist es, miteinander im Gespräch zu bleiben und über Hoffnungen, Ängste, Bedürfnisse und Wünsche zu reden. Der veränderte Alltag erfordert viele Absprachen, der Haushalt und die Finanzen wollen geregelt werden. Viele Paare versuchen in solchen Situationen weiterhin einen normalen Alltag zu leben, möglichst viele schöne Tage miteinander zu haben und sich nicht ständig Sorgen über die Zukunft zu machen. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch, es gibt nur Ihren ganz persönlichen Weg. Lassen Sie sich nicht beirren von allzu vielen gut gemeinten Ratschlägen.

    Neben der Gestaltung des gemeinsamen Lebens sind oft auch Trauer, Abschied und Sterben Themen, die viele Frauen beschäftigen. Es ist oft schwer, darüber zu sprechen. Wenn Sie an Ihre Grenzen kommen, ist es möglich, sich einzeln oder als Paar psychoonkologische oder psychologische Unterstützung zu holen. 

    Die Kosten für psychoonkologische Beratung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen unter bestimmten Voraussetzungen auch für Angehörige. Es gibt mittlerweile auch für Angehörige Selbsthilfegruppen. Ihr Partner oder Ihre Partnerin kann sich dort mit anderen austauschen.

    Kinder und Enkelkinder

    Als Mutter oder Großmutter möchte man seine Kinder und Enkelkinder aufwachsen sehen und sie mit Rat und Tat begleiten. Durch die Erkrankung scheint dies nur noch begrenzt möglich. Dies kann tief traurig machen. Manche Frauen machen sich auch Sorgen, welchen Einfluss die Erkrankung auf die Kinder haben könnte. Ob sie noch klein sind oder schon erwachsen – für viele Mütter oder Großmütter ist es schwierig, mit ihren Kindern oder Enkelkindern über eine solch ernsthafte Erkrankung zu sprechen. Dennoch berichten Frauen, dass sie es für sich als notwendig angesehen haben, mit den Kindern über die Diagnose und Erkrankung zu reden.

    Auch kleinere Kinder spüren, wenn etwas nicht in Ordnung ist, und bemerken selbst kleine Veränderungen im Familienalltag. Deshalb ist es sinnvoll, mit ihnen ehrlich darüber zu sprechen, dass Sie ernstlich erkrankt sind. Es hängt jedoch vom Alter und Entwicklungsstand Ihrer Kinder ab, was Sie in einem Gespräch vermitteln können. Wenn Sie Ihrem Kind erklären, dass Sie schwer erkrankt sind, wird es vielleicht eher verstehen, warum einige gemeinsame Aktivitäten nicht mehr möglich sind und Sie öfter eine Ruhepause brauchen. Bei metastasiertem Brustkrebs wird es auch nötig sein, von den Kindern eine gewisse Rücksicht einzufordern und ihnen Grenzen zu setzen. Das ist kein Grund, ein schlechtes Gewissen zu haben.

    Auf der anderen Seite brauchen Kinder in einer solchen Situation viel Aufmerksamkeit, einen möglichst geregelten Alltag und liebevolle Zuwendung. Es ist wichtig, dass sie ihre Angst und Trauer ebenfalls zeigen dürfen. Kinder fürchten oft, dass sie schuld an der Erkrankung sein könnten. Dann ist es wichtig, ihnen immer wieder zu erklären, dass das nicht der Fall ist. Auch hier gilt: Holen Sie sich professionelle Beratung und Unterstützung, wenn Sie das Gefühl haben, dass es Ihnen zu schwer fällt, mit Ihren Kindern zu sprechen, oder wenn Sie denken, dass sie zusätzliche Hilfe brauchen. Freunde und Verwandte können mitunter eine große Hilfe sein. Auch spezielle Mutter-Kind-Kuren können eine Möglichkeit sein.

    Selbsthilfe, Information und Beratung

    In Selbsthilfegruppen können Sie Kontakte zu anderen Frauen knüpfen, die Vergleichbares erlebt haben und die mit der Erkrankung verbundenen Gefühle und praktischen Probleme kennen. Dort ist es möglich, Themen anzusprechen, die mit nicht krebskranken Menschen oft schwierig zu erörtern sind. Das kann eine große Entlastung sein. Manche Frauen fürchten, dass sie die Gespräche in einer Selbsthilfegruppe deprimieren könnten. Diese Befürchtung ist meist unbegründet, im Gegenteil: Viele Frauen berichten, dass ihnen die Gruppe viel Kraft gibt, dass sie von positiven Vorbildern und der gegenseitigen Hilfsbereitschaft und Unterstützung enorm profitieren und dass dort durchaus Raum für Lachen und Freude ist. Den meisten Teilnehmerinnen ist es ein Anliegen, anderen Kraft und Hoffnung zu vermitteln.

    Tipps und Erfahrungen mit ebenfalls Betroffenen auszutauschen, ist das, was die Selbsthilfe im Kern ausmacht. Daneben gibt es zahlreiche weitere Angebote von Selbsthilfe-Organisationen, zum Beispiel: Sportangebote speziell für die Krebsnachsorge, Veranstaltungen und Broschüren zu unterschiedlichen Themen, Hilfe bei sozialrechtlichen Fragen und nicht zuletzt auch die sozial- und gesundheitspolitische Interessenvertretung. Eine Selbsthilfegruppe ist idealerweise unabhängig von der Pharmaindustrie und vertritt nur die Interessen ihrer Mitglieder. Adressen von Selbsthilfegruppen finden Sie unter anderem beim Krebsinformationsdienst oder bei Ihrem örtlichen Gesundheitsamt.

    Quellen

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Informationen für Partner und Partnerinnen

    Kehrt ein Brustkrebs zurück oder wird erst entdeckt, wenn er bereits stark gewachsen ist oder sich im Körper ausgebreitet hat, ist das meist ein großer Schock – für Ihre Partnerin, aber auch für Sie und die ganze Familie. Viele Fragen stellen sich dann: Was kann die Medizin tun? Was kommt auf uns zu? Und manchmal auch: Wie viel Zeit bleibt uns noch?

    Wenn bei einem Brustkrebs Metastasen festgestellt werden, ist eine vollständige Heilung nur in Ausnahmefällen noch zu erwarten. Eine Behandlung ist dennoch möglich – sie kann das Tumorwachstum begrenzen, das weitere Fortschreiten der Erkrankung mitunter für viele Jahre hinauszögern und Beschwerden lindern. Besonders wichtig sind nun die Organisation von Hilfe und Unterstützung im Alltag, aber auch beim Umgang mit Gefühlen wie Angst und Trauer.

    In dieser Information geht es vor allem darum, wie die Erkrankung Ihrer Partnerin Ihrer beider Leben verändern kann und welche Möglichkeiten es gibt, Ihre Partnerin zu unterstützen und mit eigenen Sorgen und Ängsten umzugehen.

    Kehrt ein Brustkrebs zurück oder wird erst entdeckt, wenn er bereits stark gewachsen ist oder sich im Körper ausgebreitet hat, ist das meist ein großer Schock – für Ihre Partnerin, aber auch für Sie und die ganze Familie. Viele Fragen stellen sich dann: Was kann die Medizin tun? Was kommt auf uns zu? Und manchmal auch: Wie viel Zeit bleibt uns noch?

    Wenn bei einem Brustkrebs Metastasen festgestellt werden, ist eine vollständige Heilung nur in Ausnahmefällen noch zu erwarten. Eine Behandlung ist dennoch möglich – sie kann das Tumorwachstum begrenzen, das weitere Fortschreiten der Erkrankung mitunter für viele Jahre hinauszögern und Beschwerden lindern. Besonders wichtig sind nun die Organisation von Hilfe und Unterstützung im Alltag, aber auch beim Umgang mit Gefühlen wie Angst und Trauer.

    In dieser Information geht es vor allem darum, wie die Erkrankung Ihrer Partnerin Ihrer beider Leben verändern kann und welche Möglichkeiten es gibt, Ihre Partnerin zu unterstützen und mit eigenen Sorgen und Ängsten umzugehen.

    Wie kann ich meine Partnerin unterstützen?

    Viele Paare beschreiben es als besonders verunsichernd, dass sie nicht wissen, was als Nächstes auf sie zukommt. Haben neue Beschwerden etwas zu bedeuten oder nicht? Schlägt die Behandlung an? Die Ungewissheit führt bei manchen Frauen dazu, dass sie jede körperliche Veränderung ängstigt und sie das Gefühl haben, dauernd auf das Fortschreiten der Erkrankung zu „warten“.

    Eine Möglichkeit, als Erkrankte mit dieser Situation umzugehen, ist es, selbst aktiv zu werden und so viel wie möglich zur Behandlung und zum eigenen Wohlbefinden beizutragen. Vielleicht können Sie Ihre Partnerin dazu ermutigen und sie unterstützen, indem Sie

    • gemeinsam den aktuellen Gesundheitszustand und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten besprechen, um sie besser einschätzen zu können,
    • Ihre Partnerin bei Arztbesuchen begleiten und mit darauf achten, dass alle Fragen beantwortet werden – nach dem Prinzip „Vier Ohren hören mehr als zwei“ und
    • gemeinsam darauf achten, möglichst angenehm zu leben, sich wenn möglich zu bewegen und zu essen, was Sie mögen.

    Wichtig ist, mit Ihrer Partnerin vorab zu klären, ob dies ihren Bedürfnissen entspricht.

    Auch bei der Entscheidung für oder gegen eine Behandlung kann es hilfreich sein, die Vor- und Nachteile verschiedener Möglichkeiten miteinander zu besprechen. Sie können Ihrer Partnerin Unterstützung bei der Entscheidungsfindung anbieten – aber wie sich Ihre Partnerin entscheidet, liegt bei ihr.

    Wenn eine Brustkrebserkrankung fortschreitet, ziehen sich nicht wenige Frauen zeitweise von ihren Freundinnen, Freunden und Bekannten zurück. Gründe dafür können körperliche Einschränkungen, Erschöpfung und Niedergeschlagenheit sein. Manchmal spielen aber auch der Wunsch, die Erkrankung (noch) nicht öffentlich zu machen, oder die Angst vor unangemessenen Reaktionen eine Rolle. Für Ihre Partnerin könnte es dann eine Hilfe sein, wenn Sie den Kontakt zu Freundinnen und Freunden halten. Wenn Sie dies vorab mit Ihrer Partnerin besprechen, können Sie sich vergewissern, dass Sie in ihrem Sinne handeln und sie sich nicht übergangen fühlt.

    Es kann auch sein, dass sich Ihre Partnerin von Ihnen eine Zeit lang zurückzieht und Sie das Gefühl haben, nicht an sie heranzukommen. Wenn Sie dies akzeptieren, Geduld haben und ihr das Gefühl vermitteln, jederzeit für sie da zu sein, machen Sie es ihr vielleicht leichter, wieder Kontakt aufzunehmen.

    Auf der anderen Seite werden trotz allem für Sie beide an vielen Tagen der ganz normale Alltag und auch angenehme Dinge und Unternehmungen im Vordergrund stehen. Viele Paare berichten, dass sie sich nicht die ganze Zeit über Sorgen machen wollen und können, sondern einfach die gemeinsame Zeit genießen und miteinander nutzen.

    Wie kann ich mit den Gefühlen meiner Partnerin umgehen?

    Ihre Partnerin kann während der Erkrankung und Behandlung immer wieder Angst haben oder niedergeschlagen, wütend oder traurig sein. Vielleicht hat sie den Wunsch, manches in ihrem Leben zu ändern und andere Prioritäten zu setzen. Möglicherweise möchte sie aber auch weiterhin einen möglichst normalen Alltag leben. Auch wechselnde Bedürfnisse in verschiedenen Phasen sind normal – jeder Mensch muss seinen eigenen Weg finden, mit einer lebensbedrohenden Erkrankung umzugehen.

    Sie als Partnerin oder Partner können sie auf ihrem Weg begleiten – auch wenn Sie selbst vielleicht eine andere Form der Bewältigung wählen würden oder ihre Entscheidungen liebgewonnene Gewohnheiten infrage stellen. Für Ihre Partnerin kann es wichtig sein, dass Sie ihre Entscheidungen akzeptieren und die Situation annehmen. Gemeinsam zu überlegen, was eigentlich bedeutsam und zentral in Ihrem Leben ist, kann auch für Sie selbst wertvoll sein.

    Wichtig ist, dass Sie mit Ihrer Partnerin im Gespräch über Ihrer beider Wünsche und Bedürfnisse bleiben. Das klingt banal, ist aber nicht unbedingt einfach. Wer schwer erkrankt ist, möchte sich oft über die Krankheit und die damit verbundenen Beschwerden, Ängste und Sorgen austauschen. Jedes Paar entwickelt seinen eigenen Weg, darüber zu sprechen. Manche tauschen sich täglich aus, andere ziehen es vor, die Erkrankung nur gelegentlich zum Thema zu machen.

