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Chronische Nierenerkrankung

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    Überblick

    Eine chronische Nierenerkrankung kann sich vor allem bei älteren Menschen entwickeln. Die häufigsten Ursachen sind Diabetes und Bluthochdruck. Da das Nachlassen der Nierenfunktion anfangs keine Beschwerden verursacht, bleibt die Erkrankung oft lange unbemerkt. Bestimmte Behandlungen können eine weitere Schwächung der Nieren hinauszögern.

    Einleitung

    Die Nieren sind lebenswichtige Organe, die das Blut reinigen und viele Körperfunktionen beeinflussen. Verschiedene Erkrankungen können zur Folge haben, dass die Nieren für eine kurze Zeit schlechter arbeiten – zum Beispiel, bei einem Kreislaufversagen oder wenn sich Urin wegen einer Prostatavergrößerung oder Nierensteinen in die Nieren zurückstaut.

    Wenn die Nieren aber länger als drei Monate nur noch eingeschränkt arbeiten oder dauerhaft geschädigt sind, spricht man von einer chronischen Nierenerkrankung. Die häufigsten Ursachen bei Erwachsenen sind Diabetes mellitus und Bluthochdruck.

    Vor allem ältere Menschen entwickeln eine chronische Nierenerkrankung. Da das Nachlassen der Nierenfunktion anfangs keine Beschwerden verursacht, bleibt es oft lange unbemerkt.

    Die Behandlung zielt vor allem darauf ab, eine weitere Schwächung der Nieren zu stoppen oder hinauszuzögern. Wichtig ist aber auch, Folgen wie Blutarmut, Übersäuerung oder Veränderungen des Knochenstoffwechsels zu behandeln. Bei einem vollständigen Versagen der Nieren ermöglichen eine Dialyse oder die Transplantation einer Spenderniere, weiter zu leben.

    Symptome

    Eine chronische Nierenkrankheit fällt oft erst auf, wenn es durch Folgeerkrankungen zu Beschwerden kommt oder die Nieren versagen. Der Körper scheidet dann zu wenig Wasser aus und Abfallstoffe aus dem Stoffwechsel sammeln sich langsam an. Symptome können fast den ganzen Körper betreffen, zum Beispiel:

    • Schwellungen (Ödeme), zum Beispiel an den Beinen oder im Gesicht
    • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
    • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
    • Blässe und Juckreiz
    • Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Schwäche
    • Luftnot
    • Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit
    • Lähmungserscheinungen, Muskelkrämpfe

     

    Grafik: Diese Symptome können einzeln oder in Kombination auftreten Diese Symptome können einzeln oder in Kombination auftreten

    Ursachen

    Die häufigsten Ursachen für eine chronische Nierenerkrankung bei Erwachsenen sind Diabetes mellitus und Bluthochdruck.

    Zu dauerhaften Nierenschäden kann es aber auch kommen durch:

    • Entzündungen des Nierengewebes
    • dauerhaft eingenommene Medikamente, vor allem Schmerzmittel
    • Nierensteine, Tumoren oder Vernarbungen, die den Harnabfluss stören
    • angeborene Nierenerkrankungen (z. B. Zystennieren)

    Häufigkeit

    In Deutschland ist bei schätzungsweise über zwei Millionen Menschen die Funktion der Nieren dauerhaft eingeschränkt. Die meisten Betroffenen sind älter als 60 Jahre.

    Pro Jahr müssen um die 90.000 Menschen zur Dialyse, weil ihre Nieren nicht mehr ausreichend funktionieren. Jährlich werden außerdem mehr als 2000 Spendernieren transplantiert. Nierentransplantationen machen damit über die Hälfte aller Organtransplantationen in Deutschland aus.

    Pro Jahr sterben in Deutschland etwa 10.000 Menschen an den Folgen einer chronischen Nierenerkrankung.

    Verlauf

    Zu Beginn der Erkrankung können die Nieren trotz eingeschränkter Funktion das Blut noch ausreichend reinigen. Dieser Zustand kann über Jahre anhalten, und manchmal erholen sich die Nieren sogar wieder.

    Die Nierenfunktion kann sich aber auch immer weiter verschlechtern: Dann entwickelt sich eine Nierenschwäche (Niereninsuffizienz). Bei einigen Menschen kommt es mit der Zeit zum völligen Versagen der Nieren. Dieses sogenannte „terminale Nierenversagen“ ist lebensbedrohlich.

    Folgen

    Menschen mit chronischer Nierenschwäche haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt.

    Die Nieren spielen bei der Blutbildung und für den Knochenstoffwechsel eine wichtige Rolle. Geschädigte Nieren können deshalb auch zu Blutarmut (Anämie), Blutgerinnungsstörungen und Knochenschäden (renale Osteopathie) führen.

    Wenn die Nieren völlig versagen, reichern sich Abfallstoffe so stark an, dass es zu einer „Vergiftung von innen“ kommt. Fachleute nennen das Urämie. Sie bewirkt unter anderem Hautveränderungen, Magen-Darm-Probleme sowie Hirn- und Nervenschäden. Zudem gerät der Wasser- und Elektrolythaushalt aus dem Gleichgewicht und der Körper kann übersäuern. Bewusstlosigkeit, Lungenödem und Herzrhythmusstörungen können lebensbedrohliche Folgen einer Urämie sein.

    Diagnose

    Um die Ursachen und die Schwere einer chronischen Nierenerkrankung festzustellen, sind nötig:

    • ein ausführliches Untersuchungsgespräch (Anamnese)
    • eine körperliche Untersuchung einschließlich Blutdruckmessung
    • eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums und der Nieren
    • Blutuntersuchungen; wichtige Anhaltspunkte sind zum Beispiel der Kreatinin-, Blutzucker- und Hämoglobin-Wert sowie eine Blutgasanalyse zur Bestimmung des Säuregehalts im Blut
    • Urinuntersuchungen, unter anderem zur Bestimmung des Eiweißgehalts

    Mithilfe der genannten und weiterer Laborwerte aus dem Blut lässt sich die Nierenfunktion beurteilen. Andere Werte geben Hinweise, ob zum Beispiel ein Diabetes mellitus zugrunde liegt oder die Nierenerkrankung bereits zu Folgeerkrankungen geführt hat.

    Bleiben Fragen offen, können weitere bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie (CT) oder zum Beispiel auch eine Gewebeprobe der Nieren (Biopsie) hilfreich sein.

    Früherkennung

    Bei Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes mellitus oder Bluthochdruck besteht ein erhöhtes Risiko für eine chronische Nierenerkrankung. Dann ist es sinnvoll, seine Nieren regelmäßig durch Hausärztin oder Hausarzt kontrollieren zu lassen. So lässt sich eine Nierenschwäche frühzeitig feststellen.

    Gesetzlich Krankenversicherte können ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre eine kostenlose Früherkennungsuntersuchung in Anspruch nehmen (sogenannter Check-up 35). Diese Untersuchung soll Anzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Nierenerkrankungen aufdecken.

    Vorbeugung

    Wer sein Risiko für Diabetes mellitus und Bluthochdruck senkt, kann so auch einer dadurch bedingten chronischen Nierenerkrankung vorbeugen. Dazu ist es vor allem wichtig, Übergewicht zu vermeiden und sich ausreichend zu bewegen.

    Bei bereits bestehendem Diabetes oder Bluthochdruck sind oft zusätzlich Medikamente nötig, die den Blutzucker und den Blutdruck gut einstellen, um Spätfolgen wie einer chronischen Nierenerkrankung vorzubeugen.

    Behandlung

    Welche Therapie bei einer chronischen Nierenerkrankung sinnvoll ist, hängt von ihrer Ursache, ihrem Stadium sowie den persönlichen Lebensumständen und Wünschen ab.

    Arbeiten die Nieren noch weitgehend normal, soll die Behandlung das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten oder verlangsamen. Dann werden vor allem Medikamente eingesetzt, die den Blutdruck senken und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Bei einem vorhandenen Diabetes mellitus ist es wichtig, den Blutzucker zu kontrollieren.

    Wenn bereits Folgen wie eine Blutarmut (Anämie) oder Störungen des Knochenstoffwechsels eingetreten sind, kommen weitere Medikamente hinzu – etwa eisenhaltige Medikamente, Mittel, die die Blutbildung anregen oder sogenannte Phosphatbinder. Wenn es zu einer Übersäuerung kommt, wird Bikarbonat eingesetzt. Daneben spielen aber auch eine dem Stadium der Nierenerkrankung angepasste Ernährung, die richtige Trinkmenge und körperliche Bewegung eine Rolle.

    Wenn die Nieren komplett versagen, kommt eine Dialyse oder eine Nierentransplantation infrage.

    Nur selten ist bei komplettem Nierenversagen weder eine Dialyse noch eine Nierentransplantation möglich. Manche Menschen entscheiden sich auch bewusst dagegen und nehmen in Kauf, dass sie bald versterben. Für sie ist eine palliative Behandlung sinnvoll, um für eine möglichst beschwerdefreie letzte Lebensphase zu sorgen.

    Leben und Alltag

    Eine chronische Nierenerkrankung verändert den Alltag. Betroffene sollen zum Beispiel beim Essen und Trinken bestimmte Ratschläge beachten. Nierenfachärztinnen und -ärzte bieten deshalb meist eine Ernährungsberatung speziell für Nierenerkrankte und ihre Angehörigen an.

    Besonders bei einer Dialysebehandlung ist es in der Regel wichtig, nicht zu viel zu trinken. Weil die funktionsunfähigen Nieren häufig kaum noch Wasser ausscheiden, kommt es sonst zu Wassereinlagerungen. Gegen das Durstgefühl können ein saures Bonbon, ein Zitronenstückchen oder zuckerfreies Kaugummi helfen. Außerdem ist es hilfreich,

    • kleine Gläser und Tassen zu verwenden,
    • langsam zu trinken,
    • trockene Raumluft zu vermeiden und
    • Medikamente wenn möglich mit einer Mahlzeit anstatt mit einem extra Glas Wasser einzunehmen.

