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Nahrungsmittelallergie

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    Bei einer Nahrungsmittelallergie können schon kleine Mengen ausreichen, um zum Beispiel Juckreiz und Schwellung in Mund und Rachen oder Hautausschlag auszulösen. Eine sichere Diagnose ist wichtig, um richtig behandeln zu können – und zu vermeiden, dass man auf bestimmte Nahrungsmittel unnötigerweise verzichtet.

    Einleitung

    Wenn nach dem Genuss bestimmter Lebensmittel immer wieder dieselben Beschwerden wie Übelkeit, Unwohlsein oder Hautausschlag auftreten, kommt schnell der Verdacht auf, dass es sich um eine Nahrungsmittelallergie handelt.

    Tatsächlich sind Nahrungsmittelallergien aber seltener als viele Menschen vermuten: Hinter den Beschwerden stecken oft andere Ursachen. Eine sichere Diagnose ist wichtig, um die Allergie richtig behandeln zu können – und um zu vermeiden, dass auf bestimmte Nahrungsmittel unnötigerweise verzichtet wird.

    Symptome

    Bei einer Nahrungsmittelallergie können schon kleine Mengen eines Lebensmittels ausreichen, um Beschwerden auszulösen. Die Symptome können sehr unterschiedlich sein und verschiedene Organe betreffen. Meist reagiert die Mund- und Rachenschleimhaut mit Juckreiz und Schwellung, oder es kommt zu Hautausschlägen mit Rötung und Quaddeln.

    Manchmal treten auch Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Durchfall und Atemprobleme auf. Die Beschwerden zeigen sich meist innerhalb einer halben Stunde nach dem Essen, spätestens einige Stunden danach.

    Nahrungsmittel können auch eine anaphylaktische Reaktion auslösen. Sie kann mit Blutdruckabfall, Bewusstlosigkeit, Hautausschlag, Nesselsucht und Juckreiz einhergehen. Außerdem kann es zu Schwellungen im Gesicht und den Atemwegen kommen, was zu Atemnot führen kann.

    Die Beschwerden können je nach Auslöser unterschiedlich ausfallen. So führen Obst und Gemüse in der Regel eher zu leichteren Symptomen wie Hautausschlägen, während Nüsse oder Schalentiere häufiger starke Beschwerden auslösen.

    Die Symptome einer Nahrungsmittelallergie können leicht mit denen anderer Erkrankungen oder mit Unverträglichkeiten (Intoleranzen) verwechselt werden. So enthalten manche Nahrungsmittel Zusatz- und Aromastoffe wie etwa Glutamat, die allergieähnliche Beschwerden verursachen können. Bei Magen-Darm-Infekten oder dem Reizdarmsyndrom können ähnliche Verdauungsprobleme auftreten. Eine genaue Abklärung der Beschwerden ist deshalb wichtig.

    Ursachen und Risikofaktoren

    Bei einer Nahrungsmittelallergie reagiert das Immunsystem auf eigentlich harmlose Eiweiße in der Nahrung, als wären sie Fremdkörper.

    Manche Menschen haben familiär bedingt eine erhöhte Neigung zu Allergien. Eine Nahrungsmittelallergie kann zudem mit einer Kreuzallergie auf Pollen einhergehen. Das heißt, dass Menschen mit einer Pollenallergie dann auch auf bestimmte Nahrungsmittel allergisch reagieren. Der Grund dafür ist, dass die Eiweiße denen von Pollen sehr ähneln. Meist sind Birkenpollen der Auslöser. Sie können beispielsweise eine Kreuzallergie auf Äpfel, Sellerie, Nüsse oder Karotten begünstigen.

    Davon abgesehen ist unklar, wie es zu einer Nahrungsmittelallergie kommt. Typische Auslöser sind:

    • Nüsse und Hülsenfrüchte: Erdnuss, Walnuss, Haselnuss
    • Hühnerei, Kuhmilch, Soja, Weizen
    • Kern- und Steinobst, Sellerie, Möhren
    • Fisch, Meeresfrüchte, Fleisch

    Bei Kindern sind Allergien gegen Nüsse, Kuhmilch, Soja, Weizen und Hühnerei am häufigsten. Erwachsene sind meist gegen Nüsse, Soja, Sellerie oder Meeresfrüchte allergisch. Die meisten Betroffenen reagieren auf ein bis drei verschiedene Nahrungsmittel.