    Zeit und Bereitschaft zum Zuhören zu zeigen, kann gerade in schwierigen Phasen eine wertvolle Unterstützung sein. Und zwar auch dann, wenn Sie das Gefühl haben, gar nicht konkret helfen zu können, sondern „nur“ Bekanntes nochmal zu besprechen, oder wenn Sie befürchten, etwas Falsches zu sagen. Manchmal ist es auch gut, die eigene Unsicherheit zum Ausdruck zu bringen. Einfach Zeit miteinander zu verbringen, ohne viel zu reden, kann ebenfalls entlastend sein.

    Bei aller Unterstützung sind aber auch Ihre alltäglichen und emotionalen Bedürfnisse wichtig. Das kann zu Konflikten führen – besonders wenn Ihre Beziehung vorher schon spannungsreich war. Möglicherweise haben Sie auch unterschiedliche Auffassungen darüber, welche Behandlung sinnvoll ist oder welche Prioritäten im Alltag gesetzt werden sollen. Wenn Sie oft streiten oder einander gar nicht mehr nahe kommen, kann eine Beratung oder psychotherapeutische oder psychoonkologische Hilfe sinnvoll sein.

    Wie kann ich mit meinen Ängsten und Sorgen umgehen?

    Vielleicht erleben Sie neben heftigen Gefühlen der Angst und Trauer auch Wut darüber, dass Ihr gemeinsames Leben vom Krebs jäh umgeworfen wird und Sie möglicherweise in absehbarer Zeit allein zurückgelassen werden. Außerdem kann sich ein Gefühl der Hilflosigkeit einstellen: Sie möchten Ihrer Partnerin gerne Leid und Kummer abnehmen, wissen aber nicht wie. Jemanden leiden zu sehen, den man liebt, ist schwer. Manche berichten auch, dass sie sich schuldig fühlen, dass ihre Partnerin so krank ist und nicht sie.

    All dies kann sehr belastend sein. Dennoch möchten viele der Partnerin nicht auch noch ihre eigenen Ängste und Sorgen aufbürden und unterdrücken diese deshalb. Das kann in einzelnen Situationen eine Zeit lang richtig sein – auf Dauer geht es Ihnen jedoch wahrscheinlich nicht gut damit. Wenn es Ihnen gelingt, sich mit Ihrer Partnerin darüber auszutauschen, wie es Ihnen beiden gerade geht, wird dies wahrscheinlich auf längere Sicht eher ein gangbarer Weg sein. Bedenken Sie, dass Ihre Partnerin sich trotz der eigenen Erkrankung auch Sorgen um Sie macht und Unausgesprochenes für beide sehr belastend sein kann.

    Manchmal hilft es, mit einem Freund oder Angehörigen offen zu sprechen. Aber auch psychosoziale Hilfe kommt infrage. Psychoonkologinnen und Psychoonkologen kennen die mit einer Krebserkrankung verbundenen Belastungen und können Angehörigen helfen, damit umzugehen. Ihre Unterstützung in Anspruch zu nehmen, ist kein Zeichen von Schwäche: Die meisten Menschen kommen in dieser Situation an einen Punkt, wo sie Hilfe brauchen. Krebsberatungsstellen und Kliniken bieten in der Regel eine kostenlose Beratung an. Die Kosten für eine Psychotherapie bei einer niedergelassenen Psychoonkologin oder einem Psychoonkologen können unter bestimmten Voraussetzungen von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden.

    Es gibt außerdem Selbsthilfegruppen für Partner und Partnerinnen von an (Brust-)Krebs erkrankten Frauen. Sie bieten die Möglichkeit, mit anderen Betroffenen zu sprechen, die Ihre Gedanken und Gefühle aus eigener Erfahrung kennen. Adressen von Selbsthilfegruppen finden Sie beim Krebsinformationsdienst.

    Möglicherweise können Sie auch Kraft daraus schöpfen, wie Sie in der Vergangenheit schwierige Situationen bewältigt haben. Wie sind Sie als Paar oder Familie bisher mit Krisen umgegangen? Haben Sie Rituale entwickelt, etwa das Bereden der Ereignisse und Sorgen des Tages beim Abendspaziergang? Ist noch Raum für Humor, trotz der ernsten Situation? All das, was Ihnen in anderen problematischen Situationen geholfen hat, kann auch jetzt eine Unterstützung sein.

    Wichtig ist, dass Sie sich regelmäßig Auszeiten nehmen, in denen Sie sich entspannen, vielleicht Freunde treffen oder einem Hobby nachgehen. Niemand kann rund um die Uhr über eine Erkrankung und ihre Folgen nachdenken. Wenn Sie Kinder haben, ist es wichtig, auch mit ihnen zusammen immer wieder eine schöne und möglichst unbeschwerte Zeit zu verbringen. 

    Was kann das für unser Sexualleben bedeuten?

    Als Folge der Erkrankung und Behandlung nimmt das sexuelle Interesse vieler Frauen zumindest zeitweise ab. Schmerzen und körperliche Einschränkungen, Müdigkeit und Erschöpfung, ein verändertes Körpergefühl, seelische Belastungen – all das lässt Sex oft in den Hintergrund treten. Nicht wenige Männer befürchten in dieser Zeit, ihre Partnerin mit sexuellen Bedürfnissen zu überfordern.

    Erkrankung und Therapie treffen zudem zentrale Bereiche der Weiblichkeit: Operationen können zu Narben oder zum Verlust einer oder beider Brüste führen. Eine Antihormon- oder Chemotherapie kann den Verlust der Fruchtbarkeit oder hormonelle Veränderungen bereits vor den Wechseljahren zur Folge haben. Viele Frauen haben damit zu kämpfen und fragen sich: Bin ich noch begehrenswert? Bin ich noch attraktiv?

    Vielleicht verlieren auch Sie zeitweise die Lust auf Sex – weil die Erkrankung, die veränderte Lebenssituation und die Sorgen um Ihre Partnerin Sie stark belasten. Dann kann es wichtig sein, dass Sie ihr sagen, wie es Ihnen geht und dass Ihr Rückzug nicht an ihr, sondern an den Umständen liegt.

    Es muss nicht unbedingt ein Problem sein, wenn die Sexualität in Ihrer Beziehung eine Zeit lang keine große Rolle spielt. Solange Sie sich als Paar nah fühlen und akzeptieren, dass der Brustkrebs Ihre Beziehung auch in diesem Bereich verändert hat, gibt es keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Körperliche Nähe und Zärtlichkeit sind jedoch für die meisten Frauen weiterhin wichtig und wohltuend. Mit der Zeit gelingt es vielen Paaren, die Veränderungen durch die Erkrankung zu akzeptieren und auch die Lust wiederzuentdecken. Ein Weg, die gemeinsame Sexualität zu erhalten, kann sein, sich zu streicheln, zu massieren und zärtlich zu sein, auch wenn Geschlechtsverkehr gerade nicht möglich oder gewollt ist.

    Viele Paare finden es schon in gesunden Zeiten schwierig, miteinander über ihr Sexualleben zu sprechen. Falls es Ihnen auch so geht, Sie jedoch das Gefühl haben, dass die fehlende Lust Ihre Beziehung belastet: Vielleicht hilft es Ihnen, über Ihre Bedürfnisse, Ängste und Gefühle zu reden und sich Zeit zu lassen. Wenn Sie zu zweit keine Lösung finden, können Sie sich ärztlich, psychoonkologisch oder psychotherapeutisch beraten lassen. Sich im Rahmen einer Selbsthilfegruppe mit anderen auszutauschen, kann ebenfalls eine Möglichkeit sein.

    Was kommt im Alltag auf mich zu?

    Für die meisten an Krebs erkrankten Frauen ist es sehr wichtig, so lange wie möglich eigenständig und aktiv zu sein und einen normalen Alltag zu haben. Es ist nicht nötig, der Partnerin in fürsorglicher Absicht ungefragt Aufgaben abzunehmen, die sie selbst erledigen kann und will. 

    Die körperlichen Einschränkungen aufgrund der Erkrankung und Behandlung führen mit der Zeit allerdings meist zu einer geringeren Belastbarkeit im Alltag. Für Sie kann das bedeuten, nach und nach Aufgaben zu übernehmen, die früher eher Ihre Partnerin erledigt hat, etwa im Haushalt, beim Einkauf oder bei der Kinderbetreuung. Möglicherweise ist Ihre Partnerin immer wieder über Wochen in der Klinik oder Reha. So kann es sein, dass Sie bei Fortschreiten der Erkrankung allmählich in die Rolle der hauptsächlich sorgenden Person in der Beziehung und Familie kommen. Ein solcher Rollenwechsel ist nie einfach – ganz besonders nicht, wenn er mit einer ohnehin belastenden Krebserkrankung einhergeht.

    Auch andere neue Aufgaben kommen möglicherweise auf Sie zu: Viel Organisatorisches rund um die Erkrankung muss erledigt werden. Zudem ist die finanzielle Situation zu klären: Wenn Ihre Partnerin berufstätig ist, stellt sich die Frage, ob sie weiter arbeiten gehen kann und falls nein, welche finanziellen Auswirkungen das hat. Vielleicht ist es erforderlich, dass Sie einiges über häusliche Pflege lernen. Die zunehmenden Aufgaben in Haushalt und Pflege mit Ihrem bisherigen Leben unter einen Hut zu bringen, ist für viele eine große Herausforderung – zumal, wenn sie noch berufstätig sind.

    Wer kann uns unterstützen?

    Wenn Sie versuchen, all diese Herausforderungen allein zu meistern, können Sie leicht an Ihre Grenzen gelangen. Es ist wichtig, dass Sie auf sich selbst achten und realistisch einschätzen, was Sie schaffen können und wann die Grenzen Ihrer Belastbarkeit erreicht sind. Sich rechtzeitig Hilfe und Unterstützung zu suchen, ist eine Voraussetzung dafür, dass Sie für Ihre Partnerin da sein können, wenn sie Sie braucht.

    Es gibt zahlreiche Möglichkeiten der praktischen Unterstützung. Unter bestimmten Bedingungen zahlt die Krankenkasse zum Beispiel eine Haushaltshilfe. Wenn Ihre Partnerin pflegebedürftig wird, können Sie sich in Pflegestützpunkten, bei Ihrer Kranken- oder Pflegekasse beraten lassen, welche Leistungen Ihnen zustehen. Eine individuelle Beratung auch für Angehörige finden Sie bei den Krebsberatungsstellen verschiedener Träger und bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland. Der Krebsinformationsdienst bietet ein Beratungstelefon an. Nicht zuletzt kann es wichtig sein, frühzeitig Angehörige, Freundinnen und Freunde mit einzubeziehen und zur eigenen Entlastung um Unterstützung zu bitten.

    Eine besondere Herausforderung ist es, mit Kindern über die Erkrankung zu sprechen, besonders wenn sie noch nicht erwachsen sind. Ihnen die Krankheit zu verheimlichen, ist keine gute Lösung – auch kleine Kinder spüren, wenn „etwas nicht stimmt“.

    Wie kann ich mich auf den Abschied vorbereiten?

    Wohl die meisten Menschen denken bei dem Wort „Krebs“ auch an Sterben und Tod. Ob die Erkrankung Ihrer Partnerin stabil oder weit vorangeschritten ist: Vielleicht haben Sie beide bereits überlegt, was passieren wird, falls sie sterben sollte. Manche Menschen haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie jetzt schon an die Zeit nach dem Tod ihrer Partnerin denken. Es ist aber legitim und für viele auch wichtig, sich seelisch und gedanklich vorzubereiten.

    Über den Tod zu reden ist sehr schwer. Vielleicht müssen Sie mehrere Anläufe nehmen, bis Sie beide bereit für solche Gespräche sind. Manchmal nimmt es aber auch einen Teil des Schreckens, wenn man in der Lage ist, seine tiefsten Ängste auszusprechen und zu teilen. Gemeinsam traurig zu sein und nicht weiter zu wissen, kann ein Paar auch einander näher bringen. Manche Frauen berichten, dass sie sich wünschten, mit ihren Nächsten das Thema „Sterben und Tod“ offener diskutieren zu können.

    Wenn absehbar ist, dass die Lebenszeit Ihrer Partnerin sehr begrenzt ist, müssen Sie wahrscheinlich einige Entscheidungen treffen und Formalitäten besprechen. Dazu können finanzielle Fragen gehören, ein Testament, die Versorgung der Kinder, aber auch die medizinische und pflegerische Betreuung Ihrer Partnerin in der letzten Lebensphase. Wichtig sind auch Informationen über Möglichkeiten der Palliativversorgung zu Hause, in der Klinik oder im Hospiz.

    Nicht wenige Paare berichten, dass sie in der von der Erkrankung geprägten Zeit stärker zusammengewachsen sind und sich neu schätzen gelernt haben. Dass sie gemeinsam gelernt haben, sich auf Wesentliches zu konzentrieren und Unwichtiges beiseite zu lassen. Vielleicht können auch Sie trotz aller Sorgen und schwierigen Phasen Ihr gemeinsames Leben in diesem Licht sehen und jeden Tag so gut es geht nutzen.