    Menschen mit chronischer Nierenerkrankung müssen oft damit zurechtkommen, dauerhaft mehrere Arzneimittel einzunehmen. Ein Medikamentenplan, der übersichtlich auflistet, was man wann einnehmen muss, kann dabei helfen. Die geschwächten Nieren machen es auch nötig, auf einige Medikamente zu verzichten: Statt bei Schmerzen wie üblich zu NSAR wie Ibuprofen zu greifen oder einen Diabetes mellitus mit Tabletten zu behandeln, muss man mit seiner Ärztin oder seinem Arzt über Alternativen sprechen und sich möglicherweise an ganz neue Behandlungen gewöhnen – etwa an Insulinspritzen.

    Nicht nur Diät, Trinkeinschränkung und Medikamente können belasten. So erfordert eine Dialyse viel Zeit und Umstellungen im Alltag, was sich auf das Berufs- und Privatleben auswirkt.

    Zu solchen und anderen Fragen steht eine gebührenfreie Telefon-Hotline des Verbands Deutsche Nierenzentren e. V. und des Bundesverbands Niere e. V. zur Verfügung.

    Das Gefühl, lebenslang von der Therapie abhängig zu sein oder seine Familie einzuschränken, kann zu einer Belastung werden und auch depressiv machen. Vielen hilft dann der Austausch mit anderen erkrankten Menschen – zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe oder während der Dialyse. Bei stärkeren oder länger andauernden psychischen Belastungen kann man sich zudem an eine psychotherapeutische Praxis wenden.

    Weitere Informationen

    Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

    Auf der Website des Bundesverbands Niere e. V. sind neben vielen Informationen, Veranstaltungshinweisen und Aktionen rund um das Thema Nierenerkrankung auch die Kontaktdaten und Adressen von Selbsthilfegruppen im gesamten Bundesgebiet gelistet.

    Ausführliche Informationen zur Nierentransplantation hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf der Website www.organspende-info.de zusammengestellt.

    Quellen

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    Geberth S, Nowack R. Praxis der Dialyse. Berlin: Springer; 2014.

    Gemeinsamer Bundesausschuss (GBA). Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Gesundheitsuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten (Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie). 21.07. 2016. (Bundesanzeiger AT 12.10.2016 B2).

    Girndt M, Trocchi P, Scheidt-Nave C, Markau S, Stang A. The prevalence of Renal Failure. Results from the German Health Interview and Examination Survey for Adults, 2008-2011 (DEGS1). Dtsch Arztebl Int 2016; 113(6): 85-91.

    Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO). KDIGO 2012 Clinical Practice Guideline for Anemia in Chronic Kidney Disease. 08.2012.

    Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO). KDIGO 2012 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease (CKD). 01.2013.

    Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO). KDIGO 2017 Clinical Practice Guideline Update for the Diagnosis, Evaluation, Prevention, and Treatment of Chronic Kidney Disease-Mineral and Bone Disorder (CKD-MBD). 07.2017.

    Medical Netcare (MNC) im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Jahresbericht 2016 zur Qualität in der Dialyse. 31.03.2017.

    Meuleman Y, Ten Brinke L, Kwakernaak AJ, Vogt L, Rotmans JI, Bos WJ et al. Perceived Barriers and Support Strategies for Reducing Sodium Intake in Patients with Chronic Kidney Disease: a Qualitative Study. Int J Behav Med 2015; 22(4): 530-539.

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    Reid C, Seymour J, Jones C. A Thematic Synthesis of the Experiences of Adults Living with Hemodialysis. Clin J Am Soc Nephrol 2016; 11(7): 1206-1218.

    Statistisches Bundesamt (Destatis), Robert Koch-Institut (RKI). Gesundheitsberichterstattung des Bundes. 2017.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Was Studien sagen: Wann ist der beste Zeitpunkt, eine Dialyse zu beginnen?

    Üblicherweise wird eine Dialyse begonnen, sobald die Nieren versagen und es zu typischen Symptomen kommt. Solange noch keine starken Beschwerden bestehen, kann mit der Dialyse abgewartet werden – das kann helfen, die Therapie optimal vorzubereiten.

    Bei einer chronischen Nierenerkrankung im letzten Stadium sprechen Fachleute vom terminalen Nierenversagen. Erfüllen die Nieren ihre Aufgaben nicht mehr ausreichend, sammeln sich schädliche Stoffe im Körper an (Urämie). Typische Beschwerden bei Nierenversagen sind unter anderem:

    • Gewichtsverlust
    • Hautverfärbungen und Körpergeruch nach Urin
    • Atemnot, Schmerzen in der Brust, unregelmäßiger Puls
    • Verwirrtheit und Bewusstlosigkeit

    Wann wird eine Dialyse begonnen?

    Um herauszufinden, ob ein Nierenversagen droht oder eingetreten ist, werden Menschen mit chronischer Nierenerkrankung regelmäßig untersucht. Dabei achten Ärztinnen und Ärzte auf die oben beschriebenen Beschwerden. Zusätzlich kontrollieren sie die Nierenfunktion mithilfe eines Laborwerts, der glomerulären Filtrationsrate (GFR).

    Bei Menschen mit gesunder Nierenfunktion liegt der GFR-Wert zwischen 85 und 135 ml/min/1,73 m2 Körperoberfläche. Mit zunehmendem Alter sinkt er ab – dies ist normal und muss kein Hinweis auf eine Nierenschwäche sein.

    Werden die Nieren aber bei einer chronischen Nierenerkrankung immer schwächer, sinkt auch der GFR-Wert weiter ab. Wann eine Dialyse nötig wird, richtet sich aber nicht nach einem bestimmten GFR-Wert. Ausschlaggebend sind vielmehr Beschwerden, die für ein Nierenversagen sprechen – oder wenn Blutdruck und Wasserhaushalt entgleisen. Fehlen solche Symptome, kann mit der Dialyse noch abgewartet werden. Bei einem GFR-Wert zwischen 5 und 10 ml/min/1,73 m2 treten die typischen Beschwerden jedoch bei den meisten Erkrankten auf.

    Hat ein früher Dialysebeginn Vorteile?

    Die Frage, wann eine Dialyse idealerweise anfangen sollte, wurde auch in einer Studie untersucht. An der Studie hatten über 800 Erwachsene mit chronischer Nierenerkrankung im fortgeschrittenen Stadium teilgenommen. Sie wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: In einer Gruppe startete die Dialysebehandlung früher – im Durchschnitt bei GFR-Werten von 9 ml/min/1,73 m2. In der Vergleichsgruppe wurde erst später mit der Dialyse begonnen. Der GFR-Wert war dann im Schnitt bereits auf 7,2 ml/min/1,73 m2 abgesunken.

    Der Vergleich beider Teilnehmergruppen zeigte keine Unterschiede zwischen frühem und spätem Dialysebeginn: Es gab keinen Unterschied zum Beispiel bei Todesfällen oder Herzinfarkten. Auch Entzündungen des arteriovenösen Zugangs (Shunt, siehe unten) traten gleich häufig auf.

    Bestehen noch keine Beschwerden, die eine Dialyse dringlich machen, kann man damit also noch etwas warten und diese Zeit nutzen, um die Behandlung in Ruhe vorzubereiten.

    Was ist zur Planung einer Dialyse nötig?

    Eine Dialyse ist eine lebensbegleitende Therapie und wird zu einem Teil des Alltags. Bereits die Entscheidung, welches Verfahren für einen persönlich das Beste ist, benötigt Zeit. Das gilt auch für die Vorbereitungen, zum Beispiel die nötigen chirurgischen Eingriffe. Bei der Peritonealdialyse muss ein Katheter in die Bauchhöhle eingelegt und an der Bauchdecke fixiert werden. Nach einer Einheilungszeit des Katheters von zwei bis vier Wochen kann die Peritonealdialyse begonnen werden. Bei der Hämodialyse ist das operative Anlegen einer arteriovenösen Fistel (Shunt) notwendig. Sie ist eine Verbindung einer Vene und einer Arterie am Unterarm, die bei der Hämodialyse als Zugang zum Blutkreislauf genutzt wird. Der Eingriff wird am besten bereits Monate vor dem Dialysebeginn geplant. Denn vorher sind einige Untersuchungen nötig, und nach der Operation braucht die Fistel mehrere Wochen Zeit, um sich soweit auszubilden, dass sie dauerhaft genutzt werden kann.

    Das Anlegen einer Fistel gelingt anscheinend besser, wenn Menschen rechtzeitig vor Beginn einer Dialysebehandlung an eine Spezialistin oder einen Spezialisten für Nierenheilkunde (Nephrologie) überwiesen werden. Das fand eine Forschungsgruppe der Cochrane Collaboration anhand von 15 Studien mit insgesamt rund 5600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern heraus. Außerdem kam es seltener zu Komplikationen wie etwa Infektionen der Fistel. Durch Auswertung weiterer Studien konnte die Forschungsgruppe zudem herausfinden, dass die Lebenserwartung steigt, wenn eine Spezialistin oder ein Spezialist (Nephrologin oder Nephrologe) frühzeitig in die Behandlung eingebunden ist.

    Quellen

    Geberth S, Nowack R. Praxis der Dialyse. Berlin: Springer; 2014.

    Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO). KDIGO 2012 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease (CKD). 01.2013.

    Pape HC, Kurtz A, Silbernagl S. Physiologie. Stuttgart: Thieme; 2014.

    Slinin Y, Greer N, Ishani A, MacDonald R, Olson C, Rutks I et al. Timing of dialysis initiation, duration and frequency of hemodialysis sessions, and membrane flux: a systematic review for a KDOQI clinical practice guideline. Am J Kidney Dis 2015; 66(5): 823-836.

    Smart NA, Dieberg G, Ladhani M, Titus T. Early referral to specialist nephrology services for preventing the progression to end-stage kidney disease. Cochrane Database Syst Rev 2014; (6): CD007333.

    Tattersall J, Dekker F, Heimburger O, Jager KJ, Lameire N, Lindley E et al. When to start dialysis: updated guidance following publication of the Initiating Dialysis Early and Late (IDEAL) study. Nephrol Dial Transplant 2011; 26(7): 2082-2086.

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    Mehr Wissen: Wie verläuft eine chronische Nierenerkrankung?

    Eine chronische Nierenerkrankung schreitet meist nur langsam voran. Mithilfe von Blut- und Urinuntersuchungen lässt sich abschätzen, ob die Nieren noch ausreichend arbeiten oder zum Beispiel bald eine Dialyse begonnen werden sollte.