    Häufigkeit und Verlauf

    Etwa 4 % der Bevölkerung haben eine Nahrungsmittelallergie. Sie kann in jedem Lebensalter erstmals auftreten. Je nach Alter und Auslöser verläuft die Allergie sehr unterschiedlich.

    Wie sich eine Nahrungsmittelallergie langfristig entwickelt, lässt sich nur schwer vorhersagen: Je stärker die Beschwerden und je deutlicher die Reaktionen in Allergietests, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Allergie bestehen bleibt. Bei Kindern mit einer Milcheiweiß-, Weizen- oder Sojaallergie klingen die Beschwerden allerdings oft nach wenigen Jahren ab, da der Körper lernt, die Allergene zu tolerieren.

    Tritt eine Allergie erstmals im Erwachsenenalter auf, ist sie meist von Dauer – wie zum Beispiel eine Allergie gegen Fisch oder Meeresfrüchte. Auch Nussallergien bleiben häufig länger oder dauerhaft bestehen.

    Etwa die Hälfte der Kinder mit einer Nahrungsmittelallergie entwickelt später ein allergisches Asthma oder einen allergischen Schnupfen.

    Diagnose

    Besteht der Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie, helfen Haut- und Bluttests, den Auslöser ausfindig zu machen. Bei diesen Tests wird untersucht, ob das Immunsystem auf bestimmte Auslöser übermäßig reagiert.

    Beim Hauttest wird eine Lösung mit Nahrungsmitteleiweiß auf die leicht angeritzte Haut gegeben und beobachtet, ob sie sich rötet oder juckende Quaddeln entstehen. Bei der Blutuntersuchung prüft die Ärztin oder der Arzt, ob der Körper bestimmte Antikörper (vor allem IgE-Antikörper) gegen ein Nahrungsmittel gebildet hat.

    Diese Untersuchungen reichen aber meist nicht aus, um eine Nahrungsmittelallergie nachzuweisen oder auszuschließen. Oft ist ein Provokationstest nötig, bei dem das verdächtige Nahrungsmittel unter ärztlicher Beobachtung gegessen wird.

    Je nach Situation können auch ein Ernährungs- und Beschwerde-Tagebuch oder eine Auslassdiät weiterhelfen.

    Behandlung

    Die wichtigste Behandlung besteht darin, die entsprechenden Nahrungsmittel zu vermeiden.

    Medikamente werden in der Regel nur bei stärkeren Beschwerden kurzfristig eingesetzt, eine medikamentöse Dauertherapie spielt bislang kaum eine Rolle.

    Eine anaphylaktische Reaktion wird mit einem Notfallset behandelt. Dieses enthält Medikamente, um eine schwere Reaktion zu behandeln und einer Verschlimmerung vorzubeugen.

    Quellen

    Biedermann T, Heppt W, Renz H, Röcken M (Ed). Allergologie. Berlin: Springer; 2016.

    De Silva D, Geromi M, Panesar SS, Muraro A, Werfel T, Hoffmann-Sommergruber K et al. Acute and long-term management of food allergy: systematic review. Allergy 2014; 69(2): 159-167.

    Kurowski K, Boxer RW. Food allergies: detection and management. Am Fam Physician 2008; 77(12): 1678-1686.

    Worm M, Reese I, Ballmer-Weber B, Beyer K, Bischoff SC, Classen M et al. Leitlinie zum Management IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien: AWMF-Register-Nr.: 061–031. Allergo J Int 2015; 24(7): 38-77.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Anaphylaktische Reaktion (Anaphylaxie)

    Eine anaphylaktische Reaktion ist eine starke allergische Reaktion, die sich normalerweise durch eine sofortige Behandlung eindämmen lässt. Wichtig ist, zu wissen, was im Notfall zu tun ist. Für manche Menschen oder in bestimmten Situationen ist es zudem sinnvoll, ein Notfallset dabei zu haben.

    Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Substanzen (Allergene). Häufig treten die Beschwerden nur an den Körperstellen auf, die Kontakt mit der Substanz hatten – beispielsweise an den Atemwegen nach dem Einatmen von Pollen oder Hausstaub. Bei einer anaphylaktischen Reaktion (Anaphylaxie) dagegen kommt es plötzlich zu teils starken Beschwerden in mehreren Körperbereichen, im Extremfall auch im ganzen Körper. Normalerweise verläuft eine Anaphylaxie jedoch weniger dramatisch; wichtig ist eine rechtzeitige Behandlung.

    Es wird geschätzt, dass pro Jahr etwa einer von 10.000 Menschen eine anaphylaktische Reaktion hat. Umgangssprachlich ist der Begriff „allergischer Schock“ geläufig. Er bezeichnet jedoch nur eine besonders starke Form der anaphylaktischen Reaktion, die selten auch tödlich verlaufen kann: Pro Jahr sterben in Deutschland etwa 200 Menschen daran.

    Eine anaphylaktische Reaktion ist eine starke allergische Reaktion, die sich normalerweise durch eine sofortige Behandlung eindämmen lässt. Wichtig ist, zu wissen, was im Notfall zu tun ist. Für manche Menschen oder in bestimmten Situationen ist es zudem sinnvoll, ein Notfallset dabei zu haben.

    Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Substanzen (Allergene). Häufig treten die Beschwerden nur an den Körperstellen auf, die Kontakt mit der Substanz hatten – beispielsweise an den Atemwegen nach dem Einatmen von Pollen oder Hausstaub. Bei einer anaphylaktischen Reaktion (Anaphylaxie) dagegen kommt es plötzlich zu teils starken Beschwerden in mehreren Körperbereichen, im Extremfall auch im ganzen Körper. Normalerweise verläuft eine Anaphylaxie jedoch weniger dramatisch; wichtig ist eine rechtzeitige Behandlung.

    Es wird geschätzt, dass pro Jahr etwa einer von 10.000 Menschen eine anaphylaktische Reaktion hat. Umgangssprachlich ist der Begriff „allergischer Schock“ geläufig. Er bezeichnet jedoch nur eine besonders starke Form der anaphylaktischen Reaktion, die selten auch tödlich verlaufen kann: Pro Jahr sterben in Deutschland etwa 200 Menschen daran.

    Wie zeigt sich eine anaphylaktische Reaktion?

    Je nach Verlauf betreffen anaphylaktische Reaktionen meist die Haut, den Magen-Darm-Trakt, die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System. Die Reaktionen werden anhand des schwersten Symptoms in vier Schweregrade eingeteilt:

    Grad Haut und allgemeine Beschwerden Magen-Darm-Trakt Atemwege Herz-Kreislauf-System
    1 Juckreiz, Hautausschlag, Quaddeln, Hautschwellung      
    2 Juckreiz, Hautausschlag, Quaddeln, Hautschwellung Übelkeit, Krämpfe, Erbrechen laufende Nase, Heiserkeit, Atemnot hoher Puls, niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen
    3 Juckreiz, Hautausschlag, Quaddeln, Hautschwellung Erbrechen, Durchfall, Blähungen, Stuhldrang Kehlkopfschwellung, Atemkrämpfe, blaugefärbte Haut und Schleimhäute Schock: Minderdurchblutung der Organe, Kreislaufversagen, Bewusstlosigkeit
    4 Juckreiz, Hautausschlag, Quaddeln, Hautschwellung Erbrechen, Durchfall, Blähungen, Stuhldrang Atemstillstand Kreislaufstillstand

    Anaphylaktische Reaktionen können sich ganz unterschiedlich entwickeln. Die Beschwerden können innerhalb weniger Minuten stärker werden. Sie bleiben dann oft auf einem Schweregrad stehen und bilden sich spontan wieder zurück. Die verschiedenen Beschwerden können einzeln, nacheinander oder gemeinsam auftreten. Nach bis zu einem Tag können sie erneut einsetzen, selbst wenn sie behandelt wurden.