    Quellen

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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    Mehr Wissen: Abschied nehmen

    Wenn Sie spüren, dass Ihre Kräfte schwinden und Ihnen womöglich nicht mehr viel Lebenszeit bleibt, kann es hilfreich sein, sich auf den Abschied vorzubereiten und mit nahestehenden Menschen zu klären, was Ihnen wichtig ist. Dies betrifft auch die medizinische Betreuung und Pflege in der letzten Lebensphase.

    Wenn der Brustkrebs voranschreitet und voraussehbar wird, dass die verbleibende Lebensspanne vermutlich nur noch kurz ist, reagieren die meisten Frauen mit tiefer Verzweiflung. Es können aber auch Gefühle wie Niedergeschlagenheit, Unsicherheit, Angst oder auch Wut und Aggressionen auftreten und einander abwechseln. Lebenspläne nicht mehr umsetzen zu können, Kinder und Enkelkinder nicht aufwachsen zu sehen oder nicht mit dem Partner und Freunden alt zu werden, ist für viele unbeschreiblich schmerzhaft. Hinzu kann das Gefühl kommen, in der letzten Lebensphase anderen zur Last zu werden.

    Jede Frau erlebt diese Situation anders. Manche Frauen spüren das Bedürfnis, sich mit dem Abschied nehmen und Sterben auseinanderzusetzen, und wollen darüber reden. Andere versuchen, den Blick auf die Endlichkeit des Lebens zu vermeiden, oder fühlen sich hin- und hergerissen. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Wichtig ist vielmehr, dass Sie einen Weg finden, der Ihnen persönlich Ihren Bedürfnissen und Wünschen entspricht. Die folgenden Hinweise können vielleicht helfen, Ihren individuellen Weg zu finden und sich die Unterstützung zu holen, die Sie dafür brauchen.

    Wenn Sie spüren, dass Ihre Kräfte schwinden und womöglich nicht mehr viel Lebenszeit bleibt, kann es entlastend sein, sich selbst vorzubereiten und mit nahestehenden Menschen zu klären, was Ihnen wichtig ist. Vielleicht brauchen diese Gespräche Mut von beiden Seiten. Aber gerade sie lassen oft eine besondere Nähe und Verbundenheit entstehen. Bei Ihnen kann sich dadurch das Gefühl der Geborgenheit verstärken und Ihre Angehörigen tröstet der Gedanke, für Sie da und Ihnen nahe zu sein.

    Sie können beispielsweise mit Ihren Angehörigen besprechen, ob für Sie eine Betreuung zu Hause infrage kommt und ob die Angehörigen sich dafür stark genug fühlen – oder ob eher die Betreuung in einem Hospiz oder in einer Klinik das Richtige für Sie und Ihre Angehörigen ist. Bei dieser Abwägung können Sie auch den Rat Ihrer Ärztinnen und Ärzte in Anspruch nehmen. Außerdem kann eine Beratung durch Ehrenamtliche oder Fachkräfte mit Erfahrung in Trauer- und Sterbebegleitung hilfreich sein.

    Wenn Sie spüren, dass Ihre Kräfte schwinden und Ihnen womöglich nicht mehr viel Lebenszeit bleibt, kann es hilfreich sein, sich auf den Abschied vorzubereiten und mit nahestehenden Menschen zu klären, was Ihnen wichtig ist. Dies betrifft auch die medizinische Betreuung und Pflege in der letzten Lebensphase.

    Wenn der Brustkrebs voranschreitet und voraussehbar wird, dass die verbleibende Lebensspanne vermutlich nur noch kurz ist, reagieren die meisten Frauen mit tiefer Verzweiflung. Es können aber auch Gefühle wie Niedergeschlagenheit, Unsicherheit, Angst oder auch Wut und Aggressionen auftreten und einander abwechseln. Lebenspläne nicht mehr umsetzen zu können, Kinder und Enkelkinder nicht aufwachsen zu sehen oder nicht mit dem Partner und Freunden alt zu werden, ist für viele unbeschreiblich schmerzhaft. Hinzu kann das Gefühl kommen, in der letzten Lebensphase anderen zur Last zu werden.

    Jede Frau erlebt diese Situation anders. Manche Frauen spüren das Bedürfnis, sich mit dem Abschied nehmen und Sterben auseinanderzusetzen, und wollen darüber reden. Andere versuchen, den Blick auf die Endlichkeit des Lebens zu vermeiden, oder fühlen sich hin- und hergerissen. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Wichtig ist vielmehr, dass Sie einen Weg finden, der Ihnen persönlich Ihren Bedürfnissen und Wünschen entspricht. Die folgenden Hinweise können vielleicht helfen, Ihren individuellen Weg zu finden und sich die Unterstützung zu holen, die Sie dafür brauchen.

    Wenn Sie spüren, dass Ihre Kräfte schwinden und womöglich nicht mehr viel Lebenszeit bleibt, kann es entlastend sein, sich selbst vorzubereiten und mit nahestehenden Menschen zu klären, was Ihnen wichtig ist. Vielleicht brauchen diese Gespräche Mut von beiden Seiten. Aber gerade sie lassen oft eine besondere Nähe und Verbundenheit entstehen. Bei Ihnen kann sich dadurch das Gefühl der Geborgenheit verstärken und Ihre Angehörigen tröstet der Gedanke, für Sie da und Ihnen nahe zu sein.

    Sie können beispielsweise mit Ihren Angehörigen besprechen, ob für Sie eine Betreuung zu Hause infrage kommt und ob die Angehörigen sich dafür stark genug fühlen – oder ob eher die Betreuung in einem Hospiz oder in einer Klinik das Richtige für Sie und Ihre Angehörigen ist. Bei dieser Abwägung können Sie auch den Rat Ihrer Ärztinnen und Ärzte in Anspruch nehmen. Außerdem kann eine Beratung durch Ehrenamtliche oder Fachkräfte mit Erfahrung in Trauer- und Sterbebegleitung hilfreich sein.

    Was bedeutet Trauer?

    Bei dem Begriff „Trauer“ denken die meisten spontan an die Zeit nach dem Tod. Trauer kann sich aber auch auf nicht mehr Erreichbares richten: auf den Verlust der Zukunft, unerreichte Ziele, nicht erfüllte Wünsche, unbewältigte Konflikte. Zu trauern bedeutet, den Schmerz zu durchleben und gleichzeitig zu erkennen, was im Leben wichtig war und ist. Dabei trauern Menschen unterschiedlich. Einige sind in sich gekehrt, andere suchen den Austausch, manche spüren die Trauer seelisch und körperlich. Trauer kann helfen, sich zu erinnern, Rückschau zu halten – und es am Ende leichter machen, sich zu lösen. Manche Frauen empfinden es nach einer gewissen Zeit als erleichternd, ihre Trauer zuzulassen, ihrem Schmerz Ausdruck zu geben und sich selbst genügend Raum dafür einzuräumen. Einige brauchen neben Gesprächen mit Vertrauten Ruhe und Zeit für sich allein.

    Manche Frauen berichten, dass für sie in der letzten Lebensphase ganz konkrete Tätigkeiten wichtig sind: zum Beispiel das Ordnen ihrer persönlichen Dinge, Abschließen von Projekten, Planen und Vorsorgen für die Familie, Abgeben von Aufgaben, Regeln von Erbschafts-Angelegenheiten und Vorbereitungen für ihr Begräbnis. Manche versuchen, Konflikte, die sie belasten, zu lösen oder sich Wünsche zu erfüllen, die sie schon lange hegen, und eine erfüllte gemeinsame Zeit mit ihren Lieben zu leben.

    Wie kann ich diese Zeit mit meinen Lieben gestalten?

    Viele Frauen beschäftigt als zentrales Thema, ihre Familie und Freunde verlassen zu müssen und die eigenen Kinder oder Enkel nicht aufwachsen zu sehen. Sie sorgen sich um die Belastung, die ihr Tod für ihre Angehörigen bedeutet. Gemeinsam mit Partner oder Partnerin, Familie und anderen Nahestehenden zu trauern und Hoffnungen, Ängste und Wünsche auszudrücken, ist für viele Frauen wichtig. Das Gefühl, nicht über die bevorstehende Zeit und den Tod sprechen zu dürfen, sich nicht zu trauen, darüber zu sprechen, oder keine Worte zu finden, kann das Abschied nehmen und Loslassen erschweren.

    Angesichts des nahenden Abschieds entsteht bei vielen Menschen das Bedürfnis, ihre Beziehungen zu Nahestehenden zu klären, um in Frieden auseinandergehen zu können. Ungelöste Konflikte anzusprechen und Probleme innerhalb der Familie bewusst zu machen, gelingt jetzt manchmal leichter als zuvor.

    Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf die Herausforderung, über Themen wie Tod, Abschied und das Leben danach zu sprechen. Für manche ist eine Unterstützung durch Außenstehende sehr hilfreich. Beratung, psychoonkologische, psychotherapeutische oder seelsorgerische Hilfe anzunehmen, kann ebenfalls die Bewältigung der schwierigen Situation erleichtern.

    Wie kann ich meine Kinder vorbereiten?

    Je nachdem, wie alt Ihre Kinder sind, können Sie mehr oder weniger offen mit ihnen sprechen und sie behutsam auf das Leben ohne Sie vorbereiten. Kleine Kinder können die Dimension des Todes noch nicht begreifen, aber sie ahnen, dass etwas geschieht, was ihr Leben verändern wird. Sie können mit Verunsicherung, Ängsten und Anhänglichkeit reagieren. Ihnen immer wieder Liebe zu zeigen und ihnen zu sagen, dass Ihre Liebe sie auch begleiten wird, wenn Sie fort sind, kann helfen.

    Größere Kinder verstehen meist, dass sie Abschied nehmen müssen. Auch für sie ist das Gefühl wichtig, dass Sie trotzdem „bei ihnen bleiben“. So ehrlich wie möglich mit ihnen über das zu sprechen, was nach Ihrem Tod in der Familie geschehen könnte – und auch darüber, was sich das Kind vorstellt und was Sie ihm für seine Zukunft wünschen –, ist meistens hilfreich. Einem Kind Versprechen abzunehmen – zum Beispiel, sich um jüngere Geschwister zu kümmern oder später eine neue Partnerin an der Seite ihres Vaters zu akzeptieren –, kann jedoch zur Belastung werden: Schafft das Kind es nicht, das Versprechen einzulösen, können sich Schuldgefühle entwickeln.

    Um Kindern später die Möglichkeit zu geben, sich zu erinnern und zu erfahren, wer ihre Mutter war, können Sie ein persönliches Erbe vorbereiten. Sie können ihnen zum Beispiel Ihre Lebensgeschichte aufschreiben oder erzählen – in Form von Briefen, Tagebüchern, Video- oder Audioaufnahmen. Sie können Ihre eigene Kindheit beschreiben und das Aufwachsen Ihrer Kinder mit schönen, wichtigen und lustigen wie schmerzlichen gemeinsamen Erlebnissen schildern.

    Kinder, deren Mütter an Krebs gestorben sind, als sie noch klein waren, berichten, dass das Hinterlassen und Bewahren von Erinnerungen ihnen später sehr geholfen hat. Sie wollten wissen, was und wer im Leben ihrer Mutter wichtig war. Sie waren dankbar für Namen und Adressen von Freunden und Verwandten, mit denen sie später Erinnerungen austauschen konnten. Auch Dinge von persönlicher Bedeutung wie Schmuck, Kleidung, Bilder oder auch Lieblings-Kochrezepte waren wichtig und hilfreich. Insbesondere ältere oder erwachsene Töchter interessieren sich zudem für die Krankheitsgeschichte ihrer Mütter und – vor dem Hintergrund eines möglichen familiären Risikos – auch für Krankenunterlagen.

    Welche weiteren Vorbereitungen können sinnvoll sein?

    „Letzte Dinge“ zu regeln, ist für viele Frauen wichtig. Indem Sie Ihre persönlichen Sachen und Angelegenheiten ordnen und für Ihre Angehörigen vorsorgen, können Sie etwas von sich bewahren. Sie können Dinge regeln, die Ihnen am Herzen liegen, und so Ihren Lieben helfen, zu trauern, sich zu erinnern und ihr zukünftiges Leben zu gestalten. Dazu kann auch gehören, gemeinsam zu überlegen, wie sich Aufgaben und Rollen neu verteilen lassen.

    Wichtig ist vor allem, dass Sie für sich selbst Vorsorge treffen. Zum Beispiel kann es sinnvoll sein, in einer Patientenverfügung festzulegen, wie Sie ärztlich behandelt werden möchten, falls eine Situation eintritt, in der Sie sich selbst nicht mehr dazu äußern können. In einer Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung können Sie bestimmen, wer wichtige Angelegenheiten für Sie regeln soll, wenn Sie selbst nicht mehr dazu in der Lage sein sollten. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Sie dazu beraten. Grundlegende Informationen zum Betreuungsrecht, zu Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung finden Sie auf der Themenseite des Bundesministeriums der Justiz, außerdem Links zu Formularvorlagen und Broschüren zum kostenlosen Download.