    Blut- und Urinuntersuchungen sind nicht nur nötig, um eine chronische Nierenerkrankung festzustellen. Auch im weiteren Verlauf sind regelmäßige Kontrollen sehr wichtig: Sie zeigen, ob und wenn ja, wie schnell die Erkrankung fortschreitet und helfen, das Risiko für Komplikationen abzuschätzen. Je nach Krankheitsstadium kann die Therapie individuell angepasst und nächste Behandlungsschritte rechtzeitig mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen und geplant werden. Dies ist zum Beispiel wichtig, wenn absehbar ist, dass eine Dialyse nötig wird.

    Eine chronische Nierenerkrankung schreitet meist nur langsam voran. Mithilfe von Blut- und Urinuntersuchungen lässt sich abschätzen, ob die Nieren noch ausreichend arbeiten oder zum Beispiel bald eine Dialyse begonnen werden sollte.

    Blut- und Urinuntersuchungen sind nicht nur nötig, um eine chronische Nierenerkrankung festzustellen. Auch im weiteren Verlauf sind regelmäßige Kontrollen sehr wichtig: Sie zeigen, ob und wenn ja, wie schnell die Erkrankung fortschreitet und helfen, das Risiko für Komplikationen abzuschätzen. Je nach Krankheitsstadium kann die Therapie individuell angepasst und nächste Behandlungsschritte rechtzeitig mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen und geplant werden. Dies ist zum Beispiel wichtig, wenn absehbar ist, dass eine Dialyse nötig wird.

    Welche Stadien kann die Erkrankung durchlaufen?

    Die chronische Nierenerkrankung wird in fünf Stadien eingeteilt:

    • Stadium 1: Urinuntersuchungen ergeben zwar Anzeichen für eine Schädigung der Nieren. Gesunde Bereiche der Nieren sorgen aber dafür, dass sie insgesamt noch normal funktionieren.
    • Stadium 2: Zusätzlich zu einem Nierenschaden ist auch die Nierenfunktion leicht eingeschränkt. Meist machen sich aber noch keine Symptome bemerkbar.
    • Stadium 3: Die Nierenfunktion ist mäßig eingeschränkt.
    • Stadium 4: Die Nierenfunktion ist stark eingeschränkt. Es können bereits Folgen wie Juckreiz, Blutarmut, Übersäuerung oder Knochenschmerzen auftreten.
    • Stadium 5: Terminales Nierenversagen: Die Nieren können das Blut nicht mehr ausreichend reinigen – es kommt oft zu einer ausgeprägten Urämie. Eine Dialyse oder Spenderniere sind nötig, um die Nierenfunktion zu ersetzen.

    Welche gesundheitlichen Folgen eine chronische Nierenerkrankung hat, hängt zudem vom sonstigen Gesundheitszustand ab. Deshalb untersuchen Ärztinnen und Ärzte auch, was ein Fortschreiten der Nierenschwäche beschleunigen könnte – etwa Herzerkrankungen, ein schlecht eingestellter Bluthochdruck oder Diabetes mellitus.

    Das ist wichtig, um die medikamentöse Therapie individuell anzupassen – oder weitere Schritte mit genügend Vorlauf zu planen: Wer zum Beispiel ein hohes Risiko hat, dass seine Nieren in absehbarer Zeit versagen, kann rechtzeitig mit seiner Ärztin oder seinem Arzt überlegen, welche Behandlung für ihn die beste wäre. Vielleicht werden auch engmaschigere Kontrolluntersuchungen notwendig.

    Wie lassen sich Nierenfunktion und Nierenschäden messen?

    Nierenfunktion und Nierenschäden hängen eng zusammen. Das wichtigste Maß für die Beurteilung der Nierenfunktion ist die sogenannte glomeruläre Filtrationsrate. Hinweise auf Nierenschäden liefert vor allem der Eiweißgehalt im Urin.

    Glomeruläre Filtrationsrate

    Die Niere enthält etwa eine Million winziger „Filterstationen“ – die sogenannten Nierenkörperchen (Glomeruli). Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) gibt an, wie viel Blut pro Minute gefiltert wird. Bei Gesunden sind das zwischen 85 und 135 Milliliter pro Minute – bezogen auf eine für den GFR-Wert festgelegte Körperoberfläche von 1,73 m2.

    Die GFR direkt zu messen, wäre sehr aufwendig. Deshalb wird sie meist abgeschätzt – zum Beispiel mithilfe des Kreatinin-Werts im Blut. Kreatinin ist ein Abbauprodukt aus Muskeln. In die üblicherweise verwendeten Formeln für die GFR-Abschätzung fließen zusätzlich zum Beispiel das Alter und das Geschlecht mit ein.

    Eiweißausscheidung im Urin

    Nierenschäden können sich dadurch bemerkbar machen, dass Stoffe aus dem Blut in den Urin gelangen, die normalerweise von den Nieren fast vollständig zurückgehalten werden. Dazu gehören Bluteiweiße wie Albumin. Sie werden nur dann vermehrt über den Urin ausgeschieden, wenn die Nieren geschädigt sind. An der Höhe des Eiweißwerts im Urin lässt sich abschätzen, wie stark ein Nierenschaden ist.

    Quellen

    Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO). KDIGO 2012 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease (CKD). 01.2013.

    National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Chronic kidney disease in adults: assessment and management. 07.2014. (Clinical guidelines; Band cg182).

    Pape HC, Kurtz A, Silbernagl S. Physiologie. Stuttgart: Thieme; 2014.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Welche Medikamente schützen Nieren, Herz und Blutgefäße?

    Bei chronischer Nierenerkrankung kann eine medikamentöse Behandlung davor schützen, dass die Erkrankung weiter fortschreitet. Wichtig sind vor allem blutdrucksenkende Medikamente.

    Medikamente können helfen, das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung aufzuhalten oder zu verlangsamen und vor Folgen wie Herzinfarkt zu schützen. Welche Mittel für einen Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung infrage kommen, richtet sich zum Beispiel nach vorhandenen Begleiterkrankungen und dem individuellen Risiko für Komplikationen.

    Bei chronischer Nierenerkrankung kann eine medikamentöse Behandlung davor schützen, dass die Erkrankung weiter fortschreitet. Wichtig sind vor allem blutdrucksenkende Medikamente.

    Medikamente können helfen, das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung aufzuhalten oder zu verlangsamen und vor Folgen wie Herzinfarkt zu schützen. Welche Mittel für einen Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung infrage kommen, richtet sich zum Beispiel nach vorhandenen Begleiterkrankungen und dem individuellen Risiko für Komplikationen.

    Blutdrucksenkende Medikamente

    Ob bei Menschen mit chronischer Nierenerkrankung eine Blutdrucksenkung sinnvoll ist, hängt davon ab,

    • wie hoch der Blutdruck ist (ohne Behandlung),
    • ob ein Diabetes mellitus besteht,
    • wie viel Eiweiß der Urin enthält (Albumin-Wert).

    Wer zum Beispiel einen normalen Blutdruck hat, nicht an Diabetes mellitus erkrankt ist und kaum Albumin im Urin ausscheidet, kann ohne blutdrucksenkende Medikamente auskommen. Bei Bluthochdruck, Diabetes oder viel Albumin im Urin wird dagegen eine Therapie mit sogenannten ACE-Hemmern (Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer) oder Sartanen (Angiotensin-Antagonisten) empfohlen. Für Menschen mit Diabetes ist zudem eine blutzuckersenkende Therapie wichtig.

    Eine Auswertung von 119 Studien mit insgesamt über 64.000 Teilnehmenden mit fortgeschrittener Nierenerkrankung hat gezeigt, dass ACE-Hemmer und Sartane mehrere Vorteile haben: Verglichen mit anderen Blutdruckmitteln (etwa Betablockern) konnten ACE-Hemmer oder Sartane das Risiko für ein vollständiges Nierenversagen senken. Außerdem verringerte die Therapie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.

    Ob es bei chronischer Nierenerkrankung hilft, einen ACE-Hemmer zusammen mit einem Sartan einzunehmen, ist nicht nachgewiesen. Möglicherweise schadet die Kombination eher.

    Cholesterinsenker (Statine)

    Statine sind Medikamente, die den Cholesterinspiegel im Blut senken. Sie werden zum Beispiel nach einem Herzinfarkt verschrieben, weil sie dann vor weiteren Herz- und Gefäßproblemen schützen und das Leben verlängern können. Studien deuten darauf hin, dass dies auch für Menschen mit chronischer Nierenerkrankung gilt, die noch keine Dialyse benötigen. Ihnen wird deshalb meist empfohlen, eine Statintherapie zu beginnen. In der Regel wird die begonnene Therapie fortgesetzt, wenn im Verlauf eine Dialyse nötig wird.

    Ob Statine auch das Fortschreiten der Nierenerkrankung bremsen, ist derzeit noch unklar. Ebenfalls nicht eindeutig erwiesen ist, ob es nützt, mit der Einnahme der Mittel zu beginnen, wenn eine Dialyse bereits begonnen wurde.

    Gerinnungshemmer wie ASS

    Medikamente, die die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabsetzen, werden Gerinnungshemmer oder Blutverdünner genannt. Zu ihnen gehört die Acetylsalicylsäure (ASS). Gerinnungshemmer können einem Herzinfarkt oder Schlaganfall vorbeugen, allerdings auch Blutungen auslösen.

    Nutzen und Schaden von Gerinnungshemmern müssen also immer sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. So kann die Einnahme von Gerinnungshemmern manchen Menschen mit einer leichten Nierenschwäche mehr schaden als nutzen. Die Medikamente können aber bei erhöhtem Herzinfarkt-Risiko sinnvoll sein, zum Beispiel, wenn zusätzlich eine koronare Herzkrankheit besteht.

    Harnsäuresenkende Therapie

    Durch die geschwächte Nierenfunktion können sich Harnsäuresalze (Urat) im Blut ansammeln. Das kann zu Gichtanfällen führen. Medikamente wie Allopurinol senken den Harnsäurespiegel und können Gichtanfälle vermeiden helfen, aber auch Nebenwirkungen wie Hautausschlag oder Übelkeit auslösen. Erste Studien geben Hinweise, dass Allopurinol das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung verlangsamen und Herz-Kreislauf-Komplikationen vorbeugen kann. Weitere Studien sind jedoch nötig, um diesen Nutzen zu belegen.