    Eine Anaphylaxie kann sich durch folgende Symptome ankündigen:

    • metallischer Geschmack,
    • Brennen an den Handinnenflächen und Fußsohlen,
    • Brennen, Kribbeln oder Juckreiz an Zunge oder Gaumen,
    • Angstgefühle,
    • Kopfschmerzen oder
    • Desorientierung.

    Wodurch kann eine Anaphylaxie ausgelöst werden?

    Die häufigsten Auslöser von schweren Anaphylaxien bei Kindern sind Nahrungsmittel (meist Erd-, Wal- und Haselnüsse, Fisch, Hühnereier, Kuhmilch), gefolgt von Insektengiften und Medikamenten. Bei Erwachsenen sind Insektengifte die häufigsten Auslöser, gefolgt von Medikamenten und Nahrungsmitteln.

    Bestimmte Umstände können eine Anaphylaxie begünstigen. Dazu zählen körperliche Anstrengung, Alkohol und Infekte. Schwere Anaphylaxien treten häufiger bei älteren Menschen auf, außerdem bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem nicht optimal behandeltem Asthma.

    Eine anaphylaktische Reaktion kann zudem als Nebenwirkung einer Hyposensibilisierung auftreten.

    Wie geht man mit einer anaphylaktischen Reaktion um?

    Zunächst ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und

    • bei ersten leichteren Beschwerden einer anaphylaktischen Reaktion die Notfallnummer 112 zu wählen und mitzuteilen, dass es sich vermutlich um eine Anaphylaxie handelt.
    • andere Menschen in der Nähe zu informieren, damit sie bei Bedarf helfen können.
    • falls man ein Notfallset mit Medikamenten bei sich hat, es wie vorgegeben zu verwenden.
    • sich je nach Art der Beschwerden flach hinzulegen oder zu setzen.

    Bei einer schweren Reaktion (beispielsweise bei Atembeschwerden oder Bewusstlosigkeit) ist es wichtig, wenn möglich rasch das Adrenalin zu spritzen und dann die Notfallnummer zu wählen.

    Die möglichen Auslöser aufzubewahren, kann die Diagnose erleichtern.

    Körperliche Anstrengung sollte vermieden werden. Welche Art der Lagerung sinnvoll ist, hängt von den Beschwerden ab. Meist bietet sich flaches Liegen an, bei Atemnot eine (halb) sitzende Position. Ist das Bewusstsein eingeschränkt, ist die stabile Seitenlage am sichersten. Bei einem Schock lässt sich durch Hochlagern der Beine die Durchblutung verbessern. Bei Kindern kann die Lagerung schwierig sein, da sie häufig Angst haben und unruhig sind. Am besten hält man sie dann auf dem Arm.

    Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand ist kein Puls mehr zu spüren. Dann muss sofort mit einer Herzdruckmassage begonnen werden. Das heißt: Das Brustbein wird mit ausgestrecktem Arm etwa 100 bis 120 Mal pro Minute rasch hintereinander gedrückt. Geübte Ersthelferinnen oder -helfer sollten die Herzdruckmassage mit einer Beatmung nach dem Schema 30 zu 2 kombinieren. Das heißt: Nach jeweils 30 Druckbewegungen wird die bewusstlose Person zweimal über den Mund oder die Nase beatmet. Dabei sollte die Beatmung die Herzdruckmassage insgesamt nicht länger als zehn Sekunden unterbrechen. Die Wiederbelebung wird solange fortgesetzt, bis der Kreislauf wieder einsetzt oder der Notarzt eingetroffen ist.

    Wie wird eine anaphylaktische Reaktion behandelt?

    Das wichtigste Medikament zur Behandlung einer anaphylaktischen Reaktion ist Adrenalin. Es verbessert die Durchblutung, erleichtert die Atmung und lässt Hautschwellungen abklingen. Adrenalin wirkt innerhalb weniger Minuten. Meist wird es in den Oberschenkelmuskel gespritzt. Zeigt es keine ausreichende Wirkung, kann nach fünf bis zehn Minuten noch einmal gespritzt werden.