    Wenn Sie Ihren Nachlass regeln und andere Vorkehrungen für die Zeit nach Ihrem Tod treffen wollen, legen Sie dies am besten in einem Testament fest. Sie können stattdessen auch auf die gesetzliche Erbfolge vertrauen und darauf, dass sich Ihre Erben untereinander einig werden. Wenn Sie jedoch bestimmte Vorstellungen haben, wem Sie welche persönlichen Dinge und finanziellen Werte hinterlassen möchten, ist es nötig, dies handschriftlich festzuhalten. Wichtig zu wissen: Wenn Sie nicht verheiratet sind oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben, bleibt Ihr Partner oder Ihre Partnerin ohne entsprechendes Testament unberücksichtigt.

    Die einfachste Form, ein Testament aufzusetzen, ist das eigenhändige Testament. Dazu schreiben Sie Ihren letzten Willen mit der Hand nieder, versehen ihn mit Datum und Ortsangabe und unterschreiben mit vollem Namen. Sie können sich auch vom Notar beraten und Ihr Testament notariell niederlegen lassen. Eine notarielle Beratung ist sinnvoll, wenn Sie vor Ihrem Tod Schenkungen veranlassen möchten.

    Im Testament können Sie auch festlegen, wie Sie beerdigt werden möchten. Manche Menschen planen ihr Begräbnis sehr genau, andere möchten dies nicht und überlassen die Umstände ihrer Bestattung ihrer Familie. Für Angehörige kann es hilfreich sein, wenn sie das Begräbnis in Ihrem Sinne begehen und sich Ihnen dabei nahe fühlen können. Welche Bestattungsarten es gibt und welche Formalitäten zu beachten sind, dazu beraten Bestattungsinstitute. Außerdem ist zu diesen sowie zu allen Fragen der Nachlassregelung umfangreiche Ratgeberliteratur erhältlich.

    Wie kann eine Betreuung zu Hause gelingen?

    Wenn Sie Ihre letzte Lebensphase zu Hause verbringen möchten, können ambulante Dienste die notwendige medizinische Begleitung übernehmen. Wichtig ist, mit Ihren Angehörigen zu klären, ob dies für sie möglich und für alle Beteiligten vorstellbar ist. Eine intensive häusliche Betreuung setzt voraus, dass

    • pflegende Angehörige, Freundinnen und Freunde bereit und in der Lage sind, sich mit den Anforderungen praktischer Pflege und Sterbebegleitung auseinanderzusetzen und sich gegenseitig zu unterstützen;
    • eine intensive medizinische Betreuung und ausreichende Schmerzbehandlung gesichert sind. Außer Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt ist möglicherweise onkologische, palliativmedizinische oder schmerztherapeutische Hilfe nötig;
    • praktische Hilfe und seelischer Beistand durch professionelle Pflegekräfte und / oder ehrenamtliche Helferinnen und Helfer zur Verfügung steht;
    • sich die Wohnung dafür eignet – dass zum Beispiel das Bad gut erreichbar ist und ein Pflegebett aufgestellt werden kann;
    • die Kostenübernahme durch Kranken- oder Pflegekasse sowie die Finanzierung möglicher Zusatzkosten (zum Beispiel Zuzahlungen) geklärt ist.

    Ihre Haus- und Fachärztinnen oder -ärzte unterstützen Sie und Ihre Familie bei der Wahl eines Pflegedienstes, ambulanten Palliativ- oder Hospizdienstes. Zur Einstufung in eine Pflegestufe, zur Antragstellung und zu weiteren Leistungen der Pflegeversicherung können Sie und Ihre Angehörigen sich in Pflegestützpunkten sowie von Ihrer Kranken- oder Pflegekasse beraten lassen. Hier erhalten Sie auch Informationen über Pflegedienste. Ambulante Pflegekräfte machen bei Bedarf Hausbesuche und beraten, wie sich die Wohnung für eine häusliche Pflege anpassen lässt und welche Hilfsmittel (zum Beispiel Pflegebett oder eine Gehhilfe) nötig sind. Da die Organisation zeitaufwendig sein kann, ist es gut, diese Dinge frühzeitig anzugehen.

    Bei Pflegebedürftigkeit übernimmt die Pflegekasse je nach Pflegestufe einen Teil der Kosten für ambulante Pflege durch Fachkräfte oder zahlt den Versicherten Pflegegeld, das für pflegende Angehörige bestimmt ist. Es gibt auch Mischlösungen, bei denen die Pflegekasse einen Teil der Kosten der ambulanten Pflege übernimmt und zugleich einen bestimmten Betrag als Pflegegeld auszahlt. Leistungen der häuslichen Krankenpflege sowie Hilfsmittel zahlt die Krankenkasse, wenn sie ärztlich verordnet werden.

    Wenn eine Entlassung aus dem Krankenhaus ansteht, kann der Kliniksozialdienst Sie und Ihre Angehörigen unterstützen und notwendige Maßnahmen organisieren. Möglich ist beispielsweise eine vorübergehende Brücken- oder Überleitungspflege oder eine Kurzzeitpflege, um die medizinische Versorgung und Pflege zu Hause vorzubereiten.

    Zudem ist insbesondere bei Berufstätigkeit der Angehörigen eine teilstationäre Pflege am Tag oder in der Nacht möglich. Wenn die pflegenden Angehörigen erkranken oder einen Urlaub planen, ist eine vorübergehende stationäre Kurzzeitpflege möglich. Für eine Übernahme der Kosten oder einen finanziellen Zuschuss muss jedoch eine Pflegestufe vorliegen. Ansprechpartner hierfür ist die Pflegeversicherung.

    Ambulante Palliativversorgung und ambulante Hospizdienste

    Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) bietet eine besonders intensive Form der ambulanten medizinischen Palliativversorgung und -pflege. Ihr Ziel ist, die Lebensqualität und Selbstbestimmung von Menschen am Lebensende zu erhalten und zu fördern und ein Sterben zu Hause zu ermöglichen. Dies entspricht dem Wunsch vieler Menschen. Sogenannte Palliative-Care-Teams bestehen aus ärztlichen, psychologischen und pflegerischen Fachkräften. Sie sind besonders auf die Behandlung von Schmerzen spezialisiert, oft rund um die Uhr erreichbar und arbeiten eng mit Hospizdiensten zusammen. Die SAPV ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung und muss von einer Ärztin oder einem Arzt verordnet werden. Sie kann für die Betreuung zu Hause und auch im Hospiz beansprucht und oft schon im Krankenhaus vermittelt werden.

    Ambulante Hospizdienste bestehen aus Fachkräften und speziell geschulten ehrenamtlichen Kräften, die bei der Betreuung zu Hause oder in der Klinik psychosoziale Unterstützung leisten. Ehrenamtlich helfende Menschen können keine pflegerische oder ärztliche Versorgung ersetzen. Sie stehen vielmehr für Gespräche, zum Vorlesen oder auch als stille Begleitung zur Verfügung, können beispielsweise kleinere Erledigungen übernehmen oder bei Arztbesuchen zur Seite stehen. Beratung und Gespräche mit in der Sterbebegleitung erfahrenen Helferinnen und Helfern können auch für Angehörige eine große Entlastung sein und neue Kraft geben.

    Wie werde ich in der Klinik oder im Hospiz betreut?

    Nicht immer ist eine intensive Versorgung und Pflege zu Hause möglich, und nicht jeder Mensch möchte von seinen Angehörigen gepflegt werden. Manche Frauen ziehen es vor, die körperliche Pflege professionellen Kräften zu überlassen, und fühlen sich in einer Einrichtung mit Rund-um-die-Uhr-Betreuung gut aufgehoben. Wenn Angehörige an ihre Grenzen kommen, kann die Betreuung in einer Einrichtung für sie unter Umständen eine große Entlastung sein. Durch diese Entlastung kann wiederum mehr Raum für intensive Begegnungen und Gespräche in der letzten Lebensphase entstehen.  

    Eine stationäre Betreuung ist in der Klinik (Palliativstation), in einem Hospiz oder Pflegeheim möglich. Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte, der Kliniksozialdienst und auch die Krankenversicherung sowie die Pflegeversicherung helfen bei der Auswahl einer geeigneten Einrichtung und bei der Klärung der Kostenübernahme.

    Palliativstationen sind Spezialabteilungen von Kliniken, in der unheilbar Erkrankte mit starken Beschwerden über einige Tage bis Wochen intensiv betreut werden. Die Therapie soll die Symptome der Erkrankung begrenzen und Beschwerden lindern – meist mit dem Ziel der Entlassung nach Hause oder in ein Hospiz. Im Gegensatz zu Intensivstationen stehen auf Palliativstationen nicht medizinische Technik, sondern Pflege und Zuwendung im Mittelpunkt. Die Zimmer sind meist wohnlich eingerichtet, Angehörige oder Freunde können auf der Station übernachten. Wie in Hospizen ist auch in Palliativstationen die seelsorgerische und gegebenenfalls die Sterbebegleitung ein zentraler Bestandteil der Betreuung, falls dies gewünscht wird.

    Ein Hospiz ist keine Klinik, sondern eine Einrichtung, in der Menschen in ihrer letzten Lebensphase von einem Team aus unter anderem ärztlichen, psychologischen und Pflege-Fachkräften versorgt und begleitet werden. In der Regel arbeiten Hospize mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten zusammen. Auch Gespräche und Angebote wie Musiktherapie gehören zum Standard. In einem Hospiz sind außerdem immer Ehrenamtliche für Sie und Ihre Angehörigen da, die speziell für die Sterbebegleitung geschult sind, aber auch alltägliche Unterstützung anbieten. Auf Wunsch ist eine zusätzliche seelsorgerische Betreuung möglich. Hospize sind in der Regel kleinere, wohnlich ausgestattete Gebäude.

    Auch in Hospizen kommt nur sehr wenig Technik zum Einsatz und keine Maßnahmen, die das Leben um jeden Preis verlängern. Die Therapie konzentriert sich auf eine ausreichende Behandlung von Schmerzen und anderen Beschwerden wie Luftnot und Übelkeit. Es wird viel Wert auf Zuwendung und Anteil nehmende Begleitung gelegt.

    Nicht nur im Hospiz, auch in den meisten Kliniken und Palliativstationen sind Angehörige und Freunde heute willkommen. Sie werden auf Wunsch in die Versorgung und Begleitung einbezogen und bekommen auch selbst Unterstützung.

    Weitere Informationen

    Wenn Sie weitere Informationen benötigen, finden Sie auf der Website des Krebsinformationsdienstes eine Zusammenstellung von Adressen und Ansprechpartnern zur Palliativversorgung und Hospizen sowie zur häuslichen Krankenpflege. Da Hospize oft eine Warteliste haben, ist es sinnvoll, sich frühzeitig anzumelden.

    Weiterhin können Sie sich beispielsweise bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland, den Krebsberatungsstellen sowie dem kostenlosen Beratungstelefon des Krebsinformationsdienstes beraten lassen.

    Quellen

    Chunlestskul K, Carlson LE, Koopmans JP, Angen M. Lived experiences of Canadian women with metastatic breast cancer in preparation for their death: a qualitative study. Part I: preparations and consequences. J Palliat Care 2008; 24(1): 5-15.

    Chunlestskul K, Carlson LE, Koopmans JP, Angen M. Lived experiences of Canadian women with metastatic breast cancer in preparation for their death: a qualitative study. Part II: enabling and inhibiting factors; the paradox of death preparation. J Palliat Care 2008; 24(1): 16-25.

    Dumont I, Dumont S, Mongeau S. End-of-life care and the grieving process: family caregivers who have experienced the loss of a terminal-phase cancer patient. Qualitative Health Research 2008; 18(8): 1049-1061.

    Krebsinformationsdienst (KID). Fortgeschrittene Krebserkrankung: Behandlung, Pflege und Betreuung. 15.01.2016.

    Mosher CE, Johnson C, Dickler M, Norton L, Massie MJ, DuHamel K. Living with metastatic breast cancer: a qualitative analysis of physical, psychological, and social sequelae. Breast Journal 2013; 19(3): 285-292.

    Oktay JS. Breast cancer: daughters tell their stories. New York: Haworth Press; 2005.

    Willis K, Lewis S, Ng F, Wilson L. The experience of living with metastatic breast cancer: a review of the literature. Health Care Women Int 2015; 36(5): 514-542.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Hilfsangebote, Formales und Finanzielles

    Bei metastasiertem Brustkrebs ist je nach persönlicher Situation vieles zu organisieren. Dazu gehören finanzielle Dinge wie Krankengeld und Organisatorisches wie die Beantragung einer Rehabilitation oder von Hilfen im Haushalt. Auch der Wiedereinstieg in den Beruf kann zu regeln sein.