    Was bringen Nahrungsergänzungsmittel?

    Ob frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel bei einer chronischen Nierenerkrankung helfen können, ist mehr als fraglich: Nachgewiesen ist zum Beispiel, dass Antioxidantien wie etwa Vitamin-E-Präparate weder das Leben von Menschen mit chronischer Nierenerkrankung verlängern noch Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall verhindern. Bislang gibt es auch keine Belege, dass die Mittel das Voranschreiten der Erkrankung verlangsamen oder bestimmten Menschen (etwa Dialyse-Patienten) nützen. Das gilt auch für Fischöl- und Omega-3-Fettsäure-Präparate.

    Quellen

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    Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO). KDIGO 2012 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease (CKD). 01.2013.

    Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO). KDIGO 2012 Clinical Practice Guideline for the Management of Blood Pressure in Chronic Kidney Disease. 12.2012.

    Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO). KDIGO 2013 Clinical Practice Guideline for Lipid Management in Chronic Kidney Disease. 11.2013.

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    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Was bringen Ernährung und Sport?

    Je nach Stadium einer chronischen Nierenerkrankung gelten verschiedene Ernährungsregeln. Wer entsprechend isst und trinkt und sich ausreichend bewegt, kann den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen und sein Wohlbefinden verbessern.

    Viele Stoffwechselvorgänge hängen auch von der Leistungsfähigkeit der Nieren ab: Werden die Nieren schwächer, geraten zum Beispiel der Energie- und Eiweißstoffwechsel aus dem Gleichgewicht. Auch der Salz- und Wasserhaushalt des Körpers werden gestört. Bei einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung kommt es dadurch zu ernsten Folgeerscheinungen wie Gewichtsverlust, Übersäuerung und Wasseransammlungen in den Organen und im Gewebe.

    Für Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung gelten deshalb eine Reihe von Ernährungsregeln. Sich an diese „Nierendiät“ zu halten, fällt oft schwer. Ärztinnen und Ärzte, Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberater können aber dabei helfen, die Vorgaben besser zu verstehen und im Alltag umzusetzen. Viele Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung gewöhnen sich mit der Zeit an die Empfehlungen und nutzen sie als Möglichkeit, selbst etwas für ihr Wohlbefinden zu tun. Eine angepasste Ernährung und Sport wirken sich auch günstig auf weitere Erkrankungen und Risikofaktoren aus, wie etwa einen erhöhten Blutdruck.

    Je nach Stadium einer chronischen Nierenerkrankung gelten verschiedene Ernährungsregeln. Wer entsprechend isst und trinkt und sich ausreichend bewegt, kann den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen und sein Wohlbefinden verbessern.

    Viele Stoffwechselvorgänge hängen auch von der Leistungsfähigkeit der Nieren ab: Werden die Nieren schwächer, geraten zum Beispiel der Energie- und Eiweißstoffwechsel aus dem Gleichgewicht. Auch der Salz- und Wasserhaushalt des Körpers werden gestört. Bei einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung kommt es dadurch zu ernsten Folgeerscheinungen wie Gewichtsverlust, Übersäuerung und Wasseransammlungen in den Organen und im Gewebe.

    Für Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung gelten deshalb eine Reihe von Ernährungsregeln. Sich an diese „Nierendiät“ zu halten, fällt oft schwer. Ärztinnen und Ärzte, Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberater können aber dabei helfen, die Vorgaben besser zu verstehen und im Alltag umzusetzen. Viele Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung gewöhnen sich mit der Zeit an die Empfehlungen und nutzen sie als Möglichkeit, selbst etwas für ihr Wohlbefinden zu tun. Eine angepasste Ernährung und Sport wirken sich auch günstig auf weitere Erkrankungen und Risikofaktoren aus, wie etwa einen erhöhten Blutdruck.

    Wie viel darf man trinken?

    Die meisten Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung können zunächst so viel trinken wie sie möchten. Wenn die Nierenfunktion zunehmend nachlässt, scheiden viele betroffene Menschen jedoch weniger Wasser aus. Wenn man dann zu viel trinkt, kommt es zu einer Überwässerung mit der Folge, dass sich Ödeme bilden und der Blutdruck ansteigt. Eine Dialysebehandlung kann dies nicht komplett ausgleichen, denn sie kann dem Körper nur begrenzt Wasser entziehen.

    Je nach Dialyseform und je nachdem, ob und wie viel Urin die Nieren noch ausscheiden, gelten folgende Empfehlungen: Idealerweise sollte man nur noch so wenig Flüssigkeit zu sich nehmen, wie die Nieren als Urin ausscheiden – plus 0,5 Liter am Tag bei einer Hämodialyse oder 0,8 Liter am Tag bei einer Peritonealdialyse. Dabei müssen nicht nur Getränke, sondern auch flüssige Speisen wie zum Beispiel Suppen, Joghurt oder Kompott mit eingerechnet werden.

    Um nicht zu viel zu trinken, kann es helfen, kleinere Gläser und Tassen zu verwenden und wenn möglich Medikamente mit einer Mahlzeit anstatt mit einem extra Glas Wasser einzunehmen. Wer Durst spürt, kann das zum Beispiel mit einem sauren Bonbon, Zitronenstückchen oder zuckerfreiem Kaugummi lindern. Außerdem ist es hilfreich, langsam zu trinken und trockene Raumluft zu vermeiden.

    Auf ein normales Gewicht achten

    Wer chronisch nierenkrank und gleichzeitig übergewichtig ist, kann mit einer Gewichtsabnahme sein Risiko für Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall senken.

    Bei einer fortgeschrittenen chronischen Nierenerkrankung ist Übergewicht aber eher selten – dann besteht eher die Gefahr, zu stark abzunehmen. Um Untergewicht zu vermeiden, ist es wichtig, genügend und vor allem richtig zu essen. Dialysepatientinnen und Dialysepatienten werden täglich zwischen 30 und 40 Kilokalorien pro Kilogramm Normalgewicht empfohlen. Mit Normalgewicht ist nicht das aktuelle Körpergewicht der Person gemeint, sondern das Gewicht, das laut Body-Mass-Index (BMI) gemäß ihrer Körpergröße als normal gilt. Für einen 180 cm großen Mann liegt es zum Beispiel um 70 Kilogramm. Daraus ergibt sich ein Kalorienbedarf zwischen 2100 bis 2800 Kilokalorien pro Tag.

    Wie viel Eiweiß ist sinnvoll?

    Menschen, die noch keine Dialyse benötigen, sollten nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Eiweiß zu sich nehmen. Mehrere Studien haben gezeigt, dass eine Diät mit wenig Eiweiß bei manchen Menschen das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung verzögern und vor Komplikationen schützen kann. Ob auch andere Diäten schützen können, ist noch nicht ausreichend durch Studien belegt. Aber zu wenig Eiweiß ist ungünstig, denn der Körper würde bei einem Eiweißmangel Muskeleiweiß abbauen.

    Laut gängigen Empfehlungen sollte die tägliche Nahrung etwa 0,8 bis 1 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Normalgewicht enthalten. Wer also um die 70 Kilogramm wiegt, nimmt demnach pro Tag am besten um die 60 Gramm Eiweiß zu sich. Ein Rindersteak (140 Gramm) enthält zum Beispiel ungefähr 45 Gramm Eiweiß, ein Frühstücksei rund 13 Gramm und ein Apfel weniger als 0,5 Gramm.

    Wer wegen Nierenversagens zur Dialyse muss, hat dagegen einen erhöhten Eiweißbedarf. Pro Kilogramm Körpergewicht werden dann täglich mindestens 1,1 Gramm Eiweiß empfohlen, bei einer Peritonealdialyse bis 1,5 Gramm. Hierbei geht viel Eiweiß über das Bauchfell in die Dialyseflüssigkeit verloren.

    Wie viel Kochsalz ist erlaubt?

    Erhöhter Blutdruck und zu viel Eiweiß im Urin können eine chronische Nierenerkrankung beschleunigen. Studien haben gezeigt, dass eine kochsalzarme Kost den Blutdruck und die Eiweißausscheidung senken kann. Fachleute gehen aufgrund erster Studienergebnisse davon aus, dass es dadurch auch seltener oder erst später zu Komplikationen wie Nierenversagen oder Herzinfarkt kommt. Allerdings muss das noch durch Langzeitstudien bestätigt werden.

    Salz bindet zudem Wasser im Körper und steigert den Durst. Bei Menschen, die eine Dialyse erhalten und nicht viel trinken dürfen, ist es deshalb besonders wichtig, mit Salz sehr sparsam zu sein.

    Empfohlen werden etwa 5 bis 6 Gramm Kochsalz pro Tag. Zur Einordnung: Eine Scheibe Brot enthält etwa 0,5 Gramm, ein Wiener Würstchen knapp 2 Gramm, und ein Stück Pizza über 4 Gramm Kochsalz. Der Verzicht auf salzige Nahrungsmittel fällt vor allem anfangs oft schwer. Nach zwei bis drei Wochen gewöhnt sich der Geschmackssinn aber an weniger Salz. Zudem lassen sich Speisen auch mit Kräutern, Zwiebeln, Zitrone, Essig oder anderen Gewürzen schmackhaft zubereiten.

    Bei fortgeschrittener Nierenerkrankung ist nicht nur Kochsalz (Natriumchlorid) ein Problem, die Nieren können auch die Menge an Kalium und vor allem an Phosphat schlechter regulieren. Deshalb sollten Dialysepatienten möglichst ganz auf Lebensmittel verzichten, die viele dieser Mineralien enthalten. Dazu gehören unter anderem Kartoffeln, Bananen, Trockenobst, Chips, Pommes frites, Schmelzkäse, Milch oder Nüsse. Vorsicht ist bei sogenanntem Diätsalz geboten: Es enthält zwar wenig Natrium, aber erhebliche Mengen Kalium.

    Wie viel Sport ist gut?

    Möglichst in Bewegung zu bleiben, tut auch bei chronischer Nierenerkrankung gut: Regelmäßiger Sport kann zum Beispiel helfen, den Blutdruck zu senken, die Muskulatur zu erhalten und sich allgemein besser zu fühlen.