    Zusätzlich wird empfohlen, rasch ein Antihistaminikum und je nach Situation ein Kortisonpräparat einzunehmen. Beide Medikamente wirken langsamer als das Adrenalin, sollen die allergische Reaktion aber zusätzlich hemmen.

    Droht ein Kreislaufstillstand, wird Adrenalin in die Vene gespritzt oder als Infusion verabreicht. Wenn der Kehlkopf anschwillt und die Atemwege verengt sind, wird Adrenalin zusätzlich über eine Atemmaske zusammen mit Sauerstoff gegeben.

    Wenn die Atmung und das Herz-Kreislauf-System stark geschwächt sind, wird Sauerstoff über eine Atemmaske gegeben. Nur selten muss zur Beatmung ein Schlauch in die Luftröhre eingeführt werden. Bei einem Schock wird dem Körper über Infusionen rasch viel Flüssigkeit zugeführt, um den Kreislauf zu stabilisieren.

    Was ist im Notfallset enthalten?

    Mithilfe eines Notfallsets lässt sich eine anaphylaktische Reaktion rasch selbst oder durch umstehende Personen behandeln. Das Notfallset enthält:

    • Adrenalinspritze mit Injektionshilfe (Autoinjektor)
    • Antihistaminikum als Flüssigkeit oder Tablette
    • Kortisonpräparat als Zäpfchen, Flüssigkeit oder Tablette
    • bei Menschen mit Asthma: ein atemwegserweiterndes Spray
    • bei Menschen, die zu Atemnot neigen: ein Adrenalin-Spray zum Einatmen
    • Anleitung zum Umgang mit einer Anaphylaxie
    • Anaphylaxie-Pass, in dem die Personalien vermerkt sind, die bekannten Allergieauslöser und in welcher Dosierung die Medikamente verwendet werden sollen

    Wer kann ein Notfallset erhalten?

    Ein Notfallset kann ärztlich verschrieben werden für Menschen:

    • die schon einmal eine Anaphylaxie durchgemacht haben, außer der Auslöser ist sicher vermeidbar (wie bei den meisten Arzneimitteln).
    • bei denen eine Mastozytose bekannt ist. Bei dieser seltenen Erkrankung kommt es zu einer starken Vermehrung bestimmter Abwehrzellen im Gewebe. Eine Mastozytose kann in verschiedenen Organen auftreten und zu Beschwerden wie Bauchschmerzen, Juckreiz, Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen führen.
    • die bereits allergisch auf Erdnüsse, Walnüsse oder Sesam reagiert haben. Diese Lebensmittel lösen besonders häufig eine Anaphylaxie aus.
    • die sehr sensibel auf bereits kleine Mengen eines Allergens reagieren.

    Die Kosten werden unter diesen Voraussetzungen in der Regel von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

    Es gibt Schulungsprogramme, in denen der Umgang mit einer Anaphylaxie und dem Notfallset vermittelt wird. Wichtig ist auch, Angehörige, Freunde oder Kollegen mit dem Gebrauch des Notfallsets vertraut zu machen.

    Quellen

    Dhami S, Panesar SS, Roberts G, Muraro A, Worm M, Bilo MB et al. Management of anaphylaxis: a systematic review. Allergy 2014; 69(2): 168-175.

    Perkins GD, Handley AJ, Koster RW, Castren M, Smyth MA, Olasveengen T et al. European Resuscitation Council Guidelines for Resuscitation 2015: Section 2. Adult basic life support and automated external defibrillation. Resuscitation 2015; 95: 81-99.

    Ring J, Beyer K, Biedermann T, Bircher A, Duda D, Fischer J et al. Guideline for acute therapy and management of anaphylaxis. Allergo J Int 2014; 23(3): 96-112.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Nahrungsmittelallergie: Diagnose und Behandlung

    Die Behandlungsmöglichkeiten von Nahrungsmittelallergien sind begrenzter als bei anderen Allergien. Sie bestehen vor allem darin, den Kontakt mit dem Auslöser zu vermeiden und zu lernen, mit akuten Beschwerden umzugehen.

    Nahrungsmittelallergie und Nahrungsmittelunverträglichkeit (Intoleranz) werden häufig verwechselt. Die folgende Tabelle zeigt, worin sich Nahrungsmittelallergie und -unverträglichkeit unterscheiden. 