    Die Erkrankung und ihre Behandlung können den Alltag grundlegend verändern. Je nachdem, ob Sie (noch) berufstätig sind und / oder Kinder zu versorgen haben, müssen Sie Ihre alltäglichen Verpflichtungen und Aktivitäten neu organisieren. Praktische Unterstützung wie Hilfe im Haushalt oder bei der Kinderbetreuung ist dabei sehr wichtig. Für viele Frauen ist es schwer, mit der Zeit ihre Rolle als „Versorgende“ aufzugeben und mit abnehmender körperlicher Belastbarkeit auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Dennoch: Trotz der Belastung durch Krankheit und Behandlung leben viele Frauen mit metastasiertem Brustkrebs ein ausgefülltes Leben und halten ihren normalen Alltag aufrecht, so gut es geht.

    Bei metastasiertem Brustkrebs ist je nach persönlicher Situation vieles zu organisieren. Dazu gehören finanzielle Dinge wie Krankengeld und Organisatorisches wie die Beantragung einer Rehabilitation oder von Hilfen im Haushalt. Auch der Wiedereinstieg in den Beruf kann zu regeln sein.

    Die Erkrankung und ihre Behandlung können den Alltag grundlegend verändern. Je nachdem, ob Sie (noch) berufstätig sind und / oder Kinder zu versorgen haben, müssen Sie Ihre alltäglichen Verpflichtungen und Aktivitäten neu organisieren. Praktische Unterstützung wie Hilfe im Haushalt oder bei der Kinderbetreuung ist dabei sehr wichtig. Für viele Frauen ist es schwer, mit der Zeit ihre Rolle als „Versorgende“ aufzugeben und mit abnehmender körperlicher Belastbarkeit auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Dennoch: Trotz der Belastung durch Krankheit und Behandlung leben viele Frauen mit metastasiertem Brustkrebs ein ausgefülltes Leben und halten ihren normalen Alltag aufrecht, so gut es geht.

    Nach der Entlassung aus Krankenhaus oder Reha

    Wenn ein längerer Aufenthalt in einer stationären Einrichtung zu Ende geht, kann das Ängste und Unsicherheiten auslösen. Welche Ärztinnen und Ärzte sind für die weitere medizinische Betreuung zuständig? Wie komme ich mit dem Alltag daheim zurecht? Wie kann ich meine Kinder versorgen? Wie kann es mir gelingen, wieder in den Beruf zurückzufinden? Dies sind einige der Fragen, die sich viele Frauen stellen. Wenn auch Sie sich Gedanken machen, wie es nach der Entlassung weitergeht: Es gibt Anlaufstellen, bei denen Sie Hilfe und Unterstützung finden können.

    Bereits im Krankenhaus oder in der Rehabilitationsklinik können Sie mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des (Klinik-)Sozialdienstes Kontakt aufnehmen. Wenn Sie unsicher sind, an wen Sie sich wenden sollen, können Sie das Pflegepersonal oder die Ärztinnen und Ärzte auf Ihrer Station ansprechen und nach dem Sozialdienst fragen. Der Sozialdienst kann mit Ihnen die Entlassung und die Zeit danach planen. Möglicherweise haben Sie und / oder Ihre Familie Anspruch auf eine Haushaltshilfe oder häusliche Krankenpflege. Der Sozialdienst kann Sie zudem mit Rat und Tat bei der Planung des Alltags unterstützen und helfen, weitere soziale oder finanzielle Hilfen zu beantragen, um die Rückkehr in den Alltag zu erleichtern.

    Eventuell bietet Ihre Klinik auch eine Brücken- oder Überleitungspflege an, um den Übergang nach Hause so gut wie möglich zu gestalten. Eine Auswahl von weiteren Anlaufstellen, die Informationen, Beratung und Begleitung bieten, finden Sie am Ende dieser Information.

    Kranken- und Rentenversicherung

    Ihre gesetzliche Krankenkasse kommt für alle medizinisch notwendigen Leistungen auf: für ambulante und Klinikbehandlungen, für Heilmittel wie Physiotherapie und auch für Hilfsmittel wie Brustprothesen. Die Kosten einer Rehabilitation werden in der Regel von der Kranken- oder Rentenversicherung übernommen. Die Rentenversicherung ist meist zuständig, wenn durch eine Rehabilitation eine Erwerbsunfähigkeit verhindert werden soll. Eine ärztliche Verordnung (Rezept) ist immer die Voraussetzung für die Kostenübernahme. Auch der Kliniksozialdienst kann Ihnen bei Fragen zur Krankenversicherung helfen und Sie beim Antrag auf eine Rehabilitations-Maßnahme oder Haushaltshilfe unterstützen.

    Als gesetzlich krankenversicherte Arbeitnehmerin erhalten Sie innerhalb von drei Jahren maximal 78 Wochen lang Krankengeld, wenn Sie aufgrund derselben Erkrankung länger arbeitsunfähig sind. Das Krankengeld kann während dieses Zeitraums anderthalb Jahre am Stück in Anspruch genommen werden oder mehrmals für kürzere Zeit. Sie beantragen es bei Ihrer Krankenkasse.

    Für Menschen, die längere Zeit mit einer Krebserkrankung leben, ist die Zuzahlungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung niedriger: Sie müssen höchstens ein Prozent des Haushaltsbruttoeinkommens für Zuzahlungen verwenden (statt zwei Prozent). Weitere Informationen gibt es bei Ihrer Krankenkasse.

    Für Beamte und privat Versicherte gelten teilweise andere Regelungen zu Leistungen und Kostenübernahmen. Hier ist es sinnvoll, sich direkt bei der privaten Krankenkasse oder Beihilfestelle zu erkundigen.

    Sie können außerdem beim Versorgungsamt einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Bei einer Verschlechterung Ihres Gesundheitszustands können Sie einen Antrag auf Erhöhung des Grades der Behinderung (GdB), auch Verschlimmerungsantrag genannt, stellen. Der Ausweis verschafft Ihnen unter anderem finanzielle Vergünstigungen sowie einen erhöhten Kündigungsschutz am Arbeitsplatz.

    Berufliche Rehabilitation oder Rente?

    Wenn Sie Ihren Beruf nicht mehr ausüben können, kann das einen tiefen Einschnitt bedeuten – finanziell, aber auch sozial. Manche Frauen haben dann das Gefühl, kein aktives und gleichwertiges Mitglied der Gesellschaft mehr zu sein. Andere Frauen ziehen sich ohne Bedauern vom Job zurück, widmen sich anderen Aufgaben und verbringen mehr Zeit mit ihrer Familie und Freunden.

    Vielleicht verändern sich Ihre Prioritäten mit der Zeit: Nur Sie können herausfinden, welche Tätigkeiten für Sie besonders wichtig sind und in welcher Umgebung Sie sich wohl fühlen. Vielleicht ist eine Teilzeitarbeit für Sie möglich, wenn Sie mit Ihrem Arbeitgeber sprechen. Auch eine andere berufliche oder ehrenamtliche Aufgabe, die sich flexibler gestalten lässt als Ihre bisherige Arbeit, kann eine Möglichkeit sein.

    Wer nach längerer Krankheit wieder in den Beruf zurückkehren möchte, kann oft nicht gleich wieder im bisherigen Umfang arbeiten. Dann bietet das „Hamburger Modell“ die Möglichkeit der stufenweisen Wiedereingliederung. Dabei können die Arbeitszeiten flexibel angepasst werden: Zunächst arbeiten Sie nur wenige Stunden am Tag, und wenn Sie gut damit zurechtkommen, später mehr. Voraussetzung ist die Zustimmung Ihres Arbeitgebers und Ihrer Krankenkasse.

    Unter bestimmten Bedingungen können Sie Arbeitslosengeld I oder II bei der Agentur für Arbeit, oder Sozialgeld bei Ihrem Sozialamt beantragen. Der Härtefonds der Deutschen Krebshilfe kann in kleinem Umfang schnell und unbürokratisch in finanziellen Notlagen aufgrund einer Krebserkrankung helfen.

    Wenn eine Wiederaufnahme der Berufstätigkeit nicht oder nur noch eingeschränkt möglich ist, können Sie beim Rentenversicherungsträger eine Rente beantragen. Je nachdem, wie alt Sie sind und ob Sie weitere Voraussetzungen erfüllen, können Sie die reguläre Altersrente oder eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit beantragen. Wenn Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben, können nun die Bedingungen für eine entsprechende Rente erfüllt sein.

    Weitere Anlaufstellen

    Ihnen stehen vielfältige Hilfen und Leistungen zu – dazu gehören zum Beispiel das Krankengeld sowie Hilfen für Haushalt oder Pflege. Es gibt zahlreiche Anlaufstellen, die Sie dazu beraten und bei einer Antragstellung helfen können.

    Sowohl bei persönlichen Entscheidungen als auch in finanziellen und sozialrechtlichen Fragen können Fachkräfte Sie unterstützen. Eine individuelle Beratung – telefonisch oder persönlich – finden Sie beispielsweise bei

    • dem Krebsinformationsdienst,
    • der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland,
    • den Krebsberatungsstellen verschiedener Träger,
    • Ihrer Kranken- und Rentenversicherung sowie
    • örtlichen (psycho-)sozialen Beratungsstellen – Ansprechpartner kann Ihnen das Sozial- und das Gesundheitsamt nennen.

    Sie können sich außerdem an den Kliniksozialdienst oder eine Reha-Servicestelle wenden. Diese Stellen informieren zu medizinischer und beruflicher Rehabilitation und helfen bei der Antragstellung. Adressen bekommen Sie bei Ihrer Krankenkasse oder Rentenversicherung.

    Quellen

    DeSanto-Madeya S, Bauer-Wu S, Gross A. Activities of daily living in women with advanced breast cancer. Oncol Nurs Forum 2007; 34(4): 841-846.

    Deutsche Krebshilfe. Wegweiser zu Sozialleistungen. 02.2016.

    Frauenselbsthilfe nach Krebs Bundesverband e.V. Leben mit Metastasen. 01.2015.

    Frauenselbsthilfe nach Krebs Bundesverband e.V. Soziale Informationen 2016. 01.2016.

    Krebsinformationsdienst (KID). Sozialrechtliche Fragen bei Krebs: Anlaufstellen. 08.04.2015.

    Luoma ML, Hakamies-Blomqvist L. The meaning of quality of life in patients being treated for advanced breast cancer: a qualitative study. Psychooncology 2004; 13(10): 729-739.

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    Metastasierter Brustkrebs - Erfahrungsbericht - Doris

    „Es ist eine unberechenbare Erkrankung. Aber momentan sieht es so aus, als hätte ich noch eine ganze Weile auf dieser Welt.“

    Doris, 62 Jahre

    „Es ist eine unberechenbare Erkrankung. Aber momentan sieht es so aus, als hätte ich noch eine ganze Weile auf dieser Welt.“

    Ende des Jahres 2006 war ich bei meinem Gynäkologen und er hat bei der Untersuchung zwei Knoten in der Brust festgestellt. Er hat mich in ein Krankenhaus zur Mammografie überwiesen und dort wurde die Diagnose bestätigt. Im Krankenhaus haben sie direkt nach der Mammografie angefangen, verschiedene weitere Untersuchungen zu machen: Lunge, Herz und alles Mögliche. Ich war geschockt und wusste nicht, wie mir geschieht. Ich kam mir vor wie ein Päckchen auf einem Fließband. Ich kam überhaupt nicht zum Denken. Die Ärzte hätten mich am liebsten gleich im Krankenhaus behalten. Da habe ich gesagt: „Stopp!“ Ich musste das für mich erst mal sortieren und bin einfach nach Hause gegangen. Diese Nachricht musste ich erst mal verinnerlichen.

    Ich bin dann an beiden Brüsten operiert worden und das Krankenhaus hat mir eine Chemo- und Strahlentherapie vorgeschlagen. Das hat mich alles sehr erschreckt. Chemotherapie war das Schlimmste auf der Welt, was ich mir vorstellen konnte. Obwohl ich es ja noch nie erlebt hatte. Ich habe mich dann mit verschiedenen Ärzten in Verbindung gesetzt und mich informiert. Ich habe mich gegen die Chemotherapie entschieden. Der behandelnde Onkologe meinte darauf: „Dann kann ich nichts mehr für sie tun.“ Mein Frauenarzt war ähnlicher Meinung. Daraufhin habe ich mir eine neue Gynäkologin gesucht.

    Im Anschluss an die Operation und Bestrahlung war ich bei einer Rehabilitation, um mich von der Behandlung und der psychischen Belastung zu erholen.

    Ich hatte gedacht, dann ist mein Leben vorbei

    Im Jahr 2008 kam der Krebs wieder. Damals hat sich bei mir privat auch sehr viel verändert: Mein Sohn ist ausgezogen, das Haus wurde mir zu groß, ich war nicht mehr kräftig genug, Vollzeit zu arbeiten und habe die Stundenzahl reduziert. Das alles hat mich sehr belastet.

    Bei der ersten Operation wurden ziemlich viele Lymphknoten aus beiden Achselhöhlen entfernt, dadurch schmerzen immer wieder meine Arme. Im Herbst 2008 kam dann die zweite Operation. Dabei wurde eine Brust entfernt. Das habe ich ganz gut überstanden.