    Fachleute empfehlen fünfmal in der Woche dreißig Minuten leichten Sport. Aber auch wenn man das nicht schafft, ist es gut, sich so viel wie möglich zu bewegen. Es hilft, wenn Familie und Freunde beim Sportprogramm unterstützen und man körperliche Aktivitäten fest in den Alltag einplant. Sogar während einer Dialyse-Sitzung kann man sich sportlich betätigen und zum Beispiel in die Pedale eines sogenannten Bettfahrrads treten.

    Quellen

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    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Mehr Wissen: Dialyse bei chronischer Nierenerkrankung

    Eine Dialysebehandlung ermöglicht es, über Jahre bis Jahrzehnte mit einer weit fortgeschrittenen Nierenerkrankung zu leben. Es gibt verschiedene Dialyseformen. Für viele Menschen ist die Dialyse in einem Dialysezentrum gut geeignet. Andere wählen lieber ein Verfahren, das sie zu Hause anwenden können.

    Bei einem terminalen Nierenversagen ist eine Nierentransplantation für viele Menschen die optimale Therapie. Sie ist aber nicht immer möglich. In diesem Fall und auch während der Wartezeit auf eine Spenderniere ist eine Nierenersatztherapie mithilfe einer Dialyse nötig.

    Die wichtigsten Dialyseformen sind die Hämodialyse und die Peritonealdialyse. Welche Dialyseform infrage kommt, hängt zum einen von medizinischen Faktoren ab. Da sich der Behandlungsalltag deutlich unterscheidet, spielen aber auch persönliche Wünsche eine wichtige Rolle bei der Auswahl. Es ist deshalb sinnvoll, sich mit den Dialyseformen vertraut zu machen und gemeinsam mit Familie und Ärztin oder Arzt herauszufinden, welche für einen selbst am besten passt.

    Mithilfe einer Dialyse ist es möglich, über viele Jahre mit der Erkrankung zu leben. Wie gut dies gelingt, hängt dabei vor allem davon ab, ob und welche Begleiterkrankungen bestehen, ob die Dialysetherapie gut vorbereitet war und wie gut es gelingt, dauerhaft mit der Dialyse, den nötigen Medikamenten und Diätregeln zurechtzukommen.

    Eine Dialysebehandlung ermöglicht es, über Jahre bis Jahrzehnte mit einer weit fortgeschrittenen Nierenerkrankung zu leben. Es gibt verschiedene Dialyseformen. Für viele Menschen ist die Dialyse in einem Dialysezentrum gut geeignet. Andere wählen lieber ein Verfahren, das sie zu Hause anwenden können.

    Bei einem terminalen Nierenversagen ist eine Nierentransplantation für viele Menschen die optimale Therapie. Sie ist aber nicht immer möglich. In diesem Fall und auch während der Wartezeit auf eine Spenderniere ist eine Nierenersatztherapie mithilfe einer Dialyse nötig.

    Die wichtigsten Dialyseformen sind die Hämodialyse und die Peritonealdialyse. Welche Dialyseform infrage kommt, hängt zum einen von medizinischen Faktoren ab. Da sich der Behandlungsalltag deutlich unterscheidet, spielen aber auch persönliche Wünsche eine wichtige Rolle bei der Auswahl. Es ist deshalb sinnvoll, sich mit den Dialyseformen vertraut zu machen und gemeinsam mit Familie und Ärztin oder Arzt herauszufinden, welche für einen selbst am besten passt.

    Mithilfe einer Dialyse ist es möglich, über viele Jahre mit der Erkrankung zu leben. Wie gut dies gelingt, hängt dabei vor allem davon ab, ob und welche Begleiterkrankungen bestehen, ob die Dialysetherapie gut vorbereitet war und wie gut es gelingt, dauerhaft mit der Dialyse, den nötigen Medikamenten und Diätregeln zurechtzukommen.

    Was bietet die Hämodialyse?

    Die Hämodialyse ist das am häufigsten genutzte Dialyseverfahren in Deutschland. Das Blut wird bei diesem Verfahren über Schläuche außerhalb des Körpers in einer Maschine mittels einer Dialyseflüssigkeit gereinigt. Normalerweise wird dreimal pro Woche dialysiert. Eine Behandlung dauert meist etwa vier bis fünf Stunden.

    Die Hämodialyse findet in der Regel in einem Dialysezentrum statt, sie ist aber auch zu Hause möglich (Heim-Hämodialyse). Die Kosten für eine Heimdialyse werden von den Krankenkassen genauso übernommen wie die in einem Dialysezentrum. Im Zentrum sorgen Fachkräfte für einen reibungslosen Ablauf. Das gibt vielen ein Gefühl von Sicherheit und ist ein Vorteil für Menschen, die sich nicht in der Lage fühlen, diese Behandlung zu Hause anzuwenden.

    Die Heim-Hämodialyse erlaubt dagegen mehr Eigenständigkeit und Flexibilität. Man ist nicht an die Zeiten des Dialysezentrums gebunden und spart sich die Fahrten dorthin. Ohne eine Schulung in einem Dialysezentrum und die Unterstützung eines ebenfalls geschulten Angehörigen ist eine Heim-Hämodialyse allerdings nicht möglich. Auch muss zu Hause genügend Platz für das Dialysegerät und das nötige Zubehör vorhanden sein. Ob sich die Lebenserwartung von Menschen mit chronischer Nierenerkrankung unterscheidet, wenn sie die Hämodialyse zu Hause oder im Zentrum erhalten, ist unklar – bislang fehlen dazu geeignete Studien.

    Wer verreisen möchte, kann in einem anderen Dialysezentrum eine „Gast“- oder „Feriendialyse“ erhalten. So ist auch Urlaub im Ausland möglich: Für eine Dialyse am Urlaubsort reicht in der Regel eine rechtzeitige Anmeldung aus. Die Kosten für Gastdialysen im Ausland werden von der Krankenkasse in Höhe der Kosten der Dialysebehandlung in Deutschland erstattet.

    Welche Nachteile hat eine Hämodialyse?

    Manche Menschen fühlen sich „abhängig von der Maschine“. Außerdem können die langen Behandlungs- und manchmal Fahrtzeiten belasten und den Kontakt zu Freunden und zur Familie erschweren. Die festen Behandlungstermine im Zentrum liegen zudem oft tagsüber in der Woche – das ist für Menschen, die berufstätig bleiben möchten, aber nur schwer zu organisieren. Die meisten größeren Zentren bieten deshalb sogenannte „Abendschichten“ an.

    Eine Hämodialyse funktioniert nur mit einem geeigneten Zugang zum Blutkreislauf. Da sich oberflächliche Venen dafür nicht eignen, ist mehrere Wochen bis Monate vor Beginn einer Hämodialyse eine kleine Operation nötig. Dabei werden wenn möglich am Unterarm eine Vene und eine Schlagader (Arterie) miteinander verbunden. Durch diesen „Kurzschluss“ (arteriovenöse Fistel oder Shunt) entwickelt sich ein etwas größeres Blutgefäß, in das bei jeder Dialysebehandlung Kanülen gelegt werden können.

    Der Eingriff muss einige Zeit vor dem Dialysebeginn durchgeführt werden, weil die Fistel Zeit braucht, um sich vollständig auszubilden. Eine arteriovenöse Fistel ist der beste, weil komplikationsärmste Zugang für eine Hämodialyse. Sie kann aber auch belasten: Manche Menschen fühlen sich dadurch immer an ihre Krankheit und Abhängigkeit von der Dialyse erinnert. Für einige Menschen kann sie sogar ein Grund sein, sich für die Peritonealdialyse zu entscheiden. Der Zugang ist auch die Ursache für typische Komplikationen der Hämodialyse: Das neue Blutgefäß kann sich zum Beispiel entzünden oder durch ein Blutgerinnsel verstopfen. Wenn eine arteriovenöse Fistel nicht möglich ist, kann eine Hämodialyse auch über einen Katheter ablaufen, der über einen Zugang am Hals in eine große, herznahe Vene eingeführt wird.

    In der Regel verläuft eine Hämodialyse komplikationslos. Selten können in der Zeit am Dialysegerät auch Beschwerden wie Blutdruckabfall oder Krampfanfälle auftreten. Außerdem muss die Blutgerinnung während der Dialyse mit einem Medikament unterdrückt werden.

    Was bietet die Peritonealdialyse?

    Bei einer Peritonealdialyse wird das Blut nicht außerhalb des Körpers, sondern mithilfe einer Dialyseflüssigkeit in der Bauchhöhle gereinigt. Patientinnen und Patienten erhalten dazu einen speziellen Bauchkatheter: Über diesen Katheter werden etwa zwei Liter Dialyseflüssigkeit in die Bauchhöhle geleitet, nach einiger Zeit abgelassen und gegen neue Dialyseflüssigkeit ausgetauscht. Diese Form der Dialyse kann selbstständig zu Hause durchgeführt werden.

    Grundsätzlich unterscheidet man bei der Peritonealdialyse zwei Verfahren. Das Standardverfahren ist die kontinuierliche ambulante Peritonealdialyse – kurz CAPD oder einfach „Beutelwechsel“ genannt. Dabei wird die Flüssigkeit drei- bis viermal täglich von Hand ausgetauscht, dazu braucht man also keine Maschine. Allerdings ist eine intensive Schulung durch Fachpersonal nötig, um den hygienischen Umgang mit dem Katheter zu erlernen. Bei der CAPD ist der Bauch immer „gefüllt“.

    Wer die Flüssigkeit tagsüber nicht wechseln möchte oder – zum Beispiel am Arbeitsplatz – dazu keine Gelegenheit hat, kann zum Beispiel jede Nacht eine sogenannte automatisierte Peritonealdialyse (APD) nutzen. Dazu wird der Katheter an ein Gerät (Cycler) angeschlossen, das die Dialyseflüssigkeit regelmäßig austauscht.

    Welches der beiden Verfahren zur Peritonealdialyse geeignet ist, hängt aber auch von den Eigenschaften des Bauchfells ab: Für manche Menschen kommt eher eine CAPD, für andere eher eine APD infrage.

    Auch bei der Peritonealdialyse müssen bestimmte Diät- und Trinkvorgaben eingehalten werden. Sie sind aber etwas lockerer als bei der Hämodialyse.

    Wer mit der Peritonealdialyse nicht mehr zurechtkommt, kann zu einer Hämodialyse wechseln (oder umgekehrt).