    Nahrungsmittelallergie Nahrungsmittelunverträglichkeit
    • Das Immunsystem reagiert auf eigentlich harmlose Eiweiße und bildet Antikörper.
    • Häufige Beschwerden sind Juckreiz, Schwellung in Mund und Rachen sowie Hautausschlag. Es können auch stärkere Reaktionen wie Blutdruckabfall und Bewusstlosigkeit auftreten.
    • Beschwerden treten meist unmittelbar auf.
    • Schon kleine Mengen führen zu teils starken Reaktionen.
    • Der Körper kann bestimmte Stoffe schlecht verdauen oder abbauen.
    • Häufige Beschwerden sind Blähungen, Magenkrämpfe, Erbrechen und Durchfall.
    • Die Beschwerden treten meist nach einigen Stunden auf.
    • Kleine Mengen werden meist vertragen.

    Die Behandlungsmöglichkeiten von Nahrungsmittelallergien sind begrenzter als bei anderen Allergien. Sie bestehen vor allem darin, den Kontakt mit dem Auslöser zu vermeiden und zu lernen, mit akuten Beschwerden umzugehen.

    Nahrungsmittelallergie und Nahrungsmittelunverträglichkeit (Intoleranz) werden häufig verwechselt. Die folgende Tabelle zeigt, worin sich Nahrungsmittelallergie und -unverträglichkeit unterscheiden. 

    Nahrungsmittelallergie Nahrungsmittelunverträglichkeit
    • Das Immunsystem reagiert auf eigentlich harmlose Eiweiße und bildet Antikörper.
    • Häufige Beschwerden sind Juckreiz, Schwellung in Mund und Rachen sowie Hautausschlag. Es können auch stärkere Reaktionen wie Blutdruckabfall und Bewusstlosigkeit auftreten.
    • Beschwerden treten meist unmittelbar auf.
    • Schon kleine Mengen führen zu teils starken Reaktionen.
    • Der Körper kann bestimmte Stoffe schlecht verdauen oder abbauen.
    • Häufige Beschwerden sind Blähungen, Magenkrämpfe, Erbrechen und Durchfall.
    • Die Beschwerden treten meist nach einigen Stunden auf.
    • Kleine Mengen werden meist vertragen.

    Wie werden Nahrungsmittelallergien festgestellt?

    Im Diagnosegespräch wird die Ärztin oder der Arzt zunächst danach fragen, welche Beschwerden aufgetreten sind und was gegessen und getrunken wurde. Bei dauerhaften Beschwerden kann es zudem sinnvoll sein, dies für einige Tage bis Wochen in einem Ernährungs- und Beschwerde-Tagebuch festzuhalten.

    Wie bei anderen Allergien können ein Hauttest und eine Blutuntersuchung Aufschluss geben. Bei der Blutuntersuchung wird geprüft, ob der Körper bestimmte Antikörper (meist IgE-Antikörper) gegen ein Nahrungsmittel gebildet hat. Beim Hauttest wird eine Lösung mit Nahrungsmitteleiweiß auf die leicht angeritzte Haut gegeben und beobachtet, ob sie sich rötet oder juckende Quaddeln entstehen.

    Auch eine Auslassdiät (Eliminationsdiät) kann bei der Diagnose helfen. Dabei wird für ein bis vier Wochen auf die verdächtigen Nahrungsmittel verzichtet und in einem Ernährungs-Tagebuch festgehalten, wie sich die Beschwerden entwickeln.

    Um eine Nahrungsmittelallergie nachzuweisen, ist meist ein Provokationstest nötig, bei dem das verdächtige Nahrungsmittel unter ärztlicher Beobachtung gegessen wird. Man versucht dadurch, die Beschwerden gezielt auszulösen. Je nach vermuteter Schwere der allergischen Reaktion wird der Test in der Praxis oder in der Klinik unter Notfallbereitschaft durchgeführt.