    Im Januar darauf war ich bei der Nachsorgeuntersuchung. Die Gynäkologin hat einen Bauchultraschall gemacht und dabei ist ihr etwas aufgefallen, was ihr nicht gefallen hat und hat mich zum MRT (A.d.R. Magnetresonanztomografie) geschickt. Die Ärztin, die das MRT durchgeführt hat, meinte zuerst, da sei nichts Gefährliches zu sehen.

    Beim nächsten Termin bei meiner Gynäkologin wurde mir dann aber doch gesagt, dass ich Beckenmetastasen habe. Da bin ich aus allen Wolken gefallen. Ich hatte ja nichts gespürt! Ich hatte nur in der Schulter Beschwerden, zu denen der Orthopäde sagte, dass die von einer eingeklemmten Sehne kommen. Dann standen wieder die vielen Untersuchungen an und es wurde immer schlimmer: Metastasen im Becken, in der Wirbelsäule, an der Brustkorbwand, in der Schulter, in der Wirbelsäule. Ich habe die Ärztin dann nur noch gefragt: Können Sie denn überhaupt noch etwas für mich tun? Ich hatte gedacht, ich komme in den Rollstuhl und dann ist mein Leben vorbei. Die Ärztin hat mich dann angelächelt und gesagt: „Das kriegen wir wieder in den Griff.“

    Das Warten auf die Behandlungsergebnisse finde ich sehr schwierig

    Ich bekam dann Bestrahlungen. Dadurch hatte ich immer wieder mal Schmerzen in den Knochen, aber die haben sich wieder gelegt. Im Moment bin ich häufig schlapp und auch müde als Folge der Bestrahlungen. Das ist schon anstrengend. Von der Bestrahlung selbst spüre ich aber nichts. Ich bekomme auch alle zwei beziehungsweise alle vier Wochen verschiedene Medikamente verabreicht. Im Moment geht es mir körperlich ganz gut. Psychisch ist die Belastung noch da. Bei jeder Kontrolluntersuchung denke ich, ob sie wohl wieder etwas finden werden.

    Das Warten auf die Behandlungsergebnisse finde ich auch sehr schwierig. Es dauert ja eine Weile, bis man prüfen kann, ob die Behandlungen anschlagen.

    Als der Tumor wiederkam, da ging es mir ganz schlecht. Auch mit meiner privaten Situation. Ich war immer chronisch müde, kaputt und alles war mir zu viel. Ich fühlte mich von allem überfordert. Ich wurde in dieser Zeit auch psychologisch begleitet und habe eine Therapie gemacht. Sonst hätte ich das, denke ich, nicht geschafft. Ich habe kein familiäres Umfeld, das mich stützt und mein Sohn wohnt weit weg von mir. Ich hatte das Gefühl, ich kann nicht mehr, ich habe keine Kraft mehr und ich will das alles nicht mehr. Neben der Therapie hat mir in dieser Zeit die Unterstützung durch meine Freunde geholfen.

    Mir sieht man die Erkrankung nicht an

    Ich habe trotz der Entfernung ein sehr enges Verhältnis zu meinem Sohn und wir reden auch über die Erkrankung. Wir können ganz offen reden und das tut mir gut. Es ist mir wichtig, dass er Bescheid weiß. Aber dadurch, dass er weit weg von mir wohnt, kann er mich nicht im Alltag unterstützen.

    Meinem Bruder fällt der Umgang mit meiner Erkrankung eher schwer. Er kann irgendwie nicht damit umgehen, wenn es mir schlecht geht. Mir sieht man die Erkrankung nicht an, ganz im Gegenteil. Ich kann mich ja viel ausruhen und das sieht man auch. Schmerzen habe ich keine, da zerrt also körperlich momentan nichts an mir. Es gibt auch Reaktionen von anderen nach dem Motto „Stell dich nicht so an, du siehst doch gut aus“.

    Ich bin mittlerweile Rentnerin, weil ich gar nicht mehr die Kraft habe, so viel zu arbeiten. Von meinem Arbeitgeber hatte ich damals große Unterstützung. Er hatte vollstes Verständnis für mich und auch die Kolleginnen waren sehr lieb mit mir. Ich war sehr lange krankgeschrieben und ich habe dann eine Teilzeitrente bekommen und nur noch ein paar halbe Tage die Woche gearbeitet. Das war für mich sehr erleichternd. Jetzt bin ich Vollrentnerin und arbeite momentan an zwei halben Tagen pro Woche und bessere meine Rente auf. Das ist wunderbar für mich. Dadurch habe ich auch noch einen Bezug zur Arbeitswelt.

    Irgendwann findet man sich mit der Situation ab

    Ich bin aktiv in der Selbsthilfe tätig und das tut mir gut. Da sind Frauen, die alle Ähnliches erlebt haben und wissen, wovon sie sprechen. Ich fühle mich da sehr gut aufgehoben.

    Irgendwann findet man sich mit der Situation ab. Das ist dann einfach so. Ich lebe ja nun schon seit 2006 damit. Man arrangiert sich. Ich schaue, dass es mir so gut wie möglich geht und dass ich etwas unternehme.

    Ich spiele zum Beispiel Klavier. Das ist ein Kindheitstraum von mir. Ich wollte immer schon spielen, aber als Kind war das nicht möglich. Jetzt habe ich jede Woche Klavierunterricht, übe täglich und ich freue mich immer wieder sehr darüber. Was ich auch sehr gern mache, ist das Reisen. Momentan bin ich noch nicht so belastbar und ich mache eher Kurzreisen. Aber ich werde weitere und längere Reisen unternehmen, wenn ich wieder kräftiger bin. Und ich lerne über das Internet Englisch. Das macht viel Spaß.

    Wenn in der nächsten Zeit wieder Ruhe einkehrt, dann möchte ich auch wieder mal schwimmen gehen. Obwohl das mit dem Badeanzug so eine Sache ist. Ich brauche dann einen Badeanzug, wo die Prothese reinpasst. Wenn ich zu Hause und in meiner gewohnten Umgebung bin, dann ist das mit der Prothese überhaupt kein Problem. Ich habe eine kleine Brust und manchmal gehe ich auch ohne Prothese und ziehe eine weite Bluse an. Aber ich habe auch mal eine Situation im Hallenbad erlebt, da kam in der Dusche eine Schulklasse mit kleinen Mädchen herein und ich dachte mir nur: Was mache ich jetzt? Dann sind mir die Tränen gekommen. Das war schon heftig. Es gibt auch Frauen, denen macht das gar nichts aus, die gehen auch in die Sauna. Aber das kann ich noch nicht, da bin ich noch nicht so weit.

    Seminar zum Thema Sterben war regelrecht erleichternd

    Meine erste Frage nach der Operation war: Wie lange habe ich noch zu leben? Mir schoss bei der Diagnose ja sofort in den Kopf: Krebs ist tödlich. Inzwischen denke ich über den Tod nach. Ich finde Sterben nicht so schlimm wie langes Leiden. Ich habe ein Seminar zum Thema Sterben mitgemacht, das hat mir sehr gut getan. Das war regelrecht erleichternd. Ich bin ja jetzt auch nicht mehr ganz so jung. Ich habe ein schönes Leben gehabt und habe sehr viel erleben dürfen und viel von der Welt gesehen. Meine größte Sorge ist, dass ich über Monate starke Schmerzen habe und leiden muss. Ich denke, wenn der liebe Gott mich holen will, dann holt er mich.

    Ich habe nach der Erstdiagnose sofort verschiedene Dinge geregelt. Auch damit mein Sohn handeln kann, wenn ich nicht mehr da bin. Das was mir sehr wichtig.

    Brustkrebs ist eine ganz individuelle und schwer vorhersehbare Erkrankung. Da ist es schwer, irgendwelche allgemeinen Ratschläge zu geben. Ich finde es sehr wichtig, dass man zu seinem Arzt Vertrauen hat. Dass man sich aufgehoben fühlt, sich die entsprechenden Informationen einholt und sich Dinge erklären lässt. Normalerweise muss nichts sofort entschieden werden. Man kann und darf sich auch erst mal zurückziehen und darüber nachdenken und dann für sich entscheiden, was man macht.

    Ich war damals sehr unsicher, weil die Ärzte sich zum Teil widersprochen haben: Der eine wollte so behandeln, der andere anders. Ich war mir dann nicht mehr sicher, ob sie mir die Wahrheit sagen. Die Ärztin im Tumorzentrum hat mir in dieser Zeit sehr geholfen. Die hat mich angelächelt und gesagt „Na klar, wir können etwas machen.“ Sie hat mir wieder Hoffnung gegeben. Ich weiß, der Brustkrebs ist nicht mehr heilbar und ich bin jetzt chronisch krank. Aber man kann damit leben. Im Moment habe ich keine Schwierigkeiten. Wenn das so noch für viele Jahre bleibt, dann wäre ich sehr dankbar.

    Es ist eine unberechenbare Erkrankung. Aber momentan sieht es so aus, als hätte ich noch eine ganze Weile auf dieser Welt. Ich versuche jeden Tag so zu gestalten und zu genießen, wie es gerade geht.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Metastasierter Brustkrebs - Erfahrungsbericht - Hans

    „Ich habe neben meiner Frau gestanden und gesehen, wie sie durch die Behandlung schwächer wurde. Das war für mich das Schwierigste, weil ich das Gefühl hatte, nichts machen zu können.“

    Hans, 56 Jahre, Partner einer Frau mit Brustkrebs

    „Ich habe neben meiner Frau gestanden und gesehen, wie sie durch die Behandlung schwächer wurde. Das war für mich das Schwierigste, weil ich das Gefühl hatte, nichts machen zu können.“

    Im Jahr 2004 wurde bei meiner Frau Brustkrebs festgestellt. Mit der Diagnose ist sehr viel auf uns eingestürzt. Wir hatten anfangs gar nicht richtig Zeit, uns damit auseinanderzusetzen. Meiner Frau hat man immer wieder versichert, dass es gute Behandlungsmöglichkeiten gibt und es gut gehen wird.

    Nach einer gewissen Zeit war die Behandlung dann tatsächlich scheinbar erfolgreich abgeschlossen. Dann haben wir uns gedacht: Jetzt fangen wir wieder an zu leben. Das haben wir auch gemacht, sind viel gereist und haben Dinge gemacht, die wir früher immer ein wenig aufgeschoben haben. Wir haben weiter ein normales Leben geführt, nur ein wenig intensiver als vorher.

    Im Jahr 2009 kam der Krebs bei meiner Frau wieder: Diagnose Rezidiv. Mir hat diese Mitteilung regelrecht den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich war ja nach der ersten Behandlung so guter Hoffnung und dann das. Ich habe das erste Mal darüber nachgedacht, dass ich vielleicht irgendwann alleine bin.

    Wir sollten sofort entscheiden

    In der Klinik hat mir vieles nicht gefallen. Das Augenmerk der Ärzte lag allein nur auf der medizinischen Behandlung. Sie sahen nicht unsere psychische Belastung durch die neue Diagnose.

    Ich habe neben meiner Frau gestanden und gesehen, wie sie durch die Behandlung schwächer wurde. Das war für mich das Schwierigste, weil ich das Gefühl hatte, nichts machen zu können.

    Die Ärzte haben uns im Krankenhaus mitgeteilt, dass die Brust amputiert werden sollte, weil das Tumorgewebe besonders bösartig war. In der gleichen Besprechung haben sie vorgeschlagen, schon während der Operation einen Brustaufbau vorzubereiten. Unsere Entscheidung dazu wollten sie sofort wissen, da dann ein anderer Operationsschnitt mit der Anlage eines vorläufigen Brustexpanders erforderlich war.

    Ich habe nachgefragt, was passiert, wenn ein Brustaufbau zu einem späteren Zeitpunkt vorgenommen wird. Darauf haben die Ärzte geantwortet, dass dann eine weitere Operation nötig sei. Das habe ich als ein sehr sinnvolles Argument für einen sofortigen Brustaufbau erachtet und meiner Frau zu dieser Entscheidung geraten.

    Ich habe mir Vorwürfe gemacht

    Sie hat sich dann trotz ihrer Bedenken dafür entschieden. Später hat sie sich gefragt, warum sie den Brustaufbau überhaupt machen lassen hat, zumal das Ergebnis nicht besonders gut ausgefallen war. Da habe ich mir Vorwürfe gemacht, dass ich ihr zugeraten habe, statt zu warten, bis sie den Verlust ihrer Brust verkraftet hat. Bevor sie dies überhaupt verarbeiten konnte, wurde schon der nächste Schritt geplant. Nach dieser Erfahrung denke ich, dass man in einer solchen Situation eine Entscheidung mit diesem Ausmaß gar nicht treffen kann.

    Diese Hilflosigkeit und der leise Vorwurf haben mich in ein tiefes Loch stürzen lassen. Ich wäre über diese ganze Situation fast depressiv geworden, wenn ich nicht Hilfe bei einer Psychologin gefunden hätte. Sie hat mir sehr geholfen nicht nur die Krankheit zu sehen, sondern auch unsere Beziehung und mich selbst. Das war ganz wichtig. Dadurch konnte ich mit der Erkrankung meiner Frau ganz anders umgehen. Wir haben es geschafft, bis heute ein relativ normales Leben zu führen.