    Welche Nachteile hat eine Peritonealdialyse?

    Für den Dauerkatheter in die Bauchhöhle ist wie bei der Hämodialyse ein chirurgischer Eingriff nötig. Mit dem Katheter hängen auch die häufigsten Komplikationen einer Peritonealdialyse zusammen:

    • Wenn Bakterien in die Bauchhöhle gelangen, können sie eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) auslösen.
    • Die Schlauchspitze im Bauchraum kann zu einer schmerzhaften Reizung der Schleimhäute führen.
    • Wenn die Öffnung des Schlauchs verklebt oder der Schlauch abknickt, ist die Dialyse erschwert oder nicht möglich.
    • Die Austrittsstelle des Schlauchs in der Bauchwand kann sich entzünden.

    Um dem Körper überschüssiges Wasser zu entziehen, enthalten die meisten Dialyseflüssigkeiten Zucker. Fachleute gehen davon aus, dass der Zucker mit der Zeit ins Blut übergehen und Übergewicht fördern kann. Bei Diabetes mellitus muss manchmal die blutzuckersenkende Therapie angepasst werden.

    Was ist eine Hämofiltration?

    Bei der sogenannten Hämofiltration wird das Blut über Schläuche in eine Maschine geführt und dort gereinigt. Dabei ist keine Dialyseflüssigkeit nötig: Stattdessen werden per Druck Wasser und Abbauprodukte aus dem Blut abgepresst. Wenn diese Methode mit der Hämodialyse kombiniert wird, spricht man von Hämodiafiltration. Beide Verfahren spielen bei der Behandlung von Menschen mit chronischer Nierenerkrankung hierzulande keine große Rolle. Es gibt auch nicht genügend gute Studien, die belegen, dass sie besser sind als eine übliche Dialyse.

    Kann man sich gegen eine Dialyse entscheiden?

    Mit Ausnahme der Nierentransplantation gibt es keine Alternative zur Dialyse, die es ermöglicht, auf Dauer ohne ausreichend funktionierende Nieren zu leben. Trotzdem entscheiden sich einige Menschen mit Nierenversagen dagegen – zum Beispiel aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters und bestehender Begleiterkrankungen. Diese Entscheidung bedeutet, dass man sein Leben zu Ende gehen lässt. Oft ist diese Entscheidung für Angehörige und Freunde schwer zu akzeptieren – deshalb ist es wichtig, sie vorher mit ihnen zu besprechen. Zudem wird die Unterstützung durch Familie, Angehörige und Freunde in den kommenden Wochen bis Monaten besonders wichtig.

    Wer sich gegen eine Dialyse entscheidet, kann die Therapie mit Medikamenten fortsetzen und trotz Nierenversagen unter Umständen mehrere Wochen bis Monate weiterleben. Am Lebensende ist dann eine palliative Behandlung wichtig. Sie kann Schmerzen und andere Beschwerden lindern und soll so viel Lebensqualität wie möglich erhalten. Dazu gehört zum Beispiel, die Diätregeln zu lockern oder ganz aufzugeben.

    Quellen

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    Chronische Nierenerkrankung - Erfahrungsbericht - Bernd

    „Ich bin schon seit etwa 30 Jahren Dialysepatient. Im Alter von 25 Jahren wurde ich zum ersten Mal dialysiert.“

    Bernd, 56 Jahre

    „Ich bin schon seit etwa 30 Jahren Dialysepatient. Im Alter von 25 Jahren wurde ich zum ersten Mal dialysiert.“

    Ich bin schon seit etwa 30 Jahren Dialysepatient. Im Alter von 25 Jahren wurde ich zum ersten Mal dialysiert. Bei der Musterung zur Bundeswehr hat man festgestellt, dass mit meinem Urin etwas nicht stimmt. Deshalb wurde ich zu einem Facharzt überwiesen. Er hat eine Nierenfunktionsstörung diagnostiziert und ich wurde zur weiteren Abklärung in ein Krankenhaus eingewiesen. Dort erfuhr ich, dass meine Nieren nur noch zu 25 % funktionsfähig sind. Die positive Botschaft war: Man konnte sie in diesem Zustand durch eine entsprechende Diät und regelmäßige Kontrolluntersuchungen stabilisieren.

    Ich bin dann regelmäßig in die Klinik gefahren, um meinen Urin untersuchen zu lassen. Irgendwann habe ich das aber schlichtweg vergessen und bin nicht mehr zu den Untersuchungen gegangen. Ich hatte ja keine Beschwerden und war mit meinem Studium beschäftigt. Da war ich, zugegeben, schlampig.

    Ich hatte meine Erkrankung völlig verdrängt

    Etwa sechs Jahre später begann ich mich schlecht zu fühlen. Ich war zunehmend erschöpft. Zudem bekam ich merkwürdige Hautausschläge, war kurzatmig und auch kognitiv eingeschränkt. Das für mich heute Unbegreifliche ist: Obwohl ich wusste, dass ich nierenkrank war und sich der Zustand nur etwas hinauszögern ließ, bis ich an die Dialyse muss, hatte ich das gar nicht mehr auf dem Schirm. Offensichtlich hatte ich es völlig verdrängt und überhaupt nicht daran gedacht, dass das die Ursache für meinen Zustand sein könnte.

    Mir ging es immer schlechter und irgendwann bin ich zum Hausarzt gegangen. Der hat dann Herz und Kreislauf gecheckt, konnte aber nichts feststellen. Heute weiß ich, was eine schleichende Vergiftung durch Nierenversagen bedeutet. Dadurch, dass ich intellektuell immer weniger leistungsfähig war, war ich vermutlich auch nicht mehr in der Lage zu verstehen, was mit mir los war und entsprechend zu reagieren. Am Ende konnte ich kaum noch aufstehen. Man kann schlicht sagen: Ich starb langsam.

    Die erste Dialyse im Krankenhaus

    Im Herbst 1986 bin ich dann mit Nasenbluten per Notarzt ins Krankenhaus gekommen. Das Blut lief wie aus einem Wasserhahn und ließ sich nicht stoppen. In der Notaufnahme hat man versucht, die Blutung zu stoppen. Und man hat mir Blut abgenommen und ein Blutbild gemacht. Der Arzt kam dann wieder – ich kann mich ganz genau erinnern – und sagte, dass die Werte nicht stimmen könnten. Irgendwas müsste im Labor schiefgelaufen sein. Mir wurde dann ein zweites Mal Blut abgenommen und die Werte waren genauso schlecht. Ich war in einem akuten Vergiftungszustand und musste erst mal auf der Intensivstation bleiben. Am nächsten Tag wurde ich im Krankenhaus zum ersten Mal dialysiert. Aber daran kann ich mich nicht mehr erinnern.

    Die Dialyse hat mein Leben gerettet

    Meine Erinnerung setzt erst wieder mit der zweiten Dialyse ein. Am Anfang war das schon unangenehm. Aber ich habe nach ein bis zwei Wochen sehr schnell eine deutliche Verbesserung meines Gesundheitszustands gespürt. Die Behandlung beziehungsweise das Dialysegerät habe ich wie einen Lebensretter erlebt. Mir ist sehr schnell klargeworden und ich habe akzeptiert, dass ich an der Dialyse bleiben werde.

    Nach dem Krankenhausaufenthalt bin ich direkt an ein Dialysezentrum verwiesen worden. Der Arzt dort hat mir stark empfohlen, eine Dialyse daheim zu versuchen. Das bedeutete Schulung und Training im Dialysezentrum. Und dann mit einem Zivildienstleistenden als unterstützende Person – das gab es damals noch – nach Hause, um dreimal pro Woche selber zu dialysieren. Ziel war es, mit der Heimdialyse möglichst unabhängig zu sein. Ich war damals erst Mitte 20 und studierte noch.

    Entscheidung für eine Heimdialyse

    In meiner Wohnung hatte ich einen Dialyseraum eingerichtet. Da war ein Bett drin und die Maschine, die einen gewissen Platz wegen der Schlauchsysteme braucht. Ich musste auch etwas umbauen. Die Maschine braucht einen eigenen Stromkreis und Wasseranschlüsse sowie eine Osmose-Anlage, um das Wasser für die Dialyse aufzubereiten. Das war schon relativ aufwendig.

    Eine Heimdialyse bedeutet auch, dass man nicht ganz so an enge Zeiten gebunden ist. Ich hatte mich damals für die Dialyse an den Tagen Montag, Mittwoch und Freitag entschieden. Ob ich das dann morgens oder abends machte, habe ich mit dem Zivildienstleistenden abgesprochen. In dieser Hinsicht war ich schon viel flexibler als mit festen Zeiten im Dialysezentrum. Dazu kommt dann noch der Fahrtweg zum Dialysezentrum. Mit meiner Heimdialyse konnte ich mit Einschränkungen, aber relativ ungestört das Studium fortsetzen und dann ins Berufsleben eintreten.

    Ich arbeite immer noch im selben Beruf. Ich bin freiberuflich tätig, was eine gute Entscheidung war. Eine Festanstellung stelle ich mir mit der Dialyse nicht so einfach vor. So lässt sich das sehr gut miteinander verbinden.

    Umstellung auf eine tägliche Dialyse

    Etwa vor zehn Jahren hat mir ein Arzt aus dem Dialysezentrum dazu geraten, auf eine tägliche Heimdialyse umzustellen. Grund dafür war mein relativ stabiler Gesundheitszustand – und dass ich keine anderen Erkrankungen hatte, die eine Heimdialyse erschweren konnten.

    Das bedeutete für mich, dass ich jeden Tag bis auf Sonntag zweieinhalb Stunden dialysiert habe. Sonst sind es oft viereinhalb oder fünf Stunden und so konnte ich etwas Zeit pro Tag gewinnen. Das konnte ich auch allein, ohne Zivildienstleistenden machen. Das war auch gut, denn die gab es mittlerweile immer seltener. Technische Neuentwicklungen an den Maschinen ermöglichten, dass ich das allein handhaben konnte. So ging das ein paar Jahre.