    Allergietests werden bei Kindern und Jugendlichen regelmäßig wiederholt, um zu überprüfen, ob sie die Nahrungsmittel wieder vertragen. Der Zeitpunkt hängt von der Art des Auslösers ab: Bei Milchallergien wird beispielsweise in kürzeren Zeitabständen getestet als bei Schalenfrüchten oder Erdnüssen, da sich eine Milchallergie häufiger nach wenigen Jahren wieder zurückbildet. Bei Säuglingen und Kleinkindern wird nur das Blut untersucht und auf Hauttests verzichtet.

    Welche Tests sind zur Diagnose ungeeignet?

    Die Bestimmung anderer Antikörper im Blut (sogenannte IgG/IgG4-Antikörper) wird in manchen Praxen als Privatleistung angeboten. Diese Untersuchung wird derzeit allerdings nicht empfohlen, da sie nicht sehr aussagekräftig ist.

    Vor allem Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker bieten „alternative“ Allergietests an. Dazu zählen zum Beispiel die Bioresonanz, die Haaranalyse, die Irisdiagnostik oder der ALCAT-Test, eine Blutuntersuchung auf Entzündungsreaktionen. Solche Verfahren sind zur Feststellung einer Allergie jedoch ungeeignet.

    Wie werden Nahrungsmittelallergien behandelt?

    Die wichtigste Behandlung besteht darin, auf die auslösenden Nahrungsmittel zu verzichten. Wie dies gelingt, hängt vom Nahrungsmittel ab. Eine Ernährungsberatung oder ein Schulungsprogramm können helfen: Dort erfährt man, wie sich die Allergieauslöser vermeiden und bei Bedarf ersetzen lassen. Man lernt, die entsprechenden Nahrungsmittel beim Kauf, bei der Zubereitung oder bei Restaurantbesuchen zu erkennen. Zudem ist der Umgang mit anaphylaktischen Reaktionen ein Thema.

    Medikamente spielen bei der Behandlung leichterer Beschwerden bislang kaum eine Rolle. Wie gut sie helfen, ist kaum untersucht. Die wenigen Studien sprechen jedoch dafür, dass sogenannte H1-Antihistaminika akute Hautbeschwerden etwas lindern können. Wirksame Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden, stehen derzeit nicht zur Verfügung.

    Eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie), wie sie bei anderen Allergien möglich ist, wird bei Nahrungsmittelallergien bislang noch nicht angeboten. Die dazu nötigen Wirkstoffe sind in Deutschland derzeit nicht zugelassen. Es gibt einige Studien, die die Wirksamkeit einer Hyposensibilisierung bei verschiedenen Nahrungsmittelallergien überprüft haben. Wie gut sie langfristig wirkt, ist jedoch noch nicht ausreichend geklärt.

    Immer mal wieder wird behauptet, dass Prä- und Probiotika wirksam sind, um Nahrungsmittelallergien zu behandeln. Trotz einiger Studien gibt es dafür bislang jedoch keine Belege.

    Um eine anaphylaktische Reaktion sofort behandeln zu können, ist es wichtig, ein Notfallset in der Nähe zu haben. Es enthält eine Adrenalin-Spritze, ein Antihistaminikum und eine kortisonhaltige Tablette oder Flüssigkeit. Bei leichteren Beschwerden ohne Luftnot oder Kreislaufsymptome können zunächst das Antihistaminikum und die Kortisontablette eingenommen werden. Bei schweren Reaktionen mit Atemnot und Kreislaufproblemen, ist es wichtig, als erstes und möglichst rasch das Adrenalin in einen Muskel zu spritzen. Dazu eignet sich am besten der Oberschenkelmuskel. Dazu muss man nicht auf die Notärztin oder den Notarzt warten. Die Adrenalin-Spritze kann man sich selbst setzen oder von Angehörigen geben lassen.

    Welche Nahrungsmittel muss ich ersetzen?

    Auf manche Nahrungsmittel wie Nüsse, Fisch oder Fleisch kann meist ohne gesundheitliche Nachteile verzichtet werden. Andere müssen in bestimmten Fällen ersetzt werden, da sonst wichtige Nährstoffe wie Eiweiß oder Kalzium fehlen. Dazu zählt beispielsweise Kuhmilch bei Kindern. Vor allem bei Kindern sollte man regelmäßig überprüfen, ob der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel noch nötig ist.