    Dabei wurde ein Satz der Psychologin für mich ganz wichtig: „Ihre Frau ist an Krebs erkrankt, sie ist aber dadurch nicht entmündigt.“ Das war ein entscheidender Satz für mich, da ich jetzt akzeptieren kann, dass nicht ich die Entscheidungen treffe, sondern meine Frau. Das macht es mir wesentlich leichter. Mir war am Anfang manchmal nicht klar, was sie für sich wollte. Dann habe ich sie zu Entscheidungen gedrängt, für die ich mich später schuldig fühlte. Sie hat mich damals auch darauf hingewiesen, dass ich etwas tun muss, sonst würde unsere Beziehung scheitern. Auf einmal befand sich unsere bisher glückliche Ehe nach 30 gemeinsamen Jahren in einer Krise.

    Die Gespräche mit der Psychologin waren für mich auch sehr positiv, weil ich meine Not woanders loswerden konnte. Ich hatte nicht mehr das Gefühl, ich belaste meine Frau mit meinen Ängsten und Sorgen. Ich glaube, dass ich meiner Frau jetzt wesentlich besser helfen kann. Das Gleiche gilt für unsere Beziehung. Wir können jetzt besser mit der Angst umgehen.

    Ich wollte alle Entscheidungen für sie übernehmen

    Bei jeder Nachuntersuchung begleitet uns die Sorge, dass die Krankheit wiederkommen könnte. Meine Frau und ich teilen die Meinung, dass der Krebs im Moment schlummert, aber wir hoffen, dass er nie wieder aufwacht.

    Man hat meiner Frau die Müdigkeit und Erschöpfung durch die Chemotherapie angesehen. Ich dachte, ich müsste sie beschützen, weil sie schwer krank und schwach ist und sie alles alleine nicht schaffen könne. Ich wollte alle Entscheidungen für sie übernehmen. Aber das war gar nicht notwendig. Sie hat sich nur nicht getraut, mich zu bremsen.

    Wir reden jetzt darüber und ich weiß, an welcher Stelle sie es allein schafft und wann ich ihr beistehen muss. Das ist für mich eine große Erleichterung. Nun stehe ich ihr bei, indem ich sie begleite und zuhöre. Formelle und schriftliche Erledigungen mache immer noch ich, da ich darin versierter bin. Aber am wichtigsten ist es für mich, in ihr weiterhin die Frau zu sehen, die ich liebe. Dann kann ich sie in den Arm nehmen und ihr Trost und Kraft geben. Dies könnte ich nicht, wenn ich sie nur als Kranke sähe.

    Durch die Psychologin habe ich gelernt, mir auch mal eine Auszeit zunehmen und etwas für mich selber zu tun. Zum Beispiel bin ich sehr aktiv in einer Selbsthilfegruppe.

    Endlich behandelst du mich wieder normal

    Ein weiteres Problem war für mich, dass sich meine Partnerin selber nicht mehr schön fand. Ich konnte ihr noch so oft sagen, dass es mich nicht stört, dass sie nur eine Brust hat und die Haare durch die Behandlung ausgefallen sind. Doch das ist nicht bei ihr angekommen.

    Meine Frau ist, wenn sie vor etwas Angst hat, leicht reizbar. Selbst wenn sie dabei ungerecht wurde, habe ich nicht darauf reagiert, auch wenn es mir dabei schlecht ging. Heute weiß ich, dass sie nur aus Angst so reagiert. Gegen offensichtliche Ungerechtigkeit wehre ich mich heute und sie findet das gar nicht schlecht. Sie meinte dann nur: „Endlich behandelst du mich wieder normal.“

    Unsere Beziehung hat sich mit der Erkrankung verändert. Wir haben uns immer geliebt, aber jetzt ist das noch viel intensiver geworden.

    Auch die Sexualität klappt wieder. Das war damals eine große Belastung. Meine Frau hat sich aufgrund der körperlichen Veränderungen und der Nebenwirkungen der Chemotherapie nicht als Frau gefühlt. Für mich war das nicht so. Sie ist für mich auch mit einer Brust eine sehr schöne Frau und das wird auch immer so bleiben. Damals konnte aufgrund unserer Beziehungskrise und der Chemo keine Sexualität zwischen uns stattfinden. Mit den körperlichen Veränderungen meiner Frau hatte das weniger zu tun.

    Für mich steht auch die Arbeit nicht mehr so im Vordergrund

    Wir gehen, soweit es möglich ist, immer gemeinsam zu den Nachsorgeuntersuchungen. Die Ärzte drücken sich manchmal sehr kompliziert aus und wenn der eine vielleicht im Moment ein wenig blockiert ist, dann bekommt der andere aber die Informationen mit. Am Ende kann man sich darüber austauschen.

    Ich kann jetzt auch mit anderen darüber reden, was mich bewegt und was ich fühle. Früher konnte ich das nicht und habe versucht, alles mit mir selber auszumachen. Wenn ich innerliche Not hatte, habe ich mich in Arbeit gestürzt. Irgendwann half auch das Arbeiten als Ablenkung nicht mehr. Dann habe daran gedacht, wie schlecht es meiner Frau geht und mir die typische Frage gestellt: „Warum hat es uns getroffen?“ Ich habe das alles mit mir ausgemacht, weil ich sie in der akuten Erkrankungssituation nicht belasten wollte. Dann haben wir, auch durch die Hilfe der Psychologin, schon während der Erkrankung angefangen über unsere jeweiligen Bedürfnisse zu sprechen.

    Für mich steht auch die Arbeit nicht mehr so im Vordergrund. Ich muss weiter arbeiten, denn ich muss ja von etwas leben. Die Selbsthilfegruppe gibt mir viel, aber am wichtigsten ist mir die innige Nähe zu meiner Frau, die wir jetzt erreicht haben. Dass wir viel miteinander reden, dass wir zusammen Dinge machen, aber ich allein auch etwas unternehmen kann. Was mir in der schwierigen Situation sehr geholfen hat, war das Schreiben. Ich habe mir meine Sorgen und Gedanken von der Seele geschrieben. Das tat mir gut.

    Ich finde es in einer solchen Situation wichtig, viel miteinander zu reden, besonders über die Nöte, Ängste und Bedürfnisse. Es ist wichtig, sich Hilfe zu holen und nicht alleine gegen die Krankheit zu kämpfen. Es ist so schon schwer genug und die Krankheit wird immer da sein. Wir haben versucht, mit dem Krebs zu leben und das Beste daraus zu machen. Das hört sich zwar etwas theoretisch an, aber wenn man beispielsweise schon immer eine schöne Reise machen wollte, dann sollte man das einfach in Angriff nehmen.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Metastasierter Brustkrebs - Erfahrungsbericht - Hilde Schulte

    „Die kriegerische Sprache verfehlt ihre Wirkung nicht. Sie verstärkt die Lebensbedrohung und den Eindruck, es gehe ums Ganze, um Krieg oder Frieden, um Sieg oder Niederlage, um schwarz oder weiß.“ - Gedanken zum Umgang mit Krebs in den Medien.

    Hilde Schulte, Ehrenvorsitzende der „Frauenselbsthilfe nach Krebs“

    „Die kriegerische Sprache verfehlt ihre Wirkung nicht. Sie verstärkt die Lebensbedrohung und den Eindruck, es gehe ums Ganze, um Krieg oder Frieden, um Sieg oder Niederlage, um schwarz oder weiß.“ - Gedanken zum Umgang mit Krebs in den Medien.

    „X hat den Krebs besiegt“ – „Y hat den Kampf gegen den Krebs verloren“: Schlagzeilen wie diese erregen die Aufmerksamkeit der Leser. Journalistisch gut, reißerisch aufgemacht, eine geschickte Vorgehensweise – aber ich mag Schlagzeilen dieser Art nicht. Schließlich lesen auch Krebspatienten wie ich diese Überschriften. Krebspatienten, die frisch erkrankt sind und noch unter dem Schock der Diagnose stehen, die sich gerade einer notwendigen Therapie mit belastenden Nebenwirkungen unterziehen, deren Krankheit bereits fortgeschritten ist oder die sich in palliativmedizinischer Behandlung befinden. Sie alle nehmen diese Schlagwörter und Artikel besonders stark wahr, weil sie betroffen sind.

    Die kriegerische Sprache verfehlt ihre Wirkung nicht. Sie verstärkt die Lebensbedrohung und den Eindruck, es gehe ums Ganze, um Krieg oder Frieden, um Sieg oder Niederlage, um schwarz oder weiß. Die Grautöne kommen in der Medienwelt nicht vor, obwohl die Fortschritte in der Medizin das Entweder-Oder, Heilung oder Tod, aufgelöst haben. Es gibt ein Leben mit Krebs, oft über einen langen Zeitraum auch bei fortgeschrittenem Stadium und mit guter Lebensqualität.

    Heilung erst nach Jahren zu beurteilen

    Heilung kann niemals zugesichert werden. Sie ist immer erhofft und erwünscht und in vielen Fällen statistisch gesehen durchaus möglich. Aber das Risiko einer Wiedererkrankung oder Neuerkrankung bleibt immer bestehen. Schlagzeilen wie „Sieg über den Krebs“ erscheinen insbesondere bei der Berichterstattung über Prominente häufig schon nach Abschluss der lokalen Primärtherapie (Operation und Bestrahlung). Sie ergeben zu diesem Zeitpunkt ein falsches Bild. Gerade in den ersten beiden Jahren ist das Rückfallrisiko hoch.

    Die Sorglosigkeit der Medien im Umgang mit dem Begriff „Heilung“ kann zu einem falschen und gefährlichen Gefühl der Sicherheit führen. Häufig schließen sich an die Akutbehandlung Chemotherapie und Langzeittherapien an, die oft über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren eingenommen werden. Eine Heilung ist bis dahin nicht wirklich zu beurteilen. Angesichts dieser Situation von „Sieg über den Krebs“ zu sprechen, ignoriert die Wirklichkeit.

    Genauso verletzend können Schlagzeilen sein, wie „Kampf gegen den Krebs verloren“. Die Formulierung macht manchen ein schlechtes Gewissen und löst Schuldgefühle aus. Die Frage nach der Schuld stellen sich ohnehin viele Betroffene, wenn sie an Krebs erkranken. Die meisten Betroffenen glauben, sie hätten eine Mitschuld an ihrer Erkrankung. Doch dafür gibt es keinen Grund: Ob man an Krebs erkrankt oder nicht, ist vor allem eine Frage des Zufalls.

    Schlagzeilen von verlorenem Kampf erwecken den Eindruck, dass ich es in der Hand habe, ob ich gesund bleibe oder wieder erkranke, ob ich siege oder verliere. Erst recht wenn die Krankheit fortschreitet, suggerieren sie Gedanken wie „Habe ich nicht genug gekämpft, habe ich die falschen Mittel eingesetzt, habe ich einen falschen Kampf geführt? Bin ich der Verlierer und auch noch daran selbst schuld?“ Diese Gedanken belasten zusätzlich, setzen unter Druck und binden viel Kraft, die anderweitig besser eingesetzt werden könnte.

    Die Metapher des Kampfes kann verhindern, dass Männer und Frauen mit Krebs darüber nachdenken, was eigentlich mit ihnen geschieht. Es kann ein Punkt kommen, an dem es darum geht, die Endlichkeit des Lebens zu akzeptieren. Wer glaubt, immer weiter kämpfen zu müssen, kann den natürlichen Vorgängen nicht ihren Lauf lassen, kann seinen Begleitern und den palliativmedizinischen Maßnahmen nicht vertrauen. Wer glaubt, kämpfen zu müssen, der fängt auch aussichtslose Kämpfe an und zahlt einen hohen Preis dafür.

    Ringen um den Weg

    Wir, die Erkrankten, können nicht gegen den Krebs kämpfen. Das macht die Medizin. Wir können aber, im Rahmen unserer Möglichkeiten, für etwas kämpfen: für das Erreichen des Therapiezieles, für den Erhalt der eigenen Kräfte, für die eigenen Werte. Wer „nur“ gegen den Krebs kämpft, kann dieses Ziel kaum erreichen und verliert Lebensqualität.

    Als Krebskranke ringe ich um einen Weg, den ich auch mit verändertem Aussehen, mit Einschränkungen und Verlusten und mit reduzierten Kräften gehen kann. Ich setze meine verbleibenden Kräfte für Sinnfragen des Lebens ein, für das, was mir wertvoll ist und durch die Krankheit noch wertvoller geworden ist. Das spielt sich alles in meiner Seele ab. Und mit der Seele kann ich nicht Krieg führen. Hier kann ich nicht siegen oder verlieren.

    Mir ist ein anderes Bild als das kriegerische Szenario lieber. Nach der Diagnose Krebs habe ich mir vorgestellt, ich befände mich mit einem wilden Tier in einem dunklen Wald. Angst war vorherrschend und die Ungewissheit, wie es weitergehen könnte. Was macht das wilde Tier, was mache ich? Kann ich mich aus meiner Starre überhaupt lösen? Ich wage vorsichtige Schritte, in gebührendem Abstand zu dem Tier, das ich nur schemenhaft wahrnehmen kann.