    Dialyse im Zentrum passte besser zu meinem Leben

    Vor etwa sechs Jahren ist meine Mutter erkrankt und ich habe mich um sie gekümmert. Aber ich war nun dreifach belastet, habe für meine Mutter gesorgt, gearbeitet und allein dialysiert. Aus diesem Grund bat ich nach einer gewissen Zeit vorübergehend darum, in einem Dialysezentrum versorgt zu werden. Dort bin ich dann wieder dreimal die Woche dialysiert worden.

    Am Ende bin ich dort geblieben, obwohl ich mich die ganzen Jahre gegen eine Dialyse im Zentrum mit festen Zeiten gesträubt hatte. Aber mir hat es dort doch gut gefallen und ich habe freundschaftliche Kontakte knüpfen können, zu Mitpatienten und auch dem Personal.

    Ich gehe gern hin. An den Fahrtweg und die festen Zeiten habe ich mich gewöhnt. Ich brauche jetzt insgesamt mehr Zeit für die Dialyse, das auf jeden Fall. Die Fahrtzeit kommt ja auch dazu. Und dadurch, dass wir zu fünft auf dem Zimmer liegen, verzögert sich öfter mal das eine oder andere. Im Grunde bin ich von morgens sieben Uhr bis mittags oder frühen Nachmittag unterwegs.

    Das ist mehr Zeit, als wenn ich die Dialyse daheim mache. Aber ich kann arbeiten oder wenn nicht so viel zu tun ist, die Zeit als Freizeit nutzen, indem ich lese oder im Internet surfe. Ich kann während der Dialyse aber auch gut am Tablet arbeiten. Das klappt in der Regel ganz gut und es ist keine verlorene Zeit.

    Man hat die Wahl, auch später im Leben

    Man hat die Wahl zwischen verschiedenen Möglichkeiten der Dialyse: Zentrums- oder Heimdialyse, Hämodialyse oder Bauchfelldialyse. Und wenn es der Gesundheitszustand zulässt, kann man auch zwischen den Möglichkeiten wechseln.

    Die Wahl der Heimdialyse war damals genau der richtige Weg für mich. Ich habe das letztlich auch 25 Jahre so gemacht und es hat sich für mich sehr gelohnt. Und auch später die tägliche Dialyse war für eine ganze Zeit sehr gut für mich. Es hat für mich einen Unterschied ausgemacht, ob ich fünf oder nur zweieinhalb Stunden an der Maschine bin. Damals bin ich morgens aufgestanden, habe mich an die Maschine gehängt, war um 10 Uhr fertig und hatte noch den ganzen Tag zur Verfügung. Diese Unabhängigkeit, diese gewisse Freiheit fand ich bei der Heimdialyse toll.

    Die Bauchfelldialyse kam für mich persönlich nicht infrage. Mir erschien das zu aufwendig. Und ständig einen Zugang über den Bauch zu haben, habe ich mir für mich nicht so toll vorgestellt. Aber es gibt auch Patienten, die sich dafür entscheiden, weil es besser zu ihrer Lebensgestaltung passt. Zum Beispiel ist es etwas leichter, mit diesem System zu verreisen.

    Reisen ist trotz Dialyse möglich

    Aber heutzutage ist das Netz von Feriendialysemöglichkeiten so dicht, dass man quasi auch als Dialysepatient fast in die ganze Welt, zumindest in die klassischen Urlaubsländer, fahren kann. Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht, zum Beispiel in Spanien. Eine Zeitlang bin ich auch regelmäßig in Deutschland unterwegs gewesen beziehungsweise bin gependelt. Ich bin dann immer dort ins Dialysezentrum gegangen. Das habe ich gemeinsam mit dem Dialysezentrum vorbereitet, aber es war organisatorisch kaum ein Aufwand und ging sehr schnell, einfach und unkompliziert.

    Die jahrelange Dialyse zeigt Spuren

    Das ganze Prozedere über die Jahre geht nicht spurlos an einem vorüber. Bei mir geht es auf die Knochen, den Rücken und die Gelenke. Ich bin längst nicht mehr so mobil, wie ich mir das wünschen würde. Irgendetwas schmerzt immer. Mittlerweile nehme ich öfter und lieber das Auto als die Bahn.

    Ich habe auch eine Störung der Nerven, eine Polyneuropathie in den äußeren Gliedmaßen. Sie schreitet ganz langsam voran. Vor allem spüre ich sie als Taubheit in den Fingern; das Feingefühl fehlt. Im Haushalt muss ich zum Beispiel aufpassen, dass mir nichts runterfällt. Das belastet mich sehr und ich fühle mich eingeschränkt.

    Wenig Komplikationen mit dem Shunt

    Mit dem Zugang habe ich relativ wenig Probleme. Nachdem mir der Shunt zum ersten Mal gelegt wurde, musste er kurze Zeit später korrigiert werden. Aber dieser Zugang hat dann etwa 27 Jahre ohne größere Probleme gehalten. Als ich irgendwann mal wie üblich ins Zentrum zur Dialyse gefahren bin, war er verschlossen. Das war dann schon etwas lästig. Ich musste in ein Krankenhaus gebracht werden, wo der Shunt korrigiert wurde. Das muss sofort gemacht werden, weil man ja nicht ewig auf die Dialyse warten kann. Es ist kein Riesenakt gewesen, aber man wird halt plötzlich aus dem Alltag gerissen. Das ist nicht sehr angenehm. Aber seitdem läuft es wieder problemlos.

    Erfolglose Transplantationen

    Ich hatte in der Vergangenheit zwei Transplantationen, einmal vor etwa zehn und einmal vor etwa 20 Jahren. Sie haben beide nicht funktioniert. Das ist relativ ungewöhnlich. Mein Körper hat die Organe einfach nicht akzeptiert. Ich bekam auch Infektionen, sodass ich zum Beispiel nach der ersten Transplantation noch etwa ein halbes Jahr im Krankenhaus war, um die in den Griff zu bekommen.

    Derzeit überlege ich, ob ich es noch ein drittes Mal versuchen sollte. Trotz der Folgeerscheinungen bin ich noch fit und mit meinen 56 Jahren auch noch relativ jung. Also die Ärzte meinen, dass ich von meinem körperlichen Zustand her auf jeden Fall eine weitere Transplantation versuchen könnte. Die Vorstellung, dass es funktionieren und ich von der Maschine weg könnte, ist sehr verlockend. Aber wenn ich daran denke, wie die beiden ersten Transplantationen abgelaufen sind und dass ich mit der Dialyse trotz der Einschränkungen all die Jahre gut zurechtgekommen bin, finde ich es eine sehr schwere Entscheidung.

    Auf Blutdruck und Ernährung muss ich achten

    Mein Blutdruck schwankt immer sehr. Entweder ist er zu hoch oder er ist zu niedrig. Ich habe relativ selten Phasen, in denen er normal ist. Momentan ist er wieder zu hoch und wir versuchen, das durch Blutdrucksenker in den Griff zu bekommen. Zusätzlich nehme ich noch Vitamine und Phosphatbinder ein und ich bekomme ein Medikament zur Blutbildung, wie vermutlich sehr viele Patienten mit einer Nierenerkrankung.

    Ich habe mittlerweile keine Ausscheidungen mehr. Das bedeutet, dass alles, was ich trinke, im Körper bleibt. Das muss dann durch die Dialyse rausgespült werden. Bei mir ist es im Gegensatz zu vielen anderen Patienten eher das Problem, dass ich nicht zu viel, sondern zu wenig trinke. Ich habe einfach keinen Durst und muss mich regelrecht zwingen, über den Tag verteilt genug zu trinken.

    Beim Essen ist das bei mir dagegen relativ unkompliziert. Mit etwas Augenmaß kann ich im Prinzip alles essen. Zu Beginn habe ich ganz genau mit einer kleinen Waage abgewogen, wie viel ich von bestimmten Lebensmitteln gegessen habe. Das mache ich schon lange nicht mehr. Ich glaube, ich habe mit der Zeit ein ganz gutes Gefühl entwickelt. Wenn ich zum Beispiel zu viel Kalium aufgenommen habe, bekomme ich oft Krämpfe in den Waden. Dann muss ich dagegen steuern, denn zu viel Kalium im Körper kann sehr gefährlich sein.

    Ein normales Leben trotz und mit Dialyse

    Ich habe die Dialyse relativ leicht für mich annehmen können. Es war für mich eine sehr schnelle Verbesserung von einem extrem schlechten Zustand hin zu einem normalen Leben, mit der Einschränkung der Dialyse dreimal die Woche. Ich war diesem Gerät so dankbar. Es war die einzige Möglichkeit für mich, weiter zu leben. Was ich ja unbedingt wollte, ich hatte ja noch nicht mal richtig angefangen zu leben.

    Aber ich kenne auch andere Patienten, für die das anders ist und die große Probleme haben. Gerade am Anfang kann es schwierig sein, die Dialyse zu akzeptieren. Ich finde es wichtig, dass sich diese Patienten Hilfe holen um zu lernen, mit der Dialyse zu leben. Mit der Zeit kann man ein nahezu normales Leben führen. Es gibt keine größeren Einschränkungen, am öffentlichen Leben teilzunehmen oder Beziehungen einzugehen. Ich finde, es gibt keinen Grund, wegen einer Dialysepflicht deprimiert zu sein: Das ist nicht das Ende des Lebens!

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

    Chronische Nierenerkrankung - Erfahrungsbericht - Otto

    „Mit der Zeit hat sich bei mir fast eine familiäre Beziehung zu den anderen Patienten und dem Pflegepersonal entwickelt. Man geht dort ja für eine lange Zeit mehrmals in der Woche hin.“

    Otto, 83 Jahre

    „Mit der Zeit hat sich bei mir fast eine familiäre Beziehung zu den anderen Patienten und dem Pflegepersonal entwickelt. Man geht dort ja für eine lange Zeit mehrmals in der Woche hin.“

    Ich bin mir gar nicht so sicher, wann es bei mir angefangen hat. Eine nicht gut funktionierende Niere macht ja oft lange Zeit keine Beschwerden. Ich erinnere mich, das muss so etwa 30 Jahre her sein, dass bei einer Blutuntersuchung beim Hausarzt meine Nierenwerte nicht so gut waren. Er hat mir dann empfohlen, mehr zu trinken. Das habe ich auch gemacht. Dann waren die Werte lange Zeit unauffällig.