    Kuhmilch kann für Säuglinge durch eine allergenarme Spezialnahrung ersetzt werden, die sogenannte Hydrolysatnahrung. Sojamilch wird für Kinder unter einem Jahr nicht empfohlen, da manche Säuglinge sie nicht gut vertragen.

    Wie erkenne ich, ob ein Nahrungsmittel Allergieauslöser enthält?

    Es gibt eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht für die wichtigsten Nahrungsbestandteile, die Allergien auslösen können. Sie beinhaltet derzeit 14 Stoffe und Erzeugnisse:

    1. glutenhaltiges Getreide wie Weizen, Roggen, Gerste oder Hafer,
    2. Krebstiere,
    3. Eier,
    4. Fisch,
    5. Erdnüsse,
    6. Sojabohnen,
    7. Milch,
    8. Schalenfrüchte wie Mandeln, Hasel- und Walnüsse,
    9. Sellerie,
    10. Senf,
    11. Sesamsamen,
    12. Sulfite,
    13. Lupinen und
    14. Schalen- und Weichtiere (wie Muscheln, Austern oder Tintenfische).

    Diese Bestandteile müssen besonders hervorgehoben werden, etwa durch eine besondere Schriftart oder Hintergrundfarbe. Unbeabsichtigte Spuren solcher Nahrungsmittel müssen auf der Verpackung nicht gekennzeichnet werden.

    Eine neuere Verordnung regelt nun auch die Informationspflicht beim Verkauf von unverpackten Lebensmitteln wie Kuchen und Brot beim Bäcker, Gerichten im Restaurant oder Wurst vom Metzger. Die Informationen können schriftlich wie in der Menü-Karte, auf einem Informationsblatt oder elektronisch auf der Website des Geschäfts zur Verfügung gestellt werden. Sie können auch mündlich gegeben werden. Es lohnt sich also nachzufragen oder nach Produktinformationen Ausschau zu halten, wenn man gegen ein Lebensmittel allergisch ist.

    Weitere Informationen zur Kennzeichnung von Lebensmitteln enthält eine Broschüre des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zur Kennzeichnung von Lebensmitteln.

    Was kann ich tun, wenn ich durch die Allergie im Beruf belastet bin?

    Manche Menschen sind durch Nahrungsmittelallergien im Beruf beeinträchtigt. Meist betrifft dies Menschen, die über die Atemwege oder die Haut Kontakt mit den Allergenen haben. So können Beschäftigte in Bäckereien eine Mehlstauballergie bekommen, die allergischen Schnupfen und asthmatische Beschwerden auslösen kann. Manche Köche bekommen durch den Kontakt mit Lebensmitteln einen Hautausschlag an den Händen.

    Die Folgen einer Nahrungsmittelallergie können als Berufskrankheit anerkannt werden. Dann trägt die gesetzliche Unfallversicherung bestimmte Maßnahmen wie Schutzkleidung. Sie kann beispielsweise dabei helfen, den Kontakt mit Allergenen zu vermeiden oder zu verringern. Wie gut dies gelingt, hängt von der Art der Tätigkeit und der Allergie ab.

    Quellen

    Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Allergenkennzeichnung ist Pflicht. 12.12.2014.

    De Silva D, Geromi M, Panesar SS, Muraro A, Werfel T, Hoffmann-Sommergruber K et al. Acute and long-term management of food allergy: systematic review. Allergy 2014; 69(2): 159-167.

    Dhami S, Panesar SS, Roberts G, Muraro A, Worm M, Bilo MB et al. Management of anaphylaxis: a systematic review. Allergy 2014; 69(2): 168-175.

    Kurowski K, Boxer RW. Food allergies: detection and management. Am Fam Physician 2008; 77(12): 1678-1686.

    Worm M, Reese I, Ballmer-Weber B, Beyer K, Bischoff SC, Classen M et al. Leitlinie zum Management IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien: AWMF-Register-Nr.: 061–031. Allergo J Int 2015; 24(7): 38-77.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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