    Je länger nichts passiert, umso mehr reduziert sich meine Angst, umso mehr kann ich mich dem Tier nähern, kann es genau anschauen. Ich habe es immer im Auge, ich erkenne allmählich seine Konturen, ich gewöhne mich an seinen Anblick und erfasse es immer mehr. Wir kommen uns so nahe, dass ich mich traue, das Tier anzufassen. Die anfängliche Bedrohlichkeit, die von ihm ausging, nehme ich kaum noch wahr. Die Berührung ist nichts Schreckliches, nichts Beängstigendes mehr. Ich kann mich arrangieren mit dem wilden Tier, offensichtlich können wir beide im Wald leben. Mittlerweile ist das Tier Teil meines Lebens geworden. Manchmal kann ich es sogar streicheln und es tut mir gut.

    Ich kann mit dem wilden Tier leben. Durch das Tier habe ich Facetten in mir entdeckt, die ich vorher nicht kannte und ohne das Tier nicht gefunden hätte.

     

    Danksagung

    Viele unserer Themen ergänzen wir durch Erfahrungsberichte, in denen Frauen und Männer beschreiben, wie sie ihre Krankheit erleben. Die von uns interviewten Personen sind real, bleiben aber anonym.

    Um das Spektrum persönlicher Erfahrungen und Ansichten auf Gesundheitsinformation.de etwas zu erweitern, haben wir Hilde Schulte, Ehrenvorsitzende der „Frauenselbsthilfe nach Krebs“, gebeten, uns eine Frage zu beantworten: Was löst es in Ihnen aus, wenn Medien in großen und kleinen Schlagzeilen verkünden, dass Person X „den Krebs besiegt“ habe, oder Person Y doch den „Kampf gegen den Krebs verloren“ habe? Für ihre lesenswerte Antwort bedanken wir uns herzlich.

     

    Metastasierter Brustkrebs - Erfahrungsbericht - Roswita

    „Als ich diese Diagnose bekam, war ich am Boden zerstört. Da dachte ich, das war es jetzt.“

    Roswita, 56 Jahre

    „Als ich diese Diagnose bekam, war ich am Boden zerstört. Da dachte ich, das war es jetzt.“

    Im Sommer 2004 wurde bei mir Brustkrebs festgestellt. Der Tumor war noch relativ klein und die Tumorwerte waren ganz gut. Ich wurde an der Brust operiert und im Anschluss mit Bestrahlungen und Tabletten behandelt. Die Diagnose und die Behandlung habe ich mit der Zeit sehr gut weggesteckt.

    Im Herbst 2005 war ich bei einer Rehabilitation. Da werden ja verschiedene Kontrolluntersuchungen gemacht, zu denen ich ohne Sorge gegangen bin. Der Arzt hat dann gesagt, dass er etwas an der Leber sieht, was ihm gar nicht gefällt. Da habe ich sofort gedacht „Oh je - an der Leber, das ist nicht gut!“ und bin in ein Loch gefallen. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Es waren ja keine Anzeichen dafür da: Ich hatte keine Beschwerden und beim Ultraschall ein halbes Jahr zuvor war nichts zu sehen. Um den Verdacht genauer abzuklären, wurden nach einem Ultraschall noch eine Computertomografie und eine Magnetresonanztomografie gemacht. Diese Tage waren sehr hart für mich.

    Was damals für mich auch ganz schlimm war: Meine Nachbarinnen hatten mir einen Blumenstrauß geschickt mit vielen guten Wünschen und dass ich gesund nach Hause kommen soll. Da hatte ich aber schon den Verdacht auf Lebermetastasen. Da habe ich viel geweint. Das war ja so lieb gemeint, aber in diesem Moment war es für mich einfach ganz furchtbar.

    Ich hatte fünf Metastasen über die ganze Leber verteilt

    Als ich von der Reha zurückkam hat meine Frauenärztin die Diagnose angezweifelt, weil mein Tumor damals in einem ganz frühen Stadium festgestellt wurde. Sie hat mich zu erneuten Untersuchungen in ein Krankenhaus geschickt. Aber die Diagnose Lebermetastasen hat sich bestätigt: Ich hatte fünf Metastasen über die ganze Leber verteilt.

    Als ich diese Diagnose bekam, war ich am Boden zerstört. Da dachte ich, das war es jetzt. Bei dieser Diagnose haben viele Angst vor dem Sterben, das ist ganz normal. Ich habe dann eine Chemotherapie bekommen und die Zeit bis zur ersten Zwischenuntersuchung war sehr belastend und voller Angst. Aber bei dieser Untersuchung konnte man sehen, dass die Behandlung anschlägt. Da war ich sehr erleichtert.

    Ich war erst letzte Woche wieder bei einer Kontrolluntersuchung und der Arzt meinte, dass man auf der einen Seite gar nichts mehr sieht und auf der anderen Seite sieht man einen Knoten, aber der ist verkapselt und unverändert.

    Was ich nicht will, das mache ich auch nicht mehr

    Mittlerweile habe ich es sehr gut verkraftet. Ich vergesse den Brustkrebs oft und in erster Linie denke ich daran, mein Leben so zu gestalten, dass es mir Spaß macht und ich nur das mache, was ich gerne tun möchte und was ich nicht will, das mache ich auch nicht mehr. Ich achte jetzt viel mehr auf mein Wohlbefinden.

    Psychisch ging es mir die erste Zeit nach der Diagnose der Metastasen nicht gut. Im Umgang mit meiner Familie war ich sehr empfindlich und habe überhaupt nichts vertragen, war sehr schnell beleidigt und habe viel geweint. Ich habe jedes Wort auf die Goldwaage gelegt und es anders gedeutet, als es eigentlich gemeint war. Das geht am Anfang vielen so, wird aber mit der Zeit besser. Man braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man zu Hause auch mal wütend ist.

    Mein Mann war immer für mich da. Er hatte da sehr viel Verständnis. Auch im Sexualleben. Dass man in dieser Zeit nicht allzu viel Lust hat, ist ganz normal. Durch die Erkrankung ist die Beziehung von meinem Mann und mir aber sogar besser geworden. Wir haben andere Werte kennen gelernt und wir regen uns nicht mehr über alles so auf. Manches sieht man auch mit anderen Augen. Man lernt die Dinge zu schätzen, die auch wirklich wichtig sind. Auch dass die weitere Familie für mich da war, hat mir sehr geholfen.

    Viele Menschen können mit dieser Situation nicht umgehen

    Die endgültige Diagnose, dass ich Metastasen habe, bekam ich damals kurz vor Weihnachten. Da haben es nur mein Mann und meine Mutter gewusst. Ich habe zwei Kinder, denen haben wir es dann nach Weihnachten gesagt. Wir haben nicht allzu viel darüber gesprochen. Meine Tochter war damals 16. Das war schwierig für sie. Mit mir hat sie nicht viel gesprochen, aber ich denke, mit ihrer Freundin hat sie sich viel ausgetauscht. Mein Sohn ist ein paar Jahre älter. Mit ihm habe ich mehr darüber gesprochen.

    Während der Erkrankung habe ich auch meine richtigen Freunde kennen gelernt. Wir mussten uns damals leider von einigen verabschieden. Ich glaube, es ist normal, wenn sich in dieser Zeit einige Freundschaften lösen. Viele Menschen können mit dieser Situation nicht umgehen. Sie wissen nicht, wie sie einen ansprechen sollen.

    Ganz wichtig ist für mich die Selbsthilfegruppe. Diese Treffen und die Kontakte sind mir sehr viel wert. Ich gehe ziemlich offen mit meiner Erkrankung um, damit hatte ich von Anfang an ziemlich wenig Probleme. Die Gruppe macht viel Spaß und es tut mir gut, auch für andere da zu sein und anderen zu helfen.

    Es gab bei der Reha auch Angebote für psychotherapeutische Unterstützung und Begleitung. Das habe ich nicht gebraucht. Aber das muss jeder für sich entscheiden. Vielen bringt es auch sehr viel, sich Hilfe von einem Psychologen zu holen.

    Ich hatte Glück, ich habe die Chemo sehr gut vertragen

    Für mich war es immer sehr wichtig, dass meine Familie hinter mir steht, dass ich nicht allein bin. Mein Mann hat mich zu den Untersuchungen begleitet. Beispielsweise als ich zur ersten Chemotherapie musste, das war ein ganz schwerer Tag für mich. Ich war sehr unruhig, hatte große Angst und habe mich gefragt, was mich wohl erwarten wird. Das war ein ganz komisches Gefühl an diesem Tag. Aber ich hatte Glück. Ich habe die Chemo sehr gut vertragen, ohne große Nebenwirkungen. Am Anfang hatte ich ein wenig Knochenschmerzen. So etwas wie Übelkeit hatte ich gar nicht.

    Die Ärzte haben mir damals ein Medikament verschrieben, das ich seit der Behandlung der Metastasen jahrelang eingenommen habe. In diesem Frühjahr habe ich mich entschieden, dass ich dieses Medikament nicht mehr nehmen möchte, weil ich vom Nutzen für mich nicht mehr überzeugt war. Diese Entscheidung habe ich aber nicht leichtsinnig getroffen. Ich habe mit meiner Gynäkologin gesprochen und sie steht hinter mir. Der Arzt im Krankenhaus ist da anderer Meinung, aber er hat mir gesagt, dass es meine Entscheidung ist und er mich weiter begleiten wird und die Kontrolltermine etwas enger setzen wird. Das ist für mich völlig in Ordnung. Ich muss sagen, ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu ihm. Und die Kontrolltermine nehme ich regelmäßig war, das ist mir sehr wichtig.

    Mir ist es wichtig, weiter am Leben teilzunehmen

    Nach der Brustoperation war ich eine Zeit lang krankgeschrieben. Nach einer Einarbeitungszeit habe ich wieder angefangen Vollzeit zu arbeiten. Der Betriebsarzt und die Betriebskrankenschwester haben mich betreut. Dann bin ich zur zweiten Rehabilitation gefahren, bei der die Metastasen diagnostiziert wurden und ich wurde wieder krankgeschrieben. Dann habe ich Erwerbsunfähigkeitsrente beantragt und das ging auch alles sehr problemlos. Ich war nur sehr enttäuscht zu sehen, wie wenig Rente ich nach 40 Jahren Arbeit bekomme. Das war sehr schlimm für mich. Mittlerweile gehe ich ein wenig zusätzlich zur Rente arbeiten. Das ist nicht nur wegen des Geldes, sondern ich komme raus, ich mache etwas und bin abgelenkt. Mir ist es wichtig, weiter am Leben teilzunehmen.

    Damals, als ich die Diagnose bekam, habe ich gemacht, was man von den Ärzten gesagt bekommt. Man kennt sich ja mit den Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten nicht aus. Das lernt man mit der Zeit. Wenn ich noch mal in einer solchen Situation wäre, dann würde ich gelassener vorgehen und mich erst informieren.

    Irgendwann rappelt man sich wieder auf

    Tiefpunkte hat am Anfang jeder. Die Diagnose, da ist jeder geschockt. Und ich denke, jeder hat Angst. Das Leben verändert sich schon. Es ist nicht mehr ganz so unbeschwert wie vorher. Dass man da in ein Loch fällt, ist ganz normal. Irgendwann rappelt man sich aber wieder auf und konzentriert sich wieder auf andere Dinge. Das braucht seine Zeit, das ist ganz normal. Bei mir haben die Untersuchungen viel dazu beigetragen, bei denen alles in Ordnung war. Das macht einen etwas ruhiger.

    Ich bin mir schon im Klaren, dass die Erkrankung immer wieder kommen kann. Ich achte viel auf mein Wohlbefinden, nutze pflanzliche Mittel und versuche mich gut zu ernähren und mich auch etwas zu bewegen. Ich hatte mal mit einer Bekannten angefangen zu walken, das war in der letzten Zeit ein wenig eingeschlafen, aber wir wollen wieder damit anfangen. Das hat mir gut getan. Und ich gehe mit meinem Mann regelmäßig tanzen. Das ist für uns etwas ganz Tolles!

    Heute ist Brustkrebs durch die Medien viel bekannter als früher. Was ich aber sehr erschreckend finde ist, dass so viel geschrieben wird, was gar nicht stimmt. Es wird vielen Menschen unbegründet Hoffnung gemacht. Es wird so viel Geld für Dinge ausgegeben, die gar nichts bringen. Wichtig finde ich, sich genau zu informieren, bevor man sich für eine Behandlung entscheidet. Ich will ja auch wissen, was mit mir und meinem Körper geschieht.

    Den Kopf in den Sand zu stecken, ist keine Lösung. Das Leben geht ja weiter und man kann selber etwas dazu beitragen. Zum Beispiel indem man auf sein Wohlbefinden achtet und darüber redet, wie es einem geht. Ich finde es unheimlich wichtig, das nicht in sich hineinzufressen.

     

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.