    Vor acht oder neun Jahren sind die Werte jedoch wieder gestiegen. Gespürt hatte ich nichts. Die Werte waren jetzt nicht sehr schlecht, aber doch grenzwertig. Mein Hausarzt verordnete mir Medikamente, die ich auch eingenommen habe. Ich bin dann immer wieder zur Kontrolle gegangen und die Werte hielten sich so an der Grenze. Das beruhigte mich ein wenig.

    Meine Nieren waren nicht mehr richtig durchblutet

    Einige Zeit später wurden meine Nieren mit Ultraschall untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass die linke Niere sehr stark geschrumpft und kaum noch funktionsfähig war. Die rechte Niere war etwas angeschlagen, arbeitete aber noch. Die Blutversorgung war gestört, weil sich eine Verengung in der Nierenarterie gebildet hatte.

    Mir wurde zu einer Katheteruntersuchung geraten, um sich die Arterie genauer anzuschauen. Das habe ich auch machen lassen. Bei dieser Gelegenheit wurde mir gleich ein Stent eingesetzt, der die Verengung in der Arterie weiten sollte. Damit war das Problem erstmal wieder gelöst. Die Werte haben sich etwas verbessert. Aber das Nierengewebe war durch die fehlende Durchblutung schon ziemlich geschädigt.

    Ausfall der Nieren

    Anfang des Jahres 2016 wurde ich wegen einer Herzattacke im Krankenhaus behandelt. Mir sollte ein Bypass gesetzt werden. Das habe ich gut überstanden, aber meine Nieren haben nicht mehr mitgespielt.

    Die Werte wurden so schlecht, dass ich noch im Krankenhaus zur Notdialyse musste. Dort wurde mir auch mitgeteilt, dass ich damit rechnen muss, mein Leben lang dialysepflichtig zu sein. So war es dann auch.

    Das Leben mit dem Dialysezentrum

    In meiner Heimatstadt gibt es ungefähr fünf oder sechs Dialysestationen. Ich habe mich für das Dialysezentrum direkt im Krankenhaus entschieden und bin da auch heute noch.

    Ich bin ja noch nicht so lange ein Dialysepatient, etwa ein Jahr jetzt. Am Anfang musste ich mich erst ein wenig mit dem Gedanken anfreunden, ab jetzt immer mehrmals die Woche zur Dialyse zu gehen.

    Drei Vormittage in der Woche sind nun weg. Bestimmte Veranstaltungen oder Einladungen in dieser Zeit kann man nicht mehr wahrnehmen. Auch im Urlaub bin ich an die Dialyse gebunden. Wenn etwas ganz Wichtiges ansteht, kann man auch mal einen Tag mit der Dialyse aussetzen. Aber das sind wirklich Sondersituationen.

    Ich gehe derzeit dienstags, donnerstags und samstags zur Dialyse. Ich werde immer früh um sieben Uhr mit dem Taxi abgeholt. Im Dialysezentrum teile ich mir ein Zimmer mit drei Frauen. Die Besetzung ist fast immer dieselbe und so kennen wir uns schon länger. Es geht der Reihe nach: Wer zuerst kommt, der kommt auch zuerst an die Maschine. Ich bin immer etwa vier Stunden dort. Wie lange es insgesamt dauert, hängt auch davon ab, wie viel los ist.

    Gegen zwölf Uhr bin ich spätestens fertig. Manchmal muss ich etwas warten, bis eine Schwester Zeit hat und mich von der Maschine abnehmen kann. Das Taxi bringt mich zurück nach Hause, das ist ja alles geregelt. Meistens hat meine Frau dann bereits das Mittagessen vorbereitet. Ich esse und lege mich meist ein wenig hin.

    Während der Dialyse habe ich keine Schmerzen oder Beschwerden. Das einzig Unangenehme ist, wenn zu Beginn die relativ dicke Nadel in den Arm eingeführt wird. Mit dem Zugang, bei mir ist es ein Shunt, habe ich bisher aber noch keine Probleme gehabt.

    Am Anfang stand für mich auch die Option, eine Heimdialyse zu machen. Ich habe es mir auch mal angeschaut und mit Patienten gesprochen, die das daheim machen. Aber ehrlich gesagt, habe ich Angst, dass da etwas schieflaufen könnte. Man wird zwar geschult, aber dennoch wäre ich zu unsicher. Ich nehme lieber die Fahrt zum Dialysezentrum in Kauf. Das muss jeder so entscheiden, wie es am besten zum eigenen Leben passt.

    Wie eine kleine Familie

    An die Zeit, die man im Dialysezentrum verbringt, muss man sich erst mal gewöhnen. Das ist in jedem Zimmer auch anders. Manchmal entstehen unter Patienten, die sich zum Teil schon Jahre kennen, lebhafte Gespräche über Gott und die Welt. In meinem Zimmer ist es eher ruhig. Die drei Frauen sprechen nicht so viel. Aber man kann fernsehen und Radio hören. Und es gibt Internet. Obwohl das für mich nicht ganz so praktisch ist. Ich habe zwar ein Tablet, aber der eine Arm ist ja an die Maschine angeschlossen. Das macht es für mich etwas schwierig, mit dem Tablet oder Laptop zu hantieren.

    Schlafen geht auch, ist manchmal aber etwas schwierig: Zwischendurch wird mal der Blutdruck gemessen, manchmal funktioniert etwas bei dem einen oder der anderen nicht oder die Schwestern bringen neues Material, da kann es schon mal laut sein.

    Mit der Zeit hat sich bei mir fast eine familiäre Beziehung zu den anderen Patienten und dem Pflegepersonal entwickelt. Man geht dort ja für eine lange Zeit mehrmals in der Woche hin.

    Die Ernährung haben wir etwas angepasst

    Die Niere hat ja zwei Hauptfunktionen: die Entgiftung und die Wasserausscheidung zu regeln. Viele Mitpatienten bei der Dialyse scheiden so gut wie kein Wasser mehr aus. Bei mir geht das noch einigermaßen gut. Das ganze Wasser, was der Körper so ansammelt, muss bei der Dialyse herausgezogen werden. Nierenpatienten müssen daher sehr vorsichtig mit dem Trinken sein. Ich bin sehr froh, dass ich damit keine großen Probleme habe. Ich trinke pro Tag so 1,5 Liter und in etwa scheide ich auch so viel wieder aus. Ich trinke jeden Morgen einen halben Liter Tee, immer mal wieder einen kleinen Schluck zwischendurch und am Abend trinke ich wieder meinen Tee. Man muss beachten, dass die Nahrung auch Flüssigkeit enthält.

    Die Ernährung haben meine Frau und ich etwas umgestellt. Mit dem Salz sind wir sehr vorsichtig. Ich esse jetzt keine Bananen mehr und generell weniger frisches Obst. Die Kartoffeln wässern wir jetzt immer vor der Zubereitung. Die Umstellung ist für uns aber nicht schlimm, damit können wir gut leben.

    Urlaub als Dialysepatient ist möglich

    Im letzten Jahr waren wir für 14 Tage innerhalb Deutschlands im Urlaub. Ich hatte mich vorher nach einer Dialysemöglichkeit erkundigt und ein Dialysezentrum an unserem Urlaubsort gefunden. Ich habe dort angerufen und erfahren, dass sie von mir die Dialysedaten brauchen. Die hat mein Dialysezentrum dann dorthin gefaxt.

    Das Dialysezentrum dort hat sogar den Transport vom Hotel organisiert. Ich wurde morgens im Hotel abgeholt und mittags wieder zurückgebracht. Alles lief ab wie daheim. Und das Personal war wirklich sehr nett. Also, wenn man sich drum kümmert, dann findet man an ganz vielen Orten Dialysemöglichkeiten. Selbst manche Kreuzfahrtschiffe bieten mittlerweile Dialysestationen an.

    Mit den Medikamenten habe ich keine Probleme

    Ich nehme jeden Tag Tabletten gegen meinen Bluthochdruck. Die vertrage ich gut. Ich nehme auch Cholesterinsenker. Früher habe ich ein Medikament wegen zu hoher Harnsäurewerte eingenommen. Die hat meine Ärztin dann aber abgesetzt, da meine Werte unauffällig sind.

    Vierteljährlich werden Kontrolluntersuchungen gemacht. Das passiert direkt im Dialysezentrum. Das Blut ist ja in der Maschine, da muss nicht extra dafür gestochen werden.

    Bewegung ist in meinem Alter etwas schwieriger

    Ich bin ja relativ alt, 83 Jahre. Dann ist das mit dem Sport so eine Sache. Das Gehen fällt mir mittlerweile nicht mehr so leicht. Bei der Dialyse gibt es die Möglichkeit, ein Bettfahrrad zu benutzen. Das wird ans Fußende gestellt und man kann auf dem Rücken liegend strampeln. Das ist ganz schön und ich habe es eine Zeitlang auch gemacht.

    Anfangs hatte ich einen Katheter, der von der Schulter aus eingeführt wurde. Das war ganz praktisch, ich hatte etwas mehr Bewegungsfreiheit bei der Dialyse und da war das Benutzen des Bettfahrrads etwas einfacher. Der einzige Nachteil für mich war, dass ich beim Duschen ein großes Pflaster über den Zugang kleben musste. Weil bei einem Katheter die Infektionsgefahr aber sehr groß ist, drängten die Ärzte nach einer gewissen Zeit dazu, den Katheter durch einen Zugang am Arm zu ersetzen, den Shunt.

    Seit ich den Shunt habe, bin ich nicht mehr Rad gefahren. Ich habe mir aber überlegt, wieder danach zu fragen. Auf Drängeln meiner Frau habe ich mir einen Rollator beschafft. Da kann ich mich unterwegs zwischendurch auch mal hinsetzen und bin etwas motivierter, auch ein Stück länger zu gehen als sonst.

    Die Entscheidung für oder gegen eine Dialyse ist persönlich

    Die Entscheidung für oder gegen eine Dialyse ist eine ganz persönliche Sache. Wenn man sich gegen eine Dialyse entscheidet, dann geht es irgendwann tatsächlich zu Ende.

    Eine Spenderniere kommt für mich in meinem Alter nicht mehr infrage. Das hat mir auch keiner vorgeschlagen. So einfach ist das ja oft auch nicht. Ich kann mit der Dialyse, so wie es jetzt ist, sehr gut leben.

    Danksagung

    Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

    Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

    Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.